1890 / 239 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

19. August. Lehmann, Intend. Seekretariats-Assistent von Ls Corps- Intend. Ee A arp, 1. Oktober 1830 zu der

orps-Intend. Il. Armee-Corps ver})eßl. :

R Dr. Siemon, Intend. Rath von der e Intend. 1X. Armee-Corps, zu der Corps-Intend. VII. Armee-Corp versetzt. iats-Assist. von

27. Augu | Baudach, Intend. Sekretariats-Alhit. der Stu Intend. V, Armee-Corps, en 1. Oktober 1890 zu der

¿t p es L s ({Ò, ) CBL. R L E Sepleind E ana, Sntend. Sekréiar von der Corps- Sntend. VIII. Armee-Corps, auf seinen Ankrag mit Pension in den

Ruhestand verseßt. ; N

Liu iee Rust, Corps-Roßarzt beim Set Corps, zum XV. Armee-Corps verseyt. Poets ke, La E beim Stabe des XV. Armee-Corps, unter BetseBurg zum Corp3-Roß- Corps mit einem Dienstalt-r vom 10. Junt E ae E arzt, Pilz, Ober-Roßarzt beim Stabe des I ee R Ms Corrs-Roßart, Kammerhoff, Rotarzi vom Fel M “S G R 2 Podbielski (Nieders&les\ ) Nr. 5, zum Ober-Roßarzk ein G-B von Zieten (Vrandenb.) Nr. 3, Bens, Rokßarz! und Aifisten (N L Militär:Lehrschmiede in Berlin, zum Ober-RNoßarzt C O Regt. Nr. 33, leßtere Beiden mit der MWirksamkcit vom 1. September

E ber Lüttge, Intend. Sekcetatigl E von der Corps- Intend. XVI, Armee-Corps, zum Znient. E U er- rannt. S olz, Bureau-Diâtar von der Sorpg-Q nten, E tellt Corps, als Intend. Sikcetariaté-Afsi]t. auf Pi obe Le L G onnermann, Kanzlei-Rath, Intend. Registrator eon cr Le Inter.d. X1. Armee-Corps, auf feinen Antrag mit Pension in den Ruhestand verseßt. X1IIL. (Königlich Württembergisches) Armee-Corps. Offiziere, Portepee- Fähnriche 2. (Ernennungen, Beförderungen und Versegungen. M aktiven Heere. *98. September. Lie Port. Fähnrs. : K rapf im 3. Inf. Regt, Nr. 121, Hornung im 8. Inf, Regt. Nr. 126, zu Sec. Lts, Sproesser im Gren. Regt. König Karl Nr. 123, zum Sec. Lt. im Gren. Regt. Königin Olga Nr. 119, v. d. O sten, Frhr. v. Malchus im Gren. Regt. Königin Olga Nr. 119, M oegling im Inf. Regt Körig Wilhelm Nr. 124, Sauter im Inf. Regt. Kaiser Wilhelm König von Preußen Nr. 120, Vij cher im Inf. Rgt. Kaiser Friedrich König von reußen Nr. 125, Frhr. v. Raßler-Gamer|chwang un Gren. Ren Königin Olga Nr. 119, zu Sec, Lls., Teuffel, Jacobi, Bornemann im 2. Feld-Art, Regt. Nr. 29 Prinz-Regent Luitpold von Bayern, zu außeretatêmäß. Sec. Lts, Jobst im 2. Drag. Regt. Nr. 26 zum Sec. Lt, Ahlers îm Fuß-Art. Bat. Nr. 13, Mitt mever im Feld-Art. Regt. König Karl Nr. 13, zu außeretatsmäß. Sec. Us, Heusinger im 4. Inf. Regt. Nr. 122, zum Sec. Lt., sämnitlih mit Patent vom 20. Sept. 1890 ernannt. Fey erabend, Sec. Lt. in der 16. (Königl. Württemberg ) Comp. des Königl. Preuß. Eijenbahn-Regiments Nr, 2, zum Pr. Lr. mit Patent vom 20, Sep- Itember 1890 befördert. v, Krosigk, Königl. Preuß, Hauptm. à a suite des Generalstabs, von dem Kommando zum Generalstabe des XIII. (Königl. Württemberg.) Armee: Corps enthoben. Frits\ch, uptm. à la suite des Generalstabes, von dem Kommando zum roßen Generalstabe enthoben und in den Generalstab des XUI. (Königl. Württemb.) Armec-Corps eingetheilt. Bossert, Hauptm. und Comy. Chef im Eren. Regt. König Karl Nr. 123, zur Dienst- [leistung als ordentlices Mitglied ¿ur Gewehr-Prüfungskommission kommandirt.

Fs die Nentabilität der landwirthschaftlichen Güter während der leßten zwanzig Jahre im Rückgange oder im Fortschreiten begriffen ?

Die (bereits in den Nummern 235 und 238 des „R.- U. St.-A.“ erwähnten) Ermittelungen über die allgemeine Lage der Landwirthschaft enthalten auch Antworten auf die vor- stehende Frage. Zu ihrer Bèantwortung war in dem Frage- bogen Betreffs der „Rentabilität“ Folgendes bemerkt: „Um die Rentabilität festzustellen, muß die Grund- rente für das betreffende Grundstü ermittelt werden. Dieselbe ergiebt \sich, wenn man von den Roherträgen desselben die Produktionskosten abzieht. Zu den Produktions- kosten sind unter Anderem auch zu rechnen die Versicherungs- prämien, die Verzinsung und Amortisation des Betriehs- kapitals, sowie ein mittlerer Unternehmergewinn, für dessen Höhe bei den bäuerlihen Wirthschaften der orts- übliche Tageslohn maßgebend ist. Die von dem Unter- nehmer bezw. der Familie des Unternehmers aus der Gutswirthschaft bezogenen Naturalien, inkl. Wohnungs- nußung müssen auf den Unternehmergewinn bezw. Arbeitslohn angerechnet werden. Der sich dann ergebende Reinertrag bildet die Grundrente, welche zur Verzinsung des auf den Ankauf bezw. die Uebernahme des Grundstücks verwendeten Kapitals, sowie desjenigen Kapitals, das außerdem auf die Herstellung der mit dem Boden unirennbar verbundenen Meliorationen, Gebäude u. st. w. verwendet ist, zur Entrichtung von Steuern u. st. w. dient,“

Die Erhebungen sind wie vorab in Erinnerung gebracht werden mag, im Fahre 1888/89 aufgenommen worden.

m Littauischen (und zwar in dem zur Beschreibung gewählten Gemeindebezirk) hat si der Kulturzustand sämmt- liher bäuerliher Wirthschasten gehoben; durch fortgeseßte rationellere Betriebsweise sind die Erträge aus Ackerbau und Viehzucht fortlaufend in die Höhe gegangen und die Kon- junkturen sind sowohl für diese Erzeugnisse wie für Grund und Boden mit Verbesserung und Erweiterung der Verkehrs- und Absazverhältnisse aus ihrer gedrückten Lage emporgestiegen, Aus den Natural-Roherträgen is der Geld-Rohertrag gewachsen, die etwas gesunkenen Verkaufspreise für landwirlh- shaftliche Produkte werden von der vermehrten Produktion aufgewogen, die absolute Höhe der vermehrten Wirlhschafts- kosten reiht nicht an die Höhe der Roherträge heran: es ist daher ein Fortschritt in der Rentabilität des landwirthschaft- lichen Betriebes im Großen und Ganzen nicht abzuleugnen., Das Verhältniß der Reinerträge zu dem jeßigen Werthe, welches für vier Wirthschasten berechnet ist, stellt si bei der kleinsten am ungünstigsten und bessert sich stufenweise mit dem Größerwerden der Besißfläche. Desgleichen steigt der Reinertrag pro Hektar mit der Zu- A ies im Umfang der Besizung. Der Reinertrag einer

desißung, von 1651,60 ha beträgt 13/4 Proz. vom Werth, bei einer esibung von 29/25,40 ha 21/, Proz., bei einer Be- Mena non E ba 31/2 Proz., und bei einer Besizung a7 Befitunden die Ros, Pro Hektar stellen sih bei diesen n 17,96 M, 18,88 4 und 0 R ee Reihe nah auf 15,46 M,

In einer Gemeinde in Masuxren sind von dem Er- hebungskommissar drei Rentabilitätskategorien unterschieden worden: 1) Grundstücke, der Zabl nah nur wenige, welche \ih nicht rentiren; 2) Grundstücke, der Zahl nach die meisten, die si schwa rentiren; 3) Grundstüe, die si rentiren diese umfassen etwa ein Viertel des Gesammtareals. Zu den leß-

teren gehören die drei größten und drei kleinere Wirthschaften der Gemeinde; sie repräsentiren den ortschritt in der Gemeinde und haben die Dreifelderwirthshaft bereits vor mehreren Jahren abgeschafft. Der Grundstückswerth ist in den lezten Jahren ein nicht unbeträchtlich höherer geworden. Ein Bauerngut, im Jahre 1886 für 16 800 «4 angekauft, wurde nah zwei Jahren für 22500 F veräußert. Landwirthschaftlihe Buchführung ist nicht vor- anden.

° Aus dem Kreise Braunsberg wird berichtet: Die Rentabilität ist seit der Beschränkung des Flachsbaues im Rückgang begriffen; der Hauptgrund des Rückgangs liegt in den ungenügenden Verkaufspreijen der Produkte und den ih fortgeseßt steigernden Löhnen und Ansprüchen der Arbeiter. Ein weiterer Grund ist darin zu suchen, daß die Besißer an dem Althergebrachten zäh festhalten und für Verbesserungen im Ackerbau und in der Viehzuht s{chwer zugänglich sind. Die Ansprüche an das Leben sind gering, die Mehrzahl der Besißer findet nur gerade ihr Ausfommen, Ersparnisse werden jeßt selten gemaht. Von den Besißzern wird nicht Buch geführt. Doch ist nach den Angaben eines Wirthes von einem Gute eine Rentabilitätsberechnung aufgestellt worden, wonach si diejes mit 4,42 Proz. verzinst. Die Rentabilität des Waldes ist im Rückgang begriffen. Die Preise pro Hektar Ackerland halten \sich auf rund 1000 4; für den Thaler Grundsteuer-Reinertrag werden 350—400 A6 gezahlt.

Auch im Kreise Wehlau führt keiner der in Frage kom- menden landwirthschaftlihen Besißer Buh. Wenn sich also auch keine ziffermäßigen Angaben über Rentabilität bei- bringen lassen, so sind doch die Bruttoerträge der Wirth- chaften unzweifelhaft gestiegen, was einerseits der vervoll- kommneten Technik, sodann aber hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben ist, daß erheblihe Aenderungen in der Benußung der Besißtheile in den lehten zwanzig Fahren stattfanden. Die Wald- und Weideflächen sind bis auf kaum nennens- werthe Reste zu Acker gemacht und bringen durch Getreidebau eine höhere Brutto-Einnahme. Troßdem ist aber die Rente nicht entsprechend gewachsen, sondern in den meisten Betrieben thatsählih zurückgegangen, was vornehmlich auf den Nieder- gang der Preise für alle Produkte fowie auf die Steigerung der Löhne und Ansprüche dec Arbeiter zurückgeführt wird. Die Erwerbspreise haben sich in den leßten zwanzig Fahren fast auf der gleichen Höhe erhalten, Adlerland wird pro Hektar mit 600 H, Wiesenland mit 1800—2400 #6 bezahlt.

Jn Graudenz, einem der besten Kreise Westpreußens, meist mit gutem Lehmboden, wird die Rentabilität als unbe- friedigend bezeichnet. Hier ist sie meist erheblih gesunken, wenigstens überall, wo man sih allein auf Getreideproduktion gelegt hat. Einen günstigen Einfluß auf Erhöhung der Grundrente hat die sich auch in Westpreußen seit ca. zehn Jahren immer mehr entwickelnde Zuckerindustrie geübt. Güter mit ausgedehntem Rübenbau liefern auch heute noch s{chöóne Reinerträge. Der wirthschaftlihe Rückgang kann nicht auf Erhöhung persönlicher Ansprüche zurückgeführt werden, wohl aber auf eine lange Reihe von Mißernten, auf die hohen Löhne und Ansprüche der Arbeiter, was den Gewinn aus dem reinen Getreidebau fast illusorisch maht. Fn vielen Fällen genügt die erzielte Grundrente nicht zur Deckdung der auf der Besißung ruhenden Verpflihtungen. Die Rentabilität des Landbesißes wird (bei den schlechten Produktenpreisen des Ae 1888/89) als eine schlechte und als entschieden im Rückgang begriffen bezeihnet. Der Preis des Grund und. Bodens ist seit etwa zehn Jahren um 20 bis 30 Proz. zurückgegangen, Verkäufe vollziehen sih {hwer, weil vielen Besißern ihre Güter zu hoh zu Buche stehen und auch so bedeutende Verpflihtungen darauf ruhen, daß sie zu dem Preise, den etwa ein neuer Ankömmling zahlen möchte, nicht verkaufen können. :

Jm Kreise Mogilno geht die Rentabilität fast aller Wirthschasten rückwärts, und zwar seit den leßten fünf Fahren, aus den gleichen, vorher angeführten Gründen: niedrige Preise für Produkte, hohe Löhne und Ansprüche der Arbeiter. Aus den angeführten Ertragsberehnungen dreier Wirthschaften er- giebt ih, daß von einem Unternehmergewinn keine Rede sein kann: im Allgemeinen is jeder Besißer froh und befriedigt, wenn seine Wirthschaft Essen und Kleidung für die Familie abwirst; leider sind die meisten gezwungen, mehr Schulden zu machen. Seit zwanzig Jahren waren die Bodenpreise bis zu den Fahren der niederen Getreidepreise stetig gestiegen, sodaß der Hektar Land mit 720—800—840 M bezahli wurde; im Jahre 1888/89 bezahlte man 25—33 Proz. weniger. | :

Jm Kreise Shweidnißy wird bezüglich einer bäuerlichen mittleren Besitung, deren Gesammtwerth auf 125000 M. veranschlagt ist, eine Verzinsung von 4,15 Prozent berechnet. Jn den meist gut fundirten und von Alters her ererbten Wirthschaften ist die Rentabilität troy der mißlichen Lage der Landwirthschaft während der leyten zehn Fahre nit zurückgegangen. Wo dies aber der Fall ist, so liegt ias oft erstens in zu hohen Kauspreisen, zweitens in erbrechtlihen Uebernahmetaxen , drittens 1n der ganz bedeutenden Steigerung der Produktionskosten, viertens in dem nothwendig gewordenen Uebergang von einer mehr extensiven zu einer intensiven Betriebsweise und oft auch in dem nicht unerheblihen Mißverhältniß zwishen Grund- und Gebäudekapital. Leßteres ist in den meisten besser situirten Gemeinden Mittelschlesiens links der Oder fast überall viel zu hoh. Die Rentabilität des Waldes ist in stetem Nückgang begriffen. Bis 1879 ist ein stetes Steigen der Grund- und Bodenpreise zu konstatiren gewesen, von da bis 1875 ein Sinken; gleihwohl sind die Preisshwankungen in den leßten zwanzig Jahren nicht sehr erheblih gewesen. Die landwirth- \chaftlihen Verhältnisse der besseren Kreise Mittelschlesiens, wie z. B. Schweidniß, Reichenbach, Frankenstein, Strehlen, Nimpts{h, Neumarkt, Breslau, Jauer, Striegau stellen sih au heute noch günstig, obshon auch sie von der s{hle{ten Handelskonjunktux in dem legten Jahrzehnt ebenso betroffen sind, wie andere Gegenden. E

Jn Neisse ist troy der Hebung des Kulturstandes die Rentabilität nicht gestiegen; sie ist in den leßten 6 bis 9 Jahren (also etwa von 1880—1888) im Rückgang begriffen. Die Gründe liegen lediglih in den niedrigen Verkaufspreisen der Produkte, während si die Produktionskosten dur Arbeits- löhne 2c, erhöhten. Der Reinertrag hat sich nach Abzug der vermehrten Abgaben und der eigentlihen Produktionskosten vom Rohertrage auf ein tinimum reduzirt. Von einem Gute im Werthe von 30000 4 wird ein Unternehmergewinn im Betrage von netto 228 h, die Verzinsung auf 2,63 Proz. berechnet. Als Beispiel wird ferner angeführt, daß ein Besißer für die gleihe Menge

Weizen, Roggen und Gerste im Jahre 1887 2485 H erzielte, während er im Jahre 1872 dafür 3766 M, im Jahre 1856 4871 M, im Jahre 1847 4472 A eingenommen hätte. „Ungünstige: Zeitverhältnisse lasten auf dem landwirthschaft- lichen Betriebe, die Abgaben und Lasten sind gestiegen, die Marktpreise haben aber nicht aussteigend gleichen Schritt mit den Ausgaben gehalten, sondern sind sogar zurückgegangen.“ Auch der intensive Betrieb isi bei den Marktpreisen der leßten Fahre —es ist immer zu beachten, daß die Ermittelungen im Jahre 1888/89 erfolgten niht im Stande, eine genügende Rente abzu- werfen. Die Grundrente genügt kaum zur Deckung der von den Eigenthümern übernommenen oder ihnen auferlegten Verpflichtungen. Wenn die Grundrente niht immer zur Deckung der Ausgaben genügt, so liegt die Ursache in zu hohen Kaufpreisen, welche von 1800—1888 sich um 738 Proz. erhöht haben; von 1875—1888 sind sie um 15 Proz. gestiegen.

Wir kommen zu den Ermittelungen in der Provinz Sachsen.

Im Amtsbezirk Eckartsberga ist die Rentabilität seit den leßten zwanzig Jahren zurückgegangen. Auch hier wird dies auf die gesunkenen Verkaufspreise der landwirthschaft- lichen Produkte und die erhöhten Produktionskosten (Arbeits- löhne, künsilihe Düngung, Aufwand für Geräthe und WMa- schinen) zurückgeführt. Die Grundrente genügt indeß im Allgemeinen zur Dcckung der den Grundeigenthümern ob- liegenden Verpflichtungen. Die Preise des Grund und Bodens sind seit 1879 um ca. 25 Prozent gestiegen.

Jm Landkreise Erfurt ist in dem zur Beschreibung aus- gewählten Gemeindebezirk die Rentabilität während der leßten zwanzig Jahre in Folge außergewöhnlich günstiger lokaler Verhältnisse mäßig fortgeschritten ; do hat sie au unter der allgemeinen Belastung der Landwirthschaft erheblih zu leiden. Auch hier genügt die Grundrente zur Decckung der Ver- pflihtungen. Ende der siebziger und Anfang der. achtziger Fahre gingen die Bodenpreise in die Höhe, in den Fahren 1885 und 1886 sanken sie wieder, neuerdings steigen sie wieder. Auch aus dem Kreise Querfurt wird berichtet, daß die Rentabilität im Fortschreiten begriffen ist.

Im Kreise Salzwedel hat sich die Landwirthschaft in den leßten zwanzig Fahren nicht auffallend gehoben, da die Löhne um das Dreifache gestiegen und die Produkte im Preise gesunken sind. Jn der Grasschast Hohenstein wird ein entschiedener Rückgang der Rentabilität konstatirt: als Gründe werden wiederum die übertriebenen Lohnansprüche der Arbeiter und der Handwerker angegeben. Dagegen kamen die ganz kleinen Besißer, welche keine Tagelöhner brauchen, besser vor- wärts. Es wird an einer mittleren Wirth)}chaft berehnet, daß vor 20 Fahren von den Roh:-Erträgen 60 Proz., heute aber mindestens 80 Proz. in Wirthschaftsunkosten, Verzinsung des Betriebskapitals 2c. aufgehen. Die Grundrente genügt kaum noch zur Deckung der Verpflichtungen. Dagegen ist die Nentabilität des Gemeindewaldes im Fortschreiten begriffen. Jm Kreise Aschersleben ist die Rentabilität des Grund und Bo- dens in Folge der Kultur der Gemüse undSämereien eher gestiegen als gefallen, bei reiner Landwirthschaft würde sie überhaupt nicht mehr vorhanden sein. Der Preis sür den Grund und Boden hat sih in den leßten dreißig Jahren verdreifacht, die Preise sind enorm hohe, für den Hektar besten zur Gemüse- kultur geeigneten Landes bis zu 12000 M, gewöhnliches Ackerland von 3000 /6 an aufwärts; sie sind aber niht zu hoh im Verhältniß zu der erzielten Grundrente. i

Im Hannoverschen haben sih, wie aus dem Kreise Sulingen berichtet wird, während der leßten zwanzig Fahre die Verhältnisse im Großen und Ganzen gebessert, sodaß von einem Rückgange der Rentabilität niht die Rede fein kann. Dagegen wird mit Bezug auf eine der besten Gegenden des Negierungsbezirks Os nabrück konstatirt, daß die Rentabilität der landwirthschaftlihen Güter durch die niedrigen Preise der Produkte seit 1881 sehr gelitten hat, obgleich dur vermehrten Fleiß und Ankauf künstliher Düngec- und Futtermittel die Bruttoerträge dec Wirthschaft gesteigert wurden.

Auch in dem Landkreise Kiel wird ein Rückgang der Rentabilität seit den lezten 15—16 Jahren bei den Besigern von mehr als 10 ha konstatirt. Dabei sind Mängel im Anbau der Früchte niht vorhanden, Mißernten haben auch nit stattgefunden. Der Rückgang wird auch hier auf die vermehrten Produktionskosten und die niedrigen Produkten- preise, zugleich aber auch auf ein Nachlassen in der Energie der Landwirthe zurückgeführt. Gleichwohl hat die Grund- rente im* Allgemeinen noch zur Deckung der Verpflichtungen

ereicht.

L Von einer Rentabilität der einzelnen und in ihrer Größe unbedeutenden landwirthschastlihen Betriebe in dem zux Beschreibung gewählten Gemeindebezirk des Re- gierungsbezirks Wiesbaden ist überhaupt nicht die Rede. Obgleih die Bevölkerung genügsam in ihrer Lebens- weise ist, ist doch nach und nah ein Rückgang der Ver- mögensverhältnisse eingetreten. Jn vielen Fahren hat die Grundrente niht zur Deckung der Verpflihtungen genügt. Dabei sind die Güterpreise hoh: für 1 ha Gartenland 5200, Aderland 2474, Wiesen 1772 (6 Aus einem anderen Gemeindebezirk desselben Regierungsbezirks wird auf Grund einer detaillirten Rentabilitätsberehnung nach- gewiesen, daß der parzellirte Grundbesiß eine eigentlihe Grund- rente, selbst bei einer sehr intensiven Bewirthschaftsweise, ent- weder nur in sehr bescheidener Weise oder gar niht gewährt, sondern die Grundlage des Kleingrundbesißes die eigene Arbeitskraft ist. Die wirthschaftlihen bezw. NReinertrags- verhältnisse hängen daher meistens ganz davon ab, wie viel Arbeitskräfte in der eigenen Familie vorhanden sind. Fm Allgemeinen wird versichert, daß Anfangs der achtziger Fahre in Folge des Rückgangs der Getreidepreise die Rentgbilität zu sinken begann, 8 abex in den legten Jahren hauptsählich in Folge besserer Kultur und Einführung er- tragsreiher Kulturpflanzen neben etwas besseren Getreide- preisen die Roherträge ganz wesentlich gesteigert worden sind. Allerdings sind auch die Ausgaben erhöht worden; troßdem fangen die Reinerträgz an, wieder höher zu werden. Der Kleingrundbesiß hat hauptsählih mit einem großen Uebel zu kämpfen, dem Mißverhältniß zwishen Grund- und Gebäude- kapital; das Leßtere ist gegenüber dem Ersteren viel zu hoch. Im Ganzen muß behauptet werden, daß die Grundrente in vielen Fällen nicht genügt, die Verpflihtungen zu deden. Die Rentabilität des Waldes is ebenfalls im Rückgang O

Aus Westfalen wird mit Bezug auf den Kreis Siegen Diese erfreuliche

ein Steigen der Rentabilität gemeldet. j Thatsache hat, wie der Erhebungskommissar versichert, ihren Grund in der Tüchtigkeit der Bevölkerung, welche energisch, intelligent, sparsam, nüchtern und fleißig ist. Die Grundrente ist zwar dur die hohen Kaufpreise sowie durch die stets steigenden

m.

Kommunalsteuern verringert, doh genügt sie noch zur Deckung

der Verpflichtungen. Dagegen ist die Rentabilität des Waldes, .

in Folge der Verdrängung des Holzes durh die Steinkohle, zurüdgegangen. Jm Kreise Warburg hingegen sind die Reinerträge im Rückgang begriffen. Die Preise des Grund und Bodens find im Verhältniß zum Ertrage etwas hoh. Auch im Münsterland ist die Rentabilität aller landwirthschaftlichen Güter, auf welchen niht nur Produkte für den Bedarf des Besißers und seiner Familie angebaut werden, im Rückgang begriffen; der Grund hiervon liegt in dem Rückgang der Preise der Produkte und in den wegen der E des bergi- schen Fndustriebezirks übermäßig gestiegenen Ansprüchen der Dienstboten. Eine Rentabilitätsberehnung ist auch hier, wie fast überall, bei dem Mangel jegliher Buchführung nicht möglich, jedo steht fest, daß die meisten, besonders die grö-

peren Besißer nur eben rund herauskommen; auch hier ist die-

Bevölkerung äußerst sparsam. Die Preise füc Grund und Boden sind zwar in leßter Zeit gefallen, aber doch im Allge- meinen noch nit niedrig.

Jn Hohenzollern ist durh rührige landwirthschaftliche Vereinsthätigkeit ein Fortschritt unverkennbar zu verzeichnen. Doch hält die Rentabilität der Felder mit dem größeren auf sie verwendeten Fleiß nicht gleihen Schritt. Die Rentabilität der Waldungen stellt sich noch geringer als dié der Felder. Jn Sigmaringen und Hechingen hat die Rentabilität der Güter einen Rückgang erlitten: als Grund wird das Sinken der Produktenpreise, das Steigen der Lebensansprüche n der Löhne angegeben. Die Preise füx Grund und Boden tanden vor 20 Jahren um ca. 10 Proz. niedriger. Die Grundrente reiht zur Dedung der Verpflichtungen eben aus. Die Rentabilität des Waldes ist dagegen in Sigmaringen und Hechingen im Fortschreiten begriffen. :

Fassen wir diese Angaben zusammen, so wird ein Fort- schritt in der Rentabilität nur in Littauen, im Kreise Erfurt, in Querfurt, in Aschersleben und im Kreise Siegen, dagegen ein Rückgang in Braunèberg, Wehlau, Graudenz, Mogilno, Neisse, Eckartsberga, Grafschast Hohenstein, Osna- brüd, Kiel, Wiesbaden, im Kreise Warburg, im Münsterland, in Sigmaringen und Hechingen konstatirt, während die Beant- wortung der Froge nah dem Forlschreiten oder dem Rück- gang der Rentabilität unbestimmt gelassen ist in Masuren, Schweidnitz, Salzwedel, Kreis Sulingen und Hohenzollern.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Die „Saar- und Bl.-Ztg.* macht Miitheilung von zwei Berg- arbeiter-Versammlungen. Am 1. Oftoter wurde in einer Versammlung in Spiesen über den Bergarbeitertag zu Halle berichtet; alsdann wurde das Verhalten m:hrerer früheren und jeßigen Mitglieder des Rechtsschußvereins einer scharfen Kritik unterzogen. Der Hallenser Delegirte wurde getadelt, weil er zu dem erhaltenen Reisekostenbetrage von 330 4 von Halle aus einen Nach- \chuß verlangt hatte. Der in Halle aufgestellten Forderung wöchent - licher Lohnzahlung war man hier abgeneigt. Wiederholt wurbe die Königstreue betont, vor der Sozialdemokratie und allzu héufigenVersamm- lungen gewarnt und zur Einigkeit ermahnt. In Neunkir chen fand ferner am 2. d. M. eine Versammlung der Bergleute der Inspektion VIII. statt, wel&e nur von ca. 60 Personen besucht war und in der gleichfalls über -den Bergarbeitertag zu Halle berihtet Werden sollte; die Versammlung ging aber wegen der \{wachen Be- theiligung zwecklo8 auseinander, nachdem der Delegirte Molter erklärt hatte, es könne vor Genehmigung der in Halle be\chlossenen Vereins- statuten Seitens der Königlichen Regierung zu Arnsberg nicht über dieselben abgestimmt werden.

Am Dienstag fand, wie dasf\elbe Blatt berichtet, eine Versamm-

lung der Veitrauensmänner des bergmännishen Rehts\chut- vereins zu Bildstock statt, welhe von 70 Personen besucht war und den Besc/luß faßte, daß Thome und niht Bachmann als sel l- vertretender Präsident des Vereins gelten solle. Der Letztere verließ rach dieser Abstimmung mit etwa 20 Vertrauens8männern den Saal. Ferner beshloß man no, nah der „S.-Ztg. ‘, daß baldigst eine neue¡Versammlung der Vertrauensmänner und der Grubenauss{hußmitglieder einberufen werde zur gründlichen Besprechung der Lage. M Sletlin haben die Arbeiter der. neuen Dampfer- ko mpagnie vorgestern auf Grund eines von dem sozialdemokratishen Agitator Frit Herbert unterzeichneten Aufrufs zum größten Theil die Arbeit niedergelegt, Die Veranlassung zu diesem Ausstande lag, der „Voss. Ztg.“ zufolge, in der Unzufriedenheit mit den be- stehenden Löhnen. Wie die „Ostsce-Ztg." berichtet, haben die Arbeiter aber Mreits gestern die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem eine Einigung in Bezug auf die Lohnverhältnisse mit der Gesell- schaft zu Stande gekommen ift,

In Leipzig wurde vorgestern in einer Versammlung der In- nungs-Barbiergehülfen mitgetheilt, daß die zur Feststellung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse ausgegebenen Frage- bogen der mangelhaften Ausfüllung halber bisher eine genaue Üeber- sicht nicht gestatten. Die Möglichkeit ciner im nächsten Jahre vorzu- nehmenden Lohnbewegung wurde zwar von der Versammlung ins Auge gefaßt, gleichzeitig aber betont, daß man in erster Linie im Zusammengehen mit der Innung eine Verbesserung der Lage anstreben und den der Innung gegenüber stehenden Vereinigungen {ih fern halten werde. (Vgl. Nr. 209 d. Bl.) In eirer kürzlich abgehallenen Versammlung der Schmiedegehülfen in Leipzig wurde, wie wir der „Lpz, Ztg.“ entnehmen, über den Veilauf des in Chemnig abgehaltenen Kongresses der sächsischen Metall- arbeiter Folgendes mitgetheilt : Der Kongreß war von 33 Delegirten, die 9 Orte vertraten, besuht. Der Brancenorganisation wurde für die nähste Zeit vor der Centralorganisation der Vorzug gegeben. Das Königreich Sachsen ist in vier Agitationsbezirke getheilt worden, deren jeder einem Vertrauensmann untersteht. Ueber den Vertrauensmännern steht ein Obmann. Nur solchen Gebülfen soll eine Unterstüßung aus gemeinschaftlichen Mitteln gewährt werden, die mindestens 13 Wochen lang «iner Vereinigung angehört haben.

In Chemniß sprach, wie das „Chemn. Tgbl.“ mittheilt, am 1. Oftober der Reichétags- Abgeordnete Max Schippel in zwei ¿ahl- rei besuchten Voiksversammlungen über „die lezten Reichs- tagsverhandlungen und die Sozialdemokratie“.

Hier in. Berlin wurde vorgestern in einer Versammlung der Berliner Maurer dem Regierungs: Baumeister Keßler und den Maurern Wilke und Karl Behrend als „Ausgewiesenen“ ein eShrendiplom“ überreiht, Die Versammlung nahm ferner folgende Resolution an: „Das System, welhes der lte deutshe Maurerkongreß geschaffen hat, um die deutsche Maurerbewegung zu leiten, ist in dem immer \{chroffer zu Tage tretenden Klassenkampfe, welchen heute die Arbeiter den Kapital besißenden Klassen gegenüber führen müssen, als un- genügenv zu betrachten, weil, um die Agitation kräftig in Schwung zu bringen, in jedem Orte die Kräfte, welhe im Interesse der All- emeinheit in der Agitation zu wirken im Stande sind, keine Ver- inderung erfahren dürfen. Die Versammlung erachtet es daher für durchaus nothwendig, daß eineReorganisation geschaffen wird, welche das diktatorishe und despotishe Regiment, wie es der legte Kongreß geschaffen hat, beseitigt. Die Versamn lung beschließt demzufolge, für die Provinz Brandenburg spätestens Mitte November einen Pr ovinzialtag nah Berlin einzuberufen, welcher gehalten sein

soll, die Mittel und Wege zu berathen, welche es ermöglichen, die Agitation in andere Bahnen zu lenken.“

Das „Berl. Volksbl.“ theilt mit, daß an die deutsche Sozial- demokratie bei Gelegenheit des Aufhörens des Sozialistengesezes ferner Glückwünsche eingegangen find Seitens des Central-Comités der revolutionär-fozialistischen Arbeiterpartei Dänemarks und Seitens der Parteigenossen in Steyr.

Aus London wird telegraphisch die gestern unter den Telegrammen nah Schluß der Redaktion mitgetheilte Nachricht über

eine Entsendung von Truppen nah Woolwich dahin ergänzt, daß,

wie die Londoner Morgenblätter berihten, der Abmarsh der Truppen nach Chatham sistirt worden sei, da die befürchteten Ruhestörungen unter den Arbeitern der Gas8anstalten nicht er- folgt feien, T Eine Deputation der unionistishen Gas- arbeiter erklärte in einer heute mit den Direktoren der Gesfell- schaft stattgehabten Zusammenkunft, sie beabsichtigten nicht, die Arbeit einzustellen.

Aus Newcastle berihtet ein Wolf’s{ches Telegramm, daß gegen 10:0 Arbeiter der Armstrong’\chen Waffenfabrik in Elswicck in eine Strikebewegung eingetreten sind.

Die wirthschaftlicheLageOberschlesiens im Jahre 1889,

Die Handelskammer für den Reg-Bez. Oppeln berichtet: Die Hoffnung, welche wir in unserem vorigen Jahresberichte aus- spracben, daß der so erfreulihe Aufshwung unserer Judustrie und des Handels eine Zeit lang anhalten werde, hat zu unserer aufrichtigen Freude in dem Bcricbtéjahr eine Enttäushung nicht erfahren. Fast alle Betriebe der in unserem Bezirk vertretenen Industrien waren das ganze Jahr hindurch mit Aufträgen gut versorgt. Bei vielen der- selben waren Vergrößerungen der Anlagen oder Einrichtungen noth- wendig und ein großer Theil blickt auf das verflossene Jahr als auf ein gewinnreiches zurück, Um den günstigen Zustand zu erhalten und möglichen Nückfshlägen vorzubeugen, erscheint es als eine Pflicht der Selbsterhaltung, wenn alle diejenigen Maßnahmen aufrecht erhalten werden, welhe von den Interessenten in der Zeit des Niederganges der Industrie ergriffen wurden, um eine Besserung herbeizuführen.

Rekruten-Prüfungen.

Ueber die Ergebnisse der Rekruten-Prüfungen im Deutschen Reih enthält das foeben ausgegebene Augustheft dec Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reichs Nachweise bezüglich des Ersatzjahres 1889/90. Danah wurden 170494 Rekruten in die Armee und Marine eingestellt bezw. auf ihre Schulbildung geprüft. Von dieser Zahl hatten

165 755 Schulbildung in der deuischen Sprache, 3 870 Schulbildung nur in einer anderen Sprache und 869 waren ohne Schulbildung, d. h. konnten weder lesen, noch ihren Namen schreiben.

In Prozent dec Gesammtzahl aller Eingestellten betrugen die-

jenigen, welhe weder lesen, noch ihren Namen {reiben konnten, im Etatésjahre 1875/76 2,37 | 1880/81 1,59 1885/86 1,08 1STO/MT 212 1881/82 1,54 1886/87 0,72 1877/78 1,73 1882/83 192 1887/88 0,71 1878/9 1,80 | 1883/84 127 1888/89 0,60 1879/80 LST | 1884/85 1/21 1889/90 0,51

Stellt man für die Bezirke, von welchen die meisten Mann- {aften ohne Schulbildung geliefert wurden, den Dur(schnitt des ersten Jahrfünfts dem leßten Jahre der vorstehenden Periode gegen- über, so kamen Analphabeten auf je 100 eingestellte Rekruten

Ersatjahre 1875/76 bis 79/80 1889/90 im Reg.-Bez. Marienwerder . 11,05 3,63 Ï De. 13,08 3,60 Gumbinnen . . 8,01 2,89 D 9831 2,69 Königsberg …. . . 6,09 2,24 Bomba 9ST 1,69 J Dn 489 1,59

Ueberall ist eine bedeuter. de Besserung zu bemerken; am stärksten ist die Aliahme der Eingestellten ohne Schulbildung in Posen und Bromberg. .

Die überseeishe Auswanderung aus dem Deutshen Reih über deutsche Häfen, Antwerpen, MRotter- dam und Amsterdam betrug im Monat August 1890 8110 und in der Zeit von Anfang Januar bis Ende August 1890 63 733 Personen z von leßteren kamen aus der Prov. Posen 8842, Westpreußen 7068, Königr. Bayern 6907, Prov. Pommern 6627, Königr. Württemberg 4275, Prov. Hannover 4110, Swleswig- Holstein 2934, Brandenburg rait Berlin 2808, Rheinland 2547, Großh. Baden 2287, Prov. Hessen- Nassau 1815, Westfalen 1428, Großh. Hessen 1357. Im gleichen Zeitraum der Vorjahre wanderten aus Monat August Monat Januar/August 1989404 64 726 18S L TOCTC 71 315 I BO0I 72 608 G O27 52 596 I 0D 82 716. Dampfkessel-Explosionen.

Nach den Aufftellungen des Kaiferlihen Statistishen Amts im diesjährigen Augustheft der Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reichs fanden während des Jahres 1888 im Deutschen Reich 16 Dampfkessel-Explosionen und 1 Explosion eines Ko(hkessels ftatt. Bei denselben verunglückten 28 Personen, von denen 6 fofort getödtet wurden oder binnen 48 Stunden verstarben, 5 {wer und 17 leiht verwundet wurden. Nach der Art der Kessel explodirten 4 liegende Zweikammtohrkessel, 4 liegende Walzenkessel mit 1 bezw, 2 Siede- röhren, 2 Walzenkessel mit Siederöhren, 2 engröhrige Siede- rohrkessel, 4 Kessel mit vorgehenden bezo. rückehrenden Heiz- röhren (Schiffs- und Lokomobilkessel). Die muthmaßliche Ursache der Explosion war in 5 Fällen Wassermangel, in 3 Fällen örtliche Blech- {wächung, in 3 Fällen zu hohe Dampfspannung, je in 2 Fällen Kesselstein bezw. mangelhafte Ausführung und in 1 Falle Abnußung; bei dem Kochkessel war mangelhafte Ausführung die muthmaßliche Ursache der Explosion, Für jeden einzelnen Fall enthalten die Nach- weisungen cine detaillirte, durch Zeichnungen und Maße erläuterte Beschreibung des Kessels und eine Darlegung der Umstände, sowie der muthmaßlihen Ursahen der Explosion. Separat-Abdrücke der betreffenden Uebersiht sind durh den Buchhandel (Verlag von Puttkammer u. Mühlbrecht, Berlin) zu beziehen.

Das soeben ausgegebene August heft der Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reichs enthält außer den regel- mäßigen. auf den betreffenden Monat bezüglichen Mittheilungen über Handel, Preise, Auswanderung noch folgende Iahres-Nachweisungen : 1) über Tabadckba u und Ernte im Erntejahr 1889/90, 2) über die im Jahre 1889 vorgekommenen Damp fke] \ el- Cxrplofionen, 3) über die Schulbildung der im Ersaßjahr 1889/90 eingestellten Rekruten.

Literatur.

Die deutsche Branntweinsteuer nach den Geseyen vom 8. Juli 1868, 19, Juli 1879 und 24. Juni 1887, den Geseßes- motiven, Ausführungsbestimmungen, Bundesrathsbes{lüssen, Finanz- Ministerial-Reskripten und Entscheidungen der obersten erichte systematish bearbeitet für das Königreih Preußen von Arnold Schneider, Kammergerihts-Referendar, Berlin, Verlag von Paul Parey, Verlagshandlung für Landwirthschaft, Gartenbau und Forst- wesen, SW. 10, Hedemannstraße. 1890, (Preis 5 46) Das vor- liegende Buch hat den Zweck, den Interessenten eine s\ystematishe

maßen nicht leiht ift, so ift die Schwierigkeit für den Brennerei-

besißer eine fast unüberwindliße, wenn er aus dem sehr umfangreihen Geseßzesftoff \ich über eine Frage orientfren soll, ohne eine Garantie zu haben, ob einzelne ein-

\chlägige Bestimmungen noch in Geltung sind, oder ob sie dur jüngere Geseße bezw. Verordnungen aufgehoben oder abgeändert sind. Deshalb ift es für den Praktiker wihtig, alles das, was über cinc Frage geseßlich angeordnet ift, an einer Stelle in systematisher Be- arbeitung der Materialien zu finden. Diesem offenbaren Bedürfniß, welhem durch fTommentirte Ausgaben der einschlägigen Gesche nicht vollkommen abgeholfen werden kann, da diese häufig das, was zusammengehört, an vershiedenen Stellen behandeln müssen, wenn cben mehrere Geseße, Verordnungen 2c. denselben Stoff behandeln, kommt die vorliegende, für den Praktiker bestimmte Bearbeitung, in welcher die heute geltende Branntweinsteuer-Geseßgebung, bis Mai d. I. fortgeführt, eine übersichtlihe systematishe Darstellung findet, zweckmäßig entgegen. Die Formulare und Muster sind außerordentlich geeignet, das Verständniß der einzelnen Bestimmungen zu erleichtern und zu befördern. Die am Swhlusse des Buches sich findende kurze Darstellung der Braännkwein-Geseßgebung der wichtigsten fremden Staaten wird dem Praftiker willkommen sein, einerseits wegen des Verkehrs mit denselben durch Import oder Export und andererseits niht weniger wegen des Interesses, zu sehen, in welcher Weise im a die shwierige Frage der Besteuerung des Branntweins gelöst ist.

Schriften des Freien deutshen Hochstiftes. Frankfurter Arbeiterbudgets. Haushaltungsrechnungecz eines Arbeiters etner Königlichen Staats-Eisenbahn- werkstätte, eines Arbeiters einer chemischen Fabrik und eines Aushülfearbeiters. Veröffentlicht und erläutert von Mit- gliedern der Volkswirthschaftlihen Sektion des Freien deutschGen Hochstiftes. Bearbeitet im Auftrage der Sektion von Stadtrath Dr. Karl Flesch. Frankfurt a. M. Druck und Verlag von GBe- brüder Knauer. 1890. (Preis 2 4) Die vorliegende Schrift giebt eine genaue Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben, über, die Vermögenslage und die ganze Lebensführung dreier Arbeiter, deren Verhältnisse als typisch für den ganzen Arbeiterstand in Frankfurt a. M. angenommen werden können. Mit größter Sorgfalt und Sah- kenntniß sind auch die kleinsten Umstände beobahtet und aufgezeiHnet worden, die zur Vervollständigung des Gefammtbildes nicht fehlen dürfen. Das hohe Interesse, mit dem der Fahmann diese Publika- tion begrüßen wird, braudt niht betont ¿zu werden. Fördert def eine derartige eingehende Untersuhung der wirklihen Lebensverbält- nisse der Arbeiter, die wegen ihrer Schwierigkeit und Müktseliakeit fo selten unternommen wird, unsere Kenntniß der sozialen Lage metr als alle theoretischen Erwägungen Aber auch für den Laien in volks- wirthschaftlichen Dingen werden die Arbeiterbudgets eine willkommene Gabe sein, da sie in ihrem bescreibenden Theile ihm alles zum Ver- ständniß Nöthige in faßliher Weise an die Hand geben. Gerade in unserer Zeit, in welcher dur die von hoher Stelle gegebene An- regung die allgemeine Aufmerksamkeit sich der Lage der arbeitenden Klassen zuwendet, dürften die „Frankfurter Arbeiterbudgets" weiten Kreisen willkommen sein.

Suse. Roman von Anny Wothe. Chemniy. B. Riter's Verlag. 1890, Der vorliegende Roman is fesselnd und spannend geschrieben, sodaß er das Interesse des Lesecs von Anfang an bis zu Ende rege erhält. Es wird ihm voraussihtlich an einem großen Leserkreis nicht fehlen.

Der Gesellschafter. Volkskaiender für Norddeutschland 1891. Oldenburg. Druck und Verlag von Gerhard Stalling Auch der vorliegende einundfünfzigste Jahrgang bringt, wie feine Vor- gänger, des Nüßlichen und Unterhaltenden gar mancherlei mit vielen Zllustrationen. Die Ausstattung ist eine gediegene. Als Gratis- zugabe liegt ein Notiz-Tashenbuh bei. Der Preis von 50 4 ist als ein fehr mäßiger zu bezeichnen.

2 Ble Deutsche Medizinal-Zeitung, Centralblait für die Gesammtinteressen der medizinischen Praxis, herausaegeben von Dr. Julius Grosser in Prenzlau, hat in Nr. 79 des 11. Fakr- gangs folgenden Inhalt: Fürst, Ueber harnsaure Diathese. Nas, Sterblichkeit der Kinder im ersten Lebensmonat. Reinonapoli, Epidemishe Ruhr der Säuglinge. Rheiner, Behandlrng der Verdauungét störungen tleiner Kinder. Ballantvne, Sfklerem und Oedem der Neugeborenen. Eómez, Broncopneumonie der Kinder. Tedect chi, Rachitis. Mandelstamm, Pboëphor bei Rhbacbitis. Meyer, Chorea minor, Rheumatismus und Klappenfehler. Rondat, Asecitis acutus bei Kindern. Bianwi, Serôse Hautentziehungen bei Kindern. Fry, Skarifiziren des Zabnfleis(es bei Kindern - Collectanea medica: Spermin, ein neues Stimulans. Vermiïétes.

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Dandel und Gewerbe.

Berlin, 3. Oktober. (Amtliche Preisfeststellung für Butter, Käse und Schmalz.) Butter: Hof- und Geae#ce=- \chaftsbutter Ta. 108—110 Æ, IIa. 103—107 #, Ilz —, do. abfallende 95—100 Æ, Land-, Preußishe 80—85 #4, NetbrüSez 78—82 46, Pommersche 78282 Æ, Polnis: 75—82 #4 BzeriSe Sennbutter —,— H, do. Landbutter —,— 4, Schles. 800— MÆ, Galizische —,— #6 Margarine 40—70 #4 Kêüse: SEmwerza, Emmenthaler 93—98 4, Bayerischer 75—80 4, do. Oñt- und Wes preußischer, Ia. 75—80 Æ, do. Ila. 65—70 4,

80—90 4, Limburger 42—48 Æ, Quadratmagerkäïe —30 , Sc@{malz: Prima Western 17 9/4 Ta. 40,00 Æ, reines, in DeaxtiS&- land raffinirt 43,50—46,50 #, Berliner Bratenscbmalz 47 00—50 00.4 Fett, in Amerika raffinirt 38,50 #4, in DeutSland 41,50—43,50 # Tendenz: Butter: In Folge der PVreiser der vergangenen Woche hatten {sich die Bestände von meift hafter Qualität çeräumt und fanden nunmebr die nenen bessere Aufnahme. Schmalz fester.

Vom Berliner Pfandbrief - Insti 24. September 1890 15882300 Æ 3E% ige, 2688000 49/0 ige, 45 163 800 M 439% ige und 9 585 300 „Æ 5% taz, ziz=- men 91319 400 # Pfandbriefe ausgegeben worden, wovon 15 331200 A 34%/otge, 14488200 E 4%hige 18 832 0

-———_— q Ain Sils

449/oige und 3048 600 M 5 9/oige, zusammen 51 700 00 .„

briefe Seitens der Grundstückseigenthümer verzinsli

zugesichert, aber noch nit abgehoben 690 600 .&

Wie aus Guben telegraphish berichtet wi

Prozesse gegen die Begründer der Aktiengesell\ch

fabrikation in Guben verurtheilt worden: Banki î

Wolff zu 5 Jahren Gefängniß, 5 Jabren Ebrverlust und 2 Geldstrafe, Louis Wolff zu 2 Jahren 6 Monate Gef

Jahren Ehrverluft und 15 000 # Geldstrafe, Direkt

mann zu 2 Jahren 6 Monate Gefängniß, 3 Jahren Edrverlust und 1500 A Geldstrafe.

Vom oberschlesisch{en Eisen- und Metallmarkt berichtet die „Schles. Ztg.": Die Lage des Eisenmarktes® hai ia der Bericht8woche keine Veränderung erfabren, und find aud Azus- sihten auf baldige Besserung zunähst kaum vorhanden, fofern den Werken nicht eine Ermäßigung der Koblenpreise gewährt und somit die Möglichkeit geboten wird, in Folge billigerer Produktion der fremdländishen Konkurrenz entgegentreten zu können. “Die Gcibäfts- stille, welche si in der leßten Zeit bemerkbar mate, mag zum Theil darin ihren Grund haben, daß die Händler cine Er» mäßigung des Verbandétpreises Seitens des am 2W. v. M. zu einer Sitzung versammelt gewesenen Wal & - Verdamdes erwarteten und deshalb mit Bestellungen zarü&ckbielten. Ürber« haupt kaufen die Konsumenten nur das Nötbigste und bäufiz nter den ofiziellen Notirungen. Der Hohbofenbetricb imo wex einen ungeschwächten Fortgang, do kann man auf einigen Werken ein nicht unbedeutendes Anwachsen der Rohbeisendestände derbatter: nur von denjenigen Hütten, welhe ibr Produkt verkauft baben. wärd das erblasene Roheisen prompt zu den Waluverken verladen. Die Bezüge in- und ausländischer Erze sind na wie vor regelmüliae

Bearbeitung der heute geltenden Branntweinsteuergeseßgebung zu bieten. Wenn {hon das Verständniß dieser Materie L

sodaß eine Verminderung der Bestände i niht demerkli#& wat. Der Betrieb der Walzwerke blich cin den Vorwoshen ertirredender