1890 / 69 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Anschlußversäumnisse niht vorgekommen. Jn der Nahweisung sind diejenigen Bahnen, auf welhen Zugverspätungen vor- kamen, nach der Verhältnißzahl (geometrishes Mittel) zwischen der Anzahl der von den fahrplanmäßigen, der Personenbeförde- rung dienenden Zügen auf 1 000000 Zug- bezw. 1 000 000 Ackskilometer entfallenden eigenen Verspätungen geordnet. Danach nehmen die Hessische Ludwigsbahn, die Güstrow-Plauer Bahn und die Main-Ne>ar-Bahn die ungünstigsten Stellen ein. Wird die Reihenfolge der Bahnen ftatt_ nah der An- zahl der Verspätungen nah der Anzahl der Anschlußversäum- nisse bestimmt, so treten die Bahnen im Bezirke der König- lien] Eisenbahn-Direktion (linksrheinischen) zu Köln, die Gústrow-Plauer Eisenbahn und die Bahnen im Bezirke der Köriglichen Eisenbahn-Direktion (re<tsrheinishen) zu Köln an die ungünstigsten Stellen. Jn den vorstehenden Angaben sind die Verspätungen bei denjemgen Zügen, welche in Folge von Uebershwemmungen u. î. w. ausfielen, unberüäsGnE ge- blieben. Aus diesem Grunde find 18 Züge ganz und 4 Züge stre>enweise ausgefallen.

Bayern.

München, 17. März. Am Schlusse eines Artikels be- treffend eine über JFngolstadt zu führende Kabel- verbindung zwishen München undBerlin schreibt die „Allgem. Ztg.“, daß laut einer Mittheilung von berufener Stelle Seitens der bayerischen Regterung die Absicht be- stehe, no< dem gegenwärtigen Landtage eine Nachtrags- forderung wegen Herstellung unterirdisher Telegraphen- verbindungen in Vorlage zu bringen.

Sachsen.

Dresden, 17. März. Bei Sr. Majesiät dem König findet heute Nachmittag im Königlichen Residenzschlo}se eine größere Hoftafel statt, zu welcher Einladungen ergangen sind an höhere Offiziere, Hof- und Staatsbeamte sowie an Mitglieder beider Kammern der Ständeversammlung. _

Auch die neuesten über das Befinden Jhrer Majestät der Königin aus Nervi hier eingegangenen Nachrichten vom 14. d. M. lauten, dem „Dresd. Journ.“ zufolge, re<t be- friedigend. Der Husten vermindert sih und bei eintretender Zunahme der Kräfte vermag Jyre Majestät bereits aus- gedehntere Promenaden zu unternehmen. i

Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich August, welcher seit dem 15. Januar Egypten bereist hat, wobei er auch der Gast des Khedive auf einer größeren Ballfestlichkeit in Kairo gewesen, gedachte sih heute auf einem russischen Dampfer in Port Said nah Beirut einzuschiffen. :

_— Beide Kammern hielten heute Sizungen ab. Die Erste Kammer erledigte den Rechenschaftsbericht auf die Finanzperiode 1886/87 und ertheilte der König- lihen Staatsregierung allenthalben einstimmig und ohne De- batte unter Namensaufruf Entlastung. Die Zweite Kammer erledigte zunächst die Kap. 20, 21 und 104 des ordent- lichen Staatshaushalts-Etats: direfte Steuern, Zölle und Verbrauchs steuern und Matrikular- veiträge. Die Finanz-Deputation A beantragte bie Bewilligung der genannten Kapitel nah der Re- gierungsvorlage mit Ausnahme des Kap. 104, das

na< dem festgestellten Reichshaushalts-Etat eine kleine Er- mäßigung erfährt ; außerdem hatte die Deputation mit Ausnahme

des Abg. Uhlemann (Görliß) den Antrag gestellt, der Staats- regierung zur Erwägung zu geben, ob richt dem nächsten Landiage eine abgeänderte Einkommensteuerskala im Sinne einer Entlastung der unteren und mittleren Einkommen- steuerstufen vorzulegen sei, und die gesammte Deputation be- antragte weiter, der Staatsregierung zur Erwägung anheim- zugeben, ob nicht von der nächsten Finanzperiode ab die Schlahtsteuer auf Schweine in Wegfall kommen könne, die Anträge der Abgg. Bebel bezw. Philipp aber auf Abänderung des Einkommensteuergeseß2s, bezw. Aufhebung der Schlacht- steuer, soweit sie sich dur die vorstehenden Anträge nit er- ledigen, abzulehnen. Die Priorität sollte nah Anschauung der Deputationsmehrheit dem auf die Sqhlachtsteuer bezüglichen Antrage zukommen. Eine dur<h den Abg. Kirbach ver- tretene Minderheit wollte die Entlastung der mittleren Einkommensteuerklassen nicht, dagegen eine Erhöhung der Pro- gression in den oberen Klassen in Betracht gezogen wi}jen. Die Kammer lehnte alle auf die Aenderung der Einkommen- steuer bezüglihen Anträge mit Mehrkeit ab, ließ au<h Pe- titionen um Beseitigung, bezw. Ermäßigung der Grundsteuer einstimmig auf si< beruhen und nahm nur gegen 9 Stimmen den Antrag auf Beseitigung der Schweine- s<lahtsieuer an. Die Kapitel selbst wurden na< den An- trägen der Deputation bewilligt. Der Bericht der Rechen- scaftsdeputation über den NRechenshaftsberict Der Brandversiherungskammer auf die Jahre 1887 und 1888, zu welchem die Deputation eine Reibe von Anträgen gestellt hatte, welche bezwe>en, cine umfänglihere Benußung der freiwilligen Abtheilung der Landesbrandversiherungsanstalt herbeizuführen, wurde dur< Kenntnißnahme für erledigt erklärt. Die Kammer beshloß weiter auf mündlichen Bericht der Rechenshastsdeputation, in Uebereinstimmung mit dem Beshlusse der Ersten Kammer, dem Landtagsaus\{usse zur Verwaltung der Staatsschulden rüdsihtli<h der von demselben über die Verwaltung der Staats- \<ulden in den Jahren 1886 und 1887 abgelegten Rechnung Justifikationsshein zu ertheilen, ferner dem Antrage der Finanzdeputation A entsprehend, der Diakonissenanstalt zu Dresden anderweit als Beihülfe zu dem Bau eines neuen Kramenaulo die Summe von 150 000 A zu bewilligen und zu diesem Zwe> im Kap. 63 Titel 13 des Etats

endlih auf Petition nahbarter Gemeinden auf

Antrag / des Gewerbevereins

zu Schandau Herstellung

der 0d regierung zur Kenntnißnahme zu überweisen. #— 18. März, X: D) Bischof Bernert ist heute früh gestorben. i Württemberg. (+-) Stuttgart, 15. März.

macht get, das Zimmer wiezer verlassen. ergeht ich Wie der „St.-A. f. W.“ meldet,

] gemeinjährig einen Betrag von 75 000 # tranfitorish einzustellen, und der Finanz - Deputation B die und be- eines guten

Wintershußhafens an der Mündung der Lahsbah T. B.) Der apostolische Vikar

y Seit Eintritt der wärmeren Witterung kann Se. Majestät der König, Höchstdessen Erholung in den lezten Wochen befriedigende Fortschritte ge- Se. Majestät glich einige Zeit in dem Königlichen Privatgarten. ist im Dru> er- betreffend die Be-

Karten über die Bahnproje burg—Künzelsau.

Schwerin,

Weimar, 17. Vär nehmiate heute in zweiter der Weimar - Berka - forderte Summe von der Regierung, betreffend

ertheilt hatte.

Cobura, 17. März.

Fürstin Jda nebst den

außerordentliche Bedürfnisse Rechnungsjahre 1890/91 n

17. März. 4 aus Cannes, daß Se. Königliche L si jevt in voller Reconvalescenz befin \heinungen bilden si< zurü, ! hebt si, jedo< hat Se. Königl no<h nit verlassen dürfen. Sachsen-Weimar-Eisenach.

z. (Weim. Ztg.) Der Landtag ge- ür Nacharbeiten an Blankenhainer Eisenbahn ge-

hat si gestern auf unbesi neue Steuergeseß angenommen und L dem Bau der Eisenbahn Römhild— Rentwertshaujen

Caroline von Bückeburg nah 1 [ am dortigen Fürstlihen Hofe hier wieder eingetroffen.

Me>lenburg-Schwerin.

Die „Me>l. Nachr.“ erfahren Hoheit der det. Die örtlichen Er- der allgemeine Kräftezustand he Hoheit bisher das Bett

Lesung die

7800 é ohne Debatte.

die Ausar

zur Gegenwart reihenden Haup gesammten Landtagsverhandlungen 1817 an, wurde in erster Lesung angenommen.

Sachsen - Meiningen. Meiningen, 16. März.

(Weim. timmte

Sachsen-Coburg-Gotha.

(Cob. Ztg.)

prinz und Jhre Königliche Hoheit die SaGhsen-Meiningen find

der Eisenbahnverwaltung in dem ebst Begründung und mehreren kte Hönau—Münsingen und Walden-

Zeit vertagt, nachdem er das

heute wieder von hier abgereist.

Reuß ä. L. (+) Greiz, 17. März. Gestern ist Jhre Durchlaucht die Prinzessinnen Emma, Marie und mehrwöchigem Aufenthalt

roßherzog

Der Antrag beitung eines bis tregisters über die vom Jahre

Ztg.) Der Landtag

seine Zustimmung zu

Se. Hoheit der Er b- Erbprinzessin von

Ov

einnahmen für das 53

Nachrihhten über Formi dementiren. Budapest, 17.

Programm der Regierung gramm von 1867 siehe; 1878 befolgten äußeren was nicht allein im J

volkswirthschaftliße Po Administration ui lihen Verhältnisses geseß zu modisiziren, die strenge Beibehaltung gegenwärtige Majorität ;

(Lebhafte Zustimmung.)

Sonnabend in Downing

wurde beschlossen,

Zuwachs erhalten

„Victoria“, wärtig für aftiven

ist zum Flaggschiff ersehen.

Prinz Cheetah-Jagd (mit abgeri Die ganze Sizung

tion ausgefüllt. kommen, wo treten sein sollte. hause ernennen.

abstimmen dürfen. dieser Resolution,

föderation,

ieten der Entwurf eines Gefe schaffung von Geldmitteln für den Ei

enbahnbau sowie für

einigten Staaten ange

aus s<uß erstatteten Bericht d über das Budget von 1890

ausgaben 545 771 700 Fl. Es Uebershuß von 1597 004 Fl. her Die „Polit. Corresp.“ erflärt

und die mit Kroatien. erklärte der Minister-Präsident, sei dur die veränderten Verhältnisse nicht nothwendig, er betone

Würde dés ungarischen P mit dessen Thätigkeit eine

unveränderten Standpunkt. Gr klärte, 0 die Prinzipien der Regierung mit denen der gemäßigten Oppo- sition übereinstimmten, würde diese die erstere unterstügen.

Großbritannien und Jrland.

, (A. C.) Die Minister traten am -Street zu einer Sißung zujammen, langsame Gang der parla- te im Unterhause den Haupt-

London, 17. März

in welcher angebli der mentarishen Geschäfte in gegenstand der Erörterung bildete. 1 den Debattenschlu $ von Obstruktion und Einschränkung der Redieligkeit der Par- nelliten Éünftighin häufiger in Anwendung zu bringen.

Die britishe Kriegsmarine al | in dem Sc<hlachtichiff I. lung etwa 850000 Pfd. Sterl. as größte und mächtigste gegen- Dienst bereite Schlachtshiff ist. Die „Victoria“ wird in wenigen Tagen mit einer Besaßung von 289 Mann, eins(ließli< der Offiziere, in Dienst gestellt. Sie des Mittelmeergeshwaders aus-

dessen Hersie gekostet hat und welches d

ansloß. Gestern und heut

d. M. wurde, wie ein Reuter’ {hes 1 t berichtet, mit der Berathung der Boulton'’shen Resolu- Die Letztere besagt: Die Zeit wäre ge- Reichs - Parlament wver- Regierung

Canada im

öffentlih erörtert würde.

Oetterreich-Ungarn.

Wien, 17. März. (W. T. B.) Nah dem im Budget- es Generalreferenten Kathrein betragen die Gesamnit- hr 547 368 704 F[., die Gesammt-

stellt aus. si< für ermächtigt, alle rung neuer Jnfanterie-Negi- menter sowie Aenderungen in der Adjustirung zu rz. (W. T. B.) stellte si< heute dem Parlamente vor. wid>elte der Minister-Präsident , welche stets auf dem Ausgleihs-Pro-

sie halte fest Politif und

nteresse Oesterreih-Ungarns, sondern auch aller betheiligten Mächte liege, wid>elung des hergestell

litifl, die

der liberalen

er appellire an das ganze Haus, die arlaments aufrecht zu erhalten, da- patriotische, Jranyi betonte no<mals seinen

Graf Ap

Aus Bawda in Jndien vom 14. März meldet ein Telegramm des Bureau Reuter: Albert Victor traf gestern Abend, von Nepaul kommend, bier ein und wurde vom Mah

völkerung aufs Glänzendste empfangen. 4 teten Iagd-Leoparden) und am Abend cin

estmabl zu Ehren des Prinzen statt, an weles si ein Feuerwerk Fes : e Abend war die Stadt illuminirt.

Des canadishen Senats am 13. Telegramm aus Ottawa

Die

rovinz solle einen Vertreter mit ì T M Die canadischen Abgeordneten follten dagegen

nur über kanadische O berührende Angelegenheiten mit er Antragsteller äußerte zur Begründung daß das Schi>ksal Kanadas jeut vielfach Einige seien für“ eine Reichs- andere dächten an Unabhängigkeit und Annexion an die Vereinigten Staaten. Wenn auch von letterer sehr selten offen gesprochen würde, }o ließe si< do< diz Anziehungs- kraft der nor amerikanishen Union nit leugnen. Viele Eng- länder würden ohne Zweifel gern C dem Grunde aufgenommen sehen,

legte Kopital

ten Gleihgewichts, Einführung Aufrechterhaltung des

anada in die Union aus damit das in den Ver-

fih demna<h ein

Das neue Kabinet Im Unterhause ent- Graf Szapáry das

an der seit dem Jahre an der Tripel-Allianz,

fie erstrebe die Ent- eine rationelle staatlicher ge}eb-

Das ‘Jnkolats-

Politik, gestüßt aus die

fruhtbringende fei,

ponyi erflärte, sofern

Dem Vernehmen nah zur Vermeidung

neuen Klasse

hat einen

aradsGab und der Be- Heute Morgen fand eine

g jeder canadischea Siy im Reichs - Unter-

(Boulton's) Vorschlag \{ränke die Unabhängigkeit Canadas niht ein und haf feine lästigen Bande. Canada bekäme jedoh dann ein größeres Maß von Un- abhängigkeit als jeßt, und die Canadier erhielten Gelegenheit, ihre Stimme im Reihs-Unterhause ver- nehmen zu lassen, wenn es si< um kfanadishe Jnteressen handle. Scott meinte, auf Gegenseitigkeit beruhende Handels- verträge mit den Vereinigten Staaten würden mehr für die Wohlfahrt Kanadas thun als die Reichsföderation. Abbot, der Leiter des Senats, hielt Boulton's Vorschlag für ebenso undur{führbar, wie gegen die Verfassung verstoßend. Auf seinen Rath wurde ließlich der Antrag zurücgezogen.

(W. T. B.) Im Unterhause theilte heute der Unter-Staatssekretär Fergusson mit: es herrshe große Noth im öftlihen Sudan; in der Umgebung Suakims würden die Einwohner täglih dur<h ein Comité ge- speist, und troß der von militärisher Seite dagegen er- hobenen Bedenken sei die Einfuhr von Getreide in gewissen Häfen gestattet worden. E erklärte ferner: die Pforte prüfe das Gesu<h der Muhamedaner des Kaukasus, auf türkishes Gebiet übersiedeln zu dürfen ; es heiße, Rußland sei unter gewissen Bedingungen gewillt, diesen Muhamedanern die Erlaubniß zur Auswande- rung zu geben.

Frankreich.

Paris, 17.-März. (W. T. B.) Jn Folge einer heute Vormittag im Ministerium des Auswärtigen stattgehabten Konferenz ist ein Einverständniß zwishen Freycinet, Constans, Bourgeois und Fallières, bezüglih der Anwendung der Schulgeseße und des französish- türkishen Handelsvertrages erzielt worden. Dieser Vertrag wird aufrecht erhalten werden ; bezüglih der 1892 ablaufenden Handelsverträge, soll der Kammer Freiheit der Aktion vorbehalten werden. Ribot nahm darauf das Portefeuille des Aeußeren an und das Ministerium ist jebt offiziell wie folgt fonstituirt: Freycinet, Präsidium und Krieg, Constans, Jnneres, Fallières, Zustiz, Rouvier, Finanzen, Barbey, Marine, Bourgeois, Unterricht, Develle, A>erbau, Jules Roche, Handel, Guyot, öffent- lihe Arbeiten. Etienne verbleibt als Unter-Staatssekretär für die Kolonien. Das neue Kabinet wird ih morgen der Kammer vorstellen. Die Erklärung, welhe dabei ver- lesen werden wird, soll nur eine furze sein; in der- selben wird gesagt werden, die Regierung werde es verstehen, die Hauptstüze ihrer Thätigkeit ‘in der republikanischen Majorität zu suchen und werde fih zugleih Mühe geben, den allgemeinen Fnteressen des gesammten Landes, sowohl in moralischer wie industrieller, kommerzieller und ökono- misher Beziehung Rehnung zu tragen. Drei Punkte würden insbesondere ins Auge gefaßt werden: die Anwen- dung der Shulgeseße, der Budgetentwurf und die Auslegung des französish-türkischen Vertrages. Was die Schulgeseße betrifft, so werde das Kabinet erflären, daß dieselben als solche befolgt, aber progressiv an- gewendet würden, ohne die religiösen Gefühle der Bevölkerung zu verleßen. Das von Rouvier eingebrachte Budget würde in seiner Gesammtheit aufre<ht erhalten werden, namentli< was die Konsolidirung der Obligationen mit 6 jähriger Umlaufszeit, die Zuschlagsteuer zu Alkohol und die Wiedereinführung des außerordentlichen Budgets in das ordentliche Budget beträfe. Be- züglich des Vertrages wird die Erklärung, ohne zu verlangen, daß das Parlament auf die neuerliche Abstimmung zurückkomme, dahin gehen, daß das Kabinet si verpflichtet, dem Lande die Freiheit jeiner Aktion für 1892 zu bewahren. Schließlih wird, wie verlautet, das neue Kabinet, indem es das leßte Militärgeses in vollem Umfange aufrecht erhält, ein Mittel der Anwendung suchen, welches die höheren Studien und den Beruf der Geisilihen niht unterbriht und den Studirenden gewisser Fächer die Möglichkeit giebt, den Militärdienst mit 18 Jahren zu beginnen.

Der „Temps“ spricht si< in Bezug auf das neue Kabinet befriedigt aus: dasselbe weise eine Liste hervor- ragerder Männer auf, die demselben eine Distinktion gäben, wie sie nur wenige Kabinete vorher besessen hätten. Eigentlich have die Politik der Mehrheit des Landes dur die natürliche Gewalt der Dinge dieses Kabinet wie das vorige geschaffen und werde es auch erhalten. Die „République fran- caise“ sagt, die Namen der Minister flößten fast Vertrauen ein und erinnerten an Gambetia's großes Ministerium; man sei überzeugt, dieses Ministerium werde regieren, ohne eine Verantwortlichkeit zu fürhten. Das „Fournal des Débats“ ist zurü>haltend, jedoh üdverzeugt, das Ministerium werde sich bemühen, der Politik einen neuen Weg anzuweisen und die früheren Fehler zu verhüten. Die Gemäßigten müßten die Regierung je nah ihrer Haltung entweder unterstüzen oder dem übergroßen Einfluß der Radikalen entschieden ent- gegentreten. Die radikalen Organe finden bei dem neu gebildeten Kabinet ihre Partei zu wenig berüd>sihtigt, die monarchistishen sagen dem Kabinet einen baldigen Sturz voraus, nur „Figaro“ lobt den Vorsay des Kabinets, die radikalen Forderungen herabzustimmen.

Wie es heißt, wird der Ministerrath neue Unter- Staatssekretariate für Kultus und \shöne Künste, jowie für Jnneres und Finanzen schaffen ; dieselben sollen jüngeren Deputirten übertragen werden.

Rußland und Polen.

Sl Petersburg, 16. März. Die „Rußssk. Wed.“ sind in der Lage, nicht blos die Frage von der Begrün- dung eines A>erbau-Ministeriums als so ziemlich entschieden zu bezeihnen , sondern sogar den künftigen Chef dieser neuen Centralbehörde zu nennen. Als solher werde nämli der derzeitige Gehülfe des Ministers des Jnnern, L von Plehwe designirt. Einen hervorragenden Posten im neuen Ministerium würde auh Hr. J. J. Kabat, Gutsbesißer im Kurskschen, erhalten. Dem- jelben Blatte zufolge haben si General-Lieutenant Mar1- mowski und Oberst Baranow im Auftrage des Kriegs- Ministers nah Transkaspien begeben, um die dortigen Ver- waltungs-Jnstitutionen zu revidiren.

Der Reichsrath wird si< demnächst mit einer Vorlage zu beshäftigen haben, die die Einführung einer Gouver - nements-Gefängniß-Jnspektion in den Gouvernements Wilna, Kiew, Perm, Ssaratow und Charkow betrifft.

Die „Nowosti“ berihten, daß dieser Tage in einer ver- einigten Sißung der Reichsraths-Departements für Geset- gebung und für Staatswirthschast ein Geseßyentw urf zur Durchsiht gelangte, der die Arbeit von Minderjährigen und Frauen in Fabriken betrifft. Der erste - Versuch

gesichert würde. Sein

einer Reglementirung dieser Frage geschah 1882 durh

4

Dekretirung zeitweiliger Regeln, deren Retskraft am 1. Januar d. J. abgelaufen ist. Aus diefem Anlaß hat der E es für nothwendig erachtet, diese Angelegen-

nunmehr im Wege der Geseßgebung ein für alle Mal zu regeln und zu sanktioniren und, wie cs heißt, ist das Projekt des Wirklichen Geheimen-Raths J. A. Wyschnegradeki durh- gegangen.

Ftalien.

Rom, 17. März. (W. T. B.) Die Deputirten- fammer genehmigte beute den Kredit von 10 600 000 Lire im außerordentlichen Kriegsbudget, ebenso die Ver- mehrung der Ausgaben des Marinebudgets um 5 Millionen Lire zum Ankauf von neuer Munition.

Schweiz.

Bern, 17. März. (W. T. B.) Bei den gestrigen Wahlen im Kanton Zürich wurde Blumer (freisinnig) mit 47 797 Stimmen zum Mitglied des Ständeraths ge- wählt. 13265 Stimmzettel waren unbeshrieben. Jn Nid- walden wurde Vonmatt (ultramontan) mit zwei Dritteln der Stimmenden zum Mitglicd des Nationalraths gewählt.

Rumänien.

: Bukarest, 17. März. (W. T. B.) Der Senat nahm mit 43 gegen 5 Stimmen die Handelskonvention mit Serbien an.

Bulgarien.

Sofia, 17. März. (W. T. B.) Der „Agence Bal- canique“ zufolge wird der Prozeß gegen Paniga erst Ende dieses Monats beginnen. Der Regierung wurden die verlangten Details in Betreff der russischen Forderung von 572988 Rubel für Lieferungen übergeben.

Schweden und Norwegen. (F.) Christiania, 15. März. Das Zollcomité hat dem Storthing folgenden Vorschlag zu einer Resolution vor- gelegt: „Die Nee wird ersucht, ein aus fünf Mitgliedern bestehendes Comité niederzuseßen, um bezüglih der Bedeutung und der Wirkungen der in Betreff Norwegens zwischen den vereinigten Reichen und Frankreih und Spanien abge- \<lossenen Handels- undSchiffahrtstraktate eine Unter- fuhung zu veranstalten und eine Darlegung des Ausfalles dieser Untersuhung dem nächsten Storthing vorzulegen.“ Fn der Begründung sagt das Comité: „Unter den derrichenßen Zeitläuften meint das Comité, die Aufmecksamkeit des Stor- things auf die Stellung unseres Landes gegenüber der Frage wegen Beibehaltung oder Veränderung dieser inter- nationalen Kontraktverhältnisse hinlenken zu müssen, bezüglich deren Aufhebung oder Veränderung au<h in Betreff Norwegens in der nächsten Zukunft Fragen vorliegen fönnten. : Das Comité ist der cinflimmigen Ueberzeugung, daß die Lage die ernsteste Erwägung erheisht und zu einer gründ- lihen und zeitgemäßen Vorbereitung der Schritte auffordert, welche in Angelegenheiten von so hervorragender Bedeutung für unser Land, wie die in Frage stchenden, vorzunehmen Fug und Veranlassung gefunden werden möchte.“ __ Das Storthing hat heute den Antrag der Regierung, dem früheren Staats-Minister Sverdrup außer der ihm lebens- längli<h bewilligten Nationalbelohnung von 6000 Kronen noch eine jähräiche Pension von 4000 Kronen zu bewilligen, mit 58 gegen 56 Stimmen abgelehnt. Amerika. Vereinigte Staaten. Washington, 15. März. (A. C.) Präsident Harrison erließ eine Kundmachung,

welhe allen Ansiedlern im Lande der Cherokee- Indianer anbefiehlt, dasselbe zu verlassen. Asien.

China. Tientsin, 15. März. (R. B.) Der Vize- König Li Hung Chang ist mit großem Gefolge na<h Peking gereist, um den Kaiser nach den öfilihen Mausoleen zu geieiten.

Afrika.

Einem gestern aus Mozambique dur das „R. B.“ nah London übermittelten Gerücht zufolge, hätte der Stell- verireter des britishen Konsuls in Nyafssaland, Buchanan, am Shirefluß die englishe Flagge ge- hißt, und zu Ehren derselben sodann den üblichen Salut abgeben lassen. Serpa Pinto soll sich nah Mossamedes an der afrikanischen Wesiküste begeben haben.

Nach einer weiteren Meldung des „Reuter hen Bureaus“ war jedo< dem englischen Auswärtigen Amt bis gestern Abend keine Bestätigung des Gerüchts von der Hissung der englishen Flagge am Shireflusse zugegangen. Gutem Vernehmen nach ist es der Wunsh der Regierung, daß der Shirefluß für alle Handeltreibenden offen sei. Man glaubt, daß der Stellvertreter des britischen Konsuls in Nyassaland, Buchanan, die englishe Flagge auf einem englishen Dampfer gehißt habe, welcher sich auf dem Shirefluß befand. Jn diesem Falle würde der An- gelegenheit keinerlei politishe Bedeutung beizulegen sein.

Parlamentarische Nachrichten.

Jn der heutigen (31.) Sigzung des Hauses der Ab- geordneten, welcher der Minister der gei lichen 2c. Ange- legenheiten Dr. von Goßler beiwohnte, stand auf der Tages- ordnung die Fortseßung der Zweiten Berathung des Entwurfs des Staatshaushalts-Etats für 1890,91, und zwar die Berathung des Spezial-Etats des Ministeriums der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Abg. Ridcert beklagte den schon seit lange s{<wer empfundenen Mangel einer organischen Gestaltung des Scul- wejens und meinte, daß die Negellofigkeit minifterieller Will- kür geordneten Zuständen Plaß machen müsse. Derselbe fragte dann, ob der Minister L von der für Magde- burg im Jahre 1886 ergangenen Versügung habe, daß Lehrer bei feindseliger Parteinahme gegen die Zes ihres Amtes entsezt werden können, und von der Verfügung der Regierung in Köslin, wonach die Lehrer die Genehmigung der Regierung zur Verheirathung na<hsuhen müßten.

Der Minister der geistlihen 2c. Angelezenheiten Dr. von Goßler erklärte bezüglih der leßteren Anfrage, daß èr die Aufhebung der Kösliner Verfügung veranlaßt habe, es sei kein Zweifel, daß die Regierung nit berechtigt jei, im Wege

der Disziplin die Lehrer von der Verheirathung abzuhalten ; die gute Absicht der Kös liner Regierung sei nur gewesen, noh nicht definitiv angestellte und ni<ht mit genügendem Einkommen ausgestattete Lehrer von leihtfertigem Eingehen der Ehe ab- zuhalten. Die Magdeburger Verfügung entspreche nur dem Kaiserlihen Erlaß von 1882 betreffs der Beamten; im Uebrigen sei von derselben no<h in keinem einzigen Falle Gebrauch gemacht worden.

Abg. Graf von Kaniß gab eine Richtigstellung seiner am 8. März gemachten Ausführung bezüglih der Gehalts- aufbesserung, welche mißverständlih aufgefaßt worden sei; er bringe den Beamten alles Wohlwollen entgegen und gönne ihnen die Gehaltsaufbesserung aus vollem Herzen.

Abg. Dr. Windthorst verzichtete angesihts der Ungewiß- heit der politischen Lage auf eine eingehende Erörterung der kirchenpolitishen Verhältnisse und behielt sih dieselbe für einen andern Titel bezw. die dritte Lesung vor.

Abg. Freiherr von Zedliß und Neukirch hob hec- vor, daß die ‘evangelische und katholishe Kirche gemeinsam die Aufgabe hätten, an der Bekämpfung der grundstürzenden

deen zu arbeiten; dazu sei nothwendig, daß der eben geschlossene Friede zwis<hen beiden Konfessionen nit wieder gestört werde. Die leßten Reste aus der Kuttur- kampfzeit müßten beseitigt werden: die Sperrgelder müßten zurü>gegeben und die Stolgebührenfrage geregelt werden. Die Entwi>elung unseres höheren Schulwesens lasse zu wünschen. Die Berechtigungsfrage spiele hier immer no< eine leidige Rolle. Eine gründlihe abgeschlossene Bildung sei heute mebr als je nothwendig, Es fei ja in dieser Beziehung vieles geschehen, höhere Bürgerschulen seien eingerichtet u. f. w., aber es fehle eine durchgreifende Reform. Unjere Schuleinrichtungen ständen niht auf der Höhe des Bedürfnisses. Die S&ulunterhaltungslast sei ja um mindestens 30 Proz. erleichtert, das Pensions- und Reliktenwesen sei geregelt, aber zu einer gründlichen Reform fchle ein Schul- dotationsge}eß. Sollte das Schuldotationsgesez indessen nur um den Preis des jüngst wieder angekündigten Shulantrages zu haben sein, so wäre es freilih besser, das Verlangen na< demselben fallen zu laffen.

__ Abg. Dr. Neichensperger betonte ebenfalls, daß es niemals mehr als jegt für alle gläubigen Christen geboten sei, sich zu vereinigen und die Gegensäße zurüd>treten zu lassen, um stark zu sein gegen den Ansturm von unten. Der Redner verlangte dann eine Reihe von Ab- änderungen der Kirhengemeindeordnung zu Gunsten der katholischen Kirche, speziell bezüglich der Wabhlfähigkeit und Wählbarkeit der Gemeindemitglieder, und ging dann auf die Wirkungen des Kirchenvermögens-Verwaltungsgeseßes cin. (Schluß des Blattes.)

(Der Schlußbericht über die gesirige Sitzung des Hauses dez: Abgeordneten befindet fih in der Ersten Beilage.)

Zeitungsftimmen.

Ueber die künftige Stellung der Konservativen zu dem Centrum bemerkt das Organ der konservativen Partei, die „Conservative Correspondenz“:

Die konservative Partei hat vor wenigen Monaten in éin?! cinstimmig gefaßten Beschluß ihrer Reichstagëfraktion sich eus gro Geßétäpunkten beraus für das Zusfammengeben mit ter Rcits- partei und den Nationalliberalen entschieden. Wenn der Wablkampvf diese Parteien in ihrer Gesammtheit in eine Minorität ver- seßt hat, so sind dadur<h die Motive für die politische Haltung selbst nit verändert, Es würde eine Unireue gegen die Kampfgenofsen wäbrend eines Wahlfkampfes, in d:m diese Parteien denn do< im Grofen und Ganzen mit den Konfervativzn zu- sammen gestanden haben, troß einzelner Ausnahmen und Mißgriffe, sein, wenn die konservative Partei gegenwärtig um Erreicunz eins zelner Ziele willen von dieser Kamrfgenossenschaft si trenzen und in eine Verbindung mit dem Centrura cintreten wollte. Die konservative Partei hat bei der Aufsteliung des Programms der deutschen Konsers vativen seinerzeit zuerst ausgesprochen, daß den bereBHtigten WünsÞben der deutschen Katboliken Rechnung getragen werden müsse, und sie bat das in der Geseggebung der leyten Iahre, läng ni<ht mehr alleinstedend, praftis@ zur Geltung ge- bra<t. Wir zweifeln ni>t daran, daß auh unter den deutschen Ka!boliken vielfa cin lebendiges Verständniß für die großen nationalen Ziele dis Neichs vorbanden ist, und wir hegen die Hoffnung, daß eine Zeit kommen wird, in der diese nationale Empfindung au ihre praktisäe Betbätigung finden wird. Auch ist si die fonferoative Partei wobl dessen bewuêt, daß in manchen Bezichungen die Ziele, welhe sie verfolgt, unter den deutschen Katholiken, selbst unter dem bestimmenden Einfluß der gegenwärtigen Centruméfraftion, eine Unterstüßung findet in si näbernder Auffassung über Fragen auf wirtt\castlihem, fozialem und religiösem Gebick. Vker sie wird niemals die Grenzen aus dem Auge lassen, wel<he die Aufgabe der Erhaltung der Autorität des Staats bei der Lage der konfessionellen Verkbältaisse, bei der historishen Entwickelung dieser Verhältniffe im Reih und scinen einzelnen Staaten vorzeihnet. Sie wird nah wie vor über die ein- zelnen Fragen auf den erwähnten Gebicten sih nah sa<hli<hen Ge- sichtspunkten entscheiden. Sie wird an dicsen natürli gegebenen Grundlagen ihres Verhaltens, an der Konsequenz der bisber von ibr getriebenen Politik unentwegt festhalten. Wir balten es für aus geschlossen, daß die konservative Partei die Zustimmung des Centrums zu Bewilligungen auf militêrisem oder sonstigen Gebieten dur E auf dem Gebiete des Schulwesens oder der Ordenéfragen rkauft.

Die „Nationalliberale Correspondenz“ schreibt:

„Die Sozialdemokraten werden im neuen ReiWhétage in einer egen früber erhebli< veränderten Stellung auftreten. Zum ersten ale erscheinen sie in eiaer Stärke, die derjenigen ansehnlicher Fraktionen gleichkommt. Bisher bildeten sie eine kleine Gruppe, die ibr Gewicht no< dadurH selkst shwächte, daß ihre Mitglieder zu den s{le<testen Besuchern der Reichstagésizungen gehörten. Aus ein paar Brand- und Hehreden in jeder Session bestand, ibre ganze Tkâtigkeit; von positioer Mitarbeit auh an Gesehen, diz das Wohl der Arbeiter auf Engste berübrten, war fast nicht, die Rede. Cine kleine Minderheitêgrupp? konte sh auh mit diesem geringen Maße von Leistungen begnügen; anders aber sicht die Partei jeßt als wesentlicher Bestandtheil der Mehrheit da, zumal in ciner Session, die unter dem Zeichen des Arbeiters{<uße® zusammentritt. Da werden do< au von ihren eigenen Anhängern nicht bloß beterische Redensarten, sondern positive und eifrige Mit2rbeit verlangt werden, und in diese Nolle wird sich die Partei erst cinzuleben haben. Der ate Wille und die verföhnliche Stimmung der derzeitigen ozialistis&en Reihstags- Abgeordneten ist freili< schr ¿weifel- baft; es sind die alten bekannten Agitatoren oder neue Männer, von denen anzunehmen it, daß sie si die bis- berigen Führer zum Muster nehmen. Aber aus der sozialdemo- kratishen Wählerschaft beraus wird, wie man vorauéschen kann, ein Drud> ausgeübt werden, daß die Abgeordneten der Partei \si< mehr als biéher als wirflihe Vertreter der Arbciterinteressen benehmen.

In der riesig angeshwollenen sozialdcmofratishen Wählerschaft bcfinden A offenbar mehr, als cs bisher der Fall gewesen ist, Männer, die

niót zu den siTeren und überzeugten Anhängern dieser Lehre gebö t 4 zeu ser L ören peruwdg aus Aerger über manche nere Lasten, e ihaes auf- erlegt werden mußten, oder au<h getricben dur< einen ganz gewislento en und verwirrerden Mißbrauh mit dem Namen v ablt ba v4 Kénigthums" diesmal fozialdemokratisGe Kandidaten - ge E f im guten, freili<h verblendeten Glauben, damit im ine es Kaisers und der Regierung zu handeln. Diesen zabl- i, ciner mächtigen _augenbli>liwen Strômung nachgebenden n N die Sozialdemokratie ihr Anwabsen bei den jüngsten Da Me ferane von diesem Bestandtheil ihrer Wählerschaft ist aber h anzunehmen, daß cr auf die Dauer sih mit betzeris{en Phrasen und utopischen Pöantastercien zufrieden geben wird. Man wird viel- wee eine wirllide Förderung der Arbeiterinteressen verlangen. Es arn garni<t ausbleiben, daß sid mit der Zzit eine Scheidung zwishen denjenigen fozialdemokratisGen Wäbklern vollzieht, welche eine vernünftige und praktis< mögli>e Besserung ibrer materiellen Lage erstreben, und denjenigen, welhe obne jedes verständige Ziel nur auf Anar@®ie und Zerstörung bindrängen, Man fann vorausfehen, daß fi< diese Scheidung in Folge der stärkeren und „verantwortungevolleren Stellung der Sozialdemokraten und der positiven Aufgaben, wel<he son an die nâbste Reibstagssession herantreten werden, wenigsters in den ersten“ Anzeichen s&on bei den bevorstebcnden gesetzgeberishen Arbeiten kundgeben wird. Der Staat und die Gesctzgebung haken bereits so viel für die Besserung der Lage der Arbeiter gethan und so ernsten Willen gezeigt, no< mekr zu thun daß die Rückwirkung auf verständige Arbeiter nicht ausbleiben kann, [o viel Enttäuschung man au in dieser Hinsicht erlebt hat.“ M

Theater und Musik,

L Deutsches Theater.

n de b eiten fnr ( 8 Gan n 5 + wald ém C E E aube, toirb Fel Ortitta ibi e R QIEN g, 21. d, M, \taltfindet, wird Frl. Ortwia wieder

ie Rolle des Seorg übernehmen. x

2 ; Berliner Theater.

i In „Antoinette, Scauspiel von Kraaß und Norweg, das am Donnerstag zur ersten Aufführung kommt, spielt Helene Odilon die Titelrolle. Die übrigen arößeren Partien dcs Stü>es werden von den Damen Baumeister, S-ldburg, Stöhr, Tond:ur, den Hrrn. Bahll, Jacobi, Jelenko, Stahl und Weiß dargestellt,

; Sing-Akademie. a E Liederabend des „Kogolt fen Ge*fangvereins Butt la) „fand ann Sonntag unter zablreiwer Betheiligung Fu Ums statt Er wurde eröffnet dur< drei Chorgefän beliebten Komponisten Georg Vierling, dessen nahe bevorste 40. Geburtstag die Anregung dazu gab, diese Gesänge: „Herr auf den Hôkben , eTburm{oral* und „Herr, unfer starker Held® obenan ¿zu stellen, die, wie die meisten scirer Werke, sichere Beberrschung der tlassishen Form in glü>liher Vereiniaung mit freier melodischer Er indung erscheinen lafscn. Lebhafter Beifall, der zuglei< der in jeder Bezichung vollendeten Ausführung galt, folgte jedem der drei Chorgefänge. Ein Madrigal von Orlando Gibbons (geb. 1583 zu Cambridge), cinem der bedcuteatsten Komponisten Englands, erfreute sio gleihfalls einer günstigen Aufnahme Ganz befonders ges fielen aber die ociginelcn „Sprüchwörter“ von Haydn, von denen „Glei und Gleich gesellt si< gern“ wiéderbolt wurde. Mit glüälihem Humor ist aud das Sprüchwori „Große Sprünge gerathen selten“ in Das zum Theil siebens stimmig komponirte Chorlied von A. Beer, „Sommeracsang“, în wel<em jeder der se><s Verse in and.rer Fassung musikalish bes bandelt ist, und das «ine wundervolle Wirkung mate, wurde an diesern Abend zum ersten Mal vorgetragen. Die beiden \Gon früber gebörten Heliebten Chorgesänge „Vineta*“ von Brahms, „Süßzes Be- gräbniß von I Brüll und der zum ersten Zal vorgetragene „Brautgesarg“ von Wilhelm Taubert bildeten den Schluß des Abends. Reicher und woblverdvienter Beifall folgte au dicfen lezten G:fängen, Der edle, jugentli<h frische Stimmenklanz, die unüber- treffliche Reinheit der Intonation, die Deutlichkeit der Aussprache und Präzision in der Zufammenwirkurg des Chors kamen der Wirkung der Kompositionen au in diesem Concert wieder sehr zu Statten. Die größte Anerkennung verdient daber au die cinsihtsvolle und energische Leitung des Hrn. Dircktors Zellner. Unterstüßt wurde der Liederabend dur Solovorträge des Frl. Camphausen, die mit gut ges{ulter Stimme und verständnißvoller Nusdru>srweise etne Arie aus „Figaro“ von Mozart und einige Lieder von Brahms, Schumann und S@ubert vortrug. Auch der Cellovirtuos und Kammermusikus Hr. Dechert erntete dur< die an ihm stets ge- rühmte weihe Tonbehandlung und feinsinnige Art des Vortrages leb» hafte Beifallsbezeugungen.

Der zweite

H Philharmonie.

__ Das dritte Concert des Philharmonischen Chors fand gesiern unter Leitung des Hrn. Siegfried O<s vor cinem zahlrei erschienenen Publikum statt. Den Hauptanziebungspunkt bildeten zwei Novitäten: Scenen aus der fat vershollenen Oper „Fierrabras*" von Franz Shubert und „Wanderers Sturmlied“ für sehsstimmigen Chor mit Orwester von Richard Strauß. Aus der Oper kamen außer der Ourertüre, die verschiedene sehr originell er- fundene Motive in geschi>ter Zusammenfüzung enthält, no< ein Lied mit Frauen><or, ein Terzett mit Cbor, eine Sovran-Arie, ein Männercbor von mächtiger Wirkung: „O theures Vaterland“, der wiederholt warde, und s<ließli cin wundervoller „Chor und Marsch“ zu Gebör. Ueberall erfemt man den an melcdisber Erfindung und an interessanter, oft sebr überra‘hender harmonis<her Gestaltung so uners<êvli< reihen Tondicter. Der bôhst mangelhafte Text von Kugelwieser, der zur Zeit neu bearbeitet ift, war die Ursache, daß bis jeßt ni<:8 von der Oper bekannt wurde, Wir danken es der vor- züglihen Aufführung, von tiefem genialen Werk Kenntniß erhalten zu haben. Das zweite an diefer Stelle zum ersten Mal vorgetragene Werk von Strauß: „Wanderers Sturmlied“ zeigte uns die Muse des sehr begabten Ko1nponisten in dem günstigsten Licht. Nach einer dem Titel entsprechenden Einleitung des Orchesters begiant der Chor mit dem die ganze Komposition durzichenden sebr geshi>t behan- deltea Hauptthema erasten Charakters, wie si s<on aus den Worten „Den du nicht v:rlä}sest, Gerius, nicht Regen und Sturm haucht ihm Schauer übers Herz“ erkennen läßt. Die Wirkung des Chors ift oît eine erhebende und großartige. Die Bekbandlung des Or- <esters ist zwar, dem Titel entsprehend, schr <arakteriftis< übertönt jedo< mitunter die Sänger zu sebr. Dies Werk wurde glei dem erstgenannten Opern-Fragment mit sehr lebhaften Beifalls- bezeugungen aufgenommen. Auch die mit größter Präzision und \4wungvoller Auffassung vorgetragenen Stü>ke aus Mendelssohn's unvollendeter Oper „Loreley“, dîe wir bereits früher an derselben Stelle gebört baben, erfreuten < der günstigsten Aufnahme. An der Aus- führung der Solovartien haben si die Hof-Opernjängerin Frl. Denis und die Hern. Sc<malfeld und von Milde betheiligt und trugen erfolgreid zum Gelingen des Concerts bei. Der ausgezeichnete Klaviervirtuose Hr. Stavenhagen erfreute außerdem die Zuhörer dur< den vollendeten Vortrag des C - mol] - Concerts von Beethoven, dem er nah wiederhbitem Hervorruf no< einen Andantesaß aus Liszt’s Reisebildern folgen ließ. Das Orchester be- währte unter Hrn. O<s* und Hrn. Strauß" Leitung seine stets anerfanrte Tüchtigkeit und erntete gleih dem Ohs*'shen Chor reiche g m M E Leider mußte wegen plöß- icer Verhinderung des Hrn. Kirchner das „Stä * in de Schubert's ausfallen. Y 1E e i-Ver Buer

Mannigfaltiges. Im Königlihen Sloß ift gegenwärtig, wie die „Nat. Ztg.*

berichtet, der maurishe Springbrunnen für den S A Q : c —_— a W u von Marokko, das Hauptgeschenk Sr. Majestät des Kaisers,

welwes demnächst mit vershiedenen S&mu>- und Waffenstü>en, Ge-

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wändcrn, silbernen Armleußtern u. f. w. üverbra<ht werden soll, zur