1930 / 150 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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züge festgelegt. Vom 1. August 1930 bis zum 31.

joll dieje Reichsh1ulfe einen Ertrag erbringen vou 133 Millionen NM j a ; L C n Q : b { Hatten wir früher Steucrinsein, so haben wir solche jeßt auzer

Dazu kommt der Zuschiag zur Eimfommwen- steuer von allen &Cinfommen über 8(00 RNM mit einem Ertrag von . 98 Millioñen

Weiter ein Zuthlag für die Ledigen. Wegfall des Ab- schlags von 25 % der Steuer bei Einkommen bis zu 2640 NM, bei dem dar- über hinauégehenden Ein- kommen Wegfall des Ab-

\{lags von 36 NM und 10 % Zuschlag . == 110 L

zusammen 168 Millionen

Von diesen 168 Millionen entfallen auf die Länder 5,5 Millionen auf das Reich Hinzu kommt die Verkürzung der Steuer- fälligfeitefristen bei der Banderolensteuer der Zigaretten um einen Monat; g'eih- zeitige Verlängerung der bis zum 31. März 1931 befristeten Kontingentierung der Zigarettenfabriken um ein Jahr mit Weiter Ersparnisse aus dem Gtat 1929 . «_. = 35 Millionen Erjvarnisse aus dem Etat E L L O _ 135 L Z inégeiamt . . 480,5 Millionen RM

Es sind also zwei Momente, die uns vor die gegenwärtige schwierige Lage geführt haben. Auf der einen Seite das Nach- lassen der Steuereingänge, das besonders bedrohlih ist bei den Zollen und bei den Verbrauchssteuern, sodann die Mehrkosten, die durch die wachsende Arbeitslosigkeit verursaht werden. Wenn man genau zusieht, wird man sagen dürfen, daß ein großer Teil des zu erwartenden Steuerausfalls vor allen Dingen gilt das von den Verbrauchssteuern auf die Arbeitslosigkeit zurückzu- führen ist, so daß also diese auch für das verminderte Steuer- aufkommen die Ursache darstellt. Bei der Frage der Deckung der Verluste ist davon ausgegangen, daß die geseßckbenden Korper- schaften zustimmen, die Beiträge zur Arbeitslosenversiherung um l vH zu erhöhen. Der Reichsrat hat einen entsprechenden Be- [chluß shon gefaßt Dazu kommt die Reform der Arbeitslo]en- versicherung, die ebenfalls den Reichsrat passiert hat. Stimmt auch der Reichstag zu, so werden durch diesen erhöhten Beitrag an dem Defizit abgetragen 269 Millionen bis zum 1. April nächsten Fahres.

Die Vorlagen, die wir Fhnen machen, und die den danach verbleibenden Rest des Defizits decken, stellen, wenn ih so sagen darf, eine Art Aufräumungsarbeit dar, die auf keinen Fall ver- zögert werden darf. So bedeutsam sie für den Etat sind, und so [chwer sie einen Teil der Bevölkerung treffen werden, so ver- fehlt wäre es, zu glauben, daß diese Aktion als eine Sache für sich, welche einen endgültigen Abschluß unserer Finanzsanterung und unserer schwierigen Tätigkeit darstellt, zu betrachten ist. Die Maßnahmen dürfen deswegen nicht verzögert werden, weil in diesem Falle niht nur die Vorausseßungen für eine endgültige Bereinigung unserer Schwierigkeiten unmöglich gemacht, sondern auch unabsehbare Gefahren für unseren Kredit, unsere Wirtschaft und nicht zum wenigsten auch für unsere Beamtenschaft herauf- beschworen würden. Die Reichsregierung hat in erster Linie dem allgemeinen Ruf nah Sparsamkeit stattgegeben und hat einmütig demgemäß im zweiten Ergänzungsetat eine Vorschrift einge- bracht, 100 Millionen an den Etats der einzelnen Ressorts einzusparen. Zu diesen 100 Millionen treten 35 Millionen, die dadurch erspart worden sind, daß das Defizit des Fahres 1929 um diesen Betrag sih verringert hat. Es mag scheinen, angesichts der vielfah in der Oeffentlichkeit umgehenden Meinungen, daß man unbeschränkt an dem Etat des Reiches sparen könnte, daß diese 135 Millionen nur eine bescheidene Summe darstellen. Bei Licht betrachtet wird man aber finden, daß ihre Einsparung ein großes Maß von Energie und von Sparsamkeit der betroffenen Stellen erfordern wird, Wenn im Reichsetat die Gesamtausgaben rund 1114 Milliarden betragen, so sind darin zunächst enthalten die Kriegslasten, auf deren Höhe die Sparsamkeit keinen Einfluß hat, im Betrage von rund 2200 Millionen, die Ausgaben für den Schuldendienst im Betrage von 1060, die Pensionen und Kriegs- beschädigtenrenten, die niemand senken will, im Betrage von 1760 und endlich die Ueberweisungen an die Länder, die geseßlich festgelegt sind im Betrage von 3600 Millionen. Von der dann noch verbleibenden Summe von rund 3000 Millionen sind fest- stehende Gehälter einschließlih der Bezahlung des Reichsheeres 860 Millionen. Es beschränkt sih also die Sparmöglichkeit auf 2140 Millionen. Fn dieser Summe sind über eine Milliarde für soziale Zwecke (Zuschüsse zur Fnvalidenversiherung und Erwerbs- losenfürjorge) enthalten. Fn dem verbleibenden Restbetrag von rund einer Milliarde sind noch enthalten für Bürobedürsnisse, für die Bauunterhaltung, für Reisen, für Umzüge, für Bewirt- [haftung von Grundstückten, für Bibliotheken, überhaupt für alle jählihen Verwaltungsausgaben, eine Summe von 166 Millionen in der gesamten Reichsverwaltung. Das ist also der Posten, an welchem man zunächst sparen kann, Der nächste Posten wären die Bauten und die Beschaffungen und sonstige sählihe Ausgaben, die bei den großen Ausgaberessorts bestehen. Solange man nicht die Gehälter der Beamten und Angestellten angreift und sonstige bestehende geseßliche Verpflichtungen nicht ändert, beschränkt sich aljo die bewegliche Summe des Etats auf eine runde Milliarde. Hiervon 100 Millionen einzusparen, ist wahrhaftig eine s{chwere Aufgabe. Es muß endlih einmal öffentlih gesagt werden, daß von diesem Betrage niht von heute auf morgen Hunderte von Millionen abgeseßt werden können. Fch bin mir darüber im klaren, daß die Durhseßung der vorgesehenen Ersparnisse nur möglich ist, nachdem das Kabinett sih einstimmig darauf festgelegt hat und ferner dahin s{chlüssig gemacht hat, wenn eine Verständi- gung unter den Ressorts die erforderliche Summe nicht aufbringen E, die Abstriche dann in einem kurzen Verfahren, über dessen

ingelheiten hier nichts gesagt zu werden braucht, erfolgen. Wie weit im nächsten Fahre etwa der Etat des Reiches beschnitten werden kann, hängt nicht von -dem Willen des Finanzministers ab, sondern davon, ob es möglich ist, das Arbeitsgebiet zu ver- ringern und damit dann an solchen Kräften zu sparen, die nicht im Beamtenverhältnis stehen. Erst nahdem die Ersparungen en waren, find wir an neue Steuern herangegangen. Die Vorschläge liegen Fhnen vor.

Es ist zuzugeben, daß diese Vorschläge än manchen Schön- heitsfehlern leiden und daß fie keineswegs eine ideale Lösung darstellen. Es kand offen gesagt werden, daß die Personen des öffentlihen Dienstes die Hauptbetroffenen sind, eine For- derung, die von. allen denjenigen erhoben wird, welche als Angestellte und Arbeiter im Privatdienst und als Gewerbe- treibende und Landwirte auf eigenes Risiko wirts “gy m Gegensaß aber zu den bisherigen Ansichten ist die Last der Be- amten wesentlich erxleihtert, und es ist nur das Le ivas man unbedingt von . ihnen braucht, genommen. Außerdem ist jede Verbilligung auch in der Höhe des zu zahlenden Satzes mit der Arbeitslosenversiherung gelost, und es ist der Forderung der Beamten Rechnung getragen, die höheren Einkommen mit heran- zuziehen, was allerdings nur in einem beschränkten Maße geschehen ist. Fn diesem Punkte haben wir unsere bisherige Stellung geändert. Wir halten selbstverständlih daran fest, daß in der heutigen Steuerbelastung, wobei man nicht nur an die Einkommensteuer, sondern au an die übrigen Steuern, besonders Realsteuer und Hauszinssteuer, denken muß, eine große Gefahr liegt, die dahin führen kann, daß zwar die Werkstätten in Deutschland

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Neichs- und Staatsanzeiger Nr. 150 vom 1, Juli 1930, “E. 4

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März 1931 | bleiben, daß aber die Besiver dieser Werkstätten im Auslande sich

aufhalten und infolgedejssen auch die Gewinne dorthin fließen.

halb unserer Grenzen. Selbstverständlich licgt es dem Ministeriurt vollkommen fern, vor den Steuerflüchtigen, wie_gelegentlih tn der Oeffentlichkeit behauptet wurde, zurückzuweihen. Aber die volkswirischaftlihen Schäden, die aus einer überspannten Be- lastung sich ergeben, dürfen njcht überschen werden. Fmmerhin glaube i, daß die jeßt von mir vorgeshlagene Zusaßbelastung des Einkommens der höheren Stufen noh getragen werden kann. Die Sicherung der Finanzen und damit der Wirtschaft fällt au für die Betroffenen ins Gewicht. Es ist aber beabsihtigt, im Rahmen der Einkommensteuer eine Regelung zu treffen, die au den Einzelkaufleuten, offenen Handelsgesellshuften und Kom- manditgesellshaften für ihre niht verbrauchten, d. h. in Reserve gestellten Gewinne eine Erleichterung gewährt. Wir hoffen, daß diese Maßregel von heilsamer Wirkung sein wird, die Spar- samkeit unterstüßen und die Erhaltung des deutschen Kapitals in der deutshen Wirtschaft fördern wird. Fm übrigen 1st die gesamte Aktion beschränkt auf das laufende Etatsjahr.

Man würde aber den Ernst der Lage verkennen, wenn wir unsere heutige Verhandlung auf diese Ausfüllung der Lücke des Etats beschränken wollten. Für das ganze Volk und auh für die von den neuen Steuern: Betroffenen ist sehr viel wichtiger eine Ueberlegung darüber, wie wird es weitergehen! Da ist zunächst festzustellen, daß das Reich nicht in der Lage ist, in nächster Zeit irgendwelche auch noch so geringfügige weitere Ausgaben zu übernehmen, im Gegenteil, sich auf weiteren Abbau besinnen wird und muß. Das zweite ist die Feststellung, daß wir die Entwick- lung der Arbeitslosigkeit nicht zu übersehen vermögen und daß wir infolgedessen auch niht wissen, weil die Arbeitslosigkeit zu- gleih Stillstand und Leerlauf der Wirtschaft bedeutet, ob die Schäßung der Steuerausfälle wirklich zutreffen wird. Da aber die Steuerausfälle das Sekundäre und die Arbeitslosigkeit bzw. die shlechte Lage der Wirtschaft das Primäre ist, so konzentriert sich das Vroblem auf die Frage der Bekämpfung der Arbeits- losigkeit. Soll diese ernstlih bekämpft werden, so sind drei Dinge vonnöten. Erstens Ordnung der Finanzen und damit Wieder- herstellung des Vertrauens in die deutshe Wirtshaft und des Vertrauens der deutschen Wirtschaft in ihre Entwicklung, zweitens Herstellung der deutschen Konkurrenzfähigkeit und drittens Ar- beitsbeshaffung. Ueber die Arbeitsbeschaffung, soweit das Reich bier mitwirken kann, hat der Kollege Stegerwald gestern das Nötige gesagt, und Sie werden daraus ersehen haben, daß hier große Dinge im Werke sind. Mit der Reichsbahn s{hweben Ver- handlungen, bei denen ein Eingehen auf die Pläne der Reichs- regierung erhofft werden darf. Die Reichspost ist entschlossen, zunächst Aufträge in Höhe von 200 Millionen herauszubringen: Sin Wohnungsbauprogramm zur Verstärkung des Bauwesens ist in die Wege geleitet. Verhandlungen über die Sicherung von Geldern für bes{lennigten Ausbau des Straßenwesens ‘und für die wertschaffende Arbeitslosenfürsorge stehen vor dem Abschluß. Aber das sind Notbehelfe, die vielleiht hinreichen, die Zahl der Arbeitslosen zu beschränken, daß wir mit den jeßt vorgesehenen Mitteln auskommen können. Die viel wichtigere Frage ist die, ob es gelingt, die Preise herunterzubekommen. Das gilt vor allen Dingen auch von den Preisen und Produktionskosten dex Bauten, die am stärksten überteuert sind. Es wird sih {hon bei der Ver- gebung der Aufträge, welche das Reich bzw. die Einrichtungen des Reiches machen wollen, herausstellen, ob eine Bereitwilligkeit besteht, in eine solhe Senkungsaktion einzutreten, und nur dort, wo sie besteht, werden unbedenklich Aufträge vergeben werden können. Fch weiß wohl, daß eine Preissenkungsaktion von oben her bei einer normalen Entwicklung der Wirtschaft keine allzu großen Erfolge verspricht. Aber im gegenwärligen Stand der deutschen und der Weltwirtschaft liegen die Dinge ganz anders. Waren wir bisher der Meinung, daß die Kaufkraft des Geldes auf zwei Drittel herabgesunken wäre, so sieht es jeßt so aus, als ob sie zum mindesten am Weltmarkt im Begriff ist, den Vorkriegs- stand wieder zu erreihen. Wenn wir die Preise der wichtigsten Rohstoffe am Weltmarkte ansehen, so finden wir, daß wir mit ganz vershwindenden Ausnahmen auf den Vorkriegssäßen und darunter angekommen sind. Fh verweise nur auf einige der Hauptprodukte, die wir einführen, beispielsweise Kupfer, Zink, Gummi, Baumwolle, Getreide. Einige wenige Artikel, Wolle, Kohle und Eisen, sind noch darüber. Ft dieser Prozeß nicht eine Konjunkturersheinung sondern eine Strukturwandlung, so kann die Rückwirkung auf unsere eigene Wirtschaft nicht ausbleiben. Wir werden unter schweren Shmerzen und Krämpfen die Maß- nahmen nicht vermeiden können, welche erforderlih sind, damit wir unsere Konkurrenzfähigkeit am Weltmarkt behaupten. Fn diesem Falle gehen wir einen {chweren Gang. Wir müssen damit rechnen, daß troß aller Anstrengungen die Arbeitslosigkeit anhält, daß sogar durch diejenigen, die ausgesteuert sind, die Gemeinden, die hon bisher dadurch belastet sind, noch stärker, als es der Fall war, weiterhin bedrückt werden. Jch sehe nun eine Hauptaufgabe darin, für diesen Fall Vorsorge zu treffen. Man kann nicht vorübergehen an der bedrohlihen Lage der Kommunen, wenn man eine wirkliche Ordnung der Finanzen will. Fh glaube aber, daß es verfrüht wäre, wenn ih heute, am zweiten Tage meiner Dienstführung, ganz konkrete Vorshläge machen würde darüber, ivie das Problem der Gemeinden zu lösen ist. Zweierlei aber will ih sagen: Jh bin Anhänger der Selbständigkeit der Gemeinden und ih will diese Selbständigkeit nux einshränken, soweit es mit dem Eigenleben der Gemeinden verträglih ist. Wenn in den nächsten Monaten an die Lösung der Frage, wie helfen wir den Gemeinden, herangegaungen werden muß und herangegangen wird, so denke ih es so zu machen, daß den Gemeinden die Möglichkeit gegeben wird, sih auf einer vom Reich geschaffenen oder gebillig- ten geseblihen Grundlage zusäßlihe Einnahmen zu verschaffen. Jh denke an die Projekte, die hon früher erörtert worden sind, wie Einführung eines Verwaltungskostenbeitrags oder Sctfung einer Gemeindegetränke- oder Gemeindeverzehrsteuer. Es würde zu weit führen, die Vorteile der einen dieser Steuern gegen die der anderen abzuwägen, und unter Umständen käme sogar in Frage, daß man den Gemeinden die Entscheidung, was sie machen wollen, direkt überstellt.

_ Hum zweiten ist daran festzuhalten, daß die Anleihepolitik der Gemeinden in Ordnung kommt. Die Beratungsstelle wird im einzelnen mit den Ländern noch vor Verabschiedung des Etats verlängert und neu geregelt werden. Richtlinien hierfür sind aufgestellt und gehen den Ländern in den nähsten Tagen zu. Die S reungen können noch im Laufe der kommenden Woche be- Länder, in deren Hand die Beaufsichtigung der Anleihepolitik der Gemeinden liegt, dahin wirken, daß der unglücklihe Zu- stand, den heute die s{hwebenden Schulden der Gemeinden herbei- geführt haben, behoben wird. 4 schwebenden als auch anderen Verpflihtungen, muß - dem eqrollen am Kapitalmarkt vorgebeugt werden. Denn dadurch iverden nicht nur die Zinsen ungebührlih in die Höhe getrieben, sondern auch der Eindruck erweckt, als ob die Kreditsuchenden besonders notleidend wären. t

__ Die Frage, ob und in welcher Form die Betriebe der öffent- | lihen Hand besteuert werden können, ist zur Zeit insofern in Be-

handlung, als dem Reichstag ein Entwurf vorliegt, durch“ den die Grundlagen zu einer geseßgeberischen Regelung dieser Frage beschafft werden sollen. Es liegt am. Reichstag, diesen Geseß- entwurf noch vorx den Ferien zu verabschieden und damit eine end- gültige Regelung zu schaffen.

Nicht so dringend wie die Hilfe für die Gemeinden scheint mir die Frage des endgültigen Ausgleihs zwishen Reich und Ländern. Ih denke nicht, mich dieser Aufgabe zu entziehen. Aber ih bin heute nicht in der Lage, die Möglichkeiten, die hier bestehen, zu

Im übrigen gebe ih der Hoffnung Ausdruck, daß die

«n beiden Fällen aber, sowohl in!

erörtern und die gegenwärtigen Vorlagen mit Erörterungen zu bepacken, die sie bei der Eilbedürftigkeit niht ertragen können. Jm Eingang meiner Ausführungen habe ih schon eirtgerehnet

+ in' die E eine Reform der Arbeitslosenversihe-

rung, die von Jhnen bereits verabïchiedet. ist. Der Reichsarbeits- minister hat damit einen Schritt von weittragender Bedeutung getan. Er hat aber darüber hinaus noch zwei Maßregeln ergriffen, von denen die eine direkt und die andere indirekt für die Rei 8 finanzen von ganz besonderer Bedeutung sind. Wir haben bisher immer noch Renten an Kriegsteilnehmer neu gegeben. Der Reichsarbeitsminister will einen Strich ziehen und nur noh für eine beshränkte Zeit in besonderen Höärtefällen neue Renten be- willigen. Man muß bedenken, daß die Pensionen und Kriegs- renten einen Aufwand von ;

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erfordert haben. Man sieht, daß der Aufwand auf diesem Ge- biete keinen Rückgang ecnstliher Art aufzuweisen hat, obwohl die Waisenrenten und die Pensionen der älteren Offiziere ständig zurückgehen; da muß man nah den Gründen fragen, und die Gründe liegen darin, daß wir jedes Jahr eine neue Armee von Kriegsinvaliden hinzubekommen haben. Jch bin der lebte, der die Kriegsinvalidenrenten verkürzen will. Aber eins darf man wohl sagen: 16 Jahre nah Beginn des Weltkrieges und 12 Jahre nah Beendigung wird in den wenigsten Fallen, die jeßt erst auftauchen, ein Zusammenhang zwischen der JFnvalidität und der Kriegsteilnahme festzustellen sein. Darüber hinaus hat der Reichsarbeitsminister eine weittragende Vorlage über die Reform der Krankenversiherung gemaht. Man kann gegen alles Be- denken haben, aber bei den ungeheuren Lasten, die“ heute die Arbeitslosenversiherung verursaht, muß darauf gesehen werden, an anderen Punkten der sozialen Lasten zu sparen. Die Erspar= nisse haben aber nur einen Zweck, wenn sie tatsählih zur Ver- minderung der Beiträge verwendet werden. Direkt nüßt das den Reichsfinanzen nichts, aber Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden entlastet. Wir sehen also, daß man auch vor einshneidenden Maßnahmen auf sozialem Gebiet niht Halt gemacht hat. Wir haben Sie, wie der Herr Reichskanzler sagte, angesichts des Ernstes der Situation persönlih bemüht, und wir rechnen auf hre Hilfe. Der Kampf geht nicht allein darum, einige 100 Mil- lionen neu aufzubringen, um den gegenwärtigen Notstand zu beheben, jondern er geht darum, endgültige Auseinander- seßungen zwishen Reich, Ländern und Gemetnden zu ermöglichen, die Ordnung der Finanzen zu schaffen, welhe die Voraus=- seßung für eine fruhtbare Tätigkeit der Wirtshaft sind, und ohne welhe die ungeheure Beunruhigung, die dur das Voll geht, nicht - beseitigt werden kann. Wir werden alles bekämpfen, was eine erneute Beunruhi- gung im Herbst erfordern kann, und ih bin mit dem Kollegen Stegerwald, der gestern im Reichstag gesprochen hat, einer Mei- nung, daß, wenn die Arbeitslosigkeit noch s{chlimmer wird als sie heute ist, wir vor den drakonishsten Maßnahmen zu sparen, nicht zurückshrecken dürfen. Von den Beamten, denen tatsächlich durch unsere Vorlage 214 Prozent am Gehalt abgezogen werden, habe ih die Ueberzeugung, daß sie, wie in anderen schwierigen Situationen, auch in dieser dem Staat die Treue und die Unter- stüßung iht versagen werden. Schließlich kämpfen wir in der Sache nicht allein darum, daß sie etwas abgeben sollen, sondern daram, daß der Staat leistungs- und zahlungsfähig bleibt, woran leßten Endes sie ganz entsc»:idend interessiert sind. Zur Beruhi= gung darf ih beifügen, daß ein Unglück noch nicht passiert ist und daß das Reich seinen Verpflichtungen nicht nur bis auf den heutigen Tag nachgekommen ist, sondern auch in Zu- funft nahkommen wird. Die shwebenden ausländishen Schul- den sind seit einer Woche restlos abgedeckt und die Verpflichtung, an den inländishen Schulden 450 Millionen abzuzahlen, ist auf den Pfennig eingehalten worden. Ein Drittel i} heute bereits planmäßig abgezahlt. Die Reichspost hat, wie Sie aus einem Kommuniqué des Herrn Reichspostministers ersehen haben, im Monat Mai bessere Einnahmen als im vorigen Fahr. Vielleicht ist das doh ein Zeichen, daß ein gewisser Stillstand in der Abwärtsentwicklung eingetreten ist. Fch kann im gegenwärtigen Augenblick nicht. von den alten Plänen sprechen, die auf Steuer- senkungen hinausgehen. Zum Versprehen ist die Lage des Reiches und seiner Finanzen zu ernst. Fch kann das um so weniger tun, solange wix nicht die Entwicklung in der Weltwirt- haft und. auf dem Weltmarkt übersehen: können. Wenn der JFndex der Rohstoffe am Weltmarkt um 100 sih dauernd be- wegen sollte, dann werden alle Fndizes, sie mogen heißen und sein wie sie wollen, die wesentlich darüber sind, keine un- beshränkte Lebensdauer haben. Jh halte nicht für aus- ge]chlossen, daß ne Volk den größten Schaden hat, das einer jolhen Entwicklung, die hart und unerbittlich ist, den läng- sten und entshlossensten Widerstand entgegenseßt. Jh kenne die Tragweite dieser Säße, und ih weiß, daß es beim Preisabbau genau so ist, wie es mit den Kriegsvorschriften wär. Feder redet davon, aber jeder will nur bei dem anderen anfangen. Auch bei den Ersparnissen, die gemacht werden sollen, ist es jo, das Reichs» kabinett hat gestern den ersten Schritt getan. Wir hoffen, daß wir Nachfolger finden in der Staatswirtshaft ebensowohl wie in der Privatwirtschaft. Es wird in Deutschland viel leihtfertig in allen Schichten über den Staat, über seine Möglichkeiten und seine Aufgaben geredet. Der Wirrwarr der Meinungen, der gegen- wärtig umgeht, ist eine Folge davon. Die Wiederherstellung des Vertrauens in die Wirtschaft des Reiches wird au hier Wandel schaffen. Die Arbeit, die wir vor uns haben, vollzieht sih in wei Etappen, Die erste ist die Verabschiedung der vorliegenden Beseventivürfe, die zweite ist die generelle Neuordnung unseres Finanzaufbaues. Das deutshe Volk hat schon e Bar Zeiten überwunden als die gegenwärtige. Troßdem jede Partei an unseren Vorschlägen das eine oder das andere nicht gut findet und obwohl es manchmal so scheinen könnte, als ob das deutsche Volk überhaupt nicht mehr existiere, sondern in Gruppen und Grüpp» hen von Fnteressenten aufgelöst sei, die lediglich Sah ihren eigenen Vorteil bedacht sind und die darüber vergessen, daß die staatliche Ordnung die Vorausseßung ihrer Existenz an sich s{chlechthin ist, habe ich das Vertrauen zum deutshen Volke, daß es noch soviel gesunde und opferwillige Teile in sihch birgt, daß wir an seiner Zukunft nicht zu verzagen brauchen. S

Die weiteren Verhandlungen der Ausschüsse waren ver- traulich.

Auer den bereits genannten Staatsministern nahmen an der Sibung auch teil der sächsishe Ministerpräsident Schieck, der badishe Staatspräsident Dr. Schmitt, der thüringische Ser Baum, der hessishe Stäatspräsident Adelung, der Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin und die Ober- häupter fast aller anderen deutschen Länder.

(Fortseßung in der Ersten Beilage.)

Verantwortl. Schriftleiter: Direktor Dr. Tyrol, Charlottenburg. } Verantwortlich für den Anzeigenteil:

Rechnungsdirektor Mengering in Berlin. Verlag: der Geschäftsstelle (Mengering) in Berlin. Druck der Preußischen Drucckerei- und Verlags-Aktiengesellschaft, Berlin, Wilhelmstraße 32. Sieben Beilagen \ i (einshließl. Börsenbeilage und drei Zentralhandelsregisterbeilagen)

zum Deutschen RNeichsa

ITr. 150.

(Fortseßung aus dem Hauptblatt.)

Aus Anlaß des zehnjähri en Bestehens des Borläufigen Reichswirtschaftsrats gab der IGÓOA. Dr. v. Siemens, in der gestrigen Sißung des Sozialpolitishen Ausschusses einen kurzen Rückblick über die Jdee des Reichswirtschaftsrats und die Eng seiner Arbeitsmethoden. Der Versuch, die Lösung wirtshaftliher Probleme in gemeinsamer Arbeit wishen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und den pel an der Wirtschaft beteiligten Kreisen dera reiten, entsprehe zweifellos dem Geiste der Zeit und sei wohl der einzige Gewinn aus dem Völkerringen. Unter Verzicht auf álle Aeußerlichkeiten habe der Reichswirtschaftsrat sein tehen lediglih durch Sachlihkeit und Gründlichkeit in seiner Arbeit zu rechtfertigen versuht. Er glaube deshalb auch die Forderung erheben zu können, daß die geseßgebenden Fnstanzen ih nun endlich entschließen, den end- gültigen Reichswirtschaftsrat zu \chaffen. Die Grüße der Reichsregierung überbrachte Staatssekretär Dr. Trendelen- burg, der dem Reichswirtschaftsrat den Dank für seine e jährigen Dienste aussprach. r wies auf die ungewöhnlichen Schwierigkeiten hin, die die deutshe Wirtschaft in diesen zehn Fahren überwunden s und betonte, daß der vom Reihs- wirtshaftsrat ausgebildete eigene Arbeits\til höchst wertvolle Er- gebnisse gezeitigt hätte Zum Schlusse sprah er die Hoffnung aus, daß das dem Reichstag vorliegende Gesey über den end- gültigen Reichswirtschaftsrat beschleunigt verabschiedet werde.

Jm Reichstagsausshuß für Oftfragen wurde am 30. Juni unter dem Vorsiß des Abg. Stelling (Soz.) die Beratung des Osthilfengesebes fortgeführt. Behandelt wurden die §8 7 und 8, die die Gewährung von Darlehen für Umschuldung betreffen. Fn der Diskussion kam nah vem Bericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungs- verleg.i zum Ausdruck, daß ver Bedarf an derartigen Um- schuldungsdarlehen in den notleidenden Ostgebieten sehr erheb- lih sei. Es sei aber niht möglich, Reichsmittel hierfür bereit zu stellen. Das sei auch nicht erforderlih, wenn: 1. der zur Barablösung der Gläubiger erforderlihe Teil der Umschuldungs- kreditmittel durch geeignete Kreditinstitute unter Reichsgarantie beschafft wird, 2. die Gläubiger in geeigneten Fällen veranlaßt werden, dem umzuschuldenden landwirtschaftlihen Schuldner die bisher gewährten Kredite unter Erleichterung der Zins- und Rüczahlungsbedingungen zu belassen, wobei der auf diese Weise umgewandelte Kredit durch Reichsbürgschaft gang oder teilweise gesichert wird und 3, darüber erra Vorkehrungen getroffen werden, daß die nicht i diese Weise abzudeckenden Gläubiger- forderungen in einer Weije geregelt werden, die den Gläubigern einen ratenmäßigen Eingang ihrer Forderungen in den kommen- den Fahren gert, S 7 Abs. 1 und Il des Gesetzentwurfs er- mächtigt die Reichsregierung, n Ablösungsscheine von insgesamt 100 Millionen Reichsmark sofort, für die Ablösungsscheine von weiteren mindestens 150 Millionen Reihsmark gleichzeitig mit dem Fnkrafttreten des Geseßes über die Finan F Reichs- garantien zu übernehmen. Nah § 7 Abs. 11 soll die Höhe des einzelnen Schuldnern zu gewährenden Darlehns davon abhängig sein, daß nach Lage der Verhältnisse, nah dem dann eintretenden HZins- und Abtragungsdienst und nah der zu erwartenden Ren- tabilität ein Durchhalten des Betriebs zu erwarten is}, dabei ist vorgesehen, daß dem Schuldner aus Mitteln des Reiches bis 1949 eine F iguns in noch festzuseßendex Höhe gewährt wird, ah §8.9. kaum für Umschuldungsdarlehen an Klein- und kleinere Mittelbetriobe, ‘also für sogenannte Bauerndarlehen, eine darüber hinausgehende Zinsverbilligung auf einem noch niedrigeren Zinssaß gcwährt werden. Gleichzeitig 1 dem Reiche vorbehalten, den Anspru zu erheben, daß der Schuldner seine Anniuitätsleistungen über die Beendtgung der Tilgungsdauer des Umschuldungsdarlehens hinaus bis gur Rückerstattung des E Lo enden Teiles der Reichsverbilligungsleisbungen fort- eßt, 8 9 sieht die Gewährung von Reichsmitteln entweder als Bushüsle oder als Darlehen vor zur Sicherung der Fortführung andwirtschaftlicher, forstwirtschaftliher oder gärtnerisher Eigen- tümer- und Pächtevbetriebe, die in threm Bestand gefährdet sind, aber nach Lage | der Verhältnisse noch erhalten werden können und bei denen die Leitung des Betriebes hierfür Gewähr bietet. Insbesondere können diese Mittel verwendet werden als Hilfe zur Durchführung einer die Fortführung des Betriebes sichern- den O PDR Feu uns, als ilfe zur Durchführung einer Schulden- und Grundstücksregelung, die unter Abveräußerung von Teilflächen zwecks Anlieger- und Neusiedlungen eine Ge- sundung des Restbesives sichert, ferner als Hilfe bei der Auf- nahme von erststelligen Realkrediten, bei Klein- und kleineren Mittelbetrieben als Hilfe zur Ergänzung des unentbehrlichen Inventars, als Hilfe für Neuerwerber von Grundstüdcken, außerdem als Silfe um gruppenmäßige Niederbrüche infolge von Hasftverpflihtungen zu verhüten. Hierzu wurden verschiedene Anträge gestellt. E N Nachmittag fortgeseßten Beratung des Osthilfengeseßes wurde nah den Paragraphen über Kredithilfe (7 bis 10) § 21 behandelt, der für die Betriebe, auf die sich die Vorlage bezieht, einen

ewissen Vollstreckungsschuß vorsieht, wenn diese Betriebe dur E SNTEERE in 1hrèm Bestand gefährdet sind.

Abg. Rönneburg (Dem.) hat Bedenken gegen einen solhen Vollstreckungsshuß, da er nur den Kredit gefährde und verteure. Er sei aud, wie das Ostpreußengeseß gezeigt habe, nit notivendig, da er praktisch schon was Silfsgeseb erreicht werde, weil die Gläubiger dann in der Hoffnung auf eine bessere Realisierung ihrer Forderungen stillhalten.

Die Sozialdemokraten „hroBen sich gegen einen Voll- strefungsshubß aus, da sie glaubten, daß dadurh die Sicherheit auf dem Geldmarkt ershüttert wird. Jm Grunde handele es sich i nur um eine Geste dem Osten gegenüber, da der Vollstreckungs- chuß wenn er niht über den 31. Dezember 1930 hinaus ver- längert wird, kaum wirksam werden könne.

Abg. Hergt (D.Nat.) hielt den Vollstreckungsshuß für unentbe is weil während der Sanierungsmaßnahmen viele Gläubiger ihre Forderungen geltend mahen würden. Schwierig sei nur, eine Em Methode für den VollstreCungs\hu zu finden. Für éin allgemeines Moratorium wolle er sih tebod niht einseßen, weil dadurch auch solhe Gläubiger getroffen würden, die unter allen Umständen ihr Geld brauhten und weil der Kredit gefährdet werde. Ungelöst sei aber bisher noch die durh einen deutshnationalen Antrag zu eworfene Frage eines auf die Forderungen öffentliher Kassen beshränkten Moratoriums. Dieser Gedanke müsse noch näher geprüft werden. Jm übrigen werde VENRN en, daß die Reichsregierung auf Grund von §8 107 und 108 der Reihsabgabenordnung in weitem Umfange von der Möglichkeit Gebrau} machen möge, in notleidenden Ost- gebieten gestundete und uneinbringlihe Steuern niederzuschlagen ras 1 bestimmte Gruppen für eine Uebergangszeit Steuern u erlassen.

Die im Gesehentwurf vorgesehene Frist jus den Voll- sixedungssQud bis zum 31. Dezember 1930 sei viel zu kurz, da er ih in der kurzen Zeit zwishen der Verabschiedung im Reichstage und dem Ende des Jahres gar nicht in der beabsihtigten Weise auswirken könne.

Abg. Holzamer (Wirtsh.P.) sprac sih für einen Voll- streckungsschuy aus, und wies darauf hin, daß sih ein gleicher

„neten Mittel insbesondere verwendet werden können als Hi

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Erste Beilage

Berlin, Dienstag, den 1. Fuli

Schub im Westen im Jahre 1926 segensreich ausgewirkt habe. Ministerialdirektor Wachsmann (Reihsrnährun dais, rium) seßte sih Jur die unveränderte Annahme des § 21 in der Fassung der Vorlage ein und legte an Hand S Materials dar, daß ein Vollstreckungsshubß nicht zu entbehren sei. Die orrznuléerung der Vorlage gewähre auch nah Ansiht von Bank- achleuten den notwendigen Schuß, ohne eine Kreditgefährdung érbeizuführen. Fn der A D RET wurden die S8 T7, 8 und 10 ohne Aenderungen angenommen, die die Umschuldung behandeln. Hierzu wurde eine Entschließung Rönne- burg (Dem.) angenommen, wonach die Umschuldungskredite in den einzelnen Provinzen und Kreisen auf die vershiedenen Be- triebsgrößenklassen etwa nach dem Anteil der von ihnen bewirt- shafteten Fläche zu verteilen sind. Auch wurden gemäß einem Antrage Stelling (Soz.) die Kleinbesißer und Fischer in den Genuß der Umschuldungsaktion hineinbezogen. Schließlich wurde noch eine Resolution Hergt (D. Nat.) angenommen, worin die Reichsregierung ersucht wird, dafür Sorge zu tragen, daß bei Verwendung der nah § 9 Abs. 1 bereitgestellten Mittel für den unter § 9 Abs. Il k genannten Zweck ad Landwirte be- rüdsichtigt werden, die infolge der Notlage der Landwirtschaft von ihrer Scholle verdrängt worden sind und geeignet erscheinen, als Leiter landwirtschaftliher Betriebe in den Produktionspro- zeß wieder eingereiht zu werden. § 9 Abs. 1 bestimmt nämlich, daß zur Sicherung der Fortführung landwirtschaftliher usw. Be- triebe, die in ihrem Bestande Gefäbrbet sind, aber nah Lage der Verhältnisse noch erhalten werden können und bei denen die Leitung des Betriebs hierfür Gewähr bietet, Reichsmittel ent- weder als Darlehen oder als Zushüsse zur Verfügung gestellt werden können. & 9 Abs. Il f verfügt, daß die im Abs. 1 zie [fe für Neuerwerber von Grundstücken. Die deutshnationale Reso- lution will also auch Landwirte berücksihtigt wissen, die bereits infolge der Notlage der Landwirtschaft von ihrer Scholle verdrängt worden sind. Angenommen wurden ferner die 88 21 bis 34, die den Vollstreckungs su behandeln, und die §8 35 und 36, die Aus- führungsbestimmungen betreffen. Zu den angenommenen Para- o über den Vollstreckungss{chuy wurde eine Entschlie- ung Hergt (D. Nat.) angenommen, worin die Reichs- regierung ersuht wird, zugunsten der notleidenden Gebiete des Ostens von den in der Reichsabgabenordnung vorgesehenen Mög- lihkeiten a) zur Niedershlagung rückständiger Steuern, b) zum allgemeinen Erlaß von Steuern aus Billigkeitsgründen in Fällen bestimmter Art in weitem Umfange Gebrauch zu machen. Es wurden dann noch die Bestimmungen über die Errichtung der Deutschen Ablösungsbank vom Ausshuß genehmigt. Hierzu wurde ein Antrag Zapf (D. Vp.) angenommen, eine Vorscrift ein- zufügen, bali die Banï für deutsche Fndustrieobligationen bereh- tigt sein soll, sich an der Deutschen Ablösungsbank mit einer Stammeinlage zu beteiligen und an der Durhführung ihrer“Auf- gaben mitzuwirken, Weiterberatung am Dienstag.

Verkehrswesen.

Lame des Postüberweisungsverkehrs mit Marokko. (ohne die spanische 0e Un 16. Juli wird der Postüberweisungsverkehr zwischen den deutschen Postscheckämtern und dem Postsheckamt Räbat (Marokko) auf- Felrgurmen werden. Der Betrag der Ueberweisungen ist in beiden

ihtungen unbeschränkt. Die Gebühr beträgt 5 Q Er je 100 RM, mindestens 20 Rpf. Der Absender kann die Ueber- weisungen in RM und Rpf oder in französishen Franken und Centimen ausstellen. Es sind hierzu die Ueberweisungsform- blätter des E R Verkehrs zu verwenden. Mitteilungen für den Empfänger sind A dem Abschnitt der Ueberweisungen gebührenfrei zugelassen. „Das marokkanishe Postscheckunden- verzeihnis kann zum Preise von 220 französishen Franken bei den deutschen Postsche ämtern bestellt werden. Wird es von Beziehern unmittelbar beim Postsheckamt Rabot. bestellt, so er- höht sich der Preis auf 3,40 französishe Franken. Postüber- weisungsverkehr besteht jeßt außer mit Marokko mit dem Saar- gebiet, mit E änemark r E Stadt Danzig, Frank- reih (einshließlich Algerien), ugo awien, Lettland, Luxemburg, den Niederlanden, esterreih, Schweden, der Schweiz, der Tschechoslowakei und Ungarn.

Handel und Gewerbe. Berlin, den 1. Juli 1930. Telegraphische Auszahlung.

1 U Geld Brief

1473 1,477 4,188 4,196

2,074 2,078 20,885 20,925 20,365 20/405 4,1905 4,1985 0,471 0,473

30. Juni Geld Brief 1,483 1,487 4,188 4,196

2071 2,076 20,885 #20,925 20,367 20,407

4,1905 4,1985

0,471 0,473 3,936 3,544 3,966 3,574

168,45 168,79 | 168,42 168,76 5/422 5,43 5,425 5,435

58,47 58,59 58,475 58,595 2,490 2,494 2,493 2,497 73,295 73,435 73,299 73,435 81,47 81,63 81,49 81,65 10,546 10,566 10,547 10,567 21,955 21,995 21,95 21,99 7,410 - 7,424 7,413 7,427 41,80 41,88 4180 41,88 112,15 112,37 112,17 112,39

18,80 18,84 18,80 18,84 112,19 112,41 112,19 112,41

16,455 16,495 16,455 16,495

12,433 12,453 1243 12,45

92,08 92,26 92,09 92,27 80,80 80,96 80,80 80,96 81,20 81,36 81,22 81,38 ._ 097 3,043 3,037 3,043 46,25 46,35 45,65 45,75

112,51 112,73 112,57 112,79

111,44 111,66 111,44 111,66 99,17 59,29 59,165 59,285

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Buenos-Aires . Cäánada «5. Hani. ¿e Aa oe 6

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Lb: ee» New Vork . . Rio de Janeiro Uruguay Amiterdam- Notterdam . | 100 Gulden then . .… ../{100 Dram. Brüssel u. Ant- werpen . . .| 100 Belga Bucarest . . . | 100 Lei Budapest . . .| 100 Pengö Danzig... . . «| 100 Gulden lsingfors . .| 100 finnl. talien ., . .| 100 Lire Jugoslawien . | 100 Dinar Kaunas, Kowno | 100 Litas Kopenhagen . . | 100 Kr.

Lissabon und Oporto . 100 Escudo 190 Kr.

Da Prag L. 100 Frcs.

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Eb 100 Kr.

eyfiavik (Island) . | 100 isl. Kr. i 100 Latts

E. ce Ce Schweiz . « « « | 100 Fres. 100 Leva

O 4 «6e Spanien . . . . | 100 Peseten Stockholm und Gothenburg. | 100 Kr. Talinn (Reval, Estland). . .| 100 estn. Kr. Wien . .…. . |100Schilling

nzeiger und Preußischen Staatsanzeiger

Nusländijche Eelildfiorten und Bankn( M n

1. Juli 30. Juni Geld Brief Geld Brief 2046 20,54 —_— 1617 1623 4,227 i 4,23

4,195 4,193

Notiz ( für

Stüd

Sovereigns l 20 Frces.-Stüde Gold-Dollars . Amerikanische : 1000—ÿ Doll. 4,175 2 und 1 Doll. 4,163 4,183 4,184 Argentinische . | 1 Pap.-Pef. -— —— 1,477 Brasilianische . tilreis 045 90,47 0,475 Canadische . . . anad. -— 4,185 Englische: große 20,34 20,42 20,412 1 É u. darunter 20,335 20,415 é 20,40

Türkische. . . .|1 türk. Pfd. i‘ ¿ C 1,93 Belgische . . .| 100 Belga 58,43 58,67 Bulgarische . . | 100 Leva 100 Kr. 2 112,32

Dänische . . « Danziger. . „| 100 Gulden 81,63 Estnische… « | 100 estn. Kr. 111,52 Finnishe. . 100 finnl. 46 10,52 Französische . .| 100 Frs. 16,495 Holländische . . | 100 Gulden 168,76 Ftalienische: gr. | 100 Lire 29201 92209 206 2214 100 Lire u. dar. | 100 Lire 2200 13 2200 2213 Fugoslawische . | 100 Dinar E 144 m T0 zettländishe. . | 100 Latts _— —— 80,29 80,61 Litauische . . « | 100 Litas 41,697 41,857 Norwegische . | 100 Kr. 111,96 112,39 Oesterreich. : gr. | 100 Schilling 9,23 69,18 59,42 100Sch. u.dar. | 100 Schilling 9,28 59,28 59,52 Numänische: 1000 Lei und neue 500 Lei unter 500 Lei | 100 Lei Schwedische . . | 100 Kr. Schweizer: große] 100 Fres, 100Frcs.u.dar. | 100 Fres. Spanische . . . | 100 Peseten T\checho - \low. 5000 u.1000K. | 100 Kr. 500 Fr. u. dar. | 100 Kr. Ungarische . «| 100 Pengò

4,207

10,49 16,44 168,11

16,435

168,79 168,08

—__

59,47 59/52

100 Lei 2,465 2,485 224i 2499

H 244 2,46 112,38 112,82 1] 112,330 112,74 81,24 81,56 81,20 81,52 81,34 81,66 8129 81,6L 45,81 45,99

45,71 45,89 12,433 12,493 1244 12,501 1245 12,51 12,439 12,499 (9,10 73,40

73,15 . 73,45

Wagengestellung für Kohle, Koks und Briketts am 30. Juni 1930: Nubrrevier: Gestellt 22 274 Wagen, nit gestellt Wagen.

der Vereinigung für erliner Meldung des (am 30. Juni auf

Die Elektrolytkupfernotierun deutsche Elektrolytkupfernotiz \tellte fich laut n D D. am 1. Jun auf 11470 114,75 M) für 100 kg.

._ Berlin, 30. Juni. Preisnotierungen für Nahrungs mittel, (Einkaufspreise des Lebensmitteleinzels handels für das Kilo frei Haus Berlin in Originalpackungen.) Notiert durch öffentlich angestellte beeidete Sachverständige der Industrie- und Handelskammer zu Berlin und Vertreter der Vers braudchershaft. Preise in Neichsmark: Gerstengraupben, ungescliffen, fes 0,44 bis 0,49 A, Gerstengraupen, ungeshliffen, mittel 0,48 is 0,55 #, Gerstengrüße 0,394 bis 0,404 Æ, Haferflocken 0,40 bis 0,42 Æ, Hafergrúße 0,44 bis 0,46 , Roggenmehl 0/1 0,28 bis 0,295 Æ, Weizengrieß 0,54 bis 0,55 #4, Hartgrieß 0,54 bis 0,56 e, 000 Weizenmehl 0,394 bis 0,50 # Weizenauszugmeblk in 100 kg-Säden br.-f.-n. 0,50 bis 0,54 4, Weizenauszugmehl, feinste Marken, alle Packungen 0,54 bis 0,73 4, Speiseerbsen, fleine —,— bis —— #, Speiseerbsen, Viktoria 0,34 bis 0,37 A, Spéeiseerbsen, Viktoria Riesen 0,37 bis 0,42 4, Bohnen, weiße, mittel 0,46 bis 0,48 Æ, Langbohnen, ausl. 051 bis 0,58 M, Linsen, kleine, leßter Ernte 0,52 bis 0,63 4, Linsen, mittel, leßter Ernte 0,63 bis 0,76 #, Linsen, große, leßter Ernte 0,76 bis 0,96 Æ, Kartoffelmebl, fuperior 0,32 bis 0,33 4 Makkaroni Hartgrießware, lose 0,90 bis 1,00 4, Mehblschnittnudeln, lose 0,65 bis 0;81 #4, Eierschnittnudeln, lose 0,90 bis 1,30 A Brucreis 0,325 bis 0,33 4, NRangoon - Reis, unglasiert 0,33 bis 0,35 , Siam Patna-Reis, glasiert 0,50 bis 0,56 4, Java-Tafelreis, glasiert 0,58 bis 0,68 6, Ringäpfel, amerikan. prime 1,10 bis 1,15 #, Bosn. Pflaumen 90/100 in Originalkisten —,— bis —,— F, Bosn. Pflaumen 90/100 in Säcken —,— bis —,— , entsteinte bosn, Pflaumen 80/85 in Originalkistenpackungen —,— bis —,— F, Amerik. Pflaumen 40/50 in Originalkistenpackungen 0,86 bis 0,89 , Sultaninen Kiup Caraburnu #{ Kisten 0,78 bis 0,86 44, Korinthen choice, Amalias 0,88 bis 0,90 4, Mandeln, süße, courante, in Ballen 2,50 bis 2,60 Æ, Mandeln, bittere, courante, in Ballen 2,46 bis 2,90 f, Zimt (Cassia vera) aUsgewogen 2,30 bis 2,50 4, Kümmel, holl., in Säcken 1,00 bis 1,02 , Pfeffer, \{warz,- Lampong, aus- gingen 3,90 bis 3,80 6, Pfeffer, weiß, Muntok, ausgewogen 3,90 is 4,60 e, MNohbkaffee, Santos Superior bis Extra Prime 3,68 bis 4,16 6, Nohkaffee, Zèntralamerikaner aller Art 3,90 bis 5,76 4, Ra L Santos Superior bis Extra Prime 4,60 bis 5,16 A, Nöstkaffee, Zentralamerikaner aller Art 4,92 bis 7,30 4, Nöstroggen, glasiert, in Säcken 0,35 bis 0,40 4, Röstgerste, glasiert, in Säcken 0,35 bis 0,40 , Malzkaffee, glasiert, in Säcken 0,52 bis 0,54 Æ, Kakao, stark entölt 1,80 bis 2,50 Æ Kakao, leiht entölt 2,70 bis 3,00 G, Tee, chines. 7,92 bis 9,00 4, Tee, indisch 8,90 bis 12,00 4, Zuder, Melis 0,56 bis 0,574 #, Zucker, Raffinade 0,58 bis 0,63 Zuder, Würfel 0,63 bis 0.70 4, Kunsthonig in # kg-Packungen 0,60 bis 0,64 4, Zuderfirup, hel, in Eimern 0,73 bis 0,80 é, Speisesirup, dunkel, in Eimern 0,60 bis 0,75 # Marmelade, Vierfrucht, in Eimern von. 124 kg 0,75 bis 0,76 Pflaumenkonfiture in Eimern von 12} kg 0,90 bis 0,96 #4, Erd eerfonfiture in Eimern von 12 ke 1,66 bis 1,70 4, Pflaumenmus, in Eimern von 124 und 15 kg 0,78 bis 0,89 Æ, Steinjalz in Säken 0,074/10 bis 0,08%/,0 #, Steinsalz in Pacdungen 0,0919 bis 0,13 4, Siedesalz in Säen 0,108/16 bis —,— #4, Siedefalz in Packungen 0,13 bis 0,15 4, Bratenshmalz in Tierces 1,28 bis 1,31 6, Braten- \{chmalz in Kübeln 1,29 bis 1,32 .4, Purelard in Tierces, nordamerik, i,18 bis 1,20 .#, Purelard in Kisten, nordamerik. 1,19 bis 1,21 #, Berliner Yohschmalz in Kisten 1,34 bis 1,404, Speisetalg 1,06 bis 1,14 .4, Margarine, Handel8ware, in Kübeln, T 1,32 bis 1,38 .4, 11 1,14 bis 1,26 4, Margarine, Spezialware, in Kübeln, 1 1,58 bis 1,92 M, IT 1,39 bis 1,42 A4, Molkereibutter Is in Tonnen 3,16 bis 3,18 , Molkereibutter Ia gepackt 3,28 bis 3,34 .4, Miolkereibutter ITa in Tonnen 3,04 bis 3,14 4, Molkereibutter Ila e 3,16 bis 3,26 , Auslandsbutter, dänishe, in Tonnen 3,28 bis 3,36 „46, Auslands- butter, an gepadt 3,42 bis 3,50 Æ, Corned beef 12/6 Ibs. per Kiste 75,00 bis 76,00 #, Spe, inl., ger. 8/10—12/14 1,80 bis 2,09 4, Allgäuer Stangen 20 9% 0,62 bis 0,74 6, Tilsiter Käse, vollfett 1,40 bis 1,60 Æ, echter Holländer 40 9% 1,42 bis 1,58 4, echter Edamer 40 9/9 1,42 bis 1,58 #6, echter Emmentha”er, vollfett 2,96 bis 3,10 4, Aligâuer Romatour 20 9% 0,96 bis 1,10 4, ungez- Kondenémilch 48/16 per Kiste 22,00 bis 24,00 Æ, gezuck. Kondens- mil 48/14 per Kiste 31,00 bis 38,00 #4, Speiseösl, ausgewogen 1,35 bis 1,45 .4.