1866 / 164 p. 2 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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denen die s<öne Aufgabe geworden war, „die Entscheidung der Sw{hlachi zu geben. Während die Ferngläser si< suhend na der

Gegend wandten , in der die Spitzen des kronprinzlithen Heeres er«

scheinen mußten, drängte si<h unwillkürlich die Erinnerung an Belle- Alliance und den Anmarsch Blüchers auf, nur mit dem Unterschiede,

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daß hier der Prinz Friedri<h Car! nicht, wie Wellington, in der |

Defensive bleiben sollte, sondern mit Sehnsucht den Augenbli> zum |

Vorbrechen erwartete. : gef | Gegen 1 Uhr erhielten die 5. und 6. Division Befehl, das

Gepä> abzulegen, und zur Untersiüßung der Truppen, die bei

Sadowa fochten; vorzugehen. | gen von »Heil Dir im Siegerkranz« ging das Brandenburgische

Corps an Sr. Majestät

auf dem S<lachtfelde

Hoheit des Kronprinzen | chienen von Norden her gegen die feindliche

Man sah Kanonenfeuer

Stellung geben und nach einiger Zeit Truppen in langen Linien |

Nach 2 Uhr stiegen s{warze Rauchwolfen | ! D gehöriger Regi aus Cblum auf; das Dorf braunte, ein sicherer Beweis, daß der | rungen protestirt und das Berliner Kabinet von diesem Schritte in 1 " Kenntniß geseßt.

auf Chlum avantciren.

Kampf um den Besiß dieses Schlüssels der Stellung begonnen batte. Die Wirkung hiervon macbte si<h bald auf der ganzen Linie

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Nichtamtliches.

Prenßen. Berlin, 10. Juli. Jhre Majestät di s d Í Y : u l ! ic Königin besuchte gestern das Lazareth in der Pionierstraße und heute den Frauen-Verein für die Lazarethe in Berlin.

Der vom Ostero der Kreise aufgestellte Abgeordnete heißt nicht, wie er in dem Verzeichnisse der Mitglieder des Abgeordneten-

| hauses in Nr. 160 des Staats - Anzeiger irrthümlih genannt ist, | von Pützel, sondern von Weite l.

Unter Hurrabruf und den Kläne Meg j : | ] | haben der Königlichen Regierung die Anzeige gemat, daß die Trup- dem Könige vorbei zum Kampf vor. | pen beider Staaten, welche auf Grund des Bundesbeschlusses vom Bald war kein Zweifel mehr, daß die Armee Sr. Königlichen | 6, v. M. einen Theil der Besaßung der neutralisirten Bundesfestung

erschienen sei. | Mainz bildeten, zum Verlassen derselben gewaltsam genöthigt und

bemerklih. Das feindliche Feuer licß plößlih na<, und mit auf- | gesessenen Mannschasten konnten unsere Battericen in die Stellungen |

vorrüd>en, die ibnen so lange streitig gemacht waren.

und es blieb nur no< übrig, ibn durh eine schnelle Verfolgung

auszubeuten.

ging persönlid mit der Kavallerie - Division Horn vor, Jm

Se. Königliche Hobeit der Prinz Friedri<h Carl | M mger el uBl j zeichneten Tage dur<h die Straßen Wiens transportirt worden is,

längeren Trabe ging dic Reiter - Kolonne dur< Sadowa, vor- |

bei an den blutigen Spuren des erbitterten Jnfanteriekampfes

um Dorf und Wald, vorbei an den verlassenen mit Leichen und |

Trümmern bede>ten Positionen der österreichischen Artillerie. Nur vorwärts! Das war das einzige Gefühl dieser langen Kolonne, die F Meilen getrabt hatte, als sie durch die verfolgende Jufanterie, mit jubelndem Hurrah empfangen, dur(riti. Hier waren Truppentheile von verschiedenen Corps untermiscßt, Feind vor sich bertreibend. Auch Artillerie war gefolgt und ver- mebrte die Verwirrung in den abziehenden Trümmern des feind- lichen Heeres.

Jeßt war der Moment zum Einhauen für die Kavallerie gekommen ; die Regimenter und bestanden

auf Artillerie und Jnfanterie ,

Alles eilte vorwärts, den |

Um 32; Uhr war die Schlacht entschieden, der Sieg war unser, zeichnen

Die Regierungen von Weimar und Schaumburg * Lippe

theils na< Ulm, theils nach Rastadt dirigirt worden seien. Die genannten Staaten haben gegen diefes völkerre<tswidrige Verfahren einiger zum früberen deutschen Bunde gehöriger Regie-

Oesterreichische Zeitungen melden, daß am 29. v. M. auf dem Nordbahnhofe in Wien die erste von öfterreichishen Truppen im gegenwärtigen Kriege erbeutete preußische Kanone eingetroffen sei.

Wir sind ermächtigt, diese Nachricht als eine Erfindung zu be- Die preußischen Armeen haben in den bisberigen Kämpfen Fein Geschüß verloren. '

Wenn nichtsdestoweniger ein preußisches Geshüh an dem be-

so kann dieses nur dasjenige gewesen sein; welches von des Königs Majestät Sr. Majestät dem Kaiser Franz Joseph zur Zeit des zwischen Preußen und Oesterreich bestehenden Bündnisses früher zum Ge- schenk gemacht worden war.

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Aus dem Hauptquartier Pardubiß, 7. Juli, wird berichtet: Gestern Abend hat Se. Majestät der König von Preußen sein Hauptquartier von Horitß bierber verlegt, wo no< vor Kurzen

| das Hauptquartier des Kais. österreichischen General-Feldzeugmeisters

| Ritter Benedek sich befand.

ohne die Pferde verscnaufen zu lassen; warfen \si<

dann einen harten, aber siegreichen Kampf mit der österreichi-

schen Reserve-Kavallerie, die zur Rettung ihrer Armee vorbrach.

Während von unserer Seite das neumärkishe Dragoner - Regi- | ment; das die Tête gehabt hatte, thüringishe Husaren, Ziethen- |

Husaren , brandenburgishe Ulanen Nr. 11, thüringishe Ulanen,

2. Garde - Dragoner sih auf den Feind warfen, führten die Oester-

reicher ihre Kürassier-Regimenter Wrangel, Prinz Carl von Preußen ( /

ungefähr 6000 Reiter fo<hten auf engem Raum gegen einander. Der Sieg blieb unser, und jeder Widerstand des Feindes war nun gebrowen. Dem 5. Armee-Corps (General v. Steinmeß) und

den Truppen des Generals Herwarth, die von entgegengeseßten Seiten

gegen die auf Königgräß zurü>weichenden feindlihen Massen vor- gingen, wurde die Verfolgung zu Theil, deren leßten Schüsse erst mii Sonnenuntergang verhallten.

Stadion, ihre Ulanen-Regimenter Mexico und Alexander vor, und Armee-Corps.

Der Weg von Horiß bierber gebt eigent- lich über Königgräß, Da diese Festung aber noch nicht kapitulirt hat und erst nahdrü>li<h angegriffen werden soll, wenn s{weres Geschütz aus Schlesien eingetroffen is, so wurde da, wo die preußischen Vorposten vom VI, Corps in Nordwest der Festung au8geseßt sind, rechts über die Freib öfe nah dem Kirbdorf Kukel ua abgebogen und in Südwest der Festung die große Chaussee nah Pardubit wie- der gewonnen. Königgräh hat si< dur< Aufstauung mit einem breiten Wassergürtel umgeben, der indessen das preußische Geschüy nicht abbalten wird, demnächst ein sehr ernstes Wort mit dieser Festung zu reden.

In Placicz befindet sih das Hauptquartier des V1. (\{lesiscen) Die zum Königlichen Hauptquartier gehörigen Ge- pä>wagen hatten wegen der endlosen Züge von Zufuhrwagen auf dem ganzen Wege mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da die Proviant-Transporte sich in dem Maße vervielfältigen und beeilen müssen, als die Truppen mit rastloser Schnelligkeit por- gehen. Die große Elbbrü>ke diht vor Pardubig, und vor

' dem jetzt zum Lazareth dienenden Schlosse, war von den Oesterreichern | abgebrannt, so daß zwei preußishe Pontonbrücken re<ts und link3

Die Truppen bivouakirten auf dem Schlachtfelde und bald er- |

leuteten zahllose Bivouakfeuer die Wahlstatt, auf der die Nacht dur die angestrengteste Thätigkeit der Aerzte und Krankenträger die traurigen Folgen des Kampfes zu lindern bemüht war.

Wie groß unsere Verluste sind, läßt si< no< nicht ersehen;

wie s<merzli fie au< sind, sie haben dem Vaterlande einen der s{önfien und großartigsten Siege erfkaufi, von denen -die Geschichte zu beri<hten hai.

Berlin, 10. Juli. Die wroiederholten Anträge der österreichi- iben Regierung im preußishen Hauptquartier auf Abschluß eines Waffenfiillsiandes mit dem Anerbieten, die Festungen Joseph- fiadt und Theresieusiadt den preußishen Truppen einzuräumen, sind von Sr. Mazestäi dem Könige nicht annehmbar befunden worden.

Die dem Feinde in der S<hlachi am 3. Juli, die jezt officiell

neben der abgebrannten hatten ges{lagen werden müssen, über welche alle Transporte für die bereits einen Tagemarsh über die Elbe hinaus vorgegangenen Armee-Corps gehen. Auch ein ambu- lanter österreichischer Pontontrain fubr bei Placicz wahrscheinlich zum Bau na< anderen Sciffbrü>en südli< der Elbe zu. Auf der ganzen Fahrt von Horig bis Pardubiy war der Jubel der Truppen, als sie Seine Majestät des Königs ansihtig wurden, unbeschreiblih groß. sahren die Truppen selbst den ganzen Umfang und die Bedeutung des von ihnen erfo<htenen Sieges. Wieder i die Zabl der als

erobert angemeldeten Geshühe angewachsen und zwar von 116 auf

und behauptete Zabl , so wird sie später mitgetheilt werden.

S@©la®Ht bei Königgräß heißt, abgenommenen Gefangenen und |

Trophäeca mehren si< no< foriwährend. 20000 GSesangene und 145 Kanonen consiatirt.

Bis zum 7. d. M. waren | 4 S ; 3 eiligen Rückzuge vom Schlachtfelde bis Pardubiß wobl zurücgeblie-

120. Es sollen na< Aussage der Truppen sogar no< mehr seinj in- dessen werden vor der Hand bier nur die offiziell bestätigten Tro- phäen angegeben. Bewahrheitet sich die von den Truppen geglaubte ] G Auch die Zahl der Gefangenen ist seit dem weiteren Vorgehen der Trup- pen bereits wieder bedeutend gewachsen. Viele sind auf dem sehr

_ ben, ín das Korn gesprungen , oder haben si< im Holze verborgen.

wegenden | men | vollkommen

Diese fallen jeßt überall unseren Truppen in die Hände und vermehren die fi< ununterbrohen na< Preußen be- (Sefangenentransporte, deren Verpflegung in Böh- besondere Schwierigkeiten hat, da die Einwohner \i< antheillos, ja oft mit empörender Gleichgültigkeit

gegen die Soldaten ihres Kaisers benehmen, wie denn überhaupt în

den höhmishen Städten alle Verwaltung und Ordnung aufgehört

zu haben {eint , was den preußis<hen Armee-Behörden die Ver- | pflegung außerordentli< ers<hwert, da wohl Niemand auf o unge-

Erft jetzt er-

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wösöhnlihe Massen von Gefangenen gere<net baben konnte.

erzählen die Einwohner, daß die österreichische Armee oder wenigstens |

derjenige Tbeil derselben, welcher seinen Weg dur< Pardubiy genom- men, sich in einer außerordentlich niedergedrükten Stimmung befunden baben soll. Die Leute zitterten bei dem Gedanken, daß die sebr leb- hafte und drängende Verfolgung auch Pardubit errcichen könne und zeigten nicht dîe ‘geringste Lusi zum Widerstande.

jeder Niederlage sebr natürlide Muthlosigkeit sol sich in den

\chroffsten Formen gezeigt und ausgesprocben baben ; ein Beweis

mebr für die immer allgemeiner werdende Annabme, daß die öster- |

reichishe Armee Böhmen obne weiteren Kampf verlassen und erfi zwischen Olmühy und Brünn, oder bei einem dieser Pläye Sitel- lung nebmen wird, Als Gerücht wurde heute

Garde-Landwehr-Division, weiche zur Veobachtung von Prag in die rechte Flanke der Armee detachirt worden , bereits in diese Stadt cingerü>i und ein preußischer Kommissar zur Herstellung des Eiscnbabn - und Telegraphen - Betriebes nah Prag abgegangen

sel. Nähere Angaben, so wie die Besiätigung dieses Gerüchts |

fehlen hier no<. Die Sache selbst ist indessen nah Lage der Dinge nicht unwabrscheinlid. Besondere militairische gungen werden für die Besizgnahme Prags niht gemacht wer- den, da durch dîe Direction der Osten die Ziele und Zwe>ke der Operation ganz andere geworden sind, Doch wird die gelegentliche Gewinnung Prags für Herstellung

verbindung sebr willkommen sein. Wie lange das Hauptquartier Sr. Majestät des Königs hier bleiben wird, ist no< nicht bekannt. Das Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl Königliche Hoheit befindet sih heute ebenfalls noch in Przelausz an der Elbe, das Sr. Königlichen Hoheit des Kronprinzen in T.{chiparka.

Hauptquartier Pardubtihy, den 8. Juli.

Qt,

nah Zuwittau, der leßten erheblichen böhmischen Stadt und nur

reichischen Nordarmee zu folgen befebligt sind, und daß das Terrain bis Zwittau bereits eclairirt sein muß , da bier hon für üÜber-

p ,

morgen diese Stadt als das Hauptquartier Seiner Majestät heute | Reichenberg

bezeichnet wird. Die genauere Bestimmung soll erst Abend erfolgen, wo leider die Feldpost nach chon abgegangen sein wird, so daß si<h darüber nichts mittheilen läßt. Auch der Telegraph hat von bier aus rü>wärts noch nicht hergestellt werden können, weil alle Augenblice von Beschädigung der Drähte bier eingehen, an gewahr wird ; land befindet und jeder laufenen Babnwärter der

denen

ausgeseßt is. Die

und

Schädigung Pardubiß - Zittauer

ibnen begreiflich ihre te<nis<he Kenntniß zu Hülfe kommt, und wenn

man nicht jeden einzelnen Leitungspfaßl mit Wache besehen kann, | i weit zersireuten Feind Jagd zu machen und batte man bei dem Vor-

ist auch ni<t abzusehen, wie sih diesem Unwesen steuern lassen wird.

zurüdbefördert werden, um von dort aus dem Orath übergeben zu werden. Jun raschem Wechsel, je na< dem Durchzug auderer Truppen, is die Besaßung der Stadt während der Anwesenheit des Königlichen Hauptquartiers geändert worden. Nachdem

falls demnächst abrü>ten, denn Alles eilt und drängt dem vermuthlich

nächsten Krlegsschauplay in Mähren entgegen, da man jeßt Gewißheft | ' t | des Generals v, Kummer hatten keinen Verlust erlitten. RekognoSzirungen

darüber zu haben glaubt, daß FZM. Benedek, der uoch immer das Komnrando der Nord - Armee führt, sih zwishen Brünn und Olmüß scgen wird, wohin auch aus allen Theilen Oesterreichs

selbst die allernothwendigsten Besahungstruppen der Städte dirigirt

werden. Krakau, ganz Galizien, Ungarn, Deutsch - Oesterreich und jeßt auch die adriatishen Provinzen senden in höchster Eile was bis auf die Bewachung der Gefängnisse und Zuchthäuser ent- bebrlih is. Eben fo dürften wenigstens die Spihen der no< in dex Kalserlih französishen Provinz Venetien stehen- den österrcichishen Truppen {on in einigen Tagen über Wien in Olmüg elntreffen können, so daß immerhin dex bis jeßt {hon 53,000 Maun betragende Verlust der Nord - Armee innerhalb der nächsien a<t Tage ausgeglichen sein kann. Die höchste Leistungs- sähigfkeit der Semmering-Bahn is 8 Millitairzüge tägli<h, Die beiliegenden Proflamationen sind soeben erschienen und mußten in Chrudiíim gedru>t werden, da hier der Druck nicht

Hier ! herzustellen war.

Die nat |

in den Kantonni- ruzigen des VI. Arince - Corps bei Königgröh erzäblt, daß die

Ansiren- |

österreichischen Armee nah Süd- |

Ma- | jestät der Könt g und Prinz Karl, Königl. Hoheit, General-Feldzeug“ | meister der Armee, werden mit dem gesammten Königlichen Haupt- | quartier no< bis Morgen früh bier verweilen, wo dann dasselbe | zunäh| nav Hobenmautb, ungefähr Z Meilen südwesilih von | bier, gegen die mäbrische Grenze, und daun am 10, voraussichtlich | | gut, noch eine Meile von der mährischen Grenze, von Brünn aber cixca nur | noch zwei Tagemärsche weit entfernt. Die beabsichtigte Richtung deutet | darauf bin, daß beide preußishe Armeen dem Rückzuge der öster- |

Nachrichten | man | daß die preußische Armee si<h no< in Feindes- | ents | ; Pardubiß- Prager Eisenbahn, die geschäftslosen Bahnhofëbeamten scheinen dies | Gegend von Eisena<h und trat am Zten ihren Vormarsch in der Geschäft der Telegraphenbeschädigung mit Eifer zu betreiben, wobei | Thale, als im Thüringer Walde bayerische Truppen umherstreiften.

Auf diese Weise mußten seit gestern Mittag alle für den Norden | befiimmte Telegramme liegen bleiben oder ers mit Estasette nah Horißz | | zu versehen.

Das | 1. Garde-Regiment zu Fuß der Armee nachmarschirt ist, traf das | unserer linfen Flanke über Lengsfeld nach Dermbach (im Fulda-Thale)

51, Jnfanterie-Regiment vom V1. Corps hier ein, wird aber eben- | | na< Zurüklassung von einigen Vierzig Todten, Verwundeten und

Sie rihten si< gleichzeitig an die Mähren;, eine Hindeattung mehr auf die nächste Bewegung der Armee, zu 10elcher alle Vorbereitungen getroffen sind, So dürfte die nächste Woche Entscheidendes bringen.

Das preußische Ober-Kommando in Böhmen bat folgende Bekanntmachung (in deutscher und czecischer Sprache} erlassen :

Die Einwohner Böhmens find bisher von den preußischen Truppen mit größter Milde behandelt worden.

Es sind aber in den leßten Tagen vielfache Zerstörungen an den uwie- der hergestellten Eijenbahnen und Telegraphen vorgekommen. Wer hierbei betroffen wird, soll sofort vor das Kriegsgericht gestellt werden.

Die Gemeinde , in deren Bezirk eine solche Beschädigung vorkommt, wird mit hoher Geldstrafe belegt. Jeder, der den Urheber einer solchen Be- schädigung zur Anzeige bringt, erhält sofort 500 Sulden Silber Belohnung ausgezahlt.

Das Preußische Ober-Kommando.

Desgleichen eine Ansprache an die Einwohner des glor- reihen Königreiches Böhmen:

In Folge des gegen unsere Wünsche vom Kaiser von Oesterreich her- beigefubrten Krieges betreten wir nicht als Feinde und Eroberer , sondern mit voller Achtung für Euere historishen und nationalen Rechte Eueren heimathblichen Boden.

Nicht Krieg und Verheerung , sondern Schonung und Freundschaft bieten wir allen Einwohnern ohne Unterschied des Standes, der Konfession und Nationalität.

Lasset Euch von unseren Gegnern und Verleumdern nicht einflüstern,

daß wir aus Eroberungs/ucht diesen jehigen Krieg hervorgerufen! Oester-

lefchterer Transporte und mebrdrähtiger woblorganisirter Telegraphen- reich hat uns zum Kampfe gezwungen, indem es mit den deutschen Regie-

rungen uns überfallen wollte; aber nichts liegt uns ferner, als die Absicht,

| Eueren gerechten Wünschen nach Selbstständigkeit und freier nationeller Ent-

wickelung entgegen zu treten, Eingedenk der vielen, fast unerschwinglichen Opfer, welche Euch zur

2 Vorbereitung für den jeßigen Krieg die Kaiserliche Regierung bereits abver- Tscheparek oder |

langte, sind wir weit entfernt, Euh weitere Lasten aufzuerlegen, und ver- langen wir von Niemandem, daß er gegen feine Ueberzeugung handle, na- mentlich werden wir Euere heilige Religion ehren und achten, doch können wir offenen Widerstand nicht dulden und namentlih müssen wir hinterlisti- gen Verrath strenge strafen.

Wenn Jhr uns freundlich entgegen kommt, werdet Fhr uns nur als Freunde und nicht als ¡Feinde kennen lernen.

Namentlich handelt Jhr thöricht, wenn Jhr aus Eueren Wohnungen f}liehet und Jhr dieselben der Yerstörung Preis Ihr thut besser, wenn Ahr die Soldaten freundlich er- wartet und Ihr mit ihnen friedlich wegen dex Lebensmittel unterhandelt, welhe dur<haus nothwendig sind. :

Die Militair-Befehlshaber werden dann von Euch nichts mehr ver- sangen, als was durchaus nöthig is und Euer Eigenthum s{hühen, wel<es

| Ihr durch die Flucht dem Raube und der Plünderung preisgebt.

Das Uebrige überlassen wir mit voller Zuversicht dem Gott der Heer- schaaren! follte unsere gerechte Sache obfiegen, dann dürste sich vielleicht auch den Böhmen und Mährern dex Augenbli> darbieten, in dem sie ihre nationalen Wünsche gleich den Ungarn verwirklichen können.

Möge dann ein günstiger Stern ihr Glü auf immerdar begründen.

Ueber die Ereignisse bei der vom General v, Fal>enstein befehligten Armee während der Zeit vom 1. bis incl. 6. Juli er- halten wir nachstehende Mittheilungen aus Fulda, 7. Juli:

Nachdem die unter Befehl des Generals v. Fal>enstein stehende Armee am 29. Juni díe Capitulation der hannöverschen Truppen bei Langensalza erzwungen hatte, konzentrirte fie fi<h am 1. Juli in der

Richtung auf Fulda an. Man wußte, daß sowohl im Werra-

Es fonnte jedo<h niht Aufgabe der Armee sein, auf diesen marsch nur darauf zu achten, ob derselbe sih etwa konzentriren und in unsere Nähe kommen würde, um ihn dann einen kräftigen Stoß Nachdem am 2. Juli Abends dieser Feind einen Ueberfall unserer linken Flügel-Feldwache bei Salzungen versucht, / sih dabei aber blutige Köpfe geholt hatte, meldete am 3. Nachmittags der Ge- neralmajor von Kummer, welcher mit einem starken Detachement în

dirigirt war, daß er dort auf den Feind gestoßen sei, welcher fi Gefangenen auf stärkere Abtheilungen zurückgezogen habe. Die Truppen

ergaben, daß der Feind die in der Nähe von Dermbach gelegenen Dörfer Neidhardshausen, Zelle und Wiesentbal besezt batte, auch hiniex denselben no< stärkere Truppenmassen von ibm standen. Es waren dies offenbar die vor wenigen Tagen im Gedirge zerstreut gewesenen, jeßt in aller Eile zusammengezogenen und in westlicher Richkung nach einer Vereinigung mit dem 8. Bundescorps® sirebenden bayrischen Divisionen Hartmann und Zollern. So nahe der linken Flanke der vormarschirenden Armee durfte der Feind natürlich nit geduldet werden, und erhielt daher ver General von Goeben den Befehl, dur einen kurzen Vorstoß den Feind z u werfen. General von Goeben ließ demzufolge au 4. Juli Morgen

von Dermbach aus die Brigade Kummer im Fulda-Tdale auswärt

gegen Neidhardshausen, die Brigade Wrangel gegen Wiesentdal vot» ehen. Beide Odrfer und die angrenzenden Höden waren vou Feüude ark beseßt, wurden aber, troy hartnä>igen Widerstandes, vou unit»