1909 / 47 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Dem Kaiserlichen nl Schernau in Coquimbo O ist die erbetene Entlassung aus dem Reichsdienst erteilt worden. :

Dem Kreisdirektor Dieckmann ist die mit den Geschäften des Vorstands der Polizeidirektion verbundene Kreisdirektor- stelle in Mülhausen, :

dem Oberregierungsrat Dittmar die Oberregierungsrats- stelle bei dem Bezirkspräsidium in Meß und :

dem Kreisdirektor Pauli die Kreisdirektorstelle in Hagenau übertragen worden.

Königreich Preußen. Finanzministerium.

Die Rentmeisterstelle bei der Königlichen Kreiskasse in Eckernförde, Regierungsbezirk Schleswig, ist zu beseßen.

Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Schließung einzelner Bezirke für die Notierung forstversorgungsberechtigter Anwärter.

Auf Grund des $ 29 Absaß 2 der Bestimmungen über Vorbereitung und Anstellung im Königlichen Forstshußdienst vom 1. Oktober 1905 werden für die Regierungsbezirke Königsberg, Gumbinnen, Posen, Stade und Cöln sowie für den Bezirk der Hofkammer der Königlichen Familiengüter neue Notierungen forstversorgungs- berehtigter Anwärter bis auf weiteres derart aus- geshlossen, daß für diese Bezirke nur Meldungen solcher Anwärter angenommen werden, die bei Ausstellung des Forst- versorgungsscheins mindestens zwei Jahre im Forstshußdienst dieser Bezirke beschäftigt sind. (Vorzugsberechtigte Anwärter.)

Die früher im Staatsforstdienst der Regierungsbezirke Königsberg und Gumbinnen beschäftigt gewesenen, bei der Neueinrichtung des Regierungsbezirks Allenstein in diesen überwiesenen und dort im Staatsforstdienste fortlaufend weiter beschäftigten Reservejäger erwerben durch eine im ganzen zwei- jährige staatlihe Beschäftigung sowohl für die Notierung im Bezirk Allenstein als auch für die in den Bezirken ihrer Felkeren Beschäftigung Königsberg oder Gumbinnen eine Vorzugsberehtigung im Sinne des ersten Absaßes dieser Ver- fügung. E G Wollen sie hiervon Gebrauh machen, so haben sie in den Notierungsgesuchen die Zeit ihrer Beschäftigung im Staats- forstdienste der einzelnen Bezirke nachzuweisen und den Bezirk ihrer Wahl anzugeben.

Diese Vériianng ist durch das dortige Amtsblatt bekannt zu machen.

Berlin, den 19. Februar 1909.

Ministerium für A Domänen und Forsten.

Wes ener. An sämtliche Königlichen Regierungen.

Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten. Mea

Der bisherige Gymnasialoberlehrer Anton Tünimeler aus Prüm ist zum Kreisschulinspektor in Völklingen ernannt

worden. : Dem Oberlehrer an der Luisenshule in Berlin Albert

Esderts ist der Charakter als Professor verliehen worden.

Nichlamftliches. Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 24. Februar.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute |

vormittag im Neuen Palais bei Potsdam die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts, Wirklihen Geheimen Rats von Valentini und des Staatssekretärs des Jnnern Dr. von Beth- mann Hollweg.

Die Bevollmächtigten zum Bundesrat, Großherzoglich badisher Finanzminister Dr. Honsell, Senator Stadt- länder aus Bremen und Senator Dr. Schaefer aus Ham- burg sind in Berlin angekommen.

In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs- und Staatsanzeigers“ ist ein Bericht über die Tätigkeit der preußishen Staatsarchive im Jahre 1908 ver- öffentlicht.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Fürst Bismark“ mit dem Chef des Kreuzergeshwaders vorgestern in Manila eingetroffen.

S. M. S. „Arcona“ ist am 21. Februar in Tsingtau eingetroffen und vorgestern von dort nah Yap (West- Karolinen)

in See gegangen. | E

S, M. S. „Jltis ist vorgestern in Nanking eingetroffen und geht heute von dort nah Tschingkiang (Yangtse) ab.

S. M. S. „Tiger“ ist vorgestern in Zlo-Zlo (Philippinen) eingetroffen und an demselben Tage nah Manila in See gegangen. :

S. M. S. „Sperber“ ist vorgestern in San Paolo de Loanda eingetroffen und geht morgen von dort nah Lüderiß- buht in See.

Oesterreich-Ungarn.

Der Kaiser Franz Joseph hat gestern, „W. T. B.“ zufolge, den ungarishen Handelsminister Kossuth in ein- jtündiger Audienz empfangen.

| Aeußern

Grofßebritannieu und Frlaud.

Im Oberhause beantragte gestern der Staatssekretär für Jndien Viscount Morley die ap ete Lesung der Geseßes- vorlage zur Einführung von Reformen in Jndien, wie er fie am 17. Dezember v. J. im Oberhause dar- gelegt habe. : /

Wie das „W. T. B." meldet, erklärte der Staaissekretär in der Begründung seines Antrags, daß die Lage dort jeßt weniger ernst und trübe sei, als damals, wo er die Erklärungen über die in Aussicht genommeren Reformen in der Verwaltung abgegeten habe. Die öffentlihe Meinung in Indien habe sich über seine und des Vizekönigs Erwartung hinaus beruhbigt.

Jn der scriftlihen Erwiderung auf eine kürzlih im Unterhause gestellte Anfrage, betreffend die britische Antwort auf das russische Memorandum über Persien, sagte der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Sir Edward Grey, „W. T. B.“ zufolge:

Die britishe Regierung hat die russische davon verständigt, daß sie zu der Ansicht neige, daß das beste Verfahren, das England und Rußland einschlagen könnten, darin läge, sich von den inneren An- gelegenheiten Persiens gänzlich fernzuhalten. In der Erkenntnis je- doch, daß es sür Nußland schwterig sein dürfte, diese Haltung einzu- nehmen, weil es an den unruhigsten Teil Persiens angrenzt, ift die britishe Regierung bereit, in gewisser Nihtung mit der russischen zusammenzuarbeiten. Die britisWe Negierung \limmt der Ansicht zu, daß, solange nicht eine repräfentative Ver- faffung eingeführt ist, die Lage des Landes sch wahrscheinlih nicht bessern werde, und fle würde daher dem Schah den Nat erteilen, feinen aus fähigen, en*rgischWen Männern bestehenden Staatsrat auf- zufordern, thm in der Aut bera Entwurfs einer Repräsentativ- verfassung zur Seite zu stehen. Die britishe Regierang hat Rußland vorgeschlagen, daß dem Schah eine Andeutung gegeben werde, daß er, wofern er nicht eine konstitutionelle Regierungdform gewähre, seitens der englishen und russisWen Regierung keine Unterstüßung er- halten werde, die vielmehr Moaßregeln zu ergreifen haben würden, um ihre Interessen zu \{chüßen. Die britishe Regierung hat die russishe au davon in Kenntnis geseßt, daß, falls eine Anleihe als notwendig betrachtet würde, die Bedingungen derselben eine forg- fältige Erwägung erheishen würden und daß sie keirer Anleihe zu- stimmen würde, welche nicht von einer gewählten Versammlung ge- nehmigt würde. Grey fügt noch hinzu, daß im Prinzip zwischen der englishen und der russishen Regierung keine Meinungsverschiedenheit betreffs der im Auge zu behaltenden Ziele und Bedingungen her sche.

Frankreich.

In der Zollkommission oren dene, L. S zufolge, die Minister Ruau und Cruppi tehnishe Ein- wendungen gegen die Erhöhung des Zolltarifs, Pichon wies dann auf die Möglichkeit internationaler Verwicklungen und die voraussihtlihen Gegenmaßregeln hin. Gewisse von der Kommission beantragte Maßnahmen könnten insbesondere die Entente cordiale gefährden.

Türkei.

Auf der Pforte wurde, *„W. T. B.“ zufolge, gestern offiziell erklärt, daß das österreihisch-ungarisch-türkische Protokoll mit den lehten Aenderungen vom Ministerrat an- genommen und dem Sultan unterbreitet worden sei. Die Ünterzeichnuvg sei heute oder morgen zu erwarten, worauf es dann den be‘den Parlamenten unterbreitet werden würde.

| Neutralität notwendig seien.

\crittler),

l | Serbien.

Das nue Kabinett ist nah ciner Meldung des

T. B.“ wie f&lgt gebildet: Novakowitsch (Fort- Mt Tini Mka1DÍe i Ju adikalen Milowanowit\ch,

Aeußeres, Mil &&*y 1j7witf "Inneres, Protits V Fang

Pasitsch, Baukên, die Jungradikalen Stojanowit),

Kultus, Prodanonis@, H der Nationalist N iba-

W.

andel,

rat\ch, Justiz. Zum Kriegsminister ist der Divistonskommandeur

Oberst Marinowitsch ausersehen.

Dänemark.

seßte gestern die Beratung der

Das Folkething

Landesverteidigungsvorlagen fort.

Nach dem Bericht des ,„W. T. B.“ erklärte der Verteidigungs-

| minister Neergaard gegenüber den Ausführungen der verschiedenen

vorgeshobenen befestigten für die Sicherung der

die bei

beantragten

arteiführer, daß P Kopenhagen

Positionen zu Lande

werden. Der

als Landfestungen bezeichnet seine früheren Aeußerurgen über dle zu der Verteidiguung der Neutralität daß von seiten des Auslandes keine Pression sei und auch nicht augeübt werden würde p Graf Ahlefeldt-Laurvigen hob darauf hervor, daß Dänemark gegenwärtig mit allen Mäthten in den freunds(aftlichsten

Dänemarks, nämlich, au?geübt worden

| Beziehungen stehe, und daß die Mächte überzeugt seien, daß VDäne-

| mark stets strenge Neutralität beobachten wezde.

|

„Aber“, fuhr der Minister fort, „während eines Krieges können Situationen eintreten, wo eine Neutralitätêéverleßung nit unwahrscheinlich ist. Für diese Fälle müssen wir bereit sein, etne Verleßung zurückzuweisen. Eine nicht verteidigte Neutralität i der Möglichkeit einer Nichtrespektie- rung ausgeseßt. Aber es gibt natürlich Grenzen für das, was eine fleire Nation für ihre Verteidiaung aufwenden kann. Von uns

| werden zwei Dinge verlangt : nämli eine korrekte Haltung in unserer | Außenpolitik, und eine unseren Ve:bältnissen angemessene starke Ver-

| teidigung.

Ersfüllen wir diese Forderungen, fo bestehen Chancen, die NBerwicklung in einen Krieg zu vermeiden. Es ift ter Wunsch aller Mächte, daß wir ein mögli starkes Verteidigung8wesen haben. Deshalb empfehle ich eindringlich die Annabme ber Gesezentwürfe. Eine Landesverteidigung ohre Sicherung Kopenhazens auf der Land-

seite kann ih niht empfeblen.

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Amerika.

Der amcrikanishe Staatssekretär Bacon und der deutsche Botschafter Graf Bernstorff haben gestern, „W. T. B.“ zu- folge, in Washington das Patentabkommen unterzeichnet, das cine gleihe Behandlung der Patentinhaber in beiden Ländern vorsicht.

Asien.

Die russish-chinesischen Verhandlungen in Peking sind seit einiger Zeit auf einem toten Punkt angelangt. Wie das „Neutershe Bureau“ meldet, beshuldigt China die russishe Verwaltung und die Lokalverwaltung von Charbin, die Bestimmungen des Friedensvertrages von Portsmouth ver- n zu haben. Der englische Gesandte Jordan und der ame- rikanishe Gesandte NRockhill haben lehthin der russischen Gesandtschaft notifiziert, daß Großbritannien und Amerika sih in die russish-chinesishen Beziehungen nicht einzumischen wünschten und deshalb unter der Notwendigkeit ständen, von neuem zu versichern, daß sie bei ihrer vorher beobachteten Haltung in der Angelegenheit verblieben, nämlih die Be- stimmungen des Friedensvertrags zu beobachten.

Einer weiteren Meldung des genannten Bureaus zufolge haben die Russen alle chinesischen Läden und Warenlager an den Hauptpunken der Eisenbahn westlich von Charbin am

| vom Staat:.

Diese befestigten Punkte könnten nicht | Minister bestätigte | Stellung des Auslandes |

Der Minister des |

21. Februar geschlossen, da die Eigentümer sih weigerten, die ihnen auferlegten Abgaben zu zahlen. Die Eisenbahnbehörden berichten, daß der über die Eisenbahn gehende Geschäfts- verkehr, mit des still liegt.

Ausnahme ausländischen, vollkommen

Parlamentarische Nachrichten.

Der Schlußbericht über die gestrige Sißung des Hauses der Abgeordneten befindet sih in der Ersten Beilage.

Jn der heutigen (39.) Sißung des Hauses der Ab- geordneten, welher der Minister für Landwirtschaft 2c. von Arnim beiwohnte, wurde zunähst die Beratung des Etats der landwirtschaftlihen Verwaltung fortgeseßt.

Jm Extraordinarium sind zur Förderung der inneren Kolonisation in den Provinzen Ostpreußen und E 2 Millionen Mark, wie im vorigen Jahre, aus- geseßt. i

Jn Verbindung damit wird die Denkschrift über die Ver- wendung dieses Fonds für das Etatsjahr 1907 besprochen. Die Budgetkommission beantragt, die Denkschrift für erledigt zu erklären.

Die Abgg. Graf von der Groeben (kons.), Graw (Zentr.), von Bonin (freikons.), Dr. Heydweiller (nl.), Gyßling (fr. Volksp.) und Dr. Pachnike (fr. Vgg.) be- antragen folgende Resolution:

„die Negterung zu ersuiten, sobald wie möglih unter Zu- ziehung von Interessenten und Sachverständigen eine Konferenz zu berufen, welche in eine Prüfurg etnzutreten hat, wie in den einzelnen Provinzen des preußisWen Staates die von dem Königlichen Landes- öl'onomierollegium am 11. Februar 1909 gewünschte Organisation des Anstiedelung8wesens3s zu gestalten, wie insbesondere un- besh2det der Verschiedenheiten in den einzelnen Provinzen eine Zusammenfassung der ganzen Arbeit tin einer Zentralstelle zu er- möglichen ist“.

Bericterstatter Abg. von Arnim (kons.) referiert über die Kom- missionsverhandluagen und empfiehlt die Annahme des Kommisfions- antrags bezüglich der Denkschrift.

Abg. Graf von der Groeben (kens.): Zur Frage der inneren Kolonisation in Preußen könnte man sagen: der Worte find genug g'wechselt, es ist zweckmäßio, daß jeßt einmal etwas gesteht. Bei aller Anerkennung der Leistungen auf diesem Gebiete können wir uns nit verhehlen, daß immer noch sehr wenig zur Lösung dieser großen Aufgabe des preußischen Staats geschehen ist. Man hat berechnet, daß ungefähr 10 000 Jahre vergehen würden, ehe auf dem bisherigen Wege das Ziel erreicht wäre. Die bisher dafür aufgewandte Summe von 40 Millionen is außerordentlich gering. Die uns vorgelegte Denk- {rift läßt leider nicht erkennen, welche Summen aus dem Fonds für die innere Kolonisation Ost preußens und Pommerns der Lar dbank und welche Summen gemeinnützigen Gesellshaften zugewtesen worden find. Vor zwei Jahren bereits habe ich die Bedenken meiner politischen Freunde dagegen ausgesprochen, daß die Landbank als eine private Erwerbsgesell|chaft Mittel zu Folgeeinrihtungen für die innere Kolonisation, also für Schulen 2c. erhält. Die Land- bank folonisiert aber weiter und erhält nah wie vor Unterf!üßungen Die Bedenken meiner Fceunde gegen diese Unter- stüßurng sind noch nicht beseitigt. Wir wollen aber unter keinen Umständen, daß der Anschein erweckt werde, daß wir lediglih den „verkrahten Großgrundbesig" santeren wollten; wir wollen, daß au der Arbeiter und dec kleine Bauer sein Grundstück zum rwoirklihen Werte erwerben kaan. Wic stehen auf dem Standpunkt, daß das nteresse des Erwerbers dem Interesse des Aus8gebers, des Großgrund- besigzers, vorgezogen werden muß. Tantiemen an Aufsichtsräte geben wir nicht. ir müssen von neuem die Frage eingehend prüfen, ob aus dem Fonds voa 2 Millionen Gelder an private Gefellshaften gegeben werden sollen. Ueber die Ansiedelungsgesellshaft in Ostpreußen, die von der Landgesellshaft begründet worden ist, will ih es nicht reden. Ih habe nun gemeinschaftliß mit verschiedenen Partcien den Antrag im Anschluß an die Resolution gestellt, die am 11. Februar vom preußischen Landesökoncmiekollegium gefaßt worden ist. Die Resolution sagt im wescntlihen: 1) Es ift eine wirtschaftliche, soziale und nation:le Notwendigkeit, eiren Teil des Groß- grundbesißes, namentlich in den östlihen Provinzen, planmäßig zu besiedeln unter Vermeidung jeder überflüssigen Mobilisierung des Grundbesitzes und unter Erhaltung einer ausreihendèn Anzahl von gesicherten und gut bewirtshafteten Groß betrieben. 2) Die Haupt- aufgabe der inneren Kolonisation ist die Begründung leistungs- fähiger Landgemeinden mit zweckmäßig eingerihteten Bauernwirt- schaften, mit Handwerker- und Landarbeiterstellen, sowie die Ent- \chuldung und Sicherung des vorhandenen Befiges. 3) Die Ge- meinden müssen mit ausreihendem Vermögen, besonders mit Grunde eigentum, ausgestattet werden; die Ansi:dler müssen unter Be- dingungen cingeseßt werten, die auch in ungünstigen Zetten ihre Lebensfähigkeit gewährleisten. 4) Diesen und allen weiteren Anforderungen, die im staatlich - rationalen , volkswirtschaftlihen und sozialen Interesse gestellt werden müssen, kann nur ein Kolonisator entsprechen, der die Kolonisation nicht um des Gewinnes willen betreibt; andererseits erscheint die Verstaatlihung des Ansiedlunçc3wesens niht zweckmäßig. Den richtigen Mittelweg bieten gemeinnützige Unternehmungen, welche die Garantie bieten, daß sie bei aller Bewegungéfreiheit in ihrer wirtshaftlihen Betätigung dcch niemals das öôffentliche Interesse dem Erwerbsinterefse unteroronen; die hohe Bedeutung der inneren Kolonisation für das Gemeinwohl rechi1fertigt eine stärkere als die bisherige finanzielle Beteiligung des Staatcs und der Kommunalverbände. 5) Die Kultivierung der Moore und Heiden is mit Staatsmitteln zu fördern unter gleihzeitiger industrieller Ausnußung der Torflager. 6) Für das gesamte Staatsg: biet sind einheitlize Normen für die Organisation des Ansiedlungswesens zu erlassen, welche un- beshadet der notwendigen Vezeniralisation in den einzelnen Bezirken eine Zusammenfassung der ganzen Arbeit ermöglichen. Was die speziellen Verhältnisse von Ostpreußen betzuifft, #0 erscheint es mir als ganz ausgeschlossen, daß niht auf die Dauer eine Versöhnung der do:t vorhandenen Gegensäße eintritt; es stehen ja beiderseits anerkanntermaßen hochbefähigte WMänner an der Spiße der Veiwaltung, die alle dasselbe Stieben beseelt, die innere Kolonisation zu fördenn, Die Fragen der Organisation usw., wte sie bei der pommerschen Ansicdlunct- gesellschaft vorliegen, haben ihre Bedeutung für das gesamle preußishe Staatsgebtet und müssen einmal gründlich erörtert werden; diese Fragen haben ihre große Bedeutung für alle anderen Staatévet- waltungszweige, für die bevorstehende Verwaltungdóreform, für die Finanzen, Darum geht unser Ant:ag dahin, der Laadwirtschastsminister möge eine Konferenz von Sachverständigen berufen, die alle diese Fragen gründlih berät. Aber das ist nur die eine Seite der Sache; es wi! ih vor allem auch um de „Zentralstelle“ handeln. Diese wird ras meiner Meinvng richtig das landwirtschafilihe Ministerium fein; diese muß die ganze Angelegenheit in den Händen behalten, Der Smet punkt der inneren Kolontsation felbst wid aber immer draußen, e in der Zentralinstanz liegen, Immer weiter dringt das Bewu tsein die Bevölkerung ein, daß die Trennung von Kapital und Ar eit tem Lande zum Schatten gerelht, daß eine engere Verbindung angebahnt werten muß, Immer größere Bedeutung ge die Frage der inneren Kolonisation für den Pandwe! ist und für den Kaufmannsstannd. Auch die Erkeantnis E E sich immer mehr Bahn, daß die Fleishversorgung des Va E landes sehr eng mit etner Vermehrung des kleinen Besizerstandes f sammenhängt. Dabei behält der Großgrundbesigerstand immer 1 f

seine soziale Bedeutung; er darf nicht untergehen, er hat große Aus

E gewerblihe .

r das Vaterland zu erfüllen, er muß niht bloß wirts{aftli L ber auf dem Lande fein. Dennoch aber it die fas nisotion ein Kulturwerk erften Ranges. Jh bitte um Anrahme res Antrags. (Schluß des Blattes.)

| Nr. 7 des „Eisenbahnverordnungsblatts*, ven im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 22. Februar, folgenden Inhalt: Bekanntmachung des Reichskanzlers vom Februar 1909, betreffend Aenderung der Anlagen Ÿ und VI der sitär-Transportordnung. Bekanntmachung des Reichskanzlers vom Februar 1909, betreffend Aenderung der Anlage B jur Eifenbahn-

U

M ehrsordnung. Nachrichten.

heraufs-

; Statistik und Volkswirtschaft,

e Revisionsverbände nah dem Gegenstande des Unter- i nehmens ihrer Genossenschaften. Ï Jn Ergänzung der Ausführurgen in den Nummern 253 und 270 4 Reichs- und Staatsanzeigers" vom 26. Oktober und 14. No- jber v. J. bringen wir nachstehend aus den von der Preußischen tralgenossenschaftskafse bearbeiteten „Mitteilungen zur deutschen ossenshaftsstatiftik für 1906" (XXVII. Ergänzungsheft zur „Zeit- ift des Königlich preußischen Statistischen Landesamts*“, Berlin 1908) þ Nachweisung über die Genossenschaften der vershiedenen Verbände h dem Gegenstande des Unternehmens.

Ï (s gehörten am 1. Januar 1906 im Deutschen Rei i: Wbisionsverhältnisse nah {ch he dem ' zum Reichs-

yerbande

¡um Verbande

L Ses (eins{l. d.Neuwteder)

a Gen, Mitgl. 940 711 11559 1031780 462 11547 1027351

11 539 1529 1839430 2 61

2146 2 749

267

136 29 211

466 1 266

3551 174915 160 308

9 127

22791

2 129 635

bditgenossenshaften . . . . 937 F dar. Darlehnskassenvereine 1 h stoffgenossenschaften :

E eerbliMe . 13 Ï landwirtschaftliche dreneinkaufsvereine . fgenossenschaften :

E everbiide .. » Ï | landwirtschaftliß)e . h, ¿, g. Beschaff. v. Maschinen

nd Gerate c hgazingenofsenschaften : Fe E e, 6 | landwirtschaftliche 190 istof- u. Magazingenossen\ch. :

Ee 14 | landwirtschaftlie . 11 duktivgenossenschaften :

De 39 } landwirtshaftli®ße . .. : 1 979 } dar. Meiereigenossens{ch. . - 1 672 j Beschaff. usw. y. Zuchtvieh -— 75 Me a 140 971 91 hnungs- und Baugenossen\h. :

E 20 199 19 47 4

eigentliche 799 64 3 863 707064 15770 1411 062,

zum Zentralverb. zum Hauptverh. deutsher Kon- deutscher ge- sumvereine werbl. Gen.

Gen. Mitgl. Gen. Mital.

.—=— -— 241 50 690

69 2 500 Sue : 7 264

i; 14 1 022 gazingenofsenschaften: Ey 7 330 I Tae. is 1 8

45 128

4

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458 192

1 d S 1 stige Genofsenshaften . L

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ditgenofsenshaften . . (stoffgenossenschaften : e eneinkaufsvereine . genossenschaften : GeWerdliMe . «

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jstoff- u Magazingenossen\{ch, : E a6 1 41 1 327 \uktivgenossenschaften : e T 0000 113 landwirtshaftlihe. . 1 15 296 dar. Meiereigenossensch. . 296 sumvereine . . 832 677 612 « 12 702 hnungs- u. eigentliche 3 642 1 162 E 124 stige Genossenschaften 8 L 01 610 zusammen 857 682 586 443 71 148, zu anderen zu keinem Verbänden Verbande i # Gen. Mitgl. Gen. Mitgl. tibgenofsenshaften . . « . 1747 282119 624 185181 dar. Darlehrskassenvereine . 1411 142372 168 24371 hstoffgenossenschaften: ERmeroliGe .. 34 979 104 3 879 landwirtschaftliche 75 6 694 95 9 865 teneinkauf8vereine 4 162 73 3723 fgenossenschaften : gewerblihe . . 29 1 353 106 11 672 landwirthaftliche 12 273 141 3 425 ai 6 Di

N. ¿. g. Beshaff. y. M » S ® Mig Paiingenofsen : ewerbliche R E G 891 hst a @aftliche N 4 039 "U. al ° gewerbliche E Ie: 1103 landwirtschaftliche 1 049 uftivgenossenshaften: jewerblidhe d 12 906 andwirt schaftliche 489 26 020 924 494 2 344

43 4 36 29 1 089

465

G9Q

42 10

126 783 695

46 658

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15 450 45 865 40 870 4 360 154 530

dar, Meiereigenossen\{. ¿400 ¿4 Veshaff. usw. y. Zuchtvieh 33 eime U 8 97.199 nungs u. Baugenossen\{. : fgeitlihe s A 0 T6421 26 875 n 6 1s (e Genossenschaften . . 2B 439 198 25975 B [ei zusammen 2884 435042 3349 505 021, ergleihe mit früheren Jahren lassen sich nicht anstellen, da * Audählung für sämtliche Genossenschaften des Deutschen Reiches * Annar 1906 zum ersten Male erfolgt ist.

Zur Arbeiterbewegung.

(gun Ausstand der Kohlenarbeiter im Kieler Hafen ke- ufen ? „Köln. Ztg.*: Der Lohntarif war am 31. Dezember ab- Uta: und die Arbeitgeber hatten angesichts der ungünstigen Ge- b eitet tine Lohnkürzung angekündigt, Es wurden Verhandlungen

®® Man einigte sih auf die Herabsepung des Stundenlohnes

bon 50 S auf 45 4, ‘des Lohnes für das Löschen der Kohlen vom Schiff an Land von 70 „H auf 66 4 . Die Arbeltnehmer lehnten aber eine Bindung auf drei Jahre ab. Da eine endgültige Einigung nicht zustande kam, beschlossen die Arbeitnehmer, in den Ausstand zu treten. Es handelt sich um etwa 300 organisierte Hafenarbeiter. Die am Montag in Kiel eingetroffenen Kohlendampfer konnten niht ge- 1öscht werden. Es werden nur Kohlcnshife durch den Ausstand ke- rührt. Die Hamburg-Amerika-Linte hat den Dampfer „Poseidon“ mit 200 Arbeitswilligen nah Kiel gesandt.

_Die Lohnstreitigkeiten in der Weberei Achter u. Ebels in München-Gladbah sind, der „Köln. Ztg." zufolge, dadur beentet worden, daß die Firma einen bither im Buckskingeweibe noch nicht üblih gewesenen Lohntarif mit der Wirkung bis vorläufig zum 1, Oktober zugestand. (Val. Nr. 45 d. Bl.)

In Rau scha haben, nah demselben Blatte, die Glashütten- besißer, umeine Lohnherabsezung herbeizuführen, den alten Tarif- vertrag zum 1. März gekündigt. Da die Arbeiterschaft eine Lohnver- s{lechterung entschieden ablehnt, ist ein Ausstand wahrsch{einlich,

Da die Verhandlungen mit den in den Ausstand getretenen Webern der Firma „Schlesishe Buntweberei vormals B, Neugebauer Söhne und Carl Pospishill* in Langen- bielau zu keiner Einigung geführt haben, hat si, wie der „Voss. Ztg.“ telegraphiert wird, die Firma veranlaßt gesehen, 417 Arbeitern und Arbeiterin nen, die als Spuler, Färber und Appreteure beschäftigt waren, zu kündigen, da, wenn die Weberet ruht, für sie Arbeit nit vorhanden sei. (Vgl. Nr. 49 d. Bl.)

Literatur.

Jahrbuhch der Königlib Preußishen Kunstsamm- lungen. Dreißigster Band. 1. Heft. Berlin 1909. G. Erotesche Verlagsbuhhandlung. Das erste Heft des dreißigsten Bandes des von Professor Ferdinand Laban herauf gegebenen Jahrbuhs der König. lih Prevßischen Kunstsammlungen wird eingeleitet mit etrer \charf- finnigen Üntersuhung Simon Mellers „Zur Entstehungsgeschichte des Krarzgesimses am Palazzo Farnese in Nom.* „Zunächst zeigt der Verfasser, daß die beiden Berichte Vasa1is in den Viten Antonios da San Gallo und Michelangelos nicht lückenlos aneinander passen. In der Biographie San Gallos endigt der Bericht damit, daß Papst Paul ITT. das Gesimsprojekt Michelangelos über die Projekte der anderen Konkurrenten stellte und dessen Ausführung anordnete, diese aber dem San Gallo vorbehitelt. Vasaris Angaben in der Vita Michelangelos scheinen dagegen nur fo zu verstehen zu fein, daß bereits bei Lebzeiten Antonios da San Gallo auch die Aus|ührung an Michelangelo übertragen wurde. Man könnte nun annehmen, meint Meller, daß die von Vasari erwähnte Ver- stimmung wegen der fremden Konkurrenz Antonio bewog, die Aus- führung des Michelangeloshen Projektes abzulehnen, und der Papst sih gezwungen sah, auch dite Ausführung dem letztercn zu übergeben. Meller bespriht dann ein Briefkonzept, in dem, wie man bisher annahm, Michelangelo den ursprünglichen Gesimsentwurf San Gallos scharf kritisierte. Meller beginnt zu zweifeln, daß diese Kritik wirklich von Michelangelo stamme, denn sie bestehe aus nichts anderem als aus verworrenen Umschreibungen der an \sich nit sehr präzisen vitruvianishen Forderungen; set kleinlih, pedantish, s{hülerbafi und keineswegs überzeugend. „— Diese Zweifel werden zur Gewißheit. Milanesi hatte bereits bemerkt, daß die Ausdrucksweise dieses Briefkonzeptes weder michelangeloisch, noch überhaupt toskanish sel. Michelangelo kann nicht der Verfasser dieser Kritik sein, vielmehr muß eine Abschrift Michelangelos von einem fremden Briefe vorliegen. Das seßt aber ein lebhaftes Interesse Michelangelos an jenem kritisierten Gesimsentwurf voraus. Sollte etwa fein eigenes Gesims hier angegriffen werden? Und sollte ein dem Antonio da San Gallo Nahestehender der Angreifer, der Verfasser dieser Kritik sein? In der Hauptsache ift, wie gesagt, dieses Schreiben eine Wiederholung vitruvianisa er Postulate, es besteht zum Teil aus ins Italienische übersetten Vitruvzitaten. An eine der in der ersien Hälfte des Cinquecento ershienenen Vitruvübersezungen hat fch der Schreiber dabei nicht gehalten, dagegen existieren die auffälligsten Uebercinstimmungen mit einer handschriftlihen, im Drucke nie er- shieneren Vitruvüberseßung von Gicvanni Battista da San Gallo, genannt il Gobbo, dem Bruder Antonios (Nom, Bibl. Corsiniana). Die Kritik stammt also niht von Michelangelo, ist vielmehr offenbar ein von San Gallosher Seite gegen sein Gesimsprojekt gerihtctes Glaborat. Da das Kreuzgesims in den Detail- formen auffallend streng ist, wurde von verschiedener Seite die Detaillierung dem Michelangelo abgesprohen und anderen Künstlern zugewiesen. Meller meint nun, daß Michelangelos erster Entwurf im Detail gewiß freier und zügelloser gewesen sei. Erst dur die San Galloshe Kritik wäre Michelangelo genötigt worden, \ih bei der Ausführung im Detail strenger zu fassen.

__ In einem reichillustrierten Aufsaye seßt Max J. Friedländer feine im vorigen Bande begonnenen Studien über Bernaert van Orlcy fort. Orleys Tätigkeit ¡wishen 1515 und 1520 wird nunmehr unterjucht. Ein retizvolles Bild der Madonna mit dem Kinde in einem Garten reben einen Springbrunren, im Besiß des Herrn J. Emden in Hamburg, das das aufgefälschte Dürermonogramm trägt, schreibt der Verfasser Orley zu und sett es auf etwa 1514 an. Zwischen 1515 und 1520 wäre dann der in Turin aufb:wahrte Alta: flôgel von Furnes entstanden. Der Verfasser konstatiert, daß die Bauformen der auf dem Flügel dargestellten kapellenartigen Haüe noch vorwiegend gotisch sind, daß das Verständnis für Renaissance- arhitektur keineswegs vorgeschritten ist, sodaß alfo für die Einschiebung einer itc"ienishen Rei‘e in die Periode zwishen 1512 und 1518 aus der Architektur oder Ornamentik Argumente nicht gewonnen werden können. Im übrigen ist zu konstatieren, daß fich der Jugend- stil Orleys zu einer erheblih eleganteren und abgeshliffeneren Weise ausgebildet hat. Der Verfasser kommt auf den 1520 datierten, aber nicht sizntierten, vielteiligen Flügelaltar mit dem Marien-Tode im Bürgerhospital zu Brüssel zu sprehen. Die tradittonelle Bes stimmung auf Orley wird dur stilkcitische Prüfung, im besonderen durch Vergleichung mit dem Turiner Stücke, wie au gesicherten Arbeiten des Meisters von 1521 bestäti, t verschiedenen Teilen auffallend ungleich ist, hat man Mitarbeit von Schülern hter in besonders weitem Umfang anzunehmen. Ein Teil des vielgliedritgen Brüsseler Hospitalbildes, die Darbringung im Tempel, kehrt nur auf zwei Darstellungen der Schmerzen Marfä, die im Museum zu Antwerpen und in der Galerie Colonna in Nom bewah!t werden, wieder. Da diese drei Repliken der Darbringung im Tempel bei vollkommener Uebereinstimmung der Komposition und des Stils eine Fülle kleiner Variationen und Freiheiten eckennen lassen, erklärt Friedländer die Tafeln der Schmerzen Mariä, wie das eine Gegenstückd mit den Freuten Mariä in Nom für Arbeiten, die um 1520 in Orleys Werkstatt en!standen \ind. Die Madonna mit der Blume auf der Darstellung der Freuden Mariä ift eine häufig vor- kommende Komposition, Friedländer nennt neun ihm diente Wieterholungen, deren älteste ein Stich des Meisters mit den Band- rollen ist. Da dieser Steher nah 1470 niht mehr gearbeitet hat, da ferner weder anzunehmen it, daß dieser als Kopist {on Entlarvte der Erfinder ist, noch daß die Maler des XVI. Jahrhunderts nah dem primitiven Stich gearbeitet haben, muß hier eine Madonnentafel des XV. Jahrhunderts als Vorbild gedient haben, die vermutlih in Brüssel stand und vtelleiht eine Schöpfung Nogers van der Weyden war. In die gleiche Zeit seßt der Casseler Galerie, das bisher Jan van Coninxloo IugeraTteben war, ferner eine Beweinung Christi in der Sammlung Darîto Venables zu London und mehrere Madonnenbilder in der Ambrosiana zu Mailand, bei Herrn Ad. Schloß in Paris, des Prado zu Madrid, der Sammlung Hoogendijk im Haag und der Londoner Nattonal Gallery. Schließlih bespriht Friedländer die Tätigkeit Orleys als Porträtmaler in jener Periode. Seit 1515 diente er nachweislich der Statthalterin argarete von Oesterreih, Tochter Kaiser Maximilians als Bildnismaler. Ein Porträt der Fürstin von der Hand Orleys besißt die Sammlung Carvalho zu Paris. Von dem jugendlihen Karl V. liegen zwet

Da die Qualität in ten ;

riedländer ein kleines Triptychon |

Bildnisfafsungen vor : die eine mit halbseitlich nah rechts gewandtem Profil kommt in sechs leiht voneinander abweichenden Repliken vor ; keine hat Arspruch, für das Diizinal zu gelten, das s{heinbar zugrunde gegangen ist. So bleibt denn auch die Autorschast Orleys etwas zweifelhaft. Die andere Fassung dagegen, die den jungen König originell und geistreih aufgefaßt mit lebhafter Wendung des Kopfes zeigte, {reibt Friedländer mit größerer Best!mmtheit Orley zu. Das Original befindet ih in der Galerie zu Budapest; Wiederholungen sind nicht bekannt. Das einzige tinschriftlich beglaubigte Bildnis von Dirleys Hand ist dasjenige des Doktors Georg von Zelle von 1519 in der Brüsseler Galerie, leider kein sehr gutes Werk Orleys. Der Ausdruck ift leer und wenig bestimmt, die Form entbehrt der Klarheit. Die Hände ersheinen \{chleckcht verkürzt. —- In eirem der e Hefte des Jahrbuhs wird der Verfasser seine Orley-Studien ortseßzen. ;

Es folgte ein „Rekonstruktionsversuh des Hochaltars Donatellos im Santo zu Padua“ von Detley Freiherrn von Hadeln. Der Verfasser teilt die Ansicht anderer, - daß die -durch Camillo Boito getroffene, heutige Anordnung der Bronzestatuen und Reliefs Dona- tellos verfehlt ist. Aber auch der Vorschlag Cordenons? sei nit in allen Punkten zu akzeptieren, defsen Rekonstruktion sich eber venezianishen S{öpfungen des ausgehenden Quattrocento als Werken Donatellos anshließe. Außerdem habe Cordenons einen inkorrekten Text der ältesten Beschreibung des Hochaltar8, nämlich denjenigen des venezianishen Patrizie:8 Michiel, benußt. Hadeln zeigt, daß der korrekte Text einem großen Teil des Bronzereliefs unzweideutig deu Plaß anweist. Der Verfasser macht dann auf gewisse Üeber- einstimmungen eines Terracottaaltars des Donatello-Sehilfen Giovanni da Pifa in der Eremitanerkirhe zu Padua mit dem Jugendwerke Mantegnas in Verona, dem Hocaltarwerke von S. Zeno aufmerksam und {ließt auf ein gemeinsames Vorbild, den ehemaligen paduanishen Hochaltar Donatellos. Der Hogaltar Mantegnas wird nun neben der Beschreibung Michiels und den zahls reihen Zahlungsvermerken, die, von Floria und Lazzarini publiziert, über Entstehung der einzelnen Teile des Aufbaus Kunde geben, zu einer Rekonstruktion herangezogen. Der Verfasser kommt \chlißlich zu folgenden Annahmen. Die sieben Bronzestatuen waren in einen Säulenkbau von dret Frontinterkolumnien, einem Seiteninterkolumnium gestellt. Der Sockel dieser Säulenhalle, deren Grundriß sich aus drei quadratishen Flächen zusammenseßte, war vorn und rückwärts seben- gegliedert, feitlih dreigegliedert. Vorder- und Rückseite des Sockels waren fast gleihartig geschmüdckt: An den vier Ecksteinen befanden sih die vier Evangelistensymbole, die berühmten Bronzetafeln mit Szenen aus der Antoniuslegende waren ebenfalls zu zwei und zwei auf Vorder- 1nd Rückseite verteilt, und zwar nahmen sie die Flächen unter dem Seiteninterkolumnium ein. Vorn war dann ferner ein Bronzerelief der Pietà angebrat, als Mittelstück des Sockels, flankiert von den Wappen des Stifters Franceëco da Tergola, eires paduas nishen Wollhändlers. Auf diesem Sockel ruhte die Säulenhalle mit vier hochgestellten Säulen an den Fronten, vier hohgeftellten Pfeileru an der Nüdfseite. Diese Stüßen trugen ein Gebälk, auf dem die flahe, wahrsheinlich kassettierte Decke ruhte. Bekrönt wurde der Bau durch eine große Volute, vermutlich ges{chmückt mit jenem Stein- relief Gott, Vaters, das die Dokumente erwähnen. Zum Schlusse weist Hadeln auf die große Bedeutung dieses Werkes Donatellos für die oberitalienishe Kunst, speziel für die Geschichte des ober- italienishen Altarbildes der zweiten Hälfte des Quatktrocentro hin. Nachwirkungrn, a an den Hochaltar des großen Florentiners lassen sih nicht nur in Padua, auh in Venedig, Vicenza, Verona, in der Lombardei und Ferrara konstatieren.

Richard Hamann beschlicßt das Heft mit einem wertvollen Beitrag zur Geschichte der mittelalterlihen Skulptur Deutschlands eDie Kapitelle im Magdeburger Dom“. Hamann erörtert ¡unäGst die Prin¡ipien der Kapitellbetrahtung, behandelte dann die Kapitell- typen im Magdeburger Dom und bespriht die Entwicklung des mittelalterlihen Kapitells. Endlich gelingt es dem Verfasser, zwei Künstlerpersönlihkeiten festzustellen, den „Meister der breittilapigen ene des Chorumganges* und den „Meister der Ranken- apitelle”. H.

Land- und Forftwirtschaft.

Saatenstand in Jtalien während des leßten Drittels des Monats Januar 1909.

In Piemont, dem größten Teile der Lombardei und in Venezien, wo s{chönes Wetter, niedere Temperatur und starker Frost herrsSte, waren die Felder mit Schnee bedeckt. In diesen Gegenden matte ih bereits der Mangel an Feuchtigkeit bemerkbar. Die Felder in der Emilia und in den Marken lagen größtenteils unter Schnee, ter ¡war die landwirtshaftlihen Arbeiten hinderte, aber das Wahstum förderte. In Mittelitalien wirkte die kalte Temperatur [ebr günstig auf das Getreide. An der tyrrhenishen Küste egünstigten das andauernd {dne Wetter und der \spärlide Schneefall die Feldarbeiten. In den südlichen Gegenden und auf den Infeln war der Stand der Felder im allgemeinen zufriedenstellend. Mit Ausnahme einiger Gegenden, wo die Feldarbeiten unterbroden werden mußten, wurden im Süden die Getreidefelder hon vom Unkraut ge- säubert, dessen Wachstum durch das herrshende Klima begünstigt worden war. In etnigen Gegenden klagt man über Mangel an Grün auf den Weidepläten. (Bericht des Kaiserlichen Generalkonsulats in Genua vom 17. Februar 1909.)

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln,

München, 23. Februar. (W. T. B.) Die „Korrespondenz Hoff- mann" meldet: Beim ersten Bataillon des 21. Infanterie- regiments in Fürth find am 18. Februar 1 Unteroffizier und 19 Mann wegen Darmkatarrhs dem Lazarett überwiesen worten. Von ihnen fühlten sich am 20. Februar bereits 13 Mann wieder vollständig wohl, nur 1 Mann hatte erhöhte Körpertemperatur. Am 22. Februar gingen noch vier Mann wegen der gleihen Erkrankung dem Lazarett zu. Nah dem Ergebnis der bakteriologishen Untere suhung bandelt es ih um leihte Ruhr. Die Erbebungen über die Ursache sind noch im Gange. Die erforderlihen Maßnahmen gegen die Weiterverbreitung sind getroffen.

Verdingungen im Auslande,

(Die näheren Angaben über Verdingungen, die beim „Reis- und

Staat3anzeiger“ ausliegen, können in den Wochentagen in dessex

Expedition während der R von 9 bis 3 Uhr eingesehen werden.

Italien.

Dir¿ktion des Militärkommissariats des 8. Armeekorps iw lorenz und gleichzeitig diejenigen in Alessandria, Mailand, enua, Verona, Bologna, Ancona, -. Turin, Mom:

Neapel, Bari und Palermo. 1. März 1909, 12 Ußr Mittzg8. Vergebung der Lieferung von 15 000 m dunkelblauem Kleiderftef ix Unteroffiziere und Karabinieri in 15 Losen zu je 1000 m. Süherhetfa leistung für jedes Los 780 Lire. Zeugnisse sind bis spätestens W. Fri bruar 1909 einzureihen. Näheres în italieniser Spradte bet „Reichsanzeiger“. i

Direktion des Militärkommifsariats des 10. Armer in Neapel. 2. März 1909, 12 Uhr Mittags: Vergebung der Auftrung von 20 000 Paar kleinen Stiefeln mit kleinen Saumalhen filr Kuli truppen in 40 Losen zu je 500 Paar. Sicderdettslebung fir edes Los 450 Lire. Zeugnisse find bis |päteftens 1. März 1208 tinguneitten, Näheres in italtenisher Sprache deim „Reitdsauzeigaer"