1890 / 16 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

E R “Med>lenburg - Schwerin.

ritiger Frömmigkeit und e<hter Barmberzigkeit, wovon die zablreihen und großartigen S<öpfungen werkthätiger, <hriftliher Liebe, deren Seele die hohe Verblichene war, so beredtes Zeugniß ab- legen. Auf dem Gebiete der Ihrer Fürsorge anvertrauten Verwal- tung haben Sie, den sorgfältig vorbereiteten und begründeten An- trägen ibrer Organe entsprehend, den Haushaltsplan für die nächsten beiden Rechnungsjahre festgestellt, für die weitere Ausstattung und fernere Entwi>elung der Provinzialanstalten in reicher Weise gesorgt und insbesondere den Neubau einer Taubstummenanstalt in Oster- burg und einer ebam mans in Magdeburg gesichert. Au haben Sie Ihr lebhaftes gAhterese für die heimische Landwirthschaft in erfreuliher Weise dadur<h bethätigt, daß Sie zum Zwed>e dcr Anlage und Unterhaltung eines Sortenobst- gartens mit Baumshule die erforderli<en Mittel bewilligt haben. Den Beamten der Provinzialverwaltung haben Sie ferner .dadur< eine Erleichterung vershaft, daß Sie, dem Vorgang der Königlichen Staatsregierung ‘entsprehend, die Wittwen- und Waisengelderbeiträge auf die Provinz übernommen haben, Auch gereiht es der König- lihen Staaiäregierung zur Befriedigung, daß Sie das Fortbestehen der drei Gewerbekammern der diesseitigen Provinz für den Rest der ersten se<sjährigen Wahlperiode dur< Einstellung der erforderlichen Mittel in den Haushaltsplan çesihert haben. Ihre in Ansehung der anderweiten Organisation der Gewerbekammern geäußerten Wünsche werden, wie ih Ihnen in Auésicht stellen zu können glaube, Seitens der Königlichen Staatsregierung einer sorgfältigen und wohlwollenden Erwägung unterzogen werden, Die Einmüthigkeit, mit welcher in der großen Mehrzahl Ihre Beschlüsse gefaßt worden sind, legt ein neues erfreulihes Zeugniß von dem Geiste ab, welcher au den neugewählten Pro®»inzial-Landtag beseelt. Sie dürfen auch daher nah meiner Ansicht mit dem Bewußtsein scheiden, daß Ihre Berathungen zur weiteren segensreihen Entwi>elung unserer Provinz beitragen werden. Im Allerhöchsten Auftrage erkläre ih den elften Provinzial-Landtag der Provinz Sachsen für geschlossen.“

Der stellvertretende Vorsißende brachte alsdann ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König aus, in welches die Mitglieder des Landtages dreimal lebhaft ein- stimmten.

Bayern. München, 15. Januar. (Allg. Ztg.) Die Kammer der Abgeordneten wählte heute an Stelle des verstorbenen Abg. von Alvens den Abg. Neumayer zum Vizé-Präsidenten, und ging dann zur zweiten Lesung des Gesetzentwurfs,“ betreffend den Vollzug der dur die Militär- gerichte erkannten Todesstrafen, über. Die Kommission hatte die Vorlage insofern abgeändert, als sie dem Kriegs- Ministerium den Erlaß von Vollzugsvorschriften zur Todes- strafe unter Beachtung der bereits bestehenden geseßlihen Be- stimmungen ebenso anheimaeben will, wie bereits das Justiz- Ministerium zu solchen Vorschriften ermächtigt ist. Der Staats-Minister Freiherr von Leonrod erklärte, daß die Regierung mit der neu beantragten Fassung einverstanden sei. Der Geseßentwurf wurde sodann in ebenderselben einstimmig angenommen.

Sachsen. Dresden, 15. Januar. (Dr. Journ.) Den Gegenstand der Tagesordnung für die heutige Sißung der Zweiten Kammer bildete die Shlußberathung des Berichts der Finanzdeputation A über die Kap. 63—69, 71 und 72 des Etats des Ministeriums des Jnnern (Beiträge für wohlthätige Anstalten und für den Feuerwehrfonds, Landarmenwesen, Grenzregulirungen, Kunstzwede, Statistisches Bureau, Allgemeine Ausgaben). Sämmtlihe Kapitel wurden, dem Antrage der Deputation entsprehend, nah der Regierungsvorlage bewilligt. Der seit Jahren im Gange be- findlichen Jnventarisirung der im Lande vorhandenen älteren Kunst- und Baudenkmale und deren Leiter, Prof. Dr. Steche, wurde bei der Berathung von mehreren Seiten die lebhafteste Anerkennung gezollt.

Württemberg. (+)Stuttgart, 15. Januar. Se. Majestät dex König, tief ergriffen von dem so ras eingetretenen Hingang des Ober-Hofpredigers Prälaten Dr. von Gerok, dem Höchstderselbe mit besonderer Werthshäßung und An- hänglichkeit zugethan war, hat sofort nah Empfang der Trauernachriht den Hinterbliebenen, insbesondere der tief- gebeugten Wittwe seine innigste Theilnahme an dem \{merz- lihen Verluste aussprechen lassen.

Die Besserung in dem Befinden Fhrer Majestät der Königin macht stetig erfreuliche Fortschritte.

Baden. Karlsruhe, 15. Januar. (W. T. B.) Jn der heutigen Sißung der Ersten Kammer widmete der Präsident Serger weiland Jhrer Majestät der Kaiserin Augusta einen warm empfundenen Nahruf. Das Haus beschloß im Anschluß daran die Absendung einer Beileids- Adresse an Jhre Königlichen Hoheiten den Großherzog und die Großherzogin.

Heffen. Darmstadt, 15. Januar. E Ztg.) An die Zweite Kammer der Stände ist Seitens des Großherzoglichen Staats-Ministeriums die erste Nahweisung über “die Einnahmen und Ausgaben an Domanial- un&SStaatsvermögen in der Finanzperiode 1882—85 und die zweite Nahweisung über die Einnahmen und Aus- gaben der Fonds zur Ergänzung des Familien- élgenthums des Großherzoglihen Hauses in der

eshlußfassung übersendet worden.

f a hen Periode nebst Erläuterungen zur verfassungsmäßigen As

Schwerin, 15, Januar.

>l; Nachr.) Das Befinden Sr. Königlihen Hoheit des - GrHPherzogs ist, wie aus Cannes gemeldet wird, etwas 4 weniger zufriedenstellend. Dagegen sind Jhre Kaiser- lihe Hoheit die Großherzogin, der Erbgroßherzog und die Herzogin Cäcilie, welhe ebenfalls von der Jn- fluenza befallen war, vollkommen wieder hergestellt. Das Befinden Jhrer Königlihen Hoheit der Großherzogin- Mutter ist bei langsam fortschreitender Zunahme der Kräfte anhaltend ein befriedigendes. Jhre Königliche Hoheit hat unmer in Aussicht genommen, ungefähr Ende dieses Monats te “Reise nah Meran anzutreten.

Braunschweig. (K) Braunschweig, 16. Januar. Se. Königliche Hoheit der Regent, Prinz Abrede von Preußen, hat die Mitglieder der Landes-Versammlung auf den 28. d. M. zusammenberufen.

Anhalt. Dessau, 15. Januar. (Anh. St. - A.) Die Besserung im Befinden Jhrer Hoheit der Herzogin ist so weit vorgeschritten, daß Berichte niht mehr ausgegeben werden.

Lippe. Detmold, 12. Januar. (Köln. 8) Der

Landtag des Fürstenthums Lippe ist geshlossen worden.

¿Das Hauptergebniß der Session war die Berathung und An- ahme des Staatsvertrages über den Bau der Eisenbahnen etmold-Sandebe>-Altenbeken und Lage- Hameln

sowie die des Etats für 1890. Außerdem kamen noch ver- schiedene kleinere Vorlagen zur Verhandlung.

“Deutsche Kolonien. Nach einer Meldung des „Reuter- \hen Bureaus“ aus Zanzibar vom gestrigen Tage hätte der no< in Bagamoyo befindlihe Emin Pascha einen Rüd>- fall gehabt und wäre sein Zustand ein sehr ungünstiger.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 15. Januar. (W. T. B.) In der heutigen“ Sizung der Ausgleihskonferenz, welche 4 Stunden dauerte, wurde die Berathung der Justiz- angelegenheiten fortgeseßt.

Großbritannien und Jrland. London, 14. Januar. Das Ultimatum, welches Lord Salisbury am 11. d. M. an Portugal richtete, lautet nah der „Times“ wie folgt:

„Die Regierung Ihrer Britannishen Majestät kann die von der portugiesischen Regierung ertheilten Versicherungen, wie sie dieselben interpretirt, niht als befriedigend oder binreihend annehmen. Ihrer Britannishen Majestät interimistisher Konsul in Mozambique telegraphirt, Major Serpa Pinto's eigene Autorität citirend, daß die Expedition den Shire, Katangas und andere Pläye, Territorien der Makololos, bereits bescßt habe und daß dieselben befestigt und mit Besaßungen wverschen würden. Jhrer Britannishen Majestät Regierung wünsht und besteht darauf, daß dem Gouverneur von Mozambique die folgende telegraphishe Instruktion unverzüglich gesendet werde: „Ziehen Sie alle yortugiesishen Streitkräfte zurü>, die thatsähli< am Shire so- wie in den Territorien der Makololos und in Mashonaland find.“ Jhrer Britannishen Majestät Regierung versteht, daß ohne dies die von der portugiesishen Regierung ertheilten Versicherungen illuforish sind, und Mr. Petre wird si< in Verfolg seiner Weisungen genöthigt fühlen, si< mit sämmtlichen Mitgliedern der Legation unverzüglich von Lissabon zu entfernen, Falls er nicht eine befriedigende Antwort auf die vorhergehende Mittheilung heute E auf Jhrer a Schiff „Enchantreß"“ in Vigo, das seiner Befehle harrt, empfängt.“

Senhor de Barros Gomez beantwortete dieses Ultimatum mit einer Note, welche wie folgt shließt :

„Angesichts eines bevorstehenden Abbruches der Beziehungen zu Großbritannien und aller Folgen, welhe daraus entitchen dürften,

iebt Sr. Majestät Regierung den jüngst in den erwähnten beiden Noten Pemulirien Erfordernissen na&, und indem fie in jeder Hinsicht sich die Anrehte der portugiesishen Krone auf die erwähnten afrikanischen Regionen sowie au<h das ihr dur< Artikel XIT der Berliner Kon- vention verliehene Re<ht vorbehält, die Streitfrage dur< Vermitte- lung oder Schiedsgericht zu einer endgültigen Lösung zu bringen, wird Sr. Majestät Regierung dem Gouverneur von Mozambique die von Großbritannien erzwungenen Befehle senden.“ - ,

Das britische Kanalgeshwader segelte am Dienstag Nachmittag von Gibraltar ab; seine Bestimmung is} unkhe- kannt. Die Panzerschiffe „Benbow“ und „Colossus“/ bleiben vorläufig in Gibraltar. i /

Ueber den neuen english-amerikanishen Aus? lieferungsvertrag wird aus Ottawa berichtet :

Der Vertrag ist eine Erweiterung des Ushburton'shen Vertrages von 1842. Folgende Verbrechen sind neu darin aufgenommen: Mord- versu< und Mordkomplott, Todts<lag, Falshmünzerei, Einbruc, Unterschlagung oder Diebstahl von 50 Doll. Werth an, Entführung und unzüchtiger Angriff auf Frauen, böswillige Eigenthumébeschädigung mit Gefährdung eines Menscen, verbre{eris<hes Anbohren oder Zerstôren von Schiffen auf hoher See oder auf den großen amerikanis<hen Seen und Komplott zu dem Ende, thätliher Angriff an Bord eines Schiffes auf hoher See oder auf den großen Seen, um Leben zu vernichten oder {limme Körperverleßungen herbeizuführen.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 16. Januar.

W. T. B.) Der „Regierungs - Anzeiger“ veröffentlicht ein

andshreiben des Kaisers an den General-Gou- verneur von Moskau, in welchem es heißt:

„Ins neue Jahr tretend, bitte Ih Gott, es möge sih auch hinfort die Entwi>elung der inneren Kräfte des geliebten Vaterlandes ununterbrohen und ungestört inwitten des von Allen gewünsten und Alle beglü>kenden Friedens vollziehen.“

Ftalien. Rom, 15. Januar. (W. T. B.) Der Kron- prinz Victor Emanuel hat heute von Neapel aus seine Orientreise angetreten.

Spanien. drid, 15. Januar. (W. T. B.) Der König hatte nah dem heute Morgen ausgegebenen Bulletin eine gute Nacht; die B esserung dauert fort.

Serbien. Belgrad, 15. Januar. (W. T. B.) Der König Alexander hat vom Zaren dessen Porträt erhalten, in Erwiderung eines gleihen Geschenkes, welhes der König anläßlih seiner Salbung dem Zaren übersandte.

Amerika. Brasilien. Aus Rio de Janeiro in New: York brieflih eingetroffene Nachrichten des „W. T. B.“ über die revolutionäre Gegenbewegung vom 18. De- zember melden, daß am Vormittage des genannten Tages eine Anzahl dem Kaiser Dom Pedro ergebener Bürger, unterstüßt von dem zweiten Artillerie-Regiment, vor das Palais zogen, die republikanishe Fahne, die auf diesem wehte, herabnahmen und die Kaiserlihe aufzogen. Bald darauf marschirten Soldaten der provisorishen Regierung nah dem Schauplay und das Gemegel begann. Die Ausfständishen wurden ras< besiegt, die Anführer des Aufruhrs verhaftet und die rebellirenden Soldaten in der Kaserne eingesperrt. Unter Beifallekundgebungen der Re- publikaner wurde die Fi der Republik wieder aufgezogen. Gegen hundert Kaiserliche kamen dabei um oder wurden verwundet; 21 Aufrührer wurden auf Befehl der Regierung ers<hossen. Der Aufruhr soll dur< Unzufriedenheit der Soldaten mit ihrem Solde entstanden sein.

Afrika. Egypten. Kairo, 15. Januar. (W. T. B.) Der Khedive hat Stanley den Groß-Cordon des Ds- manié-Ordens verliehen und au< die anderen Offiziere der Expedition dur<h Dekorationen ausgezeichnet.

Parlamentarische Nachrichten.

n der heutigen (44.) Sißung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. von Boetticher, der Staatssekretär des Reichsshaßamts Freiherr von Maltzahn, der Staatssekretär des Reichs-Postamts Dr. von Stephan, der bayerishe Bevollmächtigte General-Major Ritter von Xylander und Kommissarien beiwohnten, theilte der Präsident zunächst den Eingang einer weiteren Samm- lung von Alktenstü>ken über Ost-Afrika mit.

Auf der Tagesordnung stand als erster Gegenstand die zweite erauns des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Feststel ne des Reichshaushalts-Etats für das Etatsjahr 1890/91, und zwar zunähst des Spezial- Etats der Reichs-, Post- und Telegraphen-Verwal- tung, von welchem noch einige Titel ausstehen.

Vom Ordinarium stehen iee Kap. 3 Tit. 6, 2%, 26, 27 und 28 zur Berathung. T [liegen folgende Anträge ihte

vor. Ein Antrag der Abgg. r und Baumbahh:

den ReiGskanzler zu ersuGen, in Erwägung zu nehmen, ob nit der Wohnungsgeldzushuß für die unteren B verbältnifsen entsprehend, einer Erhöhung zu unterziehen sei.

Ferner ein Antrag des Abg. Singer:

1) Im Kop. 3 Tit. 25, forttauernde Ausgaben, Betrieb8- verwaltung, zur Erhöhung von 800 4 auf 850 (6 die Summe von é in den Etat mehr e.nzuseßen und dementspre<end in Zeile 4 des Titels 25 ftatt 800 M zu seßen 850 M 2) Im Kap. 3 Tit. 26 die Summe von 144500 4 mehr tingisehen und das Dur(hschnittsgehalt von 800 M4 auf 850 4 zu er en.

3) Im Kap. 3 Tit. 27 die Summe von 675 000 4 mehr einzuseßen und damit das Durchschnittsgehalt von 650 #. auf 700 F zu erböhen.

Sodann ein Antrag des Abg. Frhrn. von Ow:

_ den Reichskanzler zu ersuchen, in Erwägung zu nehmen, ob nihht die Gehälter für die unteren Beamten einer Erhöhung zu unterziehen seien.

Ein zum Kommissionsantrag gestellter Antrag geht dahin, Zuschläge für Unterbeamte der Postverwaltung in Gestalt eines Nachtrags-Etats noch vor der dritten Lesung des Haupt- Etats eintreten zu lassen.

Abg. Baumbach: Der in der Kommission beschlossenen Resolution, die Regierungen zu ersuchen, in Erwägung zu nehmen, ob ni<ht im nächsten Etat eine Ausbesserung der Post-Unterbeamten eintreten könne, stimme er bereitwillig. zu. Aber es sei zu bedenken, daß die Beamten dann no< anderthalb Jahre warten müßten, während doh gerade jeßt eine Theuerung die Aufbesserung dringend wün}schens- werth mache. Daß eine Theuerung vorhanden sei, beweise das Vorgehen der Königlih sächsischen Regierung. Daß der Bundesrath über diese Mage noch keine bindende Erklärung abgeben wolle, bevor ein Beshluß des Reichstages vorliege, diene nur dazu, die Angelegenheit noh in der Schwebe zu lassen. Beim Militär- Etat sei, au< ohne daß ein formeller Beschluß des Reichstages vorgelegen habe, eine Erhöhung um 21/; Millionen für Fouragelieferungen vom Bundesrath genehmigt worden. Die Einwendungen in der Kommission gegen seinen Antrag, daß nah einer Gehaltsaufbesserung der Reichs-Postbeamten auch alsbald die preußishen Beamten folgen müßten, seien durh die legte Thronrede, die ja gerade eine solche Aufbesserung der preußischen Beamten in Aussicht stelle, hin- fällig geworden. Er behalte si vor, seinen Antrag in der dritten Lesung wieder einzubringen, denn es sei wünschens- werth, no< in dieser Session etwas Positives für die Unter- beamten zu schaffen. i

Bei Schluß des Blattes erhält der Staats-Minister Dr. von Boetticher das Wort.

Jn der heutigen (2.) Sißung des Hauses der Abgeordneten, welcher der Finanz-Minister Dr. von Scholz und der Minister des Jnnern Herrfurth beiwohnten, gab der Präsident der vorigen Session von Köller zunächst eine Ueber- sicht über die inzwischen eingetretenen Veränderungen im Mitgliederbestande.

Das Andenken der verstorbenen Mitglieder ehrten die Abgeordneten dur<h Erheben von den Sigen.

Auf der Tagesordnung stand an erster Stelle: Wahl des Präsidenten, der beiden Vize-Präsidenten und der Schriftführer. Den Vorsiß übernahm, der zweite Vize- Präsident der vorigen Session, Abg. v. Benda.

Auf Antrag des Abg. Stengel wurde der Abg. v. Köller dur< Zuruf zum Präsidenten gewählt.

Der Abg. von Köller nahm die Wahl mit einigen Worten des Dankes an und übernahm wieder den Vorsigß.

Durch yuruf wurden auf Antrag des Abg. Stengel sodann der Abg. Dr. Freiherr von Heereman zum ersten, der Abg. von Benda zum zweiten Vize-Präsidenten wiedergewählt.

Der Abg. von Benda erklärte dankend die Annahme der Wahl, der Abg. Freiherr von Heereman war wegen Krankheit nicht anwesend und wird über die Annahme der Wahl be- fragt werden.

Zu Sqhriftführern wurden auf Vorschlag des Abg. Stengel die Abgg. Barth, Q Kol isch, Jmwalle, Dr, Mithoff, von Rehdiger, Sperlich und Vopelius dur< Zuruf gewählt. :

Die Abgg. Fran>e und Liebermann wurden von dem Präsidenten zu Quästoren ernannt.

Damit war das Haus konstituirt, und der Präsident er- klärte, daß er Sr. Majestät dem Könige die vorgeschrie- bene Anzeige davon machen werde.

Hierauf nahm Finanz - Minister Dr. von Scholz zur Einbringung der Staatshaushaltsvorlage für das Jahr 1890/91 das Wort. (Schluß des Blattes.)

(Die Schlußberichte über die gestrigen Sißungen des Reichs- tages und des ae lere ih in der Ersten eilage.) - i

Zur Wahlbewegung.

Von der bisher vorliegenden Kandidatenaufstellung für die bevorstehenden Reichstagswahlen entwirft die „Nationa l- liberale Correspondenz“ folgendes Gesammtbild:

Die Deuts<hkonser vativen haben in 80 Wahlkreisen ihres Besißstandes 15 bisherige Vertreter und 11 neue Kandidaten auf- geste t; außerdem 4 gegen freisinnigen, 1 gegen nationalliberalen,

gegen sozialistishen, 1 gegen polnischen, 1 gegen demokratischen Besißstand ; zusammen 35 Kandidaturen. Die Freikonscrvatvien haben in 39 Wahlkreisen ihres Besiystandes 19 bis- berige und 2 neue Bewerber aufgestelt; außerdem 1 gegen freisinnigen, 1 ofesen antisemitishen Bes ftand, zusammen 23 Kandi- daturen. Die Nationalliberalen haben in 94 Wahlkreisen 46 bis- herige und 13 neue Kandidaten aufgestellt (es sind also no<h 35 Wahl- kreise des Besißes mit Erledigung der Kandidatenfrage im Rückstand) ; außerdem 10 gegen freisinnigen, 2 gegen ultramontanen, 4 gegen foztalistishen, 5 gegen welfishen, 1 gegen demokratischen, 1 gegen wild- liberalen Besißstand ; zusammen 82 Kandidaturen. Die Centrums- partei hat bis jeyt ¿rit 15 alte und 2 neue Bewerber in ihren 99 Wahl- kreisen definitiv benannt ; außerdem 2 gegen konservativen Besiß ; zusammen 19 Kandidaturen. Die Deut \ <freisinnigen haben in 35 Wahlkceisen ihres Besißstandes 16 alte und 3 neue Kandidaten aufgestellt ; außer- dem 1 gegen ultramontanen, 25 gegen nationalliberalen, 25 gegen konservativen, 5 gegen sozialistishen, 1 gegen wildliberalen Besitz- stand, zusammen 76 Kandidaturen. Die „Sozialdemokraten haben in ihren 11 Wahlkreisen die Kandidaturen dur<weg erledigt und 10 alte und 1 neuen Bewerber aufgestellt, außer- dem 27 gegen freifinnigen, 27 gegen ultramontanen, 49 gegen

eamten, den Theuerungs-

des Minimalgehalts der Unterbeamten -

7

S,

- seinen würdigen Abshluß dur die debattelose Genehmigung der e

nationalliberalen, 47 gegen konservativen, 1 gegen welfis<en, 1 gegen

antisemitishen und 1 gegen wildliberalen Besihftand,- - zusammen 164 Kandidaturen. Die Polen haben in ihren 13 Wahlkreisen bislang 5 alte und “1%. neuen Bewerber, dazu 2 gegen nationallibe- ralen, 2 gegen aaa ben Besißstand genannt; zusammen 10 Kan- didaturen. Die Welfen haben 5 Vertreter wieder aufgestellt und greifen die Nationalliberalen in 3 Wahlkreisen, die Sozialisten in 1 an, stellen aub eine Zäblkandidatur in dem brauns<hweiger Wahl- freise auf, der bis dahin wildliberal vertreten war; zusammen 10 Kändidaturen. Die Demokraten haben ihren 1 Mann in Ansbach wieder aufgestellt und greifen in 5 Kreisen die Nationallikeralen, in 4 die Konservativen in deren Besißstand an; zusammen 10 Kan- didaturen Die Antisemiten haben ebenfalls ihren 1 Mann in Marburg wieder aufgestellt und greifen 1 Freisinnigen, 5 National- liberale und 4 Konservative an; zusammen 11 Kandidaturen. Endlich sind zu verzeichnen eine unbestimmte liberale Kandidatur nichtfort- \crittliher Richtung in Dessau, biéher nationalliberal, 1 liberale Kandidatur in Bü>eburg, bisher konservativ, 2 liberale Kandidaturen fortscrittliher Richtung in Dithmarschen und Jena, ferner 1 Arbeiter- Kandidatur in Saarbrü>en und 1 national-katholishe Kandidatur.

Zeitungsstimmen. Zu der Rede, mit welcher gestern der preußische

‘Landtag eröffnet wurde, bemerkt die „Norddeutsche

Allgemeine Zeitung“: _ »Von hober Bedeutsamkeit ersheint, was die Thronrede über jene Arbeiterausstände sagt, die namentli<h in den Kohlenbezirken in großem Umfange unter Nichtinnehaltung der Kündigungsfrist und theils leider au nit oÿne Gewalkthätigkeiten erfolgten, und das êrfreulihe Bild, weles der Aufshwung von Handel und Erwerbs: thâtigteit im Lande boten, tcübten. : ;

Mit Recht hebt die Thronrede hervor, wie es den Kaiser und

, König mit Befriedigung erfüllt habe, daß die Arbeitgeber, viclfah

eigener Interessen, bestrebt gewesen find, der Bergarbeiter Abhülfe zu {afen und selbst weitgehenden Forderungen derselben entgegen zu kommen. Hieraus erschien allerdings die an böchster Stelle gehegte, in der Thronrede berührte Erwartung berechtigt, daß fernere Versuche zur Störung der Eintraht zwischen den Gruben- besißern und den Bergarbeitern an dem gesunden Sinn der Be- völkerung sheitern und daß die für die gesammte Arbeiterschaft nicht minder wie für den Bestand dec Industrie gefährlißen Unter- bre<ungen wirths<aftliher Thätigkeit fortan unterbieiben würden. Wenn die Königliche Staatsregierung, welche bekanntlich eine zum Ab- \<luß gelangte und der Veröffentlihung nabe, eingehende Untersu<ung der von den Vergarbeitern erhotenen BVes&werden und Forderunçen hat vornehmen lassen, dieser Frage unausgesezt ihre Auf- merksamkeit ¿uwendet, so wird man das im Lande ebenso mit Dank arérkennen, wie daß andererseits Vorsorge getroffen wurde, jeder Störung der öffentlihen Rube und Ordnung fofort mit Erfolg entgegentreten zu können. Der Fürsorge für die Wohlfahrt der arbeitenden Klassen ist dur< die Geseßzgebung über die Ver- sicherung der Arbeiter gegen die Folgen von Krankheit, Unfall und Jnvalidität Ausdrut> gegeben, und cs wird au< ferner nicht davon abgelassen werden, weiter hervortretende Bedürfnisse sorgfältig zu bea<hten und deren Befriedigung anzustreben. Jene Fürsorge in Ver- bindung mit der eingetretenen Steigerung der Löhne sollte aber so betont die Thronrede au< eine Gewähr dafür bieten, daß das Bewußtsein einer mehr gesicherten Lage die Arbeiter in wa<sendem Umfange durchdringen werde.

Ueber die &renzen Preußens und des Reichs hinaus wird man es. freudig begrüßen, daß der Kaiser zu seiner Freude die Beziehungen Deutschlands zu den auëwärtigen Mächten nah allen Seiten als gute bezeihnen lassen konnte. E

Mit dem Monarchen wird das Land die Zuversicht theilen, daß au< in dieser Session die Arbeiten der preußishen Volksvertretung, vom Geiste vertrauensvollen Zusammenwirkens mit der Staatsregie- rung getragen, zur Förderung des Wohles und Gedeihens des Landes gereichen werden.“

Einer Betrachtung der „Magdeburgischen Zeitung“ über die Thronrede entnehmen wir Folgendes :

„Die Versicherung, daß eine vermehrte Tilgung der Staats- \{uld stattfinden solle, daß die Finanzlage des Staats nah den Er- gebnissen des leßten Rehnungsjahres eine günstige geblieben sei, und daß man troy sparsamer und vorsichtiger Finanzwirthschaft do neue und vermehrte Ausgaben für Kunst und W;ssenschaft, für Verkehrs- anstaltea aller Art und die Landwirthschaft machen werde, kann nur mit Bcfriedigung erfüley. i

Am S@hluß wird au< der auswärtigen Beziehungen Deutsch- lands gedacht, die „zur e des Kaisers und Königs" als „na allen Seiten gute“ hingestellt werden. Mit dieser neuen Fiiedens- kundgebung, die ja in Preußen bei der Landtagseröffnung niht immer üblich war, {ließt die Thronrede in erfreulicher Weise.“

Fast sämmtliche heutigen Wiener Blätter besprechen, wie „W. T. B.“ meldet, die Thronrede zur Eröffnung des preußischen Landtages: Das „Fremdenblatt“ meint : die Thronrede bekunde aufs Neue, Deutschland und Preußen wollten nicht nur stark und friedlih nah Außen, son- dern aut stark und friedlich im Jnnern bleiben; deshalb werde sie ungetheilt etnge Ausnahme im preußischen Volke finden. Die „Presse“ und die „Neue freie L heben beide her- vor, daß die Thronrede das Geprägè absichtlicher Ge- \chäftsmäßigkeit trage; das erstere Blatt erbli>t darin ein leuhtendes Beispiel, wie die Sphären der R nicht überschritten werden dürften, sondern wie dem Kaijer bei solhen Anlässen gegeben werden müsse, was des Kaisers sei. Die „Neue freie Presse“ weist auf den die M A Politik betreffenden Passus hin und bemerkt: denselben habe man eigentlih niht erwartet, da nah dem Berliner Brau die Erwähnung der auswärtigen werthe sei dem Reichstage

mit Zurücstellung begründeten Beschwerden

vorbehalten sei; um so dankenswerther sei die Versicherung der Thronrede, welche eine Friedensbotschast sei, da Friedens- botshaften niemals oft genug vernommen werden fönnten. Jn ähnlicher Weise äußern sih auch die übrigen Blätter. Von den heutigen Londoner Zeitungen besprechen die „Times“. und die „Morningpost“ die enb he Thronrede sehr beifällig. Die „Times“ sagt: die Erklärung des Deutschen Kaisers, daß die Beziehungen Deutschlands zu den fremden Mächten überall gute sind, stelle eine Thatsache von höchster Wichtigkeit für den europäischen Frieden dar.

Qu der Bewilligung des Militär-Etats im Reichstage bemerkt der „Hannoversche Courier“:

“Das wunderbare und unerwartete Schauspiel, das der Reichstag am Montag dur die Erledigung der zweiten Lesung des Militär- Budgets in einer einigen Sihung gegeben, fand am Dienstag

Artillerie- und Waffenwesen geforderten außerordentlichen Ausgaben von 107 Millionen. Daß die Freisinnigen, ja sogar au die Sozialdemokraten si< diese Gelegenheit entgehen ließen, um über die Unersättlihkeit des Molo<hs „Militarismus beweg- lide Klace zu erheben, ist jedenfalls ein Zeichen der - Zeit ; wenn aber die ersteren si< veranlaßt sahen, | eheueren Forderungen ohne p Vorbehalt zu stimmen, fo mögen vielleicht vershiedene Gründe für sie maßgebend gewesen sein; vor allen Dingen die Erwägung, daß es auf die Wähler cinen niht günstigen Eindru> machen würde, wenn sie die Mittel für die

für diese un-

von den militärishen Autoritäten für nothwendig erklärte Verstärkun

unserer Wehrkraft niht ebenso be ig votirten, wie die Kartell- parteien. Vielleicht fühlten sie au< das Bedürfniß, die Unzufrieden- heit, die ihre oppositionelle Haltung gegen die Marineforderungen, namentli< die Ablehnung der Kaiseryaht und die dafür geltend ge- machten Gründe in weiten Kreisen erregt hatten, dur ein Entgegenkommen den weiteren militäris<hen dg f pie gegen- über zu bes<wihtigen. Vielleiht glaubten sie si< auch des- halb der glatten Bewilligung dieser großen Summen nicht entziehen zu dürfen, weil der Kaiser beim Empfang des Reichstags-Präsidiums fo. nahdrü>li<h darauf hingewiesen, daß die Erhaltung des Welt- friedens nur dann mit Sicherheit zu erwarten sei, wenn Deutschland seine militärishe Rüstung in bestem Stande erhalte. Was aber au< immer im Einzelnen die Freisinnigen zu ihrer Haltung für Gründe gehabt haben mögen, so stellen wir do< mit Genugthuung die Thatsache fest, daß au<h diesmal der Deutsche Reichstag mit mögli<sler Einmüthigkeit dur< die Bewilligung der für die Verbesserung und Verstärkung unserer Heereseinrih- tungen geforderten Summen einen erhebenden Beweis seines Patriotismus gegeben hat, und wir geben uns der zuversichtlihen Hoffnung hin, daß die patriotisGe Haltung der deut- schen Reichsvertretung, diese Einmüthigkeit aller auf dem Boden der heutigen staatlihen und gesellschaftlichen Ordnung stehenden Parteien bei Freund und Feind ihrea Eindru>k niht verfehlen wird. Aber wir können auch nit unterlassen, unserer Ueberzzugung dahin Aus- dru> zu geben, daß der Kartellmebrheit ein wesentlihes Verdienst auch an dem diesmaligen Reichêétagsbescblusse zukommt. Ein derartiger Beschluß wäre und ist thatsähli<h in dem vorigen Reichstage, in wel<em die Firma Windthorst-Richter-Grillenberger dominirte,nidt mög- li gewesen, jede Forderung der Regierung mußte si die erheblichsten Abstriche gefallen lassen, und \s{<ließli< zwangen die Swierigkeiten, welche dieser Reichstag in der Frage des Septennats und der damit verbundenen Mehrforderungen für das Heer machte, die Regierungen zur Auflösung desselben. Der ihn ablösende „Kartellreihstag“ hat nit leihthin alle Forderungen, au<h nur die militärischen, . gut ge- heißen, sondern dieselben gewissenhaft geprüft und mancherlei Abstriche vorgenommen ; wo ihm aber dargethan und dur< unsere militärischen Autoritäten bestätigt wurde, daß die Sicherbeit des Reis, die Er- haltung seiner Wehrkraft und seiner militärishen Ueberlegenheit neue große Opfer fordere, do hat die Mehrheit willig sie gebracht und nicht gezögert, den Regierungen ihr Vertrauen dur< die Be- willigung der geforderten Summe auszusprehen, und wie mehrfach, so hat au< jeßt kurz vor dem Ablauf der Mandatsdauer dieses Reichstages diese patriotishe, opferfreudige Haltung der Mehrheit die anderen Parteien, troy aller ihrer Bedenklichkeiten, mit ih fort- gerissen, und damit in Sachen der Vaterlandsvertheidigung jene fast einmüthigen Beschlüsse zu Wege gebracht, welche als die beste Unter- stüßung der Friedenspolitik unseres Kaisers und seines Kanzlers an- Le werden dürfen. Möge cs der künftige Reichstag nit anders alten.“

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

In einer Correspondenz der „Rhein. - Westf. Ztg.“ aus Saar- brüden vom 13. Januar wird darauf hingewiesen, daß die Ber g- leute im Saarrevier si wieder emsig regen, theils um Beschlüsse für den 1, Februar zur Reife zubringen, theils um über die bevorstehende Reichstagswahl zu beraihen. In Sachen des Strikes ist no<h nicht alles so, wi: es sein soll, und die Kameraden drüben in Belgien mit ihrem Ausftand rufen in manchem jüngeren Bergmann wieder ein Ge- lüst zum Striken wach, troßdem sie durhaus keine Ursache mehr dazu haben. Aus der Versammlung der Vertrauensmänner in Bild sto, über wel<he an dieser Stelle bereits berihtet wurde, theilt das Blatt no< mit, der Bergmann Warken die Vertrauens- männer auffordertz, am nä<hsten Sonntag in ihren Bezirken Ver- sammlungen einzuberufen und . über die Ergebnisse der Vertrauens- männersizung Bericht abzustatten ; er forderte ferner zum Aushalten im Kampfe auf. Seit Mai, wo der Kampf begonnen, sei nur wenig erreiht. Es sei erforderli<, daß die gemachten Versprehungen schriftlih in die Arbeitsbücher eingetragen würden.

Aus Bochum schreibt man der „Köln. Ztg.“ unter dem 15. d. M.: Der Vorstand des im vorigen Jahre ins Leben gerufenen Verbandes der rheinis<h-westsälishen Bergleute ist nunmehr mit zwei Thaten, den ersten seit seinem Bestehen, in die Oeffentlichkeit getreten, und zwar betreffen dieselben die Wahl des Verbandsorgans und die neuen Forderungen auf Lohn- erhöhung unter gleichzeitiger Verkürzung der Arbeits- zeit. Die lehteren Forderungen, welhe an den Verein für die bergbaulihen FInteressen gerihtet werden sollen, bezeichnet das Biatt als geradezu unsinnig und meint, man - sche es ihnen an, taß die radifalsten Elemente an» die Spiße des Ver- bandes gekommen seien. Bei einer Lohnerhöhung von 5009/0 und gleichzeitiger Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde würde es dahin kommen, daß manche Bergleute, die jeßt {hon 180—190 46 den Monat verdient haben, eine Einnahme von 300 4 hätten, während andere es kaum auf die Hälfte brächten.

Auch in der Provirz Schlesien kommt die Lohnbewegung jeßt in Grub. Der „Köln. Ztg.* wird aus Breslau unter dem 14. d. . berichtet, daß, nahdem vorher die Ti shler, Töpfer und Berufsgenossen in dieselbe eingetreten waren, nun auch die Schuhmawhergesellen höhere Löhne beanspruhen. In Hirs <- berg verlangt eine Lohnkommission von Bauhandwerkern für diese von den Mauer- und Zimmermeistern eine Lohnzulage von 5 S für die Stunde, außerdem aber bei Wasser-, Hoch- und Feuer- arbeit eine weitere glei< hohe Zulage. Die UÜeberstunden sollen beseitigt und die Arbeitsstunden auf 10 festgestellt werden.

Aus dem Lugau-ODelsnizer Revier wird der „Lpz. Ztg.“ geschrieben: Im Monat Mai wurde an Lohnzulagen gegeben, was man glaubte vertreten zu ¿ können; die Lohnverdienste sind ganz wesentlich gestiegen Nach einer vom Königlichen Bergamt im De- zember 1889 angeordneten Erhebung ist der reine monatlihe Arbeits- verdienst eines Arbeiters im Lugau-Velsniger Revier, troß der um zwei bis viec Stunden verringerten Arbeitszeit und troßdem die Ueber- \hihten na< dem Stiike nur auf die nothwendigsten Erhaltungs- bauten in der Grube beschränkt blieben, um 12,2% gestiegen. Die Leistung pro Kopf der Belegschaft ist dem gegenüber ganz er- beblih herabgegangen; denn während sie im Durchschnitt im Jahre 1886 monatli< 219,3 hl und im Jahre 1887 220 11 betrug, beläuft sie sih nach den bergamtlihen Ermittelungen in den 6 Monaten nah dem Strike nur auf monatlih 203,9 k] Nun kommen aber neuerdings die Ente mit neuen und re<t weitgehenden Forderungen. Sie wollen niht allein alle Gedinge abgeschafft wissen, sondern fordern no< einen festen Lohn von mindestens 3,50" für jede Schicht mit 50% Zuschlag für Ueberschihten und außerdem eine weitere Verkürzung der Schihtzeit. Der Verein für berg- bauliche Interessen im Lugau- Oeisnißer Revier ist entschlossen, diese unbegründeten, zur Zeit geradezu maßlosen Forde- rungen zurü>zuweisen. f

In der hier, in Berlin, unter der Firma Ludwig Löwe u. Co. e etealQalt auf Aktien, bestehenden Gewehr- fabrit hat eine kleinere Arbeiterzahl wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Jn Folge hiervon fand eine Versammlung aller Arbeiter der Fabrik am Dienstag statt, in welcher, der „Voss. Ztg.“ zufolge, etwa 3000 Personen anwesend waren. Wie in der Ver- fammlung erklärt wurde, sei hon vor Weihnachten eine Bewegung unter einem Theil der Arbeiter auf Abzugsbleche in Fluß gekommen, welche ein Aufhören der Abzüge für Aus{<uß (d. h. fehlerhafte Arbeit) zum

iele hatte. Diese Bewegung tei am Montag wieder aufgelebt und abe zur Arbeitseinstelung von etwa 20 Arbeitern geführt, als die Direktion erklärte, ni<ts mehr für Aus\hußarbeit abziehen, aber die Akkordlöhne herabseßen zu wollen. Vorher mate die Direktion no< einen Einigungsversu<h, indem sie vorschlug, durchgängig

vom Lohne als Ersay für den Ausschuß abzuziehen. e Versammlung erklärte, daß die von den ausftändigen Mitarbeitern angeführten Mißstände in der Fabrik thatsächlich vor- handen seien, und wählte eine Kommission, die mit der Direktion verhandeln soll, um die Beshwerden zu beseitigen. Sollte die Direktion nicht | mati sein, auf die von der Kommission genau fest- zustellenden Beschwerden hin Abhülfe zu \<afen, so wollen sich die Arbeiter der Fabrik mit den Ausständigen solidaris< erklären und na< einer vorhergegangenen Versammlung einmüthig die Arbeit Me aab i é

Der Aushland in dem böhmis><en Glasindustrie- Bezirk, über wel<en in Nr. 113 d. Bl berichtet wurde, f der Köln. Ztg.“ zufolge beendet; naÿ achttägiger Dauer ist eine Einigung zu Stande gekommen. Der österreihishe Gewerbe- Inspektor Malek lud die gesammten Raffineure und Lieferanten unter Zuziehung von fünf Vertrauensmännern der Glasschleifer, die je einen Ort zu ver- treten batten (Dessendorf, Polaun, Neuwelt, Antoniwald- Marxdorf und Grünthal - Wurzelêdorf) zu einer Berathung über die Forderungen“ der Arbeiter ein. Der Seitens der Ar- beiter unterbreitete Lohntarif - Entwurf wurde Seitens der gesammten anwesenden Raffineure und Lieferanten ange- nommen, wodur< der shwierigste Punkt cine günstige Erledigung fand. Die. bewilligten neuen höhern Löhne treten vom 2. Januar d. I. in Kraft; die Arbeiter verpflichten si zur sofortizen Wieder- aufnahme der Arbeit.

Die Londoner „Allg. Corr.“ meldet: Die London, Brighton u.South Coast Eisenbahn-Gesellschaft hat bes<lofsen, daß ihre Signalisten nur 6 Tage die Wohe arbeiten sollen. Sonntags- arbeit wird besonders vergütet werden. Die neue Verordnung ist schon diese Woche in Kraft getreten. Die Direktion erwägt no<h, ob auch für die Schaffner und Gepä>träger das Gleice gelten soll.

Die 40000 Kohlengrubenarbeiter des Forest of Dean haben bes<lossen, eine sofortige Lohnerhöhung von 10% zu fordern.

Handel und Gewerbe.

London, 15. Januar. (W. T. B,) An der Küste 1 Weizen- ladung angeboten.

Verkehrs - Anstalten.

Hamburg, 15. Januar. (W. T. B.) Den „Hamb. Nachr.* wird von dem Vorsitzenden der Deutschen Levante-Linie mit- etheilt, daß derselben von dem Pro}:kt eincr Anshlußlinie von Ham burg na< Salonichi an eine von dem „Norddeutschen Lloyd® zu errihtende Zweiglinie Salonihi—Port Said—Adcn—Zanzibar, von welhem in einem den „Hamb. Nar.“ aus Berlin zugegangenen Telegramm die Rede sei, Nichts bekannt wäre. Die Deutsche Levante-Linie sei weder in der Lage, noch könne fie über- haupt daran denken, eine derartige Verbindung berzustellen. Jn kauf- männishen Kreisen herrshe allgemein die AnsiŸt vor, daß nur eine direkte. Linie Hamburg—Zanzibar den Zwek erfüllen könne, welhen die Reith sregierung dur< ten dem Reic stage vor- liegenden Gesetzentwurf zu erreihen hoffe.

15. Januar. (W. T. B.) Der Postdampfer „Dania* der Hamburg-Amerikanishen Pactetfahri-Aktiengesell- \<haft ist, von New-York kommend, beute Nattnittag auf der Elbe eingetroffen.

London, 15. Januar. (W. T. B) Der Union-Damvfer „Tartar* is beute auf der Ausreise von Madeira abgegangen. Der Castle-Dampfer „Roslin Caftle* ist heute auf der Ausreise von London abgegangen Der Castle-Dampfer „Duart Castle“ ist heute auf der Ausreise in Durban (Natal) angekommen.

d-

Theater und Musik,

Berliner Theater.

In der am Sonnabend, den 18, d. M., stattfindenden ‘- „Hamlet“ - Aufführung wird, gleichwie in den beiden jüngsten, wel<e ausverkaufte Häuser erzielten, Ludwig Barnay die Titelrolle spielen. In der Matinée- Aufführung des „Probepfeil *, die am Sonn- tag, den 19. d. M., zum Besten der vom Brande des

ester Theaters betroffenen Künstler im Berliner

heater veranstaltet wird, wirken folgende Mitglieder anderer hiesigen Bühnen mit: Agnes Sorma und Georg Engels vom Deutschen Theater, Adolf Klein vom Lessing-Theater und Hans Pagay vom Residenz-Theater. Vom Berliner Theater betbeiligen fi< u. A. Nuscha Bute und Ludwig Barnay an der dem milden Zwette gewidmeten Aufführung. Der Billetverkauf zu dieser Matinée findet von Freitag früh ab an der Kasse des Berliner Theaters statt. Die Vorstellung beginnt pünktlih um 12 Uhr; der Eintrittspreis ist ‘der- selbe wie zu anderen Vorstellungen.

Belle-Alliance-Theater.

Anzengruber's leßtes Bühnenwerk, die Bauernkomödie „Der Fle> auf der Ehr’“, wird morgen von den „Münchenern“ zum leßten Male gegeben. Das Gastspiel der bayerishen Gäste, das {hon im nä<sten Monat sein Ende erreicht, dauert ni<t lange genug, um einem einzigen Stü>k einen zu breiten Raum zu gewähren, und da die Münchener au< ihre altbewährten Repertoirestü>e dem Berliner Publikum wieder vorführen wollen, geht morgen zunächst, und zwar auf vielfahes Verlangen, der unverwüstliGe „Herrgott-

nizer* in Szene. [Ger : St. Lukas-Kirche.

Der Organist der genannten Kirhe, Hr. Wilhelm Middel- \<ulte, dur seine künstlerischen Leistungen bereits get bes kannt, gab gestern ein Concert, dessen Ertrag für liturgi]he Zweke bestimmt war, und zu dem si ein zahlreiGes Publikum einge- funden hatte. Der Concertgeber trug eine große, sehr ftilvoll kom- ponirte Sonate von G. Merkel (dem Dresdner Organisten) vor, in der er nit nur die bedeutenden tehnishen Schwierigkeiten der beiden Hauptsäße vollkommen beherrschte, sondern au dur< die fein- füblige Schattirungêweise des stimmung8vollen Andantesaßes die Zuhörer wahrhaft erbaute. Außerdem trahte der Künstler no< in det sehr beliebt gewordenen Fuge (C-dur) von A. Haupt die Vor- züge seines Spiels zur Geltung. Eröffnet wurde das Concert dür< den gelungenen Vortrag einer Bah'shen Fuge von Seiten einer schr begabten Amerikanerin: Miß Nettie Musser, einer Schülerin des Hrn. Middelschulte. Frl. Hedwig Pauli unterstüßte tas Concert mit Hülfe der Damen Mila Schmidt und Bertha Samuelson dur einige schr passend gewählte, trefflih aus- geführte Gesangstü>ke, die mit Violinvorträgen des stets gern ge- hörten Concertmeisters Hrn. M. Grünberg abweselten. Leßterer brate mit der Chaconne von Bah (für Bioline allein) durch die vortreffli<he Tonbehandlung seines Instruments eine größere Wirkung

hervor, als wir es in diesem Raum für möglich gehalten hätten, m EdA

Een r Kapellmeister Meybèr, wiziladier Am gestrigen Abend hatte þr. Kapellmeister Meyder, -wié:feiker eit für ie Vowbleligen Kaiser Wilhelm I. und Friedtih Ul; eine S edäbtnißfeter für Ihre Majestät die hocselige Kaiserin Augusta veranstaltet. Dem Anlaß entsprehend war das Programm aus Werken ernsten Inhalts zusammengeseßt. Ein Trauermars{< von Reine>te eröffnete den ersten Tkeil, derjenige von Chopin den dritten, während ein \sol<er von Scbnell den Abschluß machte. Von sonstigen Nummern, wel<e zum Vortrag gelangten, seien erwähnt das Andante con moto aus der unvollendeten Sinfonie H-moll von Schubert, das Largo für Solo-Violine und Orgel von Händel, die Kirchenscene aus dem Gounod'schen „Faust“ mit Orgelbeglei- tung und das Kaiser-Quartett von Haydn. Hr. B. Ri(ter trug Sullivan Lied für Cornet à Piston „The lost chord“ sauber und exakt v und erntete mit dem Vortrag dieses eigenartigen Musikwerks dein Beifall der Zubörer. Auch die Kapelle unter der Leitung ihres be: "F währten Dirigenten that vollauf ihre Schuldigkeit und brachte sämmt,

liGe Nummern des Programms" zu vortreffliher Wirkung. Bo