1888 / 221 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Bei dem inn der Tavstanblung überreiht die Ober- nen Grä n Ba Nus var sf drin M aienät er nigin von Sachsen den Hohen ing, n im Moment der Taufe Se. Me nat der Si von weden und Norwegen übernehmen. Nah Schluß der heiligen Handlung übergeben Se. Majestät der König von Shweden und Norwegen den Hohen Täufling der Ober - Hofmeisterin e von Brocckdorff, um Höchst- E hrer Majestät der Kaiserin und Königin zu überr ; Die Allerhöchsten und -.die- Höhsten Herrschaften bringen nah A Schlusse der Taufhandlung 1h Majestät der Kaiserin und Königin Ihre Glüdckwünsche dar, worauf Jhre Kaiserlihe und Königlihe Majestät in dem Theezimmer König Friedrih's des Großen Majestät von den andern Taufzeugen eine Defilir-Cour anzunehmen geruhen wollen.

Nach Beendigung der Cour. begeben die Allerhöchsten und die Höchsten Herrschaften Sih unter dem großen Vortritt nah dem Marmor- Saale, woselbst Gala-Tafel stattfindet. - ,

Auf Sr. Kaiserlichen und Königlichen Majestät Allergnädigsten Spezial-Befehl.

Berlin, den 27. August 1888. Der Ober- Ceremonienmeister. Graf A. Eulenburg.

Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten. Dem Domänenpächter Bock zu Waldhof, Regierungs- Bezirk Lüneburg, ist der Charakter als Königlicher Ober- Amtmann beigelegt worden.

Ministerium der geistlihen, Unterrichts- und 5 Medizinal-Angelegenheiten. Am Schullehrer-Seminar ju Löbau ist der Schulamts- Kandidat Moslehner als

fslehrer angestellt worden.

S

Angekommen: Se. Excellenz der Minister des Jnnern Herr furth, aus Westpreußen.

Nichtamtliches.

Deutsches Reich.

_ Preuszen. Berlin, 30. August. Gestern fand im Lustgarten zu Potsdam die feierlihe Uebergabe der von Sr. Majestät dem Kaiser und König dem Leib - Garde- Husaren-Regiment verliehenen Standarten-Bänder statt. Zu derselben begaben Sih Se. Majestät gegen 8 Uhr Morgens zu Pferde nah dem Lustgarten. Nach beendigter Feier seßten Se. Majestät Sich an die Spitze des Regiments und begleiteten dasselbe nah der Kaserne. i

Gegen 91/2 Uhr kehrten Se. Majestät der Kaiser nah dem Marmor-Palais zurück und empfingen von 10—11 Uhr den Chef des Generalstabes der Arm-e, Grafen Waldersee, uns von 11—121/, Uhr den Chef des Civilkabinets zum Vor-

age. : nah Bald darauf fanden zahlreihe militärishe Meldungen a

__ Nach denselben konferirten Se. Majestät der Kaiser mit dem Ober-Ceremonienmeister Grafen zu Eulenburg und mit dem Ober-Stallmeister von Rauch.

Den größten Theil des Nachmittags verbrachten Se. Majestät zur Erledigung von Regierungsgeshäften im Arbeitszimmer.

Die Bestimmung des §. 19 Absag 1 der Verordnung vom 5. August 1885, wonach im Rekursverfahren „inner- halb der erhobenen Ansprüche“ erkannt werden soll (vergleiche d 18 Absag 1 der Verordnung vom 2. November 1885), ließt, nah einer Rekursentscheidung des Rei chs- Versiche- rungsamts, vom 30. April d. J., die Anwendung der zwingenden Ordnungevorschrift des 8. 66 Absag 2 des Unfall- versicherungsgeseßes niht aus. Es wird demgemäß innerhalb der erhobenen Ansprüche erkannt, auch wenn der vom Ent- shädigungsberectigten ziffernmäßig geforderte Monatsbetrag der Rente (z. B. 44 # 86 Z) auf volle 5 5 nach obenhin (also auf 44 # 90 F) abgerundet wird.

Ueber die allgemeinen Gründe, welche eine wenn auh nur theilweise Anwendung der Gebührenordnung vom 7. Juli 1879 auf das ete Des in Unfallversicherungssachen ausschließen, hat sich das Reihs-Versiherungsamt in einer Rekursentsheidung vom 14. Mai 1888 (Nr. 544) unter Bezugnahme auf die Entscheidung 371 folgendermaßen. aus- gesprochen: Abgesehen von den in dieser Entscheidung dar- gelegten, der Gebührenordnung selbst und den Motiven dazu entnommenen Gründen spriht gegen die Anwendbarkeit der Gebührenordnung au der Umstand, daß das von Amtswegen L ete und auf Ergründung materieller Wahrheit zu rihtende Verfahren vor den Schiedsgerihten und dem Reichs- Versicherungsamt von Grund aus verschieden ist von dem- jenigen vor den ordentlichen bürgerlichen Gerichten (zu ver- gleichen Rundschreiben vom 2. Juli 1887). Während dem- entsprehend in dem Verfahren nah der Civi ordnung der Anwalt einer Partei fast vollständig deren Rolle dur(- führt (S. 81 ff. der Civilprozeßordnung), und fih nah diesem Gesichtspunkte die Vergütung für seine Mühe- waltung nah Maßgabe der Gebührenordnung bemißt, wird in dem Verfahren vor den Schiedsgerihten und vor dem Reichs-Versicherungsamt in der Rekursinstanz eine Vertretung der Partei durch einen Anwalt nit entfernt dieselbe Bedeu- tung, beanspruchen können und deshalb auch immerhin eine Ausnahme bilden. Die Dur@hführung des Verfahrens, welche ua der Civilprozeßordnung von Anfang bis zu Ende dem Betreiben der Parteien beziehungsweise ihrer Vertreter über-

Entscheidung 397), welche leßtere unter Ueberge ten ers rechtswirksam an die Partei selb erfolgen kann (Entscheidung 295). Sonäch i} die Stellung des Anwalts im schiedsgerihtlihen und Rekursverfahren, wenn dessen Zuziehung in besonders s{hwierigen Fällen erfor- derlich erscheint, eine vor. der Stellung des Anwalts im Ver- fahrên vor den ordentlihen bürgerlihen Gerichten durchaus verschiedene. Auch die Bestimmungen über die Kosten des Verfahrens weisen auf eine solche Verschiedenheit hin, da diese Kosten niemals den Parteien als solchen zur Last fallen, viel- mehr bei dem \{hiedsgerihtlihen Verfahren von der Berufs- enossenschaft (8. 50 Absaß 5 des Unfallversiherungsgesetes), ei dem Rekursverfahren vom Reih getragen werden (8. 20 der Verordnung vom 5. August 1885). ei Berücksichtigung aller dieser Gesichtspunkte wird für die Zubilligung und Fest stellung der Gebühr für einen vor dem Schieds- und Rekurs- geriht auftretenden Rechtsanwalt freies Ermessen maßgebend sein müssen, wobei die jedesmalige Sachlage und die in der Sache aufgewandte Mühe und Thätigkeit des Anwalts in angemessener Weise zu berücksichtigen sind.

In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „R.- U. St.-A.“ ist eine Allerhöchste Ordre, vom 11. Zuli d. J., betreffend das revidirte Statut für die Pro- vinzial-Hü lfskasse der Provinz Posen, den Dritten Nachtrag zu dem Regulativ vom 16. August 1871, betreffend die Verwaltung der provinzialständishen An- stalten und Einrihtungen für Jrre, Taubstumme und Blinde, sowie zur Unterstüßung angehender Er- zieherinnen in der Provinz Posen, ferner das dem Pro- vinzial-Verbande der gedahten Provinz wegen Ausgabe auf den Jnhaber lautender Provinzial-Anleihescheine bis zum Betrage von 10 Millionen Mark ertheilte Privilegium, nebst dem in der Ordre erwähnten Statut, dem Nachtrag und dem Privilegium selbst, veröffentlicht. :

Der Königliche Gesandte in Hamburg, von Kusserow, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Que die Dauer der Abwesenheit desselben von seinem Posten fungirt der d:r Königlichen Gesandtschaft zugetheilte Königlich bayerishe Rechtspraktikant Kiliani als interimistisher Ge- \{häftsträger.

Zum Ehrendien s sind Allerhöhst kommandirt wor- den: zu Sr. Majestät dem König von Sachsen der General der Jnfanterie, General - Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Gouverneur von Berlin, von Werder, sowie . der Oberst-Lieutenant Graf von Keller, Abtheilungs-Chef im Großen Generalstabe; zu Sr. Königlichen Hoheit dem Groß- herzog von Mecklenburg - Shwerin der General-Major Graf ven Schlieffen, General à la suite Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Kommandant von Berlin.

Kiel, 30. August. (W. T. B.) Das große Festungs- und Flottenmanöver bei Friedrihsort wurde in der vergangenen Nacht fortgeseßt. Der die Angriffs- flotte kommandirende Contre - Admiral Knorr unternahm gegen 2 Uhr einen Landungsversuch in der Strander Bucht, welcher mit großer Exaktheit und Schnelligkeit ausgeführt wurde. Die wachsame Vertheidigung verhinderte aber das weitere Vordringen.

Bayern. München, ‘29. August. (W. T. B.) Der Kaiser von Desterreih wird morgen Abend Tegernsee verlassen und si zur Begrüßung der Kaiserin von Ruß- tand nah Gmunden begeben. Die Kaiserin von Oesterreich folgt am Freitag früh nah. Die Königin A IetTA von Spanien ist heute Abend zum Besuch ihrer Tochter, der Prinzessin Ludwig Ferdinand, hier eingetroffen.

Urtheile durch diese selbst einshließlih der Zustellung der

Oefterreih-Ungarn. Pest, 28. August. (Wien. Ztg.) Wie „Pesti Napló“ meldet, wurde im Landesvertheidigungs- Ministerium ein Geseßentwurf ausgearbeitet, nah welchem die ungarische Landwehr, in welcher bisher das Brigaden- system eingeführt war, nunmehr in Linienregimenter eingetheilt werden soll. Die diesbezüglihen Jnstruktionen werden vorbereitet. _— 29. August. (W. T. B.) Jn Folge Beschlusses des Ministeriums sind die Geschäfte des Kultus- und Unter- richts-Ministeriums, unter Leitung und Verantwortlich- keit des Staatssekretärs Berzeviczy, diesem und dem Staatssekretär Goenczy ‘anvertraut. Diejenigen Angelegen- heiten, welche der ministeriellen See laung bedürfen, sind dem Minister der öffentlichen Arbeiten, Baroߧ, vorbehalten.

Großbritannien und Jrland. London, 29. August. (W. T. B.) Ein „Reuter'sches Telegramm“ aus Pieter- marißburg, von heute, meldet: Der Aufstand im Zulu- lande ist in der Hauptsahe beendet. Die englischen Truppen räumen die von ihnen beseßt gewesenen Stationen; nur in Ceza bleibt eine Jnfanterie-Abtheilung zurüdck.

(A. C.) Ueber die Motive und Zwedcke der Sen- dung des Ministers Durand nah Kabul hat die indishe Regierung eine halbamtlihe Erklärung ver- öffentlichen lassen, welhe nah der „Times“ wie folgt lautet: «Der Emir gab jüngst der Regierung von Indien seinen ernsten Wunsch kund, daß irgend ein zuverlässiger Beamter Kabul einen Besuch abstatten und dort als Gast einige Zeit bleiben möchte, um ibn mit den Ansichten der (afgbanishen) Regierung über verschiedene Fragen, welde von Zeit zu Zeit erörtert wor- den sind, vollkommen bekannt zu machen. Es sind auf keiner Seite besondere - Umstände vorhanden, welche dieses Vorgehen Seitens Abdurrahman's hervorgerufen habea, allein Se. Hokeit erachtet die Gegenwart als eine gute Gelegenheit, um in freundlicer Weise alle zweifelhaften Punkte zu erwägen, welhe zwi- schen ihm selber und der Regierung von Indien bestehen. Sclche Purkte besteben stets zwisben zwei benachbarten Regierungen. În dem gegenwärtigen Falle ist der Wunsch des Emirs, dieselben durch direkte Verbind.irg mit dem Vertreter der indischen Regierung auf- zuklären, besonders befriedigend, da er beweist, daß sein oft ausgedrüdter Wunsch nach einem offenen Bündniß und inniger Freundschaft keine Aenderung erfahren hat. Es ift beschlossen werden, t& Einladung des Emirs anzu- nehmen und eine kleine Mission zu entsenden, welhe etwa am 1. Oktober von Fesyawur aufbrechen wird , falls inzwischen nit etwas eintreten sollte, um dies unwünshenswerth zu machcen. Mr. Durand, der auswärtige Sekretär, wird die Führung der Mission übernehmen, und der Vizekönig wird wabrsceinlich die Gelegenheit ergreifen, um ein Mitglied seines Stabes zu entsenden, welcher dem Emir seine persönlihen Komplimente und ein Lebewobl übermitteln soll. Eine kleine Eécorte eingeborener Truppen, wabhrscheinlich nur

lassen ist (vergleiche §8. 233 Absatz 2, §. 288 Absaz 1 der Civil- prozeßordnung), erfolgt vor den zuleßt genannten Behörden

t As Calcutta meldet der „Times“-Korrespondent unterm

Den neuesten Nachrihten aus Sikkim zufolge war der an- gedrohte thibetanische Angriff in Folge der Weissagungen von Sterndeutern und warnenden Orakeln verf choben worden. Währente der leßten paar Tage haben die Thibetaner allnähtlih “den Tukola-Paß überschritten, augensheinlih um unser - Lager zu rekognosziren. Nah dem in der Richtun von Zalep gehörten lauten Dröhnen zu urtheilen, müssen die Thibetaner Kanonen dorthin, geshafft haben. Mit Rücksiht auf die Bauart der Brücke über den Rongpu{u wurde deren Zerstörung be- schlossen. Die beiden Compagnien des Derbyshire-Regiments kamen nah einem äußerst: beswerlichen Marsch von Padong an; sie hatten anhaltenden Regen und waren genöthigt, fi gemietheter Trans- portmittel zu bedienen. Der Regen, begleitet von Wind, war so beftig, daß mehrere Brücken weggerissen wurden. Die von Bewohnern Sikkims von Enthi nach Gnatong gelangten Nachrichten besagen, daß 15 000 Thibetaner den Befebl hatten, aus dem Jalapla- Daß vorzurücken; sie sollten am 21. oder 22. d. M. aufbrechen.

ie Ankunft des 2. Bataillons der G urkas wird heute in Gna- tong erwartet. Die Truppen werden urterhalb des Forts am

lufse oberhalb Gnatongs ein Lager beziehen. Die Anlegung einer Straße von Pakyong nah Gantok wird emsig betrieben, und über den Fluß Rohri wird eine Brücckte geschlagen. Die Thibe- taner verweigern alle Friedeusunterhandlungen unter anderen Bedingungen als die, daß die britishen Truppen \ich voll- ständig und unverzüglih aus Sikkim zurückziehen. Sie scheinen ganz zuverfihtlid zu sein, uns aus Sikkim vertreiben zu können, wenn es ihnen gelegen scheine, ihre Stärke zu zeigen. Wie verlautet, bat die Regierung beschlossen, im Oktober cine Züchtigungs- Expedition gegen die Stämme im Schwarzen Gebirge zu entsenden. Die dazu nöthigén Pläne sind im Hauptquartier entworfen worden. Die Streitkraft wird aus 7000 Mann besteben.“

, Frankreih. Paris, 29. August. (W. T. B.) Der Minister-Präsident Floquet wird sich heute Abend nah Toulon begeben, um den Seemanövern beizuwohnen. Derselbe wird voraussihtlich mit dem Marine-Minister am Sonnabend hierher zurüdckehren.

_ Jtalien. Rom, 30. August. (W. T. B.) Der Minister- Präsident Crispi ist aus Mailand hier eingetroffen.

Nach Berichten aus Forli besuhte der König daselbst das Armenhaus und die Arbeiierhäuser. Jn den leßteren unterhielt sih der König mit den ärmsten Arbeitern. JZm Armenhause verfügte sich Se. Majestät auch in die Kranken- zimmer und sprach den Kranken Muth zu. Ueberall wurde der König mit lebhaften Kundgebungen loyaler Anhänglithkeit empfangen. Gestern Nahmittag traf der Herzog von Aosta in Forli ein und wurde vom König empfangen.

_ Rumänien. Bukarest, 29. August. (W. T. B.) Eine Meldung der „Agence Havas“ sagt: Die Polizei ver- hastete gestern in Sofia einen Briganten der Bellovaer Räuberbande, welcher den Weg über dort genommen hatte und Kleidungsstücke trug, welche den Briganten zugleih mit dem legten Lösegeld ausgehändigt worden waren. Derselbe war mit einem ferbishen Passe versehen und wird, vor ein Kriegsgeriht gestellt, binnen drei Tagen abgeurtheilt werden. Nach der Aussage des Gefangenen hätte sich ein Theil der Räuberbande von Bellova nah Macedonien, der andere nah Serbien gewandt, wo sich die Bande im April gebildet hatte.

Serbien. Belgrad, 28. August. (Wien. Ztg.) Die Ratifikationen des serbish-türkishen Handels- vertrages wurden gestern in Konstantinopel ausgetauscht.

Dänemark. Kopenhagen, 29. August. (W. T. B.) Der König von Griechenland ist heute Abend hier ein- getroffen und auf dem Ban von der Königin sowie dem Kronprinzen und seiner Gemahlin nebst deren Söhnen empfangen worden.

Afrika. Egypten... (W. T. B.) Nach einer Meldung des „Reuter'shen Bureaus“ aus Kairo, vom 28. d. M,, hätten am 27. d. M., um 11 Uhr Abends, 500 Derwische einen Angriff auf das Fort Khormoussa gema, welches eine Besaßung von 200 Mann hatte. Es wurden sofort aus Wadi-Halfa Ver- stärkungen unter dem Befehl des Lieutenants Macell gesandt, welcher die Derwische mit 100Sudanesen energisch angriff. Alle in der Festung befindlihen Derwische, im Ganzen 80 Mann, sowie die außerhalb des Forts befindlihen wurden getödtet. Der Verlust der Egypter beträgt 16 Todte und 27 wun- dete, unter welchen sih auch 2 Offiziere befinden.

_Zeitungsslimmen,

Ueber die Stellung der deutschen Regierung zu - den par- lamentarishen Parteien lesen wir in der „St. Peters- Me Zeitung“: ,

as Verhältniß der Regierung zu den Parteien der Mehrheit in der Volksrertretung, also zu den Parteien des Kartells ist ein in der deutshen Presse zur Zeit viel erörtertes Thema. Unter der Herrschaft des parlamentarishen Syftems ist die Frage eine sehr einfahe in der Theorie. Die Partei, die in der Kammer über die Mehrheit ver- fügt, bildet das Ministerium, und die Krone hat gewissermaßen nur das Bestätigungsrecht. In der Praxis gestalten sih die Dinge au unter dem Zeichen des Parlamentarismus sehc viel anders, seitdem in Folge der Erweiterung des Wahirechts eine Vermehrung der Parteien cingetreten ist Weder in England noch in Franfreih noch in Italien, in welchen Staaten das parlamentarische Regierungssystem besteht, ift eine einheitlich geschlossene Mehrhbeitspartei vorhanden. Die Folge davon iít, n „die Bildung der Regierung auf Grund von Kompromifsen der zusammen die Mehrheit bildenden Parteien vor sih gebt. In Deutschland gilt der Parlamentarismus nit: die Krone bildet das Ministerium, das über den Parteien steht. Dasselbe bedarf aber, um regieren zu können, der Unter- stüßung der Mehrheit der Volksvertretung und hat daher ein fehr lebhaftes Interesse daran, daß aus den Wahlen eine Mehrheit bervorgebt, die sie zu unterstüßen bereit ist. Da nun auch hier eine einbeitlih geschlofsene Mehrbeitspartei nit vorhanden ist, die Mehrheit vielmehr nur auf Grund von Kompromissen zwischen den Parteien erzielt werden fann, so ist natürlich für die Regierung von ‘größter Wichtigkeit, daß diejenigen Parteien, die ihr nahe stehen, stark genug sind, um die Mehrheit bilden zu können. Sehr klar und bestimmt bat die „Norddeutshe Allgemeine Zeitung“ dies ausge- sprohen und als die Aufgabe der Regierung bezeichnet, den Frieden der ftaatéfreundlihen Parteien unter einander und ihre eigene Ver- ftändigung mit denselben nach Kräften zu pflegen, due selbst zur Parteiregierung zu werden; gleihzeitin vermahnte das Blatt sowohl die Deutsh-Konservativen wie die National. iberalen, nit die Unterwerfungzder Regierung unter den Parteiwillen zu for- dern, sondern an dem System der etsiäadlanng dur Kompromisse festzuhalten. Daß diese Ausführungen vollkommen zutreffend sind, wird Jeder zugeben müssen, der die bestehenden Verhältnifse unbefangen beurtheilt. Selbftverständlih wetden aber Diejenigen, die diese Ver- hältnisse niht aufrecht erhalten haben wollen, bemüht sein, eine

eine S6wadron Kavallerie, wird die Mission begleiten, welche nicht länger als 10 oder 14 Tage in Kabul weilen soll.“

Aenderung herbeizuführen. Das begreift \ich vollkommen von Denen, die die parlamentarische Meg eennglers auch in Deuts land zur Geltuag gebracht haben, den Schwerpunkt im Staats-

[eben also nicht mebr bei der Krone, sondern bei ter Volksvertretun wissen wollen. Sie übersehen allerdings dabei, daß au dann Mangels einer einheitlihen Mehrheit die Bildung dieser dur 0 e na wie vor angeftrebt werden ; allein damit würden fie \ih sehr bald als etwas ganz Selbstverftändlichem abfinden, sobald nur der Hauptpunkt erreiht ist, daß nämli die Volksvertre- tung, niht mehr die Krone maßgebend für die Bildung der Ministerien ist. Ganz uaverständlich aber ift, wenn Diejenigen, die duraus Gegner des Parlamentarismns sind, fi gegen das jeßige System ausspre®en, wie es eben dargestellt worden ist, und zwar unfer der seltsamen Begrün- dung, daß die künstliche Mehrbeitsbildung zur Herrschaft des Parlamenta- rismus führe. Im monarchischen Staat, führt z. B. der „Reichsbote“ aus, sei jedenfalls das prinzipiell Richtigste, wenn die Regierung die

…_ Parteien si selbs überlasse und mit ihren lediglich auf sachlihe

Gefichtspunkte gestüßten Vorlagen vor die Parlamente träte und dann auf die Kraft ibrer Gründe vertrauend, die Mebrbeitsbildung abwarte. Die prinzipielle Richtigkeit dieses Standpunkts mag zu- gegeben sein, aber [eider lafsen sich die politischen Dinge nicht theoretis konstrviren. Cine wirklich recht reihe Erfahrung zeigt, daß die unabweisliben Staatsinteressen nit so lange warten können, bis es der Schwerkraft der sahlichen Gründe, die die Regierung für ihre Vorlagen geltend mat, gelungen ift, die Mehrheit in den Parlamenten für \sich zu gewinnen. Das Deutshe Reich würde beute noch ein Traum sein wie vor 25 Jahren, wenn König Vilhelm, Bismarck und Roon gewartet hätfen mit der Armee- Reorganisation, bis das Sch{wergewicht ibrer Gründe von der preu- ßishen Kammer anerkannt worden wäre. Um Korflikte zwischen Regierung und Kammer zu vermeiden, die doch nur im äußersten Fall eintreten dürfen, bleibt daber nihts Anderes übrig, als daß die erstere auch im monarchischen Staat darauf bedacht ist, sih die Unterstüßun

der ftaatstreuen Parteien zu ewinnen und darnach zu streben, da

zwischen diesen Parteien Verhältnisse bestehen, die fibere Aussicht auf ein Zusammengehen derselben bieten. Das läßt sch nun einmal nit ändern, und wunderbar ist nur, daß diese Dinge immer von Neuem gesagt werden müssen.

Die „Post“ bemerkt: z Von den Deuts{freisinnigen wird auch bei den bevorstehenden Landtagêwahlen wiederum das Lied von den unermeßlihen Steuer- bewilligungen und den geringfügigen Entlastungen gesungen. d

Rickert bat in Elbing dieses Thema an die Spitze geseßt und dabei für Preußen den Mebrertrag der neuen Steuern auf 180, die Ent- [astung auf nur 55 Millionen Mark ang-geben. Beide Zahlen ent- sprechen den etatsmäßigen Daten niht. Die Ueberweisungen aus Reichsfteuern sind in dem Staatshaushalts - Etat von 1888/89 mit rund 162 Millionen Mark ausgebracht. ODar- unter befindet \sich aber der Ertrag der in dem laufenden Jahre zur Erhebung gelangenden Nasteuer; ferner muß in Gegen- rehnung geftellt werden der Ausfall an Maischraumsteuer. Zieht man beide Posten mit rund 15 Millionen Mark ab, so bleiben ver- fügbar rund 147 Millionen Mark.

Diesen stehen gegenüber an Entlastungen: 23} Millionen an Einkommen- und Klassensteuer, 15 Millionen Ueberweisung an die Kreise nah der lex Huene, 20 Millionen zur Erleichterung der Volkéshullasten, über 2 Millionen Staatszushuß zu den Lehrer- pensionen, über 6 Millionen Entlastung der Beamten von den Wittwen- und Waisenkassenbeiträgen. Jn runder Summe also 67 Millionen Mark.

Inzwischen sind aber die Matrikularumlagen von 43 Millionen im Jahre 1879/80 auf 126 Millionen im Jahre 1888/89, mithin um erheblih mehr gestiegen, als der nicht zu Entlastung verfügbar ge- machte Betrag der Ucberweisungen an Preußen mit rund 80 Millionen Mark. Allerdings übersteigen die Matrikularumlagen des laufenden Jahres die als dauernd anzunehmende Höbe beträchtlib, weil ein Rechnungédefizit von erheblicher Höhe auszugleichen und überdies der Ertrag der Zudersteuer noch nit in normaler Höhe anzuseßen war.

Andererseits: ist daran zu erinnern, daß Preußen in Folge starker Erhöhung seines gesammten dauernden Ausgabe: Etats des Etats des Kultus-Ministeriums allein um 30 Millionen Mark 1879 ein die Höhe seiner Matrikular-Umlagen übersteigendes dauerndes Defizit batte, zu dessen Beseitigung nah den im Reichétage abgegebenen Erklärungen des Finanz-Ministers die neu zu bewilligenden Zölle und Tabackfieuer in erster Linie dienen sollten.

Es ist somit klar, daß in Preußen nit weniger, sondern erheb- lich mehr zu Entlastungen und Erleichterungen verwandt wird, als nach Abzug des Bedarfs für die Deckung jenes Defizits und des Mehrbedarfs im Reich von den verfügbaren Summen an Ueberwei- sungen mit 147 Millionen Mark übrig bleibt. j :

Was den Mehrbedarf im Reich anlangt, so ist er zwar nicht allein, aber doch zu einem guten Theil dur die Verstärkung der Wehrkraft und die damit zusammenhängenden dauernden und ein- maligen Ausgaben erwasen. Die freisinnige Partei, wel{he vorgiebt, „jeden Mann und jeden Groschen“ bewilligt zu haben, wird, ohne sih selbst der ärgsten Heuchelei zu zeihen, niht anders können, als anzuerkennen, daß _ zunächst und bevor zu Entlastungen geschritten wird, die Mehrbedürfnisse im Reih aus den Erträgen der dort bewilligten Mehreinnahmen gedeckt werden. E i

Die günstige Entwickelung, welche die eigenen Einnahmequellen Preußens in den leßten Jahren genommen haben, eröffnet, zumal wenn damit eine zweckmäßige Reform der direkten Steuern Hand in Hand geht, die pofsnung, daß auf dem Wege der Entlastung fort- gefahren werden kann. Was zur Zeit finanziell möglich und nach dem Ertrage der Reicbssteuern billigerweise zur irgend zu erwarten war, ist nach dieser Richtung aber bereits geschehen.

Dig „Mecklenburger Nachrichten“ schreiben: Die nunmehr in großer Zabl vorliegenten Handelskammerberichte über das Jahr 1887 bekunden ziemli übereinstimmend, daß sih im verflossenen Jahre die wirth\chaftlihe Lage erh: blih gebefiert hat ; das Jahr 1887 ist ron den leßten drei oder fünf Jahren entschieden das beste gewesen. Es ift dies um so erfreulicher, als der Beginn jenes Jahres zu ernsten kriegerischen Befürchtungen Anlaß gab. Es wird in den Berichten hervorgehoben, wie jene Befürchtungen auf Handel und Verkehr einen sehr nachtheiligen Einfluß übten. Gleichwohl sind die dadur hervorgerufexen Schädigungen überwunden und im weite- ren Verlauf des Jahres durch den Aufshwung wieder auêsgeglichen worden. Diesen Aufshwung führt die Handelskammer von Halle a. S. direkt auf die Annahme der Seitens der Reichsregierung ver- langten militärishen Maßnahmen, durch welche das Vertrauen in den festen Stand der Verhältnisse wieder hergestellt wurde, zurü. _ Die Besserung der Ge)schäftélage wird namentli für die Eisen- industrie, Maschinenindustrie, Koblen-, Textil- und Zucker-Industrie konstatirt. Dagegen wird, von leßterer abgesehen, fast durchgängig auf die traurige Lage der Landwirthschaft hingewiesen und der Ueber- zeugung Auédcuck gegeben, daß erst, wenn die Verhältnisse dieser si besten Grund zu voller Zufriedenheit vorhanden sein würde. „Wollten nur auch für die Landwirthschaft wieder bessere Tage fommen, dann würde der Wohlstand in unserem Bezirk sich sicher heben*, heißt es in dem Beriht der Handelskammer von Wesel, und die Handelskammer von Münster i.. W., die von dem Jahre 1887' im Ucbrigen ein sehr erfreuliches Bild entwirft und namentli für die Textil-Industrie und das Kohlengeschäft im Vergleich zu den Vorjahren eine sehr viel bessere Lage konstatirt, bemerkt : „Die Landwirthschaft bat zwar zufriedenstellende Ernteerträge zu verzeihnen, kann aber in Folge der niedrigen Getreide- und Vieh- preise die auf ihr so {wer lastende Krise noch immer nicht über- winden.“ Wenn troß des Darniederliegens der Landwirthschaft ih die allgemeinen Geshäftéverhältnisse wesentlih erholt haben, so ist klar, daß leßtere noch viel günstiger sih gestalten würden, wenn die landwirthschaftlide Bevölkerung wieder zaufrraliger werden würde. Leider \ind bei der \{chleckchten Ernte die Aussichten hierauf nur geringe. In den Berichten wird trotz der Besserung der Lage auch jeßt wieder über Ueberproduktion bei mangelndem Absay und über Preis- rüdgänge geklagt; indeß diese Klagen sind so gewohnheitêmäßig ge- worden, op le au ertônen, wenn die Dinge sih etwas geändert haben. e Handelékammer von Halle a. S. isst der

und darin wird sie wohl Reht haben —,

t die s{âdigenden Einflüsse im Jahre 1887 weniger nachtheilig bemerkbar gemacht haben und- daß die Preis- aufbesserungen für die Rohmaterialien au folche für fertige Fabri- kate mit fi rahten. Die Preisaufbesserung hat namentli im Eisen-, Kohlen- und Textilgeschäfst stattgefunden. Aub die Löhne der Arbeiter haben \ich erhöht z. B. in Dillenburg stieg der Rein- verdienst der Bergarbeiter für die achtstündige Arbeitszeit von 1,40 am Ende 1886 auf 2 #6 oder 2,10 # am Ende des Jahres 1887. Au das Handwerk nahm wieder einen Aufs{chwung, aber die kleinen Geschäftéleute in Städten und Dörfern so bemerkt ein Bericht klagen troß alledem über geringen Umschlag. Es ift dies die Folge davon, daß sih der Zwishenhandel immer mehr unnöthig ausbreitet und die Konkurrenz der kleinen Krämer immer größer wird. In einzelnen delskammerberihten wird auch Notiz genommen von der sozialpolitischen Sesctgeneo! die Handelskammer von Halle bemerkt, daß „sih für weite Kreise und fast in allen Branchen eine woblthuende Wirkung der Barlirngogelehe bemerkbar gemacht habe“. Klagen über eine zu große Belastung der Industrie durch die von der sozialreformatorishen Gefeßgebung ihr auferlegten Verpflich- tungen treten nirgends hervor. Die Befferung der Lage der Haupt- industrien beweist, daß diese Verpflichtungen kein Hinderniß, ja viel- leiht von segensreichem r gewesen sind. i :

Was die auptursahe des Aufschwungs anbetrifft, so wird dieselbe durchgängig in den inneren Verhältnissen Deutschlands selbst esudt, die Ausfuhr nach dem Auslande ift daran weniger betheiligt. Die Dortmunder Handelskammer führt aus, daß die Produktion von Roheisen in Deutschland in den erften vier Monaten der leßten drei Jahre um 13% stieg, die Einfuhr dieselbe blieb, die Ausfuhr um 50 9% sank und der heimische Verbrau fich um 30%% erhöhte. „Die aroßen Aufwendungen, die Staat und Rei für Heereszwecke, Festungs-, Cisenbahn-, Strom- und Kanalbauten bewilligt und verauëgabt haben, kommen einer ganzen Reihe von Industrien direkt, der ge- sammten Produktion aber indirekt zu Gute, so daß sie den Verdienst und damit die Verbrauhs- und Zablkraft der handarbeitenden Klassen auf einen erheblich befseren Stand bringen.* Nur unter der Herr- \chaft des Sa der nationalen Arbeit war es mögli, daß die heimishe Industrie hiervon profitirte: der Aufschwurg des Jahres 1887 kommt ganz besonders auf Reck&nung dieser Politik, wie er auch wefentlich den Parteien ¿zu verdanken ift, welche den von der Regie- rung für nothwendig erahteten produktiven Maßnahmen zugestimmt und zu ihrer Verwirklichung mitgebolfen haben.

Statistische Nachrichten.

Die Staatsausgaben für Unterrihtszwecke aller Art in Preußen 1888/89. (Stat. Corr.) Kürzlich hat die „Stat. Corr.* vom 28. Juli cr. tarauf hingewiesen, daß sich die Gesammtkosten des öffentlichen Unterrichts nur s{chwer beziffern lassen, und daß den hierüber ermittelten Zablen immer noch einige Ursicher- heit anbaften bleibe. Günstiger steht es mit dem Nahweise der aus Staatsmitteln erfolgenden Aufwendungen aller Art für Unterrichts- zwecke. Zwar muß man au hier davon absehen, die antheiligen Kosten der verschiedenen Centralverwaltungen dem Conto für Unter- rihtskoften zur Last zu \{hreiben. Im Uebrigen aber ist aus dem Staatshaushaltungs-Voranshlag hinlänglich bekannt, was der Staat für Unterrichtszwecke aller Art aufwendet. Wir haben, um die Gesammtsumme dieser Beträge und deren Vertheilung überfeben zu können, den Staatshaushalts-Etat für das Jahr 1888/89 einer Durchsicht daraufhin unterworfen und durch Zusammenstellung der überall zerstreut vorliegenden Einzelangaben ermittelt, daß die Staatszushüise für die Kosten von Unterrichtsanstalten 2c. allec Art die Summe von 65 459 503 Æ erreihen und zwar sind hiervon ordentliche bezw. dauernde Beiträge 60622143 #4 und außerordent- liche bezw. einmalige 4837360 # Die Summe der ordentlichen Ausgaben if indessen um den Werth der vom Staat in natura

ewährten, ziemlih zahlreihen Dienstwohnungen, welche si aus der uelle weder der Zahl noch dem Werth nah mit Sicherheit beziffern lafsen, noch zu- gering angegeben. Dem gegenüber mêgen in der genannten Summe auch Bruchtheile enthalten sein, welche wie bei kombinirten Etatstiteln für Kirchen- und Schulzwecke den Schul- kosten niht rein zuzurechnen sind. ‘Bedeutend sind diese Beträge niht. Nicht mit einbegriffen in_jene Summe wurden außer den Kosten der Centralverwaltung die Staatsbeiträge bezw. Ausgaben für wissenschaftliche Anstalten, wele, wie die Akademie der Wissen- schaften, das meteorologishe Institnt, das astrophysikalische Observa- torium u. a. m., der reinen Wissenschaft und niht unmittelbaren Unterrihtszwecken dienen; ferner blieben die Aufwendun|fen für alle der Armee- und Marine-Verwaltung unterftellten Unterrichtsanstalten

unberücfsihhtigt. : : i Im Einzelnen entfallen auf die verschiedenen Zweige des Unter-

richt8wesens : . ; ordentliche außerordentliche Staatsausgaben : Mark : auf auf auf überhaupt 1000 überhaupt 1000 Köpfe Köpfe Se 10 241 288 3602 2980220 195 böbere Lehranstalten 6 245 675 221 487 740 17 Elementarunterrichts-

wesen... . . ,*%938408301 1356 997 500 35 Fabschulen höheren und é 5 726 879 202 371 900 13

niederen Grades 19 zusammen. . . 60622143 2141 4537360 170

Die den breitesten Schichten der Bevölkerung dienenden Schul- anstalten mit ihrem gesammten Zubehör, die Volksschulen, nehmen drei Fünftel der gesammten (ordentlichen und außerordentlichen) Staatsausgaben für Unterrihtszwecke in Anspru; die Universitäten erhalten ein weiteres Fünftel, und ungefähr je ein Zehntel entfällt auf die sogen. höheren Lehranstalten und auf die Fahshulen aller Art. Für die Bemessung dieser Verbältnißzahlen giebt selbstverständ- lih nit die Werthshäßung der verschiedenen Grade und Arten des Unterrichts den Ausschlag. Hervorgehoben zu werden verdient jedod daß bei der Verwendung von Staatsmitteln das Fahschulwesen im Vergleich zu den anderen Unterrichtszweigen nit vernachlässigt er- \cheint, wennschon die staatlihen Ausgaben für technishes Unterrichts- Del ganz überwiegend nur den fachlihen Hochshulen zu Gute ommen.

Ganz verschieden ist die Betheiligung des Staats an den Aus-

aben für die einzelnen Unterrihtszweige. Die Kosten der. Universitäten 15 831 500 M), von welhen nur 16,49 % aus den eigenen Ein- nahmen derselben, aus Stiftungen u. st. w. gedeckt sind, werden zu vollen 83,51 9% vom Staat getragen. Von den 8 927 000 #& Auf- wendungen für das Fahshulwesen zahlt der Staat niht weniger als 68,31 % (6 098 800 46), während die eigenen Einnahmen dieses Unterrichtszweiges 18,88 9% der Ausgaben deckdeú. Hingegen übernimmt der Staat von den Gesammtkosten der höheren Lehranstalten, welche Übrigens ihre Ausgaben bis zu 53,30 ?%% durch eigene Einnahmen 2c. deden, nur 23,10 9% (6 733 500 Æ) und von denen des Elementar- Fee nur 25,11 % (39 405 800 6) freilih also immer noch ein Viertel. :

Im Allgemeinen wird wenig darüber nahgedaht welche beträcht- lihen Summen der Staat alljährlich gerade dem Gebiet des ôffent- lichen Unterrihts zuwendet, und gewöhnlich werden diese Leistungen des Staats untershäßt. Und doch handelt es sih bei jenen Ausgaben um einen erheblihen Bruchtheil beispielsweise derjenigen Einnahmen des Staats, welche ihm aus der Besteuerung zufließen. Vergleichen wir die Staatsausgaben für Unterrichtszwecke mit den direkten Steuern im Ganzen! Leßtere sind r das laufende Jahr

*) unter inzurechnung von 10 000 000 Æ, welche für den halb- ¡ährigen Bc i auf Grund des Gesetzes, betreffend die Er-

Universitäten

leichterung der Volks|chullasten, im Etat veranschlagt waren.

auf rund 156434 300 Æ veranschlagt. Für Unterrihtszwecke ver- wendet der Staat hiervon demnach volle 41,84%, und läßt man die Eisenbahnabgaben (246 300 4), fowie die Strafgelder und sonstigen besonderen Einnahmen, die neben den eigentlihen direkten Steuern in obiger Summe mit enthalten find, außer BetraŸht, fo erhöht si dieser Prozentsaz auf 42,1. Sett man aber die Staats- ausgaben für Unterrihtszwecke in Beziehung [lediglih zu dem Erträg- niß der direkten Personalsteuern, also zu jenen Steuern, welche von den weitesten Kreisen der Bevölkerung aufgebraht werden, fo findet man, daß diese noch nicht einmal binreihen, die in Rede stehenden Ausgaben - zu decken; denn an Klassensteuer und fklassifizirter Ein- kommensteuer werden für das Jahr 1888/89 nur 64 050 000 Æ erwartet, während für Unterrichtszwecke Beiträge in Höhe von 65 459 500 „#6 in Ausficht genommen sind. 7

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Der Aachener Geschichtsverein hat soeben den 9. Band seiner Zei tschrift versandt. Dieselbe wird im Auftrage der wissen- shaftlihen Kommission des Vereins von dem Archivar der Stadt Aachen, Richard Pick, herauëgegeben (Aachen, Kommifssionsverlag der Cremer’shen Buwhandlung, C. Cazin). Der Chronik des Vereins zufolge z¿äblte derselbe am 31. Dezember 1887 606 Mitglieder : eine jo hobe Ziffer, wie sie seit dem Jahre 1883 nicht mebr erreicht wurde. Eine erfreuliche Anerkennung ist dem Verein dadurch zu Theil geworden, daß die Stadtverordneten-Versammlung ibm eine jährlice Subvention von 150 Æ auf drei Jahre bewilligt hat. Der Verein steht mit 143 anderen Vereinen, Gesellshaften, Instituten und Redaktionen im S(riftenaustausch (gegen 126 im Jahre 1885/86) und war in der Lage, der Aachener Stadtbibliothek sowie der Hand- bibliothek des Stadtarhivs eine große Zahl werthvoller Bücher und Zeitschriften zu überweisen. Jn der am 10. November 1887 ab- gehaltenen Generalversammlung wurden die von einer gewählten Kommission ausgearbeiteten ueuen Statuten genehmigt. Dieselben treten am 1. Oktober 1888 in Kraft. Der gegenwärtige Vorstand bleibt bis zur nächften, den neuen Statuten gemäß abzuhaltenden Generalversammlung im Amte. Zahlreih und \{merzlich sind die Verluste, welche den Verein im leßten Jahre betroffen haben. Am 27. April 1887 verschied der ständige Ehren-Präsident, Wirklicce Geheime Rath Dr. Alfred von Reumont, welhem am *8. Juli 1887 sein zehn Jahre jüngerer Bruder, der zweite Vize-Präsident des Vereins, Geheime Sanitäts-Rath Dr. Alexander Reumont folgte. Dem Vorstande und den Reihen der Mitglieder wurden ferner durch den Tod entrissen die Herren Igr az Beißel, dann der Nestor der rheinishen Provinzial-Historiker, Pfarrer Dr. Mooren zu Wactendonk, der vormalige Direktor des Aachener Realgymnasiums, Geheime Regierungs - Rath Dr. Hilgers, und zwei Männer, welche jeder auf dem ihm cigeren Gebiet des Schaffens und Wirkens für Aachen stets unvergessen bleiben werden: Barthold Suermondt und Andreas Fey. Der 10. Band der Vereins-Zeit- {rift soll durch den Abdruck ‘des Vortrags eingeleitet werden, welchen der zeitige Präsident des Vereins, Prof. Loersh, dem Andenken Alfred von Reumont's in der Generalversammlung vom 10. November v. J. gewidmet hat. Der vorliegende 9. Band der Zeitschrift bringt den Schluß der Abhandlung von C. von Veith, über das alte Wegenetz zwishen Köln, Limburg, Mastricht und Bavai, mit besonderer Be- rücsitigung der Aachener Gegend. Dann folgen Beiträge von St. Beißel über den Aachener Königsftuhl, von R. Pick über Fehdebriefe im Aacwtener Stadtarchiv, von A. Curtius über den Aufenthalt Albrecht Dürer's in Aachen im Jahre 1520 (mit dem Lichtdruck-Facsfimile einer Zeichnung des Meisters, darstellend das Münrster zu Aachen), sowie von M. Schollen über Aachener Volks- und Kinderlieder, Spiellieder und Spiele. Kleinere Mittheilungen beziehen sich auf die Krönung König Friedrichs II1. in Aachen (Juni 1442), auf Handschriften der Königlichen Bibliothek zu Brüssel, welche das Vereinsgebiet betreffen, und auf die Aahener Schuldramen des 18. Jahrhunderts. Außerdem enthält der Band literarishe Be- \vrechungen, die Chronik des Vereins, Nachrihten über verstorbene Mitglieder und die neuen Statuten des Vereins.

Land- und Forstwirthschaft.

Pest, 29. August. (W. T. B.) Nach dem amtlickben Ernte- ausweis betrug die mit Weizen bebaute Flähe in Ungarn 51/10 Millionen Katastral-Jo, der Ertrog 381/10 Millionen M.-Ctr.,

egen 409/10 Millionen M.-Ctr. im Vorjahre. Mit Roggen waren

Pebant 19/10 Millionen Ioh ; der Roggenertrag belief si auf 12 bis 123 Millionen M.-Ctr. gegen 154/10 Millionen im Vorjabre. Mit Gerste bebaut waren 18/10 Joh; der Ertrag war 10 Millionen M.-Ctr. gegen 127/10 M.-Ctr. im Vorjahre. Mit Raps waren 95 400 Joch bebaut; der Ertrag war 550000 M.-Ctr. gegen 311 195 M.-Ctr. im Vorjahre. Mit Hafer waren 19/10 Millionen Ich bebaut ; der Ertrag war 83 Millionen M. : Ctr. gegen 9 Millionen M.-Ctr. im Vorjahre. Ueberall sind die Elementars-. schâden abgerechnet.

Gewerbe und Haudel.

Die „Schli\. Ztg.“ berihtet vom oberschlesischen Stein- koblenmarkt: Mit dem Heraunahen des Septembertermins hat sich der Geschäftsgang auf dem Steinkohlenmarkt wieder gehoben. Die Ergebnisse der Berichtsperiode waren troß der vielfachen, den Ver- ladungen s\ich entgegenstellenden Hindernisse nicht ungünstige. Hat auch in den einzelnen Theilen des Reviers eine völlige Gleihmäßigkeit des Geschäftsganges noch nicht Plaß ge- griffen, da der großindustriele Bedarf im Allgemeinen noh nicht seinen Einfluß geltend matt, so ist doch eine fortshreitende Entwickelung d:8 Gesammtabsages zu vermerken, zum Theil begünstigt durch die Unfähigkeit auswärtiger Gruben, ihren Bedarféanforderungen voll entsprehen zu können. Einer Vermehrung der Haldenläger war somit vorgebeugt. Neben nennenêwerthem WVerbrauh von Fetttohlen zur Leuhhtgas- bereitung, sowie von Kokeskohlen hat fi auch der Absay der Hausbrandkohle nicht unwe|entlih gebessert. Wirksam wurde der Versandt durch den günstigen Wasserstand unterstüßt. Die aufwärts \trebende Tendenz des Kohlenmarktes konnte sona mehr Boden fassen, und dürften die in Aussicht genommenen Preiserhöhungen nit unter 2 H für den Meter-Centner betragen. Auf der Kleophas-

rube ist man mit der Aufstellung eines großen Retterwerks be- schäftigt. Die Leopoldinegrube stellt dauernd den Betrieb ein.

Die E, berihtet über das Westdeutsche S nter Pasis des Präsidenten waren die

itglieder des geschäftsführenden Ausschusses beider Gruppen Siegen und Dortmund nebst deren Syndici am 28, d, in Dortmund zu- sammengetreten. Obgleich der Vorsitßende hervorhob, daß noh viele orarbeiten zu erledigen seien, so wurde die Er- öffnung des Syndikats endgültig auf den 1, September fest- geseßt, von welhem Tage ab sich die einzelnen Werke des Verkaufs ihres Fabrikats zu enthalten haben, weshalb alle Anfragen an das Syndikat zu richten sind. Nah Erledigung verschiedener ge- [Bee Einrichtungen und Eingänge und estsepung der Preise ür Spezialitäten fand die Abgrenzung der \châfts\tellen statt.

Der Aufsichtsrath der ander Braunkohlenwerke hat dem Vorschlag des Vorstandes gemäß beschlossen, der bevorstehenden Generalversammluug eine Dividende von 4 9%/% vorzuschlagen. Der Gewinn beträgt ca. 130 000 4, wovon ca. 58 000 A für Abschrei bungen Verwendung finden würden, während ca. 72000 X für die Dividende, Tantièmen, den Unterstüßungsfonds und den Reservefonds erforderli sind.

Wien, 30. August. (W. T. B.) Ausweis der Oesterreihisch- ungarischen Staatsbahn in der Woche vom 19. August bis 25, August 744507 Fl., Mehreinnahme 11507 Fl. Aus- weis der Südbahn vom 20. August bis 26. August 821 549 F[l.,

Mehreinnahme 17 966 Fl.

S S R E C As

A

ayons für beide Ge-

S 2TH Li ite

E E L S É M R