1909 / 227 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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ann das Vorlegen eines Reifezeugnisses erla ma des Herrn Ministers zulässig.

en werden. Die Im- ation=-von Ausländerinnen 1st nur mit esondéèrer Genehmigung

Später eingehende Immatrikulgtionsanträge werden nur aus-

nchmsweiss und bei ausreichender Entschuldigung genehmigt werden.

Halle a. S;, den 24. September 1909. | i Der Rektor L : der Königlichen vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg. Fig ere

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Personalveränderungen.

Königlich Sächsische Armee.

Offiziere, Fähnriche usw. Ernennungen, Beförde- run i Verseßungen. Im aktiven Heere. 17. Sep- tember. Herzog Karl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, Königliche Hoheit, Obers: à la suite des 1. Hus. Regts. König Albert Nr. 18, zum Gen. Major befördert.

S1. Septereber. Erbprinz Bernhard von Sachsen- Meiningen und Hildburghäusen, Hoheit, Generaloberst mit dem Range als Generalfeldm«xschall, à la suite des 1. (Leib-) Gren. Regts. Nr. 100, au à la suite des 9. Inf. Regts. Nr. 133 gestellt. v. Broizem, Gen. der Kav. und fommandierender General des XII. (1. K. S.) Armeekorps, à la suite des Gardereiterregts.

estellt. : 6e Die Obersten: Meißner, Kommandeur der 1. Feldart. Brig. Nr. 23, v. Criegern, diensttuender Flügelodjutaut Seiner MajMât des Königs, dieser unter Ernennung zum diensttuenden Gen. à la suits Seiner Majestät des Königs, Frhr. v. Lindeman, Chef des General- tabs, Bierling, Abteil. Chef im Kriegsministerium, zy Gen. tajoren, vorläufig ohne F befördert. l, , :

Die Majore: Meister, diensttuender Flügeladjutant Seiner Majestät des Königs, zum Oberstlt. befördert, GCydam beim Stabe des 6. Inf. Negts. Nr. 105 n Wilhelm 11. von Fe Psd unter S erlegung in das 11. Inf. Regt. Nr. 139, Senfft v. Pilsa beim Stabe des 14. Inf. Negts. Nr. 179, unter Verseßung in das 10. Inf. Negt. Nr. 134, zu Bats. Kommandeuren ernannt, Oldenbourg beim Stabe des 7. Inf. Regts. König Georg Nr. 106, vom 1. Oktober d. I. ab auf ein Jahr ohne Gehalt beurlaubt.

v. Schönberg, Major beim Stabe des 1. Ulan. Regts. Nr. 17 Kaiser Franz Joseph von Oesterrei, König von Ungarn, ein Patent seines Dienstgrades verliehen. | ;

Die Hauptleute: Wagner, Komp. Chef im 15. Inf. Negt. Nr. 181, unter Verseßung zum Stabe des 6. Inf. Negts. Nr. 105 König Wilhelm 11. von Württemberg, Thilo ou, Zudree bei der Unteroff. Schule, unter ns zum Stabe des }. Inf. Negts.

rinz Johann Georg Nr. 107, Frhr. v. Uslar-Gleichen, Komp.

Hef im 15. Inf. Reat. Nr. 181, unter Verseßung als aggre n das 5. Inf. Regt. Kronprinz Nr. 104, Wagner, Komp. Chef im 7. Inf. Regt. König Georg Nr. 106, unter Versezung zum Stabe dieses Regiments, zu überzähligen Majoren be- fördert, Fischer, Komp. Chef im 13. Inf. i Nr. 178, als Komp. Führer zur Unteroff. Schule verseßt, v. Nostiß-Wallwiß, Adjutant der 6. Inf. Brig. Nr. 64, unter Verseßung in das 7. Inf. Negt. König Georg Nr. 106, Schulze, Adjutant der 5. Inf. Brig. Nr. 63, unter Dieriet@g in das 15. Inf. Regt. Nr. 181, zu Komp. Chefs, Haßel, Komp. Chef im Schüßen-(Füs.) Negt. Prinz Georg Nr. 108, zum Adjutanten der 5. Inf. Brig. Nr. 63,

Winkler, Hauptm. und Komp. Chef im 10. Inf. Negt. Nr. 134, ein Patent seines Dienstgrades verliehen.

Die Oberlts.: Klug im 12. Inf. Regt. Nr. 177, unter Ver- setzung in das 13. H egt. Nr. 176, Hanson im 14. Inf. Negt. Nr. 179, unter Verseßung in das 15. Inf, Regt. Nr. 181, v. Craus- haar im 15. Inf. Negt. Nr. 181, bis 30. September d. J. komman- diert bei der Gewehrprüfungskommission in Spandau, unter Verseßung in das Schügen-(Füs.)Regt. Prinz T Nr. 108, zu Hauptleuten befördert und zu Komp. Chefs ernannt, Demiani im 6. Inf. Negt. Nr. 105 König Wilhelm 11. von Württemberg, zum Adjutanten der 6. Inf. Brig. Nr. 64 ernannt, Nicolai im 6. Inf. Negt. Nr. 105 König Wilhelm 11. von Württemberg, vom 1. November d. J. ab auf ein weiteres Jahr zur Dienstleistung beim Traindepot XIX. (2. K. S.) Armeekorps kommandiert. / s

v. Sichart, Lt., bis 30. September 1909 in der Kaiserlichen Schußtruppe für Südwestafrika, mit dem 1. Oktober d. J. in der Armee, und zwar im 6. Inf. Negt. Nr. 195 König Wilhelm 11. von Württemberg wiederangestellt. inzer, Huhn, Gauß, Lts. im 8. Inf. Negt. Prinz Johann Georg Nr. 107, in das 9. Inf. Negt. Nr. 133 verseßt. Schulz, Hauptm. im Kriegsministeriuum, zum Major, vorläufig ohne Patent, befördert. Davignon, Oberlt. im 2. Ulan. Regt. Nr. 18, unter Beförderung zum Nittm., vorläufig ohne Patent, zum Eskadr. Chef ernannt. v. Malortie, Lt. der Nes. des 3. Ulan. Negts. Nr. 21 Kaiser Wilhelm 11., König von Preußen, kommandiert zur Dienstleistung bei diesem Regt., inder aktiven Armee, und zwar als Lt. mit seinem Patent vom 17. August 1904 im genannten Negt. wiederangestellt. ;

Die Hauptleute: Sickel im Kriegsministeriuum, zum Major, vorläufig ohne Patent, befördert, Kühn, Adjutant der 4. Feldart. Brig. Nr. 40, als Battr. Chef in das 2. Feldart. Negt. Nr. 28 ver- seßt, Fiedler, Battr. Chef im 2. Feldart. Negt. Nr. 28, zum Adju- tanten der 4. Feldart. Brig. Nr. 40 ernannt. | s

Gottschling, Königl. preuß. Fähnr. a. D., bisher im Ulan. Negt. Graf zu Dohna (Ostpreuß.) Nr. 8, in der Armee, und zwar als Fähnr. mit dem Dienstalter vom 19. November 1908 im 3. Feld- art. Regt. Nr. 32 angestellt. Shwertfeger, Hauptm. im General- tabe, kommandiert zum M preuß. Großen Generalstabe, zum

ajor, vorläufig ohne Patent, befördert. Spranger, Hauptm. bei den Königl. sächs. Kompagnien des Königl. preuß. Cisenbahn- regts. Nr. 2, kommandiert zur Dienstleistung beim Bekleidungsamt XII. (1. K. S.) Armeekorps, als Mitglied zu diesem Bekleidungsamt verseßt. Fischer, L. der Res. des 1. Trainbats. Nr. 12, kom- mandiert zur Dienstleistung bei diesem Bat., in der aktiven Armee, und zwar als Lt. mit én Patent vom 27. Januar 1901 im genannten Bat. angestellt. Hampe, Unteroff. im 2. Trainbat. Nr. 19, zum Fähnr. ernannt. v. Pflugk, charakteris. Oberst z. D., zuleßt Kommandeur des 8. Feldart. Negts. Nr. 78, unter Fortgewährung der geseßlichen Pension als Kommandeur des Landw. Bezirks Chemnitz wiederangestellt. h i

Ab Me Le gungen, Im aktiven Heere. 21. Sep- tember. Schroeder, -

ernannt.

ajor und Bats. Kommandeur im 11. Inf. Negt. Nr. 139, mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des T Senf. Negts. König Georg Nr. 106, Schuster, Major und Bats. Kommandeur im 10. Inf. Regt. Nr. 134, mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 8. Inf. Negts. Prinz Johann Georg Nr. 107, in Genehmigung ihrer A N eye mit Pension zur Disp. gestellt. v. olffersdorff, Nittm. und Eskadr. Ghef im 2. Ulan. Regt. Nr. 18, mit Pension und der Er- laubnis zum Tragen der Regts. Uniform der Abschied bewilligt. Bracker, Oberlt. im 14. Inf. Negt. Nr. 179, Bunde, Oberlt. îm 10. Inf. Regt. Nr. 134, Vogel, L. im 10: Inf. Regt. Nr. 134, bebufs Verwendung im Intendanturdienst zu den Offizieren der Nef. der betreff. Regtr. übergeführt. Doerstling, Oberst z. D. und Kommandeur des Landw. Bezirks Chemniß, unter Verleihung des Charakters als Gen. Major mit der Erlaubnis zum Tragen der Gen. Uniform und unter Fort D en der geseßlihen Pension von feiner Dienststellung auf sein Gesuch enthoben.

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_ Jiglamllihes.. Deutsches Nei. i Preußen. Beëtlin, 5. September. Laut Meldung e O On C. M CS. „Viktoria Luise“, „Hertha“, „Dresden“ und „Bremen“

am 23. Septenwer von * Newport (Rhode Jsland) nah New York abgegangen. 4

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Oesterreich-Ungarn.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ ist auch die gestrige Obmännerkonferenz sämtlicher Parteien des böhmischen Landtags ergebnislos verlaufen. Dennoh sprach der Oberstlandmarschall die Hoffnung aus, daß es troßdem zu einer Einigung kommen werde. 8

In der gegen Sißung des mährischen Land- tags stand ein DringlichkeitsantraF, betreffend einen Protest gegen den von der Regierung beabsichtigten .Millionenaufwand für militärishe Zwecke, zur Ver-

andlung. / Dex Sirialdenies Reich städter übte im Laufe der Debatte obiger Quelle zufolge, in ungeziemender Weise Kritik an dem Besuch des Deutschen Kaisers aus Anlaß der Manöver in Groß-Meseritsch. Der Abgeordnete protestierte gegen die angebli beleidigende Weise, in welcher der Deutsche Kaiser die a des Bürgermeisters von Groß-Meseritsch zurückgewiesen hätte, weil dieser den Kaiser in tshechisher Sprache hätte begrüßen müssen. Der Landes- hauptmann Serényi von Kis-Seréöny rügte die Angriffe Neichstädters und gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß derartige Aeußerungen im E gefallen seien. Der Statt- halter Freiherr Heinold von Udynski {loß sich als Vertreter der Regierung dem Proteste des Landeshauptmanns an und sprach ebenfalls sein tiefstes Bedauern über die Aeußerungen Neichstädters aus, die der Meinung der Bevölkerung widersprähen, wie der dem Deutschen Kaiser jüngst in Mähren zuteil gewordene Empfang beweise. Infolge von Zwistigkeiten, die bereits seit längerer Zeit zwischen den Grundherren und den Kolonen bestehen, ist gestern, „W. T. B.“ zufolge, in Zara der Generalstreik proklamiert worden.

Luxemburg.

Die Deputiertenkammer hat in der gestrigen Sißung, „W. T. B.“ zufolge, die Vorlage über die Besteuerung der M AE s und Beleuchtungsmittel nah dem deutschen

eseß mit 28 gegen 13 Stimmen angenommen.

Türkei.

Gestern ist in Saloniki der jungtürkishe Kongreß er- öffnet worden. Seine Verhandlungen werden streng geheim gehalten.

Bulgarien.

Die Regierung hat nah einer Meldung des „W. T. B.“ beschlossen, den 5. Oktober, den Tag der Unabhängig- keitsexklärung Bulgariens, in der g Tirnovo prunkvóll zu feiern und diefen Tad geseßlih zum National- feiertag zu proklamieren. Die Königliche Familie hat ihre Teilnahme an der Feier in Tirnovo zugesagt.

Dänemark.

Der Folkething hat gestern, wie das „W. T. B.“ meldet, die beiden vom Landsthing zurückgesandten Geseßentwürfe, be- treffend die D g Is und die Heeres- ordnung, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Radikalen sowie einige Stimmen der Rechten unverändert an- genommen. Damit sind die sämtlichen Landesverteidigungs- geseze vom Reichstag endgültig angenommen worden.

Afrika.

Der französische Gesandte in Tanger Regnault hat in seiner Eigenschaft als interimistisher Doyen des diplomatischen Korps einem dort üblichen, besonderen Gebrauche entsprechend an die übrigen diplomatishen Vertreter ein Rund- Ee gerichtet, in dem er seiner Meinung über

ie Beantwortung der Protestnote Mulay Bafids Ausdruck gibt und jeden einzelnen Gesandten ersucht, auch seine Anschauung gleih auf dem Rundschreiben kund- zugeben. Die Aeußerung Regnaults hat laut Meldung des „W. T. B.“ folgenden Wortlaut: „Jch erachte, daß für die angeregte Frage das M na Ge Korps nicht zuständig ift, und daß diese Frage aus\chließlih zwischen der spanischen und der marokkanischen Regierung erledigt werden muß.“

Wie die „Agence Havas“ aus Melilla meldet, haben die bei Atalayon liegenden trat Truppen gestern vormitttag Nador beschossen. Einer amtlichen Meldung zufolge wird in- 1e von Verhandlungen mit dem Stamm der Beni Sikar,

er um Frieden bat, niht auf Häuser geschossen werden, solange die Mauren sih der Feindseligkeiten enthalten. Zahlreiche Eingeborene stellen sih ein, um die Waffen auszuliefern.

Nr. 31 des „Eisenbahnverordnungsblatts“, heraus- gegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 23. Sep- tember, hat folgenden Inhalt : Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 18. September 1909, betr. Voruntersuhung im förm- lihen Disziplinarverfahren. Nachrichten.

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Arbetterbewegung.

Die Rirxdorfer städtischen Arbeiter bes ne. der „Voss. Ztg." zufolge, für 1910 folgende Forderungen zu stellen: Ein- führung der Achtztundenschicht für die Betriebe, in denen ohne Unter- brechung Tag” Nacht gearbeitet wird, und des Neunstundentages für alle anveren städtischen Betriebe; Erhöhung der Anfängslöhne um 12 y. L 50 v. H. Zuschlag für Ueberstunden, 100 v. H. für Nacht- und onntagsarbeit. Die Angestellten des städtischen Omnibusbetriebes, ‘die Straßenreiniger und Laternen- anzünder haben sich diesem Vorgehen nicht angeschlossen. i Eine von der Bezirksleitung des Deutschen Metallarbeiter- verbandes einberufene Versammlung der organisierten Gold- = nd Silberarbeiter von Hanau und Umgegend beschloß, wie

die Aer Ztg.“ bêrichtet, einstimmig, in allen Gold- und Silber- geschä ten des dortigen Playes am rbeitsfündigung einzureihen. Der

an dessen S eit dem 22. d. eine Arbeitsor hat, die von den Arbeitern niht anerkannt wird. Der anwesende Bezirksleiter des Metallarbeiterverbandes erklärte im voraus, die Verbandsleitung sei mit dem Beschluß der Versammlung einverstanden.

an des Lee Ri C ist, elle

Organisiert sind dort 95 9/6 der in der Edelmetallindustrie beschäftigten

Arbeiter.

Monin) “verweigerten, wie „W. T. B" meldi treites zwischen den Bergleuteu und den Ingenieuren die Arbeit.

Das bedeutet eine Stillegung der Minen.

(Weitere „Statistishe Nachrichten“ \. i. d. Ersten Beilage.)

Kunst und Wissenschaft.

Die Große Berliner Kunstausstellung am Whrter Bahnhof ist morgen zum leßten Male dem Besuch geöffnet. Abends 64 Uhr wird sie geschlossen.

Der Kunstsalon Gurlitt leitet die neue Saison mit einer D der beiden jüngst verstorbenen „Simplicissimus“- Pei Rudolf Wilke und F. von Neznicek ein. Eine an- ehnlihe Neiße von Originalzeihnungen gibt ein Bild von der A en Geschiklichkeit und der kün Heri\den Persönlichkeit dieser beiden neben Th. Th. Heine fruchtbarsten Künstler des „Simplicissimus“. Kreises. In ihrer künstlerishen Weltanschauung waren ste Antipoden und verkörperten die beiden Pole in jener kuriosen Mischung von „Fliegenden Blätter“-Geist und og Salz, die sih im Jahre 1896 als „Simplicissimus“ E rte und als revolutionäres Organ gebärdete. Diese Mischung heterogenex Elemente war geschäftlich eine überaus glücklihe Spekulation, denn es mußte von vornherein für alle Teile des Publikums gesorg: werden und was dem Einen niht mehr recht war, erschien dem Andern gerade billig.

Wilke is weniger Satiriker (wie Heine), sondern vor allem Charakterzeichner mit hervorragenden malerischen Qualitäten. Er ist (ug Karikaturist, bleibt aber mit seinen Uebertreibungen immer innerhal gewisser Grenzen und läßt dadurch sein Opfer immer noch lebensfähig er- Beinen womit er die Wirkung nur verstärkt. Es ist natürlich, au er diese aus dem Typenvorrat nahm, der die Spezialitäten der Gesellschaft deutscher Kleinstädte liefert. Er erreicht seine blendenden malerischen Wirkungen mit den denkbar ecinfahsten Mitteln, und feine Blätter find oft ohne Farbe farbiger als kolorierte Drucke. Wilke fand seine Modelle auf der Straße, NReznicek suchte fie in der Gesellschaft. Sein Milieu erklärt die auffallende Uniformität seiner Figuren. Denn die S tôtet die Kunst, weil sie alle Formen unterdrückt, die Menschen der Großstadt werden neutrale Wesen wie unsere großen Basarë und

unter seinen Leuten keine Typen von groteskem Aeußern, denn dieses ist der konventionellen Mode möglichst angepaßt, Grotesk ist eher ihr Inneres, von dem allerdings nur die hinzugefügten Bonmots einen Begriff geben können. Sein Ehrgeiz lag denn auch auf einem anderen Gebiet. Seine Lebe galt der Frau von dreißig Jahren, die er ziemlich in allen Lebenslagen geschildert hat. Vom Lever bis zur Abendtoilette war er ihr galanter Deglelen und Jen das intime Dunkel des nächtlichen Boudoirs mußte thm noch Stoff für zeihnerische Pikanterien liefern. Der Wig war ihm Mittel zum Zweck. Wenn er eine zierlidhe Chanteuse auf den Knien eines Noués schaukeln lassen wollte, konnte er hundert Wiße als Vorwand finden. i solhe Situationen ganz besonders. Während pn hinter Wilkes und Th. Th. Heines Satire oft Abgründe einer hoffnungslosen Gesell- \haftsmoral, eines unsäglichen sozialen Elends auftun, in die unsere eben erregte Heiterkeit zu fallen droht; wirkt Neznicek stets harmlos. Seine Menschen sind daran gewöhnt, mittels eines Bonmots über die shwierigsten Konflikte des Lebens hinwegzugleiten, fofern sie solhe überhaupt an si herankommen lassen. Mit Recht hat man Neznicek den Vor-

wurf der Oberflächlichkeit hen P denn manche seiner Typen hatten

im Laufe seiner publizistishen Praxis ein flisheeartiges Gepräge be- fommen. Er blieb auch, nahdem s\ich seiner Kunst die Tore des „Simplicissimus“ geöffnet hatten, immer gut münchnerisch. Auch als berufener Gesellschaftssatiriker pflegte er die Tradition der Münchener Séezession, der Keller und Stuck. Seine Frauen haben mit den Modejournalpuppen viel gemeinsam und wurden literaris{h in ähn- liher Weise von Paul Heyse gezüchtet. Sie sind stets süß wie Tamarinden und lassen süße Grausamkeiten ahnen. Albert von Keller malt fie in Oel und RNeznicek zeichnete sie auf Stein. Dies der Unterschied. Troß seiner tehnishen Fertigkeiten, die ihn zu manchen bravourösen Experimenten befähigten, blieb Reznicek auch als Zeichner noch Maler im Gegensaß etwa zu Toulouse Lautrec, der auch in seinen Gemälden den aéborenen Zeichner nicht verleugnen konnte. Lautrec ist ein Graphiker par excellence, ein Graphiker im Sinne der Japaner und im Wortsinn. Er kürz! ab, er vereinfaht die Wirklichkeit und potenziert sie dadurch. Er ist sahlich, da cs ihm ganz allein an der Sache, am Aus- druck seines Empfindens vor den Dingen liegt, nicht an sih selbst und etwack an der Bur gens und Betonung der Prozesse, die er seinem Objekt gegenüber durchmachi. Er war ein tiefer Philosoph, Reznicek nur ein liebenswürdiger Salonmensch. Troß seines scheinbaren Esprits und seiner modegerechten Eleganz hatte er niht jene Höhe geistiger und künstlerisher Kultur erreicht, die Vorausseßung einer impressionistischen Wesltanschauung und des darin fußenden angen Wigtes ist, der jenseits aller Moral seine Funken versprüht. Man darf bei diesem Räsonnement allerdings nicht vergessen, daß Naturen von jener kulturellen Kompliziertheit und Verfeinerung wie Lautrec oder Beardsley heute in Deutschland noch gar nicht entstehen, geshweige denn bodenständig werden könnten. Heine und Wilke bedeuten in dieser Nichtung ungefähr die lezten heimischen Möglichkeiten. Auch als Maler hat sid Neznicek versucht. Nicht mit Glück wie das ausgestellte Bild beweist. Der dritte Zeichner, von dem eine kleine Sammlung zu sehen ist, hat sih auch {on als Mitarbeiter des „Simplicissimus" einen Namen gemacht. Es ist der in Stuttgart wirkende Ca Andrè® Lambert. Obzwar Zeichner von Beardsleys Gnaden, versteht er es doc, seinen Blättern durch die iris einen originellen Reiz zu ver leihen. Auch wählt ex für feine Komposition italienische Vor- bilder, wie etwa die Madonna von Castelfranco des Son ‘oder die Pietà des Cosimo Tura. Troy dieser eklektischen Schwächen befähigt ihn die Kultur seiner Linienführung mehr als andere zum Buchillustrator und kunstgewerblihen Lehrer. Unter den auge Gemälden ragt eine Bilderreihe des Mitgliedes der Münchner , ckcholle Walter Püttner hervor, der sich an Trübners carakteristischer Me emporgeschult hat, jedoch zu einem mehr e olorit neigt als jener. Der vero und die „Spessartlandschaf! stellen seinem stets een en Können das beste Zeugnis aus. Zwei anspruchslose kleine Dorfansichten aus Nordwyk von Liebet- mann und zwei fein gestimmte Stilleben von E. N. Weiß seien noch besonders erwähnt. / : Bei Keller und Reiner zeigen Louise E. Perman a aris eine Anzahl von teilweise Nr reizvoll U Blumen ften tüchtige Dilettantenarbeit und I. Paterson aus

Edinburg eine Reihe von Aquarellen mit Motiven *aus seiner

* Heimat und aus Teneriffa, die mit der in Ey und Schottland

traditionellen technischen Virtuosität und feinen Stimmung aut- geführt sind. Dr. D.

heftigen Sonnabend die Streit ist entstanden, weil der Arbeitgeberverband den dp drei Jahren bestehenden Arbeits:

ms wieder abs A will, vielmehr

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Bahnhöfe; sie strecken der Kunst keine Gesten entgegen. MNeznicek fand |

Und er liebte |

Fn Trier wurde am 23. d. M. der zehnte Tag für Denk- malspflege abgehalten. Die Vefinmltia, die namens des

Ministeriums der geistlihen 2c, Angelegenheiten von dem Wirkliche Gr E von B U n

Geheimen

remen vos wurde, wax von etwa 500 Personen besuht. Der Vorsißende, Geheimer Rat Dr.

yon Oechelhäuser erstattete Bericht über de Entwicklung und die

dem Gebiet der Denkmalspflege im leßten Jahre.

__ Amtshauptmann Dr. artmann - Döbeln einen ortrag über das neue sächsische Geseß gegen die Verunstaltung

erun: von Stadt und Land. er erste Teil dieses Geseßes betrifft den Heimatschuß. Er

¡tigkeit auf R ielt oder

sonstige Aufschristen, Abbildungen und dergl. zu verbïëten, Wein sie ge- eignet sind, es Pläße, einzelne Bauwerke sowie das Ortsbild oder das U a zu verunstalten ; ebenso kann mit p Ein- shränkungen die Genehmigung zu Bauten oder baulichen Aenderungen versagt werden, ebenso zu Bebauungs- und Fluchtlinienplänen, wenn je das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild verunstalten würden. N sächsische Geseß geht in manchen Bestimmungen über das preußische hinaus. In Preußen braucht man noh Orktsgesetze oder staatliche Zwist en- instanzen, in Sachsen ist verunstaltende Reklame son von Geseßes wegen einheitlih für das ganze Land verboten. Das preußische Geseß {ügt außerhalb der Ortschaften nur die landschaftlih hervorragenden Gegenden, das oe shüßt auch das schlichte, einfache Landschafts- bild in seiner den Bewohnern liebgewordenen Eigenart vor Ver- unstaltung. In Preußen sind die Polizeibehörden zum Einschreiten verpflichtet, in Sachsen sind sie hierzu nach ihrem pflihtmäßigen Ermessen ermächtigt; nah des Nedners Ansicht ist das ein Veo, zug, weil diese Bestimmung die Notwendigkeit berücksichtigt, das Geseß gemäß den Bedürfnissen des praktishen Lebens tunlichst shonend zu handhaben. Der zweite. Teil des Gesetzes regelt den Denkmalschu ß in Uebereinstimmung mit Preußen so, daß die Ortsgeseßgebung t wird, für bestimmte San und Pläye von geshichtliher oder künstlerisher Bedeutung oder aber zum Schutze einzelner geshichtlich oder künstlerisch obeltiiner Bauwerke und ihrer Umgebung dis, baupolizeilihe Genehmigung solcher Bauten oder baulichen Aenderungen zu versagen, die geeignet sind, das ge- hüßzte Bauwerk, Ortsbild u. dergl. in seiner Eigenart beeinträchtigen. Falls die Ortsgeseßgebung troß sahlicher Not- wendigkeit und troß entsprechender Einwirkung der Aufsichtsbehörde derartige Bestimmungen nicht erläßt, so kann das Ministerium das Nötige verfügen. Ferner können in allen Fällen bei Gefahr im Verzuge die Kreishauptmannschaften einstweilige An- ordnungen treffen. Das Geseg sieht weiter eine weitgehende Mit- Ls von Sachverständigen vor; die Ausführungsverordnung weist die Behörden darauf hin, die unentgeltlihe Beratung des Vereins Sächsischer Heimatshuß, Landesverein zur Pflege heimatlicher Natur, Kunst und Bauweise in Anspruch zu nehmen, und ermahnt die Be- hörden, das Hauptgewicht auf eine erzieherische Wirkung des Gesetzes M. Legen Und ‘vor. dem: Zwang *-- gütliche Mittel zu versuhen. Durch das Geseg find die Bestrebungen des Heimatshußzes als eine staatlich zu fördernde Kulturauf- gabe anerkannt. Den Baupolizeibehörden falle vor allem die Aufgabe zu, an Ortsbauordnungen, Bau- und Fluchtlinienplänen verständnis- voll mitzuarbeiten und innerhalb der AGliGen baupolizeilichen Klein- arbeit im Sinne der neuen Ideen zu wirken. Es könne ih dabei nicht darum handeln, die baulihe Entwicklung in eine bestimmte Stilrichhtung zu drängen; vielmehr sei der dewußten Betätigung eigenen Ge]/chmacks weiter Spielraum zu lassen, überhaupt aber vor allem der Sinn für Bauschönheit zu wecken und zu kräftigen, \o- daß die schaffensfreudigen künstlerishen Kräfte in unserem Volke mehr und mehr zur Geltung kommen. Der Redner {loß mit der Hoffnung, das neue Geseß möge recht bald auch die jeßt toe fernstehenden Kreise zum innern Anschluß an die Sache des Denkmal- und Heimatschutzes be- kehren. Denn nicht Zwang und Polizeigewalt seien das Ideal dieser Bewegung, sie seien nur das äußerste, zeitweilig unentbehrlich Mittel gegen Unverstand und böfen Willen. Das Endziel sei, die Geister zu gewinnen und so den Boden zu bereiten, auf dem unser Volk sich wieder ungetrübt seiner Heimat freuen und unsere Künstlerschaft unter des Volkes freudiger Änteilnahme frei für die Schönheit dieser Heimat schaffen könnte.

Zu demselben Gegenstande sprach an zweiter Stelle der Oberbaurat K. Schmidt-Dresden, indem er besonders die beratende Tätigkeit der Geschäftsstelle des Bundes Sächsischer Heimatschuß schilderte, die mit einer ftaatlihen Unterstüßung von 15000 # arbeitet und namentlich die von den Amtshauptmannschaften eingesandten Pläne zu Schulen, Fabrikanlagen usw. vor der Genehmigung begut- achtet und Verbesserungsvors{läge im Sinne des Heimatschußes macht (im vorigen Jahre gegen 250). Eine Neihe von solchen Plänen und Gegenplänen war ausgestellt. Die Verbesserungspläne find zumeist auch wirtschaftlicher und billiger als die ursprünglichen. Den Nach- weis erter soll ein Vortrag des Oberbaurats Schmidt bringen.

Im Anschluß an die beiden Vorträge teilte der Wirkliche Geheime

über die Wirkung des

preußischen ol egas gegen die Verunstaltung mit: bisher wurden 68 Ortsstatute genehmigt; 83 Kirchen, 56 öffentliche Gebäude, 84 sonstige bemerkenswerte Bauwerke (Tortürme u. a.), 160 Privat- gebaude wurden unter den Schuß des Gesetzes gestellt. Für die Orts- \tatute kommen auch eine Anzahl größerer Städte in Betracht, wie Trier, Danzig, Augsburg, Halberstadt, Nordhausen u. a., weit mehr aber fleinere, wie Zülpich, Montabaur, Gelnhausen, Mohrungen u. a. Aus diesem Erfolg dürfte hervorgehen, daß die preußische Seleugeduns auf dem rihtigen Wege war, als sie den Grundsaß der Freiheit der Gemeinden annahm; das Vertrauen auf die Gemeinden hat sich als rihtig erwiesen.

Oberregierungsrat von Bremen einiges

Land- und Forstwirtschaft.

Ernteauss\ichten in Norwegen.

Der Kaiserliche Generalkonsul in Kristiania berichtet unterm 18, d. M.: Die Heuernte wird im östlihen Norwegen wahr- scheinlih die cines guten Mitteljahres sein. Im Amt Smaalenene sollen die Aussichten für die Heuernte sehr günstig sein. Jm Amt Akershus wird die Ausbeute diejenige eines. Mitteljahres etwas übersteigen. Im Amt Hedemarken wird ein einigermaßen gutes Mitteljahr, in Kristians Amt ein gutes Mitteljahr erwartet mit Ausnahme der Ses Lm und Skiaaker, wo die Aus- beute unter der eines Mitteljahres bleiben dürfte. Im Amt Buskerud stehen die Aussichten über denjenigen eines Mittel- big In den Aemtern Jarlsberg und Larvik hofft man auf eine ehr gute und. zum Teil reiche Ausbeute. Im Amt Bratsberg foll eine bessere Ernte, als die eines Mitteljahres, zu erwarten sein. Im Amt Nedenes werden die Aussichten als gut bezeichnet. Von mehreren Aemtern wird berichtet, daß der Klee in diesem Jahre nit besonders gut ausfallen wird. Im westlichen Norwegen wird die Heuernte der Menge nach diejenige eines Mittel- oder guten Mitteljahres aus- machen, Nur im Amt Nordre Bergenshus und zum Teil im Amt RNomsdal find Aussichten auf ein knappes N vorhanden. beiti Des die Aussichten als die eines Mitteljahres oder besser ezeihnet. B L Norwegen wird die Deuerns kaum die eines Mitteljahres erreihen. Im Amt Söndre Trondhiem- {äßt man die rnte auf die eines Mitteljahres oder wenigstens annähernd; im Amt Nordre Trondhjem erwartet man in der Vogtei Inderöen ein knappes Mitteljahr, in den beiden übrigen Vogteien etwas geringeren Ertrag. Im Amt Nordland erwartet man in einzelnen Distrikten der Vogteien Söndre Helgeland, Salten, Lofoten und Vesteraalen, daß die Ausbeute die eines Miteljahres erreichen wird. In anderen Teilen von Söndre Helgeland und in Nordre Helgeland sollen die Aussichten unter zum Teil weit unter einem Mitteljahre tehen; im Amt Tromsö erwartet man eine gute Heuausbeute, im mt Finmarken wird die Heuausbeute diejenige eines knappen Mittel- jahres ausmachen. f _ Die Getreideernte wird im östlihen Norwegen wahrschein- lih wie in einem Mittel- oder guten Mitteljahre werden, falls \ich

Héeven reren aller Art som

die Witterungsverhältnisse im Laufe dee Herbites bessern. Im Amt Smaalenene erwartet man einen mittleren Ertrag; im Amt Akershus sollen die Felder in der Landschaft Nomerike weniger gut aussehèn ; sonst sind auf den leichteren Böden gute Aussichten vorhanden. Im Amt Hedemarken* betrahtet man es als zweifelhaft, ob man einen mittleren Ertrag wird erzielen können; im Kristians Amt erwartet man ein gutes Mitteljahr, im Amt Buskerud ein Mitteljahr, in den Aemtern, Jarlsberg und Larvik einen sehr guten Ertrag, im Amt Bratsberg einen guten Ertrag, und im Amt Nedenes erwartet man den Ertrag eines Mittel-, zum Teil guten Mitteljahres.

__ Im westlichen Norwegen deuten die Aussichten auf ein unge- Aus Pitteljalfe. In otfr“Ärraters-Uster und Mandal _ Privdt man einen guten, mittleren Ertrag. Im Än“ Stabanger sid die Aussichten iemlich gut. Im Amt Söndre Bergenshus erwartet man einen annähernd mittleren Ertrag, im Amt Nordre Bergenshus eine mittlere Ausbeute. Im Amt Nomsdal sind die A sehr zurück, soda ein guter Herbst eintreten muß, um alles Getreide zur vollen Reife Wu bringen. Im nördlichen Norweaen erwartet man nur im Amt

romsöò einen mittleren Ertrag des Getreides; fonst sind die Aus- sichten, namentlich infolge der falten und feuhten Witterung, weniger gut. ; i: ie Kartoffeln und Nübem werden im ö tlichen Norwegen wahrscheinlih einen mittleren Extrag liefern. Im Amt: Smaalenene und in Buskerud erwartet man eine mittlere Ernte, in Kristians Amt ein gutes Mitteljahr, im Amt Hedemarken annähernd ein Mitteljahr, und in den übrigen Aemtern des östlichen Norwegens mit Uge des Amtes Akershus, wo die Aussichten bis jeßt noch zweifelhaft waren, sind gute Aussichten vorhanden, in Zarlsberg und Larvik sogar besonders gute. Im westlichen Norwegen erwartet man einen mittleren Ertrag dér Kartoffel- und Nübenernte. In den Aemtern Lister und Mandal O mittlere Aus\ichten vorhanden, im Amt Stavanger ziemlich gute, im mt Söndre Bergenshus annähernd mittelgute, in Nordre Bergenshus *mittelgute, während die Kartoffeln und Rüben im Amt Romsdal noch zurück sind. Im nördlichen Norwegen sind in den Aemtern Söndre Trondhjem und Tromsö Aussichten für ein Mitteljahr vor- handen, im Amte Nordre Trondhjem sind die Aussichten weniger gut ; in Nordland erwartet man einen mittleren Ertrag in der Vogtet

zu & Söndre Helgeland; in den Vogteien Nordre Helgeland und Salten

annähernd einen solchen, oder weniger, und in Finmarken erwartet man einen knappen mittleren Ertrag.

Die Weiden stehen überall gut, und die Obsternte wird wahrscheinlih bedeutend besser als die eines Mitteljahres werden. Nur in Nordre Bergenshus follen s{chlechtere Aussichten sein. In Lofoten und Vesteraalen sind die Blüten der Berghimbeeren zum Teil durch Regen zerstört worden. Die Aussichten für die wilden Beeren sind sonst durhweg gut.

Ernte in Missouri.

Da zur Aufklärung über die für Europa wichtige Beschaffenheit der gegenwärtigen und nächstjährigen Ernte der Vereinigten Staaten von Amerika auch Berichte aus Einzelstaaten beitragen können, \o lasse ih einige Notizen aus dem am 5d. M. in Jefferson City ver- öffentlichten Monatsberiht des Ackerbauamts des Staats Missouri über die Ernte nah dem Stande vom 1. d. M. folgen.

Mais. Die in einzelnen Teilen des Staats vom 6. Juli an dauernde Dürre hat beträchtlichen Schaden angerichtet. Der Stand am 1. d. M. wird mit 66%/4 des Normalstandes gegen 88% am 1. v. M., 72% am 1. September v. J. und 78,50%/6 Durchschnitt am 1. September der leßten zehn Jahre angegeben. Es wird darauf gerechnet, daß 45,5 9/6 der Anbaufläche von 7 800 000 Acres einen Ertrag geben werden. Der spät gesäte Mais wird voraussichtlich nur als Viehfutter, teilweise sogar nur äls Streu Verwendung finden können. Wenn darauf hingz2wiesen wird, daß der Mais- stand am 1. September 1901 nur 279% des Normalstandes betrug, so ist däs nicht einmal als“ Trost von Wert. Winterweizen. Der Ertrag wird auf 15,2 Bushels vom Acre gegen 10,7 am 1. September v. J. berechnet und würde danach si auf 20 684 819 Bushels belaufen. Der Nordosten des Staates ist mit n enila 17,9 Busbels vom Acre atn ergiebigsten. Nach einer Zusammenstellung des Professors Milton Whitney, Chefs des bureau of soils im Adckerbauministerium, die in den nächsten Tagen in der Bundeshauptstadt herausgegeben wird, hat der Ertrag an Winterweizen im Staate Missouri im Durchschnitt der Jahre 1866 bis 1907 12,2 Bushels vom Acre betragen. Zu beachten ist, daß die Ackerkrume zuerst unter den gewaltigen Regenmassen und Uebershwemmungen zu leiden hatte und demnächst durch die heißen Winde und schwere Hiße im August ausgedörrt und zusammengebacken wurde, sodaß sie jeßt an nicht wenigen Stellen niht oder nur unvollkommen gepflügt werden kann. Die Aussihten der Winterweizenernte des Spät- fommers 1910 erscheinen daher beeinträhtigt. Ich betone, daß dies im amtlichen Berichte bereits heute auêge|prochen ist. Hafer steht gut. Man rechnet 26,6 Bushels vom Acre gegen 16 am 1. September v. I. und auf einen Gesamtertrag von 11 901 440 Bushels im Staate. Roggen, Gerste und Flachs, in Missouri minder angebaute Sorten, versprechen gleichfalls guten Ertrag. Es werden an Roggen 13,9, an Gerste 21,9 und an Flachs 9,6 Bushels vom Acre erwartet. Baumwolle, nur im südöstlichen, an Arkansas grenzenden Teile des Staates angeullan steht mit 77,5% des Normalstandes erheblich über dem gleichzeitigen Durchschnitt in den eigentlihen Baumwollen- staaten des Südens. Die Pflanze hatte unter der Dürre zu leiden. Tabak, der in diesem Jahre auf einer nicht unbeträchtlih ver- größerten Anbaufläche gezogen wird, ist gleichfalls durch die mit heißen Winden verbundene Trockenheit geschädigt worden und stand am 1. d. M. auf 72,3% des Normalstandes. haben unter den überreihlihen Niedershlägen des Vorsommers und unter der Dürre der betden leßten Monate derart gelitten, daß nur 99,6 Bushels vom Acre, d. i. 22,4%/9 weniger als im Vorjahre eerntet und einige Konservenfabriken ges{chlossen worden sind. Die Frnte war am besten im Südosten, am s{chlechtesten im Südwesten des Staates. Klee steht vorzüglih und läßt auf einen Ertrag wischen 2 und 3 Bushels vom Acre hoffen. Die Wiesen sind nit arg vertrocknet und werden eine Fehlernte in Heu ergeben.

Der Viehstand erscheint durch das Austrocknen der Wiesen und Wasserläufe bedenklich bedroht. Schweine find bereits heute in einer der üblichen Nachfrage gewachsenen Anzahl niht mehr vorhanden. Auch sonstiges Vieh wird um jeden Preis verkauft, da Wasser knapp und Viehfutter zu teuer ist. (Bericht des Kaiserlichen Konsuls in St. Louis, Mo., vom 8. September 1909.)

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln.

_Der Münchener Professor prol! Emmerich hat si längere

eit in den Cholerabaracken in St. Petersburg (Botkin-Barackenhospital) Studien halber aufgehalten. Ueber das Ergebnis seiner Studien findet fd in der „Münchn. Med. Wochenschr.“ ein Auffa A or Emmerich at danach hon 1893 durch eingehende experimentelleUntersuhungen ae Ansicht begründet, paß die Cholera india und nostras Ver- C Ungen T, reie salpetrige Säure seien, die dur die Sholerabazillen gebildet wird, indem sie den Salpeter der Nahrungs- mittel (Gurken, Rüben, Rettihe, Gemüse, Kartoffeln) in Nitrite Organe alze) überführen, woraus diese dann dur gleich- zeitige Milchsäurebildung freie salpetrige Säure abspalten. Nun be- rihtet Professor Emmerih über seine Untersuhungen im Botkin- Barackenhospital unter anderem folgendes :

Nachdem ih im Blut der Cholerakranken chemis{ch und spektro- \kopish die Produkte der Salpetrigsäurewirkung naGgewiesen hatte, wendete ih mich der Paupiaufga e, der Aufsuchung der salpetrigen Säure im Erbrochenen und in den NReiswasserstühlen, zu. Wenn In so mußte in der zu Beginn des Choleraanfalls literweise er Lea und in der durch die massenhaften wässerigen Stühle aus- gene enen Flüssigkeit das Choleragift am reihlidsten zu arn

Tomaten

gie

ein. , . . Jn der Tat ergab denn auch gleih der erste Prüfungs- versuch eine überraschend starke Neaktion auf salpetrige Säure in der

L

o zu Anfang des Choleraanfalls erbrochenen age Aber auch die ersten, oft literweise abgegebenen Reiswasserstühle enthielten fo viel salpetrige Säure, daß mit Griesschem Reagens eine s{höne Nosa- es eintrat. . . . Die freie salpetrige Säure aber ist ein furcht-

«bares Gift, ja sie gehört zu den stärksten Giften. Noch in der Ver- dünnung 1: 100 000 tôtet die freie salpetrige Säure nah Oskar Löw lebende Zellen! Keir! anderes der allem Ermessen 8 bet der Cholera etwa noch “in Betracht kommenden Gifte kann folche Engen äußern wie freie salpetrige Säure. Die Nitrate (Salpeter), welche die Cholerabazillen in giftige Nitrite überführen, aus denen durch die von ihnen gebildete Milchsäure \alpetrige Säure abspaltet.

aran Boy E den gabilEa e abruuaamiteln Ste ere

aus mit Salpeter verseßten Würsten, Schinken, Pökelfleisch und namentlich auh aus dem Brunnenwasser. . Die neue Erkenntnis, daß die Cholera eine Salpetrigsäurevergiftung ist, gibt uns die Macht über die Krankheit, die hre Schrecken verliert. M Grkenntnis er- möglicht eine sichere Das Jedermann kann sich jeßt gegen den Ausbruch der tötlichen Krankheit [hüßen, selbst dann noch, wenn die Infektion mit In die sh durch den Eintritt der „prodromalen Diarrhoe“ bekundet, {hon stattgefunden hat. Es ist nur nötig, den Genuß nitrathaltiger Vegetabilien (Gurken, Nettiche, Nüben, Gemüse, Kartoffeln ista) sowie von salpeterhaltigen Würsten lar und von nitratreihem Trinkwasser sorgfältig zu ver- meiden. Auch die Behandlung der Cholera. wird sich auf Grund der neuen Erkenntnis des Choleragiftes rationell und wirksam gestalten, sodaß wenigstens eine Verminderung der Sterblichkeitsziffer durh die- selbe zu erwarten ist.“

So weit Professor Emmerich, dessen Darlegungen natürlich erst der Nachprüfung in der Praxis bedürfen. 5

__ Königsberg i. Pr., 24. September. Wie „W. T. B." meldet, N Pokallna im Kreise Heydekrug bei einer Frau Cholera- azillen festgestellt worden. Die Frau war bei den Vorbereitungen zur Beerdigung des an Cholera verstorbenen Flößers behilflich ge- wesen. Ste wurde damals sogleich ifoliert, sodaß die He der Krankheitsverbreitung nicht vorliegt. Die erkrankte Frau ist bisher nur als Bazillenträgerin anzusehen. Ein Grund zur Beunruhigung liegt nicht vor. j

.

Verdingungen im Auslande.

(Die näheren Angaben über Verdingungen, die beim „Reihs- und

Staatsanzeiger" ausliegen, können in den Wochentagen in dessen

Expedition während der R von 9 bis 3 Uhr eingesehen werden.

Oesterreich-Ungarn.

__ Lingstens 29. September 1909, 12 Uhr. K. K. Ministerium für öffentlihe Arbeiten in Wien: Lieferung von Brenn- materialien, darunter preußisch-\{lesis{he Steinkohlen. Näheres beim Depaktement 1V þ des vorgenannten Ministeriums und beim „Reichs- anzeiger“. y L

Längstens 12. Oktober 1909, Mittags. K. K. Generaldirektion der Tabakregie in Wien: Lieferung von Drahtstiften. Näheres bei sämtlichen K. K. Tabakfabriken, beim Expedite der vorgenannten Be- hörde und beim „Reichsanzeiger“.

Theater und Musik.

Lessingtheater.

Marx Dreyers dreiaktiges Schauspiel „Des P arrer? Tochter von Streladorf“, das am Donnerstag im Lessingtheater zum ersten Male aufgeführt wurde, erwies sich als ein Stück, das seiner Wirkung auf der Bühne sicher ist. Breit und behaglih, wie ein ländlihes IdyU, seßt es ein, und etwas wie Neuterhumor geht von dem geschilderten mecklenburgischen Pfarrhause und feinen Be- wohnern aus. Aber der Konflikt, der dem Stücke die ernste Wendung ibt, kommt doch recht gewaltsam zu stande, und um das Psycholo ishe, das “dabei in Fräge kommt, ist & nicht zum beten bestellt. Die resolute Pfarrerstohter is mit einem Privatdozenten verlobt, einem geschniegelten, \treberishen Ge- sellen, der in das fast bäuerlihe Milieu des a \chlechter- dings nicht hineinpaßt. Was die beiden Menschen zusammengeführt hat, bleibt ebenso râtselhaft, wie das, was vorgeht, unmotiviert er- cheint. Das Paar steht kurz vor der Hochzeit, die stattfinden soll, sobald der Privatdozent eine ihm bereits so gut wie gesicherte Pro- fessur erlangt hat. Dieses wiederum hängt nur von der Fürsprache eines hohen Gönners, eines berühmten Archäologen ab. Da kommt die Johannisnacht heran, die auf der Bühne hon manchem Mädchen verhängnisvoll wurde; das Paar ist jufâllig allein im arr- hause, und das Unglück geschieht. Aber {hon am nächsten Tage erhält der Privatdozent von seiner Braut den Laufpaß, denn er hat in einer Unterredung mit dem Wirklichen Geheimen Rat, von dem seine Ernennung zum Professor und Prinzenerzieher abhängt, seine wissenschaftliche Üeberzengung um seiner Karriere willen geopfert. So stehen die Dinge am Ende des zweiten Akts. Am Anfang des dritten, der einige Wochen später spielt, kommt ein neues Moment hinzu. Das Mädchen fühlt fich Mutter und zieht in ihrer Herzens- angst ihren älteren Bruder ins Vertrauen, der den entlassenen Bräutigam noch einmal in das Pfarrhaus zitiert. Noch einmal fommt es zu ciner Aussprache zwischen diesem und der Pfarrerstochter. Der Privatdozent benimmt sich zwar korrekt, er ist bereit, die Folgen seiner Tat zu tragen, das Mädchen zu ehelichen, das er in Not brachte, sie aber weist ihn abermals zurück, weil sie die Erbärmlichkeit seines Charakters und die Niedrigkeit feiner Gesinnung erkannt hat, und beschließt, ihr Geschick mutig zu tragen, was ihr um so leichter gelingen wird, als die Ihrigen fte nicht ver- stoßen. Das alles wirkt aut der Bühne, zumal wenn es so vollendet dargestellt wird wie im Lssingtheater, recht gut, erweckt Spannung und löst Rührung aus, aber überzeugend ist es keineswegs. Immer wieder drängt fich die Frage auf, warum das so kommen mußte. Ein Mädchen, das einen Mann liebt, liebt ihn auch mit seinen Shwächen, und ein gar so furchtbares Verbrechen hat pee wie die Sache ge- schildert ist, niht ‘einmal begangen. Aber es ist auch bei den Neben- figuren, namentlich bei einem anderen in gewissem Gegensaß zu diesem gestellten Brautpaar, manches verzeichnet. So kann das Ge- famturteil über das Stü nur lauten : theatralisch gut, dichterif verfehlt. Gespielt wurde, wie \hon angedeutet, ausgezeichnet, sowoh von Fräulein Herterich, die die Titelrolle gab, wie von Herrn Stieler S, Eine Frayisgur war der derbe mecklenburgische andpfarrer des Herrn Marr, ein kleines Kabinettstück der Charakte- ristik Froböses Wirklicher Geheimer Nat. Frau Orloff, die Os Meonnard, Gebühr und Forest ergänzten in gleihfalls wichtigen Rollen das Zusammenspiel auf das beste.

Schillertheater Charlottenburg.

Das Sthillertheater hat Kleists ,Kätchen von Sonn im alten Hause in der T früher besser und der zarten Mädchenpoesie des Stücks würdiger herausgebraht als gestern auf der großen Charlottenburger Bühne. Der Gefamtaufführun fehlte die Stimmung und die rechte Weihe, sie war zu materiell, un man sah, wie z. B. bei dem Schloßbrande, den Bühnenapparat zu deutlih arbeiten. Aber einzelne {chöne Einzelleistungen entshädigten für das, was eine allzu sorglose Regie versehen hatte. An erster Stelle ist das herzige Kätchen Gusti Beckers zu erwähnen. Sie traf den rechten kindlichen, hingebenden Ton und ließ besonders in den Szenen mit Gott|halk auch den Humor zu seiner Wirkung kommen. Auch Herrn Paeschkes mannhafter Wetter vom Strahl hatte viel gewinnende Sen und für den S brachte Herr Pategg die erforder! S ofis urwüchsiger derber Bieder- feit auf. Die böse Kunigunde hatte in Dedwig Pauly ebenfalls eine vortrefflichße Vertreterin. Unter den anderen Mitwirkenden sei no

des Herrn Bernecker wegen seiner guten Leistung als Theobald mi Anerkennung gedacht.

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