1888 / 155 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

wurden 2 getödtet und 5 verleßt, und zwar entfallen je eine Tödtung auf die Verwaltungsbezirke der Königlichen Eisenbahn- Direktionen zu Köln (rehtsrheinishe) und zu Erfurt, je eine Verleßung auf die Königlih württembergishen und auf die Großherzoglich badischen avre Vie pt sowie auf die Ver- waltungsbezirke der Königlichen Eisenbahn-Direktionen zu Erfurt, Bromberg und Hannover; von Mann und Arbeitern im Dienst wurden beim eigentlihen Eisenbahn- betriebe 15 getödtet und 71 verleßt, von Steuer- u. \. w. Beamten 2 verleßt, von fremden Personen (einscließlich der nicht im Dienst befindlihen Bahnbeamten und Arbeiter) 11 getödtet und 7 verlegt. Außerdem wurden 2 Beamte bei Nebenbeschäftigungen verleßt. Von den sämmtlichen Unfällen beim Eisenbahnbetriebe entfallen auf: A. Staatsbahnen und unter Staatsverwaltung stehende Bahnen (bei zusammen 30 035,47 km Betriebslänge und 763 720 024 ge- jörderten Achskilometern) 122 Fälle, darunter die größte An- zahl auf die Verwaltungsbezirke der Königlichen Eisenbahn- Direktionen zu Köln (rehtsrheinische) (16), zu Breslau (15) und zu Berlin (14), verhältnißmäßig, d. h. unter Be- rüdcksichtigung der geförderten Achskilometer und der im Be- triebe gewesenen Längen, sind in dem Verwaltungsbezirk der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Altona, auf der Main- Neckar-Eisenbahn und in dem Verwaltungsbezirk der König- lichen Eisenbahn-Direttion zu Köln (rechtsrheinische) die meisten Unfälle vorgekommen. B. Größere Privatbahnen mit je über 150 km Betriebslänge (bei zusammen 1729,43 km Betriebslänge und 22799271 geförderten Achskilometern) 2 Fälle, und zwar auf die Hessishe Ludwigs-Eisenbahn. C. Kleinere Privatbahnen mit je unter 150 km Betriebslänge (bei zufammen 1658,82 km Betriebslänge und 9838 981 geförderten Achskilometern) 2 Fälle, und zwar auf die Lübeck-Büchener Eisenbahn.

Die wissentlich widerre{tlihe Ueberschreitung der an sich statthaften vorläufigen Festnahme einer Person, beispiels- weise das Fesseln und Binden des Festgenommenen, welcher ohnedies Widerstand zu leisten außer Stande ist, ist nach einem Urtheil des Reichsgerihts, I. Strafsenats, vom 13. Februar d. J., als vorsäßlihe und widerrehtlihe Frei- a M aus 8. 239 des Strafgeseßbuchs zu be- strafen.

Durch Allerhöchste Ordre vom 29. v. M. ist dem Kreise Grottkau, welcher den Bau einer Kreischaussee von Perschkenstein über Reisewiy nah Groß-Karlowitz ausgeführt hat, gegen Uebernahme der künftigen chausseemäßigen Unter- haltung der Straße das Recht zur Erhebung des Chaussee- geldes nah den Bestimmungen des Chausseegeld-Tarifs vom 29. Februar 1840 einschließlich der in demselben enthaltenen Bestimmungen über die Befreiungen, sowie der sonstigen,® die Erhebung betreffenden zusäßlihen Vorschriften vorbehaltlich der Abänderung der sämmtlichen voraufgeführten Bestimmungen verliehen worden. -Auch sollen die dem Chausseegeld- Tarif vom 29. Februar 1840 angehängten Bestimmungen wegen der Chaussee-Polizeivergehen auf die gedahte Straße zur Anwendung kommen.

Durch Allerhöchste Kabinets-Ordre ist bestimmt worden, daß die zur Zeit in Betreff des Tragens der Bärte in der Armee bestehende Verschiedenheit dahin beseitigt werde, daß künftig das Tragen der Vollbärte überall gestattet sei.

Der General der Kavallerie Graf von Waldersee, General-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und General-Quartiermeister, ist mit den Offizieren des Großen Generalstabs nah der Provinz Ostpreußen zur Großen Generalstabs-Uebungsreise abgereist.

Potsdam, 15. Juni. (W. T. B.) Se. Majestät der Kaiser Friedrich ist ohne Kampf verschieden. Die ganze Familie war beim Ableben zugegen.

Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist um 1 Uhr 40 Minuten hier eingetroffen und hat \sch nah Schloß Friedrichskron begeben.

Frankfurt a. M., 15. Juni. (W. T. B.) Jn Folge Ablebens Sr. Majestät des Kaisers bleibt die Börse und Effekten-Sozietät heute geschlossen.

Köln, 15. Juni. (W. T. B.) Soeben verkündet die Kaiserglocke im Dome die Nachriht von dem Ableben Sr. Majestät des Kaisers und Königs Friedrich. Flaggen überall halbmast. Börsen sind geschlossen.

Aachen, 15. Juni. (W. T. B.) Nach dem Eintreffen der Trauerbotshaft fingen die Glocken sämmtlicher Kirchen zu läuten an. Häuser in tiefem Trauershmuck.

Sachsen. Dresden, 15. Juni. (W. T. B.) Die Herzogin von Genua is heute früh auf Schloß Pillnig eingetroffen.

Die ganze Stadt hat in Folge des Ablebens Sr. Majestät des Kaisers undKönigs tiefe Trauer angelegt; alle öffentlihen Vergnügungen sind eingestellt.

Vaden. Karlsruhe, 14. Juni. (W. T. B.) Die Großherzoglichen Herrschaften begaben E Vor- mittag, nachdem sie das heutige Bulletin über das Befinden Sr. Majestät des Kaisers erhalten hatten, sofort zu Jhrer Majestät der Kaiserin Augusta und verblieben einige Zeit daselbst. Der Erbgroßherzog und die Frau Erbgroßherzogin, die heute nah Freiburg zurückzukehren gedachten, sind in Baden-Baden geblieben.

Sachsen - Weimar - Eisenach. Weimar, 14. Juni, Si C.) Der Großherzog empfing am 12 d. M. auf loß Belvedere den beim Großherzoglichen Hofe beglaubigten Königlich belgischen Gesandten Grafen von Straten- Ponthoz in Abschiedsaudienz.

Sachsen-Altenburg. 13. Juni. (Chemn. Tgbl.) Der Herzog ist am Montag über Heidelberg und Baden-Baden zu einem 14tägigen Aufenthalt nah der Schweiz abgereist.

Sachsen-Coburg-Gotha. Gotha, 14. Juni. (Goth. 218.) In der heutigen Sipung des gemeinschaftlichen andtages für die Herzogthümer Coburg:und Gotha wurde zunächst, dem Antrage der Kommission gemuß, das Gese, eine Abänderung des Geseyes über die Organisation der Zustizbehörden erster Jnstanz betreffend, angenommen, ebénso der Antrag des Ministeriums , betreffend die Genehmi- gung der Etatsüberschreitung bis zu dem L on 2000 M für jedes der Etatsjahre 1887/88 und 1888/89. Hierauf er- folgt die Vertagung des Landtages durh den Staats-Minister von Bonin.

Reuß j. L. Gera, 13. Juni. (Magd. Ztg.) Der regierende Fürst hat sich von Schloß Oberstein bei Gera zu einem längeren Sonimeraufenthalt nah Schleiz begeben.

Hamburg, 15. Juni. (W. T. B.) Sofort nach Ein- treffen der Nachriht des Ablebens Sr. Majestät des Kaisers Friedrih wurden Flaggen in Stadt und Hafen halbmast gezogen. Börsen geschlossen.

Pest, 14. Juni (W. T. B.)

Oesterreih-Ungarn. Jn dem Ausschusse der ungarishen Delegation für auswärtige Angelegenheiten wurde das udget des Auswärtigen verhandelt. Referent Falk hob hervor, seit der leßten Session sei eine wesentliche Veränderung der politishen Lage niht eingetreten. Jn diesem negativen Resultate liege die günstigste Kritik für die Leitung der auswärtigen Politik; denn diese strebe keinerlei positive Einflußnahme auf den Gang der Orientangelegenheiten an; sie sei lediglich bemüht, das im Berliner Vertrage stipulirte Selbstbestimmungsrecht der dortigen Staaten zu wahren. Referent beantragt, der Aus\schuß möge, nahdem der Minister des Auswärtigen in allen Punkten an seinem von den Delegationen gebilligten Programme festgehalten habe und da der gegenwärtige Zustand. im- Orient diesem Programme vollständig entsprehe und da dieses Resultat mit durh- aus friedlihen Mitteln erreiht wurde, bei den Delegationen beantragen, daß dieselben auch in diesem Jahre der Leitung der auswärtigen Politik ihre volle Anerkennung und Zustim- mung ausdrüden. Apponyi;, Csernatony und Horvath schließen sih dem Antrage Falk’'s an. Alle Redner wünschen, daß in dem Berichte die herzlichste Fustimmung zu der Politik be- tont werde, welhe in dem Bündniß mit Deutschland aus- gedrüdkt sei.

Der Minister des Auswärtigen, Graf Kálnoky dankte für die Anerkennung der Seitens der Leitung der auswärtigen Politik geübten Reserve bei der Erörterung spezieller Fragen und gab sodann ein Exposé über die auswärtige Lage. Der Minister hob hervor, daß im Drient in den leßten Monaten nihts eingetreten sei, was eine bleibende Veränderung der dortigen Lage hätte hervorrufen können. Namentlih habe sih nichts ergeben, was die österreihishe Regierung drängen könnte, etwas zu thun, was nicht in der Situation liege und auh nit allfeitige Zustimmung und Unterstüßung jener Faktoren finden würde, mit denen die Regierung wenn möglich in allen Fragen, namentli aber in der Orientfrage, einig und gemeinsam vorzugehen wünsche. Allgemein herrsche das Gefühl vor, daß die durch die europäische Lage hervorgerufene Span- nung nachgelassen habe, und diese Beruhigung entspreHe allen Wünschen. Andererseits dürfe man sih aber auch der Thatsache niht verschließen, daß von den Ursachen, welche im letzten Winter und früher die Besorgnisse um den Weltfrieden hervor- riefen, keine geshwunden sei. . Die Fragen über Buigarien seien bei der politishen Situation im Großen nur ein relativ wichtiger Faktor; für Qesterreih - Ungarn jedo entschieden“ wichtiger als Für de meisten europäischen Mächte. Wenn an -* ¿# - Mokarchie gewisse Besorg- nisse für die friedlihe Entwickelung der Zukunst heran- träten, so sei deren Que nicht allein in den Zuständen der Balkanhalbinsel zu suchen, sondern in der allgemeinen europäischen Lage, in den Machtverhältnissen der einzelnen Staaten, in den tiefgehenden Divergenzen nicht so sehr der Kabinette als der Bevölkerung, in den Gegensäßen darüber, was zu erhalten und zu zerstören sei, und in den Fluk- tuationen von Ansichten und Gefühlen, die sich zeitweilig glätten, aber auch plöglih zur Sturmfluth anwachsen können. Diese Verhältnisse müßten neben den Phasen der Orient- frage immer im Auge behalten werden; wenn konstatirt worden sei, daß in den leßten Monaten eine wesentliche Veränderung der politishen Lage sich nicht ergeben habe, so habe sih dies auch auf diese allgemeine politische Lage bezogen. Es sei vielleiht jeßt eine Phase relativer und bedeutender Beruhigung im Vergleich zu der Lage bei Beginn des Jahres. Er wolle keineswegs diese Ruhe fortsheuchen und die Hoffnung s{hwächen, daß es gelingen könne, die S: für die Zukunft auf eine mehr gesicherte

asis zu stellen. Andererseits aber sei es seine Pflicht, darauf hinzuweisen, wie es ebensowohl möglich sei, daß diese Unsicher- heit, ! unter welher man seit Jahren zu leiden habe, eine längere Dauer behalte. Diese Erkenntniß habe eben noth- wendig gemacht, daß die Staaten, welhe zur Siche- rung ihrer Machtstellung und des Friedens gezwungen waren, ihre Wehrkräfte zu verstärken, sh nicht darauf be- schränken können, unter dem jeweiligen Drucke eines momen-: tanen Alarms vorübergehende Sicherheitsmaßregeln zu ergreifen, sondern bedaht sein müssen, auch organish ihre Kräfte zu stärken und zu vervollkommnen, um ruhig jeder Eventualität, und auch einer unvermutheten, entgegen- treten zu können. Ein solher Zustand sei- aber noch immer besser als der Krieg. Die im Berichte des Aus- schusses angeregte Erwähnung des Bundesvertrages mit Deutschland acceptire er mit größter Befriedigung und Dankbarkeit; es bestehe wohl für Niemand Zweifel darüber, daß die Allianz Oesterreih-Ungarns mit Deutschland von allen Völkern der Monarchie als Gewähr des Friedens, als einer der nüßlichsten und segensreichsten politishen Akte der leßten Zeit anerkannt werde. Es sei wohl kaum früher ge- schehen, daß ein als geheim abgeshlossener Staatsakt, der auf diese Weise in die Oeffentlichkeit gebracht sei, mit so allseitiger Billigung begrüßt wurde. Dies sei zugleih ein vollgültiger Beweis der vollen Ehrlichkeit und Lauterkeit des Bündnisses, sowie dafür, daß es auf die wihtige Basis der Erhaltung des Friedens und der Staatswohlfahrt beider Theile gestellt sei.

Der Minister stimmt Czernatony vollkommen zu, welcher auf die Wichtigkeit des Bündnisses mit Jtalien als eines Komplements zu dem Bündniß mit Deutschland hin- ewiesen habe. Gerade für ODesterreih-Ungarn, welches Interessen nah Süden, Osten, nah dem Mittelländischen

eer und nah dem Orient, also parallel mit Jtalien, wahr- zunehmen habe, sei dieses Sreundscaftsverhältniß von großer Bedeutung, abgesehen davon, daß dasselbe ein Verhältniß der Sympathie und Gegenseitigkeit mit einem Nachbarstaat her- stellte, welhes niht nur beiderseits vollkommene Sicher- i sondern auch ein Einstehen für gleihe Ziele und

nteressen in sih \{ließe, Der Minister spriht die Genug- thuung über den mit Jtalien abgeschlossenen Handels- vertrag aus, der gewiß auch beitragen werde, die Freund- schast beider Staaten zu erhöhen. Besonderes Verdienst an

diesem Erfolg gebühre dem Minister-Präsidenten Crispi, der mit großer Energie und erleuhtetem Verständniß die Richtung der italienischen Politik zu erfassen und zu beleben gewußt habe. Der Minister pflichtet der Bemerkung bei, daß die Jnteressen der Monarchie in der Orientfrage mit denen der Balkanvölker identisch seien; doch möchte erx sie dadur ergänzen , daß diese Ainterelien zugleih euro- päishe seien, was für die Stellung Oesterreih-Ungarns in dieser Richtung eine wesentliche Stärkung bedeute. Die Ziele der Orientpolitik Oesterreih:Ungarns seien dieselben wie jene der meisten europäischen Kabinete; dieselben wurden in England, welches hierbei wesentlich in Betracht komme und dessen politische Richtung mit der von der österreichish-ungarischen Regierung bezeihneten vollkommen übereinstimme, mit großer Sympathi- aufgenommen. Nachdem der Minister hierauf noch auf spezielle Fragen einzelner Delegirten über die Orientbahnen und Errichtung eines zwischen Salonichi und Uesküb gelegenen Konsulats geantwortet hatte, beshließt der Aus\{huß ein- stimmig, dem Minister des Auswärtigen die Anerkennung und Zustimmung auszusprechen.

Auf die Ausführungen pa betreffs der Erhebung der Gesandtschast in Madrid zur Botschaft erklärte der Minister-Präsident, es sei für das monarchishe Europa von hohem FJnteresse, daß die weitere Entwickelung Spanien gestatte, jene Stellung wieder einzunehmen, die seiner großen historischen, Vergangenheit entspreche. Auf eine Anfrage Falk's wegen der Orientbahnen erwiderte der Minister- Präsident, die Bahn von Salonichi sei recht gut gebaut. Einige Schwierigkeiten, namentli betreffs des Postdienstes, welche Seitens der türkishen Behörden hervorgetreten, seien bereits beseitigt. Man könne hoffen, daß nunmehr ein ge- sicherter Postverkehr auch künftig keine Unterbrechung erleide; es dürfte noch zwei Monate dauern, bis die Konstantinopeler Linie zur Eröffnung vollkommen bereit sei. Den Bulgaren müsse man die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie troz der Schwierigkeiten den Bau der Bahn nicht unterbrochen und denselben ohne Anlehen aus den eigenen Staatseinnahmen bestritten haben, was freilich die Verzögerung erkläre.

Grofßf;britannien und JFrlaund. London, 14. Juni, (W. T. B.) Das Unterhaus nahm die zweite Lesung der Weinzoll-Bill an. Der erste Lord des Schaßes Smith gab mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns Mittheilung von einem heute Nahmittag 3 Uhr in Berlin aufgegebenen Telegramm über den wenig Hoffnung gewährenden Zustand Sr. Majestät des Kaisers Friedri ch.

Das Oberhaus nahm die erste Lesung der Regierungs- Bill, durh welche das Aktiengesellshaftsgesey abge- ändert und insbesondere die Gründung betrügeriscer Gesellschaften verhütet werden soll, an.

15. Juni. (W. T. B.) Die Nachrichten über die verhängnißvolle Wendung in dem Befinden des Deutschen

Kaisers haben E überall lebhaftes Mitgefühl erweckt. Die !

Morgenblätter besprehen den Zustand in der theilnahmvollster Weise, spenden der Kaiserlichen Familie, wie dem deutsche: Volk Trost und zollen den großen Eigenschaften des Kaiseri Friedrih hohe Bewunderung.

Frankrei. Paris, 13. Juni. (Fr. C.) Die Deputirten: kammer seßte heute die Berathungen über die Reglemen tirung der Arbeitszeit in den Webriten und Werkstätten für Frauen und Kinder fort. Danach sollen die Frauen niht über zehn Stunden täglich und Unerwachsene bis zum 18. Fahre nicht über acht Stunden arbeiten dürfen. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt.

14. Juni. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer nahm den Gesegentwurf, wonach die Paßgebühren herab: geseßt werden, ohne Debatte einstimmig an.

_ Italien. Rom, 14. Juni. (W. T. B.) Der Justiz: Minister hat im Senat das neue Strafgeseßbuch einge braht. Die Deputirtenkammer nahm vor dem Eintreten in die Spezial-Berathung des Marinebudgets eine Tagesordnung an, durch welche sie das Vertrauen in den Marine-Minister bekundet. Der Minister-Präsident Crispi ist heute Abend hierher zurüdckgekehrt.

Spauien. Madrid, 13, Juni. Alkoholsteuergeses ist in beiden Cortes angenommen worden.

14. Juni. (W. T. B.) Das neue Kabinet ist nun: mehr definitiv wie folgt gebildet: Sagasta Dan Alonzo Martinez Justiz, Armijo Auswärtiges, apdepon Kolonien, Arîias Marine, Moret Jnneres, Puigcerver Finanzen, Canalejas Arbeiten und Oryan Krieg. Das amtliche Blatt veröffentliht ein Dekret, durch welches der Chef der Artillerie ermähtigt wird, bei der Firma Krupp 5 Geschütze nebst dem dazu erforderlichen Zubehör für 1 920 000 Fr. zu kaufen ; dieselben sind zur Vertheidigung der befestigten Küstenpläßze bestimmt.

Velgien. Brüssel, 15. Juni. (W. T. B.) Die liberal progressistische Vereinigung hat in einer gestern Abend abgehaltenen allgemeinen Versammlung be \chlossen, sich der Theilnahme an der Stichwahl am nächsten Dienstag zu enthalten.

Amerika. Washington, 13. Juni (per Kabel). (A. C.) Präsident Cleveland unterzeichnete heute die Vorlag, welhe ein Arbeits - Departement im Staats Ministerium ins Leben ruft. ¡

Jn heutiger Sißung des Senats hielt Mr. Hal: (Maine) eine heftige Rede gegen den Fischereivertras. Mr. Blair (New Hampshire) lenkte Mr. Hale's Aufmerksam keit auf die Forts, welche von den Briten in Britisch-Kolun bien errichtet werden. Mr. Hale erwiderte, er glaube nid!, daß irgend welche kluge britishe Staatsmänner mil! einem anderen Gefühl als dem der Besorgniß und Fur! einen Konflikt mit den Vereinigten Staaten betrachteten. Die Dinge, auf welhe Mr. Blair hinweise , stände indeß im Zusammenhange mit-dem von Großbritannien s eingeshlagenen Verfahren. Es treffe Fürsorge für die Zl kunft. Mr. Hale drückte auch die Meinung aus, daß del Plan für eine Schiffseisenbahn zwishen der Fundy-Bai und dem St. Lorenzgolfe, mittelst welcher eine hinreichende Anzah von Kanonenbooten nah den Seen zur Beherrschung derselben befördert werden könnten, von großer Wichtigkeit sei.

New-York, 13. Juni (per Kabel). (A. C.) Mr. Phelp#, der amerikanishe Gesandte am Hofe von St. James, rei heute an Boxd des norddeutschen Lloyddampfers „Aller“ 10° England behufs Wiederaufnahme seiner diplomatishen liegenheiten.

(W. T. B.) Das Häusern der

| Ein zielbewußtes Vorgehen werde auf diesem Gebiete leiht Wandel

Afrika. Egypten. Kairo, 13. Juni. (A. C) (Tele- gramm des „Bureau Reuter“.) Ein Bote ist biec Er Men mit Briefen, welche Quittungen enthalten über

fd. Sterl von Lupton Pa / S tin gefangen dal M der von den Derwischen

Anftralien. Sydney, 13. Juni. (A. C

zes Bureau Reuter.) Die hier tagende Rotte wo E tretern der australischen Kolonien, welche die Chinesen-Einwanderungsfrage lösen soll, beschloß die Reichsregierung anzugehen, ihre guten Dienste bei China anzuwenden zu Gunsten des Abschlusses eines Vertrags ähn- li dem zwischen China und den Ver. Staaten bestehenden. Die Kolonien ihrerseits wollen die Kopfsteuer aufheben, sowie de En D ulgen g des Tonnengehalts und ani . Syne}en würde nicht gestattet

Pässe von Kolonie zu Kolonie zu Mie M E

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Heitungsftimmen.

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Die „Deutsche volkswirt aftli S -

deng scjreibt: hshaftlihe Correspon

eut}he Waaren im Auélande. Von dem Grundsatze illi und s{lecht* scheint die deutshe Industrie in ihren bere GI A si gründlih abwenden zu wollen. Und dies mit vollem Rete. Denn eine verständige und umsichtige Konkurrenz kann in der That ihre Aufgabe nicht darin erkennen, dem Gegner dur eine gewisse Auf- dringlichkeit einen Vorsprung abzugewinnen, sondern ihn dur bessere Qualität der Waare langiam aber siher zum Rückzuge zu zwingen. Einige fensationelle Erciguisse der jüngsten Zeit haben die Gediegenheit der deutschen Arbeit und der deutshen Marke in das hellste Litht gestellt. Wir erinnern zu wiederholten Malen an .die Sheffielder- Rasirmesser, die mit der Bezeichnung : „In Hamburg geschlifen“ auf den englischen Markt gebracht wurden Und obne diese Bezeichnung dortselbst keinen Abfag finden konnten, an die Bemühungen des fran- zösishen Handels-Ministers Lockroy, den französiswen Markt vor deutschen Provenienzen zu verschließen, indem er die Bezeichnnng der- selben als französishe Waare dur drakonishe Maßregeln zu abnden versuhte mittelst eines Gefeßes, das vor zehn Jahren in Frankrei einfa zu den Unmöglicfeiten gehört bätte.

Derartige Symptome lieferten den glänzendsten Beweis für die Berechtigung des Grundsates, daß nur der Sieg über den inneren Werth des Fabrikats die Herrschaft und den Genuß der gematen Eroberung dauernd zu verbürgen vermöge. Bereits in dem Bericht der Handels- und Gewerbekammer von Chemniy für das Jahr 1886 war hervoraehoben worden, das Mittel, durch welches si die deutschen Fabrikate allem Wettbewerbe zum Tro einen dauernden und überlegenen Plaß auf dem Weltmarkt fichern werden, bestehe nit „darin, zu der Hervorbringung minder- werthiger Waaren seine ZufluGt zu nehmen, sondern mit allen Kräften darnah zu streben, immer bessere, edlere und \chönere Qualitäten zu erzielen, damit die ausländisbe Industrie nit mehr den Ruf größerer Vollkommenheit besitze, dieser Ruf vielmehr in erster Linie der heimischen Produktion gebühre. Bereits erschallen vom Auslande aus immer lauter die Stimmen, welche die Verbrei- tungsfähigfkeit der deutschen Erzeugnisse auf die größere Güte derselben zurückzuführen gezroungen sind. Nach dieser Richtung sind die Hebel einzuseßen, welche einen immer größeren Aufshwung bewirken und dazu führen werden, daß die Superiorität deutschen gewerblichen Fleißes aller Welt vor Augen gebracht werde.

Während nun der Chemnißer Bericht im Interesse der Superiorität des deutshen Handels die Aufmerksamkeit der Fabri- kanten auf die Hebung der Qualität der veu!s&ca Waarcn lenkt, bc- schäftigt fih der diesjährige Handelskammerberiht für Aachen. und Burtscheid mit der Frage des nationalen Handels in der Weise, daß er auf jenen Appell zurückfommt, der Ende 1887 an die deutschen

abrikanten ergangen it: „Deutshe Waaren déeatshe Marken, eißt es dort, das ist der Grundsaß, der in dzr deutschen Geschäftswelt noch immer niht zur allgemeinen Geltung gelangt ist. Allzu häufig noh bezeihnen deutshe Fabrikanten ihre Waaren mit außerdeutshen Fabrikationsorten, Marken und Fitaen, geben ihnen eine fremdsprahige Aufmachung und vertreiben sie nag ausländishem Maß und Gewicht, ohne dur einen angemessenen Zu- saß die deutshe Herkunft der deutshen Waare kenntlich zu machen.“ Der Bericht untersucht den Wepeung dieser Unsitte, der noch eben aus jenen Zeiten stamme, wo es nothwendig war, die Gediegenheit und Preiswürdigkeit der Waare auf das Conto desjenigen Landes zu schreiben, dessen Sprace, Fabrikationëorte und Namen der Konsument auf der Waare finde. Anstatt den Ruf der deutshen Produktion zu mebren, arbeite man also den Konkurrenznationen in die Hände und die Früchte der mühevollen und eifrigen Arbeit der deutschen Ge- \häftswelt ernten {ließli Diejenigen, die an der Beseitigung der deutshen Konkurrenz das dringendste Interesse haben, ein Vorgehen, das weder patriotish noch klug genannt werden känn. Noch beklagenswerther sei es aber, wenn si deutsche Fabrikanten dazu hergäben, in Deutschland selbst ihre Waaren unter fremdländischer Bezeichnung zu verkaufen. Thatsählih werden ja allerdings gewisse deutshe Produkte erst auf dem Umwege über das Ausland als nicht deutsches Fabrikat in Deutschland vertrieben.

schaffen; deutshe Moden seien hon dur die Hutmacher mit Erfolg eingeführt und deutshe Möbel haben den Geshmack des Publikums für das Fremdländishe hon verdrängt. Wenn die Fabrikanten fest zusammenhalten, werden eben auch auf anderen Gebieten die deutschen Waaren nicht mehr nöthig haben, ih hinter dem erborgten Flitter des Auëlandes zu verbergen. ; ,. Indem wir auf diese Enunziationen zurüdlkommen, wollen wir niht verabsäumen, daran zu gemahnen, daß es eben die Wirkungen unserer „praktischen“, unserer „nationalen“ Wizthschastspolitik sind, welche derlei Symptome hervorgebraht haben, während nach den Grundsäßen des „Laissez faire“, des Freihandels, es als widersinnig erscheinen würde, wenn man dem Einzelnen zumuthen wollte, er solle sein Privatinterese auch nur vorübergehend in den Dienst der Allgemeinheit slelen. Der Schuß der heimishen Arbeit und der heimishen Produktion mat sich gerade nah der von uns hier geschilderten Richtung bereits in der aller- wohlthätigsten, die fühnsten Erwartungen übersteigenden Weise geltend, und es steht zu erwarten, daß ein râftiges, zielbewußtes Vor- geen nah den Grundsäßen dieser „praktischen®“ und „nationalen“

irthshaftspolitik allmählih zu Konsequenzen führen wird, welche auch die starrsten Anbänger des Manchesterthums, insofern dieselben ihre Loyalität nit gänzlich dem Parteiinteresse untergeordnet haben, zu der Ueberzeugung drängen müssen, daß der Leiter unserer jegzigen Wirthschaftspolitik wieder einmal mit einer geradezu staunenswerthen Voraus\icht auf ein großartiges Ziel losgegangen ist.

Der „Schwäbische Merkur“ schreibt: :

Die Frage der Arbeitershutgeseßgebung wird in abfehbarer Zeit kaum von der Tagesordnung vershwinden. Seit Jahren besteht in ihr ein gewisses Mißverhältniß zwischen dem Reichstage und den ver- ündeten Regierungen. Die Volksvertretung hat eine Reihe von Schußbestimmungen in fertige, geseßgeberishe Form gebracht, der Bundesrath aber unterläßt es, diesen Beschlüssen beizutreten. Im Grunde wird indeß kein Unbefangener behaupten wollen, daß die Re- gterungen an Arbeiterfreundlichkeit hinter dem Reichstage zurückständen. Der Unterschied wird vielmehr darin zu suchen sein, daß der Reichs- ag die in der Schußfrage zu thuenden Schritte mehr unter dem Ge- sihtspunkt des menschlich Berechtigten und Wünschenswerthen, der Bundesrath sie mehr unter dem Gesichispunkt der praktishen Durh-

msoweniger verdenken können, als sie nicht nur die geseßzgeberiiche, mdern auch die administrative Verantwortung für die betr. Gesegze 1 übernehmen haben. Je länger diese Fragen erörtert worden sind, nsomehr hat sib gezeigt, daß fie gegenüber der verwickelten Mannig- tigkeit des wirklihen Lebens meistens noch niht als spruhreif Gesehen werden können. JInzwishen sind die entsprechenden tlamentarischen Verhandlungen gar niht obne Nugen gewesen. E haben ohne Zweifel niht wenig dazu beigetragen, daß si iden Kreisen der Arbeitgeber heute doh eine weit größere Bereit- wigfkeit zeigt, sich im Interesse der Gesundheit der Arbeiter gewisse

‘@rânfungen aufzuerlegen, als noch- vor wenigen Jahren. Und so hat siceine Entwickelung angebahnt, der gegenüber die Schwarzmalerei, mi welcher einzelne Parteien ihre Agitation für die Arbeitershuß- ges gebung auéstatten, als vollständig grundlose Uebertreibung erscint. Sehr deutlih erhellt dies aus dem JIaghresberi{ht des Fabrikinspektors für Württemberg. Aus demselben is zu entrhmen, daß neben den Unfallverhütungsvorschriften der Be- rufs-nossenschaften auch die zur Fernhaltung gesuudbeitt{ädliher Einsisse von den Arbeitern bestimmten Maßnahmen immer allgeeinere Anwendung finden, daß besonders für eine ersprieß- liche Befriediaung des Wohnungs-, theilweise auch des Nahrungs- bedünisses Seitens der Arbeitgeber Sorge getragen wird. Die Arbeszeit eint in Württemberg fast nur in der Textilindustrie eine bermäßige Länge aufzuweisen. Ziemlih dieselbe Beobachtung wird ; im übrigen Deutschland gemacht. Daß diesem ungesunden Verbäniß ein Ende gemacht werden muß, wird immer mehr an- erkannt ebenso aber au, daß der zweckdmäßigere Weg dazu die frei- willige Verständigung der Berufsgenofsen, nit der geseglihe Maximal- oder Nrmalarbeitstag ist. Es ift erfreulih, daß diese Ansicht au Seitens des württembergishen Fabrikinspektors in einer Weise vertheidgt wird, welhe darauf schließen läßt, daß sie in den dortiger industriellen Kreisen vielfa getheilt wird. Auch das Kapitelder Sonntagsarbeit bespricht der in Rede stehende Jahres- bericht, 1nd es erhellt wieder einmal, daß dasselbe, soweit das Gebiet der eigetlihen Industrie in Frage kommt, durchaus nit von der Bedeutng ist, zu welcher eine gewisse Agitation es aufbauschen möchte. Das Wort des Berichts: „Die Fabrikanten wissen sehr wobl, die Sonntagsarbeit an sihch \{chon ganz unvortheilhaft ist“, dürfte \# ziemli allgemein in Deutschbland zutreffen. Von beson- derem Itteresse sind auh die Feststellungen des Berichts in Bezug auf die Frauen- und Kinderarbeit. Eine extreme, niht nur von den Sozaldemokraten vertretene Forderung will die Auss{ließung des Weibs aus der Fabrikindustrie überbaupt. Dem gegenüber ist bervorzuhben, t der württembergishe Inspektor nachtheilige Folgen de Fabrikbeschäftigung füc weiblihe Arbeiter nicht gefunten at. Und besonders fann er auf Grund der Urtheile vorzugsweise zuständiger Männer berihten, daß die sittlihe Haltung der industri- ellen Bevölérung hinter derjenigen der ländliGen nicht zurücksteht. Hinsichtlich der Kinderarbeit endlih ift zu erwähnen, _daß die in der württemberg {hen Industrie hon an si geringe Beschäftigung von Kindern noh mehr abgenommen hat. Die gleihe Beobachtung macht man fast überall in Deutschland. Nach alledem ist die An- nahme wohl niht zu gewagt, daß in unseren Arbeiterverhältnissen eine aus der freien Entschließung der Arbeitgeber entstandene Besse- rung tin erfreulihem Fortschreiten begriffen iît.

Amtsblatt des Reihs-Postamts. Nr. 26. Inhalt: Verfügungen: vom 8. Juni 1888. Wegfall der besonderen Zwischen- quittungen der bei Postagenturen beschäftigten Landbriefträger über die Entschädigungen für Bestellung und Einsammlung der mehr als 2¿ kg {weren Pakete 2c. Vom 11. Juni 1888. Postverbindungen nah den Inseln Föhr und Sylt.

Statistische Nachrichten.

Nach Mittheilung des Statistishen Amts ck-c Stadt Berlin find bei den biesigen Standesämt+--î in der Wothe vom 3. Iuni bis inkl. : zur Anmeldung gekommen :

Crx e.

227 Ebeschließungen, 25a Lebendgeborene, 26 Todtgeborene, 544 Sterbefälle.

Dresden. Die Ergebnisse der Gewerbezählung vom 5. Juni 1882 liegen nunmehr, nahdem die für das Reich bearbeiteten Frgebnisse vor einiger Zeit veröffentlicht sind, auch für das Königreich Sachsen in einer besonderen Verarbeitung in der „Zeitschrift des Königlich Sähsishen Statistishen Bureaus“ (2. Supxement zum 22. Jahrg. 1886) vor. Das umfangreiche Heft, welchez das Statistishe Bureau des Königlichen Ministeriums des Innern über die gewerbtreibenden Personen und die Gewerbe- betriebe Sachsens herausgegeben hat, kann insofern als eine widtige Ergänzung der auf Sachsen bezüglichen' reihsstatiftischen Veröffent- lihungen gelten, als es die \pezifish sächsishen Eigenthümlicbkeiten des Gewerbslebens auch besonders eingehend behandelt. Zu diesen ge- hôren namentli die hervorragende Stellung der Textilindustrie und der Hausindustrie, denen besondere Abschnitte gewidmet sind, alsdann die in Sat&sen besonders starke Betheiligung des weiblihen Geschlechts an der industriellen Güterproduftion. Bei der Bearbeitung der Gewerbe- Statistik find Haupt- und Nebenkbetriebe unterschieden worden. Zu den Hauptbetrieben hat man alle diejenigen gerechnet, in denen minde- stens eine Person mit ibrer Hauptbeschäftigung thâtig ist, sei es als Geschäftsleiter, Gehülfe, Arbeiter u. \. w. in der Betriebss\tätte selbst, sei es vom Betriebe aus in der Hausindustrie, oder auch in Straf- und Vefsserungs-Anstalten. Betriebe dagegen, in welchen keine Person mit, ihrer Hauptbeschäftigung thätig is, die vielmehr eine oder mehrere Personen lediglich nebenfsählich beschäftigen, sind als Nebenbetriebe betrachtet worden. Die Zahl der 1882 in Sawcsen ermittelten, in 20 Gewerbegruppen unterschiedenen Hauptbetriebe beträgt 8313 140. Davon gehörten 109 278 (34,9%) zur. Textilindustrie; 71760 (22,9%) zur Gruppe Bekleidung und Reinigung; 35519 (11,30/0) zum Handelsgewerbe ; 18 825 (6 9/0) zur Gruppe der Nahrungs- und Genufumittel ; 8347 (2,7%/0) zum Baugewerbe. Die Zahl der in allen Hauptbetrieben beschäftigten Personen betrug 793760, Von diesen arbeiteten 235 690 (29,7 9/0) in der Textilindustrie; 114 157 (14,4%/e) in den zur Bekleidung und Reinigung gehörigen Gewerben ; 68 641 (8,6 9/0) im Handelsgewerbe; 54 094 (6,8%) in der Nahrungs- und Genuß- mittelindustrie; 51675 (6,5%/) im Baugewerbe. Mit Rücksiht auf die in den Betrieben verwendeten Ses unterscheidet die 1882 er Gewerbe-Statistik Hauptbetriebe mit Motoren und Haupt- betriebe ohne Motoren. Die Zahl der Hauptbetriebe mit Motoren, in denen zusammen 214 651 Personen beschäftigt wurden, beträgt 9789, diejenige der Hauptbetriebe ohne Motoren, in welchen 579 109 Per- sonen arbeiteten, 303 351. Es betrug demna Rur Gs nitt die Zahl der beschäftigten Personen in einem Hauptbetriebe mit Motoren 21,9 und in einem Hauptbetriebe ohne Motoren 1,9%. Hinsihtlih der in den Betrieben beschäftigten Personen find unterschieden worden: Betriebe ohne Gehülfen (212 749), Betriebe mit 1 bis höchstens 5 Gehülfen (88 221 mit 233 940 Personen), Betriebe mit mehr als 5 Gehülfen, und zwar Betriebe mit 6 bis 10 Personen (4991 mit 40 193 Personen), Betriebe mit 11 bis 50 Personen (5864 mit 123 448 Personen), Betriebe mit 51 bis 200 ‘Personen (1114 mit 100 062 Personen), Betriebe mit 201 bis 1000 Personen (193 mit 71 738 Personen) und Betriebe mit mehr als 1000 Personen (8 mit 11 749 Personen). Von den ermittelten 46 307 Nebenbetrieben entfallen 13 307 auf die Textilindustrie und 12 336 auf das Handelsgewerbe. Fast 9 Zehntel der Nebenbetriebe sind Alleinbetriebe (ohne Gehülfen und Motoren). In der für Sachsen wichtigsten Jndustriegruppe, der Tertil- industrie, nimmt hinsichtlih der Zahl der Betriebe und der in den- selben beschäftigten Personen die Weberei die erste Stelle ein. Als-

führbarkeit beurtheilt. Und das Leßtere wird man den Regierungen

dann folgen die Strickerei und Wirkerei, die Hâkelei, Stickerei und

Spigenfabrikation, die Posamentenfabrikation. Was die Betheiligun des weiblihen Geschlechts an der Gewerbthätigfkeit anlangt, so ist dieselbe in Sachsen beträchtlih stärker, als im Deutschen Reich über- laupt; denn während von allen Gewerbthätigen im Deutschen Reih nur 20,56 Prozent weiblich waren, betrug dieser Prozentsaß für Sachsen 27,78. Dieses stärkere Hervortreten weibliher Elemente in der gewerbtreibenden Bevölkerung Sachsens hat seinen Grund vorzugs- weise in der starken Entwickelung der sächsischen Textilindustrie, welche einen größeren Prozentsaß weibliher Personen. beschäftigt, als fast alle anderen Gcwerbegrupven. Auch die Gruppe der Bekleidung und Reinigung, welche die verhältnißmäßig größte Zahl weibliher Personen beschäftigt, ist in Sachsen relativ stärker ver- treten als im Deutschen Reih. In Bezug auf die Verwendung weibliher Personen zu gewerbliGen Arbeiten heißt es in diesem neuesten Heft der säGsischen statistischen Zeitschrift : „daß es allerdings zu wünschen sei, dahin zu streben, daß wenigstens die verheiratheten Enn aus den Fabriken verschwinden und mit der Zeit dem häâus- ihen Herde und der Pflege ihrer Kinder zurückgegeben werden. Anders stehe es mit den nicht verheiratheten weiblichen Personen. Sobald si dieselben niht in einer Haushaltung oder in der Kinder- pflege nüßlich machen können, liege es in ihrem eigenen wie im gesammten volkswirthschaftlichen Interesse, daß sie ebenso wie die Männer einen bestimmten Beruf auszufüllen suchen; sie sollten daher auch ebenso wie die Knaben nab dem Verlassen der Volksschule zu einem bestimmten Beruf vorgebildet werden.“

Nach der „Wiener Wohn.-Ztg.* hat sich im Vergleich zum Vorquartal am 1. Juni d. J. die Zahl der leerstehenden Wohb- nungen von 3613 auf 3698 und die Zabl der zu den nähsten Ter- minen (August oder November) zu vermiethenden Wohnungen von 2501 auf 2806 erböht. Die Gesammtzabl der leerstebenden und der zu den nächsten Ausziehterminen zu vermicthenden Wohnungen hat sich von 6114 des Vorguartals auf 6504, also um 399 Wohnungen, ver- mehrt. Diese Zunahme der zu vermiethenden Wohnungen beruht darauf, daß viele Familien ihre Stadtwohnung über den Sommer auflassen und auf das Land ziehen. Leerstehende und zum August-, bezw. November-Termin zu vermiethende Wohnungen entfallen: Auf die Zinéskategorie bis zu 200 Fl. Zins 1112; auf die Zinskategorie von 201—400 Fl. Zins 2567; auf die Zinskategorie von 401—600 FIl. Zins 1179; auf die Zinékategorie von 601—1000 FI. Zins 965; auf die. Zinskategorie von 1000—2000 F[. Zins 531; auf die Zinskategorie von 2001—5000 Fl. Zins 154; auf die Zinskategorie von mehr als 5009 Fl. Zins 6. Die kleinste Zahl leeritebender und zu den nähsten Terminen zu vermiethender Wohnungen entfällt somit auf die Zinskategorie von 201 bis 400 Fl. Jahreszins, und dieser zu- nächst auf die Zinskategorie von 401—600 Fl. JIahreszins. Von einem Mangel an kleinen und kleineren Wohnungen kann somit keine Rede scin, umfoweniger, als von den Wohnungen der allerkleinsten Zinskategorie d. i. bis zu 200 Fl. Jahreszins gleichfalls 1102 theils leersteben, theils zu vermiethen sind.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

eUnter der Linde“ betitelt W. Heimburg sieben Novellen, wel-be, zu einem Bändchen vereinigt, im Verlage von Ernst Keil's Nachfolger, Leipzig, ershienen. Unter den beliebten Schrift- stellerinnen nimmt W. Heimburg eine hervorragende Stelle ein. Ihr anmuthiges Erzählertalent hat ih in einer Reibe fesselnd und ge- \hickt geshriebener Romane und Novellen, welche in beliebten Journalen und in Buchform erschienen, auf das Beste bewährt. Die vorliegende Sammlung weist neben gut Gelungenem au weniger Werthvolles auf. Zu den besten dieser fkleiren Novellen gehört unstreitig die erste, betitelt: „Am Abgrund“, in wel@er mit psychologis&er Feinbeit die Seelengualen eines in einen verbaßten Beruf wider Willen hinein gedrängten jungen Mannes geschildert werden; sie ist künsilerish am besten durchgearbeitet und verdient die an sie gewandte Mühe wegen des in

ibr bebandeltan ckanfharen Stoffes, Schwächer ist {hon die zweite Novelle: „Un?ere Hausg ode, welche in Ihren Tolnlbenttenellcii Vevxlauf

5ch uver den Durchschnittsstandpunkt kaum erbebt. Auch die dritte „Männe“ erreicht tros ihrer gemüthvollen Schilderung nit die erste, und die übrigen: „In der Webergasse“, „Grcfßmütterhen“ und „Aus meinen vier Pfählen“ sind nur mittelmäßige Schöpfungen. Immerhin wird das vorliegende Vändchen seinen Leserkreis finden, der sich an dem!elben erfreuen dürfte.

„Ueber chinesisches Theater“ betitelt ih eine kleine Schrift, welhe soeben im Verlage der Schulze’shen Hof:-:Buchband:- lung (A. S&wartz), Oldenburg und Leipzig, erschienen ist. Der Ver- fasser, von Minnigerode, giebt hier cine interessante Schilderung des cinesisden Theaterwesens, welchcs von dem unsrigen so erheblich abweicht, daß ein Vergleih kaum zu ziehen ist. Das wGinesishe Theater wurde einer Sage na von dem Kaiser Ming Weng, welcher ungefähr um die Mitte des vierzehnten Jabrhunderts regierte, ge- gründet, fam aber niht zu rebter Blüthe und wurde erst wieder ins Leben gerufen durch drei talentvolle Männer, Tin, Tau und Tschung; dem Leßteren verdankt das chinesische Theater seinen afrobatishen und musikalishen Theil. Dem Publikum im Allgemeinen wurde der Besuch des Theaters aber erft ungefähr ums Jahr 1730 gestattet , nahdem Hong Hai, der zweite Kaiser aus der jeßigen Dynastie, durd einen Befehl die Erlaubniß zur Errich- tung eines ösôffentlihen Theaters in Peking gegeben batte. Zur Er- innerung an die drei Gründer Tin, Tau und Tschung findet alljährlich einmal eine besondere Festfeier statt, welche drei Tage dauert und zwar ist von jedem Tage ein ganzes Drittel für diese Feier aus\chließ- lih bestimmt. Der Verfasser bietet in seinem Buch eine anziehende Beschreibung eines folchen Festes, dem er in San Francisco beiwohnte. Er \{childert die Absonderlihkeiten, Uekterrashungen und phantastishen Ideen des Stückes, dessen fkurzgefaßten Inhalt ein Schauspieler in folgenden einfahen Worten ankündigt : „Deute ist der Geburtstag der Göttin der Gnade, wir wollen Alle hingehen und ibr Glück wünschen * Und nun folgt die meist panto- mimische, durch Akrobatenkunststücke, Aufzüge, \vmboliscke Ceremonien unterbrochene Handlung. Der Name des besten Schauspiels, das in chinesisher Spracbe geschrieben ift, lautet: Lok-Kwog-Fong; es handelt fast auëschlicßlich von der Vereinigung der sechs chinesischen Königreiche durch den Premier-Minister Shung, einige bundert Jahre vor Christi Geburt. Ursprünglich waren die Schauspiele in China rein bistorisGen Inhalts, bald abec traten gewisse Nuancirungen ein, sodaß man jeßt sieben vershiedene Abarten untersheiden kann, nämlih: I. Fu Tscheng (Rein histo- rishes Schauspiel oder Trauerspiel), 17. Fai Wud (Lustspiel), II7, Di-Yu (Platonishes Liebesdrama), 1V. Tai Mong (Höfisches Drama), V. Hong-Koi (Ritterlihes Drama), VI. Yuen-Wang (Ver- folgungêdrama), ViI. Po-Yeng (Das Verdienst belohnende Drama); die drei leßtgenannten sind Melodramen. An die Bedeutung dieser Bühnenwerke, die darin bearbeiteten Stoffe in ihrew Zusammenhauge mit den öffentlihen und sittlihen Zuständen in China, knüpft der Verfasser eine Reibe carakteristisber Bemerkungen, welche eine eingehendere Kenntniß der cinesishen Geselishaft vor- ausseßen. Der Schauspielerstand it kein geachteter in China. Der Scauspieler ist von jegliher Vertrauens- stellung oder staatlichen Anstellung ausgeshlo}sen, ebenso seine Söhne, Enkel und sonstige Nachkommenschaft. Möchte die finanzielle Stellung eines S{hauspielers aber noch fo glänzend sein, es würde si kein Chinefe dazu bergeben, Berufsschauspieler zu werden und somit einem Stande anzugebören, der zu den verähtlichsten der verähtlichen ehôrt. Weil aber das Geseß den Scauspielern nebst ihren Nac- tommen das Ergreifen eines anderen Berufes \treng verbietet, weil sie fozusagen_vervehmt sind, halten sie es nicht der Mühe für werth, Ersparnisse anzulegen und stecken sogar ziemlich tief in Schulden. Das Resultat davon ist, daß San Francisco die beste cinesische Scwauspielertruppe besißt, weil viele Schauspieler, aus finanziellen Rückfichten gezwungen, ihrem Vaterlande den Rücken kehren. Das anregend geschriebene Buch wird für viele Leser von Interesse sein. Der Preis desselben beträgt 1 4