1869 / 84 p. 7 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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halb in das Verzeichniß einschließen, weil sie Effluvien abgeben, dur< welche fließende Gewässer verunreinigt werden können. Meine Herren! Wenn es die Absicht wäre und sein könnte, hier in diesem Geseh dafür zu sorgen, daß in öffentliche oder Pri- vatgewässer nicht Bie Uto Abflüsse geleitet werden können, so würde eine sehr große Zahl anderer Anlagen noch zu nen- nen sein, nicht nur gewerbliche Anlagen, sondern auch ein ganz gewöhnlicher landwirthschaftlicher Betrieb würde dann schließlich auch hier mit hineingezogen werden können, weil die Abflüsse von den Höfen in den Bach fließen. Die rage: wie, ob und unter welchen Vorausseßungen es zulässig ist, Effluvien öffent- lichen oder Privatgewässern zuzuführen, liegt gänzlich außer- halb des Kreises der Gewerbe-Ordnung, die regelt sich nach an- deren Geseßen, will man diesen Gesichtspunkt hier hineintragen, L kommt man auf ein Gebiet, was wir hier unmöglich regeln nnen.

Ueber das zu demselben $. gestellten Amendement des Abgeordneten Dr. Bähr äußerte der Präsident des Bundes- kanzler-Amts: ;

Meine Herren! Was die von dem Herrn Abgeordneten für Cassel unter Nr. 8 seiner Amendements vorgeschlagenen Ergän- ungen der Nomenklatur der gewerblichen Anlagen anlangt, lo fallen sie unter sehr verschiedene Gesichtspunkte.

Was den ersten betrifft, wonach gesagt werden soll, daß nicht nur die Anlagen zur Feuerwerkerei und zur Bereitung von Jündstoffen, sondern auch die Niederlagen der polizei- lichen Genehmigung unterliegen sollen, so muß ih mich gegen diesen Antrag aus ähnlichen Gründen aussprehen, aus denen ih mi gegen den Antrag des Herrn Abgeordneten für Siegen aussprechen mußte. Eine Niederlage ist keine gewerbliche An- lage. Wenn man darauf eingehen wollte, unter welchen Bor- aussezungen feuergefährliche Gegenstände aufgestapelt werden dürfen, so würde man wiederum aus dem Bereiche der Ge- werbe-Ordnung heraustreten ; dies ist, wie gesagt, keine gewerb- liche Anlage. Wenn Jemand einen Schuppen oder ein Häus- chen vermiethet, um Pulver darin niederzulegen, so treibt er kein Gewerbe.

Wenn ferner vorgeschlagen ist, statt »Hammerwerke« zu sagen: »Hammer-, Walz- und Stampfwerke«, so kann ich materiell gegen diesen Vorschlag nichts einwenden. Nach der Absicht der Vorlage sollte der Ausdru> »Hammerwerke« die- jenigen Werke begreifen, die der Herr Abgeordnete für Cassel besonders nennt.

Er s{lägt ferner vor, statt »Firnißsiedereien« zu sagen: »Firniß-, Pech- und Terpentinsiedereien, Lackfabriken.« Meine Herren, die Pechsiedereien sind Anlagen, die in der Regel nicht den Charakter gewerblicher Anlagen tragen; sie sind außerdem Anlagen , welche, so viel mir bekannt ist, nicht unter Verhält- nissen vorkommen, bei denen fie die Nachbarschaft wesentlich belästigen können, sie werden meistens am Gewinnungsorte des Materials, im Walde selbst angelegt und da belästigen solche Anlagén Niemand; man müßte sonst dahin kommen, auch die Kohlenmeiler für konzessionspflichtige Anlagen zu er- klären. Die Lackfabriken fallen unter die chemischen (Fabriken, find also schon in der Vorlage begriffen.

Daß man das La>leder hier besonders nennen soll, das möchte i< nah den Erfahrungen, die bisher wenigstens bei der preußischen Verwaltung gemacht sind, nicht empfehlen ; es hat sich cin Bedürfniß dazu nicht ergeben.

Was endlich die Flahs- und Ou auten betrifft, so fallen diese, glaube ih, unter den Gesichtspunkt, den ih geltend. gemacht habe gegenüber dem Antrag des Herrn Ab- geordneten für Siegen. Es handelt sich bei diesen Anstalten in der Regel nur, soweit sie nachtheilig sind, um Verunreinigung des Wassers. i ___Ich würde hiernah nur empfehlen können, die Anträge sämmtlich abzulehnen mit der Maßgabe, daß ih ausdrüdli< erkläre, daß Hammer-, Walz- und Stampfwerke unter Hammer- werken begriffen sind.

Zu $. 21, das Verfahren in der Rekursinstanz bei der Genehmigung gewerblicher Anlagen betreffend, sprach sih der Präsident Delbrück Über die gestellten Amendements wie folgt aus:

Meine Herren ! Dem vorliegenden Amendement gegenüber muß ih mich zunächst darauf beschränken, hervorzuheben, wie sich die Dinge in Preußen gestalken würden, wenn es zur An- nahme käme. Jh bin niht im Stande vollständig zu über- schen, wie sie si< in den übrigen Bundesstaaten gestalten wür- den; i< muß das besser Unterrichteten überlassen. Jch \schi>e thatsächlich voraus, daß jezt in Preußen die erste Instanz, welche in den hier vorliegenden Fragen entscheidet, die Re- gierung ist, eine kollegialis<h formirte Behörde, und daß die zweite Instanz, welche entscheidet, das Ministerium i}. Jch lege nun hier einmal vorläufig auf die Frage, ob die zweite

Instanz kollegialish organisirt sein solle oder nicht, nicht den

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Accent. Das würde in Preußen, wie ih glaube, ohne große Schwierigkeiten sich machen. Jch lege meinerseits nur den Accent auf das formelle Verfahren, was hier vorgeschrieben ist. Wenn ich den Herrn Abgeordneten für Meiningen richtig ver- standen habe ich habe mich aber vielleicht geirrt, o bezeichnete er als eine Tendenz seines Antrages die Decentrali- sation. - Tch würde das also, wenn ich ihn darin richtig ver- standen habe, dahin auffassen, daß die Tendenz des Antrages in Beziehung auf Preußen dahin gerichtet sein würde, die Ent: scheidung in der Rekurs-Instanz, die jeßt bei dem Ministerium getroffen wird, auf die Provinzialbehörde zu übertragen, als. dann die Entscheidung erster Instanz an eine Behörde zu ver- weisen, die natürlich unter der Provinzialbehörde steht. So aufgefaßt ist nah meiner Ueberzeugung der Antrag vollständig unausführbar, indem es in Preußen durchaus an den Orga- nen fehlt, welche über Fragen dieser Art und es sind ja gerade immer nur hier die bedeutenden hervorgehoben im Stande sind zu entscheiden unter den Regierungen. Es wäre hier überall nur an die Landräthe zu denken, und bei Fragen so wesentlich tehnisher Natur liegt es, glaube ih, auf der Hand, daß ein Beamter wie der Landrath, der der Natur der Dinge nach, diesen tehnishen Fragen vollständig fern steht, nicht das geeignete Organ ist. Es würde also noth- wendig sein, für diese Zwecke wiederum ein Kollegium zu machen, welches etwa zusammenzuseßen wäre aus dem Landrath, dem Kreis-Physikus und dem Kreis-Baumeister, das würden etwa die beiden Leute sein, die den technischen Su um die es sich hier handelt, wenigstens näher stehen. < bin und i< kann mi< da auf eine ziemlich lange ‘Erfahrung berufen der Ueberzeugung, daß auch bei einer solchen Kom- bination zweckmäßige Entscheidungen in erster Instanz nit zu erwarten seien ; ih rede hier wiederum nicht von den Fällen, wie sie alle Tage vorkommen, ih rede niht von dem Fall, wenn Jemand einen Kalkofen oder einen *iegelofen anlegen will, das find Dinge, bei denen sih je nach den verschiedenen Gegenden und es kommt doch auf- die verschiedenen Gégen- den dabei an schon des Brennmaterials wegen im Ganzen Formen gebildet haben, unter denen man Ziegelöfen und Kallk- öfen zulassen kann, da würde es also gehen. - Schon in- den nächstliegenden Fällen, bei den Wassertriebwerken, würde es nicht gehen; die Kreis-Baubeamten sind ih will ihnen da- mit in ihrer Qualifikation nicht zu nahe treten doch keines- wegs alle und können nicht sein Hydrotechniker, es kommt bei den Wassertriebwerken in schr vielen Fällen auf genaue Unter- suchungen und auf Schlüsse aus diesen Untersuchungen an, die eine technische Bildung voraussezen, wie man sie nicht ohne Weiteres bei jedem Kreis-Baumeister vorausgeseßt werden kann. Wenn ih sodann von chemischen Fabriken spreche, so will ich wiederum der Qualifikation der Kreis-Physiker nicht zu nahe treten, aber die Fragen, die bei der Anlegung chemischer Fabriken in Be- tracht kommen, sind von der Art, daß von keinem Kreis-Physiker zu verlangen is, daß er ein Studium daraus gemacht hat, und wenn er kein Studium daraus gemacht hat, - dann: wird er sehr leicht ein verkehrtes Urtheil abgeben, aktish wird es dahin kommen, daß jeder einzelne Beamte, in dessen Ressort die Sache fällt also bei Wassertriebwerken der Kreis-Bau- meister und bei <emischen Fabriken der Kreis-Physikus die Entscheidung in erster Instanz thatsächlich haben wird. Von dieser Entscheidung is Rekurs an die Regierungen: zu nehmen, die Regierungen sind dur< ihre ganze Zusammensezung in sehr viel eminenterem Grade befähigt, eine solche Entschei- dung zu treffen; indessen und das hat auch eine vielsache Erfahrung gelehrt kommt es gerade bei den wichtigeren An- stalten dieser Art häufig auf Spezialkenntnisse an, die selbst bei den Regierungen nicht vollständig vorhanden sind. Es würde aus diesen Gründen, wenn hier das Amendement angenommen wird, wie es liegt, gar nichts Anderes Übrig bleiben in Preußen; als die Entscheidung in der Centralinstanz zu lassen, und für diesen Zweck, was ja ganz gut zulässig sein würde, die Cen- tralinstanz kollegialis< zu bilden. Was würde dann die Folge sein? Es würden, wenn die Regierung eine Konzession für einen Kalkofen gegeben hat, und Einer widerspricht, dann-aus der Moselgegend oder aus dem Regierungsbezirk Gumbinnen die Parteien nach Berlin vorgeladen, es würde hier mit ihnen ver- handelt, und es würde dann die Entscheidung getroffen. Der Zeitaufwand, der Kostenaufwand, der damit verbunden, is würde in sehr vielen Fällen viel mehr werth sein, als der ganze Schaden, der von dem einen Widersprehenden in Bezug auf sein Interesse gefürchtet wird. Sie können, meine Herren, davon bin ich überzeugt dem Gewerbetreibenden kein \{<wt- reres Uebel zufügen, als, wenn Sie. ein solches Verfahren hier in der Centralinstanz zu einer Nothwendigkeit machen. bitte Sie, das Amendement abzulehnen.

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Oie Nr. 15 des »Preuß. Handels-Archivs« enthält unter Ge - seßgebung: Oesterreich : Einführung einer neuen Flagge für die See- handelsshife der ôsterreichish-ungarischen Monarchie. Belgien: Attribute des Zollamts Selzaete. Frankreih: Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein-Marne- und dem Marne-Aisne-Kanal. Groß- britannien: Eingangsabgabe für Thee. Portugal: Einfuhrzoll auf

innfäden, Gespinnste von Kokos 2c. und Albuminpapier. Schweiz: Eingangsabgabe für fünstlihen Dünger. Neu-Granada: Zolltarif für dic Einfuhr in Santa Martha. Unter Stati stif: Zollverein. Provisorische Abrechnung über die gemeinschaftliden Einnahmen an Ein- und Ausgangszöllen , nebst den andern dahin gehörenden Er- trägen für das Jahr 1868. Norddeutscher Bund. Preußen : Ucher-

<t der im Jahre 1868 auf den bedeutenderen Märkten verkauften olle und der dafür gezahlten Preise. Schweden und Norwegen : Jahresbericht des Konsulats des Norddeutschen Bundes zu Ystad für T868. Griechenland: Jahresbericht des Konsulats des Norddeutschen Bundes zu Patras für 1868. Frankreich: Jahresbericht des Konsu- lats des Norddeutschen Bundes zu Algier pro 1868. Argentinischer

reistaat: ' Jahresbericht des Konsulats des Norddeutschen Bundes zu

uenos Aires für 1868. Unter Mittheilungen: Berlin. Königs- berg. Stralsund. Altona. Elberfeld. Düsseldorf. Algier. Christiania. Sn Santa Martha. Halifax. Beilage: Nachrichten für Seefahrer. :

9 Die Nr. 15 des »Justiz-Ministerial-Blattes« publicirt folgende beiden Erkenntnisse des Königlichen Ober-Tribunals vom 17. Fe- bruar: 1) Ein in einem fremden Grundstücke gefundener Schaß is} für den Finder , wenn der Eigenthümer noch auszumitteln ist, ganz, im entgegengeseßten Falle zur Hälfte, eine fremde Sache; der Finder begeht daher dur< Aneignung des Schaßes eine Unterschlagung ; 2) Es liegt ein in Gemäßheit des Artikels 97 des Gesehes vom 3 Mai 1852 die Nücfsendung der Geschworenen nöthig machender Widerspruch vor, wenn dieselben den Thäter des ihm zur Last geleg- ten Verbrehens mit einfacher , den Theilnehmer (Anstifter 2c.) aber mit absoluter Stimmenmehrheit \{huldig erklären.

Statistische Nachrichten.

(Zur Statistik Bayerns.) Nach der gegenwärtig abgeschlosse- nen Revision der bayerischen Volkszählungslisten bezüglih der Reli- gionsangehörigkeit bekennen si< von den 4,824,421 Einwohnern Bayerns 3,441,029 zur katholischen, 1,325,446 zur protestantischen und 49,840 zur jüdischen Religion ; 3267 sind Reformltte, 143 Griechen und 4696 Mennoniten, Wiedertäufer, Deutschkatholiken u. st. w. Die protestantische Bevölkerung is überwiegend in der Pfalz (336,103), Ober- (303,969) und Mittelfranken (440,307). Die meisten Reformir- ten giebt es in Schwaben (1562), in Mittelfranken (983) und in Oberbayern (327); von den 4696 Mennoniten leben 2920 in der Pfalz, dann zwischen 300—400 in jedem der Kreise von Oberbayern, Mittel- und Unterfranken und in Shwaben. Die meisten griechisch-katholischen Einwohner befinden si< in Oberbayern, nämlich 68, darunter in München allein 65; dann in Unterfranken 50, wovon 40 in erburg wohnen. Am wenigsten gemischt sind die Religionsverhältnisse in Niederbayern, wo es neben 951,205 Katholiken nur 3128 Protestan- ten, 130 Mennoniten, 36 Juden, 9 Reformirte und 3 Griechen giebt

Kunst und Wissenschaft.

Nr. 7 der »yNachrichten von der Königlichen Gesell- schaft der Wissenschaften und der Georg-August-Univer- sität zu Göttingen« (vom 17. März 1869) theilt zunächst die Preisaufgaben der Wedekindschen Preisstistung für deutsche Geschichte mit. Für den 1. Preis verlangt der Verwaltungsrath der erwähnten Preisstiftung eine Ausgabe der verschiedenen Texte der lateinischen Chronik des Hermann Korner; für den 2. eine Geschichte des jüngeren Hauses der Welfen von 1055—1235; für den 3. cin deutsch geschrie- benes, umfassendes Geschichtswerk, für welches sorgfältige und geprüfte Qusammenstellung der Thatsachen zur ersten, und Kunst der Darstel- lung’ zur zweiten ‘Hauptbedingung gemacht wird. Die Schristen müssen bis zum 10. März 1875 dem Direktor zu esendet werden. Ieder der beiden ersten Preise beträgt 1000 Thlr. in C old. Außer- dem berichtet dieselbe Nr. 7 über die Sibung der Königlichen Gesell- schaft der Wissenschaften zu Göttingen vom 13. März. Jn derselben lasen folgende Herren: Waiß über das Alter der beiden ersten Titel der Lex Bajuvariorum; Listing über die neue Konstruktion des Mikro-

_\fops 7’ Fittig Über die Synthese der E und Über die T

Oxymesitylensäure; Henneberg eine Arbeit der Herren Schulze und Már>er Über die sensiblen Stickstoffeinnahmen und Ausgaben des volljährigen Schafes; Klinkerfues über den boskovihschen Versuch ; Koblraush über Bestimmung der spezifischen Wärme der Luft bei fonstäntem Volumen mittelst des Metallbarometers, so wie _ eine Ab- handlung Eggers über den täglichen Gang der horizontalen Jutensität des Erdmagnetismus zu Göttingen. Die oben angeführten Abhand- lungen von Listing und Klinketfues sind im Auszuge mitgetheilt.

n Charlottenburg fand am 8. April, Vormittags 11 Uhr,

die cieclide Eröffnung des Königlichen Gymnasiums und die Ein- benn des neuernannten Gymnasial-Direktors Dr. Schulß statt. Jn Vertretung des Kultus - Ministers waren der Geh. Ober -Regierungs- Rath Dr. Wiese und der Regierungs-Rath Lucanus erschienen. Frankfurt. Am 2. d. M. starb Christian Erich Hermann von Meyer, geboren 1801. Seiner amtlichen Stellung na< war er seit 1838 Controleur der Bundeskasse und später bis 1866 Bundes- kassirer, aber die Neigung zu den Naturwissenschaften y welche er s{<on seit 1830 dur< Schriften bewährt hatte, führten ihn zu dem Studium paläologisher Funde, in welchem Fache er einer der ersten Kenner und Darsteller war. 1844 wurde er von der Hochshule Würzburg zum Ehrendoktor der Philosophie gemacht; 1847 erhielt er für sein Werk über »die Saurier des Muschelkalks« die große goldene Preis- münze der Haarlemer Akademie. Sein größtes Sammelwerkt: Pa-

laeontographica ershien im Fischer'schen Verlage in Cassel. Zahlreiche fossile Thiere .sind nah Hermann von Meyer's Namen genannt.

Am 2. April d. J. findet in Görliß die Hauptversamm- E Zes Oberlausißishen Gesellschaft der Wissenschaf-

n statt.

Herrieden (Bayern), Anfangs April, (Witterungsverhältnisse Europa’s und Nordamerika’'s im Monat März 1869.) Der europäische Luftozean war im Monate März unruhig, die dur<s<nittli<e täg- liche Veränderung der Ouesilbersäule des Barometers ergab für das Centrum unseres Erdtheiles 4.8mm oder 2.2/1, Jm Durchschnitt: er- hielt sih der Luftdru> rait Ausnahme des 4,, 5. u. 7. das ganze Mo- nat unter dem Mittel, und hatte besonders am 2. einen tiefen-Stand. Er blieb daher au< in unseren Breiten um ‘etiva 9m oder 4// unter dem Durchschnitt, was nur selten vorkommt. Mit Ausnahme des südlichen Frankreich üÜberschritt die Bewölkung in ganz Europa durchschnittlih die Hälfte des sihtbaren Horizontes, in“ Nordspanien war der Himmel sogar das ganze Monat hindurch vollkommen be- de>t. Der. Ozongehalt der Luft war sehr gering, in Wien blieb er um 22 pCt. unter dem 12jährigen Mittel. Ge- witter fanden nur in slidlihen Gegenden statt, so am 3.,, 11,12. und 15. in Jtalien, am 14,, 21. und 28. in Dalmatien, am. 15, und 29. in Jfstrien, am 17. in Kroatien, am 21. in der Türkei, so wie am 20., 22. und 29. in Spanien. Nordlichter waren nur im ersten Drittel des Monats sichtbar, und zwar am 1, 4, 5., 6. und 9. in Stocfholm und am 5. in Hernösand. Erdbeben ereigneten“ sich am 1. in Steiermark, am 14, in Hochschottland, am 25. am Sem- mering, so wie am 30. an der froatishen Militärgrenze. Am 26. fiel in Lesina ein Blutregen. Der Niederschlag war ‘in Prag am geringsten, 19mm (9//), dann folgen Wien 42wn (19) Ansbach 49 (22), Krafau 52 (24), BVludenz 54 (25), Herrieden 55 (25), Triest 58 (26), Lesina 59 (27), Paris 60 (27), Js{<l 78 (35) und Debreczin 85mm (39/4), Das Grundwasser blieb während des ganzen Monats unter dem Mittel. Jm Allgemeinen war der März in einer hufeisenförmigen Zone, welche an der Westgrenze Jrlands beginnt, über den nördlichen Theil von Norwegen nach Lappland sich wendet, von da über Rußland na< dem Schwarzen Meere verläuft und dann seine Richtung nach Kleinasien nimmt, zu warm, in allen von dieser Zone eingeshlossenen Ländern dagegen zu kalt. Speéeziell war dieser Monat zu warm: von 0—1° in Jrland und Norwegen, von 1—2° in der Türkei und in Lappland, von 2—3° in ganz Ruß- land bis zum Schwarzen Meere, zu kalt: von 0—1° in Portugal, Süd- und Mittelspanien, England, Norditalien; Preußen und Oester- reich, so wie in Schweden, von 1—2° auf den Jnseln des Mittellän- dischen Meeres, in der Schweiz, der süddeutschen Staatengruppe , in Mittelitalien und Dalmatien / von 2—3° in Nordspanien, Belgien, Frankreich, Schottland und Süditalien. Die tiefsten an einzelnen Orten um 8 Uhr Morgens beobachteten Temperaturen waren in Lissabon 6.5° C. (5.2°R.), in Madrid 0.0°, in Paris —2.6° C. (—2,1° R.), in Berlin —4.1 (-—3.3), in Wien —5.0 (—4:0), in London 0:8 (0.6), in Bern —80° (—6.4), in Rom —0.6 (—0.5)/ in Odessa —5.0 E in Sto>kholm —13.6 (—10.8), in Moskau 10.9 (—8.7), in Petersburg 16.2 (—12.9) und in Haparanda —20.6° C. (—16.4°). :

Nach den Doveschen Pentaden waren die Abweichungen von der Mitteltemperatur an einzelnen von Westen nah Osten aufgeführter

Stationen die folgenden : 7. März: 0,9 0,5 1,6 —1,6 —1/3 »

Vom 2. bis

» S 91/18 —0,7 —3/5 3,5 —1,3 —3/2

»; 181.» EA » —3,/2 22 0,0 0,6

» 10> 22 » 0,9 0,5 1,4 1,6

23 v 0210218 2,6 2,6 l, —0/,0

» 20 # ol » 3/1 —710 —1,8 —0,8 —1j9

Nordamerika hatte ein no< bewegteres Luftmeer, als wir, auf der Station Hearts - Content betrug die tägliche Veränderung der Queefsilbersäule 7m (411), und bewegte \si< der Barometer zwischen l4m= (7111) über und 17m (8/1) unter dem Mittel. Die Minima waren am 8. und 19., und das A C U am 10. Mit Ausnahme vom 11. bis zum 18, so wie am 8. und 21. fiel das Thermometer tägli unter Null Die Mitteltemperatur war für 6 Uhr Morgens 1.5° C. (—1.2°R.); und die um 6 Uhr Morgens beobachteten Ex- treme 14.5° (11.6°) zwischen 7.8° (6.2°) und 6.7 (—5.4%), um 6.1° größer als um 7 Uhr Morgens in Berlin, wo sie 8.4° (6.7°) betru- gen. Der Himmel war nur an 8 Tagen heiter und im Durchschnitte zur Hälfte bewölkt. tf i h

ien, 7. April. Gestern is} hier Dr. Heinrich Kreißle von

Hellborn, Kaiserlich Königlicher Finanz-Ministerialbeamter, bekannt durch sein großes Werk über Franz Schubert, gestorben. j y

London, 7. April. Zur Erleichterung der Zugänglichkeit historisher Dokumente im Privatbesiße ist eine Königliche Kom- mission ernannt worden, deren Aufgabe darin besteht, die nöthigen Schritte zu thun, um den Aufbewahrungsort solcher historis< wi<hti- ger Dokumente, sowie ihren Hauptinhalt allgemein bekannt zu machen, mit Einwilligung der Eigenthümer U und Kataloge anzuferti- gen, und die Dokumente oder Manuskripte nöthigenfalls vor dem Age zu {üßen. Die Kommission besteht aus neun Mit- gliedern. 4

London. Paris. Herrieden. Berlin. Wien.

y Gewerbe und Handel,

u dem Zeitraum vom 16. bis 31. März 1869 wurden Transport- weise inBerlin eingeführt : zu Wasser 38,498Tonnen Steinkohlen, Braun- fohlen und Koks, 40 Klaftern Torf, 3160 Klaftern Brennholz; auf den Eisenbahnen 115,620 Tonnen Steinkohlen 2c. 53 Klaftern Brenn- holz; Summa 154/118 Tonnen Steinkohlen 2c., 40 Klaftern Torf, 3213 Klaftern Brennholz. Aus Berlin ausgeführt: zu Wasser 1818 Tonnen Steinkohlen 2c.; auf den Eisenbahnen 13,732 Tonnen Steinkohlen 2c.,, Summa 15,550 Tonnen Steinkohlen 2c.