1886 / 279 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

olens, Sé<wedens 2c.), sowie von Staatsmännern (Hardenberg, Fürst Bis- mar>, Brühl g r Pillolovben (Fichte 2c.), Historikern, Theo-

Europas (Englands, Frankrei<s, Spaniens, Rußlands,

logen, Dichtern (Goethe, Schiller, Gellert, Byron, Ariofto, Dante 2c.) und anderen berühmten Männern bieten. Von den Herrschern des preußis<en Staates werden berücsihtigi: Friedri<h Wilhelm der Große Kurfürst, Friedri<h Wilhelm I., Friedri II. der Große, Friedri< Wilhelm 1II., riedri Wilhelm 1V., sowie der deutsche Kronprinz Friedrih Wilhelm ; besonders viele Schriften betreffen Friedri<h den Großen. Von anderen Herrshern heben wir no<h be- sonders hervor die Kaiserin Katharina 11. von Rußland und die Kö- nigin Elisabeth von England. Der vorstehende Katalog {ließt eine Menge sehr werthvoller und wichtiger Biographien in fich. : ; Der Buchhändler und anf can Paul Lehmann in Berlin (Französische Straße 33 e) bat vor Kurzem 2 Kataloge (Nr. X[LIII und XLIV) scines antiquarishen Bücherlagers ausgegeben. Der erstere, Nr. X11], enthält unter dem Titel „Rechtswissenschaft“ ein Verzeichniß von 2228 re<tswissenshaftlihen Schriften, welche unter folgenden Abtheilungen vertheilt sind: Literatur und Philosophie des Rechts, sowie Vermischtes; Opera, Zeitschriften, Entscheidungen, Rechtsfälle; Geschichte und Quellen des römishen Rehts mit Kom- mentar; Geschichte und Quellen des deutshen Rehts, Geseßsamm- lungen, Provinzialre<te; Ausländis<es Recht ; Lehrbücher des Privat- re<ts; CivilistisGhe Monographien; Familienre<ht (Ehe-, Erb- und Vormundschaftl.); Obligationen, Verträge, Forderung und Cession, sowie Kompenfation; Besiß, Cigenthum, Verjährung; Handels-,

MWedchsel-, See- und Gewerbere<ht; Grundbuhwesen, Hypo- thekenreht, Lehnre<ht, Pfandre<t; Baureht, Bergrecht, Preßgesetgebung, Urheberreht =2c.; Gerichtsverfafsung und Prozeß); Gerichtspraxis, Freiwillige Gerichtsbarkeit, Notariat ; Strafre<ht und Strafprozeß; Kirchenreht. Nr. XLIV „National- ¿kfonomie und Staatéwissenschaften“, führt außer einem „Nach-

trage“ zu Katal. XLIIT 12 re<têwissenschaftlihe Schriften um- fassend 1765 Schriften unter folgenden Rubriken auf: Allgem. Staats- und Völkerrecht, Diplomatik, Politik, Konsularwesen, All- gemecines; Deutsches Staatsreht und Politik; Preußishes Staats- re<t und Politik; Staatsre<t und Politik der deutshen Staaten außer Preußen, fowie Adel; Staatsrecht der ausländischen Staaten; Nationalökonomie im Allgemeinen, sowie Soziale Frage; Statistik, Versicherungswesen, Grundeigenthum; Finanz-, Bank-, Zoll-, Münz- und Steuerwesen; Verwaltung, Polizei, Armen-, Vereins- und Ge- nossens<haftswesen; Handel und Industrie, Verkehrswesen (Eisenbahn und Post). In beiden Katalogen findet man eine Menge werth- voller und wichtiger Schriften über die angeführten Materien. Die in Leipzig und Berlin am 27. d. M. erscheinende Nr. 2265 der Illustrirten Zeitung enthält folgende Abbildungen: Frauenbildniß von Tizian im Louvre zu Paris. Nach dem Kupferstich von Forster. Aus den oberösterreihis<hen Alpen: Die Thorsäule am e Schnee (im Hintergrund die Dachsteingruppe im U A nebel). Nach der Natur gezeihnet von A. Heilmann. Aus Bul- garien : Cine Sitzung der Großen Sobranje in Tirnowa. Nach einer Skizze von St. Micha. Aus der Jubiläums-Kunstausstellung zu Berlin: Neugierige. Nach dem Aquarellgemälde von Ludwig Passini. (Zweiscitig.) Allerscelentag am Sarkophage König Ludwig's 11. in der St. Michaels- Hofkirche zu München. Originalzeihnung von Eugen ai Paul Bert, französisher General-Resident in Tongking und nnam, f am 11. November. Gustav Frhr. von Heine-Geldern + am 15. November. Das neue Postgebäude in Erfurt. Nach einer photographischen Aufnahme gezeichnet von G. Theuerkauf. Bauernhäuser. 9 Abbildungen. us der neuesten (4.) Auflage von «Meyer's Konversations-Lerikon“ (Leipzig, Vibliegraphishes Institut). 1) Holsteinisches, 2) Westfälishes und sächsishes, 3) Schleswigsches, 4) Fränkisches, 5) Schweizer, 6) Oberdeutsches N E 7) Hinterpommersches, 8) Wendishes Bauernhaus, 9) Thüringisch- fränkisher Bauernhof. Polytechnishe Mittheilungen: Buchdruk- S(hreibmaschine Westfalia. Patentirtes Noteuschränkhen. 2 Figuren. Moden: Promenadenanzug. Gesellschaftstoilette. Weihnachts- büchertish: Auf dem Berge. Holzschnittnachbildung na< einer Originalzeihnung aus „Altes und Neues“ von Ludwig Richter. (Leipzig, Alphons Dürr.) Aus „Richard Wagner's Heldengestalten“, erläutert von Hans v. Wolzogen. (Leipzig, Edwin Sclömp.) On Otto Schelper als Telramund. August Kindermann a (arke.

Gewerbe und Handel.

, Zur Lage des Bernsteingeshäftes schreibt die „Chemiker- Zeitung“: Das Bernsteingeshäft hat im verflossenen Jahre eine Aenderung dadurch erlitten, daß es in Wien gelang, kleine Stü>e Bernstein, wel<he bislang von der Laffabrikation konsumirt wurden, zu größeren zu vereinigen, wodurch Tun und Preiéstellung der großen und werthvolleren Waare sehr nachtheilig beeinflußt wurden. Um diesen Verhältnissen entgegenzuarbeiten, hat die Weltfirma Stantien und BVe>er in Königsberg i. Pr., welche, aus kleinen Anfängen hervorgegangen, gegenwärtig fast die ganze Bernsteingewinnung und den ganzen Bernsteinhandel in M hat, seit fast Jahresfrist solche Élcine Bernsteinstüke, wie fie seither zur Lackfabrikation Verwendung fanden, gar ni<t mehr in „den Handel gebra<ht. Vielmehr hat die genannte Firma in Palmni>ken unter Aufwand bedeutender Mittel eine Schmelze errichtet, in welcher die kleinen Bernsteinstü>ke zu Bern- steinkolophon vers<molzen werden, um dann in 6 verschiedenen Quali- täten in den Handel zu gelangen. Da das Schmelzen des Bernsteins eine zeitraubende und mit ziemlihen Unkosten verbundene Arbeit ist und zugleih wegen des dabei auftretenden Geruches die Nachbarschaft belästigt, so erscheint das Unternehmen der genannten Firma als ein wesentliher Fortschritt der La>fabrikation. Ob es ihr gelingt, dur dasselbe der Jmitation von Bernstein den Boden ganz zu entziehen, bleibt abzuwarten. Thatsache ist, daß die meisten Lackfabrikanten den ges<molzenen Bernstein als eine sehr gute Errungenschaft begrüßen und mit großer Vorliebe verarbeiten. Die wenigen größeren La>- fabrikanten, die si, da sie die Schmelzanlage einmal haben, no< dagegen sträuben, werden vielleiht über kurz oder lang si< auc eines Besseren besinnen, insbesondere, wenn sie den kleinstü>kigen Bernstein nit mehr genügend bekommen, da die Händler, die no< alte Vorräthe besißen, damit wohl bald geräumt haben werden.

__ In der Schmelze in Palmnicken werden die Bernsteinstücke sorg- fältig nah ihrer Farbe fortirt und dann einer Wäsche unterworfen. Weiter wird der Stein, um einen möglichst hellen und blanken La>k zu erzielen, im Dampfbade von ca. 150 Grad mit bestimmten Agentien jo behandelt, daß die äußere dunkle Rinde losweicht, während der helle feste Kern erbalten bleibt. Hierauf erfolgt das Schmelzen des Steins, wobei ihm dur<h Dampf möglichst viel Bernsteinsäure und Oel ent- zogen wird, wodur< werthvolle Nebenprodukte gewonnen werden und ein Kolophon resultirt, welhes einen glänzenderen, dauerhafteren Lak liefert. Die Firma arbeitete Anfangs mit Gas\hmelzöfen, hat Ii jeßt aber verworfen und ein anderes Schmelzverfahren ein- geführt.

Die Gesammtausbeute an Bernstein, der aus\hließli< an der ostpreußishen Küste, und zwar in den Bernsteinbergwerken Palmnicken und Kraxtepellen und der Bernsteinbaggerei bei S<hwarzort gefördert wird, betrug im Jahre 1885 ca. 3670 Centner, gegen 4480 Centner im Jahre 1884.

Kottbus, 25. November. (W. T. B.) Die Generalversamm- Lung der Oberlausiger Eisenbahngesellschaft hat die Offerte der Königlichen Staatsregierung wegen Erwerbung des Gesellschafts- unternehmens mit 27 807 Stimmen angenommen.

Nürnberg, 24. November. (Hopfenmarktberi<t von Leo- pold Held.) Der Markt bleibt si< völlig gleich. Der größte Theil der Umsäße if na< wie vor auf Rechnung des Exports und zwar vornehmli<h auf das Conto des Exports nah Amerika zu seyen, doch geht au< ziemli< viel na< England. Für Amerika wurden theilweise ordinäre Hopfen zu 25—33 4, dann aber au<h größere Quantitäten Mittelsorten zu 40—50 #4, und etwas Primawaare bis zu 70 M gekauft. B xport na< England sind viele grünlich- gelbe glattfärbige Hopfen zu 25—40 M genommen worden. Der

undscastsbedarf ist kein großer. Die Preise sind völlig unverändert

und die Stimmung ruhig. Der Cesammtumsay der ersten drei Tage E Wochs betragt ca. 3500 Ballen. Die Notirungen lauten: Gebirgshopfen 70—75 Æ; Markthopfen 25—55 4; Aisch- gründer 25—75 Mz Hallertauer prima 75—90 Æ, mittel 45—55 M, gering 25—35 46; Württemberger prima 75—90 H#, mittel 45— 50 M, gering 2535 Æ; Badische prima 80—85 ä, mittel 40— 50 M, gering 25—32 Æ; Wollnzaher Siegel 70—9 #Æ#; Spalter Land 75—150 #4; Elsässer 25—60 #4; Posener 30—85 Z

London, 24. November. (A. C) Der Handel in fabri- zirtem Eisen liegt im Norden Englands no<h immer sehr darnieder. Jn Dorman, Long & Company's West Marsh Works in Middlesborough haben am Sonnabend nicht weniger als 300 Arbeiter einwöchentliche Feidequn erhalten und in James Brothers Ayrton Rolling Mills sind 1 Arbeiter von ciner ähnlihen Maßregel be- troffen worden.

Bradford,*25. November. (W. T. B.) Wolle fest, eher theurer, Garne rubig, fest, Stoffe geschäftslos.

St. Petersburg, 26. November. (W. T. B.) Den „Nowosti* zufolge hat der Reichsrath den rrrgentwur? ange- nommen, wonah vom LGE,) Januar 1887 ab die Revenuen aus russis<hen Eisenbahnaktien befteuert werden sollen und zwar mit 5 9/0, soweit die Revenuen von der Regierung garantirt sind, mit 3%, soweit dieselben ni<t garantirt find. Ausgenommen sind die Aktien folgender Eisenbahnen: Warschau-Bromberg, Warschau - Wien, Warschau-Tereépol, St. Petersburg-Warshau, Dünaburg-Witebsk, Tambow-Kosiow, Kursk-Kiew, ferner der Nikolaibahn, der Zarskoje- Selo-Bahn und der Lodzer-Bahn. j :

New-York, 25. November. (W. T. B.) Ein aus Mexiko eingetroffenes Telegramm meldet: im mexikanishen Kongreß sei eine Vorlage, betreffend eine Zollreduktion auf landwirth- \chaftli<he Geräthe und Steuerfreiheit auf 50 Jahre für alle Kohlen-, Eisen- und Que>silber-Minen, eingebra<ht worden. Unter den zoll- freien Waaren sind zahlreihe Einfuhrartikel aus England und den Vereinigten Staaten.

Verkehrs - Anstalten.

London, 25. November. (W. T. B) Der Castle- Dampfer „Hawarden-Castle“ hat gestern auf der Ausreise Capetown passirt.

Sanitäts8wesen und Quarantäuewesen.

: [Oesterreich - Ungarn.

Laut Verfügung der K. K. Secbehörde zu Triest werden die Provenienzen aus Fiume und den übrigen Häfen des ungaris<- Troatishen Küstenlandes in Triest fortan zum freien Verkehr zugelassen.

Die Provenienzen aus dem österreihis< - illyris<hen Küstenlande unterliegen in Dalmatien einer dreitägigen Quaran- tâne, die aus dem Ungarish-kroatishen Küstenlande einer 24 stündigen Beobachtung.

Italien. Quarantäne- Verordnung Nr. 21. Laut Verordnung des Königlich italienis<hen Ministeriums des Innern vom 17. November 1886 kommt auf die Sardinien be- nachbarten kleinen Inseln, mit Ausnahme von Asinara, die Quarantäne gegen die von der Hauptinsel anlangenden Provenienzen von dem bezeihneten Tage ab in Wegfall. An die Stelle derselben tritt das im ganzen übrigen Königreih gegenwärtig bestehende, dur< die Verordnung Nr. 17 vom 12. September d. J. (Reichs-Anzeiger Nr. 223 vom 22. September 1886) vorgeschriebene gesundheitspolizei- lihe Verfahren ein und zwar au für diejenigen nah jenen Inseln bestimmten Schiffe, welhe sich gegenwärtig in Beobachtung befinden. Tunis.

__ Zu den gegen Ankünfte aus Sardinien, Fiume und vom italie- nischen Festlande bestehenden Quarantäne-Maßrege!ln (Reichs-Anzeiger Nr. 239 und 270 vom 11. Oftober und 16. November d. I.) ist dur Ministerialbes<luß vom 12, November 1886 eine für sämmtliche Häfen der Regentschaft angeordnete fünftägige Beobachtungsquarantäne gegen Provenienzen aus Genua und Spezia hinzugetreten.

Berlin, 26. November 1886.

Den Grfolg, den die Kunsthandlung von Friß Gurlitt in Berlin mit den von ihr zuerst veranstalteten Nachbildungen tana- gräischer Terrakotten in der Größe und in dem Material sowie in der fertigen Bemalung der Originale erzielte, hat sie dahin geführt, aus derartigen Nachbildungen eine besondere Spezialität zu machen. Den ersten Thonfigürchen von Tanagra folgten mehr und mehr andere Stü>e gleicher Art, und aag ist die Reihe dieser Arbeiten auf ni<t weniger als 47 Nummern angewachsen, die eine Auswahl der allerbesten Originale Jedermann zugängli< machen. Die neuesten, jeßt erst ershienenen Stücke {ind drei in höchstem Grade interessante Aphrodite - Gruppen aus der Sammlung des Professors Dr. von Kaufmann, deren Werth den Besuchern der Ausstellung poly- <romer Bildwerke in der Nationalgalerie durh die von dem Besißer leihweise überlassenen Stücke bekannt geworden ist. Jn der einen dieser Gruppe sind Ares und Aphrodite einander gesellt; in der anderen tritt Hermes zu der ruhenden Göttin heran ; in der dritten und wohl s{<önsten von allen wird die in ihrem Sessel Thronende von Charitinnen bedient und ges{mü>t. Neben diesen Terrakotten brachte die Gurlitt'she Kunsthandlung sodann vor etwa Jahresfrist den es dem Original in Wachs modellirten und be- malten s{önen ädchenkopf aus dem Museum zu Lille, eines der interessanten Stücke unseres Besißes an älteren Kunstwerken, dessen Ursprung sicher im Kreise des Leonardo zu suchen ist, und an ihn reiht \si< jegt als eben erschienene neueste Re- vroduktion die Nachbildung eines ebenfalls in Wachs modellirten Renaissance-Bildwerks, der kleinen, 16 Centimeter hohen Gruppe der „Venus mit dem Amor“, einer italienishen Arbeit aus dem 16. Jahrhundert, die \si< im Besiß der Königlichen Museen befindet. Trefflich ist der Kopie der kleinen, völlig unbekleidet dastehenden, mit Armringen und mit einem Haars<mu> aus winzigen bunten Perlen ges<hmücten Figur, die mit der Rechten den gegen ihre Hüfte ih stemmenden Amorknaben unterstüßt, während die rü>wärts auf der Hüfte ruhende Linke den Bogen hält, die Wiedergabe der zierlichen, ans Kokette streifenden Grazie und der dabei in der ganzen Bewegung der Gestalt sih aus\sprehenden Wahrheit der Naturbeobahtung ge- lungen. Es is nicht zu bezweifeln, daß der Reiz der originellen Statuette die gelungene Nachbildung zahlreihe Freunde gewinnen lassen wird.

Leipzig, 25. November. (W. T. B.) Der vierte Civil- senat des Reichsgerichts unter dem E des Reichsgerichts- Den Dr. Simson hat die von den Reichstagsabgeordneten

irihlet und Hasenclever gegen ihre Verurtbeilung zur Herausgabe empfangener Parteidiäten in Höhe von 500 und 1501 M eingelegte Revision verworfen. Vom Gerihts- bofe wurde erkannt, daß die Ober-Ländesgerichte in Königsberg i. Pr. und Naumburg a. S. den Artikel 32 der . Reichsverfassung und die betreffenden Paragraphen des Preußishen Allgemeinen Landrechts L interpretirt und angewendet. haben. ; as Reihsgericht hat den Redacteur Prohl aus Kiel wegen Verbrechens des vollendeten Landesverraths in idealer. Konkurrenz mit Bestehung zu 9 Jahren Zuchthaus und Verlust der Ehrenrecte auf 10 Jahre verurtheilt. |

London, 24. November. (A. C.) Wie die „Times * \{<hreibt, hat sih der Afrikareisende Henry M. Stanley vor seiner Abreise na< den Vereinigten Staaten erboten, die Führung einer

nihtmilitärishen Grpedition vom Osten Afrikas na< Uganda

zu übernehmen, um den König, den Sohn sein 5 | Mtesa, zu veranlassen, den Verkehr dur< sein Land wig Grenig und Emin Bey Hülfe zu bringen. Nach Stanley'z testatty würde eine sol<he Expedition 12—18 Monate in Ansp Neiny und er hat Hrn. J. F. Hutton in Mantefter seine Ansichten und den Kostenübershlag der Regierung sowie Leuten, welhe \i< für essiren, vorzulegen. Augenbli>li< is Lord Iddeslei Erwägung der Sache beschäftigt. Hr. Stanley wird sofost mit York na< Europa zurü>kehren, sobald die Ausführun gvon Ney nehmens gesichert ist. Eine persönliche Entschädigung [s R niht. In einem gestern in Edinbur abgehaltenen 4 dp der shottisben geographischen Gesellf hene F | Afrikareisende Dr. Felkin die Mittheilung, daß er soch “i ade | Juni datirten Brief von Emin Bey echalten habe een tei selbe sagt, daß er si< bei guter Gesundheit befinde und’ quer lw edenke. Das Meeting kam überein, die Regierung zu bitt] ntsay Emin Bey's eine friedlihe Expedition zu entsenden en, jun

Aleppo, 25. November. (W. T. B.) Au

neur D\<hemil Pasha wurden heute, währe cen Goutes: Straße passirte, von einem Individuum drei Revolver abgegeben. Der Gouverneur wurde nicht getroffen und verba ile Attentäter felbst. Die Ruhe ist nicht gestört worden. ele t

Im Deutschen Theater wurde gestern das ; jährige Schriftsteller-Jubiläum des Direktors Adolf L Aron egangen, Am Morgen versammelten {ih die Mitglieder des S tuts zu ciner festlihen Begrüßung des Jubilars auf der Bübn: sli am Abend gab man ihm zu Chren an dieser ¿Stelle das fünfal, Lustspiel „Doktor Claus“, welches vor Jahren eine unge ält Reihe von Aufführungen auf der Wallner - Bühne erlebte “a welches in der That die Eigenart des dramatischen Sóafru | L'Arronge’'s am besten zum Ausdru> bringt. Die gestrige Aufführung gestaltete si< für den Dichter und Jubilar 5 einer s<h¿nen Dvation; shon bei seinem Erscheinen in der Loge v er von dem voll beseßten Hause dur< lang andauerndes Beifall Üatschen begrüßt und na< jedem Aufzuge mußte der Jubilar wieder: holt vor der Gardine ersheinen und die sympathishen Kundgebungei des Publikums entgegennehmen; zum Schluß drüd>te Direktor L'Arronge in einer kurzen Ansprache seinen Dank für den ihm gezollten Beifall aus. L'Arronge hat der deutshen Bühne eine ganze Reihe wirksamer Lustspiele und Volks\tü>ke geschenkt, welche das Bürgerredt auf derselben gewonnen haben, und einige der von ihm geschaffenen und

auf die Bühne gebrachten Gestalten haften als Typen in unserm Gedächtniß Wir brauchen über das beliebte und in ganz Deutschland bekannte Usb spiel „Doktor Klaus“ niht no< einmal kritish zu Gericht zu sißen; es fei genua, zu bemerken, daß die gestrige Festaufführung alle var trefflihen Seiten desselben voll zur Geltung brachte, und was ehy daran zu tadeln wäre, mögli{st vers<winden ließ; aber das Verdient des Verfassers möchten wir do<h gerade bei dieser Gelegenheit bet * nen, daß er in seinen dem Volksleben entlehnten Bildern imma | nah Wahrheit strebte, daß er das Niedrige, das Gemeine vermid | und seinen Erfolg davon erwartete, daß er poetische Gereltig: | keit walten ließ, daß er das Gute als das Siegreiche, das Seht: als das Unterliegende hinstellte, daß er den Segen ehrlidt Arbeit dem Unsegen des Müßigganges, das hehre Gefühl des Pflidk bewußtseins der moralis<hen G eihgültigkeit gegenüberstellte und so af Herz, Seele und Gemüth fleichmäßig tiefe und \{<ône Wirkungen ausübt, Die gestrige Vorstellung war also, wie erwähnt, - eine in alla Theilen und im Ganzen ausgezeihnete. Von den Hauptdarstellem, welche s<hon vor Jahren im Wallnertheater mitgewirkt haben, finden wir Hrn. Engels hier mit seiner komishen Meisterleistung als Kutscher Lubowski wieder; ferner wirkte gestern Fr. Karlsa als Fr. Dr. Claus in ihrer alten Rolle, während Hr. Kad burg und Hr. Schönfeld, wenn wir ni<ht irren, ihre ite vertausht hatten. Die Titelrolle gab Hr. Dr. Förster mit Au zeichnung, aber nit besser als früher Direktor Lebrun ; in den erstet Akten wohl etwas zu bars, fand er später wahre Töne des Mik gefühls und der Rührung. Die Tochter Emma wurde von Frl, Agnes Sorma mit liebenswürdigem Humor und zarter Verschämtheit: zu Geltung gebra<t; au die „Frau Baronin“ fand in Frl. Marbez eine vortrefflihe Darstellerin. In Episodenrollen fanden Hr. Frit mann und Frl. Stolle Gelegenheit ihr Talent feiner Charakteristk länzen zu lassen. Der Vorstellung wohnten Ihre Königlihä Hoheiten der Prinz Wilhelm und der Erbgroßherzog von Olde urg bei.

Im Belle-Alliance- Theater seßte Fr. Marie Geistin ger ihr Gastspiel am gestrigen Abend in Änzengruber's Bauer komödie „Die Kreuzel schreiber“. fort und fügte den co welche sie seit ihrem augenbli>li<hen Aufenthalt hierselbst erzielt at einen neuen zu. In der Rolle der Josefa, einer jung verheirathet, lebenslustigen Bäuerin, kann die gefeierte Künstlerin ihr Talent s reht na< den verschiedensten Seiten hin verwerthen. Das Derbe, Natürliche der energishen Ehefrau, das troßige, \elbstbewußte D derselben Alles das fand in dem ausgezeihneten Spiel der Gasli seinen na Ausdru>. Die bewundernswerthe Jugendfrisdt welche die Künstlerin si erhält, kam ihr beiDarstellung derJosefa besonde zu Statten und t uns die Figur nur noh gefälliger erscheinen; au t schalkhafte Humor, welcher der Fr. Geistinger so wohl ansteht, klingt anregend dur< und trägt zur Erheiterung der Zuschauer wesentli mit bei. Einen tüchtigen Partner fand die Dame in Hrn. Sik, welcher den kräftigen jungen Bauern vortreffli< in Maske und Spil wiederzugeben verstand und aus demselben eine prächtige, lebetb wahre Gestalt zu shaffen wußte. Gleich tüchtig in ihrer Art war

r. Binder und Hr. Hanno; die beiden alten von ihnen dargestellt

urshen waren carakteristishe Typen. Die genannten Künsile zeigten si< in ihren Rollen als ausgezeihnete C arafterscauspieltt. Dasselbe läßt si<h au< von Hrn. Huber sagen. Die übrigen Mb wirkenden spielten und fangen flott, sodaß die Vorstellung in jede pt eine lobenswerthe war und hoffentlich recht viele Wiede olungen erlebt.

Am gestrigen Abend fand das zweite Concert des Pianist Hrn. Sauer im Saale der Sing-Akademie statt. Es elangt neben der Beethoven'shen Sonate op. 31 1 fünf Chopin'\ he Kol! positionen, dann das umfangreiche op. 88 „Thema und Variakiont | von A. Rubinstein, zwei kleinere Sahen von G. Sgambati \hließli<h die Rhapfodie Nr. 12 von Fr. Liszt zum A 2 der Ausführung dieses umfangreihen Programms erwies {id q Sauer nah jeder Richtung hin als der auf hoher fünstlerischer p endung stehende Klavierspieler, welcher in vollem Maße die Aue nungen verdient, mit wel<hen er Seitens des zahlrei erschien! Publikums übershüttet wurde. « dit

__Am Sonntag, den 28. November, Abends 74 Uhr, geben j Violinvirtuosin Marianne Eißler und die Harfenvirtuosin Glas Eißler in der Sing-Akademie ein Concert, in welchem v die Klaviervirtuosin Emmy Eißler mitwirken wird. Auf ff Aen stehen Kompositionen von Benedict, Vieuxtemps A

lvars, Wagner-Wilhelmj, Massenet, Wieniawski, John Thom Sarasate, Godefroi, Oberthür und R. Pohl.

E

Redacteur: Riedel.

Verlag der Expedition (S < olz).

Dru> der Norddeutshen Buchdru>kerei und Verlags-Anstalh, Berlin 8W., Wilhelmstraße Nr. 32.

Vier Beilagen (eins{ließli< Börsen-Beilage).

Berlin:

Er fte Beilage

zum Deuïischen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Freitag, den 26. November

SwG6

M 279.

Reichstags - Angelegenheiten.

Die Begründung zu dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Friedens-Präsenzstärke des deutschen Heeres, hat folgenden Wortlaut:

Die Friedens-Präsenzstärke des deutshen Heeres is zuleßt dur<h Gese vom 6. Mai 1880 geregelt und hierbei für die Zeit vom 1. April 1881 bis 31. März 1888 auf 427 274 Mann, d. h. auf 1 Prezent der nah der leßtvorher gegangenen Volkszählung (1. De- zember 1875) orts8anwesenden Bevölkerung festgestellt worden.

Gegliedert ist das Heer in

483 Infanterie-Bataillone, 20 JIäger-Bataillone, 465 Escadrons, 340 Batterien mit 1404 bespannten Geshügten, 31 Fuß-Artillerie-Bataillone, 19 Pionier-Bataillone, 2 Eisenbahn-Bataillone, 18 Train-Bataillone. :

Treu seiner Bestimmung bildet dieses Heer die Bildungs\<hule des deutschen Volkes für den Krieg; seine Kriegstüchtigkeit bietet die hauptsählihste Gewähr für die Sicherheit und Machtstellung des Reichs. Eine \{<were Täuschung würde es aber sein, wenn das Be- wußtsein, eine \tarke und kriegsbereite Armee zu besißen, die Gefahren untershäßen ließe, wel<he Deutschland aus seiner von allen Seiten einem Angriff ausgeseßten Lage erwachsen. Denn nur der Verglei mit der Kriegsmacht der benahbarten Großstaaten giebt einen Anhalt für das Maß der eigenen Stärke. Kaum hat cs eine Zeit gegeben, in welher die Bestrebungen, die Wehrkraft nachhaltig zu festigen und zu steigern, so allgemein hervorgetreten find, als die jüngst verflossene und die gegenwärtige. Freilich ist die deutsche Nane unter dem zwingenden Dru> der äußeren Verhältnisse gleihfalls gewachsen ; das Heer verstärkte si< von 378 069 (1870) im Jahre 1871 auf 401 059 und seit 1881 auf 427 274 Mann; die Marine in den gleihen Jahren von 5744 auf 10451 (1880) bezw. 13 892 (1886) Köpfe, aber troß dieser Vermehrung kann cs keinem Zweifel unterliegen, daß die mili- tärische Lage mehr und mehr zu unseren Ungunsten sich verschiebt.

Hiermit läuft das als Frucht eines glorreichen Krieges neu er- standene Deutsche Reich für eine absehbare Zukunft Gefahr, bei cinem drohenden europäischen Konflikt nit mehr seine der Erhaltung des allgemeinen Friedens dienende Politik nahdru>svoll führen zu können, es is sogar, wenn au< für uns der Krieg unvermeidli<h werden sollte, die kaum errungene Selbständigkeit des Reichs bedroht. Einer

ewissenhaften M ding unserer Heeresmacht mit derjenigen unserer ahbarstaaten bedarf es daher mehr als je, und kein sein Vaterland liebender Deutscher wird die danah für uns \i< ergebenden Noth- wendigkeiten verkennen können.

Frankreih hat nah dem Feldzuge 1870/71 rey geringerer Be- völkerungsziffer cin stärkeres Friedensheer als Deutschland aulgesten! und dasselbe, wel<es 1870 358 846 Mann (0,93 9/% der Bevölkerung) betrug, 1880 auf 444477 (1,18*%/0 der Bevölkerung), 1886 auf 471 811 Mann (1,22* % der Bevölkerung) aus\<hließli<h Offi- ziere 2c. gebracht. 4 E ;

Seine Infanterie gliedert si< gegenwärtig in 649 Bataillone (2939 Compagnien, 294 927 Mann), seine Feld-Artillerie in 446 Batte- rien mit 1856 bespannten Geschüßen und 851 bespannten Munitions- wagen. Diese \{on seit dem Kriege 1870 in erheblihstem Maße ver- elk Waffe hat auch in den leßten Jahren noh eine Steigerung der Kriegsbereitshaft dur< veränderte Dislokation und Veru:chrung um 54 Melbainte Geschüße erfahren, so daß wir auf diesem Gebiet zu besonderer Aufmerksamkeit genöthigt find. i

Ein Gesetzentwurf, welcher zur Zeit der Berathung unterliegt, bezwe>t erweiterte, kriegsgemäßere Cadresbildung und einen ferneren Zuwachs von ungefähr 44 000 Mann. Diese erneute Verstärkung des Heeres fällt aber umsomehr ins Gewicht, als die Marine an Mann- schaften bereits 67 336 Mann zählt. i : / L

Rußland hat . seit dem leßten orientalishen Kriege die Armee vollständig reorganisirt und für seine numerish überlegenen Streit- kräfte dur< Vermehrung des fehtenden Standes und systematischen Ausbau der Eisenbahnen gleichzeitig erhöhte Kriegsbereits<aft und er- leihterten Aufmarsh geschaffen. Die Friedenscadres der für einen europäischen Krieg zunächst bestimmten regulären Truppen sind um 2064 Bataillone, 90 Escadrons und 35 Batterien gestiegen. Die ge- sammte russis<he Infanterie und Seld-Artillerie umfaßt 9844 Ba- taillone mit 547 450 Mann (aus\{ließli< Offiziere 2c.) und 395 Bat- terien mit 1736 Ges<hüßen und 160 bespannten Munitionswagen.

Die Seitens der europäischen Landestheile mit Wehrpflicht aus- [lest Finnland im Frieden aufgebra<hte Truppenzahl berehnet

ih als PDIENLIaS der bezüglihen Bevölkerung O folgt:

/o 1880 . 1,06 , aa a Q

Der weitere Ausbau der Flotte, welhe einen Mannschaftsstand von 26 272 Köpfen erreicht hat, wird mit rastlosem Eifer betrieben.

Angesichts dieser Verhältnisse, wel<he um so ernster ins Auge ge- faßt werden müssen, als Deutsc(land, in Anbetracht der erforderlichen Bereitschaft nah mehreren Seiten, nicht die Streitmittel nur eines einzelnen Nachbarstaates in Rechnung ziehen kann, erwächst die Noth- wendigkeit, die Organisation und Stärke des deutschen Heeres der ver- änderten Situation anzupassen und Abhülfemaßnahmen so umfassend und so bald als mögli eintreten zu lassen. E

Allerdings legt die erforderlihe Vermehrung unserer Streitkräfte dem Reih neue Spfer auf; aber na<hdem unsere Nachbarn sich zu gleihen und größeren Opfern ents<hlossen haben, um ihre Aggressivtraft uns Leer zu verstärken, haben wir nur die Wahl, ob wir diese neuen Dpfer auf uns nehmen oder den Grad der Sicherheit Deutsch- ne O sehen wollen, welher auf den bisherigen Verhält-

en beruht.

Die Ausgaben Deuts<hlands für seine Kriegsma<ht (Heer und Marine) beziffern \i<

1870 auf 972 478 397 A6 1880 , 403 425 826 ,„ s 1886 , .. , 446288673 , d, h, für den Kopf der Bevölkerung . 7,06 M. 892 In Frankrei den für Len gleich Zwe> n Frankrei<h wurden für den gleihen Zwe 1870 ....…. 397856 000 M 1880 766 096 000 ,„ 186... . , 826616000 ,„ verausgabt, d. h. für den Kopf der Bevölkerung 10,33 M. 20,42 21,57

Rußland, welches den Unterhalt der aus Finnland sich ergänzenden Truppen aus Mitteln dicses Landes, denjenigen der irregulären ruppen aus einer besonderen Kasse nale der irregulären Truppen) estreitet und für weitere militärische edürfnisse über eine große Zahl besonderer Fonds (Kasernenfonds 2c.) verfügt, hat glei<wohl

*) Nah Abrechnung der geworbenen Truppen 1288 E 1 do

noch ein Kriegs-Budget von 785 906 259 4; dicse Summe reprä- sentirt gegen 1870 beziehungsweise 1880 eine Steigerung von 279 beziehungsweise 87 Millionen Mark.

Es dürfte von Interesse sein, au< den Prozentsaß des Budgets (nah Abzug der Schuldenverzinsung kennen zu lernen, der in jedem der drei vorgenannten Länder dur< die Gesammtkosten der Heeres- verwaltung in Anspru< genommen wird. Für Frankrei<h und Ruß- land läßt si<h derselbe ziemli<h zutreffend bere<hnen und stellt si

hiernach 1880 1886 Laas E: 2D,08% 40,46 9/0, Rußland (ohne Finnland). 49,47 , O 5 Für Deutschland läßt sih eine gleiche, auf Genauigkeit Anspruch machende Berehnung um deswillen ni<t aufstellen, weil die Zu- sammenstellung eines Gesanges niht nur das Budget des Deutschen Reichs, sondern au< die Budgets sämmtlicher einzelnen Bundesstaaten mit berücksichtigen müßte, leßtere theilweise nah ganz verschiedenartigen Grundsäßen aufgestellt sind und überdies die aus dem System der Selbstverwaltung \i<h ergebenden Ausgaben der Provinzial- und Gemeindeverbände nit mitenthalten. __ Einen zum Verglei geeigneten Anhalt bieten indessen die Ver- hältnisse des größten Bundesstaates. Werden den gesammten Staats- ausgaben des preußishen Staates diejenigen Ausgaben gegenüber- gestellt, welhe das Seitens Preußens allein aufzustellende Militär- ontingent erfordern würde, so ergiebt fig, daß leßtere betrugen : 18755... . 27,06 %

1880/81 . 26,05 1885/86 . . . 26,04 ,

Den Vorausseßungen des Geseßes vom 6. Mai 1880 würde es allerdings entsprochen haben, wenn die Frage der Vermehrung unserer Streitkräfte ers zum 1. April 1888 der Verwirklihung zugeführt worden wäre, aber mit Rücksicht auf die jenseit unserer Grenzen ein-

etretenen Verhältnisse kann eine Verspätung der Entschließung ver- bängnißvoll werden. ;

Es erscheint daher geboten, mit den entsprehenden Maßregeln nicht bis zum Ablauf der Dauer des gegenwärtig gültigen Geseßzes zu warten. Allerdings zeigt \sih hierbei, daß eine Periode von sieben Jahren nit unter allen Umständen für die Weiterentwi>elung unserer Wehrkraft maßgebend sein kann, aber andererseits läßt sih do< aus der gegenwärtigen Lage kein Grund entnehmen, einer neuen Geseßzes- vorlage von Hause aus eine geringere Gültigkeitsfrist zu geben. Denn der Erfolg einer jeden derartigen Maßregel ist bei unserem Wehr- system dur eine Reihe voa Jahren ungestörter Entwickelung bedingt. Daher ift eine siebenjährige Periode immerhin ein ni<t ungeeigneter Anhalt für umgestaltende Gesetesvorlagen. j

Von diesen Gesichtspunkten geht die gegenwärtige Vorlage aus und \{<lägt demgemäß vor, die Friedens-Präfenzitärke des deutschen Heeres {hon vom 1. April 1887 ab und für die Zeit bis zum 31. März 1894 auf 468 409 Mann (aus\{<ließli< der Einjährig- Freiwilligen), d. h. gegen lept um 41 135 Köpfe zu erhöhen.

„Zu den einzelnen Bestimmungen ist no< Nachstehendes zu be- merken:

u8. 1.

Die Zahl von 468 409 Mann entspriht einem Prozent der nah der Zählung vom 1. Dezember 1885 ortsanwesenden Bevölkerung und übersteigt hiernah .ni<t das bisher maßgebend gewesene Ver- hältniß. Die jährlihe Mehreinstellung von 13000 bis 14000 Re- fruten #tößt anf keine S<hwierigkeiten, da, wie die im Juni d. J. vorgelegten „Uebersichten der Ergebnisse des Deer a für das Jahr 1885“ erweisen, der Bestand der „überzählig“ Geblie- benen rund. 20 000 Köpfe beträgt, wobei no< in Betracht kommt, daß ein Theil der Militärpflihtigen nur um deswillen der Ersaß- reserve I. Klasse überwiesen wird, weil die Ersaßbehörden bei dem Ueberfluß an tauglihen Mannschaften in der Lage sind, nur die körper- lih Brauchbarsten zur gewöhnlichen Aushebung zu designiren.

Es könnte noh in Frage kommen, ob die den Endzwe> der Vor- lage bildende Vermehrung der für den Kriegsdienst vollkommen aus- gebildeten Mannschaften niht dadur anzustreben wäre, daß unter entsprehend s\tärkerer Rekruteneinstellung innerhalb der bisherigen Friedens-Präsenzstärke eine Verkürzung der Dienstzeit der Fußtruppen bei den Fahnen eingeführt wird. : i /

Aber ganz abgesehen davon, daß diese Dienkt;zit bei der In- fanterie durhs<nittli< überhaupt nur 2 Jahre 43 Monate beträgt, und daß wir hinsichtli<h ihrer geseßlihen und thatsächlihen Dauer den uns benachbarten Großstaaten nachstehen, so zwingt die numerische Ueberlegenheit, gegen welche Deutschland voraussichtli< in einem künf- tigen Kriege zu kämpfen haben wird, des Weiteren dazu, die fehlende

ahl möglichst dur< die Güte der Ausbildung zu erseßen. Hiernach tellt sih eine Verkürzung der Dienstzeit um so mehr als unmögli eraus, als bei der Schnelligkeit, mit welher Kriegserklärung und erste N auf einander folgen werden, die Gelegenheit, Lücken der Ausbildung nachzuholen, nicht gegeben ift. u

Die Heeresverstärkung soll in erster Linie der Infanterie zu gute kommen. Es de>t si< hierbei in glü>lihster Weise das militärische Erforderniß mit dem Bestreben, die niht zu umgehenden Geldopfer so niedrig als mögli zu halten. Nichtsdestoweniger haben do<h au namhafte Vermehrungen für die Feld-Artillerie, die Eisenbahntruppen und den Train vorgesehen werden müssen. Die a ot und die L haben nur insoweit Berücksichtigung erfahren, als dies durch okale Bedürfnisse beziehungsweise die Reorganisation des Militär- Telegraphenwesens geboten ist; die Forderungen für die Kavallerie beschränken sich darauf, daß für diese Waffe die Rekrutenvakanz in Wegfall kommen soll.

Es sollen neu errichtet werden:

Stäbe: 2 Divisionsstäbe, 4 Infanterie-Brigadestäbe und 1 Kavallerie- Brigadestab zwe>s Errichtung je einer 3. der 32. und 33, Division beim XII. (Königlich \ächsishen) und XV. Armee-Corps unter gleichzeitigem Fortfall des beim XII. (Königlih sä<hsis{<hen) Armee - Corps bestehenden Kavallerie-Divisionsstabes ; Infanterie: y s j 5 Regimenter (4 preußische, 1 sä<hsishes), gi 15 Bataillone (15 preußische); äger : 1 Bataillon (1 \ä<sis{<es); x Feld-Artillerie: i: : 21 Fie (16 preußische, 2 bayerische, 1 sä<sis<er,

2 württembergische), i l .

/24 Batterien (17 preußische, 2 bayerische, 3 sä<sis<e, 2 würt- tembergische); Eisenbahntruppen:

3 Bataillonsstäbe (2 preußische, 1 bayerischer), ; Compagnien (6 preußische, 1 bayerische, 1 sächsische, 1 würt- tembergische) ;

Pioniere: ; dra 1 Compagnie (1 preußische); rain : 14 pooua nien (12 preußishe, 1 \ä<hsis<he, 1 württem- ergishe). Was von dem Mannschaftszuwachs nicht für die vorbezeichneten Neuformationeu benöthigt wird, soll zur Etatsverstärkung bereits vor-

handener Truppentheile verwendet werden, wel<he leßtere namentlih für die Infanterie in sehr erheblichem Umfange in Auss\iht genommen ist.

Während für die eben bezeihnete Etatsverstärkung au<h Rü>- sihten der Ausbildung maßgebend sind, wird die Aufstellung der Neu- formation theils dur< die unzulängliche pas der Friedenskadres Et und Feld-Artillerie), theils dur<h die Sicherstellung der

obilmachung (CEisenbahntruppen, Pioniere und Train einge Die Errichtung der 32. Division begründet si< dur< das Anwachsen der Stärke des RII. (Königlich \sähsishen) Armee-Corps, welhes fortan 12 Infanterie-Regimenter und Jäger-Bataillone zählen soll, diejenige der 33. Division durch die beim XV. Armee-Corps bestehenden besonderen Verhältnisse.

Im gun möglichster Kostenverminderung wird vorgeschlagen, 15 der neu zu formirenden Infanterie-Bataillone niht in Regimenter ausen, sondern als vierte Bataillone bereits bestehenden

egimentern zuzutheilen. Sit u

Es erscheint zwe>mäßig, diejenigen Bestimmungen aus dem Reichs-Mlitärgeseß auszuscheiden und în ein besonderes das gegen- wärtige Geseß zusammenzufassen, welche je nah dem hervortretenden Bedürfniß einem Wechsel unterliegen.

Die Kosten der durch die gegenwärtige Geseßesvorlage vorgeschla- genen Heeresverstärkungen sind veranschlagt :

I. Fortdauernde Ausgaben ues N Meno oon

reußen C82 ; ahsen . . 2359000 , Württemberg 630 000 , 20 800 000 M. im G Dazu für Bayern | m Ganzen (3938 : 37197) 792202072 „, | 23002072 M

rund 23 000 000 ITL. Einmalige Ausgaben:

Württemberg . Bayern. N Unter den einmaligen Ausgaben sind diejenigen, welhe durch eine entsprehende Erweiterung der Kasernirung, sowie dur< etwaige Magazinbauten und Unterkunftsräume für Material erforderlih werden, nicht mit veranschlagt.

Sahsen | im Ganzen rund 24 200 000 G

Außerdem liegen dem Reichstage folgende Geseßentwürfe vor:

Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Tel S788 9 des Reichshaus3halts-Etats für das Etatsjahr 1887/88.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen 2c. Í verordnen im Namen des Reichs, nah erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstages, e folgt:

Der diesem Gesetze als Anlage beigefügte Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1887/88 wird, wie folgt, Festgestellt : in Ausgabe auf 746 888 121 Æ, nämli< auf 627 351 430 M. an fortdauernden, und auf s 536 691 6 an einmaligen Ausgaben, un in Einnahme auf 746 888 121 M

8, 2, Der diesem Geseße als weitere Anlage beigefügte Besoldungs- Etat für das Reichsbank-Direktorium für die Zeit vom 1. April 1887 bis 31. März 1888 wird auf 138 at é. festgestellt.

Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur vorübergehendeu- Ver- stärkung des ordentlichen Betriebsfonds der Reichs-Hauptkasse nah Bedarf, jedo< niht über den Betrag von siebzig Millionen Mark hinaus, Schaßanweisungen Ugen,

Die Bestimmung des Zinssates dieser Schaßanweisungen, deren Ausfertigung der preußishen Hauptverwaltung der Staatsschulden übertragen wird, und der Dauer der Umlaufszeit, welche den 30. Sep- tember 1888 nicht überschreiten darf, wird dem Reichskanzler über- lassen. Innerhalb dieses Zeitraumes kann, nah Anordnung des Reichs- kanzlers, der Betrag der Schatzanweisungen wiederholt, jedo< nur zur Dns der in Verkehr geseßten Schaßanweisungen ausgegeben werden.

8. 5, ;

Die zur Verzinsung und Einlösung der Schaßanweisungen er- forderlihen Beträge müssen der Reihs-Schuldenverwaltung aus den bereitesten Einkünsten des Reichs zur Verfallzeit zur Verfügung ge- stellt werden. /

8. 6. ; L A Ausgabe der Schaßanweisungen ist durch die Reichskaffe zu ewirken.

Die Zinsen der Schaßanweisungen, sofern leßtere verzinslich aus- gefertigt sind, verjähren binnen vier Jahren, die verschriebenen Ka- pitalbeträge binnen dreißig Jahren nach Eintritt des in jeder Schay- anweisung auszudrlü>enden Fälligkeitstermins.

Der Reichshaushalts-Etat pro 1887/88 balanzirt in Einnahme und Ausgabe mit 746 888 121 M Die fortdauernden Ausgaben seßen sih folgern: zusammen: Reichstag 379 670 4, Reichskanzler und Reichskanzlei 141 360 A, Auswärtiges Amt 7 762530 (+ 384 995) Æ, Rei ge amt des Innern 8 002 641 (+ 249 116) #4, Verwaltung des Reichs- heeres 345 459 762 (-+ 3 423 049) 4, Marineverwaltung 38 338 192 (ap 1 237 007) Æ, Reichs-Justizverwaltung 1 924 058 (— 21 680) M, eihs8-Schaßamt 153 404 386 bi 2130 280) M, Reichs-Eisenbahn- amt 298 680 (4- 1515) 4, Rei s{<uld 19 919 500 (4- 1 617 000) M, Rechnungshof 529 773 K, Age er Pensionsfonds 24 344 780 +— 92494705) A und eihs - Invalidenfonds 26 846 098 2 115 490) M, zusammen 627 351 430 (+ 6 140 O M Die cinmaligen Ausgaben betragen: Auswärtiges 421 550 (— 193 450) #, Reichsamt des Innern 20 388 273 (+ 17 080 263) 4, Post- und Telegraphenverwaltung 4512 270 (+4 3455) #4, Verwal- tung des Reichsheeres 58 602 051 (+ 17 090 463) #, Marineverwal- tung 9 317 770 (— 384 130) #, Reichs-Justizverwaltung 850 000 (+ 85 000) 4, Reichs-Schaßamt 74 000 000 (+ 100 000) 4, Reichs- \<uldenverwaltung 223 400 (4+ 223 400) #Æ, Eisenbahuverwaltung 592 000 (— 2 702 460) 6, Fehlbetrag des Reichshaushalts-Etats pro 1886/87 17 229 377 (+ 11 659 074) é, zusammen also 119 536 691

(4+ 43 355 615) M betragen 746 888 121 M

Die esammten (+ 49 496 052 A).

( ôllen und Verbrauchs- steuern auf 392 673 000 4, Reichs\tempelabgaben 27 886 000 46, Post

Ausgaben Die Einnahmen sind veranschlagt bei

“und Telegraphie 29 452 783 #4, Reichsdru>kerei 1 078 130 4, Eisen-

bahnverwaltung 16 696 600 4, Bankwesen 2 108 500 #4, verschiedene Verwaltungseinnahmen 8 429 043,46,Reihs-Jnvalidenfonds 26 846 098,46,