1888 / 179 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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wie auf den Arbeiter Anwendung. Jeder von beiden kann bei behaupteter nicht kontraktlicher Leistung Seitens des Gegen- E enten auf seine Gefahr sofort vom Vertrage zurück- reten.

Der Staatssekretär Dr. von Stephan begiebt sich in den nähsten Tagen zur Brunnenkur nah Bad Fusch.

Der General-Lieutenant Graf von Roon, Kom- manFant von Posen, bisher Inspecteur der 1. Landwehr- Jnspektion, ist behufs Abstattung persönlicher Meldungen hier eingetroffen.

S. M. Kreuzer - Fregatte „Leipzig“ is am 11. Juli cr. in Aden eingetroffen und beabsihtigt am 18. des). Mts. wieder in die See zu gehen.

Württemberg. Stuttgart, 12. Juli. Dem „St.-A. f. W.“ wird aus Friedrihshafen, unter dem 10. d. M. gemeldet: Heute hatten die Königlih preußischen Staats- Minister von Boetticher und Dr. von Goßler, sowie der Königlich bayerishe Gesandte in Beclin, Graf Lerchenfeld, die Ehre, von Sr. Königlichen Majestät empfangen und mit dem Präsidenten des Königlichen Staats-Ministeriums, Staats-Minister Dr. Freiherrn von Mittnacht, zur Tafel geladen zu werden.

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Hessen. Darmstadt, 11. Juli. (Darmst. Ztg.) Der Erbgroßherzog ist gestern Abend zu einem Besuch des A und der Prinzessin Heinrich von Preußen nah Kiel abgereist.

Hamburg, 9. Juli. (Hann. C.) Jn der leßten Bürg er- shaftss\ uns erörterte der Senatskommissar, Senator Dr. Möndckeberg, in eingehender Weise die künstige Finan z- lage Hamburgs und wies darauf hin, daß das Jahr 1889 nach dem Zollanshluß das erste Jahr jeden- falls mit einem Defizit von 21/2 Millionen Mark, bei einer Einnahme von ca. 40 Millionen Mark, abschließen werde. Die Bürgerschaft ließ sich dadurch nicht sehr einshüchtern und meinte, daß nach dem Zollanshluß dem Staat auch ganz erhebliche neue Einnahmequellen erwahsen würden, und daß, wenn \chließlich \sich einmal gegen alle Erwartung ein Defizit heraus- stellen sollte, auch dieses ohne große Gewissensskrupel würde getragen werden fkönnen, da künftige Jahre jedenfalls wieder Uebershüsse bringen würden. Senator Hr, Möndckeberg führte bei dieser Gelegenheit über die künftige Geschäftslage Hamburgs aus: Hamburg lebe schon seit langer Zeit in einem Üebergangsstadium, das weit älter sei als die Frage des Zollanschlusses. Schon seit einigen Fahrzenten bereite sich der sehr bedeutsame, aber finanziell mit vielen Schwierig- keiten verbundene Uebergang aus den engen Verhältnissen einer mittelgroßen Handelsstadt, deren Verkehrseinrihtungen Obe nach altmodishe und eingeengte, der älteren Zeit entsprehende gewesen, zu einer modernen Großstadt vor. Damit sei auch die ganze Finanzlage, seien auch die Bedürfnisse andere geworden. Während man 1861 noch mit einem Budget von 13 Millionen Mark rechnete, sei die Summe des Bedarfs im Jahre 1888 auf 39 Millionen Mark gewachsen.

Oesterreih-Ungarn. Wien, 10. Juli. (Prag. Abdbl.) Wie das „Fremdenblatt“ vernimmt, ist das Wehrgeset, welches dem Reichsrath bald nah seinem Wiederzusammen- tritt vorgelegt werden soll, dur die beiderseitigen Ministerien festgestellt. Als wesentlihe Neuerung desselben ist zunächst der Wegfall der Bestimmung über die Kriegsstärke der Armee , welche bisher auf 800 000 Mann bemessen wurde, zu betrahten. Dagegen soll die Ziffer des jährlihen Rekrutenkontingents um mehr als 10000 Mann erhöht werden. Die Assentirung soll sowohl für das stehende Heer als auch für die Ersaßreserve und die Landwehr erfolgen. Die Assentirten aller drei Kategorien werden zur Abrichtung einberufen, die Ersazreservisten haben, wie Landwehrmänner, jährlih einer Waffenübung von drei Wochen beizuwohnen. Die Bestimmungen über die Einjährig-Freiwilligen haben ebenfalls mehrfahe Aenderungen erfahren, welche geeignet sind, dem militärishen Bedürfniß besser zu entsprechen.

Großbritannien und Jrland. London, 10. Juli. (A. C.) Der irishe Ober-Sekretär Balfour hat an den liberal-:unionistishen Verein Jrlands, welcher vor Kurzem die Politik der Regierung billigende Beschlüsse annahm, ein Schreiben gerichtet, worin das Gerücht: er beabsichtige, sein Amt niederzulegen, nochmals dementirt wird. Der ODber- Sekretär verspricht zugleich, die industrielle Entwickelung auf alle mögliche Weise zu fördern. Dies sei ein Gebiet, auf welchem sih ehrlihe Gegner wohl die Hand zu gemeinsamer Wirksamkeit reichen könnten.

Frankreih. Paris, 11. Juli. (W. T. B.) Der Deputirte Pyat hat darauf verzichtet, in der Kammer wegen der Beschlagnahme des vom Grafen von Paris an die Maires gerichteten Briefes eine Jnterpellation ein- zubringen.

Jn der Budgetkommission erklärte der Finanz-Minister Peytral bezüglih des Kredits von 67 Millionen für die Befestigung der Häfen, daß er augenblicklih noch keine besondere Vorlage 0 diese Ausgabe machen könne, und {lug vor, dieselbe provisorisch auf die shwebende Schuld zu übertragen. Die Kommission beschloß, ihre E VorzU- behalten, bis die Regierung sich über den finanziellen Plan zur Herbeishaffung dieses neuen außerordentlihen Budgets für die Marine schlüssig gemacht haben würde.

Jtalien. Rom, 11. Juli. (W. T. B.) Jn der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer wurde die von Bonacci (Linke) beantragte und von dem Minister-Präsidenten Cris pi acceptirte Tagesordnung, nah welcher die Kammer von der Erklärung der Regierung über die Provinzial- und Kommunal-Reform Kenntniß nimmt und zur Berathung der einzelnen Artikel der Vorlage übergeht, fast einstimmig angenommen.

Schweiz. Solothurn, 11. Juli. Domkapitel wählte den bisherigen Regens des Priester- Seminars in Luzern, Haas, zum Bischof von Basel.

__ Niederlande. Haag, 11. Juli. (W. T. B.) Nach einem Telegramm des hiesigen „Dagblad“ aus Batavia ist in der Provinz Bantam ein Aufstand ausgebrochen; die neren plünderten Tjelegon untd tödteten die euro- päishen Einwohner sowie mehrere Be der Eingebo- renen. Von Batavia sind Truppen zur Bekämpfung der Aufständischen abgesendet worden.

(W. T. P Das

11. Juli. (W. T. B.) Ueber den in der Provinz Bantam E Aufstand wird amtlich weiter gemeldet, daß die Aufständischen \sich nach der Plünderung von Tjelegon gegen Serang, den Hauptort von Bantam, wandten, aber etwa 12 km vor Serang auf eine Patrouille trafen. Bei dem Gefecht mit derselben wurden 9 der Auf- ständischen getödtet. ie Garnison von Serang hat aus Batavia Verstärkungen erhalten. Die telegraphishe Ver- bindung ist unterbrochen.

Amerika. Washington, 10. Juli. (A. C.) Jn der heutigen Sißung des Senats sprach Mr. Hoar gegen die Ratifikation des Fischereivertrags. Das Repräsen- tantenhaus hat die Zuckerposten in der Tarifvor- lage des Mr. Mills nah dreitägiger Debatte unver- ändert gela Der Zoll auf Melassen von nicht über 56 Grad wurde auf 21/, Cents per Gallon festgeseßt. Präsident Cleveland hat die Vorlage, betr. die Ein- Mr uns einer internationalen Seekonferenz, gebilligt.

Mittel-Amerika. Mexiko. (A. C.) Nachrichten aus Mexiko über New-York, vom 10. Juli zufolge, sind im ganzen Lande die Wahlkollegien zur Wahl des Präsidenten der Republik und der Mitglieder des Kongresses zu- sammengetreten. Bislang ist dem Präsidenten Diaz keine Opposition bereitet worden, und es wurden viele neue Kongreß- mitglieder gewählt, welche, soweit deren politische Anschauungen bekannt, seine Anhänger sind. Hunderte von Personen haben den Präsidenten bereits zu seiner Wiedererwählung beglückwünscht, da dieselbe als sicher gilt.

Afrika. Pietermarißburg, 10. Juli. (R. B.) Ab- gesandte Dinizulu's an Sir Arthur Havelock, den Gouverneur von Natal, sind hier angekommen. Die Lage in Zululand hat sich_niht verändert. Es wurden Vor- kehrungen getroffen, um Truppen zum Entsaß des Richters im Distrikt Nkandhla, Mr. Pretorius, zu entsenden.

Der am 10. d. in Liverpool angekommene Postdampfer „Teneriffe“ überbringt die Nachricht, daß von Lagos eine Expedition, bestehend aus Houssa-Soldaten unter dem Befehl des Hauptmanns A us Unterdrückung von Unruhen im Distrikt der Goldküste entsandt wurde. Dieser Distrikt ist unmittelbar hinter Accra gelegen und also niht weit vom Aschanti-Lande entfernt.

Zeitungsstimmen.

Der „Hannoversche Courier“ schreibt :

Es war unseres unvergeßlichen Kaisers Wilbelm T. Herzens- wunsh, das von ihm begonnene segensreihe Werk der Sozial- reform durch die Einführung der Alters- und Invalidenversicherung für die Arbeiter noch bei seinen Lebzeiten gekrönt und vollendet zu schen. Den Cra der hohbenzollernshen Herrscher getreu, be- trahtete er eine umfassende Fürsorge für das Wohl der arbeitenden Klassen, der wirthschaftlich Schwachen, für seine heilige Königspflicht und erwartete von der Durchführung des in diesem Sinn in Angriff ge- nommenen und allerSchwierigkeiten ungeachtet glücklih fortgeseßtenWerks cine Ausgleichung und S enA der erbitterten Gegensäte, die den inneren Frieden seines Volks bedrohten und untergruben. Und wenn es au heutzutage noh zu früh ist, die Wirkung der sozialen Geseß- gebung sowohl in wirthschaftliher wie in moralischer und politischer Beziehung richtig abzushäßen, so darf man doch schon heute sagen, daß die beiden ersten großen, vielfach angefochtenen und gering ge- \{chäßten Stadien der Sozialreform, das Krankenkassengeseß und das Unfallversicherungsgeseß, sih überraschend schnell eingelebt, auch unter den früheren Gegnern zahlreihe Freunde erlangt und ihre segensreichen Wirkungen überall fühlbar gemacht haken. i |

Am bezeihnendsten dafür ist, daß die deutsche Sozialgeseßgebung anderen Staaten zum Vorbild diente oder ihnen doch wenigstens werthvolle Anregung gab. einer fruhtbareren Behandlung des soziaken Problems näher zu treten. Aber niht minder beatenswerth ift es au, daß man anderwärts zumeist über die ersten Anläufe nicht hin- auégekommen ist, während in Deutschland in verhältnißmäßig kurzer Zeit die ersten beiden großen Geseße fertiggestellt worden sind und ohne Zeitverlust auch an die Lösung der \{chwierigsten Aufgabe, die staatlihe Alters- und Invalidenversicherung, herangetreten wurte. Es ist dies unstreitig ein Verdienst Kaiser Wilhelm's I, der diese soziale Geseßgebung als eine Hauptaufgabe seines Lebens betrachtete und deshalb darauf drängte, daß dieselbe rüstig weiterbetrieben und zum Abschluß gebraht würde. So wurden denn auch nach manerlei Vorarbeiten und nahdem schon im Frühling des vorigen Jahres im Reichôtage eine Vorlage des betreffenden Geseßentwurfs für die nächste Tagung dur den Staatssekretär des Innern mit Bestimmtheit an- gekündigt war, im vorigen Jahre die im Reichsamt des Innern aus- E De für die Alters- und Invaliditätégeseygebung veröffentlicht.

Durch diese sehr verdienstvolle Arbeit wurden vor Allem die- jenigen Gegner der Sozialreform, welche den Gedanken einer allgemeinen Alters- und Invalidenversiwerung höchstens für cin Erzeugniß der aus- \{weifenden Cinbildungskcaft, für ein nicht einlösbares Versprechen er- klärt hatten, vom Gegentheil überführt und ihnen der unumstößliche Beweis geliefert, daß innerhalb gewisser Grenzen der Gedanke sehr whohl zu verwirklichen sei, und daß dazu keineswegs jene unabsehbaren Sum- men erfordert würden, die nah der Behauptung jener Gegner für eine solhe Einrichtung nöthig wären. Kurz, die Grundzüge zeigten in dankenswerther Weise die Ausführung der Idee, und damit war ein fiherer Boden für eine fruchtbare Weiterarbeit geschaffen. Aber troy der im Allgemeinen beitälligen Aufnahme, welche die Grundzüge wenigstens in allen der Sozialreform freundlich gesinnten Kreisen fanden, folgte doch bald eine Fluth von Kritiken und Verbesserungs- vorschlägen, deren Prüfung der zur weiteren Berathung der An- gelegenheit eingeseßte Aus\chuß des Bundesraths sich nit entziehen

konnte, jedenfalls aber verlangte das großartig geplante, aber wegen seiner Neuheit und Ausdehnung an Schwierigkeiten reiche Werk die sorgfältigsten und eingehendsten Untersuhungen und Ueber- legungen. So kam «s, daß in der leßten Tagung des Reichstages das Versprechen wegen Vorlegung des auf die Snvalidenversicherung bezüglichen Geseßentrourfs sich niht erfüllen ließ, und daß Kaiser Wilhelm I. die Augen \chloß und zur ewigen Ruhe einging, ohne den Abschluß des von ihm begonnenen großen Werks gesehen zu haben; aber er konnte scheiden in der Ueberzeugung, daß dasselbe seiner Voll- endung entgegengehe und in seinem Geiste durchge\ührt werden würde. Als ein heîliges Vermächtniß ging die Lösung dieser großen Aufgabe an seiren Nachfolger über; während der kurzen Regierungszeit seines herrlihen Sohnes ruhten die Arbeiten an demselben niht. und der jugendlihe Enkel, der durch das shwere Geschick seines Vaters un- erwartet früh zum Throne berufen ward, hat sich mit aller Bestimmt- beit au zu dem sozialpolitishen Programm seines Ahns bckannt und sih ausdrücklich auf jene Kaiserlihe Botschaft Wilhelm's I. berufen, in welcher die P der sozialen Reform als die dringendste Auf- gabe für den Herrscher und die Vertreter des Volks bezeichnet wird. Es ist selbsiverständlih, daß die Berufung anf jene Kaiserliche Botschaft keinen anderen Sinn kaben kann, und de alle anderweitigen Deutungen, als den Kern der Sache niht treffend, zurückgewiesen werden müssen. Unter solhen Umständen darf es als ein glüdck- verheißendes Zeichen betrachtet werden, daß gleich in den ersten Lagen der Regierung Wilhelm's 1]. der Geseßentwurf für eine Alters- und

Invalidenversiherung, wie er nah langer und mühevoller Arbeit von

E AueiGuß des Bundesraths festgestellt worden ist, an die Oeffent- - ihfeit tritt.

Damit ist ein neuer und entscheidender Schritt auf dem natur- gemäß langwierigen Wege dieses Geseßgebungswerks gethan. Nicht mehr in „Grundzügen“, sondern in der Form eines völlig aus- earbeiteten Geseßentwurfs liegt das Projekt jegt vor, und es kann aum zweifelhaft sein, daß auch der Bundesrath obne erhebliche Aenderungen den Entwurf sich zu eigen machen und ihn wesentlich in der gegenwärtigen Form dem Reichstage bei seiner nähsten Tagung vorlegen wird. Bis dahin liegt der Entwurf der öffentliwen Kritik, der Beurtheilung allec Sachverständigen und Betheiligten vor; es ist, wie billig bei einem so einshneidenden Geseßgebungswerk, der. öffentlidben Meinung Zeit genug gegeben, ihre Stimme geltend zu machen, Verbesserungs- vorshläge anzubringen und sih über die grundlegenden Gedanken und die Einzelheiten des Entwurfs aufzuklären.

Mit den „Grundzügen“ verglichen, weist der vorliegende Entwurf große Veränderungen und unleugbare Verbesserungen auf. Wir werden diesen noh spezieller unsere Aufmerksamkeit zuwenden; der aufmerksame Leser des neuen Entwurfs wird aber gewiß erkennen, daß namentlich in der präziseren Fassung und der Ergänzung gewisser Einzelbestimzmungen ein nicht geringes Verdienst der vorliegenden Arbeit liegt. Die wihtigste Abänderung, welche die Grundzüge gefunden haben, bezieht si be- kanntlih auf die Frage der Organisation. Während nach den Grund- zügen die Berufsgenofsenschaften die Träger. der Versicheruug waren, jollen jezt an Stelle der Berufsgenossenshaften kommunale oder landschaftliche Verbände treten. Damit wird vielen von sachkundiger Seite geäußerten Wünschen entsprochen, eine fernere Belastung der Berufsgenossenschaften, ohne deren weitere Entwicelung zu hemmen, vermieden, die Organisation wesentlich vereinfaht und die Einbeziehung aller _nicht der Unfallversiherungspfliht unterworfenen Arbeiter in das System der Altersrecsiherung erleihtert. Wir wenigstens sind geneigt, in dieser grundlegenden Veränderung eine entschiedene Verbesserung zu erblicken. In den übrigen grundlegenden Bestim-

- mungen schließt sich der Entwurf den ursprünglichen Grunzzügen an,

wenn au, wie gesagt, im Einzelnen viele neue beahtenswerthe Be- stimmungen getroffen find. Im Ganzen genommen erscheint auch dieser Entwurf als ein tüchtig Stück Arbeit und berechtigt zu der Hoffnung, daß er das Werk der Einigung und Verständigung übec diese schwierige Materie fördern werde; daß aber eine solche bei aller Gründlichkeit der Berathung reht-bald erzielt werde und das große Werk zum glüccklihen Abschluß gelange, das wünshen und hoffen buch A das Andenken des guien und großen Kaisers Wilhelm ochhalten.

Jn einem Artikel der „Kölnischen Zeitung“ über die ostasiatishen Handelsgebiete heißt es:

Was die Betheiligung des deutschen Handels in den südchinesischen Handelsgebieten angeht, so verhält sich dieselbe etwa gleihbedeutend wie im Norden. Sür das gesammte cinesishe Reich ergiebt si ein werthvoller Anhalt nur, wenn man die deutschen Handelsfirmen daselbst ins Auge faßt. Die Gesammtzahl der europäischen und amerikanischen Firmen in den Vertragshäfen beträgt 421 mit 7695 Sen Angestellten. Die Deutschen stehen dabei an zweiter Stelie, und zwar beträgt die Zahl ter deutshen Firmen 57 mit 629 deutschen Kaufleuten. Die Ausdehnung ihrer Handelsverbindungen jedo kann nur dann richtig beurtheilt werden, wenn man ermißt, daß die bei weitem größte Anzahl dieser Häuser an mindestens zwei Pläyen, nämlich Hongkong und Shanghai, meist aber in noch mehr Vertragéshäfen Niederlassungen unterhält.

Eine ganze Reihe deutscher Häuser ist den größten englishen und amerikanischen vollkommen ebenbürtig, theilweise sogar überlegen. Der deutsche Handel hat die Ausbreitung seiner Erzeugnisse vornehm- lih der Thätigkeit dieser Häuser zu danken. Auf der anderen Seite beweist die fortwährend wachsende Ausdehnung der Geschäftsbeziehungen der deutschen Firmen, die Neuanlage von Tochtergeschäften oder die Ernennung von Agenten in den anderen Vertragshäfen, daß die deutsche Waare Fuß gefaßt hat und in vielen Beziehungen der englischen Einfuhr einen höchst gefährlihen Wettbewerb macht. Zu diesen deutschen Handeléfirmen kommen dann als Vertreter der deutschen Industrie die hauptsächlich in Tientsin beim Vize-König Li Hung Chang sih aufhaltenden Vertreter großer deutscher Häuser, deren Thätigkeit \sih auf den Verkehr mit der Ge Regierung erstreckt, so von Krupp in Essen, Gruson in Magdeburg, dem Vulkan in Stettin und anderer mehr. E

Wir haben endli :, um einen Einblick in die wahrscheinliche Weiterentwickelung des cinesishen Einfuhrhandels zu gewinnen, einige allgemeine Punkte zu berühren, welche für Deutschland von erhebliher Wichtigkeit sind. Dahin gehört zunächst däe Weiterbildung der Regierungsströmung, welche für europäisa)e Kultur sih geneigt zeigt, die Regierungslieferungen überhaupt, Es ist zu beachten, daß gerade auf diesem Gebiete der Kampf der Nationen ein besonders hitiger ist, daß alle Mittel Seitens unserer Wettbewerber angewandt werden, um Deutschland aus dem Sattel zu heben oder gar nicht hinein zu lassen. In der Lieferung für Kriegsmaterial für Armce und Marine hat Deutschland bisher den Vorrang behauptet. Ebenso is die Pulverfabrik in der Nähe von Tientsin durch Deutsche erbaut worden. Dagegen ist die Be- festigung von Port Arthur, nachdem die gesammten Pläne dazu von Deutschen hergestellt, au bereits ein Vertrag wegen der Ausführung Engen war, später einer französishen Gesellschaft übertragen worden.

Bei der Ausführung der Regierungs-Telegraphen ist Deutschland nit betheiligt gewesen. Was den Eisenbahnbau angeht, welcher längere Zeit hindurch und noch jeßt Hoffnungen erweckt hat, so ist von vornherein zu bemerken, daß es si in keinem Falle um die An- legung großer Schienenstrecken oder gar, wie neuerdings behauptet wurde, um eine Berbindung des Nordens mit dem Süden handeln kann, Die bisher bestehende sogenannte Bahn ist eine Art S T von einigen englischen Meilen Länge. Sollte überhaupt ein Eisenbahn- bau sih verwirklichen, so wird es sih lediglih um eine strategische Bahn handeln, welche Tientsin, Peking und Paotingfoo im Dreieck

miteinander verbindet. Bei Tientsin und Paotingfoo befinden \ich nämlich die Lager der europäish disziplinirten Armee des Vize-Königs Li Hung Chang. Der Anlegung größerer Bahnstrecken stehen, wie dies ja nicht unbekannt, aber gewöhnlich untershägt wird, die gewih- tigsten Bedenken entgegen. Dies ist einmal nah der tehnishen Seite hin das außerordentlich verzweigte Kanalney, nach der ethischen Seite der durch keine Nütlichkeitsrücksiht zu besiegende Widerstand der Chinesen gegen die Aufgabe ihrer Gräber, welche das ganze Land be- decken, exdlih nah der politishen Seite der Widerstand der Manda- rinen, welhe aus den Kanalzöllen bedeutende Einnahmen \{öpfen. Im Allgemeinen darf behauptet werden, daß die deutschen industriellen Ver- treter in Tientsin zu geringe Vollmachten haben, um gegen die andern Nationen erfolgreih aufzutreten, und 4 für deutsche Privatthätigkeit zu wenig deutsche Kapitalien in China selbst in Folge des Mangels einer deutshen Bank vorhanden sind. Nach beiden Richtungen hin muß unbedingt eine Abhülfe geshaffen werden. Des weitern möchten wir die Bestrebungen, in den Vertragshäfen - selbst Industrien herzustellen, welhe das im Lande befindlißhe Rohmaterial verarbeiten, wenigstens erwähnen. Fabriken sind geschaffen worden in Shanghai, nämlich eine größere Baumwollen- spinnerei und eine Papierfabrik. Beide sind wieder einge- fangen, da die erwartete Billigkeit der Löhne ausgeblieben st. Der chinesishe Kuli arbeitet für den Europäer unter keinen Umständen zu dem gewöhnlihen billigen Lohnsaße. Ferner ist eine mechanische Seidenspianerei, und zwar Seitens einer deutshen Ge- sellschaft in der Nähe von Tschifoo eingerichtet ; dieselbe hatte es sich) zur Aufgabe gemacht, die sogenannte Tussaseide (Seide des Eichen- spinners), welche in der Provinz Petschili in großen Mengen gezogen, aber dur die Hinshleppung durch unzählige Märkte sehr vertheuert wurde, an Ort und Stelle aufzukaufen und zu verarbeiten, Es wurden der Fabrik jedoch Seitens der Chinesen so viele Schwierigkeiten in den Weg gelegt, daß dieselbe endlich Ende 1886 an die Chinesen selbst verkauft wurde.

Wir möchten endlich die Forderun deutshen Handel nach China orde da allererst die alten Klagen über mangelh machung, mangelhaftes Maß und Gewi rücksibtigt werden, daß ferner der Anfu die Bestellungen seiner Abnehmer hält,

mal eingeführte Waare durch andere,

zu erseßen sucht.

können.

1 . Es würde sich endl große, leistungsfähige Fabriken oder a tändigen Vertreter und

Shanghai dauernd unterhi füllung den Wettbewerb mit

en, welche sich für den in zusammenfassen, daß zu afte Verpackung und Auf- cht auf das sorgfältigste be- hrhändler si ganz genau an und in keiner Weise die ein- sei dieselbe auch mehrwerthig, ih sicherlih empfehlen, wenn r ber ganze Industriebezirke Musterlager wenigstens in Hongkong elten, um in der Schnelligkeit der Markt- den anderen Nationen aufnehmen zu

Ire dit und kräftig un

Land- und Forstwirthschaft. Nahtrag

Provinz Ostpreußen.

Roggen i| im Halme kurz geblieben, der Strohertrag wird daher voraussichtlih nur ein mäßiger sein, E ann auf einen guten Körnerertrag gerechnet werden, da während der Blüthe- zeit günstiges Wetter vorherrshte. Der Rübsen ist in der Staude

Ueber die Landstreicherei Baden giebt die Nr. 2 [lungen über das Großhe Bestrafungen haben gege

1886 gegenüber.

in 562 Fällen 7,8 °/o, im Sab

re 1885 8,9 %%/%, Das Ueberwiegen der Männ theil der Frauen bewegte verhältnißmäßig am stärksten waren dies (14,2), Mosbach (12,3), Karlsruhe (10,7 treten, am schwächsten in Lörrach (4,5), Nah der Jahreszeit fielen, wie in den V in den Winter, die wenigsten in den Som nah trafen die Bestrafungen 2468 Badener,

ih in denselben

Bayern, 847 Württemberger,

sonstige Reich8angehörige, 151 sonstige Ausländer, somit nur zu eine

177 Schweizer,

De

1887

é die im Jahre 1887 Straffälle nur gering ist (fe beträgt 163 o bestimmte Schlüsse auf Veränderungen in dena und Erwerbsverhältni und die Landstreicherei

Inländer (gleichfalls wie zuvor), zu

denen wegen

den unter 20 jährigen, mit dem Alter

der absoluten, Verhältniß zu

unter 14 Jahren

14—20 20—25 25—30 30—40 40—50 50—60 60—70 Über 70 unbekannt

Nach dem Familienstand waren (in ähnlichem Verhältniß wie in den

Vorjahren) von den bestraften Männern 4153 (88,4 9%) ledig, 339

wie der

(1,2 %) verheirathet ,

olgende unter Angabe

vertretenen zusammengefaßt.

leute und Händler (119), (108), ferner Knechte (175). mit mebr als 100 die Taalöhnerinn Dienstboten (121), und die Personen ohne mehr als 10 noch Fabrikarbeiterinnen Näherinnen (13), Händlerinnen (12).

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

„Meisterw erken Web X, Bandes 3. bis 7. L rung, H je 1 M) vor.

Von den (Leipzig, J. J.

lier

lenken, wird es willkommen sein,

Meyer'schen ,

Die am 14. i „Illustrirten Zeitung“ enthält u. l Erste Rose. Original eihnung von F. Lipps. Bie neue Eisenbahn nah Salonik. 8 Abbildungen. Kaiser Franz Joseph ubiläums-Gewerbeausstelung zu Wien. Ernst Ludwig Herrfurth, der neue preußishe Minister des Innern. Die Reise des Kron- prinzen und der Kronprinzessin von Oesterreih-Ungarn in das Okku- pationsgebiet. 2 Abbildungen. Aus der Internationalen Jubiläums- Kunstausstellung in München: Eine Vision im Kolosseum. Gemälde | i Prof. Dr. Emil Naumann, am 23, Juni, Das Fünf-Centimes-Stück des Congostaats. rauenzeitung: Erzherzogin Margarethe Sophie von Oesterreich als Aebtissin des K. K. adeligen Damenstiftes am Hradschin zu Prag. uariar und Buchhandlung oeben seinen Katalog Nr. 61:

von José Benliure.

, _— Stoll u. Bader's An in Freiburg i. Baden versend

der

(Zweiseitig.)

(F)

100

der

Zahl

Männer

9 730 846 675 959 826 369 180

43 1

geschieden (0,8 9/0). l e )rten die bestraften Bettler und Stromer, S wie zuvor, überwiegend dem Gewerbestande an. Die Uebersicht

olzschnittreproduktionen, theils nah Original-Zeihnungen. her in der „Jllustrirten Zeitung“ Vollendung der xylographishen Wied Reisenden, welhe ihre Schritte nah dem Thüringer Walde : zu böôren, daß von dem bewährten ey ] Wegweiser durch Thüringen“ (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig, roth kartonirt 2 4) soeben eine neue, die neunte Auflage erschienen ist, in der wir den text- lichen wie den kartographischen Theil wiederum gründlih durhgesehen und wesentlich verbessert finden; hüringerwald- Vercins koren hat, leßteren namentlich durch oberen Schwarzathals, Erweiterung vor mehrerer neuer Stadtpläne. In der neuen Auflage ist au dem dur die neuen Eisenbahnlinien ershlossenen östlihen und südwestlichen heil des Thüringer Waldes eingehendere Würdigung zu theil geworden. ersheinende Nr. 2350 der ende Abbildungen :

Juni

Ausländishe Literatur:

olländish, Dänis, Isländish, S iee enthaltend eine Auswahl von Werken aus verschiedenen haften in tadelloser Beschaffenheit und in meist sehr \{önen

dissen

inbänden,

giebt

ter Verheiratheten Die einzelnen Gewerbsarten sind ang der betreffenden Personen Gewerbsarten U Am löhner vertreten (598, folgen mit mehr als Maurer und Steinhauer (24

der

Frauen

4

72 94 52 82 95 47 37 11

cine

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der

n lis, panis ch,

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A. fo

Statiftische Nachrichten.

Bestrafungen des

Bett Ss ettels und

im Großherzoathum des VI Bandes der Statistishen Mitthei- rzogthum Baden folgenden Aufschluß: Die egen das Vorjahr der Zahl Abnahme erfahren, wäbrend im Jahre 1886 tine 3 weiter vorhergehenden Jahren glei{falls und nahmen stattgefunden hatten. 1887 stehen nämlich 12015 im J 6952 im Jahre 1s 5735 im

a

mer.

aus lammen

13 862 940 727

1041 921 416 217

94 1

198 (4,2 9/0) verwittwet, 8 (0, von den Frauen 312 ledig (63,2 0/0), verwittwet (10,7 9/0), 4 Erwerbsstande nah gehör

bezügliche und Verheirathetgewesenen. sofern die Zahl

Holzschneidek unst“ er's Verlagsbuchhandlung) liegen uns des ieferung (der ganzen Serie 111. bis 115. Liefe- Auch diese Hefte bieten eine Fülle vortreff- theils nad Gemälden oder Statuen, Sämmtliche Blätter, welche vor- erschienen sind, zeigen eine hohe ergabe.

ersteren unter Mitwirkung des , der das Buch zu seinem „Vereinsbuh“ er- inzufügung einer Karte des andener Karten und Beigabe

ranzösish, ortugiesi\sch, mit einem

nah

20/0) geschieden ; 125 verheirathet (25,3 %), 53 Dem Berufs- und

Í Gewerbetreibende zahlreihsten find unter den Männern die Tag- mit landwirth\ch. Taglöhnern 735), sodann die Bäcker (288), Shuhmaher (278), i 1), Schneider (194), Schlosser (193), Sreiner (135), Mezger (134), Maler und Anstreicher (122), Kaus- Weber und Tuchmacher (113), Müller Beim weiblihen Geschleht erscheinen en (123, ein{l. landw. 156), die Beruf (100), sodann mit (36), KeUnerinnen (21),

5 t : ziehen. Nach dem Bestrafungen in 5749 Fällen (91,1 %/%) Männer, rauen (8,9 9/0), während im Jahre 1886 die Frauen im Iahre 1884 9,5% ausmachten. er findet in allen Kreisen statt; der An- zwischen 4,5 und 14,2 9/0; elben in den Kreisen Baden ¿() und Mannheim (10,5) ver- Villingen (5,9) und Konstanz (6,4). die meisten Bestrafungen Dem Geburtsland 923 Preußen, 909 246 Hessen, 129 Elsaß-Lothringer, 264 197 Desterreih-Ungarn und nem starken Drittel (39,1 0/6) : )OT fast zwei Dritteln Ausländer und zwar vornehmlich Angehörige der östlicen Nachbarländer (zu Hohenzollern au Preußsen gehört). Was das Alter der Bestraften betrifft, so nehmen dieselben im Ganzen, abgesehen von “an Zahl ab, und zwar nah relativen Zahl, d. h gleichaltrigen

in Prozent der gleih- alterigen

Einwohner 0,002 0,46 0,72 0,65 0,53 0,50 0,32 0,24 0,12

Darstellung,

die weniger

in der

JItalienisch,

der

eine geringe E M zwar erhebliche o n 6311 Bestrafungen im Jahre ahre 1882, 9890 im Jahre 1883, Iahre 1885 und 6464 im Jahre eingetretene Abnahme der der 2,5 %/o), so lassen sih : llgemeinen wirthschaftlichen ssen oder in der Handhabung der gegen den Bettel vom Staat, von den Gemeinden und von Vereinen getroffenen Anordnungen und Einrichtungen nit wohl Geschlechbt betrafen die

. nach dem Bevölkerung.

gleihfalls niedrig, zeigt jedoh guten Schotenansay. Das Sommergetreide war anfänglih in Folge der andauernden kalten Witterung in der Entwickelung zurückgeblieben : das von Re enfällen begleitete wärmere Wetter der leßten Wochen hat dasselbe jedoh im Wachsthum erheblih gefördert. Vom Klee ist eine befriedigende, von den Wiesen aber kaum eine Mittelernte zu erwarten. Die Viehweiden sind verhältniß- Na gut bestanden und gewähren den Thieren ausreichende Nahrung. Reg. Bez. Gumbinnen: Wenn die Wintersaaten auch in Folge des verhältnißmäßig spät eingetretenen, stellenweise kalten Frühjahrs in Ansehung des zu erwartenden Stroh- ertrags in ihrem Ernteergebniß einigermaßen hinter denen der Vorjahre zurüstehen werden, so muß doch andererseits be- tont werden, daß der Körneransay allenthalben ret befriedigt. Es fann daher, falls nicht ungünstige Witterungsverhältnisse während der Ernte, oder sonstige, unvorherzusehende Zufälle eintreten, in diesem r mit ziem- licher Sicherheit auf eine annähernde Mittelernte gerechnet werden. Das Gleiche G von den Sommerfrüchten, dietroß derin diesem Jahre iemlich )pät erfolgtenBestellung gegenwärtig leidlih kräftig entwidelt sind, und namentlich in leßter Zeit durch warme Regengüsse in ihrem Wachsthum erheblich gefördert worden sind. Der Stand der Kartoffeln ist bisher ein absolut günstiger. Die Entwickelung des Klees und der übrigen Futterkräuter ist in Folge des späten und kalten Frühjahrs einigermaßen hinter den allgemeinen Erwartungen zurückgeblieben, und es ist ebenso der erste Schnitt der Wiesen verhältnißmäßig wenig ergiebig gewesen; es scheint, als ob der Entwielung der Grasnarbe stellenweise die nöthige Wärme gefehlt habe. Da- gegen verspriht der zweite Schnitt. der Wiesen und Futter- kräuter einen reichheren Ertrag.

Provinz Pommern. __ Reg.-Bez. Köslin: Der Roggen hat fast überall, nament- lich aber auf s{chwerem Boden, sehr stark gelitten, Ver- schiedene der angesäeten Flächen haben, weil zu wenig Pflanzen übrig geblieben waren, sogar umgeackert und mit Sommerkorn bestellt werden müssen. Die Blüthe des Roggens hat sih Dank der in den leßten Wochen eingetretenen ünstigen Witterung recht gut vollzogen und berechtigt zu der offnung, daß der Körnerertrag doh noh ein verhältnißmäßig befrie- digender sein wird. Der Strohertrag wird dagegen kaum die Hälfte einer Durlschnittsernte erreihen. Der Weizen hat die Unbilden des harten Winters fast überall ohne besonderen Nachtheil überstanden und auch der unfruhtbaren Frühjahrs- witterung Troß geboten. Der Stand desselben kann im All- gemeinen als günstig bezeichnet werden und läßt eine gute Durchschnittsernte erhoffen. Rübsen und Raps sind namentli im Schlawer und Stolper Kreise dur Auswinterung fast gänzlih zu Giunde gegangen und haben umgeadckert werden müssen, Das Sommergetreide, mit dessen Bestellung erst spät hat vorgegangen werden können, hat die shlehte Frühjahrs- witterung wider Erwarten gut überstanden. Dasselbe ist zwar in der Entwick-lung hinter der Jahreszeit zurügeblieben, kann aber unter den jeyt günstigen Witterungsverhältnissen das Versäumte sehr gut nachholen und verspricht, nah dem gegen- wärtigen Stande zu urtheilen, eine gute Mittelernte, Der Klee steht fast durhweg gut und wird eine reichliche Ernte liefern. Die Wiesen. von denen namentlich die tiefer gelegenen dur das ungünstige Wetter ziemlich mit- genommen worden sind, haben sich bei der günstigen Witte- rung der leßten Wochen fehr erholt. Die Heuernte, mit der bereits begonnen ist, wird daher im Vorschnitt zum Theil noch besriedigen. Kartoffeln sind gleihmäßig und kräftig auf- gegangen und schreiten gegenwärtig höchst erfreulich vor. So- weit sih über den zu erwartenden Ertrag schon jeßt urtheilen läßt, muß dies in günstiger, hoffnungsvoller Weise geschehen. Die R haben durch Nachtfröste mehrfach gelitten, so daß hier die Aussichten bezüglih der Ernte als ungünstige zu

bezeichnen sind. Provinz Schlesien.

__ Neg.-Bez. Breslau: Durch die anhaltende große Dürre im Frühjahr sind die Sommersaaten in d Entwickelung stellenweise sehr zurückgeblieben, haben \ich aber durch das seit einigen Wochen andauernde fruhtbare Wetter rash wieder cr- holt und stehen zur Zeit im Allgemeinen mittelmäßig. Roggen, der schon wegen Mangel an Wärme nicht gut in den Winter gekommen ist, hat durch die andauernde und strenge Kälte des leßteren, wie auch durch den Nachhwinter im April überall stark gelitten, so daß eine Mittelernte, namentli in Stroh, fast mrgends zu erwarten ist. Raps is} ebenfalls durch die ungünstigen Witterungseinflüsse, sowie durch den in einzelnen Kreisen massenhaft auftretenden Glanzkäfer stark beschädigt, und steht durhweg wenig genügend und ungenügend. Ver- hältnißmäßig gut aus dem Winter gekommen ist der Weizen, welher auch nach seinem gegenwärtigen Stand zu den Len Hoffnungen berechtigt und im Allgemeinen eine gute

ittelernte verspriht. Die Hackfrüchte stehen, je nah der Qualität des Bodens und der Sorgfältigkeit der Bestellung, E verschieden, in den meisten Fällen jedôh nicht unbe- riedigend, stellenweise sogar vorzüglih,. Die Rüben haben durch Drahtwürmer und Wurzelbrand gelitten. Die

euernte hat sich wegen der unbeständigen Witterung in leßter eit etwas verzögert, die Qualität des Heues hat jedo nicht gelitten. Hafer und Gerste stehen mittelmäßig, Hülsenfrüchte und Flahs gut. Die Obsternte verspriht nur eine A mäßige zu werden, der Fruchtansaÿ namentlih bei Aepfeln und Pflaumen war gering, und die Bäume haben durch Raupensfraß gelitten.

Rheinprovinz.

Reg.-Bez. Koblenz: Das Wintergetreide blieb wegen der rauhen und trockdenen Witterung im Frühjahr durhgängig dünn und unbestockt, und konnte bei den später in reihlichem Maße E Niederschlägen nur noch der Weizen sich einigermaßen erholen. Roggen wird an Körnerertrag im llgemeinen, und abgesehen von einigen besseren Bodenlagen

zu den „Mittheilungen über den gegenwärtige Stand der- Saaten in der preußischen Monarchte

Reg.-Bez. Kön i sberg: Der Weizen steht fast durchwe es eine gute Mi telernte. As

über 1/, bis 2/; Ernte liefern. Der Strohertrag für beide Frucht- gattungen wird jedenfalls unter einer Mittelernte O zurückbleiben. Gerste und Hafer, welche durch die Troenheit ebenfalls litten, haben fi gut erholt und versprechen durh- pangis eine bessere Ernte. Der erste Klee- und *Gras- chniîtt fiel spärlich aus. Dementsprehend ist auch die Heuernte, welche zudem . durh die anhaltenden Regengüsse der legten Zeit recht nachtheilig beeinflußt wird, eine sehr geringe. Knollen- und sonstige Futtergewähse stehen durhgängig gut; auch läßt der gute Stand der Kartoffeln eine volle Ernte erwarten. Steinobst und Birnen werden durchgängig einen mittleren Ertrag liefern, Apfelbäume zeigen dagegen nur spärlihen rae Der augenblickliche E BELE E Bo zu guten Bossutigen. Ur den Umfang der Monarchie ergiebt fich so fol- gendes Bild: 4s , N a E , Der Stand des Getreides kann im Ganzen als befrie- digend nit bezeichnet werden. Der Roggen läßt meistens nur einen geringen Körnerertrag und allgemein nur einen mäßizen Strohertrag erwarten. Durch die rauhe und trockene Witterung im Pra hjahre ist die Wintersaat sehr zurückgeblieben, in den Ueber- chwemmungsgebieten, namentlih in der Provinz Westpreußen und dem Reg.-Bez. Frankfurt a. O., ist dieselbe großentheils ausgewässert, mindestens nicht Unerheblih geschädigt worden. Der Weizen zeigt durhschnittlich einen befriedigenderen Stand ; doch hat die Sommerung erst spät gesäet werden können und ist dieselbe in Folge ungünst:ger Witterungsverhältnisse vielfah in der Entwickelung zurück- geblieben. Gerste und Hafer stehen leidlih, in einigen Bezirken, z. B. Stralsund und Stettin, ist eine günstige Entwickelung derselben zu beobahten. Der erste l nitt war meistens nur gering, die Entwickelung des lees und der übrigen Futterkräuter ist hinter den allgemeinen Erwartungen zurückgeblieben. Die Oelfrüchte haben viel- fah umgeackert werden müssen und wird sich der Erdrush im Allgemeinen unter Mittel bewegen. Die Aussichten für die

Rüben und die Kartoffeln erscheinen bis jeßt niht un- günstig.

—Ubéber den Ernteausfall im Großherzogthum Baden im Jahre 1887 giebt Nr. 1 des 11. Bandes der „Statistishen Mit- theilungen über das Großherzogthum Baden“ folgende Auskunft : Mit Ausnahme des Óeues, mehrerer Getreidearten, des Rapses und der Kartoffeln standen sämmtliche Erntegewäse auf der vierten bis siebenten Stufe des Erntewerths oder der Ausfallsgüte; die Ge- sammternte ist deshaïb troy der den Durschnitt erheblich über- steigenden Getreideernte, des ziemlich guten Ertrags der Kartoffeln und des guten Ergebnisses der Heuernte nur als Dur- schnittêernte zu bezeitnen. Wie im vorhergehenden abre hat auch im Jahre 1887 die Qualität des Weins den Dur- \{chnitt früherer Zahre übertroffen; dagegen blieb das quantitative Erträgniß noch hinter dem ungünstigen Erträgniß des vorhergehenden Jahres zurück und muß ebenso wie die Obsternte als ziemlich \{lecht bezeihnet werden. Die näheren Werthziffern der hauptsäcblichen Kultur- und Ertragsarten (in den 9 Wertbstufen mit Dezimalbruch A le de 23 0EiE Bund mit denjenigen der Durch- nitts8ziffern für die jahrtige Beobachtung8zeit (1865—1 des leßten Vorjahres 1886 wie folgt : O A

i für 1887 für 1865—8 ü Getreide (Körner und Stroh) | / L D S E

Kartoffeln .

A Sutterhadirühte. . ., Handelsgewähse . . , , Wein (Menge und Güte). D | Gesammternte. E 4,9 4,3 3,3 _Die Vergleichung mit den cinzelnen früheren Iahrgängen der 23jährigen Beobachtun géperiode ergiebt, daß die Gesammternte 15 Mal besser, 6 Mal \chlechter und 1 Mal im Ganzen ebenso ausgefallen ist wie im Jahre 1887. Dagegen nimmt die Ernte von 1887 ins- besondere bezüglich des Getreides den 8. Play ein, während das Futter in 17 Jahren besser, in 5 Jahren \{lechter, die Kartoffelernte in 7 Jahren besser in 14 Jahren sch{lechter und in einem Jahre gleih gut gerathen is wie 1887. Obst und Handels- gcwächse sind nur in 2 Jahren noch schlechter gerathen als in dem vergangenen Jabre und das Erträgniß der Futterhackfrüchte war in dem vergangenen Jahre so gering wie in keinem der 22 voraus- gerenden Jahre. Nach der geographischen Lage der Landesgegenden atten die obere Rheinthalebene und das seitlide Gebirge sfowic der Odenwald, die Neckar- und Taubergegend die beste, die Bodensee- und Donaugegend die_ \chlehteste Gesammternte. Daz gleiche Verhältniß erscheint im Wesentlichen auch in dem Ergebniß dec einzelnen wi» tigeren Kulturarten; nur bezüglich der Kartoffelernte kehrt sh das- n O um, als hier die Bodenseegegend das beste Erträgniß ufweist.

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Gewerbe und Handel.

Konkurrenz und Reklame in der deutschen Lebens- versicherung. Eine Schrift pro domo von Dr. jur. Gottlob Schneider, Direktor dec Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha. Gotha, Friedr. Andr. Perthes, 1888. (Pr. 4 #4) Als eine Schrift „pro domo“ bezeichnet si das vorliegende Bu. Es ist ein seit langer Zeit festgegründetes Haus: die Lebensversiherung für Deutschland zu Gotha, welche zunähst gegen die unablässigen Anfein- dungen der Konkurrenz und der Retlame vertheidigt werden soll, niht sowohl aus dem Grunde, weil das bewährte Gefüge dieser Anstalt durch die gegnerischen Umtriebe ershüttert werden könnte, als deshalb, damit die fortgeseßte Verdächtigung, wenn sie ohne Widerspruch bliebe, niht den täuschenden Schein der Wahrheit annehmen könne. In fystematishem Aufbau seines reihen Beweismaterials stellt der Verfasser das System der Unwahrheit, welches Konkurrenz und Reklame im Verein geschmiedet, ins helle Licht der That- fache. Mit unwiderleglihen Nachweisen aus der Verfassung, der Geschichte und der Oroanisation der Gothaer Bank thut er den Un- grund der Angriffe im Einzelnen dar. Damit aber wächst die Schrift weit über die Bedeutung einer bloßen Streitschrift für den eigenen Herd hinaus: sie berührt Schäden, welhe dem ge)ammten wirthschaft- lihen Getriebe in der Gegenwart anhaften, wenn sie auch kaum auf einem anderen Felde so grell hervortreten, wie seltsamer Weise auf dem der selbstlosesten Fürsorge geweihten Gebiete der Lebensrersiche- An sie führt andcrerseits, indem sie den ganzen Organismus einer großartigen gemeinnüßigen Einrichtung rüdhaltlos enthüllt und bis auf die idealen Kräfte, welche diesen Organismus beseelen, zurückgeht, den Leser zum Verständniß des Wesens und der Grundbedingungen der Lebensversiherung überhaupt.

Der Aufsichtèrath der Zuckerfabrik Glauzig: hat be- lossen, in der bevorstehenden Generalversammlung dee ante nach Abschreibung von 5 %/ auf Fabrikgebäude und 109% auf Ma- schinen die Vertheilung einer Dividende von 62 % für das am 31, Mai d. I, zurückgelegte Geschäftsjahr zu beantragen.

Vom oberschlesishen Steinkohlenmarkt be- rihtet die „Schles. Ztg.“: Seit Anfang dieses Monats hat an verschiedenen Förderpunkten cin belebterer Verkehr Raum gewonnen, und es scheint, daß die Ermäßigung der Frachtsäße na den östlich und nordöstlih gelegenen Absatzgebieten, welche zur Bekämpfung des

voraussihtlih 1/2 Ernte nicht übersteigen, Weizen dagegen etwas

Vordringens ausländischer Kohlen im leßten Drittel des Vormonats verfügt worden ist, niht ohne erfolgreiche Rückwirkung für den dies-