1888 / 48 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Rumänien. 16. April, 3 Uhr. General-Direktion der Staatsmonopole in Bukarest, Victoriaftraße 109. Lieferung der für die Zündhölzchen- fabrik in Bukarest-Filaret für das Jahr 1888/89 erforderli en Materialien, und zwar: Stearin 2 20 000 kg Kolophonium s 33 000 Dünner Terpentin . . Weißer Phosphor Miniuum . S e A Dextrin für Pasta . i A Di>er Lak . Spiritus uhsin. lau-Anilin . . Rother Schella> Di>ker Terpentin Kreide . Stärke . Dextrin G s E Pappe für Pakete und Umhüllungen

appe für Schahteln . .

tiquetten für Schachteln Banderolen für dieselben

Brettchen für Rahmen _. . ., 500 Kaution 5%. Näheres an Ort und Stelle.

Verkehrs - Anstalten.

Aachen, 21. Februar. Die erste englische Post vom 21. Februar (über Ostende) ist ausgeblieben. Das Schiff ist wegen ungünstiger Witterung verspätet in. Ostende eingelaufen.

Norddeutscher Lloyd in Bremen. (Leßte Nachrichten Über die Bewegungen der Dampfer.) New-York- und Baltimore-Linien :

estimmung Bremen Bremen

ae C OWUODO . 40 000 000 Stü .40(00000

15, Febr. von New-York. 18. Febr. von New-York. Rae Bat 18. Febr. in New-York. New-York 20, Febr. in New-York. New- Vork 16. Febr. von Southampton. New-York 19, Febr. von Southampton. Bremen 15. Febr. von Baltimore. Baltimore 8, Febr. von Bremerhaven.

Brasil- und La Plata-Linien: Vigo, Bremen | 17. Febr. Santa Cruz passirt. Vigo, Bremen ] 10, Febr. von Buenos Aires.

v Leipzig“ : Vat , a l a on Baltimore Antwerpen, Bremen |18. Febr. von Bahia. T a4 in Montevideo. 6. Febr.

„Straßburg“ La Plata „Hannover* L La Plata Las Palmas paff. „Berlin i Brasilien 13. Febr. St. Vincent pass. „O, Vigo, La Plata ] 19. Febr. in Coruna. „Weser“ . . [ Madeira, Santos | 20. Febr. von Bremerhaven. Linien nah Ost-Asien und Australien: „Ne>kar“ . Bremen 17, Febr. von Port Said. Bremen 18. LEe in Hongkong. Ost-Asien 18, Febr. in Singapore. Ost-Asien 20. fe von Genua.

„Braunschweig * „Sachsen“ .. Preußen“ . : Hobenstaufen“ i; Bremen 18 Febr. von Genua.

„Nürnberg“ . Bremen . Febr. von Adelaide. „Habsburg“ . Australien | 13. leb in Adelaide.

„Salier“ Australien 18, Febr. in Aden.

Hamburg, 22. Februar. (W. T. B.) Der Postdampfer „Rhaetia“ der Hamburg-Amerikanischen Da L Aktien-Gesell\s<aft ist, von New-York kommend, heute Vor- mittag 11 Uhr auf der Elbe eingetroffen.

In Folge außergewöhnli< starker Schneefälle sind seit dem 20, d. M. die telegraphis<hen Leitungen in Ober- Italien und in der Schweiz an vielen Stellen gestört. Es

erklären \i< hierdur< die in den leßten beiden Tagen mehr- fa< vorgekommenen Verzögerungen in der

legramme na< und von der Schweiz und Ober-Jtalien; die Leitung der leßteren Telegramme hat meist auf dem Umwege über München bezw. Wien erfolgen müssen. Bekanntlich bestehen unterirdishe Leitungen in Italien und in der Schweiz zur Zeit no < ni<t. Die italienishen und die \<weizerishen Telegraphen- verwaltungen find übrigens wit allen Mitteln bestrebt, die Störungen auf das S(leunigste zu beseitigen.

Theater uud Musik.

Wallner-Theater. Zum 46jährigen Künstler - Jubiläum Karl Mittell’s veranstaltet Hr. Direktor Hasemann am nächsten Sonnabend im Wallner - Theater cine Benefiz - Vorstellung, in welher die bestbekannten Einakter: „Der Zigeuner“, „Ein delikater Auftrag“ und „Ein moderner Barbar*“ zur Aufführung gelangen. Hr. Karl Mittell, der \sih hier, wo er am Wallner- Theater fo lange Jahre in verdienstvollster Weise künstlerish thätig war, der n Beliebtheit erfreut, tritt an diesem Abend zum leßten Mal in feinen Glanzrollen auf, da dem Künstler, der acn eines Augenlichts fast ganz beraubt ist, die fernere \chauspieleris e hâtigkeit versagt ist: Grund genug, daß das Ber- liner Publikum Hrn. Mittell an seinem Ehrenabend seine Sympathie dur zahlreichen Besuch zu erkennen gebe. -

Belle-Alliance-Theater. Die Matinee, welhe am Sonntag für die hinterbliebene Familie des verstorbenen Schauspielers Achterberg im Belle-Alliance-Theater stattfindet, scheint sehr interessant zu werden, da nicht nur viele der ersten Mitglieder von verschiedenen Theatern darin gemeinsam wirken werden, sondern weil au< das auf- gestellte Programm höchst belustigend und unterhaltend zu werden verspricht. „Zur Aufführung kommen: „Der Kurmärker und die ee eine einaktige Gesangéposse mit dem Titel „Vermischtes“, erner „Die {ône Galathee“ und eine von Frau Marie Geistinger vorgetragene Soloszene.

Die Concertsängerin Frau Teresa To si veranstaltete gestern im Saale der Sing - Akademie unter Mitwirkung des Pianisten Hrn. Rudolf Panzer einen Lieder-Abend, in welchem sie eine sehr reie Anzahl von Liedern vorwiegend neuerer Komponisten zu Gehör brate. Bereits am 11. d. M. hatte si die Sängerin an einem Concert des Hrn. Panzer betheiligt und waren ihre künstlerischen Leistungen mit sehr lebhaftem Beifall aufgenommen worden. Die volle und weiche Altstimme sowie die eingehende und lebendige Aus- dru>êweise kamen gestern noch ganz besonders zur Geltung, da die Künstlerin sowohl Lieder elegishen, als au< heiteren und idyllis<h-gemüthvollen Ckarakters mit gleicher Beherrschung des Ausdru>s vorzutragen verstand. Das Lied: „Wenn der Herr ein Kreuze {i>t“, von Radecke wie das Programm sagt, ein Lieblings- lied Sr. Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen sang sie mit tiefster Empfin- dung. Ebenso gelangen ihr das poesievoll gehaltene Lied von Schumann : „Waldesgespräch“, ‘Leßmann's beliebte Komposition: “,Mir träumte von einem Königskind“, und die Lieder von Jensen, Schubert, Men- delsfohn, Rubinstein und Anderen. Reicher Beifall ersholl nah dem Vortrage eines jeden Liedes. Hr. Panzer bewies wiederum die Vortrefflihkeit seiner gut ges<hulten Technik und die verständniß- volle Art der Auffassung in dem Vortrage der großen C-dur-Phantasite von S umann und mehrerer kürzerer, schr beifällig aufgenommener Klavier log F

Am Freitag, den 24, d. M. (74 Uhr), veranstaltet der Pianist Hr. Frederic Lamond in, der Sing-Akademie ti n E oniGen Orchester (Kapellmeister Gustav Kogel) ein

rt.

Mannigfaltiges.

An den folgenden Donnerstagen, den 23. Februar, den 1. und 8, März cr., wird an den hiesigen Anschlagsäulen die Vecöffent- lihung der das neue Wehrgeset betreffenden Bekanntmachungen wiederholt werden.

Die Vereinigung der Steuer- und Wirthshaf18s- reformer hat heute Vormittag im Saale des Architektenhauses ibre 13. Generalversammlung abgehalten. Freiherr von Mirbach (Sorquitten) eröffnete die Sißung um 102 Uhr mit einer Ansprache,

Beförderung der

\{loß. Erster Gegenstand der Tagesordnung war d Sat E E I Seorbneln R pas den beutigen “etrag v age, die zu i Kredit-Insfitue. zufünflige Reichsbank und die landschaftlichen Resola 0E Diskussion nahm die Generalverfammlung folgende Der esammte LewiribsGafili& ._»Der gesammte landwirths<haftlihe Grundbesitz ist b nisation ¿58 dem Muster der Lanalaelien zu vereinigen Dicsaile l enschasten unter Aufsi un t mit dem Ret der Ausgabe von Rentenbriefen.“ E h A ; j ,_ „Die Eenerakversammlung der „Vereinigung der Steuer- Wirthschafts- Reformer“ rihtet an den Reichskanzler L wiederholt dringende Bitte: 1) Dur Herbeiführung der internationalen Doppelwährung der dur< die Goldvertheuerung und die Valuta- Differenzen in \{werer Nothlage befindlichen Landwirthschaft durh- greifende und nahhaltige Hülfe zu gewähren. 2) Die General- Reibobene n a L E nt den baldigen Ablauf des nt-Privileg e U ‘berei j S Neidsbank U den Besiß des Rie ercitung der Ueberführung , oweller Vegen|tand der Tagesordnung: der Zwischenhandel seine Bedeutung, seine G ür di ion, i ür qu vandirth| at efahren für die Produktion, insbesondere für le Verjammlung erklärt sih hierauf mit folgend des Dekonomie-Raths von Mendel Aae 1 Die Vereint att der Steuer- und Wirthschafts-Reformer“ erkennt in dem in Zahl und Ansprüchen über das natürlihe und nothwendige Maß hinaus entwidelten Zwischenhandel eine wesentliche Schädigung und Gefährdung der Landwirthschaft. Ihre gegenwärtige Noth- lage läßt diesen Uebelstand doppelt \{<wer empfinden. Die Ver- einigung wünscht deshalb die allgemeine Aufmerksamkeit der Land- wirthe auf diesen Zwischenhandel zu lenken und empfiehlt zur Be- tämpfung desselben die Gründung genossenschaftlicher Vereinigungen g: gie eie die O geseßliher Maßregeln arenwucher, sowie weit Gebiet des Kredit- und Teantpobbwéens. O

Dem soeben zur Versendung gelangten Be richt des Krieger- vereins Meg über die Shmü>ung der Kriegergräber in Lothringen dur die Kriegervereine im August 1887“ ent- nehmen wir Nachstehendes : Der Kriegerverein Meß weihte am 7, August das den in den Kämpfen um Mey in vorderster Reibe ver- wundeten, von den Franzosen als Gefangene in die Festung verbrachten und in derselben verstorbenen deutshen Kriegern errihtete Denkmal ein. Am 14. August fand die allgemeine Kriegergräbers<müd>ung auf den Schlachifeldern um Mey durch- die Mitglieder des Vereins und am 18. August die Schmü>kung der Kriegergräber und Denk- mäler in St. Privat und in der Umgebung dieser blutgetränkten Stätte, und zwar in Gemeinschaft mit auswärtigen Kameraden, welhe theilweise aus der Qa herbeigekommen waren, statt. Außerdem ließen si die Kriegervereine Forba<h, Château- Salins, Bolchen, Vitsch, Diedenhofen, Ars a, M, Groß-Moyauvre und Niederbronn die Aus\{hmü>ung der in ihrer Nähe belegenen Kriegergräber und Denkmäler angelegen sein. Erfreulich ist die Mit- theilung, daß die Gräber und Denkmäler überall gut erhalten sind, was dem thatkräftigen pietätvollen Andenken, wel<hcs die lothringis<en Kriegervereine ihren gefallenen Kriegskameraden bewahren, in erster Reihe zu verdanken is. Die zur Schmü>ung der Kriegergräber um Meß im vergangenen Jahre sowie zur Errichtung eines Denkmals auf „_ dem Garnison - Kirhhof in Mey einge- angenen Beiträge bezifferten \< auf 3858 16 H. avon sind verausgabt : für die Schmü>kung der Krieger- gräber am 14. und 18. August 1887 2888 M 38 (u. a. je 50 M zur Errichtung eines Kriegerdenkmals in Bischweiler und in Sier> und 200 „M zur Instandseßung von Gräbern, reuzen, Denkmälern 2c.) und zur Errichtung eines Denkmals auf dem Garnison-Kir<hof in Mey 547 t 99 S; mithin Gefammtausgabe 3435 4 23 F, Der verbliebene Bestand von 422 #4 23 4 ist zur Bestreitung der im Laufe des Jahres für die Unterhaltung und Reparatur der Krieger- gräber und Denkmäler erwachsenden Kosten bestimmt. Schließlich euer Ung, a 4 C S der Gräber und

i ale ausgesprochenen ünshe mit der größtmögli Gewissenhaftigkeit Berücksichtigung gefunden haben. E

die mit einem Hoh auf Se. Majestät den Kaiser und Könio

Wetterbericht vom 22. Februar 1888,

Oper in 3 Akten von Richard Wagner.

(Lohen-

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8 r Morgens.

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fius 49 R.

Stationen. Wind. | Wetter.

Temperatur

red. in Millim. |= in 9 Cel

Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeres

762 bede>t 3\wolkig 770 O wolkig ONO heiter

Mullaghmore 6 3 1 3 766 2 Nebel 4 2 1

Aberdeen .. Christiansund Kopenhagen . Stockholm . Saa ¡

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1506.

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wolkig 762 bede>t 767 bede>t

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Cork, Queens- town ..… .. | 760 4halb bed. 1 elder... | 758 4 bedet —3 ylt : 761 4wolkig —3

Hamburg . . | 760 1heiter) | —10

Swinemünde | 762 3/heiter

Neufahrwasser| 764 halb bed.

Memel 766 wolkig —16

Münster. ; ; 756 bede>t Karlsruhe . . | 753 beded>t2) Wiesbaden . | 754 Schnee

—0 —1 —2 —1 —8 L

757 bede>t

760 halbbed.3) 754 bede>t —3 758 bede>t —9

Wien .... Breslau .

1 2 4 2 1 751 ; bede>t 4 1 4 Ul

Ut

es Schneehöhe 3 em. Schneehöhe 3 ecm. : Uebersicht der Witterung.

Ueber Nordost-Europa is an Stelle des baro- metris<hen Maximums eine Depression getreten, während ein neues Maximum westli<h von Nor- wegen erschienen ist. Ueber Central-Europa ist das Wetter kalt, vorwiegend trübe, im Norden bei fri- sen östlichen, im Süden bei leichten, umlaufenden Wirden. Eine Zone großer Kälte verläuft der deutschen Küste entlang, Borkum meldet 5, Ham- burg 10, Rügenwaldermünde 17, Königsberg und Memel 16 Grad unter Null. Shneehöbe in Ham- burg und Berlin 3, Chemniy gestern 7 em.

‘Deutsche Seewarte.

I Theater - Anzeigen.

Königlihe Schauspiele. Donnerstag: Opern- haus. 49, Vorstellung. Lohengrin. Romantische

792 \till|wolkig 3

2) Nachts Schnee. 3)

grin: Hr. Anton Schott, als Gast.) Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. 53. Vorstellung. Auf glatter Vahn, Lustspiel in 4 Akten von Heinrich Heine-

E N 7 E i Freitag : pernhaus. 50. Vorstellung. Der Saa, oder: Die Stimme der Natur. Komische Oper in 3 Akten von Albert Lorßing. Dichtung frei na< Koßebue. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus: 54. Vorstellung. Ein Sommer- nachtstraum von Shakespeare, überseßt von A. W. von Schlegel, in 3 Akten. Musik von F. Men- 7 ohn-Bartholdy. Tanz von E. Graeb. Anfang r. j

Deutsches Theater. Donnerstag: Die be- rühmte Frau.

S Pon Berlichingen.

Sonnabend: Die berühmte Frau.

Die nächste Aufführung von Romeo und Julia findet am Sonntag, den 26. Februar, ftatt.

Wallner-Theater. Donnerstag: Zum 8. Male:

Orgelpfeifen. Volks\tü>k mit Gesang in 4 Akten von Leon Treptow und L, Herrmann.

Freitag : Orgelpfeifen.

Sonnabend: Einmaliges Auftreten und Abs\cieds- Benefiz des Hrn. Carl Mittell zu seinem 40 jährigen Künstlec-Jubiläüum. Der Zigeuner. Genrebild in 1 Akt von A. Berla. Ein delikater Auf- trag. Lustspiel in 1 Akt von A. Asher. Ein moderner Varbar. Lustspiel in 1 Akt von G. v. Moser. (Peti, Leonce von Champ-Tourné, Constantin von Horn: Hr. Carl Mitell.)

Pictoria-Theater. Halbe Preise! Donnerstag: Zum 590. Male: Die Reise um die Welt in 80 Tagen, nebst einem Vorspiel: Die Wette um eine Million. Großes Ausstattungs\tü>k me Ae D Tr U und B Verne.

reitag und folgende Tage: e Rei die Welt in 80 Tagen, : E

Walhalla-Theater. Donnerstag: Gastspiel der Mdlle. Decroza und der französishen Operetten-

<ürmann Zum 2. Male: Girollé-Girofla, Opéra bouffe en 3 actes de M. M. Albert Vanloo et E, Lerrier. (Giroflé - Girofla Mlle. Francine Decroza,) Freitag: Dieselbe Vorstellung.

Iriedrich - Wilhelmstädtishes Theater.

Donnerstag: Zur Feier des 40 jährigen Künstler- Jubiläums und Benefiz für Élise Stn nser,

SILO unter Leitung des Iupresario Mr.

Operette in 3 Akten mit freier Benußung eines franzöfis<hen Sujets von F. Zell. Anfang 7 Ur Freitag u. folgende Tage: Die Dreizehn.

Residenz-Theater. Donnerstag : Zum 62. Male

Francillon. Schauspiel in 3 Akten von A. D (Sohn). Deutsch von Paul Lindau. ia E Sreitag ; Dieselbe Vorstellung.

Belle-Alliance-Theater. Donnerstag : Gastspiel der Fr. Marie Geistinger mit den Mitgliedern des Friedri - Wilhelmstädtishen Theaters. Zum 22. Male: Die Salontirolerin. Posse mit Gesang in 2 Akten (4 Bildern) von Engelbert Karl und E. Jacobson. (Katharina und Midei Achenbacher : Fr. Marie Geistinger.) Anfang 7 Uhr.

Freitag u. folg. Tage: Die Salontirolerin.

Sonntag, den 26. Februar: Matinée zum Besten der hinterlassenen Familie des verstorbenen Schau- spielers Alexander Achterberg. Billets hierzu sind im Invalidendank, Markgrafenstr. 51a, und an der Kasse des Velle-Alliance-Theaters zu haben.

Central-Theater. Donnerstag: Vorlegte Vor-

A A N 174, De Lon eds Töchter. osse mit Gesang in ten von Mannftàä Scott, Anfang 73 Uhr. bai ua reitag : Höhere Töchter.

Sonnabend, 25. Februar: Mit ganz neuen Deko- rationen, Kostümen und Reqguisiten. M 1, Male 4 Die Himmelsleiter. Gesangsposse in 4 Akten von W. Mannstädt.

Concert-Haus. Donnerstag: Gesellschafts-

Concert des Kapell meisters Herrn Karl Meyder 76 Künstler (10 Solisten). Streich - Orchester 50 Künstler. /

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Circus Renz. Donnerstag: Die lustigen

Heidelberger , oder: Ein Studenten-Ausflu mit Hindernissen“. Große Original Pant —_— Auftreten der 5 Phänomene der Luft. „Agat“, arab. Schimmelhengst, dre}. und vorgef. von Hrn. Franz Renz. Erstes Auftreten der RP Ella. „Trepido“, Schulpferd, geritt. von Frl. Clotilde Hager. „Cobham® und „Kirhildis“, Vollblutspringpferde, geritten von Hrrn. Otto und EOT Me: Rd E en rren. Ausftreten der vorzü te Réitkünstlerinnen und Reitkünstler. idé erag A stel „Sonnabend: Gala-Vorstelung zum Bene die Schulreiterin Frl. Wagiier, : E

Sonntag : 2 Vorstellungen. E. Nenuz, Direktor.

neuer Ausstattung. Zum 14. Male: Die Dreizehn.

Familien - Nachrichten.

Verlobt: Frl. Elise Zielenziger mit Hrn. Ver- lagsbuchhändler Herm. Riemann (Berlin Frl. Emma Hartmann mit Hrn. Kaufmann Robert Fitel (Halberstadt—Berlin,) Frl. Linka Müller mit Hra. Mar Müller (Breslau—Berlin.) erl, Bertha Schneider mit Hrn. Hugo Goetze (Liebenwerda—Berlin). Frl. Emmy Müller mit Hrn. Baumeister Arthur von Pannewiß (Goslar a. H.) Frl. Agnes Wülbern mit Hrn. Hauptmann Hans Hermann von Kote (Hannover). Frl. Else Ulenberg mit Hrn. Joseph Wilhelm Scheffer (Opladen—Krefeld), Frl. Amande Rie>k mit Hrn. Lehrer Karl. Steiner (Biothen). Frl. Else Goedel mit Hrn. Dr. Eugen Krumi- hoff (Altenweddingen—Langenweddingen).

Verehelicht: Hr. Afsistenzarzt Dr. Max Migeod mit Frl. Gertrud Moldehnke (Königsberg). Pr a B mit Frl. Marie Uhlig (Kalbe

. S.—Zeit).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Landrath von Heydebrand (Breslau). Hrn. Hauptmann Bo- gislav von Kummer (Mainz). Hrn. Lehrer Hilger (Gr. Schweykowen). Hrn. Robert Keßler (Marienwerder). Hrn. Stationsvorsteher Weiskopf (Brühl). Hrn. Mar Fin>ke (Schöne- berg). Cine Tochter: Hrn. Georg Beer- mann (Berlin). Hrn. Buwhändler P. West- phal (Nossen i. S.), Hrn, Major von Besser (Rendsburg).

Gestorben: Frau Amélie von Molière, geb. von Plessen (Neustreliß). Frau Ritterguts- besißer Bertha Balthasar, geb. Mundt (Kassel.) Verw. Frau Henriette Köhler, geb. Bergmann (Stettin). Frau Rechnungsrath Therese ohr, geb. Urlaub (Potsdam). Frau Bertha Streich- au, geb. Kampffmeyer (Stor>ow). Frau Notar C. Schmit, geb. Vetter (Dresden). Hr. Kauf- mann und Fabrikant Wilhelm Kuhnert (Magde- burg—Bu>kau), Frau Oberförster Glisabeth Kostenbader, geb. Frey (Kannstatt). Hrn. Dr. Krause Tochter Hilda (Fischhausen). Frau Margarethe Stinne>e, geb. Zachau (Barleben).

Berlin:

man

Redacteur: Riedel. Verlag der Expedition (S {ol z).

Dru der Norddeutschen Bucdru>erei und Verlags-

Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Fünf Beilagen (einshließli< Börsen-Beilage).

Nichtamtliches.

Preußen. Berlin, 22. Februar. Jm weiteren Verlauf der gestrigen (42.) Sißung des Reichstages erklärte bei fortgesezter zweiter Berathung des Etats der Reichs- ost- und Telegraphenverwaltung bei dem Titel: ewilligung der Kosten zur Herstellung eines neuen Dienstgebäudes in Wurzen der Abg. von Friesen den Bau füx durchaus nothwendig. Es frage si nur, ob er {hon in diesem oder erst im nächsten Fahre aus- eführt werden solle. Die jeßige Finanzlage sei günstig; ob fe von Dauer sein werde, wisse man nicht. J

Dér Direktor im Reichs-Postamt Dr. Fischer berief si auf das Zeugniß der Mitglieder der Budgetkommission dafür, daß sih die Postverwaltung gegen die Abseßung der Position für das Dienstgebäude in Wurzen energish gewehrt habe.

Gleichwohl entschied si<h das Haus für die E :

Ebenso wurden nah dem Antrage der Kommission die Forderungen von 102800 4 zur Vergrößerung des Post- grundstü>s in Brandenburg a. H. und von 120000 6 zur Erwerbung eines Grundstü>ks in Spremberg abgelehnt.

Bewilligt wurden 75000 A als erste Nate zur Herstel- lung eines neuen Dienstgebäudes in Ratibor, ferner die For- derungen zur Vergrößerung des Telegraphengrundstüds an der Jägerstraße, zum Raa der Grundstücke Leipzigerstraße Nr. 17 und 18 und Mauerstraße Nr. 69, in der Nähe des Reichs-Postamts, und zur Vergrößerung des Postgrun stüds an der König- und Spandauerstraße in Berlin, eine Summe von 143 622 6 zur Vergrößerung des Postamtsgrundstü>ks in Danzig, 459 000 6 als erste Rate zur Vergrößerung des Postgrundstücks in Frankfurt a. M., sowie der Rest der ein- maligen und der außerordentlichen Ausgaben.

Bei dem Kapitel „Einnahmen“ fragte der Abg. Schult- Lupiz, ob nicht der Absender den Botenlohn für Telegramme auf das Land tragen müßte, ebenso wie der Absender eines Telegramms vom Lande dazu verpflichtet sei ; ferner, ob nicht das Bestellgeld von 30 Z für Packete auf das Land zu hoh bemessen sei, zumal in Folge der Vermehrung der Post- anstalten die Entfernungen für die Landbriefträger niht mehr so große seien. Jm Uebrigen müsse er als A es aussprechen, daß das energische Vorgehen der Reichs-Poftver- waltung wesentli<h dazu beigetragen habe, durch Belebung von Handel und Verkehr die Krise, in der sih die Landwirth- schaft befinde, zu mildern. Diese Anerkennung fei man aus der Volksvertretung heraus dem Leiter der Postverwaltung shuldig.

Staatssekretär Dr. von Stephan: :

Meine Herren! Es kann der Postverwaltung nur äußerst an- genehm sein, von so berufener Scite, wie aus der Mitte der Volks- vertretung heraus, ihre Bestrebungen anerkannt zu sehen. Im Uebrigen hat sie ja nur auf diesem Gebiet si<h bemüht, ihre Pfliht zu thun. Sie freut sih aber mit Jhnen des Erfolgs, der sowohl auf dem wirthschaftlihen Gebiete als auf dem i e Veias kulturellen dur< Vermehrung der Verkehrsanstalten auf dein Lande hervor- getreten ist, ein Erfolg, von dem i< Aen gar nicht verschweigen will, daß er au< für die Reichs-Postkasse cin sehr günstiger gewesen ist. Es hat sih hier dasselbe Prinzip bewährt, wel<hes Sie beobachten, wenn Sie neue Kulturmethoden einführen: im ersten Jahre kosten sie erheblihe Summen, aber sie bringen das reichlich wieder ein; und Anstrengungen und Ausgaben auf diesem Gebiet sind wohl no< niemals vergeblih gewesen. E3 wird, wie ih {on die Ehre hatte dem Herrn Abg. Dr. Baumbach zu erwidern, in solcher Weise ferner fortgefahren werden. j ,

Was nun die beiden Punkte betrifft, die der geehrte Herr Nbgeordnete, der eben gesprohen hat, erwähnte, so möchte ih zunächst, also in Ansehung des Botenlohns für die Telegramme Folgendes bemerken. Diese Frage ist in der That für die Landbewohner von einer Wichtig- keit, die von Seiten der Verwaltung in keiner Weise untershäßt wird. Diese Frage hat au< s<on eine Geschichte bei uns, die 30 Jahre zurü>rei<t. Im Anfang der Entwi>kclung, als nur wenige Postanstalten vorhanden waren, als die Entfernungen nah den Land- orten no< sehr weite waren, als es ni<t mögli<h war, bei der Ab- sendung eines Telegramms, wir wollen mal sagen von einem Ort der Rheinprovinz, z. B. Köln, uach einem Dorf in Ostpreußen zu wissen, wie weit die Entfernung des Orts von der nächsten Postanstalt war, und zu wissen, wieviel der Bote für den Gang beanspruchen würde: da war es unmöglich, cine Vorausbezahlung des Botenlohnes von dem Absender eintreten zu lassen. Die ganze Last dieses Boten- lohnes, wenn ih es so nennen soll ob es den Namen verdient, dar- auf komme i< nachher lag also auf den Sqcultern der Landbewohner. Das ging jahrelang fo. Es wurde das zunächst als ein unausweichliher Uebelstand empfunden, aber do< als eine Gestaltung der Dinge, die dringend der Abhülfe bedürfe. Die Frage wurde vielfach studirt; es wurden große Sta- tistifen des Verkehrs aufgestellt, um seine Bewegung in den ver- \hiedenen Provinzen zu erkennen. Wir kamen auf die Idee, ob es möglich sein würde, daß die Postkasse die Knien Kosten für die Be- stellung der Telegramme „auf dem Lande -übernähme gegen eine für das ganze deuts<he Gebiet einheitlih festzustellende und vom Absender einzuziehende Gebühr. Es war ja das ein Risiko für die Kasse, denn die Post mußte ja natürlich die Boten entschädigen, und es hing sehr davon ab, wie ho< man den Dur(@schnittsbetrag, der vom Absender zu erheben war, festseßte, ob die Post Schaden haben sollte oder ni<t. Es wurden darüber sehr ausführliche Statistiken aufgenommen, und s<ließli< fah man, daß es mögli sein würde, auf diesem ege zu einem vorläufigen, zwe>mäßigen Abschluß der prage zu gelangen. - Inzwischen kam uns die außerordentliche Vermehrung der Postanstalten und Telegraphen-Betriebs\tellen auf dem Lande sehr zu Statten. Im Jahre 1872, wel<es Jahr man immer als einen geeigneten Ausgangs- punkt nehmen muß, weil damals erst das Großherzogthum Baden in die Postgemeinshaft aufgenommen wurde und damit erst das jeßige Postgebiet seinen Abschluß erhielt —-/ also im Fahr 1872 hatten wir 5500 Post- und Telegraphenatistalten, und wir haben gegenwärtig, also nah 16 Jahren, deren 17 000. Dadurch

ind naturgemäß die Entfernungen der einzelnen Dörfer von den

ostanstalten sehr verringert worden und die Frage bekam dadurch ein neues, viel cinfaheret Gesicht. Es ergab si<h, daß, wenn man im Durchschnitt einen Sf von 80 Z Botenlohn für das Telegramm festseßte, die Postkasse es sehr gut übernehmen konnte, für diesen einheitli<hen Betrag Telegramme auf das Land an- zunehmen und die Boten aus dem Ergebniß dieses Betrags von 80 pro Telegramm zu moo en. Natürlich kam oft der Fall vor, daß wir 1, ja bis 2 6 zu cjáblen hatten, denn es kommen nicht allein die Entfernungen in Betra t, sondern auch die Wege-, die Witterungs- verhältnisse, z. B. Schneegestöber, und die Zeit der Bestellung, denn bei Naht geht der Bote viel weniger gern, als bei Tag, in dieser Beziehung

Erste Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

M 48,

Berlin, Mittwoch, den 22. Februar

hatte die Postkasse oft einen Ausfall. Dagegen kamen auch andere Fâlle vor, wo die Entfernungen kleiner waren und günstige Witte- rungs- und Wegeverhältnisse obwalteten, und die Summe von 80 über den wirklih an den Boten gezahlten Betrag hinausging. i

Diese Maßregel wurde also ergriffen vor etwa 8 Jahren i < habe die Jahreszahl nicht genau im Kopf. Es wurde \orgfältig verfolgt, wie sich die Cinnahme und die Ausgabe aus diesem Durchschnitts\ay stellten, und wir sind dabei immer auf das Ziel losgegangen, den Betrag, wenn es möglich sei, auf 60 4 zu ermäßigen. Es hat fic in der That herausgestellt, daß bisher die 80 4H \tets so zugereiht haben, daß von der Postkasse niemals ein Zushuß zu diesem Gesammtbetrage hat gezahlt werden müssen und daß wir uns, Dank der fortschreitenden Vermehrung der Postanstalten, dem Ziel immer mehr nähern, den Betrag zunächst auf 60 -Z herabzuseßen. Damit wird {hon ein wesentliher Theil der Beschwerden erledigt, die der Herx Vorredner angeführt har f .

Die Bezahlung für die Absender obligatoris<h zu machen, dazu möchte ih nicht rathen. Denn wenn auch der Herr Vorredner ver- schiedene Beispiele angeführt hat, in denen die Telegramme nur für den Absender von Nutzen sind, mithin ihm auch die Verpflichtung obliegen würde, das Botenlohn zu bezahlen, so giebt es umgekehrt gewiß eine große Zahl von Fällen, wo das Telegramm für den Empfänger, der auf dem Lande wohnt, von dem allergrößten Nußen und Werth ist. Es kann sich beispielsweise darum handeln, daß ein Leben in Gefahr ist eines theuren Verwandten, der in der Stadt wohnt, und da ist nicht zu verlangen, daß der Absender au das Botenlohn zahlen soll. Es würde >4s nur cine Abwälzung der ganzen Last auf die Schultern der Absender sein, während die Last ne e im Großen und Ganzen auf Empfänacr und Absender vertheilt its

Iq möchte no<h erwähnen, daß es in den Kreisen des Publikums viel zu wenig bekannt zu sein scheint, daß man mit Entrichtung von 80 H das Botenlohn frankiren kann. Es ist nit etwa böser Wille, nicht Absicht, sich dieser immerhin kleinen Zahlung zu entziehen, son- dern es geschieht das ledigli<h aus Unkenntniß dieses Um- standes. Wie weit manchmal die Unkenntniß geht in den betreffenden Einrichtungen, möchte ih bei dieser Gelegenheit noch damit beweisen, daß seit Jahren die Ginrichtung besteht, daß für Reisende, die \si< in einem Eisenbahnzuge befinden, die Postwagen, die in jedem Eisenbahnzuge laufen, die fliegenden &inahmestellen für Tele- gramme sind. Es kann Jedermann, der sich in einem Eisenbabnzuge befindet, ein Telegramm auf ein Formular schreiben und dur den Eisenbahn- \haffner zu dem Beamten im Postwagen s{<i>en mit dem nöthigen Geld, also 6 „5 pro Wort. Dann wird das Telegramm an die Postbeamten, die ja an jeder Station an den Eisenbahn- postwagen fommen, abgegeben und von dem betreffenden Orte aus augenbli>lih abtelegraphirt. Es werden in dieser Weise jährli<h no< niht 10 000 Telegramme expedirt; das ist gar ni<ts; cs müßten nah dem Umfang des Reiseverkehrs 100 000 expedirt werden, nament- lih viele in der Reisezeit. Die Einrichtung ist aber vielfah no<h unbekannt, wie auch die Einrihtung der Voraus8zahlung des Boten- lohns für Telegramme na<h_ dem Lande. Man benußt sie deshalb nit, um das Botenlohn zu sparen, sondera weil sie eben ni<ht genug bekannt ift. e

Der Herr Vorredner spra davon, daß auch für die abzusendenden Telegramme der Absender auf dem platten Lande Botenlohn bezahlen muß. Das können die Absender sparen, wenn sie die Telegramme dem Land- briefträger übergeben, welcher täglih zweimal nah jedem Dorfe kommt. Die ganze Frage wird si dadur regeln, daß die Postverwaltung ihrem Ziel, den Betrag von 80 Pfennigen. immer mehr, zunähst auf 60 Pfennige zu verringern, si< nähert und endlich dadur, daß die Vermehrung der Postanstalten die Entfernungen an si immer mehr verkürzt. Unser Jdeal wäre, daß in jedem Dorf eine Postanstalt existirt. Da wir aber gegenwärtig 17 000 Postanstalten und 146 000 Ortschaften im Deutschen Reich haben, so wird es erst meinem Nächfolger oder dessen Nachfolger blühen, diesen glü>lihen Moment zu erleben.

Was die Paketbestellungsfrage betrifft, so liezt es mit der ähnli<h. Ich räume ein, daß die Bestellgebühr von 30 K etwas hoch ist. Sie wurde damals eingeführt, um die Landbrief- träger für die größere Mühewaltung zu entschädigen, die ihnen dur Bestellung der größeren Packete erwächst. Sie findet nur Anwendung für die 6 ag über 10 Pfund; unter 10 Pfund wird eine geringere Gebühr erhoben. Der Betrag der Gebühr fließt den Landbcteftoägern zu und ist ihnen au<h zu gönnen; nah threm Kon- traft sind sie ja nicht verpflichtet, die Bestellung der s<wereren Pakete zu übernehmen. Je mehr der Paketverkehr si< ausdehnt, je mehr die Landbewohner den guten Schinken, die Eier, Butter 2c. in die Städte \hi>en und dafür aus den Städten die Industrieartikel beziehen, je größer der Verkehr wird, desto mebr werden wir den Betrag herunter- seßen können: es ist das eine Massenfrage. Außerdem, je mehr die Bohl der fahrenden Landbriefträger zunimmt was nicht bloß ein

unh der Landbewohner, sondern au<h der Verwaltung ist desto cher werden wir in der Lage sein, den Betrag herunterzuseßen, weil dann die A niht mehr getragen, sondern gefahren werden.

Insofern stimmt die Verwaltung vollständig mit Ihren An- sichten überein: es wird geprüft werden, wann eine Ermäßigung ein- treten kann, und sobald dieser Moment kommt, wird sie unsererseits schr bereitwillig in Krast gels! werden. : , :

Abg. Fürst Haßfeldt-Trachenberg: Wer die Zeitungen im vorigen Herbst gelesen habe, werde häufig darin den Passus gefunden haben: „Die englische Post jei ausgeblieben, weil sie in Ostende den Eisenbahnzug verfehlt habe.“ Die englische

ost gehe fe über Ostende, theilweise über Vlissingen.

ie Post über Vlissingen rege jedes Mal den Anschluß. Wenn dieselbe s{neller und sicherer gehe, warum werde sie nicht allein benußt?

Staatssekretär Dr. von Stephan: : |

Das Leßtere ist ni<t ganz richtig. Ein erheblicher Theil der ost, namentli die ganze Post, die na< dem Norden, den Hanse-

Lien, Dänemark, S<{weden u. #\. w. bestimmt ist, wird schon jeßt über Vlissingen S Ein Theil der ost wird aber Ostende verbleiben. Die Posten aus merika werden, wenn es irgend möglich ift, getheilt, in die für den Norden bestimmte und die für den Süden bestimmte, Darnach wird die Route über Vlissingen oder über Ostende gewählt.

Völlig richtig ist, was der Heer Vorredner gesagt hat, daß die Ans({lüsse in Ostende häufig versäumt worden sind. Es ist das auch der Aufmerksamkeit der Königlich O erung, wel<e diese Verbindung selbstverständlih mit sehr erhebli<hem Interesse leitet, niht entgangen. und sie hat ihrerseits alle möglichen Anstren- gungen gemacht, um den Verkehr zu verbessern. Daß dies noch nicht elungen, liegt an den Schwierigkeiten des Ostender Hafens und dec Berbältnisse Überhaupt.

Neuerdings hat die belgishe Postverwaltung mit erheblichen Kosten Anstrengungen gemacht, um bessere Schiffe mit verstärkter Fahrgeshwindigkeit einzustellen, die au<h mehr der Unbill des Wetters und des Seeganges gewachsen sind. L? eht darna<h zu erwarten,

daß die Anschlüsse verbessern werden. js Was n a über Vlissingen betrifft, so ist dieselbe von

vornherein mit ganz vorzüglichen Schiffen versehen gewesen. Es hat au dort an Anstrengungen nicht gefehlt, diese Route, die ja manche

1888.

Vorzüge besißt, immer mehr zu verbessern, Aber es waltet dabei wieder die Schwierigkeit ob, daß auf der Themse die Nebel beim Auslaufen der Schiffe sehr binderlih sind; die Schiffe können überhaupt nit zur reten Zeit auslaufen, oder sie können, was auh Verzögerungen hervorruft, weil die dihten Nebel auf der Themse sie tazu nöthigen, nur mit halber oder Viertelkraft gehen.

Es liegt das also ni<t an dem guten Willen. sondern in der Natur der Dinge. Das sird eben Verbältniffe, denen die menschliche Macht nicht widerstehen kann, das ift die vis major, mit der wir hier zu kämpfen haben. Wir werden es nicht an Mühe feblen lassen, diesen Uebelstand zu beseitigen. Die Post von Amerika ist viel zu wichtig, als daß wir nicht danach streben sollten, dieselbe so schnell wie mögli< zu befördern. Könnten wir von der See unabhängig lon dur die Luft gehen, dann würden ja die Anschlüsse erreicht werden.

Abg. Woermann: Daß die Postbesörderung niht mehr aus\<hließlih über Ostende, sondern jeßt au<h über Vlissingen geleitet würde, sei eine wesentlihe Verbesserung unserer Ver- bindung mit England; aber er möchte fragen, ob es nicht möglich sei, diefe Verbindung no< mehr über Dover und Calais zu dirigiren. Das sei der kürzeste Seeweg und deshalb die Post am sichersten. Die Sicherheit, welche die Postverbin- dung über Vlissingen gegenüber der Verbindung über Ostende biete, sei immerhin no<h nicht ganz genügend, man habe troß dieser Verbesserung in den leßten Monaten sehr erhebliche Verspätungen und Ausfälle der englischen Post gehabt.

Staatssekretär Dr. von Stephan:

Das ist richtig, daß die Entfernung zwischen Dover und Calais die kürzeste ist, aber es ist das bei Weitem niht der bequemste Weg. Der Uebelstand ist der, daß die Schiffahrt auf dem Kanal, wie be- fannt, ret gefährlich ift gegenüber der Schiffahrt in offener See, und daß vor allen Dingen durch die große Anzahl von Schiffen, die sih zu gewissen Zeiten im Kanal sammeln, die Ucberfahrt Verzögerungen und Gefahren ausgeseßt ist. Sodann würden wir uns abhängig machen von der französishen Verwaltung in Bezug auf den Gang der Eisenbahnzüge, in Bezug auf die zu zahlenden Transitgebühren, in Bezug auf den Expeditionsdienst und in Bezug auf no< andere Verhältnisse. Wir bâtten nicht blos mit einem Transitlande, wie über Vlissingen und Ostende, sondern mit zwei Transitländern, Frankrei und Belgien zu thun. Es ist \<Gon außerordentli #\<wiecrig, alle diejenigen Behörden, mit denen wir bei dem Transitverkehr zu thun haben, unter einen Hut zu bringen. Die französishe Verwaltung rihtet hauptsählih den Verkehr nah den direkten Zügen von Paris ein, und i< glaube kaum, daß sie geneigt wäre, hiervon abzuweichen. Wenn Sie ferner bedenken, daß die Königlich niederländische Regie- rung im Entgegenkommen sogar soweit gegangen ift, daß sie uns ge- stattet hat, den Kaiserlih deutshen ambulanten Postwagen, in dem si unsere Beamten befinden, bis Vlissingen zu fahren, die Poften für Deutschland bereits in Vlissingen in Empfang nehmen und während der ganzen Fahrt dur) Holland bearbeiten zu lassen, so ist das ein so eminenter Vorzug, daß ih diese Noute nicht gerne aufgebe gegen- über den s{wankenden Verhältnissen, die bei den französischen Routen obwalten.

Die Einnahnien wurden bewilligt.

Der Etat der Reichsdru>erei wurde ohne Debatte genehmigt. :

Das Haus wendete si darauf der Berathung des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern zu.

ie Abgg. von Wedell-Malhow und von Frege hatten

hierzu folgende Resolution eingebracht :

Die verbündeten Regierungen zu ersuhen: 1) über die Wirk- \famkeit und Kongruenz der nachstehend verzeichneten Zollpositionen eine eingehende Üntersuhung nah der Richtung hin eintreten zu lassen, ob es nit geboten erscheine, eine Erhöhung bezw. Ab- änderung derselben im Interesse der Landwirthschaft und der betheiligten Industrien herbeizuführen; 2) dem Reichstage demnächst über das Ergebniß dieser Untersuchung Mittheilung zu- machen.

Jn der darauf folgenden Nachweisung sind aufgezählt Raps, Rübsaat und andere Oelfrüchte, Butter, Dele und andere Fette aus den Positionen 9, 25 und 26 des Zoll- tarifs. Abg. Brömel: Es müsse dankbar anerkannt werden, daß Seitens der verbündeten Regierungen einem von dem Hause und der Kommission wiederholt geäußerten Wunsche nach der Uebersicht über die Erträgnisse der Zölle nah den Etatsjahren im diesmaligen Etat enug getragen sei. Dagegen sei eine Reihe anderer, vom Hause wiederholt geäußerter Beschwerden no< immer von den Regierungen unberü>sichtigt p - blieben. Sehe er ab von den Ermittelungen, be- treffend die Lage der Arbeiterinnen in der Wäschefabrikation, so sei weiter nihts mitgetheilt worden, als die einfache Kanzleinotiz, die Sache sei vom Bundesrath dem Reichskanzler überwiesen worden. Nun erhebe er nicht entfernt den Anspruch, daß der Mann, welcher die Sorgen des europäischen Friedens auf seinen Schultern habe, nun all sein Sinnen und Denken darauf verwenden solle, dem Petroleumfaß sein Recht zu geben. Die Beschlüsse des Hauses jeien nun drei Jahre alt und könnten doch endlih ihre sahgemäße Erledigung finden. „Der Schaysekretär habe vor einem Jahre gesagt, die Grage sei in der Hauptsache so komplizirt, daß er vor einer schleunigen, überhasteten Erledigung warnen müsse. Er (Redner) frage jedes Mitglied dieses Hauses, ob es eine überhastete Ent- eidung fei, wenn man dèn Anspruch erhebe, daß Beschwerden

ie vor einem Jahre als berechtigt anerkannt seien, endli ihre Erledigung finden möchten. Die Resolution, in der das aus Stellung nehme, betreffe vor Allem eine Vergütung der teuer auf Zucker und Kakao bei der S I A und die Frage, welche Erleichterung angesichts der beschlossenen Erhöhung der Getreidezölle dem deutshen Getreide-Exporthandel mittelst der Transitlager zu gewähren sei. Daneben habe das Haus, s sehr eingehender "Bb Lie: pg Dame Jj am 10. April 188 einen Geseßentwurf genehmigt, dur< welchen den Beschwerden abgeholfen werden solle, welche über die vom Bundesrath ge- troffenen Bestimmungen, betreffend den gpushlagszell i E erhoben worden seien. Auch hierüber se dem Hause nur eine Kanzleinotiz zugegangen, “s die Erörterungen über die Frage no< ni<ht abgeschlossen in. eine Antwort sei ja au< eine Antwort. ber die auf diese Weise ertheilte Antwort sei in nicht sehr liebenswürdiger Weise ertheilt. Wende sih ein Privat- mann mit einer Beshwerde an die höchsten Behörden des Reichs, so bekomme er eine De ttigungae daß seine Be-

ß werde einge angen sei. Eine solhe Bestätigungsnotiz sei aas dem Rei stag seiner Zeit zugegangen. Private