1908 / 256 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Glauzig. Su O el.

Sri. Masch. kv. 5 Srepp.

S Grikner Ma Gr.Licht.Bv. ab.| 7 do. Terr. Ges.|28 Klfr. Gutmann] 8 Guttsm. Masch.| 5 W. Hagelber agene B 45 alle Maschfbr.|34 amb.Elektr.W.

Nr.

dlôg. bd.Belteal"

"“Ity « N . Kön. Wilb. bs: O0. a S1)

do.

werden nach dem „ar Prüfungsordnung

senb

Werke .|1 Ÿ

JZUli 1909 unter Einsendung d

es standene Turnlehrerprüfung 2

99:

4g zugefertigt werden. | 74 ttin, den 19. Oftober 1908.

önigliches Provinzialshulkollegium von Pommern.

leftr-W. Freiherr von Malßtahn. f. Gy

Niechtamtkliches.

Deutsches Rei ch.

Preußen. Bérlin, 29. Oktober.

_ Der Bundesrat versammelte zung; vorher hielten der Aus\{huß für Handel und Verkeh

N t AEuReE

d 0 S} zu den Shwimmlehrerprüfungen des Zeug-

bei uns zu

N Le der Prüfungsordnungen werden den Bewerbern

sih heute zu einer vas

ie vereinigten Ausschüsse für die V i 1 wesen, die Gerete für ang r O und für das Seewesen sowie der Ausschu Sizungen.

Während des Vierteljahrs vom 1. Zuli bis 30. September 098 Schiffe (gegen 10 724 CGhiffe in F L selben

inem l 12 672 Registertons) den Kaiser des auf die lotsgeldes, an Davon entfielen auf den Monat September 3255 Schiffe (1907: Registertons (1907: 593 850 Register-

1908 haben 10

Vierteljahr 1907) mit e

Re r (Ee 1 802 915 elm-Kanal benußt und, Ab

Kanalabgabe in Anrede zu pri 22a “lb

Gebühren 791 595 4 (1907 : 843 H) entrichtet.

ettoraumgehalt von

3376 Schiffe) von 572 851

tons) und 263 328 4 (1907: 281 763 6) Gebühren.

Rat Graf von Arco-Valley ist die Gia Urlaub auf

die Geschäfte der Gesandischaft wieder übernommen.

Die Geschäfte der Königlich großbritanni werden bis auf weiteres von dem Baiiébaslarat Bic L 80

Salis geführt.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M „Tsingtau“ gestern in Sai i E morgen von dort nah Canton. angekommen un

F Wi— [igerode, 29. Okt 0 [7d König wohnt P Sctohlir e

be

St.-Pr. C do Ee sters Drübe,

räfin Magdalena zu Stolberg-

l

Sessen.

gestrigen Wahlmännerwahlen für den waren 25 Abgeordnete neu zuzuwählen. i j ( fünf Bauern- Sozialdemokraten, drei Freisinnige, zwei Mit- raftionsloser. Wie das ewählt elf Nationalliberale, f Bauer demokrat i Freisinni rei Mitglieder der Zentrumspartei und Die Sozialdemokraten haben ihre zwei verloren.

Lan dtag Ausgeschieden waren zehn Nationalliberale,

bündler, vier

glieder der Zentrumspartei und ein .“ meldet,

ein Fraktionsloser. Mainzer Mandate

Oesterreich-Ungarn.

E Franz Joseph hat gestern den - piGen Botschafter Crozier empfangen, de fa e Mia chreiben des Präsidenten Fallières auf die Notifikation des Monarchen über die Angliederung Bosniens und der Herzegowina überreihte. Wie das „K. K. Telegraphen- Korrespondenzbureau“ meldet, wird in dem Schreiben zunächst der Dank für die Anzeige ausgesprochen und sodann die Versicherung gegeben, daß die Regierung der Republik, indem sie das all: gemeine europäische Interesse um die Erhaltung des Friedens im Auge habe, ihr möglihstes dazu beitragen werde, damit ein Einvernehmen hergestellt werde, und daß sie si bei diesen ladungen n Zun Uen herzliher Sympathie leiten , von denen die Regi i i i

betet fen i gierungen in Wien und Paris

Die österreichische Delegation hat gest er ] ( ern

Budget des Ministeriums des Aeußern R wie folgt: Verlauf der Debatte berihtet das „W. T. B.“ Mer P. L. B.\, er Abg. Kramarz (Tschehe) besprach zunächst die ion; er hielt sie auh für die natürlihe Folge der völlig vert dan Erfo u; lagen des Berliner Vertrages, erklärte aber, es gâbe weder Nechts- gründe noch moralishe Gründe dafür. Deutschland tue nur seine Pflicht, wenn es die Bundettreue halte, es gebe aber eine aht, die sich Oesterreich gegenüber wirkliß mit großem Wohlwollen verhalte, nämlich Frankrei. Die auffallende Er- regung , infolge der Annexion sei dadurch hervor,erufen daß Oesterrei seine h storische Mission, ein friedlihes Nebenetnanderleben aller Völker zu sichern, nicht erfülle. Es werde in ganz Europa als Hort der NReakiton und als jene Macht par excolloncs betrachtet die das divide et impera ju ibrem Regîerungspriajip gemacht habe. ferauf besprach Kramarz die slavishe Frage und sagte,

Der Kaiser

Pans und Verkeh für Nehnungswesen

Der Kaiserlihe Gesandie in Athen, Wirkliche Geheime von dem ihm Allerhöchst seinen Posten zurückgekehrt und hat

[lußkbt. geht

p Betus Tp der ern, „W. T. W“ zufolge, feierliden nvestitu ive folge,

V8 e La eshnitten, .von der Blut vevpssen. Daher solle man

men. Kraarz [chloß seine

L rec tas S E eichberechti Volker wollen äußeren Politik der die unbegründeten das abi a fte die E eti i

A CutiGedenile die ¿BereWtigung irgendwelcher Ansprüde, billigte die Antxion, protestierte iedod Ee Berichterstatter Marqui worte daran, daß der Lär einfahe Tracenrevision daß man von den dam Vorwürfen alsbald zu verwies des weiteren a bezüglich Mazedoniens, ‘dzu der N lad aan E

08 gewor! F

Politik beeilt, gy Cufuwersen, ES L; mmungen gegen j F Ausland aus “Vieles Lon r

Ungarns auf Bosnien.

Sandschakbahn hanvelte,

abe si die geshickte engl spra die Hoffnung aus, daß die Ver-

erfahre, dáß die Delegation der aus- - Ungarns zustimme, die bei jankens das Interesse der Monarchie 4 pre a en A der Monarchie ; m Rate der Mächte ten. Der Redner glaubte, daß d sichere und ruhige altung a Me fecrnnu dage eaen E e Sdatten zu DELITENeY, die sich jeßt * a ¡i öfterreichisch-ungcdsihen 4 e der bündnistreuen Haltung der per E C lbelvere ur e Entwicklung- der B tni Traditionen der Regier E nie dient habe.

wärtigen litik 11 Dodlaltang Ln umsihtig und ziel den ihr gebührenden

ed 4

herbeigeführte Aktion den ung gemäß nur dem Friedensgedanken ge-

Darauf wurde, nw oben mitgeteilt, das Budget des Ministeriums des Ácufrn angenommen und di der bosnishen Kredie a onnen: at

Wie die „Ner Freie Presse“ mitteilt, bereiten die Unruhen in Prag er Regierung Schwierigkeiten. Die tshechishen Minister sen entschieden gegen einen Ausnahme- zustand in Prag, währe) die deutshen Minister für den Fall

usnahmemaßregeln zum Schuß

Nach einer weiterer Meldung des genannten Blattes haben auch gestern abend:n Prag Ánsannilingen auf dem Graben und dem Karlsplz stattgefunden. Die Polizei und die Gendarmerie hieltenaber die Menge sharf im Zaum, unterdrückten die Ausfhreungen im Keime und nahmen über hundert e N

Städten wie mish:Lpa, Brüx, Tepliß, Tetshen und L wurden gestern an: tshehische Demonstrationen veranstaltet, denen die Polei dur energishes Eingreifen ein

Ende machte. : chaiNovibaza r stationierten Truppen

e S sind gestern von Plevlje akarschiert; der Sandschak ist, dem

„K. K. Telegraphen-Körrendenzbureau“ zufolge, mit dem

riget\Tage 129 [al geräumt. Jm Offizierkafino zu evlje Fand orie! Abgnd ein Abschiedsbankett statt, an alle türfi e der Garnison teilnahmen. Auf

den Kaiser Fran a a Franz oseph und den Sultan wurden Toaste

Gwfzritannien und Irland.

Der serbische Minister des Aeußern Milowanowi wit hatte gestern auf dèm Auswärtigen Amt mit dem Stang ) er die jüngsten Ereignisse im na sten und sprach sodann bei der französischen italienischen und bi anderen Gesandtschaften vor. In einer Wterredung mit einem Vertreter des e eucrsen Bureas sagte Milowanowitsch, v2. L: D.E Er sei bon seinei Empfange im Auswärtigen A te v befriédigt. Der Stätssekretär Grey habe Tue Dacleaune hes S.tuation mit Symphie angehört und er hege nun die Hoffnung, daß die britishe Regierungzeneigter sei, Serbiens Sache zu unterstüßen. Bezüglich des militäishen Abkommens zwischen Serbien und Montenegro e‘lârte der Minister, es sei kein Abkommen erforderlih; die beiden änder handelten unwillkürlih gemeinsam, da ihre Interefsen dieselben’eien. Wenn Serbien die Senugtuung nit erhalte, die es als duhaus notwendig erahte, so werde es seine militäris{en Vorbereituren bis zum äußersten fortsegen. Die Landes- Se ee. Mae S, “e umgewandelt werden; denn e n gezwnge ; - folgreihes militärishes Begeben tit es P T 01d. Ee

Im Unterhayse fragte gestern der Abg. Willia

| Redmond, ob das Auwärtige Amt irgend elne Änformation

| Über die Authentizität delUnterredung mit dem Deutschen Kaiser habe, die gester1 veröffentliht worden sei.

Wie das „W. T. B.* berichtet, erwiderte der neue Unterstaats- sekretär des Auswärtigen Autes PèicKinnon, daß er kein Intervierw t Es und dabter keineArsicht darüber äußern könne.

ährend der folgende Beratung des Lizenzgeseßes wur von den auf der Tribüne anwesenden An E des Frauenstimmrects zu dessen Gunsten Kundgebungen veranstaltet, infolge dere1 der Sprecher mitteilte, daß die Galerien für das Publifkun auf einige Zeit geshlossen würden. Außerhalb des Hauses wederholten ih die Kundgebungen der Frauenrehtlerinnen, sidaß die Polizei eins reiten mu te.

Rußland.

. Der Kronprinz von Serbien is in Be lei früheren Ministerpräsidentet Paschits R „W. T. B.“ ufol gestern abend in St. Peterburg eingetroffen. ( . _— Nath der Eröffnung der Reichsduma, deren Sißung die Sozialdemokraten gestern fernblieben, berichtete der Sekretär zunächst, daß 204 Gesezentvürfe eingegangen seien. Hierauf wurde über eine von 87 Abgeordneten unterzeihnete Jnterpellation

e nahe mit NRNiesenschritten. RNußlmnd müsse in ideell- S'nne slavisch werden. Wenn Oesterreich K avg | Völkern gereht werde, so werde es zur friedlichen Lösung des | roßen Weltp: oblems zwischen Slaventum und Deutschtum wesentlich eitragen. Die innere Po'itik Ungarns, wo die Slaven Jer unterdrückt werden, bilde etne Gefahr für die Monarchie. je hungarica libertas glaube fein Mens mehr, und Bosnien dürfe nicht vom türkischen Joche be'!reit werden, um unter daz ungarische zu | elangen. Bezüglich der Haltung Serbiens zur Annexions- |

rage fagte der Redner, daß man ih bei subjektiver

Beutrteilung |

debattieren, zum Gegenstand

verhandelt, die das anläßlich eines Vortrags des Profes

C ors Pogodin erg ngene Verbot des E Potecaturner Eee hauptmanns, über dit on Bosniens zu atte.

Wie das ,W. T. B.“ beriht?t, bezeihnete der Abg. M

(Kadett) dieses Verbot in jeder Hinsicht als netirtig un LO eine Beleidigung des russis&en Nationalgefübls. Er beantragte die Dringlichkeit der F; terpeliation, die einstimmig angenommen wurde.

Die weiteren Dumasißungen wurden auf Montag, Mitt-

i denken und zugeben müsse, daß Seen, ¡ aune grarier abhänge, ms habe j 1 um auf dem hien zu &erben, Serbiens reundschaft uen v usführungen mit den esterreidvill, muß auch ein friedliches Zusammen- Der Abg. Graf hun spra?in vollstes Vertrauen zu der zielbewußten erung aus und verwahrte sich gegen ischer Sozialdemokrat) bestriti auf baß diese | a e Befragung der gese&benden Körperschaften erfolgt fei. Der Zacquehem erinnerte in seinem Schluß- : der entstanden wäre, als es sich um eine : bald verhallt, Agen Oesterreich-Ungarn erhobenen \chweren

erer Auffassung zurückgek-hrt sei, und

ie weitgehenden Vorschläge Englands evaler Entente geführt hätten, e türkishe Revolution ge e j

e; : fi gum ctigen Beschüßer und Protektor der Türkei | aUch die noh bestehenden polnishen Schulen in Warschau un

Ungarn jeßt {winden würden, fvenn das

deten und der freundscaftlihen Haltung | rankreih8, und erflärte, daß die |

vo- Fn mehreren deutsh-böhmischen ;

- Regierungscommuniqué, der St. Petersburger hauptmann _habe keinerlei Geseßwidrigkeit jugelafen 2A damit gemäß den Befugnissen, die ihm auf Grund des A UGen Schußes und gemäß den erhaltener Jn truktionen zustehen, gehandelt. Der Veranstalter der Vorlesung über Bosnien, der frühere Dumaabgeordnete

, Alexander Stakhovitsh, sei rehtzeitig von seiten des Ver-

| wesers des Ministeriums des Auswärtigen davon in Kenntnis

j geseht worden, daß gemäß seinem Beschlusse und dem des Ministers des Jnnern die Vorlesung zwar stattfinden dürfe jedoch ohne darauf folgende Debatten. on seien die

Stadthauptleute St. Petersburgs und Moskaus benachrichtigt

worden. Wenn die Besucher der Vorlesung nichts davon gewalt hätten, so liege die Schuld einzig an dem Veranstalter

Mit Bezug auf die erwähnte Si, Petersb erklärt ein

er Vorlesung.

j Auf Anordnung des Generalgouverneurs ist, obi er Quelle zufolge, gestern wegen Boykottierung der russischen Reichsschule ein Teil der polnishen Schulen in Warschau

geschlossen worden. Der Generalgouverneur droht, im Falle weiterer Boykottierung der russischen Reichsshule, allmähli

sodann im übrigen Polen zu schließen.

j

L Spanien.

er König und die Königin sind, „W. T. B.“ zu-

folge, von Barcelona in Saragossa eingetroffen. O

j B Türkei.

j er Text der Note, welche die Konsuln der vier

| E dem Exekutivkomitee der Insel Kreta reilet haven, hat, nah einer Meldung der „A

r folgetden Wortlaut : ; E e Vertreter Frankreihs, Großbritannie s, Jtali

Nußlands baben die Chre, im Miirgas. ibrer INUON und

der fkretishen Regierung folgende Mitteilung zu machen:

Die Schußmäthte stehen auf dem Siandpunkt, daß die

: Vereinigung Kretas wit Eriehenland von der Zustimmung

der Mächte abhängig ist, die der Türkei gegenüber gewisse Ver,

pflihtungen eingegangen sind. Sie würden aber nichtsdestoweniger

geneigt sein, an die Diekussion dieser Frage mit Wohlwollen beran-

zutreten, wenn die Ordnung auf der Insel aufrecht erhalten bleibt

und andererseits die Sicherheit d i wärleife Ie cherheit der muselmanischen Bevölkerung ge-

Serbien.

Der Präsident der Skupschtina, Jovanovit hat sich gestern, wie aus amtlicher serbischer a L B.“ zufolge, mitgeteilt wird, mit einem Telegramm an den Präsidenten der Duma, Chomiakow, ewandt, in dem er im Namen der Skupschtina dem Vertrauen usdruck gibt, daß das russishe Parlament derStimme des verleßten serbischen Volkes Gehör schenken werde. Das Volk von Serbien und Montenegro sci entschlossen, den ungerechten Aft der Annexion Bosniens und der Herzegowina, der gegen den Willen der Nation erfolgt sei, niht zuzulassen. Er bitte den Präsidenten, vor der Reichsduma der Dolmetsch der Hoffnungen des serbischen Volkes zu sein, daß das konstitutionelle Nußland nicht darein willigen werde, daß si die alten Fehler der russishen Diplomatie fe das serbishe Volk erneuerten; mit Hilfe und Unter- tüßung Rußlands werde die gerehte Sache Bosniens und der Herze owina und der ganzen serbishen Nation triumphieren.

Auch zjlreihe Korporationen in Belgrad und anderen serbishen Städten haben Telegramme an die Duma geschickt.

Der „Moniteur oriental“ meldet, daß nah zuverlässigen Informationen Serbien als Kompensation folgendes ver- lange: 1) einen territorialen Streifen Bosniens für Serbien und einen Streifen der Herzegowina für Montenegro; 2) Richtig- stelung der Grenze an gewissen Punkten; 3) Unter- stüßung dieser „Forderungen durch die Türkei. Wenn diese Forderungen niht gewährt würden, werde Serbien für Dn Me E A Wenn auch dies ab ekn

uUrDe, werde es Banden in die beiden von Oesterreich-

okfkupierten Provinzen entsenden. R

Bulgarien.

gestern mit einer Thronrede eröffnet der Unabhängigkeitserklärung der Orientbahnfrage heißt es,

Die Sobranje ist worden, in der zunächst gedacht wurde. Bezüglich „W. T. B.“ zufolge :

Bulgariens allgemeine Wirtschaftspolitik,

bahnpolitik sowte feine bedroh ee ned seit Sishi

1 ten Interessen der Landezsverteidi ; hätten gebieterish verlangt, daß alle Eisenbahnlinien ‘des bulgarischen Gebietes in den Händen des Staats fih vereinigten. Aus di fem Gesichtspunkte habe die Regierung beshlossen, den Betrieb der Orient- bagen ju gg Lp pi girgem sie deren Verwaltung davon verständigte, ren Hehlen RNechnung tragen und - reten Ansprüche entshädigen Beide: Ne MANGIA R 0e Die Thronrede fährt dann fort: In den Bemühungen, die internationale Stellury Bulgariens zu konsolidieren und es zum Range eines unabhängigen Staats zu er- beben mit dem Rechte, selbst seine Politik zu bestimmen, dürfe die Regierung darauf renen, bet allen Großmächten Entgegenkommen zu finden und das Vertrauen der Nacbbarn erwarten. Insbesondere erhoffe sie d!e Unterstüßzung der großen Befreierin Bulgariens und ser von Oesterrei 113 Beuais er von Vesterre als Beweis Si i g arischen Monartie. le Lyronrede appelliert shließlich an das Volk, es möge das Vorgehen der Regierung sowie die Ausgaben, die De die ernsten politischen Ereignisse geboten waren, genehmigen.

Amerika.

Im chilenishen Senat erklärte estern, „W. T. B.“ zufolge, der Finanzminister, daß die Aus füh r von Sal peter um drei Millionen Zentner zugenommen habe: die Ausfuhr des Jahres 1908 werde sih auf 43 Millionen belaufen, die von 1909 werde ebenso groß oder noch größer sein. Man erwartet, daß die allgemeinen Einkünfte des Jahres 1909 die Voranschläge um zwölf Millionen Piaster eia werden.

Asien,

Nach einer Meldung der St. Petersburger Telegraphen- agentur explodierte vorgestern abend in Mir Xa da, in Bee des Gouverneurs Schhudshanisams, der in Täbris an der Spize der Anbänger des Schahs gekämpft hat, beim Oeffnen einer aus Täbris eingetroffenen Postsendung eine Bombe. Elf Personen wurden verwundet. Der Gouverneur und sein Sohn sind ihren Verleßungen erlegen.

woh und Freitag festgeseßt.

# dürfen.

Parlamentarische Nachrichteu.

Der Schlußbericht über die gestrige Sißung des Hauses der “atn ped. befindet fh in der Ersten Beilage.

„— Jun der heutigen (5.) Sißung des Hauses der Ab- geordneten wurde die erste Beratung des Geseß- entwurfs über das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlihen Volksschulen

n b Das gestrige Liebeswerben sämtliche Abg. Borgmann (Soz.): Das gestrige Liebeswerben säm r parttiea um die Lehrer und die Art, wie diese bei jeder Gelegenheit elobt und geehrt werden, muß sie ganz stolz E Aber der inisterialdirektor D. Sat hat gewifsermaßen symbolisch angedeutet, was er von den Lehrern hält. Die wirklihe Besser- tellung der Lehrer wird erst erreicht werden können, wenn das Volksshulwesen an Haupt und Gliedern reformiert wird, wenn eine EGinheits\{chule geschaffen wird, die von den Kindern der Reichen und den Kindern der Arbeiter Pa besucht wird. Merkwürdig, daß über die bessere Organisation der Volks- \hule diejenigen zu entscheiden haben, die nur mittelbar damit zu tun haben; es find wohl nur E in diesem Hause, die ihre Kinder in die Volksschule \cchicken. inen seßhaften Lehrerstand wird man auh durch diese Vorlage nicht erhalten gerade die leistungsfähigen Elemente, die Groß- grundbesißer, eine neue Liebesgabe. Die Zahlen, die gestern Abg. Ditfurth über die größeren Leistungen des platten Landes für die Vollsschule gegenüber den Städten anführte, geben kein rihtiges Bild, die Städte verwenden prozentual viel mehr auf die Schulunterhaltung. Der Wunsch der Lehrer nah Mens mit den Verwaltungs|ekretären ist berechtigt. Die Regierung will sich durch die neuen Steuergeseße erst die. Mittel vershaffen, spielt also nur den Vermittler, der das Geld einzieht. Wenn es aber jeßt niht gelingt, die Wünsche, der - Lehrer und Lehrerinnen zu erfüllen, so ist Ruhe in diesen Kreisen niht zu erwarten. Der Finanzminister beklagt zwar, daß Gemeindea über die Gehalts- säße des Lehrerbefoldungs8geseßes von 1897 hinautgegangen seien, er geht aber an der Tatsache vorüber, daß viele Tausende von Lehrern heute noch niht diese Gehaltss\äße bekommen. Der Brems- erlaß, der die größten Härten mit, sich bringt, soll jeßt gesetz- lih verewigt werden. Die Klage über die Landfluht der Lehrer ift nicht neu, und der Finanzminister irrt, wenn er sie als Folge der Besoldungs8orduung von 1897 ansieht. Der Finanzminister vers wies darauf, daß seit 1897 die Teuerungsverhältnifse sich erheblich geändert haben; das ift richtig, und auch die Lehrer selbst verweisen in ihren Petitionen darauf. (Präsident von Kröcher: Ih mache darauf aufmerksam, daß Reden nicht vorgelesen werden Sie lasen eben einen Teil Ihrer Rede ab; ih bitte, das zu unterlassen.) Wenn von feiten der Regierung es als dringendes Be- dürfnis empfunden w.rd, den Beamten und Lehrern zu Hilfe zu kommen, fo muß es doch einen merkwürdigen Eindruck hervorrufen, daß der Ministec der ôffentlihen Arbeiten ausführte, die Arbeiter in den Staatsbetricben hätten keinen Anspruch auf Lohnerhöhung, weil inzwischen eine rückläufige Konjunktur begonnen habe. Unrichtig ift die Behauptung des Mtnisters, daß wir grundsäßlih Opposition machten. Die Caprivi'hen Handeléverträge waren nur dadurch mögli, daß wir dafür gestimmt haben. Den durch diese Verträge hervorgerufenen großen wirtshaftlihen Aufschwung haten Sie mit Jhren Hunger- tarifen zu Grunde gerihtet. Der Minister ist ein Neuling; er muß während seiner früheren amtlihen Tätigkeit niemals daran gedaht haben, den Ministersefsel zu zieren, sonst würde er sich vielleiht mehr um das politische Leben gekümmert haben. Die Lehrer erreichen erft nah 3l jähriger Dienstzeit das Höchstgehalt; es geht ihnen s so wie Moses und Aaron, sie sehen in das gelobte Land, kommen aber nie hinein. Die Gründe der Landfluht der Lehrer liegen auch zum Teil in unbehaglihen gesellschaftlichen Verhältnissen, Ershwerung der Fortbildung, \{chle@ter Kindereiziehung, erbärmlihen Wohnungen, miserablen Schulräumen, in Ueberlastung durch hohe Schul- frequenz und in drüdckender Kontrolle namentlich dur die Geist lihen. Ueber die Lebertolvns der Lehrer und über die unzureihenden S(hulräume habe ich ein umfangreihes Material vor mir. (Der Redner trägt einzelnes daraus vor.) Einem über- bürdeten Lehrer gab der Kreisschulinspektor den Rat, doch in die Stadt zu gehen. Im Posenschen wies ein Lehrer die Kinder eines galizischen Vaters zurück, weil er bereits 150 Kinder zu „unterrichten hatte; die posenshen Schulen stehen hinter den galizishen zurü. Für Schulbauten sind 1905 4 Millionen weniger ausgegeben worden als 1901. Sie können ruhig das Grundgehalt der Lehrer auf 1800 46 erhöhen und doch mit Sicherheit darauf rehnen, daß troßdem die Lehrer nie auf dem Lande bleiben werden. (Widerspruh rechts.) Warum fo stolz? Meine Mitteilungen beruhen auf amtlichen Nachweisungen. In einer Schule, die unter dem Patronat des Pcinzen Albrecht von Preußen steht, haben vier Lehrer 374 Kinder zu unterrihten. In einem Dorfe im* Kreise Oels unterrihten in einer Schule, über die dem Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen das Patronat zusteht, zwet Lehrer 199 Kinder. Ich bedauere nur, daß ih niht {hon gestern Gelegen- heit hatte, dies vorzutragen, als der Kronprinz hier war. Es gibt Schulen îm Posenschen, in denen bis zu 245 Kinder bon eirem einzigen Lehrer unterrihtet werden. In solchen Kreisen wollen Sie Germanisierungspolitik treiben! Es ift ja doch auch ein Ding der Unmöglichkeit, wenn ein deuts \sprehender Lehrer den polnisch \prehenden Kindern mit dem Stock das deutsche Vaterunser beibringen soll. Dieses Schulelend kann nur durch eine Reform unseres Schulwesens von Grund aus hbe- seitigt werden. Hätte die Vorlage das gewollt, dann hätte sie ganz anders gestaltet sein müssen; nicht aber hätte sie zugeschnitten werden dürfen allein auf den Vorteil einiger wucherischer Großgrundbesigec. Dazu kommt der Einfluß der geistlichen Gewalt, die geistliche Schulaufsiht, die es noch immer für notwendig bält, dem Lehrer die niederen Küsterdienste aufzuhalsen. Jch kenne Diensto1dnungen für diese Küsterdienste der Lehrer in der Provinz Sachsen, die sich etwa mit den Kontrakten decken, di? in Berlin mit Portiers und Scheuerfrauen ges{chlosfsen werden. Hätte das Abgeordnetenhaus den ernsten Willen, die s{limmsten Auswüchse zu beseitigen, so würde die Regierung wollen müssen ; aber troy all der s{chônen Nedeasarten, die wir gestern gehört haben, {cheint doch den Herren vor allem daran zu liegen, daß ihre Suppe an diesem Feuer mitgekocht wird. Wie das Zentrum zu dieser Frage steht, habe ich nicht recht herausfinden kännen. Auch der nationalliberale Redner hat in ausgezeihneter, formvollendeter Weise den Standpunkt seiner Partei dargelegt; aber das Endresultat dieser Darlegung war echt nationalliberal. Man zleht fich dahinter zurück, daß der Staat keine weiteren Mittel dafür zur Verfügung habe, die Lebrergehälter aufzubefsern. Ih habe mir aber von durchaus kundigen Leuten sagen lassen, daß, we: n der ernste Wille dazu bestände, diese Maßregel fogar ohne jede weitere Jnanspruhnahme von Staatsmitteln durch. eführt werden könnte, wenn sih die besizenden Klassen nur entschließen könnten, tiefer in den Beutel zu greifen. Herr oon Zedliy hat einen Vot: flag gemacht, der der Selbstverwaltung geradezu ein Ende machen würde ; err von Zedlig ist aber wohl der leßte, der Autocität auf dem Ge- ete der Kommunalverwaltung beanspruchen kann. Die Verteidizung der Selbstverwaltung der Gemeinden burch den Ministerialdirektor S{hwartkopfff mußte auf uns einen ganz eigentümlihen Gindruck mahen. Solange Herr Shwarbßkopffff die Schulverwaltung leitet, hat er nah Kräften die Selbjtverwaltung zu beschnetden versuht und ge- wußt. Auf dem preußischen Städtetage, dem ih als einziger Soztal- demokrat angehörte, wurden der S lbstverwaltung Loblieder ge- ungen, auch durch den preußishen Minister des Innern. atsäh!ich i die Selbstverwaltung ein Märchen. Wenn in Berlin von oben her über den Kopf der Stadtbehörden hinweg die ekioren angewiesen werden, wegen einer Parade und dergleihen den Schülern freizugeben, so kann von Selbstverwaltung keine Rede sein.

erreichen, dagegen

Sie

(P.äfdent von Krôher: Von Selbslöerwaltung l hier eigentlih niht gesprohen werden, sondern von Erhöhung der Lehrer- gehälter.) Jh bin am Schluß meiner Ausführungen. Wir wecden uns die größte Mühe geben, daran mitzuwi:ken, daß den Lehrern in der Schule au in Bs ihr Necht wird. J berufe mi auf Alexander von Humboldt und seine prophetis+en Worte, die er über die Zukunft der Schule ausgesprohen hat. Wir find von Dänemark und Nor- wegen, Frankreich und andern Ländern {hon längst überholt worden; in allen diesen Ländern ist die Frequenz der Volksshulklafsen weit tiefer geseßliH normiert worden, als es bei uns, im „Lande der Sgulen“, der Fan ist.” Zeigen Sie, daß Sie diese Beispiele nahzu- aÿmen den ernsten Willen haben.

(Schluß des Blattes.)

Dem Rei chstage ist der Entwurf eines Geleyes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen nebst Be- ründung zugegangen. Die vom Bundesrat angenommene Fafsun stimmt im wesentlichen mit dem vor einigen Monaten E „Reichs- und Staatsanzeiger“ veröffentlihten Entwurf Überein.

Das von „dem Direktor des Hauses der s Plate herausgegebene“ „Handbuch für das preußische Abgeordneten- haus* ift soeben in neuer Ausgake (für die 21. Legislaturperiode) im Verlage der Preußischen Verlagsanstalt in Berlin SW. 68 erschienen. Es enthält, wie die früheren Ausgaben, kurze Lebensbeschreibungen und die Bildnisse der Mitglieder des Hauses, von denen mehr als 130 neu- gewählt sind, ferner eine besonders übersihtlich geordnete Sammlung der Wahlvorschriften und der Parteiprogramme, eine Statistik der dies- jährigen Neuwahlen mit Angabe der Gewählten und der Gegenkandidaten sowte die preußisch? und die Reichsverfassung, eine Neihe von Bei- trägen zur Ne Preußens und des Reichs und vieles andere. Das neu hinzugekommene ausführlihe Sachregister erleihtert den Gebrauch des Werks, das nicht allein für die Mitglieder beider Häuser des Landtags und des Reichstags, sondern für alle politisch interessierten Kreise, namentlich auch für Wahlvereine, Wahlbureaus usw., von Bedeutung und praktishem Nuten sein dürfte. i

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Zum Ausstand der Straßenbahnangestellten in Kairo (vgl. Nr. 248 d. Bl.) berichtet die „Frkf. Ztg“: Die Trambahn- angestellten waren {hon seit einiger Zeit mit ihren Arbeitéstunden und ihren Löhnen unzufrieden. Am 17. Oktober stellten fie der Trambahngesellschaft ein Ultimatum und traten in den Ausstand, als bieses nicht angenommen wurde. Die Folge davon ist, daß nur wenige Wagen “bedtent werden können; die Stimmung der Streikenden ist so erbittert, daß man die Polizei von Kairo beträchtlich verstärkt hat. Der Gouverneur von Kairo und der Polizeiklommandant Mansfield Pascha versuchen, den Streit bei- zulegen. Da fehr viele Europäer in der nächsten Umgebung von Kairo leben, wirkt dieser Auétstand außerordentli störend. y

Kunst und Wissenschaft.

Die Ausstellung englischer Künstler im-Kunstgewerbe- museum (Shmuck, Silberwerke, Schriften und Drucke) ist nur noch diese Woche, bis einschließlich Sonntag, den 1. November, geöffnet.

A. F. Die erste Sißung der Gesellschaft für Anthro- pologie im Winterhalbjahr 1908/9 wurde vom Vorsitzenden, Pro- fessor von den Steinen mit einem tief émpfundenen Nachruf auf den am 30. September verstorbenen Geheimrat, fessor Dr. Lifsauer eröffnet, der bekanntlich bis zum Ablauf des Vorjahres erster Vor- fißender der Gesellschaft gewesen war. Geboren am 29. August 1832 "tin Berent (Westpreußen), hatte sch L. nah vollendetem medizinischen Studium in Neidenburg als Arzt niedergelassen, war aber {on 1864 nah Danzig übergesiedelt und im Kriege von 1866 als Stabzarzt tätig gewesen. Ende 1866 nach Danzig zurückzekehrt, entfaltete er hier, obwohl als Arzt stark in Anspruch genommen, eine umfangreihe literarishe Tätigkeit hauptsählih auf hygienishem Gebiet, wandte in den 70er Jahren aber sein Interesse mehr und mehr den anthro- pologishen und prähistorishen Fragen mit Bezug auf seine Heimats- provinz zu. Als becvorragend tätiges Mitglied der Danziger natur- wissenschaftlihen Gesellschaft wurde er bald derea Vorsitzender. In seiner Person vereinigten sich damals alle Bestrebungen auf dem Gebiet der Urgeshichte des Landes an der südlichen Ostsee. Seine zahlreihen Abhandlungen hierüber trugen ihm den Ruf eines ebenso peinlich gewifsenhaften, als bei strenger Wissenschaftlichkeit _an- [QauL s shildernden, ersten Kenners entfernter Kulturepohen jenes

nd\trihes ein. Seine Schriften zeihnen sich durch wohltuende Klarheit aus. So ftand L. 1891 auf der Höhe seiner westpreußishen Wirksamkeit, als die Versammlung der deutschen anthropologishen Gefellshaft in Berlin ihn mit den leitenden Männern der Wissen- chaft genauer bekannt mahte. Schon damals erwog er seine Ueber- Pevens nah Berlin, die Entscheidung dafür gab ein shmerzlihes amilienereignis, der Verlust seines einzigen hohbegabten Sohnes, der, in der psyhiatrishen Klinik in Berlin tätig, infolge von Ueber- arbeitung starb. L. hat diesen Verlust nie verwunden, er veranlaßte ihn, die bisherige Wirkungsftätte zu verlassen, um in der Ferne in neuen arbeitsrethen Verhältnissen Trost für sein Leid zu finden. Seit 1892 gehörte er Berlin an. Die Spuren seiner Tätigkeit finden sich git dieser Zeit in vielen Abhandlungen, Vor- trägen in Vereinen und Sißzungsprotokollen von Cr D und Vereinsvorständen. Besondets wectvoll und charakteristisch für Ls. Persönlichkeit sind seine zahlreichen Berichte über Reisen, die er, zu- meist im Anschluß an Kongresse, nah Griehenland, Italien, Frank- rèih, Nordafrika unternahm. Sein engeres Verhältnis zur Gefell- schaft für Anthropologie datiert {hon aus dem ersten Jahre seines Berliner Aufenthalts, 1895 wurde er Obmann des Ausschusses, 1902 stellvertretender, in den leßten drei Jahren erster Voisißender der Gesellschaft. Seine speziellen Verdienste um leßtere sind vielseitiig. Die Einführung des Zettel- kfataloges für die Bibliothek, die Umzestaltung der Zeitschrift find sein Werk; immer si glei bleibende Lieben8würdigkeit im Um- gang war ein allseitig gewürdigter Zug setnes Wesens. Sein leßtes Wort auf dem Krankenlagerc war ein Gruß an die Anthropolozische Gesellschaft. Sie wird ihm ein treues und dankbares Andenken bewahren. Noch gedachte Professor von den Steinen mehrerer Toten der leßten Monate, unter ihnen auch ausführlich jenes bhohvderdienten Dr. Wilh. Nab dessen Lebensbild an dieser Stelle im Bericht über die leßte Sizung der Gesellschaft für Erdkunde bereits \kizziert worden istt, Die s drei Jahre berechnete Abwesen- heit von Dr. Neuhauß aus Berlin und der Tod Lissauers haben Anlaß zu einer Ergänzung des Vorstands der Gesellschaft gegeben. Es sind ihm saßungsgzmäß hinzuzetreten Direktor Dr. Schuchhardt und Geheimrat Olshausen, ersterer als Stellvertreter des Vorsißenden. | Professor Dr. SHeler ist zur Mente der Gesellschaft von d-r Akademie der Wissenschaften zu deren Mitglied gewählt worden. Vom Senat der Univecsität Cambridge ist jur 100jährigen Gedenkfeier des Ge- burtstages von Charles Darwin am 22. Juni 1909 eingeladen worden. Professor von Luschan wird die Gesellschaft für Anthropologie E Zier erf V Abends ergriff hierauf Direktor D um ersten Vortrag des Abends erg erauf Direktor Vr. Schuchhardt das Wort. Sein Thema lautete: „Ein Stück trojanisher Forschung, in Erinnerung an Abraham Lissauer.* Ich habe, so begann der Vortragende, Lifsauer im Mai

1890 in Troja kennen gelernt, bei Schliemanns leßten Ausgrabungen,

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„eine unausI1ö\chliche Erinnerung. Dem

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und bia damals aŸt s{chône Tage mit ihæa zus.mmengewesez. Nh anwesend waren dort Schliemanns treuer Paladin Dörpfeld, Perrot- Bard, Durm-Karlsruhe und Alfred Brückner als archäologischer eichsstipzndiat. Schliemann klagte über Ohrenbeshwerden und li Lifsauer untersuchen, der als erster feststellie, daß es um Polypen handle, und. dringend riet, daß der Leidende si so {ne als möglich in Konstantinopel operieren laffe. Aber Schliemann außerstande, sich von seinen Ausgrabungen zu trennen, verschob die Operation von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Als er dann im November die gut gelingende Operation in Halle vornehmen ließ, konnte er «s wieder nicht über sih gewinnen, si gebührend zu schonen; fuhr von Halle nah Leipzig zu seinem Verleger Brockhaus, nah Berlin zu- seinem Freunde Virhow, in Geschäften nach Paris und zu Studien nah Neapel, wo er am 2. Weihnachtifeiertage auf der Straße zusammenbrah und wenige Stunden danach verstarb. Es waren also die Versammlungen um Schliemann im Mai 1890 die leztenzdie an der klassisben Stätte stattgefunden haben, für jeden Teilnehwmer Vortragenden ist besonderz ein Tag in freundlihem und lebhaftem Gedächtnis geblieben, an dem er mit Lifsauer und Brückner stundenweit hinaufritt nach dem Boli Dagh, den verfallenen Mauerruinen, die von S{hliemann ünd anderen gewihtigen Männern, u. a. von Moltke, allgemein für Troja gehalten wurden. Der lange Ritt bot Muße zu bielseitiger Unterhaltung. Man befand sih, so nahe dem Ort, wo eine weittragende wifsenshaftliche Frage am Original zu \tudieren war, in gehobener Stimmurg und kam einander mens{li näher, als das später in dem größeren Kreise in Troja selbst mögl war. Seit diesem Tage ift Dr. Shuchhardt immer mit Lissauer in Verbindung geblieben. Man hat die beiderseitigen Schriften aus- getauscht, sich von Zeit zu Zeit in Kongressen wiedergeschen, und am 1. April d. J. war Lifsauer der erste Bekannte, der im Museum erade in der Schliemann-Sammlung vor dem trojanishen Gold- chaße dem Vortragenden begegnete. Es ergab sih in dieser Umgebung von felbst, daß die beiderseitigen Erinnerungen an ten Boli Dazh / auflebten, und Dr. Sh. erzählte, wie er gerade in legzier Zeit die Gedanken weiterentwickelt habe, die beide damals angesihts der weiten trojanischen Land- {haft und des vielgestaltigen Inselmeeres beschästigt hatten. „Nun, hoffentlih hôren wir darüber bald Näheres, vielleicht in der Anthro- pologishen Gesellshaft“, meinte Lissauer. Er ist darüber gestorben, dem Vortragenden aber dünkt es Pflicht, zum ehrenden Gedähtnis des trefflihen Mannes ein Stück Forschung vorzutragen, das zu ihm und jener anregenden Bekanntschaft in Troja in Beziehung steht, und dessen Wahl als ein Blatt der Erinnerung an Lissauer ih auch sachlich rechtfertigt. Denn Troja - Mykenae bedeutete einen Mann von dem umfassenden Blick Lissauers für da Gebiet der Prähistorie mehr als nur eine lokale Adteilung, er sah darin vielmehr nach den verschiedensten Richtungen hin die Wurzel der Erkenntnis der Verhältnisse im ältesten Europa und ihres Zusammenhanges mit den klassishen Kulturen Aegyptens und Griechenlands. Als ein Mittler zwischen Prähistorie und klassisher Archäologie erscheint Troja - Mykenae in der Tat dem tiefer ein- dringenden Blick, als ein Kraftzubringer an beide Teile; als ein Helfer, um Prähistorie immer fester auf einen wissenshaftlihen Fuß zu stellen, und was wir mit einem im Grunde niht-trefff-nden Aus- druck „Vorgeschichte" nennen, immer sicherer zu „Geshichte® zu mahen. Nur für die griehische Kultur ist die trojanisch- mykenisch?2 eigentliß vorgeschichtlich, für die ägyptishe und babylonische aber nebengeshichtlich, und neben der griehishen ziehen dann wieder die \kythische, die altitalishe, die Hallstatt- und La Tène- Kultur entlang, in teilweiser Vermishung mit jener den Boden bildend, auf dem sich die römische, ° die germanishe und die \lavische Kultur entwickelt haben. Alle die Sachen, die Schliemann ausgrub, er- schienen anfangs fo „prähistorish“, daß klassishe Arhäologen ih darum zu kümmern ablehnten, mykenishe Goldsachen wurden von einer Seite sogar für Bauernkunst aus dec Völkerwanderungszeit gehalten. Erst ganz allmählich änderte sich die Anshauung, man lernte die Blüte Myfkenaes datieren, die Paläste von Troja, Tiryns und Mykenae erwiesen sich als die Vorstufen des dorishen Tempels, und vor allem zeigte ein erneutes Studium der homerishen. realen Angaben, daß die von Sliemann aufgedeckten Königssige in Wirklichkeit Schaupläte jener in den homerishea Dichtungen verherclihten Heldenzeit gewesen waren. Die trojanish-mykenis{che Kultur gilt beute hon kaum mehr als prähistorish, die Seeherrshaft eines Minos im Insclmeer, der Kampf der Griehen um die kleinasiatishe Küste, selbst die Argonautenfahrt bis zum Kaukasus sind aus dem Gebiet der Sage für das Gebiet der Geshihte gewonnen worden. Und hiermit ift ein gutes Werk getan; denn ein anderes ist es, einem Volke Sagenhaftes, ein anderes, ihm historisch Beglaubigtes zu erzählen; die Gestalten seiner Vorzeit sind ihm näher ge: üt, ihm lieber ge- worden, seitdem sie nicht mehr als Schatten in der Sage, sondern als Wirklichkeiten in der Geschichte leben. Diese Wirkung auf die Volksseele kaan jeder beobachten, der einer Oeffnung von Urnengräbern beiwohnt. Die herbeikommenden Landleute möchten gern wissen, ob jene von ihren Vorfahren oder von einem fremden Volke herrühren, und beantwortet man die Frage, so ist des weiteren Fragens kein Ende nah- Lebensbedingungen, Herkunft, Verbleib, bis die ausgegrabene - Prähistorie tunlichst in Historie verwandelt ist. So geht es nah Ansicht des Vortragenden überall ; und deshalb glaubt er sich berechtigt, den Manen eines hervorragenden Prähistorikers von einem der interessantesten Gebiete, wo Prähistorie und Historie inein- ander greifen, ein Stück „Historisierung“ darzubring-n. Was nun in längeren, die Aufmerksamkeit der Hörer fesselnden Ausführungen folgte, waren die Ergebnisse höch wertvoller Studien über die im 2. Buch (Katalogos) und im 10 Buch (428 431) der Ilias namhaft gemachten Hilfsvölker der Trojaner und die Untersuhung der Frage, wieviel Wirklichkeit den betreffenden homerishen Berichten zu Grunde liegt. Das s\pâtere Griehentum und zum Teil \chon in di@terischer Uebertreibung die homerishen Lieder selbst faßten den trojanishen Krieg auf als einen Kampf des ganzen Europa gegen ganz Asien; in Wirklichkeit können aber nur die Völker der mykenishen Kultur in Waffen gestanden haben gegen die Nachbar- vôlker der Trojaner, gegen diejenigen nämli, die Interesse an der Erhaltung des status quo an der Dardanellenstraße hatten. Dr. Shuchhardt führte nun mit großem Shhatfsinn an Fluß-, Gebirgs-, Landschafts- und Orténamen den Beweis, alle von Homer ge- nannten Hilfsvölker der Troer auch ihre Nachbarn, sei es landeinwärts, fei es seewärts, gewesen sind. Manche dieser Untersuhungen waren verhältnismäßig leiht, wie die über Phrygier und Lykier, deren Namen weiterleben und deren edle Helden Sarpedon und Glaukos vtelgenannt sind, die meisten aber erforderten eingehende Studien; doch kein Name eines Volkes hat sh hierbei ergeben, dessen nahe Wohnsize und dessen Beziehungen zu Troja (zuweilen enge ver- wandtschafilihe Bande, wie bei den Lelegern, deren König der Scchwiegervater von Priamus war), nicht hätten ermittelt werden können. Dr. Shuchhardt ist in Verfolg seines Zweckes aufmerksam gewesen auch auf gelegentliße Erwähnungen genealogisher und ethnologisher Bezi-hungen in der Odyssee, die sich zwanglos einen anderen Ecmittelungen tinordaeten, ebenso lieferten hm Livtus ga seiner Schilderung der Schlacht bei Magnesia, 190 vor dr. und Strabo wertvole Hilfe. Von besonderem Inter-}se ist, was über die Lykier ermittelt worden ist, die man bisher immer nur an der Südküste Vorderasiens wohnend gedacht hat, also ziemlich entfernt von Troja, die aber viel näher wohnten, Homer läßt Diomedes niht gegen den Lykier Släukos kämpfen, weil fie sich als Nahkommen eng befreundeter Vorfahren erkanten: der cine Sohn des Tydeus von Argos, der andere Enkel des Bellerophon von Korinth. Endlich ist Dr. Shchhardt nebenher der Nachweis geglückt, daß Tantalus und Pelop3, vermutlih auch Kyklops, nach der Aas ein Sohn des Tantalus, historishe- Personen gewesen nd und Aeschylus seinem CTantalus daher Worte in den - Mund legt, in denen er ihn von seinem großen Reih eine Shilderung geben läßt, die Niobe bestätigt, indem sie von den Tantaliden sagt „hoh auf dem Ida

steht ihr Hausaltar, dem Zeus geweiht". Somit ist auch anzunehmen,

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