1870 / 229 p. 6 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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2 Gefangener-Transporte, Truppen-Nachshübe , Belagerung8parks Genüge zu leisten haben. i Es

Auf den südlicheren Routen liegen die Verhältnisse nicht anders. Die Eisenbahn BVingerbrück-Saarbrücken ist zur Zeit für Postbeförde- rungen ni<t benußbar: es isst der Fall vorgekommen , daß zur Eisenbahnfahrt zwischen Bingerbrü und Creuzuach sieben Siunden, sonst 19 Minuten gebxgudt worden sind. Es sind daher auf dem 15 Meilen langen Landwege von Coblenz nah Trier sofort Pferde- posten eingerichtet worden. Jn der bayerischen Pfalz sind die Eisen- bahn-Betriebssiörungen mitunter so erbeblich gewesen, daß die S Mei- len lang Tour von Landau na< Soulß cinen Zeitaufwand von 48 Stunden erfordert hat; und auf französishem Gebiete endlich hat bis zum heutigen Tage die E R N regelmäßiger Bahn- verbindungen si< no< nichi bewirken lassen. Die Eisenbahnverwaltungen trifft hierbei keinesweges irgend eine Verschuldung. Jhre außergewöhnlichen Leistungen sür die Beschleunigung der Truppentransporte; auf welche es bei dem anfangs so bedrehliczen räuberishen Ueberfall der Fran- zosen doch hauptsächli< ankan, sind allgeniein anerkannt. Jedenfalls aber ist die Feldpost unter solhen Umsiänden auf die gewöhnlichen Landtrans8portmittel angewiesen. Jm beseßten französischen Gebiete sind von der Post auf den drei Hauptlinien der operirenden Armeen diesen möglichst unmittelbar gean vorläufig Landtransporte, und zwar im Durchschnitt für Stre>en von je ppr. 20 Meilen, hergestellt. Die hierzu erforderlihen Transportmittel konnten leider von der Militärbehörde nicht gestellt werden, viel- mehr waren wie der Bericht cines Etappen-Posidirektors an das General-Postamt lautet bei den kolossalen Anforderungen , welche in Folge der schnellen Vorwärtsbewegung der gewaltigen Truppen- massen und der si< ras folgenden blutigen Aktionen an die mili- tärischen Transportmittel gestellt wurden, »die stehenden Fuhrenparfs \o unzureichend, daß schon überall, weit und breit, jedes Privatfsuhr- werk zwangsweise zur Fortschaffung von Verwundeten, Proviant U. \. w. herangezogen war und doch den dringendsten Bedürfnissen no< immer bei Weitem nicht genügt werden konnte. Bei aller Will- fährigkeit waren die Etappen-Kommandanten außer Stande, für Postzwe>ke mehr zu thun, als Ermächtigungsscheine zur Beschlag- nahme des ersten besten Fuhrwerk®, dessen man habhaft werden konnte, zu ertheilen; die Beshlagnahme gelang meistens erst nach mehreren Stunden, die endlich erlangten Pferde waren dann in der Regel noch abgetrieben und hungrig.«

Wenn dem General-Postamte die Mittheilung zugeht , daß drei Regimenter von der Besaßung in Mainz von dort abgerü>t sind und es läßt sih erst nach sehr geraumer Zeit, selbs bei telegraphischen An- fragen an die betreffenden Militärbehörden, ermitteln, welchem Divi- sionsverbande diese Regimenter zugetheilt worden sind, so müssen alle für die leßteren bestimmten Postsendungen so lange bei den Sam- melstellen lagern, bis jene Ermittelung gelungen ist, oder bis die mobile Feldpostanstalt derjenigen Division, in welche die Truppen eintreten, nachdem sie hiervon Kenntniß erhalten hat, dem General - Postamte die Meldung erstatte. Da nun eine solche Meldung, per Telegraph abgegeben, unter Umständen zwei bis drei Tage gebraucht (in entgegengeseßter Richtung hat die Uebermittelung eines Telegramms des General-Poslamts an eine Feldpostanstalt einmal sogar sieben Tage in Anspru<h genommen, weil die Marschquartiere fortwährend we<selten, mithin ohne daß die Telegraphie hierbei irgend eine Verschuldung trifft), so kann dar- aus wohl abgenommen werden, welche unvermeidliche Verzögerung sür die inzwischen zu Tausenden aufgehäuften Sendungen entstehen muß. Wenn die Bataillone des 4. Pommerschen Landwehr-Regi- ments Nr. 21 plößli< zur Formirung eines anderen Truppen- förpers verwendet werden, indem das 1. Bataillon (Sonib) um 3, Pommerschen Landwehr - Regiment Nr. 14, das 2. Bataillon (Deutsch-Crone) zum 7. Pommerschen Landwchr-Regiment Nr. 54 gelegt wird, so ist einleuhtend , daß es einen bestimmten Zeitraum gev muß, während dessen die Sendungen, da sie an das frühere

egiment adressirt sind, an ihre Adresse nicht gelangen können. Das- selbe ist der Fall, wenn ein im Felde stehendes Regiment innerhalb 14 Tagen zwei Mal einem anderen Divisionsverbande zugetheilt wird.

Daß solche Veränderungen nicht selten vorkommen, dürfte der Umstand darthun,-daß zu der zwölf eng gedruc>te Bogen umfassenden Feldpost-Uebersicht täglich eine Veränderungênachweisung von Z bis T Bogen Umfang beim General-Postamt angefertigt und an die be- theiligten Posistellen übersandt wird, nachdem bereits voraufgehend den Sammelstellen dur< Telegramme von den wichtigsten Verände- rungen Mittheilung gemacht ist.

Die vorstehenden, aufs Gerathewohl herausgegriffenen , aber auf Thatsachen gestüßten, einzelnen Beispiele ershöpfen den Gegenstand keineswegs. Es kommen vielmehr auch die Verhältnisse während der eigentlihen Mobilmachung, wo die einzelnen Truppenkörper si erst formiren, in Betracht ; ferner die Uebergangsperiode bis zur Aufstel- lung der Armee an der feindlichen Grenze; die für Feldpostanstalten oft unerreihbaren detachirten Truppentheile und Branchen: Feld- Eisenbahn-Abtheilungen, Feld-Brückentrains, Feldlazarethe 2c.; endlich die Verhältnisse der hinsichtlih des Postverkehrs ganz abweichend zu behandelnden Sendungen für Ersaß- und B esaßungs®truppen,

Und hierbei wird immer noch vorausgeseßt, daß das Publikum die Briefe richtig adressirt. Jn Wirklichkeit kommen aber noch viele unrichtige, bezw. unvolifiändige Adressirungen vor, obschon deren Zahl im Allgemeinen si< wesentli< vermindert hat, seitdem die auf Ver- anlassung des General - Postamts hergestellten, mit entsprehendem Vordru> versehenen, bei allen Orts-Postanstalten käuflich zu beziehen- den Feldpost - Korrespondenzkarten und Feldpost - Couverts von dem korrespondirenden Publikum in größerem Umfange benußt werden. Die Verhältnisse während früherer Kriege lassen si< mit den jeßigen nicht ohne Weiteres in Vergleich stellen. Damals waren unter Anderem die Eisenbahn - Verbindungen keineswegs in derm

Umfange gehemmt, die Telegraphen-Leitungen niht in dem Maße unterbrochen; die Entfernungen der operirenden Armeen von de Heimath waren im Durchschnitt viel geringer, die Dislokationen der Truppen nicht so auêgedehnt, ihrc Massen nicht so gewaltig, wie se es heute sind. :

Um den Umfang des Postverkehrs na< und von der Armee genau in Zahlen auszudrüd>en, dafür fehlen zur Zeit noch statistische zuverlässige Unterlagen; aber zur Erläuterung kann angeführt werden daß allein bei der Posisammelstele in Berlin 45 Beamte zur

Bearbeitung der Feldposisachen in Thätigkeit sind; daß nach einem |

ungefähren Ueberschlage tägli<h 2C0,000 Briefe na< und von der

Armee befördert werden; und daß außerdem jeden Tag ca. 40,000

Thaler, meist in Geldbriefen von 1 bis 2 Tklr., an unsere Soldaten abgehen. Die dienstlihen Geld- und Paetsendungen na< und von der Armee sind hierbei nicht mitgezählt. Allein von Berlin gehen tägli<h in zwei Tranéporten zusammen 238 geschlossene Brief- und Fahrpostbeutel zur Armee ab. Die Zahl der seit der Mobilmachung an die Truppen und deren Angehörige in der Heimath ausgegebenen Feldpost- Korrespondenzkarten beläuft \si< läs jeßt auf 10 Millionen. :

- Die Postverwaltung hat seit dem 16. Juli theils zur Fahne, theils für die Zwecke des- Feldpostdienstes ca. 4500 ihrer Beamten, Unterbeamten u. \. w. abgegeben. Der Ausdauer und Hingebung des zurügebliebenen Personals is es zu verdanken, wenn gleihwoh| der heimathliche Posiverkehr im Großen und Ganzen in dem seitheri gen Umfange , ohne nennenswerthe Einschränkungen bisher hat auf recht erhalten werden können. Eben so geschieht auch Seitens der im Feldpostdienst beschäftigten Beamten Alles, was Thatkraft und Umsicht an die Hand geben, um die {wierigen Verhältnisse des Postbetriebes bei der Armee in Feindesland zu überwinden. Keiner, daheim wie im Felde steht Sl um mit äußerster Kraftanstrengung im Be- wußtksein der großen Zeit , welche zu erleben die Vorsehung uns ge ia hat , im vollsten Maße die an ihn herantretenden erhöhten Anforderungen zu erfüllen.

Wenn gleihwohl die Ansprüche eines Theils des Publikums in Beziehung auf die Schnelligkeit der Briefbeförderung von und nah der Armee nicht befriedigt sind N beruht dies lediglich in Verhält: nissen, welche außerhalb des Wirkungsbereichs der Postverwaltung liegen, und deren Folgen eben unvermeidli<h sind. Dieselben treffen den Einzelnen gewiß mitunter ret hart: aber sie müssen ertragen werden. Auch im Dulden bethätigt sich der Patriotismus. Unfer Väter und Mütter von 1814 erhielten die brieflicen Nachrichten ihrer Söhne, welche die Siege von la Rothière, Laon, La-Fêre-Cham-

enoise und am Montmartre erfohten und ihren Einzug in Paris ielten, um Vieles später; und wenn wir jeßt in der Schnelligkeit unserer Verbindungen auch weiter sein müssen und sind‘, so eint gerade diese sonst gewohnte Schnelligkeit die ruhige, verständige Ab- wägung der obwaltenden Verhältnisse bei Manchem zu beirren. Der Zwischenraum zwischen dem voraufgeeilten kurzen Telegramm und den na<folgenden ausführlichen brieflichen Nachrichten wird so \{<merp- lih empfunden, daß die Proportion der Schnelligkeit des galvanischen Stromes zu derjenigen der Dampf- oder Pferdekraft häufig nicht na ihrer vollen Bedeutung gewürdigt wird. Es ist erflärli, daß die Pferde und Wagen, zu deren Heran- chung aus den zuerst erreihbaren heimathlichen Ober-Poftdirections- ezirken (Darmstadt, Frankfurt, Trier, Coblenz, Côln, Aachen) die Etappen-Postbehörden vom General-Postamte ermächtigt waren, erst nach einiger Zeit an die Orte des Bedarfs in Frankreich gelangen E die betreffenden Telegramme wegen Störung bezw. Ueberhäufung der Telegraphen-Leitungen nicht sel- ten erst nach drei Tagen ihre Adressen erreichten. Es ist außerdem vor E daß die für den Postdienst bestimmten Pferde von den Armee ensdarmen aus den Ställen fortgenommen worden sind, um zu Transporten von Verwundeten verwendet zu werden, auf wel<e allerdings die erste Rücksicht zu nehmen is. Es sind Übrigens au Borbereitungen s{<on dahin getroffen, daß, sobald die Französischen Eisenbahnrouten wieder betriebsfähig sind, auf denselben am bulante Feld -Eisenbahn-Postbureaus sofort in Wirksamkeit treten können, und au unter den jeßigen Umständen is doch s{on so vil erreiht worden, daß die am 13. August aus der Heimath abkgefet- tigten Feldpositransporte bereits am 19. in Nancy in Empfang gt nommen wurden.

Die General-Etappen-Jnspektion folgt dem Hauptquartier ihres Armee-Oberkommandos in der Entfernung von cinem Tagemarsche. Von da zweigen sich erst die Verbindungen nach den einzelnen Arme Corp8- Kommandos, und von den leßteren wiederum diejenigen für die Divisions-Stäbe ab. Da nun beispielsweise zur 11. Armee sieben Armee-Corps gehören und bei jedem Armee-Corps außer dem Feldpost- amte noch drei Divisions-Feldpostexpeditionen in Thätigkeit sind, so ent- springen aus E einzelnen, zur Etappen-Postdirektion der 1]. Ar- mee gelangenden Transporte 28 Seitencourse auf die verschiedenen Feldpostanstalten. Sofern die Marschquartiere der Truppen nicht allzu häufig wechseln, lassen si< diese Seitenverbindungen regelmäßig untet- halten, indem die Transportmittel der mobilen Feldpostanstalten 0 weit verstärkt worden sind, als die nothwendige Rücksicht, den Troß der Armee nicht zu vermehren, es irgend gestattete. Erfolgen aber die Vormärsche so unaufhaltsam, wie dies jebt in N geschich!, dann werden zeitwcise die Gespanne der Feldpostanstalten für die Verbindung unzurei<end. Denn nach einem se<8- bis acht- oder auch zehnstündigen Marsche, den schon cine Entfernung von 2 odel- 3 Meilen wegen Beseßung der Straßen dur< unabsehbare Truppen? Colonnen häufig erfordert, können die Pferde nicht sogleich wicder cingespannt werden, um auf Gebirgswegen 3 bis 4 Meilen tour und ebensoviel retour zurü>zulegen, zumal im Regenwetter. Wenn also dur< Requisitionen frishe Pferde si< nicht beschaffen lassen, und na< kurzer Rast der weitere Vor

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h rh beginnt, fo müssen die Feldpostansialten cben ab- in; bis ein Ruhetag kommt, bevor jie in der Lage find, die Post- hen aus dem Hauptquartier der General-Etappen-Jnspektion bezw. O General-Kommandos ihres Armee-Corps abholen zu lassen. Schr t ritt auch der Fall ein, daß der zur Abholung entsendete Feld- jostillon bei der Rückkehr seine Feldpostanftalt nicht mehr antrifst d derselben meilenweit in Feindes Land, also auf ‘unbekannten R en und ohne Kenntniß des neuen von dem Militär - Kom- eg fach absichtlich geheim gehaltenen Marschquartiers nach-

o viel? C y y A oder nachreiten muß, und sie vielleicht am zweiten oder dritten

age erst wieder erreicht. i N Hs / Wenn nun troß dieser Hemmnisse und Fährlichkeiten der Brief, ssen Beantwortung der Absender in der Heimath {on sehr unge- ildig entgegensicht, bei der betreffenden Feldpostanstalt dennoch richtig gelangt ist, . Und bei korrekter Adressirung kommen alle a ausnahmslos ri tig dorthin, wenn auch nit so {nell wie nter gewöhnlichen Verhältnissen so kann immer noch einige Zeit ergehen y bevor der A dressat selbs den Brief empfängt. Daß ie Feldpostanstalt nicht im Stande ist, an alle, die zu einer Divi- on gehörigen, meilenweit um den Division8slab herum einquartier- n, oder im Mars oder Gefecht begriffenen Compagnien 2c. die riefe hinfahren zu lassen, leuchtet ein. Aber auch dieAbholung von c Feldpost hat für die Truppentheile ihre bedeutenden Schwierigkei- n. Nach anstrengenden Märschen, bezw. na< hartnäigen Gefechten D mmen die Soldaten zur Nachtzeit erschöpft ins Quartier, ins Bivouak der auf Vorposten; wo der Divisionsstab steht, wissen sie oft nichl der falls fie den Ort auch kennen, is er mitunter meilenweit ent- ant und fann nit vor dem Beginne des Weitermarsches erreicht

erden also unterbleibt die Abholung wiederum bis zum nächsten

Ruhctage. Und wann fommt ein Ruhetag zu einer Zeit, wo inner-

Halb 5 Tagen drei große Schlachten geschlagen werden 1 N E n davon abgeschen werden, hier weiter auszuführen, daß

inter Umständen die Uebermittelung der in Empfang genommenen

dorrespondenz von der abholenden Ordonnanz an den Bataillons- ommandeur bezw. den Compagnie-Chef, dann an den Feldwebel ind endlich an die Mannschaften auch noch einige Zeit erfordert ; ferner nicht jeder Briefempfänger augenbli>li<h wird antworten können; nd daß der fertig geschriebene Brief wiederum zur Feldpost erft be- ördert werden muß, wozu troß allen E der Feldpost- Anstalten oft Tage lang die Gelegenheit fehlen mag. Jeder, der einiger- naßen soldatische Verhältnisse kennt und wer wäre das bei uns nicht vird s hiervon schon selbst ein hinreichendes Bild machen können. Es ritt aber no< der Umstand hinzu, daß mitunter die Absendung der

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bei den Feldpostansialten eingelieferten Korrespondenzen auf wmilitäri- chen Befehl aus guten Gründen während mehrerer Tage nicht erfolgen darf.

In Vorstehendem is} glei> wobl erst ein Theil der für die Feld- post bestehenden Schwicrigkeiten in allgemeinen Umrissen dargestellt ; der andere, nicht minder ins Gewicht fallende Theil berührt näher das eigenili< positehnis<e Gebiet und läßt. sih darum für den Nicht-Fachmann nur andeuten.

Die richtige Spedition der Postsendungen is abhängig von dem Vorhandensein eines zuverlässigen Speditionsmaterials. Der von Berlin nach Breslau im Eisenbahnpostwagen fahrende Beamte weiß ganz genau, bei welchem Zuge er nach Maßgabe des Postenganges den nah Goldberg i. Schl. gerichteten Brief in Haynau, und bei wel- chem Zuge er ihn der Postansialt in Liegniß abzugeben lat , damit der Brief auf dem schnellsten Wege an seine Adresse gelangt.

Das Speditionsmaterial für die nah der Armee gerichteten Feldpostsendungen kann nur die Militärbehörde liefern, und so- weit dies nit geschieht und troß des besten Willens oftmals nicht rechtzeitig geshehen kann müssen unabwendbare Verspätun- gen eintreten.

Daß übrigens bei der oft in größter Eile zu bewirkenden Be- wältigung der enormen Versendungèmassen in den Posibureaus, oder während - der Fahrt in den Eisenbahn - Postwagen, oder im engen Marschquartier und selbst Bivouac der Feldpost, besonders unter den erklärlihen Verwirrungen nach einer größeren Aftion, mitunter auch einzelne Jrrthümer und Versehen vorkommen, soll dur< die vor- stehende Darstellung keineswegs beschönigt werden, gleichwie dieselbe auch in keiner Weise etwa auf eine Rechtfertigung der Postverwaltung ausgeht. Jhr alleiniger Zwe>k besteht vielmehr darin, das betheiligte

ublikum über die eigentlichen Ursachen seiner Besorgnisse mit voller

ffenheit aufzuklären “und namentli< darzuthun, daß, wenn die brieflihen Nachrichten auch längere Zeit ausbleiben, deshalb allein ein Grund zur Beunruhigung über das Geschi>k der betreffenden An- gehörigen und Freunde noch nicht vorliegt. Die Briefverspätun- gen sind unabwendbar. Die verloren gehenden Korrespondenzen aber bilden einen vers<hwindend kleinen Bruchtheil der vielen Millionen von Sendungen, welche der in unablässiger Thätigkeit be- griffene Organismus der Feldpost troß der entgegenstehenden außer- E abet Schwierigkeiten mit vollster Sicherheit an ihre Bestim- mung rî. :

Berlin, den 22. August 1870.

General-Postamt. Stephan.

Oeffentlicher Anzeiger.

Konkurse, Subhastationen, Aufgebote, Vorladungen u. dergl. 2705 : Vie Konkurs über das Vermögen des Kaufmanns Jsidor Rosetten- stin ist dur<h Ausschüttung beendigt.

Darkehmen, den 28. Juni 1870. Königliches Kreisgericht.

2668] Konkurs-Eröffnung. | Königliches Ag zu Jnowraclaw. Erste Abtheilung, » den 16. August 1870, Vormittags 105 Uhr. Î Ueber das Vermögen des Kaufmanns Jacob Abraham zu Strzelno ist der kaufmännische Konkurs eröffnet und der Tag der Zahlungseinstellung auf den 12. Augu s 1870 festgeseßt worden. | Zum einstweiligen Verwalter der Masse is der Kämmerer Tamm zu Sirzelno bestellt. Die Gläubiger des Gemeinschuldners verden aufgefordert, in dem auf j l den 27, August cr., Vormittags 12 Uhr, n unserem Gerichtslokal, vor dem Kommissar, Herrn Kreisrichter Ment, anberaumten Termine ihre Erklärungen und Vorschläge Über die Beibehaltung dieses Verwalters oder die Bestellung eines anderen tinsiweiligen Verwalters abzugeben. Î Allen, welche von dem Gemeinschuldner etwas an Geld, Vapieren oder anderen Sachen in Besiß oder Gewahrsam haben, bder welche ihm etwas verschulden, wird aufgegeben / Nichts an A zu “ild oder zu zahlen, vielmehr von dem Besiße der Gegenstände ] A bis zum 12. September 1870 einschließli <

dem Gericht oder dem Verwalter der Masse Anzeige zU machen und Alles, mit Vorbehalt ihrer etwanigen Rechte, ebendahin zur Konkurs- masse abzuliefern. Pfandinhaber und andere mit denselben gleich- berechtigte Gläubiger des Gemeinschuldners haben von den in threm Vesiß befindlichen Pfandstücken nur Anzeige zu machen. l

ugleih werden alle diejenigen, welche an die Masse Ansprüche als Konkursgläubiger machen wollen, hierdur< aufgefordert - ihre Ansprüche, dieselben mögen bereits re<tshängig sein oder nit, mit bem dafür verlangten Vorrechte 5 ; t

bis zum 14, September 1870 einshließli<

bei uns riftli< oder zu Protokoll anzumelden und demnächst zur Prüfung der sämmtlichen, innerhalb der gedachten Frist angemeldeten Vorderungen , sowie nah Befinden zur Bestellung des definitiven Derwaltungspersonals : _ auf den 29. September 1870, Vormittags 10 Uhr, in unserem Gerichtslokal, vor dem Kommissar, Herrn Kreisrichter Nenß, zu erscheinen. Nah Abhaltung dieses Termins wird geeig- ntenfalls mit der Verhandlung Über den Akkord verfahren werden.

Wer seine Anmeldung \<riftli< einreiht, hat eine Abschrift der- selben und ihrer Anlagen beizufügen. i :

Jeder Gläubiger , welcher nicht in unserem Amtsbezirke seinen Wobnfiß hat, muß bei der Anmeldung seiner Forderung einen am hiesigen Orte wohnhaften und zur Praxis bei uns berechtigten aus- wärtigen Bevollmächtigten bestellen und zu den Akten anzeigen. Denjenigen, welchen es hier an Bekanntschaft fehlt, werden die Justiz- räthe Keßler, Hantelmann, die Rechtsanwalte Höniger, Fellmann, Triep>e und Fromm zu Sachwaltern vorgeschlagen.

[2490] Bekanntmachung. /

Auf den Antrag des Conditors Hermann Simmer/ sowie des Rechnungs-Raths Schulye zu Frankfurt a. M. als Testamentsexekutor des verstorbenen Gasthofsbesißers Georg Christian Schaff daselbst wird der am 1. Juni 1800 D und seit dem Jahre 1825 ver- \hollene Lohgerber Ernst Gottlob Schaaf, Sohn des Licentia- ten Georg Christian Schaaf, von hier, sowie dessen etwaige Leibes- erben hierdur< aufgefordert, im Termin den 29. Oftober d. J. Vormittags 11 Uhr, in Person oder vertreten durch einen ge- hörig Bevollmächtigten, geeignete Erklärung abzugeben ‘bezw. etwaige Erbansprüche anzumelden, widrigenfalls der Ernst Gottlob Schaaf für todt, die etwaigen Leibeserben desselben aber von der Erbschaft desselben für ausgeschlossen erklärt, und den präsumtiven Erben das Vermögen des für todt Erklärten ohne Sicherheitsbestelung wird Überwiesen werden.

Schmalkalden, am 18. Juli 1870. i 7 Königliche Kreisgerichts - Deputation.

Verkäufe, Verpachtungen, Submissionen 2e.

2669 BekanntmaqMung. [ 8 Chausseegeld-Erhebung bei der Chausseegeld-Hebestelle zu An-

germünde auf der Berlin - Stettiner Kunststraße soll zum 1. Oktober d. J. anderweit verpachtet werden. :

Wir haben hierzu einen Licitationstermin auf

Sonnabend, den 3. September c., Vormittags 10 Uhr,

in unserem Geschäftslokal hierselbsst| anberaumt und laden PBachtlustige mit dem Bemerken dazu ein, daß nur dispositionsfähige Personen, welche vorher 100 Thlr. baar oder in annehmbaren Staatspapieren bei uns deponirt haben, zum Bieten zugelassen werden. |

Die Pachtbedingungen liegen in unserer Re istratur und beim Königlichen Steuer-Amt zu Angermünde währen der Dienststunden ur Einsicht aus. s Neustadt-Ew., den 18. August 1870.

: Königliches Haupt-Steueramt.

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