1864 / 154 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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worden. -Die lehten auf Kekenis zurü>gebliebenen Truppen, so wie das Kricgsmaterial, sind gestern Abend in Fühnen angekommen. General Steinmann giebt scinen Verlust auf 2500 3000 Mann an.

Außer dem Obersten Faaborg beträgt der Gesammtverlust an todten, verwundeten und gefangenen Offizieren 79.

©Dem » Altonaer Mercur« wird aus Augusten burg vom 2. d. telegraphirt: Ein dänisches Kriegs\{iff} warf gestern wieder einige Kugeln nach der Sonderburger Brü>ke, jedo<h ohne Schaden anzurichten.

Berlin, 4. Juli. Se. Königliche Hoheit der Kron- prinz traf, der »Ost. Zeit.« zufolge, am 1. Juli von Stralsund in Stettin wieder cin und seßte nah kurzem Aufenthalt auf dem Bahnhofe mittelst Extrazuges die Fahrt na<h Colberg fort, wo am 2ten das Denkmal Sr. Hochsceligen Majestät des Königs Fricdrich Wilhelm 11]. enthüllt werden sollte.

Das Königlich dänische Marine-Ministerium hat die nach- stehende Bekanntmachung erlassen :

Das Marine - Ministerium bringt hierdur< zur öffentlichen Kunde, daß die Blokade von Danzig am 27. d. und von Pillau am 28. d. bewerkstelligt ist.

Marine-Ministerium, Kopenhagen, den 30. Juni 1864.

(gez) O/: Lütken.

Nach der amtli<h ergangenen Jnstruction sind den Feld- Post-Relais, wohin die direkten preußishen Post-Transporte mit Privat-Pä>ereien für die im Felde befindlichen preußischen Truppen abgefertigt werden, die Relais in Sonderburg und Augusten- burg hinzugetreten. Die Versendungs - Bedingungen bestehen unverändert fort. Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß bei Auswahl von Lebensmitteln zur Versendung mit Rücksicht auf die jeßige Jahreszeit nicht solche Gegenstände in die Pakete zu legen sind, welche einem Flüssigwerden oder besonders schnellem Verderben unterliegen. Unzulässig ist es, bei jeziger warmer Witterung Butter auf jenem Wege zu versenden, indem sonst dur<h das Auslaufen derselben eine große Zahl anderer Sendungen leiden würde.

Die »Morning Post« vom 2. Juli brachte zwei angeblich preußische Depeschen, ein Schreiben des Minister-Präsidenten Herrn von Bismarc> an den preußischen Botschafter zu Paris, Grafen v. d. Goly vom 15. Juni und ein Schreiben des preußischen Bot- \chafters in Wien, Freiherrn von Werther an Herrn von Bismark. In dem ersteren heißt es: »Der Kaiser von Rußland habe dem Kö- nige von Preußen in der Herzogthümer-Frage seinen moralischen und eventuell seinen materiellen Beistand zugesichert, do< erachte Kaiser Alexander die Anerkennung des Oldenburgers als im beider- seitigen Jnteresse. Herr von Bismar> halte diesen, Vorschlag indessen wegen der augustenburgishen Sympathicen der Königlichen Familie für faum dur<führbar. Rußland verlange Garantie gegen eine skandina- vische Union. Der Kaiser von Rußland betone die Nothwendigkeit eines vollständigen Einvernehmens der nordischen Mächte und wünsche, daß die Theilungsmächte die Polenfrage als eine ausshließli<h innere erklären und die Convention auf der Basis gegenscitiger Gebiets- Garanilie abschließen. Preußen habe noch nicht zugestimmt, betrachte jedo< Obiges als Präliminarien künftiger Unterhandlungen.« Jn dem zweiten sollte Herr v. Werther geschrieben haben: »Der Kaiser von Oesterreih und Graf Rechberg wünschten ein inniges Einver- nehmen zwischen den nordischen Höfen. Graf Rechberg , eine west- mächtlihe Gegen-Allianz besorgend, verlange materielle russishe Hülfe in einem eventuellen Kriege gegen die Westmächte nebst anderen Garantieen für Oesterreich. «

Das Wolff’ sche Telegraphen-Büreau bringt nun in Bezug dar- auf folgende Depeschen :

Paris, 3. Juli. Ein der »Patrie« Seitens der preußischen Gesandtschaft zugegangenes Communiqué erklärt die von der »Mor- ning Post« veröffentlichte Korrespondenz zwischen Herrn v. Bismark/ dem Grafen von der Gol und dem Freiherrn von Werther für vollständig erfunden.

London, Sonntag, 3. Juli. Dem Reuter schen Büreau ist von dem preußischen Gesandten, Grafen von Bernstorff, Abschrift nachstehenden Telegramms des Herrn von Bismar > zur Ver- öffentlihung zugesandt worden :

Carlsbad, 3. Juli. Eure Excellenz ist ausdrü>li<h zu der Erklärung autorisirt, daß die beiden am Sonnabend von der »Mor- ning-Post« veröffentlichten preußischen Noten betreffs der heiligen Alliance rein erfunden sind. Es existirt weder ein solches Doku-

ment, noch irgend etwas Aehnliches.

_ Königsberg, den 2. Juli. Gestern Mitiag 1 Uhr bezog die Militairwache mit klingendem Spiel das neue im Steindammer Festungsthore befindliche Wachtlokal. Damit fand auch gleichzeitig die Enthüllung des dieses Thor zierenden Standbildes Friedrich “Wilhelm I1VY, in feierlicher Weise im Beisein der gesammten hiesigen

Generalität und der Spitzen der Civilbehörden statt. Das Thor, für die Feierlichkeit rei<h mit Guirlanden geziert; ‘trug auf seinen Zinnen und Thürmen festlide Banner, preußische Adler, Land- wehrkreuz, Marine-Anker und Königsberger Stadtwappen. Wie wir der »Ostpreußischen Zeitung« entnehmen, is die vorzüglich modellirte Statue in der Marchschen Fabrik zu Charlottenburg aus gelbem Thon gefertigt. Sie stellt Se. hochselige Majestät in Generals- Uniform mit Helm und zurü>geshlagenem Reitermantel dar. Die linke Hand is auf den Degenknauf gestüyt, die hinabgesunkene Rechte hält cine Rolle, jedenfalls wohl den Plan der Festung Königsberg.

Auf Anordnung der Königlichen Kommandantur wird seit dem Eintritte der Blokade auch das Leuchtfeuer zu Pillau wieder bis auf Weiteres nicht angezündet.

Aachen, 30. Juni. Hier ist folgendes Schreiben zu Händen des Vorstands - Präsidenten, Herrn Dr. Hahn, der » Aach. Ztg. « zu- folge cingegangen :

Dem Verein zur Belebung der Badesaison zu Aachen danke ih ver- bindlichst für das patriotische Anerbieten vom 14. d. M. zur Aufnahme von jedesmal zwei Verwundeten der Armee zur Pflege und freien Badekur während der diesjährigen Badesaison. Jch habe Anordnung getroffen, daß von dieser Offerte in geeigneten Fällen Gebrau<h und dem Vereine dann vorher Mittheilung darüber gemacht werde. Berlin, den 20. Juni 1864. Der Kriegs- und Marine-Minister v. Roon.

“Coblenz, 1. Juli, Der Oberst und Flügel-Adjutant Seiner Majestät des Königs, Commandeur des 39. Jnfanterie - Regiments von Schimmelmann, ist auf Allerhöchsten Befehl heute früh von hier nah Schloß Rheinstein abgereist, um bei der heute dort stattfinden- den Beisezung der irdischen Ueberreste Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrih im Namen Seiner Majestät des Königs gegen- wärtig zu sein. Gestern kam hierselbst eine Anzahl Verwundeter von verschiedenen Truppentheilen aus Schleswig an, welche aus den Spitälern entlassen und, wie wir hören, zur Vollendung der Heilung ihrer Blessuren nah dem Bade Creuznach gehen. Als Stellver- treter für den Deputirten der Stadt Coblenz auf dem Rheinischen Provinzial - Landtag wurde Herr Advokat - Anwalt Bremig, wiederum Herr Advokat - Anwalt Justizrath Werner und der Beige- ordnete J. P. Mantell gewählt.

Hannover, 30. Juni. Die Zweite Kammer erledigte heute das neue Hypothekengesey in zweiter Berathung und verhandelte alsdann über den Beschluß des Adelshauses, die Regie- rung um baldige Vertagung der Stände zu ersuchen. von Ben- nigsen empfahl, diesen Beschluß abzulehnen, da man zuvor das Hypothekengesez, auf welches das Land seit 1819 warte, erledigen müsse. Minister Windthorst stimmte bei und bemerkte zugleich, die Erste Kammer scheine dur< den Beschluß andeuten zu wollen, daß sic die Berathung der Hypotbeken-Ordnung nicht mehr vorzu- nehmen wünsche. Dies Gesey sei übrigens nicht das einzige, welches noch vor der Vertagung erledigt werden müsse. Alle Vorlagen zu erledigen werde nicht möglich sein, da die Regierung die Session. nicht Übermäßig in die Länge ziehen wolle. Der Beschluß des Adelshauses ward darauf einstimmig abgelehnt. Jn fortge- setter Berathung des Ausgabe- Budgets gelangte ein wichtiger An- trag des Finanzausschusses zur Verhandlung j der die Regierung er- sucht, die beiden ständischen Kommissionen für das Landesshulden- und Rechnungswesen an der oberen Verwaltung der Steuern und Zölle als stimmführende Mitglieder Theil nehmen zu lassen. Minister Erxleben und Windthorst erflärten si< gegen den Antrag, weil derselbe eine Verfassung8änderung enthalte und am Finanz- fapitel rüttle. Der Antrag ward gleichwohl fast einstimmig ge- nehmigt. Für Verbesserung des Gefängnißwesens bewilligte das Haus für jedes der beiden nächsten Rehnungsjahre 90,000 Thlr. Justizminister Windthorst bemerkte dabei, daß Hannover in Straf- Anstalten und Gefängnissen no< weit hinter anderen Ländern zu- rüd> sei. Er hätte gern die Gefängnißreform in vier Jahren durh- geführt, der Finanzminister habe ihm jedoch einen langsameren Gang beigebracht, zu dem er zehn Jahre gebrauchen werde.

20S E, Juli. In Zweiter Kammer ward heute bei Gelegen- heit einer Petition aus Papenburg wegen Schußlosigkeit des deut- hen Handels und der Küsten allgemein Klage geführt über die erfolglosen Bemühungen zur Herstellung einer deutschen Flotte. v. Bennigsen bemerkte, man habe si<h au< wieder in dieser Sache überzeugen müssen, daß es nicht möglich sei, si< am Bunde über ein gemeinschaftliches Vorgehen zu verftändigen, daher sei wohl der Weg, den man in Hamburg in der Flotten - Angelegenheit einge- s{lagen, der richtige und empfehlenswerthe. Es sei doch eine nieder- drü>ende Erfahrung, die man ‘in den lehten Jahren gemacht. Man wußte, daß der Krieg mit Dänemark unvermeidlih, und gleichwohl hatten die Verhandlungen am Bunde und zwischen den einzelnen Staaten nicht den geringsten Erfolg und führten bei der unseligen Eifersüchtelei der einzelnen Staaten zu keinem Ergebniß. Minister Mindthorst wies darauf hin, daß die Erfahrung der lezten Monate wieder shlagend dargethan haben, wie ein Küstenshuß durchaus nothwen- dig, um den Handel gegen die Vexationen eines kleinen Staates zu \hirmen. Nun sei er allerdings der Meinung, daß ganz Deutsch- land dabei in Betracht komme und eine Flotte zu bauen habe ; aber wenn eben von ganz Deutschland nichts geschehe, so müsse der Einzel=

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staat selbstständig vorgehen. Daß Oesterrei<h und Preußen jeht unsere Küsten s{hüyen müssen, sei cine bedeutsame Thatsache. Auf von Bennigsens Antrag beshloß darauf das Haus mit ausdrüd>- [iher Zustimmung des Ministers Windthorst, der Regierung bei Uebersendung der fraglihen Petition zur Erwägung zu geben, ob nicht die Jnteressen Hannovers und Deutschlands es dringend machen, daß, wenn ein gemeinsames Vorgehen mit den übrigen Bundes- staaten nicht zu erreichen ist , Hannover seinerseits mit dem Anfang der Bildung einer deutschen Flotte nah Kräften vorgeht , und wür- den Stände einer baldigen Rückantwort in dieser Beziehung gern entgegensehen. Das Adelshaus hat dem Miquel’schen Antrag wegen Rückgängigmachung der Domainen - Ausscheidung , der in Zweiter Kammer zum Beschluß erhoben ward, einstimmig abgelehnt.

Sacpsen. Weimar, 2. Juli. An Stelle des mit dem heutigen Tage zurüctretenden Bundestags8gesandten, wirklichen Geh. Raths Freiherrn von Fritsch, wird, wie die »W. KZtg.« erfährt, der Ober-Hofmeister der Frau Großherzogin, Baron v. Beaulieu » Mar- connay, vorläufig die ernestinischen Regierungen im Bunde in Frank- furt vertreten. Auf den 17. d. M. ist ein außerordentlicher Landtag einberufen worden. (W. Y.)

Reuß. Gera, 1. Juli. Gestern Nacht gelangte an unsern Staatsminister, Herrn von Harbou, einen geborenen Schleswig- Holsteiner, die telegraphische Nachricht, daß ber dem am Mittwoch ausgeführten Uebergang der Preußen nach der Insel Alsen, ein als Offizier im preußischen Heere stehender Sohn einen Schuß durch die Brust erhalten habe. Der Vater eilte deshalb früh mit dem 4-Uhr- Quge von hier hinweg nah Schleswig, um sich persönlih von dem Zustande des s{hwer verwundeten Sohnes zu Überzeugen.

Hessen. Kassel, 2. Juli. Die »Kasseler Zeitung« berichtet vom gestrigen Tage Nachmittags:

»In der heutigen öffentlichen Sihung der Ständeversammlung wurde, nach Verlesung des Protokolls der vorigen Sißung und des Eingaben-Pro- tokolls, von dem Landtags-Kommissar erklärt , daß er eine Allerhöchste Ent- \chließung zu eröffnen habe, und die deshalbige Vollmacht dem Präsidenten Überreicht, welcher sie dur< den Landsyndikus verlesen ließ. Der Lan dtags- Kommissar verlas sodann die Allerhöchste Entschließung vom 29. v. Mts., die Vertagung der Ständeversammlung betreffend, und er- klärte die lehtere im Namen Sr. Königlichen Hoheit des Kurfürsten für vertagt; worauf sich die Mitglieder der Versammlung entfernten. «'

Darustadt, 30. Juni. Die Zweite Kammer der Stände beshloß in ihrer heutigen Sigung auf allen ihren, zu den einzelnen Artikeln des die rechtliche Stellung der Kirchen 2e. betreffenden Gesches8entwurfes gefaßten Beschlüssen, sowie auf dem besonderen, auf die sogenannte Mainz - Darmstädter Convention si beziehenden Beschlusse bestehen zu bleiben. (Darmst. Ztg.)

2. Juli. Die Erste Kammer beschäftigte sich heute na< Bericht der »Darmst. Ztg.« mit der Vorlage wegen Aufbesserung der Volks\hullehrergehalte, welche von der Kammer mit der Modis- fication acceptirt wurde, die Regierung zu ersuchen, das Dienstalter der Schullehrer ‘von der ersten fixen Anstellung nach der Definitorial- prüfung zählen und die zweite Dienstalterszulage von 50 Fl. 10, niht wie vorgeschlagen war, 15 Jahre nach der ersten eintreten lassen zu wollen. Bezüglich des Antrags des Abg. Frhrn. v. Schen> zu Hermannstein auf Herabseßung der Telegraphengebühr adoptirte die Kammer die Beschlüsse der Zweiten Kammer. Einem wegen Erbauung von Staatsstraßen in verschiedenen Landestheilen von der Zweiten Kammer gefaßten Beschlusse trat die Kammer nach Antrag ihres Ausschusses nicht bei , gab vielmehr lediglich der Re- gierung anheim, in dieser Beziehung das Jnteresse aller Landestheile nach Kräften zu wahren.

Nassau. Wiesbaden, 1. Juli. Jn der heutigen Sihung der Ständeversammlung wurde das Budget der Landesregierung, Kap. X1.: Beförderung der Landwirthschaft, Gewerbe und Künste, mit 34,642 Fl. 36 Kr. votirt. Am Nachmittag bielt die Zweite Kammer eine Sitzung über die Vorlage der Herzoglichen Regierung wegen Sistirung der Verabschiedungen und Entlassungen aus dem Militairdiens. Die Regierung beabsichtigt nämlich, die Altersklassen von 1857 und 1858, welche mit April aus dem Militair hätten entlassen resp. verabschiedet werden sollen, mit Rücksicht auf den dro- henden Kriegsfall einstweilen fortdienen zu lassen. Die Kammer er- theilte hierzu einstimmig ihre Zustimmung.

Baden. Karlsruhe, 1. Juli. Die Zweite Kammer hat nach einem Bericht des »Schw. M.« in ihrer heutigen Abend- sigung das vorgelegte Bankgesey verworfen, indem sie einen von Knies und Walli gestellten Antrag, wonach den Gründern keinerlei Vorrechte gewährt werden sollen, mit 30 gegen 20 Stimmen zum Beschluß erhob. Staatsrath Mathy erklärte hierauf, daß die betreffende Mannheimer Actiengesellschaft der Unternehmer nicht auf einen gänz- lichen Verzicht dieser Rechte eingehen und daher von der Gründung der Bank zurü>treten werde j au werde die Regierung einer Gesellschaft, die ohne Gründerrehte um die Konzession nahsuche, diese gar nicht er- theilen, weil sie dann den Actienhandel befürchten müsse. Die wei- tere Verhandlung des Geseßes wurde, da der gefaßte Beschluß unter diesen Umständen ein präjudizieller ist, vorerst ausgeseßt, um der Regierung Gelegenheit zu geben , gegenüber dem neuen Stand der Sache ihre Entschließungen zu treffen. Die heutige Morgensizung

war eine sehr erregte, indem Staatsrath Mathy in äußerst {hroffer Weise gegen die Gegner des Regierungsentwurfs auftrat , dadur< eine Rcihe von entschiedenen Protesten hervorrief und so die ohnehin dem Entwurf {hon ungünstige Stimmung wesentli< verstärkte. Württemberg. Wie die »Allg. Ztg.« vernimmt, is der bekannte Schriftsteller Hofrath von Ha>länder, der sih gegen- wärtig zur Heilung von cinem Augenlciden in Berlin befindet, seiner Functionen als Vorstand der Königlich württembergishen Bau- und Garten-Direction enthoben und in Ruhestand verseßt worden.

Wildbad, 30. Juni. Gestern ist der General - Feldmarschall Wrangel zum Gebrauch einer Badekur hier eingetroffen; unter ande- ren hier weilenden Celebritäten erwähnen wir des Barons James von Rothschild aus Paris.

Bayern. München, k. Juli. Der bayerische Bundestags- gesandte Freiherr v. d. Pfordten ist gestern hier eingetroffen und wird in den nächsten Tagen mit seiner Familie na< Kochel ab- reisen, um mehrere Wochen daselbst zu verweilen. Die Herren Dr. von Döllinger, Dr. von Stadlbaur, Dr. Reithmayr, Dr. Ha- neberg erklären in der » Allgemeinen Zeitung«, daß die Versamm- lung fkfatholisher Theologen und Gelehrten in diesem Jahre nicht stattfinden kann.

Desterrei<. Wien, 1. Juli, Jn der heutigen 27sten Plenarversammlung der Evangelischen Generalsynode wurde mit 32 Stimmen gegen 2 zur Aufnahme in die Denkschrift der A n - trag angenommen: »Nachdem die katholische Kirche im Recichs- rathe 2c. dur< Erzbischöfe dem Rektor Magnifikus der Universität repräsentirt is , dies bis jeht bei der evangelischen Kirche nicht der Fall ist, so möge das hohe Staatsministerum ehrfur<tsvoll gebeten werden , für die Vertretung der evangelischen Kirche als solche im Reichsrathe 2c. genügende Fürsorge zu treffen.« Ferner wurde ein- stimmig der Antrag: »ein unterthäniges Gesuch um Einführung des a. h. Patents im lombardisch-venetianischen Königreich im Sinne des venetianischen Presbyteriums A. B. an Se. Mazjestät zu rih- ten«, angenommen. Endlich fand Spezialdebatte über die Revision der Kirchenordnung statt. Es wurde der zweite Abschnitt, von F. 125—131, welcher von der Errichtung neuer evangelischer Schulen, Lehrplan , Anstellung der Lehrer an den Volks- und Hauptschulen, Aufsicht und Bestätigung dersclben in ihrem Amte, Gründung eines Lehrerseminars , das Recht der Ausstellung eines Lehrfähigkeitszeug- nisses, Ergänzungsprüfungen, Aufnahme in die theologisch-protestan- tische Fakultät in Wien; Berufung von Ausländern in den evan- gelischen Kirchen - und Schuldienst handelt , na< den Jntentionen des Comités von den Synodalen angenommen. Desgleichen der sechste Abschnitt bezüglich der Unterstühung der armen Gemeinden, Seniorate und Superintendenturen aus Staatsmitteln.

Nach der » Triester Zeitung« kreuzen jeyt von österreichischen Schiffen im adriatischen Golfe zwei größere Kanonenboote, im obern Theile die »Kerka« (Komm. Schiffslieut. Graf Kielmannsegge), im untern Theile der »Dalmat« (Komm. Fregattencap. Auernhammer). Im Piräus stationirt das Kanonenboot »Velebich« (Komm. Fre- gattencap. {Florio). Jn Pola sind drei Panzerfregatten und zw ei Schraubenfregatten , cine Schraubenkorvette und mehrere Kanonen- boote seebereit. Jn der Nordsee befinden sih gegenwärtig an öster- reichishen Schiffen: 1 Schrauben - Linienschiff, 2 {were Fregatten, 1 Panzerschiff, 1 shwere Korvette und 1 Kanonenboot, und sind zur Verstärkung dieser Flotille no<h 4 Schiffe, darunter 1 Panzerschiff und 1 Fregatte, schon in Seè gegangen, wie an preußischen Dampfern : die neuerdings angekauften 2 {weren Korvetten, 1 Widderschiff, der »Adler« (zu 6 Geschüßen) und 2 Kanonenboote erster Klasse, wozu die aus Japan zurüberufene {were Korvette »Gazelle« (28 Ka- nonen) no< erwartet wird.

Hermannstadt, 1. Juli. Jn der heutigen Landtagssißzung wurde, nach Telegramm der »Wiener Zeitung«, die Debatte über den Repräsentations- Entwurf in der Eisenbahnfrage fortgeseßt und beendet. Auf Antrag Rannicher's wurde der Repräsentations - Ent- wurf mit Weglassung der Spezial - Debatte en bloc angenommen, wonach die Bahn von Alvincz dur< das Kokelthal nah Kronstadt bis zum Anknüpfungspunkte Bodzau mit gleichzeitiger Einbeziehung der Städte Hermannstadt und Klausenburg in diese Hauptlinie gehen soll. Der Ausschuß bezeichnete diese Linie als diejenige, welche, in- dem sie den Interessen Siebenbürgens dur<h den Aufschluß sämmt- licher Thäler des Landes die meiste Re<hnung trägt, zugleich dem österreichishen Handel die Hauptverkchrélinie mit Galacz, also mit dem nordöstlichen Theile des shivarzen Meeres, mit Süd - Rußland und Persien eröffnet.

Qugleich wurde einstimmig angenommen :

»Den Kaiser zu bitten, anzuordnen, daß 1) über die Punkte des Anschlusses der österreichisch - sicbenbürgischen Eisenbabnen an die wallachischen mit der Regierung der vereinigten Donaufürstenthümer no< vor Beginn der Arbeiten an den jüngst konzessionirten Eisen- bahnen in der Wallachei eine Vereinbarung getroffen, und daß hierbei 2) aus volkswirthschaftlichen und Handelsrüclsichten Kronstadt als vorzugs- weiser Anknüpfungspunkt festgestellt werde, und endlich 3) nah Maßgabe