1886 / 249 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Die leßten Reuter'shen Depeschen aus Birma melden: Rangun, 19. Oktober. pes

einem Verlust von 20 Mann zurü>geschlagen. Verstärkungen dort hbingesandt i ang

stehen. Der General leidet am Fieber. Minhla und. der alten Grenze befindet si< in schr unruhigem Zu- stande. Es wurde eine Truppen - Abtheilung entsandt, um sämmtlihe Kähne auf dem Flusse zu vernichten, da die frei, \cärler die Holzflöße auf dem Irawaddy anhalten. Die birmanischen Fuhrleute, wel<he die Kranken und Verwundeten von Major Meacham's Streitkraft heimbra<hten, wurden auf der Rückreise von den Insur- genten gefangen genommen. Die Leute wurden grausam gepeit\<t, und außerdem raubte man ibnen no<h 120 Joh Ochsen. Eine Ver- ]stärkung von 700 Mann der Pendschab'shen Militärpolizei ift aus Indien in Rangun eingetroffen.

20. Oktober. General-Major White, der interimistishe Truppenbefehlshaber, ist na< Mandalay aufgebrochen. General Macpher fon ist für die Einführung des Kriegsre<ts, Sir Charles Bernard aber gegen die Annahme dieses Verfahrens.

Nach einer späteren Depesche des „Reuter's<hen Bureaus“ aus Thayetmyo starb daselbst General Macpherson heute früh

am Fieber.

21. Oktober. (W. T. B.) Einem Telegramm des „Reuter schen Bureaus“ zufolge wird der Ober-Kommandirende der britishen Armee in Jndien, General Roberts, an Stelle des verstorbenen Generals Macpherson, das ODber-Kom-

mando in Birma übernehmen.

Frankreih. Paris, 20. Oktober. (Fr. C.) Der Senat bestimmte in seiner gestrigen Sißung dur< das Loos das Departement, welches einen Senator an Stelle des ver- storbenen Mitgliedes des Hauses de Carayon- Latour zu er- nennen haben wird: das Loos fiel auf die Loire. Dann beschäftigte er si<h mit dem Geseßentwurf, betreffend die Veräußerung der Kronjuwelen. Er hatte das Prinzip und den Art. 1, der es bestätigt, shon in der leßten Session angenommen, und es handelte sih jeßt nur noch um die geeignetste Verwendung der Verkaufssumme. Die Kammer hatte beschlossen, eine Kasse der Jnvaliden der Arbeit damit auszustatten, während der Aus\{huß des Senats den Vorschlag macht, die eine Hälste der Kasse für die Altersversorgungen und die andere einer Kasse der National-Museen zuzuwenden. Senator Tolain wollte hingegen die Handwerksschulen mit einem Theil des Erlöses bedenken und änderte sein ursprüngliches Amende- ment in dem Sinne, daß eine Million für diesen Zwe> und der Rest zu gleichen 4 für die beiden genannten Jn- stitute bestimmt werden soll. Hiermit hat si< der Ausschuß zufrieden gegeben, und das Amendement wurde in Betracht gezogen.

In der Deputirtenkammer stand die Debatte über das von dem Senat {hon lange genehmigte Geset, betreffend die Organisirung des Volks unterrichts, genauer aus- gedrüt: die Verweltlihung des Lehrpersonals, auf der Tages- ordnung. Die Kammer erledigte die Generaldiskussion und wird morgen in die Spezialdebatte eintreten.

__— (Köln. Ztg.) Das Londoner Kabinet verständigte die französische Regierung : der Vize-König von Fndien beabsichtige, Ende November Pondichery zu besuchen. Die Regierung gab dem neuen Gouverneur Nanes FJn- struktionen, den Vize- König glänzend zu empfangen. Die Deputirten Laur, Faure und Jmbert brachten in der Deputirtenkammer einen Geseßentwurf ein, der dahin lautet: den Marine-Minister zu bevollmächtigen, eine gewisse Anzahl Transportschiffe den Syndikats- und Handelskammern und den Arbeiter- Syndikaten behufs Einrichtung \{<wimmender Ausstellungen zur Verfügung zu stellen.

Die Zustände in Kambodscha sind no<h immer sehr unbefriedigend: der König und seine Minister haben bis jeßt sich vergeblich bemüht, Ruhe und Ordnung herzustellen; die Führer des Aufstandes wollen von Unterwerfung nichts wissen und fahren in threr Verheerung des Landes fort ; wiederholte Gefechte zwischen den Truppen des Königs und den Aufstän- dischen A Lage nicht gebessert.

21. Oktober. (Köln. Ztg.) Der Budget-Aus\chu hat sih nah Lesung des Wilson’schen Berichts A E Éinkommensteuer ausgesprochen und beschlossen, sich mög- lihst bald mit der Regierung ins Einvernehmen zu seßen. Der Finanz-Minister Sadi Carnot wird, wie man versichert, in Folge dieses Beschlusses in einer Sißzung er- scheinen, um, wenn möglich, eine Einigung über die streitigen Punkte zu erzielen. Der Aus\{huß vertagte seinen Beschluß über die Kredite für die Ausrüstungserneuerung, u zuvor den Kriegs-Minister B oulaitger zu ver- nehmen.

Zeitungsftimmen.

_„¿7Dle „Me>lenburgishen Landesnachrichten“ bringen folgenden Leitartikel „zur sozialen Frage“: „Der deutschfreisinnige Reichstags- Abgeordnete Schrader hatte in der „Nation“ einen Artikel veröffentlicht, welcher unter der Ueber- schrift : „Neue Wege in der Sozialpolitik“ zur Anbahnung des sozialen A zunä<hst die Abschaffung des Sozialistengesetßes ver- langt. Die neueste Nummer der „Nation“ kommt auf den Schrader- hen Artikel zurü> und bezeichnet es wiederum als eine unerläßliche Vorbedingung für eine friedliche Entwickelung unserer inneren Zustände, daß alle Hemmnisse hinweggeräumt werden, die eine vertrauensvolle An- näherung der Arbeiterklasse an die Nichtsozialisten ershweren. Das gegen den „Staatsfozialiêmus“ herausgegebene Vlatt behauptet dann, daß das „Regime Puttkamer genau zu den entgegengeseßten Resultaten führe, nämli nur die Wirkung habe, der Verbitterung innerhalb der Sozialdemokratie neue Nahrung zuzuführen und das Ziel des sozialen Friedens in immer größere Ferne zu rü>en.“ Wenn man mit diesen deutsfreisinnigen Trauergesängen über den verlorenen sozialen Frieden und mit diesen Sehnsuchtsrufen na<h Abschaffung des Sozialisten- geseßes die Greuelthaten der sozial-revolutionärcn Propaganda n Amerika und Belgien also in Lndern ohne Sozialisten- geseß vergleiht, so kann man den freisinnigen Standpunkt kaum no< ernsthaft nehmen, sondern muß ihn lediglih als eine wohl- feile und- unter dem Eo des Sozialistengesetzes gefahrlose Speku- lation auf das dem Fortschritt so unentbehrlihe Wahlbündniß mit unserer Sozialdemokratie auffassen. Wäre es der deutschfreisinnigen Partei wirklih ernst um Yereelfhrung des sozialen Cadeta so würde sie niht das Bestehen des Sozialistengesees, sondern die in dem revolutionären, gegen Christenthum und Monarchie gerich- teten Charakter der Sozialdemokratie liegende Nothwendig- feit des Gesetzes beklagen und nicht die Regierung zur Ab-

: Eine Schaar von 700 Phungyees griff am 17. d. M. Sin-Bong-Weh an, wurde indessen mit Von Minhla sind

Rangun, 19. Oktober. General Macpherson kommt mittels Dampfers nah Rangun und wird si< von hier nah Ningyan, im Sittang-Thale, begeben, wo die Insurgenten in großer Stärke Die Gegend zwischen

Arbeiterpartei auffordern, wel<he auf dem Boden der Kaiserlichen Botschaft steht. Denn das muß doc jedes Kind cinsehen, daß nur auf der leßteren Grundlage der soziale Friede bei uns einfkfehren kann, die bestehenden Gewalten aber niemals einer Arbeiterpartei freie Hand lassen dürfen, welche unverhohlen auf die Beseitigung der <ristlihen und monar(ishen Grundlagen unseres Staats- wesens hinzielt. Den Sozialdemokraten und ihren freisinnigen Freunden fann auf ihre Sehnsuchtsrufe na< dem „sozialen Frieden“ deshalb nur gesagt werden, was in treffender Weise ein- mal den Gegnern der Todesstrafe gesagt wurde: „Die Herren Mörder mögen (mit der Abschaffung der Todesstrafe) anfangen“. Aus) die Herren Sozialdemokraten mögen mit dem sozialen Frieden anfangen. Das Sozialistengeseß und alles Andere, was ihnen un- bequem ist, hört von selbst auf, sobald der kriegerische und revolutio- näre Ansturm gegen Christenthum und Monarchie aufhört. Gegen- wärtig trifft die sozialdemokratische Partei ledigli ein selbstvershuldetes Verhängniß: wer zum Schwert greift, wird durh das Schwert um- kommen. Die deutshfreisinnige Partei aber begeht einen ungeheueren Frevel an dem sozialen Frieden dadurch, daß sie die bethörte Arbeiter- partei in der Täuschung bestärkt, als könne in Deutschland jemals auf einer anderen als der soeben von uns bezeichneten Grundlage der „foziale Frieden“ hergestellt und erhalten werden.“

__— Der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ wird über die Lage der Landwirthschaft im Regierungsbezirk Marienwerder Folgendes gemeldet :

Auf dem Markte in Tuchel kosteten während des Sommers 100 kg Weizen 13,66 Æ, Roggen 11,57, Gerste 10,18, Hafer 11,23 im Durchschnitt. Bei so niedrigem Preisstande aller Bodenerzeugnisse ist die Lage der Landwirthe na< wie vor eine äußerst mißlihze, während der Gewerbebetrieb ir den Städten durch die Schwächung der Kauf- kraft des platten Landes leidet. —— Ueber die Zwangsversteigerungen landwirth\scaftli<h benußgter Grundstü>ke stehen jeßt genauere Angaben _ zur Verfügung. Hiernach sind im Laufe des Mai, Juni und Juli im Ganzen 846 ha 99 a und 32 qm dur gerihtli<he Zwangsversteigerungen in andere Hände übergegangen Diefe Gefammtflähe vertheilt fih indessen auf 52 verschiedene Besißungen, von welchen die größte 98, die zweit- größte 68 ha umfaßt. Es etgiebt si<h hieraus, daß die Noth der Zeit au<h auf den bäuerlihen und den noch fleineren Besitzungen \<wer lastet. Bezeichnend für die gegenwärtige Unrentabilität des Großgrundbesitzes sind die Ergebnisse, welhe bei der am 30. Juni d. I. stattgehabten Neuverpahtung der Domäne Schößau im Graudenzer Kreise und bei der Neuverpachtung der Domäne Pusta- Dowmbrowken im Strasburger Kreise am 2. Juli cr. erzielt worden sind. Obwohl beide Domänen si in vorzüglihem Kulturzustande befinden, stellten si< zu den gedachten Terminen außer den bisherigen E keine Bieter ein. Beide Pächter boten erheblich niedrigere

ummen.

Os „Central-Blatt für die Textil-Jndu- M O einen „Rembours“ überschriebenen Artikel, wie folgt:

__ Deutschland hat unter der neuen Wirthschaftspolitik ohne Zweifel in Industrie und Handel große Fortschritte gemacht. Die von mancher Seite geäußerten Prophezeiungen sind, wie vorauszusehen war, nicht eingetroffen. Anstatt einer Abnahme in unserer Konkurrenzfähigkeit im Weltmarkt ift eine bedeutende Steigerung derselben eingetreten ; wiewohl man dies in England einsieht und wie empfindlich man es fühlt, lehrt cin Bli>k in die Londoner und die bedeutenderen Provinzial- Zeitungen. Wir finden, daß Deutschland der einzige Konkurrent ift, den Großbritannien fürchtet, und daß diefer Nebenbuhler von Jahr zu Jahr mächtiger wird, während es si doch nah Ansicht mancher Gegner der jeßigen Handelspolitik na< und nah verbluten müßte. Selbst der oberflählihe Beobachter sieht, wenn er sehen will, daß wir fortshreiten,/ wenn au einzelne Industrien momentan dar- nicderliegen. Ausnahmen sind selbst in den Jahren der größten Prosperität zu verzei<hnen gewesen, es fann deshalb ni<ht Wunder nehmen, daß nah einem beispiellosen Rückgange der Preise aller Roh- stoffe und damit verbundenen Abnahme der Kaufkraft der von der Landwirthschaft si< nährenden Bevölkerung, einzelne Industrien leiden und es \<wierig finden, ihre Erzeugnisse zu nutzbringenden Preisen abzuseßen.

Dies darf uns niht entmuthigen, vielmehr muß uns die Noth- wendigkeit zu neuen Anstrengungen anspornen, unser Absatfeld zu er- weitern, der Handel muß der úIndustrie zu Hülfe kommen.

Unter den vielfahen Maßnahmen, die bereits getroffen sind und unter den Projekten, die noch der Ausführung harren, ist ni<hts mehr geeignet, unsere Industrie wettbewerbs- und damit exportfähiger zu machen, als die Errichtung von Zweighäusern deutscher Banken in be- deutenden überseeischen Handelspläßten

Centralblatt für die gesammte Unterrichts-Ver- waltung in P reußen. September-Oktober-Heft. Inhalt: Technische Vorbildung der Aerzte für das Impfgeschäft; Vorschriften zur Sicherung der gehörigen Ausführung desselben. Bearbeitung der Angelegenheiten der jüdischen Schulen in der Provinz Hannover, soweit sie zum Ressort des Königlichen Ministeriums der geistlichen 2c. Angelegenheiten und zum Geschästskreise der Regierungen gehören, bei der Abtheilung für Kirchen- und Schulwesen, bezw. in Osnabrück und Aurich bei dem Negierungskollegium. Uebersichtskarte der Ver- waltungsbezirke der preußischen Staatseisenbahnen. Zulassung der Prioritäts-Obligationen der Thüringischen, der Oberschlesischen, der Breslau-Schweidniß-Freiburger, der Altona-Kieler und- der Berlin- Hamburger Eisenbahnen zur Bestellung von Amtskautionen. Ueber- einkunft zwishen Deutschland und Großbritannien, betreffend den gegenseitigen Schuy der Rehte an Werken der Literatur und Kunst. Vom 2. Juni 1886. Aufstellung der von dem Deutschen Samariter-Vereine zu Kiel hergestellten Blechtafeln mit aufgedru>kter Behandlungs- und Rettungsanweisung zur Wiederbelebung Ert1runkener. Tragung der auf Pfarr-, Küster- und Schulländereien fallenden Deich- fassenbeiträge und Seyarations-Nebenkosten. Erhaltung der Funde an Alterthümern. S Bestätigung der Wahlen von Rektoren und Defkanen an Universitäten. Nichtzulassung von Personen weiblichen Geschle<hts zu den Vorlesungen an den Universitäten. Gesetz, be- treffend die Berechnung der Dienstzeit von Beamten des Kunstgewerbe- Museums zu Berlin. Vom 19. Juli 1886. Statut der Haupt- Stiftung. -— Ausfeßung des Unterrichts an heißen Sommertagen in den Schulen Berlins. Befähigungs8zeugnisse für Eleven der Turn- [chrer-Bildungsanstalt. Befähigungszeugnisse aus dem Kursus zur Ausbildung von Turnlehrerinnen. Termin für die Turn- lehrerinnen - Prüfung im Herbst 1886. Bedingungen für die Aufnahme eines Präparanden, welcher eine Vorbereitungs- anstalt bereits besuht, sie aber verlassen hat oder aus ihr entfernt worden ist, in eine andere Anstalt. Statistische Uebersicht über die in Preußen vorhandenen öffentlichen höheren Mädchen- \{<ulen. -— Vorausfeßzung für die definitive Anstellung einer Hand- arbeitslehrerin. Verpflichtung zur Zahlung des Gehalts an einen zur Ableistung seiner se<8wöchentlihen aktiven Dienstpflicht in den Mililärdienst eingestellten Volks\{ullehrer. Anstellung von Aus- ländern im Öffentlichen Schuldienst. Berücksichtigung der wirth- \chaftlihen Lage der zur Unterhaltung der Volksschule Verpflichteten bei den Anordnungen zur Hebung des Volks\{hulwesens; Sicher- stellung der Geldmittel für Schuleinrihtungen vor deren Aus- führung. Uebersicht über die Zabl der bei dem Landheere und bei der Marine in dem Ersatjahre 1885/86 eingestellten preußischen Mannschaften mtt Bezug auf ihre Schulbildung. Religiöse Erziehung von Kindern aus gemishten Chen. Der gänz- liche oder theilweise Untergang im Gegensaße zur Zerstückelung eines Grundstü>s in seiner Rückwirkung auf sol<he Schulsteuern, deren Veranlagung eine auf das Immobile repartirte Realsteuer zu Grunde

schaffung desselben, fondern die Arbeiter zum Austritt aus der sozialdemokratis<hen und zur Bildung einer sozialreformatorishen

zur Lieferung des Brennmaterials für die Schule verpflichtet \ind, bei gesteigertem Bedürfnisse au den erforderlihen Mehrbedarf in pas geseßli< bestimmten Grenzen aufzubringen? Die Legitimation deg Landraths, welber von der Schulaufsichtsbehörde mit der Aus- \<reibung von Steuern zur Unterhaltung einer öffentlichen Elementar- \hule an Stelle des Schulvorstandes betraut ist, zur Vertretung der Umlage im Streitverfahren auf die Klage der einzelnen Kontribuenten. Beiladung Dritter, deren Interesse durch die zu erlassende Entscheidung berührt wird, zu dem Streitverfahren. Sind die Beigeladenen berechtigt, gegen die in der Sache ergehenden Entscheidungen Nec<tsmittel einzulegen? Betbeiligte im Sinne des d 47 des Zuständigkeitsgeseßes vom 1, August 1883. Der im ersten Abschnitte des $. 47 a. a. O. vorgesehene Beschluß der Shulaufsichtsbebörde ist niht unbedingte Vorausf\etung füc die Zulässigkeit eines Verwaltungss\treitverfahrens zwischen den Betheiligten über ihre baulichen Verpflichtungen. Auch bei Schul- und Küsterhäusern find die zur Aus\tattung der Schulräume für den Unterricht erforderlichen Utensilien (Subfellien 2c.) niht als ein Zu- behör des Gebäudes zu erachten und in Folge dessen niht von Dem- jenigen zu beschaffen, welchem die bauliche Herstellung der Shulräume obliegt. Die \{lesischen katholischen Schulreglements von 1765 und 1801 kennen keine Schulgemeinden mit selbständiger juristis<her Persönlichkeit. Die zu einer Schule geschlagenen, zu deren Unter- haltung verpflihteten Gemeinden und Herrschaften werden nicht dur den Schulvorstand vertreten. Die Beitragspflicht der Dominien ist ni<ht davon abhängig gemacht, daß der Besißer des Dominiums im Verhältnisse zu einer Schule als Gutsherr anzusehen ist. Die Dominien haben zur Besoldung aller Lehrer, deren Anstellung die Schulaufsichtsbehörde für nöthig erachtet, in dem dur<h S. 19 des Reglements von 1801 bestimmten Verhältnisse beizutragen. Ge- werbsmäßige Ertheilung von Privatunterriht im Sinne der Kabinets- ordre vom 10. Juni 1834. Die Bestrafung von unbefugter Er: theilung von Privatunterriht hat zur Vorausfetung, daß troß erhal- tener Verwarnung die Ertheilung eines polizeilichen Erlaubnißscheines niht nahgesu<t ift. Privatunterriht in der Wohnung des Privatlehrers. Nicht amtlicher Theil : Nordseebad Wy>k auf Föhr. Deutsche Luther-Stiftung. Personalchronik.

Statistische Nachrichten.

Nah Mittheilung des Statistischen Amts’ der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 10, Oftober bis incl. 16. Oktober cr. zur Anmeldung gekommen; 609 Eheschließungen, $95 Lebendgeborene, 31 Todtgeborene, 586

Sterbefälle. Die Nr. 370 der „Mittheilungen der Groß- berzoglih Hessischen Centralstelle für die Landes- Aichungen und Prüfungen 1885,

statistik“ hat folgenden úSnhalt : Gheschließungen, Geborene und Gestorbene 1885. Ergebnisse des Landgestüts 1885. Einnahme an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbraus\teuern 1885—86. Ergebnisse der Branntweinbesteuerung 1880-80, Betrieb der Wanderlager im 1. Vierteljahr 1885 und Rechnungsjahr 1885—86, Vorläufige Ergebnisse des Betriebs der Eisenbahnen August 1886. Sterblichßkeitsverhältnisse August 1886 Anzeige. : |

Es Seefischerei im Jahre 1384/85. Die Theilnahme an der Fischerei war nah den Angaben in der „Statisti- schen Monatsfchrift“ (VIT, 1886) au< im Jahre 1884/85 an der österreihishen Küste des A Meeres eine im Vergleiche mit der früheren Zeit äußerst lebhafte, ja sie hat selbst gegen das Vorjahr wieder zugenommen. In der Sommerkampagne waren mit Seefischerei beschäftigt 11282 Personen, d. i. um 136 Personen oder 1,2 9% mehr als im Borjahre, und in der Winterkampagne 9144 Personen (+ 209 bezw. 2,3 % gegen 1883/84). Unter diesen Fishern waren 8,1 bezw. 9/2 9/, Ausländer (Italiener). Troy der regen Betheiligung ist die Menge der Ausbeute, 86 740 Mtr.-Ctr., gegen das Vorjahr um 12 290 Mtr.-Ctr. oder 12,4 %%, und deren Werth, 2 258 630 Fl., um 199203 Fl. oder 8,1 % zurückgegangen, was bei der leider noh immer vorherrs{henden RaubwirtbfGaft gar nicht anders zu erwarten stand. An dem Gesammtergebniß nahmen die österreihishen Fischer mit 80,7, die italienishen mit 19,3 9% Theil, eine Quote, die mehr als doppelt so hoch ist als der prozentuale Antheil der Italiener an der gesammten Fischerzahl. Dieses günstigere Ergebniß der Italiener (19 Mtr.-Ctr. im Werthe von 464 Fl. pro Kopf gegen 7,5 Mtr.-Ctr. mit 191 Fl. Werth Seitens der österreichischen Fischer) ist insbefondere dem Umstande zuzuschreiben, daß sie beinahe aus\hließlih mit den der Fischbrut so verderblichen Scharrnetzen („Cocchia“ und „Tartana“) fischen. Gefangen wurden 71811 Mtr. - Ctr. Fische (darunter 96 225 Mtr.-Ctr. Sardellen, 7674 Mtr.-Ctr. Makrelen), 10 309 Mtr.- Centner Weichthiere (Tintenfishe und Sprotten, Muschelthiere und Sceschnecten), 4604 Mtr.-Ctr. Krebse und 16 Mtr.-Ctr. andere See- produkte (Delphine, Schildkröten, Seeigel und Badeschwämme). Ueber 52 °/o der gesammten Fischauébeute waren Kleinfische. :

_— Die Cholera in Jtalien in den Jahren 1884 und 1885. Dem amtlichen Bericht des Deputirten Morana, General- sekretärs im italienischen Ministerium des Innern, über den Verlauf der Cholera-Epidemien in Italien in den Jahren 1884 und 1885 entnehmen wir folgende Angaben. Im Jahre 1884 wurden 44 Provinzen mit 858 Gemeinden von der Krankheit befallen ; es erkrankten 27 030 Perfonen, von denen 14 299 oder 52,9 9% starben. Der crste Fall kam am 28. Juni 1884 in Cuneo, der leßte am 28. Januar 1885 in Caserta vor. Weitaus die meisten Erkrankungen und Todesfälle (15 927 bezw. 7994) famen auf die Stadt Neapel und Umgebung. Im Jahre 1885, wo die Epidemie vom 1. August (Provinz Neapel) bis 28. De- zember (Provinz Treviso) währte und 28 Provinzen heimsuchte, er kranften 6510 Personen, von denen 3557 oder 54,6 9/4 starben. In diesem Jahre entfielen 5535 Erkrankungen und 2959 Todesfälle auf die Provinz Palermo in Sizilien.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Die Darstellung der vaterländischen Kriege unter der Regie rung Sr. Majestät des Königs zu vollenden, giebt der K önig’ lihe Große Generalstab, Abtheilung für Kriegsgeschichte, iu! Ans{luß an die den Kriegen von 1866 und 1870/71 gewidmeten Werke nunmebr die Geschichte des thnen vorangegangenen Krieges gegen Dänemark unter folgendem Titel in zwei starken Bänden, (Groß-Dftav-Format), im Verlage der Königlichen Hofbuchhandlung von E. S. Mittler u. Sohn in Berlin, heraus: „Der deuts<- dänische Krieg 1864, herauêëgegeben vom Großen Generalstab, Abtheilung für Kriegs8geschichte“. Der in nächster Zeit el scheinende erste Band enthält bei einem Umfange von etwa 33 Dru bogen die politishe Vorgeschichte des Krieges sowie die beiderseitige! Operationen in Jütland bis zum 18. April und vor Düppel bis zum 8. März 1864. Unter den Beilagen befinden si<h die Ordres de bataille, 2 Uebersichtskarten, 6 Pläne, 6 Skizzen in Stel dru und 5 Textskizzen. Der zweite, binnen Jahresfrist erscheinende Vand wird die Siege von Düppel und Alsen, den Schluß dcs Feldzuges und seine Erfolge darstellen, Dieses an amtlicher Stelle redigirte Werk besißt daher denselben authentischen und zugleih nationalen Werth wie die über die anderen beiden Kriege früher veröffentlihten Werke und hat den gleichen Anspruch auf all emeine Verbreitung im Publikum. Um die Anschaffung die|® vedeutenden „Werkes na< Möglichkeit zu erleichtern, ist neben der Aus: gabe in zwei Bänden auch eine Lieferungsausgabe veranstaltet worden. Allgemein giebt die Verlagshandlung zunächst eine erste Lieferuns (die volitishe Vorgeshichte des Krieges enthaltend) von fünf Dru bogen nebit einer Karte zur Ansicht aus; danach kann, je na<_ ' der Fortbezug des Werkes bestellt werden: entweder in möglichst glei umfänglichen Lieferungen, die si<h für jeden der beiden Bände n monatlichen Zwischenräumen folgen werden; oder bandweise, sodaß der Rest des ersten Bandes, etwa 28 Drukbogen, nebst den zugehörige Karten und Plänen in Einem nachgeliefert wird. Der Preis ganzen Werkes in 2 Bänden nebst den Karten, Plänen und Ski!

liegt. Dinglihe Natur der Quatembersteuer. Haben die Guts-

herren im Geltungsgebiete der preußishen Schulordnung, sofern sie

beträgt 37 # 50 &, jedo bleibt eine Preiserhöhung nach voll ständiger Herausgabe des Werkes ausdrü>lih vorbehalten.

Der „Führer dur<h die Königlichen Museen“ (herausgegeben von der Generalverwaltung) ist soeben in se<ster qufla ge erschienen (Berlin, Verlag von W. Spemann, Preis ¿0 5). Diese neue Annane ist, wie die vorangegangenen, entspre<end den inzwischen dur< neue Erwerbungen, Umstellungen 2c. eingetretenen Beränderungen berihtigt und ergänzt. E

Im Verlage von R. Herrosé (Wittenberg) erschien ein Bub, hetitelt : „Götterhimmel der Germanen“. Ferdinand

<midt, welcher der Verfasser ift, beabsihtigt mit dieser Samm- sung der deutshen Göttersagen, die deutsche Jugend mit der nordischen Mythologie vertraut zu machen. Es ist ja eine bekannte Thatsache, daß wir auf unseren Schulen in der griehis<hen Mythologie unter- cihtet werden und in derselben ziemli bewandert sind, wäh- rend wir von den herrlichen Mrvthen unserer eigenen Vorzeit wenig ¡u erfahren bekommen. Datirt doch die Beschäftigung mit der germa- qis<hen Vorzeit erst aus der Zeit der Gebrüder Grimm, die dem deutschen Nolke zeigten, wel< eine Ane von Poesie und Gemüth jener his dahin so wenig geachtete 2 ationalshaß in si< birgt. Die deutsche Jugend nun mit den Göttern ihrer Urväter bekannt zu machen, sie die tiefsinnigen Gedanken und Schönheit der Edda kennen zu lehren, das t Schmidt's Absicht gewesen. Aber an dieser ließ er sich nicht ge- nügen, sondern er verfolgte no< einen höheren Zwe> mit seinem „Götterhimmel“: den nationalen Sinn der deutshen Jugend zu be- leben, ihr eine no<h größere Liebe zu dem Einheimischen, Vater- ländischen einzuflößen und sie den verderblichen Einfluß aller Art von Auéländerei in Wort und Recht, in Sitte und Denkweise bekämpfen zu lehren; das ift die Absicht des alten bewährten Volks- hrift\tellers und daß er dieselbe erreihen wird, daran wird ein \sach- licher Beurtheiler des „Götterhimmels* kaum zweifeln. In der ibm eigenthümlichen \{li<hten, leiht verständlihen Weise führt Schmidt den jungen Leser in die Götterwelt ein und giebt zunächst an der and des Tacitus eine Schilderung der alten Germanen, um den jungen Leser erst nah Sitte und Lebensweise Diejenigen kennen lernen zu lassen, deren religiöse Anschauungen ihm nun far gemacht werden sollen. Sodann beantwortet der Verfasser die Frage: „wie die Vor- stellungen von Göttern entstanden“ und leitet das Bedürfniß, eine übersinnlihe Macht zu verehren, von den Eindrücken her, wel<e die Natur mit ihren gewaltigen Erscheinungen auf die Menschen der Urzeit und auch noch auf die der heutigen Tage macht. So- dann behandelt er die Entstehung, die Ausbreitung der alten Götter- und Heldenlieder, sowie ihre Ausmerzung dur<h Ludwig den Frommen und die Geistlichkeit, während Karl ter Große eine Sammlung der- selben veranstaltet hatte. Hierauf geht er näher auf den Inhalt der Edda ein, welche von der Entstehung und dem Ausbau der Welt anhebt und zunächst von Muspelheim und Nihlheim berichtet. Wir sehen, wie die Vorstellungen unferer ältesten Vorfahren von der Ent- \tehung der Welt denjenigen der antiken Völker ähneln; auch hier haben wir eine Titanomachie, cinen Kamp? zwischen den bildenden und zer- störenden Elementen. Wir erfahren fodann von der Weltesche Ygadrasil, von den Nornen, von den Walküren, von den Einheriern _\. w. Wodan, der Götter König, wird uns in seiner Kraft und Weisheit geschildert; sodann lernen wir die andern Götter alle kennen, den gewaltigen Donar, den Riesentödter, den segenspendenden Freyr, die liebliche Freya, den bösartigen Loki, das Sinnbild des Schlechten, welcher den blöden Hödur überredete, daß er den bei den Gôttern hohbeliebten Baldur, den Gott des fruchtverheißenden Früh- lings, mit dem Mispelzweige tödtete. Die anmuthigen hochpoetishen Sagen, welche sich um diese Götter weben, werden uns {licht und furz erzählt, so der Hammerraub dur<h den Riesen Thrym, fo die Mär von Thiassi und Idrun und andere Mythen. Vor uns steigt die geheimnißvolle Märchenwelt der nordischen Göttersagen auf, und wir erkennen, wel eine Fülle von Tiefsinn und Gemüth bereits in den als so rauh verschrieenen Bewohnern der germanishen Wälder ver- borgen war. Mit Vergnügen wird ein Jeder das Schmidt’she Werk lesen und dem Verfasser für die gebotene Belehrung aufrichtigen Dank wissen. Der Preis des elegant gebundenen Buches beträgt

2,40 b Der Prenßische Termin- und Notiz-Kalender auf das Jahr 1887. Zum Gebrau der Beamten der allgemeinen Verwaltung und der Verwaltung des Innern, eins{<ließli< der Bürger- meister sämmtlicher Städte Preußens 2c. Unter Benutzung offizieller Quellen von Beamten des Ministeriums des Innern bearbeitet, ist im achtzehnten Jahrgange in Friedr. Schulzes Verlag, Berlin SW., Milhelmstr. 1a, erschienen. Der Kalender hat folgenden Inhalt: Kalendarium. Genealogie des Königl. Preuß. Hofes. Die ge- bräuhlihen Eide. Porto - Taxe. Gebühren-Tarif für Tele- gramme. Zins-Tabelle. Münz-Tabelle. Die neuen Maße und Gewichte. Abgekürzte Bezeichnung der neuen Maße und Ge- wichte. Zeit-Vergleichungs-Tabelle. Register der in den bisher ershienenen Jahrgängen des Termin-Kalenders abgedru>ten Gesehe uud Verordnungen. Die Veränderungen in der Ortsklassen-Eintheilung zum Servis-Reglement. Verzeichniß der Behörden und Beamten der allgemeinen Verwaltung und der Verwaltung des Innern, inkl. der Referendarien und der Bürgermeister sämmtlicher Städte Preußens, sowie der Namen der Beamten des Ober-Verwaltungs-Gerichts, der Provinzialräthe und Bezirks-Aus\hüsse, desgl. der Mitglieder der Polizei-Präsidien und -Direktionen. Namenregister. Durch die regelmäßige und korrette Vervollständigung des Verzeichnisses der Behörden und Beamten, sowie seine bewährte Einrichtung für den praktishen Gebrauch gewinnt dieser Termin- und Notizkalender in den betreffenden Beamtenkreisen mit jedem neuen Sahre immer mehr Freunde, es sei daher au der ahtzehnte Jahrgang desselben bestens empfohlen. Eine Vielen willkommene Erweiterung hat dersclbe dadur erfahren, daß in das Beamtenverzeichniß auch die MRegierungs- referendarien aufgenommen sind. Der Preis beträgt 2 M 50 A, mit Papier dur<hschossen 3 Das letzte Vierteljahrsheft (10 bis 12) XXXVI. Jahrgangs 1886 der im Ministerium der öffentlihen Arbeiten herausgegebenen „ZeitsGrift für Bauwesen“ hat folgenden Inhalt: Schloß Boytenburg, von Architekt C. Doflein in Berlin. Das Gymnafial- Le in Bernburg, von Regierungs-Baumeister H. Breymann in ühlhausen. Der Mendebrunnen aus dem Augustusplaße in Leipzig. Sammlungsschränke des naturhistorischen Museums in Göttingen, von Land-Bauinspektor Kortüm in Göttingen. Die Eisenbahnanlagen von Liverpool und Birkenbead, mit Zeichnungen, von Regierungs-Baumeister Havestadt in Berlin (Schluß). Der Hafenerweiterungs-, Schleusen- und Kanalbau bei Oberlahnstein, von Wasser-Bauinspektor H. Wolffram in Diez, Neuere Strombauten an der Isar, von dem K. bayeris<en Bauamtmann A. Wolf in Landshut. Zusammenstellung der bemerkenswertheren preußischen Staatsbauten, welhe im Laufe des Jahres 1884 im Gebiete des Wasserbaues in der Ausführung begriffen gewesen sind (Schluß). Die Bestimmung von Normalprofilen für die Elbe, von Wasser- Bauinspektor Teubert in Magdeburg. Hülfslinie der Giovi-Bahn in Italien, mitgetheilt von Regierungs-Baumeister R. Goering in Berlin. Zeitfragen im amerikanischen Ingenieurwesen, mitgetheilt von Land-Bauinspektor Hin>keldeyn in New-York. Statistische Nachweisungen, betreffend die wichtigsten der in den Jahren 1873 bis 1884 zur Vollendung gelangten Bauten aus dem Gebiete der Garnison- Bauverwaltung des Deutschen Reichs (FortseLung folgt im Jahr- gang 1887). Inhalt des \e<sunddreißigsken Sahrgangs.

Veterinärwesen.

Nachrichten über Verbreitung von Thierkrankheiten im Auslande. Oesterreich. Laut der am 30. September 1886 vorliegenden Meldungen. Lungenseuhe. : Zahl der a! aats Orte:

19 6

Land: Mähren Böhmen Schlesien .

Laut der am 7. Oktober 1886 vorliegenden Meldungen. Lungenseuche : Mähren E E 10

Böhmen . S 18 Ca S Bber:-OeficeO L e T Ungarn. Vom 31. August bis 7. September 1886. Milzbrand . . . . . in 30 Komitaten 92 Gemeinden, Lungenseuche .

E, ¿ 24 Z Maul- und Klauenseuhe _3 Z 7

Vom 7. bis 14 September 1886. Milzbrand in 27 Komitaten 62 Gemeinden, Lungenseuche .

L E Z Ai M Maul- und Klauenseuhe ,

3 Milzbrand Lungenseule. . .. . „11 Z Maul- und Klauenseute „3 - 7 Z

weiz. Vom 1. bis 15. September 1886. Maul- und Klauenseuche. Inficirt : in 2 Gemeinden 2 Weiden mit „1 Gemeinde 1 Weide , Vom 16. bis 30. September 1886. Maul- und Klauenseuche. ; Bun. 4 “in 2 Gemeinden 2 Weiden mit C Gemeinde 1 Weide ¿ Waadt . in 3 Gemeinden 2 Ställe und 1 Weide z Wallis in 1 Gemeinde 1 Weide ¿ Belgien. Vom 186. bis 30. September 1886. . in 7 Provinzen 21 Gemeinden 23 428 Rindern. Vereinigte Staaten von Amerika. In der Grafschaft Greene des Staates Ohio ist das Teras- Fieber unter dem Rindvieh ausgebrochen.

Rom 14. bis 21. September 1886. {in 43 Komitaten e Gemeinden,

Kantone: L | 70 Rindern,

Bern . s

Wallis

70 Rindern, 34 g 18 ü 11 A

Lungenseuche . Ställe mit

Land- und Forstwirthschaft.

Stralsund, 19. Oktober. Auf den im laufenden Jahre _im diesseitigen Verwaltungsbezirk abgehaltenen Remontemärkten sind 138 Pferde zum Verkauf gestellt, von denen 20 Pferde angekauft worden sind.

Gewerbe und Handel.

Der Aufsichtsrath der Berliner Brauerei-Gesell- \<haft Tivoli hat beschlossen, der Generalversammlung die Ver- theilung von 6 9/a Dividende neben den Abschreibungen vorzuschlagen. Der Aufsi&tsrath der hiesigen Victoria-Brauerei hat, na< Vorlegung des Abschlusses für das erste Geschäftsjahr, umfassend die Zeit vom 1. Februar bis 30. September a. e., bes<lossen, nah den Abschreibungen eine Dividende von 43/0 zu vertheilen und dem Reservefonds 10 9/0 des Reingewinnes zuzuführen.

Bradford, 21. Oktober. (W. T. B.) Wolle ruhig, aber stetig, Garne ruhig, williger, Stoffe unverändert.

Submissionen im Auslande.

Oesterrei. Wien. Magistrat. Sicherstellung des

99. Ofkteber. 10 Uhr. : an Desinfektionsmitteln pro 1887,

Bedarfs der Gemeinde Wien und zwar: S | a. circa 30 000 kg roher flüfsiger Korbolsäure mit einem 15- bis 90prozentigen Gehalte an reiner Karbolsäure ;

b. circa 10 000 kg reiner frystallisirter Karbolsäure ; c. circa 12000 kg Eisenvitriol und

d. circa 400 kg Stangenschwefel. . i Die näheren Bedingungen sind für 10 Kr. von der Wiener städtischen Hauptkasse zu beziehen.

Verkehrs - Anftalten.

Hamburg, 22. Oktober. (W. T. B.) Der Postdampfer „Lessing“ der Hamburg- Amerikanischen Paetfahrt- Aktiengesellschaft is, von New-York kommend, heute früh 6 Uhr auf der Elbe eingetroffen. Triest, 22. Oktober. (W. T. B.) Der Lloyddampfer

„Aglaja“ ist gestern Nachmittag aus Konstantinopel hier eingetroffen.

Berlin, 22. Oktober 1886.

zu dem in der Jubiläums- Kunstau2Lellung befindlichen Orth’schen Entwurf einer Friedenskirche am Humboldthafen zu Berlin (Schluß). VII. Der protestantische Kirchengrundriß. Unter den Gründen, welche mi< abgehalten haben, gerade für Berliner Kirchen meine früheren Studien auf dem Gebiete der Gothik weiter zu ver- folgen, nehmen die Bedürfnisse der protestantischen Kirche eine Haupt- stellung ein. Diese kann die mittelalterlih katholische Prozessionsfirche mit ibrem Säulenwald, so poetish \<ön die Wirkung desselben ist, niht brau<hen. Wir brauchen für die Predigt einen weiten freien Raum, weit mehr, als ihn die katholische Kirche erfordert. Wir fommen damit auf andere Grundriß- und Raumformen. Diese größere freie Weite des Raumes ist-nicht blos des besseren Sehens und Hörens wegen wünschenswerth, sondern die Gemeinde erhält au< mehr das Gefühl der Einheit, der Zusammengehörigkeit, als wenn sie in eine ganze Reihe von Schiffen mit engen Sáäulenreihen getheilt ift. Zieht man beispielsweise im Grundriß einer gothischen fünfschiffigen Kathedrale von einer Kanzel, welche nahe einem der Chorfkreuzungspseiler gedacht werden möge, die Gesichtslinien, welche die Stüten begrenzen, so sieht man ohne weiteres, für wie Viele der Prediger wegen der Stüyen niht gesehen werden kann, wodur< auch das Hören ershwert wird. Dieses ist kein Vorwurf für diesen Grundriß. Derselbe ist für seinen Zwe>k durchaus richtig gebildet. Die Kanzel wurde deshalb auch, als nur nebensächlih, meistens so im Langhaus aufgestellt, daß nur ein kleiner Theil des Kirchenraumes davon beherrs<ht wird. : O Der Kuppelraum der Renaissance wird dagegen durch seine Pfeilermassen so wenig nah dem Umfang hin geöffnet, daß er für die protestantische Kirche auch eine Umbildung erfahren muß, welche selbst akustish erwünscht ist. Dagegen ist das Anfügen des Lang- hauses an den Centralraum în der späteren Renaissance und im Jesuitenstiï wegen der besseren Raumentwi>elung durchaus zu billigen. Da wir unsere Kirchen vor Feuer möglichst behüten, also wölben | müssen, wird das Ideal eines großen protestantischen Kirhenraumes | entstehen, wenn man im Anschluß an die Bildungen alt<hristlicher Kirchen und der Renaissance einen von wenig Säulen gestüßten Gentralraum \<afft, welhem si<h ein von wenig Säulen getragenes Langschiff und Kreuzscbiff anschließen, es würde also gewissermaßen eine Synthesis von Renaissance und Mittelalter \i<h bilden, welche aber der einheitlihen Formensprahe nicht zu entbehren braucht. Damit würde in dem neuen Raumgedanken auch eine neue Kunstform < naturgemäß mit der Zeit ausbilden müssen, und würde die neue Aufgabe, wel<he der Protestantismus der Kunst stellt , auch \chließli<h eine protestanti]che Kunst \<affen, wenn au< die Kunst in ihrer Formensprahe ihr Gepräge mehr von der Nation

Erläuterungsbericht

niht auszuschließen; aber romanishe, weniger bis zu allen flüssiger zeigen und wird man den neuen

bl fonsequent als zwe>mäßig und schön ausbilden fönnen. Dieser mit unserem ganzen übrigen Sein im Einklang stehen. Die Menschen sind niht und tragen n< nit mittelalterli<, sie wollen im Allgemein alterlihen wird also wohi oder übel, Empfindens zwischen im Kirchenbau moderne

sowo wird zudem mehr

nischen Stils

7 Z / historis< sein fönnen.

Räumen mit

Nothwendi in der

VIII. Kirchen.

en,

Gothik wählen? Dieses ist jedenfalls mögli< und ist als Versuch bei den festen Formen der Gothik wird der

Konsequenzen entwickelte Stil sih Raumgedanken leihter damit

von Ausnahmen abgesehen, niht in mittel- mittelalterlihen Möbeln wohnen. Man will man den Einklang des Denkens und

fir{liher und profaner Kunst wahren, au m Emvfinden etwas Rechaung tragen müssen.

gkeit der Modifikation des roma-

Anwendung auf neueprotestantische Man wird aber au< im romanischen Stil nit streng Für die bei romanischen Kirchen nöthigen dien Mauermassen, wenn wir ohne die Gefahren, welche sich ießt in dem stark gerissenen Chor von Worms

zeigen, wölben wollen, reichen

unsere Mittel nicht aus, die starken rehte>igen Stüten gewölbter Kirchen

Raum und

beengen den 1 : \pätromani

schon in der

sind akustis< ungünstig. Wir müssen den schen Zeit vorhandenen aber unentwi>elten

Strebepfeiler weiter entwieln.

Dann müssen wir farbigem Glas ges<lossen

sie in Kirchen großentheils offen oder, mit Glas ges<lossen waren, großen Kosten klein sein mußten. Viollet-le-Duc

S. 370: „Nous avons déjà d

dire dans celles qui ont été construites du VIIIe les fenêtres ne recevaient pas

une exception ; que ces

la nef de léglise de heißen müssen, sofern es

Frankreich war aber leitung des Theophilus

wesentlich besser gewesen

damals nothwendig ware

Gründen verlassen hat.

auch eine Theilung derse Befestigung des Glases LA, hung.

niht ganz

gleichen au< im

Die Ber protestantischen Ki

welche mich veranlaßt, Kräften zu verhindern.

gemeinen in gothischen

Straßburger Münsters \fonders auch in neuerer

sind sie unverständlich, Tung und einen Maßsta Was sollen beispielêwei

die Fenster dess werden aber den X Vas

elben gr

uns in vergangener 3

gegen unser jetziges nat

doch

ten, so wäre ein

ni<ht hervorheben, langen, und freue ich 1 Lage sein wird, direkt

—_

Die Soller’\che

stabes in der Bevölker

folgte, stets ein Muste Verknüpfung des Stre

das Aeußere betrifft, a

angeknüpft, ebenso Das, was aber Bevölkerung |tets war Massenform, die Mass bohe Steinthurm, im Ich habe,

geknüpft hatte,

Solcher, welche den N solches ni<ht angenom verlassen zu müssen.

und dem Empfinden derselben als von der Kirche empfängt. Kann

Ober-Oesterreih 19

man aber nicht für diesen Raumgedanken die Formensprache der

vfinden des Volkes mi

briser le vent, par des claire-voies en pierre, métal. C'était une tradition antique. Dans les rudes contrées de la hante Bourgogne, les églises clunisiennes n’'admettaient aucune fermeture à leurs fenêtres jusqu’au XIIe sîècle.

behalten, wie sie die na<hromanische Zeit zum Theil aus

Sowie deshalb eine wi>elte Strebepfeilerbildungen

in der „Zeitschrift für Bauwesen“ 111. Theil des Bd. 6 S. 37 mit darüber ausgesprochen.

firhliche Kunst und deren Weiterbildung in

eine fklarere und im Maßstab

Maßstab in den unteren Portalfiguren und den Glasmalereien des

im übrigen interessanten, Restauration des den Thoren des himmlishen Jerusalems Gewölbesystems herausgehen? Derartiges Kirchen die Berechtigung absprehen zu wollen, Emvfinden bedeutungélos von Kirchen, eine verständlichere Bildersprache, so müssen wir auch den Raum dafür schaffen. im Allgemeinen weniger Gelegenheit als der romanise, au<h wenn

romanische Kirchen.

bescheiden müssen und andere Wege wenn wirkli< daraus nur langweilige Bauten, wie Berliner kirhlichhen Bauten wohl vorgeworfen ift,

Abrenden davon nothwendig. Ich will hier die Un- billigkeit, folhe Bauten, nur das firchlihe Bedürfniß de>en sollten, hinausgehende Bedeutung mit der Wirkung mächtiger gothisher Kathedralen zu vergleichen, do<h fann man gleiches

anknüpfen an romanische Architektur trotz ihres

rung gefunden, sie wird im Acußern i | l fünstlerishen Durhführung, soweit fte nach des Meisters Plänen er-

ausgesprochenen romanis<hen Architektur

neuer gothischer Bauten. _obwo )l | einmal bezüglih des Stils neuer vrotestantisher Kirchen, soweit es

firhe an die Soller'sche [ bei der Zionskirche Streben, frühe mittelalterliche unseren proteitantishen Kirhenbau einzuführen, in verwandter Weise wie die mittelalterlihe Kirche F habe mehrfach diesen Eindru>k

ihrem fäulengetragenen, in_ eine sowie der Entwurf zur Dar : L glaube ih au< bei der Ausführung der Dankeskirhe mit dem Em-

unsere Fenster, besonders wenn fie mit sind, größer machen, als zu einer Zeit, wo wo sie in einzelnen Fällen \{<on aus Rücfsiht auf die derzeit sagt bezügli<h Bd. V

dans les églises anciennes, c’est-à au XIe sîiècle, de vitraux, que les vitraux étaient fenêtres étaient béantes ou fermées, pour en bois ou en

it que

Les fenêtres de Vézelay 1190—1110 (die Zahl wird 1210 niht 1110—1190 heißen foll) hautes et

basses, étaient sans Vitres, Sans claires-voies, laissant Ppasser librement l'air et la lumière.“

in der Gla8malerei, wie dieses aus der Ein- (Theophili presbyteri diversarum actium

schedula) hervorgeht, wahrscheinli deshalb auch im Gebrau des Glases für Fenster besonders entwi>elt und wird es deshalb au in andern Ländern in romanischer Zeit bezüglih der Fenster nicht

fein.

Es wâre also widersinnig, wollte man die geringen Fenstermaße der romanischen Architektur, welche aus den zuvor angeführten Gründen

n, jeßt bei der entwi>elten Glasindustrie bei- denselben

entwifelte Gewölbekonstruktion klar ent- verlangt, so führen größere Fenster lben dur Maßwerk, um prafktis< für die den nothwendigen Halt zu gewähren, herbei.

V U

Ein weiterer Grund, weshalb ih den bei Seite schieben lassen will, liegt darin, daß derselbe gegenüber dem Spitzbogen mit seinem größeren Radius bei sonst Nerhältnissen akustis<h günstiger ift.

Vorzug des Rundbogens in akustisher Bezie-

Rundbogen bei Kirchen

Den Nachweis habe ich 1872 S. 189—222 gebra<ht, dann Darmstädter „Handbuchs der Architektur“ sprache und deren Maßstab in der r<e. Schließlich ist es no< Rücksicht auf die der protestantischen Kirche, den Ausschluß des früheren Mittelalters nah Wir brauchen in der protestantischen Kirche

größere Bildersprache, als im All- Kathedralen angewandt wurde. Der größere

ist in den meisten anderen, Kathedralen, be- Zeit, vermieden. Das so vielfach angewendete

Heer kleiner Figuren, wel<hes wohl in dem geistigen Zusammenhang als ein Gedicht bezeihnet wird, für un}er protestantishes Empfinden

wir verlangen cine klarere, einfachere Behand- b, welcher au für das Volk deutlich spricht. se für uns die kleinen Engel, welche in der, Braunschweiger Doms aus am Gewölbes<hluß eines ist, ohne für katholische für vrotestantis ches Wollen wir aber, besonders im Innern Dazu bietet der entwickelte gothische Stil

ößer gestaltet werden. Maler und Bildhauer

größeren Maßstab mit Freuden begrüßen. Rolfksempfinden in Bezug auf moderne

Wenn nun eine Wiederanknüpfung an den eit \spezifish nationalen romanishen Stil ganz ionales Empfinden wäre, so würde man fich für fein Schaffen suchen;

es den früheren entspringen müß-

wel<he mit den knappsten Mitteln zunächst und eine weit darüber naturgemäß nicht beanspruchen konnten,

Maß für Alle ver- nih, daß auch hier die Bevölkerung bald in der vergleichen zu können. ; Michaelskirhe hier hat in ihrem Wieder- / bescheidenen Maß- ung stets und von Anfang an nur Bewunde- in der Klarheit, Konsequenz und

r bleiben und bedeutet in der schönen originellen und des Maßwerksfensters mit einer mehr als cine ganze Reihe Diese Kirche, obwohl katholis, wird später

bepfeilers

ls grundlegend angesehen werden. Adler hat in

mebreren Centralfirchen, ferner in seinem interessanten Dom-Entwurf mit Glü> hieran, sowie an Stüler'sche und Schinkel \{he Entwürfe Heyden und Kyllmann in ihrer Düsseldorfer Kirche.

in mittelalterlihen Kirhen das Empfinden der

warm berübrt, ist nicht so schr die Stil- als die

en- und Raumbildung, es ist im Aeußern der Innern das entwickelte Rippengewölbe.

nachdem ih in meinem ersten Entwurfe zur Friedens-

Michaelsfirhe in der Formensprache an- hierselbst versucht, ob dieses Architektur in moderner Umbildung in

das Empfinden des Volkes berühre. chabt und zwar bei Urtheilen amen des Architekten niht kannten. Würde ih men haben, so hätte ih geglaubt, diese Wege Es baben deshalb meine Dom-Entwürfe mit Hallenkirche eingefügten Centralraum, Danketkirhe denselben Weg verfolgt und

< in Uebereinstimmung zu befinden.