1889 / 213 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Anzeige, betreffend die von der Landes-Aufnahme veröffent lihten Meßtishblätter im Maßstabe 1: 25 000.

Im Anschluß an die diesseitige Anzeige vom 2. April 1889 wird hierdurch bekannt gemacht, daß folgende Blätter, welche der

Aufnahme 1887 angehören, erschienen sind: Nr. 958 Eggesin, 959 1055 Stolzenburg, 1147 1861 Lubowo, 1863 1932 Schwarzenau, 1934 2272 Gora, 2273 2345 Koschmin, 2346 2616 Müdckenberg, 2622 2624 Freiwaldau 2625 2630 Gläsersdorf, 2691 2693 Rotbenburg i. d. Oker- 2694 2696

Lausitz, 2695 Tiefenfurt, 2697 Kittligtreben, 2698 2699 Reisicht, 2700 2763 Par{wit, 2765 2824 Gr. Tinz, 2825 2826 Leuthen, 2888 Kuhnern, 2889 Kostenblut und 2890 Canth.

Der Vertrieb der Karte erfolgt durch die Verlagsbuchhandlung von R. Cisenshmidt hierselbst, Neustädtische Kirchstraße Nr. 4/5. Der Preis eines jeden Blattes beträgt 1 M.

Berlin, den 6. September 1889.

Königliche Landes-Aufnahme. Kartographishe Abtheilung.

von Usedom, Oberst-Lieutenant und Abtheilungs-Chef.

Rieth, Löcknit, Tremefsen, Witkowo, IJarotschin, Dobrschypa, Rietschen, Rauscha, Ubyst, Neuhammer,

Klitschdorf, Modlau, Lerchenborn, Dyhernfurth, Neumarkt i. S(l.,

3¿%/oiges Anlehen der vormals Freien Stadt Frank- furt a. M. von 2000000 Fl. vom 1. Februar 1858.

Bei der am 9. d. M. stattgefundenen 30. Verloosung des Anlehens der vormals Freien Stadt Frankfurt a. M. von 2 000 000 Fl. vom 1. Februar 1858 wurden nachverzeihnete Nummern Läitt. T. zur Rückzahlung auf den 1. Dezember 1889 gezogen:

a, 31 Obligationen à 1000 Fl. = 1714 M 29 y.

Nr. 8 56 71 118 148 187 235 371 385 446 531 543 708 714 720 727 854 924 933 962 1005 1049 1054 1074 1077 1173 1356 1489 1507 1563 1569 = 53142 M 99 S.

b, 11 Obligationen à 500 Fl. = 857 4 14 s.

Nr. 1602 1700 1789 1800 1808 1824 1862 1889 1973 1981 2005 = 9428 54 S.

c. 9 Obligationen à 300 Fl, = 514 M 29 S.

Nr. 2202 2293 2314 2334 2342 2349 2423 2461 2488 =

4628 M 61 S.

d. 7 Obligationen à 100 Fl. = 171 M 43 s.

Nr. 2515 2539 2553 2572 2601 2739 2754 = 1200 M 91 s.

58 Stüdck über 68 400 M 15 S.

Die Inhaber dieser Obligationen werden hiervon mit dem Be- merken in Kenntniß geseßt, daß die Kapitalbeträge, deren Verzinsung nur bis zum Rüczahlungstermine erfolgt, bei folgenden Stellen erhoben werden können:

bei der Königlichen Kreiskasse in Frankfurt a. M, bei der Königlichen Staats\cchulden-Tilgungskasse in F sowie bei jeder Königlihen Regierungs-Haupt-

asse.

Die Auszahlung erfolgt gegen Rückgabe der Obligationen und der dazu O Zins\chein-Anweisungen.

Soll die Einlösung von dergleichen Obligationen weder bei der Königlichen Kreiskasse in Frankfurt a. M. noch bei der Königlichen Regierungs-Hauptkasse in Wiesbaden , sondern - bei einer der anderen bezeichneten Kassen erfolgen, so sind die betreffenden Obligationen nebst Zins\chein-Anweisungen dur diese Kasse an den Unterzeichneten, und zwar einige Zeit vor dem Rückzahblungstermin, zur Prüfung ein-

zusenden. L

Rückständig sind no h:

Aus der Verloosung:

Dezember 1882: T, 2145. Dezember 1883; J. 1837 2327 2594. Dezember 1884: T. 2427. Dezember 1886: J. 1835. Dezember 1887: T. 7 254 1849 2249 2629 Dezember 1888: J, 134 1203 1898 2326 2514 2603

pro 1.

pro 1.

pro 1,

pro 1.

pro 1,

pro 1. 2737 2790. y

Die Inhaber dieser Obligationen werden zu deren Ginlösung wiederholt aufgefordert. _

Wiesbaden, den 12. August 1889.

Der Regierungs-Präsident. von Wurmb.

__ Angekommen: Se. Excellenz der Unter-Staatssekretär im Staats-Ministerium, Wirkliche Geheime Rath Homeyer, vom Urlaub.

Persoualveränderuugen.

Königlich Preußische Armee.

Ernennungen, Beförderungen und Versezungen. Im aktiven Heere. Neues Palais, 3. September. Frhr. v. Fuhs8-Nordhoff, Pr. Lt, vom Magdeburg. Huf. Regt. Nr. 10, als Adjut. zum Milit. Reit-Institut kommandirt.

Neues Palais, 4. September. Jacobi, Oberst-Lt. und etatêmäß. Stabsoffizier des Posen. Feld-Art. Regts. Nr. 20, zum Commandeur des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 31, Gericke, Oberst-Lt. und Abtheil. Commandeur vom Posen. Feld-Artillerie- Regiment Nr. 20, zum eta!s8mäßigen Stabsofffzier, ernannt. Burg, Major yom 1. Pomm. Feld-Art. Regt. Nr. 2, als Abtheil. Commandeur in das Posen. Feld-Art, Regt, Nr. 20 versegt. Rafsow, Pr. Lt. vom 1. Pomm. Feld-Art. Regt. Nr.- 2, zum Hauptm. und Battr. Chef, vorläufig ohne Patent, Krahmer IL, Sec. Lt. von demselben Regt., zum Pr. Lt. befördert.

Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. Neues

alais, 4, September. Gaertig, Oberst und Commandeur des eld-Art. Regts. Nr. 31, unter Verleihung des Charakters als en. Major, mit Pension der Abschied bewilligt.

Königlich Bayerische Armee.

Ernennungen, Beförderungen und Versegungen. Im aktiven Heere. 28. August. Günther, Hauptmann und Comp. Chef im 2. Pion. Bat., bisher kommandirt zur Eisenbahn- Abtheilung des Königlich preußishen Großen Generalstabes, vom 1. Oktober l. Js. ab zum Königl. preußischen Ing. Comité beordert. s 1, September. Ritter v. Schmädel, Sec. Lt. des 1. Schweren Reiter-Regiments Prinz Karl von Bayern, vom 1. Ok- tober l. Js. ab, unter Beurlaubung auf die Dauer eines Jahres, à la suite des as Regts. gestellt. Durch Verfügung der Inspektion des Ingenieur-Corps und der Pesiunger. v. Grundherr zu Altenthann Und Weyher- aus, Sec. Lt. des 1. Pion, Bats. mit der Wirksamkeit vom 1. Oktober d. J. von der Funktion als Direktions-Assist. und Lehrer bei der Militär-Telegraphens{ule enthoben. Hintermayr, Sec.

als Direktions-Afsist. und Lehrer zur Militär-Telegraphenshule kom- | mandirt.

XT1L (Königlich Württembergisches) Armee-Corps.

Ernennungen,

Im aktiven Heere. 25. August. v. Rantyzau, Pr. Lt.

Württemberg enthoben.

1. Kl. im Drag. Regt. Königin Olga

Fe: 25, in das Nr. 13 verseßt. Dr. Nagel, Asjift.

rzt 2 Kl. der Res. vom

Niqhtamlflicches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 7. September. Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen vorgestern Nach- miitag 51/2 Uhr in Dresden ein und wurden auf dem Bahn- hof von Zhren Majestäten dem König und der Königin von Sachsen sowie den Mitgliedern des Königshauses empfangen. Die Kaiserlichen Majestäten hielten demnächst Jhren feierlichen Einzug in die Stadt und wurden von dem Ober-Bürgermeister mit einer Ansprache begrüßt. Um 7 Uhr fand Familientafel im Schlosse statt.

Gestern Morgen um 81/7 Uhr fuhren Jhre Majestäten nach Oschaß, wo um 10 Uhr die große Parade über das XIL. (Königlih Sächsishe) Armee-Corps abgehalten wurde. Nach der Rückkehr fand um 5 Uhr eine größere Tafel im Schlosse statt. Am Abend wurde den Kaiserlihen Majestäten von der Bürgerschaft ein großer Fackelzug und eine Serenade dargebracht.

Der General der Kavallerie, Graf von Waldersee, General-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Chef des Generalstabes der Armee, hat si zu den Manövern 5 n A (Königlih Sächsishen) Armee-Corps nach Dresden

egeben.

Der General-Lieutenant von Teichman und Logischen, Jnspecteur der 1. Fuß-Artillerie-Jnspektion, ist, vom Schießplag bei Jüterbog kommend, hier wieder eingetroffen.

In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „R.- u. St.-A.“ wird ein Privilegium wegen Aus- fertigung auf den FJnhaber lautender Stadt-Anleihe- scheine der Stadt Hanau im Betrage von 1 000 000 M in zwei Serien à 500000 M veröffentlicht.

Krauchenwies, 5. September. (Schwäb. Merk.) Se. Durthlauht der Erbprinz und Jhre Königliche Hoheit die Erbprinzessin von Hohenzollern haben sh heute über Ulm nah München und Feldaffing begeben, woselbst die Mutter der Frau Erb- prinzessin, Jhre Königliche Hoheit die Gräfin Trani, wohnt. Der Fürstliche Hof gedenkt in den nähsten Tagen von hier wieder nah Sigmaringen überzusiedeln, woselbst auch Prinz Karl „pon Hohenzollern erwartet wird. Jhre Königliche Hoheit die Fürstin befindet sih noch in Pyrmont zur Badekur und wird exst gegen Mitte des Monats zurückkehren.

Braunschweig. Braunschweig, 6. September. (K.) Se. Königliche Hoheit der Regent des Herzogthums Braun- \hweig, Prinz Albrecht von Preußen, bewilligte dem Presbyterium der evangelischen Gemeinde zu Fulda zum Kirchenbau aus der Schatulle die Summe von 500 M Jhre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin Albrecht von Preußen, welche seit einiger Zeit auf Schloß Seiten- berg in Schlesien weilt, wird am kommenden Montag mit dem Ceremonienmeister Kammerherrn Grafen von Keller und der Hofdame Gräfin Pückler von dort abreisen und am Dienstag in Hannover eintreffen.

__ Oefterreih-Ungarn. Wien, 7. September. (W. T. B.) Die amtliche „Wiener Ztg.“ meldet: Der Kaiser hat das von dem Statthalter für Böhmen, Freiherrn von Kraus, aus Gesundheitsrücksichten eingereihte Entlassungsgesuch genehmigt und demselben das Großkreuz des Leopold- Ordens verliehen. Gleichzeitig hat der Kaiser den Grafen von Thun-Hohenstein unter Verleihung der Geheimraths- würde zum Statthalter von Böhmen ernannt. Budapest, 6. September. (W. T. B.) Der Minister der öffentlihen Arbeiten und Kommunikationen, Baroß, zut fich nah Orsova begeben, um dort der Eröffnung der rbeiten zur Regulirung des „Eisernen Thors“ beizuwohnen.

Großbritannien und Jrlaud. London, 6. Sep- tember. (A. C.) Der Prinz von Wales kehrte gestern von Homburg nah London zurü. er Minister für Jndien, Lord Croß, Lord Charles Beresford, der Herzog von Norfolk und andere hervorragende Persönlichkeiten befanden fih unter den Gästen der Messershmiedezunft von Sheffield bei ihrem gestrigen jähr- lichen Festmahle. Fn Beantwortung des Toastes auf die Ges und- heit der Minister hielt Lord Croß eine längere Rede, in welcher er u. A. sagte: „Die Regierung beabsiŸhtige, der Nation eine Marine zu geben, daß, wenn England sage „Hände weg“, andere Nationen wissen würden, daß England das meine, was es sage. Niemand wünsche indeß eine Vergrößerung der Marine für Angriffszwecke. Das große Jnteresse Englands sei Frieden, und das Ee Werkzeug für die Erhaltung des europäischen Friedens sei ein starkes Großbritannien.“ Ueber den Dock-Arbeiter-Strike und andere Arbeitec-Ausstände berichtet die „Allg. Corr.“ weiter: Der Strike der Hasenarbeiter ift in eine neue Phase getreten. Die Arb eit wird übercll da aufgenommen, wo die zwischen dem Werft- besigerLafone und dem Centralaus\chuß der \trikenden Arbeiter vereinbarten Lablungbedingungen in Kraft treten. Vierzehn Lantungtwerften an der hemse haben diese Bedingungen angenommen, sodaß in wenigen Tagen etwa 5000 Werftarbeiter wieder vollauf beshäftigt scin werden. Dies ist jedoch nur ein Tropfen im Meere, da mindestens 40 000 Hafen- arbeiter, die Schiffsftauer und Lighterminen niht mitgerechnet, feiern. Ob die übrigen Werften Londons, etwa 46 an der Zahl, dem Beispiel Mr. Lafone’s folgen werden, bleibt abzuwarten. Erst vor wenigen Tagen hatten sie kundgemacht, daß sie die Haltung der Dockzesellshaften der strikenden Arbeitern gegenüber billigen, und von dieser Ansicht

Lt. des 2, Pion, Bats., mit der Wirksamkeit vom 1. Oktober d. I.

Beförderungen und Versegungen. im Ulan. Regt. König Karl Nr. 19, von dem Kommando zur Dienst- [leistung bei Sr. Königlichen Hoheit dem Herzog Albrecht von

Im Sanitätscorps. 31. August. Dr. Krauß, Assist. Arzt Pion. Bat.

Landw. Bezirk Reutlingen, mit seinem bisherigen Patent im aktiven M angeftellt unter Eintheilung im Drag. Regt. Königin Olga r. 25.

keine Sÿritte zur Beendigung des Ausstandes eraziffen, der, fallz nicht von irgend einer kompetenten Seite ein Machtspruh gethan wird, noch Wochen, ja Monate dauern dürfte.

Der Ausstand der Arbeiter in einigen großen Unternehmun- gen im Westen Londons hat seit dem 3. d. M wesentlih zugenommen. Die Maschinenfabriken von Simpson & Co., Allen & Co., Drysden & Ford sowie die Eisenbahn - Ausdeh- nungsarbeiten der Söüdwestlihen Gesellschaft sind gänzli in Stockung gerathen. Die gelernten Handwerker haben ihre Forderungen erreiht, aber das Gesuch der Tagelöhner um 1 Penny Lohnerhöhung wurde riht in Betracht gezogen Die Zahl der Strikenden beträgt ungefähr 2000. In Whitechapel gab es vorgestern Abend manche gewaltsame Szenen. Die s.rikenden Schneider zogen in den Gassen herum und \{!eppten die von „Schweißern“ beschäftigten Arbeiter gewaltsam aus den Häusecn, Die Polizei ershien bald auf dem Play und verhaftete einige der Führer des Krawalls. :

Die neuesten Telegramme des „W. T. B.“ melden über den Verlauf des Strikes:

London, 6. September. Der Lordmayor batte den Kardinal Manning, denBi)cof der anglikanis@en Kirche Londons, Dr. Temple, sowie die Führer der Strikenden, darunter Burns upd Tillet, beute Nachmittag zu einer Besprechung in das Mansiou House eingeladen, um mit denselben über die Mittel zu berathen, welhe zur Beilegung der zwishen den Dokgesellschaften und den Strikenden \{chwebenden Differenzen zu ergreifen sind, Diese Konferenz empfahl, daß den Arbeitern von Anfang Januar 1890 ab 6 Pence anîtatt 5 Pence per Stunde bezahlt werden möten,

Burns und andere Führer der Strikenden erklärten sich bereit, den " Arbeitern zu rathen, dieses Arrangement anzurehmen. Die Dirckioren der Dodgesellschaften versprahen ebenfalls, den Vorschlag in Exr-

wägung zu ziehen.

London, 7. September. Die Meldung der „Pall Mall Gazette“ über die erfolgte Verständigung der Direktoren ter Dodgesell- schaften mit den Schifförhedern, in Folge deren keute die all- gemeine Wiederaufnahme der Arbeit ia den Dos stattfinden würde, bestätigtsichnicht. Nach einer Meldung aus Dundee bat der dort tagende Kongreß der englishen Gewerkvereine den Antrag auf allgemeine Einführung eines 8stündigen Normalarbeitstages mit 88 gegen 63 Stimmen abgelehnt, den Antrag auf Einführung desselben in den Bergwerken aber elmsttinmig angenommen.

rerankreih. Paris, 6, September. (W. T. B.) Der Justiz-Minister Thévenet hat die Bischöfe durch ein Rundschreiben aufgefordert, die Geistlichen anläßlih der be- vorstehenden Wahlen daran zu erinnern, daß cs dem Klerus verboten sei, bei der Ausübung priesterliher Funktionen irgendwelche politishe Parteinahme kundzugeben. Die Regierung werde nicht säumen, gegen diejenigen Mit: glieder des Klerus mit Strenge vorzugehen, welche diese Ver- haltungsvorschriften übertreten sollten, auf deren Beobachtung jeit Abschluß des Konkordats von allen Regierungen Frank: reis bestanden worden sei,

_ Jtalien. Rom, 7. September. (W. T. B.) Der Minister-Präsident Crisp i ist nah Neapel gereist. Dem „Popolo Romano“ zufolge soll jede Absicht, die Kammer aufzulösen, wenn dieselbe überhaupt je bestanden hat, definitiv aufgegeben worden sein.

__ Türkei. Konstantinopel, 6. September. (W. T. B.) Die Pforte hat nunmehr den vor drei Monaten von der armenishen Nationalversammlung gefaßten Be- schluß genehmigt, wonach von der Mitgliedschaft bei dem Laienrathe des Patriarchats alle Regierungs- beamte ausgeschlossen sind. Der Prozeß gegen den Kurdenführer Mussa Bey ist im Gange; der Untersuhungsrichter hat mit der Vernehmung der Mitglieder der armenischen Deputation aus Bitlis begonnen.

Rumänien. Bukarest, 6. September. (W. T. B.) Der „Moniterul“ veröffentlicht einen Bericht, welchen der Minister: Präsident Cartargiu anläßlih seines Besuchs in der Do- brudscha an den Ministerrath richtete. Der Bericht konstatirt die Mängel der Lokalverwaltung, den s{hlechten Zustand der Wege, die Nothwendigkeit der Errichtung einer besonderen Gendar- merie, die Dringlichkeit einer Revision der Parzellirungsarbeiten, welche von Anfang an Vieles zu wünschen übrig gelassen, die Einführung von Reformen in der Ausbeutung des Weinbaues, der Fishzucht und des Forstwesens. Als nicht minder wichtig für die kommerzielle Entwickelung des ganzen Landes be- zeihnet der Bericht die Verbesserung des Hafens von Con- stanza und den Bau einer Brücke über die Donau. Der Ministerrath beschloß die Einseßung einer aus Delegirten der verschiedenen Ministerien bestehenden Kommission. Die Kom- mission, welche bereits ernannt ist, hat alle Fragen zu prüfen und eine den Bedürfnissen der Bevölkerung der Dobrudscha am besten entsprechende Verwaltungs-Organisation und alle nothwendigen Aenderungen der derzeit geltenden Gesezgebung vorzushlagen.

Amerika. New-York, 5. September. (A. C.) General Legitime, der frühere Präsident von Hayti, is mit seiner Familie und einem zahlreichen Gefolge hier angekommen. Am nächsten Sonnabend tritt er an Bord d-s Dampfers „La Bretagne“ die Reise nah Frankrei an. Während New-York das Vorrecht, eine große Welt- ausstellung im Fahre 1892 in seinen Mauern abzu- halten, als etwas Selbstverständlihes betrachtet, tritt jeßt auch Washington mit seinen Ansprüchen hervor. Zu Gunsten der Bevorzugung der Bundeshauptstadt wird an- geführt, daß die Ausstellung doch eine nationale sein und der undesschaß erheblich zur Deckung der Kosten beitragen solle. Es erscheint in der That noch recht ungewiß, ob New-York seinen Wunsch erreihen wird. Viele Kongreß-Abgeordnete jollen Washington den Vorzug geben.

Asien. China. Peking, 5. September. (R. B.) Durch Kaiserlihe Verordnung ist der Bau einer Eisenbahn von Peking nah Hankow genehmigt und sind gleichzeitig die zum Beginn der Arbeiten nöthigen Befehle er- theilt worden. Es heißt, Li Hung Chang wolle eine große Anleihe im Auslande aufnehmen zur Deckung der Kosten des Baues seiner Hälfte der projektirten Eisenbahn. _ Wie dem „Standard“ aus Shanghai gemeldet wird, hat der Vize-König Li Sheng Paotai die Vorbereitungen für die Anlegung einer Telegraphenlinie von Pau Ting oo unweit Peking via Shansi nah Kiachta in ibirien nahezu vollendet. : Der neuerlihe Dammbruch des gelben Flusses in der Provinz Shantung ist über 200 Fuß lang, und 12 Fuß tief ergießt sih das Wasser hindurh. Eine Menge Häuser sind fortgeshwemmt worden und die Zahl der Er- trunkenen ist sehr groß. 10 Distrikte sind jeßt über- schwemmt, und man befürchtet, daß noch weitere tiefer

dürften sie sobald nit abkommen. Seitens der Dockgesellschaften, der Schiffsrheder oder Kaufleute des Londoner Hafens wurden gestern

gelegene Gegenden bald dasselbe Schiksal ereilen wird.

Dresden schreibt die „Berliner Börsen-Zeitung“:

Zeitungsftimmen. Zu der Reise Sr. Majestät des Kaisers na ch

Als Kaiser Wilhelm II. seine Fahrten nah St. Petersburg, Rom und Wien unternahm, da erkannte jeder darin eîn dankens- werthes Regierungsprinziv des den Frieden anstrebenden jugendlichen Monarchen, dem das Glüdck der Völker höher steht, dem fulturelle Errungenshaften mehr bedeuten, dem die Versöhnunz der si gegenüberstehenden und befämpfenden Anschauungen über das Wesen des Staates heiliger ist, als Kriegsruhm. Kaiser Wilhelm II repräsentirt in seiner Person das Deutsche Reid aber niht nur nah außen; er ift auch die ge- \chihtlide Verkörperung des Einheits- und Reisgedankens nah innen und hat die keineswegs leihte Pflicht, fich den Deutschen im Reibe dadur persönli als Deutscher Kaiser vorzustellen, daß er den Königen und Herrschern innerhalb des gleihsam föderativen Vater- landes in ihren Hauptstädten einen Besuch abftattet. Daß diese deutshen Königs- und Herrscher-Residenzen dem Kaiser bei seinem Besuche ia s\ympathis®er und zum Theile begeisterter Weise huldigen, das is ein Moment bedeutsamster Art und wird von den einden deutsher Größe und deutscher Macht viel empfindlicher bemerkt, wie im Gesammtvaterlande selbst, denn in den Huldigungen für Kaiser Wilhelm II., wie sie beispielsweise gegenwärtig die Hauptstadt des Königreichs Sachsen wieder bietet, wird es an den Tag gelegt, daß sih die Deutschen in allen Rihtungen der Windrose Eins fühlen im Sinne des Reich3- gedankens. Kaiser Wilhelm Ik. provozirt durch seine Besuche unbe- wußt diese hocpolitishen Aeußerungen des Gemeingefühls, denn er erfüllt einfa eine Regentenpfliht durch feinen Besuch, eine von den zahlreichen Pflichten, denen der ernste und zielbewußte junge Deutsche Kaiser mit dankenswerther Hingabe obliegt.“

Dasselbe a sagt fu der Rede des Großherzogs aden in Ueberlingen: i : |

on dem Munde eines Fürsten, in dem die Nation seit Iahr- zehnten einen treu beforgten Hüter ihrer Einheit und Wohlfabrt ehrt, ist zum Sedanfeste eine ernste Mahnung an das deutsche Volk er- gangen Die Ansprache des Großherzoas von Baden in Ueberlingen galt nicht nur den Kriegern, vor denen sie gehalten wurde, sie wendet h an alle Freunde des Reichs, indem sie auf Gefahren binweist, die dem ganzen Deutschland gemeinsam sind. Auf sozialdemokratischer Seite wird die Feststellung, daß die in PVeberlingen gesprochenen Worte ihr vor Allem gelten, kaum einen Widerspru hervorrufen.

Die durch die Beendigung des Kulturkampfes örtlich vielfach ge- änderten politiswen Verhältaisse vermögen die Thatsache nicht zu ver- \leiern, daß der Ultramontanisnrus ein dem neuen Reibe grundsäßlich feindlibes Element geblieben ift, allzeit geshäftig, dem jungen Staat innerhalb und außerhalb der Grenzen Schwierigkeiten zu bereiten. Ist es doch gewiß, daß das neuerlihe Aufwerfen der sogenannten rômishen Frage \sich in weit stärkerem Grade gegen eine Stütze Deutschlands richtet, als sie die Beseitigung eines neunzehnjährigen, von der Kirche als wohlthätig emp undenen Zustandes bezweckte. Und was das Centrum aus unserer geistigen Einheit, diesem unentbehr- lihen Element deutschen Lebens, zu machen sich vorgeseßt hat, das lehrt anshaulich der „Kampf gegen die Schule“, wie er neuerdings beispielsweise in S des Hrn. Kaplan Dasbach

ieder angekündiat wird. . /

R endli die fortschrittlih-demokratishe Richtung anlangt, so sollen deren Anhänger wenigstens daran erinnert sein, daß nicht nur Derjenige das Vaterland schädigt, der mit bewußter Ubsidt gegen die deutshen Iuteressen streitet, sondern au Jener, der um untergeordneter politischer Zwecke willen eine ihm selbst fremde Partei unterstüßt, die das Verderben des Reichs zum Endziel nimmt. Auch die wohlmeinende, aber oberflählihe Prüfung der Dinge fann zum „inneren Feinde“ der gemeinsamen Interessen werden. E

Die Mahnung, wacjsam zu sein gegen den inneren Feind, „wach- sam im heiligsten Sinne des Wortes“, kommt von einem treuen Freunde des Volkes und von einem der treuesten Reichsfürsten, die die deutshe Geschichte kennt. Das deutsche Volk möge diesen We- ruf wchl beherzigen.“

In einem Artikel der „Post“, in welchem sie die Mah- nung ausspricht, an dem Kartell festzuhalten, heißt es:

„Zur Verfolgung kleinlicher Parteirücksichten ist die Zeit zu ernst ; wo es sich um Fragen der Existenz handelt, muß jeder Vaterlands- freund diese wie die eigenen Sonderinteressen den Anforderungen des Gemeinwehls und der Staatsnothwendigkeit unterordnen, alle Vater- landsfreunde, welcker Parteirihtung se immer angehören mögen, müssen sich fest zusammenschließen zur Sicherung unserer Nation und Volkes vor äußerer und innerer Gefahr. Sicer wird die UVeberzeu- gung au überall da Play greifen, wo nit Parteisucht und parla- mentarishe Viactgelüste die Stimme der Vaterlandsliebe übertönen. Daß Letteres leider bei den Deutschfreisinnicen der A ist, tritt gerade jeßt in so deutlicher, wie in- uner reulicher Weise zu Tage. Es bedarf heute niht mehr der S{hlußfolgerungen aus indirekten Hinweisen der parteioffiziösen Presse, um die Veber- zeugung zu gewinnen, daß die Sozialdemokratie bei den nächsten Wahlen im Kampfe gegen die Kartellparteien Seitens der freisinnigen Parteileitung volle Unterstüßung finden wird. Ein bekannter deuts» \reisinniger Parlamentarier und Journalist hat es unlängst direkt bezeugt, daß es die übereinstimmende Absicht der Parteileitung, wie aller parlamentari! chen Vertreter der Partei sei, allen oppositionellen Elementen, Welfen, Polen u. #, w., und vor Allem den Sozial- demokraten die volle Unterstüßung der deutschfreisinnigen Partei zu Theil werden zu lassen.“

Ueber denselben Gegenstand äußert sich der Graudenzer Gesellige“ wie folgt: : S : Bei beit iten Reichstagswahlen wird, wie ein bekannter parlamentarisher Mitarbeiter der „Breslauer Zeitung“ ausführt, die freisinnige Partei überall und unter allen Umständen dte Gegner des Kartells unterstüßen, also ganz glei, ob dieselben Sozialdemokraten, Dänen, Polen oder Welfen sind. , ; Es ist fast eine Woche darüber lingezogen, daß diese Kund- gebung veröffentlicht wurde, die deutsch-freisinnige „Parteileitang hat dazu geshwiegen und es ist nunmehr anzunehmen, daß sie ein- verstanden damit ift. Wir glauben aber, daß die deutsc-freifinnige „Parteileitung“ si täuschen wird, wenn sie hofft, daß die Wähler im Lande bei den nächsten Reichstagswahlen den Gegnern des „Kartells* unbesehen ihre Stimmen geben werden. i : Bei uns im Osten lautet die Parole wie bisher: Hie deuts, hie polnisch! und nur die große Entfernung, die geringe Fühlung mit den Wählermassen und die etwas unvollkommene Beurtheilungs- gabe für die ecigenthümlihen Mischverhältnisse in der Bevölkerung können die Berliner freisinnige Partcileitung zu dem ZIrrtbum ver- leiten, daß eine Parole wie: „Nieder mit den Kartellbrüdern! volles Verständniß bei den deutschfreisinnigen Wählern des Ostens finden könnte. Wir haben eine bessere Meinung von den deuts{fceisinnigen Männern der Ostprovinzen, als sie bei der „Parteileitung* zu herrschen \checint. Wir glauben, daß sie dort, wo auf Durchbringung eines deuts{freisinnigen Kandidaten feine Aussicht ist, sih zu Gunsten der deutshen Kandidaten an der Wabl rege betheiligen werden. Auch bei den bevorstehenden Reichstagéwahlen boffen wir von der nationalea Einsiht der deutshen Wäbler des Ostens, l e niht durch falshe Signale, aus großer Entfernung abgegeben, N verleiten lassen werden, {ih in Parteicompagnien zu trennen, mindesten da niht, wo es unbedingt darauf ankommt, daß das ganze deutsche Wäßhler-Bataillon gescloien D uieen den Sieg zu erlangen für einen Nationalliberalen oder Kon]ervaliven. i Die deutscfreisinnigen Parlamentarier, deren Absicht der parla mentarische Mitarbeiter der „Breélauer Zeitung angebli wae t giebt, zeigen eine viel zuy „mechanishe“ Auffassung von dem Wer

werden. Wenn ein Sozialdemokrat. oder Pole mit Hülfe der Deutschfreisinnigen siegen würde, meinen die Herren: „A Gott, diese Leute erreihen ja doch nichts im Reichstage für ihre Sonder- bestrebungen, das Deutshe Reih wird niht zu Grunde gehen, ob einer mehr zu der Handvoll hinzukommt oder nit. Das nennen wir eine gründlihe Unters{äßung der moralischen Wut eines derartigen Wahlsieges. Es ist ja richtig, die Verstärkung der sozial- demokratisGen oder polnishen Partei um einige Mann bebt das Deutsche Reih durch die Wut dieser paar Parlamentsstimmen gewiß noh nit aus den Angeln, aber jeder Wahlsieg jener beiden Parteien ist eine bedeutende Aufmunterung der reichsfeindlihen Be- strebungen oder Träumereien, welhe jene verfolger, und \tärkt in großen Volksmassen den Glauben an den Sieg der Ideen, welche die durbaekommenen Kandidaten vertreten, ermuntert aub zu weiteren Vorstößen, die ih später dann niht mehr aufhalten lassen, so viel fie auch „gemißbilligt“ werden.“

Die „Deutsche volkswirthschaftlihe Correspon- denz“ wirst die Frage auf, wie sih der deutsche Handelsstand dem seit dem 1. April in Jndien eingeführten neuen Waarenzeichengeseße, welhes sich im Wesentlichen an die Bestimmungen der englishen Merchandise Marks Act 1887 anschließt, gegenüber zu verhalten habe, und sagt : E „Die Antwort hierauf ergiebt \ich leiht, wenn man auf die bei der englishen Akte gemahten Erfahrungen sieht Es hat dem Absatz deutsher Waaren nah Großbritannien nit geschadet, daß fie dort jeßt nur unter deutsber Bezeichnung eingeführt werden. Dies wird no in hôherem Maße in Indien der Fall sein. Das kaufende Land ist indisch und die Hauptkundschaft für die Mehrzahl der Waaren eben- falls eine indishe und keine englishz. Hierauf beruht es, daß dieselbe dur gesbickte Behandlung leiht gewonnen werden kann und daß dem deutshen Industriellen und Kaufmann gerade durch das indische Waarenzeicengesey Gelegenheit geboten ist, für gute. deutsche, dem indishen Geshmack angepaßte Waaren ein reihes Absatzgebiet zu er- werben. Der deutsche Handel soll niht etwa darauf sehen, welche englishen Bezeichnungen vielleiht noch unter der Herrschaft des neuen Gesetzes in Indien zulässig ersheinen, Vielmehr liegt Uns jeßt die Pflicht ob, ebenso wie in England so auch in Indien, nur unter eigener Flagge aufzutreten. Wenn der deu!she Kauf- mann und Fabrikant für ihre Erzeugnisse Marken wählen, welche sich leiht dem Sinne der Indier einprägen, etwa Marken im altdeutshen Styl oder au indisbe Zeichnungen und Inschriften, die selbstverständlich stets mit der dem Geseh genau entsprechenden Angabe des deutshen Ursprungs verbunden sein müssen, fo wird si die in- dishe Kundschaft ebenso leiht an diese Bezeichnungen gewöhnen, wie dies bisher bei den englischen Marken der Fall war, und ebenso gern die deutschen Waaren faufen, welhe sie früher dur englische Ver- mittelung nur unter englisher Bezeichnung zu beziehen pflegte.

Die Kaisertage in Sachsen.

Ueber die Festlichkeiten zu Ehren des Besuchs hrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin am Königlich sächsischen Hofe sowie über die gestrige große Parade des XII. (Königlih Sächsischen) Armee-Corps bei Oschatz berichtet das „Dresdner Journal“ :

Dreêden, 6. September. Gesternd Abend um 7 Uhr fand im Speisesaal des Königlihen Schlosses Ab statt, an welcher neben Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin, dem Könige und der Königin die hon nambaft gemahten Fürst- lichen Persönlichkeiten theilnahmen. Im Spiegelsaale nahmen die Gefolge der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften sowie der Königs lih sächsishe Ehrendienst an der Marschalltafel Play. N

Bis in die spätesten Abendstunden hinein wogten die Menschen- mengen auf allen Straßen und Pläßen im Innern der Stadt, namentlich in der Nähe des Königlichen Schlosses. Mit allen ein- treffenden Eisenbahnzügen und Dampfschiffen kamen am gestrigen Tage Fremde hier an, um Zeugen der Festlichkeiten während der nächsten Kaisertage zu sein. Einen prächtigen Anblick gewährte bei eintretender Dunkelheit die Augustusbrücke, welche eine lange Flammen-

ile bildete. S E Zu der heute Vormittag 8 Uhr 20 Minuten Bebufs Abnahme der Parade des XII. (Königlih Sätsischen) Armee-Corps bei Oschatz erfolgten Abfahrt der Allerhöbsten und Höchsten Herrschaf- ten mittelst Hofzuges nah dem Paradefelde hatte sih in den früzen Morgenstunden entlang der Feststraße vom Königlichen Schlosse bis zum Leipziger Bahnhofe eine dihtges{lossene Menschenmenge eingefunden. Am stärksten war die Ansammlung am Bahnhofe selbst, wo die Möglich- feit aeboten war, die Erlauchten Herrschaften beim Aussteigen ganz in der Nähe auf wenige Minuten sehen zu können. Zur vorbestimmten Zeit langten die Herrschaften in zweispännigen Hofwagen mit 2 Vorreitern am Bahnhofe an, von der anwesenden Menschenmenge jubelnd begrüßt, und fuhren vor dem Hofsalon vor. Im ersten Wagen batten Plaß genommen Se. Majestät der Deutsche Kaiser und Se. Majestät der König von Sachsen, im zweiten Ihre Majestät die Deutsche Kaiserin und Ihre Majestät die Königin von Sachsen. In den folgenden Gefährten traf das dienstthuende Gefolge ein. Die Abfabut der großen Gefolge und der fremdherrlihen Offiziere vom Leipziger Bahnhofe nah S par bereits 7 Uhr 50 Minuten Vormittags mittelst Extrazuges geschelen. S

Ueber die D arade des XII. (Königlich Sächsischen) Armee-Corps, welhe am beutigen Tage südlich Naundorf bei Oschay vor Sr. Majestät dem Kaiser stattgefunden hat, wird berichtet : . ñ

“Soi seit den frühen Morgenstunden zogen die bunten Marsch- folonnen von allen Seiten nah dem zwishen den Dörfern Naundorf und Schweta gelegenen Paradeplay heran, sodaß bereits um 9 Uhr das gesammte Armee-Corps hinter der einzunehmenden Paradelinie auf- mars(irt war. Nachdem wenige Minuten später das Einrüken der einzelnen Truppentheile in die für sie bestimmten Abschnitte der Paradelinie erfolgt war, stand um 10 Uhr das Armee-Corps unter Befehl des fommandirenden Generals, Sr. Königlichen Hoheit des General- Feldmarschalis Prinzen Georg, Hölhstwelher das Band des Ordens vom Schwarzen Adler angelegt hatte, mit dem rechten Flügel gegen Naundorf, mit E linken Flügel gegen Schweia, in zwei Treffen

ade aufgeîtellt. : n M M in Eoeffen, welches aus den in Dovpelkolonnen auf- gestellten Fußtruppen bestand, befebligten die Commandeure der 3 Divisionen. Auf dem rechten Flügel stand unter dem Befehl des General-Lieutenants von Reyher, Commandeurs der 1, Division Nr. 23, das Kadetten-Corps, das 1. (Leib-) Grenadier-Regiment Nr. 100, das 2. Grenadier-Regiment Nr. 101 „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ und die Unteroffiziershule, diese sämmt: lich befehligt von dem Commandeur der 1. Infanterie-Brigade Nr. 45, General-Major Edlen von Planiy, sowie das 3. Infanterie- Regiment Nr. 102 und das 4. Infanterie-Regiment Nr. 103 unter dem General-Major Larraß Commandeur der 2. Infanterie-Brigade Nr. 46. Links neben der 1. Division war die vom General-Lieute- nant von Holleben gen. von Normann befehligte 2. Division Nr. 24 aufgestellt, bestehend aus der 3. Infanterie-Brigade Nr. 47 unter tem General-Major von Tschirshnip 10. Infanterie-Regiment Nr. 134 wud 11, JInfanterice:Regiment Nr. 139 und der 4. Infanterie-Brigade Nr. 48 unter dem General-Major Leusmann 7. Infanterie-Regiment Nr. 106 und 8. Infanterie-Regiment Nr. 107 —. Hieran reihte sih auf dem linken Flügel die 3. Division Nr. 32 unter dem General-Lieutenant von Schweingel, welche gebildet wurde aus dem 5. Infanterie-Regiment Nr. 104 und dem 9. Infan- terie-Regiment Nr. 133 unter dem General-Major von Raab, Comman- deur der 5. Infanterie-Brigade Nr. 63, und dem Schüßen-Regiment

Nr. 12 unter dem General-Major ribeten von Hodenberg, Com- mandeur der 6. Infanterie-Brigade Nr. 64. :

Im zweiten Treffen standen, vom rechten Flüael an gerechnet, die 1. Kavallerie-Brigade Nr. 23 unter dem General-Major von Kirch- bah, bestehend aus dem Garde-Reiter-Regiment und dem 1. Ulanen- Regiment Nr. 17, links anschließend die 2. Kavallerie-Brigade Nr. 24 unter dem General-Major von Nostitz-Drzewiecki und die 3. Kavallerie- Brigade Nr. 32 unter dem Obersten Schulte, erstere bestehend aus dem 1. Husaren-Regiment Nr. 18 und dem 2. Husaren-Regiment Nr. 19, leßtere bestehend aus dem Karabinier-Regiment und dem 2. Ulanen- Regiment Nr. 18, sowie endlih die Artillerie-Brigade Nr. 12 unter dem General-Major von Wolf, gebildet von dem 1. Feld-Artillerie- Regiment Nr. 12, dem 2. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 28, dem _ 3, Feld-Artillerie-Regiment Nr. 32 und dem Train-Bataillon Nr. 12. Auf dem rechten Flügel des erften Treffens hatten die der Parade als Zuschauer beiwohnenden fremdherrlihen Offiziere Aufstellung ge- nommen. :

Se. Majestät der König, Allerhöchstwelher unweit Naun- dorf zu Pferde gestiegen war und von dort ih direkt nah dem Paradefelde begeben hatte, traf gegen 10 Uhr auf dem rechten Flügel des Armee-Corps ein und nahm daselbst mit gezogenem Säbel Auf- stellung. Se Majestät, Allerhöchstwelcher einen prahtvollen Rappen ritt, trug Generalsuniform und hatte das Band des Schwarzen Adler-Qrdens angelegt. : E : Wenige Minuten später traf unter dem begeisterten Jubel der in außerordentliher Zabl herbeigeströmten Zuschauer Se. Majestät der Kaiser in der Uniform Allerhöchstseines 2. Grenadier-Regiments Nr. 101, angethan mit dem Bande des Haus-Ordens der Rautcn- krone, einen prächtigen Fus reitend, mit den übrigen der Parade anwohnenden Allerböcbsten und Höchsten Herrschaften auf dem Parade- plaße ein, ritt im Galopp nach dem rechten Flügel des ersten Treffens zu und nahm den Allerhöchstihbm vom kommandirenden General überreichten Frontrapport entgegen. Die Truppen prâfen- tirten im Ganzen, die Tamboure s{lugen, die Musikcorps bliesen die Regiments-Präsentirmärscbe, und von den gesammten Truppen ertönte ein dreimaliges lautes Hurrah!

Beim Abreiten der Fronten, welches nunmehr begann, und welchem IbreMaijestäten die Kaiserin und dieKönigin, sowie Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Mathilde zu Wagen folgten, bliefen bei der Annäherung Sr. Majestät des Königs die ‘iusikcorps die preußische Nationalhymne, während die Truppen brigadeweise präsentirten. So- bald Se. Majestät eine Brigade passirt hatte, formirte sh dieselbe zum Parademarsch. E i | Nachdem Se. Majestät der Kaiser auch die Front des zweiten Treffens und zwar vom linken Flügel aus abgeritten, nahm Allerhêchstderselbe vor den an der Nordwestseite des Paradeplaßes errichteten Zuschauertribünen Aufstellung, und es begann der erste Vorbeimarsch oes Armee-Corps. S E Derselbe erfolgte Seitens der Infanterie in Compagnie-Fronten, von der Kavallerie in halben Escadrons, von der Artillerie in Bats- terie-Fronten, von dem Train mit 6 bez. 9 Fahrzeugen Front im Schritt. E ,

Der zweite Vorbeimarsch wurde von der Infanterie in Regiments- Kolonnen, den Jägern und Pionieren in aufges{lossenen Doppel- Kolonnen, von der Kavallerie in Eêcadronsfront, der Artillerie in Batteriefront und vom Train wie beim ersten Vorbeimarsh im Trabe ausgeführt. : L ———

Bei beiden Vorbeimärshen seßte sich Se. Majestät der König mit gezogenem Säbel an die Spiße des Armee-Corps, um dasselbe Sr. Maiestät dem Kaiser persönlih vorzuführen. Dasselbe geruhten Se. Majestät der A E beim Garde-Reiter- und 1, Feld- Artillerie-Regiment Nr. 12 zu thun. E

Als e 2, Grenadier-Regiment Nr. 101 zum Vorbeimarsch ih näherte, seßte Se. Majestät der Kaiser bei beiden Borbeimärschen Allerhöchstsi{ an dessen Spitze und führte das Regiment Sr, Majestät dem Könige vor. L

Wegen 2 Uhr war die Parade, welche von s{höônem Wetter be- günstigt war und einen glänzenden Verlauf nahm, zu Ende.

Se Majestät der Kaiser geruhte, wie wir vernehmen, den ver- sammelten Generalen und Commandeuren Allerhöchstibre Zufrieden- heit auszudrücken und begab sich sodann mit Sr. Majestät dem König und den übrigen Allerhöchiten und Höchsten Herrschaften, von dem Publikum allerorten stürmisch begrüßt, zu Wagen nah Oschatz zurück, von wo die Rückfahrt nach Dresden mittels Extrazugs er-

folgte.

Vom „W. T. B.“ liegen über die festlichen Veranstaltungen zu Ehren der Kaiserlihen Majestäten noch folgende Meldungen aus Dresden vor: L: :

Dresden, 6. September. Heute Nachmittag fand eine Ho f- tafel von 105 Gedecken statt, zu welcher die Fürstlichkeiten, die Minister, das diplomatise Corps, die Offiziere des Ehrendienstes sowie die fremdherrlihen Offiziere geladen waren.

Der zu Ehren Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin von der Bevölkerung der Stadt veranstaltete Fadckelzug mit an- \hließender Serenade nahm einen glänzenden Verlauf. Der imposante Zug, welcher aht Musikcorps enthielt, bestand aus den Innungen, Mitgliedern der Kaufmannschaft, Handwerkervereinen, über- haupt sämmtlichen Korporationen, Shulen, Lehranstalten, Arbeitern hiesiger Fabrikea, Turnern, Militärvereinen und umfaßte ca. 12 000 Personen. Alle Straßen, durch welche sih der Zug bewegte, waren von Tausenden von Menschen dicht befegt; viele Häuser waren illuminirt; die Augustus - Brücke erstrahlte in glänzeuder Be- leuchtung von Gasdekforationen. Als der Zug vor dem Schlofse ankam, erschienen die Allerhöhsten und Höchsten Herr- schaften auf dem Balkon. Nach der Aufstellung des Zuges bielt der Vorsteher der Stadtverordneten, Geheime Hofrath Ader- mann, eine begrüßende Ansprahe im Namen der Bürgerschaft und {loß dieselbe mit einem dreifachen Ho auf Se. Majeftät den Kaiser als die Hoffnung des deutschen Volkes, als den starken Schirmherrn des Friedens der Welt, sowie auf Ihre Vajestät die Kaiserin als das Vorbild aller weiblihen Tugenden. Das Hoch wurde mit brau- sendem Iubel von der Menge aufgenommen. Alsbald löste sih ein Theil des Zuges ab und begab si mit den städtischen Kollegien und den Sängern in den Schloßhof, wo die Serenade dargebraht wurde. Der Hauptzug bewegte s e durch die Stadt nah dem

irnaishen Plat, wo er sich auslôite. E : x La 7 September. Se. Majestät der Kaiser und Se. Majestät der König von Sachsen haben sich heute früh 7 Uhr, bei regnerishem Wetter, nah Ostrau begeben, um den \üdlich von e Corps-Manövern gegen

rkfirten Feind beizuwohnen. : i : E ahn Feaiesat die Kaiserin hat heute Mittag die Rük- reise nah Berlin angetreten. Vorher besuhte Ihre Majestät die

emäldegalerie. i 4 Heute Nahmittag findet im hiesigen Residenzschlosse ein großes Diner statt, zu welchem 250 Einladungen ergangen sind.

Kunst und Wissenschaft.

Im Lokal des Vereins Berliner Künstler hat Hendrik Siemiradzki, der bekannte polnishe Geschichtsmaler, zur Zeit sein neuestes, von dem Kaiser von Rußland angekauftes Kolossal-Gemilde : „Phryne im Tempelhain zu Eleusis“, ausgestellt, Das Bild gehört wohl zu den größten, welhe je geshaffen worden sind. Die dargestellte, von antiken Schriftstellern überlieferte Scene geht durchaus dezent mit dem Ernst und der Feierlich- keit einer religiösen Handlung vor ih und ist so recht dazu geschaffen, um Farbenpraht und Schönheit der Formen zu ent- falten. Siemiradzki bewährt auch in diesem Bilde sein bereits mehrfach in Geschihtsbildern allergrößten Maßstabes erprobtes Talent, die Farbenwelt dec Antike und die Sonnenpraht des Südens

ines t8: der Deutshe Reichstag ist für uns kein politisches Dea atte auf dem L Steine oder hölzerne Platten geschoben

, Fäger-Bataillon Nr. 12, dem 2. Jäger-Bataillon N Pi n h, Si Bitaillos Nr. 15 und dem Pionier-Batailloa

harmonisch zusammenzustimmen.