1886 / 280 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Der Magistrat von Berlin hat zu Meinem Geburtstage in alt- gewohnter Weise Meiner gedacht und Mir mit den Ausdrü>en an- hängliher Gesinnung aufrihtige Freude bereite. J< danke dem Magistrat für seine guten Wünsche und erwidere dieselben mit der Versicherung, daß Meine rege Theilnahme für das Wohl der Haupt-

ftadt auf allen Gebieten stets dieselbe bleiben wird. Berlin, den 23. November 1886.

Victoria, Kronprinzessin.

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für Zoll- und Steuerwesen und für Rehnungswesen, die vereinigten Ausschüsse desselben für Zoll: und Steuerwesen und für Handel und Verkehr, sowie der Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen

hielten heute Sißungen.

Jm weiteren Verlauf der gestrigen (2.) Sißzu ng des Reichstages ergab der Namensaufruf die Anwesenheit von 230 Mitgliedern. Das Haus war also beschlußfähig.

Darauf fand die Präsidentenwahl statt.

Der Abg. Dr. Windthorst beantragte, zur Abkürzung der Geschäfte, das bisherige Präsidium mit den Schriftführern durch Affkklamation wiederzuwählen. Er glaube damit den An- shauungen und Wünschen des ganzen Hauses zu entsprechen.

Da ein Widerspruch gegen diesen Wahlmodus nicht erhobeu wurde, so erklärte der Präsident den Abg. von Wedell-Piesdorf als zum ersten Präsidenten, den Frhrn. von und zu Fran>en- stein und den Abg. Hoffmann zu Vize-Präsidenten des Reichs-

tages gewählt.

Der Präsident von Wedell-Piesdorf nahm die Wahl an und dankte besonders für den Beweis von Vertrauen, den ihm das Haus hierdur< aufs Neue gegeben habe.

Mike Präsident des

Hauses zu sein, sei es sein vornehmstes Bestreben gewesen, die strengste Gerechtigkeit zu üben, und es werde dies au<h in der bevorstehenden Session die Richts<hnur seines Handelns sein. Sollte er in dieser Bezichung Fehler begehen, so bitte er, wenigstens überzeugt zu sein, daß es an \ bade und deshalb Nachsicht zu

üben. Zugleich bitte er das Haus, die wohlwollende Ünter- stüßung, welche er in der vorigen Session gefunden, ihm auch in der bevorstehenden zu Theil werden zu lassen; denn er wisse nur zu gut, daß es ihm nur dadur möglich sein werde, die Geschäfte so zu führen, wie das Haus es zu forderu be-

dem Tage an, wo er die Ehre gehabt

guten Willen niht gefehlt

rechtigt sei.

_Der Abg. Freiherr von und zu Fran>enstein dankte gleichfalls verbindlihst für seine Wahl zum Vize-Präskdenten. Er nehme dieselbe an und bitte au<h für diese Session um Vertrauen

und Nachsicht.

Der Abg. Hoffmann dankte ebenfalls für das ihm be- wiesene Vertrauen und erklärte die Annahme der Wahl.

Auf Antrag des Abg. Dr. Windthorst wurden zu Schrift- führern gewählt die Abgg. Dr. Bürklin, Eysoldt, Dr. Hermes, Graf von Kleist, von Kulmiz, Porsh, Graf Schönborn und

Wichmann.

u Quästoren ernannte der Präsident die Abgg. Kochann und Franke. Der Reichstag war hiermit konstituirt. Präsident wird Sr. Majestät dem Kaiser die vor-

geschriebene Mittheilung hiervon machen.

Um 3 Uhr vertagte fih das Haus auf Dienstag 12 Uhr.

L Allg. Ztg.) Die Patent-Enquete- m: ion beschäftigte sh am Donnerstag mit den die heimishe Jndustrie betreffenden Fragen des Fragebogens,

kfommis

welche lauten : 7) Ist es geboten, im Geseß ausdrü>li< auszusprechen,

Patentirung eines Verfahrens, insbesondere zur Herstellung <emishen Produktes, au< die Wirkung haben soll, das Inverkehr- bringen oder Feilhalten des nah dem patentirten Verfahren her- gestellten Produkts von der Erlaubniß des Patentinhabers abhängig

zu machen? 8) Liegen Wahrnehmungen darüber vor, daß Produkte,

na einem im Inlande patentirten Verfahren hergestellt find, zum Nachtheil des Patentinhabers in erheblihem Umfange aus dem Aus- lande eingeführt werden? Ist bejahenden Falls no< eine weiter- gehende als die unter 4 zur Frage gestellte Gesetzesvorschrift zu

erlassen ?

9) Würde sich insbesondere eine Bestimmung des Inhalts re<t- fertigen, daß bei der Einfuhr neuer Stoffe vom Auslande, deren Her- stellungsverfahren im Inlande patentirt ist, bis zum Gegenbeweise die Vermuthung gelten soll, daß die Herstellung derselben nah dem patentirten Verfahren erfolgt sei? Soll diese Präsumtion selbst dann gelten, wenn ein anderes Herstellungsverfahren in der That be-

Tannt ist?

Die beiden ersten Fragen wurden einstimmig, die leßte

fast einstimmig bejaht.

Die Einnahmen der Reichs-Post- und Tele- graphen-Verwaltung für die Zeit vom Beginn des Etatsjahres bis zum Schluß des Oktober d. J. haben be- tragen 101 541 766 H, 3826 835 4 mehr als in demselben Zeitraum des Etatsjahres 1885/86, die der RNeichs-Eisen-

bahn-Verwaltung 27 745600 M (— 297 900 M).

Hat in Preußen Jemand an Gegenständen seines Schuldners, welche in bestimmten verschließbbaren Räumen aus dem Grundstü>k des Schuldners sich befinden, ein F

pfandrecht unter Beobachtung der im Preuß. Allg.

re<t für die sog. symbolishe Verpfändung vorgeschriebenen Förmlichkeiten erworben, die Schlüssel zu den gedahten Räu- men an sich genommen und bei si< bis zur Konkurseröffnun über das Vermögen des Schuldners verwahrt, so hat na einem Urtheil des Reichsgerihts, V. Civilsenats, vom 27. Oktober d. J., dieser Plandallubiger ein Absonderungs- bst wenn er während der Verwahrung der Schlüssel öster dieselben dem Schuldner behufs vorübergehender Benußung der Räume gegeben hat.

Das „Centralbl. d. Bauverw.“ \{hreibt: Betreffs der nahträglihen Ernennung zum Königlichen Re- gierungs-Bauführer bezw. -Baumeister R uns

Ÿ D usdrud> kommenden weifel beruhen meist in einer irrigen Voraus- sebung, nämlih in der Verwechselung der „Zulassung zur

aumeisterprüfung“ mit der Zulassung zu den weiteren Prü- fungsabschnitten: der Klausur und der mündlichen Prüfung. Nach den Bestimmungen der neuen Prüfungsvorschriften (8. 39 u. f.) ist übrigens in Uebereinstimmung mit den älteren Vorschriften vom 27. Juni 1876 die ulassung zur zweiten Hauptprüfung durch die Ertheilung der äuslichen Arbeit bereits ausgesprochen. Wem somit die leßtere rbeit. ertheilt ist, der ist zur Baumeisterprüfung zugelassen und. bedarf der Ernennung zum Königlichen Regierungs-Bau-

re<t an jenen Gegenständen, se

noch. fortwährend Anfragen zu. Die dabei zum

Behörde (z. B. Reichs ( gewésen ist, empfiehlt es si, die An

steller zuleßt beschäftigt gewesen ist oder no< beschäftigt wir

A

Potsdam, Hannover und Kassel angetreten.

Petersburg abgereist.

Me>lenburg - Shwerin. Schwerin, 26. November. Jn der gestrigen Landtagssißungzu Malchin wurde u. A. Über die 61. Proposition des Engéren Ausschusses, betreffend die Herstellung von Natural-Verpflegungsstationen für mittel- und arbeitslos umherziehende hülfsbedürftige Personen, be- rathen. Es lag ein sehr eingehender Bericht des Engeren Ausschusses über die wichtige, hon auf den beiden leßten Landtagen lebhaft diskutirte Materie vor, welche zuerst in Me>len- burg angeregt zu haben, das Verdienst des Rittergutsbesizers Rettich auf Rosenhagen 1st. - Die Landschaft aller drei Kreise (die Vertreter der Städte) behielt sih aber ihre Erklärung vor, ob sie zur Sache im Plenum weiter berathen oder eine Standeserklärung abgeben wolle. Sodann wurde eine Proposition des Engeren Ausschusses, betreffend die Verordnung zur Abänderung des revidirten Kontributionsedikts vom 18. Juni 1874, welche am 8. Juni d. J. publizirt ist, mit einem Vortrage des Hrn. von Dreves auf Kirch - Mummendorf und des Bürgermeisters Schlaaff-Waren der s\taatsrehtlihen Kommission überwiesen zum Erachten über die Frage, ob die geschehene Aufhebung der Steuerbefreiung im Auslande bereits besteuerter Zinsen nicht auf die Couponsteuer zu beschränken sei. Ueber die während des leßten Jahres zu verzeihnenden Vorgänge auf dem Gebiet des Eisenbahnbaues und der Wasser- bauten ergiebt sih aus den Vorlagen des Engeren Ausschusses das Nachstehende : 1) Zum Bau einer Sekundär-Eisenbahn Plau—Landesgrenze wurde eine Landeshülfe von 20 000 pro Kilometer bewilligt. 2) Für die Me>lenburgische Süd- bahn sind von dem Rest der Landeshülfe 220 000 M. aus- gezahlt. 3) An die Neubrandenburg-Friedländer Eisenbahn ward gleichfalls der Rest der Landeshülfe entrichtet. 4) Hin- sichtlih der Warnemünde-Neustrelißer Eisenbahn wird bemerkt, daß, nachdem der Betrieb auf der ganzen Stre>e am 1. Juli d. J. begonnen worden, an den Vorstand des Deutsch-Nordi- schen Lloyd von der Landeshülfe für die in Me>lezburg- Schwerin belegene Stre>e 1 235 450 #. ausgezahlt sind, so- daß nur noch ein Rest von 20000 #4 einbehalten ist. Die Landeshülfe für Me>lêaburg-Streliß ward im Gesammt- betrage von 78 684 46 bère#ts an die Lloyddirektion entrichtet, welche also im Ganzen schön 1 314 134 ( erhielt. 5) Außer- dem wurden an den Rosto>ker Magistrat als Landeshülfe für die Hafenbauten in Warnemünde und den Schleusenbau an der Warne 705 000 M gezahlt, sodaß no<h 20000 M rüd>- ständig sind. 6) Für den Bau einer normalspurigen Sekundär- bahn von Wismar nach Karow bewilligte der Engere Aus\{<uß die volle Landeshülfe. 7) Für Erbauung einer Sekundär- Eisenbahn von Ludwigslust nah Dömitz beantragte der Lud- Ang Magistrat Bewilligung einer Landeshülfe von etwa

Sachsen-Weimar-Eiscna<h. Weimar, 26. November. (Th. C.) Der Großherzog ist heute von Allstedt hierher

zurü>gekehrt.

Der dem Landtage zugegangene Voranschlag der Staats-Einnahmen und Ausgaben ist in Folge des nun-

mehr vorliegenden Reichshaushalts - Etats nicht unerhebli<h

modifizirt worden. Einmal muß der Antheil des Großherzog-

a an den Reichssteuern, der mit 1145100 M in den

oranschlag eingestellt war, um 15000 M niedriger be-

messen werden; ferner ist die Erhöhung der Matrikularbeiträge

zu berüsichtigen, die für das Großherzogthum 217 000 M, beträgt. Darunter befinden si<h 111 561 M Antheil an dem Fehlbetrage des Reichshaushalts für 1885/86 diesen Be- trag will die Regierung den Ueberschüssen der Staatskasse entnehmen und 105485 #, um welhe Summe der Aus- gabe-Etat des Staatshaushalts zu erhöhen ist. Zur De>ung dieses Bedarfs werden ebenfalls die Ueberschüsse der Staatskasse herangezogen werden, wie denn überhaupt die Regierung zur Befriedigung der Anforderungen des Reichs die Staatsmittel in Anspru nehmen „wird, mit dem Vorbehalt , daß falls eine weitere wesentlihe Erhöhung der Herauszahlungen aus der Reichskasse nicht eintreten sollte, dem Landtage wegen Be-

shaffung der nöthigen Mittel anderweite Vorlage gemacht werden würde. Einstweilen nimmt die Negierun Abstand von einer Erhöhung der Einkommensteuer, aber au<h von der anfänglih vorgeschenen Da ena einiger Sen, Das mit dem Landtage zu vereinbarende Steuergeseßz

hält daher die bisherigen Steuersäße fest, deren Gesammtbetra auf 1 670 000 M festgestellt ist. | s

Reuß ä. L. Greiz, 25. November. (Lpz. Ztg.) Der

vertagte 7. ordentliche Landtag des Fürstenthums ist zur Wiederaufnahme der Verhandlungen auf Montag, h j

L en 29. d. M., einberufen.

Elsaß - Lothringen. Straßburg, 25. November.

A f. Els.-Lothr.) Der Staatsrath wird sih am

d. M. hier versammeln, um die Vorlagen für den

Landesaus\s<huß zu berathen, der jedo<h ni t, wie in verschiedenen B j

im Januar einberufen werden wird.

lättern mitgetheilt, im Dezember, ondern erst

Kolmar, 22. November. (Lds.-Ztg. f. Els.-Lothr.) Zur

Eröffnung der ordentlichen Session des Bez irkstages des Ober-Elsaß, welche heute Mittags 21/, Uhr im Be irks- Präsidialgebt ube fs

stattfand, hatten sämmtliche Mitglieder

eingefunden. Nach Verlesung der landesherrlichen Verordnung

vom 30. August cr., betreffend die Einberufung der Bezirks- tage, dur<h den Bezirks - Präsidenten, welcher nebst

Regierungs - Räthen Sißung beiwohnte, seines Vorstandes. wählt: zum Präsidenten Baron Präsidenten die Herren Kempf und führern die Herren Grad und Oste die Kommissionen in der leßtjähri Der Bezirkstag trat sodan der Vorlagen ein.

rer zu diesem Zwe> niht mehr. Erst vom 1. April 1887 dis bie im Erlaß vom 10. Oktober d. J. klar ausgesprochen, die Zulassung von der erfolgten Ernennung abhängig gemacht. Wir können aber unseren Rath, den Antrag auf Ernennung jedenfalls zu stellen, nur wiederholen. Für den in dem genannten Erlaß nicht vorgesehenen, bei uns zur Sprache gebrachten E daß ein Bauführer bei einer

ehörde) außerhalb Preußens beschäftigt

rage betreffs Ernennung

zum Königlichen Regierungs-Bauführer an den Minister der öffentlichen Arbeiten zu rihten. Hat die Beschäftigung dagegen innerhalb Preußens stattgefunden, so ist der Antrag auf Er- nennung in Gemäßheit des Erlasses vom 10. Oktober bei dem Chef einer der in $. 30 der“ neuen Prüfungsvorschriften ge- nannten Behörden zu stellen, in deren Bezirk der E

der Bezirkstag Wahlgange wy n Reinat, z Mieg-Köhlin, zu rmeyer. Hierau gen Zusammen n sofort in die

Unter-Staats)e i } . hestande bedroht seien. Bei genauer Zählung der Stimmen für und wider die Beibehaltung des Unter-Staatssekretariats îim Finanz-Ministerium stellt sich obendrein heraus, daß nicht nur die vier Stimmen Majorität den vier Nächst- betheiligten, nämli<h den Unter - Staaissekretären Pey-

tra

Oesterrei<-Ungarn. Wien, 24. Nove Der galizishe Landesausshuß erklä des Antrages Malecki, betreffend den Unterricht in den galizishen Volks- Uebergang zur Tagesordnung. lebhaste Debatten im Landtage he

Pest, 26. November, Abends. ) gation genehmigte in der heuti und unverändert das

rte sih bez

p dee N ME E ETRIZZIE I S I E E S va SV amts Diese An ele Der Präses der Ober-Militär-Eraminations-Kommission, rvorrufen. C General-Lieutenant des Baärres, hat eine Dienstreise nah reihische Dele sißung einstimmig wärtigen und den geforderten Die Berathung über das Extraor Etats wurde auf nächsten Monta ungarischen Delegation wurde genehmigt.

Der Oberst - Lieutenant von Villaume, Flügel- Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Militär- Bevollmächtigter am Kaiserlih russischen Hofe, ist nah St.

Okkupations- E L d g seslgeseßt. das Mari

27. November. (W. T. B.) Jn der der ungarischen Delegation Minister des Aeußeren wegen der M Karaweloff's Fürsten Alexander Graf Käálnoky unterrichtet Bismar> am 22. Juli in Kissingen darüber ve stillshweigend habe, sowie ob die Ver seien und geführt hätten. Namen des Grafen K:

/ heutigen Si interpellirte

Entfernu g

im Voraus über das Att

Rußlands handlungen Anfangs Au zur Unterstüßung der rusfis hef Szoegyény er ilnoky: ihm seien die Karaweloff’'s nur aus den Zeitungen bekannt. unter Hinweis auf Tisza's welcher die Zumuthung einer Kenntniß vo haberschaft an dem Atte den Fragen des JInterp schieden unwahr bezeichnen. Agram, 25. November. interpellirte heute Derentschi Kenntniß davon habe, daß si die politis der Ersaßwahl in gewalt zu Schulden erx werde si<h von der Wa überzeugen repliziren, Derentschin

30. September, in ß von oder einer ntat zurückgewiesen worden sei, erwähnten Umstände als ent

Ztg.) Jm Landtage Regierung: ob 3 Litishen Behörden Vinkovce Mißbräuche der Amts Der Banus tr: hrheit dieser Behauptun antworten. Derentschin was der Präsident jedo< nicht gestattete. N Verent sih mit Gewalt Gehör verschaffen wollte, wurde die Sißung auf zehn Minuten unterbrochen. aufgenommener Sißung wurde der Gesegzentwurf, die Gerichtshöfe, in der Spezialdebatte angenomm

Niederlande. Haag, 27. November. (W. T. B.) Le Regierung hat den Kammern einen Gesetzentwurf, treffend die Aenderung der Verfassung in Bezug auf das Wahlrecht, vorgelegt. Dieser Geseßentwurf {ließt Wahlrechts aus und kInlipft das Wahlreht an den Nachweis einer gewissen gung sowie an bestimmte Bedingungen in V ie sozialen Verhältnisse. durh ein besonderes Gesey näher geregelt werden. F wird ein provisorishes Wahlreglement vorgeschlagen, welt auf einer Ausdehnung des gegenwärtigen Wahlrechts beruht, und dur< welches die Zahl der Mitglieder der Zweiten Kammer auf 100 und die der Ersten Kammer auf 50 erhöht werden soll.

Großbritannien und Jrland. London, 25. November (A. C.) Der Marquis von Salis bury hat die ihm an vorigen Sonntag von ciner Deputation der Sozialisten versammlung auf dem Trafalgar-Square zugestellte Denk \<hrift über die Nothlage unter der arbeitslosen in London und die Mittel zu dere Abhülfe beantwortet. Er sagt: „Die in dieser Denkschrift enthaltenen Veränderungen in si< s{<ließen, werden vom wenn sie demselben unterbreitet werden, ohne ( erwogen werden. Jh bin jedoh außer Stande, sie zu adoptiret oder zu unterstüßen, da ih überzeugt bin, daß sie eint größeren Nothstand als den, welcher gegenwärtig herrsdt, verursachen würden.“ 26. November. melden: die Regierun na<h mehrere" Punkten

die Möglichkeit allgemeinen

Leßtere Bedingungen 0

Vorschläge, legislatorisde

weifel gehörig

Die Abendblätter von Jrland treffe Vorbereitungäl rlands Truppen zu senden, umd Agitation zum Zwe>k der Verhinderung von / zahlungen wirksam entgegenzutreten. ; 27. November. (W. T. B.) Die irische Regi rung hat die für morgen in Sligo geplante nation listishe Kundgebung, bei welcher Dillon und O'Vries Reden halten sollten, untersagt.

Wie die „Times“ erfährt, wird das Parlament atn 13. Januar zusammentreten.

Der „Morningpost“ zufolge {weben Verhandlung! zwischen England und China, b Hamilton an China. Dublin, 26. November. Gericht3hof hat einen Befehl erlassen, dur welchen de Deputirte Dillon angewiesen wird, am nächsten Diensit vor dem Gerichtshof zu erscheine zwei Versammlungen von L zu haben, die bezwe>ten, Unterthanen der Königin zushüchtern und zum Widerstand gegen das G aufzufordern. ; A. C.) Ueber den Feldzug in Birma wird del

Oberst Holt, Comniandeur e Royal West Surrey Regiments, operirte in der Richtung von Pun id fand daselbst den Feind in einer starken Stellung a hen Truppen griffen dieselbe an und nahmen sie mit d _ Der Führer der Rebellen, Tham-han, und si unter den Gefallenen. Es verlautet, daß Prinz

Chindwin, 24. November. Abtheilung berittener Jufanterie da und den Lastthieren des Freischärler- tere mit seinen Anhängern mit

(W. T. B.)

etreffs Abtretung'von Pot! (W. T. B.) Der obersit

da er angeschuldigt i Pächtern Reden geh

¿r’\hen Bureau“ gemeldet : Ningyan, 23. November.

Major Symonds ha s Lager mit sammt ührers Hla-Oo erbe napper Noth in das

Anus der Kapstadt liegt folgende Reuter'she Depesche

m 25. d. vor: Ï In Folge der Resignation des Hrn. Upington kam es zur

Minister-Krisis und is jeßt ein neues Ministerium unter Sir Gordon Srigg als Präsidenten desselben gebildet worden.

ankreih. Paris, 25. November. (Fr. C.) Die 5 mS Sparsamkeit, von welcher die gestrige Beschlü se er Kammer zeugen, lassen die Vermuthung zu, daß die

isfe retariate wirkli<h in ihrem Weiter-

de la Porte, Tourquet und Bernard, ge- örten, sondern daß sechs Mitglieder der Rechten ür den Antrag, betreffend die Aufhebung des Fon ge- immt hatten, während sie zu denjenigen, die si enthielten, ezählt worden waren. Umstoßen läßt si< nun allerdings

das Resultat vom leßten Montag nicht, aber es is} derart, daß über das Schi>sal der Unter-Staatssekretariate kaum mehr Zweifel walten können. Der heutige Ministerrath beschloß, die En Herren aufzufordern, zunächst no< im

Amte zu bleiben, bis die Kammer si<h im Prinzip über die Unter-Staatssekretäre geäußert haben würden, deren Beibehal- tung die Regierung verlangt.

24. November. (Köln. Ztg.) Jn der Budget- Erörterung spiegeln sih die französischen Parteiverhältnisse wahrheitsgetreu wieder. Die Kammer nimmt fast grundsäß- lih alle von dem Budget-Aus\{huß im Einverständniß mit der Regierung verworfenen Verbesserungsanträge wieder auf und beshneidet das Budget des Finanz-Ministeriums auf eine Weise, daß alle Dienstzweige desselben mehr oder weniger in Unordnung gerathen müssen. Da ist es denn sehr erklärlih, daß heute Abend wieder einmal das Gerücht auftauhte, der Finanz-Minister Sadi Carnot sei dieses Treibens endli<h müde und habe von Neuem seine Entlassung eingereiht. Hr. de Freycinet wird au diesmal sein Möglichstes thun, um ihn zum Bleiben zu bestimmen. Die Frage betreffs der Unter-Staats- sekretäre scheint endgültig gelöst zu sein: obgleih Hr. de Freycinet die Entlassungsgesuhe derselben niht amtlich an- nahm, soll er do die Absicht haben, diese von Gambetta ins Leben gerufenen Stellen Man Die jeßigen Unter-

M Staatssekretäre werden wahrscheinli<h im Amte bleiben, bis

ihre Ersezung durh Verwaltungsbeamte geregelt ist.

; Ert! Nonber (W. T. B.) Die Deputirten- kammer hat heute den Etat des Justiz-Ministeriums, unter Ermäßigung der Ausgaben desselben um 1 Million angenommen. Morgen gelangt der Etat des Ministeriums des Auswärtigen zur Beralhung, für welchen der Minister- Präsident de Freycinet selber eintreten wird.

Ftalien. Rom, 23. November. (Köln. Ztg.) Jn Gegen- wart sämmtlicher Räthe der Krone wurde heute vor 200 Ver- tretern der Nation die Deputirtenkammer wieder er- öffnet. Von den 24 verlesenen Anfragen verdient die- jenige des neapolitanishen Advokaten Vastarini über die Verhaftung des Schiffskapitäns Turi und die des Hrn. di Sant'’Onofrio über die auswärtige Politik hervorgehoben

| zu werden. Auf den Vorschlag des Minister-Präsidenten wurde ge-

nehmigt, daß die Budgets zuerst zur Berathung konimen, die An- fragen dagegen in außerordentlihen Sizungen behandelt werden sollen. Der Finanz-Minister legte die Budgets und zwanzig Geseßentwürfe auf den Tish des Vorsißenden nieder. Der Siegelbewahrer überreichte den ersten Theil eines neuen Strafgeseßbuhs und der Bauten-Minister den Entwurf zur Herstellung außerordentliher dringlicher Wasserbauten.

Türkei. Konstantinopel, 26. November. (W. T. B.) General von Kaulbars is heute, nahdem er vom Sultan in einer längeren Audienz empfangen worden war, nah Odessa abgereist. Der Sultan hat demselben das

} Großkreuz des Medjidie-Orden s verliehen.

Rumänien. Bukare ft, 26. November. (W. T. B.) Das amtlihe Blatt veröffentlicht die Dekrete, durch welche der Fürst Leopold von Hohenzollern zum Chef des dritten Linien-Jnfanterie-Regiments und sein Sohn Prinz Ferdinand zum Second-Lieutenant desselben Regiments ernannt werden. Aus Anlaß dieser Ernennungen and heute in Gegenwart des Königs und der Königin, er Generalität und der Hof- und Staatswürdenträger eine Truppenrevue statt. Bei dem Vorbeimarsh der Truppen

j führte Fürst Leopold das ihm verliehene Regiment bei dem

König vorüber, während der zum Second-Lieutenant des Regiments ernannte Prinz Ferdinand von Hohenzollern neben der Fahne marschirte. /

Die englis<h-rumänische Konvention, durh welche der bestehende Hand elsvertrag modifizirt und bis zum Jahre 1891 verlängert wird, ist heute unterzeichnet worden.

er modifizirte Handelsvertrag tritt sofort in Wirksamkeit.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 27. No- vember. (W. T. B.) Der neu ernannte französische Bot- hafter de Laboulaye is gestern vom Kaiser im nits<kof-Palais in feierliher Audienz empfangen worden. ah Ueberreichung seiner Akkreditive wurde derselbe nebst seiner Gemahlin und Tochter der Kaiserin vorgestellt.

Amerika. New-York, 3. November. Der „Köln. Ztg.“

} wird geschrieben : „Die Arbeiterbewegung nimmt in den

ereinigten Staaten einen Umfang und eine Richtung an, die für die Weiterentwi>elung unserer heimischen Industrie verhängnißvoll werden kann. Vor allem ist e der Orden der „Nitter der Arbeit“, der niht nur

in stetigem Wachsen ist, sondern si< au< immer mehr

dur sozialistishe Anschauungen durchdringen läßt. Schon jeßt wird die Gesamt der Ritter der Arbeit“ auf zwei tillionen geschäßt. Der Großmeister des Ordens, Powderly, Q zwar als fkonservativer und gemäßigter Mann, in dem tden selbst aber gewinnen offenbar die radikalen An- Pauungen immer mehr Boden und ihnen wird die rdens eitung entsprehend Rechnung tragen müssen. Die allung der legten Generalversammlung des Ordens, die zwar das gegenwärtige ar Gg ha der Anarchisten als den e jn er Arbeiter zuwiderlaufend bezeichnete, gleihwohl aber ihr warmes Mitgefühl für die verurtheilten Chicagoer Anarchisten aussprach, giebt in diefer Hinsicht viel zu denken. 10 die bisherige Zurü>haltung der verschiedenen Gewerks- vereine den Rittern der Arbeit gegenüber dürfte niht mehr von langer Dauer sein. Gelingt es, eine Annäherung oder

gar ein inniges Zusammengehen dieser Arbeitervereinigungen zu erzielen, so dürften für unsere Arbeitgeber s{hwere und gefahreiche Zeiten hereinbrechen.

Zeitungssftimmenu.

Die „Weser-Zeitung“ äußert sih in einer Betrahtung über die Thronrede zur Eröffnung des Reichstages wie folgt: . . . Als wichtigsten Gegenstand der Mtgelaciüen Arbeit erwähnt der Minister die Militärfrage. Die Nothwendigkeit, unser Heer zu verstärken, wird weit mehr betont, als diejenige, die tete Grundlage ihrer Friedensstärke abermals sicherzustellen; es wird fogar niht einmal gesagt, auf wie lange Zeit legteres gesehen müsse. Gleihwohl steht die Septennatsvorlage in sicherer Aussicht. Mag nun über die Militärfrage“ an si< no< manherlei Meinungsverschiedenheit sein, gewiß ist, daß die ganze Nation der auf den Frieden gerihteten Politik des Kaisers auf- rihtig und dankbar zustimmt und daß sie ein großes und starkes Leer gern in seiner Hand sieht, als ein wichtiges und gewictiges nstrument für die Erhaltung der Sicherheit unseres Landes, als eine Waffe, deren Mißbrauh Niemano befürchtet. Daß an eine Crleichterung der fur<tbaren Rüstung, unter welher Deutschland wie alle kontinentalen Großmächte seufzen, niht gedaht werden kann, so lange Frankrcih und Rußland in ihrer drohenden Kriegsstärke ver- harren, ist wohl einmüthige Ansicht aller Deutschen, au der Oppo- sition. Auch eine jährliche Festseßung der Friedensstärke würde daran ebenso wenig ändern, wie sie die Entwi>klung der Marine gehemmt hat. Die Nothwendigkeit der geforderten Verstärkung darzuthun, hat m lone unterlassen; das wird nunmehr der Vorlage selbst zufallen.

Die Wiener „Presse“ schreibt über die Thronrede:

Indem die Thronrede den ungünstigen Stand der Neichsfinanzen zugiebt und feststellt, daß die Deckung des Ausfalls an der Zu>er- steuer, die De>ung der unabweislichen Reichserfordernisse eine In- anspru<hnahme des Reichskredits und eine Erhöhung der Matrikular- beiträge nothwendig macht, verzichtet die Reichsregierung angesichts der Voten des Reichstages über die Branntweinsteuer, mit diesem Reichstage weiter über Steuerreformpläne zu verhandeln. Der nähste Reichêtag wird unter dem Dru>k einer unerläßlichen Vermehrung der Reichs8cinnahmen zusammentreten, er wird gewählt werden unter dem Eindru> der bewilligten oder gar der verweigerten Heeres- verstärkung, und der Ernst der gestellten Fragen, die zwingende Nothwendigkeit ihrer Lösung wird dem Scnibelreiten der Her- ren Windthorst und Richter ein Ende machen. Erst dann, wenn die deutsche Volksvertretung in Ansehung der nothwendigen Dinge wieder verläßlih sein wird, dann erst wird man mit den Parteien über die nüßlihen und angenehmen Parteiparolen verhandeln können. Eine Opposition, welche ohne Rechtfertigung die Gesetzgebung in den noth- wendigen Crledigungen hemmt, kompromittirt den Parlamentarismus das soll in aller Schärfe und Eindringlichkeit den deut\chen Wählecn klar gemacht werden. Man mag einwenden, daß die Thron-

rede für solhe Zwe>e etwas nüchtern gehalten ist und es vers{<mäht,-

auch nur mit etlichen angenehmen Worten der Opposition den bitteren Trank zu insinuiren, Diese Art von Volkspolitik hat Fürst Bismar> nie betricben, ihm galt immer als Hauptsache: rem dicere; das verba dicere werden die Herren Windthorst und Richter hon mit erprobter Gründlichkeit besorgen. Ob au<h mit Erfolg? Darauf wird die deutshe Nation antworten müssen.

Die „Staatsbürger-Zeitung“ sagt unter

der Ueberschrift „Deutsches Handwerk sonst und künstig“: Wir gehören zu denjenigen, die es durhaus niht als Merkmal höherer Zivilisation betrachten, den industriellen Kleinbetrieb zu den Todten zu werfen. Es hat eine Zeit gegeben, und das ist no<h gar niht lange ber, wo jeder, der an die Zukunft des Handwerks glaubte und für sie arbeitete, von Leuten, die si< gern liberal nennen, unbe- dingt als Finsterling vor der Oeffentlichkeit denunzirt wurde. . . Die maßlose A A: der Maschine, die solhe wirren Vorstellungen erzeugen konnte, ist hon jeßt bei allen Einsichtigen ein überwundener Standpunkt, und wird es in Zukunft no< mehr werden. Mehr und mehr bri<ht si< die Erkenntniß Bahn, daß die In- telligenz des einzelnen Arbeiters denn do<h unendli<h wi- tiger ist, als die Maschinenseligen es ahnten, daß die beste aschine nie einen Ersay bieten kann für den geistigen Mangel des Arbeiters. Die industriellen Erfolge, die wir in den leßten Jahren auf allen Gebieten der Industrie zu verzeichnen haben und die das Ausland, in erster Linie England und Frankreich, in einen panischen Schre>en gejagt haben, danken wir der zunehmenden Jn- telligenz und Vorbildung des einzelnen Arbeiters. Wir wiesen darauf hin, welchen ungeheuren Einfluß die Weiterentwicelung des Fort- bildungs-Schulwesens und der industriellen Fachshulen auf die Lei- stungen des deutschen Handwerkers hat; wie unendli<h kräftiger läßt si< diese Wirkung no< machen, wenn die einzelnen Gewerbebetriebe sih straffer organisiren, geschlossen zur Begrün- dung von Fachschulen vorgehen und ihrem Nachwuch8 die mindestens moralische Verpflichtung auflegen, in den Fachshulen eine höhere Ausbildung zu su<hen Auf der hohen geistigen Durchbildung des einzelnen Handwerkers beruhten die staunenswerthen Erfolge deut- her Industrie im 14.,, 15. und 16. Jahrhundert, jener Zeit, wo deutsche Handwerksgenossenshaften weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, în Italien, Frankreich, selbst in England bestanden. Es ift eine lächerliche Redensart, daß die bis ins Kleinste gehende und heut- zutage, wie immer, nothwendige Arbeitstheilung eine ganz andere Art der Produktion nöthig mache und daß aus diesem Grunde das Klein- gewerbe von der Großindustrie dur einen angeblichen Naturprozeß unterdrückt werden müßte. Das 15. und 16. Jahrhundert hat genau so mit Hülfsmaschinen gearbeitet wie wir; und die Genossen- haft jener Zeit war ni<ht nur eine solidarishe Nohstoff- genossenschaft, sondern hielt \si< au< gemeinfame Maschinen. Daß dieselben damals beispielsweise als Göpelwerke von lebenden Wesen, von Pferden oder Menschen, in Be- wegung geseßt wurden, ist kein prinzipieller Unterschied, genug, die genossenschaftlihen Maschinen standen den einzelnen Meistern zur Ver- fügung. Die moderne Zeit hat fogar etwas sehr Wesentliches für den Kleinbetrieb voraus: wir haben heute Kraftmaschinen, die mit Gas

oder heißer Luft arbeiten, und deren Anschaffung um ein Billiges

selbs einem weniger Bemittelten möglich ist. Was aber die viel- besprochene Arbeitstheilung betrifft, die angebli< den Kleinbetrieb heut- zutage unmöglih macht, so vergesse man nur nit, daß dieselbe in der ersten Blüthezeit der deutshen Industrie, am Ende des Mittelalters, genau so weit ging, wie sie es in der modernen Zeit der Maschinen thut; sie mußte so weit gehen, sonst hätte sie ni<ht so bewun- derungswürdige Leistungen schaffen können, wel<he nachzuahmen heut- zutage unser schnlihster Wunsch und de Streben ist. Wir sind jeßt glü>lih so weit gekommen, den höchsten Ruhm einer modernen Leistung des Kunstgewerbes darin zu sehen, daß es den Erzeugnissen jener alten Zeit möglihst ähnli< sieht. Die Arbeitstheilung alter Zeit ging\ehr weit, nur war die Vorbildung der Handwerker eine solche, Laß nit jedec von vornherein nur auf ein Stü>k dressirt wurde: vielseitige Ausbildung, namentli<h Bildung des Geschmals, waren die Grundgedanken altdeutscher Handwerksbi dung; nachdem die allgemeine Durchbildung vollendet war, mochte si ein jeder speziali- siren. Wenn heute das, was man im Allgemeinen mit dem Namen Tisch- [erei bezeichnet, si< in sehr verschiedene Zweige gliedert : als Möbel- tishlerei, Modelltischlerei, Bautischlerei, so hat die frühere Zeit genau die gleihen Unterschiede gekannt und darauf das genofsenschaftliche Leben aufgebaut. Wie unendli< fein waren in alter Zeit beispiels- weise die Unterschiede bei den Schmieden! Da gab es Hufschmiede, Schloßschmiede, Panzershmiede, Harnishweber, Plattirer, Polirer und no< mehr. Wo ist denn nun der prinzipielle Unterschied, der es heute unmögli<h machen sollte, den Kleinbetrieb mit der Groß- industrie wettbewerbfähig zu halten? Das deutsche Handwerk ist nit

dem Untergange geweiht, wenn seine Glieder, zum besten der Leistun fähigkeit der Nation, si< kräftig regen. Wir sind sogar der fellew Ueberzeugung, daß der Kleinbetrieb \si< Gebiete wieder erobern wird, auf welche die im Großen betriebene Maschinen-Industrie ihm niht folgen kann. Mit Freuden ist in dieser Beziehung die kräftige Regung bei den Schmieden zu begrüßen, deren Hauptversammlung zu Magde- burg am 5. Juni d. I. einen Preis ausgeschrieben hat für das beste Lehrbuh für Schmiedelehrlinge. Das sind bedeutsame und erfreuliche Regungen des denkenden Handwerkerstandes, denen wir von Herzen Erfolg wünschen. Die manhesterliche resse wird ja freili< auf alle selbständigen Regungen des Handwerker l 5 Handwerk fällt der Ünternehmergewinn fort, und der Zwischenhändler wird matt gesegt, je mehr das Handwerk ih traf organisirt: dann geht eben der t der J duzenten. Wir aber wünschen dem deutschen Handwerk, daf die frische Bewegung von gutem Erfolg gekrönt wird, und sind überzeugt, daß dieser nicht fehlen wird. Der Bli> auf die alte Kraft und Herrlich- keit des deutshen Handwerks wird \pornend und begeisternd wirken.

tandes sceel sehen; denn beim

rfolg der Arbeit unmittelbar in die Tasche der Pro-

Centralblatt für das Deutsche Reich. Nr. 48. Inhalt:

Finanzwesen: Nachtrag zur Nachweisung über Einnahmen des Reichs vom 1. April bis Ende Oktober 1886. Konsulatwesen: Ernennung. Polizeiwesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiete.

Justiz-Ministerial-Blatt. Nr. 44. Inhalt: Allgemeine

Verfügung vom 19. November 1886, betreffend die Vollstre>ung der von den Justizbehörden gefaßten Defektenbeshlüsse. Erkenntniß des Reichsgerihts vom 31. Mai 1886.

Reichstags - Angelegenheiten. Mannheim, 26. November, Nachts. (W. T. B.) Nach dem

bisher vorliegenden Resultat der hiesigen Reihstags-Ersaßwahl erhielten Diffené (nationalliberal) 7585, Dreesbach (Sozialdemokrat) 6808, Buol (Centrum) 1963 und Stockhorn (konservativ) 993 Stim- men. Es ist somit eine Stichwahl zwischen Diffené und Dreesbach erforderlich.

Statistische Nachrichten. Von der Münchener Einwohnerschaft wurden, wie die

„Neuesten Nachr." mittheilen, am 1. Dezember 1885 der Staats- angehörigfkeit (Heimath) nach verzeichnet : 238 374 Bayern, 5460 Preußen, 4218 Württemberger, 1366 Badenser, 1185 Sachsen, 682 Hessen, 1530 andere Deutsche, die sih auf die thüringishen Lande, die Neichslande, Me>klenburg, Braunschweig, Anhalt, Schwarzburg, Oldenburg, Walde> und die freien Städte vertheilen, dann 6140 Oesterreicher und Ungarn, 861 Schweizer, 424 Italiener, 405 Russen, 238 Briten, 130 Franzosen, 70 Dänen, 68 Griechen, 53 Schweden, 49 Niederländer, 33 Norweger, 30 Rumänen, 26 Belgier, 16 Luxcmburger, 14 Serben, 13 Türken, 8 Bulgaren, 5 Spanier, 3 Angehörige von Monaco und 2 Portugiesen, 565 Ameri- faner, 7 Asiaten, 5 Afrikaner und 1 Australier. Der Hauptsahe na< sind von je 1000 Einwohnern Münchens 910 Bayern, 55 andere Deutsche und 35 Ausländer. Die Veränderun 5 die in dieser Hinsicht innerhalb der leßten 10 Jahre vorging, drü>t si in folgenden Ziffern aus: Im Jahre 1875 waren von je 1000 Einwohnern no<h 940 Bayern, dagegen nur 32 andere Deutsche und 28 Ausländer. Die Zahl der Angehörigen einzelner deutscher Staaten hat sich in diesen 10 Jahren mehr als verdoppelt; so wurden jeßt

an Stelle von je 100 des Jahres 1875 gezählt: 270 Hessen, 220 Würt- temberger, 215 Preußen, 209 Badenser, an Stelle von je 100 Sachsen jeßt 175. Au bei den Ausländern find meist Mehrungen nah- gewiesen, nur_bei den Franzosen, Spaniern, Norwegern, Türken, Ru- mänen und Serben zeigen sich unbedeutende Minderungn

Paris, 22. November. Der Seine-Präfekt hat bei Ein- bringung der Kreditforderung von 207 400 Fr. für die Pariser Gemeinde - Leihbibliotheken dem Gemeinderath einen aus- führlihen Beriht über die Thätigkeit der 48 bestehenden Bibliotheken vorgelegt. Im Laufe des verflossenen Jxhres sind danah 145 601 Bücher in den Lesesälen selbst, 885566 zu Hause, also in Allem 1031 167 gegen 699 762 im Vorjahre gelesen worden. Im Durchschuitt haben von 1000 Parisern 454, gegen 308 im Vorjahre, sich der Lesebibliotheken bedient.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Weimar, 26. November. (Th. C) Professor Dr. Erich Schmidt, Direktor des Goethe-Archivs, verläßt diese Stellung im Frühjahr nächsten Jahres, um den Lehrstuhl für deutsche Literatux an der Berliner Universität zu übernehmen. Derselbe wird jedo au<h ferner Mitarbeiter an der neuen Ausgabe der Werke Goethe's bleiben. :

UAltpreußishe Monatsschrift (neue Folge, der „Neuen

reußischen Provinzial-Blätter“ 4. Folge), herausgegeben von Rudolf Reid und Ernst Wichert. XXIIT., bezw, LXXRXIX. Band, 5. und 6. Heft, Juli bis September 1886. (Königsberg i. Pr., Verlag von Ferd. Beyer's Buchhandlung). 1— In dem vorliegenden Doppelheft der Zeitschrift berichtet zuvörderst Pfarrer emer. Dr. E. Wolsborn über Münzfunde aus West- und Ostpreußen. Dann folgt eine Ent- geqnung von W. Fuchs auf die von Dr. M. Perlba<h in Halle an seinen Ansichten über das Verhältniß Peters von Dusburg zu dem Chronicon Olivense geübte Kritik. Sehr interessant sind die Nach- träge zu Heinrih Albert's und Simon Dah's Gedichten von Johannes Bolte und L. H. Fischer in Berlin: zum Theil bisher gänzlich un- bekannte Poesien, die für diese Hauptvertreter der Königsberger Dichterschule charakteristish und deren Manuskripte in den verschie- densten Bibliotheken gesammelt sind. Prof. Dr. Tscha>ert in Königsberg giebt eine aktenmäßige Darstellung des Projekts König Friedri Wilhelms TII., neben der Universität Königs- berg eine fkatholis<-theologishe Fakultät zu errihten. Weiterhin folgen Referate über die Sigzungen der Alterthumsgefellshaft Prussia. Unter den kleineren Mittheilungen am Schluß verdient ein bisher un- edru>tes Schreiben der philosophischen Fakultät zu Königsberg an Immanuel Kant, d. d. 30, Juli 1801, Erwähnung, welches Prof. Dr. Tscha>ert veröffentliht. Derselbe theilt au< einen bisher un- gedru>ten Brief des Faustus Socinus an Hieronymus Moscorovius, d. d Racau, 6. Juni 1603, mit. Den übrigen Inhalt des Doppel- hefts bilden die Chrouiken der Universität Königsberg und des Lyceum Hosianum in Braunsberg, sowie die altpreußishe Bibliographie

für 1885.

Gewerbe und Handel. Die „S<les. Ztg.“ äußert sih über den Oberschlesischen

tallmarkt wie folgt: Im Roheisengeschäft erhält sich die feste Rib da die Ausfuhr von Puddel- und Qualitäts-Roheisen ziemlih stetig verlief und ansehnlihe Mengen der Restbestände in A nahm. Die Produktion der Hohöfen, welche in den seit Anfang dieses Quartals

ezogenen Grenzen verblieb, steht so ziemli< im Einklang mit Hus derzeitigen Konsum; sie su<ht indessen dur<h die Ver-

wendung befserer Erze und Vervollkommnung der technischen Behandlung ihre Leistungsfähigkeit, damit zuglei<h aber die Qualität der Produkte zu erhöhen. Da die Bestände an feineren

Marken si verringern, so wendet sih das Interesse der Konsumenten

diesem Produkt mehr zu; der Begehr dana<h \<heint um \o erklär-

licher, als auf den Walzwerken bei fortgeseßter flotter Beschäftigung

und gleihwohl ökonomischem Betriebe die Vorräthe an Halbprodukten

ershöpft sind, zu deren Neubeschaffung ansehnlihe Mengen vou Puddel-Roheisen, und zwar nunmehr möglichst in besserer Qualität, er-

fordert werden. Es steht zu erwarten, daß weitere Lefer-

quanten in Roheisen demnächst werden begeben werden, nahdem bereits Cinzelposten aus dem Markt genommen wurden. Die bisherigen Roheisenpreise wurden beibehalten. Die

Lage der E isengießereien ist eine unveränderte; do rihtet man