1889 / 193 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

vom Staate angerufenen und als ein Hauptfaktor in den gesammten Strafvollzugs - Organismus eingefügten Gefängniß- Seelsorge die vorzüglihe Aufgabe übertragen, den mit der Sühne verbundenen Befserungszwe> der Strafe zu verwirklichen.“ Neben dieser amtlicben Thätigkeit der <ristlihen Kirche aber sehen wir auf interkonfessionellem Untergrunde auh die reibste freiwillige Liebes- thâtigkeit für die Gefangenen in mangterlei Vereinen und Anftalten blüben und gesegnete Früchte tragen. h

Die kleine Shrift, welhe ihren Gegenftand zum ersten Mal be- Fandelt und s einer anregenden Darftcllung befleißigt, ift denjenigen, welche s< für die Entwi>kelung der Gefängnißseelsorge interessiren,

in d ier- und Lederindustri-2. Die Zeitlöhne der Gesellen waren E er Letter, init 19 Æ in dem Bekleidungégewerbe (in Folge der starken Betheiligung der Frauen), am bötsten mit 27,90 M in den Drud>ereien. Stüd>lohn \{wakt hier no< weit

Afrika. Egypten.

Wildpark auf die Pürsche, welhe 11/4 Stunden dauerte. Nah meldet „Reuter's Bureau“:

derselben fuhr Se. Kaiserlihe Hoheit nah der Fasanerie, nahm daselbst das Frühstü> ein und trat dann um 71/2 Uhr mittelst Sonderzuges die Rü>kehr nah Berlin an.

werk. Heute fuhr der Großherzog mit dem Schah nah Schwetzingen und Ae des zum Besu<h von Park und Sc(hloß. Abends ist im Theater Festvorstelung.

Oldeuburg. Oldenburg, 14. August. (T) Se. Königliche Hoheit der Großherzog hat sih gestern nah Birkenfeld begeben.

Elfaß: - Lothrin Straßburg, 13. August. Die

Aus Assuan, vom 13, Augu; M -cezeiungen re<t traurig gestimmt werden und si seine eigenen Ge-

tanken über eine so unverantwortlihe Kurzsihtigkeit der Regierung General Grenfell kam mit seinem Stabe beute von Wo gahen. Aber M R si rebtzeitia, das alle Erfol ge seit dem

l i iter. suda. ntritt des Ministers von Bi h den : | j Lei Fe Ba S meren es bier ea Triumvbtag gm zu den pessimistishen Prophezeiungen der Redner und | beträcbtlicher : Prien L 0 m. e Te industrie und 32,2% ganzen Provinz finden anläßlih der Eclösung der Einwohner v, zeitungéschreiber der Fortschrittspartei zu Stande gekommen sind. im Baugewerbe, Le E Ee Le Ductisibnitis: dem gefürchteten Einfall der Derwishe Freudenkundgebungey So u E AuN nt der ls, ange L S E es „Miner gan! 0 hn. Fn n oben aufgeführten Durfnitte, q - q : s Ä 5 ate a Se 8 l rdie1 : e U - c i E A, üblicken Eansenin P, R I e Erde, welche bereits nab 5 Jahren fkoloniale Erfolge auf- | mit einbegriffen. Die Sätze, welche angeben, um wieviel höher die

7 2 a E 2s Mistecant Su Se T eisen hâtte. Wer die Kolonialges{ihte Englands, Frankreichs, der Stüd>arbeit aelobnt ift als die Zeitarbeit, bezeihnen ungefähr glei-

ments Nr. 2 war heute festli<h zu dem Empfang des Hohen

A Br P E a

E Me É Ds PUE Sir

Chefs des Regiments, Sr. Majestät des Kaisers Franz Hohe Flaggenmasten in den deutschen Farben mit den Fahnen beider Länder,

Josep h, geshmüdt. und österreichischen eine aus Eichenlaub hergestellte Ehrenpforte, welhe die Jn- schrift „Willkommen unserem Hohen Chef“ trug, bezeichnete die Einfahrtsstelle in den großen Kasernenhof. Ebensolche, dur< Guirlanden verbundene Masten, abwechselnd mit den Fahnen ODesterreihs und Deutshlands, führten bis zu dem großen nördlihen Quergebäude. Diesem gegen- über war das Denkmal des Regiments für die Gefallenen aus den Feldzügen gleihfalls mit mä<htigen Masten um- geben, von welchen lange Wimpel in den Farben beider Länder herabhingen. Aus den Giebelfenstern wehten die Fahnen aller Staaten des Deutschen Reichs. Auf dem großen Kasernenhofe stand das Regiment in Parade-Uniform unter Befehl des} Commandeurs, Obersten von Mikush-Buchberg und erwartete die Ankunft des Er- lauhten Chefs. Um 1 Uhr fuhren die Kaiserlichen Majestäten an dem Eingang in der Blücherstraße vor. Sobald die Majestäten den Kasernenhof betraten, präsentirte das Regiment, welches vorher seine Fahnen aus der Wohnung Sr. Majestät des Kaisers Frans Joseph abgeholt hatte, und mächtig hallte das „Gott erhalte Franz den Kaiser“ über den Plag. Nah dem Abschreiten der Fronten der Bataillone dur<h Jhre Kaijerlihen Majestäten formirte si< das Regiment zum Parademarsch, welcher in Zügen ausgeführt wurde. Hierauf begaben Sich die Majeftäten, die Königlichen Prinzen und Fürstlichkeiten, sowie die zum Frühstü> geladenen Persönlichkeiten in das Offizier - Kasino des Regiments. Der Eingang zu demselben war mit Palmen und anderen Blattpflanzen os dekorirt. Durch eine Flucht von Zimmern begaben Sich die Allerhöchsten und Höchsten Herr- schaften in den Speisesaal, wo die Tafel in Hufeisenform her- gerihtet war. An der Eingangswand zu diesem Raume stand, umgeben von Palmen und Lorbeeren, die Bronzebüste weiland Kaiser Wilhelm's T., deren Stirn ein frisher Lorber- kranz zierte. Hinter dieser Büste standen entrollt die drei Fahnen der Bataillone des Regimen. Fn der Miite der Längstafel hatte Kaiser Franz N Seinen Plag. Sein Bli> fiel dur<h die Balkonthür auf die Blumenbeete und rünen Rabatten des mit großer Sorgfalt gepflegten und von hohen grünen Bäumen eingefaßten Casino - Gartens. teben der Balkonthür erbli>t man an der Wand re<ts das lebensgroße Delbild des 1. Chefs des Regiments, während links das lebensgroße Bild des jeßigen Hohen

Chefs aus d:m Jahre 1849, also in jugendlihstem Alter, hängt. Das Regiment if|ff jett volle vierzig Jahre im Besiß dieses Bildes. Zur Rechten Sr. Majestät des Kaisers Franz wofeph saß neben Sr. Kaiserlichen Hoheit dem Erzherzog len

esterreih-Este Se. Majestät der Kaijer und König. Nben Erzherzog Franz Ferdinand saßen zur Rechten Se. Königliche Hoheit der Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braun- schweig, dann Graf Paar, der kommandirende General des Garde-Corps und der K. K. Botschafts-Rath von und zu Eissenstein. Zur Linken Sr. Majestät des Kaisers Franz

oseph saßen Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinri von Nteufen, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Staatsrath von Braun, der Kriegs-Minister von Verdy du Vernois, Oberst Berzeviczy und General-Lieutenant von Hahnke. Dem Erlauchten Chef des Regiments gegenüber saß der Commandeur, Oberst von Mikusch. Auf der reten Seite batte der Feldmarschall Graf von Moltke seinen Plag zwischen dem Grafen Kälnoky und dem ersten Sektions-Chef im Kaiserlih österreichischen Ministerium des Aeußern von Szögyenyi, neben diesem saß der Staats-Minister Graf von Bismar>; auf der linken Seite saß der General - Oberst von Pape zwischen dem Botschafter Desterreih:Ungarns, Grafen Széchényi und dem Feldzeugmeister reerro von Be>, neben welchem der Chef des Generalstabes der Armee Graf von Waldersee seinen Play hatte. An den Seitentafeln speisten die General- und Flügel-Adjutanten, die Herren vom Ehrendienst, sowie das Gesolge und die Stabs- offiziere des Regiments. Gegen Ende der Tafel brachte der E O einen Toast auf das Wohl des Hohen

els aus.

Der Landrath a. D. von Hellermann, Mitglied des Herrenhauses für den alten und befestigten Grund- besiß des Herzogthums Kassuben, ist am 10. d. M. gestorben.

Der Reg'erungs-Assessor Dr. jur. Andrißky is der Königlichen Regierung zu Marienwerder überwiesen worden.

Die abgelöste Besaßung S. M. Kreuzer-Korvelte „Carola“ ift unter Führung des Kapitän-Lieutenants Hobein mit dem deutshen Reichs-Postdampfer „Hohenzollern“ am 14. Augujt d. J. in Bremerhaven eingetroffen.

S B der Ersten Beilage des „R.- u. St.-A.“ befindet sih eine Bekanntmachung, betreffend die Veränderungen, welhe in Bezug auf die Namen und 2 Ag der Vor- sigenden, stellvertretenden Vorsißzenden, Beisißer und stell- vertretenden Beisizer der für die landwirthschaftlichen Berufsgenossenschaften in Preußen errihteten Sch ieds- gerichte eingetreten sind.

Homburg, 14. Zug (W. T. B.) Se. Königliche Hoheit der Prinz von Wales traf heute Abend hier ein und wurde am Bahnhofe von Jhren Königlichen Hoheiten den Prinzessinnen Victoria, Sophie und Marga- rethe von Preußen, dem Kronprinzen von Griechen- land und dem Herzog von Cambridge empfangen.

Vaden. Baden, 14. August. -*(W. T. B.) Zu Ehren des Schahs von Persien fand gestern Abend im Groß- herzoglihen Schlosse ein Galadiner statt. Se. Königliche

oheit der Großherzog brachte dabei einen Toast auf e. Majestät den Schah aus, welhen dieser in persisher Sprache mit einem Toast auf das Wohl des Groß- erzogs und defsen Familie sowie auf das badische nd und ganz Deutschland erwiderte. Der Toast wurde von dem persischen Gesandten alsbald in französischer

„Lds.-Ztg. f. Els.-Lothr.“ veröffentliht die von dem Ministe- rium für Elsaß-Lothringen erlassenen Ausführungs- bestimmungen zu dem Erbschaftssteuergesez vom 12. Juni 1889.

Oefterreih-Ungaru. Preßburg, 13. August. (Presse.) Laut einem heute erschienenen offiziellen Communiqué arbeitet im Auftrage des Obergespans der gesammte Ver- waltungsapparat des Komitats s{hon seit geraumer Zeit an der Eruirung verbreiteter panslavistisher aufrühre- risher Proklamationen im Preßburger Komitat, von denen große Mengen bereits konfiszirt wurden.

Großbritannien und Jrland. London, 14. August. (W. T. B.) Jn der heutigen Unterhaussizung kündigte bei der Spezialberathung der Zehnten-Bill der Attorney- general Webster an: in Anbetraht der allerseits laut werdenden Einwände wolle die Regierung die Vorlage dahin abändern, daß der Grundbesißer statt des Pächters für die Zahlung des Zehnten ver- antwortli<h sein solle. Harcourt beantragte die Ver- tagung der Debatte, damit das Haus vor der Weiterberathung von dem Wortlaut der beabsichtigten Abänderung der Bill Kenntniß nehmen könne. Mit Genehmigung der Regierung wurde hierauf die Debatte vertagt.

Frankreih. Paris, 14. August. (W. T. B.) Der Kriegs-Minister de Freycinet ist heute Vormittag hierher zurü>gekehrt.

Jn seiner Vormittagsfizung erklärte heute der oberste Gerichtshof Dillon und Rochefort der Theilnahme an dem Attentat für s<uldig und sprach sih mit 100 gegen 97 Stimmen dahin aus, daß die Vorgänge im Dezember 1887 bei Gelegenheit der Präsidentenkrisis niht als Attentat anzu- sehen seien. Der Gerichtshof ging sodann auf die Frage wegen der Veruntreuung öffentliher Gelder über. General Campenon hielt die darauf bezüglihen Thatsachen für vollständig festgestellt. Roger und Margaine be haupteten, daß der oberste Gerichtshof in Bezug auf diesen Punkt nicht kompetent sei und die Angelegenheit vor ein Kriegsgeriht gehöre. Die Sißung wurde sodann bis Uhr vertagt. Jn der Nachmittaassißung erklärte der Gerihtshof Boulanger au der Veruntreuung und der Unterschlagun öffentliher Gelder, und zwar mit Auss<hließung von mildernden Umständen, \huldig und verurtheilte Boulanger, Dillon und Rochefort zur Deportation na<h einem befestigten Ort. Nah dem Aussprehen der Strafe hob der Gerichtshof die geheime Sizung auf, um den Wortlaut des Urtheilsspruhes abzufassen; welcher sodann in öffentliher Sigzung verlesen werden soll.

In der Abends stattgehabten öffentlichen Sißung des obersten Gerihtshofes verlas der Präsident den umfangreihen Urtheilsspruch, dur<h welhen Boulanger, Dillon und Rochefort zur Deportation nah einem befestigten Ort und zu den Kosten verurtheilt werden. Darauf wurde die Sizung aufgehoben.

In einer heute während der Pauje zwischen den beiden Sizungen des obersten Gerichtshofes abgehaltenen Ver- sammlung der republikanishen Gruppen des Senats wurde beschlossen, die Regierung aufzufordern, dem Urtheils\spru<h des obersten Gerihtshofes nach dessen Auflösung Achtung zu verschaffen, ferner die Aufmerksamkeit der Regierung auf den gewihtigen Umstand zu lenken, daß einige Minister gegenwärtig ab- wesend seien, und um Maßregeln gegen die dur die boulangistishe Propaganda kompromittirten Beamten zu bitten. 15. August. (W. T. B.) Die Verurtheilung Boulanger's macht hier nur einen geringen Eindru>. Der Abend verlief ruhig, ohne jeden Zwischenfall. Die hervorragendsten Mitglieder des boulangistishen Comités reisten no< am Abend nah London, um daselbst mit Boulanger eine Proklamation zu verfassen.

Jtalien. Rom, 14. August. (W. T. B.) Der König wohnte heute in Spezia mit dem Kronprinzen, dem Herzog von Genua und dem Marine-Minister einem Manöver bei, bei welhem von 8 Torpedobooten ein Angriff auf die Panzer- chiffe „Jtalia“ und „Lepanto“ unternommen und sodann eine Landung von 750 Mann an der Küste des Golfes ausgeführt wurde. Der König gab in einem Tagesbefehl seiner Befrie- digung über die geshehenen Manöver Ausdru>. Später be- suchte der König das Arbeiterviertel, wo er lebhaft begrüßt wurde. Morgen früh reist Se. Majestät an Bord der Yalht „Savoia“, von dem Geschwader begleitet, von Spezia ab. Die „Gazzetta usficiale“ veröffentliht das Dekret, be- treffend die Aufhebung des italienishen Konsulats in Wien.

Der „Osservatore Romano“ erklärt die Nahricht, daß der Papst der katholishen Presse Bayerns die Weisung gegeben habe, die Triple- Allianz zu bekämpfen, und ebenso auch die neuerlihen Gerüchte von einer Erkran - fung des Papstes für unbegründet.

Serbien. Belgard, 14. August. (W. T. B.) Der utige Geburtstag des Königs Alexander if festlich egangen worden. Nach der kirhlichen Feier fand der Empfang des diplomatischen Corps statt.

Vulgarien. Sofia, 13. August. (Presse.) Der Minister-Präsident Stambul ow versandte an alle Präfekten ein telegraphishes Rundschreiben, in welchem denselben ein- eshärst wird, jede auf die Proklamirung der Unabhängigkeit Fi abzielende Bewegung in der Bevölkerung zu ver- indern.

14. August. (Pol. Corr.) - Heute, am Jahres- tage der Regierungsübernahme Seitens des G dinand, fand ein feierlihes Pontifikalamt in der Dom- kfirhe statt. Sodann hielt der Prinz Ferdinand eine Truppenrevue ab, worauf derselbe die Glü>wünsche

Sprache wiederholt. Dem Diner folgte ein großes Feuer-

Zeitungsftimmen. Die Trinksprühe Jhrer Majestäten des Kaiserz

Franz Joseph und des Kaisers und Königs finden auch in der deutshen Presse lauten Widerhal. So schreibt die „National-Zeitung“:

„Die Worte, wel<e gestern Abend im Königlichen SW{lofse vor den beiden Kaisern gewe<selt wurden, sind wahrhaft deutshe Worte: eine Wärme des Gefühls durhströmt sie, wel<e unmittelbar dj: Herzen bewegt. Die treue Freundschaft, mit welcher die Herr her si als Persfönlibkeiten gegenübertreten. ift das Zeichen, unter welhem fh au die Völker zusammenfinden. Wobl klingt es wie ein Sthlag an das SHwert, wenn unser Kaiser gelobt, das deutsche Heer werde mit der tapferen ungar!s{-österreihishen Armee, wenn es der Wille der Vorsehung sein sollte, SHhulter an Stulter fe<ten Aber dieses Schwert. das f<arf und blank zu erhalten Kaise; Wilbelm unermüdli<h bestrebt ist, will nur die Aufrecht: baltung des Friedens beshüßen. Mit erhöhter Empfindung fkanz man nur den Trinkspruch des Kaisers Franz Ioseph lesen. J, ihm verehrt man nit nur die hobe volitishe Gesinnung, aug menshli< muß der Sprecher dieser Worte allen denen nabetreter die sie vernehmen. Mit freudiger Befriedigung nimmt die Beoölk,. rung den Kaiserlichen Dank entgegen für den Empfang, den sie deg Kaiser Franz Ioseph geweiht hat, und sie darf erkennen, daß e ven dem Erlauchten Herrscher in ihrem Zuruf woblverftanden worden if, wenn dieser H inmitten treuer Bundeêgenossen fühlte und s er- innerte, wie tiefaehend die Theilnahme war, die das deutshe Volt an feinem S{merz genommen bat.

Die untrennbare Verbrüderung und Kameradshaft beider Heere feierte Kaiser Franz Joseph. Es ist unmögli in der Bezeichnung der Innigkeit der Beziehungen weiter zu geben, und es wird nah diefer Versich:rung wobl fo leiht Niemand die Probe mawen wollen, ob er, wenn er in diese eiserne Mauer die Hand ste>t, eine Lücke finden würde. An Versuhungen, dén ges{lofenen Bund zu zerbrehen, hat es in den zchn Jahren der Dauer des\-lben ster weder in Wien, noH in Berlin gefehlt. Für jeßt und iü: all Zukunft haben Dicjenigen, die Derartiges sinnen, ge|\tern im S&lof zu Berlin den Beseid erhalten. Wer der Freund Deutslandz fein will, muß auch der Freund Oefterreih-Ungarns fscin wo nit, niht! Und umgekehrt.“ A

Die „Berliner Börsen-Zeitung“ schreibt:

eDie Toaste, welhe die beiden Herrsher mit einander wechselten, bringen nihts Neues, nihts, was wir niht vor- ber gewußt, was wic ni{t im eigenen Herzen tragen; aber sie geben dem, was man in Deutschland fühlt, und wir glauben uns der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß diese Gefühle in Oester- reiG-Ungarn ihren Widerball fiaden, einen beredten und überaus woblthuenden Auëdru>. Fürwahr, einen erhebenden Eindru> muß es maden, wei mäctiae Staaten beut in inniaer Freundschaft, ir innigster Waffenbrüders<haft neben einander zu sehen, welche vor rof nit cinem Vierteljabrbundert in blutigem Kampf ihre Interessen gegen einander vertheidigt haben, und nun vere:nigt sind, nit in dynafiishem Interesse, niht aus *elbitiühtigen Motiven nitt aus chauvinistishem Antriebe zum Swhaden Anderer, sondern allein zum Schuße des heimishen Bodens, als Vorkämpfer der idealsten Idee, der Erhaltung des Friedens, niht nur für si felbst, sondern au< für das gesammte Europa. Es ist dies ein ebenso beredtzs Zeugniß für die Weisheit und Selbstbeherrshung der Regenten, als für die politishe Reife der Völker, die mit voller Bere&tigurg von si rühmen können, d25 sie es sind, die an der Wende des reun- zehnten Jahrhunderts an der Spite der wakren Kultur marsiren, Unentwegt schreiten die verbündeten Mächte ihre Bahn, Schulter an Shulter zur Erhaltung des Friedens, nur einzig bedacht auf die „Wahrung und Festigung der Friedensbürgsha1tea zum Heil und Segen der verbündeten Staaten und Völker sowie des gesammten

uropa !“‘

Und in der „Weimarschen Zeitung“ lesen wir: „Sicherlih werden diese beiten Reden, wie der ganze Verlauf des Besuchs des Kaisers von Oesterreich in Berlin überall einen nad- baltigen Eindru> machen und die Anschauung bestärken, der die „Times“ Auédru> giebt, daß es sih um mehr als einen bloßen höfliden Gegenbesu< handle. Ausdrü>li$ mag indessen hervor- gehoben werden, daß es nit berc<tigt wäre, deshalb auf eine Ver- {hledterung der Lage s{ließen zu wollen. Im Gegentheil, die so augenfällige Hervorhebung des Grundgedankens des deuts<-österreidi \<en Bündnisses kann nur günstig im Sinne der Echaltung deê Friedens wirken.“

Endlich schreibt der „Hannoversche Courier“: „Die Trink prüche, welhe Kaiser Wilhelm und Kaiser Fran; Joseph bei dem Paradeessen ausgetausht haben, sind Kundgebungen von weltgeshi<tliher Bedeutung. Sie werden einen mätigen Widerhall in ganz Europa finden. Nicht eine zeitli< begrenzte Bundesgenossenshaït verbindet die beiden Monarchen; aus dem Wortlaut der Rede des österreichishen Kaisers ift zu entnehmen, daß der Bund „auf ewige Zeiten“ geschlossen is; denn der Kaiser hat sein Glas erhoben auf „die untrennbare Verbrüderung urd Kameradschaft* zwischen dem deutshen und österreichishen Heere. Diese Offenbarung wird die Gegner. dieser Bundesgenossenschaft um so \{<merzliher treffen, als se nunmehr erkennen müssen, wle eite: ihre bisherigen Versuhe waren. das deutsh-östecreiishe Bündnis duc< Ouertreibereien und dunkle Mathenschaften zu sprengen. Vat Vertrauen ter beiden Herrscher zu einander ist unerschütterlih, und die Auwesenbeit des Erzherzogs Franz Ferdinand, des zukünftigen Thronfolgers, bei dieser Kaiser-Begegnung bezeugt dea Willen des Kaisers Franz Joseph, daß au<h jein Nachfolger dieser l deëgenossenshaft mit dem Deutshen Reihe treu bleiben 102. Beide Kaisec betonten, daß diese Verbrüderung dazu diene, für die Erhaltung des Friedens einzustehen, der österreichische Herrscher trank insbesondere au< „auf die Mehrung und Feftigung der Frieden" bürgscbaften zum Heile und Segen der verbündeten Staaten u Völker“. Nicht auf Kriegsruhm und Erobecung sind die Gedan dieser mächtigsten Herrsher Europas geri<tet, wie ihre Feinde vet haupten; ihr Sinnen und Trachten gebt nur auf die Echaltung = Frieden?, und die gewaltigen friegstüchtigen Heere, über die sie Li bieten, stehen bereit, um Schulter an Schulter jedem Friedenêbre entgegenzutreten und ihn zum Frieden zu zwingen.“

ra S Kolo En en e e „Danziger gemeinen Zeitung“ folgende Betrachtung:

„Wer sich der demokratishen Verbeißungea und Wunschzettel 1 Jahres 1848 zu erinnern vermag, weiß, daß eine deute Flotte, sten deutsche Flagge und deutsche Kolonien darin eine große Rolle prr cter NaŸdem jene damals verfrühten Wünsche ein Vierteljahrhundert n zur erfüllten Thatsahe geworden, haben die heutigen Freisinn 2e nichts Eiligeres zu thun, als auh hier dem Reich8wagen Heese zwischen die Räder zu \te>en. Wollte man der freisinnigen Þ be und namentli<h der sogen2nnten „Nation® Glauben schenken, Psere in jenen Kreisen ais der Weisheit leßter Schluß gilt, fo „blüht i Kolonialpolitik ab, wie die Sträucer im Herbst“, und na él

der Civil- und Militärbehörden empfing.

Weil<hen würde davon ni<ts weiter vorhanden fein als cue lorene Spuren. Der harmlose Leser könrte nun dur< solche

zar . . 2 - - - , . ‘ederlande studirt, weiß, was diese Länder für ibre überseeischen Nieder- ruhe an Opfern zu bringen batten. Deutschland befindet si< in tlonialer Beziehung no< in der Lebrzeit. Als im Jahre 1884 unsere asten Flaggen gebißt wurden, besaß Deutschland kein für koloniale Zwe>e irgend vorgebildetes Personal, weder in seinem Beamten- émnde, no< in den einzelnen bürgerlihen Berufskreisen der Nation, „H in seiner bewaffneten Macht. Dies Alles will erft langsam “s<affen und herangebildet sein, ein Stü> Arbeit, das in einem Bundesstaat wie Deutshland anderen Bedingungen unterliegt als = Ergland oder Frankrei<. Zudem ift das Deutsche Reich no<h in junger Hauéftand, wo gar Vieles am Nothwendigen lt, und in der Nation ift sehr viel guter Wille, aker renig Erfahrung, sehr viel Wissenschaftlihkeit, aber wenig vraktisches gönnen für diese Zwe>e vorhanden. Für eine Kolonialpolitik muß Deutschland sih mithia erst selber erziehen, tenn es bedarf für ine übersecis<e Stellung einer Generation, die nah großen Gesichts- „unften denkt und handelt. Was wir bisher an Opfern von Menshen- [eben und Geldsummen gebra<ht haben, ist wenig im Verbältniß zu vem, was erforderli ist, um die Scußgebiete nußbar zu maten, 7 teren Besiß die anderen Nationen uns so ungern sehen, die alfo ¿06 wobl einigen Werth haben müfsen. Die heutige Kolonial- rolitik kann nur d-en Ader jâten, die [eider oft blutigen Surhen ziehen und den Samen ausstreuen, ein langwierige8 finternebmen, das viel Ausdauer und Geduld erfordert, damit ne künftige Generation davon ernten kann. Unsere Freisinnigen ircilid wollen überall ernten, wo sie ni<t oder dob nur îinfraut aesät baben, und deshalb geht die Ges@ichte über sie binweg. t nah abermals 25 Jahren no< einer von den Freisinnigen übrig, ® wird er freili< ebenso wie jeßt bei der Altersversiczerung aflären, daß das dann in kolonialer Beziehung Erreichte einzig seiner Partei zu verdanken sei. :

Die Rictigkeit der Gesammtpolitik des Reichskanzlers kann sid r nit beffer erweisen, als daß sie von den Freisinnigen ¿war in Allem und Jedem b-kämpft und bemängelt wird, daß die Leßteren aber nie säumen, s die Früchte anzueignen und ich das Verdienst des Erfolges zuzuschreiben.“

Statistik und Volkswirthschaft.

Die Lobnverhältnisse in Berlin im September 1888. Unter diesem Titel hat das Statistis&e Amt der Stadt die von ter Gewerbe-Deputation des Berliner Magistrats im vergangenen Jahre eingezogenen Nachweisungen über die Lobnverbältnifte der Ge- perbetreibenden und Arbeiter soeben veröfentliht Die erste ErLebung dieser Art fand im Jahre 1880 für das vorhergegangene Jahr 1879 fait. Seit 1881 werden die Ermittelungen alljäbrlih für einen be- stimmten Monat angestellt, und zwar geschah dies 1881 für den Juli, ferner im Mai 1882, Juli 1883, Februar 1884, Mai 1889, Mai 1886, Mai 1887 und September 1888, wobei der Monat Mai tarum bevorzugt worden ift, weil in ihm ziemli allgemein alle Arbeiter Keshäftigung haben. Die Berliner Lobnermittelungen finden nit auf ner eigentli statistishen Unterlage mittels Individual-Zäblkarten, cie die Volkszählungen —, sondern auf dem Wege der Enquête, d. b. dur Umfrage bei verschiedenen Sachverständigen ftatt. Doch it die Zahl der Befragten immerhin fo bedeutend (im BerichtEjahbre 1 meist größere Betriebe und 157 Kassen, Innungen und Fach- vereive), daß die Ergebnisse als der Wahrheit sehr nahe kommend anzuseben find. : Di Borsiedenbeit der Löhne innerhalb ter einzelnen Gewerbe ist ebenso groß wie die Verschiedenheit der Löhne der einzelnen Arbeit- stellungen beim Vergleih der Gewerke mit einander. Gs kommen bier verschiedene Ursahen in Betrat, unter welchen die te<nische Fertigkeit cinerseits und die Nachfrage nah derselben arder]eits und überbaupt das Verbältniß, in welhem Angebot und Nafrage auf die Löhne wirken, die gröëte Rolle spielen. Auch die tägliche Arbeitszeit würde in Betraht kommen. Von einer Re- duktion der Wochenlöhne auf den Stundenlohn (wie sie bei den auf leider Grundlage beruhenden Veröffentlihungen des Statistischen Amts der Stadt Breslau über die Lobnverbältnisse dur<gefübrt ift) konnte indeffen abgesehen werden, da das Tabellenwerk ergiebt, daß die Arbeitszeit dur<schnittli< eine 12stündige ein‘<ließlih zwei Stunden Ee zu sein pflegt Die Arbeit in Ueberstunden wird_ befonders ezablt, meist nah Maßgabe des si für die Arbeit pro Stunde all- gemein ergebenden Durchschnitts; nur die Sonntags- und Nacht- arbeit werden mebrfa<h und zwar theilweise beträ&tlih böber ¿zlobnt, z. B. bei den Steinmeyen, in der Königlichen Münze, bei den Huf- und Wagenschmieden, in der Kunst- und Bau- s&losserei, in Fabriken für Gas-, Wasserleitungs- und Kanalifations- anlagen, für eleftrishe Beleuchtung, Centralbeizung und Ventilations- anlagen, bei den Tapezierern und Dekorateuren, in der Gummi- waarenfabrifation, bei den Steinseßern, Dachte>ern, Zimmerern und Bubdru>ern. Eine ungleih größere Bedeutung für den jeweiligen Lobnsag bat die Jahreszeit, indem fast jedes Gewerbe eine it [ebhafteren Betriebes und eine Zeit der Rube hat. i vielen Betrieben ift es die Weihnachtszeit, welche am meisten Arbeit und Verdienst bringt, bei anderen die Früblings- oder Herbstzeit, bei no<h anderen die Termine des Wobnungswe@sels u. . w. Dies ift insbesondere bei der Vergleichung mit den früheren im Mai statt- ebabten Ermittelungen und bei der Ansiht des Befragten über ein Steigen oder Fallen des Lobnsates zu beatten. Denn wenn z. B. im Mai bei einem Gewerbe das Geschäft sehr lebhaft gebt, im September aber rubt, so werden die Löbne im leßtgenannten Mongt niedriger ersheinen, während sie umgekehrt böber sird, wenn der Mai ein gesbäftlih ruhiger, ter September ein lebhafter Monat is. In ahnlicher Weise hängt auch die Beantwortung ter Frage, ob Arbeiter begebrt sind oder nit, von der periodischen Lebhaftigkeit des Geschäfts ab, und die jeweilige Begehrtheit der Arbeiter ist no< nit cin Zeichen für die allgemeine Besserung des Geschäfts. : , Was die Löhne selbft betrifft, so \<wanken die Wochenverdienste In den vershiedenen Berufsstellungen wie folgt : : i Stüdlohn

eitlohn Werkmeister . . . . . 30,70—46,00 46 us t Gebülfe, Geselle u. #. w. 19,00—27,90 16,85— 32,25 E. «0s 6,20—10,09 Arbeiter... , 15,00—19,50 20,20—27,00 lugendliher Arbeiter . 7,30—10,50 8 50—10,00 Arbeiterin ..,,, 9,50—12,15 11,69— 13,75 jugendliche Arbeiterin. . 5,45— 7,75, 6,40— 8,35 : m Allgemeinen sind die Shne der männlien Arbeiter bei Zeitarbeit um 16 bis 869% höher als die der Arbeiterinnen, um 16% bei den niederen Arbeitern in Heiz- und Leuchtstoffanlagen, um 39% bei den Betriebsarbeitern (d. st. te<hnis< geübte) daielbst und in èr Pavier- und Lederinduftrie, um 57 °%/ in der Textil- und Bellei- durgsindustrie, um 80 9% in der Industrie der Steine und um 86 °/ in Nabrungémittelindustrie. Bei den Stü>löhnen s<wankt der Prozentsatz zwischen 57 °/6 in der Papier- und Lederindustrie und 100 °/o in B Indu trie der Nabrungs- und Genußmittel. In der Textil- und dungtinduftrie beträgt er 79 °/o. : E : Arbe en geringsten Zeitlobn empfingen mit 15 4 die chemischen tbeiter, den höchsten mit 18,30 4 die Arbeiter in der Nahrungs- Dittelindustrie und mit 19,50 4 die Betriebsarbeiter (d. \. te<nis<

E U R E Ba

zeitig die Grenze, bis zu welher die körperlihe Kraft bei der betreffenden Arbeit bezw. Berufsgruppe auêsgenußt werden kann. Diese Maxima waren im September 1883 bei den Gesellen 2c. dur 27,9% im Baugewerbe, bei den Arbeitern dur 43,39% in der Metallindustrie und bei den Arbeiterinnen dur< 28,3%/o im Nahrungs mittelgewerbe gegeben ; ; | Aus dem interefiautèn Kapitel über die Bewegung der Löhne, in dem auh des Einflusses der Strikes der Maurer und Zimmerer sowie der Lohnbewegunaen bei den La>irern, Sattiern (Militäreffekten- arbeitern) und Möbel-Posamentieren gedacht ift, geben wir fclaende Verglei<ung der ortsübliben Tagelöhne geæöhnliher Tagearbeiter, erwahsener wie jugendlicher, beiderlei _Ges<hlehts, na< den Fest- seßungen des Ober-Präsidenten vom März 1834 und der jüngsten

Ermittelung : März Sat: 1884 18883 Tagelöhner (erwadbsene Arbeiter)... . , 14,40 16,50 jugendlihe Arbeiter und Arbeiteburs@n. . . 8,45 insbesondere Arbeitsburschen e 10,40 insbesondere jugendlibe Arbeiter 7,80 7,50 Arbeiterinnen (erwa) „6 9,09 10 35 jugentlihe Arbeiterinnen 6,090 _6,35 Diese Zahlen ergeben das Material für eine etwa erfolgente Aenderung der für die Krankenversierung zu Grunde geleaten Lobrfätße. Zum Schlufse ist eine Vergleichung der dur< die Ermittelungen des Statistishen Amts gewonnenen Lobrsäße mit der Einkommen- einsbäßung der Steuerverwaltung vorgeiommen worden; erstere ergab bei 611 Handwerksgesellen einen durhshnittlihen Wodtenlohn (das Jahr zu 50 Woten gerehnet) von 22,89 Æ, die Einsbäßung von 16,70 Æ, sodaß im Dur&scnitt die Einschäßung um 36 °/ hinter der Wirklifkeit zurü>blieb.

Die Gefangeuen und die Verbrecher unter dem Einfluß des Chrifteuthums.

Die „Blätter für Gefängnißkunde* (Organ des Vereins deutscher Strafanstalië-Beamten, redigirt von Gustav Efkert, Großherzoglich badis@em Geheimen Rath and Gefängniß- Direktor in Freizurga î. B, Präsidenten des Vereins - Ausshusses; Verlag von G. Weiß in Heidelberg) bringen in dem türzlid ausgegtbenen 1. Heft 95. Bandes als Festgabe zur Feier des 2öjährigen Bestehens des Vereins der deuts$en Strafanstalts-Beamten cine Arbeit von F. A. Karl Krauß, Gefängniß-Geistliwen zu Freiburg i. B., betitelt: „Die Gefangenen und die Verbrecher unter dem Ein- fluß des Christenthums.“ Es ist der erfte literarishe Versu, diesen Gegenstand in einem cinheitlihen Gesammtbilde vorzuführen und darum als ein verdienstlibes Unternehmen zu bezeihnen.

Mit vielem Fleiß bat der Verf. das sehr zerstreute Material ge- sammelt, welbed zur Beleutung des Einflufies dienen konnte, den die Gristlihe Kirbe im Laufe der Jahrhunderte auf das Loos der Gefangenen oder auf di? Verbesserung des Gefängnißwesens ausgeübt bat. Er gelangt dabei zu dem Ergebniß, daß die Erfolge der Kirch? in legterer Beziehung nur fspärlihe gewelen seien: lie habe ih eben überall gn die volkéüblihen Sitten, Geseße und Rechts-Institutionen nah Möglitßkeit anges<lossen, und diefe Accommodation trete au auf dem Gebiet des Strafwesens unverkezn- bar zu Tage: „Selbst in der Ausbildung ibrer eigenen Gerichtébarkeit lehnte sie fi meistentheils an das herrschende staatliche (römische) Recht an. Inébesondere die grausamen Strafen der weltlichen Ge- ribte seben wir au von den kir&licben vielfah in Anwendung ge- bradht, und die finsteren strengen Rehtsansbauungen der Zeit de>ten si jeweils mit denen des Dogmas. So waren auch die kir- lihen Gefängnisse in ni<ts oder nur sehr wenig von den |taat- lihen untershieden. Die Kirche ist in ihrer äußeren Erscheinungs- weise ebea au ein Kind der Zeit, von der Beschaffenbeit der Ge- sammtfultur eines Volkes wie der ganzen Menschheit abbängig. “nders und besser sei es bezügli der veredelndea Beeinflufsung des Strafrehtiswesens dur< die religiösen Ideen ert mit tem Beginn des vorigen Jahrhunderts geworden; erst der Neuzeit sei es vor- behalten gewesen, tas Cbristenthum au< als die „alle Lebens- verbältnisse für die Justizpflege und Lebenserscheinungen dur- geistigende Gotteskraft“ sid bethätigen zu schen; erft jeßt et man bere<tigt von einem wahrbast <ristlihen Gefängnißwesen zu reden. Ganz anders verhalte es si< dagegen mit der Bethätigung der christlichen Liebe für die Gefangenen pnd Verbrecher, mit dem Bemüken, ihr hartes Loos zu mildern, ibre Fesseln zu lösen oder au< ihre Bestrafung, namentli die Todeéstrafe, zu beilsamer Buße für sie zu gestalten. Da babe die <ristli@e Liebe möglichst die Wunden wieder zu heilen gesubt, wel<he das unerbittlidbe Ret \<lagen zu müfsen glaubte: „Auf dem Felde der Charitas blühten von jeber für die Kirhe die \<önsten Blumen, womit sie si reibe Verdienstkränze um die Stirn winden konnte“. Die von der Kire gelehrte und geübte Pflicht, au< den Gefangenen Liebe zu erwei!en, gründe sih auf die Lehre und das Beispiel des Heilandes,_ welcher „gekommen ift, nit die Gere<ten zu' berufen, sondern die Sünter*.

Wie die Kirche dieser Pflicht dur< 17 Jahrhunderte na&zzukommen bestrebt gewesen, hat der Verf. auf Grund aller ihm errei&baren Quellen svstematis zu schildern unternommen. Diese fließen für die frübeste Zeit aus den Schriften der Kirenväter sehr reihlidb, und die Abschnitte, in denen die Gefangenenpflege Seitens der Diakonen und Diakonissen, der Loskauf der Kciegsgefangenen dur die Mittel der Kirche, der mildernde Einfluß der <ristlicen Religion auf die strengen ftaatlihen Maßnahmen gegen die S{uldner zur Darstellung gebraht werden, entrollen ein wirkli<h erhebendes Bild, nicht minder die Schilderung der Handhabung des kirchlichen Asplre<ts, der Fürsprahe bei den Behörden für angeklagte oder verurtheilte Verbrecher, sowie der Bestrebungen, die öffentliche Kirhenbuße (auf Grund der an das rômishe Reht angelebnten Bußgeseße) an die Stelle der gerihtlihen Strafen zu seßen. Später ift es weniger die firhenamtlibe Form als der Geist freiwilliger Fürsorge, welcher sich

irkfsam zeigt. ' E

T Ae dên mannigfaltigen Einrichtungen und Anstalten <ristlichen Erkarmexs, an denen das Mittelalter so rei ist, war namentlich in Italien eine Reihe religiöser Orden und Bruderschaften für das Loos der Gefangenen und das Seelenheil der Verurtheiltea zu sorgen bestrebt. Die Schilderung der Organisation derselben sowie ihrer unablässigen, von tiefer Frömmigkeit getragenen Liebesthätigkeit bildet einen der anziehendsten Abschnitte der Schrift. Dann aber wird uns eine Anzabl einzelner Personen vorgcführt, wel<e in derselben Rith- tung tbätig und zum Theil von epohemachender Nachwirkung ge- wesen sind. Außer einigen altchristlihen Bischöfen waren dies: Erze bischof Carl Borromaeus von Mailand, dessen Instruktionen für die Beaufsichtigung der Gefängnifse und die Be- handlung der Gefangenen ungemein fegensreid gewirkt haben, Vincenz von Paula, der \i< besonders die Besserung der Lage der Ealeerenfträflinge in Frankreich angelegen sein ließ, vor Allen aber Friedri< von Spee und Christian Thomasius, jene Vorkämpfer für Aufklärung und Menschenliebe, die dur ihren erfolgreilen Eifer gegen ars Hexenverfolgungen und Folterkammern

i [l geseßt haben. : / N it e Ante der neuen Zeit endli besserten ih die Zuftände der Gefängaisse und Gefangenen im Allgemeinen. „Nun

warm zu empfehlen. Für die Ausfüllung der von dem Verfasser selbft nit übersehenen Lücken erklärt sb derselbe allen etwaigen Mitbeifern dankbar.

Sanitäts-, Veterinär- und Quarantänewesen.

Rußland. Nah einer Anordnung des General-Gouverneurs zu Odessa werden die aus den verpesteten Geaenten Arabiens und aus Aden in den Häfen des SHwarzen Meeres ankommenden Schiffe in Theodosia einer Quarantäne unterzogen.

Sc<{weden. Amtlicher Bekanntmachung zufolge sind die Provinzen Yemen in Arabien, Toak-Arabi in der asiatishen Türkei, Aserbeidshan und Gilan in Persien, sowie die Hafencrte am persishen Meerbusen als von der Pest befallen erklärt worden.

Handel und Gewerbe.

Berlin, 13. August. Bericht über Kartoffelfabrikate von C. H. Helmeke in der „Zeits<r. f. Spirit.-Ind.*. Die Lage des Geschäfts ist bis heute die frübere geblieben. Der Bedarf zeigte sih mindestens in dem früheren Umfange, fo daß in den legten a<t Tagen manch? am Markte befindliche Partie weggeräumt wurde, an deren Stelle aber wieder neues Angebot trat; au< von den geringeren Sorten ift manches v-rkauft worden. Zu notiren ift für reelle Prima- Stärke 18 75—19 50 Æ, für deëgl. Mebl 19,50 —20,75 A, für die abfallenden Sorten 185—19 Æ, für die Sekunda-Waare 16—17,50 Æ, für die Tertia 14—15 # von dén versbiedenen Stationen der Pro- duktionsgegenden ab, sowie je na<h Lage derselben. Billige Offerten auf neue Campagne, wie solbe in Hawburg vorliegen und den dortigen Markt drü>en, fehlen uns nod. Ueber die éolländishe Kartoffelernte verlautet, das ein Resultat heute no< gar nit festgestellt ist, und daß viel Champions gebaut sind, wele no< vier Wochen zu wadsen baben, ferner daß das Kraut früh abzusterben beginnt, während die Knollen noÿ nit au8gewasfen sind. Die übrigen Fabrikate, wie Zu>ker, Syrup und Dertrin, sind unverändert. Zu notiren ist frei Berlin: Prima Kartoffelmebl je na Qualität 20,50 - 22 Æ, Secunda Kartoffelmebl 18,50—20 #, Prima Kartoffelstärke 13—20 Æ, Secunda Kartoffelitärke 185—19 Æ, Prima weißer Kartoffelsyrup 4209 prompt 25 #, do do. ver Auguft 25 M, do. gelber Kartoffelsvrup prompt 23—24 #, do. do. per August 23,50 #, do. weißer Kartoffelzu>er prompt 25 , do. do per August 25 Æ, do. gelber per August 23—24 Æ#, do. Dertrin prompt 30—31 M, frustallinisher Kartoffclzuder 99 9% 44—45 „#4, fryftallini- des Nachprodufkt 80 9% 23—24 : E obersGlesis%en Steinkoblenmarkt berichtet die „Sles. Ztg.“: Die seit längerer Zeit bestehende lebhafte Nach- frage fam, wie in allen Bergbau treibenden Diitrikten, fo aub im oberslesishen Revier während der verflossenen Berichtsperiode intenfiv zur Geltung. Nah Heizkoblen trat der Begehr in keinem der Vor- jabre zur zâmlichen Zeit so hervor wie dieëmal, nabdem die Förderung während der verstrihenen Sommermonate s< als unzulängli erwiesen und somit die Schwierigkeit, in bestimmten Marken und Sorten allen Ansprüchen zu genügen, anhielt und troy Beibehaltung der Naht- \>idten die nothwendige Erhöhung der Leistungsfähigkeit nicht bewirkt werden konnte, umsoweniger, als die stark reducirten Belegschaften erst dur< den allmählihen Zuzug auëtwärtiger Arbeitskräfte kompletirt werden fönren. Andererseits trägt zu der gefennzeihneten Situation viel bei, daß die Koble-großbändler der heimischen wie der Nacbbar- provinzen, dur die anziehenden Preise bewogen, ihre Bezüge nach- drü>lih besbleunigten. Die Gruben seben si< taher genöthigt neuen Lieferungêverbindliwkeiten einstweilen zurü>baltend gegenüber zu treten, zumal selbst die laufenden Abs<lüffe si nur mit einer prozentualen Vertheilung der zur Verfügung fiebenden Koblenforten begnügen müssen, was fast durhgängig von den Aufbereitungs- produkten ailt. Den Versandt betreffend, bat der wocenlang ungünstige Wasserstand die Abwi>elung der alten Schlüsse gerade in der für Lieferungs8erledigungen vortheilhaftesten Periode wesentli aufgehalten. Einem entspre<end_ lebhafteren Durcbgangsverkehr folgte na< Eintritt der günstigen Siffahrtsverhältnisse ein äukerft reger lofalcr . Eisenbahnverkebr na den Abschlagstellen, begünstigt dur ausreihenden Wagenbestand, sodaß erst na der vertragsmäßigen vollen Auénußung des vorhandenen Kabnraumes der Durchgangs- verkehr mit einem verhältnißmäßig geringen Bruhtbeil der Versandt- mengcn in Anspru genommen wurde. Ba>- und Gzskoblen fanden einex beträßtliwen Abzrg nah Oesterreiw-Ungarn und Rußland, und au der Verbrau von Fettkoblen gewinnt einen fteigenden Umfang. Die Erweiterung der O \Greitet rash vor. Der Kohlen- marft verharrt in anzichender Tendenz ; pa L 14, Angust. (W. L. A Tetienzitqung der 1G ämienloose. olgende Serien wurden gezogen: E L Us, 847, 893, 1872, 1969, 2190, 2375, 2446, 2637, 975, 2848, 3983, 3151, 3267, 4267, 4451, 4515, 4568, 4611, 4716, 5007, 5011, 5233, 5362, 5413, 5598. Der Haupttreffer von 150 000 L fiel auf Secie 3267 Nr. 14. 15000 Fl. fielen auf Serie 4716 Nr. 32, 5000 fl. auf Serie 993 Nr. 28, je 1050 Kl. auf Serie 715 Nr. 6, Serie 3267 Nr. 28, Serie 4451 Nr. 4 und Serie 4611 Nr. 34. Pest, 14. August. (W T. B.) Die Erträgnifie der Centrale der Ungarishen Kreditbank betragen na< der heute ver» öffentlihtea vorläufigen Bilanz 606 545- Fl. (darunter Zinsen 320 000 F[., Konsortialgewinne 192 000 Fl.), biervon ab Lasten 101 996 FLl., verbleibl cin Reinerträgniß 504 550 Fl. Die Er- trägnisse der Bank- und Waarenabtbeilung betragen 659 342 Fl. (darunter Zinsen 207216 Fl., Provisionen 180 090 öl, Effektengewinn 153975 Fl., Waarengewinn 80673 F[.), bier- von ab Lasten 205260 Fl., verbleibt ein Reinerträgniß 454 082 Fl. Von diesem Betrage entfallen 181 633 Fl. auf den Antheil der Oesterreichishen Kreditanstalt ; es verbleibt also ein Er- trägniß der Waarenabtheilungen von 272 449 Fl. Das Gesammt- erträgniß im ersten Semester 1889 beträgt somit 76 999 Fl., wobei die Konsortialgeshäfte berücksichtigt sind, soweit sie bis zum 30. Juni reits abgere<net waren. . H 7 fa 14. August. (W. T. B.) An der Küfte 1 Weizen- ung angeboten. l E Mailand, 15. August. (W. T. B.) Die Einnahmen des ita- lienishen Mittelmeer-Eisenbabhnneues während der ersten Dekade des Monats August 1889 betrugen nach provisorisher Gr- mittelung: im Personenverkehr 1559 710 Lire , im Güterverkehr 2 011 310 Lire, zusammen 3 571 020 Lire gegen 3 365 263 Lire in der gleihen Periode des Vorjahres, mithin mehr 205 757 Lire.

Verkehrs - Anftalten.

amburg, 15. August. (W. T. B) Der Postdampfer Ae: Hamburg- Amerikanischen Pa>etfabrt- A Tel ae S N Hamburg kommend, gestern Nalh-

mittag 3 Uhr in New-York eingetroffen. ; / Cond os. 14. August. (W. T. B.) Der Union-Dampfer „Trojan“ ist heute von Madeira auf der Auéreise abgegangen. 15. August. (W. T. B) Der Caftle - Dampfer

geübte) der Heiz- und Leuctstoffanlagen. Bei den Arbeiterinnen f{wankten die-Löhne zwischen 920 A in der Industrie der Steine und 12,15

wurde die Kirte Mitarbeiterin des Staats und ibr in der

R oslin-Castle“ ist heute von London auf der Ausreise ab--