1890 / 33 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Für das Museum deutscher Volkstrachten sind bei dem Scaymeister des Comités, General-Konsul Schönlank, in den leßten Tagen wieder einige namhafte Geldges enke eingegangen Durch diese und andere kleinere Zuwendungen ist das Comité in die Lage Zur Zeit sind Justiz- Statut für tas Museum

verseßt worden, alle Schulden voll zu bezahlen. Rath Frentel u. A. damit beschäftigt, e zu entwerfen.

Dem Berit, welchen der Direktor ‘ter Königlien Sternwarte,

Eehcime Rath Professor Förster, über die Leistungen de

sädtiscen Normaluhren erstattet, entnimmt die „N.

Befriedigendes geleistet baben. Die Uhr aw Oranienburger Thor. i

ununterbrochen auf die Sekunde ri<tig gewesen. Von der

Paeeee Thor würde dasselbe gelten, wenn ni<t am 18. Mai bei elegenßeit der Dekorationsbauten zum Empfange dcs Königs von Stalien eine Verleßung des zur eleftrishen Regulirung Seitens der Sternwarte dienenten Kakels stattgefunden hätte. Jn Folge dieser blieb die Uhr während des genannten die Uhr am Moritplay und

Unierbre<ung ter Regulirung Tages bis zu 2 Sekunden nach. Auch die Uhr am Spittelmarkt haben \si< im Ganzen gut gebalten.

Uhr am Morigplayÿ hat nur am 23. Mai durch das Zerreißen des Drahtseils, an wel<hcem das Trietgewicht hängt, eine cinstündige : ets auf die Sefunde

rihtig gewesen. -Die Uhr am Spittelmarkt wurde -vom 29. August bis zum 10. September abgenommen, um wegen der Nevregulirvng dis Platzes eine vcränderte Ausstellung zu erhalten; sonst kat sie nur während der Nacht des 28. Januar in Folge einer ofenbar durch Hemmung des Werkes eine Gang- In der ganzen übrigen Zeit is auch diee C, ie Uhr am Ha>escen Markte hat zwar keinerlei Stilistand erfahren, jedo< an _ drci Tagen des verflossenen Jahres während einiger Stunden die Fehlergrenze ri Was die Uhr am Kammergeri!18- edin betrifft, so hat dieselbe zweimal in Folge des Bruces der ufbängungsfeder des Pendels, stillgestanden. Im Üebrigen ift au diese Ubr bis auf die Sekunde richtig gewesen, abgesehen von einer einzigen kurzen ig. Die fkets bis auf cin Zehntel. der Sékunde ermittelte kleine Verbesserung, wel<he an den Angaben der cinzelrcn Uhren no< anzubringen gewesen wäre, um au<h die für die fein]ten Untersuchungen der Wissenshaft und Technik unter Umständen €r- ist stets zur Ver- welche au<h in gewissen An den vocrteren Ziffer- ift bon sämmtlichen Normalukren auénahmsélos tie ri<tige Minute gezeigt

Unterbrechung des Ganges erfahren, ist aber sonst

die Wetterungunst verursachten unterbre<ung erfabren. der Uhr bis auf die Sekunde _rictig gewesen.

von einer Sckunde überschritten.

Störung der Regulirung.

forderlide Schärfe ibrer Angaben zu erxeiwen, fügung ter Betheiligten gehalten worden, Fâllen tavon Gebrauh_ g: macht haben.

blättern, welde mit Sekundenangabe nit verschen sind.

worden.

Der Gesundheitszustand in Berlin blicb au< in r

Wote vom 19. bis 25. Januar cin günstiger und die Sterblickeit

eine gegen die Vorwoche etwas vermirterte (von je 1000 Eirwohnern starben 23,2 aufs Jahr berc<uet). Wesentlid abgenomma haben Er-

krankungen an afuten Entzündungen der Athmungsagane und sank

die Zall der durch sie bedingten Sterbefälle auf 58 (von 82 der Vor- woe). In Folge ron Grippe wurden noch 13 Toteésälle aus der vorher- gegangenen Wehe zur Kerntniß gebra<t. Dagegen kamen Erkran- fungen an Darmfkatarrhen und Brechdur<slen mebr zum Verschein urd fühiten au etwas häufiger zum Tede. Der Antheil des Sâug- lingsalters an ter Sterblichkeit war c< ein wenig größer als in der Vornoce; von je 10009 Lebenden starben, aufs Jahr bere<!iet, 70 Säuglinge. Von den íInfoétionskrankheiten kamen Er- franfungen an Diphtherie ip etwas gesteigerter Zahl, zumcist aus Moakit, der OraniaCurger und S(öneberger Vorstadt, zur Anzeige, au< Erkranungen an Kindbettfieber wurden mehr zur Anzeige gebracht. Dageeen famen Erlrankungen an Unterleibstyphus nur in fehr wenigen (2) Fällen zur Kenntniß, und ebenso haben Csfrankungen an Masern und Scharlach abgenommen und zeigten sich erstere wr in der Rosenthaler Vorstadt, leytere im Straiauer Viertel in erwähnenêwerther Zahl. Cine weitere Grkranklurg an Genidstarre gelangte zur Aufnahme in die Krankenhäuser. Mosenartige Entzün-

1 A. Ztg.“, daß von den se>s Normaluhren im Jahre 1889 zwei, rämlih die

Übr am Oranienburger Thor und die Ühr am Pottdamer Thor, gar) Potétamer i piy gehaubte Diadecwheher vom mexikani

ôchst sonderbar weiß ges>e>tes Exemplar des tent einfarbig s<warzen e

Uhr am | ein euerung sei endli

dungen des Zellgewebes der gegangenen ofe zur ärztlichen Behand

an Kevcbusten Sterbefälle blieb die gleihe mäßig

gebra>t. bohe wie in der Vorwoche. R

genen Woche keine wesentlihe Veränderung in ihrem Vorkommen.

Zoologischen Gartens ist wieder eine ganze Anzahl

ler<e, deren Märncben tur< den s{warzen Kopf mit weißen

fleinen Vasapapageis. Als bemerkenêwert ro< die Aufstellung einiger Gesellshaftsbauer

exotishe Sperlinge, cine

Kiel, 3. Februar.

in Neumünster zusammengetreten. Sammlungen rur ca.

ven 195 (C0 & aus Provinzialmitteln zu bewilligen.

Kassel, 2. Febrvar. industrie ist, vollzog sich ge stellung der 3000. Lokomotive.

Köln. funst-Ausftellung

stellungsgegeästände vom finden darin verzeichnet : Klasse 147. Wagen:

Gruppe 40.

Aufbängungs- Verrichtungen für verwundete Körperthei! e,

bei Verwundeten. Klasje 148.

Knocbenbrücben. Wunden. Gruppe 42. in Lazarethen. Klasse 149,

Gegenstände zur Ausstattung von L

150. Fliegente Lazarethe. Vorübcrgehend Citändige Lazarethe. 44. Elektrische Beleuchtung. Klasse 151. Beleuchtung des Swlawtfeldes. _Tragbare elektrische für Aerzte und Larareth - Gehülfen. Elektrische Lazareihwagen. Elcektriswe Apparate wundeten bei Nacht.

Elektris@e Säulen für den Feldzug. Gruppe 49.

von Leihnamen. Apparate zur Leichenverbrcnnung.

———————————————— C ———

Wetterbericht vom 4. Februar, Morzens 8 Uhr.

Swzauspiel in 4 dem Mutsischen

R.

Stationen. Wind. Wetter.

Temperatur in 9 Cestus

Donnerstz2g:

Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeres\p red. in Millim

[59 S

eee wol wolkig Regen!) halb bed, halb bed. halb bed. Schnee

=J D N

Mullaghmore Aberdeen . . | 762 Christiansund | 750 Kopenhagen . | 768 Sto>holm . | 159

aparanda . | 748

t. Petersbrg.| 749 Moskau. .…. | 752

Cork, Queens- town 767 Cherbourg . | 767 769 767 770 winemünde | 770 Neufahrwasser| 768 Memel . ..… | 765 Paris . .…. | 766 Münster. . . | 769 Karlsruhe . . | 768 Wiesbaden . | 768 München . | 766 Chemniy . . | 771 |SWV Berlin. . …. | 771 |SW Wien .….. | 772 |SW Breélau... | 772 |SW Fle d’Aix. . | 767 [D Nizza .... | 765 |ONO Triest . .…. | 766 |ONO

1) Nebel.

Uebersiht der Witterung. Das Barometer ift im Süden und Westen gefallen, im Nordosten gestiegen, am böchsten ist der Luft- dru> über Ungarn, wo strerge Kälte herrs<t. In Central-Eutopa i das etter rubig, vielfa nebelig, ohne meßbare Niederschläge, land liegt die Temperatur an der Küfte meist etwas" über, im Binrenlande unter dem Gefrierpunkt, in München und Friedrichshafen um 7 Grad.

Deutsche Seewarte

s F ——— ma x D Theater - Auzeigen. F

Königlihe Schauspiele. Mittwoh: Opern- haus. 27. Vorstellung. Othello. Oper in 4 Alten von Giuseppe Verdi. Text von Arrigo Boito. Für die deutshe Bühne übertragen von Max Kalbe.

Bater*ändisbes

[

do Us Po O WINISCRLWRN I U U V N MD

wolkig heiter

Pfarrer von Marthner. Donnerstag :

e O

Donnerstag: Freitag: 21 Lea.

von Constantin Donnerstag : von Hermann

Natalie v. Anfang 7 Uhr. Donnerstag :

Afrika.

C. A. Raida. 74 Ubr. Donnerstag:

Mittwoch: 91, Male:

In Scene gescßi vom Ober - Regisseur Teglaff. | Dirigent : Kapellmeister Suger. Schauspielt,aus.

von Eugen Zavel. In Scene gesest vom Direktoc Dr. Otto Devrient,

monte und Constanze, oder: Die Eutführung

Text von Bregner. / Großherzogl Hof- und National-Theater in Mann- heim, als Gast.) Anfang ¿ Ukr.

Sgauspielhaus 29. BorsteUung Die Quitzow's.

ron Wildecrbru<. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater.

des Grabdenfkmals für Ludwig Anzengruber: Der f

; E Log. ¡g | Hofschauspielers Hrn Max Hofpaur Kirc<hfeld. Epilog. Von Frib | uud Edelweiß. Oberbayerisches Charakterbild mit Gesang und Tanz in 5 Aktcn von Hermann von S<mid. Musik von Müller. Anfang 72 Uhr. Dieselbe Vorftellung.

Freitag: Krieg im Frieden. Berliner Theater. Mittwoh: Gräfin Lea.

. Abonnewenis-Vorjtellung, Gräfin

Tessing - Theater. Mittwo<: Zum 1. Male: Das Vild des Signorelli. Schauspiel in 4 Akten

Suberinann, Freitag: Das Bild des Signorelli.

Wallaer-Theater. Mittwow: Zum 12. Male:

Sie wird geküßt! <hstrutb und Hermann v. Anderten.

Freitag: Zum 1. Male: Dic spanische Wand. Fn Deutsch- Sÿwank in 3 Akten von Dr. Koppel-Ellfeld.

Victoria - Theater. Mittwo%: Stanley in Zeitgeczälte in 10 Bilvera von “Ale. MoszLowskt und Richard Nathbanson.

Friedrich - Wilhelmstädtishes Theater.

Der arme Jouathau.

Musik von Carl Millö>er. Julius Frißihe. Dirigent: Federmann. Anfang 7 Uhr.

Anfang 7 Uhr.

98, Vorstellung. Natalie. Aufzügen von Iwan Turgenjew. Nach für die deut!<e Bühne bearbeitet

Aafang 7 Ubr. Opernhaus. 28. Vorstellung. Vel-

74 Uhr. Donneriítag und Freitag:

Drama iu 4 Aufzügen von Ecnst Sonnabend: Zum 1. Male:

Mittwo<h: Zum Vesten

Ehrenschuldeu. Der Tartüff. Donnerstag:

Der Veilchenfresser.

41. M.: Berolina.

Donnerstag: Berolina.

Prach3. Die Ehre. Scauspiel in 4 Akten

lotte Weiber. Sonnabend:

Schwank in 4 Akten von Zum 1. Male:

Sie wird geküßt !

S<{wahn. Ueber Erdbvebeu.

CAircus Renz, Karlstraße,

| Mußk von Ballet von (s. Severini. Anfang

Dieselbe Vorstellung.

Turner. Große nationale

mit seinem dressirten Esel. Donnerstag: Deutsche Turner. Sonntag: 2 Vorstellungen.

Avsstattung: Zum Operette in

Mit neuer

Die Klass-aeintbeilung der Kölner 1890er Kriegs- sübrt unter Abtbeilung XVI alle die Gegen- stände auf, wel<e- cie wichtige und bedeutende Gruppe der Aus- Rotben Kreuz aufnehmen sol. Wir Transportmittel. , Gepê>-, Lazarcth#; Apotheken-, Küchen- Wagen, Modelle für Nahen zum Tranëport Verwundeter. Bahren ¡um Tragen und Sw@icten. Särsten, Maultbier:Tragkörbe, Trag- üble, Fauteuils zum Trantport von Berwundeten, Kraxen, Sp âne, Modelie für Tranéportmiitel. Gruppe 41, Erste Hülfeleisiung | _ Hülfékisten, Kästen für Ver-

bandmaterial, Medikamente, <irurgische Apparate und JIrstrumente, Trarêportable pharmaceutise unv medizini\<e Gegen tär. de. Taschen für Verbandmaterial. Verbandstoffe aller Art. Apparatè zur Bebandlung von Apparate zum Yuifinden von Metallkörpern in Hüljeleistung bei Verwur deten : Operatior.stishe urd Stükble, narmentli< für Feltlazarethe, Chirurgische Instrumente, Verbandstoffe, azarethes, Nahrungsn:ittel, Be-

leuchtungs-, Heizungs», Ventilations-, Koch- Vorrichtungen, Pbarma- ceutis&e Präparate. Gruppe 43. Kriegs-Lazarethe. Klasse errihtete Lazarethe. Zelte, Bara>en, Pläne ur d Muster. Gruppe Apparate zur Apparate Lampen für zum Verbinten der Ver- Elektrishe Accumulatoren, Gurtlampen, Hut- lam?:en, Lampen für Sänften, Signallampen, íInduktions-Apparate, Reinigung des Shlachtfeldes. Klasse 152, Vorkehrurgen zur Bewachung Verfahren bei

t wurden seltener als in der vorher | Eckiankungen - aben abgenommen. Die Zahl der dvr ibn beriogtes n

matishe Bes(werden aller Art zeigten im Vergleich zur vorhergegan-

Der immer großartiger anra<senden Vogel eg O eltener, der | zur Zeit überhaupt no< niht ra< Europa gebrachter Arten eingereiht worden, so zum ersten Male die niedlihe nordafrikanisce Swerg- aden ein äußerst \{<mu>es Auéseben erbält ; ferner der prov asurblaue, schen Hochlande, sowie

erwähnt, wel<e nur Mitglieder bestimmter Vogclgruppen entbalten, so z. B. Anzahl der dur die übereinstimmende gelbe Hauptfarbe geke:.nzeineten Gelbweber, ausländische und einheimishe Ammern, unter wel lehteren eine \<warze Gold- Die | ammer lebhaftes Interesse erregen dürfte.

r. (Séleëw. Nar.) Das Provinzial- Comité für das Kaiser Wilhelm: Denkmal war dieser Tage Es wurde festgestcUt, daß die 90 000 A ergeben haben, davon 46 000 aus ber Stadt Kiel. wo das Denkmal bekanntlih errihtet werden soll. Es wurde bes>lossen, an den Provinzial-Landtag die Bitte zu rihten, na< dem Vorgang in anderen Provinzen die fehlende Summe

(Hannov. Cour.) Ein Jubiläum eigener Art, tas zuglei ein Ehrentag für die gesammte deutshe Maschinen-

fen in feierlit.er Weise in der hiesigen Lokomotivenfabrik von Hensel u. Sohn, nämli die Fertig-

3 Akten von Hugo Wittmann und Julius Bauer, In Scene geseßt vou Hr. Kapellmeister

Donnerstag: Der arme Fonathau.

Residenz-Theater. Direktion : Siegmund Lauten- 1 1 i burg. Mittwoh: Die arme Löwin. (Les lionnes aus dem Serail. Oper in 3 Akten von Mozart. | pauyres.) Schauspiel in 5 Akten von Emil Augier, (Oëmin: Hr. Mödlinger, vom | für tie deutsce Bühne bearbeitet von Paul Lindau. In Scene geseßt von Sigmund Lautenburg. Anfang

Die arme Löwiu. Marquise. Lust- spiel in 3 Akten von Victorien Sardou.

Belle-Alliance-Theater. Mittwo<: 31. Gast- | Frl Anna Rössel mit Hrn. spiel der „Münchener“ unter Leitung des Königl. bayer.

Central-Theater. Direktion: Emil Thomas,

Mittwo<: Mit vollständig neuer Ausstattung an Kostümen, Dekorationen und Reqguisiten, zum Posse mit Gesang in 4 Akten von Jean Kren. Musik von G. Steffens. In Scene | H, geseßt vom Direktor Emil Thomas.

Adolph Erusi-Theater. Dresdenerstraße 72.

Mittwo<{: Drittlezte Aufführung. Zum 162. M.:

Gesangsposse in 4 ‘Akten von | Hrn eon Treptow. Couplets von Guft. Görß. Musik /

vón Fran Roth. Anfang 7# Uhr. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung.

Der Goldfuchs.

Urania, Invalidenstraße 57/62, geöffnet von

12—11 Uhr. Mittwo<: Von 1—3 u. 5}—8è Uhr: Der ueue Phouograph. Um 7{ Uhr: Hr. Dr.

Mittwoch,

74 Uhr: Zum 15. Male (geseglich ge\Güßt): Deutsche

iginal-Pantomime. Auftreten des gesammten Künstler - Personals. Vorfübren der 6 großartigen engl. Vollblutspring- pferde dur< Hrn. Franz Renz. Auftreten der Sculreiterin Frl. Clotilde Hager. Mr. Metgeh

Beerdigung der Leihname. Chemische Stoffe zur \<¿ lier organisher Svbstanzen. Apparate und zur Reinigun( von Lagerstätten. Mittel, um die in der Nähe der Schla<htfelder wobnenden Leute den \<ädlihen Einflüssen derselben zu entziehen.

läâne, Modelle, Abhardlungen betreffs der Reinigung der Schlacht- elder. BEAE e 46. Hospital-Verwaltung. Klasse 153. Register zur Feststellung der Identität ron Todten, Verwundeten und Kranken auf Schhlachtfeldern, in Hospitälern und rethen. Uni- formen und Abzeiben für das Personal vom „Rothen Kreuz". Graf Stolberg, Vorsipender des Central - Comités der deutschen Vereine vom „Rothen Kreuz“, und Hr Geheimer Regierungs-Rath HE 0, E stellv. Vorsitzende, sind der Leitung als Ghrenmitglieder cigetreten.

Blankenburg i. Th., 1 Februar. (Goth. Ztg.) Hier sammelt man bereits Beiträge zu einem Denkmal für den jüngst verstorbenen Fürsten Georg von S{warzburg-Rudolstadt. Dasselbe foll auf den großen freien Platz zu stehen kommen, von welchem die neue 96 m breite Hauptstraße nah den Chrysopras abgeht.

__ Straßburg i. E., 2. Februar. (Electr. Journ.) Jm Laufe dieser Woche wird im Münster eine zweite Probebeleubtung mittelst elefktrishen Lichtes stattfinden, bei wel<er über hundert Glühlihtlampen funktioniren sollen. Es ist beabsichtigt, demnächst au< Einrichtung zur Festbeleu<htung des Aeußern des Münsters dur elcktris<es Licht zu treffen. Zu diesem Behuf ift die Anbringung von 32 Bogenlichtlampen, wel<he an den verschiedenen Façaden bis zum Thurm hinauf vertheilt werden würden, sowie einer großen Zaßk Glühlictlämychen für die Thurmspiße in Auésicht genommen.

Rom, 3. Februar. (W. T. B.) Eine Versammlung von 600 Studenten bes<loß, denjenigen Studenten, welche die Universität Neapel verlassen wollten, die Gastfreund- \chaft der Universität Rom anzubieten.

Washington, 3. Februar. (W. T. B.) Eine Feuers- brunst, welcher der Marine-Sekretär Tracy zum Opfer fiel, kam beute früh 6 Übr 45 Minuten zum Ausbruch, als die ganze Familie \{lief, Frau Wilmerding, rerbeirathete Tochter Tracy's, und deren Tocter befanden si ebenfalls in dem Hause, reiteten si aber, indem Ke aus tem Fenster sprangen. Frau Wilmerding bra<h dabei das Handgelerk, ihre Toter erlitt {were Verletzungen der Beine. Auch ein Diener hat bei dem Branve das Leben eingebüßt.

New: York, 1. Februar. (A. C.) Einer bier eingegangenen Depesche aus M ontevideo zufolge grassirt dort die JIufluenza A E Form. Der Präsident der Republik ist an dem Uebel erkrankt. ;

News- York, 1, Februar. (A. C.) Wie aus Toronto gemeldet wird, ernägt die canadishe Regierung den Plan, mit einem Kosten- aufwand von 14 000 000 Pfd. Sterl. cinen Kanal zu bauen, um atlantischen Dampfern den Zugang zum Superior-See zu gewähren.

_Boston, 1. Febrvar. (A. C) Gestern bra hier in ciner fast aussließliÞh von armen Italienern bewohnten Herberge Feuer aus. Das Gebäude wurde zerstört und fünf Insassen kamen in ten Flammen um, während aht Verleßungen davontruügen, von denen einige einen tôdtlihen Ausgang haben dürften. :

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Eschweiler, 4. L pvr ge (W. T. B.) Die gestern in Als dorf stattgehabte Versammlung der Bergarbeiter beschloß, sich nach den gestern in der Versammlung der Berg- arbeiter zu Es<weiler gefaßten Beschlüssen zu richten. Somit ist au< dort die Ausstandsgefahr beseitigt.

Concert - Auzeigen.

Concert-Haus, Leipzigerstr. 48 (früher Bilie). Mitiwoh, 5 Febr : Karl Meyder - Concert. Strauß-Suppé-Offenbach-Abend. _ Dienstag, 18 Febr. (Fastnaht): Letter Sub» scriptions-Ball.

Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frk. Julie Großmann mit Hrn. Otto Hermes (Kirn a. Naße—Hamburg, z. Z. Kiel). Frl. Johanna Grothkopf mit Hrn. Heinri Thomas (Rofto>). Frl. Margarethe Pfeiffer mit Hrn. Kaufmann Hugo Kraeßig (Berlin).

Friy Roßberg

R Helene Gerdes mit Hrn. berlein (Neustadtgödens, Dst- friesland—Berlin). —- Frl. Else Morayky mit Hrn. Magnus Bühring (Neubukow).

Verehbelict: Hr. Reg.-Assessor Reinhold Krüger mit Fcl Helene Wolff (Leipzig). Hr. Karl Herm. Müller mit Frl. Amy Agnes Dines (Chemniß). Hr. Max Hillel mit Frl. Klara Loeser (Berlin).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Konrad Lehmann (Berlin). Hrn. Apotheker Rosenlöcer (Leipzig). Hrn. Dr. med. Röthig (Chemniß). Hrn.

E (Friedland i. M.). Eine Tochter: Hrn. Julius Plachta (Berlin). Hrn. Staatsanwalt Olbriht (Oels). Hrn. Maurermeister Brandt (Breslau). Hrn. Amts- rihter Zimbal (Zabrze). Hrn. Oberförster Stubenrau<h (Dedensen). ;

Gestorben: Hr. Rentier August OrtloF (Burg).

Wilh. Gerlah Tochter Margarethe

(Berlin). Hr. Hauptm. a. D.-Friß Frhr. von

der Borh (Schwerin). Hr. Kanzleirath August

Wisch (Baruth). Frau verw. Doktor Antoinette

Bus“holz, aeb. Wachenfeld (Bonn). Hrn.

Apotheker Schliwa Tochter Franzel (Guttentag).

(Chemniy).

Almenrausch Kaufmann Franz

Anf. 7F Uhr.

Redacteur: Dr. H. Klee.

Verlag der Expedition (S<-ol1).

Dru> der Norddeutshen BuWbdru>kerei und Verlags Anstalt, Berlin 8W., Wilbelmstraße Nr. 32.

Sechs Beilagen (einschließli Börsen-Beilage),

und die Juhaltsangabe: zu Nr. 5 des öffent:

Uses Uu eigers (Kommanditgesellschaften auf

Aktien uud Aktiengesellschaften) für die Woche vom 27. Jauuar bis 1. Februar 1890.

Berlin: Abends

„16 38.

S der

ius 9

Parlamentarische Nachrichten. Sghlußbec der gestrigen (8.) Sigung des Gage geordneten. Fortseßung der zweiten Beräthung des CaEN des Staatshaushaltz:Etats für 1890/91, und zwar „Direkte Steuern“:

Bei der Debatte über Tit. 3 „Klassifizirte Einkommen- sieuer“ und Tit, 4 „Klassensteuer“ bemerkt der General- Direktor der direkten Steuern, Wirkliche Geheime Rath Burghart: Jh bin von dem Finanz-Minister zu der Er- klärung ermästios, daß er es ablehnt, auf die meritorishen

unkte des Ein ommensteuer-Geseßentwurfs hier einzugehen. < möchte Sie auh fragen: was sollte wohl daraus werden? Sie haben alle Punkte, die bei einem neuen Einkommensteuer- geseß von Bedeutung sind und die die shwerwiegendsten Erwägungen erfordern, Me kursoris<h in der Debatte berührt und einzelnen politishen Köpfen damit no< nicht ein- mal genug gethan, denn einer der Herren fragte: Was ver- stehen Sie denn eigentlih unter Deklaration ? Warten Sie do< erst mal ab, wie die Deklarationspfliht in dem Geseß- entwurf aussieht. Wenn die Regierung dieses ganz ungewöhn- liche Verfahren, einen Gesegentwurf, der no< gar nicht vor- liegt, hier in allen kritishen Punkten zu diskutiren, befolgen und Stellung im Einzeinen nehmen wollte, so würde man das Ergebniß sicherlih bedauern, denn es würde \{hließ- lih nihts weiter herauskommen, als daß si< alle Theile fest- gefahren hätten, ehe die Karre noh in Bewegung geseßt ist. Sie wissen aus den Erfahrungen von 1883/84, daß, selbst wenn Sie si< soweit aufs<wingen wollten, Jhre Meinung oder wenigstens die der Majorität in einer re<ht schönen und zierlihen Resolution niederzulegen, dies au<h keinen Vortheil hätte; denn wenn wir nachher mit der Vor- lage kommen, sobald es si< dann um die praktische Frage handelt: wollen Sie das? dann \{hwenkt gleich eine nzahl von Denen, - die der Resolution mit Begeisterung zugestimmt haben, ab und beschäftigt si< in der Kommission, wie wir es ja erlebt haben, damit, so viel Löcher wie mögli in den Entwurf zu machen. Was die Frage des Abg. Ri>kert betrifft, wie die Regierung zu der Veröffentlihung der Einschägungslisten der Einkommensteuer steht, so ist der Fall in Elbing nicht bis zu dem Herrn Finanz-Minister gekommen, er hat aljo dazu keine Stellung nehmen können. -Jm Allgemeinen hält die Regierung die Veröffentlichung dieser Listen für unzulässig. Bei der Klassensteuer hat man aber eine öffentliche Auslegung der Listen, mehr der Noth gehorchend als dem eigenen Triebe, eseblih zugelassen. Aber hon der Entwurf von 1883/84 ezeihnete diesen Punkt als verbesserungsbedürftig, Bei den Wahlea muß ja in Folge des Wahlsystems das Resultat der Einschäßungen zur öffentlichen Kenntniß gebraht werden. Die Kommu nalsteuer - Einshäßungen sollen | öffentlich ausgelegt werden, und dabei kann natürlih niht nur von den Klassen- steueriisten, sondern au< von den Einkommensteuerlisten die Rede sein. Den Kommunen nun zu verbieten, die Listen, die sie öffentlih auslegen, au dru>en- zu lassen, dazu fehlt der Regierung jede Handhabe. Bezüglich der Veranlagung besteht die Instruktion vom 3. - Januar 1877 no< in Kraft. Sie erkennt allerdings an, daß der Grundsteuérreinertrag nicht ein absolut sicherer Maßstab für die Veranlagung zur Klassensteuer sein kann, daß er aber bei sonst gleichen wirthschaftlichen Verhältnissen für die Veranla- gung einen gewissen Anhalt bietet. Danach spielt also der Grundsteuerreinertrag niht die Rolle, wie der Abg. Rickert es in den einzelnen Fällen darstellte. Der Finanz - Minister wird es nit untexlassen, diese zu prüfen und etwaige Unrichtigkeiten abzustellen. Weil bei der Einshäßzung eine vollständige Jndividualisirung nicht möglich ist, hat man auf den Grundsteuerreinertrag zurü- gegriffen. Die Einschäßzungs - Kommissionen haben eben zu \hwache Beine, ih meine natürlich nit die einzelnen Mit- glieder derselben. Das Geschrei, das die Presse über die be- treffenden Fälle gemacht hat, ist ganz unberechtigt. Nach der Erfahrung gilt allgemein die Meinung, daß bei kleinen Be- fibungen die Annahme cines relativ höheren Reinertrages durchaus angemessen ist. Ó

Abg. von Kröcher: Wir bedauern aufrichtig, daß der von uns e h Einkommensteuer - Entwurf weder in der vorigen, no< in dieser Session uns vorgelegt ist. Die Steuerreform ist dringend nothwendig und erwünscht; sie ist ja auch eine alte konservative Forderung. Daß die jebige Einschäßung mangelhaft ist, darüber berrsht Einverständniß. Der kleine Mann, auch der kleine Grundbesitz wird jebt, je kleiner er ist, desto höher eingeshägt. Deshalb ist es wohl richtig, die Selbstein]häßgung einzuführen. Daß die Deklaration den reichen Herren unangenehm ist, kann kein Grund dagegen sein ; ebenso wenig der Umstand, daß gewisse Parteien der Re- gierung nicht mehr Geld in die Hände geben wollen. Es ist mir an si< zweifelhaft, ob die Einkommensteuer mit der Selbstdeklaration viel E Geld bringen wird, als sie bisher gebra<t hat. rähte sie aber au viel mehr Geld, so würden wir es ja für Beamten- gehaltserhöhung, Wittwenpensions-Aufbesserung, Scullasten- erleihterung verwenden können; und wenn alle Strie reißen, so könnten wir damit Schulden tilgen. Der Einwand endlich, daß das Deklarationsverfahren zu \{hwierig sei, ist ebenfalls nicht stihhaltig. Wenn etwas im Prinzip rihtig ist, müßte man wenigstens den Versu<h damit machen. Wo der Wille ist, da findet sich au< ein Weg. i S

Abg. Graf Kaniß: Der Abg. Rickert mag mit seinen Beschwerden über die Verfügungen betreffs der Einschäßung des kleinen Grundbesiges formell im Recht sein; es war Un- zwe>mäßig und unvorsichtig Seitens der Einschäßungébehörden in Osterode und Glogau, jene Verfügungen zu veröffentlichen und darin solhe Grundsäße aufzustellen. Aber in der Praxis läßt sich die Sahe niht anders machen. Jn Bezug auf die Steuerreform wünschen wir Trennung der Personalsteuer von der Grund- und Gebäudesteuer. Wenn der Abg. Ri>ert der Reform die Wege ebnen will, so sollte er nicht Streitfragen hineinwerfen, die 1883/84 den Entwurf zu Falle gebracht haben, die Frage der Landgemeindeordnung,

kann. ¡ fleine Wahlrede gehalten, indem er die baldmöglichste Ab-

E Sre Vene zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Dienstag, den 4. Februar

der Quotisirung und Kontingentirung. Ebenso hätte der Abg. Krause ‘niht solhen Werth auf die Progressivsteuer legen sollen, die ebenfalls 1883/84 große Schwierigkeiten gemacht hat. Der Abg. von Eynern hat einen ganzen Berg von Hindernissen aufgebaut, sodaß wir jeßt ganz E wissen, der Abg. von Eynern ist ein Gegner der ganzen teuerreform. s r hat wohl die Einkommensteuer und die Selbst- einshäßung; Frankrei allerdings nicht. Aber was sollen wir mit der Erbschaftssteuer? Sie mag vom finanziellen Standpunkte gereht sein, aber sie wird die unpopulärste aller Steuern sein. J glaube nicht, daß die Ansichten über die Deklaration sehr auseinander gehen werden, wie der Abg. von Eynern meinte. Es ist kaum ein deutscher Staat, wo die Selbsteinshäßung nicht besteht, und die Besorgniß, daß das preußishe Kapital in andere Länder gehen sollte, ist deshalb unbegründet. Das Kapital findet eben kaum einen Boden, wo es no< im Verborgenen blühen Noch einige Worte an den Abg. Ri>ert. Er hat eine

\{haffung der Zölle proklamirte. Dem gegenüber weise ih auf die Einnahmen aus den Zöllen hin, die nah dem An- {lag 270 Millionen betragen sollen aber diesen Betrag um 8 Millionen überholt haben. Die Einnahmen werden aber wahrscheinli<h no<h eine Steigerung erfahren, und für 1889/90 360 bis 370 Millionen betragen. Der Abg. Rid>ert möge si< aber deutlicher ausdrüen, welche Stellung seine Partei in Betreff der Aufhebung der Schutzölle resp. der Getreidezölle im Besonderen einnimmt. Er will auch die Eisenzölle abschaffen, wie aus einem Artikel des ABC- Bus für \reisinnige Wähler, in welchem i< seine Hand zu erkennen glaube, hervorgeht. Jn Artikeln deutschfreisinniger Blätter wird der Aufhebung der Eisenzölle das Wort geredet, in dem Wahlprogramm der Partei ist neben anderen s{höônen Sachen von diesen Zöllen nit die Rede. Jn andern Flugblättern heißt es wieder: Frei muß das Brod sein und frei sein das Licht. Der Abg. Ri>ert hat nun neuli<h behauptet, unsere Ausfuhr habe abgenommen. Wie steht es damit? Es ist richtig, daß die Ausfuhr von 277 Millionen auf 140 Millionen in Roheisen herabgegangen is. Auf der andern Seite ist aber die Einfuhr von 163 Millionen au] 575 Millionen Noheisen gestiegen, und dies beweist, daß der Eisenverbrauch im Lande um das Doppelte gestiegen ist, und dieser Verbrauch ist der zuverlässigste Gradmesser für den Wohlstand und die Hebung der Jndustrie. Wir verlangen durchaus feine einseitige Aufhebung irgend eines Schutzolles, weder des auf der Landwirthschaft s{<hwer lastenden Eisenzolles, no<h sonst eines anderen Zolles, sondern wollen den Zolltarif, so wie er besteht, aufrecht erhalten zum gleich- mäßigen Schuß der nationalen Arbeit. Der gleichmäßige Faftapot aller Stände nur kann das Ziel einec gesunden Wirth- \{<astspolitik sein. Das is unser Wahlprogamm, und mit dem werden wir hoffentlih bessere Geschäfte machen, als die Herren von der freisinnigen Partei mit dem ihrigen.

Abg. Ri>ert: Der Abg. Graf Kaniß hat mi<h zum Verfasser eines Artikels in dem freisinnigen ABC Bude gemacht. Weder ist das ABC Buch von der freisinnigen Parteileitung herausgegeben, no< habe ih eine einzige Zeile für dieses Buch direkt oder indirekt geshrieben. Wohin soll es kommen, wenn ein Mitglied des Hauses si< erlaubt, irgend ein Buch si<h vorzunehmen und E zu erklären: ih bin überzeugt, das hat der Abg. Ri>ert geschrieben oder er fönnte es geschrieben haben! Ein solches Vorgehen ist un- erhôrt. Sie können danach beurtheilen, was die ganze Rede des Abg. Grafen Kaniß auf sih hat. Der Abg. Graf Kaniß legt mir sodann Fragen vor, als ob ex mein Wähler und dieses Haus eine Urwählerversammlung wäre. Mag er nah Danzig kommen, dort werde ih demnächst vor meinen Wählern sprechen, und dort wird er auch auf seine Fragen eine Antwort von mir bekommen. Das Verfahren der Landräthe in Osterode und Glogau ist dem Abg. Grafen Kaniß schon recht, nur die Veröffent- lihung ist ihm unangenehm. Der Hr. General-Direktor Burghart hat da do den Gegenstand etwas sachlicher behan- delt, indem er nohmalige Prüfung und event. Remedur zu- sagte. / Die Quotisirung soll nah dem Grafen Kaniß mit der Einkommensteuerreform niht zusammenhängen. Sie ist eine Vorfrage, die unter allen Umständen gelöst werden muß. So sagt es das konstitutionelle ABC. Wenn der Abg. Graf Kanitz das Interesse hat, zu wissen, wie ih zu den Eisen-, den Textil: u. f. 1. Höllen stehe, so will ih ihm meine Reden darüber zur Verfügung stellen. Jch kann ihm allein doh hier nicht ein Privatissimum darüber halten. Der Aba. Graf Kani wies auf den gestiegenen Eisen- verbrauh hin. Die Zunahme des Eisenverbrauchs erklärt ih aus den kolossalen Bestellungen, welche die Reichs- und Staats- behörden gemacht haben Flotte, Armee, Eisenbahn-Minister haben unsere Eisenindustrie in einer Weise in Anspru< genommen, wie noch nie bisher. Die Landwirthe im Osten haben nicht das Interesse an der steigenden Jndustrie, die ihnen die Arbeits- kräfte fortnimmt. Der Abg. Graf Kaniß macht sih mit der Aufrechterhaltung des Eisenzolles um die Landwirthschast seiner Heimath nicht verdient. Die Steigerung der Zoll- einnahmen ist ein ernster und eindringlicher Mahnruf an Alle, welche es mit der Hebung unserer ärmeren Bevölkerung ernst meinen. 1879 betrugen die Zölle und indirekten Steuern 1,80 A pro Kopf der Bevölkerung, 1878/79 2,38 M. und im laufenden Jahre werden 7 bis 8 4 herausfommen. Und diese Lasten tragen gerade die s{wäcsten Schultern. Derselbe Graf Kaniß, der sih zum Ruhmredner einer solchen Politik macht, will nihis von der Erbschaftssteuer wissen, die eine der unpopulärsten Steuern sei. Auch dies ist ein Wahl- programm, und die Wähler werden darüber entscheiden.

Abg. Freiherr von Erffa: Die ausgleichende Gerechtig- keit erheisht ein baldiges Zustandekommen der Steuerreform, damit das der Steuer \ih entziehende Kapital endli einmal angefaßt werde. Habe ih den Abg. Rickert richtig verstanden, o steht er nah wie vor Q dem Boden der Reichs - Ein- fommensteuer, dem alten Ge)penste der freisinnigen Partei, das überhaupt in absehbarer Zeit niht realisirt werden kann. Die Freisinnigen haben gegen die Kapitalrentensteuer, die

1890.

Börsensteuer, die Verstaatlihung der Reihhsbank gestimmt, und dabei geben Sie si< no< als Vertreter des kleinen Mannes aus! Da müssen Sie die Sympathie auf dem Lande immer mehr verlieren. Mit dem Worte der Vertheuerung der Lebensmittel wird wirkli<h Unfug getrieben. Der Weizen- ‘cir betrug nah dem fünsjährigen Durhschnitt von 1373 is 77 228 6, jeßt nur 190; der Roggenpreis, der von der Mrg der russischen Valuta abhängt, von 1873—TT7 181 M, jet allerdings au< 180 M Die Kenntniß der wahren Ursachen der Lebensmittelvertheuerung dringt jeßt au in den freisinnigen Kreisen schon dur. Nach den Mit- theilungen des Berliner städtischen Statistishen Amts waren die Brotpreise im Jahre 1888 erheblihen Schwankungen unterworfen; während bei dem einen Bä>er 100 kg Brot 18,28 M fosteten, betrug der Preis bei einem anderen Bäder 23,56. Eine Familie von 6 Köpfen würde demnah bei dem ersten 31,68 H weniger als bei dem andern bezahlt haben. Und zwar sind “dié Preise gerade im Centrum, wo die Reicheren wohnen, billiger gewe)en als auf der Peri- pherie. Darnach hat die freisinnige Partei niht von einer

sprechen.

Abg. von C zarlins ki: Auh wir wünschen eine Reform der direkten Steuern, sofern sie mit einer gerehten Vertheilun der Lasten gleihbedeutend ist. Die Steuerkraft ist namentli im Osten allzu straf angespannt.

Abg. Freiherr von Huene: Durch die Verknüpfung der Reform der direkten Steuern mit der Frage der Ueberweisung der Realsteuern würden wir leichter zum Ziel kommen; daß die Ueberweisungen aus der lex Huene dauernd so hoh sind wie jebt, wünsche ih gar nit, denn die jeßige Höhe beruht auf der shlehten Ernte, und wir müssen vor allen Dingen gute Ernten wünschen. Die Regierung darf die heutige Diskussion nicht tragish nehmen, vor den Wahlen wirft man eben mit dem Gespenst herum, wieviel der Steuerzahler zu zahlen hat. Nath den Wahlen werden wir son zu einer Verständigung kommen.

Nach einigen persönlichen Bemerkungen der Abgg. Graf Kaniß, Ri>ert und Dr. Krause werden die Einnahmen aus der Klassen- und Einkommensteuer bewilligt und die Weiter- berathung des Etats vertagt.

Schluß 31/4 Uhr.

Die in der gestrigen (8.) Sizung des Hauses der Abgeordneten bei der Berathung der Titel 1 und 2 des Kap. 4 „Einnahmen aus den direften Steuern“ von dem Finanz-Minister Dr. von Scholz gehaltene Rede lautete:

Meine Herren! Jh habe mit Atung und Aufmerksamkeit zu- gehört, was der verehrte Herr Vorredner in Bezug auf die Noth- wendigkeit und den Inhalt einer Steuerrefcrm eben auszuführen die Güte gehabt hat. Jh werde auch in gleicher Weise, wenn das hohe Haus eine Debatte in der Richtung fortdauern lasen sollte, nicht ver- \äumen, den folgenden Rednern aufmerksam zuzuhören und Alles das, was heute zur Sache vorgebraÏt wird, gzu erwägen. F< glaube aber, i< bin es dem hohen Haufe \{uldig auszusprechen, daß ih mich an einer solchen Debatte aktiv Namens der Staats- regierung nicht weiter betheiligen kann. Es ist das ja ganz unmögli. Angesihts der Ihnen gemahten Eröffnung, daß ein Geseßentwurf in der Richtung vorbereitet wird innerhalb der Staatsregierung, bin ih als einzelnes Mitglied der Staatsregierung außer Stande, vorher in materielle Details dieser Art hier gelegenili< der Etatsberathung mi<h weiter einzulassen. Ih möchte gezenüber dem Herrn Abg. Ri>ert deshalb die Bitte aussprechen, nit anzunehmen, daß ih neulich einen unangenehmen Tag gehabt hätte und daß ih heute einen besseren Tag baben könnte gegenüber seinen Anfragen. Nein, es liegt niht an dem mebr oder weniger günstigen Tag, sondern an dieser prinzipiellen Stellung, daß i< nit in der Lage bin, auf die wenn au be- \{räânkie, materielle Frage, die der Hr. Abg. Ri>kert wiederholt an mi gerihtet hat, zu antworten. Der Herr Abgeordnete sagt: wie denkt si< denn die Regierung die Sache ? Soll die Klassen- und Einkommensteuerreform mit der Landgemeinde- reform verbunden werden oder ni<t? Davon hängt Alles ab Was bängt Alles davon ab, Hr. Ri>ert ? Ob Sie heute zufrieden find oder ni<t ? Aber materiell irgend cin Beschluß, ein praktis hes Ding hängt do jeßt zur Stunde nit davon ab. Ich bin heut nit im Stande, auf eke Frage eine Antwort zu geben, und bitte wiederholt, nicht anzunehmen, daß s an der Ungunst des Tages liegt. Wenn der Hr. Abg. Rickert dies ni<t anerkennen mag, so bringe ih ihm die Sate vielleicht näher, indem 1 an ihn die Frage stelle: Sie haben neuli< von der Aufhebung der landwirth\chaftlihen Zölle gesprochen, Sie haben gesagt, kein Mensch denke daran, sie ohne Meiteres und allein, einseitig aufzuheben 5 ih glaube, innerhalb der Shnen nahestehenden Freunde sind do manche, die etwas anders über den Punkt denken; wenn nun dle Fraktion einen Antrag in tieser Bezichung vorbereitete, und die Fraktion wäre mit dem Antrag no< ni<t fertig, und beute richtete Femand an Sie die Frage: nun, Pr. Abg. Ri>ert, sagen Sie doch, wie wird die Sache gemacht, uns kommt Alles darauf an, ob Sie die Sache einseitig oder in geschi>ter Verbindung löfen, würden Sie der Fraktion so vorgreifen und eine Erklärung über einen Antrag, der no< in der s{wierigen Vorbereitung begriffen ift, abgeben ? Gewiß nit! Was in dieser Beziehung für die Fraktion ret und bibig ist, das ist no< mebr und stets nothwendig für die Staats- regierung, und alle Versuche, ein einzelnes Mitglied zu einer vor- greifenden, zu einer voreiligen, zu elner unfruhtbaren Erklärung zu veranlassen, müssen deshalb scheitern.

Einer dem Hause der Abgeordneten zugegangenen Ueber- sicht der in den Jahren 1887/88 und 1888/89 von dem Königlichen SFustitut für Glasmalerei ausgeführten Arbeiten entnehmen wir, daß in dem erstgenannken Jahre überhaupt, außer verschiedenen fleineren Aufträgen, 18 größere Aue ausgeführt wurden. Dar- unter befinden sh zwei romanise Cho: fenster mit Darstellungen aus dem Leben Christi für die GarnisonkirWe in Stuttgart zum Preise von 8000 1, ein gothishes, sogenanntes Stephanusfenster für den Dom in Halberstadt zum Preise von 3330 H, 3 Fenster mit Darstellungen Deutscher Kaiser und 3 Brustbildern von Heiligen in den Spitzbôgen für den Dom in Merseburg zum Preise von 5495 16, 2 Fenster für die Kirhe in Marienbad, gestiftet von Sr. Königlichen Hoheit dem hochseligen Prinzen Friedri Carl, ferner Fenster für die Kirhe von Garz bei Wildberg, die Dreis faltigkeitskirhe und die St. Hedwigskirhe in Berlin, die Kirchen in Burgscheidungen, Berndorf, Schulzendorf, Pr. Friedland sowie meh- rere Privatbestellungen von Wappen, Porträts u. |. w. Im Ihre 1888/89 wurden neben verschiedenen kleineren Aufträgen 24 größere Ar-

beiten ausgeführt; von diesen sind besonders hervorzuheben : die Restau-

künstlihen Vertheuerung der nothwendigen Lebensmittel zu E