1890 / 17 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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der Nahweisung sind diejenigen Bahnen, auf welchen Zug- verspätungen vorkamen, nah ber Verba 0

Mittel) zwischen der E der auf je eine Verspätung ent- fallenden Züge und Achskilometer geordnet; dana nehmen die Main: Neckar:Bahn, die Werrabahn und die Bahnen im Bezirke der Königlichen Eisenbahn-Direktion (linksrheinische) zu Köln die ungünstigsten Stellen ein. Wird die Reihenfolge der Bahnen statt nah der Zahl der Verspätungen nah der Zahl der Anschlußversäumnisse bestimmt, so treten die Werra- bahn, die Main-Neckar-Bahn und die Bahnen im Bezirke der Königlichen Eisenbahn-Direktion (linksrheinischen) zu Köln an die ungünstigsten Stellen.

Jn den „Amtlichen Nachrichten des Reichs - Ver- siherungsamts“ wird im Anschluß an die die preußischen landwirthschaftlihen Berufsgenossenschasten betreffende Bekannt- machung vom 1. Januar 1888, nachdem inzwishen auch in sämmtlihen übrigen Bundesstaaten das landwirthschaftliche Unfallversicherungsgeseß seinem vollen Umjange nach in Kraft getreten ist, durch eine Bekanntmachung des Reichs-Versiche- rungsamts vom 10. Fanuar eine Zusammenstellung der wich- tigsten Bestimmungen über die Einrichtung und Verwaltung der für die leßtgenannten Bundesstaaten gebildeten landwirthschaftlichen Berufsgenossenshaften ver- öffentlicht.

Gemäß Bekanntmahung des Ober-Präsidenten der Provinz Brandenburg, Staats-Ministers Dr. von Achen- bat, trat am 15. d. M. der 62. Kommunal-Landtag der Kurmark unter Vorsiy des Königlichen Majors a. D. und Domherrn des Hochstifts Brandenburg, Hrn. von Rochow- Plessow, zusammen. Der Vorsigende eröffnete den Landtag mit dem Hinweis auf den Heimgang _Jhrer Hochseligen Majestäi der Kaiserin und Königin Augusta. Tief und ernst bewegt stimmte der Landtag ein in den dreimaligen Hochruf auf des Kaisers und Königs Majestät. Der Landtag hat durch den Tod den General-Land-Feuersozietäts-Direktor und Haupl-Ritter- schafts - Direktor von Tettenborn au} Reichenberg verloren, welcher dem Landtage länger als 30 Jahre und seinem stän- dischen Amte länger als 20 Jahre in jegensreicher Thätigkeit angehörte. Auch ein Mitglied, welches erst in leßter Session eingetreten war, der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher und Vertreter der Stadt Potsdam, Parlasca, ist dem Land- tage durch den Tod entrissen worden. Der Landtag ehrte das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Sißen. An Stelle des Hrn. von Tettenborn ist der Graf von der Schulenburg - Trampe in den Landtag eingetreten ; für Hrn. Parlasca hat eine Wahl noch nicht stattgefunden, vielmehr ijt dessen Stellvertreter, Hr. Stadtrath Krüger, als Vertreter der Stadt Potsdam einberufen worden. Dur Krankheit sind am Besuche des Landtages verhindert : der Rittergutsbesißer Kiepert, Freiherr von Knobelsdorff, Rittergutsbesißer von Rathenow und Holzhändler Koller. Für dieselben sind deren Stellvertreter ein erufen, nämlich die Rittergutsbesiger von Hake auf Klein-Mahnow und Kelch - Bollensdorf, Landrath von dem Knesebeck auf Karwe und Fabrikant Hartmann-Shwedt a. O. Die Niederlausiß wird in Angelegenheiten der Land - Feuer- sozietät durch den Landrath Freiherrn von Manteuffel und den Landsyndikus Freiherrn von Buddenbrock ver- treten. Unvertreten sind das Hochstift zu Branden- burg, weil dessen beide Vectreter erkrankt sind, und die Kollektivstimme der adligen Majorate und Familien- Fideikommisse der Kurmark, weil eine ahl noch nit statt- gefunden hat. Nach Mittheilung dieser Personalien konstituirte der Herr Vorsißende den Landtag, indem er den Abgeordneten der Stadt Brandenburg, Hrn. Hammer, zum Protokollführer berief und drei Ausschüsse bildete, den ersten für die Angelegenheiten der Land - Feuersozietät, den zweiten für diejenigen der Kurmärkishen Hülfskasse und die bezüglihen Unterstügungsgesuhe, welhe auch in diesem Jahre in großer Zahl eingegangen sind und den dritten für das Kriegs\huldenwesen und die inneren Angelegenheiten des Landtages. Zum Vorsißenden des I. Aus- \hu}ses wurde der Landrath Freiherr von Manteuffel und zu dessen Stellvertreter der Rittmeister a. D. von Bredow-Buchow- Karpzow, zum Vorsitzenden des 11. Ausschusses der Geheime Regierungs-Rath und Landrath von Winterfeld- Menkin und zu dessen Stellvertreter der Hauptmann a. D. von Thümen auf Stangenhagen und zum Vorsißenden des III, Ausschusses der Rittmeister a. D. Graf von Bredow auf Burg Friesack und zu dessen Stellvertreter der Rittergutsbesiger von Burgsdor}f auf A nlenar ernannt. Diesen 5 Ausschüssen und dem ritter- schastlihen Konvente wurden die bisher eingegangenen 97-Sahen überwiesen, soweit sie niht, wie eine Anzahl Denkschreiben für Bewilligungen des 61, Kommunal-Land- ‘tages aus dem Dispositionsfonds der Kurmärkischen Hülfs- fasse durch Kenntnißnahme des Landtages zu erledigen waren.

Dex Präklusivtermin für den Eingang der in der gegen-

wärtigen Session noch zu erledigenden Sachen wurde auf den

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5 gbénjo der Königlich shwedishe General - Lieutenant Freiherr

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91. d. M. einsgließlich und die nächste Sizung des Landtages “it Rücksicht auf die Arbeiten der Ausshüse auf Montag,

“den -20. d. M., Mittags 12 Uhr, festgeseßt.

* Se. Durtlaucht der Prinz Albert zu Sachsen- Altenburg, General-Major und Commandeur der 3. Garde- Kavallerie-Brigade, ist von Dessau hierher zurückgekehrt.

Der General - Lieutenant von Gélieu, à la suite ‘des Garde-Schüyzen-Bataillons und Erster Kommandant von “Koblenz und Ehrenbreitstein, hat Berlin wieder verlassen,

‘vóônCederstroem, Jnspecteur der Königlich schwedischen Kaval- lerie, und der Königlich portugiesishe General L. de Souza gar General - Adjutant Sr. Majestät des Königs von

ortugal, welche Leßtere als besondere Vertreter ihrer Sou- veräne hierher abgesandt waren.

Sachsen. Dresden, 16. Januar. (Dr. Journ.) Die Erste Kammer erledigte in ihrer heutigen Sißzung die das Departement der Finanzen betreffenden Kapitel des ordentlichen S taat y as und bewilligte allent-

¿halben nach der Vorlage die geforderten Summen in Ueber- nstäimmung mit der Zweiten Kammer. Bei Kap. 74, Ver-

Fung der Staatsshulden, wünshte Graf Rex Be-

Jüng von etwa beim Staatsshuldbuch si heraus-

‘Pellesiden, das Publikum von der Benußung desselben abhal-

i Uebelständen, was von dem Regierungskommissar

¡geagt wurde. Vor Eintritt in die Tagesordnung war

eugewählte Vertreter der Universität Leipzig, Medizinal-

sor Dr. Birh-Hirschfeld, vom Präsidenten lihtet und eingewiesen worden.

ltnißzahl (geometrisches-

Baden. Karlsruhe; 16. Januar. (Karlsr. Btg.) Jn der gestrigen Sißzung der Ersten Kammer wurde der Geseßentwurf, betreffend das Recht der Ausübung der

isherei einstimmig angenommen. Eine Petition

es Comités der evangelishen Gesammtgeijtlichkeit des Großherzogthums, betreffend die Aufbesserung der Gehalte der evangelishen Pfarrwittwen und -Waisen,ch- wurde der Regierung zur wohlwollens den Berückfihtigung überwiesen. Auf Antrag des Präsidenten wurden alsdann der Gesezentwurf, be- treffend die Zuchtfarren, und der Entwurf eines Berggeseves der Kommission für Justiz und Verwaltung überwiesen.

Bei der heutigen Wiederaufnahme der Dec g engen der Zweiten Kammer widmete, nah einer Mittheilung des „W. T. B.“, der Präsident Lamey Jhrer Majestät der verstorbenen Kaiserin Augusta einen äußerst warmen, herzlihen Nachruf. Die Kammer beschloß, eine Beileids- adresse an Jhre Königlichen Hoheiten den Großherzog und die Großherzogin zu richten.

Sachsen - Meiningen. Meiningen, 15. Januar. (Magd. Ztg.) Bei Fortsesung der Etatsberathung be- willigte der Landtag als neue Position 5000 A4 für einen forsttechnischen Rath im Staats-Ministerium. Jn einigen anderen Titeln wurden die vom Finanzausshuß beantragten Absiriche beschlossen. Eine längere Erörterung veranlaßte eine Petition der Stadt Pößneck um einen jährlichen ade von 7500 A zur höheren Knabenschule;, der

inanzausshuß beantragte die Verwilligung von 2000 Á, während die Regierung \ich gegen jeden Zushuß er- klärte. Der Landtag entschied sih für den Ausschußantrag. Neu eingegangen ist eine andere Gehaltsscala für die Amts Ote. Nach derselben ist die niedrigste Besoldung eines solhen auf 2400, die höchste auf 4500 F angenommen; zwischen beiden fommen noch Stellen mit 2700, 3000, 3500, 3800, 4000 und 4200 /6 Auch einige neue Stellen werben beantragt, im Ganzen würden nach der Vorlage 8500 4 mehr einzustellen sein.

Sachsen-Coburg-Gotha. Coburg, 16. Januar. (Cob. Ztg.) Der Landtag des Herzogthums Coburg ist uf den 20. d. M. einberufen worden.

Oefterreih-Ungarn. Wien, 16. Januar. Jhre Kaiser- lihe und Königliche Hoheit die Kronprinzessin-Wittwe Erzherzogin Stephanie hat sih, wie die „Wien. Ztg.“ meldet, gestern Abend zu längerem Aufenthalt nah Gries bei Bozen begeben.

Jn der heutigen Sißung der Ausgleichskonferenz, die von 2 bis 51// Uhr Nachmittags dauerte, wurde dem „W. T. B.“ zufolge die Berathung der Justizangelegenheiten fortgesezt und beendet. Ebenso wurde das Geseß über den Gebrauch der Landessprachen bei den autonomen Behörden durchberathen.

Großbritannien und Jrland. London, 17. Januar. (W. T. B.) Se. Majestät der Kaiser Wilhelm hat in einem Telegramm an den Herzog von Cambridge anläßlich des Todes des Lord Napier of Magdala seine aae und aufrihtigste Theilnahme für Jhre Majestät die Königin und die ganze britishe Armee ausgedrückt. Jn Lord Napier habe die englishe Armee einen ihrer tüchtigsten Generale und tapfersten Soldaten verloren ; Sein Großvater und Sein Vater hätten die persön- lihen und militärischen Eigenschaften desselben hochgeschäßt. Se. Majestät der Kaiser unterzeihnet sih in dem Telegramm als „Admiral of the Fleet“, Der Herzog von Cam- bridge hat Sr. Majestät dem Kaiser für diesen Ausdru der Theilnahme telegraphish seinen herzlichen Dank über-

mittelt.

Frankreih. Paris, 16. Januar. (Fr. C.) Jn der leßten Sizung des Ministerraths unterbreitete der Kriegs- Minister de Freycinet einen Gesegentwurf, betreffend eine Aenderung des Geseyes vom 20. März 1880 über den Generalstabsdiensst. Der Entwurf enthält nach: stehende Einzelheiten: An der bisherigen Art der Ein- berufung zu der höheren Kriegsshule wird “nichts ge- ändert, aber nur diejenigen Offiziere sollen in Zukunst dem Generalstabe zugetheilt werden, welche die Kriegsschule mit sehr gutem oder gutem Erfolge absolvirt haben. Be- züglich der höheren Offiziere will man zu dem früheren ge- \hlossenen Korps zurüdlkehren, d. h. die höheren Offiziere des Generalstabs sollen demselben ständig angehören und nur als Obersten für zwei Jahre zur Truppe kommen.

um Präsidenien des Senats wurde heute, wie „W. T. B.“ meldet, Le Royer mit 174 von 186 Stimmen wiedergewählt. Ebenso wurden die bisherigen Vize-Präsidenten wiedergewählt. Jn der Deputirtenkammer erfolgte die Wiederwahl der bisherigen Vize-Präsidenten, Quäjtoren und Schriftführer. : : ;

Der Kaiser Dom Pedro ist heute in Cannes ein- getroffen.

Ftalien. Rom, 16. Fanuar. Prinz Amadeus, Herzog von Aosta, ist, wie „W. T. B.“ meldet, an der Influenza erkrankt und genöthigt, das Bett zu hüten.

Die heute veröffentlichte Encyklika des Papstes „über die vornehmsten Pflichten der Katholiken als Bürger“ beginnt nah der Ueberseyung der „Köln. V.-Ztg.“ mit den Worten:

„Rüdlkehr zu den Satzungen des Christenthums und Umgestaltung der Lbensweise, Sitten und Einrichtungen der Völker nach seinen heiligen Vorschriften thut Noth; und tägli macht sich diese Noth- wendigkeit immer gebieterischer geltend. Mehr und mehr har man \ich vom Christenthum entfernt, und um so gewaltiger {woll die Hochfluth der Uebel, die uns bedrängt, fo zwar, daß alle Wohl- gesinnten nur mit Bangen der Gegenwart denken und mit Zittern in die Zukunft schauen. Zwar hat unsere Zeit niht geringe Fortschritte auf dem Gebiete der materiellen und sinnfälligen Güter gemacht; aber Sinnfälliges, physishe Macht und irdischer Reichthum vermögen, wenn sie auch wobl das Leben hienieden bequem und angenehm gestalten, doch des Merschen Geist, der nah höberen und herrlicheren Gütern ver- langt, feineswegs zu sättigen. Auf Gott muß unser Auge gerichtet sein, auf Ihn all’ unser Trachten: das is unser oberstes Gese und der Zweck unseres Daseins, . . . Dies gilt von den einzelnen Menschen; dies gilt aber aub von der menshlihen Gesellschast, von der Familie und niht weniger au vom Staate . .. Nun if es aber offenkundig, daß die höheren Geiste8güter, von denen Wir gea und -. die ohne die Pflege der Religion und stetige Beobachtung der christlihen Gebote nit er- worben werden können, von Tag zu Tag der Mißachtung und Gering-

—_

\chäâgßung der Menschen mehr anheimfallen, und das in dem Maße, daß, je größer der Fortschritt auf den Gebieten des materiellen Lebens ift, um fo größer auch der Rückgang und Verfall auf dem Gebiete jener höheren Güter zu sein scheint. Einen ganz besonders kennzeihnenden Beweis bierfür erblicken Wir in den mannigfachen Unbilden und Schmähungen, mit welchen gerade in unsern Tagen häufig ganz öffent- lich und ofenkundig Alles übershüttet wird, was katholis ist, Unbilden uxd Schmähungen, wie sie fröhere, vom Geiste der chriftlihen Religion durchwehte Zeiten nicht kannten und auch niht geduldet haben würden. Das Scelenheil gar Vieler stehe hierdurch i1 äußerster Gefahr, aber au die Staaten und Reiche seien dadur bedroht und könnten dabei nicht unversehrt bleiben ; „denn wo die Sitten und Einrichtungen niht mehr christlich sind, da wanken alle Grundlagen jegliher menschlichen Ordnung.“ Es fei also Pflicht der Kirche, und die Zeit- verhältnisse selbst forderten es auf das Entschiedenste, die Heilmittel zu suden, wo sie sind. Als solhe werden bezeihuet: „An shauungen, wie sie den Lehren des Christenthums entsprechen. und ein Leben, wie es den Vorschriften des Christenthums entspricht, für die Einzelnen und für die Gesammtheit.“ Das allein könne \Güten gegen die Gefahren, welche bevorstehen. Die Kirche aber dürfe nichts unges&ebhen und nichts unversuht lassen, was ge- eignet sei, jene chrisilihe Gesinnung im Denken und Handeln der Völker wiederherzustellen Es unterliege keinem Zweifel, daß den Be- kennern des katholischen Glaubens zahlreichere und gewichtigere Pflichten hinsichtlich des praktischen Lebens oblägen, als denen, welche das hohe Gut dieses Glaubens gar nicht oder nur theilweise besißen. Ganz gewiß dürfe weder im Kriege noch im Frieden ein überzeugungstreuer Christ an Vaterlandsliebe von Jemandem sich übertreffen lassen, aber troßdem müsse er bereit sein, eher Alles, eher den Tod zu erdulden, als die heilige Sache Gottes und seiner Kirche zu verrathen „Wohl“, heißt es wciter, „sind also auch die Ma$t und das Anseben der irdischen Obrigkeit den Christen verehrungêwürdig; wohl erblicken sie in ihnen, selbst wenn ihre Träger derselben weniger würdig sein sollten, einen gewissen Abglanz der göttlichen Macht und Majestät; wohl liegt es giraze ihnen am Herzen, die Gesehe zu chren und zu befolgen, nicht etwa bloß aus Furt vor Strafe, sondern um des Gewissens willen; „denn nicht den Geist der Furcht hat Gott in unser Herz gelegt: allein wann die Stuaatsgesetßze offenbax vom gôtt- lichen Geiste abweien, wann sie den Gesetzen der christlichen Religicn und der Kirche widersprehen, wann sie die Autocität Jesu Christi selbst in Seinem cbersten Stellvertreter und Hobenpriester verleßen, dann is es Vurect, ihnen zu geboren, Pflicht, ihnen zu wider- stehen, und das nit bloß im Interesse der Kirche, sondern auch im eigensten Interesse des Staates selbt, zu dessen Verderben j&æ Alles gereihen muß, was geschieht zum Nachtheile der Religion.“ Die Gegner Gottes suchten die Mat an si zu reißen, um ihren Prinzipien zum Siege zu rerhelfen; in vielen Ländern grcife man den Katbolizismus an. Die Katholiken müßten darum vor Allem einig sein und si ni&t nur den Dogmen, sondern au der Disziplin der Kirche unterwerfen. Dem Papst stehe das unumshränkte Recht über die Dogmen und die Moral, sowie über die nothwendigen Heilmittel zu Die Kirhe umfafse verschiedene Nationen, welche unter ganz verschiedenen Regierungen lebten; da - sei es nothwendig, daß die Rechte und die Pflichten gegen die Kirche abgegrenzt würden und daß jeder Staat dieselben re\pektire. Diejenigen, welhe die Kirche in den Streit der Parteien hineinziehen wollen, mißbrauchen die Religion. Der Papst bespriht sodann die Einigkeit unter den Katboliken und führt aus, daß die Streitigkeiten und die inneren Zerwürfnisse ein Uebergewicht der Gegner herbei- geführt hätten; ihnen gegenüber müsse man weder furdtsam noh verwegen sein. Die Furchtsamen würden eine zu große Nach- giebigkeit ausüben, die Verwegéenen dagegen leiht eine Rolle ein- ehmen, zu welcher sie niht berehtigt seien; sie würden die An- gelegenheiten der Kirhe nah ihrem eigenen Willen und nah ihren eigenen Ideen leiten wollen und seien nur {wer dazu zu bewegen, das, was ihren Ideen niht entspre&e, aufzunehmen. Die Encyklika schließt mit einem Aufruf des Papstes an die Katholiken aller Nationen, die Gesellshaft zu erhalten durch die Uebung christ- liher Tugend am häuslichen Herde. ¿ / : Der „Osservatore Romano“ erklärt die Blät:er- meldung von Schritten, die der Vatikan gethan haben solle, damit die hiedsrihterlice Entscheidung in dem english-portugiesishen Streite dem Papste übertragen werde, für erfunden, und augenscheinlih nur bezweckend, dann weiter behaupten zu können, daß der Vatikan

einen Mißerfolg erlitten habe.

Spanien. Madrid, 16. Januar. (W. T. B.) Nach E Meldung is der König in der Genesung be- griffen. :

17. Januar. (W. T. B.) Die Königin hatte gestern eine Konferenz mit Jovellar und Martinez Campos, welhe ihr den Rath ertheilten, Sagasta mit der Rekon- stituirung des Kabinets zu beauftragen. Die Königin wird

heute eine Unterredung mit den ehemaligen Kammer-Prä- sidenten Martos und Toreno haben.

Belgien. Brüssel, 16. Januar. (W. T. B.) Jn der Deputirtenkammer brachte der Finanz-Minister Beernaert heute einen Geseßentwurf. ein über die Gr- rihtung einer anläßlich der bevorstehenden 25jährigen Regierungs - Jubelfeier des Königs zu stiftenden vülfstasie für die Opfer resp. Jnvaliden der Arbeit. Für die gedachte Hülfskasse ist eine Summe von 2 Millionen Francs als Grundstock bestimmt.

Schweden und Norwegen. (F.) Stockholm, 14. Ja- nuar. Nah dem Bericht des Staatscomtoirs haben die Staatseinnahmen im vergangenen Jahre betragen: Zölle 42 475 529 Kronen gegen 37 722 663 Kr., Branntweinsteuer 14 334 897 Kr. gegen 14171 487 Kr., Staatseisenbahr en (Ueberschüsse) 6 500 Kr. gegen 6 800 000 Kr. oder zu- sammen 63 310 426 Kr. gegen 58 694 150 Kr. im Jahre 1888. Die Einnahmen aus diesen drei Titeln waren von dem Reichs- tage für das Jahr 1889 zu 57 000 000 Kr. und für das Jahr 1888 zu 48 000 000 Kr. veranschlagt worden.

16. Januar. (W. T. B.) Morgen findet die Eröffnun g des Reichstages statt. Der König wird zum Präsidenten der Ersten Kammer den Grafen Lagerbjelke und zum Vize- Präsidenten den früheren Staatsrath von Ehrenheim, an Präsidenten der Zweiten Kammer den Kaufmann lof Wijk und zum Vize-Präsidenten den Hofbesiger Liß Olof Larsson ernennen.

Amerika. Vereinigte Staaten. Washington- 15. Januar. (A. C) Wi er heutigen Sißung des Senats reserirte Sherman als Vertreter des Ausschusses für die aus- wärtigen Angelegenheiten über eine übereinstimmende Resolution beider Häuser des Kongresses zu Gunsten eines Schieds- gerihtes Behufs Beilegung der Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Nationen, welche mt durch diplomatische Mittel geshlihtet werden können. Die Resolution wurde ad acta gelegt. Der Senat zog auch den mit Rußland geschlossenen Auslieferungsvertrag in Er- wägung und sandte ihn S an den Ausschuß für die auêswärtigea Angelegenheiten zurüd. -

Afrika. Egypten. Kairo, 17. Januar. (W. T. B.) Der Khedive gab gestern Abend zu Ehren Stanley's ein Diner, zu welhem nur die Minister und eingeborene

Beamte geladen waren. Nah Meldungen aus dem Sudan soll dort in Folge der Dürre des vergangenen Herbstes eine große Hungersnoth herrschen und die Sterblichkeit eine ehr bedeutende sein. Alle Ansammlungen von Krie- gern haben \ih in Folge dessen zerstreut. Laut hier ein- gegangenen Briefen von Slatin Bey entbehren die Gerüchte über den Tod des Khalifen aller Begründung.

Parlamentarische Nachrichten.

der heutigen (45.) Sißung des Reichstages, welcher die Staatssekretäre Dr. von Boetticher, Dr. n Stephan u von Dehlschläger sowie andere Bevollmächtigte zum Bundes- rath nebst Kommissarien beiwohnten, stand an erster Stelle auf der Tagesordnung die erste Berathung des Geseß- entwurfs, betreffend eine Postdampfschiffsverbin- dung mit Ost- Afrika.

Abg. Dr. Bamberger meinte, daß die gegenwärtige Periode der Verhandlungen niht mehr dazu angethan sei, diese Vorlage zu erledigen. Jm Jahre 1885 habe der Reichs- tag eine ähnlihe Subventionsforderung für Ost- Afrika mit großer Mehrheit abgelehnt. Man scheine die Vor- lage jeßt nur deshalb eingebracht zu haben, weil man fürhte, der fünftige Reichstag werde sie gewiß nicht bewilligen. Die Erfahrungen mit der Samoalinie hätten von der Forderung einer ostafrikanischen Linie abhalten sollen ; die Linie nach Korea habe man vernünftiger Weise erst gar nicht in Gang gebraht. Die Gründe für die Einstellung ostafrikanisher Schiffe seien dabei ganz dieselben, die man für Samoa und Korea vorgebracht habe. Die S a Meinung habe sich in keiner Weise für die ostafrikgnishe Linie ereifert; nur ein Meeting der deutschen Kolonialgesellshaft habe stattgefunden. (Schluß des Blattes.)

(Der Schlußbericht über die gesirige Sizung des Reihs-

tages, der Bericht über die gestrige Sißung des Herren-

hauses sowie der Schlußbericht über die gestrige Sißung des

Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten bzw. Zweiten Beilage.)

Zeitungsstimmen.

Ueber den dem Hause der Abgeordneten vorgelegten

Staatshaushalts-Etat für 1890/91 und über die gestrige Rede des Finanz-Ministers schreiben die „Berliner Politishen Nachrichten“: __ „Das Bild eines gewaltigen, in gedeihliher Entwickelung befind- lihen Finanzwesens ist es, welches die Etatsrede des Finanz-Ministers von Swolz entrollt. In ersterer Hinsicht ift bervorzuheben, daß der preußise Staatshaushalt für 1890/91 troß der geringen außerordent- lihen Einnahmen aus dem Uebers{busse von 1888/89 von etwas über 4,8 Millionen Mark den Gesammtbetrag von 1591 Millionen Mark erreiht. Die Bedeutung dieser Summe wird klar, wenn man erwägt, daß der höchste bisher in Aussicht stehende Uebers{uß desjenigen des 2 v Jahres mit 80 Millionen Mark, nur 5 9/0 der Etatssumme eträgt.

Die f\teigende Prosperität erhellt aus der Vergleichung der materiellen Jabresabshlüse der leßten fünfjährigen Periode: 1885/86 noch ein Defizit von 12 Millionen Mark, von da ab troy erheblicher Vermehrung der dauernden Ausgaben von 16 auf 50, 68 und 80 Millionen Mark steigende Ueberschüfse.

Unter den Faktoren, welhen dieses Ergebniß zu danken it, liegen zwei wesentlide außerhalb des Rahmens der preußischen r Vigo S die Vermehrung der eigenen Einnahmen des Reichs und die allgemeine Hebung des Wohlstandes und des Verkehrs. Beide hängen aber doch schr wesentlich mit der unter Preußens entscheidender Mitwirkung vorgeschlagenen und in Angriff genommenen Reis-Steuer- und Zollpolitik zusammen. Was die in dieser Periode im Reiche neubewilligten Steuern anlangt, \o ift ihre Wirkung auf die preußishen Abs{lü}se überdies insofern sehr wesentlih, als nicht weniger als 40 Millionen Mark auf Rebnung derselben zu dauernden Mehrautgaben, darunter 30 Millionen zur Erleichterung der Schullaften, disponirt sind, während die höheren Veberweisungen aus den Zöllen dur die lex Huene, auf Grund deren für das laufende Jahr den Kreisen 33 Millionen Mark in Aussicht stehen, für die Staatsfinanzen so ziemli neutralisirt werden.

Der preußischen Finanzverwaltung aber gebührt allein das Verdienst, durch die in naher Frist dem Akts{luß rahe Umwandlung von rund 14 Méílliarden Eisenbahn: Prioritäten in Konsols eine Ver- minderung des Bedarfs zur Verzinsung der Staatéshuld um jährlich beinahe 16 Millionen Mark herbeigeführt zu haben. Der Umstand, daß diese schr umfangreiche, au für die Uebersichtlihkeit der Finanz- verwaltung sehr werthvolle Operation sich ohne jede Störung des Geld- marktes und des Staatéfredits, sowie ohne jede Verwickelung vollziehen konnte, legt beredtes Zeugniß ab sowohl für das feste Vertrauen, dessen der preußishe Staat und sein Kredit genießt, als für die GeschiKlichkeit und Sachkunde seiner Finanzverwaltung. Noch nach einer anderen Richtung hat diese damit sehr er- hebl ih zur Erreichung des günstigen finanziellen Resultats mitgewirkt, nämli dadur, daß sie selbst bei reihen Einnahmen und Ueber- \chüfssen streng an der Regel der Sparsamkeit bei der Etats- Aufstellung im Einzelnen festgehalten hat. Auf diese Weise is es gelungen, die vorhandenen Mittel niht zu zersplittern, sondern sie zu größeren, im Interesse des Staats dienlihen Maßnahmen zusammenzuhbalten. Dem strengen Festhalten an dem Grundsaye strenger Sparsamkeit ist es zu danken, daß etwa 30 Millionen für die Erleichterung von Scullasten Verwendung finden können; ihm ist auch zu danken, daß der Etat von 1889/90 eine Reserve von 18 Millionen Mark und somit die Möglichkeit bietet, ohne Störung des Gleihgewihts im Staats- e N zu einer weitumfassenden Erhöhung der Beamtengehälter zu

reiten. *

Jn einem Artikel der „National- Zeitung“ über den- selben Gegenstand heißt es:

„Die Prüfung der Vorschläge zur Ausgabensteigerung im Ein- zelnen bleibt vorbehalten. Daß ein otat, welher nah den großen, dauernden Mebraufwendungen der leßten Jahre noch diese weiteren Vorschläge gestattet, kein ungünstiger ift, wird unbestreitbar sein. Hr. von Scholz hat auch dur Hervorhebung seiner Ueberzeugung, daß die indirekten Reichseinnahmen fernere Steigerungen der Erträge boffen lassen, bestätigt, was wir zur Thronrede in dem Sinne bemerkten, daß den zur Vorsiht mahnenden Momenten doch auch solche gegenüber- stehen, welche eine weitere günstige Gestaltung des preußischen Etats erwarten lassen. Aber wenn wir hieran festhalten, wollen wir doch keineswegs die Mahnung zur Vorsicht bestreiten, welche der Herr Minister in gewissen Umständen findet: es ist unleugbar, daß die stark gestiegenen Einnahmen aus den Eisenbahnen, den Stempelabgaben, den Forsten 2c. sich sehr beträchtlich vermindern könnten, sobald der jeßige Aufschwung der wirth\chaftlichen Thätigkeit wieder nacließe, und die Uebernahme erheblicher bleibender Mehrausgaben auf den Etat, resp. der Verzicht auf Einnahmen könnte \sich dann bedenklich rächen.“

Zu der Thronrede bemerkt die „Kölnische Zeitung“:

"Die von dem Vize-Präsidenten des Staats- inisteriums bei Eröffnung des Landtages verlesene Thronrede hat die Vorherverkün-

digungen über eine ziemlich inhaltlose Sißung als irrig erwiesen. Abgesehen von dem thüringischen Zoll- und Handelsvertrage und einem Gesetz über die Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit wird auch ein Gefeß zur Einführung der Rentengüter und zur Durchführung der Steuerreform die Thätigkeit der Abgeordneten in Anspru nehmen. So erfreuli, wie die Mittheilung über die guten auswärtigen Beziehungen ist, so erfreulich ist auch die Absicht, Verbesserungen der Beamtengehälter, namentli in den unteren und mittleren Stufen, im nächsten Etat zur Dur(h- führung zu bringen. Besonders ist es aber mit Genugthuung zu begrüßen, daß die Bebauptung als unrichtig sih kerausgestelt hat, man werde diese Session wiederum vorübergehen lassen, ohne die Reform der direkten Steuern zu fördern. Zwar wird in der Thron- rede nur gesagt, eine Vorlage über diesen Gegenstand sei in Vor- bereitung, aber nach den im Vorjahre gegebenen Zusagen ist zu erwarten, daß diese Verbereitung möglichst rasch abgeschloffen wird. Ueber die Einzelheiten des Geseßes läßt fich nickt eher reden, als bis dasfelbe vorliegt; richtig ist indessen, daß sowobl die Ueberweisung der Realsteuern an die Kommunalverbände als auch die Reform der Einkommensteuern dringlich is. . . Die Eröffnung des Landtages wurde auch mit Recht dazu benußt, um der Arbeiter- bewegung gegenüber den bisher innegehaltenen durhaus richtigen Standpunkt noch cinmal zu betonen, nämli möglichste Fürsorge für die Arbeiter, aber au unbedingte Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung. Man kann erwarten, daß die legten Worte der Thronrede si bewahrheiten und im vertrauensvollen Zusammen- wirken zwishen Landtag und Regierung wichtige, inhaltreihe Maß- regeln ergriffen werden.“

_ Bezüglich des Passus der Thronrede betreffs der Renten - güter heißt es im „Hannoverschen Courier“:

„Als ein sehr großer Segen für unsere landwirtbschastlihe Arbeiterbevölkerung wird \sich die Einführung des Rechtéinstituts der Rentengüter sicherlich bewähren; die Erfahrungen, die mit dieser Cinribtung în dem Geltungsbereich des Ansiedlunzs- gescßes für Poscn und Westpreußen gemacht worden sind, be- rechtigen zu den besten Hoffnungen; ganz im Gegensaß zu den freisinnigen Uezbertreibungen, welche in der Einführung des íInstituts der Rentengüter den Beginn einer neuen Art Hörigkeit sehen, erwarten wir von dem in Aussicht gestellten Gesetzentwur”e, dessen Ankündigung hon i:n Weißen Saale mit Beifall aufgenom- men wurde, nit bloß eine Beseitigung des jeßt namentlich im Osten viel beklagten Ai beitermangels, der Sawsengängerei und eine größere Seßhaftigkeit unserer läadlihen Bevölkerung, sondern auch eine er- beblihe Besserung der Lage der landwirthschaftlihen Arbeiter und eine Kräftigung unseres Bauernstandes.“

P “andi die Thronrede äußert si die Londoner „Morning o :

„Die gegenwärtige Thronrede“, bemerkt das konservative eng- lis@e Organ, „ist voller innerer Pläne, welche das direkte Ergebniß jenes Prinzips konstitutioneller und auch in großem Maßstabe persön- lier Monarchie sind, Kraft welher das Königreich Preußen jeine gegenwärtige Lage einziger Stärke in der inneren Konjolidirung erlangt hat. Die Maßregeln, welche darin angedeutet sind, find keines- wegs dazu angethan, den Exponenten der unverfälschten Demokrcatie, welche in Frankreich hergestellt worden ist und die in gewissen Kreisen für England g:-wünsht wird, zu gefallen, Gleichwohl ist der Fort- \chritt in Preußen keineswegs im Stocken. Preußen als eine Nation Iôft seine inneren Probleme langsam und faft schweigend. Dieselben mögen auf die Länge sih eher mehr als weniger heilsam und dauernd erweisen, weil sie nach. etner den nationalen Verhältnissen angepaßten Methode herbeigeführt worden sind.

Die „Conservative Correspondenz“ stellt den Kampf gegen die sozialdemokratische Umsturz- partei als eine Hauptaufgabe der bevorstehenden Wahl- bewegung hin :

uer au nur ein Haus von wenigen Metern im Geviert oder eine kleine S{olle Land sein eigen nenrt und als freier, selbständiger Mann zu eigen behalten will, wer immer si dur Fleiß und Talent zum Herrn eines selbständigen Betriebes durchgearbeitet hat oder si müht und si Entbehrungen auferlegt, damit er den Seinigen nach seinem Tode eine Summe zu eigenem Besi hinterlafsen kann, die ihnen eine sougenfreie Existenz sichert, sollte fühlen, daß dieser Kampf ihn wie kein zweiter angeht und auf welcher Seite er natur- gemäß als Partei steht, Speziell unser ganzes im Erwerbsleben thäâtiges Bürgerthum weiß allmählih aus zahllosen Erfahrungen der jüngsten Zeit zur Genüge, daß unfer von der Sozialdemokratie ge- gängelter Arbeiterstand nicht nah einer vernünftigen Gleichberechti- gung, sondern nah der Herrschaft strebt, nah einer das Gewicht und die O des Arbeitgebers völlig auslöschenden Herr- schaft in den Werkstätten und Fabriken, nah der Herrschaft in unserm ganzen öffentlichen Leben. Dieses Bürgerthum, gleichviel, zu welcher Partei es sich bisher gehalten hat, sollte also auch fühlen, daß, wer mitten in einem Streit von so grimmigem Ecnst und von so tief greifender Bedeutung, an dzm Vorabend eines Entscheidungskampfes, bei dem es si um die Frage der Erhaltung der Grundlagen feines ganzen wirtbhscaftlichen Wesens handelt, sein überwiegendes oder aus- \chließlihes Interesse für einen mäßigen Preisaufschlag des Schweine- fleishes in Anspruch nehmen will oder ihm etwas von angebli bedrohten Wahlrehten, die Niemand antastet, vordeklamirt, im ünstigsten Falle Narrenspofsen treibt. Wenn Burschen mit brennenden Fadeln rings ein Haus umstehen, das fie in Brand seßen wollen,

würde der ehe für nit seines Verstandes mächtig gelten, wenn

er niht alle seine Gedanken auf die Abwendung der dringenden Gefahr richten und sich in eben diesem Augenblick um den Bau einer Treppe oder den Preis cines Hausgeräths streiten wollte, Dieses thöôörihte Verhalten aker ift genau das, zu welchem der Freisinn seine Anhänger bereden will. Im gegenwärtigen Augenblick können alle Anhänger der bestehenden Staats- und Eigenthumsordnung, soweit sie Anspruch auf ein vernanftgemäßes Handeln erheben, nur eine Aufgabe kennen: die Aufric{tung fester Shußdämme gegen die heranfluthende Sozialrevolution. Wer den Blick des Wählers auf andere ipragen hinlenken und ihnen eine überragende Bedeutung beilegen will, wer zwischen denen, welche jene Aufgabe fest ins Auge fassen, den Hader s{ürt, kann, er gehöre einer Partei an, welcher er wolle, nur eins von beiden sein: ein beschränkter Politiker mit stumpfem Blick für die Scala der Bedürfnisse jeder Periode oder ein armseliger Patciot.*

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Der „Schles. Ztg.* wird berichtet, daß fast auf allen ober- \chlesishen Gruben eine Lohnaufbesserung der Arbeiter stattgefunden babe; die- Einführung der achtstündigen Schicht sei dagegen niht überall mögli. So ist die gräflich Hugo Hendel’ sche Verwaltung nicht in der Lage, auf der Steinkohlengrube „Radzionkau“ sofort die verkürzte Arbeits\hicht einzuführen, weil sie noch auf 24 Jahre hinaus kontraktlich verpflihtet ist, ein bestimmtes Kohlenquantum für einen Hauptabnehmer zu liefern. Die abge- \clossene Kohlenmenge würde man bei der verkürzten Schicht nicht fördecn können. Dagegen gewährt diese Gewerkschaft ihren Arbeitern andere, recht ansehnlihe Vergünstigungen. Die den Bergleuten für den eigenen Bedarf peruelene Freikohle ist um ein Bedeutendes erhöot worden; Speisekartosfeln: werden für die Hälfte des Preises an die eigenen Arbeiter abgelassen; diefen ist zugle1ch Ge- legenheit geboten, für einen sehr niedrigen Drei herrshaftlihen Aer zu pachten. Auch in anderer Beziehung ist die Verwaltung bemüht, den Wünsen ihrer Arbeiter zu entsyrehen.

In einer Correspondenz der „Madbg. Ztg.“ aus dem ober- \chGlesishen Bergwer ksörevier wird nah einem in Sélesischen Blättern in gleihem Wortlaut veröffentlihten Artikel auf den

\{limmen Einfluß, den der Zwishenhandel auf die Höhe des Arbeitslohnes hat hingewiesen. Die großen Bergwerks- besizger hätten dennoH auf längere Zeit (angeblich auf drei bis vier Jahre ihre gesammte FJahresproduktion an Zwischenhändler in „General-Entreprise“ verkauft, und zwar zu den vor der Ausstandszeit üblichen billigen Kohlenpreifen. Die ganze Steigerung der Kohlenpreise während und nah dem Ausstznd sei demnach aus\{ließlich den Zwischenhändlern zu Gute gekommen, die Millionen verdient baben sollen. Diefen Zwischenhändlern gegenüber seien die Grubenbesißer wie die Bergleute, die Arbeitgeber wie die Arbeitnehmer in Oberschlesien übel dran.

In Hamburg ist ein Strike der Heizer und Trimmer der im Hafen liegenden Hamburger Dampfer ausgebrohen. Die Veranlassung gab, einer Meldung des „Wolff'sben Bureaus" zufolge, die beabsichtigte Herabseßung der Heuer von 85 auf 75 M Elberfeld haben wie dem „Dtsh_Tgbl.“ berichtet wird, einige 50Böttergesellen einer dortigen Fabrik dieArbeiteingestellt, weil jene Fabrik für einen Faßfabrikanten in Kassel, der von den Böttchergesellen nach Ausbruch des allgemeinen Ausstantes in Acht und Bann gethan war, Lieferungen gemacht haben sell. Unter den Sattlern der Artillericweikstatt in Spandau ist nah dem „Anz. f._d. Habvell,* ein Avéstand ausgebrohen; niht ausreihende Be- \chäftigung und zu geringer Lobn werden als Ursachen ang-geben.

Aus Brüssel meldet ,W. T. B.*, daß in der Umgegend von Charleroi der Strike neuerdings wieder in mebreren Kohlen- gruben ausgebrochen fei. i j

Der „Magdeb. Ztg.* wird aus Brüfsel beridbtet, in dortigen sozialistischen Kreisen _verlaute, ‘baß der internationale Berg- manns-Kongrèéß im Juni in- der hennegauishen Industriestadt JFolimont tagen werde. An demselben werden die Vertreter der deutsben, französischen, belgischen, englischen und österreihi' hen Berg- leute Theil nehmen. Als Vorsitzender fei der Reichêtags-Abgeordnete Bebel in Aussicht genommen.

Kunft und Wissenschaft.

Emin Pascha hat, „W. T. B," zufolge, der philosophischen Fakultät der Universität Königsberg telegraphish seinen Dan für seine Ernennung zum Ehren-Doktor ausgesprochen.

Handel und Gewerbe.

Nach einer Bekanntmachung des Königlich schwedischen Kommerz-Kollegiums vom 3. d. M. darf die Einfuhr seewärts von Hornvieh, Schafen, Ziegen und anderen Wiederkäuern sowie von Thieren des Pferdegeschlechts über Ne Städte stattfinden: Helsingborg, Hernösand, Kongelf, Landskrone, Luleà, Malmö, Stockholm und Sundsvall.

Die Zeichnung auf die Loofe zur ersten Klasse der Lotterie zur Beschaffung der Mittel für die Nieder- legung der Schloßfreiheit ist, wie ,W. T. B.* meldet, an sämmtlichen Berliner Subscriptionsstellen beute ge\{lo ss en worden. Von den in der Provinz etablirten Zeichenstellen sind na den bis jeßt vorliegenden Natrichten die Stellen in Frankfurt a. M, Königs- berg i. Pr. und Stettin gleihfals ges{loffen. :

Die von der Generalversammlung der Aachen-Höngener Bergwerks-Aktiengesellshaft gewählte Kommission bietet der Vereinigungs-Gesellschaft für Steinkohlenbau im Wurmrevier die Höngener Gruben zu 40% in Wurmrevier-Aktien mit Dividendenberechtigung vom 1. Juli d. J. und 109% in Baar an. Ueber die Annahme des Verkaufzanerbietens wird der General- rath der Vereinigungs-Gefell|chaft“ am 21. d. En!scheidung treffen.

Die nächste Börsen-Versammlung zu Essen findet am 20. Januar im „Berliner Hof“ statt.

Aus Madrid meldet „W. T. B“, daß sich immer mehr Mangel an Gold zeige.

London, 16. Januar. (W. T. B,) An der Küste 2 Weizen- ladungen angeboten.

_ Bradford, 16. Januar. (W. T. B.) Wolle ruhig, williger, Lustre 1 d. unter hôchstem Preis, Garne ruhig, für Stoffe ziem- liher Begehr.

Verkehrs - Anftalten.

Hamburg, 16. Januar. (W. T. B,) Der Postdampfer „Hungaria* der Hamburg- Amerikanischen Padetfahrt- Aktiengesell\schaft hat, von New-York kommend, heute Mittag Lizard passirt.

London, 16. Januar. (W. T. B.) Der Castle-Dampfer „Grantully Castle“ ist gestern auf der Heimreise von Capetown abgegangen, der Castle-Dampfer eHawarden Caftle* hat beute auf der Heimreise Madeira passirt, der Castle-Damvfer „Pembroke Castle“ hat gestern auf der Ausreise die Canarischen Inseln passirt, der Castle-Dampfer , Warwick Castle“ ist gestern auf dcr Heimreise in London an- gekommen. :

17. Januar. (W. T, B) Der Union-Dampfer „Spartan“ ist gestern auf der Ausreise în Capetown ange- kommen.

Theater und Mufik.

Lessing-Tyeater. ;

„Die Geigenfee*", ein dreiaktiges Lustspiel von Hans Olden und Paul” von Swönthan, gelangt als näbste Novität am Mittwoch, den 32. d. M,, zur ersten Aufführung, Die Insceneseßung des Stückes wird von Hrn. Direktor Anton Anno geleitet.

Wallner-Theater. i:

Uebermorgen findet die leßte Sonntags - Aufführung des von Moser’ sen Lustspiels „Ultimo“ statt, dessen bisherige Vorstellungen h sehr zahlreihen Besuches und beifälligster Aufnahme erfreuten.

Friedrih-Wilhelmstädtishes Theater.

Carl Millöcker's neue Operette „Der arme Jonathan“, wel@e in Wien vor Kurzem mit bestem Erfolge aufgeführt worden ist, ging gestern in unserm Friedrih:-Wilhelmstädtishen Theater zum ersten Mal in Scene und fand hier eine ebenso freundlibe Aufnahme, zu welber fast gleihmäßig die gefällige Musik, das ansprechende Libretto und die beifalléwürdige Darstellung beitrugen. Dex Inhalt , des Textbuchs, welches von Hugo Wittmann und JuliusBauer herrührt, ist unterbaltend, ohne zu Uebertreibungen zu greifen, Und ads etwas Seltenes bei Operetten sogar einen lichen

ern ein. h

genuß übersättigt, seinem inbaltlosen Dasein ein Ende machen; im entsheitenden Moment trift er auf einen andern Mann, den „armen Jonathan*, welcher seiner Armuth wegen denselben Schritt thun will. Da entsteht in Vandergold der Gedanke, es einmal als armer Mann auf dieser Erde zu versuhen; er schenkt seine Reich- thümer dem armen Jonathan und wird ein lebenélustiger, fröblicher Gesell, als er den Segen der Arbett kennen lernt. Das Libretto erhebt sih über den gebräublihen Dperettenunsinn sowohl in der scenishen Anlage, wie in der Form des Dialogs ; gesuchte Wort spiele, wie sie sonst oft in aufdringliher Weise den Textbüchern eigen, sind hier vermieden; dabei ist die Sprache zumeist vornehm und die Verse sind glatt und gefällig. Millöcker's Musik, die sih in- den gee wohnten Bahnen bewegt, aber doch einige rhythmish A orestral originelle Nummern aufweist, rief wiederholt f miscen Beifall hervor; besonders weisen das Lied des arven. J nathan und das Lied der Harriet „Willst Du, mein Lieb? wieder auf die reihe Erfindungsgabe des Komponisten hin ünd= freuen dur die glatte und leihtflüssige Melodik ebensosehr wie

die feinsinnige orcestrale Begleitung; ferner dürfen das uet Horch die Hauskapelle spielt*, weles von Frl. Stubel und#Hrn. Hanno musterhaft vorgetragen wurde, das „Impresariolied“ des

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Ein reiher Amerikaner Yandergold will, vom bloßen Lebens- |