1886 / 253 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Portugal. - L Ea

M. Antonio José d'’Avila, Pair des Königreichs, Major im Generalstabe, Lissabon.

Rumänten.

M. Faicorano, General und Chef des Großen General-

abs, Flügel-Adjutant Sr. Majestät des Königs, Bukarest.

M. Hartel, E A Eut Generalstab , Bukarest.

ußland.

Ferr General-Lieutenant Stebnißky, Excellenz, Chef der Militär-topographischen Abtheilung des Generalstabs in St. Petersburg. s

Herr Geheim-Rath Dr. O. von Struve, Excellenz, Direktor der Nikolai-Hauptsternwarte, Pulkowa bei St. Peters- burg, Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften

in St. Petersburg. M Schweden.

err Dr. P. G. Rosén, Professor im Generalstab in Stockholm. : Schweiz.

Herr Dr. A. Hirs<, Direktor der Sternwarte in Neu- el.

<hât

Spanien.

M. Jbañez, Excellenz, Divisions-General und General- Direktor des Geographishen und statistishen Jnstituts zu Madrid. i

Nach dankender Beantwortung der Begrüßung Seitens des bisherigen Präsidenten der Permanenten Kommission, General Jbañez aus Madrid, wurde auf Vorschlag desselben das Bureau der Konferenz in folgender Weise gebildet :

Präsident: Geheimer Regierungs-Rath Professor Dr. Förster- Berlin. i

Vize-Präsidenten: Geheim-Rath von Struve aus Pul- kowa bei St. Petersburg und Herr Faye aus Paris.

Sekretär: Herr Professor Dr. Hirs< aus Neuchâtel.

Nath einer Ansprache des Präsidenten wurde sodann zu den progronunm mgen Berichten über die Bethätigung der Organisation seit der leßten General-Konferenz der Euro- päischen Gradmessung (Rom 1883) übergegangen.

Sachsen-Weimar-Eisena<h. Weimar, 26. Oktober. (W. T. B.) Der Landtag hat heute den Geseßentwurf, be- treffend die Heranziehung der Militärpersonen zu den Gemeinde-Abgaben, angenommen.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 26. Oktober. (W. T. B.) Die aus Anlaß des 2Bjährigen T Dia des Erz- herzogs Karl Ludwig als Chef des Ostpreußischen UÜlanen-Regiments Nr. 8 hier eingetroffene Deputation des Regiments ist, außer von dem Jubilar, au< von dem Kaiser und später von dem Erzherzog Albreht in Privat- audienz empfangen worden und dinirte Nachmittags bei dem Erzherzog Karl Ludwig. E

Das Abgeordnetenhaus beschloß heute einstimmig, in die Spezialdebatte über den Geseßentwurf, betreffend die Verlängerung des Zoll- und Handelsbündnisses mit Ungarn, einzutreten. Der Handels-Minister erklärte: sein Erlaß an die Handelskammern, betreffend die Vorschläge über die Vertragsverhandlungen mit Deutschland und Jtalien, werden mit Unrecht von den Zeitungen als Novum und als Wendepunkt in der österreichischen Handelspolitik betrachtet. ne rüher seien die Dee ala sonst befragt worden; sein Erla ei diesmal nur früher als sonst erschienen, damit die Kammern noch vor Beginn der meritorishen Verhandlungen antworten könnten. Der Text des Erlasses konstatire nur die anerkannte Wahrheit, daß eine Förderung des Verkehrs dur Verein- barung mit anderen Staaten zu erzielen sei. Die Regierung habe nur ihre ehrliche Geneigtheit zum Eingehen der Handels- verträge betonen wollen. Der autonome Tarif ei zum Schuß der heimischen Jndustrie bestimmt; jene Jndujstrie aber, die nah dem ausländischen Markt verlange, bedürfe keines autonomen Zolltarifs. Nicht um Verträge quand même sei es der Regierung zu thun, sondern um den Schuß der Jndustrie in jeder Art. Die Regierung wünsche entschieden eine mögli<st harmonische Entwickelung der heimi- \{hen Produktionsbedingungen und möglichste Sicherung der Exportbedingungen der österreichischen Jndustrie.

Schweiz. Bern,, 26. Oktober. (W. T. B.) Der Chef des Eisenbahn-Departements sucht bei dem Bundes- rath die Ermähtigung na<h, Unterhandlungen mit ver- schiedenen Ba Eisenbahnen, zunächst mit der Nordostbahn, wegen Verstaatlichung einzuleiten.

Großbritannien und JFrland. London, 27. Oktober.

ves T. B.) Jn der gestrigen Versammlung der kon- ervativen Vereine in Bradford erklärte der Schaß- kanzler Lord Churchill: die amtlichen Berichte über die Lage in FJrland lauteten im Allgemeinen ermuthigend und ließen eine erheblihe Abnahme der Verbrechen sowie die ziemli<h allgemeine Absührung der Pacht- gelder erkennen; nur în gewissen Bezirken dauerten der Terrorismus und die Unordnung fort. Die Minister würden demnächst zur Berathung über das Programm für die parlamentarischen Arbeiten zusammentreten; das Land werde dann bald erfahren, ob es nöthig sein werde, das Parlament um Spezial- maßregeln ui Sicherung der Ausführung der Gesetze in diesen Bezirken anzugehen. Ueber Angelegenheiten der auswärtigen Politik wolle er si< niht aus- lassen, weil f au Gerühte ihm während seines Aufenthalts auf dem Kontinent vertrauliÞhe Unter- redungen mit auswärtigen Ministern zugeschrieben hätten, während er mit offiziellen Persönlichkeiten über Dinge der auswärtigen Politik in keinerlei Verbindung ge- treten sei, und weil Lord Salisbury bei dem am 9. No- vember stattfindenden Guildhall-Bankett seine Anshauun- gen über die auswärtigen Beziehungen Englands darlegen werde. Lord Churchill forderte die Konservativen \<ließli< auf, die Regierung bei der Berathung der Vorlage über den Schluß der Parlamentsberathungen zu unterstüßen, damit diejelbe angenommen und die Drohung der Parnelliten ver- eitelt werde, welche die Absicht aus\sprähen, das parlamen- tarishe System unmöglih machen zu wollen. Jm weiteren Verlauf der Berathungen nahm Lord Ch urchill nohmals das Wort, um eine Resolution, betreffend die patriotische PolitikEnglands im Orient, zu befürworten, und äußerte dabei: seit der Premierschaft Lord Beaconsfield's seien große Veränderungen in den gegenseitigen Be- iepun en der auswärtigen Mächte eingetreten. Europa finde sh in einer Uebergangsperiode, aber eher seien die

| Merkurs“ entsandt worden.“

teressen anderer Länder - als diejenigen Englands in ritisher Weise bedroht. England dürfe si nicht übereilt für ein bestimmtes Verhalten entschließen; eine Politik des

riedens würde niht nur der inneren Wohlfahrt Englands hoc dienlih sein, sondern au< dessen Jnteressen im Aus- ande fördern. :

Nah Meldungen aus der Kap stadt hat- der Stamm der Pondas in das Gebiet von Xesibe, welhes zur Kapkolonie

ehört, einen Einfall gemaht. Die Kap-Regierung bildet Freiwilligen-Corps, welhe gegen die Pondas marschiren sollen.

Türkei. Konstantinopel, 23. Oktober. (A. C.) Gestern wurde ein Kaiserliches Dekret erlassen, welches den Armeereformplan von der Goly Pascha's sanktio- nirt. Die Hauptbestimmung desselben besteht in der Revision des Konskriptionsgeseßes. Es werden dadur<h viele Ausnahmen und Privilegien beseitigt, und die Wirkung wird sein, daß die Reserve-Streitkräfte des türkischen Reichs bedeutend ver- stärkt werden. :

(A. C.) Einer Meldung vom 25. d. zufolge ist der englishe Dampfer „Jmogen“ aus seiner gefährlichen Lage befreit und wiederum flott gemacht worden. Er scheint keinerlei Schaden genommen zu haben, und wird am Mittwoch in Konstantinopel erwartet.

Serbien. Nis, 26. Oktober. (W. T. B.) Jn der Skups<htina wurde die Mas des Minister-Präsi- denten über die Wiederherstellung der freundschaft- lihen Beziehungen zu Bulgarien mit lautem Beifall aufgenommen. :

Bulgarien. Sofia, 27. Oktober. (W. T. B.) Jn Varna sind gestern die beiden russishen Klipper „Zabiaka“ und „Gedächtniß Merkurs““ angekommen.

Tirnowa, 27. Oktober. (W. T. B.) Bis jeßt sind etwa dreihundert von den Mitgliedern der Sobranje, sowie die M itglieder der Regentschaft, Stambuloff und Mutkuroff, und die Minister hier eingetroffen. Die Eröffnung der Sobranje ist nunmehr definitiv auf den 31. d. M. vertagt worden. E

Rust\huk, 26. Oktober. (W. T. B.) Dem hiesigen Präfekten ist dur< den russis<hen Konsul Kennt- niß von der neuen Note des Generals Kaulbars an den russischen Konsul in Bulgarien gegeben worden. Die- selbe soll außer dem wiederholten Hinweis auf die Nichtigkeit der Beschlüsse der großen Sobranje noch besonders be- tonen, daß Rußland diese Beschlüsse, au<h wenn sie die Wahl eines Fürsten beträfen, der Rußland genehm sei, und au< wenn \i<h dieselbe auf die Entsendung einer Deputation an den Kaiser von Rußland erstre>ten, nicht in Betracht ziehen könnte. Tropdem wird versichert, daß die Sobranje sofort nah Konstituirung ihres Bureaus und no< vor Erledigung der Wahlprüfungen eine Depu- tation an den Kaiser Alexander entsenden werde; es sollen bereits Schritte bei dem Metropoliten Klement geschehen sein, damit dieser sih an die Spiße der Deputation stelle.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 27. Oktober. (W. T. B.) Der „Regierungs-Anzeiger“ sagt: Dur die allenthalben in Bulgarien existirende Anarchie sind die russ u Konsulate der Möglichkeit beraubt, die geseßlichen Jnteressen der in diesem Lande weilenden russischen Ünterthanen zu shüßen. Nach der Abreise des General-Majors von Kaulbars aus Varna waren Fälle von Verhaftung russi- scher Unterthanen ‘unter den; ungeseblihsten Vorwänden bor-

ekommen. Angesichts solher Sachlage sind dieser Tage nah arna die Klipper „Zabiaka“ und „Gedächtniß

Zeitungsstimmen.

Der „Schwäbische Merkur“ schreibt über den „Frei- sinn und das Reich“: :

..…. . Indem Bismar> stetig und unbekümmert um die Regen- güsse, mit welchen der Redestrom seiner Gegner ihn überschüttete, das Reich aufrichtete, nahm er ihnen den Boden unter den Füßen weg, welcher ihnen seither zum Tummelplay ihrer Angriffe gedient hatte. Einer der beliebtesten Gegenstände, mit dem sie ihre Angriffe auf die Regierung eröffneten, war der Voranschlag für das Heerwesen, nament- li< in den Kleinstaaten. Aber gerade an diesem Beispiel zeigt sich, welcher Umschwung in der Gesinnung des Volkes sich dur< Errichtung des Reichs vollzogen hat... Es war ja nicht zu leugnen, daß die Summen sür das Heerwesen der deutshen Kleinstaaten groß genug waren, um den Bürger und Bauer s<wer und empfindlich zu belasten. Konnte man dann no< mit so viel Grund, als man hatte, na<hweisen und mit rednerishem Aufput vielleicht sogar no< übertreiben, daß diese Summen vergeblich aufgewendct werden, so wirkte beides, der Griff in den Beutel und die Ueberzeugung der Nutlosigkeit, zusammen, um Unzufriedenheit und Mißtrauen gegen die Regierung zu verbreiten. Wurde dann no< ausgeführt, daß das Kasernenleben mit seinem faulen S{lendrian die jungen Männer auch für das Leben und die Arbeit verderbe. so war niht mehr zu be- zweifeln, daß das Soldatenwesen einer der größten Krebsshäden sei, der am Volkêwohl nage. Wie ganz anders ist das heute? Wie hat die Errichtung dexs Reichs hier klärend und erfrishend gewirkt. War es doch das Heer, dem das Volk die Errichtung. des Kaiserrei&s verdankte! Neben der deutshen Wissenschaft hatte sich das preußishe, weiterhin au<h das deutshe Heerwesen als das gesundeste und lebenskräftigste Element erwiesen. Die Anklage und der Hohn, daß alle ‘diese Ausgaben vergeblich seien. mußte verstummen; die Ueberzeugung, daß das Soldatenwesen verderbli<h auf die Volks- kraft wirke, \<lug in das Gegentheil um. Als unbeholfenen, eigen, langsamen Burschen sieht man den Bauernsohn zur Kaserne zichen, als flinker, beweglicher, anfassender Mann, der Stolz seiner Mutter und die Freude der Mädchen kehrt er beim. Und so ist es in den oberen, so in den unteren Ständen. Sich den Titel „Lieutenant der Reserve“ beilegen zu dürfen macht stolz, empfiehlt, gewinnt. Und sie alle, die Hunderte und Tausende, die in Stadt und Dorf als entlassene Soldaten herumgehen und ihre Zusammen- gehörigkeit mit dem großen Heeresverband " des Reichs no< jähr- lih bekunden, sind lebendige Zeugen gegen alle, die sid no< erfrechen wollen, zu fagen, daß das Geld für das Heerwesen vergeblih aus-

egeben sei. So wenig ein Doktor oder Magister die Wissenschaft \<{mähen läßt, so wenig ein Lieutenant der Reserve das M Durch das Reich wurde festgestellt, daß das deutshe Heerwesen eine der großartigsten Volkserziehungsanstalten sei, wie sie die Geschichte vor- dem niemals geschen hatte. So wurde der beliebte Tummelplaßz der Gegner aller Regierungen dem fogenannten Freisinn durch das Reich entzogen; und wie an diesem Gegenstand beispiels- halber der Nachweis geführt wurde, so könnte man an den übrigen Lieblingsthemen dasselbe nahweisen. Dem Freisinn wurde dur Errichtung des Reichs die Waffe zerbrochen, der Boden engen. Eine erfolgreihe Gegnerschaft gegen die Regierung läßt sih über- haupt nur dadur dur<hführen, daß man zeigt, daß die Regierung {9 en Gedanken und Plänen, die zur gefan des Reichs, zur Er- öhung des Volkswohls dienen, feindlih gegenüberstehe. Solche Ge-

danken hat aber der Freisinn nicht. Im Gegentheil, die Regierung ist es, dur< deren Vorgehen alle Fragen in Angriff genommen, zur Behandlung gestellt und zur Durchführung gebraht werden, in denen 1< gesunde, das Volkswohl hebende Gedanken spüren lassen. Die

egierung ist es, ?welhe dem Handel dur< ihre Maßregeln für Flotte und Kanäle, dur< Auffu<hung und innun von Kolonien und dur< Handelsverträge, dem Gewerbe dur die Zollgeseßgebung , dem Steuerwesen dur Herbeiziehung von Taba> und Branntwein die zwe>mäßigste Ribtung zu geben suchte. Die Regierung ist es, welche den großartigen Plan der Fürsorge für die Armen und Arbeiter in Angriff nahm; die Regierung ift es, wel<he dem Volk das kostbarste Gut, den Frieden, und zwar den rieden nah außen ebenso, wie den Frieden der Hes, den fkir- ihen Frieden, zu gewähren su<ht. So wird den Gegnern der Re- gierung in der That aller und jeder Gegenstand, den sie als Hebel gegen sie benüßen könnten, weggenommen, und es bleibt ihnen somit nihts übrig, als ihre Gegnershaft dur< leeres Mäkeln und Nörgeln, dur< fkleinli<he, wenn au< gewandte Behandlung von Einzelbestimmungen und Zweckmäßigkeitsfragen zu beurkunden, und selbst der größte Ta ei die s<lagendste Beredsamkeit, der feurigste S<bwung \{<üht die Gegner ni<ht vor Schlägen in das Leere. Denn es fehlt ihnen der shaffende Gedanke. Ja, eine Gegner- schaft, die sih ein Ziel, ein greirbares Ziel, die Zertrümmerung des neu erstandenen Reichs setzt, die hat cinen Sinn, die darf sich erlauben, grundsatmäßig das Thun und das Vorgehen der Regierung herab- zuziehen und mit allen Mitteln {le<t zu machen; fie muß es thun, denn, wenn sie sieht, wie das Reih wächst und gedeiht, so darf sie die Zeit nicht verlieren, sie muß das Werdende zu vernihten suchen, weil sie spürt, daß das Gewordene sie selbst erdrü>kt. Aber der Freisinn sagt, er sei für die Erhaltung und Stärkung des Reichs; die Wohlfahrt des Reihs sei au< fein Ziel und sein Hoffen, Aber dann gebe er die Gedanken und die Maßregeln an, die er für diesen Zwe> in Bereitschaft hat; hat er wel<he und sind sie gesund und heilversprehend, so ist die Regierung die erste, die sie aufnimmt, Statt dessen sehen wir, daß er fi< mit den grundsäßlihen Gegnern des Reichs verbündet, und weil er kein eigenes Pulver hat, feinen Vorrath bei diesen entlehnt. Eine Gegnerschast aus persönlichen Gründen und eine Gegnerschaft gegen die Personen der Regierung hat nur dann einen Sinn und kann nur dann cinen Erfolg haben, wenn die Personen unfähig sind oder in den Personen Grundsäße verkörpert sind, die man ausrotten- will. Fürwahr, Ungeschili keit können auh die erbittertsten Feinde und die heftigsten Gegner unserem großen Staatsmann niht vorwerfen. In _Bismar> aber is nur das Eine, die Sorge für das Reich, die Sorge für Kaiser und Volk verkörpert. Daher hat die Gegnerschaft des Freisinns keinen Sinn mehr. Will er wieder zu Ehren kommen, \ih< die Herzen des Volks und namentlih der Jugend wieder gewinnen, so suche er zuerst die Gedanken, die zukunftbildend wirken, greife sie auf, gestalte sie und stelle sie als Ideale, denen begeisterte Herzen entgegen\lagen, auf. Hat er keine, so lasse er seine kleinlichen, auf die wächserne Natur des Rechts re<nenden Angriffe und gehe mit der National- zeitung herüber zu denjenigen Parteien, die mitshaffen und mitrathen zum Wohl des Ganzen, und welche die Verehrung für den großen Staatsmann {ütt vor jener Gesinnung, die, weil sie den Gegner nicht stürzen kann, ihn mit Stachelstihen plagt.

Dem „Journal des Débats“ schreibt sein Korre O in Shanghai über „den französishen Handel in

hina“:

„Man kennt Frankrei<h in China nur als eine Macht, welde die katholishen Missionäre beshüßte. Ein französisher Paß hatte seinen Werth. Er rief zwei Jahrhunderte alte bag vit bg 09 wah und bestätigte das Prestige, welches der französishe Name lange ge: habt hatte. Daß Frankrei<h Handel und Industrie treibt, davon weiß aber China ni<ts. Der französishe Artikel hat in Chin feinen Cours, die französishe Fabrikmarke kein Ansehen. Jn Wahrheit giebt es zwishen Frankrei<h und China keinen Handels verkehr. Wir kaufen China jährli< für etwa achtzig Millionen Seide ab, und das ist Alles. Lyon ist die einzige französis<he Stadt, welhe in China dem nationalen Handel Chre mat, und wer in China den französishen Paß: der Missionäre abschaffen will, der be seitigt zugleich Frankreih. Während des Jahres 1885 liefen feht undvierzig französishe Dampfer mit 73 000 t Gehalt in die offenn chinesischen Häfen ein; ein Segelschiff ließ sih niht bli>en, Während desselben Jahres betrug die Zahl der englischen Fahrzeuge 13 522 mit 11842 255 t. Unter den Millionen, welche mit Ghina Handel treiben, sind wir die \se<ste in der Rangordnung. Vor uns kommen England, Amerika, Deutschland und Japan. i : j

Deutschland figurirt in den Konsularberihten mit 2230 Schiffen (1217685 t). Wahrlih, wenn die Deutschen, welhe na< Norden \hauen, mit China sol<he Handelsbeziehungen haben, fo sollte Frank: rei, wel<es Marseille besißt, zum mindesten auf derselben Stufe stehen. Die Kaufleute, mit denen ih über diese Angelegenheit \prede, pflegen zu antworten, der Einfluß der Engländer in China wäre |o maßgebend, daß sih neben ihnen nihts anfangen ließe. Ohne Zweisel sagt man dasselbe in Paris und in unseren großen Handelsstädten. Diet ist aber ein gewaltiger Irrthum. Ich bin überzeugt, daß der französisde Handel in China nichts taugt, weil er sih nicht rührt, weil es ihm an Muth und Ehrgeiz gebriht. Ja, gewiß, England hat es verstanden, fich ein Ausnahmestellung zu verschaffen; aber daß von keinem Monopol die Rede sein kann, das haben die Deutschen bewiesen. Mit jedem Jahre wächst ihre Geschäftsziffer, und sie sind für England so gefährlide Nebenbuhler, daf: ih vorausfagen läßt, sie werden in wenigen Jahren einen Theil des english-<inesishen Handels an si geri}et haben. Diese Resultate verdanken sie lediglih der Zähigkeit, m? der sie ibre Unternehmungen leiten, ihrem praktis<hen Sinn bei de Abschließung von Verträgen und der an Ort und Stelle erworbenen Kenntniß der Verhältnisse. Ueberall, wo ein Geschäft zu machen is sind die Deutschen da. Jhre Auskünfte sind immer pünktli< ; wenn sie eine Bestellung übernehmen, so darf man auf ihre strenge Gewissen haftigkeit zählen. Sie haben die Eigenschaften zu zeigen gewußt, welche die Chinesen im Handelsverkehr am meisten {häßgen, und hier liegt das Geheimniß ihres Erfolges. Jst es denn unseren Kaufleuten niht mögli, dieselben Bahnen zu betreten und in China für di französischen Artikel einzustehen? .

na

Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesundheit? amts. Nr. 43, Inhalt: Gesundheitszustand. Witterung. - Volkskrankheiten in der Berichtswoche. Cholera-Nachrichten. Sterbefälle in deutshen Städten von 40 000 und mehr Einwohnet. Sterbefälle in größeren Städten des Auslandes. Erkrankungel in Berliner Krankenhäusern. Erkrankungen in deutschen Sue und Landbezirken, Witterungs-Nachweis. Geburts- un Sterbefälle in Wien, Sto>holm, London und Brüssel 1885, Gelb fieber. Scharlach in Hannover. Infektionskrankheiten in Moskau Krankenberiht der preußishen Armee 2c. I]. Quartal 1886. -

citweilige Maßregeln gegen Volkskrankheiten. Chierseudt Schasfpo>ten und Lungenseuche in den Niederlanden. Rinderpest / Rußland. Rinderpest und Schafpo>ken in Rumänien. Lene fieber in Ohio. Veterinär- polizeiliche fe A Medizin® Geseßgebung 2c. (Deutsches Reich.) Statistis<he Aufnahme des qv personals 2c. (Württemberg.) Verhütung und Bekämpfung : Maul- und Klauenseuhe. (Baden.) Dienstanweisung für die i zirksärzte 2c. (Schluß.) (Me>klenburg-Schwerin.) Handel mit Mi t und Butter in Schwerin. (Schweiz. Graubünden.) Verkehr Butter und Honig. Rechtsprehung. (Landgericht Glaß und Rel : gericht.) Verkauf von gesundheits\{hädlihem Fleisch. inrihtun8, zur Förderung der öffentlihen Gesundheitspflege. (Preußen.) Sh lihe Beaufsichtigung der Privat-Irrenanstalten. Ges enkliste.

4 Üt aare a éi u O tag

Landtags - Augelegenheiten.

Bei der im4. Liegnißer Wahlbezirk (Löwenberg i. Schl.) vorgenommenen Ersaßwahl für den früheren Regierungs-Rath a. D., jepigen Regierungs-Rath von Paugwiß in Wiesbaden is} der Kreis-

utirte Graf Nostiz zu Zobten (konservativ) mit 309, egen den

Stadtverordneten-Vorsteher Müller zu Bunzlau (deuts<freifinnig)

Mee 5 Stimmen, zum Mitglied des Hauses der Abgeordneten gewählt orden.

Statistische Nachrichten.

Summarische Uebersicht

der im Prüfungsjahre 1885/86 bei den Köniolih preußischen medizi- nischen und pharmazeutischen Prüfungs-Kommissionen geprüften Doktoren und Kandidaten der Medizin und Kandidaten der Pharmazie.

Î Bei den Prüfungs-Kommissionen zu

Greifswald.

Königsberg.

Göttingen. Halle.

I. Doktoren und Kandidaten der Medizin

sind ans dem vorigen Jahre wieder |

in die Prüfung getreten. . . 10 2

neu eingetreten . A D 55 77/33 33

zusammen 5/28|70|88/43 35 davon haben die Prüfung als Arzt |

bestanden | s

mit der Censur „genügend“ ... | 29/2612 3|

Ï S [29 26/32/22 15/1:

Abe U B

zusammen |55/58/37|24

niht bestanden resp. zurüdlgetreten . 15 30 6/11

II. Kandidaten derPharmazie

sind aus dem vorigen Jahre wieder in die Prüfung getreten . neu cingetreten .

9 —|— —|— 19 A [35/13/11] 9/ 3/16/2701 zusammen | 79|18/44/13/11 3/16/27|220 davon haben die Prüfung als Apotheker bestanden | | mit der Censur „genügend“ .. . 1 101011|—| 2 1—| 3| 3] 40 Ï L e AE 619/11 7| 7| 3/11/14/125 „sehr gut“... , L10/2/ 3| 2—| —| 8| 25 i zusammen | 67/18 3313| 9| 8| 3/14 25/190 nit bestanden resp. zurü>getreten

12— |11!—| 2| 1—| 2 A 30

Das Verhältniß der selbständigen Gewerbe- treibenden zu den Arbeitnehmern in den Gruppen des Kleingewerbes in Preußen. (Stat. Corr.) Nachdem wir die soziale Zusammenseßung der fkleingewerblihen Bevölkerung Preußens im Ganzen erörtert und eine beahtens8werthe Veränderung derselben seit 1875 festgestellt haben, untersuchen wir an der Hand der 1875 und 1882 gesammelten Nachweisungen, wie si< die selbst- thätige Bevölkerung innerhalb der Gewerbegruppen u. \. w.*) gliedert. Va zeigen si<h im Einzelnen zwar die mannigfa<sten Vers chieden-

eiten, fast ausnahmelos aber tritt die merkwürdige Thatsache zu Tage, daß ih das Zahlenverhältniß zwischen Meistern und Gehülfen vollständig verschoben hat. Schon die Zunahme oder Abnahme der Zahl der Meister und derjenigen der Gehülfen ist eine dur<hweg ver- jhiedene. Eine überdurh|c<nittlihe (d. h. diejenige der Bevölkerung übersteigende Vermehrung der Selbständigen ergiebt si< nur für drei Gewerbegruppen, nämli<h für die T. um 64,62, für die XIII. um 11,27 und für die XVI. um 44,07 9%; für alle übrigen ist eine nur geringe Zunahme, weit häufiger aber noh eine niht unerhebliche Abnahme bis zu 38 (7111. Gr.), 41 (XIV. Gr.) und 75 (1I1I. Gr.) Prozent zu verzeichnen. Umgekehrt bei den Gehülfen: hier ist nur für die 111. Gruppe cine Abnahme um 25,13 %, für die IX. und XVI. eine nur geringe Zunahme nahgewiesen; bei allen übrigen ift ein reihli<es Anwachsen der Gehülfenzahl ermittelt, beispielsweise bei der I. Gruppe um 200,83, bei der II. um 245,60, bei der IV. um 69,24 9/6 u. f. w.

Berücksihtigt man die \oeben angeführte Vermehrung bezw. Verminderung, fo sind folgende, zugleich die beiden Geschlechter unter- \heidende Ziffern cin bezeihnender Ausdru> für die seit 1875 vor sich gegangene Verschiebung des Zahlenverhältnisses zwischen Selbständigen und Gehülfen, d. h. der sozialen Rangordnung im Kleingewerbe. Es kamen auf je 100

weibliche

S elbst- | männliche Gewerbe- ständige | Inhaber : treibende : überhaupt :] männliche | weibliche weibliche Gehülfen | Gehülfen | Gehülfen | Selbst- | Selbst- ständige | ständige 1875/1882] 1875/1882/ 1875/1882] 1875/1882] 1875/1882 E C 47| 86} 46| 761 88/ 298} 65 57 53| 25

E 16 56} 16 521 21/ 3241 86 66 83| 24 I. . ,} 133/ 411 105| 321/ 1495/4971 49| 24 6 2 IV. . , 1102| 241 101| 238] 125| 3566| 50| 30| 44| 22

S 68| 96 69| 97 34/ 34] 59 51 75) 75 VI C} 44 70} 44| 700 51| 54 69 59| 66| 65 Ad 89 134] 86| 1344 39|/ 1244 54| 431 7292| 45 Q 72| 1721 T71| 166] 100 314 58| 38} 50 24 IXN 1 82/ 41| 29/44 39/ 471 77 7] 72/68 X T5! 96F 74 9] 117| 195] 58 51] 46| 44 D O 48 671 49 67 23 é 67| 60] 81 70 E A 78| 1281 78| 1259J 70 56) 44 59/ 35 0 G A 25 32 88) 54 S 73| 65] 92| 89 XIV. . .| 31) 88] 31| 89) 39/ 19} 76| 53] 72| 84 i 104/161 103) 150} 110 49| 40 48/ 36 D M M 68) 524 39 60 66 72/ 87

männliche Gewerbe- treibende : männliche

: weibliGe in der Inhaber : Gewerbe-

Gruppe

Diese Zahlenreihen sind überaus lehrreih; sie bieten zu den mannigfa<sten sozial- und gewerbepolitis<hen Erörterungen die Unterlagen.

__ Es verlohnt si<h weiter, den in den Gruppendur<schnitten ver- wishten Besonderheiten der einzelnen Gewerbszweige nahzugehen ; dabei sind vornehmlich diejenigen gewerbestatistishen Ordnungen zu berüdsich- tigen, in welchen noch heute das Kleingewerbe erheblih Überwiegt, fei es durch die Zahl der Betriebe (d. h. etwa dèr Selbständigen), sei es durh die Zahl der beschäftigten Personen. Eine Auswahl aus denselben, wie wir sie hon bei einer früheren Untersuchung getroffen

ben, mag au<h für den vorliegenden Zwe>k genügen, bei welchem wir uns überdies ledigli} auf Vergleichung einer Verhältnißzahl be-

*) Für die Gewerbegruppen is folgende Zusammenfassung her- gebracht: T. Kunst- und Handelsgärtnerei, 11. Thierzuht und Fischerei, TII. Bergbau, Hütten- und Salinenwesen, Torfgräberei, 1V. Industrie der Steine und Erden, V. Metallverarbeitung, VI. Verfertigung von aschinen, Geräthen, Instrumenten, Apparaten, VII. chemische Óondustrie, VIII. Gewerbe für Leuchtstoffe, Fette und Harze, IXR. Tertil- &ndustrie, X. Papier- und Lederindustrie, X1. Gewerbe für Holz- und Scnitstoffe, X11. Industrie der Nahrungs- und Genußmittel, X11]. Gewerbe für Bekleidung und Reinigung, XIV. Baugewerbe, RXY. Buch- und Kunstdru> und XVI1. künstlerishe Gewerbe.

\hränken, nämlih derjenigen für das Verbältniß der Selbständigen zu den Gehülfen überhaupt. “In der V. Gewerbegruppe beispiels- weise giebt es vier derartige handwerksmäßig betriebene Gewerbe von größerer Bedeutung; unter diesen zählten die Kupfershmiede 1875 108, 1882 nur 106 Gehülfen auf je 100 Meister, die Klempner 90 bezw. 100, die Grob- und Hufschmiede 56 bezw. 96 und die Séhlosser 116 bezw. 124. Aus der VI. Gruppe zeigen die Stell- madcherei und der Wagenbau die Verhältnißzahlen 36 bezw. 66 und die Uhrmacherei 54 bezw. 58, aus der 1X. Gruppe die Spinnerei 18 bezw. 17, die Weberei 36 bezw. 44, die Seilerei 48 bezw. 66, aus der X. Gruppe die Buchbinder 74 bezw. 100, die Sattler

| und Tapezierer 64 bezw. 80 (die Sattler 1882 für sh 77, die Tape-

zierer 91), aus der XI. Gruppe die Tischler 59 bezw. 75, die Böttcher 36 bezw. 58, die Korbmacher 28 bezw. 42 und die Drechsler und Korkschneider 45 bezw. 67, aus der X1I. Gruppe die Getreidemüller 87 bezw. 125, die Bä>ker und Konditoren 78 bezw. 126 und die Fleischer 52 bezw. 96, aus der XIII. Gruppe die Schneider 28 bezw. 42, die Hutmacher, Müyenmaer und Kürschner 59 bezw. 65 und die Schuhmacher 41 bezw. 6, sowie endli< in der XIV. Gruppe die Maurer 28 bezw. 109, die Zimmerer 28 bezw. 133, die Glaser 40 bezw. 47, die Stubenmaler und Stu>kmacher 60 bezw. 85, die Dach- de>er 28 bezw. 61, die Brunnenmacher und Straßenpflasterer 36 bezw. 79 und die Dfenseßer und Schornsteinfeger 68 bezw. 96. Eine Ver- Feitung dieser Verhältnißzahlen mit denen der ersten bezw. zweiten

ahlenspalte vorstehender Tabelle crgiebt die Besonderheiten jedes ein- zelnen Gewerbes.

Eine weitere Aufführung von Zahlen würde ermüden. Es bedarf einer solchen au<h kaum no<, nachdem \si< im Ganzen wie in den Gruppen und in einzelnen Gewerben fast ausnahmslos die sehr merk- würdige Thatsache ergeben hat, daß \i<h in der sozialen Gliederung der Kleingewerbtreibenden seit 1875 ein ganz unverkennbarer Um- \<wung vollzogen hat. Verminderung der Meister bezw. Selbstän- digen im Kleingewerbe und Vermehrung der Gehülfen (Gesellen, Lehrlinge, Arbeiter) ist die bezeihnende Erscheinung des betrahteten Zeitraumes: von 100 Meistern und männlichen Juhabern des Jahres 1875 waren bis 1882, troß der inzwishen gewa<hsenen Bevölkerung, rund 13 aus ciner selbständigen Stellung vers<hwunden, aus 100 männlihen Gehülfen waren dagegen 138 geworden. Wie diese That- sachen zu beurtheilen seien, haben wir früher bereits angedeutet. Cine Erklärung dafür ergiebt si< aber vielleiht aus Folgendem. Soziale Verschiebungen, wie die bier geschilderten, sind ohne engen Zusam- menhang mit dem Wirthschaftsleben niht denkbar. Nun war das Jahr 1875, na< ciner Zeit unvergleihli< blühender Gewerbsthätigkeit und wirthschaftlichen Aufs{wungs, dasjenige des tiefsten wirthschaftlichen Niedergangs. Jn der vorhergegangenen Blüthezeit waren, begünstigt dur<h die Gesetzgebung, zahllose Gehülfen zur Begründung einer eigenen Werkstatt, eines eigenen Geschäftes geschritten; auch die Schwächsten von ihnen fristeten 1875 zum größten Theil wohl no< ihr kümuicrliches Dasein als sogenannte Selbständige und steigerten somit deren Zahl weit über den Bedarf hinaus. Es konnte aber nicht sehlen, daß sie denno< als folhe zu Grunde gehen mußten; sie stiegen in den nä<hsten Jahren wieder zu der niedrigeren sozialen Stufe der Gehülfen hinab und vermehrten nun deren Zahl, wie sie die der Selbständigen entlasteten. Darauf kam wieder eine Zeit erneuten wirthshaftlihen Aufs{<wunges, welcher gerade im Anfang der ahtziger Jahre vielversprehende Blüthen trieb. Nun strömte ein starker Nachwuchs dem Gewerbe zu und half zunächst die Ge- hülfenzahl vermehren, ohne daß gleichzeitig ein entspre<hender Abfluß der niedrigeren in die höhere soziale Schicht stattgefunden hätte. Die Folgen diefer Vorgänge waren nicht zweifelhaft; sie \piegeln si in unseren Zahlen wieder, und unter diesen Verhältnissen wären leßtere ein Zeichen fortshreitender Gesundung.

New-York, 24. Oktober. (A. C.) Dem jährlihen Ausweis des Hrn. Alexander Del Mar zufolge errecihte die Produktion von Edelmetallen in den Vereinigten Staaten von Amerik@æ in dem am 30. September beendeten Fiskaljahr den Werth von 13 500 000 £, von welher Summe 5 020000 £ auf Sra und 8 480000 £ auf Silber (zu der alten Münzabschäßung) entfallen.

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

__ Lehrbuch des Preußischen Privatre<hts von Otto

ischer, Professor in Greifswald. Erste Hälfte. 382 Seiten. Verlag von J. Guttentag (D. Collin) in Berlin und Leipzig ; 6 4). Das vorliegende kurzgefaßte Lehrbuch hat es si< zur Aufgabe gemacht, die Studirenden und die angehenden Praktiker in das Studium des preußischen Rechts einzuführen und dieselben insbesondere in den Stand zu seßen, dur ein na<h der Anleitung des Lehrbuhs zu unter- nehmendes Studium der Normen und der Praxis des preußischen Rechts die Grundlage zu einer gediegenen Ausbildung in diesem Rechts- gebiete zu gewinnen. In dem Bericht der Justiz-Prüfungskommission vom 10. Februar 1880 (J.-M.-Bl. S. 42) wird als häufig hbervor- tretender Mangel einer richtigen Methode im Studium hervorgehoben, daß ein großer Theil der Kandidaten si<h seine Kenntnisse mehr aus den Kommentaren der Rechtslehrer als aus dem Text der Gesetze selbst einpräge, während das Studium der ersteren do<h nur dann mit Erfolg betrieben werden könne, wenn es mit dem des Textes der Ge- seße und der Rechtsquellen selbst in rihtige Verbindung geseht werde. Die Kommission verfahre deshalb mit besonderer Strenge, wenn eine Unbekanntschaft mit den Rechtsquellen hervortrete. Dem hier ge- rügten Mangel des Studiums su<ht das vorliegende Lehrbuch abzu- helfen, indem es auf der einen Seite davon ausgeht, daß. si ein ge- ordnetes Studium des verwi>elten preußischen Geseßesmaterials ohne jede Anleitung nicht dur<hführen läßt, andererseits aber dur fort- geseßte Verweisung auf die geseßli<hen Bestimmungen darauf hinzuwirken su<ht, daß mit dem Studium des Lehrbuchs auh das Studium des Quellenmaterials stetig betrieben wird. Um diesem Ziele möglichst nahe zu kommen, \{ließen sich die Erörte- rungen des Werkes dur<weg streng an die Quellen an. Es wird vorausgeseßt, daß zur Ergänzung der Ausführungen des Buches die in Bezug genommenen a O E L gelesen und verarbeitet werden. Die dur den Zwe> der Arbeit gebotene Kürze brahte es mit sich, daß Literaturzitate im Allgemeinen vermieden sind, daß auch bei der Berücksichtigung der Rechtsprechung gewisse Schranken innegehalten werden mußten, daß endlich alle nicht streng zur Sache gehörigen Ab- shweifungen und Erörterungen entlegener Fragen vermieden wurden. Dagegen ist allen die Gegenwart interessirenden Fragen (z. B. der Vebertragbarkeit der Retourbillets, den für die Provinz Posen neu- geshaffenen MRentengütern) Aufmerksamkeit geschenkt, E zu allen wichtigen Streitfragen Stellung genommen. Die privatre<htlihen Normen des Reichsre<ts sind ebenso berücsihtigt wie das spezifisch preußis<e Necht. Dem durch die Reichsjustizgeseße an Bedeutung, aber au<h an Schwierigkeit gewachsenen materiellen Prozeßrecht ist eine besondere Abtheilung des Buches gewidmet. Die Berü>sichtigung der Rechtsprehung der höchsten Gerichtshöfe, und insbesondere des Reich8gerichts bis zur jüngsten Zeit, foll hauptsächlich dazu dienen, die praktische Anwendung der vorgeführten Rechtssäße zu veranschau- lichen. Vor Allem aber ist Sorgfalt darauf verwandt, dem Werke troß seiner Kürze seinen wissenschaftlihen Charakter zu bewahren. ZU diesem Behufe ist überall der Anschluß an das gemeine Recht und seine Wiffenschaft gesucht, da nur auf diese Weise der Uebergang von dem Studium des gemeinen Rechts zu Theorie und Praxis des preußischen Rechts in gedeihliher Weise vermittelt werden kann. In erster Linie wendet sih das Buch an die geren Rechtsbeflissenen. Doch dürfte dasselbe au< gereifteren Juristen willkommen sein, um in Kürze einen Gesammtüberbli> über das preußishe Recht in seiner gegenwärtigen Gestalt zu gewinnen. Zu diesen Zwe> möchte dasselbe insbesondere au< Juristen der gemeinrehtlihen Gebietstheile der Mets L S f faß : le vorliegende erste Hälfte umfaßt die Einleitun eschicht- lies 2c.), die allgemeinen Lehren, das Sachenreht und das Alleemeine

des Obligationenrehts. Die Verlagshandlu dudoritatitt, gsh ng hat das Werk gut

_— Centralblatt für Re<htswissens<aft. Unter Mit- wirkung von Ober-Landesgerihts-Rath Achilles in Berlin, Prof. A in Upsala, Gerichtêsrath van Swinderen in Groningen, h Sydow in Berlin, Prof. Ullmann in Wien, Geh. Rath Wach in Leipzig, Geh. Rath v. Windscheid in Leipzig, Prof. Zitelmann in Bonn und anderen Rechtsgelehrten herausgegeben von Dr. von Kirchenheim, Professor der Rechte in Heidelberg. Fünfter Band. Zwölftes Heft. September 1886. (Stuttgart. Verlag von Ferdinand e). Der Inhalt des September“ eftes (Band V Heft 12) abshließend mit dem 26. Juni d. J. ist folgender : A. Ausländischer Literaturberiht 1880—85. Die russische Rechtéliteratur in der Periode 1880—85, Von Herrn Prof. Engelmann in Dorpat. B. Bespre<hungen. I. Allgemeines. Brown, A. A New Law Dictionary and Institute of the whole Law. Markby, W. Elements of Law considered with reference to Principles of General uier Es Ergebnisse der Civil- und Strafrehts- pflege bei den Gerihten des Königreihs Bayern i. J. 1884. II. Rechtsgeschihte. Schuldheß, O. Vormundschaft nah attishem R. Rümelin, M. Zur Geschihte der Stellvertretung im röm. Civil- prozeß. Tübing. Diff. Bloch, G. Des origines du Sénat romain. Camille Jullian. Les Transformations politiques de l’Italie sous les Empereurs romains. III. Privatre<ht. Ha>feld- Pflüger, H. Ueber Besiß und Erfißzung von Theilen einer Sache. JInaug.-Diss. Kobler, J. Der Diêpositionsnießbrauh. Jahrbücher für Dogmatik. Mitteis, L, Die JIndividualisierung der Obligation. Danz, E. Die Forderungsüberweisung, Schuldüberweisung und die Verträge zu Gunsten Dritter nah gemeinem R. Kraut. Grundriß zu Vorlesungen über das eie F Neu bearbeitet von F. Sren8dorff. 6. verm. Aufl. Bolze, A. Die Praxis des Reichs- gerihts in Civilsaben. Bd. IT. Kolligs. Die wichtigsten Rechts- grundsäße bei Privatauktionen. Pollak. Der Schenkungswiderruf, insbef. seine Vererblichkeit. Ein Beitrag zur Abfassung des deutschen bürgerl. Geseßbuhes. Naef, N. Das franz. u. bad. R. der Vermögensabsonderung unter Eheleuten. Mayer, H. Das württemb. Familien-, Erb- und Vormundschafts-R. in seinen Grundzügen dar- gestellt. IV. Geri{tsverfassung und Civilprozeß. Franz. Zur Reform des Notariats in Elsaß-Lothringen. Bunsen, Fr. Die Lehre von der Zwangsvollstrekung auf Grundlage der deutshen Reichs- justizgeseze systematis<h dargestellt. Wolff, Th. Die ‘Ein- tragung in das Grundbu< zur Vollstre>ung einer Forderung fowie zur Vollziebung eines Arrestes und einer einstweiligen Verfügung systematis< dargestellt. Hartmann, B. Geseh betr. die Anfehtung von Rechtéhandlungen eines Schuldners außer- halb des Konkursverfabhrens. Vom 21./7. 1870. 3. Aufl. V. Strafre<tswissenshaft. Olshausen, J. Kommentar zum Str.G.B. für das Deutsche Reich. 2. umgearbeitete Aufl. Scheiff, A4. Das Dynamitgeseß vom 9./6. 1884. Einc \ystematishe Darstellung als Beitrag zur Frage nah der Revision des Gesetzes. VI. Kirchenrecht. Pilette, C. Traité de l’administration des Fabriques d’'Eglises. Scadnuto, F. L'’abolizione delle facoltà di theologia in Italia (1873). Studio storico-critico. VII. Staats- und Verwaltungsre<ht. v. Holst. Das Staatsreht der Vereinigten Staaten von Amerika (Marguardsen’s Handbu<). Bornhak, C. Geschichte des preuß. Verwaltungs-R. VIII. Internationales Recht. Milhoud, U. Principes du droit international privé dans leur application aux Privilèges et Hypothèques au point de vue du droit positif français. Kasparek. Der Antheil der Polen an der Pflege des internationalen R. (in poln. Sprache). IX. Hülfswissenschaften. Tidy, Ch. M. Legal Medicine. Part. I u. II. C. Zeitschriften- Uebershau. D. Neue Erscheinungen. 1) Deutshe Bücher und e 2) Ausgaben von. Geseßen. 3) Wichtige ausländische

erke.

Unter dem Titel: „Berliner bunte Mapye“ ift in Münten, in der Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft (vormals Friedri<h Bru>kmann) ein Album (in 49%, 99 S.) erschienen, zu wel<hem nur Berliner Künstler und Schriftsteller, unter diesen die hervorragendsten, Beiträge geliefert haben. Die Reihe der Stiche eröffnet Anton von Werner mit dem in photographishem Dru> aus- gezeichnet wiedergegebenen Bilde „Der rothe Prinz“, welches den Prinzen Friedri< Carl, im Hintergrunde au<h den Kaiser mit anderen be- kannten Perfönlickeiten, in meisterhafter Auffassung und Ausführung darstellt. Derselbe Künstler hat au< no<h einen „Grenadier aus der Zeit Friedrich des Großen" gespendet. Die anderen in dem Album ver- tretenen Maler und Zeichner sind: W. Amberg, Carl Be>er, Carl Begas, G. Bleibtreu (.Besiegung der Raubritter in der Mark dur Friedrih I *), Eugen Bracht, G. Brandt. E. Döpler d. J., G. Eber- län I. Ehrentraut, E. En>e, C. Gussow, Graf von Harrach, H. Herrmann („Im Parke der Jubiläumsausstellung zu Berlin“), H. Por A. v. Heyden, P. Hoter, G. Hom, C. Kiesel, L. Knaus

„Genügsamer Weltbürger“), O. Kunille, R. Knötel, G. Koch, M. Liebermann, H. Louis, Ad. Menzel (,Der Sti>künstler“), Paul Meyerheim (,Ein Ruhestünd<hen ein Affe“), L. Pietsch, B. Plockhorst („Mater dolorosa“), H. Prell, C. Röthling, H. Shlittgen, N. Sichel, Fr. Skarbina, C. Stauffer-Bern, E. Teschendorf, P. Thumann, H. Vogel. Darstellungen von Landschaften, Studienköpfe und Genrebilder we<seln in dem angenehmen Turnus mit einander ab. Auch in den literaris<hen Beiträgen sind Ernst und Scherz, Dichtung und Prosa vertreten, wie {on die Namen der Autoren ergeben : K. Bleibtreu, Th. Fontane, R. Gneist, Eduard Grisebah, H. Hei- berg, H. Hopfen, Helene von Hülsen, Paul und Rudolf Lindau, P. Lindenberg, . Lubliner, Friß Mauthner, L. Pietsch, M. Ring, I. Rodenberg, Schmidt-Cabanis, E: von Scönthan, Rob. Schhweichel, Fr. Spielhagen, I. Stettenheim, J. Stinde, Joh. Trojan, Rich. Voß, Elis. Werner und Jul Weiß. Wem unter den vielen bervorragenden Künstlern und Schriftitellern der Preis gebührt, is {wer zu entscheiden; wir wollen das Urtheil hierüber dem Leser überlassen, deren das eigenthümliche, Berlin zur hohen Ehre gereihende Werk recht viele finden wird, zumal es si< zum Geschenk bei dem nahenden Weihnahtsfest vorzüglich eignet. Die Ausstattung ist dur<weg zu loben, besonders fei bierbei no<h auf die von Hrn. Woldemar Friedrih gezeihneten Vignetten und den von Hrn. Paul Thumann entworfenen Ums<hlagde>el der kartonirten Aus- gabe hingewiesen. Der Preis der leßteren stellt si<h auf 10 Æ, der der Ausgabe in Leinenband auf 12

__— Kirchhoff u. Wiegand in Leipzig haben über ihr sehr reihhaltiges antiquarishes Bücherlager wiederum 2 Kataloge (Nr. 774 u. 775) veröffentliht. Nr. 774 (Nationalökonomie, Sozial- wissenschaft, Land- und Forstwirthschaft, enthaltend die Bibliothek des Professors Dr. Birnbaum in Leipzig) bringt ein Verzeichniß von 1905 Schriften, die unter folgende Haupt-Abtheilungen vertheilt sind: I. Ge- \hihte der Nationalökonomie, der Land- und Forstwirthschaft, T1. Na- tionalökfonomie, 111. Sozialwissenshaft und Arbeiterfrage, IV. Land- wirtbschaftlihes Unterrichtswesen, V. Vermischtes und Encyklopädisches über Landwirthschaft sowie Zuschriften, VI. Hülfskenntnisse des Land- wirths und Landbaukunst, VII. Betrieb, Ertrag, Paht, Buchführung, VIII. Bodenkredit, Belastung, Wirthschaftspolitik, Versicherung, Thei- lung des Bodens, IX. Landwirthschaftsreht und Let Be aebung, X. Lehrbücher der Landwirthschaft im Allgemeinen, X1. A>er- bau, XII. Thierzucht, X11]. Nebenbetriebe: Bienenzuht, Seidenbau Weinbau, X1V. Landwirthschaftliße Gewerbe (ein\<l. Bierbrauer und Essigfabrikation), XV. Hauswirthschaft und Kochkunst, XVI. Gar- tenbau, Obstbau, Parkanlagen, XVI1I. Forstbetrieb des Landwirths, XVIII. Forst- und Jagdwissenschaft, sowie Fischerei. Nr. 775 (Iurisprudenz und Staatswissenschaften, enthaltend die Bibliothek des Professors Dr. Klostermai n in Bonn) führt 1092 Schriften unter fol- enden Rubriken auf: 1. Geschichte des Rehts, Rechtsquellen, Zeit- fristen, I]. Bergre<t, Patentreht, Ret der Presse, 111. Jurispru- denz im Allgemeinen, 1IV. Staatswissenschaften sowie Statistik.

In beiden Katalogen findet man viele werthvolle und wichtige Werke verzeichnet.

Veterinärwesen.

Rumänien.

In den rumänischen Gemeinden Vetrisóia und Ra ; die Rinderpest erloschen. s nceni ist