1869 / 84 p. 13 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

1496

Gewinn-

und Verlust-Conto.

Ende 1868.

An Agenten-Provifions-Conto, n die Agenten ' auf Versicherungsprämien gezahlte Provisionen Inventarium-Conto: Abschreibung von Thlr. 2118. 25. 6. Prüfungskosten-Conto : an Vertrauensmänner gezahlte Prüfungs- und Taxationskosten l Unkoften-Conto : Geschäfts - Unkosten (inel. Thlr. 1940. 19. —. ._ Verwaltungsrath) Zinsen-Conto : gezahlte und reservirte Zinsen für Depositen, Tilgungs-, Sparfond Thir. 24,077, 10. 3.

und Vollaktien ab: eingenommene Zinsen » 22/296. 20. 10. Versicherungs - Gewinn- und Verlust- Conto: Subhastationsausfälle Diverfen-Debitoren: Abschreibung von 2 Debitoren Thlr. 40. 25. —. ab: eingegangene » 37. 21. —. Schäden:Neserve-Conto pro 1869: für zweifelhafte Risico's reservirte Haus-Conto: für Abschreibung von Thlr. 104,883. 3. 8. Thlr. 883. 3. 9. ab: die Miethsüber- \<hüsse pro 1868 » 003, 27. Vilanz-Conto: L j

Per Prämien-Conto: 125 pCt. ‘von Thlr. 60,159. 26. 8. Präm.-Einnahme abzuseßende Agentur- Provision Prämien-Gewinn

Prämien-Reserve-Cotto: Prämien-Geivinn pro 1868 Prämien-Gewinn- und Verlust-Conto : durch aufgehobene und abgelaufene Policen erzielter Prämien-Gewinn Hypotheken-Zinsen-Conto, eingenommene Hypo- theken-Zinsen Thlr. 217,225. 8: 4. ab : verausgabte » 136,009. 16. 10. Lombard - Zinsen - Conto, etngenommene Lombard-Zinsen Provifions - Conto, cingenommene Provi-

tonen Thlr. :31,955. 5. 8, ab: verausgabte ¡20D 3,059. 26. 11.

Prüfungs - Gebühren - Conto, eingenommene Prüfungsgebühren L Uit. 2091.45. 0. ab: zurüketstattete.. » 514. 20. 3.

Effekten-Couto,

Omn an Se es e L CRi Í Aktienumschreibungsgebühren:Conto .….. Policekosten-Conto Tilgungskassen-Eintrittsgeld-Conto 36 Schäden-Neserve-Conto pro 1868,

Uebertrag der am 31. Dezember 1867 reservirten Wechsel-Conto,

ZBinsgewinn an Wechseln Grundstücks-Conto,

Thlr. 7,519, 29,

6,191. 11,

6,000 3/234/12| 1 7,5351 41 3

Thlr. | 191,332[14]—

Die Direktion: G. Wolff, Justizrath.

Dr. Otto Hübner. Heinrich Geysmer.

Kreisrichter a. D.

Gewinn an verkauften Grundstücken

| 191,332 17— Die Revisions-Kommnf\sion:

Guktike, Hugo Wol ir : General-Konsul. Si R Alfetor.

Trans port-Erleichterungen für die Harten-

__bau-Ausfsellung zu Hamburg. F Qr den Transport derjenigen Gegenstände, welche g auf die, in der Zeit vom 2. bis 12 September er. | E er es A Gartenbau- e sftellung nah Hamburg gesandt w in- den nachstehende Erleichterungen statt: E O

1) alle lebende Pflanzen, sowie alle leiht verderbliche Gegenstände, welche mit der Bezeichnung »für die Gartenbau-Ausftel- lung in Hamburg « versehen und an das Spedition®geschäft von W. Grund & Co. in Hamburg adressirt sind, werden auf der Hinfahrt mit den Personenzügen (jedoch exkl. der Schnell- und Eilzüge) zum Frachtsaß der Norma lklasse befördert ;

2) die ad 1 gedachten Gegenstände, sowie die ausgestellt gewesenen Maschinen, Geräthe und die Materialien zu Baulichkeiten wer- den, wenn dieselben auf der Ausstellung nicht verkauft wor- den sind und, begleitet von einem Atteste des Komites über ihre Eigenschaft als Ausstellungêgegenstände, an den Aussteller zu- rücégehen, mittels der Güterzüge frahtfrei zurü >befördert ;

3) Ble S Een nur bis 3 Wochen na < dem Schlusse der Ausstellung Anwen ;

Berlin, den 20, März 1869. Y gra ai

Königliche Direktion der Niederschlesish-Märkischen Eisenbahn.

Erleichterungen für den

Netourbillet-Verkehr.

I. Ab 1. April d. Js, wird die Gültigfkcits- dauer aller Retour billets im Binnen verkehr

ei auf fünf Tage verlängert. Die >reisc muß demgemäß künftig spätestens am fünf-

ten Kalendertage nach demjenigen der Lösung ange- tes werden, iner nochmaligen Abstempelung zum Zwe> der Rücrei bedarf es wie bisher au ferner midt O Gewährung von Freigepäck bleibt ausgeschlossen.

. Unterbre<hung der ¿Fahrt ist fortan je 1 Mal sowohl auf der Hin- als auf der Rückreise innerhalb der Gültig- Str gestattet.

. Die betreffenden Reisenden wollen si< zu diesem Behufe auf der bezüglichen Zwischenstation sofort bei Verlassen des

Zuges an den Stationsvorsteher wenden, damit dieser auf

der Nückseite des Retourbillets d : anbringe. s den erforderlihen Vermerk

Hiernah kann auf Retourbillets 1l, Klasse au i S<nellzügen die Fahrt unterbrochen resp. Mit Ma L lihen Personenzügen fortgeseßt werden.

III, Uebergang auf die Schnellzüge ist fortan auf Retour-

billets 11 Klasse sowohl für die ganze Länge als für einen Theil der zurückzulegenden

Strecke gegen Nachlösung eines

Billets IV. Klasse zulässig, Berlin, den 24. Mär! gg 8

Königliche Direktion der Niedershlesis{-Märkischen Eisenbahn.

Bekanntmachung. Für die internationale Aus- i stellung von Gegenständen des Gitbaus in Si gin Petersburg welhe vom 5./17. bis 19.31. Mai L d J. stattfinden soll, treten auf der Ostbahn na(- uy stehende Transporterleihterungen ein : a) Alle lebenden Sat S Pflanzen, sowie alle leiht verderblichen Gegenstände welche mit der Adresse »Jnternationale Ausstellung von Gegenständen des Gartenbaues in St. Petersburg« verschen sind, werden auf der Hinfahrt mit den Personenzügen (jedoch excl. der Courierzüge) zum gewöhnlichen Grachtsaße der Normalklasse befördert. b) Die ad a, g dachten Gegenstände, sowie die ausgestellt gewesenen Maschinen ‘Ce räthe und Materialien 2c. werden, wenn dieselben auf der Ausstellung nicht verkauft worden sind, und, begleitet von einem Atteste des Komites über ihre Eigenschaft als Ausstellungsgegenstände, an den Aussteller zurügehen, mittelst der Güterzüge frac<tfrei zurü befördert. c) Personen, welche die Ausstellung besuchen, haben für Rüter E E O zu zablen, wogegen ihnen zur : die Heima reie Fahrt i d Wagenklasse gewährt wird, sofern sie rid ea An A4 Ls Us stellungsfomite's als Besucher der Ausstellung legitimiren. Diese Dransporterleihterungen hören drei Wechen nah dem Schlusse der Ausstellung auf. Bromberg, den 6. April 1869. Königliche Direktion der Ostbahn.

Vekanntmachung. Vom 15 April cr. ab i L i i 49. : werden » ord!- nâre Ziegenhaare« (nicht Ziegenflaum), gleich E rifrigun Kälber-, Rinder- und Schweinehaaren, im ostdeuts<-russis<en und of deuts<-Wlesis<-rufsishen Güterverkehr zum Tarifsaße der exm Kgten Klasse 1. A, befördert. Jm Binnenverkehr der Ostbahn findet diese Bestimmung gleichfalls, sedo<h mit der Maßgabe Anwen dung, daß die hier zur Beförderung kommenden Ziegenhaare in fe st- verpa>tem Zustande aufgegeben werden müússen, Bromberg , den

7.“ April 1869, Königliche Direktion der Ostbahn. Hier folgt die besondere Beilage

werke von irgend

entsprechenden

Besondere Beiílage

des Königlich Preußischen Staats - Anzeigers. Zu A? 84 vom 10. April 1869.

Jnhalts-Verzeichniß: Die deutschen Bibliotheken. (1) Zur Quellenkunde der Geschichte Westfalens. Der Kreis Leobs<hüß.

Der Hildesheimcr Silberfund. Der

Jahrésberiht der Humboldtstiftung. Ernst Strehlke. Friedri< Wilhelm Heide-

mann. Die Vertheilung der französischen Flotte im Anfang 1869.

Die deutschen Bibliotheken.

I,

Mit Recht ist öfter behauptet worden, daß der Stand der öffentlichen Büchersammlungen und ihr Gebrauch eines der wichtigsten Zeugnisse ablege für den Stand der gesammten Kultur einer Epoche. Zur Blüthezeit der arabischen Herrschaft in Spanien, in einer Epoche, wo die Buchdru>kerkunst unbe- fannt war, soll die Stadt Cordova 70 Bibliotheken gezählt haben. Jede geistig lebendige Periode erweist sich fördernd für die Entstehung und das Wachsthum der Bibliotheken.

Die Bestimmung der Bibliotheken umfaßt mehrere

we>e, zum Theil solche, die niht nothwendig verbunden sind. Wir wollen nur folgende angeben. Eine Büchersamm- lung dient der Aufbewahrung des Seltenen in Schrift oder Dru ; sie dient der Aufbewahrung aller Schrift- oder Druck- einer Bedeutung, sofern dieselben dem zufälligen Untergang ausgeseßt sind; fe dient der Bereitstellung der vorhandenen Bücherschäße, d. h. des nüßlichsten Theiles der- selben für den allgemeinen Gebrauch ; sie dient endlich der Kenntniß zusammenhängender Perioden oder Gebiete, und ist danach ein- gerichtet. Die Anlegung und Verwaltung von Büchersamm- lungen hat längst ihre eigne Theorie erhalten, und ist als solche zu einer Wissenschaft auszubilden versucht worden.

Mit dem Aufschwung des deutschen Nationallebens geht das Bibliothekwesen vermuthlich einer neuen Epoche entgegen. In der Vergangenheit haben die deutschen Bibliotheken vor- wiegend dem gelehrten Studium gedient; zum Theil sind sie au<h aus dem Bedürfniß des Sammelns ohne Hinbli>k auf praktishe Zwecke entstanden. :

Ein Aufsaß in der Monatsschrift »Unsere Zeit« (24. Heft, 15. Dezember 1868) enthält historishe Mittheilungen über die deutschen Bibliotheken und, nah dem Handbuch deutscher Bibliotheken von Dr. Julius Peyholdt, Angaben über den gegen- wärtigen Stand und, sofern die Nachrichten des in den Jahren 1850— 1853 zusammengestellten Handbuches überholt find, ein- zelne neuere Angaben nach verschiedenen Quellen. 6s

Wir lassen hier einige Mittheilungen aus dem erwähnten Aufsaß folgen. :

Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts waren es nur die Klosterbibliotheken , welche die deutschen Schriftshäße aufbe- wahrten. Der Bücterbesiß der damaligen Universitäten war gering. Heidelberg allein machte eine Ausnahme. Die Kaiser- liche Privatbibliothek zu Wien wird erst seit 1440 geordnet und in ihrem Bestand erhalten. Der Sinn für öffentliches BÜcher- eigenthum erwachte zuerst in den freien Reichsstädten. Die älteste weltliche deutsche Bibliothek ist die der Stadt Regens- burg. Wir hören zuerst von ihrem Bücherbesiß im Jahre 1430, wo die Stadt ein Vermächtniß von acht juridischen Handschriften erhält. In den Reichsstädten wurde cs zuerst Sitte, daß Büchersammlungen von den Bürgern der Stadt zum öffentlichen Eigenthum geschenkt wurden. In Ulm schenkte Heinrich Neidhardt der Stadt im Jahr 1440 drei- hundert Handschriften. Drei Jahre später wurden von seinen Brüdern Bestimmungen zur Erbauung einer Bibliothek über ihre Familienkapelle im Münster getroffen. Noch reichlicher flossen die Geschenke in Nürnberg, Hamburg, Hannover 1445, Memmingen 1467, Frankfurt a. M. 1484. In einigen dieser Städte wurden gleichzeitig mehrere Sammlungen ins Leben gerufen. Für den Stadtarzt bestand gewöhnlich eine eigene Büchersammlung und die juridischen Bücher werden zum be- sondern Gebrauch der Ortsobrigkeit öfters testamentarisch vere macht. Ju dem praktishen Zwe> gesellte sich immer der Wunsch, Seltenheiten zu besißen. Solche befanden si vorwiegend im Besiß der Klöster und mußten von diesen zu hohem Preis er- worben werden, oft durch Verleihung von Vorrechten. Es giebt Beispiele, daß ein Abt ein Meßbuch sih mit zwei Weinbergen bezahlen ließ. L i

Die Entstehung öffentlicher Stadtbibliotheken seßt den Sinn für Privatsammlungen voraus. Die Fugger in Ausburg hat- ten im 15: Jahrhundert au<h große Schriftshäße gesammelt und eine Geschlechtsbibliothek angelegt. Jm Jahre 1575 schenkte Johann Jakob Fugger seine vorzügliche Hand/Gri eng nnang der Bibliothek zu München, Dennoch galt um das Jahr 160 die Fuggersche Geschlecht8bibliothek noch für die bedeutendste

Privatsammlung. Sie war neben der Universitätsbibliothek zu Heidelberg und neben der Kaiserlichen Bibliothek zu Wien die größte weltlihe Bibliothek der damaligen Zeit. Später vermachte ein Mitglied des Hauses seine Sammlung der Uni- versität zu Heidelberg und die Geschlehtsbibliothek kam in Folge des dreißigjährigen Krieges zur Versteigerung und in Be- siß des Kaiser Leopold, Dieser in Wien befindliche Theil der Fuggerschen Büchersammlungen enthält, wie man fich ausgedrückt hat, die ältesten deutschen Zeitungen , d. i. die Be- richte, welche die Agenten dem Haus Fugger zuschi>kten und welche dann mit der gehörigen Au8wahl allen über die ganze damals bekannte Welt verbreiteten Faktoreien mitgetheilt wur- den. Die Berichte sind in den verschiedensten Sprachen ab- gefaßt und beziehen sich auf alle Welthändel , alle religiösen &ragen , alle Naturerscheinungen. Aus diesen Berichten ent- wi>elten si<h in bewegten Kriegszeiten die ersten öffentlichen e Blätter. So befinden sih Theile der einst von den uggers gesammelten Büchershäße in Heidelberg, Wien und München. ; Bekanntlich war es erst die Reformation, welche durch die Anfachung des geistigen Lebens im Volke die Buchdruckerkunst als Hebel dieses Lebens zur vollen Anwendung brachte. Mit

der Wirksamkeit der Buchdru>kerkunst beginnt die Ausbildung des Bücherverkehrs, wie er sich bis zur Gegenwart erhalten und in einem noch tägli<h wachsenden Grade gesteigert hat.

Zur Quellenkunde der Geschichte Westfalens.*)

Der Verein für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens, welcher der allgemeinen Geschichte des Vaterlandes dur< Er- forshung der speziellen Geschichte seiner Provinz zu dienen be- stimmt i} , und defsen literarishes Organ , die Zeitschrift für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens, eine bedeutende Anzahl werthvoller historischen Arbeiten enthält, hat namentlich das Verdienst, die Herausgabe eines vollständigen Urkunden- buchs der Provinz Westfalen ins Leben gerufen zu haben. Die beiden ersten Bände dieses Werks, unter dem Titel Regesta historiae Westfaliae (acc. codex diplomaticus), wel<e das ganze diplomatische Material bis zum Jahre 1200 umfassen, sind von dem für dieses Unternehmen unausgeseßt thätig gewesenen Archiv-Rath Dr. Erhard, welcher am 25. Juni 1851 sein Leben beschloß, bearbeitet. Erhard hatte den Gesammtstoff in zwei Theile geschieden, und gab zuerst in ununterbrochener <rono- logischer Reihenfolge die Regesten, denen er dann dic in extens0 abgedru>ten Urkunden folgen ließ. Für den Zeitumfang von dem ersten in das nordwestlihe Deutschland hereinfallenden historischen Lichtstrahle an bis zum Jahre 1200 hat Erhard die bedeutende Zahl von 2449 Regesten gesammelt, und aus 592 Urkunden den codex diplomaticus, wel<her Dokumente vom Jahre 821 an enthält, zusammengestellt. Als der an Er- dards Stelle zum Staats-Archivar von Wesifalen ernannte Ge- heime Archiv-Rath Dr. Wilmans die Weiterführung des Werks übernahm, wurde cin neuer Plan für die Fortseßung festgestellt. Für die große Zahl von Urkunden nämlich, welche aus den folgenden Jahrhunderten erhalten sind, war es, unbeschadet der Uebersicht- lichkeit und Brauchbarkeit des Werks, unmöglich, die Methode, wonach das Material ohne Rücksicht auf die verschiedenen Landestheile nur in <ronologischer Folge mitgetheilt wurde, beizubehalten. Man hielt nämli<h an dem Gesichtspunkt, den ganzen urkundlichen Stoff der Geschichte Westfalens vollständig zu veröffentlichen, fest, und wie bedeutend derselbe ist, ergiebt sih daraus, daß allein für das Fürstbisthum Münster nur aus dem 13. Jahrhundert ungefähr 2000 Diplome abzudru>en waren. Es {ien daher geboten, den Gesammtstoff von Ur- funden in 5 selbständige Abtheilungen zu zerlegen, welche die betreffenden Diplome der Bisthümer Münster, Paderborn, Minden, der westfälishen LandeStheile des Erzbisthums Cöln und des Bisthums Osnabrück umfassen. n

Diese Trennung des gesammten Materials nah Diözesen zog eine weitere Abweichung von dem Erhardschen Plane nah sih. Es wurde nämlich die bisherige Scheidung in Regesta

*) Westfäl isches Urkundenbuch vonWilmans. 1I1l. Band. 1. MoIH, : Qeit D.