1889 / 197 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin Augusta erwartet morgen den Besu<h Sr. Königlichen Hoheit des Kronprinzen von Schweden und begiebt Sich in den nächsten Tagen zum Kurgebrau< na< Schlangenbad.

Ueber die Ankunft und den Empfang Jhrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin in Karls- ruhe liegen aus dem „W. T. B.“ nachstehende Telegramme vor :

Karlsruhe, 19. August. Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind heute Nachmittag, kurz nah 4 Uhr, mittels Sonderzugs hier eingetroffen und am Bahnhof von Jhren Königlichen Hoheiten dem Groß- herzog und der Großherzogin sowie den Mitgliedern der Großherzoglihen Familie empfangen worden: Jhre Majestäten und das Großherzogliche Paar begrüßten Sih auf das Herzlihste mit wiederholter Umarmung und Kuß; hierauf begrüßten Jhre Majestäten die Prinzen Karl und Ludwig, Hoheiten. Se. Majestät der- Kaiser nahm sodann die Vorstellung der anwesenden Herren ent- gegen. Zum Empfange waren erschienen: die Mitglieder des Staats-Ministeriums, die Spigzen der Behörden, die Generalität und das Offizier-Corps. Der Kaiser schritt hierauf mit dem Groß- berzog die Front der aufgestellten Ehren:Compagnie ab, deren Kapelle beim Eintreffen des Extrazuges die Nationalhymne gespielt hatte, und nahm den Frontrapport entgegen. Nah kurzem Verweilen im Fürstenzimmer bestiegen die Majestäten die bereit stehenden vierspännigen Galawagen zur Fahrt in die prächtig ges{müd>te Stadt. Der Einzug erfolgte unter Kanonendonner und Glo>engeläute. Vor dem Bahnhofe war eine Escadron des Leib-Dragoner-Regiments aufgestellt, welhe si< dem Wagen anshloß Jm zweiten Wagen folgten Jhre Majestät die Kaiserin und Jhre König- lihe Hoheit die Großherzogin. Die Straßen vom Bahnhof bis zum Schloß waren mit einer Doppelreihe von Fahnen- masten und Guirlanden reih ges<müd>t, die Häu)er mit Teppichen, Flaggen und Tannengrün prächtig dekorirt. Die Vereine der Stadt und die Feuerwehr bildeten Spalier; hinter demselben wogte eine dihtgedrängte Vienschenmenge, welche die Majestäten mit endlosen, begeisterten Jubelrufen begrüßte. Vor dem Rathhause brachte der Ober-Bürgermeister Lauter, an der Spitze der städtishen Behörden, dem Kaiser und der Kaiserin den ehrfur<tsvollen Gruß der Stadt dar, worauf Se. Majestät in Seinem und der Kaiserin Namen dankte. Jhre Majestät sowie die Großherzogin nahmen Bouquets entgegen, worauf die Fahrt fortgese$t wurde. Auf dem Schloßplaß hatten die Kriegervereine des Landes Aufstellung genommen. Se. Majestät fuhr die Front der Vereine entlang und ließ legztere defiliren. Der Vor- beimarsh dauerte eine Stunde. Nah dem Sr. Majestät von dem General-Major Deimling erstatteten Stärke-:Rapport hatten 18 000 Mitglieder von Kriegervereinen vor dem Kaiser in der Front gestanden. Vor dem Schloß war abermals eine Ehren:Compagnie aufgestellt. Gleich na< der Ankunft daselbst wurden Jhre Majestäten in Jhre Gemächer geleitet.

Kurz na< 7 Uhr Abends begann im Gartensaal des Schlosses das Galadiner, zu welhem nahezu 100 Einladungen ergangen waren. Später concertirten sämmtliche Kapellen der 28, Division unter Leitung des Musikdirigenten Boettge im Schloßgarten. L S L

Zum Ehrendienst bei Sr. Majestät dem Kaiser sind der Ober-Stallmeister von Holzing, der Flügel-Adjutant Major Müller und der Kammerherr von Marschall befohlen. Bei Jhrer Majestät der Kaiserin haben den Ehrendienst der Hof- Jägermeister von Kleiser und der Kammerherr von Chelius.

Karlsruhe, 20. August. Se. Majestät der Kaiser begab si< heute früh um 6 Uhr zur Jagd und fuhr um 9 Uhr mit Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog mittels Extrazuges nah Jöchlingen, um einer Gefehtsübung der

28, Division beizuwohnen. Auf der Fahrt nah dem Bahnhofe wurde Se. Majestät von der Bevölkerung enthusiastish be- grüßt. Um 1 Uhr findet bei Hofe ein Dejeuner statt.

Jhre Majestät die Kaiserin besuhte heute Vor- mittag mit Jhrer Königlichen Hoheit der Großherzogin den hiesigen Wohlthätigkeitsverein. Namens der Vorstände begrüßte Geheim-Rath Ullmann Jhre Majestät, welche lebhafies Interesse an den verschiedenen Zweigen der Vereinsthätigkeit an den Tag legte.

Durch Entscheidung vom 13. Mai 1889 (Nr. 735) hat

das Reichs-Versicherungsamt die Entschädigungs- ansprüche eines Arbeiters zurü>gewiesen, welcher verunglüd>te, als er auf das Dach der Fabrik seines Arbeitgebers gestiegen war, um zu sehen, ob es in der Nähe seiner unmittelbar an das Kesselhaus der Fabrik grenzenden Wohnung brenne. Derselbe war hierbei dur< ein unverwahrtes, von Ruß ges<hwärztes und darum s{hwer von der aus getheerter Dach: pappe bestehenden Dachbede>ung zu unterscheidendes Oberlicht getreten und herabgestürzt. Das Dach war den Arbeitern niht allgemein zugänglih , ihnen vielmehr das Betreten des- selben verboten, und es mußte, um hinauf zu gelangen, erst eine Fallthüre gehoben, eine Leiter herbeigeholt und angestellt werden. Hiernach konnte die Beschaffenheit des Daches, ins- besondere der Oberlichtfenster, als eine Betriebsgefahr für die Arbeiter niht angesehen werden. Der Betrieb vollzog fich nicht auf dem Dache, und der Kläger befand sih, als er in seinem Privatinteresse das Dach betrat, niht im Betriebe. Ein ursählicher Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem Betriebe bestand nit, und es liegt somit kein Unfall „bei“ dem Betriebe im Sinne des Unfallversiherungsgeseßes vor.

__— S. M. Kanonenboot „Wolf“, Kommandant Kapitän- nre Credner, ist am 11. August cr. in Apia ange- ommen.

_ Fulda, 19. August. (W. T. B.) Zu der morgen hier stattfindenden Bischofs-Konferenz haben ihre persönliche Theilnahme zugesagt: die Erzbischöfe von Köln, Posen und Freiburg, der Fürstbischof von Breslau, die Bischöfe von Trier, Limburg, Fulda, Hildesheim, Osnabrü>, Ermland, Ku!m, Mainz und der katholishe Feldpropst der Armee, Bischof Dr. Aßmann aus Berlin. Das Bisthum Münster wird durch den Kapitularvikar Dr. Giese, das Bisthum Paderborn dur den Domkapitular Dr. Schulte vertreten sein. Die Sigzungen beginnen morgen früh 8 Uhr, na einer kurzen Anda@t in der Bonifaciusgruft. Den Vorsitz führt der Erz- bis<of von Köln.

_— 20. August. (W. F.-B.) Die zu der Bischofs- konferenz angemeldeten Theilnehmer sind®his auf den Ver- « treter des Bisthums Paderborn, Domkapitutr Dr. Schulte,

sämmtli hier eingetroffen. Die Konferenz wird vorausfictlih bis zum Donnerstag dauern.

Bayern. München, 19. August. (W. T. B.) Se. Königliche Hoheit der Prinz-Regent ist mit dem preußischen Gesandten, Grafen zu Ranzau, sowie dem Minister-Präsi- denten Frhrn. von Luß und den obersten Hofhargen heute Nachmittag 23/4 Uhr mittels Extrazuges hierher zurü>gekehrt.

Heute Abend 7 Uhr ist Se. Majestät der Schah von Persien hier eingetroffen und von Sr. Königlichen Hoheit dem Prinz-Regenten sowie den Prinzen des Königlichen Hauses am Bahnhof empfangen worden. Außerdem waren die obersten Hofchargen, der Minister des Aus- wärtigen und die Generalität zum Empfange erschienen. Auf dem Bahnhofsperron war eine Ehren:Compagnie aufgestellt, und bei der Einfahrt des Zuges ertönte Kanonen- salut. Der Prinz-Regent fuhr mit dem Schah in einem von einer Reiterabtheilung esfkortirten Wagen nah der Residenz. Die die Straßen füllende Menschenmenge begrüßte den Schah mit lebhaften Zurufen.

Württemberg. Friedrichshafen, 18. August. Se. Majestät der König ist nebst Gefolge heute Nachmittag 1 Uhr 18 Min. von Stuttgart wohlbehalten hier eingetroffen und hat si sofort in das Schloß begeben, um Jhre Majestät die Königin zu begrüßen. .

Stuttgart, 19. August. (W. T. B.) Der S<hah von Persien nahm gestern Vormittag die Sehenswürdig- keiten der Stadt in Augenschein. Abends fand auf Schloß Wilhelma große Galatafel statt, bei welcher Se. König- lihe Hoheit der Prinz E einen Toast auf Se. Majestät den Schah von Perfien ausbrachte, den dieser mit einem Hoh auf Se. Majestät den König und das Kö- niglihe Haus erwiderte. Später besuhte der Schah das von der Stadt Cannstatt gegebene Gartenfest. Heute Vor- mittag machte der Schah einen Ausflug in die Umgebung. Um 11/, Uhr Nachmittags trat Se. Majestät die Weiterreise nah München an. Se. Majestät der König war am Sonntag Vormittag na<h Friedrihshafen abgereist.

Baden. Karlsruhe, 19. August. (W. T. B.) Jhre Königlihe Hoheit die Kronprinzessin von Schweden und Norwegen hat si<h zum Besu<h Jhrer Kaiserlichen Hoheit der Prinzessin Wilhelm nah Kirch- berg begeben, nahdem der bisherige Aufenthalt auf der Mainau so günstige Wirkung gehabt hatte, daß die Aerzte diese Veränderung erlaubten.

Sachsen - Weimar - Eisena<h. Weimar, 19. August. (Weim. Ztg.) Jhre Königlichen Hoheiten der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin trafen heute Nahmittag von Wilhelmsthal hier ein und haben si< sofort zu weiterem Auf- enthalt na<h Ettersourg begeben. Se. Dur@Glaucht der Prinz und Jhre Hoheit die Prinzessin Heinrich VII. Reuß haben von Wilhelmsthal die Rückreise nah Wien an- getreten.

Oesterreih-Ungarn. Wien, 19, August. (W. T. B.) Unter den zahlreihen dem Kaiser aus dem Auslande zu- gegangenen telegraphishen Geburtstagsglüc…kwünschen befand sih auhh ein solcher der serbishen Regentschaft.

20. August. (W. T. B.) Nach Meldungen aus Pest ist in dem von den Aerzten abgehaltenen Consilium beschlossen worden, einen operativen Eingriff beim Grafen Julius Andrassy niht vorzunehmen, da dessen Befinden ein be- friedigendes ist.

Großbritannien und JFrland. London, 19. August. (W. T. B.) Jn der heutigen Unterhaussizung erklärte in Beantwortung einer bezüglichen Anfrage der Unter-Staats- sekretär Fergusson: Die Anwesenheit des englischen Ge- shäftsträgers und des englishen Militär-Attachés bei der am 16. d. M. stattgehabten Gedenkfeier des jüngst durch den Namen der Königin ausgezeichneten preußischen Garde-Dragoner-Regiments sei ein seibstverständlicher Akt der Artigkeit; die Thatsache, daß es sih dabei um die Jahresfeier der tapferen Rolle jenes Regiments in der Schlacht von Mars la Tour gehandelt habe, gebe der Sache keine politishe Bedeutung. Das heroische Verhalten des Regiments bei jener Gelegenheit sei eine Waffenthat, auf wel$e alle Deutschen stolz seien und die alle Nationen ohne Rücksicht auf die Geschihte und die Ergebnisse des Krieges, während dessen dieselbe stattgefunden, bewundern könnten. Die Theilnahme englischer Offiziere an der Feier scheine spezieller Weisungen niht zu bedürfen. (Beifall.) fragte, ob die Behauptung eines Berliner Blattes be- gründet sei, daß während des Besuchs des Deutschen Kaisers in Osborne ein Einvernehmen erzielt worden sei, welhes die Jdentität der Politik zwischen den dem Dreibund angehörigen Mächten und England über die europäishen Fragen sihere und Vorkehrungen für alle Folgen dieser Politik treffe. Der Unter-Staatssekretär Fer- gusson erwiderte: der fragliche Zeitungsartikel beruhe augen- iheinlih auf reiner Vermuthung; welhen Charakters der Artikel habe, zeige sih in der Angabe desselben, daß die mit Lord Salisbury getroffenen Arrangements von dessen Nach: folgern festgehalten werden würden. Fergusfon fügte hinzu: er müsse die Labouhère am 19. vor. Mts. ertheilte Antwort aufre<ht erhalten, daß die Aktion der eng- lishen Regierung im Falle eines Krieges ebenso wie bei allen anderen Fragen der Politik dur < die jeweiligen Umstände und Englands Jnteressen entschieden werde. Die Regierung sei keine Verpflich- tungen eingegangen, die ihre Freiheit in jener Hinsicht fesselten. Labouchère fragte Fergusson ferner: ob dessen Antwort so zu verstehen sei, daß absolut keine Unterhaltung über diesen Gegenstand während des Besuchs des Deutschen Kaisers stattgefunden habe? Fergusson erwiderte: er wisse niht, welche Unterhaltungen während des Besuchs des Deut- schen Kaisers stattgefunden hätten, es sei aber absurd, anzu- nehmen, daß fein Meinungsaustaush erfolgt sei. Endlich erklärte Fergusson auf eine bezüglihe Anfrage: Die Schweiz habe vorgeschlagen, die Arbeiters<hußkonferenz bis zum nächsten Frühjahr zu vertagen, ohne jedo< ein bestimmtes Datum für den Zusammentritt derselben anzugeben.

_— (A. C) Zur s<hleunigen Erledigung der Sessionsgeschäfte hielt das Unterhaus am Sonnabend eine Sizung, welche fast auss{ließli<h Geldbewilligungen für den Staatsdienst gewidmet war. Die Sizung verligss-ohne

wischenfälle. Die Session dürfte, falls niht unvorhergesehene eignisse eintreten, äm 31, d. M. geschlossen w?rden.

Labouchère -

Frankrei<h. Paris, 19. August. (W. T. B.) Bei dem Präsidenten Carnot fand heute der Empfang dec hier „anwesenden Maires statt. Der Empfangsakt trug ein sehr herzlihes Gepräge, zahlreihe Maires rihteten an den Präfi- denten Versicherungen ihrer Ergebenheit für die Republik.

Jtalien. Rom, 19. August. (W. T. B.) Der König, der Kronprinz, der Marine-Minister und der Admiral Racchia begaben si< heute früh mit einem Torpedoboot zur Besichtigung der Armstrong'’shen Etablissements von Neapel nah Pozzuoli. Heute Abend ist der König in Begleitung des Kronprinzen und des Minister-Präsidenten Crispi an Bord der „Savoia“, gefolgt von einem Ehren- geshwader, direkt nah Tarent abgereist.

Jn der neuen, vom 15. d. M. datirten, heute zur Ver- öffentlihung gelangenden Encyklika des Papstes heißt es in Bezug auf die gegenwärtige Lage der Kirche, daß die Feinde der Kirche in ihren Angriffen fortführen, um den Glauben und die Fundamentalgrundjäße der Religion zu zerstören, und daß der Krieg gegen den heiligen Stuhl immer hartnä>iger werde. Der Papst empfiehlt die Verehrung der heiligen Jungfrau und des heiligen Joseph als des Beschüßers und Vorbildes insbesondere der Arbeiter. Der Papst ordnet \hließlih besondere Gebete zu Ehren des heiligen Joseph und die feierlihe Begehung seines Namenstages an.

Schweiz. Bern, 19. August. (W. T. B.) Gestern wurde hier ein in den robhesten Ausdrü>en abgefaßtes Mani- fest der s<hweizer Anarchisten an die Arbeiter ver- breitet, welhes gegen den Bundesrath und, wegen der Ausweisung von Anarchisten, gegen die politische Polizei und den Bundesanwalt gerichtet ist. Das anarchistische Manifest wurde von der Polizei konfiszirt.

Rußland und Polen. Der bereits telegraphish erwähnte Kaiserliche Befehl an den Dirigirenden Senat, betreffend die Reorganisation der Provinzial- Behörden für die bäuerlihen Angelegenheiten, lautet nah der Uebersezung der „St. Pet. Ztg.“, wie folgt:

„In der ständigen Sorgfalt um tas Wobl Unseres Vaterlandes, haten Wir Unjere Aufmerksamkeit auf die Schwierigkeiten gerichtet, welche einer geregelten Entwi>elung der Wohlfabrt inmitten der Bauernbevölkerung des Reiches entgegenstehen. Eine der Haupt- ursacen dieser ungünstigen Erscheinung besteßht in dem Mangel einer dem Volke nahestebenden festen Regierungs- gewalt, wel<e die Fürsorge für die Bauernbevölkerung mit den Bemühungen um den Abschluß der Bauernangelegenbeit und mit den Pflichten der Aufre<terbaltung der Sittlichkeit, der allgemeinen Ordnung, der Sicherheit und der Rechte von Privatpersonen auf dem flachen Lande in sh vereinigte.

Indem Wir wünschen dur die Beseitigung dieses Mangels die lokale Gewalt in die ihr gebührende und mit dem Vortheil des Staates übereinstimmende Lage zu verseßen, baben Wir den Ministern des Innern und der Iufttz befoblen, unter Zugrundelegung der von Uns besonders gegebenen Hinweise auf der Basis derselben dem- entsprehende Gesetprojekte au8zuarbeiten.

Ina Ausführung dessen sind entworfen und gegenwärtig im Reiche rath geprüft die Projekte: 1) des Gese8cs über die Land-Beiirké- bauptleate; 2) des Reglements über die Organisation des Geri&btäwelens in den Ortschaften, wo das betreffende Gesetz zur Einführung gelangt ist; 3) des Reglements über die Gemeinde- geribte in denselben Ortschaften; 4) des Verzcinifes der Aemter der ständigen Mitaliedec und Setretäre der Gouvernements-Behbörden, der Präsidenten, Sekretäre und Tranélateure der Kreis-Plena, der Land-Hauptleute, der Kreis-Mitglieder dcs Bezirksgerichts und der Stadtrichter, und 5) des Reglements über die Art der Inkraftsezung des Gesetzes über die Land-Bezirkshauptleute.

Indem Wir sämmtlihe angeführten Gesetprojekte als Unseren Absicbten entspre<end befinden, haben Wir dieselben bestätigt und dem Dirigirenden Senat zugeben lassen, wobei Wir befehlen:

I. Die Wirksamkeit dieser - Geseße ist auszudehnen auf die Gouvernements Astracan, Befssaratien, Wladimir, Woronesh, Wijatka, Jekaterinoslaw, Kasan, Kaluga, Kostroma, Kursk, Moëkau, Nishni Nowgorod, Nowgorod, Olonez, Orenburg, Orel, Pensa, Perm, Poltawa, Pifow, Rjasan, Ssamara, Ssaratow, Ssimbiréfk, Smolentf, St. Peteréburg, Taurten, Tambow, Twer, Tula, Ufa, Charkow, Ckerfion, Tschernigew und JIaroslaw fowie auh auf die Kreise Welék, Wologda, Grjafowez, Kadnikow und Totma des Gouverne ments Wologda unter Beobattung der progressiven Reihenfolge, die dur< gegenseitige Vereinbarung der Minifter des Innern, der Justiz und dér Finanzen bestimmt werden wird.

11. Der Véinister des Innern hat rach Uebereinkunft mit den Ministern der Justiz und der Finanzen dem Reichsrath besondere Vorstellungen zu maden über die Kreditanforderungen, wel<e zur Verwirklichung der gegenwärtigen Reform in den einzelnen der in ÄÜrtifel 1 angeführten Gouvernements nothwendig find. :

_ Der Dirigirende Senat wird ni<t ermangeln, zur Ausführung dieses die nöthigen Anordnungen zu triffen. Alexander.“

Peterbof, 12, Juli 1889.

Türkei. Konstantinopel, 20. August. (W. T. B,) Der bisherige Botschafter in Rom, Photiades Pascha, ist definitiv abberufen und durch den ehemaligen Gesandten in Washington, Tewfik Pascha, ersegt worden, Ein Avisodampfer der Admiralität ist mit Truppen, Kanonen und Munition nah Kreta abgegangen. Aus Syrien gehen unverweilt weitere Truppen dorthin, Im Ganzen werden auf Kreta 30 000 Mann konzentrirt werden. ——

Die gegenwärtige Lage auf Kreta wird in einem Telegramm des „Reuter'shen Bureaus“, wie folgt, dargestellt:

Syra, 17. August. Nachrichten aus Kandia, vom 1d. d, zufolge bat das Plündern und Niederbrennen <ristliher Dörfer fall gänzli aufgehört. Tie mubamedaniscen Insurgenten find jeyt damik bes<äftigt, die Weinberge auferbalb der Statt zu plündern und dle Trauben in der Stadt zu verkaufen. Die Verbindung mit dem Innern der Insel ist no$ immer unterbrochen, aber die türkischen Truppen werden demnächst in tas Inrere marsciren, um die von den Aufständischen vertriebenen Behörden wieder einzu!eßen, Rube hberrs<t in Canea, Rethymno und Kandia. In Kandiä wurde am 18. d. M, in der Yenizami-Moschee eine Versammlung pon Muhamedanern abgehalten. Mehrere Ulemas und türkische Notabili- täten der Stadt hielten Ansprachen, worin sie dringend empfahlen, das Leben und Eigenthum der Christen zu schonen und die von ihren Glaubené- genossen verübten Ausschreitungen, wie Brandstirtung und Plünde- rung, mißbilligten. Jn Anbetraht der ents<lofsenen Haltung E Militärbehörden und der besseren Klasse der muhamedanischen BVe- völkerung hofft man. daß der gegenwärtigen Unordnung ein Sn gesezt und die Ruhe vollkommen wiederhergestellt werden wird, Rehab Pasa, der Präsident des Kriegsgerihts, ist in Cane2 elt? getroffen. Das englishe Kanonenboot „Starling“ üt in Kandia angetommen,.

Afrika. Egypten. (A. C.) 17, Augusi, wird berichtet : den Cin bier eingegangenes amtlihes Telegramm meldet, daß es, t britenfreundlihen Stämmen gelungen ist, Singat A nehmen. Das 2. Bataillon des Könizlihen Shüßen-Regimen

ist pom Sudan hierher zurü>gekehrt. R Q

Aus Kairo, von

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Zeitungsstimmen.

Die Reise Jhrer Kaiserlihen Majeftäten nah züddeuts<hland und den Reihslanden giebt den glättern Anlaß zu darauf bezüglihen Kundgebungen. So reibt die „Karlsruher Zeitung“:

„Von Herzen willkommen beißen wir die Kaiserlißen Majestäten « Ebrfur<t und Liebe. Die begeisterte Hingabe an das Reich, das Je lebendigen und \chaffenden Kräfte zu einer aroßen nationalen Ein- eit vereinigt, und die opferbereite, uners>@ütterli® treue Ergebenheit är den obersten Scbirmkherrn dieses Reis baben jederzeit in unserem ande die Gemüther beseelt. Wie der Fürst dieses Landes uns mit ¿m Beispiel der rmsten und tbatkräftigsten Liebe für das nationale Bobl vorangel eu<btet hat, so ift fein Volk ihm beaeistert gefolgt und et feine Œbre und seinen Stolz darein, das deuts<e Banner empor- zhalten mit kräftiger Hand. :

Dem Kaiser Heil! Bewegten Herzens seben wir den Enkel des roßen Monarcben, der alljährli< auf badisdem Boden Erbolung d neue Kraft für seire mit beispielloser Pflichttreue bis in das .z4ste Greisenalter hinein geübte Herrsberaufgabe sur<te und fand, :- die Hauptstadt Badens einzieben. Erfüllt von Freude und Stclz zer seinen Besuch rufen wir ibm unseren Iubelaruß entgegen. In ¿ecm Gemütbe empfinden wir die Weibe des Augenbli>s, in dem @ vns veraônnt ift, dem Kaiser die einmüthige, begeisterte duldigung des badis@en Volkes darzubringen. Dem Frieden®- Srsten gilt der Jubel eines unter den Segnungen des Friedens zu bober Blüthe des Woblstandes gelanaten deuten Ztammes. Der Dank des Volkes für seine dem Frieden gewidmete rautgeseßte Fürsorae flingt dem erlaubten Gaste unseres Groß- “ericaliden Paares ftürmis< entgegen. Aber aub die Ovpferfreudig- tit für den Fall, daß Deutsblands Einbeit und Würde einmal mit em Sbwerte in der Hand vertheidiat werden müßt?z, leute dem êzifcr aus den glänzenten Blid>en, têre ibm aus den brausenden Iurufen des badishen Volkes ertacgen. In guten und trüben Tagen =i1d Badens Volk unter der Führung feines inniageliebten Fürsten ren ium Throne des Kaisers steben; das ist das Gelöbnif, das wir eem erlaubten VBrofvater des beute bei uns einziebenden Kaiserliben vern geleistet baben und das wir erneuern an dem beutigen festlichen end bedeutunaëvollen Tage.

Der Kaiserin Heil! Mit dem Willkommentwunsche fär den ¿zier lirgt der Festaruß an die erlau>te Gemablin des boben derra in einen cinzigen mäStigen Iubelruf zusammen. Dur eht >uts&es, ebt weibli®es Wesen bat Kaiserin Auausta Victoria si zie Herzen im deuten Vaterlande croktert, und es erböbt die Weihe >22 beutigen Tages, wie es die Festfreude unserer Bevölkerung erböbt, »25 wir gleiGzeitia mit Sr. Majestät dem Kaiser aub Allerbö<st- den hohe Gemahlin in Karlsruhe empfangen dürfen.“

Und im Hinbli> auf die Reise nah Straßburg schreibt die „National-Zeitung“:

„Zum erften Male seit der Besteigung des Thrones betritt an ‘dem Dienstag Kaiser Wilbelm T1. und mit ibm die Kaiserin den Beden des RMeichalandes. Große Vorbereitungen find im Bande, um das Herrséerpaar würdig zu begrüßen; das F2iserlide SGloß, wel<es das Reich batte erribten laffen, tet ¡um Empfange bereit, es wird jet seine Weibe erbalten. Niét obne eine gewisse Beweguna verfolgt das deutsche Volk das erste Zusammentreffen Kaiser Wilhelms mit der ribéländiséen Bevelkerung. Die Romantik, wel&e um Straß- ; Stadt unvergeßbar und den Viedergewinn über Alles theuer aema<t bat, findet ber au® im Imbfinden unseres Kaisers ibre Stätte. Straßburg, wo die Steine Deutschlands Größe und tiefste Demütbigung, dann Deuts(lands Biederaufrihtung predigen, ist ja aleibsam ein Symbol deutscher Geihidte; beute weist dasselbe ror Allem darauf bir, daß das, was it dem SHwerte wiedergewonnen worden ist, mit dem SHwer*?e be- tauptet werden muß. Daß dies S>&wert blank und {arf ift, daran ireifelt Eeute Niemand, weder Freund nob Feind ; mit diefer Friedens- cúrgscaît müssen wir uns genügen laffen; fe leudtet au<h dem Tiniug Kaiser“ Wilbelm’s in der alten Reichëftadt voraus.“

Zu den Trinksprüchen, welhe Se. Majestät der Kaiser und König und Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph in xrgangener Woche bei dem Galadiner im Königlichen Sclosse uébrahten, schreibt die „ODesterreihish - ungarische Veereszeitung“:

„Von der weittragendsten Bedeutung für den Frieden des Welttheils und das Wohl der Völker sind die er- dedenden Worte. Die Politiker, vnd zwar sol<he, die es find, wie solde, die es zu sein glauben, baben die kehren Vort: na ihrer Ansibt aufgefaßt und aedeutct, alle aber sie als tine e.nste Kundgebung im Sinne der ents{lossenen Aufre<terbaltung é Friedens empfunden und erklärt. Die Völker danken, laut zu- ¡zbelnd oder still befriedigt, den beiden erbabznen und mächtigen verr'ern für die Worte des Friedens, wel<e eine Acra emsiger un- èrter Arbeit und Entwi>elurg, somit zunehmenten Wobl- “andes verheißen. Die Historiker bezeihnen die Tisbreden im Lerliner Könizs\{lofse als eine bervorragende That, als eine bezei- ende Marke in der Geshi>te unserer Tage. Wir Soldaten aber Y für immer tief in Geist und Herz die uns fo ebrenden Worte unserer Allergnädigsten Kriegsberren. In untrennbarer Ver- ‘derung und Kameradshaft werden wir zusammenstehen, wetteifern zur in edlem Streben nah möglister Vollkommenheit und, fo es tin foll, S{ulter an Sc&ulter „Viribus unitis“ zusammensteben 22m jeden Störer des Friedens, in All’ und Iedem dem Vertrauen ¿erer Allerböcbsten Krieg®berren entipreben und als wadere Kriegé- qute alezeit und alleweg kämpfen: „Mit Gott für Kaiser und VActiand _ „Veber unsere Exportfähigkeit bringt die „Deutsche us: DIMGFITIQIE Correspondenz“ folgende Be- raQtung :

Ds, „Der Umstand, daß im vergangenen Jahre der Importbandel ZtutiSlands den Exvorthandel wesentli überwogen hat, daß au® ¿7 vegenwärtigen Fabre unser Exporthandel no< feinen höheren Auf- „ung genommen hat, daß namentli unser Eisenhandel no eine “tetgerte Betheiligung an dem Absate auf den auswärtigen Märkten g uen lafse ale diese Thatsachen bewegen unsere freibändleriscen uer, immer wieder die fühne Behauptung aufzustellen, unsere Er- a werde si<tli< dur< die Wirkungen der Schugzzollpolitik inträtigt. :

¿ee D Wabrbeit ist eine derartige Bebaupturg nun allerdings stets r edentlide Ausgangépunkt für alle freibändlerishe Beweisführung igcien. Wenn unsere Gegner auch nit gerade bestritten, daß eine Verbapneri! he Handelépolitik für die heimischen industriellen a ltnifse manen Vortheil haben könne, so behauptet man do< a sie alte Konkurrenzfähigkeit im Welthandel werde zurü>geben; ‘in mige JGließli für den ganzen Stand der Industrie maßgebend im Gege, 0 loß man weiter, eine s<upzöllnerisde Politik mühe dann Oven und Ganzen stets nadtbeiliz sein; selbstverständlich wird nament E tekarnte Benactbeiligung des Konsumenten und aber e w sogenannten fleinen Mannes geltend gema>t, welche

T t eine reine Fiktion geblieben ist. S tetrift f wig die angebliche Bena>theiligung unserer EGrxportfähigkeit Lünstigere gl zunäst unser heutiger Export ein bedeutend tarn fow s er jemals während der Freibanbelsepohe gewefen ift; êinim mmt hinzu, daf Unternebmungsluft wie Selbstvertrauen in darf ae e erbeblihen Maße gestiegen sind, und hiervon ausgehend Unseren Gu daß diese Entwi>elung si no< fortgeseßt mehr zu ceitrebt E Ie gestaltet. Unsere Hansestädte sind fortwährend 2uê der Init: Wege einzus{lagen und neue Verbindungen anzuknüpfen ; fllungen e ative der Industrie beraus sind Erportmusterlager, Auê- ¡izr Pfle e L w. ins Leb erufen: es haben si< Vereinigungen

S s Außenßandeks, esells<haften für Kolonisation ge-

' “U Unferem Handel, unseren ganzen wirthschaftli<en Leben

neue Gebiete zu ers<ließen. Es ift uns nit bekannt, daß ähnliche Zeichen des Unternehmungsgeistes f< gezeigt bätten, während Deutsch- land unter der Herrlichkeit des Freihandels lebte; es war damals vielmehr die bedauerli<ste Erscheinung gerade die, daß unserer In- dustrie Muth und Spanrkraft immer mehr verloren gingen. Es scheint sona also, daß nicht nur die äußerli<hen materiellen, fondern au die moralis<en Faktoren unserer Konkurrenzfäbigkeit auf dem Weltmarkte nc< immer im Steigen und ni<t im Sinken begriffen seien, so daß in diesem Sinne immer wieder neue Faktoren auf den Sauplagz treten. : :

Der Hauptgegensaß zwishen unseren Gegnern und urs wurzelt aber stets in der Frage, ob in erfter Linie überhaupt die natio- nalen oder die Weltverkebrs- Verbältniffe berücksichtigt werden sollen, mit anderen Worten, ob die wirtbsbaftlihe Entwitelung fi bauptsä<hli< unter den Antrieben einer internationalen Konkurrenz oter des nationalen Lebens vollziebe. Unseres Erachtens fann gar kein Zweifel darüber obwalten, daß der einzig richtige Standpunkt in dieser Angelegenheit der nationale ift. Wird von diesem Stand- punkt aus daran gearbeitet, unser Gewerbe zu einem fkonkurrenzfähigen und blübenden zu machen, so ift der Vortheil offenbar cin dovpelter: einmal firden alle diejenigen Umstände eine ge- re<tfertigte Berücksi&tigung, welbe bei Entstehung“ und Her- auébtildung der einzelnen Predufktionszweige vcn Einfluß gewesen sind, und fürs Zweite wird das natiorale Leben an und für ih ge- kräftigt und gewinnt an Freudigkeit und Erparsionefäbigkeit, was wiederum auf die wirtbscaftliwen Verbältnifse befruhtend rü>wirken muß. In dem Zusammenwirken dieser beiden Punkte liegt aber unseres Bedünkens der S<lüfel dafür, daß auf allen Gebieten unseres wirtbs><aftliden Lebens neue Unternebmungen und selbst garz neue Gesibtépunkte auftaucen, und daß in Folge biervon unsere Ervort- fäbigkeit nit rur im Wachsen begriffen ist, fondern fogar im Be- ariffe s<eint, fih* auf eine neue, bêbere Stufe empor:us{wingen.“

Statistik und Volkswirthschaft.

„Der Tod unserer bciden bo<verehrten Kaiser im Iabre 1888 warf au< seine Schatten auf das Wirtbs(aftsleber; man konnte nit vorauéseben, ob nit politisbe Verwickelungen in Europa ent- stehen würden; als jedo um unseren jungen Kaiser bei seinem Erseinen im Reichstage die Bundesfürsten und die Vertreter der Freien Städte si< fc{aarten, mußte es der Welt einleuhten, daß das Deutie Reih ftark in felbst dastebe, und die Reisen Katser Wilhelm's II. an die fremden Hsfe gaben Zeugniß von seinec Absicht, gute Beziehungen zum Aus- land zu unterbalten. So zeigt denn au dur<weg die Geschäftslage, daß, während in der ersten Hälfte des abgelaufenen Iabres von vielen Seiten keine befriedigenden Aeußerungen laut wurder, dann mit wenigen Autnabmen der Geschäftsgang ih günstiger gestaltet und die Er- gebnisse des Borjahres überholt hat.

Was wir in unserem leyten Beri>te über Kapitalanlagen sagten, daß die Kapitalisten dtur< Zinsherabsezungen in ihrem Einkommen ges{&mätlert sind, bat fortgedauert und diefer Umstand hat in vielen Kreisen Einschränkungen zur Folge gehabt, die namentlih bei maren Luxuêwaaren zu Tage getreten find, indem deren Absaß nicht so bedeutend gewesen ist, als derselbe unter anderen Verhältnissen geworden wäre.

Bon allen Industriezweigen nimmt in unserem Bezirk die Woll- iduftrie die erste Stelle ein und auf diesem Gebiete ist ein guter Aufs<{wung zu berichten. Unsere Tuche und andere Wollstoffe gehen bauptsäwlih nah den südeurcpäishen Ländern urd Amerika, doch nimmt îin Italien z. B, die inländishe Industrie in Folge der Schutzôlle zu, sodaß die Einfuhr unserer deuts<en Waaren dar- unter leidet,“

_ Ueber die Arbeiterverhältnisse im Jahre 1888 außert fi< der Handelékawmmerberibt von Lahr folgendermaßen:

„Die Arbeiterverbältnifse sind die gleihen und für beide Tkeile befriedigenden geblieben. Wie die Fabriken, so waren auch die Arbeiter regelmäßig bes<äftigt. Das Angebot von Arbeitskräften war im Allgemeinen mebr ais genügend. Nur an brauchbaren, ges><ulten, fadlih austgebildeten Kräften, wie se z, B. die lithographi’<e Industrie, die Glaëmanufaftur, die Mascbinenfabrikatioa, die mebaniscen Werfk- stätten, die Bau- und Kunsts(lo}serei bedarf, war fkeineëwegs Ueter- flus. In einzelnen Betrieben dieser Branchen fanden deshalb au Erböhungen der Arbeitëlöhne statt, während dieselben im Uebrigen auf der bisberigen Höbe blieben, woket indessen zu bemerken ift, daß in den vorbergegangenen, weniger günstigen Geschäftsjahren Lohn- beratsetungen au nit zu verzeidnen gewesen sind.

So ift denn au die Lebenskaltung unserer Arbeiter dur>weg eine vernünftige Ansprüche befriedigende gewesen. Daneben haben die Kranken- und Unfallversiherung ibre segensreihz Wirkung be- währt, wenn con die leßtece, Dank der geringen Gefährlithkeit der meisten und großten unserer Betriebe, verbältnißmäßig wenig in An- iprub genommen wird.

Einflüsse ter iozialdemokratis<en Lebre machen si< in Lahr selbst

und auf dem Lande fast gar nicht, mebr jedo, wenn au< keineëwegs überwiegend, in Offenburg bemerkli<.“

Ucber den gleihen Gegenftand spri<t fi< die Handelskammer von M. -Gladbach wie folgt aus:

„In Folge des lebhaften Ganges aller Geschäftszweige unseres Bezirks haben alle Arbeiter im Jahre 1888 volle Beschäftigung ge- funden. Ein Ueberfluß an Arbeitern ist nit eingetreten, besonders da die Neueinrihtung mehrerer Spinnereien die Nachfrage vergrößerte. Die Löbne baben ih unter diesen Verhältnissen auf der früberen Höbe erhalten und baben in dem Bezirk der neu crrihteten Spinne- reien eine Steigerung erfahren. Wenn man mit dieser günstigen Lobnlage die mäßigen Preise für Kleitung und Lebensmittel, fowie die er- folgreide Sorge zur Beschaffung guter und billiger Wohnungen urd endli die unleugbaren Vortheile der weitgehenden Versicherung gegen die Folgen der Krankheiten urd Betriebéunfälle verbindet, so wird man si< nit der Ueberzeugurg verschließen können, daß die Lage unserer Arbeiterbevölkerurg zum weitaus größten Theile eine günstige und in steter. Verbesserung begriffene ift,

Nicht so günstig liegen dic Verhältnisse bei ten Handwebern, welche in der Seiden- und Sammeti-Industrie beschäftigt sind. Die mecha- nise Weberei erbält in derselben immer größere Auédehnung und dehnt si auch auf die feineren und gemusterten Stoffe îtets weiter aus, wel<e bis vor Kurzem noch dem Handstuble vorbehalten waren, Für einen größeren Theil dir Handweber, welhe überhaupt no< niht zu anderen Beschäftigurgëarten übergegangen waren, war im Jahre 1888 keine oder ungenügende Arbeit geboten, und baben die T hagen Gemeinden mannigfa{e Unterstüßung eintreten laffen müfsen.

Im Laufe dieses Jahres hat indeß ein unerwarteter Aufs>@wung der Seidenstoff-Fabrikation auch den Handwebern wieder in größerem Maße Arbeit zugeführt ; auf eine länger dauernde Beschäftigung ift aber bei der Ausdehnung der mechanishen Weberei nit zu re<nen, und dabei werden zur Herstellung immer billigerer Stoffe die Löhne auf ein Maß beruntergedrü>t, wel<es ¿zum nothwendigen Lebensunterbalt nit mebr binreiht. Für die Handweber in Seidenstoffen und in Sammet wird dieser Zustand und für die betreffenden Gemeinden auch die Nothlage fo lange bestehen bleiben, bis für die Weber der Uebergang zu einer anderen gewerblihen oder sonstigen Beschäftigung gefunden sein mird.“

Fürsorge für entlassene Strafgefangene.

In Saarbrü>en hat si< unter reger Betheiligung ein Ge-

fängnifiverein zur Fürforge für entlafsene Strafgefangene gebildet,

dessen Wirkungékreis sich über- den ganzen Landgerichtsbezirk Saar- G. E

Serien erstre>den soll.” y S

Veränderungen in den Einkommensteuer-Kapitalien

im Großherzogtbum Hessen von 1870 bis 1889/90. __ Na den „Mittheilungen der Greßherzoglites Centralstelle für Landeëftatistik* betrug der Zuwachs an Einkommensteuer- Kapitalien für die 19 Jahre von 1870 ab im gesammten Großherzogthum 12383972 Æ oder 97,3 %. Für die einzelnen Provinzen stellt s< die Zunabme: în der Pro- vinz Starkenburg auf 46871966 oder 94,5 %; für Oberbessen auf 1929 166 Æ oder 64,1 °/9, für Rbeinbeisen auf 5767610 Æ oder 120,5 9/0. Unter den böbftbesteuerten Gemeinden ergiebt si< für Mainz ein Zugang von 3 205 016 4 oder 221,1 °/o; für Darmstadt-Befsungen ein fol<er von 1346 646 Æ oder 136,4%/0; für Offenbach 1084176 M oder 181%; für Worms 631995 oder 139%; für Gießen 758116 M oder 228,7 °/9; für Bingen 2901364 oder 95%.

Die amerikanis<ben Eisenbahnen. _ Aus Poor’s Manual fär 1889 werden der „Frkf. Zta. folgende Vaten über amerikanise Eisenbahren gemeldet: Am Schlusse des Jahres 1828 umfaßte das Gesammtnez der Ver- einiaten Staaten 156 081 Meilen, d. i. 7028 Meilen mebr als Ende 1887, Diese Ziffer repräsentirt fast die Hälfte der Meilenzabl iämmilicer Eisenbahnen der Welt. Der Gesammtbetraa des An- lagekavitals (Bonds, Aktien 2c.) der Eisenbahnen in den Verei Staaten bezifferte < auf rund Milliarden Dollars, aller Aktiven auf rund 9°/19 Milliarden Dollars. Die einnahmen betrugen in 1888 959 622 088 Doll., die Betrie 653 258 331 Doll, die Nettocinnahmen, zuzügli<h 84 897 820 Dol andere Einkünfte 382 261 557 Doll. An Zinsen, Dividenden, Pas geldern wurden bezablt 367 553 547 Doll.

Kunft und Wiffenschaft.

__ Die hiefige Königliche Bibliothek hat, wie wir der „Vol, Ztg.“ entnebmen, neuerdings zwei Handschriften erworben, eine aus dem 10, bis 11. Jahrhundert von dem Buche Remigius super Matheum und die zweite vo- des Eustratios und Anderer Kommentare zur Nikomachis&en Ethik d:8 Aristoteles. Die erste Handschrift, in Groß-Folio, ist deswegen von besonderer Bes deuturg, weii von diesem Werke bisber nur eine Abschrift aus dem 16, Sabrhundert bekannt war, die überdies für verloren galt. Die Handschrift des Aristoteles-Kommentars, welche aus dem 15, FJIabrbundert ftammte, wird voraus\i<{tlih noh iür die von der Berliner Akademie veranlaßte große Ausgabe der Kommentatoren des Aristoteles verwendet werden. Die beiden Handschriften sammen aus der Samtrnlung von Carlo Morbio, die jüngst in Leivzig zur Versteigerung kam. Aus der nämlichen Bücherei erwarb die Universitäts-Bibliotbek zu Halle cine Sammlung von 49:0 Pergament-Urkunden, von denen etnzelne aus dem zehnten Jabrbundert itammen, di: zur Geschibte Deutich- lands und Desterreibs vielerlei Quellen enthalten. Eine Reibe italienisher Hands<(riften der Morbio-Vibliotbek, we für die deutshe Rechtsgeschite besondere Bedeutung baben, wu

Bibliothek des ReictE2gericbts in Leiv:ig angekauft.

Ueber vêirschiedene neue Alterthums „Frankfurter Oder-Zeitung* berihtet: Lei geseßten Auëgrabung auf dem Urnen-Friedbofe dz:

Fröôblih in Gusterbolländer im Kreise Friedeberg

Grâber geöffnet und 25 Urnen und Thendbeigaben für

für Völkerkunde erworben. In mekreren Gräbern bef

Afcenurne ganz allein obne Thonbeigabea cder Spuren

An Bronzebeigaben wurden gefunden: einz <öôn verzier

eine Nadel und fünf Brorzerirge. Auf dem angrenzenden B

plaß wurden aus einem Grabe drei kleine Thongefäße z gefördert; die Aschenurne war gänzli zerfallen, fe enthielt Ÿ von Bronze. Ferner bat der Besißer des im Arn8walder Kreise gelegenen Urnenfeldes auf demselben fürzlid mit mebreren Freunden der Wissenschaft Nacharabungen veranstaltet. Leider konnte maa nur eine Urne, einen sogenannten Thbränentrug, der in einem gros Gefäße stand, unversehrt auékeben, alle anderen Gefäße, 2 meist ro< Knotenrefte enthielten, waren mebr oder weniger zerdrüdt. Man nimmt an, daß zur Herstellung der Gefäß? {hon die Dredbscheibe benußt worden war. Neue Natgrabungen follen unter Leitung eires Pros- feslors der Altertbumskunde geshehen.— Aub der „HannorersÞe Courter“ erzählt von einem neuen Funde auf dem Felde in der Nähe von Sfjelsför auf Seeland. Man fand éine Goldbarre aus dem Eisens alter, wel>e dem Kopenhagener Museum für Alter- thümer übersandt wurde. Sie wog 227,5 Gramm und batte einen Werth von 497 Kronen (559 4), welhe dem Finder übermittelt wurden.

In Münster hat am 14. d. Mts, NawGmittags, die Legung des Grundsteins zu dem „Westfälischen Provinzial-Museum für Naturkunde“ ftattgefunden. Die Festrede bielt der dortige Profeffor Landois,

St. Petersburg, 20. August. (W. T. B.) Geftern fand die Jubelfeier des 50jährigen Bestehens der Stern- warte in Pulkowa statt. Der Präsident der Akademie der Wissenschaften, Großfürst Konftantin Konstantinoæitsh, die Minister und andere bobe Würdenträger, sowie der deutshe und der franzößishe Botshafter wohnten der Feier bei. Viele Universitäten und Akademien, ingleiben die aus- ländis@en Sternwarten, instesontere die deutschen und das Observa- torium von Greenwih hatten Deputationen entsandt. Unter den zablreihen Elüc>wunsh-Depeschen befand H auch «ine folhe des Kaisers, welcher huldvoll der Verdienste des Dbservatcriums gedachte.

nordtisbe

Sanitäts-, Veterinär- und Quarantänewesen.

Großbritannien.

Dur< Verfügzng des Gouverneurs der Kolonie Nataï vom 13, Juli 1889 ift in Folge des Auébruchs der Blattern und Masern auf Mauritius diese Insel als infizirter Hafen erklärt worden. Schiffe, welte von dert fommen und Häfen der Kolonie Natal an- laufen, unterliegen einer Quarantäne.

Egypten.

Amtlicher Mittbeilung zufolge ist in den egvptishen Häfen gegen

Arkünfte aus Mafsovah eine Quarartäâne angeordnet worden.

Verkehrs - Anstalten.

London, 19. August. (W. T. B.) Der Union-Damvp fer ePretoria* ist am Sonnabend auf der Heimreise von Capetown abgegangen. Der Caftle-Damvfer „Roslin Castle“ hat beute auf ter Ausreise Lissabon passirt.

Theater und Musik.

Lessing- Theater.

Morgen, Mittwoch, findet eine Wiederaufführung des S{au- spiels „Der Meineidbauer“ statt, in wel<er Hr. Paul Nollet seine s@auspielerishe Thätigkeit in der Rolie des Großknehts beginnen wird, Der trefflihe Künstler, der biéber dem „Deutschen Theater“ angehörte, ift auf eine Reibe von Jabren für das Lessing-Tbeater gewonnen worden.

Victoria-Theater.

Der große Erfolg des Ausstattungsstü>s „Stanlcy in Afrika“ batte am Sonntag das Haus total gefüllt ; die Einnahmeziffer dürfte die bêchste gewesen sein, welche obne besondere Preiserbhöbhung jemal83 im Victoria-Theater erzieit wordèn ift. Der Beifall war \türmisc, und na dem großen Ballet „Einzug der Kultur in A rika® mußte si der Vorhang nit weniger als neunmal beben. E

Friedricw-Wilbelmftädtishes Theater.

In der neuen Saison, deren Beginn mit Ausgang dieses Monats

bevorsteht, wird £5 erste Novität die Operette .Karin*, vof Her-

“B V

—-——t-mann Zurmpe, dem glü>lichen Kompösisten des „Farinelli*", zur Auf-