1866 / 229 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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Formulare zu den Quittungen werden von den gedachten | der

Kassen unentgeltlich verabreicht. F G

Dre Spe atés@iulden-Tilgungskasse kann si in | einen Schriftwechsel mit den Jnhabern der Schuld- verschreibungen über die Jahlungsleistung nicht

en. i ; n ‘Sileich werden die Jnhaber der in der Anlage bezeichne- ten, nicht mehr verzinslichen Schuldverschreibungen der in Rede stehenden Anleihe sowie der Anleihen aus den Jahren 1854, 1865 A , 1857 und 2ten 1859er, welche in den früheren Ber- loosungen (mit Auss{hluß der am 12. März d. J. (EINCON ezogen, aber bis jeßt E nicht realisirt find, an die Erhebung Kapitalien erinnert. ; G Betreff der am 12. März d. J. ausgeloosten und zum 1. Oftober d. I. gekündigten Schuldverschreibungen wird auf das an dem ersteren Tage bekannt gemachte Verzeichniß Bezug genommen, welches bei den Regierungs-Hauptkassen, den Kreis-, den Steuer- und den Forstkassen, den Kämmerel- und anderen größeren Kommunal-Kassen, so wie auf den Büreaus der Land- | räthe und Magisträte zur Einsicht offen liegt. Berlin , den 15. September 1866. f Haupt- Verwaltung der Staatsschulden. Gamet. Löwe. Meine>e.

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Liegt der heutigen Nummer dieses Blattes Dei;

" grüßungshalle errichtet. ' Kreises versammelt. 2 | von Zastrow mit seinem Stabe vor der Ehrenpforte an und

Das Ostsee -Geschwader ist heute aufgelöst w i | werden größtentheils außer Dienst gestellt. Die Marine-Reserven | find

Nähe von Lorankwiß, der feierliche Empfang des Höchst- fommandirenden des 6. Armee-Corps statt. Eine Ehrenpforte war unmittelbar auf der Grenze und dicht daneben eine Be- Zahlreich hatten sich die Stände des Um 9 Uhr langte der General-Lieutenant

wurde von dem Königlichen Landrath von Roeder durch eine Begrüßung8rede empfangen.

Magdeburg, 18. September. (Magd. Anz.) “Am Sonn- abend, den 15. d. M., ist ein Theil der hier konzentrirten öster- reichischen Gefangenen, circa 1900 Mann, mittelst Eisenbahn von hier abgegangen. i : j R

(Magdeb. Corr.) Gesiern Vormittag fand der feierliche Einzug des Stabes der 7. Division, der 13. Jnfanterie-Brigade

| und der 2. Kavallerie-Division hier statt. Die erste Begrüßung

derselben durch die Spiyen der Königlichen Behörden geschah bereits auf dem Eisenbahnhofe zu Buckau , wojelbst sich auch die sämmilich hier anwesenden berittenen Offiziere eingefunden hatten. Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Nath und Ober-

Präsident der Provinz Sachsen richtete im Namen der Provinz | an die hochgefeierten Helden eine Ansprache.

Schleswig-Holstein. Kiel, 17. September. (H. N.) worden; die Schiffe entlassen worden.

Sachseu. Gotha, 17. September. Der heutige Tag war für unsere Stadt ein Fesitag, er galt dec Rückkehr unsers

| Regiments in die Heimath. Die städtischen Organe, sowie die " Bürgerschaft selbst hatten Alles aufgeboten, um den Empfang

E | so würdig als möglich zu machen.

Angekommen: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime | Rath und Ober - Ceremonienmeister Graf Stillfried aus

Schlesien. | M 1 De Erste Präsident des Kammergerichts, Wirkliche Ge-

heime Ober-Justiz-Rath von Strampff, aus der Schweiz.

Beschränkung des Postdienstes in Berlin am 20. und 21. September 1866.

n Folge der Einzugs-Feierlichkeiten treten am 20. und 21. p Mis. nachstehende Beschränkungen des Postdienstes in

Berlin ein: : | 1) Die hiesigen Post-Anstalten sind von 9 Uhr Vormittags 9 Uhr

bis 5 Uhr Nachmittags geschlossen. E 2) Die Briefbestellung findet Vormittags nur bis und Nachmittags nur von 5 bis 6 Uhr statt, die Pafket- bestellung gehen nur einmal Morgens pr d 3) Die bei den Stadtpost-Expeditionen eingelieferten Pakete

und Geldbriefe werden nur einmal, zwischen Z und 5 Uhr |

Nachmittags, zur Absendung nach den Eisenbahnhöfen und nach dem Hof-Post-Amte befördert.

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Früh 5% Uhr traf, von Frankfurt a. M. kommend, das erste Bataillon per Eisenbahn zu Fröttstedt ein, während das zweite (Coburger) Bataillon erst egen 10; Uhr daselbsi an- langte. Von Fröttstedt nahm dasselbe nach einiger Rast den Weg über Aspach, in dessen Nähe, nah Gotha zu, Se. Hoheit der regierende Herzog in preußischer Kürassieruniform, nebst

| Suite, ihm gegen 1 Uhr zu Pferde entgegenkam, das Regiment begrüßte und an dessen Spiße sich darauf nah der Stadt zu

begab, in welche der Einzug unter mannigfachen Empfangs- feierlichkeiten stattfand. N Niederlande. Haag, 17. September. Der König hat heute die Session der Generalstaaten eröffnet und in der Thronrede u. A. gesagt: »Troÿ des Krieges, der ganz nahe an unseren Grenzen ausbrach, hat das Land nicht aufgehört, die Segnungen des Friedens zu genießen. Unsere Beziehungen zu den fremden Mächten sind die besten geblieben. So befrie- digend indessen dies auch sein mag, so muß unsere nationale Existenz ihre festeste Stühe doh, nächst Gott, in sich selbst finden. Daher habe ih mit Freuden in der Errichtung der Freiwilligen- Vereine cinen Beweis des Geistes erblickt , der die Nation bescelt. Die Finanzlage is} befriedigend. « Belgien. Brüssel, 18. September. Der »Moniteur« macht amtlich bekannt , daß die Regierung wegen des bedenk- lichen Gesundheits8zustandes hiesiger Stadi die Nationalfestlich-

4) Die Briefkasten werden nur Morgens um 8 Uhr und |feiten, die nächster Tage hätten stattfinden sollen, auf cine

Nachmittags um 4 Uhr geleert. Berlin, den 18. September 1866. Der Ober-Post-Direktor. Sachse.

Nichtamtliches.

Preußen. Ber lin, 19. September. J hre Majestät die Königin trifft heute Abend in Berlin ein. Seine König- liche Hoheit A Erobgerzog und der Erbgroßherzog zu Sachsen

den JThre Majestät begleiten. M R oe Leera die Abgeordneten von Nordensflycht und von Eynern gegen die Anträge, und der Abgeordnete Michaelis für die Anträge der vereinigten Kommissionen für Finanzen und Zölle und für Handel und Gewerbe, betrefsend die Verordnung vom 18. Mai 1866, über die Errichtung öffent- licher Darlehiißtassen gesprochen hatten, wurde die Debatte

vertagt. i n der heutigen (20.) Plenar - Sißung des Abgeord -

netenhauses wurden die Berathungen über diese Verordnung |

fortgeseßt. Für die Kommissions - Anträge sprachen die Abge- ordneten Dr. Lasker, Dr. Virchow und Schulze (Berlin), geg ea dieselben die Abgeordneten von Vincke (Hagen), Graf zu Eulen- burg und Dr. Prado Schlusse des Blattes resumirte der Referent die Verhandlungen.

Breslau, 17. September. - (Prov. T4 f. Schles.) Von Seiten der Stände des Breslauer Kreises

des heutigen Tages an der Grenze des Breslauer Kreises, in |

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and am Vormittag | vollständig , wie | IL. Mein Herr! Die Regierung des Kaisers kann es nicht läng

tere Zeit verschoben hat. Die kirchliche Todtenfeier der für das Vaterland gefallenen Bürger findet am 24. September stat!.

Großbritannien und Jrland. London, 17. Sep-

tember. Aehnlich wie die aus Manchester an sie gerichtete Ein-

ladung zur Enthüllungs - Feier des Albert-Denkmals ha!

Ihre Majestät die Königin jeßt auch die Liverpooler ab- elehnt. i

B a Prinz von Wales wird diese Woche in Aberdeen

der M einer Statue der Königin vorstehen, welche

von der Stadt als Seitenstück zu einem Denkmal des Prinz Gemahls errichtet worden ist. :

Die Todtenfeier des Prinzen von Condé fand Son abend in der Kapelle zu Weybridge in Gegenwart de Herzogs und der Herzogin von Aumale, der Gräfin von Paris und einer großen Anzahl anderer Verwandten und Freunde statt. Die Leiche wurde in dem Gewölbe der Kapelle beigeseßh wo auch die Gebeine Louis Philipps, der Königin Marl Amélie, der Herzogin von Nemours und anderer Mitglieder des Hauses Orleans ruhen.

(mit 60 Kanonen) angekommen; an

europäischen Geschwaders. Frankrei. Paris, 17. September.

r Kav alette an die diplomatischen Agenten des Kaisers Napo-

folgt:

n Southampton is das Unions-Flaggenschiff »Colorado« | 1 seinem Bord befindet si |

der Contre - Admiral Goldsborough, Oberbefehlshaber de f

Das (bereits tele | aphish erwähnte) Rundschreiben des französischen Minister? |

leon Iil, im Auslande, datirt Paris, 16. September, lautet

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hinausschieben, ihrer Ansicht über die in Deutschland eingetretenen Exeignisse Ausdru zu geben. Da Herr de Moustier no< einige Zeit abwesend bleiben muß, so hat Se. Majestät mir den Befehl ertheilt, Seinen diplomatischen Agenten die Beweggründe Seiner Politif aus- einander zu seßen. :

Der Krieg, der in der Mitte und im Süden Europas ausge- brochen, hat den deutschen Bund zerstört und die italienische Nationa- lität definitiv fonstituirt. Preußen, dessen Grenzen durch den Sieg erweitert worden, dominirt auf dem re<ten Main - Ufer. Oesterreich hat Venetien verloren; es ist von Deutschland abgeschieden. Diesen erheblichen Aenderungen gegenüber sammeln alle Staaten \si< im Ge- fühle ihrer Verantwortlichkeit; sie fragen si, welche Tragweite der jüngst abgeschlossene Friede hat und welchen Einfluß er auf die euro- päische Ordnung und auf die internationale Stellung jeder einzelnen Macht haben wird.

Die öffentliche Meinung in Frankreich is erregt. Sie schwankt unsicher Ce der Freude, die Verträge von 1815 vernichtet zu [S und zwischen der Furcht, daß die Macht Preußens übermäßige Verhältnisse annehmen könne; zwischen dem Wunsche, daß der Friede erhalten bleibe, und zwischen der Hoffnung, durch Krieg eine Gebiets- erweiterung zu erlangen. Sie begrüßt mit Beifall die vollständige A Italiens, aber sie will auch über die Gefahren, die den hei- ligen Vater bedrohen können, beruhigt sein. Die Unschlüssigkeit der Gemüther in Frankreich, die auch aufs Ausland zurückwirkt, legt der A die Pflicht auf, klar und deutlich ihre Ansicht auszu- sprechen.

&Frankrei<h kann keine zweideutige Politik haben. Wenn es in seinen Jnuteressen und in seiner Macht durch die wichtigen Verände- rungen y die sih in Deutschland vollziehen , berührt wird so muß es dies offen gestehen und die zu seiner Sicherung nothwendigen Maß- regeln ergreifen. Verliert es dagegen nichts bei der Umwandlung, die da vor sich geht, so muß es dies aufrichtig erklären und den übertrie- bencn Befürchtüngen, den hißigen Urtheilen entgegentreten, welche die internationale Eifersucht erregen und Frankreich aus der Bahn heraus- ziehen möchten, die es verfolgen muß. Um die Unsicherheit zu besei- tigen und die Ueberzeugungen zu befestigen, muß man die Vergangenheit, so toie sie gewesen, und die Zukunft, so wie sie sich darstellt, in ihrem Zusammenhange betrachten.

Was sehen wir in der Vergangenheit? Nach 1815 vereinigte die heilige Allianz alle Völker vom Ural bis zum Rheine gegen Frankreich. Der deutsche Bund umfaßte mit Preußen und Oesterreich 80 Millionen Eimvohner; er erstre>te sich von Luxemburg bis Triest, von der Ostsee bis Trient und umschloß uns mit einem Eisenbande von fünf Bundes- festungen ; unsere strategische Position war durch die geschicktesten Gebiets- ruppirungen eingekettet. and oder mit Preußen an der Mosel, mit Deutschland am Rheine, mit Oesterreich in Tyrol oder Friaul entstehen mochte, ließ sämmtliche ver- einigte Kräfte des Bundes sich gegen uns wenden. Das österreichische Deutschland, das an der Etsch nicht zu erstürmen war, konnte im gegebenen Momente bis an die Alpen vorgehen. Das preußische

Deutschland hatte zur Vorhut am Rheine alle jene Staaten zweiten

Ranges, welche durch den Wunsch nach politischer Umwandlung un- aufhörlich bewegt wurden und stets bereit waren, Frankreich als den Feind ihrer Existenz und ihres Strebens anzusehen. Nehmen wir Spanien aus, so hatten wir auf#dem ganzen Kontinent keine E

Tichkeit, eine Allianz zu schließen. Jlalien war zerstü>elt und macht-

los; es zählte nicht als Nation. Preußen war nicht zusammenhan- gend, nicht unabhängig genug, um sich von seinen Traditionen los- sagen zu können. Oesterreich hatte zu viel mit der Bewachung seiner Besißungen in Jtalien zu thun, als daß es sih mit uns hätte innig verständigen können.

Gewiß hat der lange aufrecht erhaltene Friede die Gefahren dieser Gebietsvertheilung und dieser Allianzen vergessen lassen; denn sie er- schienen erst fur<tbar, als der Krieg ausbrach. Aber diese zweifelhafte Sicherheit hat Frankreich zuweilen mit dem Auslöschen seiner Welt- rolle Ra Es is} nicht zu bestreiten, daß es während beinahe vier- zig Jahre die Coalition der drei nordischen Höfe gegen sich gehabt hat, die durch die Erinnerung an gemeinsame Niederlagen und Siege, durch gleiche Regierungs8grundsäße , durch feierliche Verträge und durch das Mißtrauen gegen unser liberales und civilisatorisches Wirken an ein- ander geknüpft waren.

Fassen wir jeßt die Zukunft des umgestalteten Europa's ins Auge: |

welche Bürgschaft bietet sie Frankreich und dem Frieden der Welt? Die Coalition der drei nordischen Höfe ist zerbrochen. Das neue Prinzip, das Europa regiert, ist die Freiheit der Allianzen. Alle Großmächte sind, die eine wie die andere, wieder in der ganzen Fülle ihrer Unab- hängigkeit und können ihr Schicksal ordnungsmäßig weiterweben. Das vergrößerte, von jeder Solidarität fortan erlöste Preußen sichert die Un- abhängigkeit Deutschlands. Frankreich braucht darin keinen Schatten für sih zu sehen. Stolz auf seine bewoundernswerthe Einheit undsunzerstör- bare Nationalität, kann es das Assimilationswerk, das dort vor sich geht, nicht bekämpfen oder mißbilligen und nicht eifersüchtigen Stim- mungen die Nationalitäts-Prinzipien unterordnen, die es in Bezug auf die Völker vertritt und bekennt. Js das deutsche Nationalgefühl befriedigt, \o legt si seine Unruhe, so erlöschen seine Feindschaften. Frankreich nachahmend, thut es einen Schritt, der es uns näher bringt, nicht aber von uns entfernt. Jm Süden is Jtalien, dessen lange Knechtschaft nicht den Patriotismus hat verlöschen können, in den Besiß aller Elemente zur nationalen Größe geauas Seine Existenz bringt eine tiefe Aenderung in die politischen Verhältnisse Europas; aber, unbedachtsamer Empfindlichkeiten und vorübergehenderUngerechtigkeiten ungeachtet, nähert es sih in Jdeen, Prinzipien und Jnteressen doch der Nation, die ihr Blut vergossen hat, um ihm seine Unabhängigkeit erobern zu helfen, Die Jnteressen des päpstlichen Thrones sind durch die Convention vom 15. September gesichert. Diese Convention wird loyal ausgeführt wer-

Die geringste Schwierigkeit, die uns mit Hol-

den. Während der Kaiser seine Truppen von Rom zurü icht,

als Garantie der Sicherheit für den E Vater pie Dea Eer reichs darin. In der Ostsee fe im Mittelmeere entstehen tleinere Kriegs- flotten, welche der Freiheit der Meere günstig sind. Wenn Oesterreich, von seinen italienischen und veuicen Befangenheiten befreit, seine Kräfte nicht mehr in unfruchtbarer Eifersucht abnußt, sondern sie im Osten

Europas konzentrirt, \o stellt es noch immer eine Macht von 35 Mil- lionen Seelen dar, die keine Dea D kein Jnteresse von Frank- reich scheidet. Durch welche fonderbare Rückwirkung der Ver angen- heit auf die Zukunft sollte die öffentliche Meinung nicht Verbündete, sondern Feinde Daniel in jenen Nationen erbli>en, die, von ciner uns feindlichen ergangenheit befreit, zu einem neuen Leben berufen, ord rig N E I BIE geleitet und von den | r anten, in denen die ganze moderne Gesell si ied- lich zusammenfindet, beseelt sind? N N

Europa, stärker constituirt, dur< bestimmtere Ländereintheilung gleichartiger gemacht ist eine Bürgschaft für den Frieden des Konti- nents und is weder eine Gefahr noch ein Schaden für unsere Nation. Diese, mit Algerien, wird bald mehr als 40 Millionen Einwohner zählen; Deutschland 37 Mill., wovon 29 im nördlichen und 8 Mill. im südlichen Bunde; Oesterreih 35, Jtalien 26, Spanien 18 Mill. Was ist in dieser Vertheilung der europäischen Kräfte, das uns beun- ruhigen könnte? Eine unwiderstehliche Macht drängt die Völker dazu, \ich in großen Zusammenballungen zu vereinigen und dabei die kleineren Staa- ten verschwinden zu lassen. Dieses Streben entsteht aus dem Wunsche, die allgemeinen Jnteressen wirksamer gefördert zu sehen. Vielleicht ift es von einer Art providentieller Vorsorge für die Geschike der Welt ein- gegeben. Während die alten Völker des Kontinents in ihren be- \hränkten Gebieten nur mit einer gewissen Langsamkeit anwachsen, können Rußland und die Republik der Vereinigten Staaten vor Ab- lauf eines Jahrhunderts je 100 Millionen Menschen zählen. Obschon die Fortschritte dieser beiden großen Reiche für uns nichts Beunruhi=- gendes haben und wir im Gegentheil ihren hochherzigen Bemühungen zu Gunsten der unterdrückten Racen vollen Beifall zollen, so gebietet doch die Vorsicht den Nationen des europäischen Centrums, nicht in I Pes verschiedene Staaten ohne Kraft und Volksgeist zerstü>elt zu

eiben.

_ Die Politik muß \i< über die engen und kleinlihen Vorurtheile eines früheren Zeitalters erheben. Der Kaiser glaubt nicht, daß die Größe eines Landes von der Shwächung der Völker abhange, die es umwohnen, und er sieht kein wahres Gleichgewicht, als in den be- friedigten Wünschen der europäischen Nationen. Darin gehorchte er alten Ueberzeugungen und den Ueberlieferungen seines Geschlechtes. Napoleon 1. hatte die N vorhergeschen, welche jeßt auf dem Kontinente von Europa ins Werk gerichtet werden. Er hatte die Keime der neuen Nationalitäten gelegt auf der Halbinsel, indem er das Königreich Jtalien {uf, in Deutschland, indem er zweihundert- dreiundfünfzig unabhängige Staaten verschwinden ließ.

__ Wenn diese Betrachtungen gere<ht und wahr sind, so hat der Kaiser Recht gehabt, diese Rolle des Vermittlers anzunehmen, die nicht ohne Ruhm gewesen ist, unnüßes und \{merzliches Blutver- gießen zu hemmen, den Sieger zu mäßigen dur< sein freundschaft- liches Einschreiten die Folgen der Niederlage zu mildern, die Her- stellung des Friedens zu verfolgen troß aller Hindernisse. me Gegen- theil, er würde seine hohe Verantwortlichkeit verkannt haden, wenn er, die versprochene und verkündete Neutralität brechend , si< un- verschens in die Zufälligkeiten eines großen Krieges gestürzt hätte, eines Krieges, welcher den Haß der Racen erwe>en und in welchem ganze Nationen auf einander stoßen. Was würde in der That der Zwek des freiwillig gegen Preußen, nothwendig gegen Jtalien begonnenen Kampfes gewesen sein: eine Eroberung, eine Ge- bietserweiterung. Aber die Kaiserliche Regierung hat ja schon seit lange ihre Prinzipien in Bezug auf Gebietserweiterungen zur Anwendung gebracht. Sie versteht und sie hat verstanden, daß die Annexionen, welche durch eine unbedingte Nothwendigkeit geboten sind, mit dem Vaterlande Bevölkerungen verbinden, welche nur gleiche Sitten und den gleichen Nationalgeist besißen, und sie hat von Savoyens und Nizza's freier Zu- stimmung die Herstellung unserer natürlichen Grenzen gefordert. Frank- reich kann nur solche Gebiets8vergrößerungen wünschen, welche seinen starken inneren Zusammenhang nicht ändern, es muß aber immer an seiner moralischen oder politischen Vergrößerung arbeiten, indem es seinen Einfluß den großen Jnteressen der Civilisation dienstbar macht. Seine Aufgabe is, das Einverständniß unter allen den Mächten zu befestigen, welche zugleih das Prinzip der Autorität aufrecht halten und den Fortschritt fördern wollen. Dieses Bündniß wird der Re- volution den falschen Schimmer nehmen, welchen fie si< gievk indem sie die Sache der Volksfreiheit zu {hüten behauptet, und wird den großen und ug E Staaten die weise Leitung der demokratischen Bewegung vorbehalten, welche si< überall in Europa kundgiebt.

Indeß liegt in der Aufregung, welche sich des Landes bemächtigt hat, ein legitimes Gefühl, wel<hes man anerkennen und bestimmen muß. Die Erfolge des leßten Krieges enthalten eine ernste Lehre, welche unserer Waffenehre nichts gekostet hat; sie zeigen uns die Noth- wendigkeit, unsere militairische Organisation unverzüglich zu vervoll- fommnen zur Vertheidigung unseres Gebietes. Die Nation wird si dieser Pflicht nicht entziehen, welche für Niemanden eine Drohung

sein kana; fie hat gerechten Stolz auf die Tapferkeit ihrer Armce... Die

Empfindüchkeit; gewe>t dur< die Erinnerung an ihre militairischen Größthaten, dur< den Namen und die Thaten des Herrschers, welcher sie regiert, ist nur der Ausdru ihres energischen Willens, ihren Rang und thren Einfluß in der Welt ohne Verminderung zu behaupten. Im Ganzen erscheint, von dem hohen Standpunkte aus betrachtet, von welchem aus die Kaiserliche Regierung die Geschi>e Europa's auffaßt, der Horizont von drohenden Eventualitäten befreit; gefährliche Probleme, welche gelö#| werden mußten, weil man sie nicht beseitigen