1888 / 280 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

«“ hauses als Handlanger Dienste leistete, hatte si< vor einem

“der Kriegsstärke selbst in dem Gesetze nicht O enthalten

abzuholen. Auf der Hinfahrt zu dem Prokuristen brachte er bisweilen die Kinder des Direktors der Firma zur Schule. Einen Unfall, welcher den . besagten Arbeiter auf der Hin- fahrt im Beisein der Kinder dur<h Umschlagen des Gefährts betraf, hat das Reichs - Versicherungsamt mittelst Rekursentscheidung (Nr. 601) vom 2. Oktober d. J. in Ueber- einstimmung mit dem Schiedsgericht als einen Unfall beim Betriebe erachtet, für dessen Folgen die betheiligte E genossenshaft aufzukommen habe. Zur Begründung dieser Entscheidung wurde erwogen, daß das Abholen des Prokuristen zu den «ständigen Einrihtungen des Fabrikbetriebes gehörte und eine Thätigkeit bildete, welhe den Zwe>en E mittelbar förderli<h war. Der hierdurch begründete Zusammen- a der Fahrt mit dem Betxiebe wurde dadur, daß der raglihe Kutsher auf der - Hinfahrt zu dem Prokuristen die Kinder des Direktors zur Schule beförderte, niht aufgehoben,

da der maßgebende Zwe> der Fahrt das Abholen des Pro-

kuristen war. (Vergleiche Rekursentscheidungen 453, 558, 559, „Amtliche Nahhrichten des R.-V.-A.“ 1888 Seite 69, 287.)

Ein Arbeiter, welher bei dem Neubau eines Wohn-

aufsteigenden Gewitter {hußsucend in das CrdgesGoß des be- saaten Hauses zurückgezogen und wurde daselbst vom Blite ershlagen. Das Reichs- Versiherungsamt hat durh Rekursentscheidung (Nr. 602) vom 2. Oktober d. J. den Ent- shädigungsanspru<h der Hinterbliebenen zurü>gewiesen. Er-

- wogen wurde hierbei einerseits, daß der Getödtete weder bei einer besonderen Betriebsthätigkeit verunglü>t sei, welhe mit einer über das Maß des gewöhnlichen Lebens hinausgehenden Bligtgefahr, z. B. dur den Standort des Arbeiters, verbunden war, andererseits, daß au<h für das Gebäude selbst eine er- höhte Blitgefahr weder aus dessen Lage und damaligem Zu- stande beziehungsweise der Beschaffenheit der Baumaterialien, noch aus dem Umstande zu entnehmen war, daß dasselbe um ein Geringes (etwa ein Meter) über den Nachbarhäusern \i<h erhob. (Vergleiche Entscheidung 317 „Amtliche Nachrichten des R.-V.-A.“ 1887 Seite 132.)

Hannover, 2. November. (Hann. Courier.) Jn der estrigen (1.) Sizgung des 22. Hannoverschen Provinzial- andtages wurde der Eingang von Vorlagen der Re- ierung und des Provinzial-Ausschusses angezeigt. Unter eßteren befinden sih die Neuwahl des Landes- Direktors,

die Bewilligung von 15 000 (4 für landwirthschaftlihe Winter- \hulen und eine Verstärkung des Pensionsfonds. Sodann werden drei Petitionen als eingegangen angezeigt : die Gesell- schaft für bildende Kunst 2c. zu Emden bittet um Erhöhung der ihr gewährten Beihülfe; zwei andere sind persönlicher

Natur. 2. November. (W. T. B.) Der Provinzial-Landtag wählte zum Landes-Direktor den Landrath Freiherrn.

von Hammerstein-Loxten.

Eren Leipzig, 2. November. Der Rath der Stadt Leipzig hat folgende Berannmaung erlassen :

Se. Majestät der Deutsche Kaiser Wilhelm hat geruht, Allerhödstseine hohe Befriedigung üker den Ihm in unserer Stadt bereiteten Empfang und Seinen Dank dafür auszusprehen, und mich beauftragt, dies zur Kenntniß der Bewohner unserer Stadt zu bringen.

Leipzig, den 1. November 1888. ;

Dr. Georgi, Ober-Bürgermeister.

Württemberg. Stuttgart, 1. November. Wie man dem „St.-A. f. W.“ aus Nizza mittheilt, hat der König im Laufe der leßten Woche den deutschen Vize-Konsul von Voigts- Rhey und vorgestern die Spißen der Civil- und Militär- behörden von Nizza zum Diner bei si geseh :

Braunschweig. Braunschweig, 2. November. (K.) Se. Königliche S oheit der Regent hat den vertagten ber Verkin Landtag auf den 9. November zur Fortsezung der Verhandlungen wieder einberufen.

_ Schwarzburg-Rudolstadt. Rudolstadt, 1. November. (Leipz. Ztg.) Der Landtag des Fürstenthums ist auf den 13. November einberufen worden.

_ Oesterreih-Ungarn. Wien, 2. November. (W. T. B.) Die „Pol. Corresp.“ \kizzirt die Bestimmungen des den Parlamenten vorzulegenden neuen Wehrge seßes. Aae, ee an - dem bisherigen normirten Kriegsstande von 000 Mann festgehalten, jedo vorgesorgt, daß dieser Kriegsstand im Bedarfsfall thatsächli Vor: handen sei. Zu diesem Zwe> werde si<h das jährliche Rekrutenkontingent für das Heer im Ganzen um etliche Tausend Mann höher stellen, als dies bisher ohne Zurech- nung der Ersazreserven der Fall gewesen. Auch der Land- wnr werde ein entsprechendes Rekrutenkontingent zugewiesen, welches indeß den bisher festgeseßten Minimalergän ungs- bedarf ni<ht übersteigen werde. Das Rekrutenkontin- ent für das Heer und die Landwehr solle die rundlage für die Kriegsstärke bilden, während die Ziffer

ei. Unbeschadet des Rechts der. Legislative der jährlichen Bewilli- gung des Rekrutenkontingents, soll die Ziffer desselben für die nähsten 10 Jahre festgestellt werden. Bisher betrug die Stellung für das Heer und die Landwehr zusammen, ohne Ersayreserve im Jahresdur<s<hnitte 140 000 Mann, während die bezüglißhe künftige Rekrutenzahl nur 125 000 Mann umfassen sol. Das neue Wehrgeseß gebe dem Heere wie der Landwehr je eine Ersazreserve, deren Mannschaften fortan zu denselben periodischen alis übungen ragen würden, zu denen die Reservisten überhaupt verpflichtet seien. Das stellungspflihtige Alter werde vom 20. auf das 21. Lebensjahr verlegt. Den Ein- jährig Freiwilligen, welhe die Reserveoffiziers - Prüfung nicht bestanden gen, werde die Verpflichtung auferlegt, ein zweites Jahr aktiv zu dienen. Die Fortsehung der Studien während des Dienstjahrs werde für unstatthaft erklärt, dagegen würden die Aemaltten zur Erlangung des Freiwilligenrehts vereinfaht. Wesentlihe Vereinfa ungen und Verbesserungen würden bezügli<h des Aushebungs- geschäfts getroffen. Für die Kriegsmarine werde eine Art zyetter Reserve, die eewehr neugeschaffen. Durch das neue ehrgeses werde eine wesentlihe und wirksame Verbesserung des ehrsystems erzielt ohne die Militärlasten in weit- gehender einschneidender Weise zu erhöhen, indem die unerläß- ihen Anforderungen der allgemeinen Wehrpflicht angemessen vertheilt werden.

Das „Fremdenblatt“ kommt nohmals auf die wunderbare

dieselbe nicht nur als ein glüd>lihes Ereigniß für die eigenen Unterthanen, sondern au<h für alle auswärtigen Nationen, deren Kräfte si< dem unkriegerishen Wettstreit der Civili-

sation zuwenden. Mit Kaiser Alexander III. wurde der Sache belt europäischen Friedens eine ihrer wichtigsten Stüßen er- alten.

Großbritannien und Jrland. London, 2. November. (A. C.) Gestern fanden in ganz England, mit Ausschluß Londons, die Neuwahlen für die e E statt. Das Ergebniß derselben is, soweit \si< übersehen läßt, ein beträhtliher Reingewinn für die Konservativen und liberalen Unionisten.

Die gestrigen Londoner Morgenblätter kommen in ausführlichen Leitartikeln no<hmals auf den unliebsamen Lord Sa>ville’shen Zwischenfall zurü>. Sie er- klären, niht zu Aeifen wie die Angelegenheit in Amerika zu solhen Dimensionen habe aufgebausht werden können, halten die Erregtheit für eine künstlihe und sind der Anficht, dab dieselbe fh nah der Präfidentenwahl alsbald egen dürfte.

Lord Rosebery béhandelte vorgestern in Edinburg das {hon früher von ihm wiederholt erörterte Thema der Reichs - föderation, welche namentlich dazu dienen soll, die Feinde Eng- lands von einem angriff auf irgend einen Theil des Reichs ab- ushre>en. Lord Rosebery wünscht die Kolonien au<h im Arlament von Westminster vertreten zu sehen: ein Punkt, über welchen bei den Mitgliedern der Reihsföderations- Liga durchaus noch keine Einigkeit herrscht.

Der Umzug des Lord Mayors am Tage seines Amts- antritts wird diesmal nur aus 12 Kutschen, einem halben A Musikcorps und einer Anzahl berittener Bannerträger estehen.

Fraukreih. Paris, 3. November. (W. T. B.) Jn der Anklagesache des Deputirten Andrieux gegen den Depu- tirten des Gard-Departements, Numa Gilly, wegen Ver- leumdung dur den den Mitgliedern der Budgetkommission gemachten Vorwurf des Schwindels und Betrugs beschloß die Anklagekammer des Gerichtshofs von Nimes, den An- geklagten Gilly vor das Ende dieses Monats zusammen- tretende S<hwurgeri<t zu verweisen.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 2. November. (W. A Die Kaiserliche Familie ist heute Nach- mittag in Gatschina eingetroffen.

3. November. (W. T. B.) Wie der „Regierungs- Anzeiger“ meldet, wurden bei dem Eisenbahn-Unfall in der Nähe von Borki der Kaiser am Fuß verlegt, die Kaiserin an der Hand verwundet, was die Majestäten aber niht verhinderte, umherzugehen und für die Ver- unglü>ten zu sorgen. Dem Flügel-Adjutanten Grafen Que metiew ist ein Theil eines Fingers abgerissen und die Brust gedrü>t worden ; das Hoffräulein Gräfin Golenitshew:-Kutusow ist am Fuße beschädigt; der Haus-Minister Graf Worontow- Daschkow, der Kriegs-Minister Wannowski und die Flügel- Adjutanten Danilowitsh und Tscherewin erhielten erhebliche Kontusionen. Der Ober-Jnspektor der Eisenbahnen, Stiern- wall, wurde so {wer verleßt, daß er auf einer Bahre in den Sanitätswagen Mas! wurde. Von den Bediensteten wurden insgesammt 21 getödtet, 37 mehr oder weniger shwer verwundet. Von Leßteren ist einer bald gestorben. Ueber die Ursache der Entgleisung berihtet der „Regierungs-An- geiger daß der Kaiser an Ort und Stelle einem Gen-

armerie-Offizier ‘persöulih einen Theil einer verfaultén

E eigenhäfdig behufs Vorlegung bei der Untersuchung ergab. /

Der österreihishe Botschafter Graf Wolkenstein-

Trostburg a gestern einen zweimonatlihen Urlaub an-

getreten und si<h ins Ausländ begeben.

Italien. Rom, 3. November. (W. T. B.) Der „DVsservatore Romano“ veröffentlicht ein Dekret der Kon- gregation der Riten, nah welhem der Papst am 31, Dezember cr. allen Denjenigen A bl gewährt, welche E die Ruhe der Kirche und des päpstlichen Stuhles sowie ür die Bekehrung der Sündigen beten.

Niederlande. Haag, 2. November. (W. T. B.) Jn dem Befinden des Königs ist eine lei hte Besserung eingetreten. Die Entzündung hat beträhtlih abgenommen und der Zustand wird von den Aerzten im Allgemeinen als zu- friedenstellend angesehen, wenn man au< das plößlihe Ein- treten von Komplikationen ni<ht für ausgeschlossen hält.

Der „Staatscourant“ bestätigt, daß in dem Befinden des O seit gestern eine Besserung eingetreten ist. Pro- D Rojenstein theilt vollständig die Ansicht der behandelnden

erzte. 3. November. (W. T. B.) Der König dus eine

—>

gute Nacht und die eingetretene Besserung seines Zustandes

ist eine auge 0s Der Zustand des Halses gestattet die

Beate esterer Nahrung. er König hat seine gewohnte Beschäftigung wieder aufgenommen. Rumänien. Bukarest, 3. November. (W. T. B.)

Gutem Vernehmen nah ist Gregor Ghica, gegenwärtig Delegirter der europäishen Donau-Kommission, zum dies- seitigen Gesandten in Berlin ernannt worden.

Serbien. Belgrad, 2. November. (W. T. B.) Bei Gelegenheit der vorgenom Jllumination ist von einem Menschen aus der Volksmenge mit Steinen nah den Fenstern der österreihishen Gesandtschaft geworfen worden. Die sofort eingeleitete Untersuhung hat ergeben, daß keinerlei demonstrative Absicht dabei vorhanden gewesen sein dürste, da auch die Fenster anderer unbeleuchteter äuser mit Steinen beworfen worden waren. Der Zwischenfall hatte demgemäß keinerlei weitere Folgen und ist die Angelegenheit sofort freundschaftlich. beigelegt worden.

Amerika. New-York, 31. Oktober. (A. C.) Nah dem „New-York Herald“ lautete das von dem Staats- sekretär Bayard an den britishen Gesandten ge- richtete Schreiben, welches die einfache Adresse: „Lord Sa>- ville“ trug, wie folgt: «Mylord ! Auf Anweisung des Präsidenten hake ih die Ehre, Sie zu benacrihtigen, daß aus Gründen, welhe der britischen Regierung bekannt gegeben worden sind, Ihr ferneres Ver- bleiben in Ihrer gegcnwärtigen amtlichen Stellung bei dieser Regierung ni<t länger genehm ift und folgli< die guten Beziehungen zwischen den beiden Mächten \<ädigen würde. < babe ferner die Ehre, auf Anweisung des Präsidenten, einen sicheren Geleitsbrief dur< das Gebiet der Vereinigten Staaten bei-

Errettung des russishen Kaisers zurü> und bezeichnet

zufügen. Ich habe die Ehre zu sein Ikr gehorsamer Diener

Afrika. Egypten. Alexandria, 30. Oktober da C.) Der niedrige Stand des Nil hat die Aufmerksamkeit des Departements der öffentlichen Arbeiten auf die Nothwendigkeit gelenkt, Maßnahmen zu ergreifen, um ein augen Unglü> in der Zukunft zu verhüten. Es ist im Plane,

1 000 Pfd. Sterl. für Mauerwerk und Erdarbeiten zu veraus- gaben, von welhem Betrage 138 000 Pfd. Sterl. im nächsten Jahre zur Verwendung kommen werden. Die Werke sollen theilweise durh Frohnarbeit hergestellt werden, und es ist vorgeshlagen, 103 000 Pfd. Sterl. vom Frohnfonds diesem Zwed zu widmen und den Rest dur< eine Anleihe auf- zubringen. -

Kairo, 31. Oktober. (R. B.) General Grenfell und Oberst Settle r morgen na< Suakim, um die dortigen Verhältnisse dur persönlihe Inspektion kennen zu lernen. Sie werden von Verstärkungen für die Besazung von Suakim begleitet, bestehend aus einer Abtheilung egyptisher Kavallerie, einer Compagnie Jnfanterie und einer Abtheilung berittener Artillerie mit 4 Krupp'shen Kanonen. Nach einer Draht- meldung aus Sugkim brannte der Feind in verwichener Nacht die Zereba um das linke Wasserfort herum nieder, als Vorbereitung zur Erstürmung des Forts, wurde aber dur< ein heftiges Feuer von den Schiffen und Forts zurückgeworfen. Die Rebellen feuerten indeß ein Dugend Granaten ab, von denen fünf in das Fort einshlugen, wodur< zwei Soldaten verwundet wurden. Reouf Pascha, das Minister der Vakoujss, hat seinen Posten niedergelegt. Mohamed Hamdi Pascha wurde zu seinem Nachfolger ernannt, der mit dem Posten verbundene Gehalt aber um 50 Proz. herabgesezt. Der Nil ist in Kairo um. einen Fuß weniger gestiegen, als er- wartet worden war. Das ist nachtheilig für das Delta. Jede Hoffnung auf eine große Baumwollernte muß jeßt auf- gegeben Ves und die niedrigsten Schäßungen erweisen \i

jeßt als die richtigen. (N. B.) Jn Rowayah \ind

Suakim, 30. Oktober. Ruhestörungen ausgebrochen, doch ist nicht bekannt, ob in Folge des Vormarsches der Derwische oder von Streitig- eiten zwischen den Stämmen. Major Be ep wird sich ungesäumt in den Distrikt begeben und die Sachlage untersuchen.

Zeitungsftimmen.

Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt:

Die weiteren über das Ergebniß der Wahlmännerwahlen in- zwischen eingetroffenen Nachrichten lassen immer deutlicher erkennen, daß von irgend einer erheblihen Verschiebung in der Zusammenseßung des Abgeordnetenhauses niht die Rede sein wird

Nachdem die freisinnigen Blätter und Parteiredner Monate larg von dem „starken Zuge nach lirks“, der dur<h „das Volk“ gehe, zu berihten „in der Lage“ gewesen und hierbei den Mund sogar über das gewohnte Maß freisinniger Selbsttäuschung hinaus voll genomwen hatten, stellt fi<h jeßt als Thatsache heraus, daß dieser „Zug nach links“ lediglih in den Nedaktionen der freisinnigen Blätter und den Agitationscomités gleiher Richtung ver- spürt wurde. Nachdem nun die Nachrihten über das Wahlergebniß das frühere Gerede der Freisinnigen Lügen gestraft haben, wollen sie es selbst gar richt anders erwartet haben, als daß das Abgeordneten- haus seine alte Zusammenseßung behalte. Diese nahträglih doku- mentirte Voraussicht ist um so bemerkenswerther, als fast alle Nach- rihten, die von „Eroberungen® berichten, solhe auf Kosten der Frei- sinnlgen vermelden. i : lit Ausnahme von Nerdhausen nämlich, wo die Freikonservativen ein Mandat an die Freisinnigen verloren haben dürften, liegen bisher, die Mehrheitshildung betreffend, nur solle Nachrichten vor, welche Mandatsverluste ter „großen* „deut schfreisinnigen® Partei ankündigen, und die Liste dieser bereits konstatirten oder to< mit großer Wahrscheinlichkeit in Auêsicht stehenden Mandatsverluste ist für eine Partei, die nur 42 Sigze im Abgeordnetenhause einnahm, bereits eine re<t umfangreihe. . . .,

Die „Freisinnige Zeitung“ des Herrn E. Richter \himp|t denn au bereits auf das Dreiklassenwablsystem einen ganzen langen Leit- artikel erR ;z da es mit dem „Zuge nach links" nibts war, muß das Wabhlsystem als Lückenbüßer herhalten, um die Niederlage der Sreisinnigen zu bemänteln. Wie das- Organ des Herrn Richter verfichert, müsse nunmebr das Bestreben der Freisinnigen sein :

„bei den nächsten Reihstagäwahlen der wirklichen Meinung des Volks zu einem deutlichen, kräftigen Ausdru> zu verhelfen. Hätten jetzt gleihzeitig Reichstagswahlen stattgefunden, so würde man überrascht worden sein von der versiedenen Wirkung des Wahlsystems auf die: Crgebnisse der Wahl. Indeß können ja die Reichstagswahlen nicht über den Februar 1890 hinaus geshoben werden. Vielleicht (?) finden diesclben {hon im nächsten Herbst statt. Jn vielen Kreisen, das hat si gerade bei den Wahlvorbereitungen für die Landtagswahl gezeigt, sehnt fich die freisinnige Partei förmlih danach, unter dem Reichstags- wahlre<t der wirklihen Volksstimmung einen kräftigen Ausdru> zu geben und das Ergebniß aus dem Februar 1887 richtig zu stellen.“ _So s\{<öôn das in „wirkli< freisinnigem® Geist Seitens des Richter'shen Blattes auch gesagt sein mag, vergessen ist dabei gänz- lih, daß unter dem Reichstagöswahlre<t die freisinnige Partei au 1884 eine „glänzende“ Niederlage ecrungen hat, die an Mandats- clonnle derjenigen von 1887 niht nastand.

i ewiß muß es aber Befriedigung erwe>en, zu sehen, daß weder die „Brot*- no< die „Schnaxsvertheuerung“, mit welhen Schatten der Freisinn seine Wablchancen verbessern wollte, noh. die an dem loyalen und monarchischen Sinn des Volks begangenen Frevel au< nur den Schein eines „Zuges nah links“ hervorgebracht haben.

Jn der „Hallischen Zeitung“ lesen wir:

Die am 30. Öktober gewählten Wahlmänner sollen am 6. No- vember die Wahl der Landtags-Abgeordneten vornehmen. Das preußische Volk erwartet, daß sie an diesem Tage das ihnen anvertraute Amt mit Gewissenkbaftigkeit Und wit dem vollen Bewußtsein von der Wichtigkeit der ihnen übertragenen . Pfliht ausüben. Die Wakhl- männer sind die Beauftragten des Volks: in ihre Hände ist nunmehr die Entscheidung über die Zusammensetzung des künftigen Landtages , über die Mögli@keit einer aedeiblihen und ersprießlihenu Entwi>elung aller unserer ôöffentlihen Ver- hältnisse gelegt. Ein so veraniwortungsvolles Amt erfordert cine Prüfung und Abwägung dessen, was dem Vaterlande frommt, ein besonnenes Urtheil über das, was hinter uns liegt und was die Zu- kunft uns bringen kann. Mit dem Augenbli>, wo einer der Urwäßler von seinen Genossen zum Vertraguens-, zum Wahlmann gewählt worden, ist_es seine Pflicht, sih allein von dem Interesse der Gejammt- heit, des Staats, des Vaterlandes bei der idm übertragenen Ab- geordnetenwahl leiten zu lassen.

Ihr Wahlmänner, an Cu ist es jet, zu bekunden, wie Jhr zu den öffentlichen Einrihtungcn, wie Jhr zu der ruhmvollen Geschichte unseres Vaterlandes steht. Wer von Eu<h möhte einen Stein auf- heben gegen das, was der große Kaiser geschaffen und gewirkt und was er uns kbinterlassen hat! Durch das von ihm wieder zu glänzenden Chren gebra<hte starke Königthum hat Preußen und unter sciner Füh- rung Deutschland auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens einen so mächtigen Aufs>wurg erfahren, wie er au< nur annähernd in keinem Staat in ähnliher Weise erlebt worden ist, Die inanzen des Staates sind in bester Ordnung, die Gisen- ahnen stehen ausschließlih im Dienst des öffentliden Wohls,

T. F. Bahard.*

dur die Beihülfe des Reichs haben im Ganzen 65 Millionen Mark

und Lasten erlassen werden können, von 28 Millionen arn be i 21 840 000 Personen keine staatliche Einkommen- steuer mehr. Dur den Sus der nationalen Arbeit befinden si Handel, Gewerbe und Industrie in Blüthe. Den arbeitenden Klassen ist in ausgedehntem Maße Fürsorge zu Theil geworden. Nur der Landwirth hat Ursache zu klagen. Wer aber bictet diesem wichtigen Nährstande allein genügende Bürgschaft? Und ihm muß gehol en werden, wenn nicht alle Gesellschaftsklafsen darunter leiden sollen. Preußen und Deutschland können stolz auf ihre öffentlihen Ein- ri<tungen fein, sie erwe>en mit Re<t den Neid oder die Bewunderung anderer Staaten. Soll das, was wir haben, leihtsinnig preisgegeben oder dur< die Wahl anderer als der bisher bewährten Mittel in Frage gestellt werden ? Es wird si niemals eine gedeihliche Ent- widlung ergeben, wenn die freisinnig-liberale Rihtung im Landtage zur Herrschaft gelangt. Eine Bürgschaft für die Zukunft gewähren allein die fonservativen und die mit diesen und mit der Regierung unseres Kaisers friedlich zusammengehenden Parteien. Das Vertrauen, mit welchem

Kaiser Wilkelm 11. seinem Volke entgegen ekommen, können die

ä in würdiger Weise nur dadur rechtfertigen, dc:ß sie U E iadmiater des Volks Abgeordnete wählen, welche entshlossen sind, an dem, was wir haben und was3 Preußen und Deutschland groß gemacht hat, unverbrüchlih festzuhalten.

Einem Bericht des „trt Eu Botschafters in- Berlin über die deutschen rbeiterversicherung8geseße widmet die „Times“ einen Artikel, an dessen Shluß es heißt :

„Das Hauptinteresse des Berichts liegt natürlih für das eng- lishe Volk darin, ob dergleichen Einrichtungen si au<h für uns eignen würden. Unser Land hat bereits viel von ftaatli<her Ver- fiderung zu hôren bekommen und wird siherlih -no< mehr davon hôren. Dem Plan des Kanonikus Bla>kley wurde die Ehre zu Tbeil, daß seinetwegen ein Parlaments - Ausschuß niedergeseßt wurde. Aber das Glü>k vershwor si<_ dagegen: die beiden Auf- [ösungen des Parlaments in den Jahren 1885 und 1886 standen im Wege und andere brennende Fragen verhinderten, daß die Vorschläge gründli< in Erwägung gezogen wurden. €s giebt viele und gewihtige Ginwände dagegen, wovon der auf der Hand liegende der ist, daß die ganz Armen kaum zum Beitrag gezwungen werden könnten. Andererseits bestehen viele starke Gründe zu Gunsten des Plans, namentli<_ die finanzielle Unsicherheit unserer meisten Alters- und Krankenkassen und die fur<htbare Thatsache, daß von den ländliten Bewohnern unseres Landes, welche über 60 Jahre alt sind, 45 °/9 aller Mittel entblößt, als Paupers sterben. Ohne Zweifel wird die gesammte Angelegenheit wieder auf die Tagesordnung fommen. Zu einer Zeit, wie die jeßige, wo sich der Handel belebt, \ceint der Gegenstand nit zu drängen; wenn aber die Tage des Niedergangs kommen, wird das Problem der bejahrten Armen dringend eine Lösung fordern.“

Archiv für Post und Telegraphie. Nr. 19, Inhalt: J: Alte de und Uufsäbe: Ein Erkenntniß des Königlich preußischen Ober-Berwaltungsgerichts, betreffend die Eigenschaft der Dienftbezüge ‘der Posthülfstoten. Die Rohrpostanlage in Berlin und Char- lottexburg. (Schluß.) Die französishe Postsparkasse im Jahre 1886, Der fünszigjährige Gedenktag der ersten preußischen Eisen- bahn. Ein Jahr unter den Eskimo. 11. Kleine Mittbeilungen : Fernspre<hverbindung Berlin-Breslau. Aus den Anfängen der elektrishen Telegraphie. Die transkaspisde Eisenbahn. Die Gisenbahnen Bayerns. Der erste Eisenbahnzug in China. 11]. Literatur des Verkehr2wesens; 1) Eisenbahn-Geschichtékarte von Mittel-Europa mit Einrichtung zu bequemer und genauer Ubren- rergleihung. 2) C. Lehmann's Verkehrskarte der M Scle- sien nebst einem Verzeichniß, enthaltend sämmtliche Postorte und wich- tigste Angaben über dieselben. IV. Zeitschriften-Ueberschau.

Amtlihe Nachrihten des Reihs-Versiherungs- amts. Nr. 21. Inhalt: Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend das Verzeichniß der Unternehmer unfallversiherungspfli ° tiger land- und forstwirths<aftliher Betriebe im Fürstenthum Reuß jüngerer Linie, Vom 24. Oktober 1888. Unfallverhütungsvor- riften der Berufsgenossenschaft der <hemis<hen Jndustrie. Ge- fahrentarif für die Tiefbau-Berufsgenossenshaft. Gefahrentarif für die landwirthshaftlihe Berufsgenossenshaft des Fürstenthums Schaumburg-Lippe. Rekursentsceidungen. Bescheide und Be- \<lüf}se.

Statistische Nachrichten.

Das Septemberheft der „Monatshefte zur Sta- tistik des Deutshen Reichs“ enthält außer den regelmäßigen, auf den betreffenden Monat bezüglihen Nachweisungen über den Handel 2c. vorläufige Mittheilungen erstens zur Kriminal- Statisti L des E ebo und zweitens zur Statistik des Taba > - baus im Erntejahre ; 5

Nah Mittheilung des Statistischen Amts der Stadt Berlin ind bei den biesigen Standesämtern in der Woche vom 21. Okto-

er bis infl, 27, Oktober cr. zur Anmeldung gekommen: 547 Ehe- \hlicßungen, 904 Lebendgeborene, 35 Todtgeborene, 552 Sterbefälle.

Die Nr. 422 (November 1888) der „Mittheilungen der Großherzoglich hessishen CentralstellefürdieLandes- ftatistik® hat folgenden Jnhalt : Einnahmen aus dem Adminiftrativ- stempel für Jagdwaffenpäsfse, Gewerbebetriebe, Paßkarten 2c. und für Gewerbspatente 1885/86 und 1886/87. Bevölkerung am 1. Dezember 1885 nah Geschle<t und Geburtsjahren. Eheschließun- gen, Geborene und Gestorbene 1887. Bierbesteuerung 1887/88. Meteorolog. Beobacht. zu Darmstadt Sept. 1888. Meteorolog. Beobacht. zu Schweinsberg Sept. 1888, Metecorolog. Beobacht. zu Kassel Sept. 1888.

Kunst, Wisseuschaft und Literatur.

Professor Dr. Karl Ernst Georaes in Gotha feiert am 15. November das 60 jährige Berufs-Jubiläum als Lexikograph. Obgleich der greise Gelehrte am Ende dieses Jahres das 82. Lebens- jahr überschreitet, ist er do< in seinem Berufe immer no< thätig; soeben erscheint die erste Lieferung seines in der Handschrift vollendeten Lexikons der lateinishen Wortformen. _ s Zahlreihe, aus Geschäftskreiscn geäußerte Wünsche und ergangene Anregungen haben die Veranlafsung zur Veranstaltung einer neuen, vollständig umgearbeiteten Ausgabe des bereits in füns- zehnter Auflage im Verlage von Bruer u. Co. zu Hamburg und Berlin erschienenen „Reihs-Geseßbuchs für Industrie, Handel und Gewerbe*® unter dem Titel „Der Rechtsbeistand in Geschäft und Haus* gegeben. Diese h d „und gewissenhaft aus- gearbeitete neue Ausgabe, wel<he, nah amtlihen Vorlagen revidirt und bis auf die Gegenwart ergänzt, alle heute gültigen, die G:eschäfts- und Verkehrsverhältnisse berührenden geseßlichen Bestimmun en in übersichtliher Anordnung enthält, kennzeithnet sich als ein zuverlässiger und praktisher Rathgeber für die deutshe Geschäftswelt in allen Angelegenheiten des ges{äftlihen Verkehrs und bei Prozessen, ins- besondere betreffend Handelsreht, Wechselreht, Gewerberet, orderungen im Handels- und gewerbli<hen Verkehr, Konkurs, wangsverglei<, Anfehtung, Proteste, Arreste, Kranken- und Unfall- versiherung der Arbeiter, Steuersacen, Zolltarif, Reichsftempel- abgaben, Patentreht, Urheberreht an Mustern und Modellen, Marken- \{uy, Verfälsbung der Nahrungs- und Genußmittel, Verkehr mit Arzneimitteln, Feingehalt an Gold- und Silberwaaren, Aichung der Maße und Gewichte, rage Bu, Wucher, Gebrauch von Spreng- stoffen, Staatsanwaltschaft, Straf- und Civilprozeßverfahren, Zu- ständigkeit der Gerichte 2c. Ginen hohen Werth für die Praxis

D

männern ausgearbeitet sind, liegen nur

erhält das Werk aker insbesondere no< dadur<, daß demselben. a von Formularen zu Kauf- und Leihverträgen, Lehrlings- verträgen, Handelsgesellshafts-Verträgen, Gesuchen,. Vollmachten, Anträgen aller Art, Bürgschaften, Verpfändungen, Zahlungsbefehlen, Anmeldungen von Konkursforderungen, Arrestgesuchen 2c., ferner zu allen im Civil- und Strafprozeßverfahren vorkommenden Klagen und Klagebeantwortungen, Interventionen, Ladungen von Zeugen und Sachverständigen dur< die Parteien, Berufung und Berufungs- re<tfertigungs\criften, Anzeigen, An- und Abmeldungen, betr. Kranken- und Unfallversiherung der Arbeiter 2c., beigegeben sind. Allen diesen Formularen, wel<he von namha|ten Juristen und Fach- älle der Praxis zu Grunde; es wird hierdur< sowohl die Zuverlässigkeit, als au die brauchbare Verwendung der Formulare bei allen vorkommenden Fällen sier ge- währleistet, so daß sie au< dem Ungeübten ermöglichen, bei allen in Betracht kommenden Eingaben an Behörden, bei Verträgen, Klagen 2c. die erforderlihen Schriftstücke Hn au<h ohne juristis<hen Beirath selbst anzufertigen. Der „Rewtsbeiftand“, wel<her in Original- Einband 15 Æ kostet, ersheint au< tin 20 Lieferungen à 60 > in Zwischenräumen von 14 Tagen. Von den leßteren liegen die beiden ersten vor. : f „Kalender für Preußishe Justiz-Subaltern- Beamte für 1889. Bearbeitet von J. Wollenzien, Ren- danten der Königlichen Gerichtskasse zu Pleschen.“ Breslau, I. U. Kern's Verlag (Max Müller), Preis 2 4 50 $3. Auÿh der vorliegende dritte Jahrgang zeihnet i< wie seine beiden Vor- gänger dur< eine ges<hma>volle Ausstattung wie au< dur einen sehr reihhaltigen Inhalt von handliher Brauwhbarkeit für die Beamtenkreise, für welhe der Kalender bestimmt ist, aus. Inhalts- übersiht : A. Kalendarium. B. JIagd-Kalender. C. Statistise Notizen für das Deutsde Reih. D. Kalkulatur-Kontrole pro 1889. E. Notizbu<h über Einnahmen und Ausgaben. F. Beilagen zum E: e Die Reichs- und Staatsverfassung. B. Die Beamten-Geseßgebung. ; N D va r von Krankheiten und Miß- bildungen des mens<hliwhen Körpers. Gemeinfaßlich darge- stellt von P. Spelter. Mit Abbildungen. Berlin C, Spittel- markt 2, und Neuwied a. Rhein. 1888. (Preis 146) Der Ver- fasser der vorliegenden Schrift hat nicht eine neue Hypothese über die Vererbung von Krankheiten und Mißbildungen zu den schon vorhan- denen, deren Zahl gegen Ende des 18, Jahrhunderts bereits mehr als 300 betrug, hinzugefügt, sondern vielmehr das, was über die Vererbung in zahlreihen kleineren und größeren Abhandlungen geschrieben i, gesammelt und na< dem jeßigen Standpunkt der Wissenschaft in möglichst klarer, allgemein verständlider Form vorgeführt, Da die Frage nah der Heredität von Krankheiten und Mißbildungen, wel<he wegen ihrer Wichtigkeit für das Wohl unseres Geschle<ts hon in den ältesten Zeiten den menshlihen Geist beshäftigt hat, in unseren Tagen seit Darwin wiederholt der Gegenstand lebhafter Erörterungen gewesen iît, so dürfte die vorliegende Abhandlung bei ihrer allgemeinen Verständlich- keit cinen dankbaren Leserkreis finden. i

St. Petersburg. Der russishe Forshungsrcisende Prze- wal sfkij ist gestezn in Karakol gestorben.

Laund- und Forstwirthschaft.

Der Klub der Landwirthe tritt mit einem Bestande von 442 Mitgliedern in sein jetziges 23. Geschäftsjahr ein. Den ersten öffentlien Wintervortrag wird am 20. November Dozent Hartmann von der Technishen Hohschule über Heizung und Ventilation kbakten, am 27, November folgt dann die Generalversammlung und am 4. Dezember wird der Geheime Regierungs-Rath von Nathusius- Althaldensleben über Wesen und Bedeutung des edlen Blutes in der Pferdezucht sprechen. Der dritte Vortrag8abend des Jahres ist der 11. Dezèmber. Für den 23. Februar 1889 ist ein Klubball in Aussicht genommen Vom landwirthschaftliden Ministerium ist der Klub zur Velbeiaung an der Enquête über das Auftreten der Perl- fut unter dem Rindvieh aufgefordett Wordén. /

Die 15. Berliner Mastvieh-Ausstellung wird am Mittwoch, den 8. und am Donnerstag, den 9. Mai u. Jahres auf dem Centralviechhof stattfinden. Auf Dorllebbng des Landwirthsafts- Ministers Dr. Freiberrn von Lucius, haben Se.Majestät der Kaiser und König als höchste Ehrenpreise für züchterishe Leistungen zwei

oldene Staatsmedaillen bewilligt, von denen die eine für Aussteller

in der Abtheilung des Rindv ebs, die andere für Aussteller von Schweinen S e s gelangte stets nur eine goldene taatsmedaille zur Vertheilung. j : / - Der Teltower landwirthschaftli<he Verein wird seine Sitzungen am Dienstag, den 13. November, wieder aufnehmen. Insgesammt sind für diesen Winter 5 Sißungen in Ausficht genom- men und zwar außer der {hon genannten solche für den 18. Dezem- ber, den 15. Januar 1889, den 12. Februar und den 12. März. Die Sigzungen finden wieder im Englischen Hause statt und zwar in der Zeit von 124 bis 24 Uhr Nachmittags.

Gewerbe und Haudel.

Bei den Abre<nungsstellen der Reichsbank sind im Oktober 1888 abgerehnet 1 649 433 500 gegen 1 234 832 200 M im September d. L und 1 280491 100 M im Oktober 1887. 5

Berlin, 2. November. Amtliche Preisfeststellung für Butter, Käse und Schmalz. Butter. Hof- und Genossen- \hhaftsbutter Ia. 108—113 4, IIa, 103—107 4, Illa, 97—102 #, do. abfallende 85—95 4, Land-, Preußische 83—87 6. Nepbrücher 80—85 4, Pommer|che 73—76 4, Polnishe 73—76 H, Baye. ische Sennbutter , do. Landbutter H, Schlesische 80—85 H, Galizische #& Margarine 40—65 M —- Käse: Schweizer, Emmenthaler 85—90 46, Bayerischer 60—70 Æ, do, Ost- und West- preußischer Ia. 60—70 #, do. Ila. 45—55 , Holländer 70—$80 4, Limburger 32—38 „46, Quadratmagerkäse 15—24 H Schmalz: Prima Western 17°/% Ta. 55,00 H, reines, in Deutsch- land raffinirt 57,00 4, Berliner Bratenschmalz 60,00—62,00 4 Fett, in Amerika raffinirt 52,00 4, in Deutschland _raffinirt 53— 57 M Tendenz: Butter. Die Verschle<hterung der Qualitäten hat sh no< mehr ausgebreitet als bisher und drü>t sehr auf das Geschäft. Eine Besserung desselben ist erst zu erwarten, wenn die dur den Uebergang auf Stallfütterung geschaffene Kalamität be- seitigt sein wird. Notirte Preise für a und Sekunda gelten nur für reins{me>ende, niht aber für feblerhafte Qualitäten. Bedarfsfrage gering. Schmalz. Bei ruhigem Geschäft gaben Preise etwas nah. :

In der außerordentlihen Generalversammlung der Nieder - \<lesiswen Chamottewaarenfabrik, Aktien -Gesell-

chaft, Berlin vom 31. Oktober cr. wurde beschlossen, das Grund- kapital der Gesellshaft um 100000 Æ zu erhöhen; diese 100 000 4 neu agen ien sind Von dew Bankhause Wolff & Zomber in Bremerhaven übernommen worden.

> Bom obershlesishen Eisen- und Metallmarkt berihtet die „Sthles. Ztg.“ : Der regsamen Thätigkeit des Hohofen- betriebes entspricht mit Rüdsidt auf die herannabende Winterzeit und den wachsenden Schmelzbedarf der Hohöfen eine gesteigerte Thâtigkeit in der Erzförderung und in der Anfuhr fremder Erze. Die Produktion der Hohöfen verlief regelmäßig und ftrebt einer allmählichen Ver- mehrung zu, um dem Bedarf der Verbrauchsstätten zu entsprechen. Die Abfuhr von Roheisen ließ eine Ansammlung größerer Bestände ni<t aufkommen, sodaß in der Lage des Geschäfts und den Preisbestimmungen Aenderungen \i< nit vollzogen. Der Ein- gang neuer Aufträge bei den Eisengießereien, namentlih zu Rohrleitungen, sichert diesen Werken eine rege Thätigkeit auf längere Dauer. Es matt si stellenweise das Bedürfniß yach Vermehrung der Arbeitskcäfte von Neuem geltend. Im Begehr von Walz- eisen der verschiedenen Sorten für Bau- und Schmiedebedarf bat K ein lebhaftes Geschäft im laufenden Quartal entwi>elt, wohl mit

in Folge des Umstandes, daß bisher von einer Erhöhung der Grund-

ise abgesehen wurde. Der Versandt hat si< zu einem großen Pai den (neferwage zugewendet, für welchen selbfstredend re<tzeitige Vorausbefstellung erforderlich ist. In Blechen, namentli in starken

alb- und Fertigerzeugnisse von Flußeisen hatten guten bsag. Nee bis Let ftarfen Bedarfs hält man auf feste, wie namentli im auswärtigen Handel auf lohnende Preise, sowohl für Shweißeisen wie für Flußeifen. Preise: Stabeisen 14—14,25 Æ (im näheren Bezirk), Profileisen 16—16,50 4, Eisenblehe 16,50—17,50 4 mit Aufpreisen. Auf dem Zinkmarkt sind die Preisnotirungen un- verändert, greifbare Waare is jedo< fast gar niht vorhanden. Was Blei *anbelangt, fo hat der Zusammenbru<h des amerikanischen Ringes und der Umstand, daß ein Theil dec von demselben ange- sammelten Bestände vorübergehend an den Londoner Markt kam, einen \<nell vorübergehenden Preisdru> veranlaßt. Rohzink wurde zu steigenden Preisen gehandelt. Vereins8marke 36,80 #4, ebeaso Hohen- lohe Ia raff. 38,60 M, Ia Blokblei 28,50—30 A6 Zu>erberi<ht der Magdeburger Börse, den 2. No- vember, Mittags. Rohzu>ker. Der Markt verkehrte während der leßtverflossenen aht Tage in \{waer Haltung ; das Angebot von Korn- zudern fand Seitens des Exports zufolge {hwäherer Auslands- märkte nur Aufnahîne zu etwas billigeren Preisen, und ebenso zeigten ih die Inlands-Raffinerien nur bei ermäßigten Werthen zu Ein- fäufen bereit. Die Preise aller Qualitäten erlitten daher einen all- mählihen Rü>kgang von 30—35 H der Centner. Ein Theil der Offerten wurde in den leßten Tagen von den Produzenten aus dem Markt zurü>gezogen. Umgeseßt wurden 250 0€0 Ctr. Raffinirte Zu>ker. Die Tendenz unseres Marktes war au<h während der ver- flossenen Woche eine re<t ruhige und stellten si die Preise der be- gebenen Partien gemahlener Zu>ker ungefähr 25—50 Z zu Gunsten der Käufer, wäbrend für daseiende neueBrote obenverzeihneteNotizen bewilligt wurden. Preise für greifbare Waare ab Stationen: Dhne Ver- brau<sfteuer : Granulatedzu>er, infl. 20,50 #6, Kornzu>er, exfl., 92 Gd. Rendem. 16,65—16,80 A4 do. exkl. 88 Gd. Rendem. 16,00—16,30 4, Naprodukte, exkl. 75 Gd. Rendem. 12,50 —14,00 4 rür 50 kg. Mit Verbrauchssteuer : Bei Posten aus erster Hand : Krystallzu>er, I., über 98% —,— AÆ, do. II, über 98°/e 26,10 A, Raffinade, fein, ohne Faß —,— #, do. fein, ohne Faß 28,25 M4, Melis, fein, ohne Faß 28,00 4, Würfelzu>er, I., mit Kiste —,— 4, do. IL., mit Kiste 29,25 4, Gem. Raffinade, I., mit Sa> M, do. II., mit Sa> 27,75—28,00 A, Gem. Melis, I.,, mit Sa> 26,25 #4, do. I. mit Sa> #4, Farin mit Sa> M für 20 kg. Melasse: bessere Sorte, zur Ent- zu>erung geeignet, 42—43 Grad Bé. (alte Grade) ohne Tonne —— #, 8—82 Brix, ohne Tonne —— K, gerin- gere Sorte, nur zu Brennzwe>en passend, 42—43 Grad Bé. (alte Grade! ohne Toune 2,20—2,60 A Unsere Melasse-Notirungen ver- stehen \sih auf alte Grade (42 Gr. = 1,4118 spec. Gewicht). Das „Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen“, Zeitschrift des Landesgewerbvereins, hat in seiner Nr. 44 folgenden Inhalt: Ursahen und Wirkungen der veränderten wirthschaftlihen Verhältnisse der Gegenwart. Die ribtige Anlage einer Schreinerwerk stätte. Entscheidungen des Reichs-Versicherungs- amts. Verschiedene Mittheilungen. Von der Kaiserlihen Yacht Hohenzollern“. Das elektrishe Licht. Verwendung der Holz- wolle. Von der Eisenindustrie im Großherzogthum Hessen. Patent-Terpentin. Reinigung von Statuen aus Elfenbein. An- zeigen. : E Breslau, 2. November. (W. T. B.) In der heutigen General- versammlung der Oberschlesishen Eisenbahnbedarfs- Aktiengesells<a ft wurde beschlossen, das Aktienkapital zum Zwed>k des Ausbaus der Werke und zur Tilgung der Obligationsshuld um 3 Millionen Mark zu erhöhen und den gegenwärtigen Aktionären das Vorre<t auf den Bezug der neuen Aktien zum Nennwerthe einzuräumen. Auf eine bezügliche Interpellation wurde von Seiten der Direktion die Erklärung abgegeben, daß der Hendel’ {he Erzpactvertrag für die Gesellschast keinerlei Bedeutung babe. Das Pachtverhältniß laufe no< bis zum Januar 1893, aber auh nah Ablauf desselben und sofern eine Er- neuerung desselben ni<t erfolgen sollte, sei die Gesellschaft durch ihren eigenen Besiß, sowie. die Förderung der Alt-Tarnowißer Herr- haft auf Jahre hinaus gede>t. Die Verträge mit fiskalischen Kohlengruben laufen bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Auf eine weitere Anfrage wurde von Seiten der Direktion erklärt, nah dem seitherigen Geshäftsgange in der Lage zu sein, bei umfangreihen Ab- \<reibungen eine Dividende von 609% vorschlagen zu können. Die ersten drei Quartale des laufenden Geschäftsjahres bâtten nah Abzug des Iuli-Coupons über 900 000 4 Reingewinn ergeben. j Frankfurt a. M., 1. November. (Getreidemarktbericht von Joseph Strauß.) In Weizen war der Markt eher etwas ruhiger, do< blieben Preise behauptet; ab Umgegend E t, frei hier 204 4, fkurhessisher 20¿—#-4, norddeutsher 206/10—Ì M, russishe und ungarishe Sorten 22}4—23 46 Für Roggen bleibt die Kauflust des Konsums äußerst träge und au< die mitunter für bayerishen und kurhessishen auftretende Na>frage war unbedeutend, um cincn lebhaften Absay zu ermöglichen; hiesiger 16{—Ì A, russische Sorten 164—©/10 4 In Gerste sind die Ankünfte fortwährend reili<, so daß der normale Bedarf leiht Befriedigung findet, Wetterauer, Ried- und Franken-Gerste 163—17 4, Saal- und un- garishe 19—21 4 verlangt. In Hafer war keinerlei Belebung des Verkehrs zu bemerken, der Preis\tand hat eine bemerkenswerthe Veränderung nicht erfahren; die Notiz En Á bleibt, hochfein viel darüber. E gelangt wenig, ja sast gar niht zum Angebot. Kartoffeln haben andauernd frequentes Geschäft, doch ist die Frage niht m-:hr von gleicher Lebhaftigkeit wie seither, die 100 kg 4t—5 M Mais (mirxed), die Ankünfte überschreiten den laufenden Bedarf und sind Preise der Abshwächung zugeneigt, 14—Ì 46 offerirt. Mehl, bei dem geringen Umfange, den das Geschäft in der ab- gelaufenen Zeit hatte, zeigte die Spekulation im Allgemeinen wenig Anregung und keinerlei Neigung zu größeren Engagements, die der Tendenz eine auëgesprohene Richtung zu geben vermo<t hätten. Hiesiges Weizenmehl Nr. 0 32—34 46, Nr. 1 29}—31} 4, Nr. 2 27—28 M, Nr. 3 26$—273 A, Nr. 4 21¿—22} AÆ, Nr. 5 18{—19i M, Milcbrot- und Brotmehl im Verbande 56{—59{ Nord- deutshe und westfälishe Weizenmehle Nr. 00 274—284 Hiesiges Roggenmehl Nr. 0 26—# #, Nr. 0/1 24—è 4, Nr. 1 22—i #, Nr. 2 182—19}4 4A Roggenkleie 4—d # Weizenkleie 4¡—+ Æ, Malzkeime 4,80 4, Moostorfstreu, prima 1,35 M, Spelz- \spreu 15/10—6/10 4 (Sämmtliche Artikel bei Abnahme von 200 Ctrn. an.) Rüböl im Detail 63 4 : Aachen, 3. November. (W. T. B.) Zu der P Generalversammlung der Aachener isfonto- esellschaft waren angemeldet 2988 000 4 mit 5976 Stimmen, vertreten jedo ) nur 1 243 000 A mit 2469 Stimmen, die Versammlung war also nit beshlußfähig. Ein Antrag des Rehtsanwalts Hauck-Köln, be- treffend Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung behufs Wahl einer Revisionskommission, wurde mit großer Majoritär abgelehnt. Die nächste Generalversanimlung mit derselben Tages- ordnung is auf den 30. November anberaumt. : Oldenburg. Nach dem vom Vorstand des Oldenburgischen Kunfstgewerbevereins herausgegebenen ersten Jahresbericht ift der Verein für seinen Zwe>, die gewerblihe und vornehmlich die kfunstgewerblihe Thätigkeit im Großherzogthum zu fördern, mit gutem Erfolg thätig gewesen. Der Verein, dessen Mitgliederzahl z. Z. ca. 450 beträgt, hat fstaatliherseits zu seiner ersten; Einrichtung einen Gt ron 5000 M erhalten und bezieht fernerhin (zu- nächst auf 3 Jahre) eine Staatssubvention von jährli 6000 4 und einen Zuschuß aus städtishen Mitteln von jährlih 3000 A Für

welchem die Vorbildersammlungen und die Bibliothek aufgestellt sind, und ein Saal für den Zeichenunterriht, der von dem technischen Leiter des Vereins ertheilt wird und gut besucht ist, eingerichtet. Bibliothek und Sammlungen \tehen Jedem zu freier Benußung. Dank einer

Schenkung kostbarer Gegenstände Seitens Sr. Königlichen Hoheit des Cts 6h 7 ogs und anderer Zuwendungen sind die Müstersaininlungen

Kesselblehen, waren auswärtige Konsumenten Nehmer größerer Hoten. :

die Vereinszwe>te ist, zunächst miethweise, ein Haus erworben, in