1908 / 27 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

S E 7, N L N LBDESIA A t E L E U E

M S E A M Ü f p Et ks t Ez. B, - T, Li 7 G] S: E, 4 a x V .

Zunahme der polnishen Bevölkerung vor allem auch darin ihren Grund, daß dem Deutshtum die Quelle ter Volksvermehrung, die dem Polentum zur Verfügung ftebt, der ländliche Kleingrundbesiß und der ländliche Arbeiterstand, fehlte Das Deutshtum hatte seine Haupt- stüße in den Städten, aber gerade die Kinder und Bevölkerung produzjierende ländlihe Untershichi fehlte ihm.

Aus diesem Grunde war die Königlihe Staatsregierung ju der Ueberzeugung gekommen, daß, wenn sie dem Prozeß der all- mählihen Abwanderung der Deutschen und der stärkeren Bevölkerungs- zunahme der Polen entgegenwirken wollte, der sicher dazu führen mußte, daß das Nationalgefühl der Polen in demselben Maße wuhs, wie ihre ganze Bedeutung und ihre Macht in der Provinz zunahm, wenn fie dieser Entwi>lung entgegenwirken wollte, sie dann dafür sorgen mußte, diese Schiht, die den Deutschen fehlte, die ländlihe Kleinbesizger- und Arbeitershiht, in die Ostmark bineinzubringen. War das nun eine feindlihe Maßregel gegen die Polen? Im Gegenteil, ih muß fagen, gegenüber einzelnen Polen mußte das unter Umständen eine wobltätige Maßregel sein; denn es gab eine große Anzahl von polnischen Großgrundbesißern, denen es nur erwüns{<t sein konnte, an die Ansiedelungskommisfion zu guten Preisen verkaufen zu können, und die au von dieser Gelegenheit in reihlihem Maße Gebrauch gemaht haben. Aber gegen die groß- polnishe Bewegung war es ein harter Schlag und eine Maß- regel, von der fie fih sagen mußte, daß, wenn fie durchgeführt wurde, fie zur Vernichtung ihrer großpolnishen Hoffnungen führen müsse. Deshalb if von den Polen ein fo scharfer und so organisierter Kampf gegen die Ansiedelungékommission ge- führt worden; wenn die Anfiedlungspolitik nit überall diejenigen Erfolge gezeitigt hat, die man von ihr erwartet hat, so liegt das ni<t an Mängeln des Geseßes von 1886, fondern an dem scharfen Kampfe, den das politis organisierte Polentum, welhes die groß- volnishe Idee verfiht, gegen dieses Geseß organifizrt hat. Sie wissen, in wel<er Weise dies geschehen ist, wie die Parzellierungsbanken ge- gründet find, um eine Segenaktion gegen die Tätigkeit der Ansiedelungs- fommission zu hafen, um deuts<en Grundbesig den Deutschen aus den Händen zu reißen und in polnishe Hände zu bringen. Wenn wir jest unsere Tätigkeit mit ihrem klaren Ziel, die feblenden deutschen Kleinbesigzer, die fehlende Quelle der Kraft des Deutshtums zu shafen, aufgeben, dann fallen wir in den Zustand von 1886 zurü>d. Wir können dann zahlenmäßig berehnen , wie [ange es dauern wird, bis das Deutshtum in der Provinz so ge- \<wäct ift, daß die Ostmarken als rein polnis<e Landesteile anzusehen find. Darn, meine Herren, von dem Moment an, wo es den Polen gelungen ist, die Ostmarken polnis< ¡u mahen, dann erst werden sie mit ihren Zielen in unverbhüllter Weise bervortreten.

Man leugnet die Gefahren der polnishen Bewegung. Gewiß, augenbli>li< bietet diese Bewegung keine Gefahren. Das ift klar dazu isi der preußishe Staat viel ju mähtig und stark; aber denten Sie an Umwälzungen außerhalb unseres Staats, an Zeiten der Not Preußers, dann kann ein polnischer Landeêteil, der mitten in das Mark Preußens bineinragt, eine eminente Gefahr für Preußen werden- Es müßte cine pflihtvergefsene Regierung sein, die nicht, so lange es no< Zeit ift, die notwerdigen Maßregeln ergreift, um dieser von ihr erkannten Gefahr vorzubeugen.

Oberbürgermeister Dr. Kersten-Thorn: Es wäre unentshuldbar, wenn nit ein Vertreter der Ostmark bier das Wort nähme, nahdem Dr. Körte und Graf Tiele -Win>ler \si< gegen die Vorlage aus- gcsprohen haben. Ich lebe feit 1885 in vershiedenen Beamten- stellungen unter der gemishtsprahigen Bevölkerung, erst als Landrat, dann als Leiter eines städtishen Gemeinwesens. Mir find also die Dinge genau bekannt, und i< kann dana nur die trefflichen Aus- führungen des Herrn Adi>-s unterschreiben. Das Poleatum hat den Krieg mit uns an den Haaren herbeigezogen und hat den Frieden, ten die Deutschen halten wollten, gestört. Der Kampf ift uns Deutschen aufgezwungen, wir unserseits bedauern, daß der Friede no< immer nit geshlofssen ift. Die Leiter haben beute nicht mehr die Volksmassen in der Gewalt, die Masse drängt jetzt den Adel und die Geistlichkeit vorwärts, diese sind nit mebr die Führer. Dazu ist es gekommen, daß der Deutsche immer mehr gehaßt und vertrieben und boykottiert wird. Wo si<h nur eine deutshe Stelle frei macht, tritt sofort ein Pole ein, erst im Arbeiter- stande, dann im Mittelstande und jeßt au< im Gelehrienstande. Und die Masse unterstüßt diese, bis sie auf eigenen Füßzn ftehen und die Deutich:n verdrängen. Wir können der Regierung nur herzli< danken, daß fie mit dem Zidza>urs endli<h gebro<hen hat und vor den s<ärfîten Mitteln ni<ht zurü>shre>t. Kardinal Kopp sagt, s<harfe Makßrzgeln dürfe man in der ernfien Gefahr erareifen. Diese ernste Gefahr ist aber vorhanden. Da kann man nit von

Ñ Nerfafi ) por s . Der Staat f af : ; i i Bruch der Verfaffung und voa Gewalt sprehen. Der Staat fordert | auf andere Verfassungsbestimmungen ihr eine andere Auslegung ge-

nur, was der Selbfterhaltung2trieb erbeis<t. Nur der feste Kurs gibi die Möglichkeit, zum Frieden ¡u kommen. Was die Ansiedelungs- kommisfion aeleiftet hat, ift ein Kulturwerk erften Grades gewesen und wird gute Früchte zeitigen, wenn au< nit glei< in 20 Jahren. Ich kann nit verstehen, wie Graf Ticle-Win>ler sogar anraten konnte, die Anfsiedlungépolitik aufzugeben. Diese Politik ist eine gesunde gewesen, ih biite, daran festzuhalten und sie weiter auszubauen. Es wäre das Richtige gewesen, der Regierung in ihrer Vorlage zu folgen

und fie voll und ganz anzunehmen. Aber ih bin dankbar für das, was |

das Abgeordnetenhaus bewilligt bat, nahdem die Regierung erklärt hat, daß sie auh mit diesen Machtbefugnissen auskommen kann. Jch bin überzeugt, daß, wenn die Praxis gezeigt hat, daß dieser Weg der richtige if, wir dann au der Regierung weitere Mcchtmittel zur Verfügung stellen werden. Der moralishe Effekt der A1nahme der

fönnen. Wenn man fagt, das polnische Kapital wird mobil werden, so mögen vorübergehend die umliegenden Städte unter den polnischen Agitationen mehr leiden, aber das wird eben vorübergehend sein, wenn die Regierung bestrebt sein wird, auch die kulturellen Interefsen der

und die Anfiedlung weiter zu fördern. Ih {äte die guten Eigen- schaften der Polen ho<, und in anderen Provinzen wird der Pole

gefährdete Deutshtum im Osten müssen wir \{üßzen. Ich glaube,

i in j fen wird zurü>gedrängt der unheilvolle Einfluß der poluischen An n Sbritt 17 ton | wie hente bereits wiederholt " heetirgebobes / woiben isi, her Üeher-

zeugung, daß der Staat im vorliegenden Falle des in Rede fiehenden | Eigertums notwendig bedarf, um sich so zu erhalten, wie er ist. Von | diesem Gesichtépunkt aus ergibt sich die Rehislage bö<st einfa ;

werden. Ich kann nur die Regierung bitten, diesen Schritt zu tun und auf diesem Wege fest zu beharren, und ih fann das Haus nur bitten, die Regierung in diesem Schritt, wenn nicht freudig, so do< in unserer Zwangslage möglihfst einmütig zu unterstüßen. Oberbürgermeister Dr. Bender - Breélau: Meine Stellunanahme

wird ershwert dur die Ansfühcungen des pen Se Gegner j ungnahme sehr l i

des Gesetzes maten fih ihre Ste ideale Güter kämpfen. Ih wäre den Polen sehr danktar, wenn

Staat haben. Um diese Erklärung drücken fie fi<h stets herum. Ih halte aus praktishen Gründen dieses Geschz

dem Kardinal Kopp zu.

Frage ni<t in Gegensaß zur Regierung treten wollen. Der Finanz- minister sagte, die Regierung habe das Polentum bereits

für verfehlt, j weil es seinen Zwe> nicht erreihen wird. Ich ftimme deshalb ; i ] zu. Viele werden für das Gesey stimmen, ; S en Ne eo be os nel fs Je R A darauf hingewiesen worden, daß in gewissem Sinre befangene Stellen

in allen Tonarten

Datums; bis zu den 80er

in der Ostmark in keiner

Mittel aufgewendet, um die

maten. Man hat fi< G

sprechen lehrte, dann würden fie

dur< mat man nur ein dummes

deutschen Baue! n in W

beute, der Pole war ein

Bauer in Westpreußen deu

kommen ebenbürtig, und s{uld daran :

dieser Politik ift die deutshe Minorität immer

An evangelischen Kirchen hat es für die Deuts

Die Deutschen in den Städten Wesipreußens pas

Männer, aber der Staat hat ihnen in ibren

eholfen; es gab z. B. bis zu den 80er Jahren

Bosen in Archiven und Bibliotheken nihts, was

eines Eymnasialprimaners hinausging.

die Lehrershaft dur<weg aus

deutshe Jugend hin.

beraus, daß die deuts<e Bevölkerung

Es ift do< nbht Ban daß die B bet Tes

waren, jeßt polnisch sein wollen; man nen

Dtidea Babe gegeben, die Jungen konnten schon niht mehr deuts

sprechen. Als ih Anfang der 80er Jahre zum erften Male in einer liberalen

Versammlung in We sp wurde ih wegen Be! g

eines hôdhft zweifelhaften polnischen angeklagt. Der Reihs-

kanzler Graf Caprivi war porgen die Polen \{<wa<, für die Deutschen

hat er ni<ts getan. Ih feinen Anlaß, ibn zu verteidigen,

er aber einen Führer der polrishen Fraktion zum E

A ira maten EAE é S dort gensäßen gar feine

dee Ansfiedlung ‘an sh; Anfiedlung von Bauern

ein gutes Mittel gegen die Polen ; aber nere Politik vers><ärft nur

die Gegensäße zwishen Deutschen und Polen. Fürst Bismar>

hat das Ansiedlungsgeseß als ein Greis gema<ht; es war überhaupt

die Zeit der sharfen Maßregeln, des _Souialistengeseßzes usw.

Jede Diffctenzten eines Volksteiles gegenüber dem anderen das

zeigt si< au in Oberschlesien fällt auf den Staat ¡urü>. Wer

ist \{uld daran, daß es den polnishen Agitatoren gelungen ist, die

Polen bis zum leßten Mann fich dienstbar zu mahen ? e Wasser-

polen in Oberschlesien konnten bis Mitte des vorigen Jahrhunderts

no< nit polnis<h # fie ftanden den Polen schon dur ihre

Sprate fern; aber als erung vor der Frage ftand, ob fie ihnen

Deutsch oder Polnish beibringen sollte, entshied fie sich für

das Hochpolnische, il es thnen näher läge, und dadur

sind die Wasserpolen in Oberschlesien erst wirkliG Polen ge-

worden. Unter einer festen und gere<ten Verwaltung wird der

Deutsche wieder Mut gewinnen und den Polen Konkurrenz machen können.

Wenn man son zu den s{ärfsten Maßregeln en muß, so hebe man

lieber die polnishen Schulen auf, damit die der nihts mehr lernen.

Das würde schneller wirken als die Enteignung des B TIO

Die Zunabme des polnischen Grundbesitzes liegt daran, daß für einen

Deutschen das Leben dort ungemütlih is. Wo werden denn die

erteigneten Leute bleiben? Die autgekauften Besißer werden ibr

Geld niht na< Paris oder sonst wohin tages. sondern bleiben im

Lande und ergreifen einen anderen Beruf. ist der Fluch dieser

Gesetzgebung, daß sie den ruhi;en Polen zu einem wilden Polen

wacht Die Polen m R BE E E

Torbeit. ift in ÿ w ë

wird die Gegner stärken, und es ist ein Präzedenzfall, an den wir

no< zu denken haben werden.

Justizminister Dr. Beseler:

Meine Herren! Die verfafsungsre<hiliche Seite des voiliegenden Gesegzentwurfs if bisher nur kurz gestreift worden, und ih bâtte ja vielleiht warten können, mi darüber auszulafsen, bis die weitere Diskussion darauf hingeführt häite. Indes bin ih der Meinung, daß dieses hohe Haus von der Regierung eine Erklärung erwarten wird, wie fie sih zu dieser sehr wihtigen Frage stellt.

Es ift bekannt, daß darüber im anderen Hause des weiteren bei verschiedenen Gelegenheiten verhandelt worden ist, und es ist ebenfalls bekannt geworden, daß Meinungêverschiedenbeiten dabei hervorgetreten sind. Die Staatsregierung hatte die Pflicht, diese wihtige Frage von vorn herein auf das sorgsamste zu prüfen, und es ift das gesehen, bevor der Gesetzentwurf eingebraht worden is und ¡war nah jeder Richtung bin. Namentlih mußte dabei au< erwogen werden, ob etwa dieser Gesegentœwurf niht in Einklang stände mit der Gesezgebung des Reichs. Es handelt \fi<h dabei um vershiedene Geseße, deren Vor- schriften in Frage kommen können. Aber eine sorgfältige Prüfung hat der Staatsregierung die Ueberzeugung verschafft, daß der jeßige Gesezentwurf mit der Reichsgesezgebung niht in Widerspru stebt.

Es blieb selbfiverständlih in erfter Linie au< ¡u errägen, wie die preußishe Verfassung \si< zu der vorliegenden Materie verbält. J kann mich bei den Bemerkungen, die ih zu machen habe, kurz fafsen. Denn die Verfassung behandelt die Frage au in einer kurzen Vor- schrift, und es kommt daneben nur in Betracht, ob etwa mit Hinbli>

geben werden muß, als fih aus dem Wortlaule jener Vorschrift er- gibt. Es handelt si< um den Artikel 9 uaserer Verfassung, welcher das Recht des Eigentums und das Recht des öffentlichen Wokhles in der Weise regelt, daß er bestimmt: das Eigentum is unver, [eslih, es kann nur entzogen werden aus Gründen des öffentlichen Wohles dur<h Geseg und gegen Entschädigung. Der Inhalt ist klar: er besagt, vollen Shuß soll das Eigentum ge-

| nießen, es soll nur zurü>treten vor den Anforderungen des öfentlihen

Wohls, aber au< dann nur kraft Gesezes und gegen Entschädigung. Auf diesem Boden steht die gegenwärtige Vorlage, sie berußt auf dem

Vorlage wird so groß sein, daß wir ihn nit ho< genug einshägen | Gedanken, daß das öffentlihe Wohl die vorgesehene Maßnahme er-

fordert. Was öffentlihes Wobl sei, sagt die Verfassung niht. Es

! ist darüber gestritten worden, indem einige behaupten, es könne sih | nur um wirts<aftlihes Wobl handeln, während andere viel weiter gehen Städte zu fördern zum Wohle der Oftmark. Die polnishen Banken | und vom politischen Wobl, andere vom Staatswohl im nationalen Sinne

werden dadur< ni<ht in die Lage kommen, mebr Kapital zu erbalten | sprehen. Es unterliegt meines Grahiens und au< nah Anficht der

| Königlichen Staatsregierung nicht dem geringften Zweifel, daß der Staat,

! wenn er Eigentum des Einzelnen im Interesse der Wohlfahrt der

uns ni<t {aden und in Frieden mit uns leben. Aber das | Gesamtheit verwenden muß, es dann auf geseßlihem Wege nehmen

darf, wenn er die vokle Entshädigung gewährt. Die Regierung ift-

dann erfordert das öfentlide Wohl die Enteignung, das zwangsweise Nehmen von Eigentuw, und das is es, was in diesem Geseze zum

fie erklärten, daß sie feine Bestrebungen gegen den preußischen | Auêdru> gebraht wird. Der Grtwurf entspriht volllommen der

| Vorschrift, daß ein Gesez die Befugnis geben müsse, er entspri>t

der Vorschrift, taß Entshädigung zu gewähren sei, und zwar in vollem Maße. Es ist von Seiner Eminenz dem Herrn Kardinal von Kopp

der Staatsregierung über alles zu entsheiden haben sollten; ih habe

Es ist versu<t worden, eine Definition tafür zu finden, eits habe ar< nah einer solhen gesuht, aber nur ge- der Geift der Verfassung, soweit er die vorliegende Frage dem Artikel 9 zum Ausdru> gebra<ht ift und taß die

rihtige Auslegung dieses Artikels den Geift der Verfaffung wieder- gibt: Die Gewalt, welhe die Verfaffung selbft der Geseßgebung in dieser Beziehung eingeräumt hat, ift ein Grundre>t, auf dem die Gesetzgebung si bewegen kann, ohne daß dadur die Verfassung als sol<he berührt wird.

Auf die weiteren Argumente will ih ni<t eingeben, es würde ¡u weit führen; ih behalte mir vor, je nahdem sih die Debatte weiter ausdehnt, darauf ¿urü>zukommen. Meine Aufgabe war, zu erklären, daß die Regierung davon überzeugt ist, auf dem Standpunkt der Ver- fafung zu stehen und daß fie in dieser ihrer Auffassung dur den Beschluß des andern Hauses unterslüßt wird, welhes mit grofer Majorität dieser Vorlage zugestimmt hat.

Graf Droste zu Vischering: Die Vorlage ist für mi un- annehmbar, fie flit ein Ausnahmegesez dar. Die Enteignung aus politishen Gründen entspriht nicht der Gerechtigkeit, die ein <rift- liher Staat niewals verleßzen darf. Die Enteignung richtet fih av< gegen unshuldige Minderjährige, die plögli<h während der Vormundschaft et werden fönnen. Alle diese Eingriffe erfolgen auf administrativem Wege; es ist ein Kampfgesez gegen die Staats- bürger polnisher Zunge und kann nur erbittern. Die Regierung bâtte alle Veranlaîung, die Erbitterung zu bedauern, anstatt Ver- bältnifse zu aaen auf die Dauer nih<t aufre<ht zu er- halten find. Mit An Gaseón Fommen, wie Es bis zur Konfiskation und zur ung der Polen, wir geraten damit in den sozialdemokratishen Staat. Die Vorlage is ni<t zu vereinen mit dem Freizügigkeitsgeseß, sowie mit dem Artikel 4 der preußischen Verfassung über die Gleidberecitigung vor dem Geseß und mit dem Artikel 9 über die Enteignung. Begriff des öffentlihen Wohls erfährt eine Ausdehnung, die den Artikel 9 überhaupt überflüssig macht, denn dann gibt es eigentli< kein Eigentum mehr. Mit dem Ent- eignungsgeses von 1874 de>t si< die Vorlage auh<h nicht. Wie man den Widerspru<h mit der Verfaffung leugnen fkarn, ift unverständli<. Es heißt, die Vorlage sei notwendig für das Staatswohl. Die bisherigen Grfolge besagen aber nitt, daß nur diese Wege zum Ziel führen. Die Vorlage wird ihren Zwed> nicht erreichen, sondern nur cine Ueberflutung der anderen Pro- binzen mit Polen verursahen. Wenn immer wieder und wieder eine Auffüllung des Polenfonds notwendig wird, um g Eigen- tümer loszuwerden, so gibt das do zu denken. möhte die Regierung dringend bitten, das ganze System gründli< zu revidieren. Es wäre ein Verdienst des Hauses, wenn es erreichen könnte, daß no< in leßter Stunde die Vorlage zurü>gezogen wird. Wenn nit, dann bitte i< das Haus, im Interesse des Grundeigentumé, das eins der größten Bollwerke des monar<his<en Staates ist, die Vorlage abzulehnen. c

Darauf wird die Besprehung geschlossen.

Persönlich bemerkt der |

Fürst Radziwill gegerüber Herrn Dr. Bender, daß er von einem St{utß nicht der polnischen Id-ale, sondern nur der polnischen Eigen- tümlihkeiten gesprochen habe. ;

Graf Botho zu Eulenburg beantragt darauf, die Vorlage einer Kommission von 25 Mitgliedern zu überweisen und die Kommissionsmitglieder sofort zu wählen.

Das Haus beschließt demgemäß.

Es folgt die Beratung von Petftionen. Á

Die Petition von Samaßki zu Langfubr-Danzig um Wieder- anftclung als Küster bei der tortigen Herz-Jesu-Kirhe wird für nit geeignet zur Beratung im Plenum erklärt.

Berichterstatter der Petitionékommission Herr vonPuttkamer berihtet über zwei Petitionen, die vom Generalrat der deutschen (Hirsh- Dund>ershen) Gewerkvereine und von dem Ortéverein derse Gewerkvereine auegehen und die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahblre<ts mit geheimer Stimmabgabe für die Wahlen zum Hause der Abgeordneten verlanger. Die Kommission beantragt: mit Rücksicht auf die in der Sigung des Hauses der Abgeordneten vom 10. Januar dieses Jahres von dem Herrn Ministerpräfidenten abgegebene Erklärung über die Petitionen zur Tageëordnung überzugehen.

Das Haus beschließt ohne Debaite demgemäß. : Schluß gegen 4/, Uhr. Nächste Sißung unbestimmt, voraussihtli< niht vor dem 17. Februar.

Nr. 5 des „Eisenbabnverordnungsblatt3“, heraus gegeben im Minifterium der öffentlichen Arbeiten, vom 29. Januar d. I., hat folgenden Inhalt : Erlasse tes Ministers der öffentlichen Arbeiten : vom 13. Januar 1908, betreffend den Bezinkseisentahnrat in Breslau; vom 19. Januar 1908, betreffend Strafbefugnis der Vorstände der Maschinenin|spektionen. Nachrichten.

Land- und Forftwirtschaft.

Rü>gang der russishen Schafzucht. :

Die russishe Schafzucht ist in den letzten Jahren in auffallende” Weise [uri geaargen: e Se O A Z S vollfiänd i angelangt. ese a /

Gn ‘deutlicten E ber ravideit Abnahme der russishen Woll-

d i;

i Die ! Wollausfubr, die im Jahre 1891 no< 24 Millionen Lars betrug, ging nämli in den folgenden Jahren zusehends zurú> un

betrug im letztverflofsenen Jahre nur no< 720 000 Pud, dagegen s die Ginfubr von Wolle von 600000 Pud im Jahre 160, E 1800 (00 Pud im Jabre 1906. Wenngleich die Zunahme der E e E Mei 298 Me Mie Lade Setten d e ju n ist, fo lieg

dafür do in der tatsälidhen Abnabine der feinwolligen Shafherden, : ag wang Soliden f Verfall der russishen Schafzucht na Möge liGkeit zu verbindern, ist neuerdings im Landwirt \aftsdepartene, ein Kowitee für Schafzuht errihtet worden, das die Aufgabe E Maat Fe, f Sa fels mige pi

men zu vergrößern und die i Îue aocmale Höhe zu bringe. (Torg. Prom. Gaz.)

ris, 31. Januar. (W. T. B. vis Ee! i e eit ebattioa tin A g D RAS Luf vie Mclebecbultion un 12 Milton RREES F n um zen 1906 zugenommen.

Handel und Gewerbe.

s den im dtcih5ami des Inne | ug „Naÿrichten für Donne va Eee Tien

Ppiunnus Dos Son en, ¡STIERETLES uxd Nov eten j oßbritannien, den Vereinigten aaten von Amerika e und dem Deutschen Reich in vershiedenen Jahren.

Die gesamte Koblenerzeugung in Großbritannien (und in den igten Staaten von Amerik) stellte im Jahre 1906 auf

551 068 000 (369 672 000) Tons gegen 195 361 000 (171 416 000) Tons in Jahre 1896. Die Jahre 1904 und 1905 wiesen eine Produktion ion 232428000 (314122000) beziehungêweise 236 129 000 (350 821 000) Tons auf. Die Zahlen für die Vereinigten Staaten ton Amerika umfassen Stein- und Braunkohlen. Die entsprehenden Z1hlen für Deutschland find aus der S Les e ersfihili:

metris<hen Tonnen E s a 0 a G L IBETIN I e hs 2 r SBO GUO E a n a 0 O I T v s oa e 2 ARTRON,

Die Eisenerzgewinnung Großbritanniens (der Vereinigten Staaten ron Amerika) betrug im Jahre 1906: 15 500 000 (49 670 000) Tons, während das 1896 eine Ausbeute von 13 701 000 (16 005 000) Tons ergab. In den Jahren 1904 und 1905 err:ihte die Produktion 13774 000 (27 644 000) bz¡w. 14 591 000 E Tons. Für das Deutsche Reih mit Luxemburg kamen folgende Mengen in Be- trat: 1906: 26735 000, 1896: 14162000, 1904: 22 047 000, 1905: 23 444 000 metris<e Tecnnen.

Das Ergebnis der Erzeugung von Robeijen in Sroßbritannien (den Vereinigten Staaten von Amerika) belief si< im Jahre 1906 axf 10 149000 (25 307 191) Tons. Im Jahre 1896 wurden 8659 681 (8 623 127) Tons gewonnen. Für das Jahr 1904 ftellte

die Ausbeute auf 8 694000 (16 497 033) Tons, während das

r 1905 mit einer Prodaftion von 9608 000 (22 992 380) Tons abihloß. Von der Produktion des Deutschen Reichs eins{ließlih LWremburgs an Robeifen entfielen auf:

1906... . . , . 12294000 metrisWe Tonnen O a o dio O S Z B ete O Ä I ¿s s os U L

(Nah Statistical Abstract for the principal and other foreign countries.)

Erteilung von S<hürfkonzessionen in Rußland.

Nach einex vor kurzem im Amtsblatte „Kawkas" veröffentlichten Bekanntma@Gung hat ein gewifser Ferdinand Denifsowitsh gy in Helenendorf, Souvernement Jelifsawetpol, die Erlaubnis zur Vor- mbme von S{hürfarbeiten na< Kupfer und anderen Metallen in der Dertlihkeit Ziranurz, Kreis Jelifsawetpol, erhalten, ferner ein ge- wifser Nikolaus Iwanowits< Manikopow die Schürferlaubnis für eien in der Oertlichkeit Jegnafsar, Kreis Jelifsawetpol. Beide

¡essfionen gelten für drei Jahre. (Beriht des Kaiserlichen Generalkonsulats Tiflis.)

Absatz von Papiertapeten na< Mexiko.

Mexiko bezieht Papiertapeten vorzugsweise aus den Vereinigten Staatea von Amerika, Großbritannien und Deutshland. Die mexi- kanishe Kundshaft wünscht, daß die Topetenmuster aus den Muster- büchern in natürliher Größe erfi$tlih seien, da man si< nur dann eine richtige Vorftellung von ihrer Wirkung auf den Wänden selbst machen kônne. Da die Nerdamerikaner in den legten Jahren Muster- bücher mit Mustern in verkleinertem Maßstabe vorlegten, haben fie ihr Auefuhrges<äft na< Mexiko geshädigt. Wichtig ift au, daß die Farben nit allzu s{<nell verbleiben, wobei auf die weit stärkere Einwirkung der atmosphärishen Einflüsse in den Trop:n Rü>siht genommen werden muß. Manche europäischen Fabriken wifsen Tapeten in den zarteften erungen und ni<tsdestoreniger dauerhaft berzusteller, während in Nordamerika diese Technik no< unvollkommen ift. Den europäischen Fabriken kommt es au< zugute, daß fie in Stil, Farbe und Zeichnung mehr Abwe<slung und Originalität kund- geten als die nordamerifkanishen. (Handelsmuseum, Wien, nah einem nordamerifanishen Konsulatsberiht.)

Zanzibar.

Neue Zollordnung. Unterm 9. Oktober 1907 ist in Zanzibar ene neue Zollordnung erlassen, wona< zur Förderung des Durfuhrhandels in Zukunft bei der Wiederausfuhr von Waren der ‘volle Zoll vergütet werden soll, während früber nur 87+ v. H. des gezahlten Zolles rü>vergütet wurden. Auf Waren, die s{haell derderben, wie Früchte, Kartoffeln usw., wird keine Rü>vergütung &wäbrt. Zur Erleichterung tec Einfuhr im allgemeinen sind die Tagerbauëgebühren für Koble und alle Zölle für Warenmusfter ab- gshaffflt. Ferner ist zur Hebung der Landwirtschaft der Zoll auf lebendes Vieh aufgehoben und der Einfuhrzoll auf landwirtschaft- lide Geräte, Maschinen, auf Pflanzen, Saat und Ste>linge sowie aa (Matten und Kandas) für Zanzibarerzeugnifse a Nach der alten Zollordnung wurde für gewisse in das Zanzibar- iolamt eingebende, aus dem Sultanat stammende Güter ein Einfuhr- ¡el erboben. Tatsähli< war dieser Zoll ein Ausfuhrzoll, da die in t kommenden Erzeugnisse ¡um großen Teil Ausfuhrwaren vaten und das Zollamt nur zur überseeisen Ausfuhr wieder ver- - Nah der neuen Verordnung wird dieser Zoll als Ausfuhrzol aboben. Gleichzeitig ist bei einer Reihe von Artikeln, deren gung in Zanzibar und Pemba sehr gering ift oder die nur ton auswärts zwe>s Weiterbeförderung eingeben, der alte Einfuhrzoll #nilih aufgehoben worden. Diese Artikel find Boritis, Kopal, Eben- toli, Korn, Reis, Chiroki, Erdnüsse, Flußpferdzähne, Elfenbein, Orfeille, Rhinozeroshörner, SHildpatt. , Alle aus dem britis. oftafrikanishen und aus dem Uzanda-Schu biete nah Zanzibar eingeführten Grzeugnisse sind, soweit sie niht é den genannten Ländern selbft ftammen, zollpflichtig.

Ausbeutung von Phosphatlagern in Algier.

Durch einen Beschluß (Arrêts) des Generalgouverneurs vom 16. Dejember 1907 wird die Genehmigung für die in Gemäßheit * Senatskonsults von 1863 vorgenommene Abgrenzung und a elung des Gebiets des Brarha-Allaouna-Stammes unter Mit- ¿ung des Ergebnifses des Verfahrens erteilt. Damit ist das Zndernis beseitigt, das bisher der Annahme und Genehmigung von Feiuhen um Aufsuhung und Ausbeutung der in dirsen orien

egenen Phosp entgegenstand. Bezüglih ihrer Abfassung

T werden mag, er dem vom

ae A0 A E T lags En des

i Pphospha e chaux en rie er- ene Ausführungêverordnung vom 16. Mai desfelben res R ie sur les autorisations de recherches de phosphates

Der Arrêté ist in den amtlihen Organen „Ls Mo- bacher“ vom 21. 1907 und dem „Bulletin Officiel du Gouvernement Général de l ie“ Nr. 1859 vom gl Datum E: er g i; arp ly prt gemalt worden sei, er nicht. emplar der eren Ver- ô He auf deren Seiten 1317 bis 1321 der Beschluß

>t liegt während der nächst im Reichsamt des Innern, Berlin, Wilbelmstraße 74, im Zimmer 174, für enten Einasihtnahme aus.

im geht S. 1298 fg: ein über den Stamm der B

en vier Wochen

] Lage, den Flächeninhalt, die Botenbeschaffenheit, tas Klima und die

E g Gebiets Auskunft und ar E Es grenzungë- und Aufteilungéverfahrens an 1< um eine Fläche von 968 829 ha 96 a, die 12 Douaren zugeteilt Als folhe, in denen das Vorkommen von Phosphaten bieher festgestellt uud Souciquenr bexkiet, GUA uet Dericht des Kaiseriiden

eur N aiserliden Konsulats in Algier.)

Aus\chreibungen.

E Es i j h auf der Mairie in Sevran (Seine-et-Oise) die Lieferung von 3 Millionen Kilozramm Steinkohlen (für Bellevillekefsel) für die poudrerie nationale von Sebran Livry in 2 gleihen Losen - vergeben. Kaution Þpro Lo8 1500 Fr. Vor- bereitende Verhandlung am 15. Februar 1908 bei der bezei<neten poudrerie. (Moniteur des Intérêts Matériels.)

Niederlande. Lieferung von 2 eisernen Zylindern (boorbuizen) zum Zwede von 2 Schathtanlagen im Wege des Gefrierverfabrens für die L meLin Gmma bei Hoensbroek. Ver- Le Eaeifaaien in Lirab Preis E " Pad regte. 19):

urg. | nbestek“ E: j 1 Gulden. (Nederlandsche Staatecourant.)

Ein Konizessionsgesu< für eine s<{malspurige Eisen- bahn von Murcia na< Caravaca (Spanien) ift der Di- rección general de Obras públicas în Madrid vorgelegt worden. Gesuchft ist Diego Fontes Alemán (Wohnort niht genannt). Mitbewerber haben Angebote bis zum 18. Februar bei der genannten Bebörde einzureichen.

Lieferung einer Dampfkesselgarnitur (vier Stüd>) für das spanis<he Kanonenboot „Infanta Isabel“. Zu dieser Ausschreibung wird jetzt seitens der Junta administrativa del ÁArsenal de la Carraca in Gábij befanrt gemacht, daß die Subs N DanI is auf den 14. Februar 1908, Vormittags 10 Uhr,

Lieferung von 5 Bojen nebst Ketten und Ankern für den Hafen von Gijón-Musel (Spanien). Verbandlung: 16. März 1908. Angebote find bei der Sscretaria de la Junta de ‘Obras in Gijón einzureichen. Kostenvorans&lag: 13 416,46 Pesetas. Kaution: 5 92%.

Lieferung von 22 t Kupfersulfat na< Madrid an die Dirección general de Correos y Telégrafos. Carretas 10. Ver- handlungStermin: 15. Februar 1908. Anschlag: höchstens 1025 Pesetas pro t. Vorläufige Kaution: 59% des Wertes der Lieferung, end- gültige: 109% der Zuschlagsumme. (Gaceta de Madrid.)

Bau einer Wasserleitung in Angera (Italien, Prov. C omo). E: 75 000 Lire. Kaution: 6000 Lire. Ver- cu

bandlung: 15. Februar 1908, Nahm. 2 Uhr, bei der Gemeinde- verwaltung.

Oeffentlihe Bauten in Jassy (Rumänien). Am 10./23. März 1908, Vormittags 10 Uhr, wird im Justizministerium (direction de la Es) der Bau eines Gerichts-, Ver- waltungs- und Postgebäudes vergeben. Anschlag: 1968 421,50 Fr. S Kaution 157 473,70 Fr. (Moniteur des Intérêts

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Die Konzession zum Betrieb einer Straßenbahn in Craiova (Rumänien) foll am 1. März (a. Sit.) 1908 bei der Primarie in Gratova vergeben werden. (Bukarester Tagblatt.)

Lieferung von Kauts<hukwaren na< Bukarest an die Ephorie der Zivilspitäler. Verlangt werden: 50 Kautsc{hukkifsen,

bruar 1908. Näheres bei der Ephorie der Zivilspitäler (Eforia Spitalelor Civile), Bufareft, Bulevardul Elisabeta. (Moniteur des Intérêts Matériels.)

Sommer 1907 wurde, wie das öfterr.-ung. Konsu!at in Belgrad be- richtet, der English-Serbischen Handelsgesellshaft (Anglo-Serbian Tra- ding Comp. Limit ) in London, vertreten dur< Eduard Liebmann aus London, auf die Dauer ven 25 Jahren die Konzesfion zur Schlachtung von Vieh und zur Konservierung des daraus bereiteten Fleisches sowie zur Verwertung der Nebenprodukte gewährt. Die Gesellschaft genießt die üblihen weitgehenden Begünstigungen des ferbishen Industrie- förderungsgesezes. Das Unternehmen foll bei Paracin (wo von der Hauptlinie grad—Nish die nah Often führende neue Linie abzweigt) als lokaler Monopolbetrieb errihtet werden, ein Kapital von mindestens 1,5 Millionen Francs investieren und den Betrieb in den inzwischen fertiggestellten Baulichkeiten im Juni 1910 aufnehmen. (Handel8-Museum, Wien.)

Der Arbeitsmarkt in Deutschland im Jahre 1907.

Die Geftaltuna der Verbältnifse auf dem deutshen Arbeitzmarkt ift im Jahre 1907 überwiegend günstig gewesen, erft im lezten Viertel des Jahres hat fi< im Anst an Krisenerschein Geld- und Warenmarkt au< auf dem Arbeitsmarkt ein Umschlag

einer Krifis angenommen hatte. Im Gegenteil zeihnete \ih die Arbeitslage in der deutshen Industrie dur< eine relative Festigkeit gegenüber den internationalen wirtshaftlihen Vorgängen aus, sodaß

und y allgemein I E s 1907 in sein bliéeen T m ganzen war das r in seinem en Teil noh ein Jahr internationaler Ho@&konjunktur, deren Absluß L bildete. Auf dem Waren- und Geldmarkte traten die ersten Anzeihen eines Umschlags bereits viel früher ein, hon im März, als die Zink- und Kupferpreise zu weichen begannen, während der Stand der Be- \<äftigung in der Industrie dadur<h no< niht berührt wurde. Nah einer vorübergehenden Erholung in den Sommermonaten kam es aus einer Reihe von Gründen Ueberspannung der Anforderungen an den Kapitalmarkt, grobe Mißbräuche der Trusts in Amerika, Ueber- spannung der S \<hle<tes amerikanishes Banksystem im Oktober in Amerika zu einer Bank- und Geldkrisis {<ärfster Art, die dur ihre Nü>wirkung auf den europäisden Geldmarkt auch hier die wirtshaftlihe Konjunktur endgültig zum Weichen brate. In den leßten Monaten des Jahres ist dann ein Rü>gang der Beschäftigung, der über das durch die Jahreszeit bedingte Vèaß hinaus- gebt, cingetreten, ohne daß indefsen die Gntwi>lung auf dem Arbeits3- marft bis zum Jahres\{luß, wie gesagt, einen ktisenhaften Charakter angenommen hätte.

daf: es in der uktion d ängig Rekordzi i S mi ti Es gig zifern geshaffen hat. Die Steinkohlen * auf . t 143 222 886

Braunkoblen , . . . 62319802 Koks 4 2 STRESDIR

400 m Guttaper<a, 800 m roter Kauts{hukshlau< für Irrigatoren, | 1000 m bulfanifierte Wachsleinwand. Verhandlungêtermin: 9./22. Fe- }

ungen auf dem |

volzogen, der aber bis zum S(luß des Jahres niht den Charakter ;

Der überwiegend günstige Charakter des Jahres tritt darin hervor, | Jul

Dazu trat in dem verflossenen Jahr Uu eine starke Mehr- einfubr von Braunkoblen, sodaß der A diz folgenden Ziffern

erreidhte : Steinkohlen . . . . . t 136 934494 Braunkohlen. . . . . 71260840 P ¿ 2 T0 TEBOND: welche den bisber böhsten Verbrauch darstellen. Troßdem wurde der Konsum ni>t befriedigt, die Kohlen blieben während des ganzen Jahres knapp, die Preise erreihten am Jahreëshlufse eine ungewöhn- Tlihe Höhe, die fie na< dem Beschluß des Koblensyndikats au< während des ganzen Jahres 1908 behalten sollen. Na der Notiz der Effener Börse stellen si<h am Jahres\&luß im Vergleich mit ten Preisen von Anfang 1906 und 1905 die Preise, wie folgt, in Mark pro Tonne, loko Werk : I. Gas- und Flammfkohle / jeßt Anfang 1906 Anfang 1905 Gasförderkoble. . . 12,50—15,00 11,50—-13,50 11,00—12,50 Gaétflammförderkoble. 1h:50—12,50 11,00— 11,50 9,77 --10,75 KFlammförderfoble. . 11,00—11,50 10,50—11,00 9/00— 9,75

. Fettkohble . 11,00—11,50 10, 50—11,09 9,00— 9,75

Körderkoßle . Beftmelieite Koble . 12,50—12,60 12,10—12,60 10,5 . 12,25— 13,25 11,50—12,

Kokskohle. . 00 . Magere Koble

Förderkoble . . . 10,00—11,00 9,50—10,50

g , melierte . 11,25—12,25 11,25—12,25 1

Anthrazitnußkorn L. . 18,50—19,50 17,50—19,5I 17,50—19,

IL. , 20,00—23,50 20,00—23;50 19, 23

IV. Koks

Hochofenkoks . 16,50—18,59 15,50—17,50 15,00 Gießereikoks. . . . 19,00— 21,00 18,00—19,00 16,00—17,00 Brechkoks 1. und I[.. 21,00—24,00 18,00—19,50 17,00—18,00.

Für 1908 find dur< Syndikat2bes{luß neue, wenn au< nur mäßige Preiserböbungen (um 25 bis 50 4 bei einzelnen Sorten) festgesezt worden. i ;

Bei dieser Sa&lage waren die Werke während des ganzen Jahres voll bes<äâftigt, um den Anforderungen des Verbraußes genügen zu können. Der Koblenbergbau wurde somit von dem gegen Jahres- {luß einfezenden Rüd>kgang der Konjunktur au nur wenig berührt.

Die deutshe Robeisenproduktion stieg im Jahre 1907 auf die Rekordziffer von rund 13 Millionen Tons gegen 125 Millionen im Jahre 1906, rund 11 Millionen 1905, 10,1 Millicnen im Jahre 1904 und 7,8 Millionen im Jabre 1901. Das Jahr 1907 liefert also ten Rekord aller bisherigen JIahresziffern. Gin Nachlafsen der Produktion ift hier erst in bescheidenem Umfang in den Monaten November und Dejember eirgetreten. Infolge der unfiheren wirt- schaftlichen Verbältniffe urd der Krisis auf dem Geldmarkt- tat im iweiten Halbjahr ein starkes Sinken der Preije ein, das im Zusammen- hang mit der Krifis auf dem Geldmarkt gegen Sthluß des Jahres eine stärkere Zurü>haltung ter Abnebmer zur Folge hatte. Das Jahr {loß indefsen im garzzn bei voller Beshêftizung der Werke. Troßt- dem trat eine Verringerung des Arbeiterstandes ein, da die Werke angefihis der Entwi>lung der Verbältnifse ihren Bestand an Arbeits- kräften tunlidft einzus<ränken su<ten.

Wesentlih ungünftiger und wenig einh:-itli*z war die Lage der eisenverarbeitenden Werke. -

Im großen und ganzen günstig konnten dagegen auch die E Branthen der Maschinenindustrie das Iabr abschließen, insbesondere war die Arkbeitslage bis zum Schluß günstig in allen Branhen, welhe mit dem Eisenbahnwesen im Zusammenhang ftehen, ins- besondere dem Waggonbau, Lokomotivbbau usw. Aber auth sonstt melden die Mos@inenfabriken , wele Bergwerk3- masciner, landwirtshaftli®® Maschinen, Werkzeugmaschinen, Textil- maschinen berstellen, der Turbinenbau wie überhaupt der größere Teil des Maschinenbaues, daß, troß Na@&lafsers der Aufträge jum S{luß des Jahres, das Jahr 1907 als zufriedenstellend bes<häftigt bezeihnet werden muß. :

Das Gleiche gilt au< ohne Einschränkung für die elektrische und <hemis<he Industrie, die während des ganzen Jahres ange- \spannt zu tun batten, um den Bedürfnissen gere<t zu werden. Wenn troßdem die Arbeitslage für Ele?trizitätsarbeiter niht ganz so günstig war, wie man darn bâtte erwarten fönnen, so liegt das an dem vermehrten Uebergang der elektrisen Industrie zu Arbeiter sparenden Maschinen. Die Lage der Textilindustrie wurde ftark beeinflußt dur< die Gestaltung der Preise der Rohmaterialien, insbesondere der Wolle und Baumwolle, die beide in dem größeren Teile des Jahres sehr bo< getrieben waren und erft gegen Sthluß des Jahres ein Nallafsen zeigten. Die Beschäftigung wurde relativ weniger davon berührt, wenigftens hatten die Spinnereien während des ganzen Jahres rei<li<he Aufträge zu erledigen und Arbeitskräfte waren gesu<t. Nicht so günftig lagen die Verbältnifse in der zweiten

0,50—11 9,50 —10, Tó— 8,75 / 0, 9

7 9 7

Eine neue Shla<htbausunternehmung inSerbien. Im | Hälfte des Jahres in einem Teil der Webereien, irsbesondere der

MPWollwebereien, ohne daß aber die größere Geschäftsftille in diesen Zweigey einen urgewöhnlihen Umfang angenommen bätte. Im ganzen E au für die Textilindustrie und ihre Arbeiter das Jahr 1907 ein günftiges Jabr.

Am ftärksten machten sh die Störungen des Wirtschaftslebens dur< die internationale Gestaltung des Geldmarktes geltend im Baugewerbe und infolgedefsen in allen seinen Nebengewerben, der Holzindustrie usw. Bei dem sehr boben Zinsfuß waren die Bau- gelder tzils garni<ht, teils nur unter grcßen SYwierigkeiten zu be- ihaffen. Außerdem ‘wurde das Baugewerbe im Berichtsjahre in Deutschland dur< eine Reibe großer Arbeitsftreitigkeiten ers<hüttert, von denen die große Aussperrung in der Holzindustrie und der Baus arbeiterstreik in Berlin, die fih insgesamt über beinahe 9 Monate erstre>ten, die bedeutsamsten und folgenshwerften waren. , Von hier aus zeigt fi< au< in einer Reibe von Branchen, die mit dem

Baugewerbe zusammenhängen, ein ziemlih starkes Nahlafsen des Be- | \<äâftigung8grades gegen den Schluß des Jahres. Im ganzen war das

Sahr 1907 auf dem Arbeitsmarkt ein Jahr fteigender Löhne unter

; gleizeitigem Herabgehen der Arbeit8zeit, ein Prozeß, der erft im letzten

Dritiel des Jahres im allgemeinen zum Stillstand kam.

Die Stilderung, die hier gegeben ift, findet ihre Be- ftätigung in den Ziffern, an denen man im allgemeinen die Stärke der wirts<haftlihen Konjunktur zu mefsen pflegt. Einfuhr und AuFtfuhr erreihten in den ersten 9 Monaten des Jahres 1907 die böchsten bisber erreihten Ziffern die Einfuhr

: 6564,96 Millionen Mark, tie Ausfubr 5134,26 Millionen Mark. der Rückgang der Beschäftigung fih îm allgemeinen nicht stürmisch |

Die Einnahmen aus dem Güterverkehr der deuts<hen Gisen-

| bahnen zeigten ein ftändiges Steigen, das fi auh im Dejember 1 | fortgesegt hat. es gleichzeitig

Güterverkehreinnahmen der deutschen Eisenbahnen

gegen 1906 -+ oder

im ganzen | n

s I

K

122 388 763 116 515 516 133 453 036 128 249 672 129 581 333 125 258 669 133 083 069 139 515 368 135 761 011 153 156 035 144 390 285 125 662 606

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