1888 / 314 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

anstalten; Narichten für das Publikum bei Versendung von Telegrammen ; Gebührentarif für Telegramme; Fernspre- einrihtung in Berlin, Charlottenburg u. #. w.; Fernsprech{verkehr zwischen Lheilnehmern in Berlin und solchen in den Vor- und Na- barorten sowie den entfernt gelegenen Orten ; Benußung der öffent- lihen Fernsprechftellen in Berlin, Charlottenburg, Pankow, Rirdorf und Schöneberg. E Hamburg, 13. Dezember. (W. T. B.) Der Postdampfer „California® der Hamburg-Amerikanishen Packetfahrt- A ktiengesellshaft hat, von New - York kommend, heute 9 Uhr Morgens Lizard passirt. London, 12. Dezember. (W. T. B.) Der Castle-Dampfer „Dunrobin Castle® ist heute auf der Heimreise in London angeßommen. Der Castle-Dampfer „Roslin Castle“ hat heute auf der Ausreise Madeira passirt.

Theater und Musik.

Das Königliwe Schauspielhaus öffnete nah mekr- monatliher Pause gestern zum ersten Male wieder dem Publikum seine Pforten. Im Zuschauerraum ist nichts Bemerkenêwerthes ver- ändert worden; nur die Gardine, welche die reale von der poesie- verklärten Welt des Seines scheidet, hat eine Erneuerung erfahren. Cin in reiche Falten drapirter Vorhang, dessen gedämpftes Dunkelgrün das Auge wohlthuend na ter glänzenden Bilderpracht auf der Bühne zum Ausruhcn einladet, senkt sih jeßt nach den Akts{chlüssen bernieder. Als s\cenisher Abschluß dient eine hellgrundige, mit goldfarbenen Figuren verzierte Gardine, wele nur in der Um- rahmung röthlite Farben aufweist. Bcide Vorhänge er- wreckten im Zuschauerraum KAchilih das Gefühl angenehmster Veberrasckung. Die Eröffnung der langentbehrten Räume war mit ter Aufführung ciner Novität verbunden. Es wurde zum erstcn Mal „Leßte Licbe“, ein Schauspiel in fünf Akten aus dem Ungariscken von L. Doczi gegeben. Der Inhalt des neuen Stücks ist sehr beiterer Natur und hâtte den Titel „Lustspiel“ eher als den eincs „Scauspiels“ ‘erwarten lassen Der Wojwode Apor, ein ebenso tapferer Ritter wie heißblütiger Freund der Frauen, dabei aber cin ausgesprochener Feind der Ebe, wird durch eine harm- losc Intrigue der Königin von Ungarn veranlaßt, ih dem Mündel der Königin, Maria von Drugeth, zu verloben Der König warnt ihn vor einer Uebereilung, doch Apor \{chwört in scinem Ungestüm, daß Maria seine leyte Liebe sein solle, wenn sie auch nit seine erste war. In beider Herzen, welhe nur der Stolz zusammengeführt hat, erwaht aber in verhängnißvoller Stunde der Zauber wahrer und reiner Liebe. Des tapferen Apor Herz wird beim Anblick der \{chönen Katharina Carrara cntflammt, welcke ihn das erste Mal in männlicer Kleidung wie ein Bild des Antinous verlockt; Maria verliert ihr Herz, während Apor \ih auf einem Kriegs¿zug nach Italien befindet, an den Bruder der s{chönen Katharina, an Cecco Carrara, welcher unerkannt am Hofe des Königs von Ungarn weilt. Der Stolz und das Ehrgefühl beider Verlobten liegt lange Zeit mit der Liebe im Kampf, und der Stolz würde siegen, wenn nicht die Königin von Ungarn, von Mitleid mit den Verliebten erfüllt, in humorvoller Weise die Schuld des unglük- lihen Verlöbnifses auf sich nähme und beide Liebespaare anslehte, doch endlih glücklich sein zu wollen. So läßt Apor troy seines Schwurs auf seine leßte Liebe noh eine allerleßte folgen, denn das Herz läßt sich nicht meistern. L. Doczi erweist sih in dem Stück dur die zarte und tiefe Empfindung, welche in poetisher Sprache und Form reizvoll zum Ausdruck gelangt, als ein echter Dichter; weniger glänzend tritt dagegen scin Talent als Dramatiker hervor. Nicht als ob es seinen Figuren an carakteristisher Schärfe in der Individualisirung mangelte, er zeichnet im Gegentheil die heiteren und lieblihen Menschengestalten, welche er an unsern Bliden vorüberzieben läßt, mit anschaulicher Lebendigkeit. Die Schwäche des Stückes beruht vielmehr auf einer mangelhaften scenishen Entwickelung; die künstlerische Disposition der Handlung geht in' der zweiten Hälfte des Schauspiels fast ganz verloren und die Lösung des Knotens der verwickelten Handlung verwandelt die be- hagliche A, der ersten Akte in arges Unbehagen; die Einbeitlihkeit und Natürlihkeit der Vorgänge erleidet Einbuße, weil

der Stoff unter den Händen des Dichters zerflattert und zerfasert. Jede kleine Scene, für sih allein betrachtet, ist zwar von gewinnender Anmuth, aber sie übt einen hemmenden Einfluß auf den ftetigen und natürlichen Fortgang der Ereignifse aus und beeinträchtigt so die Wirkung des Ganzen.

Das Stüd aleiht zum- Schluß mehr einem lustigen Märchen als einem Bilde aus der Wirklichkeit. Doczi verlegt seine Handlung frei- lih weit zurück, bis in das vierzehnte Jahrhundert, und giebt seinem duftigen Gebilde damit einen, der Realität der Gegenwart weit ent- rückten Hintergrund. Aber da sein Schauspiel ein Dichtwerk der Gegenwart i} , verlangen wir von demselben einen geschlossenen, einheitlihen Charakter, der nur aus einer kräftig gesührten und natürléch entwickelten Handlung \ih ergeben kann. Daß Doczi diese Kunft versteht, hat er in den ersten beiden Akten gezeigt, in welchen er klar und sicher diéponirt und Tlebensvolle Scenen ge- schaffen hat. Diese Akte fanden denn auch lebhaften, ungetheilten Beifall ; von da ab sank die Theilnahme des Publikums in auffälliger Weise und mußte sogar der Opposition zum Theil Raum gebcn. Die Darstellung war eine durchaus würdige und theilweise glänzende. Hr. Ludwig veranschaulihte den in Worten und Hand- lungen ungestümen Apor recht glücklih; der derbe entschlossene Ton des Soldatcn vermishte sich gut mit der halben Ver- legenheit des Verliebten, 6 Herz gegen den eigenen Willen entflammt wurde. Einer ebenso gelungenen Darstellung erfreute \ih der Knappe Servaz durch Hrn. Vollmer; der liebenswürdige Humor des Künstlers kam auc in dieser derben ungarischen Gestalt vortreff- lich zur Geltung. In kleineren Rollen leisteten die Hrrn. Nesper (Ludwig von- Anjou) und Purscbian (Cecco) Anerkennenêwerthes. Fr. Kahle gab die Königin Elisabeth mit feinem Verständniß und diskreter Ironie ; die siolze Maria fand in Q Hodck eine anmuthige Vertreterin, welcher der herbe Stolz gut zu Gesicht stand. Die Rolle der hönen Katharina, welche {ih Bera Geliebten mit List erobert, lag in den Händen der Fr. von Hochenburger. Sie ließ nicht nur den \{chmelzenden Wohllaut ihrer Stimme wirken, sondern gab wirkli heißes Gefühl, schelmishe Versbämtheit und neckischen Uebermuth, als sie als Ritter und Page verkleidet ershien. Die muntere Ge- nossin des lustigen Servaz, Anselma, wurde von Frl. Conrad mit feckem Uebermuth und derber Ratürlihkeit dargestelt. Alle Darsteller erfreuten \ich lebhafter Anerkennung und mußten wiederholt vor der Gardine erscheinen. Die Inscenirung war mit großer Sorgfalt vorbereitet worden; der Glanz der Dekorationen, der Reichthum der Kostüme mußten selbst die hoch- gespannteften Erwartungen befriedigen ; sie lieferten malerische Bilder märchenhafter Pracht, wie \sih dieselbe an dem alten ungarischen Königshofe entfaltet haben mag.

Berliner Theater. Die Direktion hat im Hinblick darauf, daß bei der leßten Aufführung des „Königslieuténant“ die ein- gelaufenen Billetbestellungen bei Weitem niht berücsihtigt werden konnten, die für Sonnabend bestimmte Aufführung von „Uriel Acosta“ abgeseßt und Hrn. Friedrih Haase veranlaßt, an diesem Tage abermals den „Thorane“ darzustellen.

Belle - Alliance - Theater. Am Sonnabend, den 15, d. M.,

Nachmittags 35 Uhr, findet die leßte Kinder-:Vorstelung von „Der

Rattenfänger von Hameln“ statt. Am zweiten Weihnahte-Nachmittag

geht dann die neue Kinderkomödie „Die Heinzelmännchen“, ein Märchen-

spiel in 7 Bildern von Oscar Klein, Musik von Friy Volbach, zum

ersten Mal in Scene.

In der ersten musikalischen Matinée, welche die „Neue Akademie der Tonkunst“ am Sonntag im Saale der Sing-Akademie veranstaltet, wird das aus den Eleven der Anstalt bestebende Orchester sich mit Werken von Mozart, Beethoven, hopin u. A. produziren, Das reihaltige Programm enthält zugleich Chor- und Sologesänge sowie Instrumentalvorträge, unter denen wir die Ausführung des F-mo1l-Concerts von Chopin dur cine erblindete Klariershülerin ganz besonders erwähnen.

Mannigfaltiges.

Morgen, Freitag, den 14., findet Königliche Par- force-Jagd statt. Rendezvous Mittags 123/4 Ühr zu Jagd-

Preußische Klassenlotterie. (Ohne Gewähr.)

Bei - der gestern beendigten Ziehung der 3. Klasse 179. Königlich preußischer Klassenlotterie fielen in der Nachmittags-Ziehung:

1 Gewinn von 30000 Æ auf Nr. 100 241.

2 Gewinne von 3000 A auf Nr. 150 103. 186 465.

1 Gewinn von 1500 4 auf Nr. 41 328.

13 Gewinne von 500 #4 auf Nr. 13 427. 28 508. 42 513, 58 160. 65 625. 92 064. 100 519. 100 955.. 101 113. 119714. 123 542, 145 832. 159946.

23 Gewinne von 300 A auf Nr. 2551. 23618. 34414. 34743. 44723. 59302. 64185. 83988. 84 855, 90 766. 109 284. 111 003. 111 272. 113 860. 115 551. 118 833, 1 s 136 181. 138 966. 151 036. 172001. 184140.

Funde auf der Akropolis von Athen. Unter den seit zwei Jahren auf der Akropolis zu Athen gemachten Funden hebt sich dur ihr Material, einen weihen Kalkstein, eine besondere Klasse beraus. Seit einigen Wochen hat man mit der Ordnung der aus diesem Material bestehenden Skulpturfragmente begonnen, und es zeigte sih dabei, daß die ve:streut gefundenen Brocken sich wieder zu ihrem ursprünglichen Zusammenhange vereinigen ließen. Ein erstes Ergebniß ist das rehte Ende eines großen Giebels, welches dur die Gestalt, rihtiger die Gestalten des fuedarstèn aller Giganten, des Typhoeus, ausgefüllt wird. Denx bis unter die Brust besteht er aus drei geflügelten Menschenkörpern, und seine Beine sind Schlangen, deren Windungen in die Ede des Giebels verlaufen. Drei überlebensgroße Köpfe siven auf den Leibern, von arhaisher Heiterkeit und derber Kraft. Eine monumentale Gruppe, deren Entstehung in die Zeiten Solon's anzuseten ist, ist von größter Wichtigkeit für die Geschichte der älteren griehishen Kunst; was aber dem neu gefundenen Werke ein besonderes Interesse verleiht, ist seine vorzüglich erhaltene Bemalung: blau ist das Haar, grün die Augen, röthlich der Leib, und in allen diesen Farben glänzten die Sch{langenwindungen. Von nit geringerer Aus- dehnung wächst augenblicklich aus großen und kleinen Bruchstücken ein Kampf tes Herakles und des Triton zusammen, ebenfalls der Theil eines Giebels. Es steht zu hoffen, daß die Fortseßung der Arbeiten noch manchem Körper die ihm zustehenden Gliedmaßen zurüdck- eben wird. Die „Mittheilungen des Deutsben Archäologischen

nstituts*“ in Athen werden über die Funde des Näheren berichten.

Bei dem Bau der neuen Eisenbahnbrüdckten über Weichsel und Nogat bei Dirshau und Marienburg ift die dies- jährige Bauaufgabe im Allgemeinen erfüllt worden. Eine unwill- kommene Verzögerung ergab \ih bei dem Bau eines der am reten Weichselufer zu erribtenden Landpfeiler, indem {fich unter dem einen der zur Herstellung der Grundmauern versenkten großen gemauerten Brunnen in etwa neun Meter Tiefe ein mächtiger, fast ein Meter starker Eich enstamm fand, welher mit Wurzeln und Aesten über den Brunnenkranz hinausragte und erst nah s{chwieriger Zerkleinerung beseitigt werden konnte.

Kiel, 13. Dezember. (W. T. B.) In Neumünster ist gestern Abend die Aalbeck’\che Tuchfabrik niedergebrannt. Ein Theil der im ersten Stock bei der Weberei beschäftigten Arbeiter vermochte sich nit zu retten. Die Zahl der Verunglückten ist noch nicht festgestellt; die Angaben schwanken zwischen 12 und 20. Festzustehen scheint, daß 4 verheirathete Männer, eine Frau und mehrere \chwedische Arbeiterinnen in den Flammen umgekommen sind. Das Feuer ergriff au. den in der Nâäbe gelegenen sog. „Kaisersaal“ und zerstörte zum Theil das „Hotel zur Börse“.

Ichloß Grunewald, 11/4 Uhr an der Saubucht.

om 13, Dezember 1888, r Morgens.

Wetterberi

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Bar. auf 0 Gr u. d. Meeressp. red. in Millim

Sonnabend : Carmen. Oper

Stationen. Paul - Taglioni.

in ?Celsius

59 (G. = 40 R

Wind. Weiter. |

Temveratur

\stein’s Tod.

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Aberdeen 4 Chriftiansund 3 heiter Kopenhagen . 2 Nebel Stockholm . 4e 2 1

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aparanda . ill wolkig t Petersburg Súnee Moskau . wolkenlos

Cork, Queens- town Cherbourg . | 767 Heldex.... | T Sylt 776

amburg .. | 778

winemünde | 780 N'eufahrwasser| 778 Memel .…. | 778 Münster. .. | 776 Karisruhe . . | 775 Wiesbaden . | 776 München .. | 775 Chemniy .. | 780 Berlin... . | 779 D T9 | Breslau... | 779 2 |bedeckt

1) Abend dichter Nebel, Rauhfrost. 2) Reif.

Uebersicht der Witterung. Ueber Nord-Europa und auch im Westen der bri- tishen Inseln ist das Barometer gefallen, hingegen | werden. hat ih der hohe Luftdruck nunmehr auch über

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bedeckt wolkenlos wolkenlos bedeckt heiter!) [bedeckt bedeckt bedeckt

heiter wolkenlos ¡wolfenl.?) [wolkenlos Nebel bedeckt

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Preise der Loge 8 M,

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am Freitag, den

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abgeholt werden.

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Central-Curopa ift bei meist {wacher Luftbewegung das Wetter theils heiter, theils neblig und herrs\cht, mit Ausnahme der unteren Oder und dem Norden der Provinz Brandenburg, Frostwetter. Obere Wolken ziehen über Norddeutschland aus nördlicher

Richtung. Deutsche Seewarte. I

Theater - Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Freitag: Opern- haus. 242. Vorstellung. Der Rin des Nibe- lungen von Richard Wagner. Dritter Abend : Siegfricd. Anfang 7 Uhr.

Vorstellung.

Schauspielhaus. wiederholt: Leute Liebe. aus dem Ungarischen des L, Döczi, Opernhaus. 243.

10—1 Uhr, gegen Kassenflur des Königl. Opernhauses, Thür Nr. 3,

Den Inhabern von permanent-reservirten Pläßen, sowie den Abonnenten bleiben ihre Billets reservirt,

Der Verkauf aller übrigen Villets findet eben- Groß- und Süd-Rußland ausgebreitet und das | daselbst und zwar am Sonnabend, den 15, Dezember,

Marimum über Polen 780 mm überschritten. Ueber | Vormittags von 11—1 Uhr, und am Sonntag, den P d 16. Dezember, von 11 Uhr ab, statt. /

Die Billets tragen die Bezeichnung „Reservesatz“".

Deutsches Theater. Freitag: Galeotto.

Sonnabend: Frühling im Winter. Quintus Horatius Flaccus. Zwei Taube. Sonntag: Faust.

Die nähsle; Aufführung von Die Jüdin von Toledo findet am Montag, den 17. Dezember, statt.

Berliner Theater. Freitag: 13. Aboanements-

( Die wilde Jagd. Hedwig Niemann.)

186, Vorstellung. Zum 1, Male Schauspiel in 5 Akten | Friedrih Haase.)

Anfang 7 Uhr. Sonntag: Die wilde Jagd. ) Borstellung. | Hedwig Niemann.)

in 4 Akten von Georges Bizet.

Dichtung von Henry Meilhac und Ludovic Halévy, E na einer Novelle des Prosper Mérimée. Tanz von Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. l Trauerspiel in 5 Akten von Stiller (Wallenstein: Hr. Marx Piccolomini: Hr. Matkoweki, vom Stadt- Theater in Hamburg, als Gast) Bnfang 7 Uhr. Der Ring der Nibelungen. Am 17. Dezember, vierter Abend: Götterdämmerung.

Sonntag, den 16. Dezember, Mittags 12 Uhr: Auf Allerhöchsten Befehl: Matinée zum Besten der Abgebrannten 300 Trompetern, Posaunisten und Hornisten. läße: Fremden-Loge 9 #4, Orchester- rsstter Rang Balkon und Loge 6 M, Parquet und Parquet-Lo

Wallner=-Theater. Freitag:

187. Vorstellung, Wallen-

Friedrih Mitterwurzer, als Gast. Neumann, Vorher:

Bonuivard. Der dritte Kopf.

in Hünfeld, ausgeführt von

Victoria - Theater.

Ausftattung, zum 29. Male: Pyrenäen.

Ermäßigte Preise. Anfang 7 Uhr. Sonrtag, den 23. Dezember:

§ . 14, Dezember, Vormittags von Zum 1. Male: ein Aufgeld von 50 & § vom E

am Freitag, den | “Sonnabend: Der Mikado.

Residenz-Theater. Abbé Constantin.

courcelle, Anfang 7F Uhr.

Volksftück mit Gesang in

Rattenfänger von Hameln.

(Melanie: Fr.

Sonnabend: Der Königslieutenant. (Thorane: (Melanie: Fr. Schmetterlinge.

Zum 66. Male:

Madame Bouivard. Schwank in 3 Akten von Alex Bisson und Antonie Mars. Deuts von Emil Zum 66. Male: Der dritte | Gesangsposse in 4 Akten Kopf. Posse in 1 Akt. Mit theilweiser Benußung | Couplets von Görß. e englishen Idee von Franz Wallner.

r. Sonnabend und die folgenden Tage: Madame | -

Freitag : Die Reise in die

Ausftattungsposse mit Gesang und

) e 5 4, I1. Rang Pro- e ) l \ceniums-Loge 4 A, I1I. Nang Balkon und Loge Met o a O Une a

3,90 #Æ, III. Rang Balkon und Loge 2,50 #, Amphitheater Sigplay 1,50 #4, Parterre Stehplaßz S O No, 4 VENINTa, 1,50 46, Amphitheater Stehplay 1

Die auf Meldungen reservirten Billets müssen | Ausstattung.

3) Stiergefecht.

Mit glänzender Ali Baba.

Friedrich - Wilhelmstädtisches Theater. Freitag: Mit neuer glänzender Ausstattung,

L T i ; TEIGS zum 9. Male (in deutsher Sprache): sie dies ebenfalls durh Cinwerfen einer | gder: Ein Tag E O

Meldekarte in den Briefkasten des Königl. Opern- | ; ;

hauses erklärt haben und müssen dieselben auf Grund in 2 Akten von W, S. Gilbert, dieser Meldekarten dann auch | | Sulivan. Anfang 7 Uhr. 14, Dezember, Vormittags von 10—1 Uhr (mit 50 S Aufgeld), an oben genannter Stelle gegen Vor- ——— zeigung der leßten Abonnementsquittung abgeholt

urleske Operette Musik von A.|

Freitag und folgende Tage : i Schauspiel in 3 Akten von | Gestorben: Hr. Ludovic Halévy, Hector Cremieux und Paul De-

Belle-Alliance-Theater. Freitag: 3.309. M.:

Der Rattenfänger von Hameln. Phantastishes t 12 Bildern. Nach Sprenger's Geschihte und Ehrih's Chronik der ias Stadt Hameln, frei bearbeitet von C. A. Görner. Musik von E. Catenhusen. Anfang Uhr. Sonnabend, Nachmittag 34 Uhr: Vorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Der

Abends 74 Uhr: Auf eigenen Füßen. _

Central-Theater. Freitag: Zum 121. M.:

i Gesangêposse îin 4 Akten von

A Pia Musik von G. Steffens. Anfang r.

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung.

Adolph Ernst-Theater. Dresdenerstraße 72.

Freitag: Zum 126, Male: Die drei Grazien. von Leon Treptow. Musik von Franz Roth. Axfang 7# Uhr.

Anfang | Im 2. Aft: Landpartie-Duett. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung.

Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Jda Wilckens mit Hrn. Sec.-Lieut. Heydenreih (Bremen— Borna). Frl. Helene Kobbe mit Hrn. Karl G. Ophüls (Krefeld). Frl. Emma Albrecht mit Hrn. Forstkandidaten Ludw. Cornelssen (Gr. Büß—Wittenförden).

Antonie Jost mit Hrn. Juwelier aris Kuhbaus (Magdeburg). Frl. Helene Paßho mit Hra. Referendar Dr. Curtius (Duisburg). Frl. Luise Schmidt mit Hrn. Malermeister Jos. Kusterko (Berlin).

Verehelicht: Hr. Dr. Albert Shwary mit Frl. Elisabeth Hirte (Berlin). Hr. Lieut. von Heim: burg mit Frl. Martha Strack (Hamburg). Hr. Lieut. und Rittergutsbesißer Erih Kreckel mit Frl. Nanon Buchholz (Pfarroggen).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Friedri Oelze (Berlin). Hrn. Professor Dr, Müller (Gießen).

Hrn. Postverwalter Oettinger (Langenburg).

Hrn. Georg Bissen (Magdeburg). Hrn.

Pfarrer Gotthold Werner (Wittersbaufen). E

Hrn. Lieutenant von Ticle-Winckler (Bonn).

Hrn. Regierungs-Assessor Boetticher (Potsdam).

Eine Tochter: Hrn. Ernst Ullbrich (Nieder-

Wilkau). Hrn. Otto Hildebrandt (Bleckendorf).

Majoratsherr Graf Franz

zu Stolberg-Wernigerode (Schloß Tervueren in

Belgien). Hr. Schulvorsteher Friedri Lange

Berlin). Hr. Ferdinand Hoffmann (Schöône-

erg), Frau Pauline Gräfin von Bohlen, geb,

Gräfin von Derpberg (Bromberg). Frau Bürger-

meister Bertha Michaelis, geb. Koh (Quedlin-

burg). Hr. Joseph Reimbold (Köln). Frau

Albertine Knapp, geb. Stock (Stuttgart).

Mit neuer

Der Mikado,

Redacteur: Riedel.

Verlag der Expedition (Scholz).

Druck der Norddeutshen Bulhdruckerei und Verlags Anstalt, Berlin 8W., Wilhelmstraße Nr. 32.

Fünf Beilagen (ein\schließlich Börsen-Beilage).

Lekte Kinder- | Berlin:

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

M314,

4

90 Proz. Polarisation.

Berlin, Donnerstag, den 13. Dezember

188,

Deutsches Reich.

ZudlLkermengen,

welche im Monat November 1888 innerhalb des deutschen Zollgebiets mit dem Anspru auf Steuervergütung abgefertigt und aus Niederlagen gegen Erstattung der Vergütung in den freien Verkehr zurückgebraht worden sind.

[710: Rohzucker von mindestens 90 Proz. Polarisation und raffinirter Zudcker von unter 98, aber mindestens

711: Kandis und Zucker in weißen vollen-harten Broden 2c., oder in Gegenwart der Steuerbehörde zerkleinert,

sogenannte Krystalls 2c.

712: Aller übrige harte Zucker, fene Krystall-, Krümel- und Mehlform von mindestens 98 Proz. Polarisation.] C

Mit dem Anspru auf Steuervergütung wurden abgefertigt :

sowie aller weiße trockene (niht über 1 Proz. Wasser enthaltende) Zuker in

Iean

Aus sffentlihen Niederlagen oder Privatniederlagen unter

Staaten bezw. Verwaltungs-Bezirke.

zur unmittelbaren Ausfuhr

amtlihem Mitvershluß wurden

gegen Erstattung der Vergü-

tung in den freien Verkehr zurückgebracht

zur Aufnahme in eine öffent-

lihe Niederlage oder eine

Privatniederlage unter amt- lihem Mitverschluß

710 711 kg kg

712 kg

710 711 712 710 711 kg kg kg kg

ZE

Preußen. Provinz Westpreußen . Brandenburg . Pommern . D s Sl Sachsen, eins{l. der s{chwarzb. Unterherrshaften . Schleswig-Holstein . Hannover . . Westfalen . Rheinland .

1 350 544 49 274 9 212 440| 932 899 7ó1 495

4130 125| 6 317 185

198 973/ 221 824 6 729 505) 520 400 11 199 4141| 1 366 000

‘8671| 7 072 996| O s 19 447) 2219 857 899 278

926 874) 8 021 654! 78 492| 2 260 355 2635171 |

160 832] 1 860 000

|

1

22 589 672; —_— 450 000] 7 434 4 900

1 950

2 50 000

2 509 892 150 000

on

S H

L S 11H e do

2 142 343 111

78 230 50 000

Sa. Preuße Po Sachsen ; Baden . Mecklenburg . Braunschweig Anhalt . ; Ben 0 Hamburg . . .

24 948 606

21 535 728/10 170 276

2881| 791029 5 000

141 335 100 002

339 993| 1 749 171 4 636 624 900 000 1379 636| 400 000 810 110

1497 508/44 474 534| 1335 095

342 239 107 328

3779)

2761 844 3 870000

i 700011

499 905

on E E T1 L LESH 1114 S D

Ueberhaupt im deutschen Zollgebiet . Hierzu in der Zeit vom 1. August 1888 bis 31. Oktober 1888

52 948 470/14 961 921 43 764 694/18 237 730

1 984 866/49 544 450| 1 335 095| 9 184 809130 498 389| 2 481 629

| dei

51 114] 2 761 844

200 827/13 046 417| 660 719

Zusammen .

96 713 164/33 199 651

In demselben Zeitraum des Vorjahres *) [113 529 870/30 959 145

*) Die Abweichungen von der vorjährigen

Kaiserliches Statistishes Amt.

Berlin, im Dezember 1888.

Nichtamlkliches.

Preußen. Berlin, 13. Dezember. Fn der gestrigen (13.) Sizung des Reichstages erklärte zu ‘den von der konservativen und der Centrumspartei in wörtlicher Ueberein- stimmung eingebrahten Anträgen, betreffend den Besähi- gungsnachweis, der Abg. Megner: ( sozialem Gebiet zeige das unerfreulihe Bild, daß der N

a produktive Die Macht des Kapitals erdrüde das Kl einhandwerk, in dem ein dreistes Psfuscherthum sich breit Das bisherige „laissez faire“ müsse seinen Ruin her- beiführen; daher die künstliche, nicht natürliche Ueberfüllung der

Die Gewerbefreiheit sollte das Handwerk fördern, Fehler unserer Regie- niht aus eigenem

Erwerb immer mehr in Abnahme Jeder seine Kräfte aufreiben Arbeit ihn erhalten solle. mache.

Berufe.

sie habe si aber als einen der größten rung erwiesen, und wenn sie ihn / ee M mit Jnitiativanträgen begnügten \ich edeutung, indem Heute

Antrieb wieder ut machen Pfliht der Volksvertretung , zu kommen. Die vorliegenden

mit Wenigem, seien aber von prinzipieller 1 sie dem Kapitalismus und Pfuscherthum entgegenträten. ( müsse der Handwerker nah arbeitsreicher Lehrzeit und Auf- wand von Zeit und Geld \cließlih seine Kraft in den Dienst des Kapitals stellen. Jnhaber aller größeren Magazine seien L oft Leute ohne die geringsten tehnishen Kenntnisse, eute, die niht Roßleder von Kalbleder unterscheiden fönnten. Wie im Staatsdienst, sollten Prüfungen auh im } unerläßlich sein, wenngleich sie allein allen Uebelständen nicht abhelfen könnten. Aber das Vertrauen des Publikums zum Hand- werker würde dadurch schon bedeutend erhöht werden. Handwerk gehöre dem Handwerker, nicht d Spekulanten. Von der größten Wichtigkeit aber | Befähigungsnahweis für das Ausbildun 8wesen, besonders Niemand wisse heute ret Lehrling, Geselle und Meister anzugeben.

der Lehrlinge.

fehle heute die Gelegenheit, etwas

wieder entlassen werde.

Wenn der Abg. der akademishen Jugen und ein Mittelexamen verlangt habe,

weniger gebildeten und weniger willenskräftigen ; szwang am Play. Wie

jene bei der Beseitigung der Staatsprüfungen noch weit weniger

Keißig sein würden, so werde bei diesen der wan zur Arbeit

eine größere Liebe und Lust zu ihrem Fach a 1

Es gebe an allen Orten und zu allen Zeiten Talente, die auch

n Prüfungszwang Bedeutendes leifteten,

Handwerkerstandes erst reht ein Prüfun

aber bedürfe des Zwanges.

müsse,

begriffen sei, wenn

Eine Umschau auf

nur

Handwerk

Das t dem ungelernten ei der

ie Grenze zwischen

Dem Lehrling Tüchtiges zu lernen; habe er sich ein nothdürftiges Maß von Kenntnissen angeeignet, so gehe er seinem Meister nah Jahresfrist durch und suche das Gelernte anderswo, oft hon gegen einen geringen werthen. Werde er nun durch die Polizei auch seinem Y gebracht, so quäle er ihn und schade ihm,

Lohn, zu ver- (eister zurück- wo er könne, bis er Das Gelernte reihe aber für ihn nit zu selbständigem Erwerb aus, besonders wenn er heirathe. eichensperger sih einst über den Unsleiß

b, besonders der Juristen, beshwert so sei bei der doch weit ugend des

mählich erwecken.

die große Masse Wie aber für den jungen Hand-

4 169 675180 042 839| 3 816 724/ 251 941/15 808 261,

9 189 665145 366 275| 7 786 846 Uebersicht beruhen auf nachträglih eingegangenen Berichtigungen.

es

660 719 303 249

391 688] 9 846 231

Beer.

werker eine Prüfung nothwendig sei, so auch für den älteren, der später die Ausbildung jener leiten solle. Die während der Lehrzeit erworbene tehnishe Ausbildung übersteige sehr oft den Werth der Fachshulbildung. Auf dem Boden der Ge- werbefreiheit sei ein ordentliches Lehrlingswesen überhaupt nicht zu erreihen. Aber auch zur Wahrung der Standes- ehre und der sozialen Stellung der Meister sei der Befähigungs- nachweis oder die Meisterprüfung erforderlich. Der Hand- werkerstolz sei durch die Gewerbefreiheit untergraben, das Pfuscherthum mit seiner Sudelarbeit mache sich breit. Mit der Standesehre verliere der Handwerker aber auch die Selbst- ahtung und passe sich allmählih dem Pfuscherthum an. Redner führt dann vergleich3weise die österreichishe Gewerbe- gesezgebung an, die den Befähigungsnachweis seit längerer Zeit obligatorish gemaht und damit günstige Wirkungen erzielt habe. Die Unzufriedenheit in Handwerkerkreisen sei dort lange nit so groß, wie in Deutschland. Lediglich durch Eintreten für die Gewerbefreiheit hätten die Freisinnigen die Stimmen der Handwerker verloren und seien bei den legten Wahlen geshlagen worden. Denn so lange die Gewerbefreiheit be- stehe, kfämpfe der Handwerker gegen dieselbe. Die Aeußerung des Abg. Grillenberger, daß ein Drittel der Handwerker sozialen Jdeen huldige, treffe zwar nicht zu, denno habe die Gewerbefreiheit viel Mißvergnügte geschaffen. Schon im Jahre 1849 habe der damalige Abg. von Bismarck im Abgeordneten- hause sich gegen die Gewerbefreiheit ausgesprochen. Wenn der Reichskanzler heute in der inneren Politik nah der vox populi niht überall eine glücklihe Hand gehabt habe, so sei das Verlassen seiner früheren Ansicht daran Schuld. Gerade die größte Ergebenheit für die Regierung zwinge ihn (Redner) aber heute, ihr die Sorge um das Handwerk ans Herz zu legen. 5 Abg. Ackermann: Ein Antrag, der das Haus bereits fünf Mal beschäftigt abe, und der in der legten Session, wenn auch nur mit knapper E Mean sei, bedürfe eigentli nur noch der Krastprobe der Abstimmung. Auch wenn er mit Engelszungen redete, würde er die Gegner des Antrags nicht überzeugen, ebenso wenig wie sie ihn. Man habe in der Pros die Wiedereinbringung des Antrags eine klerikal-zünstlerishe Demonstration genannt. Wolle man die Jnnungen zünsftlerish nennen, den Konser- vativen thue es nicht weh. Dem Centrum aber könnten diese nur dankbar sein, daß es ihre Bestrebungen auf dem Gebiete des Handwerks in den leßten sechs Fahren unterstüßt habe. Seit der leßten Session sei ein Beschluß des Bundes- raths bekannt geworden, der einem von dem Hause angenom- menen Antrage zu §. 100e der Gewerbeordnung, wonach die Einräumung gewisser Vorrechte auf dem Gebiet des Lehrlings- wesens an die Jnnungen niht dem Ermessen der höheren Verwaltungsbehörden überlassen, sondern an bestimmte Kriterien ebunden werden sollte, die Zustimmung versagt habe. Daraus folge aber noch nit, daß der Bundesrath auch diesem ntrag ablehnend gegenüberstehe. Er bedauere freilih den Beschluß des Bundesraths umsomehr, als von der A Befugniß die höheren Verwaltungsbehörden speziell in seiner

Heimath einen sehr geringen Gebrauh gemacht hätten. Unter folhen Umständen könnte er sich fast dazu entschließen, einem zu errihtenden Reihs-Jnnungsamt die Sache anzuvertrauen. Man habe behauptet, die Handwerker selbst wollten von demBefähigungs- nahweis nichts wissen und er habe sih auch in Oesterreih niht bewährt. Der österreichishe Gewerbegenossenschaftstag habe erklärt, es sei ihm nicht ein einziger Fall bekannt, in welchem ein Mitglied der Genossenschaft die Aufhebung des Befähigungsnachweises verlangt hätte. Daß einzelne Hand- werker sich durch liberale Reden zu der Meinung verführen ließen, es handele sich hier wirklih um eine Beschränkung der bürgerlihen Freiheit, um DQuälereien und Chikanen, sei natürlih. Entschiedene Kundgebungen aus Hand- werkerkreisen gegen den Befähigungsnachweis seien ihm nicht bekannt geworden. Dagegen hätten sich neuerdings der Deutsche Handwerkertag und der Deutsche Fnnungstag für den Befähigungsnachweis erklärt. Dem stehe allerdings gegenüber der ablehnende Beshluß des Deutshen Gewerbekammertages in

lauen. Er vermöge aber in diesem Beschluß nicht eine

undgebung des deutshen Handwerks zu erblicken. Denn einmal seien nicht alle Gewerbekammern vertreten, und dann be- säßen ganze Distrikte überhaupt keine Gewerbekammern. Von den erschienenen Delegirten hätten aht Handels- und Gewerbekammern und nur vier Gewerbekammern vertreten. Das Votum einer Handelskammer in dieser Frage würde etwa denselben Werth haben wie das Votum einer Anwalts-

‘kammer. Der Vertreter der Hamburger Gewerbekammer habe

sich übrigens der Abstimmung enthalten. Möge nun die Entscheidung des Hauses fallen, wie sie wolle: seine Partei wünsche, daß sie dem deutschen Handwerk zum Segen gereie, daß der deutshe Mittelstand kräftig und lebendig erhalten bleibe als Schußwehr gegen die inneren Feinde des Vater- landes.

Abg. Duvigneau : Auch er sei der Meinung, daß nur noch die Kraftprobe der Abstimmung gemacht zu werden brauche. Von einer Vernichtung des Handwerks dur Kapital und Pfuscherthum könne man nicht sprechen, denn die gewerb- lihen Zustände seien niht gesunken, sondern blühten gerade seit Aufhebung aller Beschränkungen ganz besonders. Die Behauptung, daß alle Gegner dieser Anträge arbeiterfeindlih seien, könne niht unwidersprochen bleiben. Die National- liberalen erklärten sich für Arbeiterfreunde und wünschten für die Uebelstände in Handwerker- und Arbeiter- kreisen Abhülfe, aber diese Vorlage mit ihren Be- \{hränkungen sei ein Unglück für den Arbeiterstand ; sie biete diesem kein Brot, sondern einen recht harten, niht durh- zubeißenden Stein. Der Antrag sei unausführbar wegen der Schwierigkeit der Auseinanderhaltung der verschiedenen Ge- werbe und werde nur Veranlassung zu zahllosen Streitig- keiten geben; er biete auch keine Sicherheit für die Er- langung des Zieles, weil an zahllosen Stellen die Bestim- mungen vom Bundesrath je nah Bedarf durchlöchert werden fönnten. Auch sei seine Partei gegen die Ablegung der Prüfung vor den Jnnungen, die nicht das gesammte Handwerk, sondern nur einen geringen Theil desselben verträten. Die Gründe der Antragsteller für ihre Vorschläge seien nicht stihhaltig. Sie wollten einmal das Publikum vor der Aus- beutung durch das Pfuscherthum \{hüßgen. Das Publikum sei aber selbst ein geeigneter und fähiger Richter über die Güte der Waaren, die das Handwerk liefere. Ob bezüglich des Baugewerbes ein Schuß des Publikums nothwendig sei, das sei cine disfutable Frage, sobald aus dem Baugewerbe selbst der Wunsh nah einer Prüfung vor einem Staatskommissar geäußert werde. Ebensowenig könnten die Nationalliberalen an- erkennen, daß durch den Befähigungsnachweis eine gefährliche Kon- kurrenz für den Handwerkerstand beseitigt werde. Die gefähr- lihste Konkurrenz für das Handwerk, die Großindustrie, könne man dadurch nicht beseitigen, und gegen die Konkurrenz dur die Hausindustrie könnten und wollten sie niht vorgehen, weil an derselben Tausende von geschiäten Kräften betheiligt seien. Sqhließlih werde auf die erzieherishe Bedeutung der Vorlage hingewiesen, durch welche der Handwerkerstand in seiner Ehre und seinem Selbstbewußtsein gehoben werden solle. Die freien Jnnungen begrüße seine Partei mit Freude als geeignet, aus eigenem Willen die Ehre des Standes hochzuhalten, sie freue sich auch über Einrichtungen zur Ueberwachung und Ausbildung der Lehrlinge, das seien aber die shäßbarsten Mittel der Selbsthülfe, und diese reiche aus; der Stand solle sich aus si selbst heraus erheben. Der Befähigungsnachweis sei auh nicht nöthig, da heute so wie so Jeder über die „gewöhnlihen Arbeiten“ seines Ge- werbes, in denen er nah den Anträgen geprüft werden solle, hinaus geschickt sein müsse, um vorwärts zu kommen. Man habe ja au die Fahschulen dazu. Das Kunsthandwerk stelle wahre Wünderwenke fertig, und daran arbeiteten lauter gelernte Handwerker. Sollten diese, wenn sie fich selbst- ständig machten, erst einer Prüfung in den „ge- wöhnlihen Arbeiten“ ihres Handwerks unterworfen werden, dann würden sie nur lachen, weil sie darüber längst hinaus seien. Die Zwangsinnungen seien hergenommen aus ganz anderen, veralteten Verhältnissen, die hon vor Jahrzehnten als niht mehr brauchbar anerkannt seien. Ein wahrer Handwerkerfreund könne für diese Anträge nicht stimmen, sie würden dem Handwerker nur hinderlih sein auf dem rechten Wege der Selbsthülfe. Er freue ih, daß es Hrn. Ackermann nur auf die Kraftprobe der Abstimmung an- komme und daß er keine Kommissionsberathung wünsche. Die Nationalliberalen würden fich an einer solchen au nicht be- theiligen können, weil Neues in dieser Materie doh nicht mehr vorgebracht werden könne. Er bitte deshalb, die Kraftprobe nicht erst in der Kommission, sondern gleich im Plenum statt- finden zu lassen. : |

Abg. Frohme: Der Abg. Metzner habe heute in sozial- demokratisher Art gegen das Kapital gewettert, welches das Handwerk bedrohe und zerstöre. Es scheine ihm aber dabei nur darauf angekommen zu sein, die Jnteressen des Hand- werks mit einem Angriff auf den Kapitalismus zu decken. Das Handwerk leide allerdings. Aber er (Redner) verstehe nicht, wie man behaupten könne, daß die Einführung der Ge-

werbefreiheit der größte Fehler in unserem Jahrhundert gewesen

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