1890 / 63 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Ha t B rf B A L A

agen blieb der Zusiand fieberhaft, vorübergehend trat Schwellung Fer oGeber ein. ÁÂn 7 März erfolgte eine vollständige Entfieberung, die sehr gesunkenen Kräfte beginnen si< etwas zu heben, die \{merz- haften Verdauungsstörungen kommen seltener. Cannes, 8. März 1890. gez.: Dr. C. Gerhard. Dr. H. Blanc. Dr. A. Cahn. Dr. F. A>eren. Das Befinden JZhrer Königlihen Hoheit der Groß- herzogin-Mutter ist andauernd ein sehr befriedigendes und die gute Wirkung der Meraner Luft auf die Gesundheit Ydrer Königlichen Hoheit nicht zu verkennen. Die bei der reise von S@hwerin noch vorhandenen Krankheitserscheinungen in der Brust sind wesentli dura gegangen <laf und Appetit sind normal, und die Kräfte haben sih bedeutend ge- hoben. Die ungünstige Witterung der ersten Märztage, in denen eisige Nordwinde winterlihe Kälte brachten, hat das Befinden der hohen Frau in keiner Weise nachtheilig beein- flußt. Selbst in jenen Tagen konnte Jhre Königliche Hoheit Dank dem regelmäßig wiederkehrenden warmen Sonnenschein fast täglich einige Zeit an geshühten Stellen im Freien zu- bringen.

Oefterreich-Uugarn.

Ueber die Ursache der gegenwärtigen Ministerkrisis in Ungarn entnehmen wir dem „Wien. Fremdenblatt“ Fol- endes : E 9 Am 11. Dezember 1889 follte im Reichstage über die Petition der Raaber Volksversammlung verhandelt werden, Kossuth's Heimaths- bere<htigung siher zu stellen. Damals gab der Minister-Präsident von Tisza die Erklärung ab, cs werde eine Revision des Heimaths- gesetzes stattfinden und hierbei au< auf den in Rede stehenden Umstand, nämli auf Kossuth, Rü>ksicht genommen werden, Dabei bemerkte der Minister, er halte Kossuth no< immer für einen ungarishen Staatsbürger. In seiner Neujahrérede aber rief er der BPuton folgende Worte zu: „Jene Herren könnten wohl au bedenken, ob es mit der Würde der Nation vereinbarli ist, daß, wenn ein Mann Alles, was die Nation geschaffen, und au die Beretigung der Krone leugnet, diese im Ganzen do< gering ges<äßte Körpzr- \chaft ein Gesey \<hafe und daß dieses dann dur die von ihm ver- leugnete Krone sanktionirt werde / zember ließ si< nun niht mehr aus der Welt schaffen. Sie wurde die Quelle der nun die Lage beherrshenden Verlegenheit.

Großbritannien und Jrland. :

London, 9. März. (A. C.) Der Herzog von Edin- burg begab si< am Sonnabend nah indsor, um der Königin einen mehrtägigen Besuch abzustatten. Der Herzog kehrt niht vor Ende diejes Monats nah Deutschland zurüd, und zwar wird er si< zuérst mit dem Prinzen von Wales und dessen Sohn, dem Prinzen Georg, nah Berlin und später nah Coburg begeben, woselbst am 28. d. die Kon- firmation seines ältesten Sohnes, des Prinzen Arthur, stattfindet. :

Das britishe Flottenbudget für das Verwal- tungsjahr 1890/91, im Gesammtbetrage von 13786 600 Pfd. Sterl., weist, verglichen mit dem vorjährigen, eine Zunahme von 101 00 Psd. Sterl. auf, welche größtentheils den höheren Kosten des Schiffsbaues zuzuschreiben ist. Für den Bau neuer Schisse im neuen L R ist die Summe von 6551031 Pfd. Sterl., / ausshließli< der Kosten des australischen Geschwaders, ausgeworfen. Die Zahl der Mannschaften der Marine wird um 10 000 Mann auf 69 000 erhöht, wel<he Vermehrung die Zahl der neu- gebauten und noch zu bauenden Kriegsschiffe bedingt.

10. März. (W. T. B.) Das Unterhaus hat das Amendement Gladstone's, betreffend den Bericht der Parnellkommission mit 339 gegen 268 Stimmen ab- gelehnt. Hierauf wurde die Debatte über den Antrag Smith vertagt. :

Aus Birma is folgendes Telegramm des „R. B. eingegangen :

neun 9. März. Die hiesige „Times“ meldet, daß in Mandalay eine Vershwörung entde>t wurde, welche bezwed>te, die Stadt in Brand zu steten, von dem Palast Besiß zu ergreifen und cinen Prätendenten der Familie Alompra, Namens Moungba, auf den Thron zu segen. Es wurden zahlreiche Ver- haftungen vorgenommcn,

Frankreich. e

Paris, 11. März (W. T. B.) Dem „Echo de Paris zufolge haben die Artillerie- und Kavallerie-Kom- missionen den kleinkalibrigen Repetirkarabiner, welcher für sämmtliche berittene Truppen geeignet ist, aue nommen. Die Herstellung der Karabiner beginnt Anfang Mai in der Waffenfabrik zu St. Etienne. / j

Ueber die diesjährigen Truppenübungen bringt die „Straßb. Post“ folgende Mittheilungen:

Das I. und I1. Armee-Corps (Lille und Amiens) werden unter dem Oberbefehl des Generals Billot gegeneinander manöoriren; die Manöver sollen eins<hließli<h der für die Zusammenzichung und Ortsunterkunft nöthigen Zeit 20 Tage dauern. Bei dem IV., V., VII., IX, X, XI, XTII, XVI., XVII. und XVIII. Corps werden nur Divisions-Manöoer von 15 tägiger Dauer abgehalten; beim XV11]I. Corps verlängern sich dieselben um zwei Tage, um die beiden weit auseinander gelegenen Divisionen näher aneinander zu bringen. Die in Lyon garnisonirenden Truppen des XIII. Armee- Corps (Clermont-Ferrand) werden vor Beginn der Corps-Manöver des XIV. Corps besondere Uebungen abhalten. Bei dem I1IIL., VI,, VIII, XII. und XIV. Corps werden rur Brigade-Manöver stattfinden, wel<he, Hin- und Rü>kmarsh in das Manöverfeld ein- begriffen, nur 13 Tage dauern werden. Das XV. Armee-Corps bält feine besonderen Herbstmanöver ab, da für dieses Uebungen in den Alpen angeseßt sind, welche weitere Manöver überflüssig machen. Die Garnison von Paris wird si< zum größten Theil an keinerlei Manövern betheiligen; es erstre>t sih dies auf die 9, Division, sowie auf die 11. und 12. Infanterie-Brigade. Im Lager von Chalons werden die 3. und 5. unabhängige avallerie-Division vom 1. bis 12. September unter Oberleitung des Divisions-Generals L’'Hotte üben. Bei der 3. Division wird die 2 Kavallerie-Brigade, welche an den Manövern bei einer der Divisionen des IX. Armee-Corps (Tours) theilnehmen soll, dur die Kürässter-Wr bade der 1. Division erseßt. Die drei reitenden Batterien der 5. Division ma!s<iren mit dieser, wogegen die beiden reitenden Batterien von Chalons und die 12. Batterie des 31. Artillerie-Regimen!s zur 9. Division übertreten. Alle übrigen Brigaden der unabhängigen Ka-

vallerie-Divisionen, wel<he nit in das Lager von Chalons abrüden,

werden acttägige Brigade-Uebungen abhalten, während die Brigaden

der Co! ps-Kavallerie, mit Ausnahme derjenigen des IIT. und XV. Corps Gen und Marseille), an den Manövern ihrer Corps theilnehmen.

ie Infanterie-Brigade des 111, Armee-Corps wird jedo< nur ein Peloton Kavallerie für die Manöver erhalten, welches aus den fünften Schwadronen dieses Armee - Corps gestellt wird. Beim IT. Armee - Corps (Amiens) wird eine provisorishe Kavallerie ‘Division aufgestellt, welhe unter dem Oberbefehl res Divisions- ‘Senerals de la Salle, Inspecteurs der 1. Kavallerie-Jnspektion zu

,-Cômpiègne, üben wird. Zu dieser Division treten die 2. und 3. * Kävallerie-Brigade des A Armee-Corps (Compièzne, Abbe-

U

Aber die Zusage vom 11. De-

ville-Rouen, Evreux), während die zur 1. Inspektion gehörende Brigade des I. Corps ven) u 4 Dragoner: Brigade (S:dan) erseßt werden wird. Beim XV. Armee-Corps wird die Kavallerie nur Brigade- Uebungen abhalten. Für die Infanterie-Compagnien ist eine Dur(- \hnittsstärke von 150 Mann vorgeschrieben, während die Kavallerie im Regiment mit 420 Reitpferden in der Front ausrüd>en soll.

talien.

Rom, 10 März. (W. T. B.) Jn der Deputirten- kammer theilte der Vize-Präsident di Rudini heute mit, daß der Präsident der Kammer Bianchieri seine Ent- lassung eingereiht habe. Der Minister-Präsident Crispi ersuchte die Kammer, die Demission niht anzunehmen, was auch einstimmig beschlossen wurde. Fn Folge dessen er- klärte Biancheri heute Abend dem Vize-Präsidenten di Rudini, welcher ihm das Votum der Kammer mittheilte, er ziehe die Demission zurü> und werde morgen wiederum den Vorsitz führen.

Türkei. L

Von Creta liegt folgendes aus Canea, 10. März, datirte Telegramm des „Reuter'shen Bureaus“ vor: Jn Folge Interpellation des britischen Konsuls Biliotti wurde das Urtheil gegen die drei Mitglieder des Verwaltungs- raths von Rhet y mo aufgehoben, nahdem dieselben ihre De- mission zurü>gezogen hatten. Schakir Pas ha hat sich in Beglei- tung des britishen Konsuls und Jbrahim Pascha’s nah dem Distrikt von Kissamo begeben, um eine strenge Untersuchung anzustellen wegen angeblih ungere<hter Behandlung der Christen Seitens der gemischten Kommission, welche die staatlih gewährten Unterstüßungen unter die bei den früheren Unruhen Geschädigten zu vertheilen hatte

Griechenland. / :

Athen, 10. März. (W. T. B.) Die Deputirten- kammer wählte Angerinos wieder zum Präsidenten.

In der Nähe von Elassona wurde eine Räuberbande von türkishem Militär nah heftigem Kampfe gänzlich zerstreut. Von den Räubern wurden 6 ' getödtet und 2 ge- fangen; die türkishen Truppen hatten einen Verlust von mehr als 20 Todten und Verwundeten.

l Rumänien. :

Bukarest, 10. März. (W. T. B.) Jm Senat erklärte heute auf eine Jnterpellation Floresco's wegen des in der griechishen Kirhe in Sulina üblichen Gebrauches, in den Gebeten den Namen des Königs von Griechenland vor demjenigen des Königs von Rumänien zu nennen, der Minister des Auswärtigen Lahovary, es beruhe dies auf einem Beschluß des Ministerraths vom Jahre 1873, welchen der Jnterpellant selbst unterzeichnet habe. Schließlih wurde mit 53 gegen 40 Stimmen die einfahe Tageëordnung an- genommen. Jn der Deputirtenkammer interpellirte P a ladi den A>erbau-Minister Peucesco wegen der Ernennung von Beamten. Der Minister erwiderte, er müsse darauf bestehen, daß jeder Tadel wegen dieser Ernennungen ungerecht sei, er über- nehme allein alle Folgen des Beschlusses der Kammer gegen- über. Der Minister-Präsident Mano erklärte, das ganze Kabinet sei solidaris<h mit dem A>erbau-Minister, jede R dung, welche einen Minister treffe, treffe èas ganze

abinet. ;

Serbien. , : Belgrad, 10. März. (W. T. B.) Dic Wahl des Staatsraths erfolgte wegen eines in der Wahlliste vor- gekommenen Jrrthums erst heute. Auf Grund eines Kom- promisses zwischen der Regentschaft und der Regierung wurden 10 Radikale, 5 Liberale und 1 neutraler Kandidat gewählt. Unter den Gewählten befinden si< se<s Minister.

Bulgarien.

Sofia, 10, März, (W. T. B.) Fn maßgebenden Kreisen glaubt man in Bezug auf die Mission des bulgari- schen Vertreters Vulkowits< in Konstantinopel, die Pforte werde keinerlei Schritte wegen Anerkennung des Prinzen Ferdinand bei den Mächten thun. Jn der Presse wird jedo<h die Regierung fortgeseßt aufgefordert, ihr Möglichstes zu thun, um die gegenwärtige Lage zu ändern; die Frage der Konjsolidirung Bulgariens hänge einzig und allein von der Proklamirung der vollen Unabhängigkeit ab.

Mehrere Offiziere wurden wegen Unzuverlässigkeit aus den Listen der aktiven Armee gestrihen und zur Reserve

gestellt. Afrika.

Transvaal. Pretoria, 9. März. (R. B.) Die Regierung von Transvaal empfing vom Gouverneur von Natal ein Telegramm, in welchem das Verhalten der Engländer, die an den jüngsten Ruhestörungen in Johannesburg theilnahmen, scharf getadelt und Bedauern über die Vernichtung der Transvaalflagge ausgedrü>t wird. Die Regierung der Republik betrachtet, wie es heißt, die Un- ordnungen nicht als ernst und beabsihtigt niht aus dieser Veranlassung strenge Maßregeln zu ergreifen.

Parlamentarische Nachrichten.

Der Bericht der X. Kommission des Herrenhauses über den Gesetzentwurf, betreten Rentengüter, ist erschienen. Die Kommission hat in $8. 1 und 3 einzelne redaktionelle Ab- änderungen vorgenommen und zu F. 1 den Zusay gematht : „Das Rentengut muß frei von den Hypotheken und Grund- shulden des Grundstücks, von dem es abgetrennt wird, be- gründet werden.“ :

Jn der heutigen (25.) Sißung des Hauses der Ab: eordneten, welcher der Minister des Jnnern, Herrfurth, beiwohnte wurde in dritter Berathung der Geseßentwurf Behufs Abänderung des Geseßes vom 6. Juni 1888, betreffend die Verbesserung der Oder und der Spree ., ohne Debatte angenommen.

Zu der dritten Berathung des Gesezentwurfs, be- treffend die Abänderung des $. 19 Absay 1 des Pensionsgeseves vom 27. März 1872, beantragte der Abg. Rintelen, die Bestimmungen des Gesey:8 auh<h auf die im Privateisenbahndienst verbrahte Zeit auszudehnen.

Der Regierungs - Kommissar Regierungs - Rath Seydel bemerkte, daß bei Uebernahme solher Beamten in den Staats-

dienst mit denselben bereits ein festes Abkommen getroffen sei. -

Der Abg. Hansen und der S Boum ar Geheime Finanz-Rath Heller baten, den Antrag abzulehnen, da das Lbetotmen des Geseyes dadurch gefährdet werde.

Der Antrag Rintelen wurde abgelehnt und der Geset- entwuxf unverändert angenommen.

Der Geseßentwurf, betreffend die Abänderung des $. 11 des Geseyes über die Pen Gens, der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen vom 6. Juli 1885, wurde unter Ablehnung eines Abänderungsantrags des Abg. Meßner in dritter Be- rathung unverändert angenommen.

Der Entwurf einer Haubergordnung für den Kreis Altenkirchen gelangte auf Antrag des Abg. J m- walle en bloc zur Annahme.

Bei der driiten Berathung des Gesezentwurfs über die Aufhebung des Königlih bayerischen Gesetzes vom 25. Juli 1850, die Einrichtung des die Kunststraßen im Königreih Bayern befahrenden Fuhrwerks betreffend, (Bayer. Geseß-Bl S. 321) nebst der zusäßlihen Bestimmung vom 1. Juli 1856 Ce Ges.- Bl. S. 136) für den Bereich der vormals

ayerishen Gebietstheile des Regierungsbezirks Kassel, betonte der Abg. von Rauchhaupt die Dringlich- keit des Erlasses einer Wegeordnung.

Der Geseßentwurf wurde unverändert angenommen, ebenso ohne Debatte in dritter Berathung der Geseß- entwurf, betreffend Abänderungen der gesezlichen Bestimmungen über die Zuständigkeiten des Ministers der öffentlihen Arbeiten und des Ministers für Handel und Gewerbe, und in zweiter Berathung der Gejegzentwurf über den Ansaß der Zinsen von den aus dem vormaligen Stadtbuch von Altona in das Grundbu<h übertragenen Hypotheken im Zwangsvollstre>ungsverfahren.

Jn der zweiten Berathung des Geseßentwurfs, be- treffend die erleihterte Abveräußerung kleiner Grundstü>e, sprah der Regierungs-Kommissar Geheime Ober-Finanz-Rath Rathjen gegen die von dem Mae eingefügte Bestimmung, wona<h die Unschädlichkeitsatteste gcbühren- und stempelsrei sein sollen.

Der Abg. Sombart befürwortete den Beschluß des Herrenhauses, der Abg. Freiherr von Zedlig und Neukirch beantragte die Ueberweisung des betreffenden Artikels II. an die Agrarkommission, um dort eine Einigung mit der Staats- regierung herbeizuführen. °

Das Haus beschloß dem lezteren Antrage gemäß.

Der Gesetzentwurf, betreffend das zulässige La- dungsgèéwiht und die Beleuchtung der Fuhrwerke im Verkehr auf den Haupt- und Nebenlandstraßen sowie auf den wihtigeren Nebenwegen der Provinz Schleswig-Holstein, mit Ausnahme des Kreises Herzogthum Lauenburg, wurde auf Anirag des Abg. Hansen, der von dem Abg. Kahlke unterstüßt wurde, an die um 7 Mitglieder zu verstärkende Agrarkommission zur Vorberathung überwiesen.

Der Rechenschaftsberiht über die Verwendung der flüssig gemachten Bestände der im 8. 94 der Hinterlegungs-Ordnung vom 14. März 1879 (Geseß- Samml. S. 249) bezei<hneten Fonds und der im $. 95 Abs. 3 daselbst erwähnten Gelder für das Jahr 1889 wurde dur Kenntnißnahme für erledigt erklärt.

Für die Rehnungen der Kasse der Ober-Rec- nungsfkammer für‘ das Jahr vom 1. April 1887/88 wurde Decharge ertheilt.

Die exste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Staat3haus- halts-Etat für das Jahr vom 1. April 1889/90 wurde ohne Debatte erledigt und eine Kommissionsberathung nicht für nöthig erachtet.

Es folgte die Fortseßung der zweiten Berathung des Entwurfs des Staatshaushalts - Etats für 1890/91, und zwar des Spezial - Etats „An- siedelungskommission für Westpreußen und Ren und in Verbindung damit die Berathung der

enks<hrift über die Ausführung des Geseßes vom 26. April 1886, betreffend die Beförderung deutscher An- siedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen, für das Jahr 1889.

Abg. Ri>ert führte aus, daß die Regierung mit den Polengeseßen dieselbe Erfahrung mache, wie mit den Ausnahme- geseßen gegen das Centrum und die Sozialdemokraten. Das Er- gebniy sei eine Verstärkung des polnischen Elements. Die Wahl- statistik beweise dies deutlih. Der Vorwurf und die Entrüstung, daß die Freisinnigen bei den Wahlen mit den Polen zusammen- gegangen seien, sei unbegründet. Der Abg. von Czarlinski habe das schon gestern dargelegt. Bei früheren Wahlen hättea übrigens wiederholt die Konservativen polnishen Kan- didaten ihre Stimme gegeben, ohne die gleihe Sham und Eitrüstung zu empfinden. Die Polèn seien gleichberechtigte Staatsbürger und müßten als sol<he behandelt werden. Andererseits sei es selbstverständlich, daß die Freisinnigen das Deutsche Reich ebenso intakt halten wollten wie der Abg. von Puttkamer-Plauth. Deutschland sei groß genug, allen jeinen As diejenige Freiheit zu gewähren, deren sie be-

ürsten.

Abg. von Körber wünschte, daß die großen Weitläufig- keiten bei der endgültigen Austhuung der Ansiedlerstellen Seitens der Kommission möglichst vermieden würden und sprah im Uebrigen seine Besriedigung über die Thätigkeit der Ansiedelungskommission aus. Ä

Abg. Szmula meinte, daß na< Ablauf der Freijahre die Ansiedler froh sein würden, ihres billig erworbenen Be- sißes sih wieder entledigen zu können. Ob die Shwaben, die in ihrer Heimath ihr gutes Auskommen gehabt, nah den Freijahren es au< in der Ansiedelung haben würden, sei mehr als ungewiß. Die Kommission habe no< zehntausende von Hektaren in eigener Verwaltung, es fehle alfo an Kolo- nisten. Wenn die Regierung den Vorwurf der Protestanti- sirung der polnischen Landestheile abwälzen wolle, sollte sie die Anträge der Oberschlesier, die sich ansiedeln wollten, mehr berüd>sihtigen. i j

Abg. von Tiedemann (Bomst) bemerkte in Bezug auf die gestrige Rede des Abg. Windthorst, daß derselbe wieder einmal nöthig gehabt zu haben scheine, die Alarmtrommel zu rühren, um alle seine Mannen zusammenzuholen, und gegen den Abg. Riert, daß ganz zweifellos 4—500 freisinnige Wähler der Stadt Graudenz für den Polen gestimmt hätten. Die Kritik des Abg. von Putikamer-Plauth gegen die Ansiedelungs- kommission sei übertrieben; die leßtere habe in jeder Bezie- hung das richtige Maß eingehalten. Man müsse jeßt in langsamerem Tempo fortschreiten und Zeit gewinnen, um zu prü W ob die bisher befolgten Grundsäße auch die richti- gen seien. :

Abg. von Agent wiederholte, daß Seitens der Polen nur Gerechtigkeit verlangt werde, und daß man endlih

E der Erkenntniß kommen werde, daß mit diesem Geseß dem rieden nicht gedient sei. S

Abg. Graf zu Limburg-Stirum führte aus, daß das Ansiedlungsgeseß ein Gesey der Abwehr und niht des An- griffs gegenüber der polnischen Bevölkerung sei. Die von

em Abg. Windthorst getadelte Politik gegen die Polen be- ruhe auf. preußisher Tradition. Der Abg. Windthorst billige das Eintreten der Déutschen für die Polen bei den Wahlen, während der Abg. Ri>ert dies heute abgelehnt habe. Die Verqui>ung der nationalen Frage mit der religiösen sei zu bedauern. Es sei nit die Absicht, die Parität zu beeinträchtigen. -

__ Abg. Dr. Windthorst widersprah dem, daß das, was die Regierung in Posen und Westpreußen thue, altpreußische Tradition sei. Die Politik habe sehr gewe<selt; es sei bald die der Strenge, bald die der Milde gewesen. Die Regiments- führung bloß mit der physishen Kraft und der Macht des Schwertes reiche niht aus. (Schluß des Blattes.)

(Der Schlußbericht über die gestrige Sizung des Hauses de: Abgeordneten befindet sih in der Ersten Beilage.)

Bei der im 4. Aachener Wahlbezirk (Erkelenz) stattgefundenen Ersaßwahl für den Landgerichts-Rath a. D. Longard, welcher sein Mandat niedergelegt hat, ist der Amts- richter Freiherr von Eynatten in Jülich (Centrum) mit 311 Stimmen gegen den ie Dr. Fabri in Bonn (konservativ), welcher 7 Stimmen erhielt, zum Mitgliede des Hauses der Abgeordneten gewählt worden.

_ Nach einer Mittheilung der „Freisinnigen Zeitung“ ist der Abg. Eugen Nichter aus dem Vorstand der Landtags- fraktion der freisinnigen Partei ausgeschieden.

Zeitungsstimmen.

Das „Deutsche Tageblatt“ schreibt:

„Die „Frankfurter Zeitung“, die „Germania“ und einige andere Blätter fahren fort, \i< für die Entscheidung der Konservativen, eine Stelle in dem neuen Reichstags- Präsidium anzunehmen, ins Zeug zu [egen. Dieses Interesse ist au< begreifli<; denn die aufgewandten Bel en werden Niemanden darüber täuschen, daß das vorshwcbende

iel die Erlangung eines Akies Seitens der Konservativen ist, der in aller Form die Sprengung des Kartells ausspricht, die Wieder- herstellung des status quo ante 1887 anerkennt und den jeßt hinter uns liegenden Wahlkampf mit einem \{önen Sc{hlußetikeit versieht.

Wenn übrigens unter dea ins Feld geführten Scheingründen au<h der Hinweis darauf eine Stelle gefunden hat, daß wir uns dur ein Reichstag€: Präsidium, wel<es einen Centrumsmann, einen Freisinnigen und einen Sozialdemokraten umfaßt, vor dem Ausland blamiren würden, so möchten wir do< bemerken, daß wir ur8 mehr, als dur das Wakhlergebniß selbst und den so erbrachten Beweis, daß für Millionen von deutshen Wählern köhere patriotis<he Gesichtspunkte nicht vorhanden sind, geschehen, nah keiner Seite bloßstellen können. Es würde auch ein ganz vergeblihes Bemühen sein, die Sprache der Thatsachen zu verwischen und si<h einen Erfolg davon zu versprechen, wenn wir Über einen klaffenden Schädelbruch rosa Lö\<papier pflastern.“

Dasselbe Blatt bringt folgende Betrachtung über die „Krücken des Deutschfreisinns“:

„Die deutschfreisinnigen Organe werden -niht müde, stolz auf den „Üüberras<enden Ausshwung* der freisinnigen Partei hinzuweisen. „Daß ein liberaler Hauh dur<h das Volk gehe“, so meint die „Vossische Zeitung“, „hatte man gewußt. Aber seine Stärke war unters<äßt worden | Es ist ni<ht zu verkennen, daß die frei- innige Partei, sowohl im Widerstande wie im Angriffe eine größere Kraft bewiesen hat, als die Kartellparteien Die Stichwahlen haben die kübnsten Hoffnungen der freisinnigen Partei übertroffen.“ Wenn man \sih diesen „liberalen Hauh“ etwas näher betrachtet, so wird man finden, daß derselbe an si< gar ni<ht genügt hätte, au< nur bas bisherige Häuflein der Freisinnigen wieder zusammenzublasen. Ohne Hülfe des Antikartels und in den Stihmwmahlen sogar des Kartels wäre von einem fkräf- tigeren liberalen Hauch gar nihts zu \püren gewesen, Die dem „Freisinn“ in Folge der gegenseitig kolportirten Phrase vom kFleineren Uebel eng befreundeten Sozial*emokraten stellen denn auch folgende wesentli< anders anmuthende Re&nung zusammen, die in den meisten Stücken, besonders aber, soweit sie die Umsturzpartei selbst betrifft, wohl stimmen wird. Es ist dabei zu bemerken, daß es ich bier nur um die Hülfe bei den Stichwahlen handelt; bekannt- li<h aber sind au) in den Hauptwahlen {on Centrumswähler wie Sozialdemokraten, da wo die genannten Parteien keinen eigenen Kandidaten aufgestellt, oder, wie in Hagen das Centrum, darauf zu Gunsten des Deutschfreisinns verzi@tet hatten, für das „Produkt des liberalen Hauches* eingetreten. Der erwähute Artikel des sozial- demokratischen Organs lautet:

eeVon wem haîti die freisinnige Partei in den Stich- wahlen Hülfe empfangen? Die Ergebnisse derjenigen Stich- wahlen, bei welchen die freisinnige Partei betheiligt ift, liegen größten- theils vor, Die Unterstüßung des Centrums erhielt der Freisinn in Homburg-Höchst, Karlsruhe, Löwenberg, Ohlau-Nimpt\<h- Strehlen; nur in dem ersten der genannten Waklkreise war das Centrum aus\{<laggebend. Von der Haltung des Centrums und der Sozialdemokraten war die Wabl des freisianigen Kandidaten abhängig in Sagau - Sprottau und Schweidniy - Striegau. DTur< entscheidende Unterstüßung des Kartells siegte der Freisinn in Berlin im 2. und 3. Wahlkreise, in Stettin, Breélau-West, Rosto>, Lennep, Gotha (und Kiel nit zu vergessen); diese sieben (bezw. awt) Wahlkreise, in welchen die freisinnige Partei am 20. Februar nit die relative Mehrheit erzielte, würden Sozialdemokraten zugefallen sein, wenn das Kartell nicht dem Freisinn zu Hülfe geeilt wäre. Dagegen erhielt der Freisinn sozialdemokratishe Unterstüßung in: Potsdam - Osthavelland, Zittau, Sorau, Waldenburg, Wolfenbüttel, Friedberg (Hessen), Jerihow, Arnêwalde - Friede- berg, Altena-Iserlohn, Danzig-Stadt, Muter Mee, Bunzlau- Lüben, Liegniß-Goldberg-Haynau, Lauenburg, Weimar, Koburg, Nord- hausen, Müblbausen-Langensalza, Eschwege-Schmalkalden, Oldenburg, Deliys<h-Bitterfeld. In den aht ersten von diesen Sißen waren die sozialdemokratishen Stimmen entsheidend Die genannten Siße gewann die freisinnige Partei in der Stichwahl ; die Wahlkreise, in welchen sie von den Sozialdemokraten lebhaft unterstüßt wurde, aber troß- dem unterlag, sind niht mit aufgezählt. Die Liste ist auch sonst no< ni<t vollständig, da no<h Stihwahlen aussteben. In mehreren Wahlkceisen sind die sozialdemokratishen Stimmen voll- zäblig auf den freisinnigen Kandidaten übergegangen, so z. B. in Waldenburg und Bernburg. (In Waldenburg erhielt am 20. Fe- bruar der freisinnige Kandidat 7200, der nationalliberale 7188, der sozialdemokratis&e 6100 Stimmen; in der Stichwahl wurde der frei- sinnige Kandidat mit 14 200 Stimmen gegen den Kartellkandidaten mit 7580 gewählt; in Bernburg wurden in der Hauptwahl abgegeben 11895 nationalliberale, 6643 freisinnige und 5667 sozial- demokratishe Stimmen; in der Stichwahl sind gezählt 13209 nationalliberale und 12389 sreisinnige Stimmen. Um Hülfe theils von links, theils von re<ts zu bekommen, erklärte der Freisinn in dem einen Wahlkreise : „Wir wollen mit der Sozialdemokratie eine weite Stre>e zusammengehen“", und in dem nächstbenahbarten bezeihnete er die Ziele der Sozialdemckratie, oder, was er sür diese Zicle ausgiebt, als den Untergang der Kultur. Hier

bielt er am Manhhesterthum und der Schein-Sozialreform fest; dort sterdete er sih als Freund der Arbeiterklassen und der volkstbüm- ichen Sozialreform. Der Freisinn besißt im neuen Reichstage über 60 Site. Dafür aber i ihm wieder cinmal unverkennbar der Stempel einer haltlosen Kompromißpartei aufgedrü>t.*

u den Untersuchungen über die eigen!lihen Ursachen des Wahlergebnisses liefert die „Deutsche volkswirthschaft- lihe Correspondenz“ folgenden Beitrag:

„Das Wahlresultat ist durchaus kein solches, daß es einen Erfol der Agitation gegen die Lebensmittelvertheuerung bedeutet, und daß etwa die Nationalliberalen besser daran gewesen wären, wenn sie, wie die „Nat -Ztg.* meint, gelegentlih der Getreidezollfrage ¿ur grundsäßlihen Opposition abgesbwenkt wären“. Was lehrt denn der Ausfall der Wahlen gerade mit Rücksicht auf die Getreidezölle ? Doch nichts anderes, als daß gerade diejenigen, welhe die Vertretung dec landwirthschaftlihen Interessen auf ihre Fahne geschrieben haben, sammt und sonders wiedergewählt worden sind. Das (Centrum und die Konservativen, welhe im 1887er Reichstage zusammen mit 180 Stimmen vertreten waren, kehren 1890 mit genau derselben Stimmen- zahl zurü>, uad es ve:s<lägt wenig, daß die Konservativen einige Mandate verloren, das Centrum dafür einige gewonnen hat. Was aber die Nationalliberalen anbelangt, so möge do die „Nat.-Zeit.“ sich einmal gütigst die Namen derjenigen Mitglieder diese Partei ansehen, die im ersten Wabhblakte gewählt worden sind; sie wird dann finden, daß unter diesen Ge- wählten ganz vorzügli solde Namen zu finden sind, die_ feinerzeit für die Getreidezolerböhurng gestimmt und damit die Solidarität aller wirthshaftlihen Intereffen anerkannt haben. Eben weil die nationalliberale Partei der Mehrheit na< ftets auf dem Qui vive stand und sich bereit crklärte, die landwirthschaftlihen Interessen über Bord zu werfen, hat sie im Wesentlihen den industriellen Interessen geshadet. Die Industriellen mußten |i< mit Reht sagen, daß die Preisgebung der landwirthscaft- lihen Interessen der Anfang vom Ende wäre, und daß der einseitige Schuß der industriellen Arbeit niht aufre<t ¿u erhalten sein würde, wenn man zu der Durchlöterung des bestehenden Schußzollsystems leichtfertig die Hand bieten wollte, Die industriellen Inter- essen wir betonen es zu wiederholten Malen werden, wie die Verhältnisse nun einmal liegen, am sichersten dur strenges A an der Vertretung der landwirthschaftlichen

nteressen gefördert, und zweifellos wird das ganze Schuß- zollsystem über den Haufen gerannt werden, wenn es gelingt, dur Aufhebung des Schußes der landwirthschaftlichen Arbeit Bresche in das System zu legen.“

Statistik und Volk8wirthschast.

Dem Deutschen Bauernbund

ist auf Las gestern an dieser Stelle erwähnte, an den Reichékanzler Fürsten von Bismar> gerichtete Telegramm, wie die „Nat. Ztg.“ mittheilt, folgende Antwoct zugegangen :

„Dem Deutschen Bauernbunde danke ih berzlih für seine freund- libe Begrüßung. Jch werde, soweit meine Kräfte reihen, gern fotrt- fahren, dafür zu wirken. daß die Landwirths<haft, als erïtes unter den vaterländis@en Gewerbcn, durch unsere A A gepflegt und von steuerliher Ungleichheit nah Mögli<bkeit befreit werde.

von Bismark.“

Land- und forstwirthschaftlihe Urnfallversiherung in Baden.

Die „Karlsrußer Zta.“ s{reibt: Mit dem 1. Oktober 1888 ift die land- ‘und forstwirthshaftlihe Unfaklversiherung ihrem vollen Umfange nah im Großherzogthum Baden in Kraft getreten. Bei der für das Gebiet des Großherzogthums mit dem Siß in Karls- ruhe errihteten landwirthschaftlihen Berufsgenossenschaft sinv seit dem Beginn der Wirksamkeit des Me bis zum 1. Januar 1890 im Ganzen 968 Unfallanzeigen eingelaufen.

_Die Zahl der in dieser Zeit entshädigungspflihtig gewordenen Unfälle beträgt 202, und zwar wurden Entschädigungen festgeseßt:

beim Tode des Verungklüd>ten in. ._ 67 Fâllen,

bei dauernd völliger oder theilweiser Er- _werbsunfähigkeitn Ï

bei vorübergchender Erwerbsunfähigkeit in 84 ,

Die Summe der ausbezahlten Entschädigungsbeträge bere<net

si, vorbehaltli< einiger kleinen Aenderungen, wie folgt: Kosten des Heilvafahres L 531M 19 Renten an Verleßte E . 10584 , Beerdigungskosen . 2084 „, 55 Renten an Wittwen Getödteter 283891 , 30

N Kinder Getödteter . O80

414,15

e at in Krankenhäusern 90 , 45

6 Kinder untergebr. Verletter 167 , 40

Kur- und Verpflezungskosten in Krankenhäusern 2 118 89 _„ zusammen 22 347 4 23 5

Dabei is übrigens zu bea<hten, daß für die in den ersten drei- zehn Wochen na Eintritt des Unfalls entstehenden Kosten (für Arzt, Apotheke, sonstige Heilmittel und Krankenhauspflege) nit die land- wirthsaftlihe Berufsgenossenschaft, sondern die Krankenkassen auf- kommen, bei welchen alle land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter und Dienstboten, sowie au< ein Theil der Unternehmer (die sogenannten unständigen Arbeiter) na< dem Ausführungsgeseß versichert sind. Die Kosten der ersten Einritung der landwirthschaftlihen Berufsgenossen \haft (darunter etwa 12 000 4 Kosten der erstmaligen Einshäßung der land- und forstwirthschaftlihen Betriebe zur Unfallversicherung) und die Verwaltungskosten betrugen bis zum 1, Januar 1890 rund 25 000 M

Die Summe, welche im Jahre 1890 auf die Unternehmer land- und forstwirthsaftliher Betriebe umgelegt werden muß, bere<net sih L ies folgt: k \ 100 % Zus@l

nts{ädigungsbeträge sammt 100 %% Zuschlag zum Reservefonds rund . , , L, 45000 M

E Sm E

2) Verwaltungsaufwand und Kosten der ersten

Einrichtung ungefähr... 29 3) Betriebéfonds für die künftige laufende Ver-

E a o orps

4) Kosten für Erhebung der Umlagen etwa

zusammen .

Diese 85 000 4 sind auf ungefähr 235 000 land- und forst-

13000 , 2009, 89 000

wirths<aftlihe Betriebe umzulegen, Die Umlaze ftellt sich hiernah im Jahre 1890 für einen Betrieb dur<s<hnittli< auf 36 s. Der Arbeitswerth, mit wel<em obige 235 000 Betriebe gemäß $. 11 des badischen Gesezes vom. 24 März 1888 zur Beitragserhebung ein- ge/wägt sind, wird si< annähernd auf die Summe von 9 Millionen Mark bere<nen. Die Betriebe der ersten (niedrigsten) Klasse des Einschäßungskatasters mit durchs<nittli< 100 Arbeitstag?n werden aufgerundet je 20 4 Jahresbeitrag zu entrichten haben. Ent- \prehend höher wird der Betrag für die Betriebe der übrigen vier Klassen (zu tur<\<niitli< 200, 400, 700 und 1000 Arbeits- tagen) sein; do< ist au< für die Betriebe der fünften (höchsten) Klasse mit 1000 Arbeitetagen der Beitrag no< mäßig; es wird näm- li, je na< der Höhe des durs<nittli<en Tagesarbeitêsverdienstes, wie er für den betreffenden Bezirk festgeseßt worden ist, in dieser fünften Klasse der Beitrag 90 <5 bis 2 M betragen.

Dur Entrichtung dieses verhältnißmäßig geringen Beitrags er- wirbt si jeder Unternehmer das Ret, bei vorkommenden Unglüds- fällen die gescßlihen Entschädigungen bei Verlegungen für \i{. bei Todesfällen für seine Hinterbliebenen zu beziehen, und er versichert

damit in gleiher Weise seine Angehörigen, die im Betriebe mithelfen, sowie seine Dienstboten und Arbeiter, welche diese Vortheile genießen,

o sie selbst einen Pfennig für ihre Versicherung zu bezahlen

Submissionen im Auslande.

: Finland. 8, April, Mittags. elsi / ¡ ) at8- Eisenbabnen. Lieferung ige I E E 2770 metrishea Tons Stahlschienen, 230 Verbindungss\cienen, 2 Aae und : » » eisernen Verbindungsbolzen. Näheres zur Einsicht beim „Deutschen Reibs-Anceiger *.

Theater uud Musik.

i T A hoatex , &rl. Alwine Melar gab als dritte Gastrolle die jugendli Naive in „Doctor Claus“. Das empfindsame, arte M dessen Wesen sich aus einem Theilen juzendliher SHwärmerei einem Theilen \{elmishen Uebermuths und einem Theilen kind-- lichen Eigensinns zusämmenseßt, gelang der jungen Darstellerin re<t gut, während die kraftvolle Aeußerung der Gefühle nur unvollkommen im Bereich ihrer Avsdrudsfähigkfcit liegt. Da in der Rolle der Emma solhe stärkeren - Accente nit vonnöthen sind, so füllte Frl. Melar gestern ihren Play zufriedenstellend aus. Zu einer vollen künstlerischen Leistung muß \ih die junge Dame mebr Entschiedenheit und Individualität des Spiels anerziehen. Ihre lieb- lichen Swelmereiea und anmuthigen Bewegungen vershaffften ihr mehrmals einen Hervorruf. Die übrigen Rollen waren mustergültig _befett ; Hr. Engels als Lubowsky ruft unein- geshränkte, Heiterkeit hervor, so oft man ihn au< {on in der Rolle gesehen hat. Die Herren Kadelburg, Mertens, Pohl halfen, jeder in seiner Eigenart, ein vorzü.liwes Ensemble bilden, dem sib die Damen Carlsen und Meyer würdig einfügten. Nicht ausreihend erwies si<h nur Hr. Kö>ert in ter Rolle des \{hüchternen Liebhabers, des Referendars Gerstel; in einem minder aus- gezeihneten Ensemble würde man scine Leistung immerhin gelten lassen können; in diesem Rahmen vecmißte man jedo< den herzlihen Humor der vollendeten S<hüchternheit, welche dem Referendar Gerstel sonst zu so eindringli<er Wirkung verholfcn haite. Die un- verwüstlihe gute Laune und ernte sittlihe Empfindung, welche aus dem „Doktor Claus“ zum Herzen sprehen, brahten au gestern wieder neben der Anerkenriung, die die Dacstelung verdient, für den Ver- fasser der lustigen dramatis<hen Arbeit, Hrn. LArronge, einen vollen Erfolg zu Stande.

__ Mit Rü>siht darauf, daß am nächsten Sonnabend sowohl im Königlichen Schauspielhause als îm Lessing-Theater bereits Neuauf- führungen stattfinden, wird die erste Aufsührung von „Rosenkranz und Güldenstern* auf die nähite Woche verschoben.

e Wallner-Theater.

__Das Gastspiel Felix Shwecigho fers beginnt, definitiver Ver- einbarung zufolge, am 25 dieses Monats in den Novitäten „Der Swagßgräber“, Charakterbild mit Gesang in 1 Aft von Morre, Musik von C. Millôö>ker, und „Papa“, Posse in 3 Aften von Venloo und Leterrier Die Vorbereitungen zu tiefem Gastspiel lassen die Einfiudirung ciner anderweitigen Novität ni<t zu, und wird demzufolge das Repertoire des Wallner - Theaters bis zum Beginn des Schweighofer* schen Gastspiels die bewährtesten und beliebtesten Repertoirestü>e der leßten Saisons, und zwar zunähst übermorg&, Donnerstag, „König Candaule und die lustize Posse: „Die Nacbarinnen“ bringen. „Ein toller Einfall“, „Die Amazone“, „Madame Bonivoar®* 2c. werdea folgen. i _ Concerthaus.

Die Gedächtnißfeier für Hektor Berlioz, den hervorragendsten unter den frarzöfiswen Komponisten dieses Jahrhunderts, fand am Montag unter zablrei@er Betheiligung des Publikums ftatt. Berlioz wurde 1803 zu Côte St. André geboren und starb am 8. März 1869 in Paris. Er ift zuglei als geistreiher Schriftsteller bekannt und hatte in Hinsicht der Stylgattung der „\sinfoniswen Dichtung“ einen großen Einfluß auf seine Zeitgenossen und Nachfolger. Wir nennen hier nur die Namen: Felicien David, Liszt, Saint-Saëns und Richard Strauß. Sein Werk „Harold in Jtalien“ (Sinfonie in vier Säßen), das schon früher einmal hierselbst ausgeführt wurde, giebt den Inhalt der bekannten Dichtung von Lord Byron in Tönen wieder und läßt besonders in dem erstzn Saß: „Harold im Gebirge“, in welchem die melan<olis<e Stimmung und die darauf folgende freu- dige Erregung sehr <harakteristis< ausgedrü>i werden, sowie in dem vierten Saß, „Orgie der Briganten“ betitelt, die große Originalität der melodiswen Erfindung und die feinsinnige Verwendung der orhestralen Mittel erkennen, während in den beiden anderen Säßen manches zu gedehnt und leer ersheint. Diesem mit großem Beifall anfgenommenen Werke gingen einige bereits befanntere Orchesterkompositionen desselben Meisters, seine ODuvertare „Römischer Karneval“, der Sylphentanz aus „Faust“ und zwei Motive aus „Benvenuto Cellini* voraus, deren vortreflihe Ausführung dur die Meyder'she Kapelle wobl- verdiente Anerkennung fand. Das sehr korrekte und zarte Spiel des Bratschisten Hrn. Geil ing, der s< als Solist an dem erstgenannten Werke betheiligte, ist no<h besonders lobend hervorzuheben. Den Schluß des Abends bildeten Beethoven's Ouverture zu „Prometheus“, die beliebten Variationen aus scinem A-dnur-Quartett und der Rakoczy-Marsch von Liszt.

Mannigfaltiges.

Die Direkiion des Hohenzollern-Muscums versendet, dem „Deutsch. Tageb!,* zufolge, seit dem 9. März d. J. in derselbe Art wie bei dem Tode Kaiser Wilhelms gedru>kte Verzeichnisse in Form cines Buches, welches die Na men aller Derjenigen enthält, welche Kränze und Blu menspenden am Sarge der Kaiserin Augusta niedergelegt haben. Alles, was von diesen Blumenspenden zu erhalten war, (namentli die Sinnsprüche, Schleifen und Widmungen) ist dem Hohenzollern - Museum übergeben worden, als bleibendes Zeugniß der Liebe und Verehrung, wel<he die hohe Entschlafene so- wohl bei ihrem eigenen Volke als au im Auslande genossen hat.

Der Gesundheitszustand in Berlin war in der Woche vom 23 Februar bis 1. März ein der Vorwoche ziemli ähnlicher und auch die Sterblichkeit blieb eine nur wenig gegen die Vorwoche verminderte (22,2 pro Mille und Jahr). Unter den Todesursachen kamen akute Entzündungen der Athmungsorgane no< immer in großer Zahl zum Vorschein, wenn au< die Zahl der dur sie be- dingten Sterbefälle eine etwas kleinere als in der Vorwohe war. Erkravkungen an Grippe wurden nur wen bekannt, die Zahl der durch diese Krankheitsform in der der L erihtswoce vorherge- gangezien Woche bedingten Todesfälle betrug 2, Darmkatarrhe und Brechdurhfälle der Kinder kamen dagegen seltener zum Vorschein und endeten au< etwas seltener tödtli<h. Die Theilnahme des Säugliugs- alters an der Sterblihkeit war eine geringere als in der Vorwowe. Von je 10000 Lebenden starben, aufs Jahc bere<hnet, 58 Säuglinge. Von den Qnfektionskrankheiten kamen Masern, Swarlawß und Kindbettfieber häufiger, 1yphöse Fieber, Diphtherie und Keu- husten seltener zur Kenntniß. Erkrankungen an Masern fanden in der Friedricstadt, in der Schöneberger- und Tempel- hofer Vorstadt, sowie in der jenseitigen Luisenstadt größere Verbrei- tung, Erkrankungen an Diphtherie gelangten aus der Tempelhofer Vorstadt und auf dem Wedding am häufigsten zur Anzeige; Erkran- kungen an Sharlah zeigten sih in keinem Stadttheile in nennens- werther Zahl, Erkrankungen an Typhus kamen nur wenige zur Mel- dung. Dagegen wurden 3 Erkrankungen an Po>en bekannt; rosen- artige Entzündungen des Zellgewebes der Haut wurden häufiger

beobachtet, au< Crckrankungen an Kindbettfieber, we! G in 7 Fällen zum Tode führten. Erkrankungen an Ne barten gu