1888 / 207 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Elemente der Mechanik und Hydraulik mit Uebungen: Derselbe. Landwirthschaftlihe Baukunde: Begterungs-Banmeiiee Hupperßt. Wege- und fserbau: Derselbe. Baumaterialienkunde und Baukonftruktionslehre: Derselbe. Uebungen im E en von Fulturtechnis{chen Anlagen : Derselbe. Praktishe Geometrie: Dozent Koll. Landcévermessung: Derselbe. Geodätishe Zeichnen-, Rechnen- oder Meßübungen : Derselbe. Geodätishe Uebungen: Der- selbe. Theorie der Beobachtungéfehler und A derselben nach der Methode der kleinsten Quadrate: Derjelbe. Analytishe Geometrie und Analysis: Dr. Veltmann. Elementar-Matkematik : Derselbe. Mathematishes Zeichnen und Rechnen : Derselbe. Volks- wirthschaftslebre: Geheimer Regierungs-Rath, Prof. Dr. Nasse. Landwirthschaftsreht : Eerichts-Afsefior Dr. Shumacer. Fisch- zucht : Professor Dr. Freiherr von la Valette St. George. Anatomie und Physiologie der Hausthiere : Departements-Thierarzt Schell. Pferdezucht, Geburtéhülfe und Hufbes@lag: Derselbe.

Außer den der Akademie eigenen wissenshaftlihen und praktischen Lehrhülfsmitteln, welche durch die für hemische, physikalische, pflanzen- und thierphysiologishe Praktika eingerihteten Institute, neben der lantwirthschaftlihen Versuchsstation und dem thierphysiologischen Laboratorium eine wesentlihe Vervollständigung in der Neuzeit er- fabren baben, steht derselben durch ihre Verbindung mit der Univer- sität Bonn die Benußung der Sammlungen und Apparate der leßteren zu Gebote. Die Akazemiker sind bei der Universität immatrifulirt und baben deshalb das Recht, noch alle anderen für ihre allgemeine wifsenschaftlihe Ausbildung wichtigen Vorlesungen zu hören, über welcke der Universitätskatalog das Nähere mittbeilt. E

Der seit 1876 versuchêweise eingerichtete fulturtechnische und der seit 1880 bestehende geodätisch e Kursus sind definitiv an der Akademie eingerihtet und deren Besuch für die zukünftigen preußi- hen Landmesser obligatorish geworden. Ebenso haben die hier ftudirezden Landmesser und die Kulturtechniker ihre Examen mit amt- liher Geltung an der biesigen Akademie abzulegen.

Auf Anfragen wegen Eintritts in die Akademie ift der Unter- zeichnete gern bereit, jedwede gewünschte rähere Auekunft zu ertbeilen.

Poppelsdorf bei Bonn, im August 1888. |

Der Direktor der landwirthf{chaftlichen Akademie: Geheimer Regierungs-Rath, Professor Dr. Dünkelbersg.

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 14. August. Se. Maieftät der Kaiser und König haben an den Minister der geift- lihen 2. Angelegenheiten folgenden Allerhöchsten Erlaß, betreffend die Uebernahme des Protektorats über die Preußishen Gustav-Adolf-Vereine, gerichtet:

Auf das beifolgende Gesu des Vorstandes des Brandenburgi- \chen Hauptvereins der evangelischen Gustav-Adolf-Stiftung will Ich gleich Meinen Vorfahren das Protektorat über die Preußischen Gustav-Adolf-Vereine hiermit in derselben Gesinnung annehmen, wie sie in der Ordre Meines in Gott ruhenden Herrn Vaters, wei- land Sr. Majestät des Kaisers und Königs Friedri, vom 12. Mai d. I. zum Auëêdruck gelangt ist. Ich keauftrage Sie, den Vorftand des Brandenburgischen Hauptvereins hiervon in Kenntniß zu seßen.

21. i 1888, Peterhof, den 21. Juli 1888 G L,

An den Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten.

Die Vertrauensmänner der konservativen Partei des Wahlkreises Hamm-Soest haben, der „Köln. Ztg.“ ufólge, kürzlih in- Hamm getagt und beschlossen, den Nationalliberalen ein Bündniß anzutragen auf der Grundlage der Aufstellung eines konservativen und eines nationalliberalen Kandidaten. Bis jezt war der Wahlkreis durch die freifinnigen Abgeordneten Träger und Uhlendorff vertreten.

Jn einer Schadenersaßklage der Wittwe und Kinder eines von einem Anderen in Ueberschreitung der Nothwehr Getödteten gegen den Thäter hat das Reichs- geriht, VI. Civilsenat, durch Urtheil vom 27. Juni d. J. ausgesprochen: Die Ueberschreitung der Nothwehr ift zwar nah §. 53 Absay 3 des Strafgeseßbuchs nicht strafbar, wenn der Thäter in Bestürzung, Furht oder Schreckden über die Grenzen der Vertheidigung hinausgegangen ist ; die Schaden- ersazpfliht aber des niht strafbaren Thäters fällt im Geltungsbereih des Preuß. Allg. L.-R. nur dann fort, wenn die in Ueberschreitung der Nothwehr vorgenommene Handlung entweder keine freie war oder bei Anwendung der land- rehtlih gebotenen (8. 16, 3, I) Aufmerksamkeit nit ver- mieden werden konnte.

Der l General-Lieutenant Sallbach, de sh nach Swinemünde begeben, um einem Schießversuh beizuwohnen.

Zur Aefatiung persönlicher Meldungen sind hier ein: getroffen : der General-Lieutenant von Scher ff, Commandeur der 33. Division, und der General - Lieutenant Baron Vietinghoff gen. Scheel, Commandeur der 21. Division.

Als Aerzte haben ih annen die Herren : Dr. Tarnowsfi, Dr. Wertheim, Dr. Dierbah, Dr. Leß, Dr. Kroenig und Dr. Stoeckel in Berlin, Dr. Flicek in Ober- sißko, Dr. Peyser in Schwersenz, Dr. Szafarkiewicz in Stral- tfowo, Dr. Sihlefinger in Kempen, Dr. Teßlaff in Kurnik, Dr. Beckmann in Broih, Dr. Neitkemper in Wesel, Dr. Schuedel in Duisburg, D. Alsdorff in Seidorf, Moll in Polch, Dr. Wirz in Adenau, Dr. Cunze in Engers.

S. M. Kanonenboot „Wolf“ ift am 12. August cr. in Chefoo eingetroffen.

Sigmaringen, 10. August. (Schw. Merkur.) Die

Rae von Po enge ers ist nah mehrwöczentlihem.-

ufenthalt in Franzensbad gestern hierher zurückgekehrt. Jm Laufe dieses ats wird der König von Portugal, der Bruder der Fürstin, hier zum Besuch erwartet.

Bayern. München, 13. August. (W. T. B.) Kardinal

S C er E E ehe i fest colsándig e r k E en agan ast vollständig erholt hat, 1 n

Jnnsbruck abgereist. 225 "E

Württemberg. Friedrihshafen, 11. August. (St.-A. f. W.) Der Herzog von D fair en po es ist heute, einer Einladung Jhrer Majestäten folgend, zum Besu hier angekommen und hat ‘im Königlihen Schloß Quartier ge- nominen.

Präses der Artillerie - Prüfungs - Kommission,

Vaden. Karlsruhe, 13. st. (W. T. B.) Bei der gestern vorgenommenen Untersuchung der Augen der Frau Großherzogin fand Hofrath Dr. Maier den Zustand im Allgemeinen befriedigend, wenn {hon noch immer die größte Schonung und Ruhe anempfohlen wurde. Mit ärztliher Zustimmung werden der Großherzog und die Großherzogin heute Nahmittag 4 Uhr Baden-Baden ver- lassen mo zu längerem Aufenthalt nah Schloß Mainau

e n.

Durch Königliche Kabinets-Ordre vom 12. d. M. if der fommandirende General des XIV. Armee-Corps, General der Infanterie von Obernit, unter Belassung in dem Ver- hältniß eines General-Adjutanten, zur Disposition gestellt und General-Lieutenant von S@chlichting zum kommandirer General des XIV. Armee-Corps ernannt worden.[FE:

Medcklenburg-Schwerin. Schwerin, 13. August. Der Großherzog hat vor Kurzem zur Erinnerung an die während der Uebershwemmung der Elbniederung geleisteten Dienste eine Ehrenmedaille mit der Jnshrist: „Für opferwillige Hülfe in Wassersnoth 1888“ gestiftet. Dieselbe ift bee an 158 Personen sowie an sämmtlihe Unteroffiziere und Mannschaften der in dem Uebershwemmungsgebiet thätig

gewesenen Militär-Kommandos verliehen worden.

Sachsen - Weimar - Eisenach. Weimar, 13. August. (Th. C.) Der Großherzog begiebt sich morgen nah

B S GeA und gedenkt den Aufführungen im Wagner'schen

F pielhause beizuwohnen. Am Freitag Abend erfolgt die üdfehr nah Wilhelmsthal. Die Erbgroßherzo gin hat sih heute nah Potsdam begeben und reist am 18. d. M. nah Friedrihshafen zum Besuh des Königs und der Königin

von Württemberg.

Mecklenburg-Strelitz. Neustrelit, 11. August. (M. N.) Der Großherzog begiebt sich heute Abend zum Kurgebrauch nach Homburg.

Sachsen-Coburg-Gotha. Gotha, 11. August. (Goth. Ztg.) Durch Verfügung des Herzoglihen Staats-Ministeriums sind die Wahlen zum Landtage des Herzogthums Gotha angeordnet und die Gemeindebehörden beaustragt worden, für die Bildung der zur Leitung der Wahlmänner- wahl berufenen Ortewahlbehörden Sorge zu tragen. Die Ortswahlbehörden haben mit thunlihster Beschleunigung mit der Wahl der Wahlmänner vorzugehen und das Ergebniß den mit der Leitung der Abgeordnetenwahl beauftragten Beamten bis zum 30. September d. J. anzuzeigen.

Hamburg, 13. Augusi. (W. T. B.) Der Senator Rapp ist heute Morgen gestorben.

Qefiexreis U Wien, 10. August. (Presse.) Die Kronprinzessin Stephanie begiebt sich am Sonntag über Salzburg zum Bejuh des. Erzherzogs Ludwig Victor nach Klekheim und später nach Js{chl, um daselbst dem Geburtsfest des Kaisers beizuwohnen. Die Rüdckehr nach Wien findet am 19. d. M. statt. Es

13. August. (W. T. B.) Prinz Josef von Sachsen-Coburg, Sohn des Prinzen Ludwig August und der Prinzessin Leopoldina, Tochter des Kaisers von Brasilien, A E kurzer Krankheit an einer Lungenentzündung gestorben.

Großbritannien und Jrland. London, 13. August. (W. T. B.) Jm Oberhauje gelangte heute die Seitens der Königin erfolgte Genehmigung mehrerer Geseße zur Verlesung. Hierauf wurden Oberhaus und Unter- haus bis zum 6. November vertagt.

Der Prinz und die Prinzessin von Wales treten morgen mit ihren Töchtern die Reise nah Deutschland an; der Prinz begiebt sich nah Homburg, die Prinzessin geht mit ihren Töchtern nah Wiesbaden.

Die irischen Abgeordneten T. G. O’Connor und John Redmond haben bei dem hiesigen „Queens-Bench- Gerichtshofe“ gleihfalls einen Verleumdungsprozeß gegen die „Times“ anhängig gemaht. Der von Parnell gegen die „Times“ angestrengte Verleumdungs- prozeß wird am 16. Oktober zur R kommen; der 0A hat eine Entschädigung von 50 000 Pfd. Sterling ver- angt.

Nach einer Meldung des „Reuter’shen Bureaus“ aus Capetown, von heute, hat der geseßgebende Rath der Kapkolonie die Bill, betreffend eine südafrikanische Zollunion, abgelehnt.

Dem „Reuter'shen Bureau“ wird aus Pietermarißt- burg unter dem heutigen Datum gemeldet: Der General- Gouverneur von Natal theilte der Regierung von Transvaal mit: er beabsihtige die Auslieferung der Häuptlinge Dinizulu und Undabuko, welche des

Meuchelmordes beschuldigt seien, formell zu beantragen. Die.

Regierung von Transvaal erwiderte: sie habe {hon Schritte gethan, um diese Häuptlinge zu entwaffnen und nöthigen Falls zu verhaften. i

(A. C.) Der im November vorigen Jahres eingeseßte City-Ausschuß, welher die. Lage der Londoner Arbeitslosen untersuchen sollte, hat nach fast dreiviertel- us Arbeit nunmehr seinen ersten Bericht veröffent: liht. Der Aus\huß kommt zu dem Schluß, daß Samm- lungen nur vorübergehende Abhülfe bringen und mehr shäd-

lih als nüglih seien. Es wird deshalb die Gründung von Arbeiterkolonien nach deutshem Muster vorge-

schlagen.

Jtalien. Rom, 13. August. (W. T. B.) Jn der heu- tigen Eröffnungssißzung des dea E a a O erwähnte. Baccelli, der als Vorfigender wiedergewählt worden war, den bevorstehenden Besuch des Deutschen Kaisers und den demselben zu bereitenden, der Hauptstadt würdigen Empfang. Der Provinzialrath Groppelli bean- tragte, daß die Exekutivkommission des Provinzialráths dies- e Vorschläge mahe. Namens der Exekutivkommission

lärte Berardi: dieselbe werde, sobald ihr eine bezügliche Mittheilung von der Regierung zugehe, sofort Schritte thun, um sih mit den A und anderen Verwaltungsorganen über einen dem Kaijer Wilhelm zu bereitenden, der Bedeutung dieses Ereignisses entsprehenden Empfang zu verständigen. Der hiesige Bürgermeifter, Marquis de Guiccioli, ist feier früh von München, wo er der König-Ludwigs-Centennar-

eier beigewohnt hatte, hierher zurückgekehrt und alsbald von em Minister- räsidenten Crispi in längerer Audienz empfangen worden.

Eine amtlihe Meldung aus Massovah sagt: Der Ober-Kommandant hatte in Erfahrung gebraht, daß D ebeb in Saganeiti, auf der Straße von a nah Digsa,

n mit Gewehren Bewaffnete ansammele, um mit den- fel Razzias zu unternehmen, und deshalb eine Expedition gegen denselben angeordnet. u dem Ende trafen am 8. d. M. 40 Baschi-Bozuks unter einem Kapitän und 4 Lieutenants, sowie 200 Baschi-Bozuks und 200 Assaortins unter

Aga von Saganeiti ein. Debeb, der über 470 Mann ver- fügte, hatte von dem Anrücken der Jtaliener Kenntniß erhal- ten und Alles zur Vertheidigung vorbereitet. Der italienische Kapitän mit einem Lieutenant und 100 Baschi-Bozuks drang Pohl in den Ort ein, vertrieb die Abessinier aus einem leinen Fort und besegzte dasselbe. Das Fort konnte jedoch niht gehalten werden, weil die Affsaortins, welche be- reits auf dem Marsche dur Benachrichtigung Debeb's Verrath geübt hatten, während des Kampfes zum Feinde übergingen und die Jtaliener angriffen. Der Kapitain und der Lieutenant, welche in das Fort eingedrungen waren, fielen; die Baschi- Bozuks verließen darauf das Fort in Unordnung. Dies jo- wohl wie au die wider Erwarten große Anzahl des Feindes, brate unter den außerhalb des Ortes befindlihen Baschi- Bozuks eine Art von Panik hervor. Von den italienischen Offizieren scheinen 2 bis 3 nach verzwéifeltem Widerstande gefallen zu sein, von den Baschi-Bozuks wurden 409 in Waa wieder gesammelt. Der Verlust Debeb's wird auf 350 Mann geshäßt. Adam Aga soll ebenfalls gefallen sein. Der Ober-Kommandant hat 40 Assaortins als Geißeln fest- nehmen lassen und wird nach dem Eingang ausreichender Nachrichten gegen den Feind vorgehen. :

14. August. (W. T. B.) Der Unterrichts- Minister Boselli wohnte gestern in Turin einem Bankett bei, an welhem auch zahlreihe Senatoren und Deputirte theilnahmen. Jn einer dabei gehaltenen Rede hob Boselli die Verdienste des Minister-Präsidenten Crispi um die Aufrechterhaltung der nationalen Würde hervor. Jtalien sei ein aufrihtiger Freund des Friedens, stehe allen Abenteuern fern und fei geneigt, Alle zu achten, aber auch entshlossen, fih die Achtung Aller zu verschaffen. Die Allianzen Jtaliens seien durchweg Friedens-Allianzen. Der Friede werde hoffentlih erhalten bleiben, auch zum Vortheil

erjenigen, welchen seine Erhaltung nit so E sei wie Jtalien. Die Begegnung der Kaiser Wilhelm und Alexander sei ein großes für die Förderung des Friedens bestimmtes Ereigniß gewesen. Der Besuch des Kaisers Wilhelm in Rom werde diese friedlihen Absichten neu besiegeln. Jtalien müsse als Seemght den Handelsverkehr auf den Meeren wieder gewinnen, während das Gleihgewicht im Mittelmeer, welhes England ebenso sehr wie Ztalien interessire, niht gestört werden dürfe. Die Flagge der hervorragendsten Kolonialmächte, mit Einshluß des Ftalien befreundeten Spanien, würden überall die italienishe Flagge freundschaftlich begrüßen. Die Erhaltung des Friedens er- fordere Rüstungen, welhe zwar Opfer erheishten, aber die italienishe Armee sei diese Opfer werth und verdiene, ebenso wie die Marine, das Vertrauen des Landes. Der übrige Theil der Rede des Ministers beschäftigte sich mit inneren Angelegenheiten.

Asfieu. Simla, 10. August. (R. B) Dem Vernehmen nach sind jeßt 15000 Thibetaner im Jelapla-Pa § ver- sammelt. wei weitere Compagnien des Derbyshire- Regiments wurden von Kalkutta nah Sikkim beordert. Die Nachrichten aus Thibet deuten an, daß die Lamas aus freiem Antriebe handeln und die Autorität Chinas, welches den Wunsch kundgab, ihre Aggression zu hemmen, mißachten.

Zeitungsstimmen.

da „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ be mertt :

Das Problem der Detailpreisbildung ist bither fast auss{ließlich von dem Gesichtépunkie aus behandelt worden, darzuthun, die Preis- bildung im Detailverkehr sei cine derartig selbständige, d. b. von derjenigen des Großverkehrs unbeeinflußte, daß für den leßteren ver- theuernd wirkende Faftoren, wie etwa Schußzölle, hinsichtlich ihrer Einwirkung auf den Detailpreis nicht nachwetisbar erscheinen, und wie ferner diese Ersheiñung nur daraus hergeleitet werden kanu, daß die Detailpreisbildung unter dem Einfluß anderer stärkerer, glei- viel welcher Faktoren sih vollzieht, gegen deren Wirkungen diejenigen des Fafktors Zoll verschwinden. | E

Derartige Erörterungen haben bekanntlih am häufigsten für die Preisrelationen von Getreide und Brot im Anschluß an den Kampf um die landwirthi\chaftlihea Zölle stattgefunden, und hat gerade die Er- kenntniß, daß der Broipreis gegenüber dem Getreidepreise eine weit- gehende Selbständigkeit der Bewegung behauptete, wesentli dazu beigetragen, jene verheßende Agitation lahm legen zu können, welche die angeblihe „Brotvertheuerung für den armen Mann“ zum Aus- gangspurkte nahm. ; E

Es ift nun von Interesse, zu beobacten, wie allmählich weitere Kreise in die Erörterung über die Detailpreise eintreten, und wie in diejer Erörterung wesentlich allgemeinere wirthshaftliche Gesichtépunkte als die des Zolles und der Vertheuerung zum Ausgangépunkte ge- nommen werden. A

So- brachte kürzlich ein Fawhblatt der Eisenindustrie, „Stahl und Eisen*, welches neben rein technishen Fragen auch wirthschaft- lihe und soziale Probleme erörtert, eine Abhandlung, welche aus- führte, wie die Großindustrie gut thun würde, \sich nit nur, wie es Seitens der industriellen Kartelle geshicht, um die Engroëpreise und die Regelung der Produktion zu bekümmern, sondern vielmehr „nah Mitteln zu \uchen, welche Detail- und Engrospreise in angeme}enerer Wechselbeziehung zu einander erhielten“. Zwei Möglichkeiten hieß es dort seien ins Auge zu fassen : erstens könne bei sinkendemEngrospreise der Detailpreis demselben nit folgen, dann werde der Konsum des Ar- tikels niht denjenigen Umfang erreichen, den er anderen Falles gerade in Folge des eingetretenen Preisrückfgangs erreichen müßte. „Zweitens aber fórne bei steigendem Engrospreise vermittelst der zwischen den Detaillisten obwaltenden Konkurrenz der Detailvreis auf feinem Stande verbleiben, dann werde die Wirkung sein, daß der Absatz des Artikels wegen des verminderten Gewinnes der Detaillisten für die Produzenten s{chwieriger wird; dieser Umstand müsse auf den Engrospreis zurückwirken und die eîn- getretene fteigende Tendenz desselben rüdckläufig - werden laffen. Beide Fälle aber verliefen zum Nachtheile der Großindusftrie, und deshalb hâtte dieselbe alle Ursache, der Bewegung der Detail- preise ein ebenso nachhaltiges Interefse zuzuwenden, wie derjenigen der Engroëpreise. Auf Grund dieser Pon wurde als eine voraus- sihtliche Zukunftskeftimmung der wirthschaftlihen Kartelle hingestellt, „ihre Aufgaben au dahin zu erweitern, daß die ihnen beitretenden Unternehmer h verbinden, an die „nähfte Hand“ nur dann abzu- geben, wenn fi L verpflichtet, auf ey erd Preise angemessen in Bezug den Engrospreis zu halten“.

Einer durchaus ideeverwandten Auseinandersezung begegnete man kurz darauf in einem landwirthschaftlihen O rgan, der „Deutschen

landwirtbs{haftlihen Presse“. Diese gelangte, nahdem das bestekende Mißverbältniß zwischen den Engros- und den Detailpreisen fc Ge: treide und Brot resp. Vieh und Fleis ftatistisch naGgewiesen wor- den, zu dem Resultat: Die landwirthschaftlihen Kreise sollten diese Dinge nicht unbeachtet lassen. Auf die öffentlihe Meinung. speziell auch für volfswirthschaftlihe Angelegenheiten, seien die Städte- bewobner von weit größerem Einfluß, als die landwirthschaftlichen Interessenten. Behaupteten tere, die Engro8preise ihrer Pro- dukte seien für fie ruinös, fo ftellte die tägliße Erfakrung der Städter dem entgegen, so s{limm, wie die Agrarier die Sade matten, könne fie doch wobl nit sein, „denn bis jeßt sind die Brot- und Fleishpreise de ncch nit gesunken“. In der kierin berübrten Verthcuerung der Detailpreise werde jedoch cin Lebens- interefse der Landwirtbschaft getroffen. Wie wichtig es immer sein möge, den Ursahen nachzuforshen, wegen deren die Getreidepreise 2c. sanken, nicht minder wihtig sei gewiß, klar zu stellen, wzlche Faktoren im Wirtbichaftsleben verbirdern, daß Brot- und Fleischpvreise der sinkenden Tendenz der Engroëpreise folgen. Schließlich die Mahnung : „Diejenigen Körperschaften, Vereine 2c., welhe die Aufgate haben, die landwirthschaftliden Interessen zu wahren, sollten au dieser via der Preisfragen ihre Aufmerksamkeit mebr als bisher zu- wen

_ Während man sib jedoch auf landwirtbs{aftliber und indu- strieller Seite ncch mit der theoretischen Frage befaßt, wie der von dem Produzenten erzielbare Engroëpreis und der von dem Konsumenten zu zablende Detailpreis zu einer folchen Relation cebracht werden könnte, daß die Intereffen des Produzenten dabei ebenso ihre Berüdck- sichtigung finden, wie die des Konsumenten, ift bekanntlid der Buch- handel bereits dazu übtergegancen, praktis die Detailpreise für seine „Produktion“ zu regeln. Der „Börsenverein Deutscher Buchkändler* kann in gewissem Sinne als das älteste der wirthschaftliden Kartelle betrachtet werden, indem _ in ihm {on seit mehr als 50 Jahren die wirtbschaftlichen Interessen dieses Gewerbes ihre Vertretung und Wakrung fanden. Wenn nun der Börsenverein neuerdings seine Organisation infofern ftraffer anzog, als er die Detailliften (Sorti- menter) verpflihtete, die von den Produzenten (Verlegern) geseßten Preise zu halten, so wurde hiermit wirtbs{chaftlich ganz dasselbe in der Praxis gethan, wovon jene beiden angeführten Erörterungen bis- He a theoretish betreffs der Großinduftrie und der Landwirthschaft prachen.

So wenig jedech die Schwierigkeiten zu untershäßen sind, die si der Lösung dieses Problems entgegenfstellen, so deutet dob der Umstand, daß man von den verschiedensten Seiten sciner Lösung näber tritt und seine volkêwirthschaftlihe Bedeutung anzuerkennen si anshickt, darauf bin, daß unsere Mantefterdoktrinäre sich gewaltig irren, wenn fie davon träumen, es bereite sich in den Geiftern eine Umkebr zu ihren Prinzipien vor. Die bier zusammengestellten Vor- gânge deuten eber auf alles Andere, als auf eine Umfkebr im Sinne der Manchefterdoktrin bin.

Die „Hamburger Nachrichten“ schreiben :

Wir müssen es doch für das Richtigere balten, wenn die preußischen Nationalliberalen vermeiden, den Kampf gegen die Konser- rativen ofen zu proklamiren und si darauf bes@ränken, in den ein- zelnen Wablkreisen Verständigung mit den Konservativen zu suchen. Wo diese ganz auësidtélos ist, bliebe ja immer die Mögli&keit bestehen, je nah Maßgabe der örtlichen Verhältnisse und der Persönlichkeit der vorhan- denen Kandidaten entweder ohne Rüdlsiht auf die Konservativen cinen eigenen Bewerber aufzuftellen, wenn deffen Wabl als gesithert gelten kann, oder aber, menn derselbe notorisch keine Aussichten bat, einen folchen überhaupt nicht erft aufzustellen, sondern einfach für den fonfser- rativen Kandidaten zu stimmen; denn dieser stände ihnen {ließli immer noch näker als ein ultramontaner oder frcisinniger Konkurrent. In jedem Falle aber wird es nöthig sein, dem Wakhl- kampfe zwishen Nationalliberalen und Konservativen jede tiefer gehende Erbitterung fernzubalten; denn die beiden Parteien find gerade für die nächste Zukunft unter dem neuen Regime mehr denn je auf einander angewiesen. Das muß vor allen Dingen im Auge behalten werden. Die kommenden Ereignisse stellen große An- forderungen an unser Volk; ihnen kann nur entsprochen werden, wenn wir an die Stelle des Parteigeistes den nationalen, den patriotishen segen. Das aber kann einzig durch Verschmelzung der gemäßigten Elemente des Liberaliëmus und des Konservatië#mus geschehen, dadur, daß diese sich immer mebr daran gewöhnen, das ihnen Gemeinsame in den Vordergrund, tas sie Trennende in den Hintergrund treten zu lassen ; es gilt, die Konservativen ihre Hinneigung zum Ultramoutanismus, die Nationalliberalen ihre Verwandtshaft mit dem Freisinn vergeffen zu laffen, fie beide unter Auëschluß der „Kreuz-Zeitungs*-Elemente von rechts und der unsicheren Kantoniften von links zu einer großen Gruppe zu vereinigen. Bebält man diesen Zweck im Auge, so er- seinen alle Gesichtspunkte, welche gegen seine Verfolgung auch bei den jetzigen preußischen Landtagswahlen spreben, doch fleinlih und entbehren des auéshlaggebenden Gewichts, das ihnen auf den erften Blick inne zu wohnen \ch{eint.

__— Zu den Landtagswahlen in Posen und Westpreußen wird der „Magdeburgischen Zeitung“ geschrieben:

Es sind verschiedene Umftände zusammengetroffen, welhe dem Ausfall ter Wahlen in den Bezirken mit gemis{hter oder mit über- wiegend polnisher Bevölkerung ein größeres Intercefse verleihen, denn in früheren Jahren. Seitdem die lezten Wahlen zum preußishen Abgeordnetenbause stattgefunden, sind in Westpreußen und Posen neue Kreise gebildet, andere in ibren früheren Grenzen verändert worden. Wenn für diese Maßregel auch nur Verwaltungsrücksibten entscheidend gewesen sind, so könnten die vorgenommenen neuen Kreiseintheilungen doch au auf den Ausfall

- der Waklen sich von Einfluß erweisen. Sicher werden eine Wirkung

in diefer Richturg ausüben die inzwischen erfolgten Ansiedelungen deutsher Kolonisten in früher fast rein polnishen Bezirken. Mag die Wn derselben vorläufig noch gering sein, son das Auftauchen deutscher Bauern da, wo bisher das polnische Element das entscheidende war, wird in moralisher Beziehung einen günstigen Eindruck nicht ver- fetlen. Und bedeutsamer muß es noh erscheinen, daß durch den Aus- kauf einer großen Anzahl polniscer Grundbesißer der polnischen Agitation in einer ganzen Reihe von Kreisen das Rückgrat gebrochen ift. Die national-polnische Presse zeigt sich_ denn au nit wenig beunruhigt über den Ausfall der Wahlen. Son diese Ungewißheit, ob es fernerhin nod möglich sein wird, den Besißftand der polnischen Mandate in seinem biéherigen Umfang zu vertheidigen, muß als ein

winn bezeihnet werden, selbst wenn der erfte Anfturm für das Deutschthum nur geringe Erfolge ergeben sollte.

Nachtrag zu Nr. 33 des Central-Blatts für das Deutsche R ei ch. Inhalt: Kolonialwesen: Verordnung, betreffend die Rechtsverhältnisse der Landesbeamten in den Schußgebieten von

amerun und Togo. Zoll- und Steuerwesen : Bestellung eines Siationskontroleurs. Errichtung - von Zuckersteuerstelen. Bundesratbsbeshluß, betreffend Einführung einheitliher Zoll- und Steuerformulare. Neue Redaktion der Normativbestimmungen für die Hafenregulative.

Statistische Nachrichten.

_ Gemäß den Veröffentlihungen des Kaiserlihen Gesund- beitsamts sind in der vom 29. Juli bis 4. Augujt cr. von je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdurhschnitt storben

E! in Berli i

n Beuiers 22,8, in Wier

4 “n May Nene 33,0,

E Paris V in sel E

in London 15,9, in Gl 18,2, in Liverpool 18,6, in Dublin 21,1;

in Edinburg 15,7, in Kopenhagen 205, in Stockbolm 18,5, in

Cbriftiania 20,3, in St. Petersburg 30,3, in Warschau 25,7, in

Ddeffa 31,8, in Rom 28,5, in Turin 20,6, in Venedig 32,1, in

Alerandria 48,9. Ferner in der Zeit vom 8. bis 14. Juli cr.

in New - York 36,2, in Philadelphia 23,0, in Baltimore 29,7, in Kalkutta“ 19,5, in Bombay 25,4, in Madras 29,3.

Die Sterblichkeit hat in der Berichtswoe in einem Theile der europâäishen Großstädte wieder etwas zugenommen, während sie in einem anderen Theile, namentlich_ in den füd- und westdeutshen Städten, vielfach kleiner wurde. So werden fehr kleine Sterblich- feitEziffern (bis 15,0 pro Mille und Jahr) aus Duiéburg, Lübe, Franffurt a. M. gemeldet. Sehr günstig, wenn auch etwas böber (bis 20,0 vr. M. u. F.) war die Sterblichkeit in Wiesbaden, Bochum, Dortmund, Bremen, Varmen, Elberfeld, Stuttgart, Mainz, Darmstadt, Hannover, Braunschweia, Amfterdam, Paris, London und in den größeren englishen Städten, sowie in Stockholm. Mäßig beh (etwas über 20,0 pr. M. u. I.) _ war die Sterblichkeit in Straßburg, Dreêden, Leipzig, Aaten, Kaffel, Kopenhagen, Ckriftiania, Dublin und Turin. Sehr bob (über 35,9 pr. M.) war die Sierblichkeit unter den deutsck&en Städten in Halle und Magdeburg. Unter dcn Tode2- ursaben waren es vornehmlich Darmfkatarrhe und Brechdur(fälle der Kinder, die in Bérlit, Hamburg, Münwen, Dresden, Leipzig, Köln, Königéberg, Danzig, Magdeburg, Düffeldorf, Stettin, Wien, Pest, Paris, Brüssel, London, St. Petersburg zablreite Todesfälle ver- anlaßt baben. Au in Breslau, Straßburg, Warschau war die Zahl der Opfer ¿war eine große, jedo eine kleinere als in der Vorwo@e. Der Antheil des Säuglingsalters an der Gesammtsterbli&feit war im Allgemeinen ein größerer, in Berlin ein kleinerer als in der Vorwohe. Von je 10 000 Lebenden starben, aufs Iabr berechnet, in Berlin 117, in München 161 Säug-

mein seltener als Todeëur})achen angeführt. Von den Infektions- franfhciten wurden Sterbefälle an Masern, Swarlach und typhöfen Fiebern in geringerer, an Diphtherie, Keubbusten und Pocken in ge- steigerter Zabl mitgetheilt. So haben Todesfälle an Ma] ern in Ham- burg, Wien, Prag, Paris, St. Petersburg abgenommen , während sie in Berlin, Krakau, London etwas en. Erkrankungen wurden aus faft allen Orten, aus denen Berichte vorliegen, in geringerer Zabl zur Anzeige gebracht. Todesfälle an Scharla ch waren in Danzig, London, Warschau seltener, in Met und St. Petersburg etwas ge- steigert. Neue Erkrankungen kamen aus den meisten Berichtsorten in verminderter Zabl zur Mittheilung. Die Sterblichkeit an Diphtherie und Croup war in Berlin, Hamburg, Breslau, Köln, Paris, Wien, Prag, Christiania, St. Petersburg eine zum Theil nur wenig größere, in München, Pest, Kopenhagen, London, Warschau eine etwas kleinere, als in der Vorwoche. Neue Erkrankungen wurden jedoch meist in geringerer, nur aus München in etwas gestei- gerter Zabl berihtet. Typhöôse Fieber haben in Berlin die gleiche, in Hamkurg, Varis und London eine kleinere, in St. Petersburg eine rur wenig größere Zabl von Sterbefällen hervorgerufen. Neue Er- kfranfungen famen in Berlin und St. Peteréburg etwas zabhlreicher zum Vorschein. An Flecktyphus kam 1 Todesfall aus Königsberg, 2 Erkrankungen aus St. Peteréburg, 4 aus dem Regierungsbezirk Düffeldorf zur Anzeige. An epidemischer Genickitarre wird 1 Todesfall aus Kopenkagen, je 1 Erkrankung aus Kopenhagen und aus dem Regierungsbezirk Schleswig mitgetheilt. Rosenartige Entzün- dungen des Zellgewebes der Haut waren in Kopenhagen nicht selten. Der Keuchufsten hat in Berlin und London weniger, in Dublin mebr Todesfälle veranlaßt. Erkrankungen waren in Hamburg, Kopen- bagen, Stockholm und Wien etwas bäufiger als in der Vorwoche. Einzelne Todesfälle an Pocken kamen aus Berlin, Wien und seinen Vororten, und aus Paris zur Anzeige, mehrfache aus Lyon (2), Triest (4), Prag (10), Warschau (13). Erkrankungen wurden aus dem RegierungEbezirk Hildesheim unv aus Pest je 1, aus Breélau ?, aus Wien 3, aus St. Petersburg 4 zur Anzeige gebracht.

Die sanitären Verbältniffe in, Berlin blieben auch in dieser Beriht¿wohe günstige und die Sterblichkeit eine mäßig hohe. Namentlich zatlreih waren Todesfälle an Darmkatarrhen und Brech- durchfällen der Kinder, die, wenn auch ein wenig häufiger als in der Vorwoche, doh erbeblich weniger Sterbefälle als in der entsprechen- den Woche des Vorjahres veranlaßten, wo diesen Krankheitsformen 396 Kinder gegen 168 in der Berichtswoche zum Opfer fielen. Die Betbeiligung des Säuglingëéalters an der Gesammtsterblihkeit war eine geringere als in der vorangegangenen Wohe. Sehr abge- nommen haben auch Erkrankungen an akuten Entzündungen der Athmungsorgane und zeigten vielfah einen milden Verlauf. Von den Infektionskrankheiten kamen sowobl Erkrankungen an Masern, wie an Starlach und Diphtherie seltener zur Meldung; am bäufigsten zeigten sch Masern nur noch im Stralauer Viertel. Dagegen haben typhöôse Fieber etwas mehr Er- krankungen bervorgerufen, doch_ famen sie in feinem Stadtviertel in nennenswertber Zahl zum Vorschein. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut und Erkrankungen im Wocbenbett zeigten gegen die Vorwoche keine wesentliche Veränderung auf. Weitere Erfran- kungen an Pocken sind nicht gemeldet worden. Erkrankungen und Sterbefälle an Keuchhuften wurden seltener bekannt, au gelangten nur wenige Erkrankungen an rheumatishen Beschwerden zur ärztlichen Behandlung.

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

_ Das 6. Ausfstellungsheft der „Kunst für Alle“ ent- bâlt als erste der vier ganzseitigen Bilderbeilagen Defregger's Bildniß Sr. Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten Luitpold. von Bayern in der Joppe des Gebirgsjägers. Es folgen dann Ernft Zimmermann's „Christus consolator“, „Die Panzer-Korvette „Oldenburg“ auf der Werft des Vulkan* von Hochhaus und eine prächtige, ober- österreihishe Landschaft von Has. Den Text, welchen Fr. Pecht mit der „Malerei der übrigen Nationen“ eröffnet, s{müdcken eine Anzabl JUustrationen nah Felderhoff, J. Scholy, Eberle, Stüel- berg u. a. in musterhafter Wiedergabe. Wenn wir dem noch binzu- fügen, daß Georg Voß über die Berliner Akademishe Ausstellung berihtet, während Hermann Heiberg in einer anziehenden Novelle : «Er vergaß, daß er ein Maler war“, auch dem, welcher sich nur unterhalten will, eine amüsante Lektüre gewährt, so haben wir damit den reihen Inhalt des Heftes noch nit erschöpft, welches für den Preis von 60 ck geboten wird.

„Das 3. Pommershe Infanterie - Regiment Nr.14 von seinerGründung bis zumJahre 1888." Auf Grund der Vorarbeiten des Generals der Infanterie von Verdy du Vernois, des Premier-Lieutenants Werner und anderer Offiziere, von Paul von Schmidt, Oberst-Lieutenant und etatsmäßiger Stabsoffizier des Regiments. Mit Kartenskizzen von Lieutenant Frühling. Berlin, 1888, Sl Liebel’sckchen Buchhandlung. (Pr.2,50 46) Für die vorliegende, möglihst knapp gehaltene Schilderung der Erlebnifse des Regiments, welche die allgemeinen Verhältniffe nur erwähnt, insofern fie für das Verständniß unentbehrlih waren, find außer den Kriegstagebüchern - die im Titel erwähnten Vorarbeiten sowie verschiedene andere Einzel- schriften und Correspondenzen früherer Offiziere des Regiments beriußt. Das Buch, welches sich insbesondere auch an die Unteroffiziece und Mannschaften des Regiments wendet, wird allen Kameraden, welche die Nummer 14 getragen haben und noch tragen, gewiß will- kommen fein.

Sanitäts-, Veterinär- und Quarautänewesen.

Rußland.

Zufolge einer Anordaung des General-Gouverneurs zu Odessa werden die Provenienzen aus den Häfen Japans in Odeffa einer ärzt-

lihen Unterfuchung unterzogen.

linge. Akute Entzündungen der Athmungsorgane wurden allge-

Gewerbe und Handel.

_Der Cours für die in Berlin zahlbaren Oesterreihishen Silber-Coupons ift auf 166 Æ für 100 Fl. öfterreihish Silber erhöht worden.

_— Die Direktion des Afktien-Bauvereins „Passage“ tbeilt mit, daß dem Auffichtsrath eine Semestralbilanz vorgelegt worden ist; das Geschäftsresultat ift ungefähr dasselbe wie im BVeorjabre. :

In der gestrigen außerordentlihen Generalversammlung ter Façon-Schmiede und Schrauben-Fabrik gelangte folgender Beschluß zur Annabme: „Diejenigen Stamm-Aktien, deren Inbaber von der in der Generalversammlung vom 11. Juni 1887, beziebungs- weise vom 27. Auguft 1887 ihnen einaeräumten Befugniß keinen Gebrau gemadt baben, dies noch jeßt thun wollen, und von diesem Recht bis zum 25. August 1888 Gebrau machen, werden gegen eine Zuzablung von 120 % für jede Stamm-Aktie über 600 .# in Stamm-Prioritäts-Aktien gleihen Betrages umgewandelt, dergestalt, daß demnächst jede Stamm-Aktie na erfolgter Zuzablung als Stamm- Prioritäts-Afktie über 690 Æ# gilt. Demjenigen, der mindestens 30000 Æ Stamm-Aktien zur Umwandlung gleichzeitig einreicht, wird die Zuzahlung auf den in der Generalversammlung vom 27. August 1887 festgesetzten Betrag von 50°%/ nebst 5% Zinsen vom 1. Januar 1888 ab bewilligt.

_— (D. B. Z.) Die gestern in Köln abgehaltene General- veriammlung des Drabtwalzwerkverbandes lehnte die beantragte Ans des S ab. °

Der „K. Z.* zufolge wurde in einer Situng des Aufsi{hts- raths der Aahener Disconto-Gesellschaft Bes 11. d. M. der aus den Defraudationen erwachsene Verlust auf 14 Millionen ge’schägt. Unter Anrebrung sämmtlicher diesjährigen Verluste und des baibjährigen Gewinnes beträgt der Kapitalverlust etwa eine Million. Ï E Der sechzehnte internationale Getreide- und Saatenmarkt in Wien wird am 27. und 28, August 1888 im Lagerhause der Stadt Wien (K. K. Prater) abgehalten werden. Gleichzeitig mit diesem Markte findet in Wien die Generalversamm- lung des Verbandes öfterreihis her Müller und Mübleninter- essenten ftatt. Nach dem Programm des Saatenmarkts ift der 27. August dem Vortrage der Ernteberihte aus: Oesterrei%-Ungarn, Preußen, Sachsen, Bayern, Württemberg, Baden, Frankrei®, Italien, England, Rumänien, sämmtlihen Theilen Rußlands, Indien und Nord-Amerika, der 28. August den Geschäften gewidmet. An- meldungen werden_ im Sekretariat der Wiener Frucht- und Mehl- bôrse (I, Börsegafse 18) entgegengenommen, und daselbst den Theil- nehmern Auskünfte über die Fahrpreis-Ermäßigungen ertheilt, welhe in faft sämmtlichen öfterreibisch-ungarishen Verkebrêribtungen für die Reise von und nach Wien von den Transport-Anstalten gewährt worden sind.

Dortmund, 12. August. (Köln. Volk3ztg.) Auf dem Koblen- markt hat si die Lage in der lezten Wotbe im Allgemeinen wenig geändert. Ein ziemli guter Absay bat angehalten; der Versandt ging unter normalen Verbältniffen glatt von Statten, da von einem Waagonmangel nihts zu bemerken war. Die Preise erhielten si auf der bisherigen Höbe. Die im vorigen Wochenbericht gemeldete Abschwähung der Nach{frage dauert aber an, indem - neue Aufträge auch in der abgelaufenen Wo§e nur in verbältni5mäßig geringer Menge einliefen. Wenn auc die jetzige Jahreszeit zum Theil der Grund für diese Erscheinung sein mag, so wird doch die Thatsache nit binwegzuleugnen sein, daf die auf dem Eisenmarkt eingetretene Stille nachtbeilig auf den Koblenmarkt einzuwirken beginnt. Mit dem Eintritt des Herbstes gestaltet sich naturgemäß das Koblengeshäft wieder lebhafter, weshalb au vielleidt anzunehmen ift, das der Ausfall an Industriekohlen mit Beginn des nächsten Quartals dur den Mehrbedarf an Hausbrandkoblen erseßt werden wird. Gegen- wärtig stehen die Gruben noch immec in flotier Förderung, und Koks, Kokskohlen, Gas- und mazere Förderkoble sind noch immer gut begehrt. Das geplante Koks-Svndikat gilt als gesihert und soll in nächster Zeit ins Leben treten. Das neue Absaß- gebiet in Belgien und den Niederlanken ift bis jeßt mit Erfolg be- hauptet worden. Die um dur{schnittlich 20 % ermäßigten Zecben- (Anfckluß-) Fraten werden ibre günstige Einwirkung auf die Koblen- Industrie nit verfehlen; indeß wird mit Ret über einige Härten bezügli der Zu- und Abfuhr sowie der Rangirgeschäfte auf den Zecbengelcisen geklagt. Die Preise sind zur Zeit allerdings recht günstig, werden indeß durch die Steigerung der Preise für Gruben- materialien und der Arbeitslöbne sehr beeinträdhtigt, so daß noch immer viele Zechen, namentli diejenigen, welhe mit Grundbu(- schulden belastet sind, obne Ausbeute arbeiten.

London, 13. August. (W. T. B.) An der Küste angeboten 1 Weizenladung.

Glasgow, 13. August. (W. T. B.) Die Ver schiffungen von Robeisen betrugen in der vorigen Woche 8800 Tonnen gegen 6800 Tonnen in derfelben Woche des vorigen Jahres.

__ Bradford, 13. August. (W. T. B.) Wolle stetig, Merinotops fester, Mobairwolle flauer, Garne mäßig, Stoffe rubiger.

New-York, 3. August. (New-York. Hdls.-Ztg.) Das legitime Gesch äft ift auc in dieser Berihtswoche durchaus befriedigend ver- laufen, und die Aussihten auf eine gedeiblihe Weiterentwickelung desselben bleiben gute. Die Ernteaussihten sind für Weizen, besonders aber für Mais, anhaltend günstige; auch die Vaumwollernte versprit einen normalen, wenn auch späten Ertrag. Aus den großen Handels- centren des Inlands, wie beispielsweise Philadelphia, Baltimore, Cleveland, Detroit, St. Paul, Nashoîille, Galveston, Omaha u. f. w. wird eine merflihe Belebung in Handel und Wandel fignalisirt.

Submisfionen im Auslande.

Spanien.

1) Anfang September. Junta de Administración y Trabajos del Arsenal de la Carraca. Materialien und verschiedene Gegen- stände zur Herstellung von nautishen Instrumenten. Voranschlag: 3754,16 Pesetas. Kaution: 187 Pesetas.

2) 14. September, 12—1 Uhr. Delegación de Hacienda in Mur:ia. Sciffsrumpf, Maschinen und Kefel 2c. für den Dampfer eLÆepanto* in Cartagena. Voranschlag: 63 010,80 Pesetas, Kaution: vorl. 5 °/9, endg. bis 63 010,80 Pesetas.

3) Obne Datum. Sekretariat der Commandancia Seneral del Arsenal de Ferrol. Kuppeldach mit Metallgeripp. Vorans{hlag: 12 344,86 Pesetas, Näheres an Ort und Stelle.

Verkehrs - Anftalten.

London, 13. August. (W. T. B.) Der Union-Dampfer eMerican“ if beute auf der Ausreise von Lifsabon abgegangen.

Theater und Musik.

Im Belle - Alliance - Theater tritt morgen in dem neuen Einakter „Otbello’s Erfolg“ der beliebte Komiker Hr. Adolf Pt e längerer Zeit zum ersten Male wieder vor das Berliner

ublikum.

ImFriedrich-WilhelmstädtishenConcertpark findet morgen, Mittwoch, das dritte Parkfest ftatt. Auch für diesen Abend H L E und reiches Concert- und Vortragéprogramm in Aus- nchckcht ge!teut.

Manuigfaltiges.

Die deutsh-nationale Kunftgewerbe- Ausftellung in München, 1888. II. (Aus der , ishen Gewerbe-Ztg.*) Bayern steht mit seiner Ausftellerzabl in erster Reibe und voran unter den 646 Ausftellern des Landes München mit ca. 300 Namen, München allein weist 16 eingerihtete Zimmer auf; Metallarbeiten baben ca. 60 Aussteller ausgestellt, wozu noch ca. 30 Schlofsermeifter kommen. Möbel, Sc{hnitzarbeiten x. find durch 40 Aussteller ver-