1891 / 71 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Regiments, des 2. Garde-Ulanen-Negiments und des 1. Garde- Feld-Artillerie-Regiments, die vom Musikdirektor Freese geleitet wurden, ihren Plaß angewiesen erhalten. Unter Be- gleitung fämmtliher Musikcorps wurde mit dem Gesange des erften Verses des Chorals „Lobe den Herren, den mägtigen König der Ehren“ die Feier begonnen. Danach hielt der Oberpfarrer von Charlottenburg Müller folgende Fest- ansprache :

„Gelobet sei, der da kommt; lobe den Herren, mein: Seele. Amen. Heute ift des großen beimgegangenen Kai’'ers Wilhelm I. Seburtstag, das ift der rehte auserlesene Tag für die Grundftein- legung eines Gotteshauses, in dem fein anderer Name gepredig roerden soll, als der Name Jesu Christi, der als der \{önste Shmuck im Königsdiadem des frommen Kaisers fo berrlich leuchtete. Nit böber fônnen wir diesen Tag chren, ni6t würdiger ibn feiern, als dur das heilige Werk; und der Fürftlihe Enkel, der, den \chwererkämvften Sicg:ékranz scirer Väter unverwelfkt und unentrociht um die Stirn tragend, fic dessen freut, daß gerade an dem beutigen vaterländishen Tage der Grundstein gelegt wird zur Kaiser Wilbelm - Gedächtniß- kirhe, bekennt d=dur, daß ein Fürit mit seirem Volke ftebt und steven muß unter dem Einen, dec Himmel und Erde gebaut und aus dessen ollwäctiger Hand hervorgeht Beides, Leben und Tod. So unier dea gewaltigen gottgesegneten Erinnerungen des 22. März, der einst das ganze Preußenland, ja Alldeuts{land vom Fels zum Meer fefiliG sammelte und mit glühender Begeisterung bewegte, mögen denn die drei Hammers{läge, die keinem todten Stein gelten, klingen und dringen binauf bis zum Thron des allmäctizen Vaters, in die Herzen bienieden, und ibr Schall unter der Losung des Palmensonntags verkündige „Siehe, Dein Kénig tommt zu Dir“. Er fommt, der bimmlis&e König, und verleiht dem neuen jungen Gemeindeleben bier eine feste Gestalt, damit es s nit mehr ruhelos bald an diese, bald an jzne Gemeinde axlebne. Er verwandelt diese Stätte ¿u einem Heiligthum, daß alle, die in Zu- Turft fih hierber flüchten aus den Mühen des Lebens, den Kämpfen der Welt und den Aengsten des Gew!fers, Ruke, Kraft und Erquickung finden bier eine Hütte Gottes bei den Menschen, ein Vorgeshmack der künftigen Herrlichkeit! Siehz, Dein König kommt zu Dir, des Gotteshauses Baußerc und Baumeister zuglei, denn binter Allen, die diesen Bau auf den Herzen tragen und ihn in Glauben und Liebe fördern, steht er, der die Menscenberzen lenkt wie Wasserbäche und fie willig und tübtig mat, ihres Haushalteramts

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demütiig und bochherzig zu warten. Das is der Tag, den

sein! Im Namen des bimmlis%en Kön!gs berzklichen, ehrfurdtEvellen Dank vor Allem Ihren Majestäten, dem erhabenen Kaifervaar, das

in rastloser Fürsorge und Licbe so freudig und glaubensftark arbeitet j an der Abhülfe der Kichennoth. die von Iabr zu Jahr uns immer |

\{chwerer auf dem Gewissen liegt. Der Herr wird's vergelten tausend- fältig in Zeit und Ewigkeit! Dank infonderheit Jhren Köuiglicen Hoheiten dem Großherzog und der Srofßberzogin von Baden, die durch ihr buldvolles Erscheinen diese Feststunde uns versönert baben, Dank, innizen Dank Allen, die mit Rath und That in der Nähe oder Ferne, hoch oder niedrig, ibren Artzeil an diesem s{chôönen Gotteswerk haben. Gott segne es Allen Gott helfe weiter! Und nun, wie sollen wir den bimmliscen, König empfangen? Unter den Glccken unserer Charlottenburger Luifenkirhe, die uns den Palmsonntag und diese Feier festlich cin- geläutet haben, trägt cine das Bildniß des großen Kaisers, des ehr- würdigen Patriarhen, mit dem zur Inschrift empfohlenen Wahl- spruch seines inhaltreihen Lebens „Im Glauben ist die Liebe und die Hoffnung“. Dieser köstliße Dreiklang, für unser bobhes Kaiser- paar besonders bedeutungsreih, da er vom Traualtar her als Grundton einer reihgesegneten zehnjährigen Ebe, Sendung und Wendung heiligend und weihend widerklingt, sei unser Gegen- gruß auf die Freudenbotshaft „Siehe, Dein König kommt zu Dic“, sei zugleich unsere Huldigung gegen den ruhmreißen Kaiser, der in verklärter Gestalt nah Geisterweise in unserer Mitte weilt und mit uns preift und feiert. Hohe Festversammlung, ihm nach, dem unver- geßlien Kaiser, dem Helden des Glaubens, dem Fürsten ‘der Liebe, dem Herold der Hoffnung! Wie dieser Grund- stein tief und feft bineingelegt wird in den heiligen Grund des zukünftizen Gotteshauses, so wollen wir WFesum, den Grund- und Eckstein der großen christliben Kirche, recht tief und fest hineinlegen in unsere Herzen, daß sie gewärtig werden zum starken Glauben an ihn und zum frößlichen Vekennen seines hocheiligen Namens, Wie die Bausteine aufeinander gelegt und ineinander gefügt werden, daß fie si gegenseitig tragen und dienen zum Halt und zur Stütze, so wollen wir alle die lebendiaen Steine uns aufbauen zu einem Tempel des Herrn, da Einer dem Andern diene in Liebe und Frieden. Wir Alle, die von einem Stamme, stehen au für einen ! Der Grundstein wird gelegt, der Bau beginnt. Hoffnungsvoll sehen wir seiner Vollendung entgegen. Zum Himmel empor wird einst des Gotteshauses Thurm weisen, himmeliwvärts ridte fich auß Sinn und Herz, himmelan gehe unser Denken! So toerde denn unsere Losung und Wahlspruch, dieser Grundstein, jeßt geweiht zu einem Eben-Ezer, zu einem Fels festen Gltaubens, starker Liebe, froher Hoffnung. Ueber ihm erhebe si die Kaiser Wilbelm-Gedächhtniß-Kirche, die einst, weithin sihtbar, uns und alle zukünftigen Geshlehter erinnere an die unvergleichlihe Größe und den unermeßlihen Segen des erften deutshen Kaisers zur Ghre Gottes und des Heilandes. Hosianna in der Höhe. Amen.“

Nachdem dann noch ein zweiter Vers des Liedes „Lobe den Herren“ gesungen war, verlas mit Genehmigung Seiner Majestät des Kaisers der Minister des Königlichen Hauses von Wedell die Stiftungsurkunde in nachstehendem Worilaut :

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

An dem diesjäbrigen Palmsonntage, am 22. März, dem einst umjubeltien Geburtêtage eines unvergeßlihen Heldenkaisers, legen Wir den Grundstein zu einem Gotteshause, welhes durch seinen Namen das Gedäthtniß des großen Monar{en bewakbren und weihen soll.

An der Stelle, welche der verewigte Kaiser ursvrünglih zur Er- ricktung ciner Dankeskirce bestimmt hatte, wie sie jeßt den Wedding- Plas \chmüdckt, hat die städtishe Verwaltung von Charlottenburg am 22. Oktober v. J. den Bauplaß gesenkt, welher von Mir dur das dankerêwerthe Entgegenkommen des Vorstandes des Zoologischen Gartens erweitert werden konnte. Ebenso hat sich die Luisen- Gemeinde Charlottenburgs, als des Ortes, auf dessen Gebiet der Kaiser seine leßte Ruhestätte gefunden hat, durHh Gewährung von Geldmitteln und durh Schenkung eines Kirhhofes ver- dient gemahi. Aus der Mitte der Königlihen Familie und deren boben Anverwandten, namentlich auch von Seiten Unserer vielgeliebten Tante, der erlauchten Tochter des heimgegangenen Kaisers, der Frau Großherzogin von Baden, sind Gaben pietätsvoller Liebe gespendet. Berlin sowie Charlottenburg haben si in hervor- ragender Weise betheiligt. Der Verein zur Errichtung cines Obelisken auf dem Potédamer Play hat unter Aufgabe seines Planes seine Mittel jet für den gegenwärtigen Kirhbau bestimmt. Aus ganz Preußen und Deuts{land und über die Grenzen des Vaterlandes binaus aus weitester Ferne, von überall, wo der Name des großen Kaisers deutshe Herzen höher s{hlagen mat, gehen zahlreihe Bei- träge ein.

In besonderer Weise ist es dem Evangelisch-Kirchlihen Hülfs- verein, welcher den kirchlihen Nothständen Berlins thatkräftig begegnet

und im vorigen Iahr neben seiner eigentliGßen Aufgabe not die Gründung von drei Kirchen einzezleitei bat, zu danken, daß auf seine Veranlaffung ein Evangezlis@er KirHenbau-Verein ins Leben getreten ist. Dieser hat bereits in den Mafsengemeinden unserer Hauptstadt dur seine Arbeit der Liebe und Versöhnung die verschiedensten Kreise zu gemeinsamem kirchlihen Interesse neu belebt und vereint. Sein erstes Werk foll die Errichtung der Kaiser Wilbelm-Gedächtnißkire sein. Den Vorstand des\elben, unter der Leitung des Ministers Unseres KönigliGen Hauses von Wedell-Pieëdorf und des KFaufmanrs Richard von Hardt, baben Wir zum Bauhcrrn bestimmt, mit der A uvsfübrung des Vaues den Königlichen Baurath S@wetckten be- auftragt. Das Gebäude foll im romanischen Stile aus Tuffstein auégefübrt werden, 1800 Sitvläge enthalten und ein monumentales Gesammtgepräge tragen.

Die Gemcinde, welche sich in dieser Kirbe auf dem Einigen Grunde, welcher gelegt ift, sammeln und aufbauen möge, wird aus Tbeilen der Luisen-Gemeinde von Charlottenburg, der St. Matthäus- und Zwölf-Apoftel-Gemeinde von Berlin bestehen.

Währerd im Invalidenpark, mit dem Namen der Kaiserin Augufta verbunden, die Gnaden-Kirche si erbcben wird, soll hier, wo die beiden Residenzen Berlin und Charlottenburg zusammentreffen, ein Gotteshaus erstehen, dessen Name an den Fürsten mahnt, welcher scine glorrei@e Krone und sein wunderbar bewegtes Geschick aus Gottes Hand nahm, weler es feierlih auêsprah, daß unserem Volke die Religion erbalten bleiben müsse, welHer in guten und in bösen Tagen, in Zeiten des Kampfes und des Friedens bis an sein frommes Ende si zu dem Eingeborenen Sohne des lebendigen Gottes, Unserem Herrn und Heilande Œefu Christo bekannt bat.

Das Gedädtniß des Gere(ten bleibt im Segen und der, will’s Gott, von Ges@le#t zu Gef&lecht forterbende Segen des Kaiferlihen Paares, Unserer theuren Großeltern, faßt h in das Bekenntniß zusammen: Jesus Christus gestern und beute und derselbe auch in Ewigkeit. Amwen.

Gegeben zu Berlin - Charlottenburg am Palmsonntage, den

: L E b ; E 1 22. Mari 1895: der Herr maht, laßt uns uns freuen und frößlich darin ! E

Auguste Viktoria, Deutscher Kaiser und König Deuts(e Kaiserin und Königin von Preußen. von Preußen.

Die Stiftungsurkunde auf Pergament in der deutschen Schrift des 15, Jahrhunderts von dem Maler Schoppmeyer auêëgeführt, mit Fnitialen in Goldrelief und reihem Ornament geschmüdt, wurde demnächst in den fkupfernen Kasten gelegt und dieser vom Kupfershmiedemeister Otto verlöthet. Dann jezte Steinmegzmeister Schilling den Schlußstein ein, welchen die Maurermeister Deutsh und Peters vermauerten. Seine Majestät stieg alsdann die Stufen herab und verschloß Aller- höhsteigenhändig den vermauerten Grundstein mit dem dar- gereihten Mörtel. Die Truppen präsentirten und die Musik spielte die Nationalhymne. Seine Majestät nahm darauf das Wort zu einer Ansprache, in welher Allerhöhfderselbe auf die unsterblihen Verdienste Seines großen Vorfahren und auf die unvergänglihe Liebe und Änhänglitßkeit des Volfs hinwies und das Wort des Hochseligen Kaisers: „Meinem Volke soll die Religion erhalten werden! mahnend ins Gedächtniß rief.

Darauf thaten Seine Majestät die drei Hammersthläge mit den Worten: „Jm Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“, Es folgten dann die drei Hammer- {läge Jhrer Majestät der Kaiserin, Jhrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin von Baden, der Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses und der übrigen anwe)enden Prinzen und Prinzessinnen, des Reichskanzlers, Generals der Jnfanterie von Caprivi, der General-Feldmarshälle Grafen von Moltke und Grafen von Blumenthal, des General Obersten von Pape, der Staats- Minister Dr. von Boetticher, von Maybach, Grafen von Zedliß- Trüßschler, des Präsidenten des Ober-Kirchenraths Dr. Bark- hausen, der fommandirenden Generale Freiherrn von Meerscheidt- Hüllessem und von Versen, des Ober-Präsidenten Dr. von Achenba, der General-Adjutanten des Hochseligen Kaisers Wil- helm I. der Commandeure der Leib-Regimenter des Hochseligen Kaisers, des Präsidenten des Konsistoriums D. Hegel, des General-Superintendenten Dr, D. Brückner, des Polizei- Präsidenten Freiherrn von Richthofen, des Regierungs: Präsi- denten Grafen Hue de Grais, des Polizei-Direktors von Saldern-Damerow, der Ober-:Bürge:meister Dr. von Forcken- beck und Fritsche, der Stadtverordneten: Vorsteher Dr. Stryck und Munckel, der Superintendenten Lange und Steinbach, der Kircherältesten und des Gemeindevertreters der Luisen- tirhe Amtmanns Preuße und Oberlehrers Dr. Hülsen, des Oberpfarrers Müller, des Ministers des Königlichen Hauses von Wedell, des Kaufmanns von Hardt und des Bauraths Schwechten. Während der Vollziehung der Hammerschläge spielte die Musik und die Artillerie gab 101 Kanonenshüsse ab. Darauf folgten ein Schlußgebet und Segen durch Propst Dr. D. Brückner und als Sÿthlußgesang der Gemeinde der erste und legte Vers des Chorals „Nun danket Alle Gott.“ Mit einem Parademarsch der Truppen auf dem Kurfürstendamm vor Seiner Majestät dem Kaiser und König, voran die sämmtlichen Fahnen, dann die Leib-Compagnie des 1. Garde-Regiments, die zufammengeseßten Truppentheile der Jnfanterie, Kavallerie und Artillerie, alle zu Fuß, endlih die bespannte Batterie, welche Salut geschossen Baîte, mit aufgesessenen Bedienungs- mannschaften, endigte gegen 4 Uhr die erhebende Feier.

Wilbelm,

_Der dienstthuende Kammerherr Jhrer Majestät der Kaiserin und Königin von dem Knesebeck hat einen Urlaub bis 4. April angetreten.

__ Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlih baye- rishe Ober-Regierungs-Rath Geiger ist von hier abgereist.

__Der Großherzogli badische Gesandte am hiesigen Aller- höhsten Hofe, Geheime Legations-Rath von Brauer hat einen kurzen Urlaub angetreten.

Der General-Lieutenant von Blume, Commandeur der 8. Division, ist mit kurzem Urlaub hier angekommen.

S. M. Sciffsjungen-Schulshiff „Nixe“, Kommandant Korvettcn-Kapitän Freiherr von Maltahn, is am 20. März in Port au Prince eingetroffen und beabsichtigt, am 28. nah Kingston (Famaica) in See zu gehen.

S. M. Kanonenboot „ZF[lt i s“, Kommandant Korvetten- Kapitän Ascher, „ist am 22, März in Foohow eingetroffen,

S. M. Aviso „Pfeil“, Kommandant Korvetten-:Kapit än Lavaud, ist am 22. März in Port Mahon (Jnsel Minorca) eingetroffen und beabsichtigt, am 24. die Reise nah Gibraltar fortzuseßen.

Lauenburg, 21. März. Fürst Bismarck wurde, wie „W. T. B.“ meldet, heute zum Abgeordneten des Lauenburg- schen Kreistages g?wählt.

__ P. Hannover, 20. März. Jn der Sißung des Be- zirks- Eisenbahnraths Hannovzr am 18. d. M. wurden die folgenden Anträge angenommen :

I. Antrag des Ausschusses. Einz Vers{melzung der IV. mit der TITL. Wagenklaffe szi unter der Voraussezuna unbederklih und zweckwäßig, daß die bisherige Lage der IV. Klafse-Reisenden bin- sidtli®& der Koften und der Beförderung ihrer Lasten 2c. nit ver- \ck&le{tert werde.

IT. Anträge des Svndikus Puls: 1) Der Bezirks - Eifen- babnrath befürwortet die Ordnung der Personentarife nad einem ein- faden und einbeitliden Syïtem unter der Maßgabe, daß in keinem Kalle eine Erböbung der heutigen Tarifsäßge eintrete. 2) Der Bezirks- Eisenbabnrath befürwortet die Aufbebung des Freigeräcks und die Ermäßigung des jezigen Gepäcksaßzes von 0,50 auf 0,25 F pro 10 kg und Kilometer. 3) Der Bezirks-Eisenbahnrath sprivt sib für eine durgreifende Ermäßigung der Perfonentarife auf Grund des ibm zur Begrtahtung überwiesenen Planes mit der Maßgabe aus, daß der Zuschlag zu den S&nellzügen in Wegfall kommt. 4) Der Bezirks- Eisenbahnrath billigt die Beseitigung der bisherigen Sonter- beaünftigungen für Rüdfabrt-, Rundreite-, Sommerkarten und der- gleiden unter der Voraussetzung, daß die bisherigen Vergünstigungen im Naßdbevzrkehr bestehen bleiben.

Sachsen. j

Dresden, 23. März. Seine Königlihe Hoheit der Prinz Mar if aus Anlaß der Universitätsferien am Sonn- abend von Leipzig hier eingetroffen und im Prinzlichen Palais abgetreten. :

Der Kriegs-Minister Graf von Fabrice is, wie „W. T. B.“ meldet, in Folge eines Abscesses im Halse er- krankt. Nah dem heute ausgegebenen ärztlihen Bulletin ist der Kräftezustand bei fünstliher Ernährung befriedigend und das Fieber mäßig.

ODefterreich-Ungarn.

Wien, 22. März. Der Kaiser hat, wie das „Armee- verorènungsblatt“ mittheilt, den Großfürsten Paul Alecxandrowitsch von Rußland zum Oberst-Fnhaber des 63, Fnfanterie - Regiments und den General - Genie- Inspektor Feldzeugmeister Freiherrn von Salis-Soglio zum Obverst-Fnhaber des 76. Fnfanterie-Regiments ernannt.

Dem gestern stattgehabten Leichenbegä ngniß des Generals Clam-Gallas wohnten der Kaiser, die Erz- berzöge Karl Ludwig, Albrecht und Wilhelm sowie das diplomatische Corps, darunter der deutshe Botschafter Prinz Reuß mit dem Personal der Botschaft, bei.

Bei der am Sonnabend stattgehabten Reihsrathswahl der Höchstbesteuerten Dalmatiens wurde Graf Bonda, der Kompromißkandidat der autonomistishen und der Serben- partei, neugewählt. Die Reichsrathswahlen sind hiermit voll- ständig beendet.

__In einer am 21. d. M. abgehaltenen dreistündigen Vo r- besprehung zwishen konservativen Abgeordneten nnd den Mitgliedern des bisherigen Liehtenstein- und des Hohenwartklubs soll eine vollständige Uebereinstimmung der Anshauungen erzielt worden sein, sodaß ein gemeinsames Vorgehen der bezeihneten Abgeordneten im Reichsrath mit Zuversicht zu erwarten sei.

Der „Presse“ zufolge sollen die deutsh-österreihischen Vertra gsverhandlungen am Montag wieder aufge- nommen werden,

_JJn dem Verwaltungsaus\chuß für die Komitats- Reform erkiärte der Minister-Präsident, einem Tele- gramm des „W. T. B.“ aus Pest zufolge, daß er,- wenn die gegenwärtige Vorlage von der Schaffung von Verwaltungs- gerihten abhängig gemaht werden jollte, dagegen feinen Einspruch erheben werde, noch andere Bedingungen aber niht zu ftellen bitte. Gegen die Entsendung eines Subcomités zur Regelung der Frage der Kompetenz- kreise habe er nichts einzuwenden, sei aug damit einverstanden, daß im Verwaltungsausshuß das Verhältniß der gewählten Mitglieder zu den ernannten Mitgliedern günstiger gestellt werde. Graf Apponyi erklärte: er sehe nah den Erklärungen des Minister-Präsidenten der Einzelberathung mit größerer Hoffnung entgegen, ais bei Beginn der Berathung.

Frankreich.

“Paris; 23. März. Jan der vorgestrigen Sizung des Ministerraths unterzeichnete der Präsident Carnot die Geseßtvorlage bezüglich der Zustimmung Frankreihs zu der Brüsseler Konvention vom 5. Juli 1890, sowie zu der Vorlage, betreffend die Gründung einer internationalen Vereinigung über die Veröffentlihung der Zollt arife.

Es verlautet nah dem „W. T. B.“ in Paris, der Kaiser von Rußland habe eine Verfügung, betreffend die Ver- leihung des Großfordons des Andreas-Ordens an den Präsidenten Carnot unterzeichnet. ,

Der „Temps“ und andere Blätter sprechen die Ueber- zeugung aus, der englische Premier Marquis von Salis - bury werde trog des Wideritandes der Neufundländer dem english-französishen Abkommen Geltung, ver- schaffen. Die „Liberté“ meint, wenn England die Neufund- länder dur Gewalt zur Anerkennung des Abkommens bringe, jet zu befürchten, daß fie si an die Vereinigten Staaten an- schließen würden, wodurch bei Canada die gleihen Wünsche wieder rege gemaht werden könnten.

An dem vorgestrigen Bankett im Elysée-Mont- martre nahmen gegen 360 Personen Theil, darunter zahl- reihe Senatoren und Deputirte. Die Ankunft Jules Ferry's, gegen den die Patriotenliga, wie es hieß, eine feindselige Demonstration beabsithtigte, blieb unbeobaÿtet. e seiner Rede führte Ferry aus: er glaube die

osmnung auf die Beständigkeit des Ministeriums aus- sprechen zu können, welche das Land wünsche und wodurch sih die früheren Parteien auflösen würden. Es würde dann eine _Verschmelzung der verschiedenen republifanishen Parteien stattfinden; er rihte deshalb eine Aufforderung an die republi- kanische Jugend, welche durchdrungen sei von den Jdeen poli- tischen und sozialen Fortschritts. Dieser Fortschritt sei untrennbar von der Ordnung. Die Jugend begreife, daß die Republik für

Frankrei nothwendig sei, um ihm die Ahtung in der Welt

und damit die Werthshäßung und Freundschaft zu sihern. Dazu sei eine freie Republik und dey freie Will zur Er-

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ng der Republik nothwendig. (Beifall) Ferry \{loß s Aeußerung: die dem Vaterlande geleisteten Dienste würden oft dur das Volk verkannt, aber was liege daran, wenn man nur Frankreih damit an einigen Punkten mehr Größe, mehr Licht und mehr Macht verleihe. Die Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen. Bei dem Banket ereignete si kein Zwischenfall. Die Freunde Ferry's jubelten ibm zu, als er den Wagen bestieg, was dur vereinzeltes Zischen beantwortet wurde. Vor dem Ausgange war eine aroße Anzahl Neugieriger versammelt. Fünf Personen, welche fi der Aufforderung zum Weitergehen widerseßten oder die

olizei-Agenten beleidigten, wurden verhaftet, jedoch nur drei davon in Haft gehalten. Um 11 Uhr hatte die ganze Gegend wieder ihr gewohzätes Aussehen. Die Patriotenliga hatte sh vollständig ferngehalten.

Das „Echo de Paris“ erfährt, General JFamont habe im Auftrage des Kriegs-Ministers die festen Plätze an der Ostgrenze eingehend besihtigt und in Luneville und Nancy Mobilisirungsversuhe vorgenommen, welche ergeben bätten, daß das 6. Corps vollständ:g kriegêbereit sei. Die Forts von Frouard, Castines und Malleton würden im Stande sein, in wetigen Stunden jeden feindlihen Angriff zu erwidern. i Fn der Deputirtenkammer brachte Labroufse vorgestern denAntrag ein: die Kammer möge die Regierung auffordern, den Zustand auf den Rennbahnen zeitweilig wiederherzu- stellen, wie derselbe vor dem 28. Februar bestanden habe. Die Kammer beschloß jedoh mit 312 gegen 199 Stimmen, die Diskussion über den Antrag Labroufsse einstweilen auszusetzen, und vertagte sih hierauf bis zum 27. April.

Jn der Budgetkommission sprahen am Sonnabend die Minister de Freycinet, Rouvier, Jules Rohe und Barbey sowie der Unter-Staatssekretär Etienne betreffs der Ergän- zungsfkredite. Freycinet äußerte sich über die Kredite für Dahomey und erklärte, die Kreditforderung habe erst nah den militärishen Operationen eingebracht werden können, denn man habe dort die Landeleute schüßen und Verstär- kungen entsenden müssen. Mehrere Mitglieder beklagten sih darüber, daß die Kammern sih nicht mit den Kreditforde- rungen befaßt hätten zu der Zeit, als die Operationen ein- geleitet wurden. Die Kommission überwies {ließli die Er- gänzungékredite an die Regierung zur neuerlichen Prüfung, weil gewisse Ausgaben ohne die Eröffnung des Kredits über- nommen wären und andere Kredite bei Festseßung des Budgets hätten vorheraesehen werden müssen. i

General Boulanger nimmt seinen ständigen Wohnsiß iur S und soll bereits ein Privathotel daselbst gemiethet Haben.

Jtalien.

Die Deputirtenkammer seßte am Sonnabend die Debatte über den abgeänderten Etat fort. Der Schat- Minister erklärte in längerer Rede: Das Defizit des laufen- den Finanzjahres würde sich auf ungefähr 70 Millionen Lire belaufen, das Defizit der Kategorie, Bewegung der Kapitalien, auf acht Millionen, die Shuld des Staatsschatzes auf 430 Millionen. Fn der Erbauung von Eisenbahnen auf Kredit sehe er eine Gefahr für die Finanzen des Königreichs, dur die bereits eingebrahien Anträge jedoch werde das Defizit niht nur vershwinden, fondern es werde noch ein fleiner Ueberschuß verbleiben, welcher die finanzielle Gebah- rung der Regierung erleihtern werde. Der Schaß-Minister besprach sodann ausführlich die Frage der Emissionsbanken, wobei er jedoch die Nüßlihkeit der Berathung, ob es eine oder mehrere derselben geben solle, aus\{chloß. Er halte die Beschränkung der Notenzirkulation der Banken und die genaue Bezeihnung der Befugnisse jeder einzelnen Bank für noth- wendig. Die Regierung sei darauf bedacht, für das Budget des nächsten Jahres noch andere Ersparnisse vorzuschlagen, um möglichen weiteren Ausfällen in den vorgeshäßten Einkünften zu begegnen; die leßteren dürften übrigens in Folge verschiedener ökonomischen Reformen, welche die Negierung in Verbindung mit den organischen Reformentwürfen vorschlagen werde, sih wieder heben. Der Minister kündigte sodann an, er werde den Provinzialdienst für die Staatsschuld- verwaltung den Banken anvertrauen, wodurch er eine Ersparniß von 1 500 000 Lire zu erzielen hoffe. Die Central- kasse der Staatsshuldverwaltung werde jedoh in den Händen des Staates verbleiben. Der Minister s{chloß: Die Kammer möge dur ihr zustimmendes Votum ihre Absicht, das Gleich: gewiht im Staatshaushalt wiederherzuftellen, bethätigen ; den Vortheil würde der Kredit des Landes davon haben. Crispi erklärte in persönliher Bemerkung die vorgeshlagenen Er- sparungen anzunehmen, indem er dem Kabinet die Verant- wortlihkeit für deren Anwendung überlasse. Er empfehle nur dem Minister-Präsidenten Rudini, die italienishen Schulen im Auslande aufrecht zu halten; eine Verminderung derselben würde einen Triumph des Vatikans bilden. Dem Kriegs- Minister empfehle er keine Umänderung der Gewehre im Heere vorzunehmen, denn das würde eine sehr große

ermehrang der Ausgaben und eine ernstlihe Umwälzung herbeiführen; man müsse ja daran denken, daß ein Krieg bald hereinbrehen fönne. Es würde daher ein ernst- licher Schaden fein, wenn eine Umänderung der Gewehre unternommen würde. Crispi vertheidigte alsdann seine An- fichten über die Finanzfrage der Banken, sowie seine Politik in Afrika und sein Verhalten gegen den Vatikan und {loß damit, daß er gegen das Kabinet stimmen werde. In Er- widerung auf den Vorwurf Crispi's, daß das Ministerium den Radikalen s{meihle oder mit ihnen übereinstimme, erklärte der Minister-Präfident di Rudini: Er habe niemals Je- mandem geschmeichelt und verstehe es auch nit ; aber er habe nit das Recht die Stimmen der Deputirten, auf welcher Seite ste au sizen mögen, zurückzuweisen. Den Verleumdern der Kirchenpolitik des Kabinets erwidere er, das Kabinet bleibe getreu dem Programm der Freiheit, wie es in den Geseßen des Staates abgegrenzt sei, welche er ernstlih und gewissenhaft U respektiren ersie: keine Konzessionen, keine Heraus: orderung, feine Verlegungen der bürgerlihen Gewalt. Der Minister-Präsident erklärte formell, daß die Maß- nahmen Betreffs der italienishen Schulen im Auslande keine Zugeständnisse für den Vatikan seien, vertheidigte alsdann die Erfahcungen bei den Ausgaben in Afrika, die si künftig auf sechs oder sieben Millionen belaufen würden, und sagte, man dürfe nicht Muthmaßungen über die Zukunft in Afrika anstellen, sondern sich so wenig wie möglich dort binden. Ex sowohl wie der Kriegs-Minister sei der Ansicht, daß man mit der angeseßten Summe das Dreieck Massovah- Keren - Asmara halten könne; sollte es unmöglich sein, fo würde er zur Kammer kommen, und diese sollte entscheiden;

aber niemals würde er bei der Lage des Budgets und der

internationalen Politik die Verantwortlichkeit auf sih nehmen,

das Land zu einer Ausgabe von 18 oder 20 Millionen zur

Erhaltung der Erythräischen Kolonie zu verpflichten. (Beifall.)

Alsdann wies der Redner nach, daß man mit 45 Millionen

Ersparnissen das Gleichgewicht des Budgets für 1891/92

herbeiführen könne; alsbald würden auch wirksame Maß-

nahmen zur Regelung des Defizits der Eisenbahnen vor-

geshlagen werden. Die Regierung könne nur nach der gegen-

wärtigen Debatte ein klares Vertrauensvotum verlangen. Wenn

die Führung des Kabinets die Billigung der Kammer zu ver-

dienen scheine, so werde es bleiben, wenn nicht, so werde es

seine Pflicht zu erfüllen wissen. (Beifall) Zanardelli

erklärte hierauf: Er werde gegen das Kabinet stimmen.

Im weiteren Verlauf der Debatte \sprahen noch mehrere

Redner theils geaen, theils für das Ministerium und ver-

anlaßten den Minister der öffentlißen Arbeiten, den

Kriegs-Minister sowie die Minister des Schatzes, der

Marine und der Justiz Erklärungen abzugeben.

Vachelli beschuldigte den Kultus - Minister, daß seine

kirhlihe Politik dem Vatikan gegenüber eine _will-

fährige sei. Der Kultus-Minister vertheidigt seine Politik und

erklärte: Er habe die feste Absicht, die Staatsgeseze nicht ver- leßen zu lassen. Bonghi sprach für das Ministerium und behaup;ete, die Opposition habe die kirchliche Frage in die Debatte bineingezogen, um aus derselben eine Waffe gegen das Ministerium zu shmieden. Die Rede Bonghi's wurde zum Sghluß von heftigem Lärm Seitens der Linken unterbrochen. Der frühere Schaß-Minister Giolitti vertheidigte seine Verwaltung. Er behauptete, die finanzielle Lage habe \ich jeit drei Fahren ständig gebessert, das Defizit sich von 170 Mil- lionen auf weniger als 70 Millionen herabgemindert, und nicht eine neue Ausgabe sei während der drei leßten Jahre in den Etat aufgenommen worden. Der Rednec erklärte, er und seine Freunde würden sih der Abstimmung enthalten, indem sie einer- seits auf bloße Versprehungen dafür zu stimmen nicht gesonnen seien, andererseits aber an einem Programm auch nit rütteln wollten, das so viele Hoffnungen ecwccke. (Beifall.) Auf vielfahe Schlußrufe bestimmte hierauf die Kammer den Sthluß der Debatte. Von den Abgg. Maggiorino und Ferraris war folgende Tagesordnung cingebraht worden, zu welcher das Kabinet die Vertrauens frage gestellt hatte : „Die Kammer spriht, nach Kenntnißnahme der Erklärungen der Regierung, dem Ministerium ihr Vertrauen aus und geht zur Tagesordnung über.“ Die Abstimmung durch Namensaufruf ergab die Annahme dieser Tagesordnung mit 256 gegen 96 Stimmen. 46 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Jn geheimer Abstimmung wurde alsdann mit 192 gegen 32 Stimmen das abgeänderte Budget für 1890/91 genehmigt. Hierauf vertagte sih die Kammer bis zum 14. April.

Die katholishen Zeitungen Roms veröffentlihten am Sonnabend ein Breve des Papstes, welches an die deutschen Centrumsführer Grafen Ballestrem und Preysing gerichtet ist und in dem der Papst dem verstorbenen Dr, Windthorst große Anerkennung zu Theil werden läßt. Der Papst sagt dem „W. T. B.“ zufolge, Windthorst habe bei der Führung der Centrumspartei hohe Tugenden an den Tag gelegt, habe die Kirhe und fein Vaterland geliebt und sei jederzeit ein treuer Unterthan seines Herrschers gewesen. Er rühmt seine Beredsamkeit in der Vertheidigung der Religion, erwähnt, daß er beshlossen hatte, ihm das Großkreuz des St. Gregor:-Ordens zu übersenden und hofft, daß nunmehr ihn Gott belohnt haben werde. Schließlich ermahnt der Papst die Centrumspartei, Windthorst's Bahnen auch fecner zu wandeln, indem sie einig bleibe zum Wohl und Ruhm des Vaterlandes und der Kirche.

Schweiz.

Der Bundes rath hat bei der Bunde3versamm lung be antragt: sie möge den mit einem Konsortium deutsher und \hweizerisher Finanzinstitute abgeschlossenen Vertrag, be- treffend den Ankauf von 50000 Centralbahnaktien, ge- nehmigen und den Bundesrath ermächtigen, die Centralbahn mit ihrem gesammten beweglichen und unbeweglichen Vermögen um den Preis zu erwerben, welcher der Uebernahme sämmtlicher Aktien zu den Bedingungen des genannten Vertrages entspricht. Pernex hat der Bundesrath beantragt, die geseßlichen Vor-

chriften, nah welhen kein Aktionär an der General-

versammlung mehr als den fünften Theil der vertretenen Stimmrechte in sih vereinigen darf, dahin abzuändern, daß diese Beschränkung des Stimmrehts auf Eisenbahn-Aktien, welche sih im Besiß des Bundes oder von Kantonen befinden, keine Anwendung finde.

Bei der gestrigen Ersaßwahl zum Nationalrath im Wahlkreise B ern hat kein Kandidat die absolute Mehrheit erhalten. Die sozialdemokratishen Stimmen weisen einen großen Zuwachs auf.

Aus Genf meidet „W. T. B.“: Bei Gelegenheit des Vortrags, den der frühere Hof- und Domprediger Stöcker aus Berlin in einem hiesigen Saale Sonntag Abend über die Berliner Stadtmission halten wollte, wurde derselbe hon bei seinem Erscheinen mit Lärmen empfangen. Nah dem Gebet und Gesang, der dem Vortrage voraufging, erfolgte erneut weiteres Lärmen, welches Stöcker am Reden hinderte. Als darauf die Polizei einschreiten wollte, kam es im Saale zu einer heftigen Shlägerei. Eine Anzahl der Lärmmacher wurde mit Gewalt aus dem Saale entfernt. Um Mitternacht wurden drei der Rädelsführer, und zwar zwei aus Württem- berg, einer aus Preußen, nachdem sie polizeilih verhört waren, ins Gefängniß abgeführt.

Luxemburg.

Luxemburg, 21. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog reiste heute Mittag zum Besuch der Erbgroß- herzogin Hilda nah Freiburg in Baden ab. Auf dem Bahn- steig hatte sih eine ansehnlihe Volksmenge versammelt, die den Landesfürsten ehrfurchtsvoll grüßte. Außer dem Eisen- bahnbetriebs - Direkter de Bary war der deutshe Minister- Resident Graf von Wallwigz zur Begrüßung am Bahnhof er- schienen. Die Herren vom Gefolge des Großherzogs reisen morgen direkt nah Frankfurt. Der Freiburger Aufenthalt des Groß- herzogs wird der „Lurb. Ztg.“ zufolge einige Tage dauern. Von Freiburg reist Seine Königlihe Hoheit nah Shloß Königstein, wo auch der Erbgroßherzog, der zur Zeit in Ungarn weilt, nähstens eintreffen wird. Die Großherzogliche Familie wird so vereint die Ostertage in Königstein verbringen. Sm Laufe des Monats April kehrt der Großherzog alsdann

nah der Residenz Luxemburg zurück,

Serbien. Belgrad, 21. März. Wie nach dem „W. T. B.“ ver- lautet, wird nig Milan Serbien nunmehr auf längere Zeit verlassen, um den Agitationen zu begegnen, welche fich an feine Anwesenheit knüpfen. Ferner wird die Uebersiedelung der Königin Natalie auf ihre Güter angekündigt, woselbst sie längeren Aufenihalt zu nehmen gedenke.

Bulgarien.

Dem Londoner „Standard“ wird aus Sofia gemeldet : die serbishe Regierung habe dieGrenzberichhtigungs- Verhandlungen mit Bulgarien kurz vor dem Abschluß derselben abgebrohen unter dem Vorgeben, das neue Kabinet wünsche erst die von dem vorigen Kabinet den Unterhändlern ertheilten Fnstruktionen zu prüfen.

Schweden und Norwegen.

(F) Stockholm, 20. März, König Oscar und

Prinz Eugen wohnten vorgestern Abend einer Vorstellung

im Cirkus bei, in welcher nur Personen aus den höchsten

Gesellschaftskreisen mitwirkten. Der Ertrag der Vorstellung ist für die Zwecke des Vereins zur Hebung des Ver- theidigungswesens bestimmt. Die „Post- och Jnr. Tidn.“ schreibt in dieser Veranlassung:

„Wenn ein Land während längerer Zeit eine friedliche Ruhe genossen hat, dann kann dessen Volk aus ganz natür- lihen Gründen leiht dahin kommen zu vergessen, daß es nicht immer so bleiben kann. Ganz gewiß fann eine Nation sich in Träume wiegen, wenn ihre stolzen Erinnerungen an frühere Großthaten und Fe!dzüge nach fremden Ländern lebhafter hervortreten, als die Erinnerung an Niederlagen und zerstörte Wohnsitze. Es ist erklärlih und vielleicht zu enishuldigen, wenn eine Nation die Gegenwart wegen der Vergangenheit vergißt; wenn ab:r Gleichgültigkeit hinzukommt und darauf gepocht wird, daß nur der großen Erinnerungen wegen diese Ruhe nicht gestört werden oder in Gefahr gerathen darf, dann ist es Zeit, daß die Nation er- wacht und, wenn sie es niht von selbst thut, zum Be- wußtsein erweckt wird, daß eine Gefahr im Anzuge sein kann. Geschieht dieses Erwecen erst, nachdem die Gefahr da ist, erst, nachdem die Heere des Feindes in das’ Land eingefallen sind, dann dürfte dieses Erwachen ganz sier zum rathlosen Ent- seßen des Ueberraschten werden. Und dann, wenn auch die entflammte Vaterlandsliebe viel ausrihten kann, vermag sie doch nicht Alles zu thun. Die Nation muß deshalb vor Aus- bruch der Gefahr zu der Einsicht kommen, daß die drohende Gefahr gebannt werden muß und kann. Bei uns haben \ich während der langen Friedensperiode, die unserem Lande ver- aönnt war, die Verhältnisse fo gestaltet, daß das Land ganz gewiß der kräftigen Ermahnungsworte bedurfte, die in erster Linie von dem Thron und der Regierung, aber auch von dem größten Theil der Zeitungspresse und besonders von dem Schwedischen Frauenverein und dem AlUgemeinen Vertheidigungsverein an die Bewohner des Landes gerichtet worden sind, Und daß diese Worte der Ermahnung nicht ungehört verklungen sind, das bezeugt die Strömung, die jeßt sihtlich durch das Land geht; es mag sein, daß diese Strömung noch hauptsächlich in den höheren und wohlhabenderen Gesellschaftsshihten zu Tage tritt, es ist aber doch zu hoffen, daß die Zeichen niht trügen werden, die darauf hindeuten, daß sie bald immer tiefer herunter zur ganzen Nation dringen wird. .. .“ :

In der Voraussezung der Annahme des von der Regie- rung dem Reichstage vorgelegten Dienstpflichtgeseßes, durch welches eine längere Uebungszeit für alle Waffengattungen eingeführt werden soll, hat der Kriegs-Minister beantragt, alle Ausgaben für die „Bewehrung“ (Landwehr) im «ahre 1892 wie folgt zu erhöhen : Marine-Regiment, Gothlands National- bewehrung, Hallands und Westernorrlands Bewehrung 344427 Kronen (33838 Kronen mehr, als im Budget berehnet), für die Waffenübungen der Bewehrung 2 193 000 Kronen (721 000 Kronen mehr), für das Departement der Armeeverwaltung im Allgemeinen 2 734 000 Kronen (330 000 Kronen mehr) für die Kommando-Uebungen der ein- getheilten Armee 4308 812 Kronen (100000 Kronen mehr), außerordentliÞh noch für Westernorrlandsbewehrung 38057 Kronen, ferner für die Artillerie 66 000 Kronen, für Jämtlands reitendes Jäger-Corps 130000 Kronen, für den Train 150 000 Kronen u. st. w. Den Mehrbedarf von 3812000 Kronen im nächsten Jahre s{chlägt die Regierung vor, auf folgende Weise zu decken: von dem Ueberschusse der Staats- einnahmen im Jahre 1890 werden 2 652 300 Kronen über- wiesen, Erhöhung der Bewilligung auf landwirthschaftliche Gebäude 660 000 Kronen und Erhöhung des berechneten Er- trages der Rübenzuckersteuer um 500 000 Kronen (statt 800 000 Kronen sind 1 300 000 Kronen in Ansatz zu bringen). Die Militärvorlazgen U. st. w. sind von beiden Kammern sogleich den ständigen Ausschüssen überwiesen worden. l

Jn Veranlassung des Gutachtens des Konstitutions- ausshusses über den Antrag, betreffend die Verleihung des Rechts an die Kammern, ihre Präsidenten selb zu wählen, beshloß die Erste Kammer, nur um die Er- nennung von zwei (ftatt jezt einem) Vize-:Präsidenten zu er- suchen, das Ernennungsreht des Königs aber bestehen zu lassen; die Zweite Kammer entschied sh nach längerer Ver- handlung mit 94 gegen 86 Stimmen dafür, dem König den Wunsch auszusprechen, künftig ihre Präsidenten selbst wählen zu dürfen.

Dänemark.

(F) Kopenhagen, 21. März. Jm Landsthing fand gestern die erste Lesung des Geseßentwurfs, betreffend die Herabseßung des Zolles und der inländischen Steuer auf Rübenzucker, fiatt. Der Finanz - Minister empfahl die Annahme des Geseßentwurss mit den von ihm beantragten Aenderungen; seine Bedingungen waren aber, daß die Bestimmung des S. 3, der von der Verwendung von Steuererträgen für die Altersversorgung Unbemittelter handelt, fortfällt, daß der Zoll auf Reis nicht auf- gehoben und daß . der Gesetzentwurf, betreffend die Einführung einer Biersteuer, noch in dieser Session vom Reichstage angenommen wird. Das Zucker- und das Biersteuergeses müßten gleichzeitig dem König zur Sanktion vorgelegt werden. Nach einiger Debatte wurde der Geseß- entwurf zur zweiten Lesung verwiesen; ein Antrag auf Ueber- weisung an einen Auss{chuß wurde mit 42 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Alsdann wurde der Geseßentwurf, betreffend die Einführung einer Biersteuer, mit den von dem Finanz- Minister gestellten Aenderungeanträgen in dritter Lesung mit 45 gegen 8 Stimmen angenommen. Der Geseßentwurf geht nunmehr zum Folkething. Beide Thinage werden wegen der

Wichtigkeit der Fertigstellung der hier in Frage stehenden Ge-