1890 / 38 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

und der Geseßentwurf, betreffend die erleihterte Abveräußerung kleiner Grundstü>ke, ohne Debatte

erledigt.

Mit Rücksicht auf die NeYBagiallen wurde die nächste Sigzung auf Montag, den 24. Februar, 11 Uhr, an- beraumt. Schluß 113/4 Uhr.

(Der S@hlußbericht über die vorgestrige Sivung des Hauses der Abgeordneten befindet sih in der Ersten Beilage.)

Zeitungsstimmen.

Ueber die Aufnahme, welche die Allerhöchsten Kund- ebungen in der Arbeiterfrage in Belgien gefunden haben, sreibt der „Hamburgische Correspondent“: „Die Initiative Kaiser Wilhelm's findet in ganz Belaien eine geradezu begeisterte Bs Während sonst jede politishe Maß: nahme dem Haß der gegnerishen. Parteien unterliegt, wird von allen i und ihren Organen dus Vorgehen des Deutschen Kaisers, die ührung Deutschlands in der fozialen Frage, die internationale Lôfung der Arbeiters<ußfrage in gleich zustimmender Weise begrüßt. Die ganze liberale, klerifale und radikale Presse der Hauptstadt und dcr Provinzea erkennt die Bedeutsamkeit der Kaiserlichen Erlasse an, sie erbli>t darin die Möglichkeit, den Arbeiterforderungen gere<t zu werden und der sozialistiihen Bewegung gesundere Bahnen anzuweisen und huldigt dem deutschen Kaiser. Das ministerielle «Brüsseler Journal“ stimmt den Erlassen voll zu und rühmt „den seltenen Scharfbli> des Kaisers, des Freundes und Beschügers des Arbeiters" ; der ultraklerikale „Brüsseler Courier* ist über die Initiative Kaiser Wilhelms um so befriedigter, als taufende von Arbeitern sie mit Jubel begrüßen. Der klerikale „Patriote* schreibt: „Eine nue Aera beginnt. Alle Herzen erweitern \si{h. Ehre und Erfolg Wilhelm dem Zweiten!“ Die liberalen Blätter sind niht minder des Lobes voll. Die „In dépedance Belge® erkennt „ohne Vorbehalt den großherzigen und politishen Gedanken der Erlasse“ an, die „Nation“ feiert den Kaiser als „den Friedensstiftcr, als den Mann des militärischen, politis<en und, was sein besonderer Ruhm, des sozialen Friedens“, die „Etoile Belge“ rühmt „das jugendliche und hochherzige Feuer, mit wel<hem der Kaiser im Interesse des sozialen Friedens und der Civilisation vorgeht“, die radikale „Réforme“ ist der Bewunderung voll. „Kaiser Wilhelm hat si< wit einem Schlage seinen Rang unter den Staatsmännern erworben; seine Initiative kennzeihnet eine der großen Etappen des sozialen Fortschritts*. Diesen Aeußerungen {ließt si< die belgishe Provinzialpresse voll an kurz Kaifer Wilhelm hat si sofort eine wahre Volksthümlichkeit in Belgien erworben und fein Vorgehen findet um so einmüthigeren Anklang, als die Lage in Belgien selbs sehr \{wierig ist und man sie gerade dur eine internationale Arbeiters<ußgeseßgebung bessern zu können erwartet. Unter allen diesen Verhältnissen und bei der Stimmung im Lande ist die Theilnahme Belgiens an einer Konferenz gesichert.“

«_ Die \<weizeris<he Presse aller Scattirungen, namentli die „Basler Nachrichten“, der „Bund“, die „Berner

itung“, das „Genfer Journal“ und die „Neue Züricher

itung“ sowie die Wochenblätter begrüßen und besprechen, wie „W. T. B.“ berichtet, sämmtlich die Erlasse des deutschen Kaisers in sympathisher Weise; einige Blätter geben der Hoffnung Ausdru, daß troßdem die von der Eidgenossenschaft angeregte Konferenz unter Theilnahme Deutschlands am 5. Mai in Bern zusammentreten werde.

Auch die französischen Zeitungen fahren, wie „W. T. B.“ aus Paris meldet, fort, die Erlasse Sr. Majestät des Kaisers u besprehen. „Paris“ sagt, es sei unmögli, die Erlasse Killshweigend zu übergehen, und weist auf die Fürsorge der französishen Republik für die Arbeiter hin. Die Ausmerk-

Wetterbericht vom 10. Februar,

Morgens 8 Uhr. mit Benußung

Anfang 7 Uhr.

Stationen. Wind. Wetter.

in 9 Celsius

C S 4°R.

Bar. auf 0 Gr u. d. Meeres\p. red. in Millim.

Temperatur

OSO 4 bede>t SSO 3 wolkig WSW 1 wolkenlos N 2|bede>t

W 2 Nebel W 2 wolli WNW 1\Nebe

=J D =JI

Mullaghmore Aberdeen Christiansund Kopenhagen . Stockholm . M / Petersburg . |_769 Cork, Queens- town .….| 766 |O Cherbourg . | 766 |SO elder... |. (738 [D 774 |OSO amburg .. | 775 winemünde | 775 Neufahrwasser| 773 Memel ... | 772

O, l T0 ünster... | 773 Karlsruhe . . | 772 Wiesbaden . | 772 Cenis E n emnigz .. Berlin... | 775 l... | 771 Breslau... | 772

767 766 767

1) Reif. 2) Reif. 9) Reif. 4) Reif. Uebersicht der Witterung. Ueber ganz Europa is der Luftdru> gleihmäßig vertbeilt, das Wetter ruhig, theils heiter, theils nebelig, ohne nennenswerthe Niederschläge. In Deutschland und im französishen Binnenlande

Uhr.

“I =J N A P M O jd

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Donnerstag:

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1 . E 2) Donnerstag: wolkenlos

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wolkenlos wolkenlos

DO P 1E | 5 C5 C5 pad C H bund pi D S L <8

Musik von A.

derrs<t überall Frostwetter. München und Friedrihs- | Stanley in Afrika. hafen melden minus 9, Gbemnig cinns 10 Grad; | von Alex, Moszkowski dagegen im nördlichen Norwegen herrs<t ungewöhn- | Musik von G. A

lih milde Witterung. Anfang 74 Uhr

Deutsche Seewarte I

Theater - Anzeigen. Bönigliche Schauspiele.

Dienstag : Dienstag: Opern- | 3 Akten von

haus. 33. Vorftellung. Othello. Oper in 4 Akten | Musik von Ca

von Giuseppe Verdi. Text von Arrigo Boito. Für uus Sri e a

Mittwoh: Der arme Jonathan.

die deutshe Bühne übertragen von Max Kalbe>. | Federmann.

In Scene geseßt vom Ober - Regisseur Teylaff. Dirigent : Kapellmeister Sucher. Anfang 7 Uhr.

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samkeit der Republikaner müsse si< weiter darauf richten, daß sih nit allein in Deutschland die Konservativen an die Spitze des autoritativen cristlihen Sozialismus stellen. „France“ meint, die hohe Bedeutung der Kaiserlichen Erlasse sei nicht zu verkennen ; jedenfalls seien die Erlasse bedeutsame Anzeichen einer Aenderung der politischen Orientirung im monarchishen Europa.

Die ungarische Presse spricht, wie wir aus der „Ger- mania“ ersehen, in Ausdrüden des höchsten Lobes von den Allerhöhsten Erlassen und feiert dieselben als eine civili- satorishe That. Dem genannten Blatt entnehmen wir fol- gende Zusanumenstelung: 6 a |

„Pesti Naplo* sagt: Ein glänzendes Progrâním hat der Deutsche Kaiser si vorgeseßt. Ob es realifirbar ist, wollen wir nit untersuchen ; allein daß ein Monar, dem Millionen Bajonette zur Ver- fügung stehen, nicht nah dem blutigen Lorbeer des Krieges strebt, sondern darna<, das Loos der Elenden und Beladenen zu verbessern, ist: jedenfalls eine Ersbeinung, welhe ihm mehr zum Ruhme gereicht, als alle kriegerishen Thaten. Daß er ganz Europa zur Mitwirkung an den geplanten Reformen heranzichen will, ist ein Zeichen für die Aufrichtigkeit seiner Absichter, für die Reinheit seiner Aaffafsungen. Ueberall würde es mit Freuden begrüßt werden, wena dieser Kongreß zusammentritt, der mit den heiligsten Interessen der Menschheit si beschäftigt. L

Ea ertes“, das Organ der äußersten Linken, meint, wenn Kaiser Wilhelm scinen Zwe> erreihe, so werde diese seine Initiative eine neue Epoche bedeuten in dem Wirthschaftsleben Europas und der Civilisation. Selbst wenn ein unmittelbarer Erfolg ausbliebe, fo bleibe gewiß, daß die kühne Initiative des Kaisers eine ungeheuere Tragweite besißt und außerordentli&e Wandlungen vorbereitet.

Das „Neue Pester Journal“ meint: „Dcs Kaisers An- regung darf des vollen Beifalls aller derer gewiß scin, wel<he mens<- li fühlen. Wilhelm I]. sept sih in Harmonie mit einer starken parlamentaris<en Majorität und einer mächtigen, volksthümlichen Strömung, nit nur in Deutschland, sondern au in Guropa.*

Uner der Ueberschrist „Unsere Wahlparole“ bringt die „Weimarische Zeitung“ folgende Betrachtung:

„Die Blätter der Opposition pflegen als einen günstigen Umstand, der ganz besonders geeignet sei, die E ibrer Parteigenossen für den bevorstehenden Wablkampf zu steigern, zu bchaupten, daß den Kartellparteien diesmal eine wirksame Wahlparole fehle. Das ist insofern rihtig, als heute im Gegensag zu 1887, wo Deutschlands Sicherheit so {wer bedroht war, die Erhaltung des Friedens ge- fihert erscheint. Allein die Wahlparole fehlt uns darum _ nicht: sie ift dieselb: wie damals: für Kaiser und Reich. Heute wie damals gilt es bei den Wablen, zunähst dem Auslande zu zeigen, daß das deuts<he Volk fest entschlossen ist, seine auf der inneren Einheit berußende Machtstellung zu behaupten; denn nur fo lange diese ge- schert ist, fürhten uns unsere Feinde, die in ihren Wünschen und Bestrebungen heute dieselben sind, wie vor drei Jahren, und mit ge- \pannter Aufmerksamkeit die Vorgänge in unserem innerpolitishen Leben verfolgen, um, wenn ihnen der geeignete Zeitpunkt zu E n Vorgehen gekommen erscheint, das alte Spiel wieder auf- zunehmen.

Aber ni<t nur der Wahrung unserer Mathtstellung na außen gilt die Wahlparole: für Kaiser und Reichz sie gilt erst re<t für die Wahrung unserer Errungenschaften im Innern. Zwanzig Jahre sind seit der Gründung des Reichs verflossen zwanzig Jahre einer gesegneten Entwi>kelung unierer politishea und wirthschaftliwen Verhältnisse, eines Aufshwungs auf allen Gebieten, wie ihn die Ge- \hihte unseres Volkes seither niht gekannt hat. Dafür zu sorgen, daß diese Entwickelung nit gestört werde, ist die Pflicht eines jeden Wâählers; er kann sie nur erfüllen, wenn er si klar darüber ist, daß die Voraussetzung dieser Entwi>kelung zu suchen ist in dem vertrauens- vollen Zusammengehen der Volksvertretung mit den verbündeten Re- gierungen, in der kräftigen Unterstüßung der Politik des Reichs- kanzlers, die si auf die Verfassung als das Fundament des Reiches

Schauspielhaus. 34, Vorstellung. Romeo und Julia. Trauerjpiel in 5 Aufzügen von Shakespeare burg. Dienstag:

Scene geseßt vom Direktor Dr. Otto

Mittwoch : Opernhaus. 34. Vorstellung. Violetta. (La Traviata.) Oper in 4 Akten von Verdi. Ballet von Paul Taglioni. In italienisher Sprache. (Violetta: Frl. Rejewska, als Gast.) Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. Prinzessin von China. Tragi-komishes Märchen i 4 Aufzügen na< Gozzi von Stiller.

Mittwoch u. Donnerstag: Die spanische Wand. o< und | __" Zahnushmerzenu. 9

Victoria-Theater. Dienstag: Zum 177, M.:

Mittwoh: Dieselbe Vorstellung.

/ L 74 Uhr: Zum 21. Male: Deu T : Friedrich - Wilhelmstädtishes Theater. nationale Driginal-Pantomime, Deceriet C . Renz, Dekorationen, Kostüme, , : 27. Male: Der arme Jouathanu. Operette in | Wagen neu und prahtvoll, 3 Musikcorbs. jor: cte dd

ugo Wittmann und Julius Bauer. | führen der 6 großarti l, rf L 6 pin Suftrcten H ul Drud> der Norddeutshen BuWdru>erei und Verlags

tüßt. An dieser Verfassung, die dem Voike eine Summe von

der Schlegel evrient.

Anfang 7 Uhr.

35. Vorstellung. Turandot,

Anfang

Nordische Heer- | 7# Uhr.

Der Veilchenfresser. Dienstag:

47, M.: Berolina.

49, Male: Beroliua.

Vorher: Zahu ie “2 Musik von Franz Roth. Novität! mil Pohl. meyer. Anfang 74 Uhr

urid Richard Nathanson. | schichte der Urwelt. Raida. Ballet von G. Severini.

Circus Renz, Karlstraße.

Mit neuer Ausstattung: Zum | rektor

Millô>er. Jn Scene geseßt von | dur<h Hrn. Franz R PEgens Hr. Kapellmeister | reiterin Frl. r.

Mittwo<: Deutsche Turner.

4 u 4 4

Residenz-Theater. Direktion: Siegmund Lauten-

\hen Uebers i Zum 4, Male: en ZeoerjeQUng Un | Lustspiel in 3 Akten von Victorien Sardou. Deuts : e von Robert Buchholz. In Scene geseßt von Sieg- | von Melitta Berghof (Sopran) und Sidney Vantyn

mund Lautenburg. Die neuen Dekorationen sind aus | (Klavier). Anfang 8 Uhr. dem Atelier der Herren Hartwig, Hinze und Harder.

Mittwo( u. folgde. Tage: Marquise.

Musik von H. Müller. Mittwoo<: Der Prozteubauer.

Central-Theater. Direktion: Emil Thomas. Mit vollständig neuer Ausftattung an Kostümen, a Dos A Sceguistlen, jem

ofse mit Gesang in4 Akten Tessing- Theater. Dienstag: Das Vild des | von Jean Kren. Musik von G. Steffens. heiter Signorelli. Schauspiel in 4 Akten von Richard geseßt vom Direktor Emil Thomas. Anf. 7f Uhr.

Jassé.

Mittwo<: Die Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann.

Donnerstag: Das Vild des Signorelli.

Die nähste Aufführung des Schauspiel Der Fall Clémenceau findet Freitag statt.

Walluer=-Theater. Dienstag: Zum 5. Male:

ittwoh: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Benefiz für Hrn. Oscar Löber. Zum

Adolph Ernfst-Theater. Dresdenerstraße 72.

Dienstag: Zum 4. Male: Der Goldfu<hs. | Hrn M Gesangsposse in 4 Akten von Eduard Jacobson und i; Die spanische Wand. S{<hwank in 3 Akten von | Leopold Ely, Couplets theilweise von Gustav Görß. Dr. Koppel - Ellfeld. Schwank mit Gesang in 1 Akt von Conradi.

neuen Kostümen und neuen Dekorationen von Lütke- Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.

Urania, Invalidenstraße 57/62, geöffnet von Zeitgèmälde in 10 Bildern | 12—11 Uhr. Dienstag um 74 Uhr: Die Ge-

Dienstag, Abends

Mary. Jeu de la Rose. Grd. Duchesse-Manöver, geritten von 16 Damen. Auf- treten des gesammten Künstler - Personals.

Réthten gewährt, wie sie nur wenige andere Staaten besißen, if niemals gerüttelt worden im Sinne uet Beschränkung dieser Rechte. Alles, was über „reaktionäre“ Beftrebuugen gesagt worden is und gesagt wird, beruht auf böswilliger Täuschung Leichtgläubiger. Keine einzige freiheitliGe Einrichturg ift ges{rounden oder au< nur an- etastet worden. Den freiheitlihen Einrihtuïzen drohen nur Ge- ahren, wenn die im ri<tigen Maße \i<h haltende Auffaffung der bürgerlichen Freiheit, aus der die Versafiung erwachsen ift, ein Opfer des Radikalismus werden sollte. Unsere Wahlparole: für Kaiser und Reich bedeutet also wie die Erhaltung unserer Heeresstärke zum Schutze des-Vaterlandes nah außen, so die Erhaltung der Verfassung als ein Bollwerk des inneren Friedens im Kampfe gegen dielenigen Parteien, die die Fundamente unseres Verfassungslebens verschieben und umstürzen wollen: die einen, indem sie die katbolishe Kirche zur herrshenden Macht erheben, die anderen, indem sie Einrichtungen for- dern, die das konstitutionelle monar<ishe Staatswesen in ein demo- kratish-republikanis<hes verwandeln und aus der Kaiserkrone, die der Wölbungs\<lüssel im Bau des Reiches ist , einen bloßen Zierrath machen würden, die dritten endlich, indem sie den Staat und die be- stehende Gesellschaftsordnung mit dem Untergange bedrohen.

Unsere Wablparole: für Kaiser und Reich bedeutet ferner das Eintreten für die Erhaltung- der bisherigen Politik der sozialen Reform, der Deutschland eine Reihe der großartig\ten Geseßgebungs- werke zum Besten der Arbeiter verdankt, die tägli<h mehr in ihrer segendreihen Bedeutung au< von denen anerkannt werden, die Ri feiner Zeit auf das lebhafteste bekämpft haben. Sie bedeutet die Er- haltung der rationellen Wirthschaftspolitik, der Deutshland den Auf- \{<wung auf den Arbeitsgebieten dankt, und die Möglichkeit, daß die industriellsten Völker der Erde in ihm einen bedeutenden und gefähr- liœen Konkurrenten schen, einer Wirthschaftspolitik, die zu einer er- heblihen Steigerung der Löbne geführt hat. Sie bedeutet au die Erhaltung der bisherigen Kolonialpolitik, dur< die Deutschland in die Lage gebracht ist, si für die Zukunft die überseeischen Arbeits- felder zu sichern, deren es im Interesse seines Außenhandels bedarf.

Wer in der Fortführung einer solchen alle Kräfte im Staats- leben in harmonishem Gleichgewicht erhaltenden Politik die Voraus- seßung einer gedeihlihea Entwi>kelung des Vaterlandes sieht, wird dabin ftreben- müssen, daß aus den Wahlen eine gleihgesinnte Reichs- tagsmehrheit hervorgeht, die zu positkiver Arbeit mit den Regierungen bereit ist, niht eine Mehrheit Richter-Windthorst-Bebel, die nur în der Negation ihre Aufgabe sicht, und deren Anhänger auch jeßt mit allen Mitteln bestrebt sind, das gesunde Urtheil der Wähler zu ver- wirren. Aber heute wie vor 3 Jahren wird die Parole: für Kaiser und Reich ihre siegreihe Kraft bethätigen.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Fiume, 10. Februar. (W. T. B.) Bei-dem Grafen Andrassy haben si< nach einer befriedigenden Nacht heute früh wieder größere Schmerzen CMpene : :

London, 10. Februar. (W. T. B.) Der „Times“ wird aus Sansibar vom 9. d. M. gemeldet: Emin Pascha ist gänzli<h wieder hergestellt und beabsichtigt demnähst na< Sansibar zu kommen. —- Der Versuch Banaheri's, die Massais gegen die Deutschen aufzuwiegeln, ist fehlgeschlagen, weil Lieutenant Gravenreuth die zu diesem Zwe>e gesandten 200 Ladungen umfassenden Geschenke erbeutete; Lieutenant Gravenreuth nahm au< den Bruder Buschiris gefangen, welcher hängt wurde. i

New-York, 10. Februar. ( . T. B.) Nath hier vor- liegenden Nachrihten aus Rio de Janeiro gedenkt die provisorishe Regierung vor den allgemeinen Wahlen die Armee um 10000 Mann zu verstärken.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Concert - Anzeigen.

Margquise. Sing-Akademie. Dienstag, 11. Febr. Concert

Concert-Haus, Leipzigerstr. 48 (früher Bilse).

Karl Meyder-Concert. Dienstag, 11. Febr. : Ouvert. „Loreley* v. Wallace. „Rienzi* v. Wagner. „Hans Sachs* v. Lortzing. „Sentiers Fleuris“, Walzer v.

Belle-Alliance-Theater. Dienstag: 37. Gast- | Wa.dteufel. „Ave Maria“ (mit Orgel) v. Bach- spiel der „Münchener“ unter Leitung des Königl. bayer. E N Hofschauspielers Hrn. Max Hofpaur.

Der Protzenbauer vou Tegernsee. Deutsches Theater. Dienstag: Ehrenschulden. | posse in 4 Aften mit Gesang und Der Tartüff. D: Mitius.

Mittwo<: Zum 1. Male: fahrt. Trauerspiel in 4 Aufzügen von Henrik Jbsen. Der Pfarrer vou Kirchfeld.

Berliner Theater. Dienstag: Hamlet. Mittwo<: Gräfin Lea.

Sauen, une ne d “aud f. Piston v. um 2, Male: terer, vorgetr. v. Hrn. Ritter.

N Gebirgs- Dienstag, 18. Febr. (Fastnaht): Leyter Sub- Tanz von | scriptions-Ball. .

Anfang Si

Familien-Nachrichten,

Verlobt: Frl. Käthe Groppler mit Hrn. Kauf- mann Ernst Vorlauf (Königsberg). Frl. Klara Sperl mit Hrn. Dr. Jeshonnek (Mühle Allen- stein). Frl. Klara Koppe mit Hrn. Heinri Stolze (Berlin).

Vereheli<t: Hr. Königl. Regierungs-Baumeister August Cnyrim mit Frl. Mimi Grote (Unna—

agen). Hr. Dr. Adolf Feld mit Frl. Gertrud

walbe (Berlin). Hr. Berthold Seupel mit Frl. Anna Weißhaar (Chemni) Hr. Dr. Cle- mens Gehrenbe> mit Frl, athilde Simon (Rheinau—Weilheim).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Préem.-Lieutenant Eugen Gereke (Köln). Hrn. Fr. Zeitner (Rosto>k). Hrn. Karl Roesh (Breslau).

ax A>kermann (Gos<üß—Neudorf). Eine Tochter: Hrn Hermann Reyß (Lemgo). Pry Richard Dabbert (Berlin). Hrn. H.

rôse>e (Berlin) Hrn. Regierungs-Baumeister Albert Kerl (Magdeburg). Hrn, Kaiserl. Bank- Kassirer Rudolf Neumann (Berlin).

Gestorben: Hr. Hotelbesiger Eduard Ermel (Chicago.) Hr. Königl. Amtsrichter Dr. Paul Seel (Berlin). Hr. Kaufmann Hermann Schmidt (Berlin). Hr. Bau-Assistent Ewald Vogel (Rawitsh). Hr. Hofbesißer Gottfried Möller (Lenzen). Frau Sophie Scerrer, geb. Thun (Hannover). Frau Friederike Deide, geb.

erno (Laage). -- Hr. Oberlehrer Dr. Albre<ht

öhn (Guben). Hr. Major Alfred Schuster

(Gumbinnen).

Redacteur: Dr. H. Klee. Verlag der Expedition (S < olz).

In Scene

Mit vollständig

Anstalt, Berlin 8W., Wilbelmstraße Nr. 32. Sechs Beilagen (eins<hließli< Börsen-Beilage).

(232)

Erste Beilage

zum Deulschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

M 38.

der in den deuts<hen Münzstätten bis

Berlin, Montag, den 10. Februar

Deutsches Neich. Nebersiht

Ende Januar 1890 stattgehabten Ausprägungen von Reihsmünzen.

1890.

D

1) Im Monat Januar Goldmünzen

Silbermünzen

Ni>elmünzen Kupfermünzen

1890 sind geprägt worden in:

Doppel- kronen M. M. M

Kronen Halbe

iervon auf rivatrech- Kronen nung Ÿ

Fünf- Zwei- Ein- Fünfzig- Zwanzig-

M. M. M E M Es)

: , | Zwanzig- Zehn- Fünf- markstü>e| markstüde | markstüde | "sus Maio pfennigltüce

ehn- inf- Zwei- __Ein- pfennigstü>ke | pfennigstü>e | pfennigstü>e | pfennigstüd>e

k M K H A |S M M M

8 962 840

Stuttgart

8 962 840 S _—

L 20 767/50 r E

U

T 5E E T 4 354

W

Summe 1. 8 962 840

8 962 840 F 2) Vorher waren geprägt*)| 1 926 525 040/476 294 299/27 969 925|1103517290/74 104 195/104 964 606/178 990 334] 71 486 552/—| 35 717 922/80j 3 003 179|—} 27 230 473/70

|

| |

l e 752296 "13 343 950/15] 6 213 20744] 4784 147

3) Gesammt-Ausprägung |T 935 457 880/476 294 290/27 969 S 74 104 195/104 964 606/178 990 334] 71 186 552 —| 35 717 922 80| 8 003 S 27 251 241 20] 13 343 S

4) Hiervon sind wieder

eingezogen 1 042 940} 1196 730 9615

7 270) 7 704 7125 2 911/50 13 002 742|—

6213 207 14| 1791 670/57 310/60 97|— 23

| 8/20 895/90

1 934 414 940/475 097 560/27 960 310] 2437 502 810 M |

5) Bleiben

3 003 170/80] 27 250 345/30] 13 343 639/55

6 213 180 44| 4 791 646

[L 096 995|104 956 902/178 983 209| 71483 640/50] 22 715 180/80 4152 235 857,30 A6 |

*) Vergl. den „Reichs-Anzeiger“ vom 9. Januar 1890 Nr. 10.

Berlin, den 7. Februar 1890.

Parlamentarische Nachrichten.

Schlußbericht der vorgestrigen (13.) Sipung des S der Abgeordneten. Fortseßung der zweiten erathung des Entwurfs des Staatshaushalts- Etats für 1890/91, und zwar des Etats des Finanz- Ministeriums. . _ Zu Kap. 58: Ober-Präsidenten, Regierungs-Präsidenten 2c., Titel 2 Hauptkassen-Rendanten 2c., Titel 3 Kanzlisten 2c., Titel 5 Wohnungsgeldzuschüsse und Titel 7 Remunerirung für Hülfsarbeiter bemerkt der Abg. Zelle: Bereits früher ist ier die Frage des Vorrü>ens der Regierungs-Sekretäre im Gehalt besprohen worden. Der Minister erklärte damals, das bisherige Verfahren habe zu Ungleich- mäßigkeiten geführt. Es solle daher das System eändert werden. Das geshah au< und alle Welt war zu- rieden. Jeßt hat man aber wieder das alte System ein- geführt, angeblih um die Regierungs-Präsidenten in der Wahl threr Kanzleibeamten niht zu beschränken. J<h möchte doch den Minister bitten, das System wieder einzusühren, wonach die betr. Beamten dur<h die ganze Monarchie gleichmäßig aufrü>en konnten. Das hat sih bei fast allen andern Ver- waltungen bewährt. :

Bei den fächli<hen Ausgaben „zur Bestreitung - des Portos u. st. w.“, bemerkt Abg. Hoeppner, daß die neuer- dings eingeführte Pauschalisirung des Porios zu manchen Unzuträglichkeiten führe. Das Pauschquantum werde nament- lih Fie die Landräthe niht ausreichen, und es sei besser, das Pauschquantum der Reichspost zu übertragen und den Beamten portofreien Verkehr zu. gewähren. Es sei nicht zu verlangen, daß die betreffenden Beamten das Manko an Porto aus der eigenen Tasche bezahlen.

inanz-Minister Dr. von Scholz:

< hâtte nit geglaubt, sobald sol<e Klagen zu hören über eine neue Einrichtung, von der man vorher allgemein angenommen hat, sie werde mit Freuden begrüßt werden. Aber es is} wobl gewöhnli<h so, daß, wenn die alten Schäden nicht mehr drü>ken, dann irgend eine Unbequemlichkeit des Neuen um so empfindlicher bezeihnet wird. Ih habe nur das Wort ergriffen, um der etwaigen Vorausseßung entgegenzutreten, als ob die Staatsregierung ihrerseits cs überhaupt beabsihtiat hätte oder zulassen würde, daß irgend ciner der von der Pauschalirung be- troffenen Beamten dauernd genöthigt werden sollte, irgend einen erhebli<en Beitrag ex propriüis zur Beförderung der dienstlichen Briefe beizutragen. Eine solche Absi<t liegt natürli der Staats- regierung ganz fern, und sie wird das ibrige thun, um da, wo irgend ein solcher Zustand gegen allen Willen und alle Voraussicht sih heraus- stellen sollte, ihn abzustelen. Das Mittel dazu ist einfa<h gegeben, indem es sich ni<ht um für alle Zukunft fixirte Pauschalbeträge, \son- dern um na< dem Bedürfniß veränderlihe Pauschalsätße handelt. Es ist das ja au<h Nichts gonz Neues. Wir haben das auf viel \{wieri- geren Gebieten in unserem Etat, z. B. bezüglih derjenigen Summen für Amtsunkosten, wel&e den Herren Landräthen schon bisher gegeben wurden, für viele andere Bedürfnisse, die viel \<hwieriger auf die Dauer zu bemessen waren als gerade die Foutotolten gethan, und wir haben bisher au< nit gehört, daß die Staatsregierung etwa bei der nahgewiesenen Unzulänglichkeit dieser Beträge sih geweigert hätte, das Nöthige zuzulegen. Jedenfalls liegt das eben in dem Begriff der Pauschalirung, welche den großen Vor- theil hat, daß eben dem Uebelstande des kleialihen Rehnungswesens, wel<es die Wirkung hatte, daß der einzelne Beamte oft fat mehr an Listen, Nachweisungen 2c. des Portos zu schreiben und zu arbeiten hatte, als für sein eigentlihes ‘Amt, Abhülfe ges{<affft wurde.

Nun hat der Herr Abgeordnete gemeint, es würde sehr einfa< sein, das Pauschquantum, wel<hes hier ausgeseßt sei, der Post anzu- bieten und dafür Portofreiheit herbeizuführen. Jch bitte Sie, si<h zu vergegenwärtigen, daß es ganz unmögli<h ist, daß reußen einen Vertrag für einzelne Beamte mit der Post ab- \<hließt, wona<h diese Beamten zu einer portofreien Korrespondenz befugt sein sollten. Wir haben es für ganz Preußen längst versut; aber die Sache ist daran gescheitert, daß die Stand- punkte nicht in Uebereinstimmung zu bringen waren. Die Auffassung von dem reihen Postfiskus, der ja in einem sol<hen Fall 5 vielleicht

erade sein lassen könnte, trifft nit zu. Der Postfiskus ift cin heil des Reichsfiskus und muß mit Gewissenhaftigkeit auf dem Seinigen bestehen, und die preußishe Verwaltung darf au<h ni<ht des Glaubens sein, etwos hingeben zu können, ohne genügende Unterlagen. Der Weg aber ist völlig ungangbar, daß für einzelne Beamte ein Paushquantum mit der Post abgema<t wird; er würde aber au<h weit über das Ziel hinausgehen, da Nihts entgegensteht, wie gesagt, um innerhalb der preußishen Re- ierung und des preußishen Etats dem Bedürfniß entsprehend die Binveit mit denjenigen Fonds auszustatten, welhe sie brauen, um die Naxteiyondent wirkli< kostenfrei zu befördern. Sollten einzelne Fälle der beregten Art hervortreten, so bitte ih, sich nur vertrauens- voll im geordneten Instanzenwege an die Regierung zu wenden. Dann werden die 10, 20 oder höchstens 30 46, um die es fi wahrscheinli< handeln wird, dem Pauschquantum zugeseßt werden können. ;

: oeppner: Die in Aussicht gestellte periodische Revision schwächt meine Bedenken etwas ab. ;

Die Position wird bewilligt.

Hauptbu<hhalterei des Reihs-Schayamts. Biester.

Die übrigen fortlaufenden und der einzige Titel der ein- maligen Ausgaben „5500 6 zur Erneuerung des Fußbodens im Concertsaale und im Tanzsaale des Königlichen Opern- hauses zu Berlin“ werden ohne Debatte bewilligt.

Der Präsident von Köller s{lägt vor, zur Berathung mehrerer aus dem Herrenhause herübergekommener Vorlagen am Montag noch eine Sitzung abzuhalten.

Abg. Berger giebt zu, daß dieser Vorschlag auf einem Wunsch des Seniorenkonvents beruhe; da er selbst aber als Wilder nicht unter der Autorität dieser Herren stehe, so bitte er mit Rücksicht darauf, daß am Montag do kein beshluß- fähiges Haus zusammen sein werde und auch heute schon die Beseßung äußerst dünne sei, die Sizung am Montag nicht abzuhalten und schon heute die Vertagung eintreten zu lassen.

Präsident von Köller erwidert, er habe sih dur<h Rü- sprache mit hervorragenden Mitgliedern des Hauses überzeugt, daß die Mehrzahl eine Sizung wünsche. Er werde indeß den Antrag Berger zur Abstimmung bringen.

Abg. B erger zieht seinen Antrag zurü.

Schluß 23/4 Uhr.

__— Vei der Berathung der dauernden Ausgaben Kap. 57 Tit. 1 erwiderte dem Abg. Dr. Arendt der Finanz-Minister Dr. von SwHholz:

Obwohl der Herr Abgeordnete die Güte gehabt hat, ausdrü>lich zu verzichten auf die Beantwortung seiner Bemerkung meinerseits, so möchte ih do ni<t ganz obne eine Beantroortung den Gegenstand passiren lassen. Ich gebe ja zu, der Herr Abgeordnete hat es selbst bemerkt, daß äußere zufällige Umstände es vershuldet haben mögen, daß die Sache niht vor einem Jahre hier zur Sprache gebra<t worden ist. Indessen wird man jedenfalls den Schluß daraus ziehen können, taß die heutiae Besprehung verspätet ist, und wenn man wiederum ins Auge faßt, daß erst nah 10 Jahren wieder die Gelegenheit geboten scin würde, der Frage näher zu treten, wird man zugeben müssen, daß heute die Besprehung eine etwas zu frühe war. Wer dann mit dabei sein wird, ist do< sehr ungewiß, und i< möchte deshalb glauben, daß es niht gerade geboten gewesen wäre, diese Bemerkung heute und zwar gerade an den Titel „Sehalt des Finanz-Ministers“ anzuknüpfen. Denn, meine Herren, der Herr Abgeozdnete nimmt doch mit Unrecht an, daß der Finanz-Minister in dieser Frage etwa die Hauptperson sei. Die Theilnahme desselben bei allen wihtigen Geseßgebungs8- und Verwaltungsakten, die das Geldwesen betreffen, ist ja unbestreitbar, aber es steht doch fest, daß das zunächst betheiligte Ressort in dieser Frage das des Herrn Handeis-Ministers ist, und es würde meiner Meinung nah richtiger gewesen sein, an die Position „Handels- Minister“, die allerdings augenbli>lih no< ohne Gehalt im Etat steht, die Debatte anzuknüpfen.

Aber, wenn ih nun bei diesem Anlaß allein für meine Perfon auf die Sache nicht näher einzugehen vermag, so möchte ih do<h dem Eindru> entgégentreten, als handle cs si<h um ein Uebersehen, um eine Vernahlässigung gewissermaßen, die bei der Regierung vorge- kommen sei. Jch möchte den Herrn Abgeordneten bitten, si zu ver- gegenwärtigen, daß die Mehrheit der Regierungen im Bundesrath und demnächst ar< die Mehrheit im Reichstage von der prinzipiellen Stellung ausgegangen ift, es sei gut, in ten Verhältnissen, wie sie jeßt beständen, für jet nihts zu ändern, es sei dem Verkehr am meisten gedient mit einer für jeßt beliebten Aufrechterhaltung der bestehenden Zustände. j ___ Wenn Sie annehmen, daß dies die Grundanschauung ist, die si innerhalb der verbündeten Regierungen sowohl wie im Reichstage Geltung verschafft hat, so nimmt sih denn doch, glaube ic, die Frage etwas anders aus, ob es innerhalb dieses Rahmens ganz zwc>mäßig, gerecht und zu vertheidigen gewesen wäre, wenn die preußische Regierung allein in ihrem Gebiet den Privatnotenbanken das hätte entziehen wollen, was in anderen deutschen Staaten den Privatnotenbanken geblieben wäre. Ich glaube, wenn man die Frage so beleuchtet, kommt man zu der Auffassung, daß sie do< etwas anders liegt, als der verehrte Herr Abgeordnete angenommen hat.

Vorbereitungen für die Wahlen.

Aus Hannover, 9. Februar, wird berihtet : Bezüglich des Verhaltens des hiesigen konservativen Vereins und dessen Mitglieder bei der bevorstehenden Reichstagswahl, namentlich e des Beschlusses, den Konservativen zu empfehlen, ih der Stimmabgabe zu enthalten, hat die Berliner konser- vative Centralleitung vor Kurzem eine Erklärung in der „Kons. Corr.“ erlassen, daß eine derartige Weisung dem hiesigen konservativen Verein von derselben nicht ertheilt worden sei. Dessenungeachtet shlug der Vorstand des genannten Vereins in seiner vorgestern abgehaltenen, von ca. 1 D 6E vativen Wählern besuhten Generalversammlung den Kon}er- vativen „Wahlenthaltung“ vor, worauf ih ca. 100 der an- wesenden Mitglieder entfernten und von den Zurüd>bleibenden 8 mit „Ja“ und 5 mit „Nein“ stimmten. Unter Jenen welche vor der Abstimmung den Saal verließen, befanden sih auh die früheren Vorstandsmitglieder unseres konservativen

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Vereins Dr. med, Eysell, Archivar Dr. Frmer, Tischlermeister Heinze, Redacteur Nagel und Betriebscontroleur Rohde, und diese Herren haben nunmehr eine Einladung an alle konser- vativen Männer unserer Stadt und Umgegend, wel<he den Beschluß der Wahlenthaltung verwerfen, zu einer Versamm- lung am Dienstag, den 11. d. M., Behufs Stellungnahme zur Reichstagswahl erlassen, in welcher den Ersheinenden im Gegensaß zu dem gedahten Beschluß des hiesigen konservativen Vereins die Stimmabgabe für den nationalliberalen Kandidaten empfohlen werden soll.

Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes veröffentliht in seinem Organ, der „Parole“, anläßlih der bevorstehenden Neuwahl zum Reichstage einen Aufruf, der sih gegen die Sozialdemokratie rihtet. Den Mitgliedern der Kriegervereine, heißt es darin, lege das Gelübde, welches fie beim Eintritt in den Verein in dem ersten Paragraphen der Sagzungen freiwillig übernehmen, die Verpflihtung auf zur Pflege der Liebe zu Kaiser und Reih, zu Fürst und Vatér- land, Erhaltung und Stärkung des Nationalbewußtseins : dies sei die Richtshnur eines M3 streng monarhishem Boden stehenden Mannes. Dann fährt der Aufruf fort:

„Diese Gesinnungen \<ließen ron vornherein aus, daß unsere Kameraden sol<he Männer zu Vertretern des Volks wählen, die nicht auf monarchis&em Boden stehen, denen Liebe und Treue, ja selbst Ehrerbietung gegen den angestammten Monarchen ein leerer Schall ist, die keine Vaterlandsliebe kennen, die für das Gefühl des National- bewußiseins nur ein Hohnlächeln haben, die Deutsche nur der Geburt, nicht, der Gesinnung nach sind, die Mitglieder der gegen die Monarchie und das Vaterland ankämpfenden fozialdemokratiswen Partei. Kameraden, wer als Mitglied eines Kriegervereins Feinden der Monarchie, Feinden unseres Kaiserlihen Herrn, des Vaterlands und der gesell shastlihen Ordnung scine Stimme giebt, briht sein frei- willig beim Eintritt in den Verein übernommenes Gelübde und muß aus unseren Reihen \{eiden.“

Wie uns aus Altenburg, 8. Februar, geschrieben wird, haben die sozialdemokratishe Partei und die sogenannte deutshfreisinnige Partei des Herzogthums Sachsen-Altenburg eigene Kandidaten für die Reichstagswahl in der Person des Buchbinders Bu<hwal d und des Zimmer- meisters Haercher (beide Landtagsmitglieder) dem Kan- didaten der Ordnungs- und Reichspartei, Oberst- Lieutenant Jwan Baumbach gegenübergestellt. Troßdem steht zu hoffen, daß Letzterer wiedergewählt werden wird.

Die Ernteschäden in Preußen von 1878 bis 1888. (Vgl. Nr. 37 des „R.- u. St.-4A.*.)

II,

Was die einzelnen Arten von Schäden anlangt, so übte im Jahre 1888 das Hohwasser in den Uebershwemmungsgebieten sowie der Regen und die Nässe einen weitverbreiteten, den Ernteausfall erhebli< beeinträhtigenden Einfluß aus, indem durch ersteren 4092, dur lehtere 11379 Erhebungsbezirke oder 7,4 bezw. 20,7 9% ihrer Gesammtzahl zu leiden hatten. Infolge des Hoch- wassers konnten 1888 na>&weislih 20502 ha, von wel<en 12 913 bezw. 2244 ha auf die Regierungsbezirke Danzig und Marienwerder, 9369 bezw. 492 ha auf Frankfurt und Potsdam, 1100 bezw. 327 ha auf Posen und Bromberg, fowie 1055 ha auf Lüneburg entfielen, gar nicht bestellt werden. Mehr als die Hälfte des Uebers><wem- mungsgebietes km auf die Kreise Marienburg in Westpreußen und Elbing (Land) mit 7338 bezw. 4712 ha, denen si< Stuhm, Lands- berg und Danziger Niederung mit 1373 bezw. 1237 und 863 ha anschlossen. Dur<h die Uebershwemmungen, welhe außer den eben erwähnten Flähen ausgedehnte Kulturstre>ken lange Zeit unter Wasser setzten, wurde besonders die Heuwerbung auf den Wiesen sowie der Roggen- und Rap2anbau vermindert. Außer den Pro- vinzen Westpreußen, Posen und Hannover, wel<e mit 15,9 bezw. 11,7 und 10,9% ihrer Erhebungsbezirke dur Hochwasser und Ueber- \<wemmung geshädigt wurden, hatte namentlih au< no< Schlesien (mit 8,59%) unter demselben Mißstande zu leiden. Der dur Regen und Nässe verursahte Schaden traf hauptsächlih Westpreußen, Rheinland, Ostpreußen, Hohenzollern und Schleswig-Holstein mit 41,5 bezw. 38,5—3%5,3—32,3 und 32,19% der in diesen Provinzen vorhandenen Erhebungsbezirke. Erheblihe Bru(htheile der lehteren waren 1886 in Hohenzollern, 1885 in Ostpreußen, 1883 in Ost- und Westpreußen, 1882 in Rheinland und Hohenzollern von denselben Scädenursahen heimgesu<ht worden.

In den Jahren 1887, 1886 und 1885 übte in vielen Gegenden die Dürre einen besonders nachtheiligen Einfluß auf den Ernte- ertrag aus; niht weniger als 9354 bezw. 6763 und 6243 Sehen, bezirke oder 17,0 bezw. 12,3 und 11,3% erscheinen dur< dieselbe ge<ädiat. Im Jahre 1887 wurde auf einer Fläche von 55 495 ha eine vo N e Mißernte veranlaßt, unter der hauptsähli<h Klee mit 20 070, “La und Buchweizen mit 9564 und 8080 ha zu leiden hatten. iervon entfielen beim Klee 7511 bezw. 4094 und 3082 ha auf Pommern, West- und Ostpreußen, no< 2058 bezw. 1553 und 731 ha auf Brandenburg, Posen und Slesien. Bei den mei als Na<hfru<ht qugehauten Weißrüben wurde eine gänzliche Mißernte verzeichnet auf 4654 bezw. 2246, 835 und 826 ha im Rheinland, in