1889 / 180 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Jn der Ersten Beilage des „Reihs- und Staats- Anzeigers“ befinden fih: A. Zusammenstellung der Resultate der von den General-Kommissionen im re 1888 aus- geführten Regulirungen, Ablösungen und Gemein- heitstheilungen, mit Hinzurehnung der Resultate aus den Vorjahren bis Ende 1887, B. Zusammenstellung der bei den General-Kommissionen im Jahre 1888 anhängig gewesenen Geschäfte und C. Zusammenstellung der von den General-Kommissionen im Jahre 1888 ausgeführten Zusammenlegungs-Sachen.

Magdeburg, 31. Juli. Ueber die ra Luna der Gebeine des auf dem alten Begräbnißplag hierselb beerdigten ehemaligen französishen Generals und Ministers des Jnnern Carnot meldet der „Magdeburger Anzeiger“: Mit der Ausgrabung der Gebeine Carnot's wurde heute früh um 5 Uhr begonnen. Zu dieser Stunde hatten sih die Delegirten der französishen Regierung, die Herren de Lacroix und Silvestre, der Ober-Präsidial-Rath von Arnstedt an Stelle des abwesenden Ober-Präsidenten als Vertreter der deutshen Re- gierung, der Ober-Bürgermeister Böttiher mit mehreren Stadträthen, Stadtverordneten, einige Aerzte, Vertreter der deutschen und französischen Presse, insgesammt etwa 40 Per- sonen, eingefunden. Polizeikommissare, Schußleute, sowie eine Abtheilung Soldaten führten in und um den Kirchhof die Aufsicht. Bevor die Ausgrabung begann, richtete Hr. de Lacroix an den Ober-Bürgermeister Bötticher in französi- her Sprache das Ersuchen, den Beweis zu führen, daß das in Rede stehende Grab wirkli<h die Gebeine Carnot's ent- halte, was von diesem bejaht und mit der Verlesung nah: folgender Urkunde belegt wurde:

: : Magdeburg, den 10. Oktober 1832.

Auf Befehl Königl. wohllöbli<er Polizeibehörde sollte der Leichnam des am 2. August 1823 hierselbst verstorbenen und im Todtengewölbe der St. JIohanniskir<he beigeseßten vormaligen fran- zösischen General-Lieutenants und Ministers des Innern

Lazare Nicolas Marguerite Carnot

beerdigt werden. Hierzu war der heutige Abend beftimmt und ver- fügte sih der Unterzeichnete in Gemeinschaft des hierzu beauftragten Königl. Polizei-Kommifsars Herrn Neumann, des Herrn Dr med. Dynnebier und des Kaufmanns Hecrn Carl Gottlieb Lindstedt um 9 Uhr Abends in das Johannis Todtengewölbe. Hier ward der Sarg, welcher die irdishe Hülle des Verstorbenen barg, vorgebra<t, der äußere, ein Holzsarg, geöffnet, in demselben ein Zinnsarg gefunden, auf wel<em eine Zinnplatte lag, mit der Aufschrift :

Carnot, Lazare Nicolas Marguerite, Lieutenant général des Ármées françaises a Nolay en Bourgogne, le 13, Mai 1753.

i mort a Magdeburg le 2. Août 1823,

Diese Platte war aus ihren Stiften gegangen und ward von dem Todtengräber der St. JIohannisgemeinde Rose abgenommen und im Gewölbe niedergelegt. Hierauf ward der De>el des Zinnsarges ab- genommen, während vorher das Gewölbe dur<hräuchert und dur

Abbrennen von Pulver von shädlihen Dünsten befreit worden. Es

batten si< inzwishen mehrere Personen eingefunden, unter ihnen der

Dr. med. Herr Michaelis und der Wundarzt Herr Grosch 2c.

Der Todtengräber Rose enthüllte das Gesiht des Verstorbenen von der den Körper umgebenden Masse und alle Anwesenden recognoscirten den Leihnam und das wirklide Vorhandensein des- selben im vorgebra<hten Sarge.

._ Nach dieser Anerkennung ward der innere, sowie der denselben ums{ließende äußere Sarg sorgfältig zugemaht und auf den Leichen- wagen gebra<t, mit welchem er, dem Range des Verstorbenen gemäß, nah Erster Classe auf dem allgemeinen Friedhofe der Stadt Magde- burg vor dem Hohenpforten- und Krökenthore belegen, im Quadrat 7 Ostseite dem Scooße der Erde übergeben und in cin mit Blumen ges<müdtes Grab gelegt.

Gegenwärtiges Protokoll haben die oten genannten anwesend gewesenen Herren selbst dur<gelesen und dur< eigenbändige Unter- \<rift vollzogen.

Neumann. D. Dynnebier, F, G. C. Lindstedt. Grosch. Dr. Michaelis.

G. w. o. Der Leichen-Commifsarius (L. S.) Lincke,

Auszu aus dem Kirchenbuche der Et. Marienkir<e zu Magdeburg.

Der Generallieutenant der französis<hen Armee Lazare Nicolas Marguerite Graf von Carnot, fatholisher Confession, Wittwer, ge- boren am 13. Mai 1753 zu Nolay in Bourgogne, ift gestorben am 2, August Abends 8 Uhr im Jahre 1823 an Alteres{<wäche und be- erdigt am 5. August im neuen Gewölbe der Jobanniékir>e. Er wohnte Schulstraße 15. Seine Söhne sind: Sadi, damals 27 Jahr alt, Major vom Stabe (in französischen Diensten) und Lazare Hippolyte, damals 22 Jahr alt. Die Todesanzeige wurde dem damaligen hie- sigen Pfarrer Deleker von dem jüngsten Sohne s\<hriftlih zugestellt und ¿war erst am 6. September 1823.

Nach Entfernung des schlichten, nur den Namen „Carnot“ tragenden Leichensteins begannen die Ausgrabungsarbeiten, an denen fih im O bis zu einer Tiefe von ungefähr 4 Fuß, mehrere Arbeiter betheiligten, die von da ab aber ab- wecselnd nur von einem derselben verrihtet wurden. Gegen 10 Uhr ftieß man in einer Tiefe von 4!/, m endli auf den äußeren, reih mit neusilbernen Beschlägen verzierten eichenen Sarg, dessen Holz bereits zum Theil morsh<h war und daher nur stü>weis an die Oberflähe befördert werden fkonnte. Dagegen befand sh der in dem eihenen Sarg enthaltene Einsay aus Kiefernholz, dessen innere Seiten mit starkem Zinnbleh ausgeschlagen waren und welcher die Leiche enthielt, noh in gut erhaltenem Zustande. Nur der aus Zinn bestehende Dedel war dur Schäden an der Löthung eingefallen, sodaß nah Beseitigung des Erdreichs und vollständiger Freilegung des Kastens einzelne Theile der Leiche von oben sichtbar waren. Nachdem den Arbeitern größte Sorgfalt empfohlen, wurde nunmehr von einem derselben die Leiche in dem kiefernen Behälter heraus- gehoben. Nach erfolgter Reinigung des erhaltenen Sarges wurde derselbe sodann von aht Personen nah der Kapelle getragen und neben derselben im Freien aufgestellt, wo derselbe bis nah erfolgter Neueinsargung verbleiben wird. Bis zur feierlihen Uebergabe wird die Leiche von zwei Ehrenposten militäris< bewacht sein. Bis morgen Mittag, 11 Uhr, muß die Neueinsargung bewerkstelligt sein, weil zu jener Zeit der Bruder und der Sohn des Eo Präsidenten Carnot sowie der Seinepräfekt Poubelle hier eintreffen werden. Am 2. August, findet alsdann unter militärischen Ehren die Ueber- führung der Leiche nah dem Bahnhof statt.

Kiel, 31. Juli. (W. T. B.) Die russis<he Yacht „Dershawa“ hat mit Sr. Königlichen Grei b #6 - ICTEs L Jt rer E CGen P E R eBRersogin

edilenvurg-Shwerin an Bord heute Nachmitta V Uhr die Reise nah Kronstadt Satt 9 9

Sachsen. Dresden, 31. Juli, (Dr. J.) Jhre König:

Prinzessin Mathilde und der Prinz Albert find heute von Freiburg im Breisgau in der Villa zu Hosterwiß wieder eingetroffen.

Württemberg. Stuttgart, 1. August. (W. T. T, Wie der „Staats- iger für Württemberg“ berichtet, hat si Se. Majestät der König au in diesem Jahre einer Massage- kur bei dem Dr. Röchling unterzogen. Der Erfolg ist sowohl für das Allgemeinbefinden als au<h in Rü>siht auf die neu g ges Beschwerden ein günstiger. ¡Heute ift der König nah Bebenhaufen abgereist.

Baden. Karlsruhe, 30. Juli. (Karlsr. Ztg.) Gestern Vormittag traf Se. Hoheit der Fürst von Hohenzollern aus Badenweiler, wo Höchstderselbe seit einiger Zeit bei seinem Bruder, Sr. Majestät dem König von Rumänien, sich aufhält, zum Besuch bei den Höchsten Herrschaften in Freiburg ein. Se. Hoheit verweilte etwa zwei Stunden bei Höchstdenselben und begab si< dann na<h Umkirch zu Höchstjseiner Mutter, Jhrer Königlichen Hoheit rin Josefine. _

1. August. (W. T. B.) Der günslige Zustand in dem Befinden Sr. Königlichen Hoheit des Erbgroßherzogs besteht fort. Der Hustenauswurf ist in langsamer Abnahme. Die Ausgabe tägliher Bulletins is eingestellt.

Me>elenburg - S<hwerin. Schwerin, 31. Juli. Se. Königliche e der Großherzog und e Kaiserliche Hoheit die Großherzogin haben ‘ihre zu gestern in Aus- siht genommene Reise nah St. Petersburg wegen des un- günstigen Wetters vershoben und sind erst heute na< Kiel gereist, um von dort an Bord der Yacht „Dershawa“, welche Se. Majestät der Kaiser von Rußland zur Verfügung gestellt hat, sih nah St. Petersburg zu begeben. Die Ankunft in Kron- stadt steht Sonnabend Nachmittag oder Sonntag Vormittag zu erwarten. Während der bevorstehenden Truppen-U ebungen wird Se. Königliche Hoheit der Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, in seiner Eigenschaft als General- Au pecteur der I. Armee-ZJnspektion, an einzelnen Orten des roßherzogthums zu Besichtigungen erwartet. Nach den bisher getroffenen Dispositionen wird Höchstderselbe am 19. August in Parchim eintreffen, si< am 20. von da nah Rosto> begeben und am 22. in Güstrow sein.

Sachsen - Weimar - Eisena<h. Weimar, 31. Juli, (Th. C.) Am Großherzoglihen Hofe in Wilhelmsthal wird heute der Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Erbgroßherzogs gefeiert.

Oesterreich - Ungarn. Wien, 31. Juli. (Wien. Ztg.)

e Kaiserli<h Königliche Hoheit die Kronprinzes}in-

ittwe Stefanie ist heute nah Ostende abgereist. Die Erzherzogin - Tochter Elisabeth verbleibt vorläufig in L Le nburg und dürfte sih gegen Mitte August nah J\<!l egeben.

Der Landtags-Abgeordnete Freiherr von Rapp-Heiden- burg ist zum Landeshauptmann in der gefürsteten Grafschaft Tirol und der Landtags-Abg. Dr. Karl von Hepperger zu rena Stellvertreter in der Leitung des Landtags ernannt worden.

1. August. Car T. B.) Der Minister des Jnnern hat die Auflösung des Shulvereins für Deutsche wegen Ueberschreitung des statutenmäßigen Wirkungs- kreises verfügt.

Hermannstadt, 1. August, (W. T. B.) Der Erz- herzog Albrecht, welcher, auf einer Jnspektionsreise in Siebenbürgen befindlih, vorgestern wegen Unwohlseins der Truppenparade nicht beiwohnen konnte, hat sih wieder erholt. Das Reiseprogramm desselben is dahin abgeändert, daß die Reise nah Kronstadt unterbleibt und der Erzherzog am Sonn- abend über Arad die Rü>reise antritt.

Großbritannien und Jrland. London, 31. Juli: (A. C.) Die Königin überreichte dem Schah von Persien bei seinem Abschiede in Osborne ihr Bildniß, in Brillanten gefaßt, und dem persishen Großvezier die Jnsignien des Bath:-Ordens erster Klasse. __— 31. Juli. (W. T. B.) Das Unterhaus hat heute die Apanagenbill, deren Ablehnung der Deputirte Wallace beantragt haite, in zweiter Lesung ohne besondere Ab- stimmung genehmigt. Nah Annahme der schottischen Universitätsbill in dritter Lesung wurde die Bill, betreffend die Zurückziehung leihter Gold- stüde aus dem Verkehr, in zweiter Lesung ge- nehmigt. Jm Verlauf der Berathung erklärte der Kanzler der Schaßkammer, Goschen: es handele sich dabei um die Zurückziehung von 4 295000 ganzen Sovereigns und 157 000 halben Sovereigns aus der Regierungszeit früherer Herrscher. Gleichzeitig sprach derselbe die Hoffnung aus, im Hause im nächsten Jahre eine größere, die gesammte Frage der Goldmünzen behandelnde Vorlage einbringen zu können. 1. B, (W. T. B.) Bei dem gestrigen Jahres - banket im Mansion House hielt Lord Salisbury eine Ansprache, in welcher er sih bezüglih der Unruhen auf Kreta dahin äußerte, daß dieselben ernste Besorgnisse nicht T Im Namen der englischen Regierung wünsche er kategorish zu erklären, daß sie kein Ver- langen trage, Kreta zu besißen, Jn Betreff Egyp- tens lagle Lord Salisbury: das gegenwärtige Auftreten der Derwi]che daselbst beweise, daß der Zeitpunkt zur Räumung g Ag no< ni<ht ge?ommen my England werde seine Verpflihtung erfüllen, Egypten nicht eher zu verlassen, als bis es im Stande sei, fich allein gegen seine inneren wie äußeren Feinde zu \{<ügen. en Gedanken, daß England mit Gleihmuth den Vor- gängen in Ost-Europa zusehe oder Unternehmungen zulasse, ohne Einspru<h zu erten oder seinen entgegenstehenden Willen zu manifestiren, wies Lord Salisbury entschieden zurü>. England könne seiner her- gebrachten Politik und seinen feierlihen Verpflichtungen, die es Europa gegenüber übernommen habe, niht entsagen, ohne seinen Einfluß zu opfern. Der erste Gegenstand der eng- lischen Politik fei die Erhaltung des Friedens, aber ohne Opfer an Ehre. Lord Salisbury {loß mit der Erklä- rung, daß die ngeheuaen Rüstungen von heute eine wihtige Garantie des Friedens bilden. Der Krieg würde fh L fürchterlicher sein, daß die Nationen davor zurüd>- reden.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 1. August.

lichen Hoheiten der Prinz Georg, Herzog zu Sachsen, die

weist mit anerkennenden Worten auf Lord Salisbury's Rede in der Oberhaúsfitung vom 29. v. M. - hin und be- merkt: Lord Salisbury habe der korrekten Haltung Rußlands in den Angelegenheiten der Balkan-Halbinsel Gerechtigkeit widerfahren lassen. Es sei zu wünschen, daß die Worte Salisbury's dazu beitrügen, in gewissen politischen Kreisen, welche bis jeßt in diejem Punkte augenscheinli<h gegen: theiliger Anschauung gewesen seien, eine gerehtere Beurtheilung herbeizuführen. Die Rede scheine au<h den Zwe> gehabt zu haben, den pessimistishen Tendenzen, welche in der leßten Zeit geherrsht hätten, entgegenzutreten. Es wäre in dieser Be- ziehung zu wünschen, daß das gewollte Resultat au<h erreicht werde.

__ Na@< Meldungen aus Bukhara if unter den Sarten eine große Sterblichkeit eingetreten. Offizielle Berichte besagen, es seien, Kinder ungerehnet, vom 14. bis zum 17. Juli d. J. 702 Personen gestorben; die Einwohner hielten S den Häusern eingeschlossen; es herrsche eine tropis<e

ige.

Italien. Rom, 31. Juli. (W. T. B.) Laut Meldung der „Agenzia Stefani“ aus Coni hätten die Justizbehörden die Freilassung des französishen Offiziers de Grandmaison angeordnet; derselbe würde über die Grenze gebracht werden.

_ Griechenland. Athen, 31. Juli. (R. B.) Die Ab- reise der kretensishen Kommission, welche sich nah Konstantinopel begeben sollte, um dort über die verlangten Konzessionen zu unterhandeln, hat sih vers<hoben, da bei der Wahl der Mitglieder Schwierigkeiten ein- getreten sind.

__ Schweden und Norwegen. Sto>holm, 30. Zuli. (F.) Die Kronprinzessin hat, wie bereits gemeldet, ihre Brunnen- und Badekur in Franzensbad beendet und fi<h in diesen Tagen zur Nahkur nah Reichenhall in Oberbayern be: geben. Wie „Post o< Jnr.-Tidn.“ meldet, ist na< einer ärztlihen Konjultation in Franzensbad zwishen dem Professor Bruzelius aus Stocholm, dem Geheimen pas Kußmaul aus Heidelberg und dem Badearzt Rein der Kronprinzessin auf das Entschiedenste angerathen worden, den Winter in einem milderen Klima zu verleben, um einer. Vershlimmerung des beshwerlihen <roniscen Lungenkatarrhs vorzubeugen, an welchem die Kronprinzessin seit vielen Jahren gelitten hat. Die Aerzte haben dabei als den passendsten Kurort Meran empfohlen.

Dänemark. Kopenhagen, 1. August. S T. B) Der König von Griechenland und der Kronprinz von Dänemark sind heute Vormittag aus England hier eingetroffen.

Amerika. Am 14. Oktober d. J. soll, wie der „Hann. Cour.“ mittheilt, in Washington ein groß:r Kongreß sämmtliher amerikanishen Staaten zusammen- treten, dessen frele au< in Europa ernste Bea&Hhtung ver- dienen. Das Programm des Kongresses, dessen Einberufung von der Regierung der Vereinigten Staaten Nord-Amerikas aus- geht, umfaßt die nachstehenden Punkte: Maßregeln zur Siche- rung der gedeihlihen Entwi>elung der amerikanishen Völker und Vorkehrungen zu wirksamem Widerstande gegen alle Seitens europäischer Staaten beabsichtigten Uebergriffe in amerikanishen Angelegenheiten ; Einführung eines häufigen Dampsschiffverkehrs zwishen den Häfen aller verbündeten

Staaten; Vereinheitlihung der in den verschiedenen Staaten bestehenden Zollvorschriften und Feststellung einer gemeinsamen Zollgrenze; Einführung eines internatio-

nalen Gewichtes und Maßes und Vereinbarung inter- nationaler Maßregeln für den Schuß der Person und des Eigenthums, sowie bezüglich des Fabrikmarkenschugzes ; Einfüh- rung einer gemeinsamen Geldmüinze, Einseßung eines Schieds- gerichts für alle zwischen amerikanischen Staaten entstehenden Streitigkeiten; Erweiterung und Vervielfahung der Beziehungen zwischen den an diesen Vereinbarungen theilnehmenden Ländern. Prüft man das wahre Wesen dieses Programms, so stellt fi als Us des bevorstehenden Kongresses die Herstellung eines wirths<haftlihen Staatenbundes dar. Den bis- her vorliegenden Anzeichen nah zu schließen, beabsichtigt die Mehrzahl der romanishen Vöiker Amerikas an dem Kongresse theilzunehmen.

Afrika. Eaypten. Nach einer Meldung des „Reuter schen Bureaus“ aus Toski, vom 30. d. M., hat Lieutenant Da- guilar mit einer Abtheilung egyptisher Kavallerie, einer Compagnie egyptisher Jnfanterie und einer Maulthier- Batterie einen Trupp von Derwischen bei Anabi an- gegrn und in die Flucht geshlagen. Der Verlust der Der- wische beläuft si<h auf 70 Todte und 80 Gefangene. Von den San sind 3 Mann getödtet, 2 eingeborene Offiziere und 6 Mann verwundet.

Heitungsftimmen.

__ Der Besu Sr. Majestät des Kaisers und Königs in England giebt der „Danziger Allgemeinen Zei- tung“ Anlaß zu folgenden Betrachtungen :

„Kaum von seiner Nordlandsfahrt zurü>gekehrt, tritt unser Kaiser na< kurzer Rast in Wilhelmshaven, die überwiezend den Staats ges<äften gewidmet war, die Fahrt nah England an. Gleichwie im vorigen Jahre den nördlihen Höfen und denen von Wien und Rom will der Kaiser nun au<h dem Königlihen Hofe von Großbritannien. seinen Besuch abstatten. Das Gebot fürstliher Höflichkeit, welhem der Kaiser damit genügt, wird in England wohl gewürdigt: es ist das erste Mal, daß ein Deutscher Kaiser den Boden Grof- britannicns betritt, _zugleih aber au< das erfte Mal, daß eine fremde, zumal eine deutshe Flotte in solher Stärke vor Osborne erscheint, wie die beiden Gescwader, welhe Kaiser Wilhelm dem Zweiten das Geleit über das Meer geben. Seitens der englisden Regierung ist alles aufgeboten worden, um den mäh- tigen Herrscher, wel<hen die Nordseewogen hinüber an das britische Gestade tragen, würdig zu empfangen, namentli ift bei Portsmouth eine so große Flotte versammelt worden, wie England sie noch nie unter seiner Flagge vereint e, und für deren Besatzung die vor- handenen Kräfte kaum ausreihen. Nicht an Zahl, aber an Qualität vollkommen ebenbürtig s<licßen si an die langen Reihen der eng- lischen Geshwader die zwölf deutshen Schiffe an, und es ift nicht ohne Bedeutung, daß der erste Deutsche Kaiser, welcher seinen Fuß auf britishe Erde seßt, in der Uniform des Admirals an der Spihe eines solchen Geleits erscheint.

Als unser Kaiser vor zwei Jahren, damals no< Prinz Wilbelm, sich zum Jubiläum der Königin Victoria nah Großbritannien begab,

(W. T. B.) Das „Journal de St. Pétersbourg“

legte er die Reise mit seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, in einem Torpedo-Divisionëbcot an der Spitze ciner kleinen Schaar von

Torpedoschiff{en in besbleuni

ter Fahrt üher die Nordsee zurü. Einzelne Schiffe der deutshen Flotte, auh ere Geshwader haben {on oft in den legten zwanzig Jahren die englischen Häfen besucht, aber die Ueberraîhung der Engländer über das fühne Unternehmen des Prinzen Wilhelm war keine geringe, zumal na< dem offenen Ge- ständniß britisher Seeleute die englishe Marine damals wenig- stens zu einer solchen Leistung niht befähigt war. Umsomehr wird das jeßige Erscheinen des Deutschen Kaisers die Engländer daran erinnern, daß Deutschland auf dem Meere wie in den fremden Weslt- theilen ihr Nachbar geworden ift. e. e Sn seiner insularen Abgeshlossenbeit na< den bisherigen Er- fahrungen für einen Feind kaum erreichbar, liegen die verwundbaren Punkte Großbritanniens in seinem über die ganze Erde zerstreuten Kolonialbesiß. Deutschland, indem es aus wirthschaftlichen, sozialen und politishen Gründen si< entshloß, in anderen Theilen der Erde seine Flagge aufzupflanzen, will damit niht die Zahl seiner Gegner vermehren, ebensowenig kann England wünschen, daß Deutschlands verchtigtes, wenn auch erst so spät geltend gemachtes Bestreben, \ih einen Antheil am Kolonialbesitz zu sichern, es in die Reihen der Gegner Englands führe. Beide Nationen sin» im Gegentheil darauf an- gewiesen, si< in der Kulturarbeit fremder Welttheile gemeinsam zu fördern und zu bethätigen, und je höher entwid>elt das englise Kolonialwesen ist, um so weniger hat es ein Interesse daran, die mühsamen Anfänge Deutschlands zu ershweren. Je freundliher und éceundnabarither England fich zu den deuts<en Bestrebungen fiellt, um so lebhaftere Sympathien, um so aufrichtigere Eckenntlichkeit wird cs damit im deutshen Volk we>en und so die Bande der Interessen verstärken, durh welhe England und Deutschland in Furopa fo vielfa aufeinander, und namentli< England auf Deuifch- land, angewiesen sind. : / ;

Der Besuch Kaiser Wilhelm's hat niht den Zwe>, die Tra- ditionen von Bellealliance zu erneuern, er ist wie gesagt ein Gebot fürftlitder Höflichkeit. Aber wenn der Eindru> dieses Besubs8 und der nbli> der deutsben Seemacht dea Engländern nahelegt, Deutschland gegenüber überall ein freundschaftliches Einvernehmen zu bethätigen, so würde ein sol<hes Ergebniß gewiß beifälligst im deutschen Volk begrüßt werden, wel<es feinem in Erfüllung seiner Pflichten unermüdlichen Kaiser von Herzen: Meeresftille und glüd>- lihe Fahrt! zuruft.*

Jn einem Artikel des Londoner „Standard“ zur Be- grüßung Sr. Majestät des Kaisers heißt es :

„Der Deutsche Kaiser verläßt heute Wilhelmshaven an Bord der Kaiserlihen Yacht „Hohenzollern“ und begiebt si direkt nah Spit- bead, wo Allerböcstderselbe bei seiner Ankunft mit Königlichen Ehren pon der mättigiten Flotte begrüßt werden wird, die je gebildet worden it, Des Kaisers erfter Bejuch in England seit seiner Thronbesteigung ¡t ein Ereigniß, defsen Bedeutung in keiner Weise dadur< gemindert wird, daß es niht von glänzenden Kundgebungen begleitet sein wird. Der Kaiser kommt, um in erfter Linie der Königin einen Besuch zu machen uyd dann, um mit eigenen Augen \sih von der Bedeutung and Leistungéfähigkeit der Armee und Marine Englands zu über- zeugen und diese seinem eigenen Urtheile gemäß zu würdigen. Von der Königin und den Mitgliedern der Königlichen Familie wird der Kaiser auf das Herzlichste bewilllommnet werden, wie ja au der Thronerbe ihn zuerst in den britishen Gewässern begrüßen wird. Vir glauben, daß Kaiser Wilhelm, obglei< dur<aus praktis und entschloffen, do<h etwas von jener Eindrucksfähigkeit be- sigt, die der Jugend nur selten fehlt, und was er in Osborne, in Spitbead und Aldershot sehen wird, wird wahrlich keinen geringen Eindru> auf ihn machen. Der Kaiser kommt zum erften Mal ais ein mächtiger Herrsher na< England, aber der Enkel der Königin Victoria kann von dem englishen Volke nie anders als ein halber Engländer betrachtet werden, wie dasselbe au< nie vergessen hat, wie viel teutonishes Blut in seinen eigenen Adern und in denen der Mitglieder der Königlichen Familie rollt. Die Politik und das Geschi> der Nationen kann niemals dur verwandts{aftli<he Bande der Fürsten und Dynastien allein geleitet und bestimmt werden, aber derartige Bande sind deshalb weder werthlos no< ohne Ein- fluß. Sie mildern Friktionen und- crleihtern das Verständniß ¡wischen den verschiedenen Staaten; sie ma<en es den Lerrschern mögli, si in direkte und vertraulihe Verbindung mit einander zu seßen zur Erhaltung des Friedens und zur Beförderung gemeinsamer Interessen, falls der Friede der Welt bedroht sein sollte. Niemand, der in irgend einer Weise den Vorhang lüften konnte, hinter wel<hem die grofen internationalen Fragen verhandelt werden, wird daran zweifeln, daß die Zusammenkünfte und Correspondenzen mächtiger, wenn auch fonstitutioneler Herrsher die Angelegenheiten der Nationen zum Guten oder Stlechten beeinflussen können. |

Glüdliherweise sind zwischen England und Deutschland keine ernsten Differenzen zu {lihten. Das Havptinteresse beider Nationen ist das nämliche : die Achtung bestehender Verträge und die Erhaltung der jet bestehenden territorialen Verhältnisse in Europa. Beide sind deshalb konservative Mäthte, beide wiffen aber auch, daß ihre konser- vative Politik niht überall Anklang findet, und daß, wenn sie den Frieden erhalten und die beftehenden Vertcäge geachtet wissen wollen, sie im Stande sein müssen, jeden Eingriff zu verhindern und nöthigen- falls zu bestrafen. Der Deutsche Kaiser ist zu Hause faft unaufhörlich damit beschäftigt, die Schlagfertigkeit, welhe Deutshland si erworben, tis ins Kleinste zu vervollkommnen, und bei seiner Ankunft bier ist e nur natürlih, daß er \si< mit eigenen Augen davon überzeugen will, ob England seine Pflicht in dieser Beziehung ni<t verna<hr lässigt hat. Wenn der Kaiser die Geshwader bei Spithead besihtigt haben wird, wird er s< fein eigenes Urtheil bilden können. Zu Lande können wir freili< nichts bieten, was einen ähnli<en Eindru> machen könnte, und wir möchten Deutsch- land gegenüber ni<t behaupten, daß der Mangel an Quantität durh die Qualität gut gemacht werde. Aber auch in leyterer Be- ¡iehung glauben wir ni<ts von einer kritishen Besichtigung ¿u fürhten ¿u baben. Nichts kann unserer Meinung nah den günstizen Erfolg dieses so lange erwarteten Besu<s in Frage stellen, und derselbe wird jedenfalls die persönlichen und politis<hen Bande, welche England mit Deutschland verbinden, nur kräftigen können.“

_ Das „Dresdener Journal“ knüpft an die Rede Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig von Bayern fol- gende Bemerkung : __ »Die von warmem Nationalgefühl und kraftvollem Selbstbewußt- sein getragene Rede wird jedenfalls au< in einigen unserer Nachbar- staaten, wo man noch immer nicht an die Festigkeit des seit 2 Jahr- ¡ehnten fast alle deuts&en Stämme einigenden neuen Deutschen Reichs glauben will, verstanden werden und dazu beitragen, die Unzuverlässig- keit etwaiger auf die deutsche Uneinigkeit aufgebauter Berehnungen deutlich darzulegen. Der freudige Widerhall, den die Worte tes

rinzen in den Herzen allec Deutshen gefunden haben, wird den Gegnern der deutschen Einheit zeigen, ab ih das e deutsche Volk eins weiß mit seinen Fürsten und daß selbft Gegensäte, die ehedem vielleicht bestanden haben, endgültig beseitigt sind dur< den festen Willen deutscher Treue, dur die Lebendigkeit deutschen National- „gefühls und deutsher Vaterlandsliebe.“

Statistik und Volkswirthschaft.

Die Sozialgeseßgebung

findet in dem Jahresbericht der Handelskammer in Kiel für 1888 folgende warme Anerkennung : :

eDie Regierung unseres jetzigen Kaisers hat au< insofern die Traditionen der bisherigen Reichspolitik fortgeführt, als sie im Innern ihr Ziel vor allem auf cine Verbefserung der wirths<aft- lihen Verhältnisse der unteren Volksklassen richtete. In weiser Beschränkung auf das dur<haus Nothwendige und sicher Erreichbarc ist dieses Ziel verfolgt worden. In der Aller-

höchsten Thronrede vom 22. November v. J. heißt es ausdrüd>li< : „Ih gebe mih der Hoffnang ni<ht hin, daß dur gesey- lihe Maßnahmen die Noth der Zeit und das mens<hlihe Elend sich aus der Welt schaffen laffen.“ Dieser ni<ht aufmerksam genug zu beherzigende Gesichtspunkt ift beftimmend gewesea für die Behand- lung der im Laufe des jüngsten Jahres in die Hand genommenen Frage der Alters- und Invaliditätsversicherung der Ar-

eiter. Unsere Reichsregierung hat damit ein Werk dur<hzuführen gesuht, dessen Dringlichkeit für Jeden, der die Zeichen der Zeit zu Icsen versteht, niht zweifelhaft sein kann; sie hat den arbeitenden Klassen eine Hülfe zu Theil werden lassen, welhe denselben auf anderen Wegen niemals geboten werden konnte; sie hat sih jedo vor einem Zuviel in der Belastung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern und, hiermit im Zusammenhang stehend, in den Leistungen der Versicherung gehütet, um die darüber binausgehende Bethätigung der Selbsthülfe und des Gemeinsinnes nicht zu unterbinden. Na<h Ueberwindung gewaltiger Schwierigkeiten ist es gelungen, den großen gefey- A en Pian zur Verwirklihung zu bringen, die Atters- und Invaliditätsversiherung von elf Millionen deutsher Arbeiter in den Rahmen eines Gesetzes zu fassen. Es ift dies das erste wichtige Geseß, wel<hes die Unterschrift des Kaisers Wilhelm I. trägt, und es ift eines der bedeutsamsten Geseßze überhaupt, wel<es jemals erlassen worden. . . . Gegenüber gewifsen formalen Unvoll- fommenheiten deéfelben darf man wohl darauf hinweisen, daß ein sol<hes Gese niemals ohne viele derartige Mängel bleiben kann, Mängel, die erft dur die praftishe Anwendung abgestellt zu werden vermögen. Wie der Endzwe> dieser Gesetzgebung über jeder Kritik erhaben steht, so läßt sih annehmen, daß bei gutem Willen innerhalb der Bevölkerung das neue Gefeß si< als ein ver- wendbares, wenngleich in einzelnen Stü>en abzuänderndes, erweisen wird, dessen scgensrei@e Folgen mebr und mehr zur Erscheinung gelangen müssen. Hoffentli< werden na und nah die Erfahrungen mit demselben in gleicher Weise wie bei der Kranken- und Unfallversicherungs- Gesetzgebung zu Tage treten. Ist do, vielfahen anderslautenden Befürchtungen und Vorhersagungen zum Troy, und ni<ht selten mancher Mißgriffe in der ersten Zeit ungea<htet, deren außerordentli) wohlthätige Bedeutung je länger desto zweifelloser offenbar geworden. Namentlich darf es eine unleugbare Thatsache genannt werden, daß dem Arbeiterstand im Deutshen Reih mehr und mehr für den großen Gewinn, der ibm karin zugefaklen, das Verständniß aufzugehen beginnt. Wir find also der Ueberzeugung, daß die Sozialgeseßgebung des Deutschen Keihs auf die Dauer ihre nahhaltige Einwirkung auf den deutshen Arbeiterstand im Sinne des sozialen Friedens garnicht verfehlen kann und wird."

Sparsame Arbeiter.

Daß der deuts<he Arbeiterstand troy sozialdemokratisher Ab- mahnungen \ih eifrig am Sparen betheiligt, beweist, wie die eSozial- Correspondenz“ s>rcibt, der soeben erschienene 25. Rechenschaftsbericht des Spar-, Konsum- und Bauvereins der Fabrik-Genofsenshaft von P. C. Tur>s Wittwe in Lüdenscheid. Im Jahre 1864 gab es in dieser Fabrik erst 93, aber 1880 s<on 431 und 1888 649 Arbeiter, welche fich ganz freiwillig verpflichteten, 5 «S von jeder Mark Lohn zu sparen. Die Höbe dcs von diesem Verein eingesammelten Kapitals ift von 1864—1888 von 4260 auf 525 732 A gestiegen. Der Betrag der Aus- zahlungen an die Mitglieder zur Schuldentilgung und zur De>ung ter Kaufgelder für Häuserbau belief si< im Jahre 1888 auf 311 581 Der Veräin hat für seine Mitglieder aus deren Ersparnifsen bereits 2 Hâuserkolonien erbaut, von denen die zweite 47 Familienwohnungen enthält. Der Verein hat ein eigenes großes Konsumgeschäft für die Mitglieder, die jedo< alle Waare sofort baar bezahlen müssen. Der Waarenumfay erreichte im Jahre 1888 die Höhe von 103039 M vnd brachte einen Reingewinn von 11270 H, wo- von den Mitgliedern 11 Pfennige Dividende auf 1 A Waaren-Ent- nahme cundbet wurden, Das Guthaben der Mitglieder incl. Dividenden und Sparprämien hatte \si< von 1864—1888 von 2079 auf 192 690 Æ gesteigert. Es hatten gespart: 98 Mitglieder bis zu 30 A, 118 Mitglieder 30—75 #&, 140 Mitglieder 75—150 S, 129 Mitglieder 150—370 Æ, 45 Mitglieder 300—450 H, 32 Mit- glieder 450—600 #, 37 Mitglieder 600—900 Æ, 27 Mitglieder 900—1500 Æ#, 13 Mitglieder 1500—2100 Æ, 8 Mitglieder 2100— 3000 Æ, je 1 Mitglied über 4000 und 5000

Der Bericht bemerkt über die Erfolge des Sparens Folgendes : „Das Spar-Conto weist au< wieder etwas Besserung nah, indem von 55 Genofsen 1831 A über den Mindestbetrag von 5 & pro Lohn-Mark gespart wurden und hbiervon 4 mit den respektablen Sahresbeträgen von 325, 165, 156, 130 4 _ hervorleuhten, wobei au sehr angenehm ift, daß wieder 5 Jungfrauen bei ihren Ghebündnifsen 450, 404, 220, 206 und 200 Æ Sparkapital erbeben konnten. Zum weiteren Beweise für die gesegneten Früchte guter Spar- pflege führen wir no< an, daß die Kapitalconten von 8 Wittwen 1704, 1561, 1541, 1415, 1201, 895, 760 und 728 M, von 6 Jung- frauen 763, 732, 679, 676, 656 und 538 e und von 4 Jünglingen 1547, 1171, 959 und 951 46 nachweisen. Obgleich die Rückzahlungen an verschiedene Mitglieder zur Bestreitung größerer Anschaffungen und Baukosten zusammen 32 000 A betragen, ist das Gesammtgutbhaben der Genossen seit dem Vorjahre do< von 188 518 # auf 192 690 #

gestiegen.“

Na< Mittheilung des Statiftishen Amts der Stadt Berlin sind bei den biesigen Standesämtern in der Woche vom 11. Juli bis inkl. 21. Juli cr. zur Anmeldung gekommen: 200 Ebeschließungen, 943 Lebendgeborene, 34 Todtgeborene, 665 Sterbefälle.

Kunft und Wissenschaft.

In Kiedrich bei Wiesbaden ist, dem „W. T. B.“ zufolge, in der vergangenen Nacht der Bildhauer Professor Keil an einem Herz- leiden geftorben. i |

Ein Telegramm des „W. T. B.* aus Kamerun bringt die betrübende Nachricht, daß der Afrikareisende Lieutenant Tappenbe>, welher zur wissens<haftliben Erforshung des Hinterlandes von Kamerun entsandt war, geftern daselbst am Fieber gestorben ift. _

Zum Rector magnificus für das Studienjahr 1859/90 der Leipziger Universität ist der Professor der philosophischen Fakultät, Geheime Hofrath Dr. Wundt gewählt worden. L

Der Professor der klassishen Philologie an der Universität Bonn, Dr. Lübbert, ist am 31. Juli gestorben.

Anläßlih des fünfzigjährigen Beftehens der Sternwarte zu Pulkowo schreibt die „St. Petersburger Ztg.“: Das Obser- vatorium zu Pulkowo bereitet sih eifrig zur Feier seines 50jährigen Jubiläums vor, die am 7. (19.) August begangen werden soll. Sämmtli@e Räumlichkeiten des Observatoriums sind renovirt worden und präsentiren \si< zumeift wie Neubauten. Am Festakt werden \ih zahlreihe Deputationen von verschiedenen wissenschaftlichen Anstalten betheiligen. Die interessante Porträtgalerie berühmter Astro- nomen in dem Rundgange um den Festsaal des Observatoriums ift zum Ju- biläum um einige neue Gemäldevereichert worden, von denen namentlich ein vor Kurzem entde>tes und sofort für Pulkowo angekauftes, wirkli authentishes Porträt Galilei's besonderes Interefse au< {on allein seines hohen Kunstwerthes wegen beansprubt. Ueber diese Stern- warte bringt die „Weser-Ztg.* folgende Mittheilung: Es ift das Verdienst Kaijer Nikolau’s 1. gewesen, eine großartige Stern- warte in seinem Reiche, für wel<he er sehr beträhtlihe Summen anwies, erri<tet zu haben. An Stelle der alten St. Petersburger Sternwarte, welde unter dem hauptstädtishen Treiben an mancerlei Uebelftänden litt, {uf der Kaiser im Jahre 1839 auf dem drei Meilen südli von St. Petersburg be- legenen Berge von Pulkowo cine neue Anftalt , welde von

dem aus Altona stammenden Dozenten Professor Wilhelm von Struve

eingerihtet und deren sämmtliche, si< trefli< bewährende Beobal- tungsinstrumente deutshen Werkstätten (München und Hamburg) entnommen wurden. Die Anftalt wird zur Zeit von dem Sohne des 1864 verstorbenen ersten Direftors, dem Wirklichen Geheimen Rath Otto von Struve, geleitet. Erwähnt sei no<, E der gegenwärtig regierende Kaiser gerade an dieser, Dank reihen Bewilligungen des Staates, zu großartiger Entwi>kelung gelangten Sternwarte sehr regen Antheil nimmt, was er dur< wiederholte Besuche derselben und dur< den betheiligten Astronomen verliehene ungewöhnliche Aus- zeihnungen bezeugt hat. : Wiederum ist ein neuer Komet aufgefunden. Am 24. Juli traf, wie die „N. Pr. Ztg." mittheilt, auf der Centralstelle in Kiel von Queensland eine Depesche ein, die in der Uebersezung besagt, daß am 21. Juli von Davidszn in Queensland ein heller Komet ent- de>t wurde. Derselbe stand am 23. Juli in gerader Auffteigung 191 Grad 32,25 Minuten und war entfernt vom Nordpol um 122 Grad 29,1 Meis- nuten. Seine gerade Aufsteizng nimmt tägli< um 2,75 Grad zu, während seine Poldistanz sich uin den gleichen Betrag vermindert. Der Komet befand si< also bei seiner Entdekung im Sternbilde des Centauren und er bewegt \si< auf das Sternbild der Hydra zu. Wenn dieser Schweifstern wirklih die Bezeichnung verdient, die ihm sein Entde>er giebt, wenn er also ein helles Objekt ift, so wäre endlih einmal wieder Aussibt vorhanden, daß au mit bloßem Auge ein Komet zu sehen wäre. Weitere Betrahtungen liegen nicht vor. Der Komet Brook's vom 6. Juli ist am 21. Juli in Wien beobachtet worden; er i ein _ ziemli heller Stern, d. h. im Fernrobr, und durchläuft jeßt das Sternbild der Fische.

Land- und Forstwirthschaft.

Pest, 31. Juli. (W. T. B.) Betreffs des Erntestandes theilt die „Ungarishe Post* Folgendes mit: Die Unwetter in der vergangenen Woche haben einen bedeutenden Schaden verursaht. Die Weizenernte ist eine qualitativ und guantitativ s{<wa<e Mittelecnte, ebenso die Roggenernte. Der Ertrag der Gerste ist ein \{<waher, qualitativ von minderer Gattung. Der Mais läßt größtentheils eine gute Mittelernte erhoffen.

Sanitäts-, Veterinär- und Quarantänewesen.

Rußland.

Nach einer Anordnung des General-Gouverneurs zu Odessa vom 6./18. Juli 1889 werden die Provenienzen aus Arabien einer zehntägigen Quarantäne, verbunden mit Desinfektion, unterzogen. Die Wäsche der aus den verpesteten Gegenden kommenden Reisenden ift zu vernichten. i:

Wegen Vorkommens der Cholera in Japan werden auf Anord- nung des General-Gouverneurs zu Odessa die Provenienzen aus Japan einer strengen ärztlihea Besichtigung unterzogen.

Egypten.

Der internationale Gesundheitsrath zu Alexandria hat am 17. Juli 1889 beshlofsen, die gegen die Provinz Afsyr in Arabien angeordneten Quarantäne-Maßrege!n auf den ganzen füdlih von Lobavya gelegenen Küstenstrih bis einshließli<h Moka auszudehnen. f /

Der internationale Gesundkeitsrath ¿zu Alexandria hat be- \<{lofen, vom 18. Juli 1889 ab gegen Ankünfte aus Bombay das zur Verhütung der Cholera-Eins<leppung bestimmte Reglement în Kraft zu setzen.

Handel und Gewerbe.

Vom obers<lesishen Steinkohlenmarkt berihtet die „Schles. Ztg.*: Auch in der zweiten Hälfte des aus zehenden Monats bebielt der Geschäftsgang seine günftige Haltung, und leisteten die mannigfahen Entnahmen von Kohlen a. A. der Belebung des Verkehrs Vorshub. Neben den Bezügen von Regiekohlen für die Eisenbahnen und dem ungeminderten Absaße an die industriellen Werke des Reviers nahmen in Folge der öfteren Niederschläge die Versendungen zu den Wasserverladeftellen bei Oppeln und Breslau cinen dur<aus günstigen Verlauf. Na< den Erfahrungen des Ausstandes und Angesichts erhöhter Preise gewannen au< die Verschiffungen auf dem öftlißen Grenzflufe an Regsamkeit. Der si< bekundende Bedarf in gewa\<enen und aufbereiteten, sowie in ba>enden Kohlen hat die Gruben zur Vermehrung der Tages- förderung veranlaßt, da auÿ die Gruben mit geringeren ‘Marken für den regelmäßigen Betrieb keinen Avant eS eiten begegneten. Daher haben die Fettkoblengruben die Nachtarbeit in den leßten Wochen nit mehr ausgeseßt, zumal die Erweiterungen auf einigen Kokesanlagen einen Mehrbedarf in Fettkohlen in Ausficht stellen. Die Kokesanstalt „Glü>auf® errihtet eine neue Theer- und Ammoniak-Gewinnungsanlage; andere hierauf eingerichtete Anlagen erfahren eine Erweiterung. Der Markt verfolgt aufftrebende Preis- rihtun : E d

s - Veber die Lage des niederrheinishen Seiden- gewerbes wird der „Köln. Volksztg.“ geschrieben: I. Robseide. Die vergangene Woche untershied si< în ni<ts von ihrer Vor- gängerin. Auf Seiten der Fabrik wurde die nämliche Zuri g haltung im Einkauf beobachtet, wie vorher; aber auch die Eigner zeigten si nirgendwo geneigt, Geschäfte auf Kosten der Preise herbeizufübren. No imme: scheitert das Zustandekommen von Lieferungs-Absclüffen an den. hoben Forderungen der Spinner, welhe um so wesentlicher ron den beutigen thatiählih bezahlten Preisen für greifbare Waare abweichen, je spätere Lieferung von den Verbrauchern vorgescblagen wird. So weit es si< um Waaren aus dem vorigen Seiden- jahr kandelt, werden 10 %/% Aufschlag im Mittel für europäische Seide durgesett, Dank den geringen Vorräthen, die der starke Verbrauch in diesem Frühjahr übrig gelafsen bat. II. Seidenwaaren. Die Ruhe der stillen Jahreszeit macht sih je länger desto mehr in allen Zweigen des St offgeshäftes fühlbar, wel<he vom Beklei- dungsgewerbe abhängig sind. Eine Ausnabme bilden nur die der Mode nicht so sehr unterworfenen Artikel. Die Lagervorrätbe sind überall flein. Die e! anda brik hat für einzelne ihrer Erzeug- nifse ziemlih guten Verkauf.

s Ñ Die Generalversammlung des Verbandes Westdeut- \<her Feinblehfabrikanten bat zu der bereits am 5. d. M. vom geschäftsführenten Auss<uß festgeseßten und am 10. vorläufig in Kraft getretenen Grhöhung des Grundpreises von 175 auf 185 einstimmig die Genehmigung ertheilt.

Die in Frankfurt a. M. stattgebabte Generalversammlung des Verbandes Westdeutswer Blechfabrikanten beshloß, den Preis für Kefsel- und Refservoirblehe um je 5 K für 1000 kg zu erhöhen, so daß Kcsselblehe von jeßt ab 200 4, Reservoirblehe 175 M notiren. : l

Auf dem öfterreihis<-ungaris<en Eisenmarkt baben si<, der „Wiener Ztg.“ zufolge, in der leßten Woche keine wesentlihen Veränderungen bemerkbar gemacht. In den meisten Branchen erbält sich der bisherige rege Verkebr, während die Preise si< immer mehr befestigen. Die _Auésihten auf eine Afciedenstellende Weiterentwi>elung des Geschäfts gestalten sich dadur< immer günstiger. Das Robeisenges<äft bat seine bis- berige Lebhaftigkeit beibehalten. Die Walzwerke bleiben im Allgemeinen flott beschäftigt. In Stabeisen liegt no< eine genügende Anzahl Aufträge vor, ‘und laufen au< neuc Beftellungen in hinreihendem Maße ein, was hauptsächlih dec lebhaften Bau- thâtigkeit und dem gesteigerten Bedarf für EisenbabnzweFe zu ver- danken ist. Für Grob- und Feinbleche entwi>elt sich fortgeseßt ein re<t reger Verkehr. “Das Geschäft in Stablschienen entwi>elt si< schr günstig, da in nä<hster Zeit eine Reihe

größerer Scienenbestellungen zu effektuiren sein wird. Die Waggon-

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