1931 / 65 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Neichs- und Staatsanzeiger Nr. 65 vom 18. März 1931. S. 2.

nommen, die preußisde Regierung eines Mangels an vater- ländisher Gesinnung zu verdächtigen und wieder cinmal festzu- nageln, daß fie ohne Respekt vor den Leistungen der deutschen Vergangenheit sei. Die große Anfrage macht si in ihrem Wort- laut, wie ich dankbar anerkenne, dicse verwerftihe Methode der Verdächtigung eines politishen Gegners nicht zu eigen, konstruiert dafür aber einen, wie sie wörtlih sagt, „unveZennbaren Gegen- saß“ zwischen der Reitsregierung und der preußishen Regierung. Jch könnte mir die Beantwortung sehr bequem machen, aus einem mehrfahen Grunde sehr bequem. Abex ih weiß natürlich auch, daß mindestens der erste Hinweis bei den Herren, die die Anfrage eingebracht haben, niht gerade durchshlagen würde. Des- halb will ich nur eben erwähnen, daß ich meine persönliche Ein ftellung zu der diesjährigen E0-Fahresfeier des 18, Januars zu einem unmißverständlihen Ausdruck gebracht habe: Jh habe selbst mit anderen Mitgliedern der Preußen-Regierung an der Reichs- gründungsfeier im Reichstag teilgenommen. Wenn ih es also auch nit nötig habe und es sogar als meiner unwürdig empfinden würde, wollte ih mi gegenüber einer Partei dieses hohen Hauses nach seiten meines Verhalten® zu vaterländischen Gedenktagen teaitimieren, so kann ih doch an dem Einwand nit vorbeigehen, daß diese Feststellung meiner persónlihen Teilnahme an der Reichsgründungsfeier niht zur Debatte steht, daß man vielleicht nun noch weniger versteht, warum ih dann niht au allgemeine Schulfeiren angeordnet habe (sehr richtig! bei der Deutschen Volks- partei.) Denn schließlih, so werden die Herren von der Rechten voraussichtlich argumentieren, hätten die Schulen, diè ihre Vor- bereitung bereits auf den 17., einem Sonnabend, abstellen mußten, niht gut wissen können, was .post fesium des 17. am 18. der oberste Schulbeamte tun werde. Gerade, so könnten sie argumentieren: wenn es Deine Absicht gewesen ist, selbst zu der Feier hinzugehen, warum hast Du dann nicht den Schulen vorher einen Wink ge- geben, wie sie sih verhalten sollten? (Sehr wahr! bei der Deutschen Volkspartei.) Nun, meine Damen und Herren, zunächst stimmt das ja nun niht so ganz, daß die Schulen über meine Haltung völlig im Unklaren gewesen sind. Und damit komme ih zu dem zweiten Grund, der mir die Beantwortung der großen Anfrage sehr bequem machen könnte. Sie wissen, daß das Preußishe Staats- ministerium, unmittelbar nahdem die Reichsregierung ihre Ab- sichten über die Ausgestaltung der Berliner Reihsgründungsfeiern mitgeteilt hatte, seinerseits beschlossen hat, sich an den Feiern zu beteiligen und am 18. Januar am:liche Gebäude und die Gebäude der öffentlihen Schulen beflaggen zu lassen. Wenn diese An- ordnung irgendeinen Sinn haben sollte, dann lag bereits in dieser Kundgebung und in der Beteiligung der Schulen an dieser Kund- gebung, daß selbstverständlich in der- einzelnen Schule in irgend- einer Art des Reichsgründungstages zu gedenken war. Fch bin auh heute noch der Meinung, daß ih es dem eigen- verantwortlichen Ueberlegen der Schulleiter und Lehrer “ge- irost überlässen durfte, in welhen Formen die Schulen des Tages gedenken wollten. (Zuruf des . Abg. Stendel.) Auf den Fall Frankfurt werde ih nachexr noch zu sprechen kommen Herr Abg. Stendel. Jch habe in der Tat gemeint, daß nit der geringste Anlaß vorliege, au bei dieser Gelegenheit wieder die Schulen mit den Segnungen einer zentralen Anweisung zu beglüden. (Hört, hört! rechts.) Dazu lag: um so weniger Ver- anlassung vor. weil ich mir nit denken konnte, daß die Schule an diesem Tage stillsihweigend vorüberginge oder auch nux vor- übergehen konnte. Und es ist doch wohl wirklich eine Frage von untergeordneter Bedeutung, ob die einzelne Schule nun cine allgemeine Schulfeier für richtiger gehalten Hat, in der alle Klassen und alle Schüler in ihrem Festsaal zusammengeführt werden, oder ob man geglaubt hat, man könne noch stärker auf die jugendliche Seele einwirken, wenn etwa dex Geschichtslehrer odex dex Deutshlehcer oder der Ordinarius im Unterricht in Anknüpfung an. gerade behandelte Geschichtsperioden oder auch ohne jede solche Anknüpfung, die geshihtlihe Bedeutung der Reichsgründung im Fahre 1871 den Schülern vorführte ode sie in modernen Unterrichtsformen gemeinsam erarbeiten ließ. Fh konnte mich darauf um so mchr verlassen, als bekanntgeworden war, daß ih es für selbstverständlih halte, daß auch in den Schulen des Tages in geeigneter Weise gedaht werde. Jch wüßte au heute nicht, angenommen, ih hätte das Gedenken verhindern wollen, wie ih das überhaupt hätte verhindern können, wenn ih nicht geradezu ein ausdrüdckliches Verbot hinausgeshickt hätte. Denn über die Zeit ist unsere Lehrershaft nun wirkli hinaus, wo sie sich an die stundenweise Absolvierung eines starren Pensums gebunden halten mußte. Jch möchte die Klasse sehen, deren selbständige Regung und geistige Beweglichkeit au heute noch so eingeschnürt wäre, daß sich in ihr nux Stunde für Stunde das früher allgemein geübte Frage- und Antwortspiel vollzieht, das dann keinen Play gelassen hätte für das Drängen der Schüler, Auskunft über eine sie bewegende Frage zu erhalten und ih möchte den Lehrer sehen, der sih solch eine Gelegenheit entgehen ließe, ohne sie umgehend unterrihtlich und erzieherish auszuwerten. (Sehr richtig!)

Jch wüßte auch niht, meine Damen und Herren, warum ih ein solchcs Gedenken hätte verhindern wollen. Es steht doch wirkli) außerhalb aller parteipolitishen Diskussion, daß die Reichsgründung ein in der Geschichte unseres Volkes bedeutsames Ereignis gewesen und sür das Schicksal der Nation auf viele Fahrzehnte bestimmend gewesen ist. Und wenn wir diese Periode deutscher Geschichte heute auch nicht mehr so absolut nehmen und fie anders werten, als es die Mitlebenden taten, dann teilt doch nux diese Periode unserer Geschichte mit dieser Wertungsver- lagerung das Schicksal aller geshihtlihen Zeitspannen, daß sich ihr Sinn niemals restlos ers{höpft, sondern immer erst erfaßt werden kann von dem Gesamtverlauf der Geschichte eines Volkes her, so daß ein Vorgang, der sih auf einer klezt erreihbaren historishen Stufe abzuspielen hien, in der Rückshau als ein bloßer Schritt nah vorwärts und als bloßes Stadium derx Vor- bereitung erweist, Ein selbstbewußter Staat, der weiß, daß er niht nur von der Vergangenheit, sondern von der Zukunft lebt, wird deshalb keine Sorge um seinen Bestazd haben, wenn erx auch den Kräften der Tradition und der Leistung der Ver- gangenheit Respekt erweist. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum, bei der Deutschen Staatspartei und bei der Sozialdemokratischen

der Einstellung des Unterricht8minifters "zu dem Gedenken des 18. Januars auch an den Schulen ein Zweifel überhaupt nicht hätte aufkommen können, wäre ein Teil unserer Beamien- und Lehrershaft niht allmählich dadurch unsicher gemacht worden (hôzt, hört! rechts) warten Sie nur bis ich meinen Sah zu Ende gesprohen habe —, wie man sich heute vaterländischen Dingen gegenüber verhalten darf, daß ihm die Rechte bei jeder Gelegenheit einrede, jede andere als eine Rechtsregierung sei nach seiten der nationalen Zuverlässigkeit hin verdächtig. (Sehr richtig! links.) Wenn eine jolhe Unsicherheit wirklich vorhanden war, daun ist sie nicht Schuld der Regierung gewésen, sondern derer, die

rekflamiert haben. (Sehr rihtig! und sehr gui! links.) Dem- gegenüber kann ich nun aber mit Befriedigung feststellen, daß es der Mehrzahl der Schulen selbstverständlih gewesen ist, des Tages zu gedenken. Und wenn sich dieses Gedenken in der Form ver- schieden abgespielt hat, so sehe ih in dieser Verschiedenheit der Form nicht den geringsten Nachteil.

einen Beweis dafür buchen, daß die Lehrerschaft auch ohne zen- tralistishe Anordnung gewußt hat, daß die Erinnerung an ein ge- meinsames Stück deutsher Geschichte kein Monopol irgendeiner politischen Richtung ist. (Sehr richtig! links.) Schließlich gibt es

(Sehr vichtig! links.)

mung mit den Urhebern der Großen Anfrage befinde, wenn ih mich bemühe, zentralistishe Anordnungen auf ein notwendiges Minimum zu beschränken. Auch der Fall Frankfurt, Oder, und

an dieser Auffassung nicht irre mahen. Daß ih auf die Frank- furter Vorfälle noch einmal im einzelnen zurückomme, erscheint mir nah meinen eingehenden Ausführungen im Hauptauss{chuß überflüssig. Als Gegenbeweis gegen das, was ich eben ausgeführt habe, kann dieser Vorfall jedenfalls niht verwendet werden. Denn darüber sind fih alle Beteiligten im Klaren, daß, wenn zwischen den beiden örtlihen Schulverwaltungsinstanzen, der staailichen und der städtischen, ein reibungsloses Zusammenarbeiten bestanden hätte, daß dann dieses unliebsame Vorkommnis im Keime erstickt worden wäre. Wenn ih immer dann, wenn sih ein paar örtliche Fnstanzen um Kompetenzen streiten, wie es in diesem Fall doch gewesen ist, im voraus zur Vermeidung etwaiger solcher Streit- punkte mit Zentralerlassen arbeiten sollte, dann müßte ih das Hohe Haus bitten, in meinem Etat noh ein paar Beamtenstellen mehx aufmarshieren zu lassen, damit in der Fabrikation von Runderlassen kein Stocken eintritt, Bedauerlich finde ih nux, daß troy meiner Ausführungen im Hauptausschuß die Angriffe einer gewissen Presse gegen den Frankfurter Regierungspräsidenten nicht

rungspräsidenten etwa doch troß seinex Grippe an dem von allen Seiten bedauerten Mißgeshick ein Maß aktiver Verantwortung zuzusprechen sei. Fch bin erstaunt, daß der Führer einer großen Partei das für möglih hält, Fh habe bisher immer in dem naiven Glauben gelebt, es sei kein besonderes Kennzeichen nux der Vertreter der Regierungsparteien, wichtige Entschlüsse lediglih in fieberfreiem Zustand zu fassen. (Sehr gut! bei der Sozialdemokratishen Partei.) Wer in Zukunft noch behauptet, der Regierungspräsident sei am Zustandekommen des Beschlusses der Regierungsabteilung in Frankfurt/Oder beteiligt gewesen, spricht aus Unkenntnis und Vexleumdungssucht, oder shwimmt munter im Fahrwasser der politishen Lüge. (Sehr richtig! bei der Sozialdemokratishen Partei.)

: Was nun abex die Parallele zu dem Vexfassungstag betrifft, so haben ganz gewiß nicht diejenigen Parteien, die Träger der Preußishen Regierung sind, die Situation herbeigeführt, daß es erst noch einer ausdrücklihen zentvalistishen Anordnung bedarf. Es ist doch wohl ein wenig grotesk, wenn eben dem Staat, dessen Verfassung gerade von der Rechten her vor der Jugend madig gemacht wird, von dersekben Seite vorgeworfen wird, daß dieser Staat erst nötig hat, durh zentrale Anordnungen die Feier seiner Verfassung zu sichern.

Da wir nun aber einmal bei der Parallele zum 11. August angelangt sind, darf ih nun auch den Gesichtspunkt benennen, der die Preußische Regierung veranlaßt hat, im Gegensay zu den Feiecn des 11. August von einer zentralistishen Anordnung von Schulfeiern, auch über alle genannten Gründe hinaus, ab- zusehen. Gerade, däß die Große Anfrage Nr. 201 einen Gegen- saß zwischen der Reichsregierung und der Preußishen Regierung konstruiert, ist ihre Shwäche. Denn ein solher Gegensay hat in der Frage der Reichsgründungsfeier tatsählich nicht bestanden. Jm „unverkennbaren“ Gegensaß zur Feier des Verfassungstages hat die Reichsregierung eine Feier lediglih in Berlin veranstaltet, nicht im übrigen Reih. Fm „unverkennbaren“ Gegensay zum Verfassungstage hat das Reih ferner die Länder niht auf- gefordert, Feiern odex besondere Schulfeiern zu veranstalten. Jm „Unverkennbaren“ Gegensaß zu den für den Verfassungstag all- jährli getroffenen Maßnahmen ist eine besondere derartige Auf- forderung durh die Reichsregierung für den 18. Januar also nicht ergangen. Wenn ih somit dex Deutshen Volkspartei eine Antwort geben wollte, die, obwohl sie durxhaus sahkich ist, doch des demagogishen Anstrihs nicht entbehrt, dann würde ih an sie die Gegenfrage stellen, ob es sich nicht, bevor sie die Große Anfrage einbrachte, am Ende doch empfohlen hätte, die in diesem Punkte vielleiht niht gut informierte Volkspartei des Preußischen Landtags hätte sich zunächst einmal an das besser informierte volfsparteilihe Mitglied des Reichskabinetts (Zurufe bei der Deutschen Volkspartei) mit der Frage gewandt, warum im „un- verkennbaren“ Gegensay zu den Maßnahmen des 11. August in der Anweisung an die Länder zum 18. Januar allgemeine Feiern und Schulfeiern niht vorgesehen worden sind, und es wäre am Ende nicht ohne den Reiz einex politishen Pikanterie, würde man die Frage dahin erweitern, ob die Erwähnung der Schulen tin einem ursprünglihen Entwurf des Reichskabinetts sogar vor- gesehen gewesen fein sollte, dann aber zum mindesten unter Mit- wissen des volksparteilihen Mitgliedes des Reichskabinetts wieder abgeseßt worden sei. (Hört, hört! bei der Sogzial-

Partei, Zurufe rechts.) Deshalb möchte ih weiter sagen, daß an

diesen Tag eines gemeinsamen Gedenkens von vornherein für sih |

Reichsregierung und Preußischer Regierung kann Tat so wenig die Rede sein, daß der Schlußsat der ps 4 frage hätte heißen müssen, warum die Preußische u j verwaltung „in deutlich erkennbarer Uebereinstimmung S Anordnungen und Absichten der Reichsregierung“ E mit Anweisungen an die Schulen, dieses Tages in würdi vesonty zu gedenken, verzihtet hat. Wer weiß, wenn der S bluks hätte formuliert werden müssen, ob sih die Deutsche n dann nit diese Große Anfrage lieber erspart hätte So viel jedenfalls ist sicher: daß die Reid diesem Punkte Zurückhaltung geübt hat, kann man verit, wenn man die Rechtspresse zur Hand nimmt und lesen N sehr in ihr die Liebe zum 18. Januar hat herhalten h H eine offene oder mindestens veckappte Abneigung gegen 11. August. Es scheint auch im politishen Leben so J fer 3

ISTegierung

mussen j

Die Tatsache, daß man an | dem Tag nicht ahtlos vorübergegangen ist, darf ih vielmehr als !

nit nur ein von der Rechten approbiertes Nationalbewußtsein. : | braven, rührenden Geschichtsflitterungen, deren Juhalt Jch bin sogar überzeugt, daß ih mich sonst in Uebereinstim-

derx Hinweis auf die alljährlich wiederkehrende zentralistishe An- | ordnung, in den Schulen des 11. August zu gedenken, können mih |

verstummen wollen, und daß auch Herr Hugenberg sih gemüßigt ? gefühlt hat, in Lemgo die Frage aufzuwerfen, ob nicht dem Regie- |

demokratishen Partei.) Von einem Gegensaß zwischen

die Liebe zu einem um so lauter betont wird, je stärker de, drängte Haß. zum andern ist. Das" eben ist ja der Jatias Zerspaltenheit unseres Volkes auch in dieser Frage, die E des Parteienstreites liegen sollte, daß es Kreise gibt, die c s weg aus allem, was dem ganzen Volk wertvoll ist und vas verbinden könnte, Kapital für ihre Sondergelüste schlagen wil Lesen Sie nux einmal nah, was nicht nur die Deutsche dei

. ä 1 U sondern au die Hugenberg-Presse aus dem 18. Fanuar gen hat, wie sie uns die üblihen Legenden und alle die büblte, einmal zum Bestand dex patriotishen Traktätchenliteratur vi frish aufgewärmt serviert hat, dann werden Sie verstehen ys es mir nahträglih selbst zweifelhaft wird, ob i niht'au Falle des 18. Januar besser daran getan hätte, einen Erlaß üb die Ausgestaltung der Schulfeiern herauszugeben, der die etwaig Uebernahme dieser Form von vornherein unmöglih gens hätte. Sollte es etwa der Wunsch mancher politischen Krei gewesen sein, in“ dieser Weise den 18. Januar auth in wz Schulen begangen zu schen? Dann allerdings ist dieser Vuni nicht mehr, als daß man eine Gelegenheit haben wollte, die Ct jugend im Sinne bekannter Gedankengänge einfa parteipoliti zu beeinflussen. (Lachen und Widerspru rechts.) Fm Gezaiy dazu möchte ich meinen, meine Damen und Herren, daj jj Regierung und Landtagsparteien aller Rihtungen in der el) verständlichkeit immer wieder müßten zusammenfinden kön daß eine parteipolitishe Beeinflussung der Shüler Verrat an he Jugend ist. Die Ueberzeugung, daß die Ethik der Erziehung übt allex Parteidoktrin steht, stelle ih “deshalb auch an die Li meiner weiteren Ausführungen zu der Frage der poli tishen Betätigung der Shüler, zu denen mir hi Beantwortung der Großen Anfrage Nr. 206 der Deutfchnationl Volk3partei willkommene Gelegenheit gibt.

Die Frage, meine Damen und Herren, ob Politik in ti Schule gehöre odex nicht, läßt fich niht einfach mit einem } odex Nein beantworten. Da zwishen Schulleben und dem übri Leben keine Brandmauer gezogen ist und auch nicht gezogen werd darf, ist die Politik einfah mitten in der Schule drin, ob us das nun lieb ist oder nicht. Es handelt sich also gar nicht daru ob wix sie: hineinlassen wollen oder nicht; die Politik pflegi ta Schulmeistex nicht erst zu fragen, ob es ihr wohl freundliti gestattet sei, in ‘die Schule: hineinzugehen. Es wird keiner joliti hen Richtung, die irgend wann einmal in der Regierung vertre! ist, gelingen, die Politik, die diesen Hausfriedensbruch an t Schule begangen hat, mit Mitteln der Polizei oder der Pädagtj oder irgendeiner sonstigen seelishen Beeinflussung der Ful wieder aus der Schule herauszukomplimentieren. Selbst wil es gelänge, sie aus der Schule zu vertreiben aus den Schül hätte man sie damit längst noch niht herausgebvacht. Wie ui! denn überhaupt die Einwirknngsmöglichkeit der Lehrerschaft t die jugendlichen Seelen erheblih zu übershäßen geneigt ist, & einfa liegen die Dinge in Fragen dex Erziehung denn nun t niht, daß man meint, wenn man nur an die Einsicht und guten Willen der Lehrerschaft mit Erfolg appelliere, könne s schon die Jugend in eine bestimmte Richtung hineinbringen t sie vor der Beeinflussung dur eine andere Richtung bewahrt Heute viel mehr als früher ist die Schule gegenüber der Jug nur eine formende Kraft neben anderen, und es wäre Vogt straußpolitik, wollten wir verkennen, daß diese anderen formt Kräfte Elternhaus, Presse, Bünde, Kameradschaften, At und was weiß ih oft, wenn niht sogar immer, weitaus 10 haltiger den werdenden jungen Menschen beeindrucken. bl Streit kann also eigentlich nicht mehr um die Frage, ob Poli oder nit, gehen, sondern lediglih noch darum, in welher Mi die in die Schule eingedrungene Politik unterrichtlih und zieherish ausgewertet werden kann. Wenn man es s{hon ein als eine Not ansieht, daß die Politik nun auch in die Schulstubt hineingedrungen ist, dann bleibt uns gar nichts anderes übl als aus dieser Not eine Tugend zu machen. Aber vielleidt es überhaupt keine Not. Denn nehmen Sie einmal al L gelänge, die Arbeit der Schule völlig unabhängig von Einflüss dex Außenwelt zu halten, nehmen Sie an, es könne gelingen, ? Jugend fern vom öffentlihen Leben und fern von politis Strömungen zu erziehen, meinen Sie nit auch, daß selbst d ja gerade dann, der Lehrer von sih aus gezwungen wäre, fih 1 der Frage auseinanderzuseßen, in welher Weise er dem junge! Menschen, der doch mit dem Blick für die Zusammenhängt Lebens die Schule verlassen soll, ein Stück politischer Unterweisul und einen Einblick auch in die politishen Zusammenhänge übt mitteln kann? Daß die politishe Erziehung jeyt zu e wesentlichen Bestandteil der Schulerziehung überhaupt gewor ist, kann doch nur der bedauern, der meint, daß die Schüle 18 vornherein darauf verzichten sollte, ein sehr wesentlihes E des die Jugend ebenso wie den Erwachsenen umflüte Lebens mit der Jugend zusammen kennenzulernen. * die Politik auch in die nux bedauern, wer nicht sieht, daß die Schule heute im Ein ihrer pädagogischen Aufgabe mehr zu leisten hat, als der Fuge

bloße Kenntnisse zu vermitteln. Wer die Jugend niht nul } lehren, sondern sie auch erziehen will, der muß das Oh!

Fugend haben, und wer das Ohr der Jugend haben will, der n ihr auf den Mund sehen, was freilich ganz und gar nicht bede!“ daß er ihr nun auh nah dem Mund redèn muß. Wer ihr © den Mund sieht, weiß, daß sie in politishen Gedankengängt" 5 so stark in ihnen lebt, daß sie drauf und dran ist, fich v0

Schule eingedrungen ist, A

Reich8- und Staatsanzeiger Nr. 65 vom 18, März 1931.

S. 3.

e auffressen und von einer ungeklärien und mißverstandenen citit i ‘in dem Schönsten, was ihr zu eigen ist, ver- „sitisierere lassen, in ihrem freien Wachstum und in ihrem umer E ohne verfrühte Bindung auf die freie Suche nah erret, n Standpunkt in dem Wirrwarr der Meinungen zu nen! gfus aber ist shon angedeutet, worin der pädagogische ge E Tatsache, daß die Politik auf den“ Schulbänken sivt, be- sert E Politik in der Schule ist kein Mittel des politischen “- Es kann sich nicht um einen politishen Echülerfang Die Politik hat in der Schule überall da ein Daseins- deln rie zum Mittel der politischen Urteilsbildung benußt ch!, L eine Formel gebracht: es handelt fich um politische eng, nicht aber um politische Beeinflussung. Jh weiß f ¿d auch, daß dieje Unterscheidung zunächst eine rein be- gtürli ¡ist und daß alles auf den Takt des Lehrers ankommt, ilde rifflichen Unterschied in dem tatsählihen Verkehr mit s nun nicht aufzuheben zugunsten einer pädagogish llen Grenzverwishung der beiden Begriffe. Dem 4 des Lehrers muß jede Unterrichtsverwaltung gleihviel, wie " volitisch zusammengeseßt ist, niht nux heute, sondern grund- E wenn solhe Fragen behandelt werden, um so mehr ver- E faum mögli erscheint, daß fih politishe Bildung 1d politische Menschenformung ohne eine politische Wertung zu shiehen vermag. Jh leugne die Möglichkeit des Mißbrauchs e J kenne die alltäglichen Grenzüberschreitungen. Aber, ne Damen und Herren, welche Ermächtigung, die der Shule d dem Lehrer gegeben wird, wäre nicht dem Mißbrauch aus- 1 Das Werk der Erziehung ist nicht in Reglements, Para- raphen und Vorschriften aufsangbar und ist gegen die Gefahr ; mißbräuchlichen Benutzung der Amtsgewalt des Erziehers nie

seit.

eien x Jugend rhäángnivo

auen, als es

jeyt!

J vermag aber nicht einzusehen, warum nit in Sachen 11 politischen Erziehung derselbe Effekt müßte zu erzielen sein, je ctwa in Fragen des Religionsunterrichts oder der philosophi- ¿en Unterweisung, bei welchen beiden doch ebenfalls mit einer herihiedenheit der Richtungen zu renen ist. Die Schule. muß endli viel leisten, was shwer ist und was wir dem Takt des hrers überlassen müssen, weil es nun shon einmal niht mög- y ist, jedem Lehrer einen staatlichen Aufpasser zur Seite zu llen, Es wäre au nicht einmal wünschenswert, weil, an der de gemessen, Lehrersein nicht ein Amt ist, sondern ein Vor- „n. Ein Lehrer, der wirklich Lehrer ist, blickt auf die Fdee 1d sieht sich nicht nach Vorschriften um, sondern sucht 1 Jdee so nahe wie möglich zu kommen. Was das gegenüber u pädagogishen Jmperativ, die Schüler auch politish zu ilden, ohne sie deswegen auch politisch zu beeinflussen, bedeutet, 1 Herr Minister Boeliy einmal in einem Erlaß zum Ausdruck draht, zu dem: auch ih stehe, wenn ex sagt, „daß das Verbot rieipolitisher Becinflussung der Schüler im Unterricht den hrer niht hindern soll, dann, wenn es die Zwecke des Unter- its erfordern, auch politische Probleme mit den Schülern zu sprechen“, Und ich finde mich an seiner Seite, wenn ev fort- iht, es komme freilih ausschlaggebend darauf an, „daß der ehrer den politishen Gegenstand als Problem behandelt, den hülern die verschiedenen Seiten des Problems unparteiish vor- ¡hrt und sie mit allen beachtlihen Antworten und Lösungen be- annimaci, nit nux das eben wäre parteipolitische Beein- ussung mit seinem eigenen Werturteil“. Was die Schule nah zu tun hat, ist, dem jungen Menschen eine Vorstellung on den politishen Problemen und Fragestellungen unserer Zeit 1 verschaffen, ihm den wesentlichsten Teil des Rüstzeugs mitzu- ben, des historishen, volkswirtschaftlichen, geographischen, qatébürgerkundlihen Rüstzeugs, dessen jeder bedarf, der sih ¿ute mit politishen Problenten sahlih beschäftigen und aus- inanderseßen will, und dessen der Schüler von der höheren Schule r um so nötiger bedarf, als ihm nicht, wie dem gleichaltrigen tufstätigen jungen Menschen dur das Hineingestelltsein in den jistenzkampf, politische Entscheidungen zu einem unmittelbar ripürbaren Erleben zu werden pflegen. Daß der Schüler dieses tüstzeug erhält, ist, glaube ich deshalb, heute eine um so rängendere Notwendigkeit, als der Jugend immer wieder ein- eredet wird, sie ällein sei unsere letzte Hoffnung und sie allein- i berufen, das Versagen der älteren Generation einmal wieder zumachen. (Sehr richtig!) Meine Damen und Herren, es f niht wundernehmen, daß der allgemeine Kampf um die Seele ir Jugend viele junge Menschen sih selber shließlih interessant ‘mat hat und fie zu einex Ueberwertung ihres eigenen Könnens ebracht hat. Jung sein, meine Damen und Herren, ist dabei v zunächst nichts als ein bloßer Zustand, und wenn wir uns in inem gegenüber der Frage, wie wir eine Jugend gewinnen innen, die zum positiven Einsay für den Staat bereit ist, zu- mmenfinden können, dann meine „ih, müßte es darin sein, daß "r vor das Ziel der Erziehung einer neuen Fugend die Einsicht ifrihten sollten, daß es nicht auf einen bloßen biologishen Zu- fand ankommt, sondern auf Leistung. Und ih glaube, mit der litischen Erziehung der Jugend wären wir ein großes Stü er, wenn ihr s{chon durch den Squlunterricht der Blick füx ! smple Tatsache geöffnet würde, daß politische Ziele nicht {hon tihbar sind durch bloßen jugendlihen Elan, dur Gefühls- nhpulse und dur einen revolutionären Willensents{hluß, sondern lein durch die von einer starken Begeisterung ftändig wieder u genährte Bereitschaft, dem Gegner dur den Einsah der ge- mten Person, zu der nun einmal au ein klarer Kopf gehört,

ritt für Schritt Terrain abzugewinnen. Das Schönsté, das die“

igend in die Politik mit hineinbringt, ist ihre Einsaßhbereit-

baft, und es stünde gut um Deutschland, wenn diese ihr /

[lten bliebe, nahdem sie einmal Mann geworden ist. \nahbereitschaft aber ist nur fruchtbar unter der Vorausseßung, i sie sih mit Zielklarheit vershwistert. Zielklarheit wiederum q twas, das niht mit dem bloßen Zustand der Jugendlichkeit k gegeben ist; es gehört vielmehr zum Wesen des Jungseins, h man in diesem Lebensstadium Zielklarheit nicht hat, sondern Pun. Man kann geradezu sagen, daß der Mensch in dem [enblick aus dem bloßen Zustand des Jungseins heraus ist, ia diese Zielklarheit gewonnen hat und damit Mann ge- M n ist. Nur eine Jugend, die diese Zusammenhänge erfaßt, 3 die Garantie des geistigen und seelishen Wahstums in fet Wer ihr als Lehrex den Blick für diese Zusammenhänge a, der bildet sie, ohne zugleich der Gefahr ihrer politischen

nflussung zu erliegen. Daß fich diesex Bildungsprogeß in der

. Partei.)

Jugend vollzieht, ist um so nötiger, als damit zugleih das Ver-

ständnis der Jugend ich glaube, es ist richtig, das einmal aus-

zusprehen für die Tatsache angebahnt ist, daß Politik ihrem | Wesen nah eine unjugendlihe Beschäftiguno ist. Denn ehte

Jugend, meine Damen und Herren, will das Unbedingte; Politik

aber ist die Kunst des Möglihen im Umkreis der mit der Ver- | shiedenheit der Menschen geseßten Bedingtheiten, Gelingt es der

Lehrerschaft, das natürliche Bedürfnis der Jugend, sih in ihrem

Wachstumsprozeß auch die Welt der Politik zu assimilieren, aus-

zuwerten, dann hat die Schule nicht nur eine staatspolitishe Tat

getan, sondern auch ein sittlihes Fundament für den künftigen

politischen Kampf gelegt; denn eine so erzogene Jugend wird es

niht mehr als einen Verrat am Freunde empfinden, wenn sie

auch dem Gegner gegenüber Gerechtigkeit zu üben bereit ist.

Als Mittel zu diesem Ziel gehört die Politik auch in die Schule. Was nicht hineingehört, das sind die Formen, die unsere | politishen Auseinanderseßzungen in der Oeffentlichkeit heute an- ; genommen haben. Was niht hineingehört, ist das politische Schlagwort, es sei denn, um es in seiner Hohlheit zu entlarven. Was nicht hineingehört, ist alles, was zur politishen Verhezung dex Jugend beiträgt. Und es wäre weder vor der Jdee der Er- ziehung noch vom Staat aus zu rechtfertigen, wollte die Schule untätig zusehen, wie diese ihre Arbeit an der Jugend gefährdet und durhkreuzt wird von Vereinen, deren Ziel es ist, die Jugend um ihr eigentlihes Reht zu bringen, um das Recht der freien Meinungssuhe. Wer dem Thema Schule und Politik gegenüber die von mix gekennzeihnete Stellung einnimmt, für den ergibt sich deshalb die Haltung ganz von selbst, die jede staatliche Unterrichtsverwaltung gegenüber dem besonderen Kapitel der Shülervereine einnehmen muß. Jh sage mit Absicht: jede Unterrichtsverwal- tung; denn ih weiß mich bei dieser meiner Stellungnahme völlig einig mit dem Ministerium Boelih (hört, hört! bei den Kommu- nisten), das kurz nah dem Rathenau-Mord grundlegende Be- estimmungen über diese Materie erlaffen hat. Fch stimme Herrn Minister Boeliy in seinem Erlaß vom 23. Dezember 1922 ‘durh- aus zu, wenn er die Schule von der Verantwortung der Schüler für deren Zugehörigkeit zu Vereinen entlastet und die Verant- wortung den Eltern überläßt. Fch stimme Herrn Minister Boelitz auch darin zu, daß man zwar praktisch zwischen politishen Ver- einen und anderen nicht scheiden kann, daß es gleichwohl eine grundsäßlihe Ausnahme gibt, die nicht exlaubt, daß die Schule mit vershränkten Armen zusieht, was die Jugend außerhalb der Schule treibt. Herr Minister Boeliß ist es gewesen, der mit sehr deutlihen und starken Worten hervorgehoben hat, daß die Schule die Zugehörigkeit von Schülern zu staatsfeindlichen Organisa- tionen nicht dulden kann, Und ein anderes volfksparteiliches Mitglied dieses Hohen Hauses hat noch kürzli in der „Kölnischen Zeitung“ geschrieben, es könne sih „kein Staat, der auf Ehre und Ansehen hält, gefallen lassen, daß die Schüler, die. er dur seine staatlihen Beamten zum allergrößten Teil mit öffentlichen Mit- teln ausbilden läßt, sich feindlich gegen diesen selben Staat be- tätigen“. FJch mache mix diese Worte des Herrn Abgeordneten “Schuster zu eigen und wiederhole aus einem späteren Erlaß des Herrn Ministers Boeliy, daß es darum „den Schülern aller Schulen verboten ist, Schülervereïnen oder sonstigen Vereinen anzugehören und nun folgt hier eine Stelle, deren Erwähnung ich mir zunächst noch aufspare —, also Vereinen anzugehören, die sich nach ihren Sahungen oder nach ihrer Betätigung gegen den Staat und die geltende Staatsform richten, seine Einrichtungen befämpfen oder Mitglieder der Regierung des Reiches oder eines Landes verächtlih machen.“ Diese Bestimmungen gelten noh heute, und sie liegen allen den Verfügungen der Provinzialschul- follegien zugrunde, die in der leßten Zeit ergangen sind und die in der Großen Anfrage Nr. 206 beanstandet werden, Einer Be- zugnahme dieser Verfügungen auf den bekannten Beschluß des Staatsministeriums vom 26. Juni 1930 hätte es dabei gar nicht erst bedurft, denn daß der Nationalsozialistishe Schülerbund, der ja in erster Linie die Veranlassung zu den erneuten Verfügungen der Provinzialbehörde gegeben hat, unter jede einzelne der Formu- lierungen des eben verlesenen Erlasses fällt, wird {ließlich wohl auch von den Nationalsozialisten selbst nicht bestritten werden können. Und es ist mix eigentlich nicht ret begreiflich gewesen, warunr die Herren vou der Deutschnationalen Volkspartei, die die Große Anfrage Nr. 206 eingebraht haben, si u Zions- wächtern des Nationalsozialistishen Schülerbundes ausgeworsen haben. (Sehr gut! und Heiterkeit bei der Sozialdemokratischen Jch kann mix shlechterdings niht denken, daß das, was der Nationalsozialistische Schülerbund seit etwa einem Jahr dex Jugend der höheren Schule gegenüber versucht hat, die Billigung auch dex Deutshnationalen Volkspartei findet. J halte es auh heute noch troy der Großen Anfrage für gänzli ausgeschlossen, / daß irgendein verantwortungsbewußter Pädagoge, ex mag parteipolitish stehen, wo er will, damit einverstanden sein sollte, daß der Nationalsozialistishe Schülerbund wirkli völlig unbehindert jene aufhegende Wühlarbeit in den Schulen fort- ¿segen kann, die nit politishe Bildung, sondern Erziehung zum Vorurteil gegenüber dem Träger jeder abweichenden Meinung be- zweckt. Oder . meinen Sie etwa, für diese nationalsozialistische Arbeit in der Schule gelte wirklih der Saß, daß alle politische Erzichung ihre Maßstäbe aus dem Reservoirx der Ethik gu nehmen hat? Sollten Sie das meinen, dann bitte ih Sie, einmal gu überlegen, was es für eine merkwürdige Ethik ist, der ich in den Sagzungen eines nationalsozialistishen Schülerbundes be- gegnet bin. Jn diesen Sazungen ist zunächst von dem Texrror der Schule und dex Regierung die Rede, und dann kommt der sehx mannhaft klingende Say: „Mutiges Bekennen zum Bund ist selbstverständlih“ ein Say, an dem man seine Freude haben könnte, wenn man einmal einen Augenblick von dem politischen Gehakt dieses Bundes absicht. Aber diese Freude währt nux bis zum Komma, denn die Satzungen, die eben noch gesagt haben, daß mutiges Bekennen “zum Bund selbstverständlich ist, geben auch sofort die. Begründung. Und wie sieht diese Begründung aus?: „da Thüringen -und Braunschweig uns bei ‘evtl. Bere weisung aus politischen Gründen tatkräftig gur Seite stehen“. (Heiterkeit bei der Sozialdemokratischen Partei.) Meine Damen und Herren, wenn das die Ethik des Kube‘chen Dritten. Reiches

kennen, weil einem ja niht geschchen kann. sie haben beide die Pflicht, vor \ deutshe Jugend zu bewahren Jugend vor einem Rückfall in eine shüßen, sie auch dadurch zu schüßen, daß man sie wußt fernhält von Veranstaltungen, j ziehung zur Verantwortung glei beendet wird, daß die Hörer aufgeforde Willen zur eigenen Verantwortung dur unter einen fremden Willen Schluß zu machen Jch erwähne neben den Vereinen die Versammlungen drücklih und damit komme ih auf die vorhin aufgesparte im Erlaß des Herrn Ministers Boelit, weil der Vater diejes Erlasses am 1. März in der „Kölnischen Zeitung“ geschrieben hat, daß „eine öffentliche Wahlversammlung aber doch etwas anderes sei als ein verbotener Schülerverein“. (Abg. Dr. Boeliß: Wahlmündige Schüler!) Jch will mit Herrn Minister Boelit niht rechten, ob diese Unterscheidung angebracht ist; aber das kann ih mir doch niht entgehen lassen, hier festzustellen, daß er in der vorhin aufgesparten Stelle selber wörtlich sagt: „daß es den Schülern aller Schulen vexboten ist, Schülervereinen oder sonstigen Vereinen anzugehören“ und nun fortfährt „oder an ihren Veranstaltungen teilzunehmen“. Wenn also Herr Minister Boeliy in dem erwähnten Zeitungsartikel meint, daß ih in diesem Punkte niht auf seinen Spuren wandle, dann habe ih dabei daran denken müssen, daß der Goethe-Kommentaior Dünger, als Goethe davon spricht, seine Liebe zu Lilli sei sein stärkstes Liebeserlebnis gewesen, in einer Fußnote anmerkt: „Hierin irrt Goethe“. Fch will den Vergleich nit weiterspinnen, aber, Herr Minister Boeliy, Sie werden freundlichst entshuldigen, wenn ih Sie nun auch ein wenig „hedünvern“ muß und hier im Hinblick auf den Wortlaut Jhres eigenen Erlasses gegenüber dem Vorwürf, ih hätte Jhre Linie verlassen, was ich im übrigen nicht sheuen würde, sagen muß: Hierin irrt Boeliß. (Heiterkeit.) Etwas anderes ist dagegen die Frage, die Herr Abgeordneter Dr. Boeliy bereits durch einen Zwischenruf angerührt hat, ob man niht gegenüber den wahlmündigen Schülern eine Ausnahme machen sollte. Jh möchte nit mit einem demagogischen Trick arbeiten. Sonst könnte ich darauf hinweisen, daß im Gegensaß zu einem Erlaß des Ministers Haenisch, der einen Unterschied zwishen wahlmündigen und wahlunmündigen Schülern gemacht hat, die Boeliyshen Erlasse des Fahres 1922 diesen Unterschied niht mehr in Erscheinung treten lassen (hört, hört! “bei den Sozialdemokraten), daß es also nicht so ist, wie aus der Großen Anfrage Nx. 206 hervorgeht, als ob jezt plöylich im Gegensaß zu frühereren Bestimmungen den wahlmündigen Schülern Rechte ge- nommen werden. Jh will auch nicht darüber streiten, ob die Schule den Schülern gegenüber genau so wie der Staat den Be- amten, den Reichswehrangehörigen usw. gegenüber das Recht hat, die von dex Rechten inkriminierten Beschränkungen anzuordnen, die sih eben aus der Zugehörigkeit zur Schule, zur Beamtenschaft usw., aus der Zugehörigkeit zu einem Verband, aus dem Treue- verhältnis wejensnotwendig ergeben. Meines Erachtens ift dies Recht unzweifelhaft. Aber ih würde es, untex pädagogishen und auch staatspolitishen Gesichtspunkten gesehen, doch als ein Mich- vershangen hinter einer rein formalen Auslegung der Reichs- verfassung empfinden, wollte ih mich mit der Feststellung be- gnügen, daß ein verfassungsmäßig verbrieftes Recht der wahl- mündige Schüler lediglich darauf hat, daß er wählen darf, und daß diese Freiheit der Wahl keinem Schüler verkümmert wird, und daß in der Verfassung nicht das geringste darüber zu lesen steht, ob, in welcher Weise und in welcher Form sih der wahlmündige Schüler nun über die Politik informiert. Daß er sih diese Fnformation nun am zweckmäßigsten gerade durch den Besuch nationalsozia- listisher Wahlversammlungen verschafft, den Beweis dafür zu führen dürfte zwar so ganz einfa nicht sein. Aber ih bin troÿh- dem der Frage, ob man während der Dauer eines aktuellen Wahlkampfes für die wahlmündigen Schüler nicht eine Ausnahme machen könnte, an der Hand der Bérichte der Provinzialschul- kollegien jeyt einmal näher nachgegangen (Zuruf bei der Deutschen Volkspartei: Also doch!) und habe festgestellt, daß die einzelnen Provinzen sehr verschieden verfahren. Da es mir untunlih ers scheint, daß in den einzelnen Provinzen auch weiterhin unter» shiedlich verfahren wird, möchte ih mich der Auffassung an- shließen, daß der Staat nun nicht gerade zusammenbrechen wird, wenn er diesem verschwindend geringen Progentsaß von Schülern während einer Wahlkampagne unbeschadet des weiter aufrecht erhaltenen Verbots der aktiven Betätigung die „Möglichkeit nit unterbindet, sich frei zu informieren, wo sie wollen. (Zurufe.) Ja, wir können doch au einmal einig fein. |

Mit diesex Erörterung der Verhältnisse von Politik und wahlmündiger Fugend stehen wir nun bereits unmittelbar vor der Beantwortung dex Großen Anfrage Nr. 181 der Sozialdemo- kratishen Partei, die das Verhältnis von Politik und Hochsch{uljugend zum Gegenstand hat. Da zwischen dem Einbringen der Großen Anfrage und dem heutigen Datum mehrere Monate liegen und da es inzwischen zu besonders unliebsamen Vorfällen an den preußishen Hochshulen erfreulicherweise nicht mehx gekommen ist, darf ich annehmen, daß das Juteresse des hohen Hauses an einer Darlegung dex Einzelfälle, die zu der Großen Anfrage Veranlassung gegeben haben, durch Zeitablauf überholt ist. Fch darf mih deshalb für den Schluß meiner Aus- führungen auf ein paar allgemeine Bemerkungen beschränken.

Vorweg eine Feststellung, von der ih glaube, daß ih sie der überwiegenden Mehrheit der deutshen Studenten schuldig bin: Nach allen mix amtlih zugegangenen Berichten und nah dem Er- gebnis aller Untersu(ungen sind es immex nur kleine Gruppen von Studenten gewesen, die Unruhe in das akademische Leben ges iragen, die geheßt, gelärmt und sich unqualifizierbar rüde bes nommen haben. Es ist eben auf den Universitäten niht anders, als sonst im Leben au, daß sich bei einer Ansammlung vou Menschen als die eigentlihen Träger des Radaus immer nux kleine Grüppchen erweisen. Eine größere Menge läuft zwar hia- zu, wenn es irgendwo eine prickelnde Situation gibt; die große Masse der Studentenschaft steht aber ohne allen Zweifel dem une verantwortlihen Treiben einer Minderheit innerlih fern und sorgt lieber für eine Klärung des Gehirns dur ernstes Studium,

ist, dann wird es Zeit, daß das moralisch intakt gebliebene

- Deutschland äus seinem Hitlertraum erwacht, Mutiges Be-

als daß sie verzeihen Sie den Ausdruck —: eine Politik der losen Snanze treibt. Es ist mir deshalb ein Vedürfnis, bei

A t I E Sal e E e