1888 / 177 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Anlage B. Z Anleitung : ¡ur Prüfung des Holzgeistes und der Pyridinbaser.

I. Holzgeift.

1) Farbe. Die Farbe des Holzgeistes \cll niht dunkler sein als die einer Auflösung von 2 cem Zehntelnormaljodlösung in einem Liter destillirten Wassers.

2) Siedetemperatur. 100 ccm Holzgeist werden in einen Metall- kolben gebract ; auf den Kolben ist ein mit Kugel versehenes Siede- rohr aufgeseßt, welches dur einen seitlihen Stußen mit einem Liebig'schen Kübler verbunden ift. Durch die obere Oeffnung wird ein amtlich beglaubigtes Thermometer mit hunderttheiliger Skala eingeführt, dessen Quedsilbergefäß bis unterhalb des Stutens binabreiht. Der Kolben wird so mäßig erhißt, daß das übergegangene Destillat aus dem Kübler tropfenweise abläuft. Das Destillat wird in einem graduirten Glascylinder aufgefangen, und es sollen, wenn das Thermometer 75 Grad zeigt, bei normalem Barometerstand mindestens 90 cem Übergegangen sein. ä j

Weicht der Barometerstand vom normalen ab, fo foll für je 30 wm 1 Grad in Anrechnung gebracht werden, also z. B. sollen bei 770 mm 90 ecm bei 75,3 Grad, bei 750 mm bei 74,7 Grad über- gegangen sein. E :

3) Mischbarkeit mit Wasser. 20 cem Holzgeist sollen mit 40 cem Wasser eine klare oder do nur \{wach opalisirende Mischung geben.

4) Absheidung mit Natronlauge. Beim Dur{schütteln von 20 cem Holzgeift mit 40 cem Natronlauge von 1,3 spezifischem Ge- wit sollen nah è Stunde mindestens 5,0 cem des Holzgeistes ab- geschieden werden. L

5) Gehalt an Aceton. 1 cem einer Mischung von 10 cem Holz- geist mit 90 cem Wasser wird in einem engen Mischcylinder mit 10 cem Doppeltnormalnatronlauge (80 g Natriumbydroryd in einem Liter) durchgeschüttelt. Darauf werden 5 cem Doppeltnormaljod- lôsung (254 g Jod im Liter) unter erneutem Schütteln hinzugefügt. Das sich ausscheidende Jodoform wird mit 10 cem Aether von \pezifishem Gewicht 0,722 unter kräftigem Schütteln aufgenom- men. Von der nach kurzer Ruhe fich abscheidenden Aether- {iht werden 5 cem mittelst einer Pipette auf ein gewogenes Uhr- glas gebraht und auf demselten langsam verdunftet, dann wird das Ührelas 2 Stunden über Schwefelsäure gestellt und gewogen. Die Gewichtszunahme soll niht weniger als 0,07 g betragen.

6) Aufnahmefähigkeit für Brom. 100 cem einer Lösung von Kaliumbromat und Kaliumbromid, welche nah der unten folgenden Anweisung bergestellt ift, werden mit 20 cem einer in der gleihfalis unten angegebenen Weise verdünnten Shwefelsäure verseßt. Zu diesem Gemisch, das eine Bromlôsung von 0,703 g Brom darstellt, wird aus einer in 0,1 cem getheilten Bürette tropfenweise unter fortwährendem Um- rühren so lange Holzgeist binzugeseßt, bis dauernde Entfärbung ein- tritt. Zur Entfärbung sollen niht mehr als 30 cem und nit weniger als 20 cem Holzgeist erforderli sein. O :

Die Prüfungen der Aufnahmefähigkeit für Brom sind stets bei vollem Tageslicht auszuführen. S

Anweisung zur Herstellung der Bestandtuyeile der Bromlösung.

a. Bromjalze. Nach_ wenigstens zweistündigem Trocknen bei 100 Grad und Abkühlenlafsen im Exsikkator werden 2,447 g Kalium- bromat und 8,719 g Kaliumbromid, welche vorher auf ihre Reinheit geprüft sind, abgewogen und in Wasser gelöst. Die Lösung wird zu einem Liter aufgefüll.

b. Verdünnte Schwefelsäure. m säure wird mit 3 Volumen Wasser vermischt.

man erkalten. s m yyvidinbasen.

1 Volumen konzentrirter Schwefel» Das Gemisch läßt -6

1) Farbe. Wie beim Holzgeist. : À

2) Verhalten gegen Cadmium@lorid. 10 cem einer Lösung von 1 cem Pyridinbasen in 100 cem Wasser werden mit 9 cem einer 5 prozentigen wässrigen Lösung von wasserfreiem, ges{molzenem Cad- mium(lorid verseyt und kräftig geshüttelt ; es soll alébald eine deut- liche frystallinishe Ausscheidung eintreten. Mit 5 cem Neßler'shem Reagens sollen 10 cem derselben Pyridinbasenlöfung einen weißen Niederschlag geben. 5 E E L

3) Siedetemperatur. Man verfährt wie beim Holzgeist, do soll das Testillat, erst wenn das Thermometer auf 140 Grad gestiegen ist, mindestens 90 cem betragen. . :

4) Mischbarkeit mit Wasser. Wie beim Holzgeist. :

5) Wassergehalt. Beim Dur{schütteln von 20 cem Basen und 2 cem Natronlage von 1,4 spezifishem Gewicht sollen nah einigem Stehenlassen mindestens 18,5 cem der Basen abgeschieden werden.

6) Titration der Basen. 1 cem Pyridinbòsen in 10 ccm Wasser elôst werde mit Normalshwefelsäure verseßt, bis ein Tropfen der Mischung auf Congopapier einen deutlichen blauen Rand hervorruft, der alébald wieder vershwindet. Es sollen nicht weniger als 10 cem der Säurelösung bis zum Eintritt dieser Reaktion vertraut werden,

Zur Herstellung des Congopapiers wird Filtrirpapier durch eine Lösung von 1 g Congoroth in 1 1 Wafser gezogen und getrocknet.

Anlage C. : Anleitung E zur UntersuGung von Thieröl, Terpentinöl und Aether.

I. Thieröl. : E

1) Farbe. Die Farbe des Thieröls soll s{warzbraun sein.

2) Siedetemperatur. Werden 100 cem in der für den Holzgeist angegebenen Weise destillirt, so sollen unter 90 Grat nicht mehr als 5 cem, bis 180 Grad aber wenigstens 50 cem übergeben. :

3) Pyrrolreaktion. 2,5 cem einer 1 prozentigen alkobolishen Lösung des Thierôls werden mit Alkohol auf 100 cem verdünnt. Bringt man in 10 cem dieser Lösung, die 0,025 %/% Thieröl entbält, einen mit fkonzentrirter Salzsäure Lefeulleien Fichtenholzspahn, so soll der- selbe nah wenigen Minuten deutlihe Rothfärburg zeigen. /

4) Verhalten gegen Quelfsilberhlorid. 5 cem der 1 prozentigen alkoholishen Lösung des Thieröls sollen beim Verseßen mit 5 cem einer 2 prozentigen alkoholishen Lösung von Quesilberchlorid alsbald eine voluminöse, flockige Fällung geben. 5 cem der 0,025 prozentigen alkoholishen Lösung von Thieröl, mit 5 cem der Quesilberhlorid- lôsung verseßt, sollen alsbald noch eine deutlihe Trübung zeigen.

II. Terpentinöl. : h

1) Spezifishes Gewicht. Das spezifishe Gewicht des Terpentin- ôls soll zwishen 0,855 und 0,865 bei 15 Grad liegen. 2

2) Siedetemperatur. Werden 100 cem in der für den Holzgeist angegebenen Weise destillirt, so sollen unter 150 Grad nicht mehr als 5 cem, bis 160 Grad aber mindestens 90 cem übergehen. :

3) Mischbarkeit mit Wasser. 20 cem Terpentinöl werden mit 20 cem Wasser kräftig geschüttelt. Wenn nah einigem Stehen beide Schichten sih getrennt haben und klar geworden sind, so foll die obere wenigstens 19 cem betragen.

IlI. Aether. :

1) Spezifishes Gewicht. Das spezifishe Gewicht des Acthers soll niht mehr als 0,730 betragen. i

2) Mischbarkeit mit Wasser. 20 ccm Aether werden mit 20 cem Wasser kräftig geshüttelt. Nah dem Absetßzen soll die Aethershicht wenigstens 18 cem betragen.

IV. Sheladlösung. s

10 g der Lösung sollen beim Verdunsten auf dem Wasserbade und nah darauf folgendem Erhiten des eingedampften Rückstands im Trocenschrank während einer halben Stunde auf eine Temperatur von 100 bis 105 Grad mindestens 3,3 g Schellack hinterlassen.

_ _— Der Abgeordnete zum Landtage für den 1. Lieg- niger Wahlbezirk (Grünberg: Freystadt), Kommerzien-Rath Gruschwiy ift, wie die „Breslauer Zeitung“ meldet, am 8. d. M. in Neusalz gestorben.

Bei Berechnung des Miethsbetrages eines enteigneten Mieths-Grundstücks sind nah einem Urtheil des Reichsgerichts, V. Civilsenats, vom 7. März d. J., die- jenigen der Enteignung unmittelbar vorhergegangenen

Jahre auszuslhließen, welhe von der Enteignung dadur beeinflußt waren, daß die in Aussicht stehende Enteignung ere Rüdck…ckgang des Miethsertrages herbeigeführt

e.

Durch Allerhöchste Ordre vom 22. Juni d. J. is ge- nehorgt w daß bei der von der Staatsbauverwaltung nach Maßgabe des PMeseves vom 6. Juni d. J. auszuführenden Verbesserung der Schiffahrt auf der oberen Oder das Enteignungsreht zur Erwerbung beziehungsweise zur dauernden Beschränkung des ‘Grundeigenthums in An- wendung gebracht werde.

Der Stadtgemeinde Frankfurt a. M. im Regie- rungsbezirk Wiesbaden ist durch Allerhöchste Ordre vom 22. Juni d. J. behufs Freilegung der Gußkowstraße auf der Strecke zwishen der Bruchstraße und der Stegstraße das Enteignungsrecht zur Erwerbung der dazu erforderlichen Flächen der Gemarkung Sachsenhausen verliehen worden.

Der General der Jnfanterie von Stiehle, General- Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und General- njpecteur des Jngenieur- und Pionier-Corps und der estungen, hat einen mehrwöchentlihen Urlaub nah Herings- dorf angetreten und wird daran anschließend sich auf Jn- spizirungsreisen begeben.

S. M. Kreuzer „Nautilus“ ist am 8. Juli cr. in Mozambique eingetroffen und beabsihtigt, am 11. dess. Mts. wieder in See zu gehen.

Württemberg. Stuttgart, 10. Juli. (W. T. B.) Der „Staats-Anzeiger für Württemberg“ meldet über den Besuch des Prinz-Regenten Luitpold von Bayern in Friedrihs hafen Folgendes: Bei der Tafel erhob sich der König und brachte folgenden Toast aus: „Jch trinke auf das Wohl des Prinz-Regenten Luitpold, sowie auf die Fortdauer des gegenseitigen freundschastlihen Verhältnisses zwishen Bayern und Württemberg“. Hierauf erwiderte der Prinz-Regent : „Jh erlaube mir auf das Wohl Jhrer Majestäten mein Glas zu erheben. Jch bin glücklih, daß ih mich schon seit langer Zeit der wohlwollenden Freundschaft Jhrer Majestäten er- freue. Zugleih drüdcke ih meine E über die herzliche Fortdauer der freundschaftlihen Beziehungen beider Län- der aus. Hoch lebe das Königspaar von Württemberg !“ Der Prinz-Regent empfing den Minister von Mitt- nacht in besonderer Audienz. Der König verlieh dem Prinz-Regenten das 2. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 29. Die Einwohnerschaft brahte dem Prinz-Regenten die herzlihsten und wärmsten Ovationen dar.

Oesfterreih-Ungarn. Wien, 9. Juli. (Prag. Abdbl.) Gestern wurde die Wiener Garnison nah dem Plan des Dizslokationwechsels durch drei Bataillone ergänzt. Es trafen ein das erste Bataillon des Jnfanterie-Regiments FML. Baron König Nr. 92 aus Banjaluka (Ergänzungsbezirk Komotau), dann das zweite und dritte Bataillon des Regiments Nr. 86 (vormals Stubenrauh) aus Langenlois und Krems (Ergänzung ea Marÿ ¿Theresiopel). E

Der kroatische SZ1ndtag ist gestern geschlossen worden. Das wichtigste Ereigniß seiner leßten Session ist die Schaffung des neuen Volks schu lgeseßes. Vorgestern fand in Agram eine vom Präsidenten des Klubs der Nationalpartei, Vukotinovic, einberufene Konferenz der Delegirten des Éroatishen Landtages im ungarishen Reichstage statt, in welcher der Präsident mißbilligend konstatirte, daß die Mehrzahl der kroatishen Delegirten ihren Pflichten nicht entsprehe. Jm Sinne der Klubstatuten werde der Präses in Zukunft beantragen, daß allen jenen kroatischen Delegirten, welhe ihren Pflichten nicht nachkämen , das Mandat für den ungarischen Reichstag entzogen werde. Die Konferenz nahm die Erklärung des Klub-Präsidenten zur Kenntniß und beschloß, daß stets sechs kroatishe Delegirte nach einem bestimmten Turnus den Reichstagssißungen, die Mitglieder der einzelnen Ausschüsse aber jeder Sigzung desselben beiwohnen müssen.

_ Großbritannien und Frland. London, 7. Juli. (A. C.) Bei den langsamen Fortschritten, welhe das Par- lament mit der Abwickelung der ihm vorliegenden Geschäfte macht, sind beide Parteien der Ansicht, daß die Regierung, wenn sie si niht für eine Herbstsession entscheidet, entweder einen Theil ihres Programms fallen lassen oer zu energischen Maßregeln schreiten müsse, um die Erledigung der Vorlagen zu beshleunigen. U. A. wird vorgeschlagen, auch an Sonn- abenden eine Sigung zu halten und den Paragraphen der Geschäftsordnung, betreffend die Stunde der Vertagung, bis zum Schluß der gegenwärtigen Session zu suspendiren.

Vor dem Parlamentsaus\chuß zur Prüfung des Armeebudgets sprach sih gestern der Herzog von Cam- bridge im Allgemeinen gegen zu alte Offiziere aus; nament- lih für die Kavallerie seien junge Offiziere vorzuziehen. Wenn das Avancement nicht ein so shnelles wie bisher wäre, so würden sich wenige Gebildete veranlaßt finden, in die Armee einzutreten. An der Uniform der britishen Soldaten könnten keine Ersparnisse gemaht werden. Gegen die Redu- zirung der Zahl der Generäle von 290 auf 140 hatte der Herzog nichts einzuwenden, meinte im Gegentheil, die pay könne noh weiler herabgeseßt werden, vorausgeseßt, dap sie groß genug bleibe für unvorhergesehene Fälle. i

Die gestrige Dubliner „Amtszeitung“ enthält eine Bekanntmachung, der zufolge der dritte Paragraph der Ve r- brehen-Akfte, welher sich auf die Anordnungen in geächteten Bezirken bezieht, im Kreise Wicklow in Krast tritt.

Der hiejige deutshe Turnverein veranstaltete am verflossenen Sonnabend im Saale der deutshen Turnhalle zum Andenken an den verewigten Kaiser Friedrich eine würdig verlaufene Gedächtnißfeier. 2

Die gegenwärtig ver)uchsweise mobilisirte Flotte wird aus 7 Schlachtschiffen erster Klasse, 9 zweiter Klasse und 3 dritter Klasse, 3 Kreuzern erster, 11 zweiter und 7 dritter Klasse, und außerdem 25 Torpedobooten bestehen. Schon der erste Tag der Mobilisirung hat seine Unfälle gehabt. Das Torpedoboot Nr. 65 fuhr beim Auslaufen aus dem Hafen von Sheerneß auf den Strand und Nr. 64 rannte den Regie- rungsdampfer „Locust“ an.

Der Präsident des Lokalverwaltungsamts, Ritchie, empfing am 5. d. M. eine Aen liberaler Lon- doner Abgeordneten, welche sih mit ihm über die auf London Bezug habenden Paragraphen der Lokalverwaltungsbill be- riethen. Der Minister erklärte: daß die Regierung niemals die

Londoner Polizei unter die Kontrole der hauptstädtishen DIEen stellen werde. Ebenso müßten die Kreis-Stadträthe beibehalten werden.

us Durban, vom 6. Juni, wird gemeldet :

Privatnachrihten aus Zululand schildern die dortige Lage als sehr ernst. Die meisten der Küstenbhäuptlinge unweit Sa. Lucia sind dana, kühn gemacht dur die englishe Schlappe am 2. Juni und Usibepu's Niederlage, auf dem Kriegspfade. Die Vertheidigung des Polizeipoftens bei Somkeli am vorigen Freitag durch 6 Weiße, 40 eingeborene Polizisten und 300 loyale Zulus war sehr muthig. Da die Rebellen ihre Todten und Verwundeten wegtrugen, sind ihre Verluste unbekannt. Es wird ein neuer Angriff besorgt, aber die Niederlage Ishinguana’s am leßten Montag dürfte Vorsicht einflößen. Hundert Mann berittener Truppen wurden von N'Konjeni beordert, um Pretorius Hülfe zu bringen. Es heißt, Dinizulu habe weiße Frei- willige geworben.

9. Juli. (W. T. B.) Jm Unterhause verlas der Sprecher heute ein Schreiben des englischen Botschaf- ters Malet in Berlin, in welhem der Dank Jhrer Majestät der Kaiserin-Wittwe Victoria für die vom Unterhause aus Anlaß des Ablebens des Kaisers Friedri be- schlossene Beikeids- Adresse übermittelt wird. Der erste Lord des Schatzes, Smith, erklärte: zur Untersuchung der schweren Anklagen gegen Parnell, welche gelegentlich des Prozesses O'’Donnell's gegen die „Times“ laut geworden, sei ein Unterhaus-Comité niht kompetent ; für diesen Zweck gebe es kompetente, absolut unparteiische Gerichte. Parnell zeigte darauf an: er werde selbst die Einseßung eines Untersuhungs-Ausschusses bean - tragen, um die shmachvollen und unwahren Anschuldigungen des Generalfiskals zu widerlegen.

Im Oberhause gelangte ein Telegramm zur Ver- lesung, wonach im Zululande Unruhen ausgebrochen und auch im Küstendtstrikt nördlich des Zululandes sowie in dem reservirten Distrikt die Eingeborenen im Aufstand sind. Der Vertreter der Regierung sprach die Hoffnung aus, daß die dort befindlihen Truppen, falls nicht unerwartete weitere Verwickelungen einträten, zur Unter drückung des Aufstands ausreichen würden.

_Frankreih. Paris, 8. Juli. (Köln. Ztg.) Die Reise des Präsidenten Carnot nah der Dauphiné ist nunmehr wie folgt festgeseßt worden: der Präsident reist am 18. von Paris nach Chambery, am 19. nah Vizille, am 20. nah Grenoble und kehrt am 21. nah Vizille zurück, wo die Feste stattfinden. Am 23. geht er über Romans nah Valence, am 24. kehrt er nach Paris zurü.

9. Juli. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer genehmigte den Geseßentwurf betreffs der vier Steuerquoten, deren Bewilligung für die nähste Session der Generalräthe nothwendig ist. Die Session wird voraus- sihtlih Mitte dieses Monats geschlossen.

Die Rechte hat die JFnterpellation über die Be- s{chlagnahme der Briefe des Grafen von Paris an die Maires aufs Neue vertagt. L

10. Juli. (W. T. B.) Bei einem gestern in St. Servan in der Bretagne zu Ehren Boulanger's veran- stalteten Banket sprah dieser die Hoffnung aus, daß ihm vor Ablauf eines Jahres der Degen wieder zurückgegeben werden würde.

Ftalien. Rom, 9. Juli. (W. T. B.) Die Staats- einnahmen im Rechnungsjahre 1887/88 sind um 25801 113 Fr. höher, als im Rechnungsjahre 1886/87.

Spanien. Madrid, 9. Juli. (W. T. B.) Die Regierung ist der Suezkanal-Konvention beigetreten.

Bulgarien. Sofia, 9. Juli. (W. T. B.) Die bulgarish-serbishe Kommission, welhe Ende vorigen Monats wegen der Bregova-Grenzfrage in Negotin zusammentrat, ist nah endgültiger Regelung der Angelegenheit wieder auseinander gegangen.

Schweden und Norwegen. Christiania, 7. Juli. Die Zolleinnahmen haben in dem mit dem 30. Juni endenden Finanzjahre 1887/88 eine Einnahme von 20 549 947 Kronen gegen 19 495 270 Kronen im Vorjahre ergeben, im Budget für beide Jahre waren diese Einnahmen zu 19 300 600 Kronen veranshlagt. Der Ausfuhrzoll auf Holz hat sich in den leßten Jahren fortgeseßt vermindert; er betrug im Finanzjahre 1885 465 777 Kronen, 1886/87 455302 Kronen und 1887/88 376 629 Kronen.

Dänemark. Kopenhagen, 9. Juli. Der König und die Königin von Sachsen mahten am Sonnabend Nach- mittag der dänischen Königsfamilie auf Fredensborg einen Besuh. Nach der Rückkehr in die Hauptstadt begab sih das sähsishe Königspaar nah dem Etablissement Tivo!t und verweilte daselbst im Pen Jncognito längere Zeit. Gestern Vormittag machte König Albert, nur von einem Kavalier begleitet, eine längere Promenade durch die Stadt. Am Mittag besuchten die hohen sähsishen Herrschaften in Begleitung des Kron- prinzen und der Kronprinzessin die chronologishen Samm- lungen im Schlosse Rosenborg und alsdann das Thor- waldsen-Museum. Das Diner wurde am Nachmittag bei dem dänischen Königspaar auf Schloß Bernstorff eingenommen. Die Abreise nah Malmö mit der Königlihen Dampfyacht „Danebrog“ wird heute Abend gegen 6 Uhr stattfinden. Auf der inneren Rhede werden die Panzerschiffe „Helgoland“ und „Odin“, die Kadettenkorvette „Dagmar“/, die Brigg „Oernen“ und der Torpedoschooner „Esbern Snare“ paradiren.

Afrika. Egypten. Suakim, 6. Juli. (Times.) Der Mahdi hat eine Abtheilung unter dem Befehl eines früheren egyptishen Offiziers nach Darfur geschickt. Die Behörden von Suakim erhielten gejtern Depeshen von dem Gouverneur von Abu Girzeh und von Osman Digma aus Handub. Der Erstere ist nah Khartum zurückberufen worden. Er verspricht seinen Einfluß beim Khalifen geltend zu machen, damit der- selbe eine friedlihe Politik einshlage und den Handel wieder freigebe. Osman verspricht allen Handelsleuten ungehinderte Reise nah Handub; dagegen dürften keine Bewaffnete kommen. Er exrbietet sich au, Briefe an die im Sudan gefangen ge- haltenen Europäer passiren zu lassen.

Zeitungsftimmen.

Zu dem Gesetzentwurf, betreffend die Alters- und Jn- validenversiherung der Arbeiter, schreibt die „National-

liberale Correspondenz“: i Es sind danach gegenüber dem früheren Entwurf ziemlich ein- \chneidende Veränderungen vorgenommen, die sich ebez durchweg als

Verbesserungen erweisen dürften. Jm Einzelnen mag im Reichstage noch Man(es geändert werden, im großen Ganzen aber bietet der jegt vorliegende Gesebentwurf die ge ignete Grundlage zur Verftändigung, und es ift alle Aussicht, daf die auf dem Boden der Sozialreform stehenden Parteien, Konfervative, Nationalliberale und Centrum, zu- sammenwirken werden, um das Werk in ter bevorstebenden Reichstags- session zu Stande zu bringen. Dringend wünschenéwerth ist es, daß der Geseßentwurf shon gleich a:1 Beginn der nächsten Session vor- gelegt wird; denn er wird ohne Zweifel sehr eingehende und lang- wierige parlamentarishe Erörterungen über \{wierige Einzelfragen hervorrufen.

Ueber denselben Gegenstand bemerken die „Berliner Politishen Nachrichten“: L

Der Gesetzentwurf über die Alters- und Invalidenversickerung ist in der von den Bundesrathëauëschüfsen beshlofsenen Fafsung veröffent- liht worden. Er weicht mehrfach von den im leßten Herbst ver- öffentlihten Grabe ab. Die wichtigste Abweichung, die Ersezung der berufsgenossenschaftli kfommunal- bezw. staatlihe Ordnung der Materie. ist bereits neulich nah ihrer praktishen Bedeutung beleuchtet. Der Vorzug dieser Organisation vor der Zersplitterung in zahlreihe genofienshaft- lihe Versicherungganstalten erhelt besonders, wenn man be- denkt, daß der Gesetzentwurf rur die höheren Kommunalverkände und event. die Bundesstaaten als Träger der Versicherung in Auésicht nimmt und überdies die Vereinigung mehrerer Verbände oder Staaten zu einer gemeinsamen Versicerung8anstalt zuläßt. Er ermöglicht daber die Beschränkung der Versiherungsanstalten auf eine geringe B und bildet so den Weg. den Aufwand an Geld, Arbeit und

eit für die Durführung der Alters- und Invalidenversiherung auf cin vergleidsweise niedriges Maß herabzusetzen. Das liegt ins- besondere auch im Interesse der Arbeiter, welchbe die Verwaltungékosten ja mit zu tragen haben. Ebenso liegt die weitere Bestimmung, wonach der Versicherungëpfliht au dur die Zugebörigkeit zu olen bestehenden Ein- ri@turgen genügt werden fann, welche dem Versicherten mindestens ebensoviel giwährleistet, wie der Geseßentwurf, im Interesse der Ar- beiter. Denn dadur ift das Fortbestehen segenêreich wirkender und dem Interesse der Arbeiter förderliber gemeinnütiger Einrichtungen dieser Art ermögli{t.

Im Uebrigen wird es Sache der Betheiligten, vor Allem also der Arbeitgeber und Arkbeitnebmer sein, die Einzelbestimmungen des Entwurfs einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und diejenigen Bedenken kundzugeben, welche vom Standvunkt ihrer Interessen und nah Maßgabe ibrer prafktis&en Erfahrung gegen dieselben etwa zu erheben sein möchten. Daß allen Interessenten, den Männern der Wissenschaft, wie der prafktishen Erfahrung, Ge- legenheit gegeben werde Kritik an dem Entwurf zu üben, be- zweckt ja gerade die VeröffentliGung. Die verbündeten Regierungen wollen für die Durchführung des großen und s{chwierigen Unter- nebmens si jeden sachfundigen Beirath fichern, welcher zu crlangen möglich ist; woblerwogene Vorschläge sind aber der Beachtung sicher. Freilid wird, wenn anders die Kritik noch für die Fertigstellung der Gesepeêvorlage für die nähste Reichétagssession fruhtbar werden soll, die Prüfung bald in Angriff genommen werden müssen. Mögen daher Arbeitgeber und Arbeitnehmer die ibnen durch die Veröffent- lihung des Entwurfs gebotene Gelegenheit, ihr Interesse selbft zu wahren, sich nit entgehen lassen!

__— Den „Hamburger Nachrichten“ wird zur Kartell- frage aus Mitteldeutshland geschrieben :

__ Das Gerüdt, die Führer der nationalliberalen Partei im preußi- sen Landtage hâtten beschlossen, bei den bevorstehenden Landtags- wablen das Kartell mit den Konservativen nit zu erneuern, hat sich zwar nit bestätigt; wohl aber bâtte, wie es heißt, bei einer Be- sprechung jener Partei die Ansibt vorgewaltet, daß im Allgemeinen, nur abgesehen von einzelnen Wakblkreisen, wo die Verkbältnifse anders lâgen, die Partei „selbständig“ vorgehen solle. Man will namentli in den östlihen Provinzen den Konservativen womöglich eine Anzabl Site, die früber den Nationalliberalen gehört haken, wieder abgewinnen. Bei der eigenthümlihen Parteigruppirung im preußischen Abgeordnetenhause ist ein solcher Entsbluß wohl erklärlich. Die Lage ist dort eire wesentlich andere, als im Reichs- tage, indem im Abgeordnetenhause einerseits ein erdrückendes Ueber- gewicht der fonserrativen Parteien, welche bon jeßt nahezu die abso- lute Mekrheit bilden, gefürbtet wird, andererseits die Gefahr, daß die negirenden Elemente die Majorität erlangen könnten, viel geringer sceint. Es kommt dazu das shroffe und überbebende Verhalten eines Theils der dortigen Konservativen, die von einer ultra-konservativen, d. b. reaftionären Aera träumen, und deren bedenkliche Tendenzen {on im leßten Abgeordnetenhause, beim Schullastengeset, nur dur das Gegen- gewicht eines gemäßigten Fheils derselben Partei und das energische Ein- treten der Regierung niedergebalten werden konnten. Ob es freilich den preußishen Nationalliberalen gelingen würde, mit ihren Kräften über die Konservativen in den Oftprovinzen obzusiegen, ob sie nit in vielen Fällen genöthigt sein würden, die Unterstützung der weiter links stehenden Elemente wenn nit zu beanspruchen, so doch anzu- nehmen, und ob nit schon dadurh fie selbst weiter links gedrängt werden möchten; ob endli nicht ihr Verkbältniß zur Regierung durch eine solche Wendung leiden könnte, wenn die Regierung sich dadur genöthigt glaubte, ibre Stüye fortan auéfchließlich in den konservativen Partcien zu sucen das Alles sind s{werwiegente Fragen, die sih nur kei ciner gerauen Kenntniß der spezifisd preußischen, ja der lokalen und provinziellen Verbältniffe genügend beantwo-ten laffen und welche gewiß die einsihtigen Füßrer der dortigen Nationalliberalen sorgfältig erwägen werden, bevor sie praktisch daran gehen, ihre Wabltaktik festzustellen. Daß die Deutsch- freisinnigen sib auf eine absihhtliche oder unabsitlihe An- nâberung der Nationalliberalen an sie Hoffnung maten und eine solche in ihrem Interesse mit Freuden begrüßen, das bekunden die, vielleicht niht ganz vorsihtiger Weise etwas zu früh laut gewordenen, froh- lockenden Stimmen der deuts&freisinnigen Presse und die Sirenen- tone, mit denen sie die Nationalliberalen auf diesen Weg zu locken suchen.

Wir hier außen „im Reiche“ dürfen uns ja natürlich nicht an- maßen, in das Thun und Laffen unserer Parteigenofsen in Preußen einreden zu wollen. Sie werden am Besten wissen, was ihnen, was den Interessen ihres Staates frommt. Wir denken dabei immer nur an die möglihen oder wahrscheinlichen Folgen, die das Vorgehen eines jo bedeutenden und gewichtigen Theils unserer Partei für die Angelegenheiten des Reichs baben möchte. Und da können wir uns freilich der Besorgniß niht erwehren, daß die anscheinend dort beabsichtigte Wendung, wenn sie in der angedeuteten Weise wirkli stattfände, auf die Gesammtstellung der Partei und, was wihtiger lit, auf die Interessen des Reichs leiht nachtheilig einwirken könnte. Ein Wahblkampf zwischen den Nationalliberalen und den Konservativen in dem großen leitenden Staate, mit den dabei shwerlich aus- bleibenden, ja faum zu vermeidenden ‘heftigen, vielleicht gebässigen Angriffen herrüber und hinüber, müßte in den beiderseitigen Wüählershaften nothwendigerweise tiefe, nicht o leiht wieder auszutilgende Spuren hinterlafsen; ja er dürfte seine Wirkungen auch nah den außerpreußishen Ländern erstrecken und auch hier Gegensäte wieder schärfen, die dort dur die patriotishe Rüdsicht auf höhere gemeinsame Interessen Zar nicht ausgeglichen, aber doch gemildert und abgestumpft waren. Wenn nun dann die nâhsten Reichstagswablen kommen, und es trennen uns von diesen nur noch etwa 14 Jahre! wird es dann wohl möglich sein, dieselben Wählerschaften, die man jeßt zum Kampfe gegen einander treibt, wieder zu einer so festen und aufrihtigen Bundeëgenossenschaft zu ver- mögen, wié sie allein uns die Siege vom 21. Februar 1887 über die engverbundene Koalition der Freisinnigen, Ultramontanen und Sozial- emofraten erringen half, und wie sie dann noch viel nöôthiger sein dürfte, weil dieje Koalition sicherlich Alles aufbieten wird, um die erlittene Niederlage wett zu machen, um die verlorene Majorität im ne santoge teieheria ewinnen? Das sind die Besorgnisse, die wir unseren Parteigenofsen in Preußen niht verhehlen zu müssen glauben, die aber gewiß auc von diesen niht unbeachtet bleiben werden,

lichen Organisation der Versicherung dur eine

Eisenbabn- Verordnungs-Blatt. Nr. 18. Inkalt: Erlafse des Minifters der öffentlihen Arbeiten: vom 20 Juni 1888, betreffend Statiftik der Güterbewegung; vom 21. Juni 1888, be- treffend Ueberweisung eisenbahnfiskalischen Grundbesites an andere Verwaltungérefsorts, sowie Behandlung der Erlöse aus der Ver- äußerung von Eisenbabn-Grundstücken; vom 23. Juni 1888, be- treffend Begriff der Reftausgaben; vom 30. Juni 1888, betreffend Aufhebung von Reglements und Instruktionen über die Beförderung von Truppen und Armeebedürfnifsen auf den Eisenbahnen. Nach-

richten.

Ministerial-Blatt für die gesammte innere Verwal- tung in den Königlich preußishen Staaten. Herausgegeben im Bureau des Mrnisteriuums des Innern. Nr. 6. Inkbalt: I. Behörden und Beamte. Erstattung von Kosten der Vertretung eines zur gerihtlichen Zeugenvernebmung geladenen Beamten. Ueber- siht über die Thätigkeit der Schiedémänner im Jahre 1887. IT. Kassen-_ und Rechnungssachen. Mitwüikung der Kafsen der indirekten Steuern bei Einziehung von Einnahmen für Rechnung der Regierungshauptkafsen. 11]. Polizeiverwaltung. A. Sicherheits- polizei. Festnahme flühtiger Personen auf Ersuchen aueländister Behörden. B. Gendarmerie. Tagegelder für Gendarmen bei außer- ordentlichen Dienstleistungen. Gnadenkompetenzen für Hinterbliebene verstorbener Gendarmen. IV. Unterrihtsverwaltung. Konservirung vorgefundener Kunftdenkmäler aus der Vorzeit. Y. Verwaltung der öffentlichen Arbeiten. Verrechnung von Druckfkosten bei Ausführung des Gesetzes über die Krankenversiherung der Arbeiter. Anweisung für die Behandlung der Universitäts-Bausa chen.

Statistishe Nachrichten.

Gemäß den Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesund- beitsamts sind in der Zeit vom 24. bis 30. Juni cr. von je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdurchsch&nitt berechnet, als gestorben gemeldet : in Berlin 23,8, in Breslau 30,2, in Königsberg 26,9, in Köln 20,8, in Frankfurt a. M. 17,2, in Wiesbaden 15,2, in Hannover 16,8, in Kafsel 12,4, in Magdeburg 24,9, in Stettin 24,6, in Altona 25,1, in Straßburg 22,9, in Mey 13,3, in München 30,8, in Nürnberg 19,1, in Augsburg 24,4, in Dresden 18,1, in Leipzig 17,5, in Stuttgart 17,6, in Karlsruhe 24,8, in Braunschweig 18,4, in Hamburg 31,1, in Wien 27,1, in Pest 32,4, in Prag_ 34,6, in Triest 21,7, in Krakau 40,7, in Amsterdam 26,0, in Brüffel 21,5, in Paris 19,3, in Basel —, in London 15,0, in Glasgow 21,7, in Liverpool 16,0, in Dublin 24,7, in Edinburg 16,8, in Kopenhagen 28,3, in Stockholm 16,9, in Christiania 16,9, in St. Petersburg 32,8, in Warschau 25,8, in Odefsa 34,0, in Rom —, in Turin 20,7, in Venedig 22,1, in Alexandria 34,9. Ferner in der Zeit vom 3. bis 9. Juni cr. in New - York 25,2, in Philadelphia 16,4, in Baltimore 16,8, in Kalkutta 21,8, in Bombay 28,4, in Madras 36,1.

Die SterbliWbkeit war auch in dieser - Berichtswoche in den größeren Städten Europas eine günftige. obgleich aus einer größeren Zabl von Städten höbere Sterblichkeitäziffern als aus der Vorwoche mitgetheilt wurden. Sehr gering (bis 15,0 pro Mille und Jahr be- rechnet) war die Sterblichkeit in Dortmund, Kassel, Boum, Met, Kiel, London. Günstig (bis 20,0 pro Mille und Jahr) war die Sterblichkeit in Wiesbaden, Frankfurt a. M, Düsseldorf, Barmen, Elberfeld, Hannover, Nürnberg, Dresden, Leipzig, Bremen, Braun- schweig, Mainz, Paris, Liverpool, Edinburg, ‘Stocktolm, Christiania. Mäßig boch (etwas über 20,0 pro Mille und Jahr) war die Sterblichkeit auch in Köln, Brüssel, Triest u. a. O. Vobe Sterblihkeitsziffern (über 35,0 pro Mille) wurden aus keiner deutshen Stadt mitgetheilt. Ansebnlih gesteigert waren, besonders in Folge der in den ersten Tagen der Woche anbaltend boben Tempe- ratur der Luft (der Thermometer zeigte wiederholt über 30 bis 31,0 Grad C.), Darmkatarrhe und Brechdur(hfälle der Kinder, die nament- lih in Berlin (216 Sterbefälle), Hamburg, Breslau, Königsberg, Münten, Köln, Danzig, Nürnberg, Magdeburg, Stettin, Londen, St. Peteréburg, Warschau u. a. O. viel Todesfälle veranlaß1en, so daß die Theilnahme des Säâuglingéalters an_ der Gesammtsterblickeit eine bedeutend größere als in der vorhergegangenen Woche war. Von je 10000 Lebenden ftarben, aufs Jahr berechnet, in Berlin 132, in München 137 Säuglinge. Akute Entzündungen der Athmungé- organe kamen allgemein seltener zum Vorschein und führten au seltener zum Tode. Von den Infektionekrankheiten baben nur Masern und Diphtherie größere Verbreitung gefunden und mehr Todeéfâlle veranlaßt, während S(arlach, typhöse Fieber und Poden seltener zur Meldung famen. Sterbefälle an Masern waren in Berlin, Hamburg, Altona, Wien, Prag, Paris, London bäufiger, in St. Petersburg etwas seltener Todesursahen. Auch die Zahl der Neuerkrankungen war in Berlin, Hamburg, Wien, Pest, St_Petersburg, sowie in den Regierungsbezirken Düsseldorf, Erfurt, Schleswig eine E Das Starlach fieber zeigte in Berlir, Danzig, St. Peterëburg einen milderen Verlauf, nur in London war die Zahl der Sterbefälle eine größere als in der Vorwoche. Neue Erkrankungen gelangten nur aus Wien und St. Petersburg etwas zahlreiher zur Meldung. Die Sterblih- keit an Diphtherie und Croup war in Berlin, Hamburg, Breélau eine geringere, in Wien, Pest, Prag, Paris, London St. Peterêéburg eine gesteigerte. Neue Erkrankungen wurden aus den meisten Orten, aus denen Mittheilungen vorliegen, häufiger, nur aus Kopenhagen etwas seltener gemeldet. Unterleibs- typhus bedingte in Königsbera, London, Paris und St. Petersburg weniger Todesfälle. Erkrankungen gelangten nur aus St. Petersburg in größerer Zahl zur Anzeige. An Flecktyphus wird aus St. Petersburg 1 Todesfall und 2, ferner aus dem Regierungsbe,irk Düsseldorf 1 Erkrankung gemeldet, sowie aus Nürnberg 1 Erkrankung an epidemischer Genick- starre. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut wurden allgemein seltener beobahtet. Dem Keuchbusten erlagen in Berlin, Paris, London weniger, in Liver- pool und Amsterdam etwas mehr Kinder. Todesfälle an Pocken kamen aus Wien und Paris je 1, aus Triest 4, aus Warschau 8, aus Prag 11 zur Mittheilung; Erkrankungen wurden aus Berlin und Breélau je 1, aus dem Regierungsbezirk Königsberg 2, aus St. Petersburg 4, aus Wien 6, aus Pest 11 gemeldet.

Tie sanitären Verhältnisse in Berlin waren in der Berichts- woche nit so günstige und die Sterblichkeit eine weniger kleine als in den vorhergegangenen Wochen. Es fkamer in Folge der in den ersten Tagen der Berichtswoche berrschenden bohen Temperatur der Luft, in denen das Thermometer zu wiederholten Malen die Höhe von 30,09 C. überstieg, Darmfatarrhe und Brehdurchfälle der Kinder in außergewöhnlich bober Zahl zum Vorschein und führten au in 216 Fâllen den tödtlihen Ausgang herbei, so daß die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit eine wesentli bôhere als in der Vorwohe war. Dagegen haben akute Entzündungen der Athmungéorgane sehr __erheblich gegen die Vorwoche abgenommen. Unter den Infektionskrankheiten blieben Erkrankungen an Unterleibstyphus selten, auch Erkrankungen an S(arlah zeigten sh in feinem Stadttheile in größerer Zabl. Dagegen haben Masern , besonders in der diesseitigen Luisenstadt, im Stralauer Viertel und in der Tempelhofer Vorstadt, und Dipbtherie, zumeist in dem Tempelhofer Vorstadtbezirk, größere Verbreitung gefunden. Von Erkrankungen an Podcken kam nur 1 zur Meldung; cosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut blieben selten, auch der Keuchhusten wurde selten Todesveranlafsung, Er- kranfungen im Wochenbett kamen etwas mehr zur Anzeige. Rheu- matishe Beschwerden aller Art gelangten seltener zur ärztlichen Behandlung.

Kuust, Wissenschaft und Literatur.

Unter dem Titel: „Durch Kreuz zur Krone“ ift in Friedrich Schulze's Verlag hierselbst (Wilhelmstr. 18) die Predigt, welche bei dem Trauergottesdienst zum Gedächtniß Sr. Majestät des hobseligen Deutschen Kaisers Friedrib Il. am 24 Juni 1888 in der Nikolaikirhe zu Leipzig von Dr. theol, Pank, Super-

intendent und Pfarrer zu St. Thomäà, gehalten worden, auf viel- seitigen Wuns im Druck erschienen. (Pr. 30 4.)

F. Lehmann's Eisenbahn-Karte der Bahngebiecte Mittel-Europas nebst einem Verzeibniß der Eisenbabnen in Deutschland, Desterreih-Ungarn und der Schweiz. Zwölfte Auflage. 1888. Bearbeitet von L. T. Schul §, Kaiserlihem Bureau- Assistenten im Kursbureau des Reichs-Postamts; durchgeseben von Dr. W. Ko, Cbef-Redacteur der „Zeitung des Vereins Deutsher Eisenbahn- Verwaltungen“. Das Verzeichniß der auf dieser Karte angegebenen Eisenbahnen if Folgendes: 1. Deutschland. a. Staatsbahnen und Des unter Staatsverwaltung. Die Privatbahnen unter Staatsverwaltung sind dur zwei Sternen bezeibnet. b. Unter Pribat- verwaltung stehende Eisenbahnen. II. Oesterreil-Ungarn. Uebersicht der der K. K. Gereral - Direktion der österreihishen Staatsbahnen unterstebenden Eisenbahnen, dann der den K. K. Eisenbahn-Betriebé- Direktionen zugewiesenen Bahrftrecken. Der K. K. General-Direktion der öôfterreihisten Staatsbahnen untersteben; Die Braunau-Straß- walhener Bahn, Dalmatiner Staatsbahn, Staatsbahn Tarvis- ae Istrianer Staatébahn, Kaiserin Elisabetb-Bahn, Kronprinz

udolf-Babn, Niederösterreihishe Staatsbahnen, Arlbergtahn, Vor- arlberger Babn, Rakonit-Protiviner Staatëbabn, Kaiser Franz Iosef- Babn, Pilsen-Priesen-Komotau-Bahn, Mätrishe Grenzbabn, Dux- Bodenbacher und Prag-Duxer Bahn, die Lokalbabnen: Tulln-St. Pölten, Vödcklabruck-Kammer, Ash-Roßbach, Febring-Fürstenfeld, EGbenfurt-Wittmanrstorf und die Donau-Uferbahn, ferner die Lokalbabnen der öfterreihishen Lokal-Eisenbabngefellsbaft, dann die Linien der galizishen Transversalbahn, der Dunieftrbahn, der Erzherzog Albrecht - Babn und der K. K. Staatebabn Stryj-Beéfkid. 111. Sc{weiz. Die Karte ist im Maf- stabe von 1: 200000 gebalten. Die einzelnen Vatnlinien sind farbig von einander abgehoben, so daß sie leiht in ihrem Verlauf zu ver- folgen find. Auf der Karte ift ein Verzeichniß der Eisenbahnen bei- gefügt. Die Zahl der Staattbabnen und Privatbahnen in Deutsch- land, welche unter Staatéverwaltung fteben, beträgt 21. Die Zabl der Eisenbahnen unter Privatverwaltung stellt sih auf 45. Von öfter- reihisch-ungariichen Bahnen sind 23 verzeichnet, von dänischen 4, von nieder- ländishen 6, von Luxemburg 2, von Belgien 11, von Frankreich 5, von der Schweiz 20, von Italien 3, die fortlaufenden Zahlen deé Verzeichnisses entsprechen den an den einzelnen Bahnlinien stehenden Zahlen. Im Maßstabe von 1 : 175 000 sind der großen Karte noch beigefügt die Umgegend von Düsseldorf, ferner im Maßstabe von 1:450000 die Umgegend von Aachen und im Maßstabe ron 1 : 509 000 die Umgegend von Frankfurt a. M. Die Karte ist aus- geführt in der geograrbishen und lithographiscken Anftalt von C. L. Keller, Berlin. Der Preis der unaufgezogenen Karte stellt si auf M 1,50, auf Leinwand gezogen und in Leinwanddecke auf #4 3,50.

Land- und Forstwirthschaft.

__Wie der Berner „Bund“ den amtlichen Angaben im neuesten Heft des vom italienishen Landwirthscafts - Ministerium beraus- gegebenen „Bollettino di Notizie agrarie“ entnimmt, hatten die Weinernten Italiens in den letzten vier Jabren folgende Er- gebnifse (der Prozentsaß im Verbältniß zu einer Mittelernte ift in Klammern beigescßt): 1884 19743 885 hl (55,58%), 1885 22 808 951 hl (67,02 ‘/o), 1886 36 801 577 bl (103,60 %), 1887 33 015 517 bl (92,94 9%) Die ministerielle Statistik unterscheidet vier Qualitäten : vorzüglich, gut, mittelmäßig, \chlecht. Von vorzüglicer Qualität (die in Klammern beigeseßten Ziffern geben den Prozentsat im Verbältniß zu der entsprehenden Gesammt-Jahreéproduktion an) waren : 1884 2089051 hl (119%), 1885 4449997 bl (13 9/0), 1886 9 924 964 hl (27 9/c), 1887 9988 279 hl (309/06). Gut waren in gleicher Reihenfolge : 34 %. 54%, 54 9/0, 529%; lebt 22 9%, 6 %/, 29/0, 2%. In der Produktion sowobl wie der Qualität zeigen sonach die vier Jahre einen anhaltenden Fortschritt; die beiden leßten Jahre stehen sich darin ungefähr glei, wobei zu bemerken ist, daß im Jahre 1887 die anhaltende Trockenbeit während des Sommers eine noch größere Erntemenge verbinderte. Die Aussichten für den nächsten Herbst find bis jeßt gute.

Sanitäts-, Veterinär- und Quarantänewesen.

Süd-Amerika.

Durch Verordnung der Gesundbeits-Komwission zu Montevideo vom 8. Juni 1888 1 die Beobachtungéquarantäne, welcher die Provenienzen aus Rio de Janeiro bisher unterworfen waren, auf- geboben und an Stelle derselben eine strenge gesundbeitspolizeilihe Kontrole der betreffenden Schiffe rach ibrem Einlaufen eingeführt worden. (Vergl. „RN.-A.* Nr. 85 vom 29. März 1888.)

Nachrichten über Verbreitung von Thierkrankheiten im Ruslande, : Rußland. In den Deuts&land zunächst gelegenen und in den sonst baupts¿&lih in Betracht kommenden Gouverxements und Gebieten: Im Februar 1888, Rinderpefît. Zakël der

Pouvernement® : G i: Gefallenen :

A 544 A 68 E 58 E. 23 o reiagiiti f O 2 E 1046 N 8 Sa i 195 C 2511 E C A 61 M 355 Oefterrei. Laut der am 14. Iuni 1888 vorliegenden Meldungen. Land. Zakbl der infizirten Orte. Lungenseuche. G 10 C Nieder-Oesterreih . . 5

c A Milzbrand.

Galizien Böbmen Dalmatien.

i Maulseue. :

Galizien G is Maul- und MORRAGs, . 10 E 2G l Schafräude. Nieder-Oesterreih . . . . 1 Laut der am 21. Juni 1888 vorliegenden Meldungen. Lungenseuche. G L, Mähren A Böbmen . Nieder-Oefterreih S E Milzbrand. Galizien A Böhmen Dalmatien Krain

Galizien

E C5 pad pt ¡Îa (s o RD O M

* Maulseue.