1890 / 52 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

“Antrag gerichtet: Dieselbe wolle mit Herstellung folgender

«Das Einverständniß erklären, und

2 fen Hoheiten der Erbgroßherzog und die Erbgroß-

“prüfung vorzulegenden Nachweisen beizusügen sind.

en zu wollen erklärt haben, gleichzeitig die Einladu Taf Berliner Konferenz angenommen haben bei dieser Lage Sache dem ihm Seitens der deutschen Regierung ge- ßerten, übrigens von anderen Regierungen getheilten Wunsche Rechnung getragen und für einmal darauf verzichtet, seiner Jnitiative eine weitere Folge zu geben.“

Der General-Lieutenant Freiherr von Troschke, Abtheilungs-Chef im Kriegs-Ministerium und Remonte-Jn- specteur, hat eine Dienstreise angetreten.

S. M. Kreuzer-Korvette „Jrene“, Kommandant Kapitän zur See Prinz einri von Preußen, König- lihe Hoheit, 1st am 25. Februar cr. von Malta aus nah Neapel in See gegangen.

Jn der Ersten und Zweiten, Beilage zur heutigen Nummer des „RKeihs- und Staats-Anzeigers“ wird das a amtlihen Ermittelungen feligestellte Ergebniß der am öfe Mae vollzogenen Wahlen zum Reichstage ver-

ntlicht.

Sacysen. Dresden, 25. Februar. (Dr. Journ.) Se. Königliche Hoheit der Prinz Georg, Herzog zu Sachsen, is heute Morgen von Arco wieder hier eingetroffen.

__ Die Zweite Kammer erledigte heute die Kapitel 42 bis 52a des Abschnitts F des ordentlichen Staats- haushalts-Etats, Departement des Jnnern betreffend, und bewilligte dem Antrage der Finanz-Deputation A ent- sprechend sämmtlihe Kapitel nach der Regierungsvorlage mit wenigen, mit der Staatsregierung vereinbarten Aende- rungen. Eine Petition der Vorstände der Berufs- geno! senshaften mit auf das Königreich Sachsen

eshränktem Gebiet um Zulassung ihrer Beamten zu der aus Kap. 45 XRIIL geförderten Pensionskasse für landwirthschaft- lihe Beamte und Lehrer wurde zur Erwägung, eine solche der Grundbesißer der Pegauer Pflege, Regulirung des Wasserlaufs der Elster in dortiger Gegend betreffend, zur Kenntnißnahme der Staatsregierung überwiesen.

Die Regierung hat an die Ständeversammlung den

Eisenbahnen, und zwar a. einer normalspurigen Eisenbahn von Waldheim über Geringswalde nach Rodthlit, b, einer s{malspurigen Eisenbahn von Saupersdorf nah Wilzshhaus, e. einer s{malspurigen Eisenbahn von Herrnhut nach Bernstadt, d. einer normal- spurigen Eisenbahn von Schönberg nah Hirschberg, dai die zur Herstellung der vorstehend genannten Bahnen erforderlihen Summen, und zwar: zu a. im Betrage von 2849 000 H, zu b. im Betrage von 2 661 000 M, zu c. im Betrage von 989 000 4, zu d. im Betrage von 1 900000 H, sowie für den Umbau der Station Erlau die Summe von 225000 # bewilligen und diese sämmtlichen Beträge nachträglich in den außerordentlichen Staatshaushalts-Etat einstellen.

Württemberg. Stuttgart, 25. Februar. (St.-A. f. W.) Se. Königliche Hoheit der Prinz ilhelm is gestern ¿ Mittag von Potsdam hierher zurückgekehrt. eute begeht Höchstderselbe die Feier seines 42. Geburtsfestes, aus welchem Anlaß zahlreihe Einschreibungen im Wilhelms-Palast érxfolgten. t: Baden. Karlsruhe, 24. Februar. Jhre König- “herzogin, Höchstwelche vorgest-rn zum Besuch bei den Groß- erzoglichen Herrschaften hier eingetroffen waren, kehrten heute chmittag nah Freiburg zurü. Nachdem seit Beginn des Winter-Semesters 1889/90 an “den Universitäten zu Heidelberg und zu Freiburg juristishe Seminarien eingerichtet sind, wird im „Staats- nzeiger“ darauf hingewiesen, daß im Junteresse der wissen- schaftlichen Ausbildung der Rechtskandidaten auf die fleißige * Theilnahme an den seminaristishen Uebungen besonderer % Werth gelegt und angeordnet wird, daß die über den Besuch : der-juristishen Seminarien ausgestellten Zeugnisse jeweils .den“Behufs Zulassung zur ersten juriitishen Staats-

“Die Zweite Kammer genehmigte in ihrer heutigen Sibung in namentlicher Abstimmung einstimmig dem Antrage der - Budgetkommission gemäß die Vorlage, betreffend die -_ Forterhebung der Steuern in den Monaten De- drs Mer, Januar und Februar, sodann nach längerer ebatte den Geseßentwurf, betreffend die Erbauung

einer Nebenbahn von Gernsbah nah Weisenbach.

Hefen. Darmstadt, 25. Februar. (Darmst. Ztg.) Se. Königliche Hoheit der Großherzog und Jhre Gropg ae Hoheit die Prinzessin Alix gedenken Malta am 2. März zu verlassen, bis zum 5. März in Neapel, bis zum 8. März in Rom zu verweilen und am 10. März in Darmstadt wieder einzutreffen.

Die Zweite Kammer der Stände tritt am Dienstag, den 4. März, zu ihrer 38. Sißung zusammen.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 25. Februar. (W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus beschloß heute, die Besteuerung des Totalisators auf Rennpläßen von 3 auf 5 Proz. zu erhöhen und die Regierung aufzufordern, den Totalisator in den Sattelraum zu verlegen und das Geschäft der Buch- macher in angemessener Weise zu unen

Budapest, 25. Februar. (W. T. B.) Das Unterhaus begann gestern die Berathung des Budgetgeseßes, welche voraussihtlih aht Tage in Anspruch nehmen dürfte.

n der heutigen Sißung verlangte die Opposition, der Prä-

dent solle eine gegen den oppositionellen Redner Abranye wegen unparlamentarisher Ausfälle gegen den Minister-Prä- sidenten ausgesprochene Rüge zurücknehmen. Der Präsident verweigerte dies, worauf lärmendes, minutenlanges Toben die Verhandlung unterbrach.

Frankreih. Paris, 25. Februar. Deputirtenkammer genehmigte in der heutige ung mit 277 gegen- 236 Stimmen eine Abänderung der Ge- shäftsordnung der Kammer, nah welcher es fortan ulässig ‘ist, Deputirte, welhe den Anordnungen des Prä-

denten Gehorsam verweigern, während 30 Sizungen auszuschließen. Déroulède halte gegen diese Abänderung rotestirt wegen der beständigen Gefahr eines Mißbrauchs urh die Majorität.

(W. T. B.) Die n Sig

Ausschuß der Sozialdemokraten in Berlin ab-

angen :

e "Die in Paris zum internationalen Fengres behufs Vorbereitung der Kundgebung am 1. Mai für den Achtstundentag versammelten Bürger- Delegirten entsenden den deutschen Sozialisten ihren brüder- lichen Gruß und den Ausdruck ihrer Freude über den be- wundernswürdigen Sieg der deutshen Sozialisten. Der Vorsitßende: Vaillant.“ :

talien. Rom, 26 Februar. (W. T. B.) Der Papst empfing gestern anläßlih des Jahrestages seiner Thronbesieigung die diplomatishen Vertreter, darunter au den freuen Gesandten von Schlözer, und nahm deren Glücfwünsche entgegen. A ;

Die „Agenzia Stefani“ veröffentlicht eine Note, in welcher die Nachriht eines neapolitanishen Blattes, daß König Menelik eine Protesinote gegen Jtalien an die Mächte gerihtet habe, für unrichtig erklärt wind. Die Nachriht sei augenscheinlich dadurch veranlaßt, daß König Menelik seine Throns eten den Mächten direkt angezeigt habe, weil er damals keinen offiziellen Vertreter Ztaliens ur Seite gehabt habe. Die italienishe Regierung habe unter Berückfsihtigung der damaligen Verhältnisse erklärt, daß künftig- hin derartige Mittheilungen gemäß der von König Menelik eingegangenen Verpflihtungen nur durch Vermittlung der italienishen Regierung erfolgen könnten.

Spanien. Madrid, 25. Februar. (W. T. B.) Der General Chinchilla wurde zum General-Kapitän von Cuba ernannt.

Griechenland. Athen, 25. Februar. (W. T. B.) Der Kronprinz von Jtalien stattete dem Könige seinen Besuch ab und empfing den Gegenbesuch Sr. Majestät: sowie den Besuch des Kronprinzen und des Prinzen Georg. Se. Königliche Hoheit dinirte im Königlihen Schlosse. Der I verlieh dem Kronprinzen den Groß-Cordon des Erlöser-

rdens.

Amerika. Vereinigte Staaten. Washington, 25. Februar. (W. T. B.) Der Finanzausshuß des Senats befürwortet die Vorlage, welhe den Schaßsekretär zum Ankauf von Gold- und Silberbarren und zur Se von Schapßnoten Behufs Bezahlung derselben er- mächtigt.

Harold Sewell ist zum General-Konsul in Apia ernannt worden.

Parlamentarische Nachrichten.

Jn der heutigen (17.) Sitzung des Hauses der Ab- eordneten, welcher der Minister des Jnnern Herrfurth eiwohnte, stand auf der Tagesordnung an erster Stelle die

Fortseßung der zweiten Berathung des Entwurfs des Staatshaushalts-Etats für 1890/91 und zwar des Etats „Ministerium des Jnnern“.

Von den dauernden Ausgaben wurden Kap. 83 Tit. 2—12, sowie die Kap. 84—89 ohne Debatte bewilligt.

Bei Kap. 90 „Landräthlihe Behörden“ und zwar bei Tit. 8 „Dienstauswands - Entschädigungen für die Land- räthe“ brahte Abg. von Meyer (Arnswalde) Bedenken gegen die Pauschalirung der Portoausgaben der Landräthe vor.

Der Regierungskommissar, Geheime Ober-Regierungs-Rath Haase erklärte es für vollständig gerechtfertigt, den Land- räthen, wie für sonstige Dienstaufwendungen, auch für die Portokosten ein Paushquantum zu gewähren.

Das Kap. 90 wurde bewilligt.

Bei Kap. 91 „Polizeiverwaltung“ und zwar bei Tit. 1 „Polizei-Präsidium in Berlin“ beschwerte sich der Abg. Goldschmidt darüber, daß für das Gesuch bezw. die Er- eing der Genehmigung des Gesuches zur Anbringung oder

eränderung von Firmenschildern u. |. w. eine Stempelgebühr von 1,50 6 erhoben werde.

. Der Minister des Jnnern, Heérrfurth, erklärte, daß diese Gebühr auf einem ' Reglement von 1867 beruhte, seit August 1889 aber abgeschafft sei.

Abg. Metzner bat um Erhöhung des Wohnungsgeld- zuschusses für die Schußleute.

Der Minister des Fnnern, Herrfurth, hofft, daß diese Mleserung hon in dem Nachtrags - Etat werde erfolgen nnen. Tit. T. wurde bewilligt, ebenso ohne Debatte der Rest des Kap. 91, die Kap. 92 und 93. Bei Kap. 94 „Landgendarmerie“ empfahl der Abg. von Meyer (Arnswalde) eine Vermehrung der Gendarmen und eine erheblihe Gehaltéaufbesseruna für dieselben. Die Sicher- heit des Landes erfordere dies. Es fingen auch bereits die Be- werber für die vorhandenen Stellen zu fehlen an. Der Minister des Jnnern, Herrsurth, gab zu, daß die Gendarmerie zu wenig zahlreih und zu s{hlecht besoldet sei. Das französische i ; Fra Konzentration der Gendarmerie würde sich vielleiht empfehlen, damit die Gendarmen erforderlichen Hals in erheblicherer Zahl Ver- wendung finden könnten. Auch die Einführung von Doppel- patrouillen wäre wünschenswerth. Abg. Meßner beklagte, daß die Gendarmen von der militärishen Behörde, der sie unterstellt seien, unwürdig be- handelt, namentlich vielfah mit Arreststrafen belegt würden. Der Minister des Jnnern, Herrfurth, bemerkte, daß von einer unwürdigen Behandlung im Allgemeinen keine Rede sein könne; gegen vereinzelte Mißgriffe würde auf Beshwerde Ab- hülfe geschaffen werden. Die Abgg. Dr. Langerhans und von Dergzen (Jüter- bog) sprachen sich für die Aufbesserung der Gehälter der Genoarmen aus. Leßterer namenilih für die der Ober- Wachtmeister. Der Minister des Jnnern, Herrfurth, meinte, daß die Gehälter der Ober-Wachtmeister hon in dem Nachtrags:Etat erhöht werden würden. i

Das Kap. 94 wurde bewilligt, ebenso ohne Debatte

K

. 95. ul 2e Kap. D Ae I dlé votha V fu 16 Abg. Dr. Kropat]cched um ung der Höchstgehälter d Strafanstalts-Lehrer von 2100 6 auf 2500 M A Das Kap. 95 wurde genehmigt, ‘ebenso ohne Debatte der Rest der laufenden Ausgaben und die einmaligen Ausgaben. Es folgte die Berathung des Antrages der Abgg. Berger

___¿; Das nachstehende Telegramm in französisher Sprache ist, ' / fder „Köln. Ztg.“ zufolge, gestern an den O tai chen

nisses auf Kosten der weniger Einzelkenntnisse und me Können ift die Losung.

stimmt. Jm Religionsunterriht Pflege des sittlichen

Der Antrag lautet: j Das Haus der Abgrpedneten wolle beschließen: 2 ie Königliche Staatsregierung aufzuford baldigft auf die Beseitigung der fiskalishen Brückenzölle, nöthigenfalls im Wege der Geseßgebung, Bedacht zu nehmen.

Der Abg. Olzem befürwortete als Mitantragsteller den Antrag mit dem Ms daß es seiner Zeit der Be- seitigung der Chausseegelder nur ein Versehen des Abgeord- Raus gewesen sei, niht auch die Brücenzölle zu erwähnen. Die Brüdkenzölle seien eine lästige Steuer und träfen vielfa gerade die Arbeiter. Der Antrag könnte in der Budget- kommission vorgeprüft werden.

Regierungskommissar Geheimer Ober-Finanz-Rath Lehnert behielt sih die weitere Erörterung des Antrags für die Budget- fommission vor. /

Abg. Stößel wies darauf hin, daß die Brükenzölle hauptsä E von den Arbeitern getragen würden.

Abg. Bohßt hielt die allgemeine Aufhebung der Brücken- zue für bedenklih, sie würde die Anlage neuer Brücken ver-

indern.

Abg. Bödiker hob hervor, daß die Aufhebung aller fiskalishen Brückenzöle auch die Aufhebung der von den U S erhobenen Brüdenzölle zur Folge haben: müßte.

; E Antrag -wurde hierauf der Budgetkommission über- wiesen.

Es folgte die Berathung des Antrages der Abgg. von Eynern und Olzem, betreffend die Uebernahme städtisher und sonstiger Kriegsshulden auf Staatsfonds.

Der Antrag lautet:

Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen :

Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, die Uebernahme der aus dem Jahre ¿1807 herrührenden Kriegs- restschuld der Stadt Königsberg, sowie der übrigen aus dem fran- zösischen Kriege herrührenden Kriegsrests{bulden, namentlih der

Niederlausiß, Neumark und Kurmark, auf Staatsfonds in Erwägung zu nehmen.

Abg. Olzem machte für den Antrag geltend, daß die Stadt Königsberg 1807 besonders hart mitgenommen worden sei und daß der Staat die Schulden, welche die Provinz in Folge des Krieges aufgenommen habe, übernommen. habe.

önigsberg habe die Opfer nicht für ih, sondern im Jnteresse des Landes gebracht. i

__ Abg. Dr. Krause suchte den Einwand, als ob es sich bei der Stadt Königsberg um Requisitionen, deren Nachtheile jeder Einzelne selbst zu tragen habe, und niht um Kon- tributionen handele, zu widerlegen.

__ Abg. von Meyer (Arnswalde) empfahl den Antra mit Rücksicht auf die Neumark, Abg. Sa ck mit Rücksicht au die Nieder-Lausiß.

Abg. Graf zu Limburg-Stirum machte gegen den Antrag geltend, daß durch denselben Diejenigen benaththeiligt werden würden, welche seiner Zeit die Kontribution bezahlt haben, statt Schulden zu machen. j

Nah einem Sghlußworte des Mitantragstellers Abg. von Eynern wurde der Antrag der Budgetkommission über- wiesen. (Schluß des Blattes.)

(Der Schlußbericht über die gestrige Sihung des Hauses der Abg Car Pn eS R sih in der Dritten eilage.

Bei der im 5. Gumbinner Wahlbezirk (Loezen) statt- efundenen Ersazwahl für den zum Verwaltungsgerichts- irektor in Gumbinnen ernannten Landrath Freiherrn von

Lynker ist der Gutsbesißer Dreyer in Waldhof (konservativ) mit 181 Stimmen gegen den Gutsbesißer Wegmann zu Reußen (freifinnig), welher 69 Stimmen erhielt, zum Mitglied des Hauses der Abgeordneten gewählt worden.

HZeitungsstimmen.

Die „Wiesbadener Presse“ bringt folgenden Artikel S O EE Wilhelm Il. und die Erziehung der ugend“: «Gleichzeitig mit dem Erlaß unseres Kaisers über die Behandlung der Soldaten ist ein anderer über den Unterricht in dem Kadetten-Corps veröffentliht worden. Kaiser Wilhelm kennt aus eigener Erfahrung den Uriterriht auf unseren Gymnasien, er war ein Jahr lang mit O erlaubten Bruder Heinrih Schüler des Gymnasiums in Kassel. Sein um- fassender, für das Wohl des Volks nach allen Seiten hin besorgter Geist hat längst erkannt, wie wichtig, weil grundlegend, die Ausbildung der heranwahsenden Jugend für unser ganzes öffeatlihes und staatlihes Leben ist, und welche Bedeutung den großen Reformbestrebungen innewohnt, die gegenwärtig im Kampfe des Neuen gegen das her- aebrahte Alte, der Pädagogen gegen die Philologen, alle mit der Schule in Verbindung stehende Kreise bewegen. Große Fortschritte, namentli im Elementarshulwesen, sind hon gemaht worden, in en tagen, besonders der höheren Schulbildung, \{chwebt noch eftiger Streit. Der Lehrplan für die Kadettenanstalten, in denen ein großer Theil des Offizier-Corps des Heeres herangebildet wird, entspricht den Anforderungen, welhe für Realgymnasien maßgebend sind. Schon nah den von Kaiser Wilhelm I. eingeführten Reformen, nahmen die Kadettenhäuser unter den Erziehungsanstalten eine bervoiragende Stelle ein, indem in ihnen dem Hauptzweck jeder guten JIugendbildung, der Vereinigung von Charakterzucht, Geiftesubung, Wissen und Körperpflege, . nachgestrebt wurde. Diese Aufgabe wird durh die Kabinetsordre vom 13. Februar noch weiter vertieft. Obwohl letztere zunähst nur für die Pflanz- stätten eines bestimmten Lebensberufes bestimmt ift, die in manher Beziehung von den allgemeinen für keinen bestimmten Beruf vor- bildenden, die Familienerziehung in der Regel nit erscßenden höheren Schulen wesentlih verschieden sind, so ist doch die Grundlage, aus welcher die Cinzelbeftimmungen des Erlasses hervorgehen, von einem \o hohen Maße pädagogisher Weisheit erfüllt, daß sie als maßgebend und vorbildlih für eine gute Jugenderziehung f{chlechthin bezeichnet werden darf. Der Kaiser verlangt vor Allem gleihmäßiges Zusammen- wirken der körverlicen, wissenschaftlichen und religiös-sittlihen Scbhulung, d. h, er will die Schüler vor allem zu kräftigen, einsihtigen un charafterfesten Männern herangebildet haben. Um das Ziel zu er- reihen, soll von der De jede entbehrlihe Einzelheit aus- geschieden und der Memorirstoff, die Gedähhtnißübungen, gründlih gesihert werden. „Was der Unterricht hierdurch an Ausdehnung ver- liect, wird er an Gründlichkeit gewinnen*. Jn diesem mustergültigen Sate wird jede euge Schulung des Verstandes und Gedächt- ildung des ganzen Menschen verworfen ; fr Bildung, weniger Wissen und mehr

Hiernach ist die Handhabung der einzelnen gegen e be- ewußtse

Witten) und Genossen, betreffend die Beseitigung d Cstalishen Brüdckenzölle. gung der

Geschichts- und Erdkundenunte

Anhalten zur Strenge gegen A8 und zur Duldung gegen ee An cht Pflege desSinnes für historisheGröße

. Schattenseiten

e undHeldenthum, für dasVaterland,Würdigung der Heimath und Verständ- nis für das Ausland, im Sprachunterrihte vor Allem Beherrschung der Muttersprahe und Anleitung zum praktishen Gebrauche neuerer Fremdsprahen, weniger Grammatik und Formelwesen als Kenntniß des geistigen Lebens der Kulturvölker das ist das Rüfstzeug. das der Kaiser von \den Zöglingen verlangt, damit sie im Leben mit Pflidttreue und ín Ehren ibren Mann zu stehen lernen.

Preußen ist im Gebiete der Jugendbildung von jeher vorange-

en und erfreut \ich einer Unterrichtsverwaltunag, welhe mit allen Vrästen An Denen ist, in den großen Schulreformfragen an der Spitze der Kulturstaaten zu bleiben. Mit Dankbarkeit blickt die Nation zum Throne unseres Kaisers auf, wo in hochherziger Er- kenntniß die Fürsorge waltet, daß das junge Geshlecht zu Gottes- As wahrer Bildung und praktischer Lebenstüchtigkeit erzogen werde.

Die „Magdeburgische Zeitung“ weist auf den großen uwachs der fozialdemokratishen Stimmen hin und ührt weiter aus:

«Es ift wohl sicher anzunehmen, daß nur ein kleiner Bruchtheil dieser Wähler (welhe für sozialdemokratishe Kandidaten gestimmt haben) Sozioldemokraten im radikalsten Sinne des Wortes sind. Woher kcmmt es aber, daß außer Letzteren so ungeheuer viele, au anständige und zum Theil . besser situirte Arbeiter und Handwerker ibre Stimmen dem sozialistishen Kandidaten geben? Diese Thatsahe läßt s{ch nur aus dem Umstande eïklären, daß diese Leute zum weit größten Theile politisch nit reif sind. Ihnen mangelt das Verständniß für die großen Aufgaben des Vaterlandes. Ihr Blick reiht in politisher Beziehung nicht über die materiellen Interessen des bürgerlichen und staatliben Lebens hinaus. Deshalb senken sie vor Allem den Stimmen Beachtung, die ihnen in dieser Hinsicht die größtmögliche Verbesserung ihrer Lage vor- reden. Jn Folge dessen erhalten sie sämmtliche politische Belehrung von sozialdemokratischen Agitatoren, die ihnen ihre wahren Ziele und Be- \trebungen sehr felten oder in einer Weise darlegen, die sie niht ver- stehen. war wird ihnen hier und da und vor allem auch vor der Wahl Gelegenheit gegeben, auch andere Ansihten zu lesen und zu hören; doch genügen cin paar Wahlreden, die noch dazu von gehässigen Ausfällea gegen andere Parteien selten völlig frei sind, keineswegs, um dem Arbeiter und Hand- werker ein Verständniß für das große Ganze, für das wirklihe Wohl des Vaterlandes und damit aller Volksklassen zu verschaffen. Dazu bedarf es jahrelanger Belehrung " und jahrelanger Arbeit. Es ist nun die heilige Pfliht des Deutshen Bürgerthumse, diese Arbeit mit aller Kraft und Energie aufzunehmen. . Die Kluft zwischen den Ordnungsparteien und den radikalen Sozialdemokraten ift allerdings unüberbrückbar; zwishen dem Bürgerthum und dem verftändigen Arbeiter jedoch muß ein Weg gefunden werden, der geeignet ist, die vorhandenen Gegensäße auszugleichen. Mögen sich deshalb vor Allem an den großen Industriepläßen nationalgesinnte Männer ohne Unterschied der Parteistellung zusammen- thun und das Werk frisch und thatkräftig in Angriff nehmen Sollte au der Anfang schwer und wohl auch vielfach mit persönlihen Unbequemlichkeiten verbunden fein, so möge man si dadur nit zurücksckrecken lassen. Ist erst ein kleiner An- fang gemacht, sind erst kleine Erfolge erzielt, so werten bald Tau- sende von verständigen Arbeitern die Fahne der Sozialdemokratie verlassea. Unser treffliher Kaiser sucht durch die Arbeiterschußgeseß- gebung die Gesundheit und Kraft des Arbeiters zu stärken. ‘Möge das deutshe Bürgerthum dem erhabenen Beispiel folgen dadur, daß es dem Arbeiter eine höhere geistige Bildung und vor Allem ein besseres Verständniß für die politishen Aufgaben des Vaterlandes übermittelt. Wird beides, Arbeitershußgeseßgebung und Förderung des politischen Verftändnisses der Arbeiter durch Arbeiterbildungsvereine, in rechter Weise zur Ausführung gebracht, fo dürfte bis zu den nähsten Wahlen der Sozialdemokratie ein großer Theil des Bodens entzogen sein.*

Anläßlich des Wahlresultats schreibt die „Deutsche volkswirthschaftlihe Correspondenz“:

„Was denjenigen Theil der Wähler anbelangt, der, ohne zur hartgesottenen Opposition zu gehören, nur einem allgemeinen Gefühle des PUDN Lagen folgte und seine Stimme gegen die nationalen Dato abgab, so möê(chten wir gerade diesem Theil die folgenden

rwägungen empfehlen. i : as 0E Volk daran werden unsere Malkontenten nihts ändern darf stolz sein auf die politishe und wirthschaft- lihe Stellung, zu welher uns die Weisheit seiner Kaiser und der Arm seines Kanzlers verholfen haben. Was will denn nun unsere leo Doch nichts Anderes, als von nun an die mächtigen und heilsamen Pläne, welche auf eine größere Macht, auf einen höheren Aufshwung des Reichs hinauslaufen, lahm legen. Der Kriegéruf : „Nieder mit dem Kartell*“ bedeutet doch nichts Anderes als den Entschluß, eine Majorität zu zerstören, .die bisher den politishen, mehr nochd den wirthschaftliden Ausbau des Reiches gefördert hat; er bedeutet den Kampf bis aufs Blut gegen alle jene Pläne und Handlungen, die bisher zum Nuyen des esammten Wohles ausgeschlagen, und das in einer Zeit, wo alle andelsnationen eifersühtig zu uns herüberblickden, um uns zuvor- zukommen, wo jeder Tag, jede Stunde wih1ig, ja entsheidend geworden sind. Man bekämpft mit allen Mitteln eine Regierung, die, wie keine zweite, voll und redlich bestrebt gewesen, alle jene Schäden und die sozialen Folgen zu heilen, die Angesichts des gewaltigen und rapiden Aufshwungs der Verhältnisse in Deutschland geradezu unver- méeidlih genannt werden müssen. Und die Mittel, mit denen diese große Opposition arbeitet? Nun, sie sind einfacher Natur. In keinem Lande der Welt haben es die regierungsfeindlichen Partcien so schr verstanden, wie in Deutschland, selbst die fleinsten aufzusuhen, ja Lichtseiten in Schattenseiten zu . verkehren, um Alles, was die Megleeng plant und thut, zu verdunkeln, um alle zur Seueibertung großer Fragen inkompetenten Bruchtheile der Nation in eine feindlihe Stimmung zu versetzen gegen eben die nämliche Regierung, welche unablässig und mit einem Wohlwollen und einer Fürsorge fondergleichen bestrebt ist, jedweden Stand im Reich zu {ügen und zu pflegen, ihn vor der Erdrückung durch übermächtige Elemente zu bewahren. J /

Das neue Deutsche Reich ist in unglaublich kurzer Zeit an die Spiye der Nationen gelangt ; uns graut vor dem Gedanken, daß sich unsere Feinde auer T, um mit Ausdauer und Emsigkeit an der Zerstörung unserer Größe zu arbeiten, sobald sie vermuthen, daß dem eigenen Volk die Untersheidungsgabe, wem es folgen sollte, ab- handen gekommen ist.“

Das „Deutsche Tageblatt“ stellt die Urtheile einiger ausländischer Zeitungen über die deutshen Wahlen zusammen ; wir entnehmen daraus Folgendes : E

„Von den englishen Blättern bemerken die „Times“: Es ist zu bedauern, daß gerade die Nationalliberalen, welche Vaterlands- mit Reformliebe vereinen, mehr als alle übrigen Parteien gelitten haben. Uebrigens kann die Regierung den Reichstag genugsam kontroliren, daß er niht zu einem Redeklub ausarte.

Der „Standard * meint, das Centrum sei unversehrt geblieben und könne zwischen den A den Ausschlag geben beziehentlich Bedingungen stellen. edenfalls* werde Bismarck's Aufgabe, den Reichstag zu kontroliren, \chwieriger als bisher sein. Gefahr für Staat und Gesellschaft sei aber niht vorhanden, weil die Reichstags- abstimmungen ohne Genehmigung der Regierung werthlos seien und weil das Haus Hohenzollern festen Halt habe. !

Die „Morning Post* spricht ebenfalls über den Zuwachs der Sozialisten, seßt jedoch hinzu, daß derselbe mehr in den großen Städten wie in den eigentlihen Arbeitcrdistrikten vorgekommen sei. Jn Essen und Dortmund sei die Sozialdemokratie sogar geschlagen worden.

Der „Gl obe* meint: man folle niht vergessen, daß Deut\ch- land wohl parlamentarische Institutionen angenommen hat, daß aber daselbst nicht wie in England Parteipolitik getrieben wird. Die Re-

gierung habe ch nicht allein ihr Veto vorbehalten, sondern au Biederholt geicigk, daß sie dasselbe einzulegen verstehe.

In den iener Qrganen kommen sehr vecshiedene An- \{auungen zum Auëdruck. Nur darin stimmen alle Blätter überein, daß das Resoltat kein erfreuliches sei. Die Arbeiterblätter feiern die Wahlerfolge der deutschen Sozialisten in shwungvollen Artikeln und bliden sehr hoffnungöfreudig in die Zukunft. Das ultramontane „Vaterland“ meint, daß, wenn nit energisch sozialreformatorish vor- gegangen wird, nah und nah selbst die kfatholishen Arbeiter ins sozialdemokcatische Lager übergehen würden. L

Die italienishen Blätter weisen mit Erstaunen auf das folofsale Anwachsen des Sozialismus hin. Die vatikanische Bree ist von den Erfelgen des Centrums geradezu begeistert. Der „Moxiteur de Rome* erklärt, das Centrum, welches seine alte glorreihe Position zurückerobert, stehe heute med und mächtiger da als je und sei zum ausschlaggebenden Faktor des Parlaments geworden.

In die russischen Blätter ist eine richtige folge der deutsdien

wie fie sonst um diese Zeit einzutreten pflegte, in Folge der deutschen Reichstagéwahlen nit eingezogen. Fast in jedem Blatte befinden ih mehr oder weniger ausführlihe Betrahtungen über tie „außer- ordentlich wichtige Bedeutung* dieser Wahlen, welche ihnen die „Now. Wr.“ und die „Nowosti* zuschreiben. Diese Wahlen seien ein Ereigniß, dessen Folgen nicht allein für das Haus Hohen- zollern, sondern auh für ganz Europa von entscheidendem Einflusse sein werden. In Deutschland beginnt gewissermaßen so schreibt die „Now. Wr.“ ein Zweikampf zwischen der Staatägewalt und dem revolutionären Sozialismus, und wie sich auh die Stimmen unter den Vertretern der früheren Parlaments- parteien vertheilen mögen, hauptsählich wird es doch nur darauf ankommen, wie weit die Anhänger Kaisers Wilhelm 11. ihren Widersachern überlegen sein werden oder riht. Die Konservativen und Nationallibera!en, die Freisinnigen und das katholische Centrum, die Polen, Dänen und Elfaß- Lothringer werden si in der Frage, wen die Regietung in dem Kampfe der Arbeit mit dem Kapital, der sich in den leyten Jahren so außerordentlich zugespißt hat, E soll, nothgedrungen in zwei entgegengeseßte Gruppen theilen' müssen. Die „Nowosti“ sagen: Alle Umstände berehtigen zu der Annahme, daß Deutschland und mit Deutschland ganz Europa gegenwärtig einen historischen Moment durchmacht.*

Ueber die gegenwärtige Haltung der französischen Presse zu dem Projekt einer Arbeitershug-Konferenz schreibt die „Kölnische Zeitung“: 5 i :

„Das Urtheil der französishen Presse über die deutsche Ein- ladung zu einer Arbeitershuß- Konferenz beginnt allmählich, sich etwas abzuklären, und nah ruhiger Ueberlegung sagt man sich, e es denn doch viht wohl angänglih sei, mit einem s{rofen „Nein“ z antworten. Durch eine solche Politik würde man die Meteinielüng Frankreihs in unerfreuliher Weise offenbar machen, mon würde sich des Einflusses auf die Berathungen der Kon- ferenz entsdlagen und endlich der einheimishen Arbeiterbevölkerung gegenüber ten Schein annehmen, als ob! man einer sie im höchsten Grate berührenden Frage theilnahmlos gegenüberstände. Mit vielen „Wenn und Aber*, mit Klagen und Vorbehalten, vor Allem aber in d.r Ueberzeugung, daß aus den Berathungen der Konferenz doch nihts Greifbares hervorgehen würde, neigt man Jeßt der Ansitt zu, daß Frankreih seine grundsäßlihe Geneigtheit aussprehen und seine Haltung im Uebrigen mit äußerster Vorsicht nach der der andern miteingeladenen Staaten richten solle. Man hat aber nichts weniger als Freude an der Sale und ein tiefgewurzeltes Mißtrauen. Man vermuthet hinter der Einladung irgendwelhe sehr bedenklihe An- \chläge, über deren Natur man sih zwar keine Rechenschaft ablegen kann, die aber gerade deshalb um 10 stärker wirken.“

Statistik und Volkswirthschaft.

Kongreß deutschber Landwirthe.

Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sizung trat die Versamm- lung, nachdem die turnusmäßig ausscheidenden 16 Ausshußmitglieder auf Antrag des Herrn von Sydow-Beerfelde durch Zuruf wiedergewählt worden waren, in die Berathung des zweiten Punktes der Tages- ordnung: „das Genossenschaftsgeseß vom 1. Mai 1889", über das die Herren Freigutsbesißger Dr. Platmann-Saida und Rittmeister C. Freiherr von‘Magnus-Berlin referirten. Ihre Aus- führungen gipfelten in folgendem Antrag: „Der Kongreß deutscher Landwirthe wolle beschließen : 1) Der Kongreß deutscher Landwirthe erkennt in dem Genossenshaftsgeseß vom 1. Mai 1889 ein hervorragendes Mittel, das genofsenshastlihe Prinzip in der landwirthscafstlihen Produktion mehr als bisher möglich zum Ausbau und zur Anwendung zu bringen; er sieht weiter darin einen neuen staatlichen Shuß namentli für den mittleren und kleinen Land- wirth, welche heute nur mit Hülfe der Vereinigung sih wirths{chaft- li und politish kräftig zu erhalten vermögen; er wird bestrebt sein, gerade den {wäceren Tkeil der Berufsgenofsen zur Benußung der durh das in Rede stehende Geseß gebotenen Hülfsmittel nah Kräften zu unterstüßen. 2) In der Zulässigkeit der Theil- haft bei landwirthschaftlichen Pileeneuniungen erblickt der Kongreß deutsher Landwirthe ein sehr geeignetes Mittel, auf den größeren leistungsfähigen Grundbesiß, welcher zu ges{äftlichen Zwecken des ge- nossenschaftlihen Zusammenschlusses weniger bedarf, troßdem für die Interessen des in erster Linie auf die genossenshaftlihe Organisation angewiesenen Theiles der Berufsgenossen mehr als bisher zu gewinnen und hofft, daß in diesem Sinne das neue Geseg in landwirthschaft- lihen Kreisen niht nur volle Beachtung, sondern au eine Anwen- dung finden möge, welche auf die Lösung der sozialen Frage gerichtet ist und zu dem Zwecke die Ergänzung und Stärkung der genossen- \haftlihen Selbsthülfe durch Staatshülfe nicht mehr zurückweist. 3) Der Kongreß Deutscher Landwirthe begrüßt es mit Freuden, daß si. zur praktishen Einführung eines solchen Genofsenschaftswesens bereits in der „Deutshen Central-Genossenschaft“ zu Berlin ein organisatorisher Mittelpunkt gebildet hat.“ /

Nach kurzer Debatte, an der si betheiligten die Herren Boly- Charlottenburg, der gegen die Resolution \prach, weil jede Ver- genossenshaftung in solhem Umfange \{ließlich nur zur Paralyse der betreffenden Kreise führen müsse, da jede freie Bewegung des Ein- zelnen aufhöre, und Dr. Cunow-Frankenstein wie Direktor Schönfeldt, die die Resolution entschieden vertraten, wurde der Antrag, für den noch der erste Vorsitende Le von Manteuffel-Krossen und Hr. von Ploey vom Deutschen Bauernbund sprachen, angenommen.

__ Den Swluß der Berathungen bildete die Verhandlung über eine rein wissenshaftlide Frage, die „Stickstoff-Aufnahme der Pflanzen“.

Dann wurde die Versammlung, wie sie begonnen, mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und tie verbündeten Regie rungen ges{lossen.

Vereinigung der Steuer- und Wirthschafts-Reformer.

Die Vereinigung der Steuer- und Wirthschafts-Reformer trat heute Vormittag 10 Uhr im Aritektenhause zu seiner XV. General- versammlung zusammen. Graf von Mirbach - Sorquitten begrüßte die Versammlung und führte in seiner Ansprache etwa Folgendes aus: Die Lage der Landwirthshaft in den öft- lihen Provinzen gebe zu den ernstesten Besorgnissen E Zu den überaus niedrigen Preisen von 1887/88 trat die sehr mäßige Ernte tg und der verflossene Sommer brachte dort eine Mißernte, wie sie wohl selten dagewesen ist. Es gelte also, in erster Linie, auf jene Provinzen das Augenmerk zu rihten. Auf dem Gebiet der Geseßgebung sei leiter das Petitum des Programms der Vereinigung „Das Ret, Papiergeld auszugeben gebührt allein den gesetzgebenden Faktoren des Reich: Die Banknotenprivilegien sind zu beseitigen“ sei nicht in Erfüllung gegangen. Erfreulich dagegen und prin-

zipiell bedeutsam sei die Vorlage über die allgemein geseßlihe Einführung

- fende kräftige Maßnahmen

der Pläve des *

von Rentengütern. Redner lenkte zum Schluß die Gedanken auf die Kaiserlihe Ansprahe an den Staatsrath bei dessen Eröffnung, die mit erhabener Klarheit es zum Ausdruck bringe,

das Wobl des Arbeiters untrennbar sei von dem Gedeihen der Produktion, der Arbeitgeber, die ihm die Arbeit omas die Arbeitsstätte gewähren. „Möchten die Männer im preußischen Staats- rath es niht vergessen, daß ohne eine Berüdsichtigung der besonderen Natur tes Grundbesiges, des ersten und bedeutsamsten Gewerbes in Deutschland, der Landwirthschaft, eine befriedigende und nachhaltige Lösung der auf das Wohl der Arbeiter gerihteten da-kenswerthen Bestrebungen unmöglich ist und ferner, daß nur cin prästationsfähiger, geseßlih gegen Ueberschuldung geschüßter Grundbesig es vermag, feiner Pflicht gegen seine Arbeiter ganz und voll zu genügen. Unser Programm ift ein soziales Programm ersten Ranges ; es verlangt allerdings tiefeingrei- : ] So weit wir es vermögen, wollen wir an seiner Verwirklichung fortarbeiten zum Woble unseres Vaterlandes. Was uns nächst dem Vertraucn in Gottes Fürsorge in erster Reihe Ki1aft verleiht und erhebt, das ist das Gefübl der Liebe und Treue zu unserem erhabenen Kaiserhause Lassen Sie uns einstiwmen in den - Ruf: Gott \{üûße, Gott segne unseren Kaiser! Se. Majestät Kaiser Wilbelm I]. lebe hoch!* Dreimal stimmte die Versamm- lung begeistert in den Ruf ein.

Der erste Punkt der Tagesordnung lautet: „Die landwirth - schaftlichen Arbeiter, unter besonderer Berücksichti- gung des Rentengutes.*“ i

Der Referent, Regierungs-Rath Evert-:Berlin wies darauf hin, daß die ländlihe Bevölkerung in - vielen Gegenden Deutschlands, namentli im Osten, dur Auswanderung, den Zug nah den Städten und durch die fehlerhafte Armengeseßgebung in dauernder Abnahme begriffen sei. Der Kontrakibruh sei allgemein, der Sinn für Ver- * tragstreue wenig entwickelt. An Quantität und Qualität gehe die ländlihe Bevölkerung von Jahr zu Jahr zurück. Das sei für den Staat fehr gefährli®, weil die großen Städte erfahrungs8mäßig nur äußerst wenig trauchbare Rekruten lieferten. Die dort Ausgehobenen seien meist Zugezogene aus der Provinz. Hiernach erscheine die Wehrkraft des Staats, wenn die jeßige Entwikelung andauere, vielleiht hon in einem Menschenalter ernstlid gefährdet Um diese Schäden dauernd zu beseitigen, müsse der Versuch gemacht werden, die Ar- beiter mehr als bisher mit ihren Junteressen und Neigungen an den Boden der Heimath zu fesseln, in3b-soadere inen den Erwer b eines kleinen Grundeigenthums zu erleichtern. Dieses Ziel verfolge der von der Staatsregierung vorgelegte Renten - guts- Gese entwurf, dec beiden Theilen mancherlei Vor- theile biete. er Rentenpflichtige könne ohne erhebliche Anzahlung es ohne Belastung mit kündbarem Kapital zu Grundbesiß gelangen und der Rentenberechtigte vecmöge sih eine Anzahl seßhafter Arbeiter zu sichern, die ihn nit in jedem Nothfall im Sticz lassen. Der Staat ** müsse die Bestrebungen zur Schaffung von Rentengütern thunlichft för« dern, vor Allem durh Erlcichterung der crforderlihen Rechtsakte und turch Begünstigung oder völligen Nachlaß bei | rihts- und tempelkosten. Alles în Allem fei das Instituk der Rentengüter des Versuchs woh! we:th. Zwar könne es weder -* dringenden Nothständen in den ländlihen Arbeiterverhältnissen sofort“ abhelfen, noch die gegenwärtige unstäte Masse der ländlichen Arbeiter in wenigen Jahren s\eßhaft maden, aber wenn von den Millionen läntliher Arbeiter und jüngerer Bauernsöhne alljährlich nur wenige - Tausend der Besten unter ibnen durch Vermittelung des Instituts der Rentengüter wieder mit dem heimathliven Boden verwacsen, dann werde, wenn rit die gegenwärtige, doch die näbste Generation der Grundbesiger und das ganze Vaterland reibe Früchte von der neuen Einrichtung ernten. Ridner empfahl darn nachstehende Resolution zur Annahme :

„Die X. Generalversammlung der Vereinigung der Steuer- und Wirthschaftêreformer wolle beschließen: 1) Der Rükgang der ländlihen Arkbeiterbevölkerung nach ihrer Zahl, Seßhaftigkeit, *.. Tüchtigkeit und Vertragêtreue in vielen Gegenden Deutsh®* lands - ist eine der gefäbrlihsten Seiten unserer gegen wärtigen wirtb\haftlih-sozialen Entwickelung nf umfassend und nachhaltig entgegenzutreten, ist ebenso Lbensinteresse des ganzen Staats und Volks wie der zunächst betheis

ligten Kreise. -2) Die Schaffung kleiner Rentengüter nah dem gegen® wärtig von der Königlih preußishen Staatsregierung vore gelegten Gesehentwurf ist naturgemäß niht ein Ausweg,“ um dringenden Nothstönden ia den l [rbeiter s zu begegnen, Dagegen kann dieselbe allmählich zu einem ehr werthvollen und nachhaltigen Hülfsmittel dafür werden. Es ist deshalb den Landwirthen nah Annahme des Geseßentiwurfs zu empfehlen, einzeln oder in Vereinen und Genofsenschasten die Eine führung von Rentengütern zu versuhen. Es sind dabei die bei den Ansiedelungen in Posen und Westpreußen gemachten Erfahrungen in den daselbst eingeführten Normal - Rentengutsvertrag, inso?:-2.. besondere die Bestimmungen unter §8

zu legen. Auch ist auf vertragsmäßige Sicherung des lehteren gegen Schädigung durd „Sasengängerei“ des Rentenpflichtigen u. 1. w&-.* Bedacht zu nehmen. 3) Die weitere Entwickelung des Instituts der Rentengüter, insbesondere die etwaige Betheiligung des Staats bei .-

initiative auf diejem Gebiete abhängen.“

Freiherr von Manteuffel beantragte, Nummer 3 der Reso- lution folcende Fafsung zu geben: „Zur Förderung der weiteren Ent- wickelung des Instituts der Rentengüter, insbesondere zur Erleichte- rung der Privat Ms auf diesem Gebiete, ist tkatkräftige Hülfe des Staats unentbehrlich.“ 8

Dieser Antrag wurde ebenso wie die Resolution Evert in den Punkten 1 und 2 fast einstimmig angenommen.

Sauitäts-, Veterinär- und Quarantänewesen.

Stockholm, 24. Februar. (W. T. B.) Auf dem Gute Vreten im Län Skaraborg hat vor einigen Tagen ein neuer Aus- bruch der Schweinepest stattgefunden.

Handel und Gewerbe.

Die Berlin - Anhaltishe Maschinenbau - Aktien- gesellshaft beruft eine außerordentlihe Generalver- sammlung auf Donnerstag, den 10. April cr., nah dem Sizungs- saal der HandelsgeseUshaft zwecks Revision des Statuts. Da eine Beschlußfassung nur durch drei Viertel des Gesammt- Aktienkapitals erfolgen kann, so werden die Aktionäre im eigenen Interesse gebeten, ihre Aktien zu deponiren; auch hat sich die Berliner QHandelsgesells haft bereit erklärt, diejenigen Aktio- nâtre zu vertreten, welhe am Erscheinen in der General- versammlung verhindert sind. Nah uns zugegangenen Mit- theilungen Hat die Gesellschaft allein in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 1889/90 ihren Umsay um 500000 M, also um etwa 50 9% gegen die, gleiche Geshäftsperiode des Vorjahres erhöht und ist dieselbe weit über das zweite Halbjahr hinaus mit umfangreichen und lohnenden Aufträgen beseßt.

Les, 2. Februar. (W. T. B.) Kammzug-Termin- handel. a Plata. Grundmuster B. pr. Februar #, pr. März 4,95 4, pr. April 4,924 4, pr. Mai 4,924 4, pr. Juni 4,921 4, pr. Iuli 4,924 , pr. Zun 4,924 46, pr. September 4,924 4, pr. Oktober 4,924 4, pr. November 4,924 4, pr. De- zember 4,925 A Umsay 85 000 kg. Ruhig.

Hamburg, 25. Februar. (W. T. B.) Der Aufsihhtêrath der Norddeutschen Zuckerraffinerie Frell stedt beshloß, wie die „Hamburgische Börsenhalle" meldet, nach hohen Abschreibungen eine Dividende von 10 %/o für 1889 vorzuschlagen, gegen 184 ‘/o im Jahre 1888 und 109%/o im Jahre 1887,

London, 2%. Februar. (W. T. B.) An der Küste 1 Weizen- Si ladung angeboten. e i

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Demselben mögli“ en

ländlichen Arbeiterverhältnissn

. 0 ff. über die Rentens 7: ablôsung, den Ausshiuß der Theilbarkeit und Veräußerung de Rentengutes ohne Zustimmung des Rentenberechtigten zu Grundé***

Gründung derselben wird von den Ergebnissen der freien Privats“ 2 B