1891 / 59 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

M M E R E S

den Berlinern, aber auch von der mustergültigen Auf- fübrung überzeugen. Im Zwischenakt nabm Hr. Held die Ge- legenbeit wabr, den einzelnen Darstellern, den Hrru. Klein, Hanno und Steiner, den Damen Offeney, Lejo und Schmidt, sowie dem Inscexator Direktor Friyshe und Kapellmeister Federmann seinen Dank auszusprechen.

Belle-Alliance-Theater.

Am Sonnabend trat Ernesto Rossi als Richelieu in dem gleibnamigen Drama von Bulwer Lytton auf. Das unbedeutende und oberflächlih gearbeitete Stück ist wenig bekannt, denn es wird in der Regel nur aus der Vergessenheit bervorgeholt, wenn virtuose Darsteller erften Ranges, wie etwa Friedri Haase und Salvini, oder jeßt Roffi in der Titelrolle ibre \{chauspielerishe Kraft efffektvoll zeigen wollen. Dicsen Zweck hat E. Rossi am Sonnabend in vollem Maße erreiht; er brachte als Richelieu warme väterlice Gefühle für sein geliebies Mündel Giulia mit Naturtreue zum Auédruck und zeichnete nicht minder wahr den Mann von starkem Gerechtigkeitsgefühl und glübeuder Vaterlandéliebe; der galante Hofmann und listige Rânke- Tchmied trat dagegen nur andeutungsweise in die Ersheinung. In den tragishen Momenten fteigerte Ro!si den Charakter zu bezwingender Größe, vor welcher die Macht seiner Feinde ch widerstandélos beugt. Im Ganzen ift der Richelieu, seinen klassishen Helden gegenüber, eine rubige, aber äußerst fein abschattirte Charafkterftudie, der sogar der warmherzige Ton des Humors niht fehlt. Der reie Beifall, welten E. Rossi's Leistung fand, war durchaus woblverdient. Auch die übrigen Darfteler fügten ih diesmal dem Gesammtspiel befser ein, als an den vorbergebenden Abenden. Sgra. Seraffini fand als Giulia di Montemar manchmal wirklih hberzlite und leidenschaftlihe Töne, Auch Sgr. Cappelli als Mauprat konnte im Allgemeinen zufriedenstellen. Den eigentlihen Intriganten des Stücks Baradas gab Sgr. Borelli mit ziemlich erfolgreihem Bemühen.

Das Theater war wieder nur \{waH beseßt; es wäre zu wünschen, daß dem mit Ret howgeshäßten Künstler ein zahlreiheres Publifkfun feine Anerkennung bewie}e.

Um Ernesto Rossi einen Rubetag zu ermöglichen, geht morgen das Repertoirestück „, Gavaut, Minard u. Co.“ von Gorndinet in Scene. Alsdann wird das Gastspiel Rofsfi's fortgesezt. Der italienische Meister wiederholt am Mittwoch auf vielseitiges Ver- langen den „Lear“, welhe Rolle er an diesem Tage in Berlin zum elten Mal spielt.

Adolpbh-Ernst-Theater.

Morgen findet das Jubiläum der 25. Aufführung der Gesangs-

pofse „Adam und Eva“ ftatt. Sing-Akademie.

Die Sopranistin Frl. Caroline Moll gab vorgeftern in Gemeinschaft mit dem Hofpianisten Alfred Sormann ein Concert, in welhem die Sängerin außer der Concert-Arie „Ah. perfido“ von Beethoven noch mehrere Lieder von Sg@tumann, Sormann, Marchesì , Brahms, Schubert, Lindblad, W. Taubert und die Coloratur-Variationen von Pro (ehemals ein Bravourstück der Frau Peschka-Leutner) vortrug. Wir bedauern kierüber nit viel Erfreulihes berihten zu können. Die Stimme fpriht zwar in den hohen Tönen leiht an, ist aber im Ganzen von geringem Wohlklang; außerdem fehlt der Sängerin eine tiefer ein- gehende Vortragsweise, wie fie in der genannten Arie und in den Schumann'’sch{en Liedern erforderlich ist. Besser gelangen ihr Tauberit's „Bogel im Walde“ und Pro's Variationen, in denen eine lobens- werthe Gewandtheit / in Ausführung \ch{neller Passagen und

Triller zu erkennen war. Freilich ist au bier nov größere |

Klarheit im Phbrafiren der Tongruppen zu wünschen. Hr. Sor- mann, wel@er unter den in der Königlihen Hoschule ausgebildeten Künstlern für einen der kervorragendsten gilt, hat i bereits frübßer durch sein sehr gediegenes und ausdrucksvolles Spiel

Neuem, daß er den Vortrag Beetboven’s{er und Mendels\ohn' scher Werke ebenso sicher zu beberrschen weiß, wie den der neueren Kom- positionen von Brahms und Liszt. Allgemeiner und wohlverdienter Beifall folgte seinen Leistungen. Die Klavierbegleituna der Gesänge befand sich wieder in den ge|chickten Händen des Hrn. Bake.

Mannigfaltiges.

Pastor Schul 6, der zweite Seclsorger an der Dreifaltig- keitsfkirche, feierte gestern das Iubiläum seiner 25jährigenAmts- thätigkeit in der Dreifaltigkeitäsgemeinde. Der Altarplatz des Gottes- bauses war mit Blattpflanzen, die Kanzel mit Guirlanden und Kränzen ges{müdt. Die Kirche war zum Hauptgotteëdienfst dit beseßt. Vor dem Altar batten die Amtébrüder und die Mitglieder beider Gemeindekir{en- behörden Plaß genommen. Auch der Staats-Minister Dr. von Boetticher war. ers/chienen. Die Festpredigt knüpfte der Jubilar an denfelben Text aus Römer 15, 29 und 39 an, den er seiner ersten Predigt an dieser Stätte zu Grunde gelegt hatte. Mit berz!ihen Worten dankte der Jubilar der Gemeinde für die ihm bewiesene Theilnabme in guten und {weren Tagen. Nach dem Gottesdienst wurde ibm im Korfirmandensaal durch Ober - Konsistorial- Ratb Dryander eine Adresse überreibt, in der die Gemeinde ihren Dank für die gesegnete Wirksamkeit des Jubilars niedergelegt batte. Die Atrefse lag in einer kostbaren Decke aus blauem Sammt.

Zum Vorstand des Architektenvereins in Berlin für as Iabr 1891 sind folgende Herren gewählt bezw. wiedergewählt worden: Geheimer Ober-Baurath Voigtel, Vorsitzender; Gebcimer Ober-Bauratbh Iungnickel, Stellvertreter des Vorsitzenden; Eisenbahn- Bauinip:ktor G. Mever, Säâckelmeifster; ferner die Hrrn. Geheimer Baurath Appelius, Stadt-Baurath Blankenstein, Regierungs- und Baurath Eggert, Professor Goering, Geheimer Ober-Baurath Hagen, Baurath Hoßfeld, Geheimer Baurath Keller, Geheimer Baurath Sarrazin, Baurath Wallot.

London, 9. März. In Nord-Englan-d war, wie das T. B.* mittzeilt, gestern starker Schneefall. In verscie- l enden von Northumberland, Nord- und Süd-Shields, Oft- lorfshire und Nord-Wales liegt der Schnee bis sechs Zoll hoch.

a. Der „P Zta3.* wird mitgetheilt: Die Stadt im südliben Rußland war länger als drei Wochen voll- t Schnee begraben und von allem Verkehr mit der Außenwelt abge{chlofen. Zebatausend Arbeiter mußten sid T=g und Nacht müben, um nur die Hauptstraßen dec Stadt wieder zugänglich zu machen. Die Schneestürme des vorigen Monats hatten besonders auf den Bahnstreden eine SckEneemauer aufgethürmt, die an einzelnen Punkten eine Höhe von 60 Fuß erreihte. Unter solden Umständen konnte natürlich der Landftraßen- nd Babnverkehr noch nicht wieder auf- genommen werden, und wenn es nit gelungen wäre, der Stadt einen Zugang zu dem gefrorenen Asowschen Meere zu öffnen und eine aller- dings sebr beswerliße und umständliße Schlittenverbindung mit der Stadt Rostcew am Don berzustelen, so wäre der größte Theil ter Einwobner von Taganrog rettungeleos dem Hungertote ver- fallen, da die in der Stadt vorbanden gewesenen Lebensmittel nur für einige Tage ausreihten und nur den wenigen bemittelten Vürgern zu Gute kamen.

Nach Shluß der Redaktion eingegangene Depeschen. __ Breslau, 9, März, (W. T. B.) Gestern Miitag passirte das Eis von Oberschlesien Breslau, ohne Schaden zu ver-

ursahen. Die Oder ist nunmehr ober- und unterhalb Breslaus eisfrei. Bei Ratibor hatte die Oder 2,50 m über der Ausuferungshöhe erreiht und Wege und Brücken

| unter Wasser gesegt; bei Tworkau hat der Fluß den | Ds durhbrochen und ergießt fih nunmehr gegen den S g - QOî S i i vortheilhaft bekannt gemacht, und bewies auch an diesem Abend von | Bahndamm der Ratibor - Oderberger Strecke. Bei

Brieg steigt die Oder fortwährend; die Oderaue und die

| Feldmarken bei Garbendorf sowie mehrere Niederungen

nd unter Wi - : ; Hamburg, 9. März, (W. T. B.) Jn der vergangenen Nacht entstand in der zweiten Elbstraße Nr. 36 durch eine

Wetterberi {t vom 9, März, Morgens 8 Ubr.

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1) Gest. anhalt. S{nee und Regen. _?) Nachts Schnee und Regen. ?) Nack&ts ftarker Schneefall.

Nebersiht der Witterung.

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Thermidor. Sardou.

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Richard Wagner. Æ 2 1 C gefeßt vom Ober-Regisseur Teßlaff. Dirigent: | 7 Ubr. S E pellraeift Anfang 7# Uhr. | Mitiwo@: Dicselbe Vorstellung, Swhauspielhaus, 66, Vorstellung. Der nene Herr. Scauspiel in 7 Vorgängen von Ernft von Wildenbru%. In Scene geseßt vom Dber-Regisseur burg. Dienstag: Zum 60 Male: Der selige Tou- R f . r 1 mir e Sr - 7 R R L E E Be E E C E E is L E E F S P: E E I ; s L E inel (Feu Toupinel). S&nranf in 3 ften Mittwoch: Opernhaus. 61, Borftellung, As ga E anterie Bifson R von Siflao vog 6 , 7 j - A É 30 1: Q. Oper in 2 Akten von Ianaß | Mofer, In Scene gesezt von Sigmund Lautenburg.

Kapellmeister Sucher.

War Grube. Anfang 7 Ukr.

fr R ige Z Z L Brüúll. Text nah dem FranzösisWen von H. S. v. | 7 ; ck Lt cir - : Mosenthal. Tanz von Paul Taglioni. (Gontran : | E E Lustspiel in 1 Aft | Rerlobt: Frl. Margarethe Herold mit Hrn

—1 | Hr. Friedri Erl, vom Großberzogl. Hof: und : R ftill wolkenlos —6 | National-Theater in Mannheim, als Ga ft.) Zum Die Schulreiterin.

1 wolkenlos | —10 | 2 Aften und 4 Bildern von E. Taubert und Emil | 1'balb bed. | —8 | Graeb, Mußk von Hertel. Anfang 7 Uhr. | Swauîpielhaus. 67, Vorstellung. Ein Schritt Le I Laa in 4 Aufzügen von Ernft Bichert. Anfan i :

d E Fr Weyl. Anfang 7F Ubr.

Berliner Theater, Dienstag: Arbeit. Anfang

Mittwoch : Maria Stuart. Donrerstag: Graf Waldemar.

Tessing-Theater. Dienstag: Zum ersten Male: a z m Drama in 4 Akten von Victorien | Dienstag: Zum 36. Male: Der Registrator S auf Reisen. Pofse mit Gcsang von A. L'Arronge,

|

Petroleum-Erxplosion ein Ladenbrand. Es gelang, elf Personen aus den Etagen zu retten. Ein Mädchen, welches En erlitten hatte, mußte ins Krankenhaus gebracht werden.

Prag, 9. März. (W. T. B.) Wegen des Steigens der Moldau isst der Verkehr von Groß-Wossek nah Kolin eingestellt. Jn Folge des Einsturzes von Eisenbahnbrüdcken ist der Verkehr von Groß-Wossek nah Königgräß bis jezt nicht wieder aufgenommen worden,

Lemberg, 9. März. (W. T. B.) Gegenüber den Ge- rüchten von Fudenverfolgungen in Galizien, insbeson- dere in Kolomea, wird von authentischer Seite festgestellt, daß die Ruhe nur in den Ortschaften Sloboda und Rungorska, wo große Naphithagruben find, in Folge von Arbeiterexcessen in der Naht von Sonnabend bis Sonntag gestört wurde, wobei drei Fsraeliten und ein Gendarm getödtet wurden.

Paris, 9. März. (W. T. B.) Graf d’'Haussonvillkle, welcher an Stelle Bocher's die Leitung der royalistischen Partei übernehmen soll, begiebt fich heute zum Grafen von Paris nah Spanien.

Das „Journal des Débats“ kündigt die Schließung weiterer Spiritusbrennereien als unmittelbar bevor- stehend an und bemerkt: diese ersten Resultate des Schußt- zollsystems gestatteten einea Blick in die Zukunft. Der Ruin der französishen Spiritusindustrie sei nur das Vorspiel zur Vernichtung mehrerer Hundert anderer Fndustrien und des Elends einer Million von Arbeitern. Das Blatt schließt seine Ausführungen mit der Frage, ob die Herren Méline und Genofsen wohl den traurigen Muth haben würden, bis zum Ende zu gehen.

Nach Meldungen aus Commentry hat der gestern dort abgehaltene Bergarbeiter- Kongreß Resolutionen zu Gunsten des Achtstunden-Arbeitstages, der Errihtung einer Arbeiter-Pensionskasse durch den Staat und einer dreißigprozentigen Lohnerhöhung beshlossen und dem Prinzip der Organisirung von Generalstrikes zu- gestimmt. :

Sl Petersburg, 9 Manz (W 4 D) Dex „Nowoje Wremja“ ist der Verkauf von Einzelnummern verboten worden.

Rom, 9. März. (W. T. B.) Die SGhwester des Prinzen Napoleon, Prinzessin Mathilde, ist heute früh hier angekommen. Prinz Napoleon verbrachte die legte Nacht \{hlecht,

Ravenna, 9, März. (W. T. B.) Bei der gestern hier stattgehabten Nachwahl von drei Deputirten wurden zwei Konstitutionele und ein Radikaler gewählt. Die Radikalen haben zwei Sitze verloren. H

New-York, 9. März. (W. T. B) Nach Pier ege: gangenen Nagthrihten is auf der Eisenbahnstrecke Atchison— Topeka in } der Nähe von Havanna (Fllinois). ein Swnellzug entgleisi. Die Wag- gons wurden theilweise zertrümmert; ein Reisender verlor dabei das Leben, aht Personen wurden verwundet, darunter drei schwer. Die Trümmer der Wagen geriethen in Brand, wodurch mehrere Reisende {were Brandwunden davontrugen. Die unverleßten Reisenden mußten zu Fuß auf einem mit Eis bedeckten Wege über eine Meile zurücklegen, bevor sie einen bewohnten Ort erreichten.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Wartburg. Romantis@e Over in 3 Akten von | von C. Zeller. Jn Scene gefeßt von Julius FKrizs®e. Urania, Anîtali für volksthümlihe Naturkunde,

g G T Ce, (Cra A trt . ° ; ck» Arn ana |!| (2 Siy Ballet von E. Graeb. In Scene | Dirigent: Hr. Kapellmeister Federmann. Anfang | Am Landes - Ausstellungs - Park (Lehrrer Babnbof).

Jahreszeiten. Tanz - Pcëm in |

Belle-Alliance-Theater.

Residenz-Theater. Dir-ktion: Sigmund Lauten-

Mittwoch: Der selige Toupinel. Vorher: |

Dienstag: Zum 9, Male: Gavant, Minard & Co, S@&wank | Roereßelitht: Li eli j e A i S beliht: Hr. Lieut. lix von Loeper mit in 3 Akten von Edmond Gondinet. Q Ô Feli P

Geöffnet von 12—11 Uhr. Täglich Vorstellung im vi: aae Tbeater. Näheres die Ans(lag- zettel,

Familien-Nachrichten.

Paul Ezgebrech{t (Berlin), Fel. Gertrud von Wedemeyer mit Hrn. Hauptmann Grafen Anatol von Bredow (S&öonrade). Frl. Lili Behm mit Hrn. Königl. Reg.-Baumeister Dito Stromever (Gotba). Frl, Magdalene Repenning mit Hrn. riedri Hxmwer (Kiel),

Deutsch von Frl, Marie von Tiedemann (Bromberg).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Paul Kreitling

E Mittwo(: 6. Gastspiel von Ernesto Rosi mit (Berlin). Hrn. Eisenbahn - Bau - Inspektor

Deutsches Theater. Dienstag: Das alte Lied. | seiner Gesellshaft. Re Lear (König Lear).

Mittwoch: Die Kinder der Excellenz. Donnerstag: Zum 1C0. Male: Fauft T. Theil. Freitag: Fauft’s Tod.

Donnerstag: Kean.

Adolph Ernft-Theater.

Thomas-Theater. Alte

Dienstag: Zum 25, Male: Adam und Eva. in 4 Akten von Eduard Jacobson und Leopold Elv. Couplets von Jacobson und Gustav Görß. Musik von Adolph Ferron. Anfang 7# Ubr.

Mittwoch: Diesclbe Vorstellung.

Jakobstraße 230.

Hähner (Körigsbera). Hrn Königl. Reg. -Bau- meister Fricdrich Maillard (Rathenow). E ine To Hter: Hra. Alfred von Guasnar (Berlin). Hrn. Orterförster H. von Natbusius (Rheinsberg). Hra. Georg Lueder (Breslau). Hrn. Reg.- Assessor Hoffmann (Wiesbaden). Hrn. Georg Thomas (Magdeburg - Neustadt). Hrn. B. S({neider (Fredeburg).

Gestorben: Hr. Referendar Franz Sellentin (Helmftedt). Frau Dr, med. Gertrud Brock- müller, geb, Hobenschurz (Mülheim a. Rb.). Hr. Alwin von Amelunxen (Zerbst). Frau verw. Prediger Harow, geb. Kieckhäfer (Berlin). Frau Amelie Bock, geb. Münchmeyer (Magde- burg). Hr. Kgl. Kreisgerichts-Direktor a. D.

Gesangépofse

Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Thermidor.

Pictoria-Theater. Dienf!ag: Zum 101. Male: Die fieben Raben. Romantishes Zaubermären

Flache Depressionen liegen über Nordwest-Deutsch- in 5 Akten von Emil Pobl. Mußk don G. Lebn- land und an der Odermündurga, in Deutschland Karbe, Balliteouipelltionen des 3, Alles. vou C.

fast überall Niedershläge bervorrufend, während das

A. Raida. Ballets von C. Severini. Jn Scene

barometrishe Marimum im Nordweften \sich wenig geseßt von W. Hok. Anfang 74 Uhr.

verändert hat. Die Temperatur ift in Deutschland bei \chwaher, meist südlicher bis westlicher Luft- ftrômung fast überall gestiegen und liegt allenthalben außer im Nordseegebiete über dem Mittelwerthe, im

Mittwoch : Dieselbe Vorftellung.

Wallner-Theater. Dienstag: Zum 32. Male:

g S L L f d- d Osft- Binnenlande 2 bis 8 Grad. In Nord- un f Miß Helyett. Vaudeville in 3 Akten von

Europa ist meistens Abküblung eingetreten. Deutsche Seewarte.

i n I T i ain Theater-Anzeigen. Königliche Schauspiele.

bans. 5 60, Vorftellung. Arf Allerhöchsten Befebl: | T j Taunhäuser und der Säugerkrieg auf der | ciner Idee des

Maxime Voutheron. Deutsch von Richard Genée. Musik von G. Audran. Anfang 7# Ubr. Mittwoch und folg. Tage: Miß Helyett.

Triedrih - Wilhelmftädtishes Theater. Dienstag! Opern: | Dienstag: Mit neuer Ausstattung. Zum 19. Male: Der Vogelhändler. Operette in 3 Aufzügen nah

Biéville von Held und West. Mußk

G. von Moser. Musik von R. Bial und G. Steffens. Die neuen Couplets von A. Bender. Cäsar Wichtig : Emil Thomas. Anfang 7# Ubr.

Mittwoch und folgende Tage: Der Negistrator auf Reisen.

Concert-Anzeigen.

Concert-Háus. Dienstag: Carl Mepyder- Concert. Ouv. „NatSklänge an Ossian“, Gade. rRienzi“, Wagner. „Si j'etais roi“, Adam. Fantasie aus der Oper „Die Hugenotten“ von Meyerbeer. Perpetuum mobile für die Violine von Paganini (Hr. Kramer) In der Fremde“ für Piston von Farkas (Hr. Richter). Rhavsodie I. von Liszt,

Sing - Akademie. Dienftag, Abends 74 Uhr. Letter Lieder-Abend. Alice Barbi,

Friedrich Kolbenach (Breslau). Frau Sopbie Bollmey:r, geb. Dresen (Nienburg a. d. Weser). Frau Agneta Hilbert, geb. Finkler (Kiel) Frau Marie Körting, geb. von Zobeltiz. Frau Karoline Röhr, geb. Schröder (Meitzendorf). Hr. Hugo Kühl (Berlin). Hr. Geh. Rechnungs- rath a. D. Dr. phil. Karl Lehmann (Berlin).

Redacteur: Dr. H. Klee, Direktor. Berlin: Verlag der Expedition (Scholz).

Dèuckt der Norddeutshen Bubdruckerei und Verlag8- |Anstalt, Berlin 8W., Wilbelmstraße Nr. 32. Acht Beilagen

(eins{ließlid Börsen - Beilage), (4078)

und: ein Verzeichniß der von der Königlich Préufzischen Landes-:Aufnahme herausgegebe- uen jund von deren Plankammer verwalteten

Karten.

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Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

M 59.

Berlin, Montag, den 9. März

T1891.

der in den deutschen Münzstätten bis Ende Februar 1891 stattgehabten Ausvrägungen

Deutsches Reich. ebet

von Reibsmünzen.

1) Im Monat Februar Goldmünzen

1891 sind gevrägt Dovpvel- Eeonen Halbe

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Hiervon auf| 5.5 : : Fünfzig- Zwoanzig- L : Fünfs- s N a LTAtg Privatre{- ¿SUNT Zwei- Ein Kronen nung

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Silbermünzen

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Kupfermünzen

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Nickelmünzen

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Berlin . A 9 541 890 916569 Mia E

Muldner Hütte . .

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2) Vorber waren geprägt*)| 2 013 168 600/502 548 420/27 969 925/1222013260{74 104 195/104 964 606/178 990 334| 71 486 552 27 969 925/1232302670]74 104 195104 964 606178 990 334] 71 486 552

3) Gesammt-Ausprägung | 2 022 710 100 4) Oltervon find wieder t E 1115 200} 1517 300 9 875

8 610

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13|—

9 3 1

5) Bleiben . .. . . 12021 595 200[502 154 930127 960 050 2551 710 180 M

*) Vergl. den „Reichs-Anzeiger“ vom 10. Februar 1891 Nr. 36,

Berlin, den 7. März 1891.

1104 955 9961178 982 319] 71 483 322/50 4 005 2

46 943 362 45 S 11436 717,01 M

Deutscher Reichstag. 83, Sigung vom Sonnabend, 7. März,

Am Tische des Bundesraths: der Reichskanzler von Caprivi und die Staatssekretäre Dr. von Boetticher, S i Freiherr von Maltzahn und Hollmann.

Die Berathung des Extraordinariums des Marine- Etats wird fortgeseßt. Die Verhandlung über die Frage der Bewilligung der erften Raten für drei neue Panzerfahr- zeuge war gestern niht zu Ende geführt worden. Die Kom- mission beantragt bekanntlih die Ablehnung aller drei Neu- bauten für diefes Jahr, Abg. Freiherr von Manteuffel die Bewilligung von zwei Panzerfahrzeugen.

- Abg. Freiherr von Manteuffel beantragt heute, die Titel 15—17 des Extraordinariums und seinen Antrag an die Budgetkommission zu verweisen.

Abg. v. Keudell: Der Bau von Panzersbiffen babe von 1880—89 mit Ausnabme der gepanzerten Kanonenboote gerubt und zwar aus guten Gründen. Einmal sei die umfassende Herstellung von Torvedos als das dringendere Bedürfniß erschienen und sodann sei die Kontroverse über das ri@tige Modell für Panzers§ife noch niht abges{chlofsen gewesen. Später seien 12 Panzerkanonenboote, dann 4 große Panzershiffe und noch 12 Panzerkanonenboote be- willigt worden. Davon seien zwei der leßteren auf dem Wasser, der „Siegfried“ und der „Beowulf“, beide nah fkompetentem Urtheil Musterfahrzeuge. Im Etat für 1891/92 würden fünf neue Fahrzeuge gefordert, darunter drei Panzerkanonenboote. Diese Fahrzeuge bâtten in der Kommission kein freundlihes -Intgegenkommen gefunden, sie habe die Ablehnung beantragt. Er werde mit seinen politishen Freun- den für den Antrag Manteuffel stimmen, eventuell für dessen Ver- weisung an die Kommission. Die Kommission babe s in diesem Jahre ungewöhnlich ablehnend verhalten, ni&t aus finanziellen Be- denken. Seien doch Hunderte von Millionen für die Landes- vertheidigung obne Bedenken bewilliat worden, als die finar- ziellen Verbältnisse nit besser gewesen seien als jeßt. Aber die Kommission habe bei ihrer Ablebnurg unter der Herrschaft der Ansicht gestanden, daß die geforderten Schiffe für diet Landes- vertbeidigung nicht unmittelbar nüglih oder gar nothwendig seien. Die Gegner der Vorlage meinten, daß die Küsten wesentli dur Torpedos vertheidigt würden, aber in allen Denkschriften sei von autoritativer Seite nahgewiesen, daß die Defensive nur mögli sei in Verbindung mit einer kräftigen Offensive, die auf {nell rahren- den Schlachtschiffen berube; die hier geforderten Schiffe sollten nur zur Vertheidigung der Küsten dienen, Die deutshe Kolonialentwicke- lung sei zu einem gewissen Abschluß gelangt, die für die einzelnen Stationen nöthigen Schiffe seien durch den Etat bewilligt, böhstens dürfte noh hier und da zum Ersaß eines abgängigen Schiffes ein neues gefordert werden. Aber die hier geforderten Kanonenboote brauce die deutshe Marine zur Vertheidigung in den beimisben Meeren. 1870 seien keine S{lachtschiffe zur Küstenvertheidigung nôthig gewesen, denn damals hätten die Franzosen feine Landungs- truppen disponibel gehabt; sie bâtten sogar ihre Marinetrupven auf dem Lande verwenden müssen. Man müßse aber für einen künfti- gen Krieg mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß der Gegner Lan- dungstruppen zur Verfügung kbabe. Namentlih in der Ofst- lee gebe es Hunderte von Punkten, wo eine Landung sehr leiht sei, Durb den vieljährigena Verkehr seien sie dem Feinde so bekannt, wie der deutshen Marine. Torpedoboote würden da keinen auêreihenden Shug gewähren. Einzig wirksamer Schuß sei ein S{la&tschif, das den Gegner auf offener See angreife, Dadurch würden auch die Landtruppen, welche jeßt zur Vertbeidigung gebrauht würden, entlastet. Mit dem Schukte des Nord-Dstsee-Kanals, sage man, sei cs nit so eilig, denn 1895 könne er nit fertig sein; aber der Reichékanzler sage das Gegentheil, und selbst wenn durch Umstände der Kanal 1895 nit fertig sein sollte, 10 fet das doch gerade ein Grund mehr, den Bau dieser Boote ¿u bes{leunigen: wenn der Kanal nit fertig sei, braube Deutschland, wenn ein Krieg ausbrähhe, die Schiffe um so nothwendiger, und kein Mensch könne die Bürgschaft übernehmen, daß in den nächsten fünf Jahren ein Krieg niht ausbrehe. Er (Redner) hoffe, daß die Forde- rung bewilligt resp. in der Kommission eine Verständigung zu Stande gebracht werde auf dem Boden, den der Reichskanzler an- gedeutet habe. Er (Redner) gebe dem Abz. Rickert zu, daß er lange Jahre ein lebbaftes Interesse für die Marine bewiesen babe und er (Redner) sei ihm dafür dankbar, bofffe aber, daß er es au diesmal bethätigen werde. Nun sei gestern gesagt worden, Fürft Bismarck habe der Marine nur ein geringes Interesse entgegengebraht, aber er (Redner), der 1863—72 ftets in des Fürsten Bismarck persönliher Umgebung thätig gewesen sei, könne bezeugen, daß er hundert- und tausendfah mit immer gleiher Wärme für die Marine eingetreten sei. Alle deutschen Panzersciffe, die gebaut worden, seien mit seiner Genehmigung gebaut. Auch die Flottenpläne, die bekannt geworden, seien mit seiner Einwilligung zu Stande gekommen. Man müße do einen Staatsmann nah seinen amtlihen Handlungen beurtheilen, nit nach gelegentlihen Aeußerungen, Der Marine, die in der Durtb- führung der Kolonialpolitik brav das Ihrige geleistet und ih überall die böhste Anerkennung erworben habe, müfse man auch die beste Ausrüstung geben. Was aber für den Landsoldaten das gute

Gewehr, sei für die Marine der Panzer ; wie si freilih die deutsche Landwehr auch mit den veralteten Gewehren bervorgethan habe, so würden au diejenigen Seeleute, die auf altes ungepanzerten Schiffen kämpfen müßten, allen Anforderungen genügen; aber so- weit man den Uebelständen abbelfen fönne, folle man es thun. Er empfeble den Antrag von Manteuffel zur Annahme.

Abg. Dr. von Bennigsen: Der Abg. Dr. Windthorst wolle die Entscheidung vertraulihen Konferenzen zwischen der zweiten und dritten Lesung überlafsen, Gewiß könnte das geschehen. Besser aber verweise man naH dem Antrage von Manteuffel die betreffenden Titel in die Kommission zurück, damit hier in Verbandlungen mit der Regierung festgestellt werde, an wel@en Stellen die zwei Millionen erfvart werden könnten. Er see aber voraus, daß der Abg. Dr. Windthorst bei diesen Berathungen mitwirke; zwar sei er im Augenblick nit Mitglied der Budgetkommission, es würde jedoch nah Hunderten von Vorkommnissen, bei denen für einen bestimmten Ver- waltungSzweig ein neues Mitglied in die Kommisîon entsendet worden sei, kein Hinderniß für seinen Eintritt bestehen. Er (Redner) gebe dem Abg. Dr. Windthorst zu, daß man alle Ursa§e habe, bei den wahsenden Ausgaben für die Landarmee, durch welche die Haupt- entsheidung werde gegeben werden müssen, mit den Bewikligungen für die Marine sich in angemessenen Grenzen zu balten, die möglichste Sparsamkeit walten zu lassen. Sowohl die Kommission als das Haus sei dieser Anforderung gerecht geworden. Man habe gestern bei den ein- maligen Ausgaben bereits 4} Millionen Mark gestrichen. Werde der Antrag von Manteuffel angenommen, so werde do eine Ersparung von 11/2 Millionen Mark gegenüber der Regierungsvorlage eintreten. Bei den folgenden Nummern babe die Kommission weitere 11/2 Millionen gestrihen und für artilleristische Ausrüstungen noch über zwei Millionen, im Ganzen nahezu 10 Millionen. Wern der Antrag der Kommission, die in Frage stehenden Fahrzeuge zu treiben, Gese werde, so falle in diesem Iabre der Bau dieser Kategorie von Schiffen gänzli aus, was in feinem der vorangegangenen Jahre geschehen sei. Welches Moment sei dafür sachlich anzuführen? Der Abg. Dr. Windthorst habe Zweifel geltend gemacht binsibtlih der Größe der Swife. Er habe die Beschaffenheit der Werftanlagen, Häfen und Flußmündungen ircthümlich in Beziehung gebracht au mit den Swiffen, um die es fich bier bandele. Der Reichskanzler babe ihm {hon bestimmt ent- gegnet, daß binsihtlih dieser Schiffe derartige Bedenken nit vor- banden sein könnten, da die Anlagen vollständig ausreihten. Die Besorgnisse, die in Folge dec Verhandlungen der Kommission entstanden seien und sich aub auf die Mitglieder des Hauses fortgepflanit hätten, hätten sehr ungünstig auf die Beurtheilung des Marine-Etats eingewirkt. Der Reibskanzler babe aber gestern alle diese Besorgnisse auf das Unumwundenfste und Entsciedenste zurückgewiesen und zerstört, indem er wiederbolt er- klärt babe, daß über den Flottengründungsplan von 1888/89 und den von 1889/90 nit hinausgegangen werden solle, daß die ver- bündeten Regierungen, speziell der Reichskanzler, weit davon entfernt seiea, dem Reichstage zuzumuthen, eine Flotte ersten Ranges zu gründen. Alle Einwendungen seien damit aus der Welt geschaft. Die Erklärungen seien ihm (dem Redner) auch erwünscht in Hinsicht der Anregung des Abg. Rickect, die dahin gegangen sei, einen be- stimmten neuen Plan vorzulegen. Ein folher würde auf neue be- stimmte Forderungen hinauslaufen, Wenn es nun unbestritten sei, daß die Panzerfahrzeuge einen wesentlichen, nothwendigen und nüßlichen Bestandtheil der Flotte bildeten, weshalb solle man dann den Bau dieser Schiffe ein oder zwei Jahre zurückstellen ? Weder binsihtlich der Art der Korstruktion noch binsihtlich des Baues der Schiffe überbaupt seien Bedenken zu Tage- getreten; man habe auch in anderen Ländern in der lezten Zeit keine bedeutenden Fortschritte in der Technik kennen gelernt. Soweit solche Schiffe bisher fertiggestellt worden seien, bâtten sie sich seines Wissens voller Zustimmung zu erfreuen gehabt, und man könne al'o jeßt keinen Grund für die Verzögerung des Baues angeben. Nun habe seine Partei auch Rücktsiht genommen auf die Fertigstellung des Nord-Ostsee-Kanals. Ob derselbe 1895 fertiggestellt werde, könne man nur mit Wabrscheinlichkeit annehmen, da die Ausführung des Baues sehr leistungsfähigen und zuverlässigen Unternehmecn anvertraut sei, die ihre Fristen bisher vollständig inne- gehalten hätten. Aber wenn auch der Kanal ein oder zwei Jahre später fertiggestellt werde, sei doch zu bedenken, daß die Schiffe feineêwegs zum Schutze des Nord-Ostsee-Kanals gebaut werden sollten. Der Nord-Ostsee-Kanal habe das Bedürfniß nur verstärkt, hervor- gerufen sei es dur die Nothwendigkeit des Schußes der deutschen Küsten überhaupt, Auch aus diesem Grunde würde eine Verzögerung bedauerlih sein. Der Abg. Dr. Windtborst habe auch keineswegs die Absicht ausgedrückt, die Schiffe überhaupt nit be- willigen zu wollen, sondern nur gewünscht, aus Rücksichten der Sparsamkeit in diesem Etatsjahre die Schiffe abzu- seßen. Weil aber die Schiffe gebaut werden müßten, da sie einen integrirenden Bestandtheil der Flotte bildeten, so würde es zweck- mäßig sein, bei anderen Stellen, bei den Raten für die großen Panzersciffe, Ersparungen von zwei Millionen zu machen. Zwar werde die Summe damit definitiv nicht erspart, sondern nur in diesem Jahre. Aber auch der Abg. Dr. Windthorst wolle die Schiffe nicht definitiv ablehnen, sondern nur für dieses Jakbr, es handele si also lediglich um die Zweckmäßigkeitsfrage: Was werde in diesem Jahre mit zwei Millionen besser beschaft, eine größere Rate für die großen Panzerschiffe oder die Bewilligung für diese Panzer- fahrzeuge? Er (Redner) möchte die Frage jeder patriotis@en Bei- mischung entkleiden und sie als das, was sie sei, als eine reine

ZweckEmäßigkeitsfrage beh wissen. Dann werde es mög

daß die Kommission den Beschluß, der, in einem Augen Verstimmung und Erregung gefaßt, fommen begründet get sei, nochmals prüfe. Es sei nit Auf des Rei momentane Verstimmungen durch Kommifssfiensverhandlungen Motiv für Bes{lüfse zu nebmen, die ein wichtiges Interesse Marine berührten. Er bitte also, eine ro&malige Prüfung in Kommission vornehmen zu laffen Ein Widerspruch gegen eine

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5 f 5 I x {57 E E Frit F E E n d tolWen Äntrag fei au in früberen Jahren {on einfa aus Grunds

säßen der Höflichkeit niht erhoben worden. (Beifall. T -

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ane entwidel nunmehr veranlaßt, den Herren aus Stellen vorzulesern, aus denen Sie können, daß ich mi ni@t im Widerspruch mit den verbünd gierungen befunden babe, als ich meine Aeußerungen abgab. um Verzeihung, wenn ih Ihnen dies nochmals verlese, Präsidenten.) Ich habe zunächst gesagt:

Wo und mie wir auch im nätbsten Krieze mit ‘unserer Fle auftreten, mit Sicherheit dürfen wir darauf rechnen, der Minderzahl sein werden. Darum gilt denn der von Leitern der Marine bisher bohgebaltene Spru{, daß wir Qualität erseßen müssen, was uns an Quantität mangelt, eben für das Perfonal, wie für das Material. Um in der Min zu fechten, bedarf es eines in Disziplin und Waffenübung ges Personals sowie eines bochweribhigen Sciffêmaterials als für die numerishe Ueberlegenbeit des Gegners. Je eber Reichstag den Willen kundgiebt, das ihm vorgelegte Programm 1889/90 als eine dur die bestehenden Verhältnisse ge botene Forderung anzuerkennen, desto bestimmter darf das Vater- land der Hoffnung Raum geben, wie es die Flotte für die ibm zufallenden Aufgaben gerüstet finden wird, wenn die Stunde der Entscheidung \ch{[lägt.

Das ift das Erste nun. Das Zweite ih batte der hoben Kommission Tabellen vorgelegt, aus welhen sie Vergleiche ziehe konnte zwishen den Stärken der vershiedenen Flotten —:

Sie ersehen daraus, daß es uns mit den bisher bewilligten Mitteln noch gelungen ist, mit einer Ostmaht ziemli gleichen Schritt ju halten, wenn die Machtfrage lediglih für die die Küsten beider Länder bespülende Ostsee aufgeworfen wird, Es wird sh auch in den nä{sten Jahren kein bedrobliher Wandel zu unseren Ungunsten darin vollziehen, vorausgeseßt, daß Sie uns keine Ein- \{ränkfungen im Schiffbau auferlegen innerbalb der Forderungen, welhe in dem Ibnen ebenfalls vorgelegten Swiffbau-Programm aus dem Jahre 1889/90 rekapitulirt sind.

Das war das Zweite. Nunmehr das Dritte;

Geht andererseits aber der Beschluß dabin, daß wir nit nur Herr unseres Landes, sondern auch Herr unserer Meere bleiben wollen, dann dürfen wir auch an unserem Schiffbau P:ogramm nit rütteln, vor allen Dingen dürfen wir nicht den Bau von Sé{lachtschiffen aufgeben. Und zu Schlathtschiffen sind ledigli die Panzershiffe und Panzerfahrzeuge zu rechnen, unter Lettteren au diejenigen, welche hier in Frage kommen.

Endlich das Vierte:

Aber , meine Herren, nun bleibt es Bedingung, daß das Reich bereit ift, diejenigen Forderungen der Marine- verwaltung als berechtigt und von der Notbwendigkeit diktirt anzti- erkennen, welche dieselbe zum Zwecke ihrer Wehrbarmacbung stellen muß. Der ganze Zweck meiner Auseinandersezung läuft darauf hinaus, Ihnen klar zu machen, wie nicht Willkür und Launen dabet vorherrshen, sondern lediglih das Bewußtsein der Verantwortung, die Marine auf die Höbe ihrer Aufgaben zu stellen, Ohne Ausbau der Flotte ist das nicht möglich; die geforderte Vermehrung ist nur ein Glied in der Kette, sie knüpft an Erreihtes an als Uebergang zu dem Erstrebten, welches Ihnen durch den Flottenplan von 1883 bekannt geworden ift,

Meine Herren, dies sind die Aeußerungen, welche ih der Kont mission des hoben Hauses gegenüber wörtlih that. Jh glaube nit daß es nun noch mögli ift, mir entgegenzubalten oder meine Rede in der Art zu interpretiren, daß ih die bobe Kommisfion babe bin reißen wollen zu anderen Flottenplänen. I babe fest und klar auf