1889 / 186 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Ausdru>, daß die zwischen den deutshen und englishen Sol- daten während so vieler Jahre bestandene Brüderschaft lange fortdauern werde.

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin ver- ließ gestern Abend Kassel und traf heute Morgen 7 Uhr 12 Min. auf der Station Wildpark ein, von wo Sih Aller- höchstdieselbe sofort zu Wagen nah dem Neuen Palais begab.

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin Augusta ist heute Morgen 7 Uhr 40 Minuten in Potsdam angekommen und hat Sih vom Bahnhof zu Wagen nah Schloß Babelsberg begeben.

Das „Armee- Verordnungs-Blatt“ enthält folgende Allerhöchste Kabinets-Ordre, betr. die Ernennung Jhrer Majestät der Königin von Großbritannien und Jrland, Kaiserin von Jndien zum Chef des 1. Garde-Dragoner-Regiments und anderweite Bezeichnung desselben :

„Ih habe Ihre Majestät die Königin von Großbritanniea und Irland, Kaiserin von Indien zum Chef des 1, Garde-Dragoner- Regiments ernannt und bestimme hierdur< zugleih, daß dieses Regiment fortan „1. Garde-Dragoner-Regiment Königin von England“ benannt werden foll. Ich habe hiernah an das General-Kommando des Garde-Corps verfügt und beauftrage das Kriegs-Ministerium, die Bekanntmachung der Namensänderung an die Armee zu veranlassen.

Osborne, der 2. August 1889.

Wilhelm.“

An das Kriegs-Ministerium.

Das „Armee-Verordnungsblatt“ veröffentlicht folgende Allerhöchste Kabinets-Ordre, betreffend die Verstärkung der Leibgendarmerie:

„Ich befehle hiermit, daß Meine Leibgendarmerie um einen Zug zu verstärken ist, bestehend aus 1 Offizier (Premier- oder Second- Lieutenant) vom Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2, 2 Unteroffizieren und 24 Mann. Zur Bildung desselben kommandirt jedes Linien-Kürassier-Regiment 3 Kürassiere (beziehungsweise Ge- freite), das Leib-Kürassier-Regimert Großer Kurfürst (S{hlesishes) Nr. 1) sowie das Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2 außerdem je 1 Unteroffizier. Die Bewaffnung der Mannschaften ist dieselbe wie die der Leibgendarmerie. Der Waffenro> is von weißem Kirsey mit aufgeshlagenen S<ößenz; SwHoßfutter fowie Kragen, Aermelaufs<läge, Schabka>en und Shabrunken von fkarmoisinrothem Tuch; A@whselklappen weiß mii karmoisin- rothem Vorstoß ohne Namenszug. Im Uebrigen hat \i< die Uniform der Mannschaften derjenigen der Leibgendarmerie anzuschließen. Außerdem erhalten dieselben einen zweiten Waffenro> von blauem Tu<h. Wegen einer Gala-Uniform für den Offizier und die Mannschaften habe Ih besonders verfügt. Die Bildung des Zuges ist bis zum 1, August dieses Jahres zu beenden. Das Kriegs- Ministerium hat hiernah das Weitere zu veranlassen.

Magdeburg, den 28. Juni 1889,

Wilhelm.

i von Verd y.“ An das Kriegs-Ministerium. f

Der Bundesrath hat in der Sigzung vom 4. v. M.

beschlossen :

1) dem Absay 1 unter Ziffer 4 der vorläufigen Ausführungs- bestimmungen zu dem Branntweinsteuergeseß vom 24. Juni 1887 tritt die folgende Bestimmung hinzu:

__ Neben den Kosten für die sonstigen nothwendigen Zubehörstü>e dèr Sammelgefäße und Meßapparate werden auch die Kosten

a. der eisernen, hölzernen oder anderen derartigen Unterlagen unter den Sammelgefäßen,

b. der Rohrleitungen von den Vorlagen bis zu den Sammel- efäßen beziehungsweise in den mit Meßapparaten ausgerüsteten

rennereien von den Vorlagen bis zu den Apparaten und von den leßteren bis zu den Brauntweinaufbewahrungsgefäßen,

c, der Bohrung von Plombirlö&ern zum Zwe> des amtlichen Verschlusses der vorerwähnten Rohrleitungen, der Sammel- gefäße und Meßapparate

von der Branntweinsteuergemeinshaft getragen.

2) der Absatz 2 a. a. O. hat zu lauten :

Dagegen haben die Brennereibesißer die Kosten für die Unter- N der vorbezeihneten Gegenstände, sowie für die sonstige, den maßgebenden Vorschriften entsprehende Einrichtung und Unterhaltung ihrer Betrieb2anftalten zu tragen.

2 In denjenigen Fällen, in denen Kosten der unter 1 bezeichneten

Art bei Einreichung der Liquidationen (Bundesrathsbes<luß vom

15, Dezember 1887, $, 644 der Protokolle) nit mit in Aufre<hnung gebrat, worden sind oder in denen die Erstattung derselben abgelehnt ist, dürfen Anträge auf nachträgliche Vergütung dieser Kosten nur dann berü>sihtigt werden, wein sie vor dem 1. Oktober d, J. an- gebra<t worden find. :

_ Durch Verfügung des Finanz-Ministers vom 30. Juli sind die Provinzial-Steuer-Direktoren beauftragt worden, die Hauptämter ihres Verwaltungsbezirks alsbald mit der nöthigen Anweisung zu versehen und eine entsprehende Bekanntmachung durch die Regierungs-Amtsblätter zu erlassen.

__— Der Oberst-Lieutenant a. D. von Zakrzewski, Mitglied des Hauses der Abgeordneten für den 5. Posener Wahlbezirk (Neutomischel, Gräß, Schmiegel, Kosten), ist in Kissingen gestorben.

Das Recht des Anliegers an einer öffent- lihen Straße geht nah einem Urtheil des Reichs- erihts, V. Civiljenats, vom 5. Juni d. J., im Geltungs- ereih des Preußishen Allgemeinen Landrehts nicht weiter, als das Kommunikationsinteresse (Zugang, Zufahrt und Licht) unbedingt erfordert; einen Anspru auf die Fortgewähr der durch die Lage seines Wohnhauses bedingten thatsächlichen Vortheile hat er nicht.

Der General der Jnfanterie von Strubberg begeht Beute „die Feier seines fünfzigjährigen ienst- ubiläums. Der Jubilar, im Jahre 1821 geboren, trat 1839 als Second-Lieutenant im 30. Jnfanterie-Regiment aus dem Kadettencorps in die Armee ein. Von 1843—1846 be- suchte er ‘die Kriegsschule, wirkte bis zum Jahre 1849 als Erzieher bei dem Kadettenhause in Berlin und nahm hierauf mit seinem Regiment an dem Feldzuge in der Rheinpfalz und Baden Theil. Nach dem Feldzuge wurde er bei der Mobil- machung 1850 der 29. bezw. der 15. Jnfanterie-Division als Genera pabtofsizier zugetheilt und 1852 auf zwei Jahre nah m

sönlihen Adjutanten, zwei Jahre später zum Flügel- Adjutanten König Wilhelm's I. ernannt. 1865 Commandeur des 4. Garde-Grenadier-Regiments Königin, machte er als solcher den Krieg gegen Oesterreih mit; 1868 wurde er zum General - Major ernannt und mit dem Kommando der 30. Jnfanterie - Brigade betraut, welche er gus während des deutsch - französishen Krieges führte. Na dem Kriege wurde dem General von Strubberg zunächst die Mission zu Theil, die ersten grundlegenden Arbeiten für die Organisation der Landwehr und Kontrolbehörden innerhalb des neu erworbenen Reihslandes zur Ausführun zu bringen. 1873 mit der Führung der 19. Division beauf- tragt, wurde er im nämlichen Jahre zum General-Lieutenant, 1880 zum General-Jnspecteur des Militär-Erziehungs- und Spuren ernannt; diese Stelle bekleidet der 1883 zum General der Jnfanterie beförderte Jubilar no< heute.

Jn der Ersten Beilage des „Reichs- und Staats- Anzeigers“ ist eine „Zusammenstellung der Zud>er- mengen, welhe in der Zeit vom 16. bis 31. Juli 1889 innerhalb des ‘deutschen Zollgebiets mit dem Anspru auf Steuervergütung abgefertigt und aus Niederlagen gegen Erstattung der Vergütung in den freien Verkehr zurücgebraht worden sind,“ enthalten.

Der Direktor der Kriegs-Akademie, General-Lieutenant O hat sih mit 45 tägigem Urlaub nah Ahlbe> egeben.

Der Ober-Quartiermeister, General-Lieutenant von Holleben, ist von Urlaub hierher zurüdgekehrt.

Kassel, 6. August. Jhre Majestät die Kaiserin und Königin beehrte heute die Allgemeine Aus- stellung für Jagd, Fischerei und Sport mit Aller- höchstihrem Besu<h., Jhre Majestät, welche Vormittags den Besuh Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Sachsen in Wilhelmshöhe empfangen und dort mit dem- selben zu Mittag gespeist hatte, ubr in Begleitung des Großherzogs, der Hofdame Gräfin Keller, des Hofmarschalls von Mirbach und des Erziehers der jungen Prinzen, Haupt- manns von Falkenhayn, Nachmittags 41/2 Uhr in dem Ausstellungs - Park vor, wo Allerhöchstdieselbe von den Herren des Vorstandes begrüßt und zunächst durch die Säle des Orangerie-S<hlosses mit der großartigen Darstellung der historishen Entwi>kelung des Jagd- wesens und den werthvollen Kollektiv:Ausstellungen deutscher Fürsten und Jagdvereine, sodann dur<h das Fischerei- gebäude und den von gewerblichen Ausstellern gefüllten mäch- tigen Jagdsaal geführt wurde. Die Kaiserin, welche überall von dem anwesenden Publikum ehrfur<tsvoll begrüßt wurde, nahm mit lebhaftem Jnteresse Kenntniß von den in den Aus- stellungsräumen enthaltenen vielfachen Sehenswürdigkeiten und brahte mehrfa<h Allerhöchstihre volle Anerkennung für die ges<hma>-volle Anordnung des Gesammtaufbaus zum Ausdru>.

Sigmaringen, 5. August. (Schw. Merk.) Gestern traf Se. Königliche Hoheit der Prinz Johann Georg von Sachsen hier ein. Heute stattete derjelbe mit Sr. Hoheit dem Fürsten von Hohenzollern und dem Erbprinzen von Rumänien Jhrer Königlichen Hoheit der Fürstin- Wittwe von Hohenzollern einen Besuch ab.

Württemberg. Friedrichshafen, 6. August. Der „O. A.“ berichtet: Jhre Majestät die Königin machte heute Vormittag, von einer Gesellshaftsdame begleitet, eine Ausfahrt. 0 der Nähe des Gasthofss zur Sonne veranlaßte das schöne Wetter die Königin, zu einem kleinen Spaziergang auszusteigen. Kaum hatte Jhre Majestät die Equipage ver- lassen, als die Pferde so wild wurden, daß der Leibkutscher ihrer niht mehr Herr wurde. Jn wildem Laufe gingen die Pferde durch, und der Kutscher wurde heruntergeworfen, ohne daß derselbe besondere Verlegungen «rlitt.

Sachsen-Coburg-Gotha. Gotha, 7. August. (Goth. Ztg.) Se. Hoheit der Herzog trifft heute, von Coburg Eo in Schloß Reinhardsbrunn zu längerem Aufenthalt ein.

__ Elsaß - Lothringen. Met, 5. August. (Lds.-Ztg. f. Els.-Lothr.) Eine hier gestern abgehaltene Versammlung zu Gunsten der Kanalisirung der Mosel nahm einstimmig folgende Resolution an:

„Die am Sonntag, den 4. August 1889, im Stadthause zu Mey Verfammelten 200 an der Zahl —, Eingesessene der Stadt Mey, des Bezirks Lothringen und der weiteren Rhein- und Moselgegend, allen Berufskreisen angebörig, \pre<hen si< einmüthig dahin aus, daß die Kanalisirung der Mosel und der unteren Saar als ein unabweisbares Bedürfniß erahiet werden muß. Für Lothringen insbesondere ist sie unerläßli<h nothwendig zum festeren Anschluß an das übrige Deutschland, in dem allcin das wirtbschaftlic<e Heil des Landes zu finden ist, zur Ershließung der Schätze, die sein Boden bicgt und zur Verbreitung der Erzeugnisse, die seine Gewerb- thäâtigkeit weiten Absatzgebieten mitzutheilen in der Lage ift. Die Be- stimmungen des Frankfurter Friedens bearünden die Annahme, daß es bei dem, was bis jeßt hier zu Lande zur Schiffbarmahung der Mosel und der Saar gesehen ist, niht bewenden soll. An die Landesregic- rung von Elsaß-Lothringen rihten wir daber vertrauenévoll die Bitte, mit Nachdru> die geeigneten Mittel zu ergreifen, damit das an- einge Werk vollendet uxd die in den oberen Gebieten unserer

eiden Hauptflüsse begonnene Kanalisirung bis zur Moselmündung bei

Koblenz fortgeseßt werde. Wir glauben uns der Hoffnung bingeben zu dürfen, dabei die Einrichtungen \o getroffen und das Vorhandene derart umgestaltet zu sehen, daß im Verkehr mit dem Rbein Um- ladungen vermieden werden und au< Schiffe von größeren Dimensionen bis an unsere westlihe Landetgrenze gelangen können.“

Oefterreih-Ungarn. Wien, 7. August. (W. T. B.) Wie die „Politische Ns erfährt, ist eine Note der griechischen Regierung betreffs der Jnsel Kreta gestern dur den griehishen Gesandten in Wien, Dragumis, dem Ministerium des Aeußern überreicht worden. Jn derselben wird konstatirt, daß die von der Pforte zur Beruhigung Kretas ergriffenen Maßnahmen si<h als ungenügend erwiesen. Die früher einander bekämpfenden Christen ständen jegzt vereint den Mohamedanern gegenüber, von den türkishen Behörden eien unter die mohamedanishe Bevölkerung in den Städten

afen vertheilt worden. Falls Massakres vorkommen sollten, würde die griehishe Regierung als eine parlamentarische vielleicht nit im Stande sein, einer Volksbewegung zu Gunsten der kretersishen Christen zu widerstehen, während sie wünsche, dur die Anrufung der Großmächte eine Eventualität zu beseitigen, welhe eine Intervention Griechenlands noth- wendig machen fönnte.

aris fo ndirt. 1855 zum Hauptmann im Generalstabe, 858 zum Stabsoffizier befördert, wurde er 1859 e S

Wie aus Preß burg gemeldet wird, hat eine w ürttem- bergishe Militär-Deputation dem 6, Husaren-Re-

giment König von Württemberg, welches anläßlich des e des Königs Karl eine Deputation nah Stuttgart ge andt hatte, einen Gegenbesu<< abgestattet. M Anwesenheit des Offiziercorps des gesammten Regiments fand dabei ein Verbrüderungsfest statt, bei welhem begeisterte Toaste auf beide Reiche und deren Herrscher ausgebraht wurden.

Frankrei<. Paris, 7. August. n dem bereitz erwähnten Manifest Boulanger's, welches die Ueber: {rift trägt : „An das Volk, meinen alleinigen Richter“, geht der Verfasser, wie wir dem „Hann. Cour.“ entnehmen, die Anklage: \{hrift gegen ihn Punkt für Punkt durch: die militärische Lauf: bahn des Generals, die geheimen Agenten und Agentinnen, den „falschen Zeugen“ Buret, den Kaffee in Täfelchen, die Epauletten: Geschichte, die 44 s{hwarzen und farbigen Porträts, die angeb: lihen Subventionen zu Preßzwe>en, den „verächtlihsten Theil der Anklageschrift“, die geheimen Fonds des Kriegs-Mini: steriums und den Reservefonds u. st. w. Hinsihtlih der leßteren legt er dar, er wäre gezwungen gewesen, den Reserve fonds, der bei seinem Amtsantritt 1979575 Fr. betrug, anzugreifen, weil das für die geheimen Ausgaben bewilligte Budget in jenem Augenbli> unzureihend war.

„Der Ausékunftsdienft nahm 86 000 Fr. mehr in Anspru, als dafür ausgeseßt war. Alle Patrioten, die sich der Zwischenfälle er- innern, welhe dem Schnäbele-Handel vorangingen oder ibn begleiteten, alle Offiziere, die mit mir arbeiteten und wissen, was wir damals thaten, werden finden, dies sei sehr wenig! Und wenn ih niht mehr ausgab, so erklärt sih dies eben dadur, daß i< in jenen Tagen viel uneigennüßige Hingebung fand.

Sollten Sie denn vergessen haben, Herr General-Staatëanwalt, daß wir niemals dem Kriege näher standen? .... Sie behaupten freili<, niemals wäre der Auskunftsd'enst fo vernachlässigt worden. Nur ein Vorfall mag hier Plab finden um Ihnen zu be- E daß meine Mitarbeiter und ih unserer Pflicht getreulih nawlamen.

Der Militär-Atta<é einer großen Macht hatte mit außerordent- lihem Geschi> ein weitverzweigtes Spionagesystem eingerichtet, gegen das wir ohnmächtig waren. Nach tausend Mühen gelang es uns, zu erfahren, wo er seine Papiere verbarg. In einer Naht bemättigte man fi< ihrer. Ja, Hr. General-Staa2tsanwalt, eine ganze Nat lang batten wir die Spionerliste, die Abschrift der Berichte, wel<e der Attaché seiner Regierung gesandt hatte, in den Händen; Alles konnten wir in einer Nat kopiren, und am nächsten Morgin fand der Offizier bei seinem Erwachen alle Dokumente an ihrem Play Niemais hat ec gewußt, au< na< seiner Ver- seßung niht, wie gewisse Enthüllungen zu unserec Kenntniß ge- langt waren. Wie theuer uns dies zu stchen kam, finden Sie do einen Franzosen, der sagt, es wäre zu theuer gewesen! Und wo ist ein verständiger Mann, der nit begriffe, daß für fol<he Opera- tionen viel Geld unerläßli< ist? Jm Verlaufe dieses Handels ließ ih das Spionengeseß zur Annahme bringer. Es ift ni<t meine S@huld, wenn dasselbe ni$t strenger zur Anwendung gelangte, und ih s{<wöre Ihnen, daß es anders geworden wäre, wenn ih noh länger im Kriegs-Miniiterium geweilt bätte.“ 4

Das Kapitel der n und der Reservefonds {ließt mit der Behauptung, General Boulanger hätte nah genauer Rechnungsführung 2000 Fr. aus seiner Tasche gegeben, aber sie von seinem Nachfolger Ferron nicht zurü>verlangen wollen. Nach der uan ung der Anklageschrift wären nämli nah dem Weggange Boulanger's 30 000 Fr. zu wenig in der Kasse gewesen, aber nun habe er Hn den Empfangschein eines Al de Mondion vom 31. Mai 1887 beigebracht, dem- zufolge General Boulanger ihm für Missionen in Deutschland und Belgien 32 000 Fr. bezahlt habe.

Was die Anschuldigung betrifft, er hätte bei einem Ge- schäft mit dem „Avenir national“, einem Blatt, das ein kurzes Dasein fristete, Staatsgelder vergeudet, rühmt sih der ehe: malige Kriegs-Minister wie folgt:

„Um meinen Kundschafterdienst zu ergänzen, wel<hcr in Folge der Vorsichtsmaßregeln ter fremden Regierurgen si<h immer \{<wieriger gestaltete, wollte ih ein Organ zu meiner Verfügung haben, das mir unter dem Vorwande auswärtiger Korrespondenzen dazu behülflih râre, überallhin Agenten zu s{<i>en und mit ihnen zu verkehren. Vor Allem wollte ih es i} ein ernstes Geständuiß Leute unter der Hand haven, welche mit den Sozialisten eines gewissen Landes Be! ziehungen anfnüpften, aus denen i< am Vorakende eines Krieges Nutzen zu ziehen gedahte; abec erst dann. Darum war mir taran gelegen, auf der Redaktion tes Blattes Männer zu haben, die ih an sozialistischen Bewegungen betheiligt hatten.“ : Des Weiteren ergeht si< die Antwort über das angeb: lihe Attentat, die falschen Angaben in Betreff der Hin- und Herfahrten Boulanger's zwischen Clermont-Ferrand und Paris, die Rolle, die er im Augenbli> des Präsidentenwechsels g& spielt haben sollte, seine Geldmittel, die Bestehungsversuhe U. \. w., und dann schließt das aht Spalten lange Schrift- ssttü> mit einem Appell an die Gerechtigkeit des Volks.

8. August. (W. T. B.) Die gestern früh von dem „Parti national“ und den meisten anderen Morgenblättern gebrachte Nachricht von der Verhaftung des Hauptmanné Bujac bestätigt sih nicht.

Bordeaux, 7. August. (W. T. B.) Jn dem Prozeß gegen Laisant, Laguerre und Déroulède wegen der Uebertretungen bei Gelegenheit des am 9. Juni in Angouklême

veranstalteten Boulangistenbankets hat der hiesige Appellhof heute das erstinstanzlihe Urtheil bestätigt, dur welches Laisant freigesprohen und Laguerre zu 100 Fr. Strafe verurtheilt wurde. Anlangend Déroulède, }0 wurde das erstinstanzlihe Erkenntniß, soweit es Déroulède von der Anschuldigung der Widerseßlichkeit freispridt, auf: ehoben, und Déroulède dieses Vergehens wegen zu 300 Frs. eldstrafe verurtheilt. Die Appellationskosten wurden Laguerre und Déroulède zur Last gelegt.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 7. August. (W. T. B.) Heute fand im Großen Palais zu Peterho! die kirhlihe Trauung des Großfürsten Peter Nicolajewits<h mit der Prinzessin Miliza von Montenegro nah dem dafür aufgestellten Pr gramm statt. Der Feier wohnten sämmtliche Mitglieder des Kaiserlihen Hauses, der Großherzog und di Großherzogin von Me>lenburg-Schwerin , der Herzog vo! Edinburg, sowie die höchsten Würdenträger und das diplo matische Corps bei. An der Hochzeitetafel nahmen auch der deutsche Botschafter von Schweinig und der englische Bot \chaster O e (W a Anzeiger“

9. Auguit. (W. T. B.) Der „Regierungs-Anzeige A E Verlobung e Prinzessin Anastasit von ontenegro mit dem og Geor Leuchtenberg. N BOLTES :

__ Dänemark. Kopenhagen, 6. August. (Fx.) Na einer Bekanntmachung des Aomiralitäts-Departements Fe Marine-Ministeriums werden von Mitte August bis Mitte September Minenübungen auf dem Mittelgrunde in Sunde abgehalten werden. Der Uebungsplaß, der zu

größeren Theil mit Minen belegt werden wird, wird

abgesperrt. Die nörd-

ür die Schiffahrt deshalb f iff Ellen von dem Seefort

Spie des Grundes,

l . , ikronen belegen, wird dur< eine Leuchtfeuer-Yacht und die ten Seiten des Grundes dur<h grüne Bojen bezeichnet.

ur Verhütung von Beschädigungen der Minenkabel, die zwischen

eifronen und dem Uebungsplaße ausgelegt werden sollen, find besondere Bestimmungen wegen der Verankerung der Schiffe erlassen worden.

Amerika. New-York, 6. August. (A. C.) Das Konsulat von Hayti hierselbst macht bekannt, daß General Hippolyte fkürzlih Mor E Prin Ee an- egriffen habe, jedo zurüd>geschlagen sei und si< na< Saint- arc zurü>gezogen habe. Die Sioux - Jndianer

"in Dakota haben einen Vertrag unterzeichnet, Kraft dessen

e auf 11 Millionen Morgen Landes ihres Reservat- gebiets verzichten. Dieser Flächenraum wird An- siedlern aufgeshlossen werden.

Afrika. Egypten. Ein Telegramm des „Reuter'schen Bureaus“ aus Tosfi, vom 6. August, lautet :

Oberst Wodehouse meldet von Bellana, daß der einzige am Leben gebliebene Emir der Derwishe Wad el-Sand is, Dieser befindet sih mit 200 Mann und 60 mit Wasser belade- nen Kameelen in den bei Bellana liegenden Höhen. Wahrsceinlih persudbt er, Mataka zu erreichen; boffentli< wird er jedo von der yon Wady Halfa entsandten Reiterei abges<nitten werden.

A

Heitungsftimmen.

Die „Nationalliberale Correspondenz“ erörtert in Folgendem die Lage der Reihsfinanzen: :

„Die Ziffern über den Abs{luß des Reichsbaushalts im Reh- nungéjahr 1888/89 bestätigen die Vorhersage des Staatssekretärs im Reihs-Schazamt in Betreff der geringeren Erträgnisse der Brannt- weinverbrau<hsabgabe und weisen einen Ausfall an der Zu>ersteuer nah, der noh erhebli< größer ist, als der Staatssekretär während der lezten Etatsberathung in Aus\iht stellte. Das günstige Ges sammtbild der Reicbsfinanzen vermögen diese beiden Einzelposten ebensowenig zu becinträ<tigen, wie den Eindru> einer vorsitigen uxd den wirths<haftlihen Bewegungen mit Verständniß folgenden Reichs - Finanzgebahrung. Sieht man von der Branntwein- und Zu>ersteuer, sowie von der Börsenstempelsteuer zunächst ab, so haben die Zölle, die indirekten Steuern, die Stempelgebühren und die großen Verkehrsanstalten an Einnahmen gewährt: 593,6 Mill. im Sahre 1887/88, 612,2 Mill. im Jahre 1888/89 und sind für das laufende Rechnungsjahr ges{äßt auf 604,5 Mill Mark. Die leßtere Ziffer entipriht der Behutsamkeit, mit wel&er bei dem Voranschlag des Reichshaushalts verfahren zu werden pflegt. Wenn unvorher- gesehene Zwischenfälle nicht eintreten, ist aber wobl zu erwarten, daß die indirekten Einnahmcquellen ihr natürlihes Wachsthum abermals bewähren, so daß die Ist-Ergebnisse ebenso das Vorjahr überragen werden, wie die jeßt bekannten endgültigen Ziffern von 1888/89 das Sabr 1887/88 überragen. So sind die Zölle mit 270,8 Mill. ver- anslagt, haben aber {on im vorigen Jahre rund 283 Mill. erbratt ; die Brausteuer ist mit 20,2 um rund 2 Mill. niedriger veranschlagt, als das JIst-Ergebniß des leßten Jahres si< beziffert u sw. E läßt si< aljo, wenn die Entwi>kelung ni<r gestört wird, mit Sichecheit au<h für dieses Rehnungs- jahr «ine langsame Zunahme der cben eræäknten Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr erwarten. Soweit hieraus eine Folgerung auf die allgemeinen wirths<haftli<hen Zustände überhaupt bere&tigt ist, führt sie zu dem S&lusse, daß Handel und Wan-

del unter normalen Wachsthumsverbältnissen sich ent-.

wi>teln und daß insbesondere die Verbrauchsfähigkeit der Nation sich gehoben hat. Auch dieses Urtheil kann dur die Heranziehung der zunächst abgesonderten Ziffern der Zudter- und Branntwein- und Börsenstempelsteuer niht umgestoßen werden. Was leziere anlangt, so erscheint das raî<e Aufsteigen des Ertrags von 19 Millionen im Jahre 1887/88 auf 274 Millionen im vorigen Jahre allerdings geeignet, das Augenmerk auf die Umsäße und namentli< auf die neuen Gründungen an der Bêrse binzulenken und die Frage nabe zu legen, ob dieselben im re<hten Verhältniß zu den gegebenen inneren Werthen der Verkehrsgegeustände sich bewegt haben. Doch sind Anzeihen einer unwirthshaftlihen Umsaß- und Wertbsteigerung sonst nicht in solhem Maße vorhanden, daß nit von einer Rü>leitung zu den verständiger- weise gangbaren Geschäftsbahnen Abhülfe erwartet werden könnte. Jn der That dürfte der Reihs-Schaßsekretär gut daran gethan haben, für das laufende Jahr nur knapp 20 Millionen in Einnahme gestellt zu haben. Gerade diese Position ist ihrer Natur nah außerordentlich wandelbar und will nur derart bei der Etataufstellung behandelt sein, daß Mindererträge nicht zu besorgen sind. Die Zu>er- und Branntweinsteuer endlih befinden \sich, erstere leider immer wieder, leßtere begreifliher Weise no<h im unsidersten Stande der Entwickelung. Im Vergleih zu den Erfahrungen , die Desterreih jest mit seiner neuen Branntweinsteuer matt, ist es mindestens nit allzu tragis< zu nehmen, daß das vorige Jahr einen Ausfall von 384 Millionen bei der Brannt- weinsteuer ausweist. Bei dem Voranschlag, in dem - 116 Millionen Verbrau<s8abgabe und Nacsteuer und 224 Millionen Maischraum- und Materialsteuer angeseßt waren, feblte eben jede sichere Schätzung des etwaigen Rückgangs in der Erzeugung, bezw. im inneren Ver- brauh. Immerhin hat der Branntwein, der im UebergangéEjahre 1887/88 faum 44, vorher nur ausnahmsweise einmal mehr als 50 Millionen eintrua, insgesammt rund 100 Millionen im Vorjahre erbraht und wird auf zusammen 1354 Millionen Ertrag im laufenden Rebnungsjahre ges<häßt. Wenn aber die wider Erwarten geringe Einnahme für 1888/89 und der, vielleiht au< in diesem Jahre zu sewüctigendé Minderertrag in ursählihem Zusammenhang mit dem Mehrertrag der Brausteuer stehen sollte, könnte man vom gesundheit- lihen Gesihtépunkt aus mit der Wirkung der neuen Steuer ganz zu- frieden sein; die finanzielle Wirkung ist vorläufig nit unbefriedigend.“

Zu der in Aussiht stehenden Begründung eines Mgen Zollvereins bemerkt die „Elberfelder

eitung“:

„Am 14. Oktober wird in Washington ein Kongreß sämmilicher amerifanishen Staaten zusammentreten, zu dessen Programm au le Gründung eines amerifanis<hen ZoUvereins gehört. Die Idee tines einheitlihen und geschlossenen Wirtbschast8gebietes von der Berings- bis zur Magellanstraße ist niht gerade neu; man ift der- selben hon öster begegnet, und sie ift s>éon ôfter gescheitert.

mmerhin kann die europäishe und die deutshe In- Ustrie mit dem Anerkenntnisse zufrieden sein, welches für sie in diesem Projekt liegt. Unjere Industrie hat namentli<h auf den südamerikanis<hen Viärkten fortgeseßt Terrain, meist auf Kosten Frankreihs oder au< Englands gewonnen; wenn aber die Industrie der Vereinigten Staaten dort mit der unsrigen ohne Hülfe eines gemeinsamen Zollsyitems nicht mehr zu konkurriren at ia L kann uns dieses Anerkenntniß wider Willen nur \{meicel-

Das freundliche O der deutshen Behörden bei

der Ueberführung der sterblihen Reste des Generals Carnot von Magdeburg na< Paris findet in dem Pariser „Figaro“ folgende Würdigung: H s

, »Die Feierlichkeit, der wir beiwohnten, war niht nur Eö<hst eindru>svoll, sondern regt au zu manen Gedanken an. Zwei Tage ang waren in einer großen deutshen Stadt ein französisher Held und französishe Gäste der Gegenstand aller Gedanken und aller

Sympathien. Zum crsten Male seit 1870 fand auf preußischer Erde eine freundschaftlihe Kundgebung zwishen Deutschen und Franzosen statt. Eine Bevölkerung von über 100000 Seelen neigte fh a<tungsvoll vor den fterblihen Ueberresten Carnot's, ob- wohl diese von der französishen Tricolore bede und von einem Lieutenant begleitet wurden, dessen Uniform {ließlich doch für Viele die des Feindes bedeutet. Während dieser Tage war ein Franzose in Magdeburg der Gegenstand besonderer Aufmerksam- keit und Liebenswürdigkeit ein Gast, dem man die größte Höflichkeit erwies. Und welher Zus>auer hat wohl niht an den fonderbaren Gegensaß in mens<liwen Dingen geda<ht, wenn er den prädtigen Vorbeimars ter deutshen Truppen und dieses Gefolges von Gene- ralen und hohen Beamten sah, mit dem einer der Unseren geehrt wurde? Das eine Volk ift bis an die Zähne gegen das andere be- waffnet, und do beeilt es sih, wenn sich eine große und \{ône Gelegenheit bietet, dem andern die ausgezeinetsie Höfli@keit zu erweisen. Die Haltung der Deutsben verdient durchaus gelobt zu werden. Wenn ein Bewohner des Mondes mit einem Fern- glase auf die Erde niedergeschaut bätte, so hâtte er nur denken fönnen, daß Franzosen und Deutsche zwei eng befreundete Völker sein müßten. Es war wahrk,aft unmögli<, mehr zu thun, als die preußishe Re- gierung gethan kat... . Im Augentli>, als Artillerie-Unteroffi- ziere den mit der Tricolore bede>ten Sarg aufhoben, bemächtigte fich Aller eine lebhafte Erregung. Ein frarzösisher General, getragen von deutshen Soldater, war das nicht ein seltsamer Anbli>? Aber no< mehr: es war ein tief ergreifendes Schauspiel, eine glü>li<he und poetische Seite in der Geschichte der deutsh-französishen Beziehungen. Alles in Allem genommen, war es eine Kundgebung, die eine sebr merkwürdige Erinnerung hinterlassen wird. Sie verdient, daß man ihr in Frankrei das gleiche Gewicht beilege, wie es die deutsche Regierung gethan hat.“

Die Revue über die englische Flotte.

An Bord des englischen Kriegs\<hiffes „Seahorse“, 5. August 1889. Schon am frühen Morgen hatten alle Schiffe Flaggengala angelegt. Am Hauptmast wehte vereint die deutshe und englis@e Kriegéflagge. Das Wetter, wel{hes am Morgen heftige MRegenböen brate, klärte si< gegen Mittag auf. S{<{on von Mittag ab waren die weit ausgedehnten Ufer, die Peers von Ryde, der endlose Strand von Ports- mouth und Sto>kes Bay dicht von Menschen beseßt. Ebenso wie am Lande, war es auf dem Wasser. Auf dem gewaltigen Naume mehrerer Quadratmeilen lag Damvfer an Dampfer, Yacht an Yacht, Boot an Boot! Nur die großen breiten Straßen innerhalb der englischen Flotte, wel<he zu dur<fahren mebr als eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt, wurden völlig frei gehalten. Bedeutende Aufmerk- samkeit erregte auch die deutshe Flotte. Die Panzerkolcsse unserer Manöverflotte, die gepanzerten Kreuzer, die Avisos „Greif“ und „Die Wacht“, an De> alle Matrosen in ihren Paradeanzügen, machten durch die Stärke der Besatzung, die Haltung der Mannschaften einen vorzüglichen Eindru>. Die englische Flotte zeigte nah dem offiziellen Rapport die Stärke von 22000 Mann Besaßung, gewiß eine statt- liche Zahl. Die große Anzahl mächtiger Schiffe hätte aber vielleicht die dreifache Stärke der Besatzung erfordert. ;

Um 3 Uhr Na@mittags verkündete der Donner der Kanonen, daß Se. Majestät der Kaiser und König Sih an Bord der „Vic- toria and Albert“ begeben habe, an deren Hauptmast jeßt die Standarte des Kaisers neben der der Königin wehte. Se. Majestät hatte eng- lis&e Admirals:Uniform angelegt; an Bord befanden si< Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin von Wales mit Töchtern, Se. Königliche Hoheit der Herzog von Cambridge, Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Christian zu S(leswig-Holstein, Se Königliche Hoheit der Prinz Heinri von Preußen, der Prinz und die Prinzessin Heinrih von Battenberg und das gesammte Gefolge. Es folgten eine Königlihe Yacht mit den Lords der Admiralität, die Kaiser-Yaht „Hobenzollern“ und noch eine Königlihe Yacht, während der „Seahorse" seitwärts die „Victoria and Albert“ cotoyirte. Zuerst gab das deutsche Ge- \<wader beim Passiren der „Victoria und Albert* den Kaisersalut, die Mannschaften paradirten. Ebenso paradirten die Mannschaften aller englishen Schiffe auf De> und in den Raaen. Beim jedet- maligen Vorbeifahren des Kaiserschiffes ertönte unter Müßenshwenken ein lautes dreimaliges „Hurrah!“ Zuerst wurde die linke Staffel durh- fahren. Kurz vor dem Passiren des Admiral schiffes „Howe“ mit dem Ober- befehlshaber Sir . Commerell an Bord gab die gesammte englis(e Flotte den Kaisersalut. Der Kanal hüllte si<h in seiner ganzen Breite in Dampf. Es war ein großartiges Schau- \piel, und die Salutshüfse bildeten einen ununterbrohenen, mäch- tigen, weithin rollenden Donner! Das Passiren der Staffeln dauerte etwas mehr als eine Stunde! iht vor dem zweiten Lalsixen der „Howe* ließ Se. Majestät der Kaiser und König durch

ignal alle Admirale und Schiffskommandanten an Bord rufen. Dem Sir Commerell reihte Se Majestät die Hand, welche dieser entélößten Hauptes küßte. Se. Majestät spra<h dem Admiral Seinen lebhaften Dank für die Leistungen der gesammten Flotte und die Revue aus, ebenso den Admiralen und Schiffekommandanten. Um 7 Uhr war die Revue beendet, und unter dem Donncr der Kanonen lief die „Victoria and Albert“ wieder der Rhede von Cowes zu. Gegen 43 Uhr batten sih Ihre Majestät die Königin Victoria von England mit den Damen Ihres Gefolges in Osborne Bay an Bord der Königlichen Yacht „Alberta*“ eingeshift. Nachdem der Befchl gegeben war, Ihre Majestät an Bord nicht zu salutiren, war sowobl das deutsche als au das englishe Geshwader abgefahren. Die Mrsikcorps der deutschen Schiffe spielten die englis<he Nationallymne, und die Mannschaften E Parade an Bord während des Vorbeifahrens Jhrer

ajestät. : :

Den ganzen Abend über herrs<hte an Bcrd der Schiffe und in den Hafenstädten und Badeorten lebhafter Jubel, und die freudige Festesstimmung erreicte erst ihr Ende mit Anbruch des Tages.

Am Abend empfing, Jhre Majestät die Königin no< die von Berlin aus telegraphis< herbeorderte Deputation des 1. Garde- Dragoner-Regiments Königin von England, bestehend aus vier Offi- zieren, mit dem Regiments-Commandeur an der Spiße, und befahl Ihre Majestät die Herren nah der Audienz zum Diner.

Statiftik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterfrage. :

Der Fürst von Pleß hat, wie der „Gebirgsbote“ \<{reibt, auf seinen Gruben eine axerkennenêwerthe R getroffen. Von jeder Abtheilung sind ein Häuer und von jedem Obersteigerrevier ein Slepper als ständige Deputirte gewäblt worden. Die Deputirten treten vierteljäbhrli< zu einer Versammlung zusammen, in welcher die etwa eingegangenen Beschwerden 2c. erörtert werden resp. ihre Erledigung finden sollen. Ueber den Gang der Verhand- lungen wird ein Protokoll aufgenommen, das dem Fürsten zur Kenntnißnahme vorgelegt wird. Derselbe hat ferner bestimmt, daß fleißige und bewährte Arbeiter alljährli<h eine Gratifikation erbalten; zu diesem Zwe> ist eine bedeutende Summe ausgeworfen.

Kunst und Wissenschaft.

In dem Departement de Mosquitos der Republik Honduras find, wie centralamerikanische Zeitungen melden, circa 250 englis&e Meilen oberhalb der Mündung der Flüsse Partook und Quamgroo von einem in Tegucigalpa ansässigen Deutschen, Namens A. I. Müller, die Ruinen einer, wie man annimmt, prähistoris<hen Indianerstadt aufgefunden worden, welche an Umfang, wie Zahl und Schönheit der vorhandenen architektoniscen Ueberreste den größten und berühmtesten Baudenkmälern Merxikos und

Perus gleihkommen soll. Die Stadt if nur von der Flußseite zu- gângli<h, vom Lande her führt keine Spur eines Wege8 durch die umlicgenden Felsen und Sümpfe hindur; aber au< vom Flusse her sind die Ruinen nit sihtbar, da der Urwald si<h zwischen sie und das Wasser eingedrängt und das alte Stadtgebiet felbst fast voll- ständig überwuchert hat. Nicht einmal die dünngesäte Indianer- bevölkerung der Nachbarschaft hatte eine Ahnung von dem Vorhanden- sein dieser Spuren einftiger Kultur, au< die alten Chroniken des Landes thun derselben keinerlei Erwähnung. Die Regierung von Honduras soll Hrn. Müller das Privilegium ertheilt haben, Aus- grabungen für seine Rehnung zu veranstalten. Die bisher angestellten Nachforschungen haben nah den Angaben der amerikanischen Zeitungen zahlreihe bemerkenêewerth sauber* gearbeitete Kunst- und Gebrauchs- gegenstände aus Stein, Urnea und andere Gefäße meist mit Swlangen- und Scbildkrötenköpfen, oder roh gezeihneten mens{lihen Figuren ges<müd>t, zu Tage gefördert.

Brüssel, 7. August. (W. T. B.) Die erste Jahresversamm-

lung der internationalen friminalistishen Vereinigung

wurde beute unter zahlreiher Betheiligung eröffnet. Die Versamm-

lung trat in die Berzthung über die bedingungsweise Freilafsung von

15 ras ein und bes<loß eine Ergebenheitsadrefse an die belgische egierung.

Literatur.

Kaiserin Augusta. Von F. Bornhak. Volks- und Jugendausgabe Berlin, I. J. Heine's Verlag. (Pr. 80 44) Die Ver- fafserin trägt mit diesem Buch dem vielfach ausgesprohenen Wunsch Rech- nung, eine Volksausgabe der Lebensgeschihte Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Augusta zu liefern; die günstige Aufnahme, welche eine größere, reiher ausgestattete Ausgabe fand, läßt hoffen, daß auch die hier vorliegende in weiten Kceisen ihre Leser finden wird. In liebevoller Form wird uns ein fefselndes Bild von dem Wesen und der segensreichen Thätigkeit der ho<hbetagten Fürstin in diesem Bu geboten, welches die Verfasserin Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Großberzogin von Baden gewidmet hat. Seiner Bestimmung als Vo!ksbuch entsprehend, ift der Preis fo normirt, daß die Anschaffung für Volks- und Schulbibliotheken mit wenig Kosten verknüpft ift.

Ein deut\<28 Kriegs\<iff in der Südsee. Von B. von Wern er, Contre-Admiral a. D. Leipzig, Veriag von F. A. Bro>khaus, Von diesem gefälligen Werk liegen uns die beiden leßlen Hefte vor, indem mit dem dreizehnten soeten der Schluß des- selben erfolgte. Es bringt zuglei< das Vorwort, in welhem der Verfasser nähere Mitibeilungen über die Veranlassung zu der Arbeit giebt und die Hoffnung autspriht: er möcht: mit seinen Scilde- rungen ein wenig dazu beitragen, daß die Südsec-Insulaner von den Europäern geshont und in ihrer Eigenart erhalten würden, indem man ibnen nur das nimmt, was die <ristliGe Religion, den dortigen Verbältnissen angepaßt, fordern muß. Auch diese beiden Schluß- lieferungen sind interessant im Text und bringen eine Reibe hübsch ausgeführter Jliustrationen.

Land- und Forftwirthschaft.

Anklam, 6. August. Die „Anklamer Ztg.* bringt folgende Mittheilung des Bauerbofsbesiters D. Schulß in Postlow: „Ein nenes Zeichen, daß die Steppenhühner do<h einheimis< bei uns werden wollen, beweist folgender Fall: Am Sonnabend, den 3. August, hatte i< Heugras - Mäher in meiner Wiese beschäftigt, welhe mir Miitags erzäblten, daß fie ein- besonderes, no<h nie gesehenes Vogelnest gefunden hätten, in welhen, nah den ausge\{<lüpften Schalen zu \<{ließen, an 15 bis 18 Junge ausgebrütet waren, und sie bâtten auß in der Nähe hiervon ileine, schwarze, den jungen Rebhühnern ähnlih: Küden gesehen. Hierdur< zur Neugierde angeregt, ging i< am Nachmittag mit, und es dauerte auh garni<t lange, so mähte einer von meinen Mähbern troy der Vorsicht, die ih ihnen anbefohlen hatte, einem von den kleinen Kü>keu beide Füße ab, welches ih nun gleich tödten ließ. Es war mir dies nun ein völlig unbckanntes Vögelchen, shwarz von Farbe, kurze Füße, \pize Flügel und einen ganz tleinen weißen Punkt vorn auf dem kurzen Schnabel Um mit herum piepten no< mehrere Kleine und i ging nun auf dieselben zu in der Erwartung, die Alten von den Kleinen zu sehen, worin ih mi au< ni<t getäuscht hatte, denn ih beute bald eins von denselben auf und sah zun glei, daß i<h es mit den hier bei uns eingewanderten Steppenhühnern zu thun hatte, wovon ih no< in dem legten Frübjahr einen ganzen Flug auf meinen Feldern gesehen hatte.“

Handel und Gewerbe.

Im Monat Juli cr. wurde auf dem A-Ney der Bus <- tiehrader Gisenbahn eine Mehreinnahme von 10 800 Fl. und auf dem B-Ney eine sol<he von 18 000 Fl. erzielt. i

London, 7. Yugust. (W. T. B.) An der Küste 1 Weizen- ladung angeboten. / è

8, A (W. T. B.) Die Bank von England

hat beute den Diskont von 23 auf 3% erhöht.

Submissionen im Auslande.

I. Jtalien.

21. September. Ministerium der öfentlichen Arbeiten in Rom und Präfektur in Genua: Bau von Waarenballen in Metall- fonstruktion mit Rolljalousien (chiusure avvolgibili) nebft Ausfüh- rung der dazu nothwendigen Maurerarbeiten auf dem Kai „Ponte S. Lazzaro“ im Hafen von Geaua. Voranschlag 590 000 Lire, vor- läufige Kaution 20 000 Lire.

Näkeres an Ort und Stelle.

Il. Niederlande.

17. August 1889, Vorm. 11 Uhr. Gemeentebestunr zu Tilburg: Lieferung von 30 gußeisernen Laternenpfählen für die Gemeinde- gaëfabrik daselbst. : .

NAuékunft an Ort und Stelle. Bedingungen käuflih für 0,25 Fl, in der genannten Gasfabrik.

Verkehrs - Anstalten.

Auf den Linien der Großen Berliner Pferde-Eisen- bahn-Aktiengesellshaft sind im Monat Juli 1889 9 436 096 Personen befördert und dafür 1100 839,38 4 oder dur- \<nittli< auf den Tag 35 510.95 #4 eingenommen. Die Einnahme im Monat Juli 1888 betrug 995 508,05 4 oder durhs<nittli< auf den Tag 32 113,16 M : :

Dresden, 7. August. Man tkeilt dem „Dr. Journ. von zu- ständiger Seite Folgendes mit: „Die „Wurzener Zeitung“ brachte in ihrer Nummer vom 17. v. M. eine Korrespondenz aus Dresden des Inhalts: „daß die bei dem Unfalle in Röhrmoos am 7. v. M. verunglü>ten Eisenbahnreisenden aus Eikensto> in Nürnberg wegen \<le<ten Ganges des aus8gelaufenen \ä>sis<en Durchgangswagens ihre Plätze mit sol&en in einem anderen Wagen demselben, welcher bei dem Ünfalle zertrümmert wurde vertauscht bâtten und daß also, wenn jener \sähsishe Wagen nicht so ausgelaufen gewesen wäre, die Reisenden aus Eibensto> von dem Unfalle niht betroffen worden sein würden.“ Mit dieser Notiz ist dann noch die Frage verkaüpft: „Wer trägt also indirekt Schuld am Tode der Eibensto>ker ?* Dur die in Folge jener Korrespondenz angestellten Erkebungen hat si< herausgestellt, daß die darin gebra<ten Angaben auf Unwahrheit beruhen, denn die verunglü>ten Reisenden haben den sächsischen Durbgangswagen überhaupt gar niht benugt.- Sie haben in Reicbenba<h den Sónellzug der Linie Leipzig— Hof bestiegen und ihre Plätze in einem \ähsisden Wagen erhalten, der nur bis Hof zu laufen hatte. Auf dieser Endstation des sähsishen Bahnbereichs waren siz daher zum Wagenwewsel genöthigt und bekamen Pläße in cinem bayerischen

Wagen, nicht aber im ächsishen Durchgan, 8wazen. Da fie in leyz-

Ö E A Ml E U ch N (s: rod E E vex