1866 / 232 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

fachen Ehren- Emblemen,

j T TH Uy s im/Spalier aufgestellt! hatte, und mit ihrem Musik-Corps die Truppen begrüßte, hielt Se. Königl. Hoheit an, um unter dem enthufiastis<en Hurrahrufe der diium e Massen, die Anrede des Oberbürgermeisters, Geheimen Rathes Beyer ent- egen zu nehmen, welcher die Theilnahme der ganzen Einwohner- aft an den glänzenden Erfolgen des Vaterlandes, der Armee, und“ grade der Truppentheile unserer Garnison \{ilderte, mit welchen ‘ja die Stadt seit ‘so langen Jahren auf das Innigste verbunden sei. Se. Königliche Hoheit erwiderte die Anrede auf das Freundlichste, ging in längerer, be- wegter Rede ‘auf die Glückwünsche Und ihm ausgesproche- nen Gefühle der Stadt? ein, indem er darauf- hinwies, daß der Dank für das Geschehene und Errungene nächst Gott an Se. Majestät den König gerichtet werden müsse, dessen weise Hand das glänzende Rüstzeug fo geformt , daß es auch dem mäctigeren ¿Feinde hatte entgegengeführt werden können. Bei allem Dank , bei aller Freude dürfe man nie vergessen, was Se. Majestät der Könt troß aller Schwierigkeiten zu erreichen gewußt. Jhm sei also die volle Ehré und die ganze Freude Ubekx den Erfolg zu“ weihen. Nachdem der Prinz den Ober-Bürgermeister no<h beauftragt , der Stadt Potsdam den Dank der Truppen für den so überaus freundlichen Empfang auszusprechen, seßten sich die unterdessen herängérückten Truppen in Bewegung und vorauf das 1. Garde * Régimént zu Fuf, dessen Tambours und Musik-Corps, so grün belaubt »wie der Wald von Dunsinan« , in das wieder ausbréchende und nun ununterbrochen fortwogende Hurrahrufen einfielen. Das Regi- ment steht nun seit dem Jahre - 1815 in Potsdam , hat hier Haus8- und Grundbesiß, Stiftungen und ift 1m bésten Sinne dés Worts bier eingébürgerkt, ja man weiß în der Armee wie im ganzen Lande, daß die beiden ersten Regimenter der Arnice, die Gardes du Corps diese sogar schon seit dem Jahre 1740 und das 1. Garde-Regiment z. F. untrennbar von Potsdam sind, daß Potsdam durch sie für die hohe Schule ‘des Heeres ilt, Wer hätte beim Ausmarsch des 1. Garde-Regiments im uni gedacht, daß wir seine fiegreichen Fahnen schon nach drei Monaten wiedersehen würden! Am Tage des Ausmarsches hatte si<h Se. Majestät der König schon früh Morgens 3 Uhr im garen hier eingefunden, um dem Regiment, dem er seit seinem 10. Lebensjahre, also am 1. Januar 1867 schon 60 Jahre lang angehört, Lebewohl zu sagen, Seine Worte damals zeig- ten, wie tief ergriffen der König von der schwierigen Lage des Landes, wie ungewiß, ja drohend von allen Seiten die Ausfichten waren. Lndlegt/ na kaum 12WochenempfingSe.Majestät der König das Regiment unter so wunderbar veränderten Umstän- den , denn noch hatte die Tête des Regiments das Berliner Thor nicht erreicht, als der Ruf: der König! der König! durch die Menge ging und wie der Bliß bis zur Glienicker Brücke weiterflog. In der That kamen Se. Majestät, von dem dienstthuenden &lügel-Adjutanten , Oberst-Lieutenant Grafen Kan igt begleitet, an den nun haltenden Truppen entlang geritten, nach allen Seiten grüßend, den Soldaten wie den Bürgern auf den ver- cinten Jubelruf mit freundlichen Worten und Handbewegung dankend. Später folgten auch die Königlichen Prinzen dem Ritte

bis zur Havelbrücke und kehrten dann mit Sr. Majestät zum Thore |

zurück, worauf der eigentliche Einzug erst begann, welcher vom Berliner Thore bis zum Kanal, dann diesen entlang bis zur Nguec- ner Brücke, über diele durch die Hohewegstraße bis zur Schloßstraße, dann die ganze Schloßstraße entlang, beim Rathhause vorbei, bis an das; Brückenportal des Lustgartens ging. Schon bei der Kommandantur hatte der König, umgeben von- Jhren Königlichen Bohclen dem Kronprinzen, den Prinzen Karl, Friedrich Karl und Albrecht Vater die Truppen defiliren sehen' und begab. fi< dann in den Lustgarten, wo nun der eigentliche Vorbeimarsch in gewohnter Art erfolgte, Nach dem- selben brachten die Truppen mit einer Compagnie oder Escadron die Fahnen und Standarten in das Königliche Schloß ab, und wurden dann in ihre Kasernen und Bürgerquartiere entlassen. Außer dem 1. Garde-Regiment zu Fuß rückten. die beiden hier

garnisonirenden Escadrons (4 Compagnieen) des Regiments der |

Gardes du Corps, das Garde-Jáger-Bataillon, das Garde - Husaren - Regiment, das 1. und 3. Garde- Ulanen - Regiment ein. Heute Abend elne allgemeine, glänzende Erleuchtung der Stadt und morgen die festlihe Bewirthung der ganzen son, theils dur< Einladung an den Tisch der Ürger, theils in Ossentlichen Lokalen , und am 26. das große Diner 1n den Sälen des Schüßenhauses statt, welches die städtischen Behörden dem Offizier-Corps und. Deputationen aller Chargen der ver- schiedenen Regimenter geben und zu welchem, dem Vernehmen nah, Se. Majestät der Köni g Allerhöchstsein Erscheinen zu- gesagt. Es war ein Tag voller Erregung und Freude, ein Ab-

ganz der Stimmung und Bethätigung im ganzen weiten |

aterlande!

findet |

Garni- |

_ Münster, 21. September. (Westf. Merk.) Heute Nach- mittag langten mittelst Extra - Zügen von Franfkfürt a. M. kommend das General-Kommando des 7. rmee - Corps, dér Stab des 7. Artilleriè-Regiments, und die verschiedenen Branchen, wie die Feld-Intendantur, Feld-Proviant-Amt, Feld - Lazareth und Feld-Post 2., hier an. Sömit hätten nun Alle wieder die E Bem en, mit Ausnahme des 13. Infanterie- egiments, welches Meiningen noch beseßt hält.

Schleswig-$Dolstein. Altona, 22. September. (W. T. B.) Morgen wird der Kommandirende des \{le8wig - hol- steinshen Armeecorps, General v. Manteuffel, an der Spitze des 1. Bataillons des 2. schlesischen Grenadier-Regiments sei- nen Einzug in Schleswig halten. Der General Fließ is zum Kommandanten von Altona ernannt worden. Die 1n die Herzogthümer ecinrückenden preußishen Truppen werden an allen Orten auf das Festlichste empfangen.

. Hadersleben, 22. September. So eben rü>te unsere frühere preußische Besatzung, welche bei der Main-Armee an dem Kriege glorreich Theil genommen , nah Auflösung der Main- Armee wieder hier ein. Der Einmarsch glich einem Triumph- zuge. Der Amtmann unserer Stadt brachte ein dreifahes Hoch auf Se. Majestät den König von Preußen aus, in das die Truppen wie das sehr zahlrei versammelte Publikum begeistert einstimmten. Der Bataillons - Commandeur, Major v. Loe- bell, brachte hierauf ein Hoc auf die deutschen Nordmarken aus. Alsdann rü>ten die Truppen in ihre Quartiere.

Sachsen, Dresden, 22. September. (Dr. J.) Vom Kriegs- schauplagze in Böhmen zurückkehrend passirte heute Vormittag das Brandenburgische Kürassier-Regiment Nr. 6 (»Kaiser Nikolaus von Nußland«) mit klingendem Spiel durch unsere Stadt. Auch trissk heute no< das 6. Brandenburgische Jnfanterie-Regiment Nr. 92 hier ein, nimmt bis zum 23. d, Mts. Quartier und marschirt dann über Tharand weiter. Das hier garnisonirende 9. Garde-Grenadier-Regiment (»Königin Elisabeth«), welches den Einzugsfeierlichkeiten in Berlin beiwohnte, kehrt übermorgen Nachmittag in drei Extrazügen na< Dresden zurück. Das zu diesem Regiment gehörende Ersat-Bataillon is, von Breslau kommend, gestern Nacht hier eingetroffen.

„Meiningen , 20. September. (L. Ztg.) Heute Abend 6 Uhr is} eine höchste, von allen Ministern kontrasignirte Ver- ordnung vom Heutigen erschienen, welche wörtlich lautet :

»Wir, Bernhard, haben nach reiflicher und gewissenhafter Erwä- gung die Entschließung gefaßt; zu Gunjten Unseres vielgeliebten Soh- nes, des Erbprinzen Georg, Herzogs zu Sachsen, Hoheit und Liebden, auf die Regierung des Herzogthums Sachsen - Meiningen zu ver- zihten und sie an Höchstdenselben vom heutigen Tage an über- gehen zu lassen. Judem wir dies Unseren bisherigen Unter- thanen eröffnen, können wir es uns nicht versagen, ihnen für die Beweise der Treue und Liebe, mit welcher sie Uns während einer langjährigen Regierung so oft und herzlich erfreut haben, Unsern Dank auszusprechen und damit zugleich die innigsten Wünsche für ihr stetes Wohlergehen zu verbinden. Zugleich bestimmen Wir, daß Wir tfünftig den Titel »Herzog Bernhard zu Sachsen-Meiningen« führen werden. Urkundlich 2c. Meiningen, am 20. September 1866 im fünf- undvierzigsten Jahre Unserer Regierung. Bernhard Erich Freund.«

} _— Der neue Herzog Georg hat folgende Proclamation erlassen:

»An meine lieben Meininger! Tief erschüttert, daß die unerbitt- lichen Ereignisse dieses Jahres Meinen vielgelicbten Vater bewogen haben, den hochherzigen Entschluß zu fassen, Seine segensvolle- fast o0sährige Regierung niederzulegen, trete Jch Mein hohes Amt an. I flehe zu Gott, daß Er Mich stärke und erleuchte, Mir Kraft gebe, demselben mit der Treue und Hingebung vorzustehen, durch welche mein vielgeliebter Vater in \o seltener Weise Fürsten ein leuchtendes Vorbild war. Mit Liebe und Vertrauen komme Jh Euch entgegen ! Unterstüßt Mich in Meinem \<weren Berufe durch Euer Vertrauen !

Meiningen, den 21. September 1866. Georg. __— Lem gewesenen Staatsminister Frhrn. von Krosigk ist die Leitung der Staatsgeschäfte Übertragen worden. i

_Vaden, Karlsruhe, 22. September. (Karlsr. Ztg.)

Sicherem Vernehmen nach wird der La ndtag auf den 5. odex 6. Oktober einberufen werden. __ Der. Präsident des Großherzoglichen Staatsministeriums, Herr Staatsminister Mathy, ist heute früh nah der Mainau abgereist, um Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog persönlich Vortrag zu erstatten.

In Folge eines mit der Kaiserlich französischen Negierxrung getrosfenen Uebereinkommens wird die Erhebung der Paßvisa- Gebühren von beiderseitigen Staatsangehörigen mit dem 1, Oftober d. J. ihr Ende erreichen. und von Seiten des Groß- herzoglichen Ministeriunmis des Înnern die auf Erhebung jener Gebühren bezügliche Verordnung vom 18. Mai 1858 gleichzeitig außer. Kraft geseßt werden. /

Württemberg, Stuttgart, 20. September. (Karlsr. Zeitg.) Von den 14 Millionen des neuen Staatsanlehens ift hon ein so bedeutender Theil baar einbezahlt, daß die acht Millionen nach Berlin bereits verabfolgt und dafür die depo: nirten Staats-Obligationen zurückgezogen werden konnten.

' Parlament8wahlen,

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Desterreih. Wien, 22. September. Die »Wien, Ztg.« | veröffentlicht ein Kaiserliches Handschreiben, datirt Schönbrunn, den 15. September, wel<es lautet: »Lieber Herr Vetter Feld- marschall Erzherzog Albrecht! Jh ernenne Euer Li ebden zum Armee-Oberkommandanten.« : ;

Prag, 21. September. (W. Ztg.) Von Kriegss\chäden werden dur< den Staat vergütet: Militairprästationen für österreichische und sächsishe Truppen, Expropriationen zu Mili- tairzwe>en und Schäden an Privatgut, zugefügt auf Anord- nung österreichischer oder sächsischer Truppenkommandanten, Operationsschäden in Folge eines Kampfes oder einer Marsch- bewegung werden nicht vergütet. Für an den Feind geleistete Práästationen besteht zwar keine geseßliche Verpflichtung zur Er- saßleistung, jedoch wird nah Maßgabe des erhobenen Bedarfes der Staat die dem Feinde geleisteten Contributionen und durch den Feind erhobenen Requijitionen vergüten. I

(Bohemia.,) Die Preußen haben in der Ferdi- nandsfkaserne in Karolinenthal ein Lazareth mit mehrern hundert Kranken zurückgelassen. Von der Kaferne weht die weiße Fahne mit dem rothen Kreuze und oberhalb des ‘Ka- sernenthores ist eine Tafel angebracht mit der Jnschrift: » König- lich preußisches Kriegslazareth.« Eine Garde - Krankenträger- Abtheilung is zur Bedienung der Kranken gleichfalls zurü- geblieben. Wie wir hören, wird für die kranken Preußen eben ein anderes Gebäude ausgemittelt, weil die sehr geräumige Kaserne zur Unterbringung der K. K. Truppen benöthigt wird.

Niederlande. Haag, 22. September. Das Budget pro 1867, das heute der Zweiten Kammer vorgelegt worden, berechnet die Einnahmen auf 98,500,000 und die Ausgaben auf 97,000,000 Gulden. Die außerordentlichen Ausgaben für die Marine find auf drei Millionen angeseßt. Eine außergewöhn-

liche Staatsschuldentilgung wird nicht stattfinden.

Großbritaunien uud Irland. London, 21. Sep- tember. Eine Deputation der Liverpooler Handelskammer be- ab sih gestern an Bord des »Great Eastern«, um dem apitain desselben, Herrn Anderson, Namens der Liverpooler Kaufmannschaft zu dem Gelingen des großen Unternehmens Glück zu wünschen und ihre tiefe Bewunderung L R für die nautische Tüchtigkeit, den wissenschaftlichen Erfindungs- sinn und die unerschütterliche Ausdauer, die troy aller, Schwie- rigkeiten, AbschreEungen und Mißerfolge eine der großartigsten Unternehmungen der neueren Zeit zu einem glücklichen Ende hrt. : geit Eiù eben erschienener Ausweis giebt eine Uebersicht der den Kandidaten zur Last fallenden legalen Kosten der lezten Von 31 Wahlkörpern fehlen die Be- re<nungen noch und. von 26 andern sind sie erst unvollständig bekannt. Die Kosten betrugen in den Grafschaften von Eng- land und Wales Pfd. St. 315,666, in den Wahlfle>en und Städten Pfd. St. 315,994, in den ländlichen Wabhlbezirken Schottlands 32,244 Pfd. St., in den schottischen Städten und Fle>en 19,481 Pfd. St., in den, ländlichen _ Wahlbezirken Le lands 44,801 Pfd. St. und in den irischen Städten und Fle>en 24,610 Pfd. Tecolraft Ganzen also- 752,607 Pfd. St. lediglich ekmäßiger Wcrhlkoîtken. e : i E September. Jhre Majestät die Königin wird bis Ende des nächsten Monats aus dem Norden in Windsor zu- rüderwartet. Der Prinz und die Prinzessin von Wales werden wahrscheinlich demnächst fich nach Rußland begeben, um der Vermählung des Czarewicz mit der Prinzessin Dagmar beizuwohnen. | "n Liverpool sind wieder mehrere . Fenier verhaftet und Waffenvorräthe in Beschlag gelegt worden.

Frankrei. Paris, 21. September. _ Gegen Ende dieses Monates wird der neue Minister des Aus8wärtigen erwartet werden können; der Marquis von Moustier hatte laut den neuesten Briefen aus Stambul sich vom Großherrn bereits ver- abschiedet und Vorkehrungen zu seiner Abreise mit dem nächsten Jostdampfer getroffen. 4 . E R L E Belge« bringt folgendes, aus _Paris, 21, September, datixtes Telegramm: »Die mexikanische Ginanz- Kommission fährt fort, die Coupons der rü>ständigen mevzika- nischen Obligationen zu bezahlen und die bei der Ziehung am 2. Juli herau8gekommenen Obligationen einzulösen, « 4

22. Septembex, Der Kaiser, der gestern Abend in Biarriß eintraf, bleibt ungefähr drei Wochen dort.

F Italien. (W. T. B.) Berichte aus Messina, vom 20. “Abends, melden, daß am vergangenen Sonntag zehn mit Truppen ‘beladene italienische Schiffe in Palermo eingetroffen sind und den Kampf mit den Insuxgenten unterhalten haben, Ver R auerte am 20, no< fort. Die Insurgenten haben en, DUeE ions - Comité gebildet, Die Truppen waren 1m Besiße des

Königlichen Palais und der Bank, worin si< 16 Millionen Lires befinden. Man glaubt, daß die Bewegung bald unter- drückt sein wird.

Griechenland. Das griechische Kabinet hat aus Anlaß der Bewegung auf der Jnsel Kandia an die Kabinette der drei Shußmächte_ eine Beschwerdeschrift gerichtet. Dieselbe be- ginnt mit einem Hinweise auf die seit vier Monaten andauernde Krisis auf der Jnsel Kreta, dur< welche die Leiden einer mehr als 200,000 Seelen zählenden christlichen Bevölkerung, wic das Ungenügen der zur Abhülfe ' angewandten Mittel erwiesen seien, und versichert dann, daß Griechenland seiner Mission als ächter christlicher Staat des Orientes nicht na<hkommen würde, wenn es sich zu der jammervollen Lage der mit ihm spra<- und stamm- verwandten Unterthanen des türkischen Reiches Mecgullig verhielte, Das athenische Kabinet glaubt daher seine Stimme erheben zu müssen, um auch andere Mächte zu veranlassen, ihre Protestationen den seinigen anzuschließen. Es folgt dann ein Rückbli> auf die Geschichte der Jnsel seit dem griechishen Unabhängigkeitskriege, an dessen Hoffnungen und Leiden ihre Bewohner einen hervor- ragenden Antheil genommen hätten, wie dieselbe dann von den Londoner Konferenzmächten gegen den Rath ihrer Gesandten am goldenen Horn wieder unter türkische Herrschaft gestellt worden sei, wie sie im Jahre 1840, als Mehemet Ali seine Un- abhängigkeit errang, auch die ihrige glaubte erhoffen zu dürfen U. f. w. Untermischt if diese historische Rückschau mit vielen Klagen Über die schle<te Regierung und die unerhörten Grau- samfeiten, welche von den Türken angeblich zur Aufrechterhal- tung der Ordnung begangen worden seien; dann werden vier Gruppen von Garantieen aufgestellt, welche die Pforte theils auf Betreiben der fremden Mächte, theils aus eigenem Antriebe gegen die Kreter und Samosianer übernommen habe: 1) durch das Londoner Protokoll vom 20. Februar 1830, 2) durch die im Jahre 1840 neu an sie gerichteten Empfehlungen der Schußtz- máächte, 3) dur<- den Hatti Humayum von 1858, 4) durch die nah dem Aufstande von 1558 gemachten Zusagen. Folgen neue Beschwerden und die Versicherung, daß keine jener Garan- tieen jemals gehalten worden. Unmöglich sei, die Leiden der Kretenser während- der leßten 36 Jahre zu s{ildern. Dann geht die Schrift zur Erzählung der gegenwärtigen Ereignisse Über, welche im April dieses Jahres durch eine Bolksversamm- lung bei der Stadt Kanea begonnen hätten. Diese Versamm- lung habe Repräsentanten gewählt , die zu Kußanaria zusam- menfamen und denen sich solche der Städte Kanea und Re- thimo, wie die Bischöfe von Kydona und Kissamos anschlossen. Von diesem Comité wurden zwei Denfkschriften , eine für die Schußmächte, die andere für den Sultan, verfaßt, in denen der Patriotismus der Klugheit untergeordnet und nur berechtigte Bitten um bessere Zustände vorgebracht worden seien. Die Pforte habe jedo hierauf nur dur< Anwendung von Gewalt- mitteln geantwortet, ein aus Türken und Aegyptern bestehendes Heer von 32,000 Mann nach der Infel gesandt, bei welchem fi< cin Derwisch befand, der öffentlich den Chrifstenmord predigte, und der Großvezier habe unterm 22. Juli an den Gouverneur der Jnsel ein Schreiben gerichtet, in welchem er ihm eine rückfichtslose Behandlung der Jnsurgenten empfehle. Unter schließlihem Hin- weise auf die Megteleien in Syrien und Aussprechen der ernst- lichen Befürchtung, daß dieselben ih auf Kandia wiederholen möchten, indem vom türkischen Fanatismus das Schlimmste zu befürchten sei, konkludirt die Schrift in ziemlih unverhüllten Ausdrücken die Vereinigung dieser Insel und der von Samos mit dem hellenis<hen Stammlande.

Fußland und Polea. Von der polnischen Grenze- 20. September. (Ofts. Ztg.) Große Mißstimmung hat im Königreich Polen die Kunde erregt, daß von den in diesen Jahre dort auszuhebenden Rekruten kein Theil im Lande blei ben , sondern das ganze: Kontingent nach- Rußland zur Einstel- lung in dortige Regimenter abgehen wird. Jm vorigen-Jahre wurde cin Theil / der aus8gehobenen Rekxeuten im Lande zurück gelassen. Die Eintheilung der Stadt Warschau. in 12 rômisch- katholische Parochieen (statt der bisherigen 6) ist jeßt zur Aus- führung gebracht worden.

Schweden und Norwegen. Stockholm, 18. Septem- ber. (Q. S Malelien der König und die Königin, so wie Se. Königliche Hoheit der Herzog von“ Oestergöthland und Prinzessin Louise sind gestern Morgen mit dem zum ersten Male: von E nach Upsala fahrenden Eisenbahnzuge nach Upsala abgereist. na Lehn's Landsthing. war - heute, Mittag um 12 Uhr zusammengetreten, um Mitglieder für das Lehn der Ersten- Kammer des Reichstages zu wählen. Gewählt“ wurden Graf voa Uggias mit 31 Stimmen, Königlihe-Secreiair Odel-

berg mit 30, Justizrath Almqvist mit 28:und'Freiherr' A.

Cederström mit 19 Stimmen.