1891 / 57 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Die Antragsteller begründeten ihre Anträge. :

Auf Antrag des Abg. Ri>kert wurde mit Rü>sicht auf

die Reichstagsverhandlungen die Berathung unterbrohen und

zunähst die Abstimmung über den Entwurf eines Einkommensteuergeseßes im Ganzen vorgenommen.

Für das Gese stimmten 308, gegen dasselbe 36 Ab-

das Gesey ist

die Berathung über den Antrag

geordnete, 3 enthielten si<h der Abstimmung,

also angenommen. Darauf wurde

von Huene fortgeseßt.

Abg. Sa > bezeichnete es als zweifellos, daß die Anseßzung der steuerfreien Bürger mit einem fingirten Steuersaze von

3 A eine Verfassungsänderung sei. : Abg. Dr. von Gneist befürwortete statt

werks, wie es hier vorgeschlagen werde, eine gründliche Reform

des Wahlrehts. (Schluß des Blattes.)

Die Wahlprüfungs-Kommission des Reichstages bat beute die Beschlußfassung ausgeseßt über die Wakblen der Abgg. Adt (4. Pfalz) und von Colmar (1. Bromberg) und den Reichskanzler ersu<t, über die in den Protesten behaupteten That-

sachen Erbebungen anstellen zu laffen.

_— Die Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei des 19. hannovershenReihstags-Wahlkreises wollen, wie „W. T. B.“ meldet, den Fürsten Bismard> als Kan- didaten für die bevorstehende Ersaßwahl aufstellen.

sein Mienenspiel

und der wahre Liebreiz fehlte.

solhen Fli>-

und Anderen vortrug.

der Mangel

als au die der Kompositionen. etreas befriedigender.

unsihere Ärt Im Laufe

ges>œulten Baritons.

Beifall zu Theil.

Theater und Musik. Königliche Theater.

, Laa

MWeber's „Oberon“ in der Bearbeitung von F

Sylva und Lieban bescäftigt.

Mit Allerbö<ster Genehmigung findet Sonntag, / zu wohlthätigem Zweck eine Matinée Mitglieder der

Königlichen Theater ihre Mitwirkung zugesihhert haben.

Mittags 12 Uhr, im Opernbause statt, zu welcher hervorragende

Im Schauspielhause wird am Sonntag auf vielseitiges Be- gehren „Der neue Herr“ gegeben, um allen Denen, die an den Wochen- tagen am Besuch des Theaters verhindert sind, die Gelegenheit zum | no< eine

Hören der vaterländishen Dichtung zu bieten, Wallner-Theater. Das Zugstü> „Miß Helyett“ wird in der

Scene gehen. Belle-Alliance-Theater.

Ernesto Rossi eröffnete gestern Abend mit seiner Gesells<aft Hr. Das Haus nar troß des Rufes, dessen ih der große italienishe Tragôde erfreut, nur schwach beseßt; die Intensität des Beifalls nah den großen bewegten

ein Gastspiel in der Rolle des „Otello *.

Einbuße.

erfuhr kbierdurh abec feine ersten

Scenen bier ) i dem Künstler bei feinem

welher spendet wurde,

Aufzügen etwas nüchtern und behaglih

Erzählung des Liebeswerbens vor die Begeisterung aus ibren Fesseln zu lösen.

seines Könnens. fündeten das Aufbrausen des sturmbewegten Innern,

nihtender Wuth und blinder Raserci endet,

Wetterberi<t vom 6. März, Morgens 8 Ubr.

Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeressp red. in Millim S >

Stationen.

Mullaghmore| 758 Aberdeen .. | 750 Ghristiansund | 737 Kopenhagen . | 748 Stodholm . | 744 “ad 17 T89

t. Petersb. | 732 Mosfau . . 739 Cork, Queens-

ton... l 664 Breit... l 09

ETDEL 0% 760 751

amburg .. | 758

winemünde | 753 Neufahrwasser| 762 Memel .…. | 747

Dees E! ünster. . . | 760 Karlsruhe. . | 769 Wiesbaden . | 767 München 769 Ghemnig .. | 763 Berlin. ... | 758 Wien .... | 765 Breslau. . . | 760 Sle d’Aix .. | 771 Ms T2 7 E e

F ooo oa O O A Mio Lo M M M A L Ee) R D I NRPAINNRA I NNRENON

2 —_.-

1) Nachts Regen. ?) Geftern Regen und Hagel- schauer. Uebersicht der Witterung.

Ein neues tiefes barometrishes Minimum ist über Nordwest-Europa ershienen und verursacht in Wechsel- wirkung mit dem barometrishen Maximum über Südwest-Europa stellenweise stürmische westliche Winde an der norddeutschen Küste, deren Ausbrei- tung ostwärts wahrsceinli< ist. Das Wetter ist in Deuts(land warm, unruhig und vorwiegend trübe ; vielfa is Regen gefallen. Im centralen Deutsch - land liegt die Temperatur bis zu 9 Grad über dem Mittelwerthe. Gestern Abend meldete Breslau mag- netise Störung und Skagen Nordlicht.

Deutsche Seewarte.

ranz Wüllner geht am näbsten Sonntag bereits zum 26. Male (die erste Aufführung fand am 1. November 1890 statt) im Opernhause in Scene. In dem Werke sind die Damen Pierson, Herzog, Staudigl, die Hrrn. Eine Dieteri 6 (Mezzo-Sopran) gab vorgestern in Gemeinschaft mit der bereits woblbefannten Pianistin Frl. Hedwig Holy ein Concert, in welchem si die künstlerischen Leistungen beider Damen vortrefflich bes Die Sängerin, unter Leitung des Frl. I. Meyer aus- eine jehr wohlklingende, wenn au< nit sehr fräftige Stimme. Intonation und Deutlichkeit der Aussprache lassen Bint en Beberrscung

Auffassung der Mit tief rührendem Ausdru>k sang Frl. D. das öInscenirung des MWallner-Theaters demnächst am Carl-Schulze:-Theater in Hambura, am Breslauer Lobe-Theater und am Magdeburger Thalia-Theater in

Erscheinen erinnect daran, daß Ernesto Rossi {on vor einer Reihe von Jahren erfolgreih in Berlin gastirt hat. Inzwiscen hat der Darsteller an Körperfülle zugenommen, welche der Stattlich- feit des Wesens und der Kraft der Bewegungen etwas Abbruch thut ; deshalb muthet die ruhige gemefssene Spre<weise in den an: QaUV Die dem Dogen i vermohte troß des ausdru>svollen Mienenspiels no< nit Erst mit der Wieder- gabe der anwawsenden Erregung der Eifersucht, mit dem für<{terlichen Ausbru< der Leidenschaft entfaltete der Darsteller das volle Maß Das Bliten des Auges, ein dumpses Grollen ver- wel<es in ver- Neben Rossi erschienen

„Die Zigeunerin“ von Donizetti, bringt „Klänge aus Slesien“, [eider

junge den 15, März,

währten. L gebildet, verfügt über

zu wünshen. Im größere verständnifivolle

nichts

war die ur<wcg zu loben,

Der Beifall,

ge- | am kommenden Montag,

ersten

von Venedig | bund zur Ausführung bringt.

der Feier

Theater-Anzeigen.

Königlihe Schauspiele. Sonnabend: Opern- haus, 68. Vorstellung. Der Trompeter von Säkkiugen. Oper in 4 Akten nebst einem Vor- spiel von Victor E. Neßler. Text mit autorisirter theilweiser Benutzung der Idee und einiger Original- Lieder aus I. Victor von Scheffel’'s Dichtung von R. Bunge. Ballet von Charles Guillemin. Dirigent : Musikdirektor Wegener. Anfang 7 Uhr.

S(wauspielhaus 64. Vorftellung. Der neue Herr. Swauspiel in 7 Vorgängen von Ernst von Wildenbrud. In Scene gesetzt vom Ober-Regisseur Mar Grube. Anfang 7 Ubr.

Sonntag : Opern zaus. 59. Vorstellung. Oberon, König der Elfen. #omantishe Oper in 3 Auf- zügen. Mußk von C. M. von Weber. Die Reci- tative von F. Wülner, Ballet von Emil Graeb. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 65. Vorstellung. Der ueue Herr. Schauspiel in 7 Vorgängen von Ernft von Wildenbruh. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Sonnabend: Der Pfarrer von Kirchfeld.

Sonntag: Das alte Lied.

Montag: Die Kinder der Excellenz.

Donnerstaa: Zum 100. Male: Fauft L. Theil.

Freitag: Faust’'s Tod.

Berliner Theater. Sonnabend: Zum ersten Male: Arbeit. Anfang 7 Uhr.

Sonntag, Nachm. 23 Uhr : Wehe den Befiegten. Abends 7# Uhr: Arbeit.

Montag: Goldfische.

Tessing-Theater. Sonnabend: Der Probe- pfeil. Lustspiel in 4 Akten von Oscar Blumenthal. Sonntag: Der Probepfeil.

Pictoria-Theater. Sonnabend: Zum 98, Male: Die fieben Raben. Romantisches Zaubermär{en in 5 Akten von Emil Pohl. Mußk von G. Lehn- hardt. Balletcompositionen des 3. Aktes von C. A. Raida. Ballets von C. Severini. In Scene gesezt von W. Ho>k. Anfang 74 Uhr.

Wallner=-Theater. Sonnabend: Zum 29. Male: Miß Helyett. Vaudeville in 3 Akten von Maxime Boucheron. Deuts< von Richard Genée, Musik von E. Audran. Anfang Uhr.

Sonntag und folg. Tage: Miß Helyett.

die übrigen Mitglieder der Truppe weniger bedeutend, als sie sonst wobl sind; wenigftens genügen fonnte Sgr. Borelli als Jago ; ist ausdru>évoll, feine sein Vortrag der Rolle entsprechend unbeimlih, aber gewinnend; zu- weilen hatten die Bewegungen in ihrer Lebhaftigkeit etwas Störendes. Die Desdemona der Sara. Seraffini verfügte anstatt der einfachen warmen Empfindung zumeist nur über oberflählihe Schmeiceltöne,

Der Beifall des Abends, wel<her erff| na< dem dritten Akt fräftige Gestalt und Wärme annahm, galt fast aus\{ließli4 Ernefto Roîisi, welcher au< no< zum Slusse wiederholt gerufen wurde.

Das morgige Gastspiel des italienis<hen Tragöden wird ihn uns in einer hier von ihm nc< ni>t gespielten Rolle zeigen, nämli als „Richelieu* in Bulwer Lytton's gleichnamigem Drama.

Sing-Akademie. :

Der Kulenkampff'\<he Frauen-Chor, der sih von Zeit zu Zeit bierfelbst hören läßt, gab vorgestern ein Concert, in welchem derseibe unter Leitung des Hrn. Gustav Kulen : Ghorgesänge von H2sje, Schubert, von Herzogenberg, Brahms, Bargiel Bereits in dem Hasse’schen „Fostias et preces tibi“ wie in Scubert's „Gott in der Natur* beeinträhtigte sowohl cines {nen Stimmenklangs (besonders im Sopran)

des Abends wurde das Ensemble Für den plötlih erfrankten Professor Smidt trat der Concertsäager Hr. Carl Diezel aus Würzburg als Solist cin. Der Künstler ist im Besitz eines angenehm klingenden und wohl- n dem Vortrage mehrerer Lieder von S<hu- bert, Schumann und Kulenkampfff licß er zugleich eine fein schattirende Art des Ausdru>s erkennen. Dem

Concerthaus.

Die Concert-Sängerin Frl. Mercanti wird morgen, Sonnabend, „Isolina“, italienis<es Tarzlied von Stigelli, und „Widmung“ von Franz fingen. Das Orchester Balzer von Bilse, Potpourri aus der Operette „Der alte Dessauer“ j \vmpbonise Dichtung von Liszt 2c. zur Aufführung. Römischer Hof.

ecrblindete

\{ône Gebet von E. E. Taubert, , aufgenommez wurde, der auc den Liedern von Moszkowsfki, Rubin- stein, W. Taubert u. A. zu Theil wurde. Í dur< den sehr gelungenen Vortrag mehrerer Kompositionen von | his Beetboven, Bach, Rubinstein u. A. Der Königlibe Kammermusiker O. Lüdemann (Cellc) unterstüßte das Concert dur< sein virtuoses und ausdru>svolles Spiel, Boccherini ganz vortreffli<h zur Geltung kam.

Mit Genehmigung Seiner Majestät des Kaisers findet am Sterbetage Wilhelm I, in der hiesigen Garnisonkirhe um 7 Uhr Abends eine religiös-musikalishe Gedächtnißfeier statt. Dieselbe wird von dem bekannten, unter Leitung des Königlichen Kammer- musikers I. Koële> \tehenten „BVläserbunde“ auszeführt und dur< das „Heilig ist der Herr“ eingeleitet ; es folgt ein „geistli<hes Abend- lied“ und „Friede den Entschlafenen“, drei Piecen, welbe der Bläser: Diesem musßkalishen Theile {ließt n eine Ansprache des Hospredigers Frommel an; darauf folgt eine „Sinfonia seria“, der „Reigen seliger Geister“ dur< den Bläserbund, welhen si< ein „Largo“, gesungen von dem Königlichen Kammer- sänger N und begleitet von den Bläsern, anschließt.

ildet der a<htstimmige Chor „S

Spohr. Der Eintritt zur Kirche ift frei,

Sprache deutlih und

leicht verleßt.

kfampff mehrere

schen

standen ,

Wirkung ( nicht

beim Einseyzn die

Sänger wurde ein wohlverdienter

von Findeisen,

Sängerin Frl. Hildegard

Parlament.

der Tône wäre vielleicht zu erreihen. Im Uebrigen

ewählten Lieder y Neapel,

das mit sehr lebhaftem Beifall | „Augusta

Die Pianistin erfreute | heute früh Montag Wetter ist

das in Piècen von Molique und

des Kaisers

worden, zes sionen

Den S<hluß

Selig sind die Todten* von zuwirken.

Thea

Triedrich - Wilhelmstädtisches Sonnabend : Mit neuer Auéstattung. Zum 16. Male:

Der Vogelhäudler. Operette in 3 Aufzügen na einec Idee des Biéville von Held und West. Musik von G. Zeller. In Scene geseßt von Julius Frißsche. I Hr. Kapellmeister Federmann. Anfang r. Sonntag: Dieselbe Vorstellung.

Residenz-Theater. Direktion: Sigmund Lauten- burg. Sonnabend: Zum 57. Male: Der selige Tou- piuel (Feu Toupinel). S@wank in 3 Akten von Alexandre Bisson. Deuts von Gustav von Moser. Jn Scene geseßt von Sigmund Lautenburg. Vorher: Friquette. Schwank in 1 Akt von Benno Jacobson. In Scene gesezt von Sigmund Lautenberg. Anfang 7# Ubr.

Sonntag: Der selige Toupinel. Vorher: Friquette.

Belle-Alliance-Theater. Sonnabend: 3. Gasft- spiel von Ernesto Rossi mit seiner Gesellschaft. Zum ersten Male: Richelieu. Dramma in 5 atti di Bulwer Lytton. Anfang 7 Uhr.

Sonntag: 4. Gastspiel von Ernesto Rossi mit seiner Gesellshaft. Auf vielseitiges Verlangen: Othello.

Adolph Ernfst-Theater. Sonnabend: Zum 22, Male: Adam und Eva. Gesangsposse in 4 Akten von Eduard Jacobson und Leopold Ely. Couplets von Jacobson und Gustav Görß. Musik von Adolph Ferron. Anfang 7F Uhr.

Sonntag: Diesclbe Vorstellung.

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße 30.

Sonnabend: Zum 33. Male: Der Registrator auf Reiseu. Poffe mit Gesang von A. L'Arronge, G. von Moser. Musik von R. Bial und G. Steffens. Die neuen Couplets von A, Bender. Cäsar Wichtig: Emil Thomas. Anfang 7# Uhr.

Sonntag und folgende Tage: Der Registrator auf Neisen.

Concert-Anzeigen.

Concert-Haus. Sonnabend: Carl Meyder-

Concert unter Mitwirkung der Concertsängerin Frl, Mercanti,

Wien, 6. März. bei dem deutshen Botschaster Prinzen Reuß wohnte au<h der Erzherzog Albrecht bei.

Amstetten, Stationen Weißenbach und Groß-Reifling der Kron- prinz-Rudolf-Bahn Nacht in Folge eines Felssturzes, Unwetter herbeigeführt hatte, wagen und drei Wagen des Personenzuges St. Michael— Amstetten und stürzten in das Flußbett der Enns. Ein Reisender, der Lokomotivführer und zwei Condukteure sind Der Heizer wird vermißt.

London, 6. März. bei den Verhandlungen Lord Salisbury's mit dem Gouverneur und Ober-Kommissar Loh und dem Premier- Minister des Kaplandes Rhodes über die südafrikani- Angelegenheiten Portugal einmal , Portugal verlangten Landstreifen nördlih von Tete abzutreten, da solhe Konzessionen nur zu Verwi>elungen führen würden. Die Stipulationen ständen daher fast genau noch ebenso, wie fie in dem nicht zu Stande gekommenen Vertrage vom 20. Augusts vereinbart gewesen seien, mit der einzigen Aus- nahme, daß, den Landstrih von Massikassi ausgenommen, jeßt der 33. Grad die Grenze auf der Seite von Manica bilde. Zu einer Abmachung auf dieser Grundlage hat das portu- giesishe Ministerium seine Zustimmung versagt. meint, daß bessere Bedingungen nicht hätten angeboten werden ibeus* fönnen, und daß nichts geshehen werde, um den Ablauf des bis « Prometheus", | ¿um 20. Mai cr. vereinbarten Modus vivendi zu verhindern.

London, 6. März. (W. T. B.) Nach den aus Ottawa (Canada) vorliegenden Meldungen beziffert sich die Ma- jorität, welch? dem Bundesparlament erhalten hat, auf 25 Stimmen, die Majorität ist also fast um die Hälfte geringer, als im leßten

Paris, 6. März. Buenos- Aires vom 5. d. M. meldet gerüchtweise, die Polizei- behörde in Cordoba habe dreißig mit Explosivstoffen ge- füllte Bomben mit Beschlag belegt.

Victoria“ der Pacetfahrt - Aktiengesellschaft ist

s{ön, peratur von 10 Grad R. im Schatten. zustand an Bord ist durhweg ein vortrefflicher. Nachrihten aus Deutschland lauten vom Sonntag. Sansibar, 5. Värz. British East - Africa- Company, Ma>enzie, welcher am Montag hier eintraf, ist für die von thm vertretene Gefell- chaft vom Sultan die Konzession zur Erhebung von Finanzzöllen in Sansibar erner erlangte Makenzie eine Abänderung der Kon- ezüglih des Territorialbesißzes der Gesellschaft, deren Lage somit si<h materiell verbessert hat. Compagnie übernimmt die Verwaltung von Witu, wohin Ma>enzie si< morgen begeben wird, um auf die vollständige Freilassung der Sklaven auf dem Gebiete von Witu hin-

Nach Sé<luß der Redaktion eingegangene

Depeszhen.

(W. T. B.) Der gestrigen Soiree

6. März. (W. T. B.) Zwischen den entgleisten in vergangener den das herrschende

die Maschine, der Kohlen-

(W. T. B.) Die „Times“ erfährt,

habe Rhodes darauf be- Konzessionen zu machen, beabsichtigt, den von

i keinerlei wie früher

Die „Times“

die Regierung bei den Neuwahlen in

(W. T. B.) Ein Telegramm aus

6. März. (W. T. B.) Der Schnelldampfer Hamburg - Amerikanischen mit seinen Passagieren 8 Uhr hier eingetroffen und wird Abend hiec vor Anker bleiben. Das der Wind mäßig bei einer Tem- Der Gesundheits- Die leßten

(R. B.) Dem Direktor der

und Pemba ertheilt

Die englische

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten, Zweiten und

Dritten Beilage.)

Sing - Akademie. Sonnabend, Abends 75 Uhr? Concert von Caroline Moll (Sopr.) und Alfred Sormann.

Zan

Urania, Anitalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes - Ausftellungs - Park (Lehrrer Bahnhof). Geöffnet von 12—11 Ußr. Täglih Vorstellung im Een Theater. Näheres die Anschlag- zeltel.

Familien-Nachrichten. Verlobt: Frl. Käthe Kittler mit Hrn. Alfred Ritter (Berlin). Frl. Emma Dorsch mit Hrn. Gutsbesißer Max von Herzberg (JIedroabno— Farienen). Frl. Marie Matthes mit Hrn. Ober-Ingenieur Georg Greifelt (Magdeburg). Freifräulein Elisabeth Bli> von Rottenburg mit Hrn. Rudolf Bergmann (Dresden— Berlin). Frl. Maria Mustafa mit Hrn. Aristidcs-Lambro (Leipzig—Salonihi) Frl. Alwine Goetze mit Hrn. Oékar Hoenni>e (Deuten). Frl. Doris Witthinri< mit Hrn. Otto Möller (Acterwebr). Vereheli<{t: Hr. Otto Weinoldt mit Frl. Ottilie Kettli (Leipzig - Dresden). Hr. Walther Schönfeld mit Frl. Helene Heidel (Leipzig). Geboren: Ein Sohn: Hrn. G. Tie (Kiel). Hrn. Ober - Ingenieur G. Germershausen (Charlottenbura). Hrn. v. Wedell-Parlow (Polßen). Hen. O. Ritter (Kleve). Eine Tochter: Hrn. Otto Koh (Volkmarêdorf). Hrn. C Bese>e (Altenhausen). Hrn. Paul Leske (Berlin). Hrn. Osfar Gambke (Leipzig- Volkmarksdorf). Hrn. Ewald Fri>e (Magdeburg). Gestorben: Hr. Friedr. Wilh, Brambeer (Para, Brasilien), Frau Titia Adelaide Herrmann, geb, de Pottère (Oldersum). Frl. Marie Enig-- borst (Schwerin). Hr. Rittergutsbesißer Georg Müller (auf Gollgowißz). Frau verw. Kanzlei- Rath Pauline Hoff, geb. Urban (Berlin). Hr. Hermann Kraffert (Berlin). Frau verw. Karoline Saust, geb. Gneist (Halle a. S.).

Redacteur: Dr. H. Klee, Direktor.

Berlin: Verlag der Expedition (S <olz).

Dru> der Norddeutshen Buchdruckerei und Verlags+ Anstalt, Berlin 8W., Wilhelmstraße Nr. 32.

Acht Beilagen (eins<{ließli< Börsen - Beilage).

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Slaals-Anzeiger.

Berlin, Freitag, den 6. März

M D

Deutscher Reichstag. 81, Sizung vom Donnerstag, 5. März, 1 Uhr.

Am Tische des Bundesraths: der Reichskanzler von Caprivi, der Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. von Boetticher, dec Staatssekretär des Reichs-Marine- amts, Vize-Admiral Hollmann, der Präsident des Reichs-

Eisenbahnamts Dr. Schulz. ß :

Von dem Extraordinarium des Etats der Reichs-

Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen sind no< rüd>ständig: die erste Rate von 2 Millionen Mark für die Herstellung einer normalspurigen Eisenbahn von Mommenheim über Obermodern na<h Saargemünd, erste Rate zur Weiterführung der Eisenbahn Colmar-Münster bis Megzeral, 80000 6 zur Erweiterung der Geleise auf dem Bahnhof Esch und 85000 4 zur Erweite- rung der Reparatur-Werkstätte auf dem Bahnhof Luxemburg. . - ___Die Budgetkommission empfiehlt die Bewilligung sämmt- liher Forderungen. Die Bahn Mommenheim—Saargemünd mit Abzweigung na<h Saaralben kostet 26 961 000 s, wovon 23 205 750 M. aus Reichsfonds, 3755250 M als Zuschuß à fonds perdu von Elsaß-Lothringen gewährt werden follen. Die Rentabilität der vom Reih aufzubringenden Summe ist auf 2,60 Proz. veranschlagt.

Referent Abg. Hammacher: Die Eisenbahn Mommenheim— Saargemünd entspre<he den wirths{aftlihen Bedürfnissen eines er- heblicen Theils von Elsaß - Lothringen und helfe den Transport- \{wierigkeiten zwishen Saarbrücken und Straßburg ab. Die relativ hohen Koften, zu denen das Reichsland selbst einen Beitrag von bei- nahe vier Millionen stelle, seien dur< Terrains{<wierigkeiten veranlaßt und würden no< erhebli< größer sein, wenn eine andere Trace, wel<he über Bucsweiler gehe, und für welhe sid eine Anzahl Petenten auéspräWen , vorgezogen würde. Nach wiederholter genauer Prüfung empfehle die Kommission das Negtierungsprojekt zur Annabme.

Abg. Höffel: Für den Bau der Bahn spreche zuerst ihre Ren- tabilität, da selbst nah Abzug der Verluste, die die {on bestehenden Bahnen erleiden würden, cine Verzinsung des Kapitals mit 2,6 %/a fich ergeben werde. Das von der Cisenbahn zu dur<s<{neidende Gebiet Habe jeßt no< so gut wie gar feine Etsenbahnverbindung, während Steinbrüche, eine Glasfabrik, Hopfenaniagen und Vieh- wirthschaft dort vorhanden seien; die Bewohner der Reichslande hofften, daß si< an die projektirte bald weitere Bahnen nah dem Osten ans<ließen würden, und das fônne nur mit Freuden begrüßt werden, na<hdem fie große Verluste dur< die tgeilweise Sperre der Westgrenze erlitten hätten. Die Elsaß Lothringer hätten in der leßten Zeit gehofft, diese Sperre baid beseitigt und normale Verhältnisse zwi1<en den beiden benahbarten großen Staaten eintreten zu schen, aber leider seien in den leßten Tagen ihre Hoffaungen ge- s<wunden; allen Erleichterungen der leßten Monate fei mit einem Schlage ein Ende gema>t dur< das unpatriotishe Ver- halten eines Haufens von Leuten, die für fi< das Monopol des Patriotismus in Anspru nähmen, die unter Vaterlandsliebe und Treue nur die mißfällige Beurtheilung der Anderen verständen, die den Patriotismus darin sähen, daß man mit den großen Sclag- wörtern Vaterland, Ehre, Elsaß-Lothringen um fich werfe, die als Generalpächter der öffentlihen Meinung auftreten zu foilen glaubten, handwerksmäßig Andere verurtheilten, die das Diplom des Patriotis- mus heute gäben und morgen zurü>nhmen und den Chauvinismus als Patriotismus ansähen. Die Elsaß-Lothringer hätten nie ctwas gemeinsam gehast- mit diesen Leuten (Beifall), sie hätten au heute ni<ts gemein mit ihnen; er protestire und babe dabei die ganze Be- völkerung von Elsaß-Lothringen hinter si, er protestire gcgen den Mißbrauch, den man dort in den leßten Tagen mit dem Namen Elsaß-Lothringen getrieben babe. (Lebhafter Beifall.) Aber nit Frankrei sei in Elsaß-Lothringen getroffen, das deuts<e Reichsland und sein? Bewohner müßten büßen für die Unarten eines immer- hin nur geringen Theils der Pariser Bevölkerung, dessen Handeln selbst dort in weiten Schichten Verachtung und Verurtheilung finde. Deshalb sei es bô<sstt erfreuliß, wenn dafür na< Often neue Verkehrswege eröffnet würden. Leider lasse die projektirte Trace die bedeutenden Orte Saargemünd, Howhfelden und Buchsweiler unberührt, weil angebli bei Berüh- rung dieser Ortschaften eine ganz erheblihe Steigung und damit große Mehrkosten eintreten müßten; in der That würde die Stei- gungédifferenz nur 6 m betragen, da der ohnehin \{le<t gelegene jeßige Bu@sweiler Bahnhof keine Verwendung finden könnte, und da diese Linie kürzer fei, als die projektirte, so wür®en die durch die Stei- gung veranlaßten Mehrkosten ausgeglihen. Die über Buch8weiler führende Linie sei feit Jahren in Aussicht genomznen; frühere Bahn- linien fcien ausdrü>li< als Theilstre>en derselben bezeihnet worden, für wele fi< no< in jüngster Zeit der Landesaus\{uß, viele Inter- essenten und Volksversammlungen ausgespro@en hätten. Da der elsaß-lothringishe Landesaus\{uß zu der Bahnlinie vier Millionen beisteuern solle, wäre es wobl nicht unbillig, die Wünsche des Landes ein wenig mebr zu berüc>sihtigen. Er (Redner) könne nit erwarten, daß der Beschluß der Kommission hier geändert werden würde, sondern nur hoffen, daß die Regierung nah no<maliger Prüfung der Ver- hältnisse dem Lande etwas mehr Entgegenkommen zeigen werde.

Bundesraths-Kommissar, Wirklicher Geheimer Ober-Regierung®- Rath Kinel: Die Linie über Buchsweiler sei zu einer Zeit ins Auge gefaßt worden, als man die in Rede stehende Bahn als Sekundärbahn projektirt hatte. Bei Errichtung iner Volübahn würden die do< sehr erheblichen Steigungen und anderen Terrains(wierigkeiten große Mehrkosten verursachen. Auch seien die genannten Orte nit so bedeutend, daß ihre Be- rührung diese Mehrkosten lohnen würde. Der Ort Buchsweiler speziell könne {on darum keine besondere Berücksichtigung beanspruchen, weil er ohnehin an drei Bahnlinien gelegen fei.

Der Titel wird bewilligt, desgleichen ohne Debatte der Rest des Extraordinariums und die Einnahmen des Etats der Reih s-Eisenbahnverwaltung. :

Es folgt der Etat des Reihs-Eisenbahnamts. Bei den Ausgaben bemerkt

Abg. Graf Udo zu Stolberg: Er richte an den Präsidenten des Reichs-Eisenbahnamts die Frage, in welhem Stadium si die Erörterungen über die Einführung der fogenaunten Einheitszeit be- fänden. Der Verein deutsher Eisenbahnverwaltungen, welcher die deutshen und österreihis<en Bahnen umfafse, habe am 1. August v. J. beschlossen, für den nächsten Sommerfahrplan die mitteleuropäische

eit als Einheitszeit einzuführen. Dagegen hätten Vertreter der Wissens <aft mehrfa< gegen die Einführung einer solhen Zonenzeit Wider- pru< erhoben, namentli der Direktor der Berliner Sternwarte Profesor Wilhelm Förster in einer Broshüre „Weltzeit und

rtszeit*, aus welcher zu ersehen sei, daß für die Wissenschaft die Grhaltung der Ortszeit und der Weltzeit notbwendig seien. Er (Redner) wolle das nit bestreiten, aber im Eisenbahninteresse und au< im militärishen Interesse sei die Einführung einer Zonenzeit dringend zu wünschen, Im Eisenbahndienst bestehe der Dualismus,

daß für den inneren Dienst eine Einheitszeit, für den äußeren im Verkehr mit dem Publikum die Ortezeit gelte. Das gehe wohl auf größeren Bahnhöfen, wo ein Theil des Bahnbofs- personals den inneren Dienst versehe und ein anderer mit dem Publikum verkehre, aber nicht auf kleinen Stationen, wo der Vor- steher oder dessen Stellvertreter, also ein Weichensteller erster Klafse, die doppelte Funktion habe. Er versehe den inneren Dienst na< Berliner Zeit und verkehre mit tem Publikum nah der Orts- zeit. Das könne leiht den Anlaß zu Unglü>ksfällen geben, nament- li< in solchen Zeiten, wie im leßten Winter, wo kein Zug ohne Verspätung angekommen sei und die Kreuzungen immer auf anderen Stationen stattgefunden bâtten, als der Fahrplan vorsab. Dieser Nachtheil habe si am Meifien in Amerika füblbar gemacht, weil dort bei der Ausdehnung des Landes die Zeitdifferenz größer sei, nämli< von Grenze zu Grenze vier bis fünf Stunden. Deshalb habe man jeßt Amerika in fünf Zonen getbeilt und die Zonenzeit eingeführt, was si au< fo bewährt babe, daß fast alle Städte die Zonenzeit auch für das bürgerliche Leben angenommen hätten. Von militärischer Seite sei der Vorschlag gema<ht worden, im Fall ciner Mobilmachung die Einheitszeit einzuführen. Dieser Vors@lag, so plößlih bei der Mobilmachung alle na der Ortszeit getroffenen Einrichtungen umzuwerfen und nach der Einheitszeit zu fahren, lafse nh theoretis< fkonstruiren, sei aber in der Praxis undur{<führbar. Darum sollte man überhaupt von vornherein die Einheit8szeit ein- führen und zwar möge die Wissenschaft die Weltzeit und die Eisen- bahn die Zonenzeit anstreben.

Präsident des Reihs-Eifénbahnamts Dr. Sulz: Der Besluß der Generalversammlung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen vom vorigen Sommer beziehe sih ledigli<h auf den inneren Dienst der Eisenbahnen, für welche die sogenannte mitteleuropäis<e Zeit im nähsten Sommerfahrplan eingeführt werde. Auf den Verkehr der Eisenbahnen mit dem Publikum bleibe dies gänzlih ohne Einfluß. Die Frage, ob später die für das Publikum bestimmten Pläne glei<falls na< der Einheitszeit aufgestellt werden würden, hänge mit der Frage zusammen, ob es si empfehle, eine Einheitszeit im bürgerlihen Leben einzuführen, Ueber diese Frage \{webten zur Zeit Erörterungen zwischen der Reibs- und den Bundesregierungen, ins- besondere denen, welche größere Eisenbahnneße verwalten. Er (Redner) sei nicht in der Lage, zur Zeit über diese Verhandlungen Mittheilungen zu machen. _

Abg. Freiherr von Stumm: Für den inneren Dienst eine Einheitszeit cinzuführen, fônne man den Eisenbahnen ruhig über- lassen, aber bei der Frage, ob für die ganze bürgerlihe Ge!ellshaft cine Einheitszeit angebraht wäre, hätten nit nur die Interefsca der Wissenschaft und der Eisenbahnen, sondern die Interessen aler Völker mitzusprehen. Mit derselben Entschiedenheit wie Förster habe i auch der Direktor der Breslauer Sternwarte Galle gegen diese Idee ausgesprochen. Bei einer Mobilmachung plögli<h alle Uhren umzu- stellen, wäre allerdings niht möglih, Prof. Förster habe nahgewiesen, daß alle Beobachtung8wissenschaften, Astronomie, Metecrologie 2c., die Ortszeit ni<t entbehren könnten. Die Frage sei auf sämmtliche Geschäfte von Landwirthschaft und Industrie von Einfluß); der Land- wirth müsse aus dem Kalender richtig ersehen könneu, wann die Sonne aufgeht, um seine Arbeiten dana< einzurichten. Auch für die Fabriken sei es wichtig, da sie je nach der Jahreszeit verschieden mit der Arbeit begännen. Bei Einführung der Zonenzeit müßten 200 verschiedene Kalender für Deutschland aufgestellt werden, in wel<e Auf- und Untergang der Sonne und was damit zusammenhängt, aufzunehmen wäre, um für jeden Ort annähernd die nöthigen Dar- legungen zu machen. Am Stärksten würde dec Einfluß für den Grenz- verkehr fein. Der Verkehr vou, Elsaß - Lothringen mit Luxemburg, Frankreich und der Schweiz werde sehr {hwierig, wenn die Uhren um eine <tunde differirten. Die luxemburgischen Eisenbahnen würden von der Reichs-Eisenbahnverwaltung verwaltet. Solle si Luxemburg etwa dem Stargarder Meridian anf<{ließen ? Der Pariser Meridian läge ihm do< näher, und wenn es Luxemburg thäte, so entständen dieselben Schwierigkeiten zwischen Luxemburg und Belgien. Daß die Reform si in Amerika bewährt habe, liege an den besonderen dortigen Eisenbahnverwaltungen, Die Schwierig- keit für die Reisenden, an jedem Ort ihre Uhr anders zu ftellen, sei niht so groß, wie die aus der Einheitszeit entstehenden. Für die Eisenbahnen liege die Schwierigkeit nicht in den großen Stationen, sondern in den kleinen. Dort seien genügend Beamte vorhanden, welhe die Umrehnungen machen könnten. Wenn die Unglüdsfälle fi ohne die Einheitszeit erheblih vermehrt hätten, wäre Preußen do längst von der Ortszeit abgegangen. Militärishe Gesichtspunkte allein könnten ihn (Redner) bestimmen, alle diese Bedenken zurü>- treten zu lassen, weil die Sicherheit des Vaterlandes in allererster Linie stehe. Kompetente Personen des Heeres und der Marine hätten ihm aber gesagt, daß si? gar keinen Werth auf die Einbeitszeit legten, sondern nur auf eine gemeinschaftliße Normalzeit für die Staaten, welche fi unter Umständen zu einer gemeinschaftlichen Aktion vereinigen. Die Interessen der Eisenbahnverwaltung seien nit so zwingend bei dieser Frage, wie die der seßhaften Bevölkerung. Diese habe das woblerworbene Recht, das fie seit Jahrtausenden ausübe, ihre Tagesarbeit auf Grund des Standes der Sonne ein- zurihten. .

Abg. Graf Udo zu Stolberg behält si< vor, bei der dritten Lesung auf die Angelegenheit zurü>zukommen.

: Abg. Rösi>e: Mehrere deutshe Eisenbahnverwaltungen nähmen für fic das Recht in Anspru<, Wagenstrafgelder vom Empfänger zu erheben, au< wenn diefen die Schuld der Verzögerung nicht trefffe, sondern die Zoll- oder Steuerbehörde, die der Aufforde- rung zur Lösung der Wagen nicht rechtzeitig nachgekommen sei. Eine Beschwerde hierüber bei der Hessischen Ludwigsbahn sei zurü>- gewiesen worden mit dem Bemerken, daß ein derartiges Verfahren ganz allgemein und unzweifelhaft gere<tfertigt sei. Seiner (Redners) Meinung nah widersprehe es der Rehtsanshauung und au der Würde des Staats. Er erlaube si die Anfrage, ob alle deuts{ben Eisenbahnen dieselbe Praxis übten und wie si< das Reichs-Eisen- bahnamt dazu stelle.

Präsident des Rei{s-Eisenbahnamts Dr. Schulz: Ueber die Recbtsfrage des Verhaltens mehrerer Eisenbahnverwaltungen könne man vielleiht vershiedener Meinung sein. Er (Redner) neige der Ansicht zu, daß es der Billigkeit entspre<e, den Empfänger nicht verantwortli< zu mahen für die verspätete Zollabfertigung. Das Reichs-Eisenbahnamt habe vor Kurzem Anlaß genommen, in diesem Sinne sih mit der preußishen Eisenbahnverwaltung in Verbindung zu seßen, und nahdem die Angelegenheit kürzlih in der General- fonferenz der deuts<en Eisenbahnverwaltungen ohne befriedigenden Verlauf erörtert worden sei, habe der Minister der 6ffentli<hen Arbeiten in einem Sinne an die Staats-Eisenbahndirektionen Verfügung getroffen, den au< er (Redner) als der Billigkeit entspre<end be- zeihnen könne. Das Reihs-Eisenbahnamt werde die Sache auch weiter verfolgen. ; i

Abg. Richter möchte die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Frage der Kohlenausfuhr ins Ausland lenken, die in diesem Augen- bli> ein akutes öffentlihes Interesse dur das bekannte Reskript des Handels-Ministers an die Handelskammern erhalten habe. r (Redner) sei kein Freund folcher Einmischungen ministerieller Refkripte in die Frage der Erfüllung privatrehtliwer Verbindlichkeiten. Die Erörterungen im Abgeordnetenhause im Anschluß an das Reskript hätten dahin geführt, festzustellen, daß jedenfalls Einrichtungen der

1891.

Eisenbahnverwaltung beständen, die namentli< in sol<hen Zeiten, wie in diesem Januar, die Ausfubr von Koblen ins Ausland auf Kosten der inländischen Konsumenten begünstigten. Die „Kölnische Zeitung“ habe fürzlih einen interessanten Bericht über eine Verhandlung des bergbaulihen Vereins des Ober-Bergamtsbezirks Dortmund gebracht, in der der General-Direktor Kirdorf der Gelsenkirhener Bergwerks- gesells<haft sih ausführlih über die dem Reskript zu Grunte liegenden Vorkommnisse geäußert habe. Es sei allerdings richtig: die Kohlen- verbrauher des Inlandes hätten beladene Sonderzüge na< dem Auslande gehen sehen, während aus ven ‘verstoÞften Sammelbahnhöfen keine Wagen zu ihnen gekommen seien; daraus fônne man si< ein gewisses Mißtrauen unter den Kohleninteressenten erklären. Der be- treffende General-Direktor habe mehrere Verfügungen der Bahn- verwaltung an fein Bergwerk mitgetheilt, aus denen hervorgehe, daß gerade in der Zeit der Kohlennoth der Ausfuhr von Kohlen Vor- \hub geleistet sei. Der General-Direktor habe weiter ausgesagt, daß ges<lossene Sonderzüge für Koblenausfuhr na< kontraktli<en Bestimmungen der Staatsbahnverwaltung hätten abgehen müssen. Er (Redner) sei weit entfernt, der Eisenbabnverwaltung einen Vor- wurf zu machen, aber es sei entschieden etwas geschehen, was den in- ländischen Konsum benachtheiligt habe. Im Abgeordnetenhause fei dur< den Regierungskommisfsar konstatirt worden, daß die Eisenbahn- verwaltung den Zewen gegenüber verpflichtet sei, bis vier und mekr Züge aus je 20 Wagen bei Vermeidung von Konventionalstrafen abzufertigen; dies geschehe deshalb, um der Konkurrenz der englischen Koble in Holland zu begegnen, weil, wenn man die Holländer nicht verpflichtete, Winter und Sommer die westfälishe Kohle zu be- ziehen, sie allein im Winter Kohlen aus Westfalen, im Sommer dagegen solhe aus England beziehen würden. Das Ganze sei ein künstlihes System der Koßlenausfubrbeförderung. Wenn ein- mal Extrazüge in Frage kämen, müfse allerdings die Eisenbahn- verwaltung darauf dringen, daß im Interesse des internationalen Ver- fehrs keine Stockung eintrete, weil si< diese dann im ganzen Rayon fortpflanze. Was aber entständen für Situationen, wenn solhe Einrichtungen ausgeführt würden in dem Augenbli>, wo es im höchsten Maße wünschenswerth sci, die inländische Kohle zu behalten ? Es seien das die Konsequenzen der seit Jahren betriebenen Begünstigung der Kohlenausfuhr ins Ausland, namentli au< dur< billigere Tarife. Es seien u. A. billige Tarife eingeführt, um von der Ruhr aus die Pariser Gaswerke mit Kohlen zu versorgen, und Extrazüge von Paris seien es au< wesentli< gewesen, die die Ver- spätungen herbeigeführt und die inländis<hen Abnehmer ins Hinter- treffen gebracht hätten. Oberschlesishe Kohlen würden von Berlin na< Swinemünde billiger befördert, als englis<he von Swinemünde nah Berlin; böhmische Braunkohlen kämen aus Böhmen billiger als die sähsishen. Früher habe man gesagt, daß die englishe Kohle im Preise zu hoh stände, als daß sie mit anderen Kohlen auth bei gleichen Tarifen fonkurriren könnte. JIeyt höre man, daß die Eisenbahn- verroaltung selbst dazu habe übergehen müssen, für ihren eigenen Be- darf englische Kohle zu bestellen. So habe si die Konjunktur ver- ändekt. Die Firma Krupp, die felbst Kohlengruben besitze, habe si Kohlen aus England na< Essen, also mitten ins Ruhrrevier, fommen lassen. Bei den Anschaffungen der staatlihea Eisenbahn- verwaltungen habe die Frachtverrehnung nur eine falkulatorische Bedeutung ; anders stelle ih die Sache bei Privaten, die unter folhen Situationen zu leiden hätten. Die amtlihe Statistik der Kohlen- ausfuhr und -Einfuhr von 1890 mit der von 1889 vecglichen zeige, daß die Einfuhr ausländisher Kohlen um 3 Millionen Doppelcentner abgenommen, daß die Ausfuhr dagegen um Z3 Millionen zugenommen habe; das mae also einen Untershied von 6 Millionen zu Ungunsten der deutschen Konsumenten gegen das Vorjabr. Das sei ein wesent- lihes Moment, die Kohlen zu vertheuern. Bei Koks ergebe sich gleichfalls cine Verschlehterung der Lage des inländishen Kon- \sumenten um 3 Millionen Doppelcentner. Gegen den früheren An- trag seiner Partei, eine glei<mäßige Gestaltung der Kohlentarife dur<zuführen, habe man formelle Bedenken erhoben und Zweifel aus der Reichsverfassung hergeleitet. Der Antrag fei in der Kommission wie im Hause abgelehnt worden. Viellei<t würde dieser Antrag beute bei den veränderten Verhältnissen ein besseres Schi>kfal haben, er wolle ihn aber troßdem nicht einbringen. Redner und seine Partei könnten aber niht darauf verzihten, von dem Neihs-Eisenbahnamt nähere Auskunft zu erbitten, und er stelle deshalb den Antrag:

Dem Reichstage baldmöglihst die Uebersiht vorzulegen derjenigen Ausnahmetarife deutsher Eisenbahnverwaltungen, welche dazu bestimmt sind, die Ausfuhr deutscher Koblen ins Ausland und die Konkurrenz inländisher Kohlen mit ausländischen Koblen zu begünstigen.

Aus dem Material des preußischen nur sehr mühsam Auskunft zu gewinnen. Es fehle au< das analoge Material in Bezug auf Eisenbahnverwaltungen anderer deutscher Staaten. Es handele s< um eine sehr wichtige Frage des inter- nationalen deutshen Koblenverkehrs.

Abg. Hammacher: Gegen den Antrag Richter habe wohl faum ein Mitglied des Hauses etwas einzuwenden; er werde zur In- formation dienen und zeigen, daß es mit den Exporttarifen dur<aus niht \{limm stehe. Hr. Richter habe geglaubt, die Thatsache, daß in neuerer Zeit die preußische Eisenbahnverwaltung und einer der größten Industriellen Deutshlands si< veranlaßt gesehen haben, englische Steinkohlen zu beziehen, damit in Zusammenhang bringen zu können, daß durch di- Tarife die deutshen Kohlen vertheuert scien. Es sei ein öffentlihes Geheimniß, daß die Staats-Eisenbahnverwaltung nur deshalb ihre Kohlenvorräthe mit englis<hen Kohlen verstärkt habe, weil in Folge des lang dauernden Winters und der bekannten Verkehrssto>ungen die Vorräthe ni<ht in dem vom öffentlichen Interesse bestimmten Umfang hätten erhalten werden können, und weil die Verkehrsverhältnisse im obershlesishen Be>ken eine reht- zeitige Erlangung der Kohlen no< nit gewährleisteten. Aehnlich liege die Sache bei der Firma Krupp. Nach seiner (Redners) Ueberzeugung habe se nur deshalb englis<e Kohlen bezogen, weil sie den Ausbruch eines neuen Strikes im Kohlenreviere befürhtete und sih vorber in den Besiß der nöthigen Vorräthe habe seßen wollen, um ibre eigenen Arbeiter später beshäftigen zu können. Daß die Ein- fuhr englisher Kohlen im Vorjahre abgenommen habe, beweise nihts weiter, als daß die Preise der englishen Kohle no< höher geworden seien, als die der deutshen. Sogar der Versand der westfälishen Kohle nah Hamburg habe zugenommen, obgleich Hamburg auf dem billigsten Wege englishe Kohlen beziehen könnte. Wie wäre das anders zu erklären, als aus einer Preiserhöhung der englishen Kohle gegenüber der deutshen? Er könne si< sehr wohl denken, daß die Rü>siht auf die vertragsmäßige Verabredung, auf die größere Leichtigkeit, geshlossene Züge aus dem eintnal entstan- denen Wirrwarr der Wagen und Lokomotiven herauszuführen, die Re- gelung der internationalen Verpflichtungen leiter gemaht habe. Mit der Steigerung der Kohlenpreise aber habe diese Sache Nichts zu thun. Was die Regelung der Steinkohlentarife im Verkehr West- falens mit Holland betreffe, so sei dabei au< die Konkurrenz der Schiffahrt auf dem Rheinstrom entscheidend gewesen. Daß Kohlen billiger befördert würden als andere Güter, beruhe auf dem Grund- sas der deutshen Reichsverfassung, daß Rohmaterialien besonders billig befördert werden sollen. Produzent und Konsument bätten sich auc bisher re<t gut gestanden. Holland, Luxemburg und ein E Theil von Lothringen gehörten heute bereits zu dem natürlichen Abe

Landeseisenbahnraths sei