1888 / 285 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Provinz Brandenburg. Anweisung zum Anleiheshein der Gemeinde Neu-Weißensee . . te Ausçabe, Buchstabe . . Nr. .

über .… . . H Reichswährung.

Der Inhaber dieser Anweisung empfängt gegen deren Rüc- gabe zu dem Anleihesheine der Gemeinde Neu - Weißensee Buh- stabe . . Nr. . . . über Á Reichswährung zu vier Prozent Zinsen die . . te Reihe Zinsscheine für die fünf Jahre vom . . ten .. . - 18, . bis. . ten... , 18. + bei der Gemeindekasse zu Neu- Weißensee und bei der mit der Zinsenzahlung betrauten Stelle in Berlin, sofern dagegen Seitens des als solcher legitimirten Inhabers des Anleihescheines kein Widerspruch erboben ist.

Neu-Weißensee, den . . ten 18

Der Gemeinde-Vorstand.

Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten.

Dem Ober-Roßarzt a. D. Gustav Behr aus Karlsruhe ist, unter Anweisung des Amtswohnsizes in Wittlich, die kommissarische Kreis-Thierarztstelle des Kreises Wittlich über- tragen worden.

Justiz-Ministerium.

Im Bureau des Justiz-Ministeriums sind ernannt :

der Ober-Landesgerichts-Sekretär Dittmann zum Ge- heimen Registrator,

der Justiz-Hauptkassen-Assistent Albrecht zum Geheimen Kalkulator, und :

der Bureau-Diätar R einfeldt zum Geheimen Registrator.

Ministerium der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Bei dem Französishen Gymnasium zu Berlin ist der ordentlihe Lehrer Fohannes Wetzel zum Oberlehrer be- fördert worden.

Die Beförderung des ordentlihen Lehrers am Real- Doe zu Naumburg a. S., Hugo Hoffmann, zum

berlehrer an derselben Anstalt ist genehmigt worden.

Bekanntmachung.

Für die im Jahre 1889 zu Berlin abzuhaltende Turn- lehrerprüfung ist Termin auf Dienstag, den 26. Fe- bruar k. J. und folgende Tage anberaumt worden.

Meldungen der in einem Lehramt stehenden Bewerber sind bei der vorgeseßten Dienstbehörde bis zum 1. Januar k. J., Meldungen anderer Bewerber unmittelbar bei mir spätestens bis zum 15. Januar k. F. unter Anschluß der in 8. 4 der Prüfungsordnung vom 10. September 1880 Centralblatt 1880 S. 654 bezeihneten Schriftstü>ke anzubringen.

Berlin, den 5. November 1888. 7

Der Minister

der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten, Im Auftrage: de la Croix.

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Eger in: Se. Excellenz der Ober-Hof- und Haus- marschall Sr. Majestät des Kaisers und Königs, von Liebenau, nah Königs-Wusterhausen.

Nichtaullihes. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 9. November. Se. Majestät der Kaiser und König arbeiteten gestern Vormittags zunächst E von 111/, Uhr ab mit dem Chef des Militär- abinets.

Um 121/2 Uhr begaben Sih Se. Majestät mittelst Sonder- zuges nah Berlin und nahmen um 1 Uhr das Frühstü> bei Jhrer Majestät der Kaiserin Friedrich ein.

Um 21/2 Uhr besuhten Se. Majestät das Atelier des As Begas, wohin Sich Jhre Majestät die Kaiserin eFriedrih ebenfalls begeben hatte.

Von 51/2 Uhr an nahmen Se. Majestät im Berliner Schlosse Meldungen und Vorträge entgegen und empfingen um 6 Uhr, im Beisein des Staatssekretärs Grafen von Bismar>, den bisherigen rumänischen Gesandten an Allerhöchst- ihrem e G. Varnav Liteano, behufs Ueberreichung seines Abberufungsschreibens.

Um 7 Uhr folgten Se. Majestät der Kaiser einer Ein- ladung des Staatssekretärs Grafen von Bismar> zum Diner und kehrten um 9 Uhr 40 Minuten Abends von Berlin nah Potsdam zurü>.

Jn der am 8. d. M. unter dem Vorsitz des Vize- Präsidenten des Staats - Ministeriums, Staatssekretärs des Innern, von Boetticher, abgehaltenen Plenarsißung ertheilte der Bundesrath den Etatsentwürfen der Verwaltung der Eisenbahnen, für den Reichskanzler und die Reichskanzlei, der Reichs-Justizverwaltung, des - Reichs - Eisenbahnamts, des Rechnungshoss und über den Reichs - Jnvalidenfonds zum Reichshaushalts - Etat für 1889/90, dem Entwurf eines Geseyes über die Kontrole des Reichshaushalts und des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen für 1888/89 und den Verordnungsentwürfen, betreffend die Kaution des Rendanten der Bureaukasse der Physikalisch-tehnishen Reichsanstalt, und betreffend die Kaution von Beamten der Reichs: Eisenbahn- verwaltung, die Zustimmung. Bezüglih der Rechnung der Kasse der preußischen Ober - Rehnungskammer für 1886/87, soweit sie den Rechnungshof des Deutschen Reichs betrifft, wurde die Entlastung ertheilt. Die Uebersicht der Reichs- Ausgaben und Einnahmen für das Etatsjahr 1887/88 und der Entwurf eines Besoldungs- und Pensions-Etats der Reichs- bank-Beamten für 1889 wurden den zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung überwiesen. Mit der von dem Reichs- lanzler in Vorschlag gebrahten Abänderung der Formulare für die Montanstatistik erklärte sich die Versammlung einver- standen. Endlih wurde über den Sr. Majestät dem Kaiser wegen Wiederbesezung der erledigten Stelle eines egen

ag

Regierungsbezirk Potsdam.

Eine strafbare Beihülfe zum einfahen Banke- rutt liegt, na< einem U es des Reichsgerichts, IV. Strafsenats, vom 13. Juli d. J., nur dann vor, wenn der Bankerutt vorsäßlih verübt worden ist. Bei unordentlicher Buchführung ist Vorsay vorhanden, wenn der Schuldner im Bewußtsein seiner Unfähigkeit zur ordentlihen Buchführung ein kausmännishes Geschäft begründet und geführt hat.

_— Der Vorstand der Tiefbau-Berufsgenossenschaft hatte in das Kataster der leßteren einen städtishen Straßenunter- L UaA und Reinigungsbetrieb in seinem ganzen Um- ange aufgenommen. Anläßli<h einer Hiergegen erhobenen, die Versicherungspflihtigkeit der Straßen- reinigungs arbeiter betreffenden Beschwerde hat ih das Reichs - Versiherung3amt unter dem 20. Zuli d. J. (Nr. 609) folgendermaßen , ausgesprochen. Als Wegebauarbeiten im Sinne des 8. 4 Ziffer 1 des Bau- unfallversicherungsgeseßes können nur solhe Straßen- unterhaltungsarbeiten angesehen werden, welche eine „bauliche“ Unterhaltung der Straße bezwe>en. Arbeiten, welche zur Reinigung der Straße ausgeführt werden, gehören mithin nur insoweit hierher, als die Reinigung zur Fnstandhaltung derselben dient. Auch in der diesseitigen Anleitung, betreffend die Anmeldung Unfa Meran llichtiger Tiefbau- und anderer Baubetriebe, vom 14. Zuli 1887 („Amtlihe Nachrichten des R.-V.-A.“ 1887 Seite 176) ist unter dem in Nr. 15 gebrauhten Ausdru> „Unterhaltung“, wie der Zusammenhang klar erkennen läßt, die „baulihe“ Unterhaltung zu verstehen. Der Umstand, daß auch die zur leßteren niht zu zählenden Reinigungsarbeiten mit Unfallgefahr verknüpft Vin können, ist unerheblich, da die Versicherungspflicht nicht hierdurch, son- dern durh das Gesetz begründet wird.

Der General-Lieutenant Sto>marr, Commandeur der 31. Division, ist zur Absiattung persönliher Meldungen aus Anlaß seiner Beförderung Iu kurze Zeit von Straß- burg i. E. hier eingetroffen.

Der kommandirende Admiral, Vize-Admiral Graf von Monts, a si< mit Urlaub auf aht Tage nah dem Königreih Sachsen und nah Oberschlesien begeben.

Vayern. München, 8. November. (Allg. Ztg.) Gestern Abend kamen der Prinz und die Srin in Ludwig mit ihren Töchtern, Prinzessinnen Adelgunde, Marie und Mathlde, aus Lindau hier an. Prinz Ludwig führte seine hohe Gemahlin am Arme langsamen Schritts über den Perron dur den Fürstensalon zum Wagen. Es war der Prinzessin erster Gang nach langer und schwerer Krankheit. Vorläufig werden die HerrsGaften Winterquartier im Wittelsbacher Palais nehmen.

_ Sachsen. Dresden, 8. November. (W. T. B.) Der König empfing heute den bisherigen österreihishen Ge- sandten, Freiherrn von Herbert-Rathkeal, welcher sein Abberufungsschreiben übergab, und darauf den neu er- nannten Gesandten, Grafen Chotek, welcher sein Beglau - bigungsshreiben überreihte. Beide Gesandte wurden so- dann auch von der Königin empfangen.

Elsaß-Lothringen. Straßb ur g, 8. November. (W. T. B.) Der Minister-Rath Dr. Hoseus is zum vortragenden Rath bei dem Statthalter ernannt worden, unter Be- lassung in seiner Funktion als Kurator der hiesigen Universität.

Oesterreih-Ungarn. Wien, 7, November. (Wien. Abdp.) Heute waren beide Häuser des Reichsrathes versammelt. Zm Herrenhause stellte der Minister-Präsident Graf Taaffe in üblicher Weise die neuernannten Minister Grafen Schön- born und Ritter von Zaleski vor. Gegenstand: der Tages- ordnung war die Regierungsvorlage, betreffend die Bede>ung des Rüstungskredites, welhe ohne Debatte genehmigt wurde. Jm Abgeordnetenhause wurde die Debatte über das Bergschädengeseß zu Ende geführt.

8. November. (W. T. B.) Nach der „Pol. Corresp.“ soll die Regelung aller Fragen, welche dur<h die Ueber- nahme der rumänischen Linien der Lemberg- Czernowigßer Eisenbahn in den Staatsbetrieb einer Neuordnung bedürfen, dur Aue zu der be- züglihen österreihis<h-rumänishen Konvention er-

folgen. _— 9. November. (W. T. B.) Die amtlihe „Wiener gena veröffentliht die Ernennungen: des Fürsten rede zum Gesandten in München, des Baron Her- bert Rathkeal zum Gesandten in Stuttgart und des Grafen Chotek zum Gesandten in Dresden.

Großbritannien und Jrland. London, 8. November. (A. C.) Der bisherige parlamentarische Sekretär des Handels- amts, Earl of Onslow ist zum Gouverneur von Neu- seeland, und der bisherige Ober-:Kommissar der Seychellen- Inseln, Mr. Arthur Cecil Stuart Barkly, zum Gou- verneur von Helgoland ernannt worden, Letzterer an Stelle Sir Terence O'Brien's, der zum Gouverneur E O e

us Simla, vom 6. November, mcldet ein Telegramm des „Reuter'shen Bureaus“: 9 Der Rüc>kmars< der nah den Schwarzen Bergen ent- sandten Expedition begann’ gestern, nahdem der Stamm der Allai, welher zuleßt no< Widerstand geleistet hatte, eine Ab- ordnung an den General McQueen gesandt hatte, um über die Bedingungen seiner Unterwerfung zu unterhandeln.

Les 8. November. (W. T. B.) Der „St. James Ga- gzette“ zufolge hat das Panzers\chiff „Agamemnon“, welches zu dem Mittelmeergeshwader gehört, den Befehl er- halten, na< Zanzibar abzugehen.

9, November. (W. T. B.) Dem „Daily Telegraph“ zufolge hätte si< der mit der Prüfung des Zustandes der National-Vertheidigung betraute Rabinets- Aus\<huß dahin entschieden, daß eine beträhtlihe Ver- stärkung der Flottenmacht nöthig sei. Die Regierung werde in Folge dessen demnähst dem Unterhause Vor- schläge für den Bau von 8 Panzerschiffen ersten Ranges, 20 Kreuzern und zahlreihen Torpedobooten unterbreiten. °

_ Frankreich. Paris, 7. November. (Köln. Ztg.) Der Kriegs-Minister de Freycinet empfing heute eine Abordnung von Jnunteressenten des Seine-Departements und von

Mitgliedes bei dem Patentamt zu unterbreitenden Vors Beschluß gefaßt. ô itenden Vorsch

F ngowonte und Aufhebung der Militärbe- <ränkungen von Paris und versprach derselben, daß er sich persönlih mit dieser Angelegenheit befasser. wolle, übrigens dem Genie-Corps bereits Befehl ertheilt habe, gewisse Be- \schränkungen: in der Bannmeile von Paris zu heben.

8, November. (W. T. B.) Jm Senat beantragte heute bei der Berathung des Antrags auf Wiederüber- nahme der Ausgaben der Pariser Polizeiverwal- tung auf das Staatsbudget der Minister-Präsident Floquet die Vertagung der Debatte, bis die Meintungsäußerung des Staatsraths vorliege, erer mit dem Entwurf eines Dekrets, betreffend die gedachte Frage, beschäftigt sei. Der frühere Polizei- präfekt Léon Renault warf der Regierung vor, daß sie die parlamentarische Jnitiative nicht respektire und dur< Dekret eine Frage regeln lasse, welche die gesezgebende Gewalt an- gehe, es geschehe das aus Gefälligkeit gegen den Munizipal- rath von Paris, und beantragte, die Vertagung abzulehnen. Der Vertagungsantrag Floquet's wurde darauf mit 219 gegen 41 Stimmen abgelehnt und der Antrag auf Wiedereinstellung der Pariser Polizeiausgaben in das Staatsbudget mit 223 gegen 18 Stimmen angenommen. Nach dem Schluß der Sißung erklärte Floquet Renault gegenüber, er werde seinen dem Staatsrath vorgelegten Dekretsentwurf, bezügli<h der Pariser Polizei- präfektur, für jeßt zurücziehen, werde denselben aber aufs Neue einbringen, wenn, wie er hoffe, die Deputirtenkammer den heute vom Senate gefaßten bezüglichen Entshluß ablehne.

Die Deputirtenkammer wählte heute Änatole de la E mit 179 gegen 102 Stimmen wieder zum Vize- Präsidenten, zu Quästoren wurden Mahy mit 265 und Madier de Montjau mit 193 St. wiedergewählt. Bei der Berathung des Marinebudgets brachte Dreyfuß ein Amendement ein, dahingehend, die für die Befestigung der Häfen von Brest und Cherbourg verlangten 42 Millionen für den Bau von Kreuzern und Torpedo- schiffen zu verwenden. Vor Allem müsse das \{wimmende Marinematerial verstärkt werden, in gewissen Punkten sei die deutsche wie die italienishe Flotte der französishen überlegen. Der Marine-Minister erwiderte, den angeblihen Mangel an Kriegsschiffen Frankreihs dürfe man nicht übertreiben. Das Jahr 1889 werde die französishe Flotte in einer sehr respektablen Stärke erbli>en. Dreyfuß zog hierauf sein Amen- dement zurü>. Die Kapitel 8 und 9 des Marinebudgets (Schiffsbauten) wurden genehmigt.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 9. November. (W. T. B.) Jn einem heute veröffentlihten Reskript des Kaisers an den General-Admiral Großfürsten Alexis wird die Befriedigung darüber ausgesprochen, daß der Wille des Kaisers, die Flotte im Schwarzen geeignet sei, den dortigen

Meere zu heben, welche ihres Eigenthums sowie

Küstenbewohnern den Schutz die unbehinderte Entwi>elung aller industriellen und unter der Leitung

kommerziellen Unternehmungen zu sichern, des Großfürsten stetig und erfolgreih ausgeführt werde. Der Kaiser habe si< hiervon bei seiner Anwesenheit in Süd- rußland überzeugt und mit wahrer Freude auf das ganze Schlachtschiff-Geshwader gesehen, welches bereit sei, für die Rechte Rußlands im Schwarzen Meere einzutreten.

talien. Rom, 8. November, (W. T. B.) Das Parlame nt hat heute seine Arbeiten wieder aufgenommen. Der Minister-Präsident Crispi legte der Kammer drei Grünbücher vor, über Massovah, über den französishen Handelsvertrag und über die Suez-Konvention.

Spanien. Madrid, _8. November. (W. T. B.) Die amtlihe „Gaceta“ veröffentlicht die Ernennung des Grafen Rascon zum Botschafter in Berlin.

Sevilla, 8. November. (W. T. B.) Die feindlichen Kundgebungen gegen Canovas del Castillo haben sih heute wiederholt. Eine starke Menschenmenge bewegte sih unter Pfeifen und dem Ruf: „Nieder mit Canovas, dem Verräther!“ in den Straßen. Canovas wird morgen die Stadt verlassen.

Schweiz. Bern, 8, November. (Bund.) Jn der am 3. Dezember d. J. beginnenden Session der Bundesver- sammlung werden u. a. voraussihtlih folgende größere Angelegenheiten verhandelt werden: Handelsverträge mit Oester- reih-Ungarn und Deutschland ; Ergänzung des Gesetzes über den Schuß der Fabrik- und t Geseg über den Muster- und Modells<huß; Gesey betreffend Schuldbeitreibung und Konkurs; Aenderung einiger Bestimmungen des Obligationen- rets, betreffend das Handelsregister; Gesey über politische Rechte der Schweizerbürger; Gesez über civilrehtlihe Ver- hältnisse der Niedergelassenen und Aufenthalter; Aenderung des Fischereigeseßzes; Beschlußentwurf über Ausdehnung der forstlichen Oberaufsicht auf die ganze Schweiz.

8. Novèmber. (W. T. B.) Nath einer " offiziellen

Zusammenstellung der T E H Ausgaben des

Bundes innerhalb der nächsten zehn Jahre werden, außer den für die militärishe Sicherung des Gotthard be- \hlossenen 21/, Mill. Fr., no< weitere 3 Mill. Fr. für Zwed>e der Landesbefestigung in Aussicht genommen.

Rumänien. Bukarest, 8. November. (W. T. B. Die Eröffnung der Kammer erfolgt am 13. d. M. pur Vorlegung an dieselbe gelangen sofort nah dem Zu- ammentritt Geseßentwürfe über agrarische Reformen, über die Unabsegbarkeit der Richter und über die Reform der Nationalbank.

Amerika. New-York, 8. November. (W. T. B.) Nach den nunmehr vorliegenden definitiven Ziffern sind für Harrison 233, für Cleveland 168 Wahlmänner gewählt. Die republikanischen Blätter behaupten, lhre Partei Me eine beträchtlihe Majorität in der Reprä - sentantenkammer erhalten.

9. November. (W. T. B.) Nach weiteren hier ein- gegangenen Nachrichten sind die Republikaner au<h in est-Virginien bei den Wahlen siegreih gewesen ; die- selben haben sonah no< cinen Siß im Senat und eine kleine Majorität im Repräsentantenhause gewonnen.

Afrika. Egypten. Suakim, 5. November (A. C.) Der Dampfer „Shebeen“ kam heute Mittag hier mit dem General Grenfell und dem Obersten Settle an. Er bringt auch eine Batterie reitender Artillerie mit Kanonen und etwa 250 Mann Jnfanterie mit. Der Feind beschießt die Forts sowie die Stadt fortgeseßt mit Granaten, zuweilen mit einiger Wirkung.

Delegirten des Syndikats für die Beseitigung der

Zeitungsstimmen.

Der „Hannoversche Courier“ schreibt : S

Der Wakhlfeldzug ist beendet und hat für die Deutsh- Freisinnigen im Lande mit einer \<weren Niederlage geendet, über deren Bedeu- tung au< der Sieg in der Reihshauptstadt niht hinwegtäuschen kann. Der 6. Norember 1888 ift für die deutsh-freisinnige Partei ein Mene- tekel. Versteht sie ni<t, es zu lesen und zu würdigen, so ist ihr Urtergang besiegelt. Die Fükrer dieser Partei haben Febler über Febler gemaht und Alles auf çine Karte geseßt. Opposition um jeden Preis ist keine Losung m hr, der das deutshe Bürgerthum blindlings folgt, wie es wohl der Fall war, als es _no< in den politi- sen Kinderschuhen \te>te; heute will es wirklihe Os sehen, Errungenschaften für das allgemeine Wohl. Aber hat die freisinnige Partei , wie sie jeyt zusammgsngeseßt if, au<h nur eine solche aufzuweisen ? Große Worte hohle Redensarten, das ist Alles. Grundlose Anklagen, blinder Haß gegen den Fürsten Reichskanzler und die, welche ihn unterstüßen, das ift das einzige Kriterium für den e<ten Mann der Freiheit, das Hr. Eugen Richter gelten läßt. Wie die weitesten Klassen der Bevölkerung über diese Art von Frei- heitébekundung denken, das haben die Reichstagswahlen dargethan und zeigt jeßt wieder das. Ergebniß der Landtagswahlen. Natürlich haben die Führer an dem Rückgang ihrer Partei dur<aus keine Schuld, da ist Alles aufs Beste vorgesehen genescn, nur der Dru>k der Regierung und der Knechtssinn der Kartellbrüder hat die Nieder- lage vershuldet, do< werden auch die ultramontanen Bundesgenossen niht geshont, die abtrünnig geworden sind, weil, wie die „Freisinnige Zeitung klagt, in 0 Reihen überall die konservative Richtung die Oberhand gewonnen hat. : ;

u Ver Ansprache, welche der Kaiser an die Berliner Stadt- vertretung gehalten hat, wird ein Theil der Schuld an der Nieder- lage des Deutsch-Freisinns zugeschrieben. JInwieweit dies zutrifft, entzieht sih näherer Beurtheilung. Jedenfalls haben aber Diejenigen, welche si infolge dieser Worte des Kaisers bestimmen ließen, sih von den Vertretern dieser Art des Deutsh-Freisians abzuwenden, ein sehr rihtiges Gefühl der Schi>lichkeit und wahren Vaterlandsliebe be- fundet. So sehr sie au mit großen Phrasen \sih gegen das Kaiser- wort wehren, es hat die Freisinnigen do< mitten ins Herz getroffen. Niemand, der selbs sehen und bören kann, glaubt ihnen mehr, daß sie die wirkliGen Bannerträgec der bürgerlihen Freiheit sind; sie haben in einer Zeit, wo alle wahrhaft deutschen Männer mit banger Sorge in die Zukunft bli>ten, ein

frevles Spiel mit der Königstreue getrieben und bewiesen, daß sie

unfähig sind, in wirkli< ernsten Zeiten das Bürgerthum würdig zu vertreten. Der Sieg, den sie jeßt noh in Berlin errungen haben, ist ein Pyrrhus\sieg. Wenn innerhalb der nä<sten fünf Iabre die staatserhaltenden Parteien ihre Sé@uldigkeit thun, dann geht bei der nächsten Wahl auch die freisinnige Hohburg an der Spree verloren, wie Breslau und Frankfurt a, M. verloren gegangen sind. Die \<lesische t hat seit Jabrzehnten dem Fortschritt Heeres- folge geleistet und ist diesmal doch gefallen, allerdings erst nah einem harten Kampf, doch ist der Sieg der Kartellparteien ein um so ehren- vollerer.

Jn dem „Hamburgischen Correspondenten“ lesen wir:

Während die deutshen Ultramontanen \si< ans<i>en, den Angriff auf die von Preußen begründete und allmäbli<h überall in Deutsch- land zur Herrschaft gelangte konfessionelle Staatéshule im preußis>en Abgeordnetenhause dur< den bekannten Windtborst'shen Schulantrag zu beginnen, hat man außerhalb Deutschlands, namentli<h in Eng- land und Amerika, {hon seit längerer Zeit eine Reform der dort bestehenden Einrichtungen unter dem Gesichtspunkt der deutschen Staats\chule in Erwägung gezogen. Unter den in jüngster Zeit er- schienenen Sriften, wel<e der angedeuteten Aufgabe sih unter- ¿ogen haben, ist bemerkenëwerth: „de Garmo, Beitrag zur Lösung der Frage über die Beitragspfliht zur Unterhaltung der Elementar- \{ulen. Historishe und sozialpolitisde Studie der Unterrichtsverhält- nisse in Deutschland, England und Amerika.“ Die einem Ultramon- tanen wahrscheinli<h unverständlihen Ergebnisse der Studien des Verfassers verdienen um so viel größere Beachtung in allen den Kreisen, welche die Ueberzeugung thcilen, daß die Erhaltung der kon- fessionellen Staatsshule für unsere Zeit cine Not=4wendigkeit ist.

Wie der Titel der kleinen Schrift anzeigt, faßt der Verfasser das Elementarshulwesen von einem s<heinbar äußerlichen, in Wirklichkeit aber ecntsleidenden, rämlih dem finanziellen Gesichtspunkt aus an. Wenn irgendwo, fo ist gerade hier das Geld der nervus rerum, und die Stärke des Verfassers besteht eben darin, daß er zeigt, wie enge die finanzielle Seite der Sache mit den allgemeinen, sozialen, poli- tischen, religiösen und pädagogishen Fragen zusammenhängt. Diese Erscheinung tritt besonders deutlih in der Entwickelung des englis<hen Volks\hulwesens hervor, mit dem im Laufe unseres Jahrhunderts eingrcifende Veränderungen vor si< gegangen sind,_ die si< wie folgt zusammenfassen lassen. Erstens hat der Staat auf das Volks\hulwesen einen um so größeren Einfluß gewonnen, als die Ausgaben für die Schule gewa<sen sind, und zweitens hat das Volkéshulwesen si< um so mehr verbessert, als der Einfluß des Staats auf die Schule durh deren finanzielle Unterstüßung gestiegen ist, Beide Säte werden dur die Geschichte des englishen Volks- \{ulwesens erwiesen, welche lehrt, daß weder die Kirche, no die Privatwohlthätigkeit im Stande ist, die Aufgabe der Volksschule zu lôfen, taß dieses vielmehr nur der Staat ver- mag. Na< diesen drei Faktoren theilt s< die Ge- schichte der englishen Volksschule in drei Perioden: 1) Von der Reformation bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts (1530—1800). „Der Unterricht unter der Leitung der Kirche, Periode des tiefsten Darniederliegens der Volksschule“. 2) Von 1800—1870: „Die Volks- \hule unter der Leitung entgegengeseßter religiöser PrivatgesellsWaften*. „Diese ganze Periode wird erfüllt von einem Gemisch erbitterten Kampfes, scheeler Eifersut, patriotishen Zwiespalts, un- trägliher. Bigotterie . . . . aber wie düster und nußlos au dieser Kampf erscheinen mag, so überzeugte er doch das englishe Volk allmähli< von der Nothwendigkeit, die Herrschaft der Subjektivität in der Erziehung zu bre<hen. Er zeigte den Weg zur Versöhnung der si< gegenüberstehenden Parteien dur die Vermittelung des Staats." Der Weg, auf welchem es dem Staat allmählich gelang, den Troß der Hochkirhe und den Gigensinn der Privatgesellshaften (cs giebt deren no< \e><s große, über das ganze Land verbreitete) zu bre<en, wurde im Iabre 1832 zuerst ein- ges<!agen, und zwar dur< Geldbewilligungen, die immer mehr an die Bedingung der Staatsaufsiht gebunden wurden. Was kostete es aber für Mühe, dem Prinzip der Staatsaufsiht Geltung zu verschaffen! Die anglikanishe Kire und die \ektire- rischen Genossenshaften, welhe untereinander im heftigsten Kampfe lagen, waren darin einig, die neutrale Staats- aufsicht nit zu dulden, Erst na< und nah gelang es dem Staat, an die Geldbewilligungen eine wirkliche Staatsaufsicht zu knüpfen, und seitdem besserte si das StGulwesen zusehends. Aber erst 3) im Jahre 1870 gelang es endli, dem Staat die Möglichkeit zu sichern, eigene Sculen zu gründen und zu erhalten, zu deren Unterhalt dann no< Gemeindesteuern eingeführt wurden. Diese Staatsschulen bilden erst 22 9/0 der Gesammtzahl der vorhandenen Schulen, unterrichten aber {on 32 9% der gesammten Kinderzahl. Im Jahre 1880 wurde endlih der allgemeine Schulzwang eingeföhrt.

Nach deutschen Gesichtspunkten und mit deutshem Maßstab e messen liegt also nah dem Gesagten das englis<he Volkss{ulwesen noh im ersten Stadium einer gesunden und den Forderungen des beutigen Staatslebens entsprehenden Entwidelung. Dabei besteht Deutschland und insbesondere Preußen gegenüber der große Unter- schied, daß, während hier {hon König Friedrih Wilhelm I. in der ersten Hälste des vorigen Jahrhunderts in vollem Bewußtsein seines Zieles wie der Tragweite feines Handelns das Unterrichtswesen zu einem selbständigen Zweige staatlicer Gesehgebung und Verwaltung erbob, in England, abgesehen von den wenigen bis jeßt errichteten Staatéschulen, eine staatlihe Einwirkung auf die Volksschulen in der

Gegenwart no<h dur finanzielle Beihülfen erkauft werden muß. Ob es gelingen kann, auf diesem Wege neben fortgefeßter Erribtung von Staatésulen zu befriedigenden Zuständen im Volksshulwesen zu ge- langen, ist von hier aus Tever zu p g org als wahrscheinli< wird aber hingestellt werden dürfen, daß au der englis<e Staat, sobald er in der Reform des Schulwesens mit Konsequenz seine Bahnen verfolgen wird, ultramontanem Widerstand begegnen dürfte, dessen Stärke bei der stetig zunehmenden Ausdehnung des Ultramontanismus in England nicht zu unterschäßen ist. E

Doch wir kehren zu der Schrift von de Garmo zurü>, in wel<er das Volks\{ulwesen der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, dem Heimathlande des Verfassers, einer sharfen Kritik unterworfen wird. Es bandelt \si<h hier nur um kommunale Schulen. Die einzelnen Staater geben Zuschüsse, die Centralregierung hat gar keinen Ein- fluß. Alle Mängel zu großer kommunaler Selbständigkeit zeigen h in diesem Schulwesen in stärkster Weise, besonders der Despotismus und der Einfluß von „Gevatter Schneider und Handshubmacher“ auf pädagogishe Fragen. De Garmo will nun das amerikanishe Schul- wesen unter die Aufsicht der Centralregierung, des Kongresses, geftellt wissen und ma<t zu dem Ende Vorschläge, die bier übergangen werden können. Als bemerkenswerth sei nur angeführt, pa er für England, Amerika und Deutschland die Aufhebung des Schulgeldes empfiehlt. In Preußen ift nun bekanntlih das neue Volksschullasten- geseß in Kraft getreten, in England ift die Kirche gegen Freischulen, weil die Aufhebung des Schulgeldes ihr die Mittel entziehen würde, ihre Schulen zu behaupten, während andererseits dem Staats- und Gemeindeshulwesen der Weg geebnet würde. E i

Vertheidigt hierna<h übrigens in England die anglikanishe Kirche nur ihren Besißstand, so fordert dem gegenüber der Ultramontanismus in Deutschland, und zumal in Preußen, einfa< in den Besiß der staatli<hen von Staat und Gemeinde unterhaltenen S<ule eingesett zu werden, denn ni@is Anderes als die Alleinherrs<aft der Kir<he in der Volksschule würde, wie schon früber im „Hamb. Corr.“ ausein- andergeseßt ist, die Folge der Annahme und Verwirklihung des Windthorst'\hen S{ulantrages sein. Es würde dadurch in Unterricht und Erziehung dasjenige Moment bestimmend und herrshend werden, das seit dem vorigen Jahrhundert in Preußen planmäßig au®geschlofsen ist, dessen Unterdrü>kung in England freili< ers in neuester Zeit als nothwendig erkannt wurde, weil es in den modernen konfessionell ge- mischten Staaten durchaus verwerfli< erscheint: die Subjektivität nämli<. Die Erscheinung, daß der gesammten, im Großen und Ganzen in Deutschland gleihmäßig erfolgten Entwi>elung des Volkéshulwefens zum Troß die Subjektivität in der Schule wieder zum lcitenden L E erhoben werden soll, ist überrashend genug; allein sie beweist eben, da im heutigen Ultramontanismus die mittelalterlihe Weltanshauung, die Lehre von der Unterordnung des Staats unter die Kirche, zur Herrschaft gelangt ist. Von der Herrschaft des Ultramontanismus in der Scbule bis zum Angriff auf die gesamrzte moderne Staats- ordnung ist nur ein Schritt, die Zerstörung dieser aber das leßte Bel des ersteren. Die sichere Hoffnung der Ultramontanen, an dieses

iel zu gelangen, wird sih indessen als eine sehr eitle erweisen ; denn

mögen vielleicht au< no< unerguid>lihe [{<ul- und kir{enpolitische Kämpfe bevorstehen, die Weltanschauung des Mittelalters ift, soweit sie als praktishe Staatslehre si<h darstellt, mit diesem selbst unter- gegangen und in unseren Tagen der Wiederbelebung unfähig.

EStatiftische Nachrichten.

Nah dem Septemberheft der „Monatsbefte des Kaiserlichen StatistisGen Amts“ hat die Einfuhr in den freien Verkehr von Getreide und Hülsenfrüchten in der Zeit vom 1. Januar bis 30. September d. I. im Vergleih zu demselben Zeitraum

jahres betragen: des Vorjahres betrag dak a6

100 kg netto 1/998 040 2 660 226 2 942 169 3 878 216 1 308 085. 909 989 137 669 190 420 243 839 322 597 56 599 77 793 Gi S 2 373 924 2 340 223 Mais und Dari . 495 312 1188 624 E E 478 671 518776. Nur Hafer und Gerste weisen eine Steigerung auf, während die Einfuhr in den freien Verkehr bei sämmtlichen anderen Getreidearten und den Hülsenfrüchten niht unerheblih zurü>geblieben ist, Dabei ist indessen nibt außer Betracht zu lassen, daß die Einfuhr von Getreide und Hülsenfrücbten im verflossenen Jahre aus Anlaß der Erkbökung der Zölle für diese Artikel eine außergewöhnli<h große war.

Ueber den jährli@en Verbrauch von Kaffee, Thee und Kakao auf den Kopf der Bevölkerung entnehmen wir dem {hon neulih erwähnten, im Institut international de statistique gehaltenen Vortrage des Dr. Broch folgende Angaben. Es entfielen auf den Kopf der Bevölkerung im Durchschnitt der Jahre 1880—84

in Thee Kakao Rußland (ohne Finnland) . 172 : j 403 410

E ï ; Spauie 2126 155 490 : | 540 62

Großbritannien “und Frland Italien e e

910 11 10 1730 13 312

Portugal . s Oesterreih-Ungarn : 2310 31 57 2720 183 122

Le 2790 13 22

Weizen . Roggen . E Buchweizen P z

Hirse, rehe .

Kaffee 90 190

eutschland .

Dänemark

Schweden

Schweiz . 3250 44

Norwegen 3720 40 53

B 4480 10 :

Ndd... 9180 477 S Bei weitem den stärksten Kaffeekonsum weisen darnach die Niederlande auf; die dann folgenden Länder Belgien, Norwegen, die Schweiz, Schweden, Dänemark * und Deutshland haben knapp die Hälfte, etwas mehr oder weniger als ein Drittel bezw. ein Viertel jenes Höchstbetrages zu verzeihnen. Fast in allen Ländern Europas hat in den leßten Jahren eine Zunahme des Verbrauchs an Kaffee und Thee stattgefunden; nur in Deutschland und Oesterreich-Ungarn ist der Kaffeekonsum ni<ht gestiegen. «Der Theeverbrauch ist nur in England von Bedeutung, wo etwa 75 °%/o aller na< Europa ge- brachten Thees konsumirt werden ; na< Großbritannien und Irland folgen die Niederlande, Dänemark und Rußland. Die Staatseinnahmen aus dem Thee sind ebenfalls nur in den vier genannten Staaten erheblich ; in ganz Europa beliefen sie si< auf 120 Millionen Mark, während die Staatseinnahmen aus dem Kaffee auf etwa 200 Millionen Mark ges<äßt werden. Kakao wird nur in Spanien und Frankreich in größerer Menge verzehrt, au lasten in ersterem und in Italien auf diesem Genußmittel verhältnißmäßig die höchsten Abgaben. Die ge- sammten Staatseinnahmen aus demselben werden für Europa auf 18,4 Millionen Mark, der Gesammtverbrauh auf 30 bis 35 Nillionen Kilogramm ges<äyt.

Der jährli<heVerbrauch an Taba> in Europa kann nah dem ao U Dr. Broh im Inustitut international de statistique auf ein Kilogramm für jeden Bewohner ges<äßt werden. Bei weitem der meiste Taba>k wird verhältnißmäßig in den Nieder- landen gerau<ht, wo 3,14 kg auf den Kopf der Bevölkerunq ent- fallen. Die übrigen Staaten kommen in nahstehender Reihen- folge: Oesterreich - Ungarn 1,71, Dänemark 1,68, die Schweiz 147, Belgien 1,43, Deutshland 1,36, Norwegen 1,04,

ranfreih 0,93, Schweden 0,85, Spanien 0,77, Großbritannien und Bren Bea Stalien 0,61, Rußland 0,56. In den Vereinigten

Staaten von Amerika kommen etwa 2 kg Taba> auf den Kopf der Bevölkerung, entsprehend einem Steuerbetrage von 4 # Die höchsten Staatseinnahmen aus dem Taba> ziehen Frankreich, Großbritannien und Irland, Oesterreih-Ungarn, demnä<hst Spanien und Jtalien.

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

„Römische Re<htswissenshaft zur Zeit der Re- publik“ von Paul Jöôrs, Professor in Kiel. Berlin 1888. Verlag von Franz Vablen, Mohrenstraße 13/14. Der Verfasser bezwe>t mit der vorliegenden Arbeit die Ausfüllung der E wel<e in der Wissenschaft in Folge des Fehlens iner Literatur eshichte für die rômische Jurisprudenz bisher bestand. Jedoch beabsichtigt er niht, die ganze Entwi>elung der juristishen Literatur der Römer zu verfolgen, sondern hat \ih auf die Zeit der Republik bes<ränkt, weil es für die Kaiferzeit vielfah am notbwendigsten Quellenmaterial mangelt, sodaß es ausges{lossen ist, ein möglicst lebendiges Bild der Persönlichkeiten der einzelnen Juristen zu entwerfen, ihr politisches und literarishes Wirken ni<t blos anzudeuten, sondern zu \{ildern und namentli<h au< die Stellung der Jurisprudenz in dem gesammten geiftigen Leben der Zeit darzustellen. Die Notizen über Männer wie Sabinus, Celsus, Julian \ind so dürftig, daß eine Biographie der- selben von selbst auf ein Besprehen einzelner Quellenstellen hinaus- läuft. Der Verfasser bat bei der Abfassung seiner Arbeit nicht allein den Juristen, sondern auH den Philologen und Historiker im Auge gehabt; denn seines Erachtens darf sih eine Geschichte der Wissenschaft, gleichviel wel<hes Zweiges, niemals blos an die Bekenner des speziellen Fabes wenden, sondern muß si< auch einen Play in der Literaturzeshihte als solcher zu erringen su<en. Der vor- liegende erste Theil, dessen Pr. 7 #4 beträgt, umfaßt die Zeit bis auf die Catonen.

Calderon und seine Werke. Von Engelbert Günthner, Professor in Rottweil. Mit Calderon's Bildniß. I. und II. Band. Freiburg im Breisgau, Herder's<e Verlagshandlung. 1888. 8 9. (Pr. 3 4). Der erste Band dieses Werks bringt zunächst eine sehr vollständige bibliographishe Uebersicht der neueren Calderon- Literatur: deutsche, spanische, französis<e, italienis<e, portugiesische, englisde, dänisde, holländisde, s{<wedis<e, böhmische, polnische, russische und ungarishe Werke werden genau aufgeführt und be- kunden den Einfluß des svanis<en Dichters bei allen Kulturvölfern \<on äußerlih. Eine gedrängte, aber zuverlässige und genügende bio- raphishe Skizze des Lebens folgt. An diese Biographie {ließen kd fritishe Auseinanderscgungen der religiösen und symbolischen Dramen sowie der mythologischen Festspiele und Ritterschauspiele. Der zweite Band behandelt das Lustspiel mit Mantel und Degen, die heroiscen oder romantishen Dramen, die Dramen aus der niht spanischen Geschichte oder Sage, die Dramen aus der spanishen Geschichte oder Sage, endli die geistlihen Fest- oder Sakramentsspiele. Professor Günthner besißt in hohem Maße die für die: Aufgabe, die er sich gesept, erfor- derlihe \prahlihe wie literaris<h-wifsenschaftlihe Befähigung, aber au< gewissermaßen eine entspre<ende bedingte Geistesverwandtschaft mit dem Dichter. Seine Darstellung befriedigt daher na< jeder Richtung und entspriht in dem Durwharbeiten wie in der Behand- lung des überreihen Stoffes allen zu erhebenden Ansprüchen. Möchte die verdienstvolle und dankenswertbe Arbeit dazu beitragen, das Inter- esse für die unsterblihen Werke Calderon's unter den Gebildeten immer mehr zu we>en und zu beleben. :

Der vorliegende siebenunddreißigste Band von den im Ver- lage von Dunker und Humblot zu Leipzig erscheinenden „Schriften des Vereins für Sozialpolitifk* enthält des allgemeinen In- teresses nit ermangelnde Berichte und Gutachten über den Einfluß der distributiven Gewerbe auf die Preise, während der vorhergehende eine ni<t minder interessante Untersußung über den Einfluß des Zwischenhandels auf die Preise auf Grund der Preisentwi>kelung im Aahener Kleinhandel von R. van der Berght brahte. Inhalts- angabe des siebenunddreißigsten Bandes: I. Der Einfluß des Detail- handels auf die Preise. Von A. Bayerdörffer. Mit 6 graphischen Tafeln. 11. Die Preisbildung des Fleisches zu Halle a. S. Von Otto Gerla<. III. Die Brotpreise in der Stadt Leipzig im Jahre 1885. Von Stadtrath Ludwig-Wolf. IV. Der Breslauer Kon- sumverein und die Kleinhandelspreise. Von W. Lerxis. Ladenpreis des Bandes 5 M 20 s. : :

Die am 10, November ersheinende Nr. 2367 der „Jllustr irten Zeitung“ enthält folgende Abbildungen: Die Zollanshluß-Fest- lihkeiten in Hamburg. 2 Abbildungen. Die Fahrt des Kaisers dur die neuen Hafenanlagen. Die Schlußfteinlegung der Hafenbauten an der Brooksbrü>ke dur den Kaiser. (Zweiseitig.) Hamburgs Frei- hafen (Karte.) Die italieris<he Denkmünze zur Erianerung an den Besuch des Kaisers Wilhelm I1. Vorder- und Rü>seite. Christian IX., König von Dänemark. Die neue Marine-Akademie in Kiel. Kaiser Wilhelm Ik. in Leipzig. Einzug dur< den Triumphbogen auf dem Augustusplaß. Die Grundsteinlegung zum Reichsgerichtsgebäude in Leipzig dur den Kaiser am 31. Ok- tober. (Zweiseitig ) MRelieffries an der Sängertribüne des Fest- plages zur Grundsteinlegung des Reichsgerichtsgebäudes in Leipzig. Modellirt von Nikolaus Geiger. E F

Wien, 9. November. (W. T. B.) Der Profess.r der Medizin, H. von Bamberger, ift heute Vormittag gestorben.

Gewerbe und Handel.

In der gestrigen außerordentliden Generalversammlung der Schiff- und Maschinenbau - Aktiengesellschaft „Ger- mania“ wurden die Anträge der Verwaltung: 1) Erhöhung des Grund- kapitals um 3003 0009 A dur< Ausgabe von Vorzugsaktien Litt, A, sowie Festseßung der Modalitäten, 2) Aufhebung des in der General- versammlung vom 14, Mai 1886 gefaßten Beschlusses auf Erhöhung des Grundkapitals um 500 000 Æ, 3) Herabseßung des Grundkapitals um den Betrag der no< vorhandenen Stammprioritäts-Aktien von 8000 A dur< Amortisation derselben aus dem Gewinn, 4) Uende- rungen des Gesellschaftsstatuts, insbesondere der $8. 4, 25 und 32, genehmigt. Zu dem Antrage ad 1 wurde mitgetheilt, daß die Dresdner Bank in bindender Weise sih bereit erklärt hat, von den auszugebenden Vorzugsaktien den Betrag von 2 508 000 #4 zu über- nehmen. Die Generalversammlung beschloß, dem Antrage zuzustimmen und werden somit vorerst 2508 000 4 neue Vorzugsaktien Litt. A. zur Emission gelangen. Der Cours dafür berehnet si auf 115 °/o nebst laufenden Stückzinsen vom 1. Oktober 1888 ab. Die Dresdner Bank ist verpflichtet, den Inhabern von alten Vorzugsaktien Litt. A. auf 2000 M alte Vorzugsaktien 1000 ( neue Aktien zum Course von 120 9/0 zuzügli Stückzinsen vom 1. Oktober 1888 ab zur Ver- fügung zu stellen.

' Die nächste Börsenversammlung zu Essen findet am 12, November 1888 im „Berliner Hof“ statt. :

Frankfurt a. M., 8, November. (Getreidemarktbericht von Joseph Strauß.) Für Weizen trug die Tendenz nicht so entshieden das feste und nah aufwärts strebende Gepräge, weil auf den großen Auslandêmärkten kleine Abschwächungen stattfanden; ab Umgegend 192—20 Æ, frei hier 20¿—23 H, kurhessisher 203. , norddeutscer 20 H, russishe Sorten 22{—23 #4 Roggen er- mattete auf Grund starker Zufuhren und preiëwerthen russischen An- gebots; hiesiger 167—? H, russishe Sorten 164 bezahlt und übrig. Gerte hatte stillen Verkehr, do gaben Course successive eineKleinigkeit nah; Franken-Gerste (Ochsenfurter Gau) und Ried- 163—$ , Wetterauer 16—¿ #, Saal-Gerste 1823—19$ 46, ungaris<he 19— 21 A Hafer zeigte sih ziemlih vernachlässigt, nur feine Quali- tâten fanden mehr Beachtung; die Notiz 133—14} 4 bleibt, hoch- fein über Cours. Raps fehlt, Umsäße kamen uns niht zu Ohren. Mais (mixed) begegnete nur {wacher Nachfrage, man fordert 14 A, es soll jedo<h zu 137/10 gehandelt sein. Chilisalpeter und Thomasphoëphatmehl stramm gehalten, Käufer reservirt, In Mehl haben die Mühlen, nament- lih für bessere Marken, guten Absatz, es häufen sich keine Lager, doch

hält es s{<wer, mit der steigenden Preisrichtung für Weizen gleichen Shritt zu halten, Roggenmehl liegt sehr flau, Berlin drü>kt. Hiesiges