1868 / 168 p. 12 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

orden geschmückt, die Söhne bis auf einen, der über die qgold- durchwirkte Schaube denselben Orden trägt und wohl den Nach- folger Friedrih8, Georg den Frommen, darstellt, in rothe, pelz- verbrämte Gewänder gekleidet; hinter dem Markgrafen steht ein Vasall, der Helm und Wappenschild des Lehns8herrn hält. Auf der linken Flügelthür knicen Sophia von Polen, Gemahlin Friedrichs des Aelteren, und ihre 8 Töcbter, die Mutter (geboren 1464, vermählt zu Frankfurt a. d. O. 1479, gestorben 1512) in goldstoffenem Hermelin - Gewande, die Töchter vor ihr im rothen Kopfpuß und rothen , schwarzbeseßten Oberkleidern. Die beigefügten Lebensnachrichten haben vornchmlih von ritterlichen Krieg8- fahrten des Markgrafen zu melden.

Die landwirthschaftlichen und industriellen Verhälk- nisse des Königreihs Württemberg.

Il, IL. Tndustrie und Gewerbe.

Würtembergs Jndustrie und Gewerbe haben während der leßten Jahr- zehnte cinen Aufschwung genommen; man hat dort in dieser Periode aus vorherrschend landwirthschaftlichen Zuständen den Uebergang zur Ent- wickelung der Manufakturkraft und zur Groß-Jndustrie gemacht. Unter den Mitteln zur Hebung der Gewerbe bewährte sich als eines der wirksam- sten die im Jahre 1848 tspitte Errichtung einer besonderenStaats-Behörde, der Centralstelle für Gewerbe und Handel. Zu den Aufgaben der- selben gehören namentlich: Die Förderung der Production durch Er- theilung von Auskunft und Rath an die Gewerb- und Handeltreiben- den, durch Erwerbung von vorzüglichen Mustern, Werkzeugen und Verfahrungsarten, durch Vorschläge zur Erleichterung des Verkehr®, durch Anregung von Kreditanstalten; ferner die Leitung der rein ge- werblichen Unterrichts-Anstalten, Begutachtung der auf Gewerbe und Handel sih beziehenden Geseße und VerwaltungSmaßregeln, der den Zollverein und den Zolltarif betreffenden Fragen, die Besorgung des Patentwesens und der mit den Gewerbe-Ausstellungen 2c. zu- sammenhängenden Geschäfte 2c. Die Einwirkung dieser Behörde hat namentlich die Neform der Gewerbeverfassung veranlaßt; nachdem der Junftzwang bereits im Jahre 1828 theilweise aufgehoben war, wurde durch die Gewerbeordnung vom 12. Februax 1862 die Ge- werbefreiheit eingeführt. Zum Zwecke der Förderung des lokalen Gewerbewesens bestehen in den meisten Städten des Landes Ge- werbevereine, die von Zeit zu Zeit Lokal-Gewerbe-Ausstellungen ver- anstalten, durch Vorträge und Circulation geeigneter Schriften für Belehrung ihrer Mitglieder sorgen und in allgemeinen Fragen mit den Handels- und Gewerbekammern der Centralstelle oder anderen Behörden in Verkehr treten. Außer den höheren technischen Lehr- anstalten (polytechnische Schule, Baugewerkeschule) sind in den gewerb- reicheren Orten Sonntagsgewerbeschulen und gewerbliche iFortbildung®§- \chulen errichtet, die vom Staate unterstüßt und gefördert werden.

Die in den leßten Jahren eingetretene Jndustrie - Entwickelung Württembergs tritt besonders bervor, wenn man die Zahl der Gewerb- treibenden mit der Gesammtzahl der Einwohner des Landes für mehrere Jahre nebeneinander vergleicht; es war nämlich:

1829: 1835: 1852: 1861 :

Zahl der Einwohner 1,562,233 [1,571,012 1,733,263 /| 1,720,708 » » Gewerbtreibenden.. f 192,000} 197,000| 228/000} 269,000 Zunahme der Einwohner... 06 % 10,3 % 0,8 %

» »Gewerbtreibenden 2,6 %| 15,07 %] 18,07 %

Während hiernach in der Zeit von 1829— 1861 die Bevölkerung nur um ca. 10 pCt. stieg, hat die Zahl der Gewerbetreibenden um 40 pCt. zugenommen. Einen weiteren Anhalt giebt sodann eine Ver- gleichung der Maschinen, welche nach den Aufnahmen in den Jahren 1852 und 1861 für Jndustriezwecke im Betriebe waren, wobei indcß die für Handels- und Transportgewerbe dienenden Maschinen (Loko- motiven und Schiffsmaschinen) außer Ansag geblieben sind. Vorhan- den waren:

1852. ; : Masch. Pferdekr. Für Spinnerei , Weberei und Walkerei 28

1861. Masch. PVferdekr.

47 7174 Für Maschinenfabriken T 25 2707 Für múetallishe Fabriken aller

Art 5 12 106 Für Bergbau, Hütten und Sa-

linenbetrieb 4 83 Für Schneidemühlen ¿ 12 112 Lir Getreidemühlen 5 49 Für landwirthschaftliche Zwecke —— 4 24 Für andere Jndustriezweige. . 137 148 1503

; Zusammen 29 L 207 2864%

i Die erste Dampfmaschine von 16 Pferdekraft stellte im Jahre 1841 die Kattunfabrik in Heidenheim auf; seitdem hat die Anwendung der Dampfkraft eine bedeutende Ausdehnung crfahren. Die Zahl der Maschinen is von 1852—61 um 232 mit 2654 Pferdekraft gestiegen, was ausfeinen erheblichen industriellen und technischen Fortschritt schließen läßt. Hierbei bleibt noch zu berücksichtigen, daß das Land einen großen Reichthum an Wasserkräften besißt, deren Benußung ebenfalls zuge- nommen hat. Nach den Erhebungen der Centralstelle für Gewerbe und Handel waren 1861 in 3333 verschiedenen Gewerbsanstalten mit 4842 lau- fenden Werken 37,443 Pferdekraft Wasser in Thätigkeit, während noch 10/656 Pferdekraft in den württembergischen Gewässern unbenußt

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waren. Die Gesammtsumme aktiver Kraft der württembergischen

Arbeitsmaschinen betrug also 2,864% Pferdekraft in Dampfmaschinen, 443 » in WasserWwerken,

überhaupt 40,307% Pferdekrft.

Unter allen Jndustriezweigen des Landes is die Baumuwollen- Industrie von größester Bedeutung; sie zeigt die erheblichste Zunahme nach Zahl und Umfang der Unternehmungen und nimmt gegenwär- tig, was die Größe der in ihr angelegten Kapitalien, der Werthschaf- fung und des Arbeitsverdienstes in Spinnerei, Weberei 2c. betrifft, die erste Stelle in der Landes-Jndustrie ein. Die erste mechanische Baums- wollenspinnerei entstand 1810 in Berg bei Stuttgart, zwci weitere folgten 1812 in Eßlingen und Heidenheiny doch nahm diese Tndustric, wenngleich noch cinige andere Etablissements begründet wurden, zu- nächst keinen erheblichen Aufschwung. Ein solcher datirt erst aus dem Jahre 1852, in welchem allein 8 bedeutende Spinnereien theils in Verbindung mit mechanischen Webereien, theils abgesondert entstanden, während mehrere ältere Spinnereien durch neue Einrichtungen ver- bessert und vergrößert wurden. Der Stand der Baunuwollenspinnerei in Württemberg ergiebt sich für verschiedene Jahre aus der folgenden Zusammenstellung:

Zahl der Spinnereien

1830 5 1840 12 1852 16 1858 17 111,086 6535 1861 20 171,566 8578 __ Hiernach ist von 1830—61 die Zahl der Spinnereien um 15 ge- stiegen, während sich die Spindelzahl von 5860 auf 171,566, d. i. im Verhältniß von 1 : 29/3 vermehrt hat. Von 1840 —52 war der Fort- schritt kein besonderer , um so größer aber die Entwickelung von 1852 bis 61 und nach dieser Zeit, da bei statistischen Aufnahmen im Jahre 1862 bereits 236,862 Feinspindeln in den Baumwollspinnereien ge- zählt worden sind, was also in cinem Jahre eine Vermehrung der Spindelzahl um 38 pCt. ergiebt. Daß in leßter Zeit vorzugsweise Spinnereien von größerem Umfang eingerichtet worden sind, läßt sich aus der in der vorstehenden Uebersicht berechneten durchschnittlichen Spindelzahl für jedes Etablissement ersehen ; diese ist von 1172 im Jahre 1530 auf 8578 im Jahre 1861 gestiegen und wird si gegen- wärtig noch erheblich höher stellen. Nach dem Stande von 1861 waren die Spinnereien in den einzelnen Landeëkreisen folgendermaßen

vertheilt:

Nekarkreis T Schwarzwaldkreis 11 Iarxtkreis Donaukreis 2 25,200

zusammen 20 171,566 2497 Die bedeutendsten Spinnereien bestanden im Jahre 1862 in: Mettlingen (45,000 Spindeln), Unterhausen (34/000), Kuchen (27,000), Wangen (20,000), Altenstadt (18,532), Urach (17,000), Unterkochingen (15,000), Herbrechlingen (11,500) und Bempslingen (10,000); sie sind jämmilich _mit Spinnmaschinen neuester Construction ausgerüstet. Unter 185,770 Spindeln in 10 verschiedenen Etablissements befanden sich 19,40 pCt. Drosseln, 4,51 pCt. Handmules, 33,86 pCt. Halb- und 42/23 pCt. Ganz -Selfaftors. Der durchschnittliche Feinheitsgrad der Gespinnste hat sich in den leßten Jahren bedeutend gehoben; die größere Hälfte (ca. 65 pCt.) besteht in den Nummern 30—42, der Rest in den Nummern 6—30. Bis Nummecr 50, 60 und 80 wird nur wenig ge- sponnen. Das jährliche Garncrzeugniß wird auf 6,800,000 Pfund im Werthe von 457 Millionen Gulden aus 7,500,000 Pfund Rohstoff

im Werthe von 2,800,000 Fl. berechnet. :

Durchschnitts-Spindel- zahl jeder Anstalt (5%, Iean 2667 2324

Spindelzahl 5,860 33/000 37,193

Spindelzahl[. 30,736 90/228 25,402

Zahl .der T

Die Nordseebäder. (S. die Bes. Beil. zu Nr. 127 d. Bl.)

Der Unterschied zwischen den preußischen Küsten der Oft- und Nordsee is ein ganz bestimmter und Mae ltigee, Auf einem beschränften Küstengebiet der leßteren münden die einander nahe gelegenen Ausflüsse der Eider, Elbe, Weser und Ems. Sie ecrgießen sich in eines der bewegtesten Meere, dessen Gewässer durch Winde, Strömungen, Ebbe und &luth in beständiger Aufregung erhalten werden. Die herrschenden Winde sind der Nichtung dieser Ströme entgegen, sie vershlagen das (mit dem Flußwasser) herangebrachte Ma- terial nah rechts und links. Ein so geformter Küstensaum, der von einem oft zu reichlich mit Flußwasser gemischten Meer- wasser bespült wird, ist für Seebäder wenig geeignet, Es ist daher an dieser Küste das ziemlich besuchte und mit guten Badeeinrichtungen versehene, im Dithmarschen befindliche See- bad Bysum allein namhaft zu machen. Die übrigen sind sämmtlich Jnselbäder. Das Zahlenverhältniß der Insel- und Küstenbäder der Nordsee is somit gegen das der Ostsece-Bäder ein N dati

a unter sonst gleichen Verhältnissen Jnselbäder fast stets vor Küstenbädern den Vorzug Ven so L Vg be: leben auf den Nordsee-Jnseln zu einer bedeutenden Ausbildung. Klima und Atmosphäre find hier vom Meere unmittelbarer

abhängig als auf dem Festlande. Diese Inselbäder werden

Maher besonders besucht, F eensten A MFráftiger Constitution L E 1 Glale Frauen, ältere Leute und Kinder verdienen Ostscebäder

Mmeist den Vorzug.

küste erheben fich die “und 160 Fuß. Der Str | Phadet wird, ist ctwas steiler als

von ; nahe ist. Der bei F mittelst eines kleinen

F Ufer in mächtiger Strömung abfließende Das Badewasser ist y Der d l | F lichen wärmeren mit den tieferen kälteren Wajserschichten mischt, | salzhaltiger als bei weniger | T bewegter See, was auch für die übrigen Seebäder gilt, Das | F erst 1857 eingerichtete Seebad zu Westerland, dessen Mutter- Æ dorf Eidum 1436 in einer Sturmsfluth unterging, war 1865 Ï von etwa 1000 Kurgästen # begriffen ist. F rationell fultivirt. # 1300 Tonnen zu je 1000 Austern.

E fälter und

E der ostfriesischen Küste , von F binzieht, besteht aus 6 Jnseln, vorrichtungen versehen sind.

F doch gedeiht die Kartoffel vorzüglich.

wenn es sich um eine Seebadekur »im Namentlich Personen von hinreichend werden diese Bäder empfohlen.

Das in eben angedeutetem Sinne strengste Nordseebad,

welches nur für kräftigere Kranke, für diese jedoch vorzüglich Pyaßt, ist das zu Westerla nd Mer Ostsee gerade gegenüberliegkt. Mund interesjanteste der

auf Sylt, welchem Apenrade an Sylt ist die größte (1,5 M.) \{leswigschen Jnseln. In 13 Ortschaflen wohnen 3000 Einwohner, deutsche Friesen, die meist das Sce- mannsleben dem Fischerhandwerk vorzichen. Unmittelbar an der 5 Meilen langen, von Nord nach Süd verlaufenden West- Dünen und erreichen die Höhe von 100 Strand dieser Seite, an welchem auch ge- an den anderen Nordsee-Jnseln Brandung, d. h. die Linie, in heranstrebenden Wellen mit den abfließenden zusammenstoßen, der Küste sehr starkem Wellenschlag Badende wird Ankers Und U asse ns 4 und erdur bei Verlassen des Bades die Passage durch das vom E y Wasser erleichtert.

Daher dle die zum Ufer

demselben

bei starkem Wellensd lage,

aus demselben Grunde

besucht, deren Anzahl im Steigen An der Ostseite werden Austernbänke stark und Der jährliche Absay beläuft sich auf 12—

Südöstlich von Sylt, durch diese und die Jnsel Amrum

F zum Theil gegen die herrschenden Wesiwinde gesüßt, liegt das F weit mildere Wilhelmsbad bei Wyck auf der süd-östlichen F Küste von Föhr. Wyk auf der F böberen und

Wie viele anderen schleswigschen Orte liegt Grenze zwischen Marsch- oder Wiesen- und dem älteren Geest- oder Acker-Land. Jm Schuye des im Süden gelegenen Geest-Landes kommen Eichen und Tannen gut fort. Der Badestrand hat geringen Wellenschlag. Strö- mungen jedoch, die dur Ebbe und Fluth veranlaßt werden, segen das Wasser in stete Bewegung. Das Bad wurde 1819 errichtet und wird jährlih von etwa 1200 Badegästen besucht.

F Eine, das Seebad behandelnde Monographie erschien 1843 von E Ecthoff.

reihe, die (nach dem Durchbruch

von der verstärkten

die, zum Theil unbe- ist das

Hier findet sich wohlbestellkes Sehr gering is der Getreidebau, Die vewachsenen Höhen find der Aufenthalt zahlreicher wilder Kaninchen und große Massen von Seecvögeln beleben den Strand.

Die öftlichste dieser Inseln, Spiekeroog, zählt ca. 200 Ein- wohner. Der Flächeninhalt beträgt mit dem Strande 0,5 QU.- M. Die Fremdenzahl betrug im Jahre 1865 640 und ist all- jährlich im Zunehmen begriffen. Einzelne Bäume erreichen die Höhe der Häuser. Die westlih folgende Jnsel Cangeroog,- noch etwas fleiner, wurde 1865 von 200 Badegästen besucht. Das Badeleben auf dem zunächst gelegenen Baltrum ist erst im Entstehen. /

Norderney is das älteste, schon 1801 gegründete Nord- seebad. Seit vielen Jahrzehnten fleißig besucht, mit allen nur wünschenswerthen Einrichtungen glänzend ausgestattet , nimmt dieses Seebad unter den deutschen Scebädern den ersten Rang ein. Im Jahre 1825 wurde Norderney von 929 Kurgästen besucht, die Jahl derselben belief si 1858 auf 2560, 1867 auf mehr als 3000. Hier haben- zahlreiche Gelehrte 1m Dienste der Naturwissenschaften gearbeitet und durch fruchtbringende Resul- tate zu weiteren Forschungen angeregt. Temperaturmessungen der Luft haben ergeben , daß der Ort eine mittlere JahreStempe- ratur von 8 Grad R. hat, während im Sommer eine durch- R A Wärme von 16, im Winter von 2 Grad R. berrscbt,

o daß Norderney sich demnach cines für seine Lage in 53° 42/ nördl. Breite ausnahmsweise milden Klimas erfreut. Eine im

Garten - und Wiesenland.

Tür

der die oberfläch- | S ; "die See am ruhigsten.

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| |

Die zehn Meilen lange preußische Inselreihe, welche sih an | (Essen)

dieser 15 bis Z Meilen entfernt, Segen) mit 5682 die bereits sämmtlich mit Bade- (Eisleben) mit 5685 M. Reste einer einstigen Dünen- des englischen Kanals) | : Meeresfluth vielfach zerbrochen wurde, | F bieten diese kleinen öden Eilande noch heute in Beschaffenheit und F Lage große Aehnlichkeit untereinander dar. Im Schuge der am | nördlichen Ufer aufgerichteten Dünen , Æ wachsen, sich fast alljährlich zu neuen Formen gestalten, E südliche, gegen das Watt geneigte Ufer der Träger eines man- Y nigfachen Pflanzenwach8thums.

Jahre 1858 von Wiedasch erschienene Monographie Über Nor- derney darf nicht unerwähnt bleiben.

Juist und Borkum liegen der Küste etwas ferner als die Übrigen ostfriesishen Jnseln und sind niht mehr wle jene vom Festlande aus zur Ebbezeit mittelst Wagen zu erreichen. Früher vereinigt, wurden diese beiden Jnseln erst im 13. Jahr- hundert durch eine Sturmfluth gebildet. Die gewöhnliche Fluth- höhe an diesen Inseln beträgt 5— 12 Fuß; bei länger an- dauernden und heftigen Wesiwinden wird das Meerwasser jedoch an den Küsten zu weit größerer Höhe angestaut, und es ent- steht die Sturmfluth, von deren Verwüstungen die Geschichte der Nordseeküsten viel zu erzählen hat. Juist, die bei weitem klei- nere dieser beiden Inseln, wird noch nicht stark besucht, gewährt E auch deshalb cinen stilleren und weniger kostspieligen Auf- enthalt.

Borkum, die größte der ostfriesischen Inseln mit 512 Ein- wohnern, deren das fleinere Norderney 1333 zählt, ist erst im Jahre 1856, seit Anlage der hannoverschen Westbahn, zum Bade eingerichtet. Der Fremdenverkehr, 1865 schon 1000 Bade- gäste, ist in starker Zunahme. Borkum , etwa 3000 Schritt lang und 1000 Schritt breit, hat chöne Weide, daher viele Kühe und Schafe. i

Hier, wie auf den anderen Nordsce-Jnseln, beginnt die Saison schon in der Mitte des Sommers. Zu dieser Zeit ist Mit dem August nehmen die Winde

an Mächtigkeit zu.

Die Knappschafts-Vereine in Preußen.

Nach den in der Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinen- wesen (15. Band, A. Statistik, 2. Lief.) veröffentlichten Uebersichten, bestanden in den alten Provinzen des preußischen Staats im Jahre 1866 77 Knappschafts-Vereine, welche 2810 Bergwerke, Hütten und Salinen in 722 Knappschaftsältesten-Sprengeln umfaßten. Die Mit- gliederzahl belief sich Ende 1866 auf 160,659 aftive und zwar 71,805 ständige oder meistberichtigte und 88,850 unständige, meist nur zur Krankenverpfslegung berechtigte. Die Zahl der ständigen Mit- glieder hat seit Ende 1865 um 590 (0/8 pCt.), die der unständigen um 5/285 (6/3 pCt. zugenommen.) Jm S waren 43 Vereine mit 60,734 Mitgliedern (1358 Werke), im Ober-Bergamts- Bezirk Halle 19 Vereine mit 22,078 M. (428 Werke), im Ober-Berg- amts-Bezirk Dortmund 11 Vereine mit 42,218 M. (308 W.) und im Ober-Bergamts-Bezirk Breslau 4 Vereine mit 35,625 M. (716 W.) vorhanden. Die größten Vereine sind der Oberschlesische Knappschafts- Verein (Tarnowiß) mit 27,463 Mitgliedern, der Saarbrücker Knapp- \hafts-Vercein (Saarbrücken) mit 17,587 M.,_ der Märkische Knapp- schafts-Verein (Bochum) mit 13,731 M., der Essen-Werdensche Verein mit 13,731 M., der Niederschlesishe Knappschafts - Verein (Waldenburg? mit 7471 M. und der Mansfelder Knappschafts-Verein

Der Abgang an Mitgliedern belief sich im Jahre 1866 auf 26,132, 160,79. pro Mille, und zwar durch Ausscheiden 22,832 (142,12 pro Mille), durch Jnvalidität 1052 (6,56 p. M.) , dur Tod 2247 (13,99 p. M.). Unter den Gestorbenen verunglückten 354 (2,20 p. M.) bei der Arbcit. U Durchschnitt der Jahre 1863—1865 waren 2,29 p. M. auf diese Weise ums Leben gekommen. Das durcbschnitt- liche Lebensalter beim Eintritt der Ganzinvalidität war 51,30 Jahre (Mittel 1863—65 53,42 I.) beim Eintritt der Halbinvalidität 45,86 J. (Mittel 1863—65 47,50 J.). Erkrankt waren im Laufe des Jahres 1866 102,243 M.; 648/26 p. M., von denen 14,751 (93/53 Þ. M.) sich ihre Krankheit bei der Arbeit, 554,74 Þ. M. aber auf andere Weise zugezogen hatten. 10,255 Kranke, 10/57 pCt., wurden in den 57 Verein®- Lazarethen verpflegt. Am Jahresschlusse waren 3455 M. , 3,2 pCt. frank. Unterstüßt wurden von den Vereinen im Jahre 1866 29,706 Personen (9,05 pCt. mehr als 1865) und zwar 6102 Ganzinvaliden (84,98 p. M. der Mitgliederzahl), 451 Halbinvaliden (6,28 p. M.), 9227 Wittwen (1285 p. M.), 13,008 vaterlose (181,26 p. M.) und 928 vater- und mutterlose Waisea (12,92 p. M) i

Die Einnahmen sämmtlicher Vereine belicfen sich im Jahre 1866 auf 1,492,027 Thlr., 30,927 Thlr., 2,12 pEt., mehr als 1865, die Aus- gaben auf 1,448,536 Thlr. 99,645 Thlr. 7,39 pCt., mehr als 1865, der Ueberschuß auf 43,490 Thlr. gegen 112/209 Thlr. im Vorjahr. Der ungünstigere Abschluß des Jahres 1866 ist durch die Cholera herbei- geführt worden. Die Einnahmen bildeten sich mit 735,183 Tblr. (49,27 pCt.) aus den laufenden Beiträgen der Mitglieder, 557,335 Thlr. (39,37 pCt.) aus denen der Werkbesißer, 109,779 Thlr. (7,36 pCt.) aus Kapitalzinjen/_ das Uebrige floß aus Eintritts- geldern, Trauschein-Gebühren , Strafgeldern u. dergl. Unter den Ausgaben erforderte die Krankenpflege 556,413 Tblr. (38,4 pCt).- die laufenden Unterstüßungen 657,429 Thlr. (45,39 pCt. )/ die Be- qräbnißbeihülfe 28,594 Thlr. (1/97 pCt.), außerordentliche Unter- stüßungen 30,770 Thlr. (2,12 p2t.), der Schulunterricht 57,130 Thlr. (3,94 pCt.), die Verwaltung 73,965 Thlr. (5,08 pCt.) und sonstige Ausgaben 44,635 Thlr. (3,08 pCt.) Auf den Kopf gerechnet hatten die Vereine 9 Thlr. 8 Sgr. 7 Pf. Einnahme (darunter 4 Thir. 17 Sgr. 3 Pf. laufende Beiträge der Mitglieder) und 9 Thlr. Ausgaben pro Kopf. i ' t E a

Das Kapitalvermögen der Vereine betrug am Sclusse des Jahres 1866 2,682,612 Thlr. , 101,877 Thlr. (3,95 pCt.) mehr als Ende 1565; außerdem besaßen die Vereine noch 592,838 Thlr. (Z95/118 hlr; 6,19