1888 / 311 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Angekommen: der Ministerial-Direktor im Ministerium der S og Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten, Wi E Es Ober-Regierungs-Rath Dr. Barkhaus en, vom Urlaub.

Aie<Gkamtlitßes. Deutsches Reich.

Preuszen. Berlin, 10. Dezember. Se. Majestät der Kaiser und König gewährten am Sonnabend Vor- mittag um 10 Uhr dem Professor Eilers im hiesigen Schlosse eine Sizung und konferirten von 103/, Uhr an bis nah 12 Uhr mit dem Staats-Minister Grafen von Bismar.

ierauf arbeiteten Se. Majestät zunähst mit dem Chef des Militärkabinets und sodann mit dem Chef des General- stabes der Armee.

Bald nah dem Frühstü>, zu welhem der Abgeordnete Graf Douglas mit einer Einladung beehrt worden war, unter- nahmen Se. Majestät eine längere Spazierfahrt na< dem Thiergarten und Charlottenburg.

Nach 4 Uhr in das Königlihe Schloß zurü>gekehrt, arbeiteten Se. Majestät der Kaiser zunächst allein und hörten um 6 Uhr einen mehrstündigen kriegsgeshihtlihen Vortrag des General-Adjutanten von Wittich. Demselben wohnte unter Sa E Hoheit der Herzog Ernst Günther zu S<hleswig-

olstein bei.

Zum Thee waren der Chef des Generalstabes der Armee, General Graf von Waldersee nebst Gemahlin, der Chef des Militärkabinets, General-Adjutant von Hahnke, und der Feld- propst der Armee, Richter, mit Einladungen beehrt worden.

Gestern erledigten Se. Majestät von 9 bis 10 Uhr Vor- mittags Regierungsgeschäfte, wohnten alsdann dem Gottes- dienst im Dome bei und empfingen um 111/, Uhr den Ober- hof- und Hausmarschall von Liebenau zum Vortrage.

Um 12/4 Uhr hatte der Commandeur des 1. Garde- Regiments z. F. die Ehre, Sr. Majestät das Modell eines neuen Jnfanterie-Dffizier-Seitengewehrs vorzulegen.

Am Nachmittage verblieben Se. Majestät der Kaiser und König im Arbeitszimmer.

Um 51/7 Uhr begaben Sich Beide Majestäten zum amiliendiner bei Jhrer Majestät der Kaiserin ugusta und kehrten gegen 7 Uhr Abends in das Königliche

Schloß zurü>.

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin Augusta wohnte gestern zum ersten Male dem Gottesdienst in der neuen Kapelle des Augusta-Hospitals bei.

Bei Jhrer Majestät fand ein kleineres Familiendiner statt, an welhem Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin Theil nahmen.

é

Wir veröffentlihen nachstehend das Telegramm, welches Se. Majestät der Kaiser und König am 2. Dezember an Se. Majestät den Kaiser Franz Joseph gerihtet hat, sowie die darauf erfolgte Antwort:

E

Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterrei. Miramar.

Es ift mir ein aufrihtiges Herzensbedürfniß, Dir no<mals meine wärmsten und innigsten Glü>wünsche zum heutigen Tage auszusprechen. In kerzlihster Dankbarkeit gedenke ih der treuen Freundschaft, die Du mir stets bewiesen. Gott erhalte Dih unsern beiden Völkern zum Heil und dem Europäischen Frieden zum Nutzen noch re<t lange. Tausend Grüße der Kaiserin.

Wilhelm.

II. Sr. Majestät Kaiser Wilbelm.

Wien, Burg, den 3, Dezember 1888.

Die erste Zeit nah meiner Rüc>kebr aus Miramar gebört der Erfüllung einer Herzenspfliht, Dir für die erneuten warmen Glü>- wünsche mit gleiher Innigkeit zu danken, Dich zu bitten, meiner treuen Freundschaft ebenso versichert zu scin, wie ih der Deinen unter allen Verhältnissen fest vertraue, überzeugt, daß unser uners<ütterlicher Sreundschaftsbund den Frieden siwern und reihen Segen bringen werde. Die Kaiserin erwidert Deine Grüße von Hcrzen.

Franz Joseph.

Berlin.

Der Ausschuß des Bundesraths für Justi hielt heute eine Sigung. hs für Justizwesen

In der heutigen (11.) Sißung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Maia von Boettidler Gs andere Bevollmächtigte zum Bundesrath nebst Kommissarien desselben beiwohnten, stand als erster Gegenstand auf der Tagesordnung die Fortsetzung der ersten Berathung d'es Gesegentwurfs, betreffend die Alters- und JInvaliditätsversicherung.

Der Abg. Dr. von Komierowski wies darauf hin, daß die polnische Fraktion sih stets freundlih zu der sozialpolitishen Gesetgebung gestellt habe, weil sie wünsche, daß überall Ge- rehtigfeit und niht die Macht herrschen solle. Einige Bedenken gegen die gegenwärtige Vorlage könne sie gleihwohl nit unterdrü>en. Namentlich sei die Rente sehr niedrig bemessen; aber hierzu habe vielleiht die Vorsicht gerathen. Prinzipielle Bedenken hätten seine Freunde nur gegen den Reichs- zushuß, gegen das Prämiende>ungsverfahren und gegen die vorgeshlagene Organisation. Dur das De>ungs- verfahren würden große Kapitalmengen dem Verkehr entzogen, wodur, namentlich die Landwirthschast geschädigt werden würde. Eine Reichsanstalt empfehle sih nicht, nachdem man bei den bis- herigen sozialpolisishen Gesetzen decentralistish verfahren sei. Mit der Selbstverwaltung, welche die Vorlage theilweise einführen wolle, könne man einverstanden sein, nicht aber mit der sonstigen behördlichen Organisation. Man sollte mehr die Formen der land- wirthschaftlihen Berufsgenossenshaften nachbi den; die Form der industriellen Berufsgenossenschaften seien freilih für die länd- lichen Bezirke niht geeignet. Die Fürsorge für die Halb- invaliden bedürfe einer genauen Prüfung. Das Quittungs- buch sei keine E Einrichtung; ym aber jedes Miß- trauen der Arbeiter zu beseitigen, könne man die für Unfall-

Der Abg. Grad führte aus, daß die Arbeiter die Vor-

theile, welche die Kranken- und Unfallversiherung ihnen ge- währe, wohl anerkennten. Die gegenwärtige Vorlage, der er im Prinzip s\ympathis< gegenüberstehe, habe einige große Bedenken gegen sih. Die Rente von 120 4 würde in späteren Jahren einen geringeren Werth haben als jegt; außerdem würden bei dem Sinken des Zinsfußes die eingeforderten Beiträge niht ausreichen, um die st ig anwachsenden Ausgaben für - die JInvalidenversiherung zu de>en; au<h das Steigen der Be- völkerungszahl sei niht in Betracht gezogen. *Für die Aus- fälle werde {ließli<h das Reich eintreten müssen, und das sei (ne iell bedenklih. Deshalb empfehle es sh, die Beiträge edigli<h dur< die Arbeiter . und Arbeitgeber aufbringen zu lassen. Die Jndustrie sei im Stande, die Last allein zu tragen. Redner ging hierauf zu einer Schilderung dér Einrichtungen, die man früher in Frankreih und speziell in dem Bezirk der Mülhauser Jndustrie für die Altersverftherung getroffen, über und erklärte sih {ließli bereit, jedem Vorschlag zuzustimmen, der einen gangbaren Weg zeige, ohne zu große Hoffnungen in den Arbeitern zu erregen ; jedenfalls sollten bestehende Kassen in ihrem Bestande nit gefährdet werden. ;

Der Abg. Lohren meinte, es sei selbstverständlih, daß man so große Ziele, wie sie der Gesetzentwurf anstrebe, nicht gleih auf den ersten Anlauf erreichen könne; alle Freunde der Sozialresorm müßten si<h zusammenthun, um die Er- reihung des Zwe>kes zu sichern. Die Bedenken gegen die Vorlage lägen auf dem Gebiete der Renten- erlangung und Rentenfeststelung,. Es kämen dabei in Betracht die Definition der Erwerbsunfähigkeit, die Wartezeit, die Ermäßigung der Rente, sowie das Erlöschen derselben, und s{ließli< die freiwilligen Beiträge. Zu bemängeln sei, daß während der Uebergangszeit alle Leute, die über 70 Jahre alt seien, die Altersrente erhalten sollen, ohne entsprehende Beiträge geleistet zu haben. Ueberhaupt könne der Reichstag die finanzielle Tragweite der Vorlage kaum prüfen, ohne daß ihm der Rententarif vorgelegt werde. Die Arbeite- rinnen würden fast niemals in die Lage kommen, die Alters- ‘rente zu beziehen, weil keine derselben 30 Jahre lang Beiträge zahlen werde, und jede mehr als Z5jährige Unterbrehung der Beitragszahlung den Verlust des ganzen Rentenanspruchs nah sih ziehe. Da verdiene die Beitrags- zahlung an eine Privat-Rentenanstalt den Vorzug. Noch \shlimmer stehe es mit der Jnvalidenrente, denn der Nahweis der Erwerbeunfähigkeit werde kaum Jemandem möglich sein, welher no< zwei - gesunde Augen, zwei esunde Hände und Füße babe. Selbst die Leute in den Armenbäusern würden kaum diesen Nachweis führen können, denn die Armenpflege gehe von einer so rigorosen Auslegung des Be- griffs der Erwerbsunfähigkeit niht aus. (Bei Schluß des Blattes dauerte die Rede fort.)

__— Nach einer Entscheidung des Ober-Verwaltungs- gert IT. Senats), vom 30. November d. J., läßt die

orschrift im $. 20 Nr. 3 des Zuständigkeitsgesezes vom 1. August 1883, daß die Einleitung des auf Entfernung aus dem Amt gerichteten Disziplinar-Verfahrens gegen )städtishe Gemeindebeamte von dem Regierungs- Präsidenten bezw. von dem feonbung des Znnern verfügt wird,

keinen Raum mehr Aniæendung /der Bestimmung im 8. 78 des Geseßes vom 21. Juli 1852, wsnah die Einleitung des förmlichen Disziplinar-Verfahrens gegen solhe Gemeinde- beamte, die weder vom König, noch von der Bezirksregierung oder deren Präsidenten ernannt werden, au<h von dem Ma- ras als derjenigen Behörde, welcher die Ernennung der emeindebeamten zusteht, verfügt werden konnte.

Der Flügel-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs, Kapitän zur See Freiherr von Se>endorff, welcher bisher mit der Wahrnehmung der Funktionen als Hofmarschall Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen betraut war, ist zum Hofmarschall ernannt worden.

Der General-Lieutenant von Sobbe, Commandeur E Garde-Jnfanterie-Division, it von Urlaub zurü>- geTehrt. L

An Stelle des zum 1. Januar 1889 in den Ruhe- stand verseßten Oekonomie-Kommissions-Raths Schad zu Hers- feld ist von da ab dem als Spezial-Kommissar daselbst an- gestellten Regierungs-Ass)essor Köhler die weitere Verwaltung der Spezialkommission T zu Hersfeld übertragen worden.

Als Aerzte haben sih niedergelassen die Herren : Dr, Wegener, Dr. Wolff, Dr. Heimann, Dr. Lembke, Dr, Streliß, Kann, Mart. Meyer, Dr. Lang, Dr. Eschricht, Dr. Graefe, sämmtli<h in Berlin, Keller in Eberswalde, Dr. Rubensohn in Wittenberge, Bernstein in Mittenwalde, Assistenzart Dr. Buschow in Stargard i. Pomm., Schaefer in Höhnstedt, Dr. Pariser in Alt-Scherbiy, Frauer in Mücheln.

Das Squlgeshwa der, bestehend aus S. M. Kreuzer- Fregatten „Sto <“ (Flaagscif), „Charlotte“, „Gneisenau“ und „Moltke“, Geshwader-Chef Contre- Admiral Hollmann, ist am 7. Dezember cr. in Carystos auf der Jnsel Euböóa (Griechenland) eingetroffen und beab- sichtigt, am 8. desselben Monats wieder in See zu gehen.

S. M. Shchiffsjungen-Schulschiff „Nixe“, Aonbaandint Korvetten-Kapitän Büchsel, 1st am 7. d. M. in Trinidad (Port of Spain), Westindien, eingetroffen und beabsichtigt, am 15. Dezember wieder in See zu gehen.

„Düsseldorf, 9. Dezember. Nachdem Se. Majestät der Kaiser und König die Zusammenberufung des Provinzial- Landtages der Rheinprovinz auf den heutigen Tag zu genehmigen geruht hatten, begab sih heute Mittag 12 hr, nah Beendigung des in der evangelischen und in der katho- lischen Ee stattgehabten Gottesdienstes, der Königliche Landtags - ommissariuus, Ober - Präsident der Rhein- provinz, Wirklihe Geheime Rath Dr. von VBarde- leben, nah dem Ständehause und erklärte nach Gner Anfra im Namen Sr. Majestät des Kaisers und Königs den 35. Rheinischen Provinzial-Landtag für eröffnet. Darauf fand die Wahl des Vorsißenden des Provinzial- Landtages, sowie eines Stellvertreters desselben statt. Zum Vorsigenden des Provinzial-Landtages ist gewählt worden der O Wilhelm zu Wied, zum Stellvertreter desselben der

ehtsanwalt, Geheime Justiz-Rath Adams aus Koblenz. Der Provinzial-Landtag wird si<h im Wesentlichen mit der Dec tng und Beschlußfassung über die Etats der Provinzial- verwaltung, sowie über den Entwurf eines neuen Reglements für die Rheinische Provinzial-Feuer-Societätzubeschäftigen haben. Außerdem wird demselben Seitens der Staatsregierung der

versicherung benußten Lohnlisten auch für diese Versicherun sicherung

len der Mitglieder der Bezirks - Kommissionen für die Klassen- und klassifizirte Einkommensteuer, sowie der bürger- lihen Mitglieder der Ober - Ersaßkommissionen im. Bezirk der bes 29., 30., 31. und 32. Jnfanterie - Brigade vorzunehmen aben.

Hessen. Darmstadt, 10. Dezember. (W. T. B.) Einem heute ausgegebenen Bulletin zufolge ist in dem Befinden des Prinzen Alexander von Hessen in den leßten Tagen eine wesentlihe Vershlimmerung ein- getreten, welche zu ernsten Befürchtungen Veranlassung giebt.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 8. Dezember. (Fremden- blatt.) Jn der leßten Sizung des Herrenhauses wurde eine Regierungsvorlage eingebracht, welche die am 12. November d. J. zu Haag zwischen Oesterreih-Ungarn und Luxem- burg abgeschlossene Uebereinkunft wegen Bewilligung des Armenrechts betrifft.

Pest, 7. Dezember. (Presse.) Der Justizaus\<uß des Abgeordnetenhauses erledigte heute das Wehrgeseßz bis einschließli F 56 unter Annahme folgender, auch Seitens des Ministers Baron Fejervary acceptirter Amendements : Streichung der Bestimmung des $. 46, nah welcher die Zu- ständigkeits-Gemeinde für die auf vermögenslose Stellungs- vflihtige entfallenden Beträge aufzukommen hat. Ferner ist die im äußersten Falle zur Anwendung gelangende militärische Exekution niht gegen die Gemeinde, sondern gegen die betreffenden Schuldtragenden anzuordnen. Endlih wird, im Falle der Verhängung einer Geldbuße und daraufhin er- D Pfändung Beides aufgehoben, wenn \si< der SÔhuldige binnen neunzig (anstatt dreißig) Tagen re<ht- fertigt. Bei 49. wurde die Bestimmung gestrichen, nah welcher „dort, wo vorsäßlihe Selbstverstümme- lungen in größerem Maßstabe vorkommen, der Landes- vertheidigungs-Minister die zur Abhülfe geeigneten außer- ordentlichen Maßregeln im Verordnungswege treffen kann.“ Die Berathung wird am Montag fortgesetzt.

8. Dezember. (W. T. B.) Der serbishe Patriar< German Angyelics ist in Neusaß gestorben.

10. Dezember. (W. T. B.) Die Vertreter des Kommunikationsamts der ungarish-galizishen Eisenbahn hielten gestern unter dem Vorsiß des Ministers der öffentlihen Arbeiten, Baroß, eine Konferenz ab, ge- nehmigten das Verstaatlihungsprojekt und hbé- stimmten, daß die Eisenbahn {hon am 1. Januar 1889 in den staatlichen Betrieb übergehen soll.

Frankreih. Paris, 8. Dezember. (Köln. Ztg.) Die Deputirtenkammer beschloß heute, den Antrag, Frauen das Wahlrecht für die Handelsgerichte zu verleihen, in Erwägung zu ziehen. Bei der fortgeseßten Budgetberathung wurden alle no< rü>ständigen Artikel des Finanz- Budgets, den Wünschen des Finanz-Ministers entsprechend,

angenommen. T. B) Boul G

—. (W. T. _B. oulanger benachrihtigte seine Wähler in den Departements Somme gi leine inférieure, daß er die e in im Departement du Nord angenommen habe, und dankte für die Unterstüßung, welche die drei Departements der Sache der Revision hätten an edeihen lassen, die Stunde der allgemeinen E des Volkes nahe sich; einig wie die Boulangisten seien, könne das Resultat niht zweifelhaft sein.

Der Kriegs-Minister de Sve tes bestrafte den Schwiegersohn Boulanger's, Hauptmann Driant, wegen dessen ohne Genehmigung der zuständigen Behörde veröffentlidaen Broschüre „La guerre de demain“ mit einmonatlihem Arrest. __ Gutem Vernehmen nach wird die Regierung, bevor sie sih in der Panama-Frage definitiv {lüssig macht, eine aus hohen Beamten und Juristen bestehende außerordentliche Kommission zusammentreten lassen, welche sie mit der Prüfung der Frage beauftragt. L

__— 9. Dezember. (W. T. B.) Gestern fand in St.

Dié (Vogesen-Departement) eine Zusammenkunft bou- langistisher Deputirter statt. Laisant und Laguerre wurden E Geschrei und Pfeifen aufgenommen; es kam zu Thätlichkeiten, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Die Polizei nahm Verha ven vor.

10. Dezember. (W. T. B. ei der Wahl eines Deputirten im Departement Var wurde Cluseret, ehe- maliges Mitglied der Kommune, mit 14 776 Stimmen ge- wählt; 83962 Wähler waren eingeschrieben. Jm Departe- ment Ardennes ist eine Stichwahl nöthig geworden.

__ Numa Gilly erklärt in einem Briefe an den Depu- tirten Laguerre, er sei in keiner Weise an dem Buche, betitelt: „Meine Akten“, betheiligt; er kenne dessen Inhalt gar niht und habe sogar die Veröffentlihung untersagt.

_ Epinal, 10. Dezember. (W. T. B.) Die bhaltung einer boulangistis<hen, vom Deputirten Laguerre ein- berufenen Zusammenkunft wurde durh den Lärm der Gegner verhindert. Die Polizei ließ den Saal räumen; die Menge pfiff Laguerre aus.

Italien. Rom, 10. Dezember. (W. T. B.) Die Kommission der Abgeordnetenkammer für die Vor- berathung der Vorlage, betreffend militärische Maß- nahmen, hat die Vorlage endgültig und einstimmig genehmigt und de Renzis zum Berichterstatter gewählt. Es wurde beschlossen, die Berathungen und Beschlüsse geheim zu halten. Die Kommission zur Berathung der von der Regierung vorge- shlagenen Finanzmaßnahmen hat den von ihrem Bericht- erstatter Giolitti gestern vorgelegten, die Ablehnung empfeh- lenden Bericht genehmigt; in demselben wird erklärt, daß vor allen Dingen wesentliche Ersparnisse gemaht werden müssen.

Spanien. Madrid, 8. Dezember. (W. T. B.) Heute fand ein Ministerrath statt, welcher bis 8 Uhr Abenos dauerte. Nach demselben überreichten sämmtlihe Minister dem Minister - Präsidenten Sagasta ihre Entlassun gs- gesuche, um sie der Königin-Regentin zuzustellen.

9. Dezember. (W. T. B.) Die Königin-Regentin beauftragte den bisherigen Minister-Präsidenten Sagasta mit der Bildung eines neuen Kabinets.

(W. T. B.) Bei

Schweiz. Bern, 10. Dezember. der gestrigen Volks abstimmung im Kanton Züri über das <ulgesey wurde dasselbe mit 30 786 Stimmen abgelehnt; für dasselbe wurden 30 353 Stimmen abgegeben. Ebenso wurde die Unentgeltlihkeit der Lehrmittel auf den

Entwurf einer Hauber - Ordnung für den Kreis Altenkirchen vorgelegt werden. Endlich wird der Provinzial-Landtag die

Sekundärschulen mit 32 736 „Nein“ gegen 27181 „Ja“ ab- gelehnt.

Bulgarien. Sofia, 7. Dezember. (Wien. Ztg.) Seit der Beantwortung verschiedener Jnterpellationen dur< den Minister- Präfidenten Stambulow hat die Sobranje die Berathung der ihr zugegangenen Vorlagen eifrig wieder aufgenommen und bereits mehrere Kredite sowie das Advokatengesey votir. Gegenwärtig stehen das Sanitäts, das Paßgeses und andere Vorlagen zur Verhandlung« Die Budgetkommission setzt die Budgetberathung fort, ohne Seitens der Opposition auf

„Schwierigktiten zu stoßen. Man glaubt, daß die General-

debatte des Budgets am 15. d. M. beginnen werde. Ju Are betraht der großen Zah der in der Sobranje eingebrachten Gesetzentwürfe ist es wahrscheinli, daß die Session verlängert werden wird. i h Das Militär-Tribunal von Tatar-Bazardschik verurtheilt

drei der Bellovaer Briganten zu 1öjähriger Zucht- Ja usstrafe. Zwei Mitshuldige derselben wurden zu fünf eziehungsweise drei Jahren Zuchthaus verurtheilt.

Zeitungsftimmen.

Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt:

Dem Reichstage ift von Seiten der Sozialdemokraten der Antrag unterbreitet worden, sowohl die Zölle auf Getreide aller Art wie diejenigen auf Mühlenfabrikate aus Getreide „sofort nah Verkündi- gung dieses dite Af aufzuheben. An die Möglichkeit eines that- jählihen Ergebni}ses, das aus diesem Antrage entspringen könnte, denkt Niemand, nicht einmal die radikal-freihändlerish gesinnte Presse. Sogar diese kann ni<ht umbin, offen anzuerkennen, der Antrag verfolge lediglih agitatorishe Zwe>le. E :

Man wird nun ein prinzipieller Gegner der Getreidezölle sein können und do einschen müssen, daß es etwas nein, sehr frivol ist, mit den Angelegenheiten des wichtigsten Erwerbszweiges im Lande denn das ist die Landwirthschaft so umzuspringen, wie es die Sozialdemokraten mit Unterstüßung des einen im Hause befindlichen nicht-vers<ämten - Demokraten und von vier vers<hämt-demokratishen Deutschfreisinnigen thun. Man stellt do< im Reichstage gewöhnlich nur solhe Anträge, für welhe man wenigstens die Möglichkeit einer Annahme vorausfeßt, und bisher ist niemals in folher Ungeshminkt- heit dem Hause ein Antrag vorgelegt worden, der nur dem Bedürfniß einer agitatorishen Heye entspricht. : e :

BekanntliG wurde erst vor wenigen Tagen angekündigt, die sozialdemokratis<@e Propaganda wolle \si< nunmehr darauf verlegen, die. Bauern für die sozialdemokratis<hen Ideen zu gewinnen. Für diesen Zwe> muß es ja äußerst fördersam wirken, den Bauern zu sagen: weil die gegenwärtigen, sogar hinter dem Durchschnittspreise der leßten 20 Jahre no< erheblih zurü>bleibenden „Getreidepreise uns Sozialdemokraten viel zu boch!ersheinen, müssen die Getreidezölle aufgehoben werden. E : :

Mit den soeben erst verkündeten Parteiabsihten der Sozialdemo- fraten stimmt also dieser Antrag so s{<le<t wie mögli; es müssen demna< besondere Gründe für denselben vorgelegen haben. Diese aufzude>en, dürfte niht allzu s<hwer sein. Als im Herbst berichtet wurde, in Europa sei die Getreideernte eine geringere als in Dur- \hnittsjahren, \hnellten die Getreidepreise in die Höhe. Heute weiß man zwar allseitig, welhen Antbeil die internationale Terminspekulation in Getreide an dieser Hausse batte ; da aber mit dem Aniziehen der Getreide- preise von verschiedenen Seiten Steigerungen des Brotpreifes berichtet wurden, machten si<h die Männer der Anti-Kornzoll-Liga sofort an die Arbeit, aus dieser, spaßhafter Weise den Getreidezöllen zur Last geschriebenen Brotvertheuerung Stimmung gegen diese Zölle zu machen. Hervorragendes bei dieser wie bei jeder anderen agitatorischen Heye leistete die „Freisinnige Zeitung* des Hrn. E. Richter, welche eine besondere Brotvertheuerungsspalte anlegte, die sie allerdings in- zwischen aus Mangel an Stoff hat wieder {ließen müssen.

Damals predigte also die gesammte Manchesterpresse ofen den „Kreuzzug“ gegen die Getreidezölle, und man durfte darauf gefaßt sein, die Koryphäen der Freißandelepartei, die Herren Bamberger, Barth, Broemel, Ri>ert 2c., mit einem Antrage auf Aufhebung der Getreidezölle im Reichstage debütiren zu sehen. Wenn aber ftatt dieser zu erwarten gewesenen Aktion des inkarnirten Freihandels- thums jeßt den Sozialdemokraten die „Ehre“ der Initiative gegen die Kornzölle überlassen wird, so muß das wohl darin seinen Grund haben, daß man érftens von der Aussihtélosigkeit des Vorgehens von vornherein überzeugt war, sich also die freihändlerisGen „Größen“ ni<t blamiren mochten, und daß man ferner genau wußte, wie es ganz“ unmögli sei, aus den im Herbst eingetretenen Preissteigerungen ernsthaft gegen die Getreidezölle zu operiren. | E

Nachdem man jedo< einmal einen „Ansturm“ angekündigt hatte, glaubte man nicht ganz auf ibn verzichten zu sollen, da ja do< nah Außen hin bei der blôöden Masse immer auch dann Etwas e bleibt, wenn man im Reich3tage selbst si<h zu einer gründlihen Blamage verholfen hat. Deshalb tauc<hten an Stelle der manesterlihen „Größen*, von deren Namen si< au nicht einer unter dem Antrage der Sozialdemokraten befindet, diese als die Führer des „Ansturms* auf, und wurden ihnen genau so viel Unterschriften aus der deutschfreisinnigen Partei zur Verfügung ge- eri als zur Einbringung des Antrags erforderli<h waren. Diese

ntershriften rühren aber sämmtlich von Parteimitgliedern her, denen felbst ihre besten Freunde in wirthschaftlihen Dingen au ni@t eine Spur von Autorität beilegen. Der rein demonstrative Charakter des Vorgehens tritt damit noch deutlicher ins Licht, und hoffentlih wird man au< im Reichstage jenen Umständen / insgesammt gebührend Rechnung zu tragen wissen.

Zu der ersten Berathung des Altersversorgungs- und

Jnvaliditätsgeseßes äußert die „Weimarische Zeitung“: Es scheint auf Grund der ersten Lesung die Stimmung im Reichêtage so geartet, daß die Hoffnung auf das Zustandekommen der Vorlage an Berechtigung gewonnen bat. Auch ift, was über die ein- zelnen Kardinalpunkte derjelben gesagt ward, wohl geeignet, die Ver- ständigung im Einzelnen erwarten zu lassen. Es gilt dies zumal von solchen prinzipiella Punkten, wie Fest- stellung der Höhe der Pension und der Altersgrenze; in Bezug auf diese und die damit zusammenhängenden Fragen wird eine Einigung wohl erzielt werden fönnen, da ja, abgesehen von denen, die am liebsten ni<ts zu Stande gebracht baben wollen, wie die sozialistis<hen Führer, die vom Kampfe leben, Niemand sich der Richtigkeit der von Seiten der Regierung und von Rednern aus dem Hause geltend gemahten Anschauung verschließen kann, daß es zwe>mäßiger ist, sowobl in Bezug auf die Höhe der Pension wie in Bezug auf die Alters renze zunähst die Dinge so zu ordnen, daß die thatsählihe Durchführung mögli erscheint, mit dem Vorbekbalt, die erstere zu erhöhen, die zweite herabzuseßen, wenn die Verhältnisse dies gestatten. Auch hat die erste Lesung wohl bereits erhebli dazu beigetragen, in Bezug auf beide Punkte das Urtheil richtiger zu stellen, als dies auf Grund der tendenziösen Auslassungen in der Presse und in Ver- sammlungen der Fall sein konnte. Gewiß ist der Betrag der Rente ein geringer, allein sie bedeutet Ee den oft thatsählih be- stehenden Verhältnissen eine erbeblihe Verbesserung. Und au in Bezug auf die Altersgrenze ist im Auge zu behalten, daß nah der Statistik die Zahl der Arbeiter, die die jeßt vorgesehene Grenze von 70 Jahren erreichen, ¿cs auf etwa 80 000 beläuft, sodaß also die ahl derer, die der Wohlthat des Gesetzes in seiner jeßigen Fassung < zu erfreuen bâtten, do eine ansehnliche ift, die natürli si er- hebli< steigern würde, wenn si<, wie zu wünschen ist, eine Verkür- zung der Alterêgrenze um 5 Jahre, sodaß der Bezug der Rente mit dem 65. Jahre begönne, als zulässig herausstellt. Sehr weit sind in der ersten Lesung allerdings die Ansi@ten noh auseinander gegangen in Bezug auf die Grundsäße für die Bere<hnung

der Rente und die organisatoris<hen Einrichtungen. Diefe stellen aller- dings sehr shwierige Aufgaben; gerade hier aber wird vor Allem die Berathung in der Kommission zu einer Präzisirung und Einigung der Anschauungen führen können. ; :

Schließlich is hervorzuheben, daß die erste Lesung in vortheil- haftefter Weise klärend wirkt dur die Zurü>kweisung der von den Gegnern der sozialpolitishen Reform vorzugsweise O gemachten Behauptun : daß das ganze Gesetz eigentli< nihts sei als eine würdigere Ausgestaltung der Armenpflege, die Rente nur ein Almosen in anderer Form sei. Das ist in jeder Beziehung fals<: dem gänzli Mittellosen gegenüber sind Staat und Gemeinde zur Armen- unterstüßung genöthigt; bier handelt es si in der That um ein Almosen, dessen Empfang aber eine bedeutsame Minderung der politishen Wesenheit des Empfängers nah \ih zieht, gehen do<h diejenigen, die eine Armenunterstüßung aus öffentlichen oder Gemeindemitteln beziehen, des Wahlrechts verlustig. Nah dem vorliegenden Gefeß dagegen erhält der Arbeiter unter allen Umstän- den, gleichviel ob er unterstüßungsbedürftig ist oder niht, ob ihn die Familie aufnimmt, in welhem Falle jeßt die Armenunterstüßung aufhört, oder ni<t, ein Recht auf den Bezug einer Rente; er bleibt au< im Besiß seiner politishen Re<te. Ganz abgeschen davon, daß der Mindestbetrag der Rente höher ist als die Armenunterstüßung, die moralishe Stellung des Arbeiters, der ein Ret auf Rente hat, ist eine ganz andere als die des Arbeiters, der, nachdem er arbeits- unfähig geworden, Armenunterstüßung empfängt. - Wie feinfühlig erade der deutsche Arbeiter für diesen Unterschied ift, zeigt die That- fade, daß z. B. in Berlin nah Angaben, die im Reichstage gestern ema<ht worden sind, nur 4000 Personen der Armenpflege unter- fieben, weil, so lange es irgend mögli ift, der Arbeiter \sih von dieser Unterstüßung fern hält. Nach dem vorliegenden Gefeßentwurf würden dagegen dort an 28 000 Personen Invaliditätêrenten gezahlt werden. Nichts zeigt besser, daß dem Vorwurf, bei dem Geseg handle es sich um eine Almosengewährung, jede Vegründung fehlt.

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

Als eine vortrefflide Weihnachtsgabe von bleibendem Werth, die nach jeder Rihtung hin nur Gutes stiften kann, muß das Ver- deuts<hungs- Wörterbuch“ vonO. Sarrazin empfohlen werden, welches kürzlich in zweiter, bedeutend vermehrter Auflage erschienen ist (Berlin, Ecnst u. Korn). In einer Beurtheilung des Buches wurde bereits beim Erscheinen der ersten Auflage treffend bemerkt :

Sarrazin's Verdeutshungs-Wörterbu<h sollte in keinem gebildeten Hause fehlen; es sollte jedem Deutschen, dem die gesunde Entwi>kelung setner Muttersprache am Herzen liegt, als unentbehrlihes Handwerks- zeug dienen.“ Diese Mahnung in die That zu übersezen, bietet der Weihnachtt tisch die beste Gelegenheit, denn ein sol<hes Geschenk wird S für die heranwa<hsende Jugend einen bleibenden Werth behalten.

Auerba<h's Deutscher Kinderkalender für das Jahr 1889. Eine Festgabe für Knaben und Mädchen jeden Alters, Siebenter Jahrgang. 160 S. 49 mit ca. 150 Jllustrationen, buntem Titelbild und Spielbeilage. Dauerhaft gebunden mit buntem Um- \<lag. (Pr. 1 A) Auerba<h's Deutscher Kinderkalender, der regelmäßig zu Weihnachten erscheint und troß des sehr niedrigen Preises eine Fülle mannigfachen Inhalts bringt, bietet au diesmal in bunter Reihe Ernstes und Heiteres, Belehrendes und Unterhaltendes in Wort und Bild für Knaben und Mäd<hen jeden Alters in glüdlicher Au8wahl und Zusammenstellung und mit Verständniß für die Neigungen der Jugend, aber au< Fesselndes für Erwachsene. Wir maten z. B. auf den naiven Brief aufmerksam, den der Hoth- selige Kaiser Wilhelm im Alter von 12 Jahren an den Prinzen von Oranien- gesrieben und der hier im Facsimile abgedru>t ist. Die Ausstattung des Kalenders läßt niGts zu wünschen.

Auch zum diesjährigen Christsest hat „Ueber Land und Meer“, d. h. die Deutsche Verlags-Anstalt inStuttgart, für die Kleinen ein Weihnachtsheft ges<haffen, das eine wahrhaft reizende Gabe ist: „Den lieben Kleinen“ lautet sein Titel. Das zierlih und effektvoll ausgestattete Heft enthält eine Fülle der ‘wabrsten und anmuthigsten Scenen aus dem Kinderleben in Haus, Feld, Wald, Garten, Kinder in Spiel und mit Thieren, beim Schmaus, im Schlaf, bei heiteren Vorfällen, in großecKindebfreude und wenn es Thränchen giebt. Immer sind die Situationen e<t in kindlihem Geist, naturwahr und inhaltreid în den Zeichnungen und mit [leiht behaltbaren poetishen Versen als Text verschen. Da das. Büchlein in medreren Karben gedru>t ist, so wird die Gefahr der Eintönigkeit siegreich vermieden. Ein wesentli<hes Erforderniß bei dergleichen Büelchen, ein billiger Preis, ist diesem Werken au< noch eigen : es kostet nur 75 S, vereinigt also Alles, was man von einer Weih- nacht8gabe, die einen großen Kreis von Liebhabern finden soll, nur wünschen kann. Auch für die Befriedigung von Wünschen, die \ih in anderer literarisher Richtung bewegen, bietet der vielseitige große Verlag eie reiche Auêwahl der präctigsten Festges <henke und sendet die Verlagsbandlung ein Verzeichniß bierüber auf Verlangen an Jedermann üterall hin mit der Post gratis und

franco. Gewerbe und Handel.

Berlin,8. Dezember. (Wochenbericht für Stärke, Stärk e- fabrikate und Hülsenfrüchte von Mar Sabersky.) Ia. Kar- toffelmebl 28—29 Æ, Ia. Kartoffeistärke 277—282 4, Ila. Kar- toffelstärke und Mebl 26—27 4, feuhte Kartoffelstärke loco und Parität Berlin 13,50 A, gelder Syrup 28—28} A, Capillair Erport 30—31 Æ#A, do. Syrup 2913—30 A, Kar- toffelzu>der Capillair 29—30 #Æ, do. gelber 27—27} , Rum - Couleur 36— 40 Æ, Bier-Couleur 36—40 5, Dextrin, gelb und weiß, Ta. 37—38 #, do., sekunda 31—32 #, Weizenstärke Sens) 37—39 M, Weizenftärke (großstü>.) 42—44 d,

alleshe und Schlesishe 40—42 4, Schabe-Stärke 31—32 4, Mais-

tärke 34—36 M, Reisstärke (Strablen) 45—47 Æ, do. (Stü>en) 42 —44 4, Victoria-Erbsen 20—22#, Kocherbsen 18—21 Æ, grüne Erbsen 20—22 M, Futtererbsen 14}3—154 A, Leinsaat 213—23 4, Mais loco 14—14} M, Linsen, große 44—56 H, do. mittel 32—44 M, do. kleine 23—30 4, gelber Senf 15#—21 Æ, Kümmel 46—52 , Buchweizen 14¿—15 „4, inländis<he weiße Bohnen 21{—22} æ, breite Flahbohnen #, ungarishe Bohnen 214—224 H, galizische und russishe Bohnen 19—20 4, Hanfkörner 17}3—19 4, Leinkuchen 16—18 4, Mobn, weißer 40—44 M, do. blauer 37—40 H, Raps- kudben 16—16},46, Weizenschale 10,20 X, Roggenkleie 11,00 4, Hirse, weiße 18—22 A Alles per 100 kg ab Bahn bei Partien von mindestens 10 000 kg. :

In der vorgestrigen ordentliGen Generalversammlung der Brauerei Königstadt wurde bezügli des Terrainverkaufes, der \{on in der Generalversammlung vom 6. Oktober angeregt war, mit-

etheilt, daß eine Offerte vorliegt, dur welhe 2300 #4 pro

uadratruthe geboten werden. Da das Terrain mit ca. 820 4 zu Buche stebt, so würde sih ein Gewinn von etwa 422 000 ergeben. Die Bilanz, Gewinn- und Verlust-Conto für das vergangene Geschäftsjabr wurden genehmigt. Ebenso wurde der gesammte bis- herige Aufsichtsrath auf vier Jahre wiedergewählt.

Vie der „Köln. Volks-Ztg.* aus M.-Gladbach unter dem 6, Dezember ges<hrieben wird, fand dort eine. Versammlung der Buntweberei-Besißer des niederrheinishen Jndustriebezirks ftatt, um zu berathen, auf welhe Weise der in dicsem Industrie- zweige herrshenden Kalamität abzuhelfen sei. Nach eingehender Be-

welcher soglei<h sämmtlihe anwesenden Vertreter der Buntweberei beitraten. y wed dee Vereinigung ist, dur regelmäßig stattfindende monatli<he Versammlungen über die Lage des Geschäfts sih aus- uspre<en und hierdur< der auf diesem Gebiet entstandenen abnormen Preiss<leuderei Einhalt zu thun. ; : der Generalversammlung der „Union“, Fabrik <hemiscer Produkte zu Stettin, vom 8. d. M., wurde die

Bilarz, wel<e nah Rücklage von 13 665 4 auf Delcredere und Er-

rathung wurde Moi eine Buntweber-Vereinigung zu bilden, 1

Saldo 120 000 4), von 15000 A auf Re- paraturen-Reserve-Conto, von 16176 &# auf Straßen - Conto, fowie na< Extra - ne N von 40000 Æ auf Gebäude und Maschinen und 43 548 4 üblichen Abschreibungen eine Dividende von 9 % ermögli<ht, genehmigt und einstimmig Decharge ertbeilt. I nah din Tus a dem Auffithtsrath ausscheidenden Mit- ieder wurden wiedergewählt. e | E Lon bon, Z Dezember. (W. T. B.) An der Küste 1 Weizen- ladung angeboten. Z va: 10. Dezember. (W: T. B.) Die Getreidezufuhren betrugen in der Woche vom 1. bis 10. Dezember: Englisher Weizen 3778, fremder 50 597, englishe Gerste 2573, fremde 34 939, englische Malzgerste 17 216, fremde —, englisher Hafer 2169, fremder 59513 Qrts. Englisbes Mebl 19 780, fremdes 16 722 Sa> und 12 Faß. Glasgow, 8. Dezember. (W. T. B.) Dic Vorräthe von Roheisen in den Stores belaufen si< auf 1030273 Tons gegen 939 876 Tons im vorigen Jahre. Die Zahl der im Betrieb befindlihen Hochöfen betrug 76 gegen 87 im vorigen Jahre.

Verkehrs - Anstalten.

Hamburg, 9. Dezember. (W. T. B.) Der Postdampfer „Hammonia* der Hamburg-Amerikanischen Pa>etfahrt- Aktiengesellschaft hat, von New - York kommend, gestern Abend Lizard passirt. i

London, 8. Dezember. (W. T. B.) Der Union-Dampfer „Durban®* ist gestern von Soutkampton auf der Ausreise ab- gegangen.

neuecrungs-Conto

Theater und Musik.

Im Königlichen Opernhause begann am vergangenen Sonnabend die Aufführung des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner, ein Unternehmen, für dessen Aus- führung die Wagnerverehrer der Generalintendanz sehr zu Dank ver- pflihtet sind. Den Anfang des Cykius machte „Rheingold*“, dessen Aufführung als eine durchaus erfreulihe zu betrachten ist. Die Besetzung ist so ziemlich dieselbe wie früher geblieben, nur einige Ab- änderungen sind getroffen worden. Die Erda wurde von Frl. Clement gesungen, wel<he si mit dieser Leistung reht vortheilhaft einführte und vielversprehende Anlagen zeigte. Sie verfügt über ein wohlklin- gendes volles Organ, welches eine gute Shulung genossen zu haben \cheint. Frl. von Ebrenstein hatte die Partie der zweiten Rheintohter übernommen und fand \si< mit derselben in re<t zufriedenstellender Weise ab. Hr. Friß Ernst sang den früher von Hrn. Heinri Ernst gegebenen Loge und zeigte, daß er der an ihn gestellten Aufgabe gereht zu werden verstand. Die übrigen Darsteller haben ih bereits in den früheren Aufführungen die Anerkennung des Publikums erworben und behaupteten #i< am vorgestrigen Abend in der Gunst der Zuhörer. Die Hrrn. Beß, Krolop, Biberti, Schinkel, Lieban, Schmidt und Alma thaten jeder das Seinige, um den künstlerishen Erfolg der Aufführung zu einem vollen zu machen ; ihnen glei<h thaten es die Damen Staudigl, Lammert, Leisinger und Hiedler, von denen jede lobend erwähnt zu werden ver- dient. Die zahlrei erschienenen Zuhörer wobnten der Vorstellung von Anfang bis zu Ende mit unges<hwä<ter Aufmerksamkeit bei und zeichneten die Mitwirkenden dur wiederholten Beifall aus. ; Berliner Theater. Das Fulda'she Lustspiel „Die wilde Jagd® geht, neuerer Bestimmung zufolge, nicht morgen, Dienstag, sondern am Donnerstag, den 13. d., zum erften Mal in Scene. Morgen tritt dafür Hr. Friedrih Haase in den drei Lustspielen „Partie Piquet*, „30. November* und „Michel Perrin“ uf. Wallner-Theater. Das Gastspiel des Hrn. Felir Schweig- hofer, welhes nah früheren Bestimmungen am 1. Januar beginnen sollte, ist, um die erfolgreichen, no< immer stark besuchten Auffüh- rungen von „Madame Bonivard“ und der „Dritte Kopf*® nicht vor- zeitig unterbrehen zu müssen, bis zum 19. Januar verschoben worden. Der am leßten Sonnabend veranstaltete Lieder-Abend von Hermine Spies hatte eine äußerst zahlreihe Zubörershaft in die Sing-Akademie gelo>t. Es kann das ni<ht Wunder nehmen, da die Concertgeberin fi< als eine congeniale Künstlerin einen Platz neben Amalie Joahim, der hervorragendsten uud be- rufensten aller Liedersängerinnen, {hon lange erobert und ibn seitdem behauptet hat. Das interessante Programm bot Neues und Altes in angenehmem Wesel. Abgeseben von der unüber- trefflihen Sicherheit in der te<nishen Durchführung ihrer Aufgabe \ceint die Vortragtkunst der Sängerin no< vielseitiger und wirkungs- voller geworden zu sein; in Verbindung mit dieser erhoben der glodenhelle Klang ihres Organs und der Auëdrud> edler, warmherziger Empfindung den Vortrag jedes Liedes zu einer Musterleistung, welcher \pontan bervorbrehender Beifall zu Theil wurde. Mehrmals ge- staltete \si<h die freudige Anerkennung des Publikums so energis<h, daß Frl. Spies \si< zu Wiederholungen genöthigt sah; u. A. mußte ein ne>ishes Liedhen von Brahms, „Der Sala- mander“, ein Lied von Chelius, „Seligkeit“, und das Haydn'she „Liebes Mädchen, kör’ mir zu, Deffne leis' das Gitter“, zwei Mal gesungen werden. Außer den Solovorträgen gelangten noch drei Duette zum Vortrag, mit welchen si< neben Frl. Spies ein junger Barytonist, Hr. Heinrih Meyn, auf das Günstigfte einführte; besonders erwe>te das erste Duett: „Jh bin dein Baum* von Schumann, wegen seiner eigenartigen Tonkombinationen reges Interesse. Das leßte Duett : „Tritt auf den Riegel“ von Brahms, entzü>te durch seine charakteristische Tonmalerei und originelle Melodik und wurde stürmis< da capo verlangt. Die Klavierbegleitung der Lieder führte Herr Willy Rêh- berg mit tiefem Verständniß, großer Feinfühligkeit und diskreter Zurüdcthaltung durch ; außerdem war er auch dur einige Solovorträge auf dem Programm vertreten ; seine erste Nummer, Variationen über ein eigenes Thema von Hermann Spielter, vermochte die Hörer nur in geringem Grade zu fesseln, da das Thema wie die Variationen etwas nü<htern und reizlos waren. Viel Beifall fanden dagegen zwei zart empfundene Nummern von Göß, und den größten Erfolg hatte Hr. Rehberg mit der meisterhaft dur{geführten Etüde C-dur von Rubinstein. Im Ganzen hat der Lieder-Abend aufs Neue Zeugniß abgelegt von der lebhaften Anerkennung, deren si die Concertgeberin in den hiesigen kunstsinnigen Kreisen zu erfreuen hat.

Mannigfaltiges.

Morgen, Dienstag, den 11. Dezember, findet Königliche Parforce-Fagd statt. Rendezvous Mittags 123/4 Uhr zu agd|\<loß Grunewald, 11/4 Uhr an der Saubucht.

Preußische Klassenlotterie. Ohne Gewähr.)

Bei der heute angefangenen HBehuns der 3. Klasse 179. Königlich preußischer Klassenlotterie fielen in der Vormittags-Ziehung:

1 Gewinn von 10 000 M auf Nr. 51 817. -

4 Gewinne von 1500 # auf Nr. 71 794. 91474. 141 599, 151 210.

6 Gewinne von 500 M6 auf Nr. 4382. 65618. 127312. 171 908. 182 292. 189 308.

17 Gewinne von 300 Æ auf Nr. 52068. 55618. 56 434. 61041. 66662. 66774. 82895. 87575. 91 642. 92 759. 106 701. 129118. 140945. 150099. 169 643. 173 903. 189 977,

wishen dem Vorstande des Vereins für Deutsches

Kunstgewerbe und dem Königlihen Kunstgewerbe- Museum ift eine Uebereinkunft dahin getroffen worden, daß im Laufe des Winters mehrere Haupt-Versammlungen des Ver- cins im Hörsaale des Museums (Königgräßer Straße 120) abgehalten

werden, unter gleichzeitiger Vorlegung von Gegenständen aus der