1888 / 226 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

T P E R A E GpMG w e EBM Kp T A T E T I I T N P I C A T A n a s C

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Freiherrn Vay von Vaja, zu Gonobiz bei Pöltschach in Steyermark, dem Gutsbesiger Otto von Transehe-Rosene>, auf Bolwa bei Romeskaln in Livland, E dem Schloßhauptmann von Osnabrü>k und Mitglied des errenhauses, Friedrih Wilhelm Grafen von dem usshe-Jppenburg genannt von Kessell, auf ppenburg bei Wittlage in Hannover, dem Hauptmann a. D. Albrecht von Thümen, zu Meeran, dem Kammerherrn und Hofmarschall Sr. Königlichen Hoheit des PAN Albre<t von Preußen, Heinrich Grafen von der Shulenburg-Wolfsburg, zu Hannover, dem Rittergutsbesißer Georg Grafen zu Dohna auf Wund- la>en bei Kalgen in Ostpreußen, dem General der Kavallerie à la suite der Armee, Hermann Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg, in Langenburg,

am 23. August d. J. in der Johanniter-Ordens-Kirhe zu Sonnenburg den Rittershlag und die Jnvestitur ertheilt.

Deutsches Reich.

Bekanntmachung.

Die Königliche Kreishauptmannschaft hat auf Grund von , 11 und $. 12 des Reichsgeseßes vom 21. Oktober 1878 das lugblatt mit der Ueberschrift : ; / „An die Einwohnerschaft Crimmitschau's. Ein Gedenkblatt zum 2. September 1888“, unterzeichnet : S „Die Sozialdemokraten Crimmitschaus.“, auf welchem als Verlag- und Dru>ort die Genossenschafts- dru>erei Hottingen-Zürih angegeben ist, verboten, Zwickau, am 3. September 1888. Königlich sächfische Kreishauptmannschaft. Leonhardi.

Bekanntmachung.

Das am gestrigen Tage in hiesiger Stadt verbreitete lugblatt, welhes die Ueberschrift führt auf der einen eite: „Die Stimme der Menschheit zum Sedan. “,

auf der anderen: „Sanct Sedan. “, und als gedru>t: „zu Basel dur<h Jeronymus Froben und Nicolaus Bischof“ be- zeichnet ist, wird auf Grund der 8. 11 und 12 des Reichs- geseßes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie vom 21. Oktober 1878 hiermit verboten.

Gotha, am 3. September 1888.

Der A Hünersdor

Königreich Prevsßen.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Militär-JFntendantur-Sekretär von der Jntendantur des Garde-Corps, Rechnungs-Rath Lange, bei dem Aus- scheiden aus dem Dienst den Charakter als Geheimer Rech-

nungs-Rath zu verleihen.

BekanntmacMung.

Die Studirenden des Bau- und Maschinenbaufa>es, wel<e die Vorprüfung na< den Vorschriften vom 6. Juli 1886 oder die erste Hauptprüfung na< den Uebergangéebestimmungen vom 21. Fe- bruar 1887 bezw. nah den Vorschriften vom 6. Juli 1886 in der diesjährigen Herbstperiode hier abzulegen beabsichtigen, werden hierdur< aufgefordert, bis zum 30. d, M. schriftlich, unter Beifügung der vorgeschriebenen Nachweise, bei der unterzeihneten Behörde zu melden, die Studienzeihnungen aber im Präsidial-Bureau der Königlichen Eisenbahn-Direktion hierselbst abzugeben. Wegen der Zu- lassung zur Prüfung wird denselben demnächst das Weitere eröffnet werden.

Meldungen, welche na< dem angegebenen Schlußtermin eingehen, müssen unberü>sichtigt bleiben.

Hannover, den 1. September 1888.

Königliches tehnishes Pr üfungs- Amt.

Angekommen: Se. Excellenz der Justiz - Minister Dr, von Friedberg, aus Bad Ems;

Se. Excellen) der Präsident des Bundesamts für das O irklihe Geheime Rath von König, aus der SMWwet1z ;

L er i Präsident der Justiz - Prüfungskommission, Dr. Stölzel,

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 4. September. Se. Majestät der Kaiser uns König speisten gestern im Schlosse ieoriéétton uns arbeiteten demnäß9st mit dem Chef des aóttór a0 ves GarneCEorps, Oberst-Lieutenant Freiherrn von Falkenhaun Heute früh beraten S der Kavallerie-Lirifiant t bei Jüterbog.

¡6 Se. Majestät zu den Uebungen Is Armee-Corps nach der Gegend

Das amtlich festgestelltz Erg2nib berErsagwahl im 6. Berliner Reihstags-Wabl reise ift folgendes: Von 93480 eingetragenen timmen Wählern find 41757 gültige Stimmen abgegeten weten. Lauen haben erhalten: Liebkneht 26067, Knints T4 Finster 4331, Holy 2849; 16 Stimmen zersplitterten fh. Erfttea if somit gewählt.

Fortgeseyte Entwendungen von Hahtun44- |

lein breimaliges Hoh auf Se. Majestät den

oder Genußmitteln von unbedeutendem Werth t in geringer Menge zum alsbaldigen Verbrau, weren Seîammt-

quantum einen unbedeutenden Werth over eine geringe

Menge übersteigt, sind, na einem Urtheil des Reihsgerihts, I. Strafsenats, vom 26. April d. J., nicht als Uebertretung (sog. Mundraub), sondern als Diebstahl zu bestrafen, wenn der Thäter von vornherein diese fortgeseßten Entwendungen auszuführen beabsichtigt hatte.

Vertretung auf dem Kreistage vom 20. Juli 1887 in Abände- rung eines früheren Kreistagsbeshlusses beschlossen hat, an Stelle des Baues einer Chaussee von Groß-Weigelsdorf über o nah Klein-Oels den Bau einer Chaussee von Groß-Weigelsdorf über Schleibiß, Klein-Peterwiß, Kunersdorf, Süßwinkel nah Klein-Dels zur Ausfüh- rung zu bringen, ist dur< Allerhöhste Kabinets-Ordre vom 3. Augustd. J.das Enteignungsrecht für die zu dieser Chaussee erforderlichen Grundstücke, sowie gegen Uebernahme der künf- tigen <hausseemäßigen Unterhaltung der Straße das Recht zur Erhebung des Chausseegeldes auf derselben nah den Bestimmungen des Chausseegeld-Tarifs vom 29. Februar 1840 (Gesez-Sammlung Seite 94 ff.) einschließlih der in demselben A Bestimmungen über die Befreiungen, sowie der sonstigen, die Erhebung betreffenden zusäßlihen Vorschriften vorbehaltlih der Abänderung der sämmtlichen voraufgeführten Bestimmungen verliehen worden. Auch sollen die dem Chausseegeld-Tarif vom 29. Februar 1840 angehängten Be- stimmungen wegen der Chaussee-Polizeivergehen auf die gedachte Straße zur Anwendung kommen.

Jes ist Allerhöchsten Orts genehmigt worden, daß der zum Bau der Chaussee von Groß-Weigelsdorf über Dörndorf nach Klein-Dels bestimmt gewesene Theil der vom Kreise Oels auf Grund des Privilegiums vom 7. De- zember 1885 aufgenommenen Anleihe von 400000 46 zum Bau der Chaussee von Groß-Weigelsdorf über Schleibit, Klein-Peterwiß, Kunersdorf, Süßwinkel nah Klein-Dels ver- wendet werde.

Der General-Fnspecteur der Feld-Artillerie, General der Jnfanterie von Voigts-Rhet, is von Dienstreisen hierher zurü>gekehrt.

Als Aerzte haben si< niedergelassen die Herren: Dr, Lindenborn in Frankfurt a. M., Dr. Horn in Gr. Ziegenort und Kunz in Dölig.

Das „Marine-Ver.-Bl.“ veröffentliht folgende Naä- rihten über Schiffsbewegungen (das Datum vor dem Orte bedeutet Ankunft daselbst, nah dem Orte Abgang von dort). S. M. Kreuzer „Adler“ 7./1. Apia. Letzte Nachricht von dort 20./7. (Poststation: Apia [Samoa-Jnseln].) S. M. Vermessgsfhrzg. „Albatroß“ 5,/6. Dwarsgat. (Post- station: Bremerhaven.) S. M. S. „Ariadne“ 25,/8. Wilhelmshaven. (Pos:station: Wilhelmshaven.) S. M. S. „Bismar>“ 15./8. Plymouth 16./8, 19./8. Wilhelmshaven. Poststation : Wilhelmshaven.) S. M. Knbt. „Cyclop“ 7./8.

t. Thomé 19./8. (Poststation : Kamerun.) S. M. Knbt. „Eber“ 24./4. Apia 28./6. (Poststation: Apia [Samoa-Jnseln].) S. M. Fhrzg. „Falke“ 17./7. Wilhelmshaven 6./8. (Poststation : Wilhelmshaven.) S. M. Kreuzer „Habicht“ 24./8. St. Thomé 24./8. 28.8. St. Paul de Loanda 16./9. (Post- station: Kamerun.) S. M. Yacht „Hohenzollern“ 31./7. Kiel. (Posistation: Kiel.) S. M. Knbt. „Jltis“ 13.,/8. Newchwang. (Poststation: Hongkong.) S. M. Fhrzg. „Loreley“ 18./6. Therapia 27./8. 29./8. Galag 8./9. (Post- station: bis 5./9. Galay, vom 6./9. ab Konstantinopel). S. M. S. „Luise“ 27./6. Kiel 3./7. (Poststation: Neufahr- wasser.) S. M. Kreuzer „Möwe“ 30./6. Zanzibar. (Post- station: Zanzibar.) S. M. Pnzrfahrzg. „Mück“ Wilhelmshaven. (Poststation: Wilhelmshaven.) -— S. M. Kreuzer „Nautilus“ 19./7, Durban (Natal) 3./9. (Poststation: St. Vincent [Cap Verdes]). S. M. S. „Niobe“ 2./8. Malmö 12./8. (Poststation : bis 3./9. Swinemünde, am 4./9. und 5./9. Saßniß, vom 6./9, bis 12,/9, Sonderburg, vom 13./9. ab Kiel.) S. M. S. „Nixe“ 8./8. Madeira 10./9. (Poststation : bis 2./9. Madeira, vom 3./9., bis 12./9. Porío Grande [Cap Verdes], vom 13.,/9. ab Bahia [Brasilien].) S. M. S. „Olga“ 19./7. Zanzibar. (Poststation: Zanzibar.) S. M. Vermessgsfyrzg. „Pommerania“ 230./6. Kiel 2./7. (Poststation: Kiel.) S. M. Av. „Wacht“ Wilhelmshaven 16./8, 18 /3. Kiel. S. M. Knbt. „Wolf“ 12./8. Chefoo. (Poststation: Hongkong.) Kreuzergeshwader: S. M. S. „Leipzig“ (Flaggschiff) 29./7. Zanzibar. S. M. S. „Carola“ 19./7. Zanzibar 29./8. S. M. S. „Sophie“ 28./7. Aden. 19./8, (Poststation : Kapstadt.) Manöver- flotte: T. Division (Panzergeshwader): S. M. S. „Baden“ (Plagg!Bith, „Bayern“, „Friedri der Groß2“, „Kaiser“, S. M.

v. „Zieten“, 12./8. Zoppot 25./8 27./8. Kiel. O Kiel.) Schulgesbwader: S. M. S. „Stein“ (Flaggschiff), „Gneisenau“, „Prinz Adalbert“, 8./8. E>ernförde 22./8.

2./8. Kiel. —- S. M. S. „Moltke“ 31./7. Kiel 15./8. Edternförde 22./8, 22./8. Kiel. (Poststation: Kiel.) Torpedohootsf:ottille : 7./8. Swinemünde 13./8. 14./8. Neu- fahrwasser 21./8. —— 22./8. Kiel. (Poststatior.: Kiel.)

Dampfer „Salier“ mit der abgelösten Besagung S. M. Krzr. „Adler“ Sydney 15./8.

Sigmaringen, 1. September. (Schw. Merk.) Der König von Portugal wurde gestern bei seiner Ankunft auf dera Bahnhof von dem Fürsten Leopold, dessen Gemahlin, dem Prinzen Ferdinand, ferner dem Regierungs-Präsidenten, Bürgermeister, Dekan, sowie verschiedenen höheren Beamten und Ojfizieren empfangen. Der König E 6 Tage hier zu bleiben. Die Königin - wird in den nächsten Tagen erwartet.

: Reufz ä..L. Greiz, 2. September. (Leipz. Ztg.) Heute Nahmiitag fand hier unter allgemeinster Theilnahme die Enthüllungsfeier des Kaiser Wilhelm-Denkmals statt. Die Feier, an welcher sämmtlihe Schulen, Militär- und andere Vereine und Korporationen, das uniformirte Schüßen-Corps, das hiesige Wachkommando vom 96. Jn- fanterie - Regiment, 25 Reserve - Offiziere unter Führung des Obersten Gaillard, sowie die städtischen und obersten Fürft- lihea Behörden Theil nahmen, war ausgezeichnet duch das Erscheinen des Fürsten Heinrih XRI1. Reuß ält. Linie. Nach der vom Dr. Zopf gehaltenen Festrede, der An- sprache des Vorsißzenden des Denkmal - Comités, Reichs- tags-Abgeordneten Henning, der Absingung mehrerer Gesänge unh Ertheilung des Befehls zur Enthüllung des Denkmals pur< ben regierenden Fürsten fiel die Hülle, und es brachte

i A i G i Deutihen

hierouf sofort der Fürst unter Emporheben des Helmes

Kaiser aus, inden Höchstderselbe ' mit aua uns fröftiger Stimme die Wocte sprah: „Jh be-

Dem Kreise Oels, Regierungsbezirks Breslau, dessen -

rüße das eben enthüllte Standbild Sr. Majestät des Hoch- eligen Kaisers Wilhelm I. mit einem Hoh auf Höchstdessen Durchlauchtigsten Enkel, Se. Majestät den Deutschen Kaiser Wilhelm, König von Preußen! Hoh! Hoch! Hoch!“

Oesterreih-Ungarn. Wien, 3. September. (W. T. B.) Der bayerische Minister des Auswärtigen, Freiherr von Crails- heim, ist heute hier eingetroffen.

Prag, 3. September. (W. T. B.) Aus Budweis, Kaplig und Strakoniß werden Uebershwemmungen gemeldet. Auch in Pisek, wo die Kaiser-Manöver statt- finden, droht die Gefahr einer Uebershwemmung. Der Kaiser hat deshalb angeordnet, daß von der für morgen in Aussicht enomnenen großen Revue abgesehen werde und nur ein Vor-

eimarsch stattfinden soll. Dem heutigen Diner beim Kaiser wohnten auch die fremden Militärbevollmächtigten bei.

Frankrei. Paris, 2. September. (Köln. Ztg.) Die „Corresp. Havas“ meldet: „Die Effektivbestände des zu den Herbstmanövern beorderten, in der Normandie stehenden 3. Armee - Corps belaufen \si< auf 198 Offiziere, 31366 Soldaten, 7045 Pferde und 813 Wagen. Bekanntli<h nimmt eine e Brigade an diesen Manövern, welchen der Präsident der Republik anwohnen wird, theil. Die aus 20 Offizieren be- stehende auswärtige Mission ist der Leitung ihres ältesten Offiziers, des russishen Generals Baron von Frederichs, unter- stellt. Die Manöver schließen mit der von Herrn Carnot ab- genommenen Heerschau.“ y

3. September. (W. T. B.) Sämmtliche zur Vor- nahme von ‘Uebungen ausgelaufenen Torpedoboote sind nah dem Hafen von Toulon zurückgekehrt, mehrere derselben beginnen bereits abzurüsten.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 4. September. (W. T. B.) Die Kaiserin ist heute Vormittag 91/5 Uhr auf der unweit von hier gelegenen Station Alexandrows- kaja eingetroffen und von dem Kaiser, welcher bereits gestern zurü>kgekehrt war, empfangen worden.

Der Minister-Staatssekretär von Finnland und Präsident des O General-Konsistoriums, Wirkliche Geheime Rath Baron Th. Brunn, ist gestern gestorben,

Jtalien. Nom, 3. September. (W. T. B.) Der König wohnte gestern Vormittag den Manövern bei, welche glän- zend verliefen, und kehrte alsdann nah Forli zurück, von wo aus sih Se. Majestät mit dem Kronprirzen um 3 Uhr Nachmittags wieder nah Ceseno begab. Der Empfang war ein sehr begeisterter und die zusammengeströmte Volksmenge so groß, daß der König nur mit Mühe vom Bahnhof nah dem in der Nähe gelegenen Rathhause gelangen konnte, wo die Vorstellung der Spigen der Behörden stattfand. Der Bürgermeister überreihte dem König, als Andenken an seinen Besuch, eine goldene Medaille nebst einer O auf Pergament. Um 7 Uhr Abends kehrten der König un der Kronprinz, denen am Bahnhof sih der Herzog von Aosta angeschlossen hatte, nah Forli zurü>, wo ein militärisches Diner stattfand.

3. September. (W. T. B.) Der König und dér Kronprinz besuchten heure Vormittag Faenza, wo ihnen gleihfalls außerordentliche Ovationen bereitet wurden. Die Königin ist von Monza abgereist und trifft heute Nach- mittag in Forli ein. Die morgen stattfindende große Parade bildet den Schluß der Manöver. i e

Forli, 3. September. (W. T. B.) Auch die Königin wurve auf der Fahrt hierher und bei der Ankunft hierselbst U empfangen. Frauen und Mädchen brachten der Königin fast überall Blumenspenden dar.

Zeitungsftimmen.

Die „Vossische Zeitung“ schreibt: -

Der Auszug aus den leßtwilligen Aufzeichnungen des ersten Deut- ¡Gen Kaisers ritet den Blick der Zeitgenossen in die Vergangenheit, in wel<Ger unter Wehen die Größe des Vaterlandes, die Einigung der deutswen Stämme geboren ward. Mit Recht hat Kaiser Wilhelm II. jene Aufzeihnungen ein Zeugniß frommen Sinnes genannt. Sie \ prechen von jener Ergebenheit in den Willen des Schi>sals und von jener großen Pflichttreue, welhe, unabhängig von jedem Bekenntniß und im Gegensaß zu unduldsamem Glaubenzeifer , Kennzeichen eter Religios:tät sind. Mit Fug hat auch der jugendlihe Herrscher die lcttwilligen Aufzei(nungen König Wilhelm's ein Denkmal zur Ehre des Entschlafenen gcnannt. Denn aus jedem Wort leuchtet hervor, daß der Herrscher, wie er auch handelte, gehorsam seinem Gewisién handelte. Diesen Ruhm hat dem heimgegangenen Kaiser alle Welt stets ertheilt ; diesen Rubm bestätigt der Auszug aus den Betrachtungen, wel<he Kaiser Wilhelm in ernsten Stunden nieder- geschrieben hat : U :

Kaiser Wilhelm 11. hat Recht, die lehtwilligen Aufzeihnungen des ersten Kaisers als ein Denkmal zur Ehre des Entschlafenen, als ein Vorbild für das Haus Hohenzollern urd das Volk zu bezeichnen. Denn wie immer das Urtheil über einzelne politis<he Maßnahmen laute und wie immer das Schidsal seine Wage lenke Sieger und Besiegte werden zufrieden sein können, wenn sie sh immer glei Kaiser Wilhelm sagen dürfen, daß sie, gehorhend ihrem besten Wissen und Gewissen, ohne Eigennuß und Menschenfurt gethan, was sie gesollt. Nicht der politishe Inhalt dieser Aufzeihnungen macht ihren Werth, sondern der sittlihe Kern, der aus jedem Worte spriht, der von jedem politishen und religiösen Bekenntniß unabbängige kategorische

Imperativ der Pflicht.

Jm „Hannoverschen Courier“ lesen wir:

Für den September sind von verschiedenen Parteien größere Wahlversammlungen in Aussicht genommen, und man darf voraus- sehen, daß die Wahlbewegung von da ab in etwas regeren Fluß fommt. Bis jeßt hat sie M in sehr ruhigen Bahnen ab- gespielt; in den meisten ahlkreisen haben no< kaum die ersten einleitenden Schritte stattgefunden. Wenn man gleidh- wohl schon einen allgemeinen Eindru> gewinnen kann, so wird er dahin gehen, daß eine wesentliße und entscheidende Aenderung in der Zusammenseßung des Abgeordnetenhauses) ni<ht zu er- warten ist. Nach zahlreihen Aeußerungen und Andeutungen in der Presse zu urtheilen, glauben alle Parteien Grund zu haben, im großen Ganzen auf die Behauptung ibres parlamentarischen Besißstandes zu vertrauen und etwaige Verschiebungen do<h nur in re<t bes<hränktem Umfang zu erwarten. Das Landtagsmahlsystem ist ja auc nit derart, um leiht plößlihe große Umwälzungen in der Vertretung entstehen zu lassen; es hat einen viel zu stabilen und konservativen Charakter. Es scheint auch, daß die Parteien si<h der e nah auf die Wahrung ihres Besißstandes beschränken und Eroberungs- versuhe nur in mäßigem Umfang unternehmen werden. Insbefondere wird untec den sogenannten Fartellparteien von einem allgemeinen systematischen Kampf und Krieg, troß so mancher Plänkeleien in der

* Presse, niht die Rede sein können. In manchen Wahlkreisen

mögen Konservative und Nationalliberale eine Krafstproke an- stellen, im großen Ganzen werden sie sih_ ihren Besißstand gegen- seitig niht aniasten fönnen und wollen. Eine konservativ-national- liberale Mehrheit ist auf alle Fälle au<h für das nächste Abgeordnetenhaus gesichert. Die Gefahr, daß die beiden konservativen e so weit erstarken, um für sih allein eine Mehrheit zu bilden, <heint uns ausges{blossen. Ob es gelingt, die Wiederkehr einex deutsh-konservativ-klerikalen Mehbrkeit zu hintertreiben, wagen wir nicht zu entscheiden. Wünschens8werth wäre es allerdings, nahdem die konservative Partcileitung es in den verflossenen Sessionen wiederholt N hatte, daß diese Mehrheit die parlamentarische Aktion an {ih riß.

_— Jn einem Artikel der Wiener „Presse“, betitelt: „Die Parteien: in Deutschland“ heißt es:

So viel staatëmännishe Einsiht, Gewandtheit und Konnivenz au nöthig war, um nah Ablehnung des Septennats durch den deutschen Reichstag das nationale Kartell zu Stande zu bringen und demselben bei den Wahlen zum Siege zu verhelfen, der Erfolg stellte sich ja do< nur deshalb cin, weil er in den Verhältnissen und in den UVeberzeugungen der großen Mehrheit des deutshen Volks begründet war. Derlei grundlegende politishe Aktionen lassen sih nicht glei Kunststü>ken der Taschenspielcr dur< Scharfsinn und Geschicklichkeit in dem einen oder dem anderen Sinne improvisiren, und in den Eristenz- fragen der Völker haben \si<h die Konsequerzen ter thatsächlihen Ver- hältnisse no< immer stärker erwiesen als der Einzelwille, als die Intrigue und der Witz. In solchen Fragen offenbart si der Geist urd der ethische Wille nur darin, daß ersterer jene Verhältnisse erkennt, und daß der Wille den Geöurts8helfer abgiebt bei ihren Ergebnissen. Als ein lebensfähiges und lebenslustiges Kind ist das Kartell auf die Welt gekommen und es wird ausleben aber ges<hla<tet oder vergiftet wird cs wohl ni<t werden.

Welche Majoritäten sind im preußis<hen Landtage oder im Deutschen Reistage als Stütze und als mitbestimmende Helfer ciner Regierung denkbar ?

Wir haben \<on darauf hingewiesen, daß die Allianz des Centrums mit den Freisinnigen nur für Oppositionszwe>e geschlossen ist, und wegen Dissonanz beider Parteien in Kultur- und Wirthschafts- fragen niemals zur Schaffung eines positiven Regierungsprogramms führen kann. Es bleiben also nur die Möglichkeiten einer Majorität von Konservativen und Centrum, einer rein liberalen Majorität und der gegenwärtigen Kartellmajorität. Cine konservativ-ultranontane Mäzjorität hat es in Berlin s<hon mehrfach gegeben, ohne daß je die Par- teien und dieRegierung teren froh geworden wären. DieseMajorität war ein Ergebniß des verunglü>ten Kulturkampfs, ein Residuum aus dem Widerstreit der liberalen Parteien gegen Kulturfrieden und Schup- zoll. Mit dem Abschluß des Kulturfriedens ist cine Unterstüßung der Regierung durch tas Centrum etwas zu kostspielig geworden, da die preußisÞde Regierung den Frieden mit der Kurie aus sittlichen und politis<en Gründen ebenso gern dur< Nachgiebigkeit ibrerseits erkaufte, als sie nur sehr ungern für Unterstüßung des Hrn. Windthorst Kon- zessionen an extceme Parteiforderungen gewähren würde. Einen Kulturkampf der Parteien zu wagen, die Mannen des Centrums und Gustav-Adolf-Bereins zu befriedigen und also die Leidenschaften in die Massen zu werfen, dazu dürfte sid, eine ernsthafte Entschlossen- heit in Regierungékreisen ni<ht leiht finden. Etne rein liberale Majorität würde im gleihen Maße die in Deutscbland stark und bere<tigt vertretenen konservativen und religiösen Intercssen bedrohen, sie würde ebenso die Katholiken und Ge tiven zum Kampf um die Existenz herausfordern, wie jene andere Majorität die Liberalen. Wahrschcinli< würde aber cine liberale Majorität re<t bald dur die Uneinigkeit im eigenen Lager ¡u Grunde gehen. Somit bleibt wieder nur das Kartel der nationalen Parteien, dessen Existenz das innere Regierungs- programm bedingt, das in seiner Existenz dur jenes Pro- gcamm bedingt wird. Wern die Kreuzzeitungsmänner gegen Jose „mittelparteilihe Versumpfung“ weiter frondiren sollten, so mag vielleiht der Shwerpunkt des Kartells um Einiges mehr nah links verlegt werden. Vorerst aber vertagen die nationalen Pflichten den Streit zwishen Tradition und Demokratie, zwischen Gleichheit und Distinktion. Noch gilt es Wichtigeres, noch gilt es zu erfassen und ¿u {üßen vor inneren und äußeren Feinden.

-— Jm „Export“ lesen wir:

Vereits in der leyten Nummer unseres Vlaites haben wir die Nachricht veröffentlicht, daß die Zollbehörde in Melbourne die Unter- su<hung gegen eine deutshe Firma eingeleitet habe, wel<e eine größere Zahl deutscher Pianinos auf Grund unterwerthiger Fakturen (Deklaratioren) eingeführt hat. Jm Anschluß an jene Mit- theilung gcht uns neuerdings wicder die Nackriht zu, daß gegen cine andere große, bereits vor den 1879er und 1880cr Aus- stellungen besteingesührte deuts<he Firma, aus dem gleihen Grunde, ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Ob mit Recht ober Unrecht, werden die Ergebnisse dcs eingeleiteten Prozesses ergeben. Wir möchten aber diese Veranlassung niht vorübergehen lassen, ohne die deuts<hen Erporteure, gleichviel ob Fabrikanten oder Exporthäuser, auf das Ce vor jeder unterwerthigen Deklaration der nah Australien, sowie überhaupt nah Uebersee gesandten Waaren zu warnen. Wir haben semer Zeit (vergl. Nr. 23 des Blattes) ein- gehend erörtert, mit wel<hem Eifer die englische Konkurrenz bestrebt ist, die deutshe Mitbewerbung auf dem australishen Markt zu \<hä- digen und derselben, namentlih gestüßt auf tas Markenshußgeseyß, dur< Verdächtigung ihrer Ehrlichkeit und Leistungsfähigkcit S>wierig- keiten oller Art zu bereiten. Daß Vorkommnisse wie die obigen nur dazu angethan sind, diesem Bestreben Vorshub zu leisten, liegt auf der Hand. Wohl werden si dieselben Vorwürfe au< der englischen und französishen Geschästösgebahraung gegenüber eft genug machen lassen, aber die französishe Konkurrenz fürhten die Engländer in Australicn ni<ht und wie die Verkältnisse einmal liegen gilt die Aufmerksamkeit der Zollbehörde mehr den deutschen als den englishen Importen. Wie uns mitgetheilt wurde, läßt die Zollbebörde in Melbourne alle deutshen Importe des Genauesten auf ihren Werth hin untersuchen. Nicht nur fordert sie (unter Anderen mit Bezug auf die Klaviere) die Vorsteher der „Ware-houses“ zur Begutachtung der von den deutschen Firmen ein- geführten Pianinos, sowie zum Vergleich der Preise und Marken der betreffenden Instrumente auf, sondern die Zollbeamten vergleichen die Fafturen und Defklarationen der vershiedenen Importeure, wel<he osters die gleihen Klaviere aus denselben Quellen beziehen. Sogar die Zeihnungen und Preisangaben der Kataloge der deutshen Fabrikanten dienen als Kontrolmaterial. Der Vorwurf, im internationalen Handel unreell verfahren zu haben, bleibt indessen ni<ht auf den betreffenden deutschen Importhäusern sigen, sondern fällt in allen seinen üblen Folgen auf die gesammte deutshe Exrportindustrie zurü>. Diese und ähn- lihe Erfahrungen sollten den deutshen Fabrikanten * veranlassen, scinerseits die gans von Zollfakturen, welche nicht mit seinen Büchern übereinstimmen, ein für allemal zu verweigern. Diese Pflicht schuldet er nit allein si< selbst, sondern auh dem gesammten nationalen Handel und der heimishen Industrie. Was nüyen andernfalls alle die vom Reich mit so großen Opfern unterstüßten Bestrebungen, den deutschen Export zu fördern? Das unreelle Geschäft erschwert dem ehrlichen Kaufmann und Fabrikanten die Mit- bewerbung und schädigt ihn dur den \{<le<ten Ruf, den es erzeugt. Kein Wunder dann, wenn das deutshe Geschäft überhaupt dis- kreditirt wird. Erwägt man denn nit, daß das Ausland mit Ver- fugen jede Gelegenheit ergreift, unseren Außenhandel systematisch zu d<ädigen?! Und nun geben ibm deutshe Firmen au< noh die Waffen in die Hand!

Centralblatt für das Deutsche Reih. Nr. 36. Inhalt : Zoll- und Steuerwesen: Bundesrathsbes<luß, betreffend Er- mächtigung des Ausschusses für Zoll- und Steucrwesen, die in Bezug auf den Anschluß von Eekictétheilen an das Zollgebict erforderlichen

Beschlüsse zu fassen; Bestimmungen für den Taba>probenverkehr; Zollregulativ für Reis\{älmühlen; Regulativ, betreffend die Ausfuhrvergütung für Tabak; Befugniß einer Steuerstelle. Konsulatwesen: Ermächtigung zur Vornahme von Civilstands-Akten. Polizeiwesen: Auêweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet.

Amtsblatt ves Reihs-Postamts. Nr. 38. Inhalt: Verfügungen: vom 29, August 1888, Post - Dampfschiffverbindung Stettin—Kopenhagen.

Post - Dampfsc<biffverbindungen na< außereuro- päischen Ländern. September 1888.

Marine - Verordnungs-Blatt. Nr. 20. —- Inhalt: Rechtsverhältnisse, Marschgebührniß-Vorschrift. Geländer zum Scute der Posten. Schußtafeln. Sciffsbücherkisten. Werftdienstordnung. Schiffsbücherkisten. Kohlenbeschafung. Inventar und Material in Singapore. Personalveränderungen. Benachrichtigungen.

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteo- rologie. Organ des Hydrographishen Amts und der Deutschen Seewarte. Herausgegeben von dem Hydrographis<hen Amt der Admiralität. Sechzehnrer Jahrgang. 1888. Heft VIII. Inhalt: Untersuchongen über den Einfluß der Dynamomaschine und der zur elektrischen Beleuchtung erforderlichen Kabelleitungen auf den Kompaß, angestellt von dem Kaiserliden Observatorium zu Wilhelmshaven. Nach dem Berihte ven Dr. Eschenhagen, Assistent des Kaiserlichen Observatoriums. Bemerkungen über Bibundi, Westküste von Afrika. Nach dem Bericht S. M. Knkbt. „Cyclop“, Kanmmandant Kapt.-Lieut. Schneider. Tocopilla und Duendes, Bericht des Kapt. Chr. Le Moult von der deutschen Bark „Oscar“. (D. S.) Tief- lothungen und Wassertemperaturbestimmungen im Indischen Ocean. Ueber die Ableitung wahrer Tagesmit:el aus den Beobachtungé- stunden 8h a. m, 2h p. m, und dh p. m. Von Dr. W. Köppen. (D. S.) Vierteljahrs-Wetter-Rund\hau der Deutschen Seewarte an der Hand der täglihen synoptishen Wett1erkarten für den Nord- atlantishen Ocean. Herbst 1884, Mit 6 Karten, Tafel 11 bis 13. Bericht über die elfte auf der Deuts>Wen Seewarte im Winter 1887—83 abgehaltene Konkurrenzprüfung von Marine-Chronometern, Kleine Notizen. Tabellen Kartenbeilagen.

Archiv für Post and Telegravhie. Nr. 16. Inhalt: Aktenstücke und Aufsäße: Die Uebers<hwemmungen im Frühjahr 1888 und die durch dieselben für den Postverkehr verursachten Betriebs- störungen. Die Rohrpost-Anlage in Berlin und Charlottenburg. (Fortseßung.) Das neue Post- und Telegraphen Uebereinkommen zwischen Oesterrei<h un Ungarn. —— Kleine Mittheilungen: Verwen- dung von Fernsprehkakeln. Post-Uebereinkunft zwishen Zululand und Natal, Das Postwesen von Victoria. Der Bau der Pariser Stadtbahn. Eine Eisenbahn in Baumwipfeln, Literatur des Verkehrswesens: Fortschritte der Elcktrotehnik. Vierteljährlihe Be- rihte über die neuerer. Erscheinungen auf dem Gesammtgebiete der angewendeten Elektricitätslehre mit Einschluß des elektrischen Nach- rihten- und Signalwesens. Unter Mitwirkung von Dr. Kiliani, Dr. Pirani und Dr. von Dolivo:Dobrowolski herausgegeben von Dr. Karl Stre>ker. Erster Jahrgang. Das Jahr 1887, Erstes, zweites und duittes Heft. Berlin. Verlag von Julius Springer. Zeitschriften-Ueberschau.

Statistische Nachrichten.

Das Juliheft der „Monatshefte des Kaiserlichen Statistishen Amts* bringt außer den regelmäßigen, auf den betreffenden Monat bezüglichen Nachweisungen über Handel, Preise, Auswanderung 2c. no<h folgende Beiträge zur Statistik des Deutschen Reichs: Erntestatistik für das Erntejahr 1887/88; Statistik der Straf- fälle in Bezug auf Zölle und Steuern ; Statistik der Zollbegünstigungen im Weinhandel im Etatsjahre 1887/88,

Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlihen Gesund- beitsamts sind in der Zeit vom 19. bis 25. August cr. von je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdur{\<hnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 20,3, in Breslau 25,9, in Königsberg 27,9, in Köln 28,4, in Frankfurt a. M. 14,3, in Wiesbaden 23,3, in Hannover 22,4, in Magdeburg 33,7, ir Stettin 31,6, in Altona 21,9, in Kassel 18,6, in Straßburg 27,8, in Mey 30,5, in München 34,7, in Nürnberg 16,9, tn Augsburg 25,2, in Dresden 24,9, in Leipzig —, in Stuttgart 13,2, in Karlsruhe 13,2, in Braunschweig 32,2, in Hamburg 21,6, in Wien 22,4, in Pest 34,4, in Prag 260, in Triest 23,7, in Krakau 24,5, in Amsterdam 20,3, ir. Brüssel 22,1, in Paris 20,9, in Basel —, in London 17,5, in Glasgow 18,8, in Liverpool 22,6, in Dablin 17,9, in Edinburg 14,5, in Kopenhag:n 20,5, in Sto>holm 17,6, in A 21,1, in St. Petersburg 28,2, in Warschau 31,9, in Ddessa —, in Rom 26,5, in Turin 23,0, in Venedig 25,2, in Alexandria 47,4, Ferner in der Zeit vom 29, Juli bis 4. August cr. in New - York 28,5, in Philadelphia 24,2, in Balti- more 28,4. in Kalkutta 17,2, in Bombay 25,4, in Madras 27,1.

__ Die allgemeine Sterblichkeit hat in der Berichtswoche in dem größeren Theile der Großstädte Europas etwas zugenommen, doch melden ein Theil der größeren englishen und an der Nord- und Osft- küste gelegenen deuts<en Großstädte kleinere Sterblichkeitsziffern. Sehr gering (no< ni<t 15,0 pr. Mille und Jahr erreihend) war die Sterblichkeit in Lübe>, Karléruhe. Frankfurt a. M. und Edinburg. Günstig (bis 20,0 pr. Mille und Jahr) blieb sie in Dresden, Stuttgart, Elberfeld, Kassel, Nürnberg, London, Glaëgow, Dublin, Sto>kholm. Mäßig hoh (etwas über 20,0 pr. Mille) erscheint die Sterblichkeit in Berlin, Hamburg, Altona,

annover, Bremen, Amsterdam, Kopenhagen, Paris, Christiania. Sehr hohe Sterblichkeitsziffern (über 35,0 pro Mille) melden von den deutschen Städten nur Chemniß und Münster. Vielfach wurdea, zumcist wohl in Folge der in der Berichts8woche vorherrs\<hen- den "ärmeren Witterung, wieder Darmkatarrhe und Brehdurhfälle der Kinder in größerer Zahl als Todesursachen angemeldet, die in Breslau, Hamburg, Leipzig, Straßburg, Köln, Barmen, Magdeburg, Stettin, Aachen, Brauns<hweig, Wien, Pest, Brüssel, Paris, London, Warschau, St. Petersburg u. a. O. viele Todesfälle hervorriefen, während in Berlin, Königsberg, Danzig, München, Augsburg, Dresden, Stuttgart, Düsseldorf ihre Zahl etwas geringer wurde. Der Antheil des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war im All- gemeinen ein größerer, in Berlin und München jedo< ein kleinerer. Von je 10000 Lebenden starben aufs Jahr bere<hnet in Berlin 100, in München 159 Säuglinge. Akute Entzündungen der Athmungso!gane führten dagegen in etwas verminderter Zahl zum Tode. Von _ den JInfektionskrankheiten kamen Todes- fâle an Masern, Scharlah und typhösen Ficbern etwas häufiger, an Diphtherie und Po>en etwas weniger zur Anzeige. Masern- Todesfälle waren in Berlin, Dresden, Hamburg, Brüssel, London vermehrt, in Paris und St. Petersburg vermindert. Etkrankungen wurden aus Berlin, Hamburg, Wien, St. Petersburg eiwas seltener gemeldet. Das Scharlachfieb er hat in Breslau weniger, in München, London, Warschau, St. Petersburg mehr Opfer . gefordert. Auch Erkrankungen wurden aus den meisten Orten, aus denen Berichte vorliegen, häufiger zur Anzeige gebraht. Die Sterblichkeit an t E nnd Croup war in Berlin, Breslau, München, Wien, Kopenhagen, St. Petersburg eine verminderte, dagegen in Hamburg, Met, Braunschweig, Prag, Buda- pest, Paris und Warschau eine gesteigerte. Neue Erkrankungen kamen meist in ähnlih großer Zahl wie in der Vorwoche zur Bericht- erstattung. Typhöse Fieber bedingten in Breslau, London, I „_elwas mehr, in St. Petersburg etwas weniger odesfälle. Erkrankungen waren ia Berlin und Budapest häufiger, in Hamburg und St. Petersburg seltener als in der Vorwoche. An Fle>typhus wurden aus Warshau und h je 1 Todesfall mitgetheilt. An epidemischer Genid>- starre kam weder ein Todesfall no< eine Erkrankung zur Meldung. Der Keuchhusten hat in Berlin, London und Kopenhagen mehr Sterbefälle, in Hamburg und Kopenhagen au< mehr Erkrankungen hervorgerufen. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes

der Haut waren allgemein selten. Aus London kam 1 Todesfall an Tollwuth zur Mittheilung. Einzelne Todesfälle an Po>en kamen aus Triest und Paris je 1, mehrfache aus Prag (7), aus Warschau (11) zur Anzeige. Eikrankungén wurden aus St. Peters- burg 1, aus Pest 2, aus Wien 3 mitgetheilt.

Der Gesundheitszustand in Berlin war in der Berichtswoche wieder ein günstigerer und die Sterblichkeit eine kleinere als in der vorangegangenen Woche. Insbesondere haben Darmkatarrkle und Brechdurhsälle der Kinder, wiewohl no< immer sehr zahlrei< auf- tretend, weniger Sterbefälle als in der Vorwoche hervorgerufen (168 gegen 196), wodur< auch die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit eine geringere wurde. Auh akute Entzün- dungen der Athmungsorgane riefen weniger Sterbefälle her- vor. Das Vorkommen dcr JInfektionskrankbeiten blieb meist ein glei<h beshränktes wie in der Vorwoche. Erkran- kungen an Masern, StwarlaG und Diphtherie kamen in keinem Stadttheile in besonders hervorragender Zahl zur Anzeige. Nur Erkrankungen an typhösen Fiebern wurden besonders aus der Königstadt in elwas größerer Zahl zur Meldung gebraht. Erkran- fungen an Keuchhusten zeigten {h wieder hävfiger, au hat die Zahl der Sterbefälle zugenommen. Rosenartige Entzündungen des Zell- gewebes der Haut und Erkrankungen im Wocenbett zeigten keine wesentlihe Veränderung in ihrem Vorkommen; dagegen gelangten rheumatishe Beshwerden aller Art in wesentlih gegen die Vorwoche verminderter Zahl zur ärztlihen Behandlung.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Für Kirchen<höre dürfte die Mittheilung von Interesse sein, daß soeben das erste Heft folgender Publikation erschienen ist: „Chorgesänge der Liturgie des heiligen Chrysostomus“, na< den Originalmelodien in Musik gefeßt von B. Rand- hartinger, Hofkapellmeister in Wien, mit deutshem Text fiür evangelishe Kirchenchöôre unter gütiger Mitwirkung des Hrn. Ludwig Bußler in Berlin herausgegeben von Daniel, von Cölln, Oberpfarrer zu Brü>k in der Mark“ (im Selbstverlage des Herausgebers; für den Buchhandel in Kommission der Bu(h- handlung des Vereinshauses, H. G. Wallmann, zu Leipzig). Die anderen Hefte werden sofort nah dem Erscheinen in der Reihen- folge der Bestellungen expedirt, die {hon jegt erbeten werden. Der Preis beträgt für 1 Exemplar 50 &, 4 Exemplare 1 4 75 S, 25 Exemplare 10 #4, wofür die Sendung postfrei erfolgt, wenn der Bestellung der Betrag (ev. in Briefmarken) beigefügt ist.

„Oberschlesien, sein Land und seine Industrie“,

Festfchrift für die XRIX. Hauptversammlung des Vereins Deutscher

ngenieure zu Breélau. Im Auftrage des Oberschlesishen Bezirks- Vereins Deutscher Ingenieure bearbeitet von Dr. Bernhard Kos8manna, Königliher Bergmeister a. D. und Privatdozent an der Universität Breslau. Nebst einer geognostishen und einer Verkehrskarte, bearbeitet von dem konz. Markscheider Künzel in Charlottenhof. Im Selbstverlage des Obers{hlefischen Bezirk8-Vereins Deutscher Ingenieure zu Kattowiß. Gleiwit, Dru> von M. Krimmer's lithograpbis<hem Institut, 1888. Das vorliegende Buch verdankt seine Entstehung einer ehrenvollen und dem Verfasser willklommenén Anregung. Die Heraus- geber wie der Verfasser sind gleicher Weise der Ansicht gewesen, daß demselben als Festgale, wenngleich eine solche nur der vorübergehenden Dauer weniger Tage festliher Vereinigung gewidmet erscheint, denno eine um so höhere Beachtung beigelegt werden möchte, von je blei- benderem Werth der Inhalt derselben si<h erweist. Die Festschrift macht daher Anspru<h darauf, etwas mehr als eine dur< das zeitlihe Ereigniß hervorgerufene Gelegenheits\<hrift zu sein; wenn au< aus gelegentliher Veranlassung hervorgegangen, so darf die Schrift do< als ein Erzeugniß langjährig gesammelter Erfahrungen und eines umfangreihen Materials bezeihnet werden, wel<es der Verfasser in mehrjähriger Ausübung amtlicher und wissenshaftlicher Berufsthätigkeit gesammelt hat und welches zu vervol! ständigen ihm durch die persönlichen Beziehungen zu den Ver- waltungen der oberschlesis<en Werke vergönnt gewesen ist. Für die vorliegende Arbeit hat eine jüngst erfolgte Bereisung des ober- \<lesis<en Industriebezirks dem Verfasser von dem gegenwärtigen Zustande der Werke und deren ncuesten Einrichtungen Kenntniß verschafft. Die Festshrift hat si< die Aufgabe gestellt, als ein Werk behandelt zu werden, wel<hes für die gegennärtig er- reite Entwi>klung der obershlesis<hen Industrie eine Feststellung ihrer Errungenschaften in kultureller, national- ökonomischer, te<nisher und wissenschaftliher Beziehung gewährt. Auf den Inhalt des stattlichen mit großem Fleiß ausgearbeiteten Bandes werden wir no< gelegentli< zurückkommen. Die Ausstattung der Festschrift ist eine hochelegante und durchaus würdige. Die Nr. 35 von „Scorer's Familienblatt“ (red. von Dr. Franz Hir\<) hat folgenden Inhalt: Eine diplomatishe Zurecht- weisung. Im Bann der Liebe. Roman von Sara Husgler. (7. Fortseßung.) Regenbogen. Gedicht von Th. Nöthig Zu dem Bilde von Deiters: Nah dem Regen. Was ift das Leben ? Von Otto Neumann-Hofer. I. Das Protoplasma. Unter der Blume. Capriccio von Stefanie Keyser. Mit einer Titel-Vignette von Karl Marr. Spielkameraden, Von Theodor Artopé. Zu dem gleihnamigen Bilde. Ein Meister des Bühunenhumors. Von Adolf Gerstmann. Mit Bildniß von Eugen Labiche. Plaudere>e. Beilage. Größere Holzschnitte: Nah dem Regen. Original- zeihnung von H. Deiters. Spielkameraden. Nach dem Gemälde von H. Werner.

Gewerbe und Handel.

__ Berlin, 2. September, (Wochenbericht für Stärke, Stärke- jabrikate und Hülsenfrüchte von Max Saberskty.) Ia. Kar- toffelstärke 20-—203 #, Ia. Kartoffelmehl 19}—20} #, Ila. Kar- toffelstêrke u. Mehl 16—19 4, feuhte Kartoffelstärke loco Parität Berlin #, gelb, Syrup 22—227 4, Capill.-Erport 24’4—25 4, do. Syrup 23—24 K, Kartoffelzu>ker-Capill. 24—25 4, do. gelber 222—23è M, Rum-Couleur 33—40 #4, Bier-Couleur 33—40 4, Dextrin, gelb und weiß, Ia. 27—-28 4, Dextrin, sekunda 23—25 H, Weizenstärke (kleinst.) 32—34 4, Weizenstärke (großstü>.) 37—42 M, Halleshe und Schlesishe —, Schabe-Stärke 29—32 4, Mais-Stärke 33—34 K, Reiss\tärke (Strahlen) 42—44 Æ, do. (Stücken) 41—42 4 Victoria-Erbsen 16—19 #, Kocherbsen 16-—19 , grüne Erbsen 16—19 Æ#, Futtererbsen 133—15 4, Leinsaat 19—214# A, Mais loco 13—14 M, Linsen, große 46—56 M, do. mittel 32—46 M, do. kleine 24-—30 #, gelber Senf 18—26 4, Kümmel 48—54 4, Buchweizen 1323—14} A, inländishe weiße Bohnen 21—22 Æ, breite Flahbohnen #, ungarishc Bohnen 21—22 4, galizische und russishe Bohnen 20—21 #4, Hanfkörner 19—20 46. Leinkuchen 14—15 4, Mohn, weißer 42—46 #, do. blauer 40—44 4, Raps- kuchen 133—143 #, Weizenschale 8,60 4, Roggenkleie 9,20 4, Hirse, weiße 18—22 4 Alles per 100 kg ab Bahn bei Partien von mindestens 10 000 kg.

Nah dem Ge\chäftsberiht der Aktiengesellshaft Nheinis che Stahlwerke zu Meiderich bei Ruhrort wurde im Betriebs- jahre 1887/88 ein Reingewinn von 422 371 M (gegen 512453 46 im Vorjahre) erzielt, so daß, einshließli<h des Vortrages aus 1886/87, 423 324 Æ zur Vecfügung der Generalversammlung bleiven. Der Aufsichtsrath \{<läct vor, 418 500 4 zur Zahlung einer Dividende von 9 9% (Vorjahr 11 %, 1885/86 15 9%, 1884/85 20 9%) zu ver- wenden und den Rest von 2824 # auf neue Rechnung vorzutragen. Die Abschreibungen absorbiren 187 854 Æ (gegen 222 794 M für 1886/87). Was die Produktion im Betricbéjahre 1887/88 anbetrifft, so find an Bessemer- und Thomas-Blö>ken , sowie an basishem und saurem Martinstahl 117 185 000 kg die größte Leistung seit dem Bestehen des Werkes verarbeitet worden. Die Produktion an Schienen, Schwellen, Bandagen, Achsen, Laschen, Stahlknüppeln, Platinen, Rund- und Quadrat: Stahl, sowie Blö>en erreichte die Höhe von 96 523 738 kg, Versandt wurden an fertigen Produkten und Rohblöden 98689486 kg, sowie an Abfällen und Thomas-