1887 / 67 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Ad R rze P VE A M T M aen “A T Hit Ae E ->e

Fi. D

Pt uuirc Fa nail e

Wabi 20% i a

en E

wex m ait P U nue - O M S-A WMET G B - u MGEERD E ua MMM U Ma M dna m mai! i S L e E

it 2

es

T5

7%

N, A M E d E: ins e n A O A A R? L

e ot Doe ae gi: Dea eunar

Das Herrenhaus begann seine heutige (7.) Plenar- sißung um 12 Uhr 20 Minuten.

Derselben wohnten die Staats-Minister Maybach, Dr. Lucius, Dr. Friedberg, von Boetticher und Dr. von Scholz mit zahlreichen Regierungskommissarien bei. L

Zunächst gelangte der mündliche Bericht der Justiz- kommission über den Gesegentwurf, betreffend die Er - richtung eines Amtsgerichts in der Stadt Trebbin, zur Berathung.

Der Berichterstatter Herr Eggeling empfahl die unver- änderte Annahme des Geseßentwurfs. E i

Graf zur Lippe gab einige Wünsche in Betreff des Publi- fationsmodus zu erkennen, worauf das Haus das Gese un- verändert genehmigte. .

Ohne Debatte wurde sodann auf Antrag des Bericht- erstatters Herrn Eggeling Namens der Justizkommission der Gesezgentwurf, betreffend die Abänderung von Amtsgerichtsbezirken, angenommen. .

Herr Oehlschläger berichtete Namens derselben Kommission über die Petition der Stadtverordneten zu Kirn: „ZU erwirken, daß in der Stadt Kirn ein Amtsgericht errichtet werde“, und beantragte, über diese Petition zur Tagesordnung überzugehen.

Das Haus trat diesem Antrage ohne Diskussion bei.

Es folgte der Bericht der Kommission für den Staats- haushalts-État und für Finanz-Angelegenheiten über den Staatshaushalts-Etat für das Jahr vom 1. April 1887/88, sowie über die die Feststellung desselben und die Ergänzung der Einnahme dur eine Anleihe betreffenden Gesetzentwürfe.

Hierzu beantragte Herr Bötticher: den Etat nah Schluß der Generaldisfkfussion en bloc anzunehmen.

Nach einer geschäftliten Debatte über diesen Antrag, an welcher sich die Herren Freiherr von Mirbach, Bötticher, von Pfuel, Graf Zieten - Schwerin u. A. betheiligten, fand dieser Antrag genügende Unterstüßung und trat das Haus in die Berathung des Etats.

Die Generaldiskussion leitete der Referent, Herr von Pfuel, ein, indem er seinen Antrag:

a. dem Staatéhaushalts-Etat pro 1887/88, b. dem Gesetent- wurf, betreffend die Feststellung des Staatéhaushalts-Etats für das JFahr vom 1. April 1887/88 und c. dem Gesetzentwurf, betreffend die Ergänzung der Einnahmen des Staatéhausbalts-Etats für das Jahr 1887/88 in der Fassung, welce diese Entwürfe dur die Be- {<lüsse des Hauses der Abgeordneten erhalten haben, die verfassungs- mäßige Zustimmung zu ertheilen,

mit kurzen Worten zur Annahme empfahl.

Da si< Niemand weiter zur Generaldiskussion zum Worte gemeldet hatte, so wurde dieselbe geschlossen und der Antrag Bötticher mit sehr großer Majorität angenommen, jedoh mit dem Vorbehalt, daß es den einzelnen Mitgliedern unbenommen bleibe, bei den einzelnen Spezial-Etats ihre Aeußerungen zur Kenntniß des Hauses zu bringen.

Bei der Position der Domänenverwaltung bat demzufolge Herr Dr. Friedenthal, deù Badeeinrihtungen in Norderney eine wohlwollende Aufmerksamkeit zu widmen und dieselben möglichst zu vervollkommnen.

Der Staats-Minister Dr. Lucius erwiderte, daß die Angelegenheit Gegenstand der Erörterung der Regierung sei und bereits verschiedene Verbesserungen, wie Verlängerung der Molen, Regulirung der Kanalisation u. st. w., in Aussicht genommen seien.

Der Staats-Minister Maybach fügte dem hinzu, daß auch eine Verkehrsverbesserung mit Norderney Seitens der Eisen- bahnverwaltung in Aussicht genommen |ei.

“Bei dem Etat der Forstverwaltung bat Freiherr von Mirbach als Präsident des Deutschen Jagdschußvereins, dafür sorgen zu wollen, daß die Forst-Unterbeamten zu einem \tärkeren Abshuß der Raubvögel angehalten würden; er wünsche dies im Jnteresse der niederen Jagd, die jeßt von den Raubvögeln viel zu leiden habe.

Bei dem Etat der Eisenbahnverwaltung bat Freiherr von Manteuffel um eine bequemere Einrichtung des Retour- billetverkehrs auf den Staatsbahnen, der namentlih für den Verkehr mit den kleineren Stationen viel zu wünschen lasse.

Der Staats-Minister Maybach erwiderte, daß eine kon- sequente Durchführung des Retourbilletsystems für die kleineren Stationen nah denselben Grundsäßen, wie sie für große Verkehrscentren bestehen, ganz unmöglich sei.

Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode bat, wenn möglich dahin zu wirken, daß die Tarife für Rüben und Zucker auf den Privatbahnen auf den Betrag h-:rabgeseßt würden, welcher dafür auf den Staatsbahnen gezahlt werde. (Schluß des Blattes.) /

Jn der heutigen (30.) Sißung des Hauses der Abgeordneten, welcher der Vize - Präsident des Staats-Ministeriums, Minister des Jnnern, von Puttkamer, und mehrere Kommissarien beiwohnten, erledigte das Haus zunächst ohne Debatte in dritter Berathung den Ge)eßt- entwurf, betreffend die Verlängerung der im $8. 7 des Gesetzes, betreffend Ergänzung und Abände- rung derBestimmungen über dieAussonderung des steuerartigen Theils aus den sogenannten stehen- den Gefällen in der Provinz Schleswig-Holstein vom 25. Mai 1885 (Gesez-Samml. S. 170), festgeseßten Frist, und den Gesegentwurf, betreffend die durch ein Auseinandersegungs-Verfahren begründeten, gemeinschaftlihen Angelegenheiten.

Es folgte die zweite Berathung des Entwurfs einer Kreisordnung für die Rheinprovinz und des Geseg- entwurfs über die Einführung der Provinzial- ordnung vom 29. Juni 1875 in dieser Provinz.

_ Die Kommission hat nur in drei Punkten gegenüber den

Beschlüssen des Herrenhauses eine Aenderung vorgeschlagen.

Der $. 1—3 des Entwurfs wurde ohne Debatte genehmigt. Zu dem $. 4, welcher lautet :

Städte, welhe mit Ausschluß der aktiven Militärpersonen eine Einwohnerzahl von mindestens 40000 Seelen haben und gegen- wärtig einem Landkreise angehören, sind befugt, für si< einen Kreis- verband, Stadtkreis ($8. 89), zu bilden und zu diesem Behufe aus dem bisherigen Kreisverbande au8zuscheiden.

Auf den Antrag der Stadt wird dieselbe dur< den Minister des Innern für ausgeschieden erklärt.

_ Dur Königliche Verordnung kann na< Anhörung des Pro- vinzial-Landtages au< Städten von geringerer Einwohnerzabl auf Grund besonderer Verhältnisse das Ausscheiden aus dem bisherigen und die Bildung eines eigenen Kreisverbandes gestattet werden.

Es ist jedo< zuvgr in allen Fällen eine Auseinanderseßung darüber zu treffen, wel<en Antheil die auësheidende Stadt an dem gemeinsamen Aftiv- und Passivvermögen des bisherigen Kreises, \o-

wie ctwa an fortdauernden Leistungen zu gemeinsamen Zwe>en der

beiden neuen Kreise zu übernehmen hat.

Ueber die Auseinandersezung beschließt der Bezirksaus\{uß, vor- bebaltli der den Betheiligten gegen einander innerhalb ¿wei Wochen zustehenden Klage bei dem Bezirksausschufse ($ 2 des Geseßes vom 1. August 1883).

lag ein Antrag des Abg. Vygen vor, welcher dahin ging, im 7 4 Alinea 1 der Vorlage ftatt „von mindestens 40 000“ zu

eßen: „von mindestens 30 000“. G

Der Referent Abg. von Nosenberg-Gruszczynsky empfahl Namens der Kommission die Ablehnung des Antrags.

Der Abg. Vygen bemerkte, er glaube es seiner Heimath und den größeren Städten derselben \{huldig zu sein, den Antrag, welcher in der Kommission mit 12 gegen 7 Stimmen abacieiat sei, wiedereinzubringen. Acht größere Städte der Rheinprovinz hätten fsi<h darüber Beschwerde führend an das Haus gewandt, daß sie in die Landkreise hinein- gezwängt werden sollten, obgleih sie eben so große Einwohnerzahlen hätten wie die westfälishen Städte, welhe s<hon mit 30 000 Einwohnern aus dem Kreise aus- scheiden fönnten. Es handle si< hier um sehr entwidelungs- fähige Jndustriestädte. Die Behauptung der Motive, daß feine genügenden Elemente für die Ausübung einer Selbst- verwaltung vorhanden seien, treffe durchaus nicht zu. Er fönne deshalb nur bitten, seinen Antrag amen,

Der Geheime Regierungs-Rath Dr. von Bitter wies zunächst auf das Gutachten des Rheinischen Provinzial-Landtages hin, welcher in dieser Beziehung viel weiter habe gehen wollen, und hob dann hervor, daß der Unterschied zwischen Rheinland und Westfalen ein sehr bedeutender sei.$s Das Anwachsen der Be- völkerung in den rheinishen Städten sei allerdings ein sehr rapides, aber au<h ein sehr ungesundes. Deswegen müsse man die größte Vorsicht beobachten, ehe man selbständige Stadtkreise konstruire.

Der Abg. Krékeler trat für die Vorlage ein.

Der Abg. vom Heede wies darauf hin, daß für Westfalen, wo in den industriellen Bezirken das Anwachsen der Bevölke- rung ein ebenso starkes sei wie in der Rheinprovinz, die Re- gierung selbst an der Zahl 30 000 festgehalten habe.

__ Der Abg. Olzem bat, es bei der Regierungsvorlage zu lassen, da das Anwachsen der Städte allerdings ein bedeutendes sei; aber der Zuwachs der Bevölkerung enthalte ni<ht immer die Garantie in s\ih, daß die betreffenden Gemeinden auch dauernd die Lasten eines Stadtkreises auf si<h zu nehmen im Stande sein würden.

Der Abg. Bachem bestritt, daß irgendwelche Verschieden- heit zwishen der Rheinprovinz und Westfalen bestehe; im Gegentheil, wenn man von einem ungesunden Anwachsen der Bevölkerung \prehen wolle, so treffe dies eher für Westfalen als für die Rheinprovinz zu.

_Der Abg. Dr. Hammacher stimmte diesen Ausführungen vollständig bei unj- bestritt, daß in den rheinishen Städten die nöthigen Elemente für die Selbstverwaltung fehlten.

Nachdem der Regierungskommissar, Geheime Regierungs- Rath Dr. von Bitter, nohmals für die Regierungsvorlage eingetreten war, {loß die Diskussion.

. 4 wurde“ unter Ablehnung des Antrages Vygen nah

der Regierungsvorlage angenommen.

Die $8. 5—23 wurden ohne Debatte ebenfalls angenommen. (Schluß des Blattes.)

An Zöllen und gemeinschaftlihen Ver- brauchssteuern sowie anderen Einnahmen sind im Reiche für die Zeit vom 1. April 1886 bis zum Schluß des Monats Februar 1887 einschließli<h der freditirten Beträge (und verglichen mit der Einnahme in demselben Zeitraum des Vorjahres) zur Anschreibung gelangt: Zölle 235 290 013 M n 17 128 753 M), Tabacfsteuer 9 786 822 M (-++ 645 286 M6), Zu>ersteuer 142 332 501 M (4+ 55830995 A), Salz- teuer 37142469 M (+ 641 536 0 Branntweinsteuer 46 448 555 M (— 4882507 M), Uebergangsabgabe von Branntwein 93 531 M (— 2207 M), Brausteuer 19 396 T07 M6 an 1 202 767 S), Uebergangsabgabe von Bier 2037 711 M —+ 230 O78 At); Summe 492 528 309 M (+ 70 794 701 M). Spielkartenstempel 1 039 488 M (+ 12 695 M), Wechselstempel- steuer 6 019 823 M (—51 723 M), Stempelsteuer für a. Werth- papiere 4 710 424 M. (+ 1165 860 M), b, Kauf- und fonstige Anschaffungsgeschäfte 7 337 688 M. (+ 3278 472 16), e. Loose zu Privatlotterien 711 376 M (4+ 59533 F), Staats- lotterien 4 800 798 M (— 139 855 M).

Die zur Reichskasse gelangte Jst -Einnahme ab- züglih der Ausfuhrvergütungen und Verwaltungskosten be- trägt bei den nachbezeihneten Einnahmen bis Ende Februar 1887: Söôlle 213142098 (+ 12801 139 J), TZabad>- steuer 9191109 Æ (— 9585244 MÆ), Zu>ersteuer 14 242698 M (— 2810041 A), Salzsteuer 35 662 TO1 M6 (+— 728 372 M), Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe von Branntwein 32 048 618 M (— 499370 M6), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 17855478 M (+ 1215220 M), Summe 322 142 702 M (+ 10850 076 M). Spielfarten- stempel 954 981 M (+ 12 880 M).

Die s<hriftliheBeitrittserklärun g einer Perfon zu einer Genossenschaft und die Aufnahme dieser Person in das dem Gericht überreichte Mitgliederverzeihniß der Ge- nossenshaft genügt nah einem Urtheil des Reichs gerichts, I. Civilsenats, vom 12. Januar d. J., in der Regel zur Herstellung der Hasftbarkeit der Person für die Genossenschafts\hulden, selbst wenn nicht feststeht, daß die Aufnahme jener Person als Mitglied in der den Statuten entsprehenden Form (durch förmlichen Beschluß des Vorstandes 2c.) erfolgt war.

_— Durch Allerhöhste Ordre vom 7, Mats 9. 5, Ut demi Kreise Westprigniß, welher den Bau zweier Kreis- Chausseen von Wilsna> über Haarn nah Kleßke zum An- {luß an die Berlin-Hamburger Provinzialstraße und von Karstädt an der Berlin-Hamburger Provinzialstraße über Postlin nah Dallmin beschlossen hat, das Enteignungs- re<t für die zu diesen Chausseen erforderlihen Grundstüde verliehen worden; ebenso gegen Uebernahme der künftigen chausseemäßigen Unterhaltung der Straßen das Recht zur Erhebung des Chausseegeldes nah den Bestimmungen des Chausseegeld-Tarifs vom 29. Februar 1840 einschließlih der in demselben enthaltenen Bestimmungen über die Befreiungen sowie der sonstigen, die Erhebung betreffenden zusäßlich-n Vorschriften vorbehaltlich der Abänderung der sämmtlichen voraufgeführten Bestimmungen. Auch sollen die dem Chausjee- geld-Tarif vom 29. Februar 1840 angehängten Bestimmungen wegen der Chaussee-Polizeivergehen auf die gedachten Straßen zur Anwendung kommen.

Der Disziplinarhof für nichtrihterlice Beamte trat heute zu einer Sißung zusammen.

__ Potsdam, 18. März. (W. T. B.) Se. Kaiserlighe Königliche Hoheit der Kronprinz Rudolf von Oesterreih-Ungarn fuhr heuie Vormittag nach der Koserne des Garde-Husaren-Regiments und wohnte daselbst der Offizier: Reitstunde bei. Dann begab si derselbe mit Sr. König- lichen Hoheit dem Prinzen Wilhelm nach dem kleinen Exerzierplaß, wo ein Exerzieren im Feuer von 3 Compagnien des 1. Garde-Regiments gegen eine Compagnie des Lehr: Jnfanterie-Bataillons stattfand. Die ganz besondere Auf: merksamkeit des Kronprinzen eevols das Feuern mit dem neuen Magazingewehr ; einige größere Abtheilungen mußten mit diesem Gewehr Schnell: und Salvenfeuer ausführen; au<h nahm der Kronprinz die neue Gepä>ausrüstung sehr genau in Augen: schein. Später folgte Höchstderselbe mit dem Prinzen Wilhelm einer Einladung des Offizier-Corps des 1. Garde-Regiments zum Frühstü> im Offizier- Kasino.

Stettin, 17. März. Die heutige 3. Sißung des 13. Pommerschen Provinzial-Landtages wurde um 121/, Uhr eröffnet.

Für die Einrichtung einer Provinzial - Jrrenanstalt in Lauenburg ist ein Projekt nebst Kostenanshlag in Höhe von 1 500 000 S ausgearbeitet worden. Es wurde bes<lo\}sen, den Bau des Jrrenhauses in Lauenburg nah Maßgabe dieses Projekts ausführen zu lassen.

Das vorliegende Reglement für die Verwaltung der Frrenanstalten des Provinzialverbandes von Pommern wurde angenommen. Das im Entwurf vorliegende Statut für die Pommersche Wittwen- und Waisenkasse für Kommunalbeamte pu mit der Aenderung angenommen, daß $8. 20 Abs. 3 autet:

„Wenn die na<h $. 3 vorgeschriebenen Beiträge in einem Rec- nungsjahre zur De>ung der reglementêmäßigen Ausgaben nit aut- reichen, so ist der Fehlbetrag aus den Zinsen des Reservefonds, und wenn leßterer bereits die vorstehend angegebene Normalhöbe erreiht bat, aus den Veständen dieses Fonds, jedo höchstens bis zu ein Zehntel zu entnehmen. Wird hierdur< das Defizit des Jahres nicht gede>t, so sind die der Kasse beigetretenen Verbände verpflichtet na< Verbältniß der von ibnen abgeführten Beiträge, das Feblende na<hträgli< aufzubringen. Die von den Verbänden ihren Beamten R Iahresbeiträge dürfen aus diesem Grunde nitt erhöht werden.“

Der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alter- thumskfunde wird ein etatsmäßiger Zuschuß von 4000 bewilligt.

Dem Landtage wurde ein Schreiben des Ober-Präsidenten der Provinz Pommern, vom 9. d. M., mitgetheilt, betreffend eine Anfrage, welhe Räumlichkeiten in den der Provinz a Gebäuden zur Herrihtung von Lazarethen bei aus- rehendem Kriege der freiwilligen Krankenpflege bezw. der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt werden können. Der Landtag beschloß, den Landes-Direktor mit der Vornahme der erforderlichen Ermittelungen zur Erreichung des angegebe- nen Zweckes zu betrauen.

Das Reglement über die dienstlihen Verhältnisse der Provinzialbeamten in der Provinz Pommern wurde an- genommen.

Um 41/4 Uhr wurde der Landtag bon dem Ober-Präsi denten der Provinz Pommern mit einer kurzen Ansprache ge- schlossen.

Der Vorsizende brachte sodann ein begeistert auf- genommenes Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König aus, worauf die Versammlung si trennte.

E Württemberg. Stuttgart, 17. März. Wie der „St.-A. f. W.“ erfährt, hat Se. Majestät der König be- fohlen, daß der Commandeur des Jnfanterie-Regiments Kaiser Wilhelm, König von Preußen Nr. 120, Oberst von Alberti, die Glü>wünsche des Regiments Sr. Majestät dem Kaiser, als dem hohen Chef desselben, bei der diesjährigen Geburtstagsfeier am 22. März persönlich überbringe.

Braunschweig. Braunschweig, 17. März. (Hann. C.) Auf dem Plas vor der Jnfanteriekaserne fand heute Morgen 10 Uhr die Abschiedsparade_ des 10. Magdeburger Zn- fanterie-Regiments Nr. 67 vor dem Regenten statt. Nach erfolgtem Parademarsch hielt Se. Königliche Hoheit eine Ansprache an das Regiment, welche mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser {loß. Die Ansprache lautete :

„Kameraden vom 67. Negiment! Das Regiment s<heidet nun aus

dem Verbande der 40. Brigade, 20. Division und des X. Corps aus und tritt jeßt in einen andern Verband, den des XV., Armee-Corps, fern im Westen, ein. Ich habe es mir nit versagen wollen, Eu ein Lebewohl zu sagen. Gewählt habe ih den beutigen Tag, weil er in der Geschichte bervorstiht. Am heutigen Tage im Jahre 1813 erließ mein Großvater, der König Friedri<h Wilhelm III., den Aufruf „An Mein Volk“ und ftiftete das Eiserne Kreuz. Am heutigen Tage vor 16 Iabren kehrte Se. Majestät der Kaiser siegreich in die Stadt Berlin zurü>, na<hdem er vor dem Feldzuge das Eiserne Kreuz neu hatte auf- [eben laffen. Als ih 1871 die 20, Division übernahm, da drängte sih mir der Gedanke auf, daß dieses Regiment, das älteste der Division, au<h das beste, zuverlässigste und strammste sein müsse, und diese Veberzeugung hat fih mir bei jeder Gelegenheit gefestigt und gestärkt. Ich hoffe und wünsche, daß bei dem Uebertritt in das XV. Corps si<h das Negiment diesen alten Ruhm bewahre und sichere. Ih rufe Euch, Kameraden, ein herzlihes Lebewohl zu, mödte aber ni<ht von Euch s<{eiden, ohne von Euch den Nuf gebört zu haben, der mir und au< wohl Euch immer der liebste ist, ein kräftiges Hoch auf unsern Kaiser : Se. Majestät der Kaiser lebe hoc)! bo! ho!“ _ Heute Nachmittag 5 Uhr fand im_Residenzschlosse große Tafel statt, zu welcher das gesammte Offiziercorps des Regi- ments nebst Damen Einladungen erhalten hatte. Dabei fand die Ueberreichung des Geschenks statt, welches der Regent dem Offiziercorps des nun in einigen Tagen Braunschweig verlassenden Regiments gestiftet hat. Dasselbe besteht aus einem prächtigen Tafelaufsay in Form einer auf vier Säulen ruhenden silbernen Schale, aus deren vergoldetem Fond sich das funstvoll in Silber getriebene Modell des alten Wahrzeichens der Stadt, des Löwendenkmals auf dem Burgplate, erhebt. Das \ih in seinem romanischen Stil diesem Monument anschließende Prunkgefäß hat eine Höhe von über !/2 m, Außerdem hat der Regent dem Offizier corps für den Kasinosaal in Met sein in den leßten Wochen hier D Hente aus Hannover gemaltes Porträt zum Geschenk gemacht.

_ Elsaß-Lothringen. Straßburg, 18. März. (Lds.-Ztg- f. Els.-Lothr.) Der Landesaus\{<uß erledigte in seiner gestrigen Sißung eine Reihe von Petitionen und seßte die nächste Sitzung auf Dienstag, den 29. März, fest.

Oesterreih-Ungarn. Wien, 17. März. (Wien. Abdp.) Der Budget-Ausshuß des Abgeordnetenhauses be- \ndete heute die gestern abgebrohene Berathung über das Budgetfapitel „Studienfonds, Forste und Domainen“ und

verhandelte sodann über die Kapitel „Allerhöchster Hofstaat“,

Kabinetskanzlei Sr. Majestät des Kaisers“, „Reichsrath“, "Reichsgeriht“ und „Ministerrath“, welche sämmtli<h un- Prändert genehmigt wurden. _ Außerdem wurden no<h folgende Budgetkapitel erledigt : „Subventionen und Dotationen an Landesfonds, Gemeinden- und GrundenLastungoonds Lotto“, „K. K. Hof- und Staatsdru>erei“, en lih der Pensions-Etat. Der Minister-Präsident Graf Taaffe wohnte der Sißung bei.

Pest, 17. März. (Prag. Ztg.) Das Abgeordneten- haus verwarf den Entwurf Apponyi's, betreffend die Jud i- fatur der Königlichen Kurie in den dur Protest an- gefochtenen Entscheidungen, nachdem von Tisza dagegen gesprochen.

Schweiz. Bern, 18. März. (Bund.) Die Verwa l- tungsre<hnung der Eidgenossenshaft vom Jahre 1886 weist an Einnahmen 61 097 496,26 Fr. und an Aus- gaben 58 067 506,48 Fr. auf; es ergiebt sih somit ein Ein- nahmenübershuß von 3029 989,78 Fr. Dabei wurden für Militär-Anstalten und _Befestigungswerke (militärische Sicherstellung des Gotthard) 501 946,81 Fr. verwendet.

Großbritannien und Jrland. London, 18. März. (W. T. B.) Jn der heutigen Sizung des Unterhauses er- widerte der Unter-Staatssekretär Fergusson auf eine bezügliche Anfrage: es sei ihm nichts davon bekannt, daß Deutschland die Jnsel Tschusan oder eine der zu Tschusan

ehörigen Nebeninseln beseßt oder unter seine Schußherr- haft gestellt habe. Der Unter-Staatssekretär für Fndien, Gorst, erklärte“ er wihe nichts von der angeblichen Absicht der indishen Regierung, ein Observations- Corps an der Pischingrenze aufzustellen. :

19. März. (W. T. B.) Das Unterhaus verwar} in seiner gestrigen Sißung nach längerer Debatte mit 226 gegen 88 Stimmen einen Antrag Dillon's auf Vertagung des Hauses behufs Protestes gegen die Verhaftung des Priesters Keller-Youghall. Sodann wurde die Be- rathung über die Vorlage, betreffend die Geschäftsordnung, fortgeseßt und die erste Resolution mit 262 gegen 41 Stimmen definitiv angenommen.

„Pol.

Türkei. Konstantinopel, 18. März. Die Corresp.“ meldet: der Kapitän Nabokoff, durch den im vorigen Jahre der Aufstand in Burgas versucht worden fei, habe in der Umgebung von Konstantinopel eine aus etwa Ae Mann meist Montenegrinern bestehende

ande formirt, um mit derselben in Ostrumelien einzu- dringen. Die türkischen Behörden hätten die Regierung in Sofia davon benachrichtigt und ließen sih die Ueber- wahung der Bande angelegen fein.

Rumäniea. Bukarest, 18. März. (W. T. B.) Der König und die Königin haben heute Abend 7 Uhr die Reise nah Berlin angetreten.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 18. März. (W. T. B.) Der Großfürst und die Großfürstin Wladimir sowie der Großfürst Michael Nikola- jewits< und der Herzog und die Herzogin Johann Albre<ht von Me>lenburg-Schwerin sind heute nah Berlin abgereist. . . i

19, März. bel T. B.) Wie der „Regierung s- anzeiger“ meldet, hielt der Rektor der hiesigen Universität gestern in der Aula vor den sehr zahlreih anwesenden Studenten und in Gegenwart der vorgeseßten Behörden und des Professoren-Collegiums eine Ansprache, in welcher er der shmerzlihhen Ueberraschung Ausdru> gab, daß nah amtlicher Meldung drei Studenten der St. Petersburger Universität im Besiß von Spreng- geschossen arretirt worden seien. Der Rektor sprach seinen tiefsten Abscheu und sein Bedauern über diese Thatsache aus und forderte die Studenten auf, energisch gegen die Unthat zu protestiren und diesen Protest in einer einstimmigen Ergebenheits-Adresse an den Kaiser auszudrü>en. Die Rede des Rektors wurde mit anhaltenden und lauten Beifallsbezeugungen begleitet. Die Studenten stimmten nah dem Schluß der Rede die Nationalhymne an und brachten begeisterte Hochrufe auf den Kaiser aus.

Ein heute veröffentlichtes G eseß bestimmt, daß die Zahl der jüngeren Offiziere sämmtlicher Jnfanterie-Regimentèr bis zu der im Etat vorgesehenen Norm ergänzt werde.

Zeitungsftimmen.

__ In der „Norddeuts<en Allgemeinen Zeitung“ findet sich folgende Notiz: . : Eine Zählung der Fabrikarbeiter im Königreih Sachsen hat für 1885 284 533 in Fabrifen beschäftigte Arbeiter ergeben, während folcher 1883 nur 241 291 vorhanden waren, so daß ein Zuwachs von 43 242 oder 17,9 9% zu fonstatiren war. In der gleichen Zeit betrug die Bevölkerungszunahme 2,69 %/. Andererseits ging von 1883 bis 1885 die Zahl der Fabrikanlagen von 16036 auf 13962 herunter, fo daß, während 1883 auf jede Fabrik 15 Arbeiter entfielen, 1885 20 Arbeiter auf jede Fabrik famen. Die Arbeiterzahl stieg bei allen Industriezweigen; die Zahl der Fabrikanlagen erfuhr keinen Rü- gang bei der Papier- und Lederindustrie und den polygraphis<hen Gewerben. 5 __ Die demokratishe Presse will aus diesen Angaben auf einen Rückgang des Kleingewerbes geschlossen wissen. Offenbar mit Unrecht \hon deshalb, weil nicht fkleingewerblihe Anlagen und deren Arbeiter- zahl, sondern Fabrikanlagen und Fabrikarbeiter gezählt wurden. Außer- dem sind doch aber gerate diejenigen Branchen, welche einen Rück- gang in der Zahl der Anlagen nit erfuhren, solche, die mehr dem Klein- als dem Großbetriebe zuneigen. Die Richtigkeit und Ver- gleihbarkeit obiger Zahlen vorausgeseßt, folgt aus denselben nur, daß die großgewerbliche Thätigkeit in Sacsen an Intensität lebhaft zugenommen hat in einer Zeit, für welche von manchesterliher Seite stets die ungünstigst lautenden Berichte verbreitet wurden.

__— Das „Deutsche Tageblatt“ schreibt über den Niedergang der freisinnigen Partel: i __ Es gab vor einiger Zeit Leute, die in der freisinnigen Parteî die Partei der Zukunft zu schen behaupteten. Man wußte fogar Gründe für diese Ansiht anzuführen, von welchen der stichhaltigste der schien, daß weite Kreise unseres Volkes, insbesondere das gebildete Bürgerthum, eine entschieden liberale Vertretung im Reichstage wüns<hten und ihre Anshauungen nah dieser Richtung immer mehr zum Ausdru> bringen würden. Es wurde das Dogma aufgestellt, daß der Freisinn der naturgemäße Vertreter der Interessen des deut- schen Bürgerthums sei, und weil das einleu<htend flang, so glaubten Viele daran.

In:wischen baben die Thatsaken anders entschieden. Die frei- sinnige Partei hat bei den Wablen eine Niederlage erlitten, wiz fie in dem varlamentaris<hen Leben Deutschlands cine politishe Partei no niemals empfindlicher davongetragen hat. Die Zahlen îpre<en zu deutli, und in dieser Frage find ste zweifellos beweisfräftig.

Alle Parteien haben gegen die Wablen von 1884 einen Stimmen- zuwats erhalten; *die einzige, wel<e verloren bat, ist die freisinnige Partei; sie ist um ca. 45 °/o, also fast um die Hälfte gegen das Iabr 1884 zurüd>gegangen. Allerdings hat die Volkspartei ihre sämmtlichen Sitte im Reichstagè eingebüßt, aber wenn man binzunimmt, das ihr Stimmenzuwahs bei den diesjährigen Wahlen etwa 14 9% beträgt, so ersicht man, daß ibr Verluft relativ no< bedeutend geringer, als der der Freisinnigen ift. Ebenso deutli wie die Zahl der abgegebenen Stimmen spri&bt die Zabl der verlorenen Mandate gegen die freifinnige Partei. Uls im Frübjabr 1884 si< die Fusion vollzog, geboten die vereinigten Sezessionisten und Fortschrittler als stärkste Fraftion im Reichstage über bein be 120 Site. Im Herbst desselben Jahres zogen sie unter dem Vanner des Freisinns selbander in den Wablkampf und verloren etwa die Hälfte ihrer Mandate. Entsprechend ist der Verlust der diesjährigen Wablen, nur die Hälfte ihrer Reichstagésiße hat die freisinnige Partei zu behaupten vermocht, und wenn fie es s<ließlih wirflih no< auf 32 Mitalieder gebracht hat, so verdient sie das, wie Jedermann weiß, in der Hauvptsabe nur dem Wohlwollen ihrer ultramontanen und sozialdemeokratishen Gönner.

Die auffallende Thatsache, daß eine Partei in den beiden einzigen Wablkämvfen, die fe bis jeßt zu besteben gehabt hat, jcdesmal um die Hälfte zurü>gegangen ift, findet ibre volle Begründung. wenn man auf die persönliche Leitung und auf die praktischen Ziele dieser Partei einen orientirenden Bli>k wirft. . ..

Ihre Erklärung findet die erstere Thatsache allein darin, daß es der freisinnigen Partei völlig an Persönlichkeiten gebri<ht, welche große politis&e Fragen unter großen Gesichtépunkten zu betrachten verstehen.

És fann nit Wunder nehmen, daß felbst unter den Anhängern der freisinnigen Partei allmählih fic ein gewisses Mißtrauen in die Fähigkeiten dieser ihrer Vorkämpfer für die bedrohten Freiheiten des Bolkes geltend macht. .…. Wenn ein Blatt von einer Neubelebung dur fri e, lebensfräftige Elemente spriht und dur cinen Perfonen-

wechsel innerhalb der Fraktion eine Wiedererstarkung der Freisinnigen für die Zukunft erhofft, so halten wir diese Hoffnung deshalb für eine vergebliche, weil na< unserer Neberzeugung fowobl die Grund-

sätze wie die praktischen Ziele der freisinnigen Partei veraltet find und deéhalb Lebensfähigkeit nicht in sich tragen.

Zur „Reform des Handwerks“ „Berliner Zeitungs-Correspondenz“:

Feder, und vor allen Dingen der Handwerker, muß si darüber far fein, was unter einer Reform denn eigentlich zu erstreben ift, was zu erreichen ist. In keinem Falle ift es angänglih, das Hand- werk in einen Gegensay zu der Großindustrie bringen zu wollen, ibm zu einer Macht, zu einer Einrichtung zu verhelfen, die es verlo>ken könnte, die Ausbreitung der Industrie verhindern zu wollen. Daoor muß {on die geschi&tli<he Entwickelung warnen. Die Innungen waren zur Zeit, in welcher die Entwickelung jener (Gewerbe- thätiafeit begann, die man mit dem Namen Industrie be- zeichnet, mit Privilegien ausgestattet, die ihnen heute nit mehr in dem Umfange gegeben werden können, und sie haben do<h ni<ht vermocht, fich selbst vor Rückgang zu shüßen. Daraus geht hervor, daß nicht die Fülle der Privilegien von Werth ist, soudern ihre Art und An- wendung. Damit fällt au< die Forderung der Zwang®innungen. Es fönnten dadur wobl für kurze Zeit große Innungen gebildet werden, die aber niht lebensfähig sein würden. Der Eintritt in die Innung darf niht als eine s{<were Pflicht betrachtet werden, sondern die Innungen müssen so gestaltet werden, daß ihre Mitgliedschaft ein erstreben8werthes Ziel ist, ein Ziel, welhes indeß niht dur den ein- fahen Entschluß, einzutreten, erreiht werden fann, sondern in Zukurft wenigstens von dem Grad des gewerblichen Könnens abhängig sein wird.

Ueber „Unsere Wirthschaftspolitik“ sagt die „Deut sche volkswirthschaftlihe Correspondenz“:

Wir haben betont, daß unsere manchesterlihen Oppositions- männer vergeblih darauf hinweisen, es werde eine Zeit fommen, in welcher wir nit mehr nöthig haben, unserer nationalen Arbeit Schutz angedeihen zu lassen, da sie cben vergessen hätten, daß, wenn seit dem Fahre 1879 dieser nationale Schutz nicht eingetreten wäre, wenn wir nit energis<h mit der Lehre Cobden’s und seiner Anhänger gebrochen, nit das verachtete Protektionssystem aufgerichtet hätten, wir keine Berechtigung besäßen, freudig in die Zukunft zu sehen. Der soeben ver- öffentlichte Handelsberiht Großbritanniens liefert uns den angenehmen Beweis, daß wir mit unseren Behauptungen vollkommen auf dem re<ten Wege uns befinden. Die Konsularberichte melden, daß unsihtbar aber fühlbar deulshe Diplomaten und Konsuln im Dienste des_deutschen Handels arbeiten, daß die Hand des Reichskanzlers oft im Often ein- griff, und daß das Deutsche Neich hinter dem deutschen Handel stände. Mit klaren Worten wird den Engländern nahe gelegt, daß das junge Deutschland dem älteren England auf den mannigfahsten Gebieten des Handels und der Industrie den Nang abläuft, ein Zeichen der treibenden Kräfte und Säfte, welche das Wachsthum des Reichs nach außen entsendet. Ueberall finde ih im Auslande der Engländer dem allgegenwärtigen Deutschen gegenüber, in Nußland, in Marokko, in Japan, in Tunis. Schon hält man es in Großbritannien für nothwendig, Sonderkonsularberichte einzuführen, um den anderen Nationen, vornehmlih den Deutschen, das Geheimniß ihrer Erfolge abzulaushen. Auf die in den Konsular- berihten angegebenen einzelnen Gründe, welche für diese Erscheinungen angeführt werden, können wir gegenwärtig hier niht näher cingehen. Es genügt uns vollkommen, konstatirt zu haben, daß wir mit der encrgishen Vertretung unserer praktischen Wirthschaftspolitik dem deuts<hen Handel und der deutschen Industrie die besten Dienste ge- leistet haben, und wir wollen nur die Erklärung hinzufügen, daß wir, ohne uns an doktrinäre Schrullen zu kehren, au<h in Zukunft stets der prafktishen Handhabung unserer Interessen das Wort sprechen werden.

äußert die

Statiftishe Nachrichten.

Von den „Mittheilungen der Großherzoglich He f- sishen Centralstelle für die Landes\tatistik“ ist ein Doppelheft erschienen : Nr. 378 und 379 vom Februar 1887, Dasselbe bringt u. a. eine Uebersicht der Studirenden auf der Landes- Universität Gießen im Wintersemester 1886—87. Wir entnehmen demselben in Bezug auf die Studienfächer, daß im Ganzen 94 Studirende der evangelishen Fakultät angehörten, wovon 89 Hessen, 5 Nichthessen. Neu immatrikulirt waren davon 12, Von den 62 Rechtswissenschaft Studirenden waren 54 Hessen, 8 Nichthessen, neu immatrifulirt 19. Medizin \studirten 69 Hessen und 25 Nicht- hessen, zusammen 94, wovon 22 neu immatrikulirt waren. Thier- heilkunde studirten 6 Hessen und 20 Nichthessen, zusammen 26, von denen 5 neu immatrikulirt waren. Zahnheilkunde ]tudirten 4, wovon 9 Nichthessen und 1 neu immatrikulirt war. In der Kameralwissen- haft waren 20 Hessen inscribirt, wovon 3 neu immatrikulirt waren. Der Forstwissenshaft gehörten 43 an, und zwar 37 Hessen und 6 Nicht- hessen, 4 davon waren neu immatrikulirt. Mathematik studirten 22 Mia: davon war 1 neu immatrikulirt. Klassische Philologie wurde von 31 Hessen und 3 Nichthessen studirt, davon waren ( neu immatri- kulirt. Der neueren Philologie gehörten 21 an, und zwar 19 Hessen, 2 Nichthessen; 1 davon war neu immatrikulirt. Philosophie und Naturwissenschaften wurden von 19 Hessen betrieben, von denen 1 neu immatrifulirt war. Geschichte wurde von 3 studirt, wovon 2 Hessen waren, alle 3 waren neu immatrifulirt. Pharmacie wurde von 16 studirt, wovon 6 Hessen, 10 Nichthessen waren, 10 waren neu immatri- fulirt. Chemie Studirende gab es 28, davon waren 20 essen, 8 Nichthessen; 10 davon waren neu immatrikulirt. Die Gesammlt-

summe der Studirenden betrag 486, davon waren 395 Hessen und 91 Nichthefen. Neu immatrikulirt davon waren 92. Unter den neu “mmatrifulirten waren mit Grmnasial-Maturität 65, mit Real- grmnasial-Maturität 12, mit der Refe für ibr Fach (Pharmaceuten, Neterinäre 2c.) 14, obne Maturität 1.

Ueber die Erfolge, welhe Rußland auf dem Gebiet der Tro>kenlegung v Sümvfen zu verzeihnen hat, entnehmen „Petermann's Mittheilungen“ dem „Journal de St.-Pétersbourg“ folgende Ziffern: Nab dem Berit des russishen Forst-Departements sind in den Iabren 1883 und 1884 im östlihen Theil von Polessien zwisden Dnjerr, Privet uxd Eerésina ca. 140000 Defßjatinen

(1530 gkm), und im westliwen Theil, zwisben Pripet, Sluts<, den Seen Sid und Domanowits< fow O0 OCO Defßzj. (1100 qkm) S1 Kultivirung ers{loîen worden. Se en n

ie im Been der Offipowka ca. umpf tro>en gelegt und der it dem Iahre 1874, wo die Ent- also innerbalb eines Zeitraums von $38 Werst (2025 km) Kanälen im Ganzen 1 520 000 Defj. (16: 00 gkm) Land entsumpft worden, und zwar wurden 210 000 Defj. (230-/ qkm) in Wiesen, 45 00) Def. (500 gkm) in Aterland verwandelt und 310 000 Deßj. (3400 qkm) sumpfigen Waldlandes tro>en gelegt. Der Kostenaufwand für diese Entsumpfungsarbeiten betrug 1 875 000 Rbl. Im Gouvernement Niäfan wurden 395 Werst (4120 km) Kanäle gebaut, im Gouverne- ment Moskau die Kanalifatien der Dubna beendet und în den nörds- liven Gouvernements die Boden-Untersuhungen und Nivellements fortgeseßt.

c Lil A

wäserungéarbeiten beconren ha 10 Jahren, sind dur< Anlage v 4

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Unser Kaiser. Ein Lebensbild des Kaisers Wilhelm. Von Franz Otto. Berlin und Leipzig. Verlag von Otto Spamer (Preis 60 ß; größere Ausgabe, gebunden 1,50 M). Der im November vorigen Jahres zu Leipzig verstorbene Buchkändler Otto Spamer bat si bekanntli<h um die Herstellung einer gefunden Volfks- und Juaend-Literatur ein bleibendes Verdienst erworben. Vielleicht weniger bekannt dürfte es sein, daß die unter dem Pseudonvm Franz Otto erschienenen Schriften von Spamer selbst verfaßt sind. Zu den Büchern der leßteren Art gebört auch die Volks\chrift „Unjer Kaiser“. In Tausenden von Eremplaren verbreitet, ift fie für den 90 jährigen Geburtstag unseres Kaisers von Neuem auf den Bücher- tish gebra<t worden und in zwei Ausgaben, einer großen und einer kleinen, fäuflih. Sie verdient als eine von warier Verehrung für den erhabenen Herrscher eingegebene und mit Geschik und Anpassung an den \<li<ten Verstand abgefaßte Schilderung Seines vielbewegten Lebenslaufes Aufmerksamkeit. Unter den für das Volk geschricbenen Gedenkbüchern über unseren Kaiser nimmt sie einen der beten Pläße ein. Das Büchlein ift mit einem Porträt des Kaisers und vielen hübschen Tertbildern ausgestattet.

Als Ergänzungsheft Nr. 85 zu „Dr. A. Peter- mann’'s Mittheilungen aus Justus Perthes' Geographischer Anstalt“ (Gotba, Justus Perthes) erschien soeben: „Aus den Da- gestanischen Hochalpen vom Schah-Dagh zum Dulty und Bogos*, Reisen, ausgeführt im Sommer 1885 von Dr. Gustav Radde, Dircktor des Kaukasischen Museums und der öffentlichen Bibliotbek in Tiflis, korrespondirendem Mitglicde der KaiferliLen Akademie der Wißsenschaften in St. Petersburg (mit zwei Karten und ciner Tafel mit Ansicten. Preis 4,50 M), Dr. Radde erfreute sich bei seinen wissenschaftlichen Erpeditionen der Förderung des Fürsten Dondufow-Kor!afow und eines vom Ministerium der Bolksaufklärung erwirkten Kredits. Es lag anfänglih in seinem Plan, sich, nach der verhältnißmäßig kurzen Frühling8zeit in den Tiefländern, in die fast unbekannten nordhorasanshen Gebirge zu begeben und womöglich über Mesched, am Südfuß des Allahdagh hinwandernd, Teheran zu erreiden, von wo sodann die bekannte Neiseroute über Rescht und Baku nach Tiflis erfolgen sollte. Er hoffte auf diesem W . ge sowohl die für den Zoologen interessante Frage über das Leben der Wild- \chafe als verschiedene andere über die Frühlingsflora diefer Gegenden zu lôösen. Die hier vorliegende Beschreibung über die Reise in dem südlichen Dagestan schließt sih zunächst an die im Jahr 1876 in den tuschinishen und <ews"uris{hen Alpen ausgeführten Touren an, über die er in dem Werke „Die Chews'uren und ihr Land“ (Kassel, 1878) berihtet hat. Von der gesammten Kette des großen Kaukasus hatte er die Kammzone, westli<h vom Elbrus begonnen, gegen Osten im Suanischen Hochgebirge bis zum Mamisson-Paß schon 1864 kennen gelernt. Die kurze Distanz vom Mamisson bis zur Westseite des Kasbek (ossetisde Hochalpen) kannte er no<h nit aus eigener An- \chauung. Dagegen sind ihm der Südfuß des Kasbek und seine Oft- front und von da über den hohen Tebulos bis zum Diklos gut be- fannt geworden. Mit dem Anschluß der Dagestaniswen Hochalpen an leßteren gegen Westen und bis zum Schah-Dagh inklusive gegen Osten wird also die Kenntniß der eisführenden Gebirge ‘in und am Großen Kaukasus fehr wesentlich vervollständigt. Es kam ihm, wie Dr. Radde sagt, vor Allem darauf an, die äußersten Verbreitungsgrenzen in der Vertikalen für höher organisirte Wesen, gleihgültig ob Pflanze oder Thier, zu ermitteln, soweit der bochalpine, vhanerogame Pflanzenwuhs nahweisbar ist, und sei es auch nur în den allerletzten Spuren. Seine Schilderung ist vielfa sebr fesselnd. Nicht nur die wissenschaftlihen Ergebnisse in Bezug auf Fauna, Flora und Mineralien der durchreisten Gegenden bat cer gesammelt, sondern auch die ethnologischen und kulturellen Verhältniffe der diefelben bewohnenden Volksstämme sorgfältig untersuht und in interessanter Darstellung niedergeschrieben. Da das Dagestanische Gebirge bis jetzt noch fast ganz unbekannt und von keinem Bergsteiger berührt worden ist, fordert er selbs die Alpenklubisten zum Besuch desselben auf. Seine Beschreibung wird ihnen vortreffli<h als Wegweifer dienen können. Die Shhilderung ist mit zwei Karten (Uebersicht der Meiseroute und Spezialkarte des Schah - Dagh) aus- gestattet, denen no< eine ganze Anzahl von Ansihten der Hauptgruppen des Gebirgssto>8s hinzutreten. Mit diesem Hcst kommt übrigens der Ergänzungs8band VU111 (1886—1887) vollständig zum Abschluß. Derselbe umfaßt folgende Hefte: Nr. 81) Franz Bay- berger, „Geographisch-geologishe Studien aus dem Böhmerwalde“, Nr. 82) Robert von Schlagintweit, „Die Pacifischen Eisenbahnen in Nordamerika“, Nr. 83) Pr. Gustav Berndt, „Der Alpenföhn în seinem Einfluß auf Natur und Menschenleben“, Nr. 84) Alecrander Supan, „Archiv für Wirthschaftsgeographie, I. Nord - Amerika, 1880—1885.

Seit Anfang dieses Jahres erscheint hier cine neue Zeitschrift unter dem Titel „Der Weltmarkt“ (Herausgeber und Verleger : Meyer u. Vilitz, Redacteur: Jos. Meyer), welche, wie der Name \hon erkennen läßt, eine internationale Zeitschrift für Industrie und "andel sein soll. Die neue Zeitschrift will ein wabrheitsgotreues Bild der jeweiligen Gesammtlage des internationalen Ver echrs in um- fassender Weise geben, so daß der Industriclle nicht mehr wie seither aus zahlreihen Fachblättern seine Informationen zusammenzutragen bat, sondern in dem „Weltmarkt“ über Handel und Industrie in allen Zweigen und über den Stand derselben bei allen Nationen unterrihtek wird. Die uns vorliegende erste Nummer läßt das Bestreben der Redaktion, möglichst vielseitig zu sein, deutlih erkennen und die Dar- stellungsweise der einzelnen Artikel ist Uar und für den kaufmänni|h Gebildeten überall leiht verständlih. Die Nummer wird eingeleitet durd einen längeren Aitikel über die Frage: „Haben In- dustrie und Handel den Krieg zu fürchten ?* Dann folgen cinige unterrictende Bemerkungen über die internationale Uebereinkunft der Eisenbahnen und eine Correspondenz aus Tunis, wel<e ein Bild von der gegenwärtigen Lage des tunesisben Handels giebt; weiter finden wir die Beschreibung und Entwic>telungs- geshihte einer Anzahl großer industrieller Etablissements mit erläuternder Abbildung ; hieran schließen sih zahlreiche kleine wissens- werthe Notizen unter der Gesammtüberschrift „Neues aus dem Gebiete der Industrie“, dann andere, welche neuc industrielle Etablissements, die Vank- und Aktien-Gesellschaften, Zahlungseinstellungen, Konven- tionen und andere Handelsinteressen betresfeon. Die Marktberichte um- fassen den Robprodukten- und Fabrikatmarkt und werden durch den Absatz-Nachweis von verschiedenen Waaren“ angemessen ergänzt. Zur iaridterifitang des weiteren Inhalts theilen wir no<h folgende