1910 / 25 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Nichtamtliches.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 29. Januar.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute vormittag im hiesigen Königlichen Schlosse die Vorträge des Staatssekretärs des Reihhsmarineamts, Admirals von Tirpiß, des Chefs des Admiralstabs der Marine, Admirals von Fischel und des Chefs des Marinekabinetts, Vizeadmirals von Nüller.

Jn der am 28. d. M. unter dem Vorsiß des Staats- ministers, Staatssekretärs des Jnnern Delbrüc> abgehaltenen Plenarsißzung des Bundesrats wurde der Vorlage über die Tragung der Untersuchungskosten im Zollverkehr, der Vor- lage, betreffend den Zollverwaltungskostenetat für Hamburg, sowie der Vorlage, betreffend die Gleichstellung der im Großherzogtum Luxemburg gewonnenen Erzeugnisse des Wein- baues mit den inländishen, die Zustimmung erteilt. An- genommen wurde ferner die Vorlage, betreffend die Erhebung der Talonsteuer von Gewinnanteilschein- und Zinsbogen, die bei der ersten Ausgabe von Wertpapieren mit diesen vor dem 1. August 1909 in Verkehr gesezt wurden und auf einen fürzeren als zehnjährigen Zeitraum lauten. Mit der Ueber- weisung des Entwurfs eines Geseßes, betreffend die Aufstands- ausgaben für Südwestafrika und des Entwurfs eines Geseßes, betreffend die Kontrolle des Neichshaushalts, des Landes- haushalts von Elsaß-Lothringen und des Haushalts der Schußzgebiete, an die zuständigen Ausschüsse erklärte die Ver- sammlung sih einverstanden. Außerdem wurde über ver- \chiedene Eingaben Beschluß gefaßt.

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesrats für Handel und Verkehr und für Justizwesen hielten heute eine Sißung.

Jn der Zeit vom 1. April bis zum Schlusse des Monats Dezember 1909 sind nah dem „Zentralblatt für das Deutsche Reich“ folgende Einnahmen des Deutschen Reichs an Zöllen, Steuern und Gebühren, abzüg lich der Ausfuhrvergütungen usw., sowie der Einnahmen der Neichs-Post- und Telegraphenverwaltung und der Neichseisenbahnverwaltung zur Anschreibung gelangt:

Zölle 550 508 446 (6 (gegen das Vorjahr + 107 915 547 M6), Tabafsteuer 8777815 #Æ& (+ 908919 1), BZigaretten- steuer 16308692 Æ&Æ (4+ 3512245 46), Zudersteuer 124 050 301 6 (+ 3711 337 M), Salzsteuer 44 584518 M (4- 670059 M), Branntweinsteuer: a. Verbrauchsabgabe 392208242 4 (—+ 32208242 At), b. Betriebsauflage 5495268 M (+ 5495268 M), c. Maischbottichsteuer 9815328 M (— 11714 199 M), d. Verbrau<hsabgabe und Zuschlag aus der Zeit vor dem 1. Oktober 1909 105 575 599 M (+1531 402 M), e. Brennsteuer 1393 673 M d verbrauhsabgabe 253 239 M (+ 253239 #4), Schaumwein- steuer 10 195 188 M (+ 5640485 F), Leuchtmittelsteuer 6844847 MÆA (+ 6844847 M), Zündwarensteuer 5245973 M (+ 5245973 M), Brausteuer und Ueber- gangsabgabe von Bier 51496582 # (+ 14561 101 A), Spielkartenstempel 1379469 M# (+ 47508 M), Wechsel- stempelsteuer 14090352 Æ (+ 1713910 ä), Reichs- stempelabgaben: A. von Wertpapieren 28 637 228 H (+ 9466 430 M), B. von Gewinnanteilschein- und Zinsbogen 1741 390 M (+ 1741390 é), C. von Kauf- und sonstigen Anschaffungsgeschäften 16 055 066 #4 (4+ 7677288 M), D. von Lotterielosen: a. für Staatslotterien 21 218 439 H ( 278 336 M), b. für Privatlotterien 11 020782 F (+ 1735104 M), E. von Frachturkunden 11 676 312 Mb (+ 721519 M6), F. von Personenfahrfkarten 14 863 623 M (4- 798 897 A), G. von Erlaubnisfarten für Kraftfahrzeuge 9 013 278 M (+ 330951 A6), H. von Vergütungen an Mit- glieder von Äufsichtsräten 3 300 061 # (+ 1 364 507 M), T. von Sche>s 1 996 912 M6 (+ 1 996 912 S), K. von Grund- stücksübertragungen 13 735 728 A (+ 13 T35 T28 At), Erbschafts- steuer 27.109 776 A6 (+ 7 425 298 M), Statistische Gebühr 1 229 432 M (+ 101 952 M), Reichs-Post- und Telegraphen- verwaltung 493 033 952 M (4+ 30 283723 6), Reichseisen- bahnverwaltung 93 937 000 M (+ 4577 000 4).

Die zur Reichsfasse gelangte Jsteinnahme abzüglich der Ausfuhrvergütungen usw. und der Verwaltungskosten beträgt bei den nachbezeihneten Einnahmen: Zölle 502253 862 (+ 98 349 112 M), Tabaksteuer 8 409 645 H# (— 87 435 M), Zigarettensteuer 3832810 #4 (+ 2179879 M), Zucker- teuer 109 359 963 #6 (+ 4 0476466 M), Salzsteuer 40 739 185 A6 (— 551 778 M), Branntweinsteuer: a. Ver- brauchsabgabe 5 566 465 A (-+ 5 566 465 M), h. Betriebs- auflage 5 495 268 4 (—+ 5 495 268 M), e. Maischbottich- steuer 7390 905 M ( 8757164 M6), d. Verbrauchs- abgabe und Zuschlag aus der Zeit vor dem 1. Oktober 1909 102 692 761 A (+ 14 828 456 C), e. Brennsteuer —1 393 673 4b

53600 M), Essigsäureverbrauchsabgabe 117 321 M (4+ 117 321 M6), Schaummweinsteuer 7 494 419 M ( 43290822 M), Leuchtmittelsteuer 4024711 M (+ 4024711 A), Zündwaren- steuer 2402 590 M (+ 2 402 590 Ac), Brausteuer und Ueber- gangsabgabe von Bier 42595627 Æ (+ 6277181 M6), Spielkartenstempel 1 306 746 4 (+ 38 309 46), Wechselstempel- steuer 14 090 352 M (+1 713910 M), Reichsstempelabgaben : A. von Wertpapieren 28 064 484 M (+ 9274 817 4), B. von Gewinnanteilschein- u. Zinsbogen 1 605 521 A6 (+ 1 605 521 H), C. von Kauf- und sonstigen Anschaffungsgeschäften 15 730 507 M (+ 7522 632 M6), D. von Lotterielosen: a. für Staatslotterien 91 218 439 M 978 336 M), hb. für Privatlotterien 10 876753 M (4+ 1714509 46), E. von Frachturkunden 11 442786 A4 (4 707089 6), V. von Perfonenfahrkarten 14.566 350 A6 (+ 782 919- 46), G. von Erlaubnisfarten für Kraftfahrzeuge 1 973 012 A (+ 324 331 A), Ms von Ver- gütungen an Mitglieder von Aufsichtsräten 3 234 060 Ab (41.337 217 A6), J. von Scheds 1 956 974 M6 (+ 1956 974 A6), K. von Grundstüfsübertragungen 13447753AM (+ 13447753 Ab) Erbschaftssteuer 27 109 776 H (+ 7425298 M), Statistische Gebühr 1210 028 #4 (+ 99634 #).

Laut Meldung des „W. T. D. t S. M. S. „Freya“ am 26. Januar in Neapel eingetroffen und geht am 83. Februar von dort nah Algier in See.

53 600 M), Essigsäure- ÿ

S. M.S. „SperDEpH ist am 25. Januar in Lome (Togo) eingetroffen und geht am 10. Februar von dort nah Sekondi (Goldküste) in See.

Baden.

In der gestrigen Sizung der Zweiten Kammer wurde über folgenden Antrag Rebmann (nl.) und Genossen ver- handelt:

Die Negierung wolle die Frage der Necarkanalisation dur bundesfreundlihes Zusammenwirken der beiden Regierungen von Württemberg und Baden einer mögli<hst baldigen Löfung entgegen- führen und zugleih ein Einverständnis in der “Frage der Schiffahrts- abgaben anstreben.

Nach dem Bericht des „W. T. B.“ erklärte der Minister des Jnnnern Freiherr von -Bodman, daß die badische Regierung der württembergischen Regierung folgendes Angebot gemacht habe :

Baden erbaut drei Kraftwerke auf seine Re<hnung, übernimmt ein Drittel der Kosten der Kanalisation, seßt auf feinem Gebiet die Schiffahrtsabgaben fest und verwendet deren Ergebnis zur Unter- haltung der Anlagen und zur Verzinsung des Anlagekapitals ; etwaige Uebershüsse sollen an Württemberg ausgezahlt werden.

Die württembergishe Regierung habe geantwortet, in gegenwärtigem Zeitpunkt auf diefen Vorschlag nicht eingehen zu können. Der Antrag Rebmann wurde shließli<h mit 39 gegen 25 Stimmen des Zentrums und der Konservativen angenommen.

Elfaß-Lothringen.

Die Eröffnung des Landesausfchusses von Elsaß- Lothringen wurde gestern nachmittag nrt einer Rede des Kaiserlichen Statthalters Grafen von Wedel feierlihst voll zogen.

Nach dem Bericht des „W. T. B.“ gedenkt die Nede zunächsr der finanziellen Lage des Landes und erklärt, daß diese seit den lezten: Fahren niht besser geworden sci. Der Abs<luß des laufenden Fahres werde no< weniger günstig sein, zumal die vom Lande an das Neich zu leistenden Zahlungen dur< Erhöhung der un- gede>ten Matrikularbeiträge um das Doppelte des Ctatsansaßzes eine erbeblide Steigerung erfahren hätten. Die Rede erklärt sodann die baldige Inangriffnahme einer Reform der direkten Steuern für eine dringende Notwendigkeit und kündigt eine Vor- lage no< für diese Tagung an, die eine Neform im Sinne der Einführung einer allgemeinen Einkommensteuer mit der erforderlichen Ergänzungébesteuerung darstellen soll. Unter dew in der Rede an- gekündigten Vorlagen befinden fih solche, betreffead die Biersteuer, den Entwurf eines Lottericgefeßes, Aenderung des: Stempelgesctzes, Aenderung des Sparkassenge}eßzes und andere. Der Statthalter kon- statiert ferner in seiner Rede die Fortschritte der Aabeiten zur Nbein- regulierung im leßten Baujahre, die den bedeutenden Hohwassern dieses Sommers ohne Schädigung widerstanden hätten, und verheißt u. a. au< eine Denkschrift über die Vereinfachung, der Hochbau- verwaltung: „Die Verhandlungen über den weiteren Ausbau unserer Verfassung“, beißt es dann in der Rede weiter, „sind no< nicht ab- geschlossen, sondern dauern nc< fort. Ih gebe mih der Hoffnung bin, daß sie in niht allzu ferner Zeit zu einem befriedigenden Er- gebnis führen werden.“ Zum Schlusse fündigt der Statthalter no< eine Denkschrift an, betreffend die Vereinfahung. der Verwaltungen, die das Fortbestehen: der Bezirke als Verwaltungskörper ebenso wie der Bezirkspräsidien als staatlicher Verwaltungsorgane gutheißen und nur eine allgemeine Bes>ränfung der Verwaltungsinstanzen auf zwei vorschlagen werde. S

Im Namen Seiner Majestät des Kaisers erklärte der Statt- halter sodann die 37. Tagung des Landesausschusses für er- öffnet und brachte ein dreimaliges Hoch auf Seine Majestät den Kaiser aus, in das alle Abgeordneten einstimmten. Auf Vorschlag des Präsidenten Dr. Höffel wurde darauf das vorige Präsidium dur< Zuruf wiedergewählt, nämlich zum Präsidenten von Jaunez, zum Ersten Vizepräjidenten Staats- rat Dr. Gun zert und zum Zweiten Vizepräsidenten Ko echlün.

ODefterreich-Ungarn.

Der Kaiser Franz Joseph hat geftern vormittag, dem „Wiener Fremdenblatt“ zufolge, den rumänishen Minifter- präsidenten Bratian o in Audienz. empfangen.

Das ungarische Abgeordnetenhaus hat gestern mit großer Majorität einen Mißtrauensantrag gegen das Kabinett des Ministerpräsidentew Grafen Khuen - Hedervary angenommen. Wie das „W. T.. B.“ berichtet, ertlärte der Ministerpräsident hierauf, da der Regierung ein Mißtrauens- votum gegeben worden sei, so ständen ihr zwei Wege offen: entweder Demission oder Auflöfung des Hauses. Sofort könne er sich nicht entscheiden. Hierauf ließ der Ministerpräsident ein Königliches Handschreiben verlesen, dur<h welches das Ab- geordnetenhaus bis zum 24. März vertagt wird. Unter großem Lärm des Hauses verließen die Minister den Saal. Der Abg. Graf Batthany beantragte eine Resolution, die besagt, die Regierung habe dadur, daß sie Vertagung eintreten lasse, ohne ein Budgetproviforium erlangt zu haben, die Ver- fassung verleßt und dürfe weder Steuern einziehen noch Rekruten ausheben, no<h Handelsverträge abschließen, no<h An- leihen aufnehmen, no<h Summen für gemeinsame Ausgaben ausfolgen.

Der Abg. Graf A pponyi erklärte, der Ministerpräsident habe die Verfassung verletzt, indem er die Vertagung, ohne Staatshaus- haltéprovisorium ausgesprochen habe. Er würde ihm das Budget- provisorium bewilligt haben, nehme aber jeßt den Anirag Batthany an. Der Abg. Graf Andra]ssy mißbilligte ebenfalls das Vorgehen der Regierung, lehnte jedo< den An- trag Batthany ab. Der von der Negierung unternommene Schritt fönne no< gut gema<ht werden, wenn die Regierung abdanke und ein anderes Kabinett an ihre Stelle trete. Als höhnis<he Zurufe von seiten der Justhpartei Andrassos Rede unterbrachen, sagte diefer zur Justhpartei gewendet: „Ich wünsche die Herren, die jegt mit übers legenem Lächeln auf uns herabsehen, an unserer Seite zu sehen, wenn die Verfassung in Gefahr {webt und wir sie werden ver- teidigen müssen.“

Hierauf wurde die Resolution von der gesammten Linken

ngenommen, nur die Verfassungspartei stimmte dagegen.

Großbritannien und Frland. Nach amtlicher Bekanntmachung wird der König Eduard das Parlament am 21. Februar eröffnen. t C

Frankreich.

Die Deputiertenkammer seßte gestern nachmittag zu- nächst die Beratung des Etats der öffentlihen Arbeiten fori , beschloß dann aber laut Bericht des „W. T. B.“, angesichts des Fehlens zahlreiher Abgeordneten die Be- ratung des Budgets auf aht Tage auszuseßen. Der Minister Millerand, der mit dieser Maßnahme nicht einverstanden

den Storthingspräsidenten

war, zollte den Helfern von Zivil und Militär seine Anerkennung, hielt im übrigen aber den Augenbli> für \hle<t gewählt, um das Vertrauen der Bevölkerung zu den Männern, denen es obliege, seine Jnteressen zu wahren, zu verringern.

Im Senat wurde in der gestrigen Sißung ein An- trag, weitere zwei Millionen Francs für die von der Ueber- s{wemmung Betroffenen bereitzustellen, einer Kommission über- wiesen, was den Arbeitsminister Viviani zu der Bemerkung veranlaßte, die Regierung bedürfe keines Ansporns, um ihre

Pflicht zu tun. Griechenland.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ hat Theotokis in einer Konferenz mit dem fkretischen Politiker Venizelos die Erklärung abgegeben, daß seine Partei ihre endgültige Zu- stimmung zur Berufung der Nationalversanzmlung von der Zustimmung des Königs abhängig mache. Jm Falle der Zustimmung des Königs würde das Berufungsdekret* kein be- stimmtes Datum festseßen, soudern sih auf die Erklärung be- schränken, daß die Nationalversammlung vor dem Zusammen- tritt der neuen Kammer tagen werde.

Norwegen. Der König Haakon hat, wie das „W. T.. B.“ meldet, Konow mit der Bildung des Konow Hat den Auftrag. angenommen.

Amerika.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von. Amerika Taft hat an den Deutschen Kaiser anläßlich seines: Geburtstages, „W. T. B.“ zufolge, nachstehendes Telegramm gesandt:

Am heutigen Geburtstagsfeste Euxer Majestät bringe ih Ihnen meine herzlihenw Glü>wünshe dar und übermittele Eurer Majestät zugleich den Auêdru> der guten Gesinnung, von der die Regierung und das Volk ver Vereinigten Staaten für Ihr Land exfüllt sind, und die Wünsche, die sie für dessen Gedeihen hegen.

Jn Erwiderung auf eine’ Anfrage, ob Canada es ab- lehne, mit Dewtschland wegen Beseitigung des Zollzuschlags zu verhandeln, erklärte der canadische Premierminister Laurier, obiger Quelle zufolge, es hätten über diese Angelegenheit wohl unverbindliche Besprechungen, aber keine Verhandlungen offiziellen Charafters stattgefunden.

Asien.

(e

Nach einer Meldung der „St. Petersburger Telegraphen- agentur“ aus Neubuchara erschienen gestern vor dem Thronfolger Mirahin Deputationen, an ihrer Spiße die Sunnitische

Kabinetts beauftragt.

| und Schiitische Geistlichkeit, um ihre Ergebenheit zu be-

teuern und zu erklären, daß ihre: Versöhnung erfolgt sei.

Wie das „W. T. B.“ in Ergänzung seines gestrigen

Berichts meldet, findet sih in dem Exposé des: japanischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Grafen Komura über die Beziehungen Japans zum Auslande in der vorgestrigen Sißung des Abgeordnetenhauses folgender, Deutschland betreffender Paftus : __ Deutschland fährt fort, eine gere<te und freundschaftliche Haltung Japan gegenüber zu beobachten, und die Kaiserlihe Regierung kann mit hoher Befriedigung feststellen, daß die Politik Deutschlands im fernen Osten in keiner Weise mit der Politik Japans kollidiert.

Parlamentarische Nachrichten.

Die Schlußberichte über die gestrigen Sißungen des Reichs- tags und des Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.

Zu: Beginn der heutigen (26.) Sißung des Reichstags, welcher dex Kriegsminister, General dec Infanterie von Heeringen beiwohnte, wurde vor Eintritt in die Tages- ordnung ein Schreiben des. Staatssekretärs des Auswärtigen Amts Freiherrn von S choen zur Kenntnis gebracht, wonach der türkishe Botschafter den warmen Dank für die Beileids- fundgebung auss\priht, die der Reichstag aus Anlaß des tvas des Parlamentagebäudes in Konstantinopel befchlossen atte.

Darauf setzte das Haus die Spezialberatung des Militär- etats fort und nahm die an den ersten Ausgabetitel „Gehalt des preußischen Kriegsministers 50 000: 46“ geknüpfte allgemeine Debatte wieder auf.

Zu diesem Titel siad von der freisinnigen Volkspartei zwei Anträge eingebracht :

1) Antrag Ablaß: den Reih#Æanzler wiederholt zu ersuchen, na< den Beschlüssen des Reichstags von 1905, 1906, 1907, 1908 und 1909 die Reform des gesamten Militärstrafre<hts, des Bes \{werdere<ts und des ehrengerihtlihen Verfahrens gegen Offiziere in die Wege zu leiten;

2) Antrag Müller-Meiningen—Wiemexr: den Reichs- fanzler zu ersuchen, zu erwägen, auf wel<he Weise denjenigen Mislitärpflichtigen, die eine hervorragende turnerifhe Ausbildung befizen, Vergünftigungen bei der Grfüllung ihrer miktitärischen Dienst- pflicht (kürzere Dienstzeit, Vergünstigungen im Arancement ufw) bewilligt werden können.

(Schluß des Blattes.)

Das Haus der Abgeordneten seßte in der heutigen (11.) Sißzung, weicher der Minifter für Landwirt- schaft, Domänen und Forsten von Arnim beiwohnte, die zweite Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung bei den Ausgaben für die Förderung der Viehzucht fort.

Bei dem Dispositionsfonds von 600 000 4 zu Prämien für die Zucht von Hengsten und Stuten im Besiß von Privaten und Vereinen tritt

Abg. Heine (nl.) für Vermehrung der Zahl der Hengste im Landgestüt Warendorf ein. Die ausgeworfenen Unterstüßungen würden in den landwirtschaftlihen Kreisen Westfalens für die Erhaltung der Privatbeschäler als nicht ausreichend angesehen.

Abg. Dr. Be >er (Zentr.) hält gleihfalls eine Erhöhung des Fonds für notwendig. Auf jedes Pferd kämen etwa 100 bis 150 A. Für diesen Preis könne niemand ein Pferd in einem Zustande er balten, daß es ausftellungsfähig sei. In Belgien würden ganz andere Summen aufgewendet. Es müsse auch das Bestreben sein, den Be- darf an Zuchtmaterial soweit als mögli<h im Inland zu de>en; ma! müsse si< vom Ausland mit der Zeit vollkommen unabbängig machen. Dadurch könnten Millionen von Mark dem Inland erhalten bleiben.

Bei dem Dispositionsfonds von 950000 zur Förderung des Molkereiwesens bittet

Abg. von Kloeden (B. d. L.), daß die Post den Verkehr von Molkereierzeugnissen niht aus übertriebener Sparsamkeit zu sehr be schränken möge.

Das Kapitel „Förderung der Viehzucht“ wird bewilligt.

(Schluß des Blattes.)

Kunst und Wissenschaft.

Die Ausstellung von Werken französischer Kunst des X VIII. Sahrhunderts in der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin.

i i

Anläßli< des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers und Königs huldigt die Akademie der Künste ihrem erhabenen Protektor diesmal mit einer ganz besonders sinnreihen und bedeutungsvollen Ausstellung.

Alle Welt weiß, welhe Rolle die französische Literatur und Kunst unter König Friedrich dem Großen am Berliner Hofe gespielt hat, und kennt das aus französishem Geist geshaffene „{orgenlose“ Shloß, von dessen innerer Ausstattung ein französisher Kritiker sagte: „Wenn der Stil auch französisch ist, müssen wir do< ohne Nü>- halt anerkennen, daß wir weder bei uns noch anderswo ein zweites Beispiel von so glänzendem und diskretem Geshma> gefunden haben.“ Sanssouci wurde der monumentale Ausdru> des Ideals, das Friedrih in der Kunst su<hte: Die Befreiung von der tro>enen Alltäglihkeit des Daseins, die Erholung in der Betrachtung des mit Woazie und Anmut verbundenen Schönen, in poetishen Träumereien. Der lebensbejahende daseinsfrohe Geist, der die französishe Kunst des Nokoko durchdrang, die Besiegung und Ueberwindung des auf- gedonnerten Pomps und der jesuitischen Emphase des Baro>s waren es, was diesen König so mächtig anzog, weil ihm daraus eine menschen- würdigere, aufrihtigere und heiterere Lebensauffassung entgegenlachte.“ Als sein Hofmaler Antoine Pesne einige Kirchenbilder ge- malt und damit der no< nachwirkenden religiösen Efkstase des Fnquisitionszeitalters seinen Tribut gezollt hatte, beklagte si Friedri in einem an ihn gerihteten Gedicht über diese Verkennung seines ureigensten Talents und {rieb ihm die Motive vor, die er verherrlichen sollte. Verlasse deine Heiligen, ruft er ihm zu, und male uns lieber die Nymphen des Waldes und die reizenden Grazien! Der Liebe allein sei deine Kunst gewidmet. Niemand konnte “seinen Wünschen besser entgegenkommen als die großen französishen Maler, deren beitere Kunst damals ihre schönste Blüte entfaltete. „Der Name Watteaus gibt den Mittelpunkt für die künstlerischen Nei- gungen Friedri<s; in ihm, in seinem „Embarquement pour Cythère“ findet er das Vorbild dessen, was er in Rheinsberg und päter in Charlottenburg und Sanssouci verkörpern wollte, bevor die Kriege und die Sorgen der Regierung diesen Idyllen ein Ende bereiteten. Der Gegensaß zwischen dem anspannenden, ershöpfenden Leben des Staatsmannes und Feldherrn und der heiteren, dur< die Kunst ver- klärten Lebensfreude ist es, der Friedrich in diefen Bildern Watteaus

roßen Genuß finden läßt, der auf sein Gemüt eine ähnliche vefreiende Wirkung übt, wie es die Musik tat (Seidel)“. Und so ist es au< Watteau, der dieser Ausstellung, die ihre Glanzstüce aus Kaiserlihem Besiy geliehen bekam, das cigentlihe Gepräge verleiht, denn mehrere der berühmtesten Meisterwerte dieses Malers befinden ih seit anderthalb Jahrhunderten im Besiß des Kaiserlichen Hauses. An die Spitze der Watteauschen Werke ist „L'ens eigne“ zu stellen, das berühmte Firmenschild , das Watteau 1721 für den Kunst- bändler Gersaint malte und das später in zwei Teile geschnitten wurde, sodaß es ih beute in zwei prächtigen Bildern präsentiert. Watteau malte dieses Bild, von einer wenig erfreulihen Reise nah England zurü>gekehrt, zu seiner Erholung, gewissermaßen, um endlich wieder ein Werk na< seinem Geshma> zu malen nach den vielen Bildnissen, die er um des täglihen Brotes willen hatte anfertigen müssen. Gerfaint bezeugt, daß dieses Schild das einzige Bild war, das seine Eigenliebe reizte. Es war sein letztes größeres Werk, die Krone seiner Schöpfung, sein fünstlerishes Vermächtnis. Er zeigte damit, was er noch bâtte leisten können, hätte er niht mit se<sunddreißig Jahren sein leiden- volles Leben beenden müssen. Denn die Freuden der Insel Cythere, das Lautenspiel und Uebesgcflüster in den schattigen Hainen, die Fêtes galantes hat er selbst nie erlebt, der an der Shwindsucht dahinsiehte. Er hat sie nur erträumt. Er mochte si eber als der Bajazzo gefühlt haben, den er so oft dargestellt hat. Wie dieser gaufelte er der Welt Freuden vor, während er seinen Schmerz unter der Schminke verste>te. Watteau war ein Fläme, und flämischen Ursprungs war seine Kunst und die seiner Schüler. Von Rubens, den van Goyen und Cuyps, dem Delfter Vermeer und Ochterveldt, ja von Brouwers Landschaften und von Teniers laufen die Verbindungslinien zu Watteau und Lancret. Ihre Kunst bildet die eine, die flamische Hâlfte der Rokokomalerei, während die italienische in Boucer, dem Urenkel Correggios gipfelt. Nicht das Leben seiner Zeit \<ildert uns Watteau, sondern die Bühne des Lebens, das Theater. Nach dem Tode des frömmelnden Ludwig X[IV. wurde im äahre 1716 die italienishe Komödie wieder eröffnet und ibre typischen Gestalten, diese echtesten aller Bühnengestalten, deren jede eine Menschengattung mit allen Lächerlichkeiten verkörpert, treten wieder auf. Es sind die Gilles, die Scaramouches, die Scapins, die Harlekins, die Bajazzos auf den Watteauschen Bildern. Der Bühne entnimmt er die Kostüme, bühnenmäßig sind seine Kompositionen, und seine Landschaft ist Kulissenlandschaft. Sie lebt nicht für si<, sondern dient den Figuren als geeignete Umrabmung und allerdings einzigartiger Hinter- grund. In seinen späteren Bildern seßt er regelmäßig eine Gruppe in eine Ee vor eine Baumkulisse, während si<h die Silhouette der Hauptfigur deutli<h vom dämmernden Hintergrund abhebt. Auch die Farbengebung ordnet sich dieser bühnenmäßigen Wirkung unter. Wie ein leubtender Edelstein in diskreter Fassung hebt sih das vornehme Not, Blau oder Grün von dem silbrigen Gesamtton der Umgebung ab. Bübnenmäßig sind endlih die Stellungen, besser die Attitüden der Figuren und ihre vornehm abgezirkelten, bere<hnet ausdru>svollen Ge- bärden, deren lässige Eleganz dem oberflählichen Beschauer Natürlichkeit vorspiegelt. Nichts ist direkt der Natur und dem Leben entnommen, aber die Stileinheit des Ganzen ist so zwingend, daß uns diese Welt zwar als eine andere ungewohnte, aber niht weniger lebendige erscheint. Die farbig am feinsten gestimmte der Parkszenen ist „Das Konzert" aus dem Besitz des Kaisers. In diesem kleinen Bildchen erreicht das Naffinement in der Zusammenstellung der gewähltesten Farbennuancen einen \<le<tweg niht mehr zu übertreffenden Höhepunkt. Watteaus S@üler und Nachfolger Lancret und Pater segen die von ihrem Meister einges<hlagene Richtung fort, ohne Neues zu bringen oder ihn zu erreihen. Do<h malten he größtenteils Bilder von aus- gezeihneter Qualität, wie es der „Gufastenmann“ und Die Tänzerin Camargo“ von Lancret, das „Blindekuhspiel“ Paters am besten erweisen. Mit Vorliebe wurden ihre beliebten Vorwürfe nahgeahmt, und ganz frei von solchen zweifel» haften Bildern ist au die Ausstellung nicht geblieben. Verlegte Pater den Schauplay seiner Bilder {on mit Vorliebe in den Salon, wo er die Innendekoration des Nokoko verhberrlichte, so schilderte Chardin fast aus\{ließlih das Heim und zwar das bürgerliche Heim der Nokokozeit. Er ist der Maler der Amuseèements de la vie rivée. Die Küche, das Kinderzimmer, die Stube, der Salon, alle Teile der bürgerlichen Wobnung und mit ihnen ihre Bewohner malt er in seiner originellen breiten Art. Er liebte die Kinder und malte alle wichtigen Augenbli>e ihres Lebens, ihr Spiel, ihr Essen, ihre Schule, ihre Mütter, Gouvernanten und Lehrerinnen, vie hnen qule Lehren erteilen uno Je ne er mahnen, brav zu sein. Seine außerordentlihe Berühmtheit erlangte jedo< Chardin mit seinen Stilleben. Die „Naturos morte“ malte er mit einer Sachlichkeit und Meisterschaft, mit einem Gefühl für den Farbenreif der Früchte, die seit ihm vielleicht nur Cézanne wieder erreiht hat. Den effefktvollen Arrangements der bolländishen Stillebenmaler, der van Bejeren, Kalff und Heda, dem prunkvollen Glanz ihrer Silbergeschirre und dem Farbenrausch ihrer Hummern, Melonen, Zitronen und ausländischen Früchte und Fische aller Art setzte er das disfretere Shillern von Flashen und weniger Pflaumen, Pfirsihe und Aepfel entgegen, die wie zufällig auf der Tischplatte stehen und liegen. Jede Frucht hat den Geschma> ibrer Farben, den Flaum ihrer Haut, die, Gallerte ihres Fleishes: Sie {eint vom Baum auf die Leinwand Chardins gefallen zu sein. Cin Glas Wasser steht zwischen zwei Kastanien und drei Nüssen: man betrachte es eine Weile und trete zurü>: das Glas

« \chrieb

beginnt \ih zu drehen, es ist ein wirkli<es Glas mit wirklichem Wasser, es ist eine namenlose Farbe, die aus der doppelten Transparen

des Behâälters und des Snbalis entsteht. Das Tageslicht spiegelt si und spielt auf der Oberfläche des Wassers. Die zartesten Farbensfkalen, die feinsten Variationen von blau in grün, eine unendlihe Abtönung eines bläulichen glasgrau, ein stets von NReflexen und Glanzlichtern unter- brochener Farbenausftrag, das alles sieht man auf diesen Bildern. Das ist das Wunderbare der Dinge, die Chardin malt: gezeihnet und modelliert mit ihrem Licht, mit der Seele ihrer Farben gleihsam, seinen sie sich von der Leinwand loszulösen und lebendig zu werden dur ein selt- sames Spiel der Optik zwischen der Leinwand und den entfernten Beschauer. Wie wenige Künstler war Chardin schon in jüngern Fahren angesehen und von den berühmtesten Kritikern seiner Zeit ge- priesen. „Er ist der große Kolorist, der große Magiker, ein Meister der Technik, die Natur selbst", rief Diderot. Und do< wurde er fein Malerfürst. Er blieb in seinem bürgerlichen Milieu und malte aus angeborener Leidenschaft. Als ihn sein Freund Le Bas besuchte, ein Stilleben bewunderte, das er in Arbeit hatte, und den Wuns äußerte, es zu kaufen, meinte Chardin: „On peut g'’arranger, tu a& Une veste qui me plaist fort“. Und so tauschte er das Bild gegen das \<öne Wams ein. Das Widerspiel Chardins und der übrigen Rokokomaler ist Greuze, der tränenselige Tugendmaler, der die Sittenshwäche seiner Zeit unter dem Mäntelchen der Rührseligkeit vorführte. Er malte nit, um zu malen, sondern um Geld zu verdienen und er verdiente sehr viel. Gern erbaute si< eine vergnügungssatte Gesellschaft an seinen ge- malten Moralpredigten. Predigte Rousseau den Frauen die Nükkehr zu den Mutterpflichten, so malte Greuze die Poesie dieser Pflichten mit larmoyanter Schwärmerei. lieb die Frau des Nokoko zeitlebens das junge Mädchen, so sind die Bakfische von Greuze hon Frauen. Kein Mieder beengt die Brust, die #si< entfalten soll für die bhehre LÆbensaufgabe. Doch die wahre Unschuld ist es nicht, die ih unter dem findlichen Negligé verbirgt. „Glaubt nicht“, Diderot, „daß es um den Krug, den Spiegel oder das Vögelchen si handelt. Die jungen Mädchen beweinen mehr und sie weinen mit Recht.“ Greuzes Kunst bietet uns manchen Netz, und wir würden sie gern hinnehmen, wenn ihre fals<e und fade Tugend- faselei nit die Genrekunst des XIX. Jahrhunderts vergiftet hâtte. Allzuviel enthält die Ausstellung von Greuzes Werken nicht. Sie zeigt mehr seine Bildniskunst, die immer eine ansehnliche Höhe behielt.

Dr: 13,

Das Königliche Kunstgewerbemuseum stellt eine größere Auswabl dekorativer Sti>ereien von Frau Florence Fessie Hösel, Berlin-Grunewald, aus. Die Künstlerin sucht Ein- drüde aus der beimishen Landschaft dur<h die Mittel der Sti>erei in vielseitiger Tehnik und persönlih eigenartiger Auffassung wieder- zugeben. Die wehselnden Stimmungen der Tages- und Jahreszeiten geben die Anregungen zu umfangreihen Wandbehängen und zahl- reien fleineren Stüden von reizvoller Bildwirkung. Daneben sind au< Gebrausgegenstände wie Vorhänge und Kissen in einfacherer, kräftiger Ornamentik zu sehen. Die Ausstellung, die heute eröffnet wird, soll bis zum 20. Februar dauern.

Verkehrsanftalten.

Laut Telegramm aus Warnemünde ist die Post aus Däne- mark, die heute vormittag 7 Uhr in Berlin fällig war, ausgeblieben. Grund: Zugverspätung in Dänemark.

Na einem Telegramm aus Saßniß trifft die mit Zug 14 an- fommende Post aus Schweden und Norwegen mit etwa 74 Stunden Verspätung in Berlin ein. Grund: Infolge heftigen Schneesturmes und Feblens von Schlepperhilfe fuhr die Fähre erst um 64 Uhr früh von Trelleborg ab.

Theater und Musik.

Volks oper.

Die rührige Volksoper erzielte am Donnerstag mit der Urauf- führung von N uan Ennas Oper „Cleopatra“ einen so großen Erfolg, daß das Werk wobl geraume Zeit auf dem Spielplan ver- bleiben dürfte. Der dänishe Komponist August Enna ist hier kein Fremder mehr. Vor etwa zwanzig Jahren erschien auf der König- lihen Bühne seine Oper „Die Here“ (na< Fitgers Drama), die ebenfalls gut gefiel und \i< längere Zeit tin der Publikums behauptete. Das Libretto der neuen Oper ist von Einar Christensen verfaßt und von Emma Klingenfeld re<t ge- \chi>t ins Deutshe übertragen. Im Mittelpunkt der Handlung steht die ägyptis<he Königin Cleopatra, gegen die ih eine Ver- \<wörung richtet, deren Haupt der Oberpriester Sepa ist. Man plant den Sturz der Königin und die Krönung Harmakis, des Letzten aus dem alten Geschle<hte der Pharaonen. Harmaki \{wört, wenn ihm Gelegenheit gegeben wird, in die Umgebung der Königin zu ge- langen, sie mit dem zu diesem Zwe> geweihten Dolche zu töten. Als Traumdeuter wird er durch die im Dienste Cleopatras stehende Tochter des Oberpriesters, Charmion, bei der Königin eingeführt. Aber Harmaki zögert mit der Erfüllung seiner Eidespfliht. Cleopatras Schönheit hat es ihm angetan, und da au sie erkennen läßt, daß fie ihm zugetan ift, vermag er den tödlichen Streich nicht zu führen. Die eifersüchtig Charmion aber verrät der Königin, daß er ihr nah dem Leben trachte, und Cleopatra entwindet dem Ahnungslofen den in feinem Gewande verborgenen Dolch, wirft ihn ihm, nachdem sie zuvor die übrigen Ver- \<worenen hatte in Fesseln s<lagen lassen, verächtli< vor die Füße, und Harmaki gibt si selbst den Tod. Die Musik zu diesem be- wegten Vorgang is zwar im allgemeinen re<t rauschend, aber nit undur<sihtig in der Struktur und ret melodis<. Das Werk hält ungefähr die Mitte zwischen der Oper alten Stils und dem neueren Musikdrama. In der Musik findet si< ureigene Er- findung und Empfindung neben Nah- und Anempfundenem. Aber sie ist die Arbeit eines ges{hma>vollen und gebildeten Musikers. Die Volksoper hatte ih des Werkes mit großer Liebe und Sorgfalt an- genommen. Für eine würdige Ausstattung war viel gesehen, und das unter Kavellmeister Schüllers Æitung stehende Orchester war be- deutend verstärkt worden. Es erzielte mit dem vom Vorspiel zum ersten Aft überleitenden Zwischenspiel mit Recht lebhaftesten Beifall. Die Hauptpartie der Cleopatra sang Frau Frease-Green, deren Können von Rolle zu Rolle wächst. An ihrer gesanglihen Leistung war kaum etwas auszuseßen, ihr liebliher Sopran klang in allen Lagen \{la>enfrei und gut ausgeglichen und war besonders in der Höhe von bestri>endem Wohllaut. Ihre Darstellung hat an Gewandt- heit viel gewonnen. Ein stimmbegabter Sänger ist der neue Tenorist Ioseph Pistori, der si< als Harmaki gut einführte ; und als Ober- priester stellte Herr Rünger seine oft bewährten Kräfte in den Dienst des Ganzen. Auch Vilma von Ballogks Charmion is mit An- erkennung zu nennen. Stürmischer Beifall rief nah den Akts{lüssen mit den Darstellern, dem Regisseur, dem Kapellmeister und dem Direktor auch den anwesenden Komponisten mehrfach hervor.

Im Königlihen Opernhause beginnt morgen, Sonntag mit „Rheingold“ eine zvklishe Gesamtaufführung des „Ninges des Nibelungen“ unter musikalisher Leitung des Herrn Dr. Mu>. Am Montag folgt dann die „Walküre“. Die Besetzung der Haupt- rollen dur< die Damen Goeße, Ekeblad, Hempel, Rothauser, Ober sowie dur<h die Herren Bischoff, Philipp, Krasa, Lieban, Knüpfer, Mödlinger, Bronsgeest, Kirhboff und in der „Walküre“ dur< Frau BeaiGinger, Frau Denera, Frau von Sheele-Müller, die Herren Kraus, Bischoff, von Schwind ist die bekannte. Die Vorstellung be- ginnt am Montag um 7 Uhr, am Sonntag 8 Uhr.

Im Königlichen Swauspielhause wird morgen H. Suder-

manns Schauspiel „Stranttiuder“ wiederholt. Am Mentag wird 1g

Goetbes „Faust“ aufgeführt. Fräulein Somary es erstmalig das Gretchen. Im übrigen lautet die Beseßung: Faust: Herr Sommer- storf, Mephisto: Herr Pohl, Wagner: Herr Vollmer, Schüler :

Gunst des |

Marthe: Frau

Herr Boettcher, z Die Vorstellung

<ramm, Böser Geist: Fräu beginnt um 7 Uhr.

Fm Neuen Königlihen Operntheater gehen morgen, Sonntag, „Bajazzi“ und „Cavalleria rusticana“, unter musikalischer Leitung des Herrn Dr. Besl, in Szene. Fräulein Easton, die Herren Maclennan, van Hulst, Hoffmann, Schöffel sind in der erstgenannten Oper, die Damen Rose, Parbs, ‘von Scheele-Müller, die Herren Sommer und Hoffmann in der zweiten tätig.

Fm Deutschen Theater wird morgen das neue Lustspiel „Der gute König Dagobert“ wiederholt. Montag, Donnerstag, Sonnabend und nä<sten Sonntag geht „Der Widerspenstigen Zähmung“ in Szene. Dienstag findet eine Aufführung von “Hamlet“, Mittwo<h von „Faust“ und Freitag von „Don Carlos“ statt. In den Kammerspielen geht morgen Shakespeares „Kaufmannn von Venedig“ in Szene. Montag wird „Das Heim“, Dienstag „Frühlings Erwachen“ wiederholt. Aus dem Spielplan des Deutschen Theaters wird das Lustspiel „Der gute König Dagobert“ na< den Kammerspielen herüber- genommen und hier am Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend und nâdsten Sonntag aufgeführt. Freitag findet eine Wiederholung von Bernard Shawe Lustspiel „Der Arzt am Scheideweg“ statt.

Im Berliner Theater gestaltet sh der Spielplan der fommenden Woche folgendermaßen: morgen sowie am Dienstag, Donnerstag und kommenden Sonntag wird „Pension Schöller“, Posse in drei Aufzügen von W. Jacoby und Carl Laufs, gegeben. Die Vorstellungen am Mittwoch und Sonnabend bringen Wieder- bolungen des erfolgreichen Skfowronnekfshen Schwanks „Hohe Politik“. Am Montag und Freitag wird Shafke\peares Tragödie „Macbeth“ aufgeführt. Als Nachmittagsvorstellung geht morgen (3 Uhr) „Doktor Eisenbart“ in Szene.

Das Lessingtheater hat für nä<ste Woche folgenden Spiel- plan aufgestellt: morgen abend, sowie Montag und Dienstag: Konzert"; Mittwoh: „Tantris der Narr“; Donnerstag, Freitag, Sonnabend und nächstfolgenden Sonntagabend: „Das Konzert“. Als Nachmittagsvorstellung is für morgen: „Die Frau vom Meere“, für nächstfolgenden Sonntag „Hedda Gabler“ angeseßt.

Im Neuen Schauspielhause wird morgen sowie am Montag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend und nächsten Sonntag die Komödie „Der große Tote“ aufgeführt. * Dienstag (74 Uhr) geht „Alt-Heidelberg“, mit Harry Walden als Karl Heinz, Donnerstag (74 Uhr) „Faust“ (1. Teil) in Szene. Sonnabend, den 5. Februar, findet Nachmittags 3 Uhr - eine Sondervorstellung von „Julius Cäsar“ für die Vereinigung „Klassishes Theater“ statt.

Im Schillertheater O. (Wallnertheater) wird morgen und nä<hsten Sonntagnahmittag „Der Herr Ministerialdirektor“, morgen abend sowie am Sonnabend „Viel Lärm um Nichts“ gegeben. Montag und Freitag geht „Geschäft ist Geschäft“, Dienstag, Donnerstag und nähsten Sonntagabend „Der Pfarrer von St. Georgen“, Mittwo< „Ein Volksfeind" in Szene.

Das - Schillertheater Charlottenburg bringt morgen und nä<sten Sonntag, Nachmittags, den „Meineidbauer“, morgen abend „Maria Stuart“. Montag wird „Der Meineidbauer“, Dienstag „Viel Lärm um Nichts“, Mittwoh „Wallensteins Tod“, Donnerstag „Miß Hobbs“ aufgeführt. Freitag und Sonnabendabend wird „Der Pfarrer von St. Georgen“ wiederholt, Sonnabend- na<mittag gehen „Wallensteins Lager“ und „Die Piccolomini“, nächsten Sonntagabend geht „Die Welt, in der man si< langweilt“ in Szene. Im Schiller-Saal wird morgen ein „Max Bruch- Abend“ veranstaltet.

Der Spielplan der Komischen Oper bringt morgen abend und Freitag Wiederholungen von Straus? musikali)/ her Komödie „Das Tal der Uebe“. Montag wird „Der polnis<he Jude“ gegeben, zu wel<her Vorstellung alle Billette vergriffen find. Für Dienstag und Montag nächster Woche sind „Hoffmanns Erzählungen“ angeseßt. Am Mittwoch geht d’Alberts „Tiefland“ in Szene. Für Donnerstag und nä<sten Sonntagabend ist Johann Strauß Operette „Die Fledermaus“ angeseßt. Sonnabend findet eine Aufführung von Puccinis „Tosca“, mit Maria Labia ia der Titelpartie,- statt.

Im Lustspielhaus beherrs<t „Der dunkle Punkt“ auch in der fommenden Woche allabendlih den Spielplan. Morgen nahmittag wird „Man soll keine Briefe s{reiben“ und nächsten Sonntag- na<hmittag „Im Clubsessel" wiederholt.

Im Neuen Theater wird in nächster Woche alltäglih das Zeitbild: „Der Philofoph von Sanssouci“ von F. Holm aufgeführt.

Der Spielplan der Volks oper bringt morgen abend die Fort- sezung des Gastspiels des Hamburger Tenoristen August Bo>kmann als Raoul in Meverbeers „Hugenotten“. Dieselbe Partie singt am Mittwo< Herr Rudolf Lenba<. Am Sonnabend geht zum ersten Male die einaktige tragishe Oper „Ahasver“ von Friy Ritter in Szene. Ennas „Cleopatra“ wird Donnerstag und nä<hsten Sonntag wiederholt. Sonst enthält der Spielplan Wiederholungen von „Undine“, „Der Freis<ütz*, „Zar und Zimmermann“, „Die NRegiments- todhter“ und „Der Trompeter von Säkkingen“.

Valentin: Herr Staegemann, ein von Arnauld.

Der Intendant des Hof- und Nationaltheaters in Mannheim h ] 2 L E Dr. Karl Hagemann ist zum Direktor des Deutshen Schau- \spielhauses in Hamburg gewählt worden.

Mannigfaltiges. Berlin, 29. Januar 1910.

Im Wissenschaftlihen Theater der „Urania“ wird in nächster Woche der «mit zablreihen Wandelpanoramen und farbigen Bildern ausgestattete Vortrag „Jm Firnenglanz des Oberengadin“ allabendli< wiederholt. Im Hörsaal finden nachstehende Vor- träge statt: Dienstag, Professor Dr. He>er: „Ueber Erdbeben“ ; Mittwo<, Konstruktionsingenieur A. Keßner: „Die Technik des Schmiedens" ; Donnerstag, Dr. W. Berndt: „Die heutige Menschheit, ihre Rassen und Arten“; Sonnabend, Dr. Geblhoff : „Das magnetische

Gi

Kraftfeld und die elektromagnetishe Induktion“.

Kiel, 28. Januar. (W. T. B.) Heute nahmittag erhob sich bier ein starker S<hneesturm, der am Abend noch anhielt. Auch aus vielen Orten der Provinz liegen Meldungen über Sturm- wetter und Schneefälle vor.

In ganz Ostfriesland

Emden, 28. Januar. (W. T. B.) i Die Züge er-

herrs<t seit heute morgen starker Schneesturm. leiden Verspätungen.

Ov

Hamburg, 28. Januar. (W. T. B.) Seit heute mittag herrscht hier und in der Umgegend ein heftiger Schneesturm, dur den der Swiffahrtsverkehr stark bebindert ist. Auf der Unterelbe ift der kleine Personendampfer „Borstel“ mit dem englischen Damvfer ,„Albatroß“ zusammengestoßen und gesunken. Der Damvpfer „Albatroß“ hat Bugschaden erlitten. Die Neisenden und die Besatzung des gesunkenen Dampfers konnten gerettet werden, nur der Maschinist ist dur& ausströmenden Dampf \<wer verleßt worden.

London, 28. Januar. (W. T. B.) Die vierzig Mann zählende Besatzung des heute früh gestrandeten T orpedobôot- zerstôrers „Eden“ ist gerettet worden (vgl. Nr. 24 d. Bl.). Die in England herrshenden Schneestürme haben überall. Störungen im telegraphischen Verkehr bervorgerufen. An d MREEN sind an vérshiedenen Stellen Wra>s angetriebemn worden.