1864 / 167 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

1952

geben Dia und am fünftigen Mittwoh den Herzog von Aumale in Orleans House besuchen.

Der Herzog von Newcastle schreitet seiner Genesung entgegen, Tagen haben die Arzte ihm schon kleinere Spazier-

in den leßten gänge erlaubt. :

Aus Paris isst der peruanische außerordentliche Gesandte und be- vollmächtigte Minister Hr. P. Galne hier angekommen.

Der Chirurg Henry Thompson, welcher den König der Belgier von dem hartnäckigen Uedel befreit hat, an dessen Entfernung si mehrere hochstehende medizinische Kapazitäten des Auslandes verge- bens versucht hatten , is von seinem dankbaren Patienten mit dem Leopolds - Orden geshmückt und zum außerordentlichen Chirurgen Sr. Majestät ernannt worden. Diesen Auszeichnungen war das hübsche Honorar von 4000 Pfd. St. schon vorausgegangen.

Wenn die englische Armee in ihrer gezogenen Enfieldbüchse auch eine vorzügliche Feuerwaffe besigt, so hat doch der Krieg in Dänemark die englischen Militairbehörden überzeugt, daß von oben geladene Gewehre mit einer Waffe wie dem preußischen Zünd- nadelgewehre nicht konkurriren können. Eine Kommission von

Sachverständigen, welche diesen Punkt zu erwägen beauftragt wor- |

den war, hat, wie mit ziemlicher Gewißheit verlautet, ihr Gutachten

dahin abgegeben, daß von hinten zu ladende Gewehre in der ganzen -

Infanterie einzuführen seien ¡ was einer vollständigen Revolution in der Bewaffnung des größten Theiles der Armee gleichkommt. Höchst wahrscheinlich wird das Parlament im nächsten Jahre daher um seine Zustimmung zu cinem außerge- wöhnlih hohen Armeebudget ersucht werden. Während sich das preußische Zündnadelgewehr über Erwarten vortrefflich bewährt zu haben scheint, indem selbst die wegen des einen Punktes, der deli- faten Construction der Nadel, gehegten Besorgnisse vor den That- sachen zu schweigen hatten, glauben hier doch noch manche, daß das Zündnadelsystem eine größere und eingehendere Sorgfalt des Sol- daten erfordere, als sie in der Hizé des Kampfes beobachtet werden könne; und es is daher unter andern eine amerikanische Erfindung empfohlen worden, welche die Nadel durch einen Hammer erseßt. Die Patrone is an ihrer unteren Basis mit einer Zündmasse ver- fehen, welche der Hammer, indem er durch die Oeffnung des Laufes auf dieselbe aufschlägt, explodiren läßt. Die Erfinder behaupten, die Qündplatte könne nur durch die eigenthümliche Action des Hammers entzündet werden.

Parlamentsverhandlungen. furze Sißung von keiner Bedeutung.

Im Unterhause antwortet Lord Palmerston auf eine bezügliche S nterpellation Mr. Osborne’ s, die Regierung beabsichtige bis auf Wei- teres nicht einen Konsul in Rio anzustellen. Der bisherige Konsul von Bahia sei interimistisch mit dessen Geschäften betraut. Es sei auch nicht die Absicht der Regierung, die Akte von 1845 (die leythin erwähnte, den Skla- venhandel betreffende Aberdeen-Akte) zurückzunehmen. Lord Aberdeen selber habe sie nicht abgeschafft, als er von 1852 bis 1859 im Amte war. Mr. Osborne kündigt hierauf an , daß er auf diesen Gegenstand und auf die Beziehungen Englands zu Brasilien im Allgemeinen zurü- fommen werde. Auf eine FInterpellation Mr. Lairds er- wiedext Mr. Layard, es seien mit der leyten Post einige De- peschen über den Streit zwishen Spanien und Peru Betreffs der Chinca - Jnseln angelangt, und erst heute sei eine Depu- tation bei Lord Palmerston gewesen, um ihn zu bitten, daß er die fieund- liche Vermittelung anbiete; doch habe der edle Lord geantwortet, er sche vorerst nicht recht ein, wie er friedlih zu vermitteln ini Stande sei. Mr. Cochrane lenkt die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Widersprüche in den Angaben der englischen und griechischen Regierung Über die Annexations- bedingungen der Jonischen Jnseln, so wie über die Convention betreffs Ver- gütungen und Pensionen für britische Unterthanen. Mur. Layard be- merkt, die griechische Regierung werde hoffentlich allen billigen Ansprüchen Englands gerecht werden, die britische Regierung andererseits sei nicht ver- pflichtet, sich in etwaige Streitigkeiten Griechenlands wait dessen Privatgläu- bigern einzumischen. Den Rest der Sihung füllen Voten der verschie- ea e aus. Das Haus vertagt sich um 10 Minuten nach 2 Uhr

orgens.

16. Juli. Die Königin Marie Amelie und mit ihr der fast wieder vollständig genesene Herzog von Montpensier nebst Ge- mahlin haben sich gestern zu einem längeren Aufenthalte nah Tun- bridge-Wells begeben, woselbst in Kurzem auch der Graf von Paris und die Herzöge von Chartres, von Aumale und von Nemours er- wartet werden. Die ehrwürdige Königin schien trog ihrer 82 Jahre sich der besten Gesundheit zu erfreuen.

Lord Palmerston empfing gestern eine Deputation des »Ver- eins zur Herbeiführung einer Beendigung der Feindseligkeiten in Amerika«, welche eine dem Zwecke der Gesellschaft entsprechende An- sprache und Aufforderung an den Premier richtete. Mitglieder der Deputation waren u. A. der Marquis von Clanricarde, der Bischof von Chichester, Lord Alfred Churchill, Herr Spence von Liverpool, Admiral Anson. Lord Palmerston bemerkte in seiner Antwort: zwei Thatsachen seien unverkennbar , die grauenhafte Verderblichkeit des Krieges für die Amerikaner selbs und die anderen Nationen daraus entstehenden ungeheuren Nachtheile. Es sei aber die Frage, ob dieRe- gierung einen vernünftigenGrund zu derAnnahme habe, daß dieRegierung

Das Oberhaus hielt nur eine

gleicher Zuversicht auf einen sließlichen Erfolg, und der Norden zu- mal blicke mit Argwohn auf jede Einmishung. Wenn sich jedoch in Zukunft eine vernünftige Hoffnung auf die Annahme freundschaft- lien Rathes herausstelle, so - werde sich Jhrer Majestät Regierung glücklich s{chäßen, zur Erreichung eines \so wünschenswerthen Zieles, wie der Beendigung dieses unglüseligen Krieges ihre Kräfte auf- zubieten.

Am Donnerstag hatte auch Herr Mason, der hiesige Agent der Südstaaten, eingeführt von Herrn Lindsay, eine nichtoffizielle Audienz bei Lord Palmerston.

Frankrei. Paris, 15. Juli. Durch Kaiserliches Dekret vom 12. d. M. sind die Wähler des 2. Bezirks im Aude-Departe- ment auf den 7. und 8. August einberufen, um an des verstorbenen Dabeaux Stelle einen neuen Deputirten zu wählen.

Der Bischof von Chalons is am lehten Montage im. 66. Lebensjahre gestorben.

Die »Patrie« hat es nicht erlangt, daß die wöchentlichen Bankausweise nicht dem »Abend - Moniteur« allein, sondern gleichzeitig sämmtlichen anderen Blättern zugefertigt werden. Der Finanz-Minister hat entschieden, daß es fo bleiben müsse, wie bisher.

Es bestätigt si, daß England Frankreih wegen der Nieder- werfung des Aufstandes in Algerien hat beglückwünschen lassen. Dieses wird für sehr wichtig gehalten, da bis dahin Eng- land fich Allem entzog, was direkt oder indirekt auf cine Anerkennung dieser französischen Eroberung sich deuten ließ.

16. Juli. Dem »Moniteur« zufolge sind die lehten Na ch- richten aus Algerien befriedigend. General Deligny, der in Relizane geblieben war, um die wieder unterworfenen Flittas vollends zur Ruhe zu bringen, meldet, daß in diesem Theile von Oran Alles wieder in Ordnung is und überall die Erntearbeiten begonnen haben. Als bestes Mittel, diesen mit den Waffen errungenen Erfolg zu be- haupten, empfiehlt Deligny die Vermeidung jeder Maßregel, welche die Tribus als Drohung oder Provocation auffassen könnten.

Am lezten Sonntag is in der Kathedrale von Nizza eine päpst- liche Bulle verlesen worden, welche die Diözese Nizza von der italienischenKirhenprovinzGenua'ablöst und der Provinz Aix zulegt. Der Bischof von Frejus, der die Bulle verlas, sagte in einer kurzen Vorbemerkung, der Kaiser Napoleon Il. habe der Re- ligion außerordentliche Dienste geleistet, und die Diözese Nizza habe ja hon früher, als Theil der Provinz Embrun, vierzehn Jahrhun- derte lang zur gallischen Kirche gehört.

Aus Konstantinopel meldet die »France«, der dortige Bot- schafter Frankreichs habe mit der Pforte wesentliche Aenderungen, sämmilih zu Gunsten der Katholiken im Orient, an der Convention über die Organisation des Libanon vereinbart.

Dem » Abend»Moniteur« geht aus Honolulu die Nachricht zu/- daß die Königin der Sandwichhs-Jùseln die Absicht hat; eine Reise nah England zu machen.

17. Juli. Die Prinzessin Clotilde, Gemahlin des Prinzen Napoleon, ist von einem Sohne entbunden.

Ein von Paulin Limayrac unterzeichneter Artikel des »Consti- tutionnel« weist nach, daß der Eintritt Dänemarks in den deutschen Bund solchen Schwierigkeiten und so vielem Widerstande begegnen würde, daß davon im Ernste unmöglich die Rede gewesen sein könne.

Nach einer Depesche aus Algier vom 12. hat der Marabut Abd-el-Aziz, Haupt der Flittas, sich nah dem Tode Azereys auf Gnade und Ungnade ergeben.

Spanien. Madrid. Das neue Preßgesey tritt mit dem 15. d. M. in Kraft; zum »Preßrichter« is Herr Borrajo ernannt worden. —- - Der peruanische Konsul Morreyra dementirt das Ge- rücht , daß Peru sich ciniger Theile des Staates Ecuador habe be- mächtigen wollen.

Italien. Jn der Sigzung des turiner Abgeordneten- hauses vom 15. Juli ward das Ergebniß der auf die süditalieni- hen Eisenbahnen bezüglichen Untersuchung verlesen. Die Unter- suhung hat jeden dem Verwaltungsrathe einer Eisenbahngesellschaft angehörigen Abgeordneten als der Bestechlichkeit verdächtig vom Par- lamente ausgeschlossen und \{chlägt vor, durch ein Geseh die Unver- träglichkeit zwischen der Stellung eines Abgeordneten und der eines Mitgliedes bei . der Verwaltung von Gesellschaften, welche die Ga- rantie des Staates erhalten haben, zu erklären.

Die Marine- Kommission des Abgeordnetenhauses hat ihr Mandat niedergelegt, weil das Gesey Über die von dem Parlamente zu veranstaltenden Enqueten im Senate nicht durchgegangen ist. Nach der »Opinione« wird man eine neue Kommission ernennen. Man schreibt der » Tbalie« aus Rom : Die Unterzeichner des neuen Anlehens sollen sich nicht mehr mit der Garantie des Peterspfennigs begnügen wollen, sondern beim Papste um eine solidere Garantie, eine V erpfän dung der Kirchengüter, nachgesucht haben. Pius 1X. hätte, nach der »Italie«, diesem Wunsche willfahrt und durch ein Handschreiben die Kirchengüter bis zum Betrage einer gewissen Summe verpfändet.

Túürkei. Bukarest, 15. Juli. Ein Telegramm des »Wan-

der Nordstaaten im gegenwärtigen Augenblicke Vermittlungsvorschlä- _gen Gehör schenken werde. Jede der beiden Parteien vertraue mit

derer« meldet: Der »Moniteur von Bukarest« veröffentlicht das Statut und neue Wahlgeseß mit einigen unbedeutenden, von

1953

der Konstantinopler Gesandten-Konferenz vorgenommenen Aenderun- en. In der auf die Veröffentlihung Bezug nehmenden Procla- mation danft der Fürst der Pforte und den garantirenden Mächten, indem er gleichzeitig konstatirt, daß nun feine fremde Einmengung in die inneren Angelegenheiten Romaniens mehr stattfinden werde. Vom beutigen Tage an erst erfreut sich der Romane wahrer Au- 10mie. j E n Rußlaud und Polen, St. Petersburg, 13. Juli. Her Wirkliche Geheime Rath Baron Reynaud von Osten - S aden, | Mitglied des Rathes im Ministerium der auswärtigen Angelegen- heiten, dem er seit 54 Jahren angehörte , ist nach kurzer Krankheit gestorben. i Ode f\aà. chlossen, den Hafen reft von den Molen

werden können. . : : Kaukasus. Eine Hauptfoige der Uebersicdelung der Berg-

bewohner, schreibt die »Mosk. Ztg.« nah dem »Lev. H.«/ besteht darin, daß der Handel mit Sklaven bedeutend belebt und er- weitert worden ist. Jun Trapezunt und Samsun wird mit Knaben und Mädchen reger Handel getrieben und der Preis dieser lebendigen Waare is so sehr gefallen , daß sie jeßt jedem käuflich ist. Mädchen von 10 vis 14 Jahren konnte man noch vor fünf Jahren nicht unter 10,000 Piaster erhalten , jeßt fauft man sie für 900 Piaster (ein türkischer Piaster ist ungefähr 5 Kop. S.) und bei minder aus- ener Waare wird ein ; E dem Centralpunfkt dieses Handels, wo das Rohmaterial erst für den Gebrauch vorbereitet wird, stehen die Preise etwas höher) man fann aber auch in diesem Hauptdepot einen ganzen Harem für denselben Preis ersteben, den man noch vor wenigen Jahren für eine in zahlte. en ut g Der Ober-Dirigirende der Wege und öffentlichen Bau- ten hat den Chef des hiesigen Gouvernements von dem Allerhöchsten Befehl in Kenntniß geseht, nah welchem unverzüglich die nöthigen Anordnungen zum Beginn des Eisenbahnbaues von Moskau nach Orel auf Rechnung der Krone getroffen werden sollen. Dieselbe wird die Städte Podolsk, Sserpuchow, Tula, in geringer Entfer- nung Tschern, dann Mzensk und Orel berühren. (D. P. Ztg.) Dánemark. Kopenhagen, 14. Juli. Gestern und heute,

Das »J. d’Odessa« berichtet, die Regierung habe bes zu vertiefen, damit die Schiffe künftig di- aus und uicht auf offener Rhede befrachtet

Rabatt von 40 bis 50 pCt. bewilligt. Jn |

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schreibt man der »Weserzeitung« hat in der Landthings-Abthei- lung des Reichsraths die Adreßdebatte begonnen. Unter den Gegnern der Adresse sind vorzugsweise der einstmalige Minister- Prásident, Oberst-Lieutenant Andrä, der Generalfiskal, Konferenz- rath Allgreen -Ussing und der jetzige Minister - Präsident , Ge- heimerath Blu hme, zu nennen. Der leyte Redner betonte nament- lih die Gefahren und Widerwärtigkeiten , welche sih daraus ent- wickeln könnten , wenn in demselben Augenblicke von Seiten des versammelten Reichsraths eine kriegerische Ansprache an den Thron gerichtet werden würde, in dem die Königliche Regierung sich bemühe , mit den beiden deutschen Gr mächten hinsichtlih eines Friedens oder doch wenigstens hinsicht- li eines längeren Waffenstillstandes Unterhandlungen ‘einzuleiten, Diese motivirte Mahnung konnte inzwischen die zahlreichen cider- dänischen Fürsprecher des Adreß-Entwurfs/ unter denen in erster Linie der Exminister Orla Lebmann , der Präsident des früheren ‘Reichs- raths, Konferenzrath Madvig und der vertriebene \{leswigsche Appellationsgerichtsrath Etatsrath Knudsen standen , nicht davon zurüchalten , unter dem Beifall der Tribünen j die politische Nothwendigkeit der Unzertheilbarkeit des » dänischen und zur größeren Hälfte dänisch sein wollenden Herzogthums Schles- wig « auszusprehen und von diesem Standpunkte aus die Warnungsrufe der gemäßigten Redner des Hauses zu bekämpfen. Schließlih wurde ein Antrag Andräs, mit der ersten Berathung abzubrechen und die Adresse dem aus sämmtlichen Mitgliedern des Things bestchenden, für die Staatsanleihesache niedergeseßten Aus- \hu}se zu überweisen, mit 33 gegen 20 Stimmen abgelehnt, dagegen Uebergang zur zweiten Behandlung mit 42 gegen 14 Stimmen beliebt. Auf Antrag Rasenöre-Teilmann wurde mit 37 gegen 3 Stimmen be- \{lossen, einem Ausschusse von 9 Mitgliedern die Adresse zu übergeben. Die Adresse wird die erste ernstliche Reibung zwischen dem Ministe- rium und dem Reichsrathe veranlassen, da das Ministerium schon jeßt entschlossen sein soll , die Entgegennahme der Adresse an oder ür d sónig zu- verweigern. } : | Im Rethsrath-Volksthing, wo ein gleichlautender Adreß- entwurf \chon in den nächsten Tagen zur Verhandlung kommen wird, erwoartet man die Parteinahme der beiden Exministerpräsiden- ten Hall und Bischof M onrad für denselben. A : Haben díe Eiderdänen dem Vorstehenden gemäß , in beiden Reichsraths - Abtheilungen auf die Annahme des Adreßentwurfs die gegründetste Aussicht, so müssen ihnen andererseits die Bestrebungen der hiesigen konservativen Partei zu Gunsten des neuen Ministeriums sehr unwillkommen sein. So liegt augenblicklich in den größten hiesigen Buchhandlungen - und in der Lesegesell schaft »Athenäum« eine sehr bemerkenswerthe anti - eiderdänische Adresse an den König auf, die folgenden Wortlaut hat :

| kennt, hat sih natürlich hierüber nicht wundern können,

Groß- |

» Allergnädigster König! Durchdrungen, vonder Ueberzeugung der Noth- wendigkeit, den Weg zu verlassen, welcher bis jeßt nur zu schmerzlichen Ver- lusten und zu tiefen Demüthigungen geführt hat, haben wir mit Freuden den Beschluß Ew. Majestät begrüßt, den Thron mit neuen Rathgebern zu umgeben. Jn der Wahl, welche Ew. Majestät später getroffen haben, er- bliden wir tine Bürgschaft dafür, daß die Bestrebungen Behufs der Wieder-

| gewinnung der Segnungen des Friedens auf die richtige Bahn werden ge- | Leitet werden, während wir davon überzeugt sind,

daß die Männer, welche jezt im Rathe des Königs sizen, allgemeines Vertrauen genießen. Bereit zur Darbringung der Opfer, welche die Rettung des Vaterlandes noch jeßt fordern dürfte, ersuchén wir Ew. Majestät, in Königlicher Gnade diesen-Aus- spruch zu empfangen, welcher allein aus Liebe zum Vaterlande und aus dem Bewußtsein des Ernstes und der entscheidenden Bedeutung des Augen- blickes hervorgegangen ist. «

Die vorstehende Adresse findet großen Anklang. Von den Un- terzeichnern derselben sind zu nennen: u. A. die vertriebenen s{leswigschen Beamten : Oberpräfident von Rosen, Appellations - Rath Wöldike und Stempelpapierverwalter Christiansen (sämmtlih aus Flensburg). Außerdem hat der in Jyehoe geborene Departements - Chef Kranold die Adresse unterzeichnet. Die Erbitterung im eiderdänischen Lager ist so groß dadurch, daß »Dagbladet« und »Faedrelandet« der Adresse mit keiner Sylbe erwähnen. i A

Oas letztere bringt heute einen Artikel, der sich Über die Furcht verbreitet, welche die Kopenhagener vor einer Invasion Seelands überfallen hat und welche sie den Frieden herbeiwünschen ließ. Das Blatt äußert unter Anderem: :

»So lange das Heer bei der Dannewirke stand, war man (die Kopen- hagener) muthig und tapfer und kam in die heftigste Bewegung über den Zurückzug des Heeres. Als der Feind sich in Schleswig und Nordjütland ausbreitete, blieb man unges{hwächten Muthes, faum aber war Alsen ge- fallen, kaum hatte es sih gezeigt, daß der ¿Feind 1m Stande war, einen {hmalen Sund zu überschreiten, so sank mit einem Mate der Glaube an die Sicherheit der Inseln und damit der Muth und die Freudigkeit. In den Bierhäusern wurde das Todesurtheil über die niedrigen Seelen gesprochen, welche den Krieg veranlaßt haben sollten, die Dienst mädchen und die Handwerkergesellen stürzten sich in die Büreaus der Sparkassen, um ihre Depositen zurüczunehmen , _die kleinen Kapitalisten verkauften ihre Papiere nicht füt Silber, sondern für Gold, das sie bei sih tragen konnten, und auch die Blätter, welche bisher Muth und Ausdauer gepredigt hatten, {lugen, der Stimmung folgend, einen anderen Ton an und riefen: sauve qui peút. Und alles das fam so schnell und überwältigend, daß es unmöglich war, sich gegen den Strom zu stemmen und Vernunft nit einigem Nußen zu predigen. Wer Kopenhagen wirklich denn er hat lange gewußt, daß die Hauptstadt zwar die Blume der Einsicht und Tüchtigkeit des Volkes in sih s{ließt, aber zugleih auch einen guten Theil seiner Hefe enthält. Das oberflächlihe und genußreiche Leben in der Hauptstadt muß erschlaffend auch auf den besseren Theil der Bevölkerung wirken, so- daß es ihm schwer fallen wird, eine ernste Probe zu bestehen. Und - doch sind wir geneigt zu glauben, daß, wenn eine wirkliche Gefahr si präsentirt , Kopenhagen sich viel besser aufführen werde , denn dann werden die besten Kräfte in Bewegung geseht werden, es wird an. die edelsten Ge- fühle appellirt werden und die Gefahr wird stärkend und erhebend auf die Bevölkerung wirken, welche \sich jegt hat überwältigen lassen von leerer Furcht und unbegründeten Einbildungen. Aber in jedem Falle hat das Erschrecken Kopenhagens die faktische Folge gehabt, ein neues Ministerium zu schaffen. Man kann das jetzige Ministerium sehr passend das »Kopen- hagener« nennen, denn Kopenhagen is es, welches es eingeseßt hat. Da die Hauptstadt so laut und \o einstimmig nach Frieden rief / so glaubte Se. Majestät einen Volkswounsch zu erfüllen, wenn er die Minister entlasse, welche dem Kriege. nicht hatten vorbeugen können. «

Schließlih mahnt das Blatt die Kopenhagener Bürger daran, den Frieden nicht dur Au gee ihnen zugesicherten politischen

önlichen Freiheiten zu erfausen. | E ) General Wilson hat

Amnrerika. New-York, 7. Juli. den General Grant erreicht, nachdem er 1000 Mann, seinen ganzen

Train und seine Artillerie eingebüßt hatte. Der Südgeneral Shelby RarD, in Arkansas von Carr mit einem Verluste von 500 Mann en.

did Nach den lehten Berichten waren 87 Todte aus den Trümmern des in Ost-Kanada verunglückten Da her- vorgezogen worden - und die Zahl der Verwundeten betrug 00. _Es ist unmöglich, die Todten zu identifiziren oder eine korrekte Liste ihrer Namen zu erhalten. Die ganze Zahl der Auswanderer betrug 538 j mit dem »Neckar« am 18. Mai von Hamburg abgefahren, waren sie am 27. Juni in Quebec gelandet, um sich von dort nach West-Ca- nada zu begeben, einige wenige auch nah den westlichen gut Es waren Deutsche, Skandinavier, Polen und mehrere Italiener, meist bemittelte Leute, mit Ausnahme von etwa 30 ärmeren Passagieren, reisten die Übrigen am 28. per Extrazug von Quebec ab. Das Un- glück geshah auf eine \chreckliche Weise. Die Über den Richelieu- Fluß führende Qugbrücke war, weil eben ein Schleppschiff passirte, geöffnet, der Lokomotivenführer beachtete das Signal nicht, und der Zug stürzte in die Tiefe hinab, aus einer Höhe von 50 Fuß. Loko- motive und Tender zerschellten, von den ses Personenwagen theilte der erste dieses Schicéfsal, zwei fielen auf eine Barke und wurden da- dur vor gänzlichem Untergange in den Fluthen bewahrt, die drei leßten wurden auf das Ufer geschleudert.