1888 / 56 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Das Haus der Abgeordnetcn wolle bes{licßen : f _ I. Den Tit. 5 des Kap. 124 wie folgt zu fassen: „Zur Ver- besserung der äußeren Lage der Geistlihen aller Bekenntnisse

6 000 000 M“

II. Den Tit. 18 des Kap. 124 zu fassen, wie folgt: „Zur Entschädigung der Geistlihen u. f. w. wie in der Vorlage 1 050 000 Æ#“

1II. Für den Fall der Ablehnung des Antrags I: Die König- lie Staatéregierung aufzufordern: Den Fonds im Kap. 124 Tit. 5 im Staatébauébalts-Etat für das Iabr 1889/20 so zu bemcssen, taß das Mindefteinkommen nebft freier Wohnung der im Amt befindlichen Geistli®en der Regel nach in evangelischen Pfarren 2400 Æ, in fatbolisden 1800 Æ beträgt und in :weckmäßig abgestufte: Zwishen- râumen für die evangelischen Geistlichen auf 3600 #4. Für die fatho- liscken auf 2700 Æ nach 2öjähriger Amtédauer steigt.

IV. Für den Fall der Ablehnung des Antrags 1I: Die König- lide Staatéregierung aufzufordern: In den Staatéthausbalts-Etat für das Jahr 1889/90 cinen Vetrag von 750 000 Æ alé dauernden Staatézuschuß für die evangelische Landeskirbe zum Zweck der kirhen- gesetlicen Regelung des Stolgebührenwecfens einzustellen.

V. Die Könialihe Staatëregierung aufzufordern: Dem Hause der Abgeerdneten baldmöglichst eiren Gescßentwurf vorzulegen, durch welchen der evangelishen Landeskirhe die für ihre dringendsten Be- dürfnisse namentlich zur Begründung neuer Parocien und zum

Bau neuer Kiren, sowohl in übermäßig starken Gemeinden, als infonderbeit in der Diaspora, zur Herstellung kirhlicer

Seminarien und zur Einführung von Vikariaten, zur Ablösung der Stolgebübren, zur entsprehenden Auéüburg des Kircenregiments und zur Bestreitung eincs auéreiwenden Einkommens der Geistlichen und na deren Tode zur Unterstüßung ihrer Angebörigen nothwendigen Mittel dauernd gewährt werden,

Die XV. Kommission des Hauses der Abge-

ordneten zur Vorberathung des Gesegzentwurfs, betreffend die Kosten Königlicher Polizeiver- waltungen in Stadtgemeinden, und des Geset-

entwurfs, betreffend die Uebertragung polizei- liher Befugnisse in den Kreisen Teltow und Niederbarnim, sowie im Stadtkreise Charlotten- burg an den Polizei-Präsidenten zu Berlin, hat si torstituirt und zum Vorsitzenden den Abg. Grafen von Schwerin - Pußar, zum Stellvertreter des Vorsizenden den Abg. Greiß, zu Schriftführern die Abgg. von Neumann, Tramm und Sperlih gewählt.

Die Uebertragung eines Sparkassengut- habens im Geltungsbereih des Preußischen Allg. Landrechts kann nah einem Urtheil des Reichsgerihts, IV. Civil- senats, vom 2. Februar d. J. niht durch die Uebergabe des Sparktassenbuchs mit der Erkläruna, der Empfänger solle das Geld für si erheben, bewirkt werden; auch genügt dazu nit, daß der Empfänger des Buches bei der Sparkasse das Gut- haben und das Buch auf einen Dritten umschreiben läßt, ielmehr bedarf cs zur rechtéwirksamen Uebertragung des Sparkassenguthabens abgesehen von dem Falle der wirk- lichen Erhebung des Guthabens bei der Sparkasse durch den Empfänger des Buches der schriftlihen Cession des Gut- habens. Diese schriftliche Cessionserklärung ist hon dann als vorhanden anzujehen, wenn der Geber des Buches dem Empfänger ein Schriftstück übergiebt, in welchen: er die Ueber- gabe des Sparkassenbuchs zur freien Verfügung des Empfängers anerkannt und der damit beabsichtigten Uebereignung des Sparkafsenguthabers keinen formellen Ausdruck giebt.

Die Berufung ist na ciner das Urtheil des Schicds- gerihts besiätigenden Entscheidung des Reichs -Versiche- rungsamts vom 16. Januar d. J. (Nr. 484) gemäß $. 62 Absaz 5 des Unfallversiherungsgesezes „erhoben“, wenn frist- gerecht bei dem zuständigen Schiedsgerichtsvorsizenden eine \riftlihe Eingabe des Verleßten des Jnhalts eingegangen ist: Gegen den Bescheid der Berufsgenossenshaft vom c. lege ih biermit Berufung ein. Die auf Grund des $. 50 Absay 4 des Unfallrersiherungsgesezes erlassene Kaiserlihe Verordnung vom 2, November 1825 regelt nur das Verfahren vor dem Schiedsgericht und erfordert zu dem Zweck ordnungsmäßiger Durchführung des Verfahrens im $. 4 neben der schriftlihen Form und der Beifügung einer Abschrift des Schriftsazes als Inhalt des letzteren: die Bezeichnung des Gegenstandes des Anjpruchs und der sür die Entscheidung maßgebenden That- sachen unter Angabe der Beweismittel. Wird diesen Er- forderni)jen nit genügt, so kann dies gewisse Nachtheile für das Verfahren und in Betreff des Kostenpunktes zur Folge haben. Die geseßlihe Wirkung der rechtzeitig erhobenen Be- rufung wird aber davon nicht berührt, und es ist unbedenklich zuzulassen, daß den Anforderungen des 8 4 a. a. O. durch spätere Eingaben genügt werde vorbebaltliG der Nichtberücksihtigung solcher Thatsachen, welhe erst nach Ablauf der Rekursfrist geltend gemacht worden sind. Vergleihe Entscheidungen 238, 429, 467, „Amtlite Nach- rihten des R.-V.-A.“ 1886 Seite 291, 1887 Seite 357 und 1888 Seite 84. Der auf den angeblihen Formmangel ge- stügte Nekurs des Berufsgeno\ssenshafts-Vorstandes war zurüd- . zuweisen. :

Dur Allerhöchste Ordre vom 6. Februar d. J. ist dem Kreise Grimmen, welcher den Bau 1) einer Chaussee vom Endpunkte der Grimmen-Milzower Chaussee durch das Dorf Reinberg bis an die Stralsund-Greifswalder Chaussee, 2) eines Steindammes auf dem von der projektirten Chaussee ad 1 über Hankenhagen und Hinrichshagen an die Stralsund- Greifswalder Chaussee führenden Wege beshlossen hat, das

Enteignungsreht für die zu diesen Straßenbauten erforderlihen Grundstücke, sowie gegen Uebernahme der künftigen chaufseemäßigen Unterhaltung der erstgenannten

Straße das Recht zur Erhebung des derselben nah den Bestimmungen des Chausseegeld-Tarifs vom 29. Februar 1840 cinsQlieflih der in demselben enthaltenen Bestimmungen über die Befreiungen, sowie der sonstigen, die Erhebung betreffenden zusäßlihen Vorschriften vorbehaltlich der Abänderung der sämmtlichen voraufgeführten Be- nimmungen verliehen worden. Auch sollen die dem Chausseegeld - Tarif vom 29. Februar 1840 angehängten Bestimmungen wegen der Chaussee-Polizeivergehen auf die gedachten Straßen zur Anwendung kommen.

Auf Veranlassung der Königlichen Ober-Rehnungs- kammer und nach Anordnung des Ministers des Innern joll fortan au von den Gendarmen ein Jnventarium über die auf Kosten des allgemeinen Polizeifonds beschafften und ihnen gelieferten Gegenstände geführt werden. Der Chef der Landgendarmerie hat die Form desselben vorgeschrieben : es bildet einen Anhang zum Montirungs- und Wirthschaftsbuch. Be Gegenstände und das Junventarium * bleiben bei Verseßungen stets in der Station. Beim Ausscheiden hat der die Auskleidung und Abrehnung leitende Vor- geseßte die Jnventarienstücke dem Nachfolger zu übergeben,

Chausseegeldes auf

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welcher unter dem Jnventarium die rihtige Uebernahme der Stüde anzuerkennen Zugang oder Abgang von Inventariengegenständen ist unter nführung der darüber er- gebenden Versügung aufzunehmen. Die halbjährlihe Ein- gabe über das richtige Vorhandensein der in dem Montirungs- und Wirthschaftsbuhe verzeihneten Bekleidungs- und Aus- ». gane wird auch auf die Jnventariengegenstände aus- gedehnt.

Die Stadtgemeinde F. hatte das im 8. 7e des Kom- munalabgaben - Gesetzes vom 27. Juli 1885 vorgesehene Prä- zipuum von dem Reineinkommen ciner Eisenbahn gefordert, welche bis zum 1. April 1880 als Eigenthum einer Aktien- gesellschaft der kommunalen Einkommensbesteuerung rect- lih und thatsählih unterworfen gewesen, dann vom Fiskus erworben (verstaatliht) war und von ihm für eigene Rechnung von F. aus weiter betrieben wurde. Das Ober-Verwal- tungsgeriht (IT. Senat) wies mittelst Endurtheils vom 13. Januar d. J. die hiergegen gerichtete Klage des Fiskus ab und bezeichnete insbesondere es als rechtlich unerheblich, daß in Ansehung jener Bahn eine Abgabenpfliht des Fiskus vor dem 1. April 1880 niht bestanden, auch demnächst die log. Verstaatlihungsgeseze eine solhe nicht ausgesprochen atten.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Fürstlich shaum- L E Regierungs-Präsident Spring, ist hier ange- ommen. °

S M Schiffsjungen-Sculschiff „Ari adne“, Komman- dant Kapitän zur See Barandon, ist am 27. Februar cr. in Portorico eingetroffen und beabsihtigt, am 12. März cr. wieder in See zu gehen.

Dr. F)

Sachsen. Dresden, 29. Februar. Der König und die Königin werden sich am nächsten Montag, den 5. März, früh nah München begeben, um am dortigen Königlichen Hofe einen Besuch abzustatten. Die Königin wird fodann von München aus am Dienstag, den 6. März, Abends nah Riva weiterreisen, woselbst ein dreiwöchiger Auf- enthalt Jhrer Majestät in Aussicht genommen ist.

Württemberg. Stuttgart, 28. Februar. Der „Staats- Anzeiger für Württemberg“ meldet: „Nachdem der Januar in Florenz fast unausgeseßt s{höne, aber für diesen Theil gtalicns kalte Tage gebracht hatte, trat mit Anfang Februar vor- wiegend regnerishes Wetter mit vereinzelten Scneetreiben ein. Die Temperatur, welche nur in seltenen Fällen Nachts den Gefrier- punkt erreihte, ist bei Tage eine merklih höhere als im ver- flossenen Monat gewesen, und die vereinzelten hönen Tage zeigten den Charakter des beginnenden Frühlings. Die seit dem 16. Februar sich ankündende Rekonvaleszenz des Königs ist durch die Witterung bis jeßt nicht beeinflußt worden; dieselbe schreitet stetig, aber immerhin recht langsam fort. Se. Majestät werden dana voraus- sihtlih noch einige Zeit das Bett, bezw. späterhin das Zimmer nicht verlassen können. Auf das Befinden der Königin haben die ernsten Sorgen um den Hohen Gemahl, welche Höchstdieselbe in den leßten Wochen bewegten, glüdticherweise einen nachtheiligen Einfluß niht ausgeübt.“

_ Vaden. Karlsruhe, 29. Februar. feierlihe Beisezung der Leiche des Prinzen Ludwig Wilhelm fand heute unter großer Betheiligung der Bevölke- rung siatt. Nach dem Trauergebet in der S&loßkirche wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und in feierlichem Zuge, der sich um 12 Uhr unter dem Geläute sämmt- lier Glocken in Bewegung seßte, nah der Stadttirche überführt. Eine Abtheilung der Leib-Grenadiere eröffnete den Zug; an dieselbe {lossen sich die Dienerschaft des Verstorbenen sowie die Kammerherren und Junker. Generale des badishen Armce-Corps trugen vor dem Leichenwagen die Orden des verstorbenen Prinzen. Zu Seiten des jechêfpännigen Leichenwagens befanden sich die Kammerherren und vier Stabsoffiziere, welhe das Bahrtuh trugen. Der Großherzog und die anderen Fürstlichen Herrschaften jolgten in Wagen. Diesen {lossen sich an: die Flügel- Adjutanten des Prinzen, die Ober-Hof- und Hofchargen, die Abgesandten der fremden Fürstlihkeiten, die Mitglieder des Staats-Ministeriums, die Präsidenten des Landtages, General- Lieutenant von Peterédorff, als Vertreter des kommandirenden Generals, die Generalität und Vertreter der Stadt. Eine Ab- theilung des Grenadier-Regiments {loß den Zug. Als leßterer

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(W. T. B.) Die

i Der Stadtkirhe anlangte, ertönte Orgelspiel. Nach einem hierauf folgenden Choralgesang hielt Prälat Doll die Trauerrede. Die Großherzogin und die

Fürstlihen Damen wohnten der Trauerfeier in der Hof- loge bei. Nach der Trauezrrede wurde der Sarg unter Kanonendonner und Gesang in die Gruft versenkt, wo die Leiche in Anwesenheit der Höchsten Herrschaften eingesegnet wurde. Der größte Theil der Läden und Geschäfte blie» ge- s{lossen, und die Balkons der Häuser derjenigen Straßen, welche der Trauerzug passirte, waren {warz verhängt. Auf dem Marktplaß war die Trauerparade aufgestelt.

L Desterreich-Ur garn. Wien, 28. Februar. (Wien. Abdp.) om Abgeordnetenhause des Reichsraths gelangte heute die Zuschrift des Handels-Ministers, betreffend den Antheil des Staats an dem Reingewinn der Nord- bahn für das Jahr 1887, zur Vertheilung. Der Bericht des Legalisirungsaus\chusses über den Gesezentwurf, betreffend die grundbücerliche Einverleibung auf Grund von Privaturkunden in geringfügigen Grundbuchssachen, veranlaßte eine längere lebhafte Debatte, an welcher sich auc der Minister und Leiter des Justiz-Ministeriums, Dr. Freiherr von Prazak, betheiligte. Schließlih wurde mit großer Majorität das Eingehen in die Spezialdebatte beschlossen.

Pest, 28. Februar. (Wien. Ztg.) Jm Abgeordneten- hause eröffnete Präsident Péchy die Sißzung mit folgender Traueranzeige: Es {loß heute Morgen ein Mann jein dem Vaterlande gewidmetes thätiges Leben, welcher in der leßteren Zeit zwar nicht Mitglied dieses Hauses war, der aber sein ganzes Leben hindurch derart zum Wohle des Vaterlandes wirkte, daß ih es für unmöglich erachte, daß das Abgeord- netenhaus Ungarns seiner niht gedenke. (Allgemeine Zustim- mung.) Dieser Mann war Koloman G hyczy, der vom Eintritt der verfassungsmäßigen Zeitperiode bis 2. April

1879 ein sehr thätiges Mitglied, ja im Jahre 1861 und von

1875 bis 1879 au Präsident dieses Hauses war. Es fann niht meine Aufgabe bilden, seine Verdienste aufzuzählen;

mich knüpften die Bande der Dankbarkeit und Anhänglichk:it

so sehr an ihn, daß mir dies im gegenwärtigen Augenblick chwer wäre. Es ist jedem Mitgliede des Hauses, es ist dem ganzen Lande bekannt, daß sein ganzes Leben dem Vaterlande geweiht war. (Allgemeine Zustimmung.) Jh bitte das eehrte Haus, seinem Schmerz über das Hinscheiden dieses ¿annes auch im Protokoll Ausdcuck geben und das Präsidium ermäßtigen zu wollen, im Namen des Hauses auf dessen Bahre einen Kranz niederzulezen. (Allgemeine lebhafte Zu- stimmung.) Es folgte hierauf die auf der Tagesordnung stehende Verhandlung der Vorlage über die Beilegung der Grenzstreitigkeiten mit Rumänien.

Großbritannien uad Frland. London, 29. Februar. (W. T. B.) Bei der im Unterhause heute fortgesezten Berathung der Vorlage, betreffend die Abänderung der Geschäftsordnung, wurden die Anträge der Regie- rung bis zur zwölften Resolution einschließli, theilweise mit von der Regierung acceptirten Amendements, angenommen. Dieselben bestimmen, daß der Präsident bei vers{leppenden Anträgen von der namentlihen Abstimmung absehen kann, und daß die zweite Lesung der Antwort-Adrese auf die Thronrede wegfällt. Die weitere Debatte wurde bis Dienstag vertagt.

Der parnellitishe Deputirte Pyne ist heute in Clonmel wegen einer aufrührerishen Rede zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt worden. Derselbe legte sofort Be- rufung ein.

Bei der Wahl eines Mitglieds zum Unterhause für Deptford an Stelle Evelyn's, welcher sein Mandat niedergelegt hat, wurde Darling (konservativ) mit 4345 Stimmen gewählt. Wilfred Blunt (Gladstonianer), welcher sih gegenwärtig im Gefängniß befindet, erhielt 4070 Stimmen.

(A. C.) An Stelle des in den Pairsstand erhobenen Ministers für die Kolonien, Sir Henry Holland (nunmehr Lord Knutsford), wurde der gestern von den Konservativen und liberalen Unionisten aufgestellte Kandidat, Edward Brodie Hoare, unbeanstandet zum Vertreter des Londoner Wahlbezirks Hampstead im Unterhause gewählt.

Die Lords der Admiralität haben seit ciniger Zeit cinen Mobilisirungsplan für die Marine ausgearbeitet, welcher im Früßling praktisch geprüft werden sol. Das Kanalgeshwader hat deshalb Befehl erhalten, vor dem 4. April nah England zurückzukehren.

Die zur Untersuchung der Ursahen und Wirkungen des in legter Zeit entstandenen veränderten Werthverhält- nisses der edlen Metalle eingesezte Königliche Kom- mission hat ihren Bericht jeßt vollendet und hofft, ihn binnen Kurzem veröffentlichen zu können.

Frankeceich. Pacis, 28. Februar. (Fr. C.) Jn der heutigen Sigzung der Deputirtenkammer gelangte der Bericht des Abg. Pradon über nachstehende Gesetzentwürfe zur Vertheilung: 1) den des Abg. Thiessé, betreffend die Ein- führung einer Fremdentare für fremde Arbeiter und An- gestellte; 2) den des Abg. Failly, betreffend die Aus- schließung der fremden Arbeiter von den öüffeit- lihen Arbeiten; 3) den des Abg. Pradon auf Einführung

einer Fremdentare; 4) den des Abg. Steenacker auf Be- steuerungDerjenigen, die Fremde in ihren Diensten

haben.

Der Budget-Aus\chuß hat sih für Bewilligung fol-

gender Kredite erklärt : 200 000 Fr. für Einrichtung der Cadres der Unteroffiziere in den vierten Bataillonen, 550 000 Fr. zur Ausführung der Einübungsperiode von 28 Tagen für die Re- servisten, die niht genügend eingeübt wurden, da die Periode von 28 auf 14 Tage beshränkt worden war, 100 009 Fr. für Einsezung von General-Fnspektoren der Armee-Corps. _ 29. Februar. (W. T. B.) Jn der heutigen Sißung der Deputirtenkammer kam bei der Berathung des B u d- gets des Auswärtigen der Marquis von Breteuil auf die durch die Tripel: Allianz ge\haffene Lage zu sprechen, ertlärte, dem Auslande gegenüber gebe es weder Monarhisten noch Re- publikaner, und betonte die Nothwendigkeit, der Unbeständigkeit des Ministeriums, namentli dem des Krieges und der Marine, ein Ende zu segen; die Rechte werde niemals Schwierigkeiten schaffen, weil sie stets die Jnteressen des Vaterlandes höher stellen werde als die der Partei. Dem Kaiser von Rußland müsse Frankreich seine Sympathien bezeigen, ohne jedo dieselben zu übertreiben. Redner war erfreut darüber, daß die Miß- verständnisse mit England beseitigt seien; auc gegen Ztalien habe Franfkreih kein Uebelwollen. Derselbe {loß mit den Worten: Zeigen wir, daß die Nation dex Frieden will, aber den Krieg nit fürchtet; weisen wir jede Jdee cines Offensiv- Krieges zurück. Der Minister des Auswärtigen, Flourens, rehtfertigte später den Angriffen des Deputirten de la Ferronay gegenüber die bezüglich des Suezkanals und der Neuen Hebriden ab- ge!chlossene Konvention und erklärte, es gebe neben der Suez- kanalfrage noch eine von dieser sehr verschiedene egyptische Frage. Frankreich habe das größte Jnteresse daran, dem Kanal cinen internationalen Charafter zu geben, deshalb habe die Regierung die Verwirklihung der Konvention veranlaßt, welcher die Kammer gewiß zustimmen werde. Jm weiteren Verlauf der Berathung beantragte der Minister Flourens die Wieder- cinstelluug des Budgetpostens für die französishe Botschaft beim päpsilihen Stuhle, welhe von der Budgetkommission gestrihen worden ist. Die gegenwärtigen Verhältnisse ver- langten gebieterisch die Wiederherstellung diefer Botschaft. Alle Staaten, welche Schwierigkeiten in ihren Beziehungen zum Vatikan gehabt hätten, knüpstzn ihre diplomatischen Bez!ehungen zu demselben wieder an. Der Einfluß Frankreihs im ckTient werde von europäischen Mächten angegriffen ; ein ganz besonderes Aftionsmittel Frankreichs im Orient sei die Bot- haft beim Vatikan. Jhre Abschaffung votiren, hieße be- &ließen, daß die Kinder in den Stzulen der Levante künftig nur italienish lernten. Es sei dies eine Frage des Patriotis- mus, welche die Kammer verstehen werde. Pelletan sprach gegen die Bewilligung, der Minister-Präsident Tirard unter- ntügte die Ausführungen Flourens’. Der Budgetposten für die Botschaft beim Vatikan wurde sodann mit 294 gegen 240 Stimmen wiederhergestellt.

_Stalien. Nom, 29. Februar. Minister-Präsident Crispi legte Sißung der Deputirtenkammer Schriststücke über die Handelsvertragsverhan d- lungen mit Frankreich vor. Auf eine Anfrage des Abg. Prinetti erklärte derselbe: die italienische Regierung

(29, ck D) Der in der heutigen die zweite Folge der

habe ihr Möglichstes zur Feststellung eines italicnis ch- französischen Konventional - Tarifs gethan. Die

Kammer werde hoffentlich S E

Debatte cröffnen wollen.

das italienishe Parlament

über diesen Gegenstand feine Es wäre schmerzlich, wenn sich in einen Streit mit dem fran-

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ösischen einließe. Es könne Verdrießlichkeiten, aber nit einen Bbeipalt zwischen beiden Nationen geben. Die Regierung wünsche lebhaft, daß es weder zu einem Zwiespalt noch zu einem Streit mit Frankreich komme. Es sei - niht die Schuld der Regierung, wenn fie von morgen ab den

llgemeinen Tarif in Anwendung bringe. Ein Detret werde heute Abend wveröffentliht, welches

viele Säße des allgemeinen Tarifs gegenüber Frankreich modifizire. Es handle sich um Vertheidigung, nicht um einen Angriff. Prinetti, Nicotera und _Miceli sprachen si zustimmend zu den Auslassungen des Minister-Präsidenten aus. Der Radikale Ferrari verzichtetz darauf, die Regierung über diese Frage zu interpelliren. Die Kammer genehmigte sodann mit 209 gegen 16 Stimmen die Verlängerung des Handelsvertrages mit Spanien um zwei Monate. Der gleiche Beshluß wurde auch im Senat gefaßt, wo der Minister-Präsident Crispi noch mittheilte, daß heute ein Vertrag mit der Shweiz abgeshlossfen worden sei, welcher für Jtalien die Behandlung als meistbegünstigte Nation vorbehalte, um inzwischen die Verhandlungen wegen definitiven Abschlusses des Vertrages fortzuseßen. i 29. Februar, Abends. (W. T. B.) Die heutige „Gazzetta ufficiale“ veröffentliht ein von der Regierung krast der ihr durch Artikel 2 des Geseßes vom 10. Februar 1888 zugestandenen Befugniß erlassenes Dekret, duch welches von morgen ab die in dem allgemeinen Tarif bestimmten Eingangszölle für gewisse französische

Waaren erhöht werden. Unter den von solcher Er- höhung betroffenen Artikeln befinden sich: Wein, Spiri- tuosen, Kaffee, Zucker, Chokolade, Dele, Seife, Par-

fümerien, Farbwaaren, Möbel, Spielwaaren aus Holz, Ge- wehre, Mehle, Mehlspeisen, in Essig oder Oel eingelegte Früchte, Fische, Kerzen, Fächer, Pianos x. Der Zoll auf Textilwaaren, Häute, Eisenbahn - Vehikel, Thonwaaren, Gläser und Kupferwaaren wird auf 50 Proz., der Zoll auf Eisenwaaren auf 20 Proz., derjenige auf Maschinen auf 30 Proz. festgejezt. S

Die „Riforma“ bemerkt: die italienische Regierung habe si bei der Erhöhung der Eingangszölle auf französische Produkte das betreffende franzöfische Geseß gegen die italienishen Erzeugnisse zum Muster genommen. Die Journale sprahen sich über die heutigen Erklärungen Crispi's in der Kammer und über die Haltung der leßteren zustimmend aus.

Einer Vieldung aus Massovah unternahm General Baldissera gesiern mit zwei Bataillonen Bersaglieri und einer Abtheilung Jrregulären eine Netto g- noszirung bis Ailet, fand aber kein Anzeichen eines Dur(- zuges der Abessinier.

Spanien. Madrid, 29, Februar. (W. T. B.) Jm Senat wurde heute von Seiten eines Senators an die Re- gierung eine Anfrage gerichtet über cine angeblich beabfich- tigte Verfügung, betreffend die Kupferminen von Huelva, durh welche das Ausglühen des Kupfers an freier Luft verboten werden solle. Der anwesende Minister lehnte die Beantwortung ab.

1. März. (W. T. B.) Der Herzog von Mont- pensier ist nach Sevilla abgereist.

Amerika. Washington, 29. Februar. (W. T. B.) Die Repräsentantenkammer hat den Geseßzentwurf an- genommen, nah welchem der Uebershuß im Staats-

zufolge

sha8 zum Ankauf von Obligationen verwandt werden soll, : Zeitungsftimmen. Die „Sozial - Correspowdenz“ s{hreibt über die

Grundlage und Zukunft des neuen deutschen bürgerlichen

Gesetzbuchs :

Als das Deutshe Reih gegründet und die Seßnsu®t des deut!en Volkes na politisher Einigung fast über Nat befriedigt wurde, war es natürli, daß auch das Streben nah einer Einigung des bürgerliwen Re@ts neue kräftige Nahrung erhielt. Die Wet#sel-

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ordnung und daë Handelsgeseßbuch wurden jeßt als gemeines deutsches Recht publizirt. Dann folgte das deutsche Strafgeseßbuch, die Civi pro;cßordnung, dic Strafvrozeß- und Konkursordnung. Das bürger- lie Ret aker feblte no.

Die deutsche Rehtswifsenshaft fühlte s erstarkt genug, aus ein ncues bürgerlies Geseßbuch zu \{affen, was noch) Savigny, und für seine Zeit mit Necht, für auésitélos erklärt batte. Das lette Hinder-

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niß, die beschrärkte geseßgeberise Zuständigkeit des Reichs, wurde durch das auf Laéker's Untrag erlassene Reichsgeseß vom 20. De-

Im Frühjahr 1874 ernannte der Bundesrath

zemLer 1873 beseitigt. E | it der vollendete

eine Kommission zur Veratbung, und Ende 1887 Entwurf dem Bundesrath überrcict worden. :

Ueber die Grundlagen dieses neuen deutsben bürgerli®den Gesct- bus bat der langjährige bowverdiente Mitarbeiter an diescm Werk, Geheime Rath Profesor Dr! Windicheid in Leipzig, am 24. Februar im $ öfentliden Vor-

1m Kaufsmännisc@cn Berein cinen bedeutsamen 1 trag gebalten, welcher den Entwurf in verschiedenen Richtungen

beleuchtit. Nach den Mittbeilungen des Vortragenden wird das... Gesetzbuch kurz scin, fich mehr auf die Aufstellung leitcnder Grund- sätze: beschränken und ten gefährlihen: Weg des preußishen LandreckÞts, die tasuistishe Entsckeidung einzelner Fragen, niht betreten. De jeßt vorliegende Entwurf entbält nur 2164 Paragrapben (der Code Napolécn 2285 das sächsishe bürgerlite Gesetbeh 2620 Artikel, das öosterreihishe 1502).

Das bürgeclihe Ceschbuch wird deuts reden. Für „Obliga- tionen“ beißt es „Schuldverhältnisse“, für „Cession“ „Uebertragung“, sür „Kompensation® „Aufrehvung“, für „Servitut“ „Dienstbarkeit“, für „Prozeß“ „Rechtéstreit“, Uebertriebere Ausschlicßung von Fremd- wörtern ift dagegen dem Entwurf fremd. So sind Auëdrücke wie „Testament“ und „Hypothek“ beibehalten. i

An der großen Errungenschaft unserer Zeit, daß das Recht des Einzelnen unabbängig ist von scinem Glaubensbekenntniß, wird dur den Entwurf nichts geändert. Auch die Handlungsfäbigkeit ter Ehbe- frau wird der des Chemannes gleicbgestellt. Die Großjährigkeit be- ginnt, wie bercits an den meisten Orten, mit dem 21. Lebensjahre. Wie rach dem Civilstantsgeseß von 1875 ist auß nach dem Entwurf die Che unabhängig von der kirlichen Gesetzgebung und Gerichts- barkeit. In Betreff der Ebe giebt es keine Scheidung von Tis und Bett mehr, sondern nur vom Bande. Die Ehescheidung kann nur aus bestimmten Gründen dur ricterlihes Urtheil verfügt werden. Krankheit und selbs Wahnsinn bilden keinen Grund mebr für Ebe- scheidung. Ob dics Reichsrecht wird, ob das deutsche Volk stark genug sein wird, eine solhe Geseßgebung zu tragen, teht freilich dahin. Die Entscheidung des Reichstages wird eine Art Gottcéurtheil bilden.

Prof. Windschcid ging noch auf weitere wihtige Einzelheiten des Entwurfs, auf das chelihe Güterrebt und das Hppz-tkekenreht, näher ein und {loß seinen inbaltéreihen Vortrag mit der Frage: „Welches wird die Zukunft des bürgerlihen Geseßzbuhs und des Deutschen Reicves scin?* worauf er folgende Antwort gab:

„Das deutsche bürgerliche Geseßbuh wird segensrcich wirken, wern si ibm zur Seite stellt eine unablässig arbeitende Rechtswifsen-

\caft, roel®e seine Gedanken ausdenkt und fertig denkt. Das bürger- lide Gesetßbuch wird bestehen dur die Arkeit der deutsben Rechts- wissenschaft. das Deutsbe Reih wird bestehen durch die Arbeit des deutshen Volks. Es giebt einen Felsen, auf dem das Deuts®%e Reich gegründet ift, einen andern Felsen giebt es nit: die Tugend seiner Bürger. Und fage Niemand: auf mich kommt es nit an, ih bin zu klein, zu unbedeutend. Auf Jeden kommt es an, bs oder niedrig. Es gebt gegenwärtig cin Ringen durch Europa, wie es die Welt- gesbihte noch nit gcsechen. Welches Volk wird oben bleiben? Nicht die Begeisterung wird entscheiden, auch nit die Tapfcrkeit. Derjenige wird siegen, auf defsen Seite das größte Maß von sittliher Kraft steht. Arbeiten, an sich und für Andere arbeiten, in Demuth und Selbstverleugnung, nit um des persönlichen Erfolges willen arbeiten, nicht dem Genuffe dienen! unter diesem Zeiten werden wir siegen ; wo nit, gehen wir zu Grunde. Nicht von beute auf morgen. Völker und Reiche sterben nit wic Menschen. Aber einmal gewiß. Es giebt eherne Wahrheiten. Wer sie mißachtet, zerstöft sich den Kopf daran, Menschen und Völker. An uns Alle ergeht der Ruf: Ihr- babt eine grofe Zeit erlebt, sorgt dafür, daf nit einst die Ge- schichte \sprechen wird: die große Zeit bat ein kleines Ges{lecht ge- funten!“

Die „Berliner Börsen-Zeitung“ berihtet über die Lage der Berliner Fabrikation 2c. :

Der jetzige Zeitpunkt zeiat cinmal wieder klar, wel bedeutendes Handelsemporium Berlin in dem leßten Jahrzehnt geworden ist. Es iît augenblicklich die Zeit des Saisoneinkaufs. Hunderte fremder Einkäufer, und zwar meistens nur Inbaber oder Vertreter großer Geschäfte, kemmen jeßt täglih nah Berlin, die si bier eine und zwet Wochen, oft noch länger aufhalten, die großen Fabrifs- und Enaros- ges@âfte unserer Stadt besuchen, um ihre Bedürfnisse für das Früh- jahr zu decken. Das Zusammentreffen so vieler Fremder in einer ganz bestimmten Zeitveriode sie übersteigt selten vier Wodben mat nch aud in dem äußeren Leben unserer Reihshauvtstadt bemerkbar. Hotels, Theater u. \. w. find überfüllt. Berlin beherrsHt nit allein die Fabrikation fast fämmtlicer sogenannter Saisonartikel, es bat au den Zwiscenhandel tadurch, daß fich die Einkäufer daran gewöhnt haben, unseren Markt regelmäßig zu besuchen, fast gänzlich hierber gezogen. In Folge davon sind viele Geschäfte der in Rede stehenden BranÞe aus

nderen Städten bierhcr verlegt worden, andere Firmen baben went2tens

wärtige Kunde, der beute Berlin besucht, fid mit Allem verforgen

kann, und zwar aus erfter Hand, was er für fein Geschäft nöthig hat Es trifft dieses ni@t allein für die Textil-Induitrie, ebenso für die

mit denselben

verschiedenen Fabrikate der Montan-Industrie und die mi er«, Holzwaaren-

zusammenhängenden Gewerbe, für die Papier-, Led und œemishe Industrie zu. Trotzdem nun von gewissen Seiten über die allzu starke Ausdehnung und Zunahme der hiesigen Fabrikation, über die übergroße Konkurrenz, die fast in jedcr Branche hberrsBt, Klage geführt wird, ist eine Erweiterung immer noch wabrnehmbar. Neue Geschäfte entstehen fast tägli ; der Zufluz aus- wärtiger Firmen, welche hier Niederlassungen begründen, ist im Wachsen begriffen, so daß wir in einem ferneren Jahrzebnt eine Auêdchnung es bicfigen ge!chäftlichen Lebens fast mit Sicherheit zu erwarten baben, welche nicht weniger umfangreih sein wird, als tas Wachs- thum während des abgelaufenen Iahrzehnts Au äußerliß mabt sich das WaDsen von Handel und Industrie bemerkbar. Waren nod vo wenigen Jahren Geschäftélokale in der zweiten Etage eines Haufe für die Allgemeinbeit unbekannt, so sehen wir jeßt, daß in den b lebtz¿u Strafen selbst die dritten Etagen von Gescchäfrsfirmen vielfach bezogen werden, und was vielleiht jeßt noch zur Seltenbeit gehört wird in kürzester Zeit zur Gewohnheit werden. Un'ere biesigen Fa- briken sind augenblicklih gut beschäftigt, wie dies übrigens bei der oben erwäbnten Anwesenbeit zablreiher Einkäufer kaum anders zu erwarten ist. Die Tertil-Induîtrie ist mit Aufträgen so reihli versehen, daß sie wohl in der Lage sein dürfte die zablreihen bier befindlihzn Arbeits- kräfte bis. Ostern voll zu besch@äftigen. Wir übergehen die ver- schiedenen Konfektionsbranchen, bei denen die Beschäftigung um diese Zeit des Iahres stets cine sebr lebhafte ist, um zu konstatiren, daß biesige Stofffabrikanten, Hut-, Schirm- und Weißwaaren-, Passementerie- Fabrifanten reiblich zu thun baben, daß unser Zwiscbenbandel in Kleider- stoffen, in Seidenwaaren täglih große Poften verkauft. Wir er- fabren, daß in der biesigen Lampen-, Messing- und Kupferwaarenfabri- ation die Beschäftigung in diesem Jahre eine weit größere als im Vorjahre um diefe Zeit ist, man meldet ferner, daß der fehr be- deutende Handel mit Berliner Kurzwaaren umfangreiche

besitt, dasselbe wird aus der Leder- und Portefeuiliefabrikation mit- getheilt. Der große Verbrauch von Waaren, der sch momentan bier bemerkbar macht, wirkt auf diejenigen autwärtigen Fabrif- städte, welche uns versorgen, in Gestalt umfangreiher Nach- bestellungen zurück. Für viele Branchen handelt es sich jeßt weniger darum, zu verkaufen, als {nell zu liefern. Ob das Geschäft im Allgemeinen in derselben befriedicenden Art und

tishe Lage cine friedlibe bleiben wird, ist wohl mit Sicher: beit anzunebmen —, hängt jeßt ron dem Eingreifen des großen Publikums, von den Nachbestellungen und nicht zum allerwenigsten von der Witterung ab; aber was wir zu unserer Freude mittheilen kêônnen, was uns von vielen hier anwesenden

fremden Einkäufern wiederholt wird, ist, daß die Kaufkraft unserer Bevölkerung im Allgemeinen in der Zunahme begriffen ist. Die Arbeitêlchne balten si, troß mancher Depreisionen, die verschiedene Industrien durchzumawen hatten, auf alter Höbe, und auf dieser ver- besserten wirths{chaftliwen Situation basiren die besseren Aussichten, welche augenblicklich die all gemeine Geschäftslage darbietet.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Zum Geburtstag Sr. Majestät des Kaifers bringen wir das Buch „Kaiser Wilbelm und die Gründung des neuen

Deutschen Reichs“ von Prof. Dr. Gotilob Egelhaaf (1.—20. Tausend, 13 Bogen mit Porträt, Preis geh. 1 #, geb. 1,50 M4 Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart) in Erinnerung. Es ist dazu angethan, tief einzuwurzeln in dem deuts{hen Volk und vor Alem die deutshe Jugend den Deutschen Kaiser verstecen, d. h. verehren, zu lehren.

Hülfsbuch zur Heranbildung von Unterführern

für den Erxerzier- und S®ießdienst, sowie für das Ge- feht. Zusammengestellt von O. (Hauptmann). Diese Zusammen:

stellung derjenigen Abschnitte des Ererzier-Reglements und der neuen Schießvorscrifi, welche vornehmlich für die Heranbildnng von Unter- führern für das Gefeht ge-ignet sind, nebst einer Instruktion über das Verhalten im Feuer ist soeben in der Königlichen Hofbuc- bandlung von E. S. Mittler und Sohn in Berlin, Ko{str. 68—T70, zum Preise von 40 „\ ers(ienen.

Sanitäts-, Veterinär- und Quarantänewesen.

Italien. Quarantäne-Verordnung N. 4 Zufolge Verordnung des Königlich italienischen Ministeriums des Innern vom 13. Februar 1888 ist die Einfuhr von zum Handel be- stimmten, aus den Häfen der europäischen und afiatishen Türkei stammenden Lumpen und getragenen Kleidungéstücken nach Italien

verboten. OQuarantäne-Verordnung Nr. 5. e

Durch eine weitere Verordnung des Königlih italienischen Ministeriums des Innern vom 13. Februar 1888 sind alle gesund- heitspolizeilihen Maßregeln, welche bezüglih der Einfubr von Lumpen, Hadern, gebrauchten Kleidungsstücken und Bettgegenständen, Sahlleisten und Charpie aus Oesterreich, Spanien, Frankrei, ein- {ließli Korsika und Algier, und aus Tunis feiner Zeit angeordnet waren, aufgehoben worden. Das Verbot der Einfuhr der genannten Gegenstände aus Ländern jenseits des SuezeKanals bleibt au ferner

in Kraft. j

G

Filialen oder ständige Vertretungen bier eingerichtet, so daß der aus- |

Ordres |

Weise wie augenblicklich sh weiter entwickeln wird daß die poli- |

Gewerbe und Handel.

Die Firma Leder & Wassermann, Eisenwaßirenband- lung in Jassy, welche ihren Waarenbedarf vorzugsweise aus Deutschland beziehen soll, bat, dem Vernehmen nah, ihre Zahlungen eingestellt. Um zu vechindern, daß etwaige unterwegs befincklihe Waarensendungen der Konkurëmafse anheimfallen, würde der Versuh in Frage fommen fönnen, über dieselben durch die Aufgabestation sleurigst anderweit zu verfügen oder sonstige Sicherheitsmaßregzeln

zu treffen.

Der Verwaltungérath der Preußishen National- Versicherungs - Gesellsbaft in Stettin bat beschlofen, der Generalversammlung folgende Vertbeilung des 548622 # betragenden Uebersbufses vorzushlagen: Nach Abrebnung der Tantièmen sollen zu Abschreibungen verwendet werden 23617 4, zur Verstärkung der Feuerversicerungs-Prämienreserve 210090 #4, ZusGuß an die Beamten- E e M Divitende mit 60 4 pro Aktie gleich 20 % vom Eins{uß 450000 A

Le A

Dem Kuratorium der Preußisben Boden-Credit- Afktien- Bank wurde gestern Seitens der Dircktion die Bilanz pro

des Gewinnvortrags von

Dieselbe ergiebt excl.

1887 vorgelegt. 236 349 einen Reingewinn vo als 1886. Auf Artrag der Direktion wurde beschlossen, der General- versammlung die Vertheilung einer Dividende von 69/0 vorzushlagen. Dem ordentlihen Reservefonds wurden 261563 4, der auf dem Sonto pro Diverse ien außerordentliben R-ferv2 rund 200000 Æ, der Pensions- und Hülfsfafse der Beamten des Instituts ca. 35 000 M sen und dér Amortisations-Zuschlagsfonds zur Bestreitung de d 15 9/0 Amortisations - Entschädigung von 286164 Æ auf rund 409090 Æ erhöht. Nath diesen Reservestellungen

Li

und nach Zahlung der Tantièmen an Kuratorium und Direktion winde immer noch ein Gewinnvortrag von 323 200 Æ verbleiben. In 1887 belief sich der Verkauf von 4°/9 Hypothekenbriefen per Saldo auf über 20 Millionen Mark und tie Erwerbung von Hypo- - ° E T é L - r 4

theken, abzüglich der sehr bedeutenden RüXzablungen, auf 15 287 920 A

Der Aufsihtsrath der Berliner Produkten- und Ç z Af or RonnritoGondo Bons ri Handelsbank beschloß, der bevorstehenden Generalversammlung ; Nt 7 P L( Y 7 T c . eine Vividende von 4 “/g pro 1887 (1886 4# ©/6) in Vorschlag zu bringen

Die außerordentliche Generalver’ammlung der Kommanditisten

der anziger Delmühle, Petter, Paßig & Co. vom

29, v. M. war wegen nibt genügender Beibeiligung der Aktionäre

besMlufunfähiz, Zur Erledigung der Tagesordnung wird voraus-

f&tlih cine neue Generalversammlung am 19. Mär: a e. stattfinden.

In der Generalversammiung der Magdeburger Hagel-

iherungs-Gesellschaft wurden der vorgelegte Rehnungs-

f antragte Gewinnvertbeilung genehmigt. Der

it fich auf 1009 779 #4 und der Reingewinn

ih auf 179779 Æ beziffernden Verlust-

m Jahre 1886 anf 830009 # Hiervon

onds 249 090 #4, zum Srvarfonds 330 110 A,

zur Tantième an den Verwaltungsrath und ten Gefellschaftsvorstand

78 850 MÆ, zur Dividende auf 3001 Stück Aktien à 55 M (11 2/6)

165055 FÆ, zum Vertrag auf neue Rechnung 6985

&erner erflärte sich die Generalversammlung mit der Rück- zablung von 100 4 auf den 1880 mi

, i E im Fahre O E; E E »f Farho Ó Aktionären eingeforderten + Y T A T, A e Besblusses

ige e Y 1. M 4 Bien 00 46 zur Verstärkung

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) M 300 Æ vero den ul s:

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E cinverîtanden, lvers]ammlung vom E

C . E BVaareinzaßlung

Aktie von nachdem in F 30. April 1884 bereits 2

az:f das Grundkapital verwendet worden sind. Da dec ursprüngliche Einschuß 300 4 pro Aktie betrug, so beläuft sich derselbe jet auf 500 M, während 1000 4 pro Aftie durb Nabschukiwebsel der Aktionäre gedeckt sind. Was den Geschäftsum'ang betrifft, fo ist die Versiberungssumme bon 216 3258 983 Æ im Sahre 1886 auf 221672764 und die Prämien-Einnabme von 2 142724 4 auf 2212 822 46 gestiegen ; es

ez

at also eine Vermebrung von d 343 781 Æ Versiberunassumme und 70093 Æ Prämien-Einnabme stattgefunden. Auch der Prämien- (N Ltt R o 2 oh al x e aa 0 F Durfscnittssaß bat sh etwas zeboben, nämlich von 0,99 °%/% auf 1,009 9%, fpeziell in Nord- und Mittel-Deutsbland von 0,94 °/% auf 0,95 %n, die Scâden dagegen beliefen sich nur auf 783788 Æ gegen 1539425 Æ im Vorjahre. Dem Ge\@äftsberi&t der Hannov folgende Mittheilungen ertnommen: Während offizielle Diskontosatz 5 °/9 betrug, wurde au! 4% und am 11. Mat auf 3 er das Fabr hindurH Als urchschnitts\saß ergiebt N 341 9% gegen in 386. Der großen Flüssigkeit des Geldes entspretend, erlitt Umlauf der Banknoten eine Beschränkung. Die durschnitt- je Cirfulation bat 241 000 A weniger betragen und die Einlösung um 2 561 200 A geringer. Die Zin8einnabmen aus diskontirten chseln sind gewachsen, diejenigen aus laufenden Rechnungen aber gegangen. Das Effekten- 1 Pfandgeschärt sind | im Umsatze, ie Einnahmen Aufbewahrung eri. Die st bei zwei im ; getretenen Konkursen in Mitleidenshaft gezogen. zu befürchtende Ausfall von 29 854 4A wurde nach Abzug der auf er abgeschriebene Forderungen noch eingegangenen 16 697 #6 mit 57. Æ in Ausgabe gestellt Das Gewinnresultat des n Jahres is dem des voraufgegangenen ziemli Gesammt - Brutto - Gewinn beträgt 958 611 Æ für Zinsen, Abschreibungen, Steuern 2c. 329929 4, 628 682 M verbleibt, dem der unvertheilt on 1886 mit 1950 Æ hbinzu-

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| zurechnen ist, und beträgt demnach der Saldo des Gewinn- und e a G Ar n M; ; 5: un R VBerlust-Contos 630 632 Bon dem Reingewinn sind zunächst abzuseßen: 4% Dividende für die Aktionäre mit 43) 009 , verbleiben 150632 Hiervon gehen ab 10 °%/ Tantième für den Auffihterath 14868 (4, die kontraktlißbe Tantième

für die Direktion und Beamte 10 779 , 2/9 für den Beamten- Pensions- und Wittwen-Unterstütungsfonds 2973 Æ Darnach ver- bieibt ein Gewinnsaldo von 122011 zur Verfügung der General- versammlung. Im Einverständniß mit dem Aufsichtsrath beantragt die Direktion, hieraus 120 000 Æ als ein weiteres Prozent Dividende an die Aktionäre zur Vertheilung gelangen zu lassen, wona der unvertbeilbare Rest von 2011 4 auf 1888 in Vortrag kommen würde.

Gewerbeblatt aus Württemberg, berausgegeben von der Königlichen Centralstelle für Gewerbe und Handel. Nr. 9, Inhalt: Verfügung des Königlichen Ministeriums des Innern, betr. die Lagerung und Aufbewahrung von mineralishen Delen, Aether, S@weselkoblenstof und ähnlichen, leiht ent:ündlihen Flüssigkeiten. Vom 11. Januar 1888, Der Heilbronner Rindenmarkt von 1888, Gefahren des Füllofen-Feuerns über Naht. (Scluß.) Ver- iedene Mittheilungen Neucs im Landeë-Gewerbe-Museum. Reicé-Patente von Erfindern aus Württemberg. (Patent-Anmeldungen. Patent-Ertbeilungen.) Ankündigungen. : N Dortmund, 6. Sebeitar. (Köln. Volks-Ztg) Auf den Koblenmarkt hat die kalte Witterung der vorigen Woche recht günstig eingewirkt, und eine weitere Belebung des Geschäfts berbei- gefübrt, Das fast als abgeschlossen ketrahtete Wintergeshäft in Hausbrandkoblen ift wieder aufgenommen worden, indem eine rege Natfrage nah gewashenen Nußkoblen eintrat, welche indeß von den Zechen zu den bisherigen Preisen prompt befriedigt wird. Augÿ der Bedarf in Industriek $len ift \tetiz wachsend, zumal in Koks Und Koksfoblen. Die Q behaupten si, aber obne anziehende Ten- denz, weil der Konsum binter der Produktioasfähigkeit noch immer zurückstebt. Hier kann auf die Dauer nur eine Erweiterung des Abjatzgebiets bessernd cinwirken, weshalb man in den interessirten Kreisen denn auc mit Energie auf cine solche binarbeitet. Aud der dur die abgeschlossenen Konventionen erzielte Erfolg erstreckt sich nur

auf die Einschränkung der wilden, verderblihen Konkurrenz dur