1891 / 72 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

15. April 1891 einzureihen. Außerdem haben die Bewerber durch Beibrinaung von schriftlihen Arbeiten, architektonishen Entwürfen, Zeihnungen nazuweisen, daß dieselben die zur Aufnahme monumentaler Bauwerke, auch in Bezug auf den figürlihen Eckchmudck, erforderlihe Vorübung besizen. Die Bewerber müssen einen wesentlihen Theil ihrer Ausbildung auf der früheren Bau-Afademie oder auf der Technischen Hohshule zu Berlin (Abtheilung für Architektur) erlangt haben und sich verpflichten, die Arbeit im Laufe dieses Sommers vorzunehmen und zu beendigen. Charlottenburg, den 19. März 1891. Der Rektor i der Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin. Reuleaux.

Nichkamkliches. Deutsches Rei.

Preußen Berlin, 24. Mär*.

SeincMajestät der Kaiser und König hörten heute Vormittag von 101/z bis 12 Uhr die regelmäßigen Marine- vorträge, arbeiteten von 12 bis 1 Ußr mit dem Chef des Militärkabinets und empfingen darauf den kommandirenden General des XVI. Armeekorps, General der Kavallerie Grafen von Haeseler. Alsdann nahmen Seine Majefiät zahlreiche militärishe Meldungen entgegen.

Heute Nachmittag trat der Bundesrath zu einer Plenar-

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fißung zusammen,

Die Nr. 175 der „National-Zeitung“ vom 15. d. M. (Morgen: Ausgabe) entbält unter dem Abî@nitt „aus dem Reih und den Provinzen“ einen Artikel aus Lands- berg a. W. vom 14 d. M., worin den Staatsbehörden, d. i. inébesondere der: Wasserbauverwaltung, der Vorwurf gemaht wird, daß ihrerseits nit das Mög- lihe geshchen wäre, um die von dem diesjährigen Hochwasser der Warthe und Netze bedrohten Bezirke frühzeitig zu warnen und worin insbesondere des Weiteren ausgeführt wird, daß in Folge einer nah Ablauf des Hoch- wassers im Jahre 1889 aus den betheiligten Bezirken der Warthe und Nete au an das Haus der Abgeordneten gerih- teten Petition zwar die Einrichtung eines HoWwafsermeldedienftes für Warthe urrd Neve angeordnet, die Warnung der gefährdeten Bezirke dagegen abgelehnt worden sei. Bei diesen Behaup- tungen wird indeß überschen, daß es den damaligen Petenten nit sowohl auf eine frühzeitige Warnung aller gefährdeten Bezirke, als vielmehr darauf ankam, in Verbindung mit einer folhen Warnung täglich über den Verlauf und die vorausësitliche Gestaltung der nächsten Zukunft unterrichtet gehalten zu werden. Zu derartigen Voraussagen konnte fsich die Verwaltung Mangels der erforderlihen Unterlagen und mit Rücksiht auf die große damit verbundene Verantwortlichkeit derzeit aller- dings nicht bereit finden lassen. Das Haus der Abgeordneten hat dem zugestimmt, indem es in der Sizung vom 7. Mai 1890 über jene Petition ohne Diskussion zur Tagesordnung überging. S

Jm Einzelnen wird dann in dem Artikel darüber geklagt, daß die täglichen Wasserstände während der kritishen Tage nit mindestens zweimal täglich gemeldet und veröffentlicht würden, daß nach den Vorschriften telegraphishe Mel- dungen aus dem Nezegebiet z. B. nur erfolgen follen, wenn was in den Jahren 1888 und 1889 nur je einmali ein- getreten sei das Wasser bei {on hohem Stande plößlich 30—50 cm sfteige, und daß, wenn dies niht der Fall sei, nur durch Postkarte gemeldet werden folle, daß in allen Fällen die Meldung des Wasserfiardes nur einmal tägli acht Ubr Morgens erfolgen solle und daß die Weiterverbreitung der Nachrichten fih darauf beschränke, daß das Wasserbauamt die Nathrilten der Polizeiverwaltung in Landsberg mittheile und diese nun die Nachrichten zweier Tage an einer Tafel anscreibe. L

Nach der Eiëgang- und Hohwasser-Meldeordnung für das Warthe- und Negzeflußgebiet des Regierungsbezirks Frankfurt a. O. vom 17. Februar 1890 werden nun aber, fobald si der Waferstand dem bekannten höchsten Wasserstande nähert oder sons Gefahr droht, d. i. also während der fritishen Tage, täglih nit blos zweimal, sondern dreimal (Morgens, Mittags und Abends) Meldungen erstattet. Aus dem Negegebiet erfolgen telegraphishe Meldungen nit bloß, wenn der vor- bezeihnete Fall eintritt, sondern und zwar Seitens des Stromaufsehers in Ush an den Regierungs-Präsidenken zu Frankfurt a. O. fobald Wachswasser von obenher an-

gemeldet ift, bei einem Wasse:stande von 1,70m an bis zum Eintritt nachbaltigen Fallens des Wassers und einem Pegel- stande von 2,20 m, ferner an den Brüctenwärter in Vordamm nd den Deichbkaupimann des Netebruch - Deichverbandes in Friedeberg N.-M., Seitens des Brückenwärters zu Vor damm an den Regierungs-Präfidenten zu Frankfurt a. O,, sobald Wachêswasser von obenher angemeldet ist, bei einem MWasserstande von 1,50 m an bis zum Pegelstande von 1,70 m und an die Wasser-Vauinspektion zu Landsberg a. W. unter der aleihen Voraussezung. Meldungen mittels Postkarte erfolgen aus dem Nezegebiete an die Wasserbauinspektion zu Landsberg a. W. und zwar von Usch aus nur bei einem Wasserstande ron 1,70 m an, wenn gleizeitig weiteres Wachsen des Wassers in Aussicht steht, von Vordamm aus nur bei einem Wasser- itande von 2 m an. Daß in allen Fällen die Meldung des Wafßerstandes nur einmal täglich Morgens 8 Uhr erfolgen joll, trifft nit zu, da, wie bereits erwähnt, in Zeiten der Gefahr Meldungen täglich auch Mittags und Abends zu erfiatten find. Hinsichtlih der Weiterverbreitung der an die Waßer-Bauinspektion zu Landsberg a. W. gelangenden Wasser- standêénatricten bestimmt die gedahte Meldeordnung, daß von der Wasser - Bauinspektion sämmtliche Nachrichten unge- säumt der Polizeiverwaliung zu Landsberg a. W. mitzutheilen find. Letztere hat die Nachrichten durch eine an bekannter Stelle angebraËte Tafel zu veröffentlihen, au der Redaktion der „Neumärkishen Zeitung“ sowie nah eigenem Ermeffen noH anderen Tageblättern und ferner auf Verlangen dem Landratheamt daselbst zu übermitteln. Von der Wasfser- Bauinspektion find die Nachrichten außerdem ebenfalls unge- säumt den sonst betheiligten Polizei-Verwaltungen, den Deich-

hauptleuten und mehreren anderen Behörden und Beamten mitzutheilen. Für thunlihste Weiterverbreitung der Nachrichten, inzbesondere dur öffentlichen Aushang, haben alle Empfangs- stationen Sorge zu tragen. - Die veröffentlihten Nachrichten entbehren hiernah nit des amtlihen Charak

Wenn am Schlusse des Artikels gesagt wird, daß auf ein an das Minisierium gerihtetes Gesu, zweimal tägli telegraphishe Berichte geben und veröffentlichen zu lassen, der Bescheid erfolgt fei: „Es könne dem niht entsprochen werden, weil dadurch leiht Zweifel und Unordnung im Hochwasserdienste entstehen könnten“, so entspriht dies nicht den thatsählicen Verhältnissen. Dem betreffenden Gesuhe hat vielmehr zur Zeit nicht enlsprochen werden können, weil selbstverftändlih während der Dauer der Hochwassergefahr eine Aenderung oder Ergänzung der bestehen- den Bestimmungen s{hon deshalb unterbleiben muß, weil dadur leiht Zweifel und Unordnung in dem Hochwa)er- dienste entstehen könnten, wobei es späterer Erwägung vor- behalten bleibt, ob die Hohwasser-Meldeordnung in der ge- wünschten Weise etwa zu ergüunzen feia möchte.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Kaiserlihe Unter- Staatssekretär im Ministerium für Elsaß-Lothringen von Schraut if hier angekommen.

Der Regierungs - Rath Krossa zu Liegniz is an die Königliche Regierung zu Wiesbaden verseßt worden.

Dem Regierungs-Assefsor Dr. Dyes zu S@&leswig ist die kommissarishe Verwaltung des Landrathzamts im Kreise Geestemünde, Regierungsbezirk Stade, übertragen worden.

Vayern.

München, 23. März. Seine Königlihe Hoheit der Prinz-Regent hat allen in Elsaß-Lothringen wohnen- den Bayern, welche die zu seinem 70. Geburtsfeste ihm gewidmete Huldigungsadreße unterschrieben haben, für die dadurch zum Ausdruck gebrachte Gesinnung der Treue und Anhänglitkeit an die bayerishez Heimath seinen Dank in einem an den Vorsizenden des Straßburger Fest- aueshufses gerihteten Handschreiben auëgesprohen, weiches nah der M. „Allg. Ztg.“ wie folgt lautet : :

München, den 18. März 1891. Hr. Miniftertal-Rath von Durfv! Der mwarmembfundene Glück- und Segenëwuns&@, welchen Mir zu Meinem Geburtsiagéfeste die in Elsaß-Lothringen lebenden Bayern in einer mit mehr als 1400 Untersriften bededten, berrlich aus8- gestatteten Abrefse zum Ausdruck traten, hat Mir erneut die Gewißheit geboten, daß die Liebe zur Heimath in ibnen mästig fortlebt. Jch danke für den Mi bot erfreuenden Alt oft be- währter Ergebenheit von Herzen und gebe Mich der Hoffnung bin, daß die anbängliSen Gesinnungen fi von den Eltern auf Kinder und Kindeëkinder vererben. Mögen fie alle ich immer als Bayern füblen, eingedenk, daß sie mitberufen find, den Ruf der bayerischen Treue und die Ghre des bayerischen Heimathlandes ju wahren.

Ich verbleibe mit huldvollen Gesinnungen Ihr sehr geneigter

Luitpold, Prinz von Bayern.

Sachsen.

Dresden, 24. März. Jn dem Zustande des erkrankten Kriegs-Ministecs Grafen von Fabrice ist dem „W. T. B.“ zufolge eine geringe Besserung eingetreten; die Shling- beschwerden haben etwas nacgelafsen.

Württemberg.

Stuttgart, 20. März. Die Kammer der Standes- herren hat in ihrer heutigen Sißung die von der Abge- ordnetenkammer aus dem Verwaltungsreform-Entwurf gestrihene Verleihung von Sig und Stimme im Gemeinde- rath an die Höchstbesteuerten in das Gese wieder einzustellen beshlossen. Diesem Beschluß ging eine längere Debatte voraus, die, nach dem Bericht der M. „Allg. Ztg.“, der Korreferent von Bäßner eröffnete. Er meinte, der Besthluß des anderen Hauses erscheine umsoweniger begreiflich, als es si bei der Forderung der Höchstbesteuerten doch nur um gutes Recht und um Billigkeit handle. Nah des Be- rihterstatters Freiherrn von Linden Ansicht wäre die Forderung nihts weniger als ein Privilegium. Der ver- storbene Vinister von Hölder, dem man gewiß nicht eine Vorliebe für Privilegien zushreiven konnte, habe das Recht der Hölhstbesteuerten in dem von ihm ausgearbeiteten Ver- waltungêreform - Entwurf noch weiter aefaßt und denselben auc eine entsprechende Vertretung in den Amtskörperschaften zu- gebilligt. Fürst von Hohenlobe- Langenburg wies es als Vorurtheil zurück, daß die Forderung der Höchstbesteuerten nur dazu bestimmt sei, die Vorrechte des Adels zu erweitern. Für die ländlichen Gemeinden sei es in ihrem eigenen Jnteresse gelegen, gebildete Elemente in den Gemeinderath zu bekommen. Nah- dem noch Minister von Shmid der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß fic eine Verständigung finden lassen werde, faßte man den schon erwähnten Beschluß. Es ist dies jedoch die einzige bedeutende Abweichung von den Beschlüssen des anderen Haujes, welhst¿n die Kammer der Standesherren sonst heute in einer ganzen Reihe von Artikeln zustimmte.

Vaden.

Karlsruhe, 23. März. Seine Majestät der Kaiser zeigte, dem „W. T. B.“ zufolge, Seiner Königlichen Hoheiten dem Großherzog in einem vom 22. März datirten Handschreiben an, daß Allerhöchstderselbe den Erbgroßherzog zum Chef des 113. Jnfanterie-:Regiments ernannt habe, als dessen Com- mandeur der Erbgroßherzog fich in so hohem Grade bewährt habe. Seine Majestät spreche die Ernennung an dem Tage aus, welcher der Erinnerung des hochseligen Kaisers Wilhelm I. geweiht sei, und welcher die innigen Beziehungen Seiner Majestät zu dem Großherzog und dem Großherzoglihen Hause in besonderer Weise hervortreten lasse, um dem Großherzoge einen erneuten Beweis wahrer Verehrung und Dankbarkeit zu geben.

Die gemäß landesherrliher Verordnung vom 29. Funi 1871 bièher vom Minifierium des FJnnern besorgten Geschäfte hinsichtlich der Erhaltung und Regulirung derLandes- grenze sind, wie das „Gesez- und Verordnungsbl.“ meldet, fortan der beim Staats-Ministerium bestehenden Abtheilung für Reichs- und auswärtige Angelegenheiten übertragen.

Meckcklenburg-Schwerin.

Schwerin, 23. März. Aus Cannes, 19. März, wird den „Meckl, Nachr.“ berihtet : „Na längerem regnerishen und stürmischen Wetter steht heutz, am Geburtstage Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, die Sonne wieder strahlend am Himmel und es ist ein warmer {öner Frühlings-

tag, der alle en mit Freude erfüllt. Nachdem {on gestern Abend zur eier in der Villa Wenden ein Diner mit nahfolgen- dem größeren Empfang vorangegangen, fand hzute Vormittag in dem Salon der Villa vor dem reich ges{müdckten Geburts- tagstish die Gratulation der hier anwesenden Mecklen Z darunter der Landrath Graf Bernstorff:Wedendorf und der Staatsrath von Bütow, statt.” Der Großherzog, wohl und fris, wie vor dem langen Kranksein der beiden leßten Fahre, hatte eine besondere Freude ax einemauëgezeihneten, fast lebensgroßen Bilde seiner erlauchten Großmutter, der Frau Großherzogin-Muitter, welches die hohe Frau ihm zum Eeschenk gemacht hatte. Den Sóluß der Geburtstagsfeier bildete eine vom s{önften Wetter begünstiate Fahrt nah dem weit in das Mittelmeer vorsprin- genden Cap d'Ant:bes und ein Frühstück dafelbf, an welhem Jhre Kaiserlichen Hoheiten die Großfürsten Michael und Peter von Rußland, Leßterer mit Gemaßlin, der Herzog von Leuchten- berg mit Gemahlin und Prinz Nikolaus von Nassau mit Familie, der Erbgroßherzog Friedrich Franz, die Prinzessinnen Alexandrine und Cäcilie, die hiefigen Meälenburger und ver- schiedene Mitglieder der Canner Gesellschaft theilnahmen. Eine große Anzabl aus Meckienburg eingegangener Briefe und Telegramme bezeugten dem Großherzog, daß auch in der fernen Heimath dieser Tag freudig und fesilich begangen worden ift.“ |

Seine Hoheit der Herzog Adolf Friedrih ift mit dem Prinzen-Gouverneur, Premier-Lieutenant von Eßel vor- gestern Morgen von Dreêden und Seine Hoheit der Herzog Friedrich Wilhelm am Abend desselben Tages von Kiel in Schwerin eingetroffen. Zu der morgen stattfindenden Kon - firmation Seiner Hoheit des Herzoas Heinrich werden an hotfürftlihen Personen h:ute Abend erwartet: Jhre Königlihe Hoheit die Herzogin Wilhelm, die Fürstlich reußischen Herrschaften und Jhre Durlauchten die Prinzessin Adolf von Schwarzburg-Rudolstadt neb| Prinzessin Tochter Thekla.

Oldenburg.

(H) Oldenburg, 21. März. Jhre Hoheit die Herzogin Friederike von Oldenburg, vermählt seit 1855 mit Maximilian Freiherrn von Washington, ist nach kurzer Krankheit gestern auf Schloß Pöls in Steiermark verschieden. Stadt und Land nehmen an der Trauer des Großherzoglihen Hofes den innigsten Antheil.

Anhalt.

Dessau, 23. März. JZhre Königliche Hoheit die Erb- großherzogin von Mecklenburg-Streliß is gestern Nachmittag bier eingetroffen und hat im Erbprinzlichen Palais Wohnung genommen. Am Abend traf Seine Hoheit der Prinz Eduard wieder hier ein.

Elsaß-Lothringen.

Straßburg, 21. März. Der vormalige Chef des Generalstabes des XV. Armee-Corps, General-Major von Bot und Polach if infolge seiner Beauftragung mit Wahrnehmung der Geschäfte eines Ober-Quartiermeisters von den Funktionen eines Mitgliedes des Staatsraths für Elsaß- Lothringen entbunden und an dessen Stelle der Oberst- Lieutenant, Chef des Generalstabes des XYŸV., Armee-Corps Jonas zum Mitgliede des Staatsraths auf die geseglihe Dauer von drei Jahren ernannt worden.

Oesterreich-Ungarn.

Wien, 23. März. Jm Schlosse Lainz in Nieder- Oesterreih werden gegenwärtig Vorbereitungen für einen längeren Aufenthalt des Kaisers und der Kaiserin getroffen. Nah Meldungen der Wiener Blätter werden die Kaiserlichen Herr- schaften das Schloß gegen Ende April oder Anfangs Mai beziehen. : A -

Wie die „Presse“ meldet, kommen in der morgigen Kon- ferenz der Delegirten für die österreihish-deutshen Handelsvertrags-Verhandlungen die s{webenden Hauptfragen noch niht zur Verhandlung

Die Konferenzen des ungarischen und des österreichishen Finanz-Ministers betrafen ein neues Punzirungsgefes für die Ausprägung von Kupfer-:Seidemünzen und die Restitu- tion der Biersteuer. Auch die Valuta-Regulirung bildete einen Gegenstand der Diekussion ; bindende Erklärungen hier- über wurden jedoh noch nicht ausgetauscht. E

Die Vorlage für die Reform der Verwaltung ift, wie aus Pest berihtet wird, heute von dem Ausschuß des ungarishen Unterhauses in der Generaldebatie ange- nommen worden. Ein Vertagungzantrag wurde abgelehnt.

Großbritannien und Frland.

Im Unterhause gab gestern der erfte Lord des Schaßes Smith die Erklärung ab: Lord Salisbury habe am Sonn- abend nah Neufundland telegraphirt, daß die zweite Lesung der Bill, betreffend die Erneuerung der Befugnifse der Krone zur Sicherung der Ausführung von Verträgen, erf am 16. April im Oberhause stattfinde, und daher genügend Zeit sei zur Erwägung etwaiger Vorshläge Neufundlands; die Bill sei jedoch nöthig, wenn Neufundland keine Maß- regeln ergreife, um die Beobahtung des Vertrages sowie des zeitweiligen Abkommens mit Frankreih zu fichern. Franfk- rei ch erfläre sih außer Stande, über Abtretung irgend welcher Rechte zu verhandeln, bis der Umfang dieser Rechte autoritativ fesigestellt wäre. i j

Der Präsident des Handelzamts Hicks Beach erklärte im Verlauf der Sigzung: Er halte es für unthunlih, die Handelsverträge mit Belgien und Deutschland zu dem weck zu kündigen, daß diejenigen Ar- tikel der Berträge gestrihen werden könnten, welche Differentialtarife gegenüber fremden Ländern verhinderten, denn die Kündigung würde zu einer Revifion der Handels- verträge führen, bei welder die großen Vortheile, die England dur die Verträge genöfse, gefährdet" seien. ;

Parnell hat nunmehr thatsächlich den Wettkampf mit Healy um die Gunst der Wähler von Cork aufgenommen und dem Deputirten Colonel Nolan, dem Einpeitsher der parnellitishen' Partei, seine Mandats-Nied-rlegung übersandt mit dem Er- suchen, dieselbe dem Parlament vorzulegen, sobald von Seiten Healy's dasselbe geshehe. Wie „W. T. B.“ meldet griff ein! Anhänger Parnell’s gestern den Deputirten Timo Healy in dessen Wohnung in Cork thätlich an u zertrümmerte dabei dur einen heftigen Sélag das von Y getragene Augenglas. Wie es heißt, wären Healy's Augen verlest und die Sehkraft gefährdet,

Der Hauptzweck der Anwesenheit des Premier-Ministers

der Capkfolonie Rhodes in London soll nah der „P. C.“ ewesen sein, die maßgebenden Kreise für die Durch-

hrung eines Planes zu gewinnen, welcher einerseits ein Besteuerungsfysiem zu Gunsten der Marine des britishen Reihs, andererseits eine handels- politishe Union zwishen dem Mutterlande und den Kolonien zum Gegenstande hat. Diesem Plan zufolge soll der Handel zwishen allen zum großbritannishen Reih ge- hörigen Ländern frei sein und jede einzelne Kolonie das Recht besißen, einen Shußzoll auf Produkte zu legen, welche aus einem dieser Union nicht zugehörigen Lande eingeführt würden. Ueberdies soll für derartige Waaren noch eine Sciffsgebühr ausgeshrieben werden, welche zwei Prozent vom Werth be- tragen und einem Fonds für die Bedeckung der Kosten der Reihsmarine zugewiesen werden soll. Dieser Gedanke, der allerdings zu jeiner Verwirklihung langer Zeit und vieler Verhandlungen bedürfen werde, sei troßdem von den an der Spitze der Staatsgeschäfte ftehenden Persönlichkeiten sowie von den Vertretern der Kolonien mit großem Eifer aufgegriffen worden, und es habe sch{ in England bereits zur Durch- führung des Projekts eine „Handelspolitishe Liga für das gesammte Reih“ gebildet.

Der bisherige General - Konsul in Sansibar, General Euan Smith isst an Stelle des verstorbenen Sir Kirby Green zum britishen Gefandten in Marocco ernannt worden. s

Der portugiesishe Oberst Graf Paiva d’Andrade, M. de Clamby und Baron Joas de Rezende haben, wie die „Köln, Ztg.“ mittheilt, bei den Londoner Gerichten eine Klage wegen gejeßwidriger Verhaftung gegen die Britische Süd-Afrika- Gejellschaft anhängig gemaht. Die Herren beanspruchen 200 000 L. Schadenersas.

Frankreich.

Paris, 23. März. Die Kommission der Deputirten- kammer zur Vorberathung der Rennwetten-Vorlage hat jeßt den Text der leßten Artikel festgeseßt; darnach sollen alle Wetten, mit Ausnahme der Wetten am Totalisator, verboten werden. Der Berichterstatter wird den Bericht während der Ferien abfassen. Die Kommisfion bes{loß, alle Genera l- räthe in der Aprilsession um Aeußerung ihrer Anficht Be- ireffs der Rennen zu ersuchen.

Nah einem Pariser Telegramm des „Dep.-B. Herold“ beabsi&tigie die französische Regierung, die auf Schloß Prangins bei Genf, dem ehemalgen Wohnsiß des Prinzen Jérôme Na- poleon, befindlichen Pa piere gerichtlich in Beshlag nehmen zu lassen. Die Regierung erhebe einen Anspruch au? diese Papiere, da der Prinz hohe amtlihe Stellungen in. Frankreih bekleidet habe. Jn der nälhsten Sißzung des Ministerraths solle über die Frage entschieden werden.

Rußland und Polen.

Der Großfürst-Thronfolger is am 20, d. M. wohlbehalten in Bangkok eingetroffen.

Das mehrfach erwähnte Projekt eines Geseßes zum Schutze des Bauernlandes liegt, dem „Den“ zufolge, nunmehr dem Reichsrath vor. Wenn das Projekt bestätigt werden folite, so dürften, wie das genannte Blatt meint, den Bauern hundert Millionen Defsjatinen zugesichert bleiben.

__ In den Departements des Reichsraths für Staats- wirthschaft, Gesezgebung und Kodifikation wird gegenwärtig, wie die „St. Pet. Wed.“ zu melden wissen, der Entwurf eines Gefeßes über die Reorganisation der ritter- schaftlihen Korporationen der Gouvernements des baltishen Gebiets berathen. Die Geltung der für den Adel in den übrigen Gouvernements bestehenden Geseßzes- bestimmungen wird dem genannten Blatte zufolge mit Ein- führung der allgemeinen Reihssprache in die Geschäfts- führung der Adelsinstitutionen auf die baltische Ritterschaft ausgedehnt werden.

Jtalien.

Die Urtheile der Blätter über das Votum der Kammer gehen im Allgemeinen dahin, daß die Kammer dem Mi- nisterium Zeit geben wolle, sein Programm auszuführen. Nah dem,, Don Chisciotte“ bedeute die Abstimmung, daß Kammer und Land eine neue Politik fordern und daß Crispi definitiv beseitigt sei. Das Blatt sagt, jeßi müsse das Ministerium das Vertrauen der äußersten Linken, welche jeßt ihre Aktions- freiheit wiedergewinne, rechtfertigen. Die Oppositionsblätter erkennen an, daß das Resultat, der Abstimmung ihre Erwar- tungen übertroffen habe.

__ Gegenüber den verschiedenartigen Darstellungen über die Vorgänge, die fich zwishen dem verstorbenen Prinzen Jérôme Napoleon und seinem Sohne, dem Prinzen Victor, in der lezten Zeit abgespielt haben, gehen der „„Pol. Corr.“ aus Rom vom 15. März folgende Mit- theilungen zu : Eine thatsächliche formelle Aussöhnung zwischen dem Prinzen Jérôme und seinem Sohne habe nicht stattgefunden. Der erstere habe die an ihn in dieser Beziehung wiederholt gestellten Zumuthungen beharrlih abgelehnt, und es sei völlig richtig, daß Prinz Victor, als er vor ungefähr einer Woche das Krankenzimmer jeines Vaters betreten, pon diesem mit sehr heftigen Worten hinausgewiesen worden sei. Die Be- mühungen, den Prinzen Jérôme milder zu stimmen, seien aber nichtsdestoweniger lorigelent worden. Zwei Tage vor dem Tode des Prinzen habe Kardinal Mermillod mit ihm über diesen Gegenstand ein längeres Gespräch gehabt, welches von einem gewissen Erfolg begleitet gewesen sei. Nach diesem Gespräch habe sich Prinz Victor, vom Kardinal hierzu aufge- fordert, in das Gemah seines Vaters begeben, wo der Kirchen- fürst die Hände der beiden Prinzen in einander gelegt habe. v Sit Händedruck habe Prinz Victor wieder das Zimmer verla}jsen.

Wie die „Tribuna“ unter Vorbehalt meldet, hätte si König Menelik niht damit begnügt, die Jaterpretation des italienisch-äthiopischen Vertrages Seitens des Grafen Antonelli zu bestreiten, sondern auch den Grafen Antonelli und andere in seinem Gebiet wohnende JZtaliener in sehr harter Weise behandelt und sie ge- zwungen, das Land in aller Eile unter Zurüdcklafsung threr Habseligkeiten zu verlassen. Auch aus Harrar hätten alle Ztaliener auswandern müssen. „Fanfulla“ erklärt hin- gegen alle Gerüchte von einem offenen Bruch zwischen Ftalien Und dem König Menelik für völlig unbegründet. Auch die „DVpinione“ mahnt zu großer Vorsicht gegenüber den darüber verbreiteten Gerüchten.

Portugal. 1 Die Gerüchte von einem bevorstehenden Minister- wechsel treten, wie es in einem Telegramm des „W. T. B.“

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aus Lissabon von gestern heißt, nunmehr bestimmter auf. Man nennt bereits Martens Ferrao als voraussihtlichen Minister-Präfidenten in dem zukünftigen Kabinet. Jn halb- E Kreisen dagegen werden diese Gerüchte als verfrüht ezeihnet.

__ Das Militärgericht in Oporto verurtheilte gestern die Hauptshuldigen an dem Aufstande vom 31. Januar zu Zellengefängniß von vier Jahren mit darauf folgender Deportation nah Afrika und bis zu 18 Monaten Zuchthaus. Von Militärpersonen wurden 266 verurtheilt und 240 frei- gesprochen ; von Civilpersonen 7 verurtheilt und 15 frei- gesprochen.

Die Verhandlungen zwishen Portugal und dem Congostaat über die Zugehörigkoit des Lunda-Reiches (genannt Land des Muata-Yamwo), öftlih vom Kuanga, gehen nicht so leiht von Statten, als man sich dachte. Der belgische Delegirte de Cuvelier, General-Sekretär im Brüßseler Aus- wärtigen Ministerium, isst vor einigen Tagen nah Brüffel gegangen, um neue Weisungen einzuholen. Man glaubt, daß er in dieser Wohe nach Lissabon zurückehren werde, damit die Verhandlungen fortgeseßt werden können.

Niederlande.

Der Marine-Minister hat nach einem für ihn un- günstig lautenden Votum der Zweiten Kammer der

Königin-Regentin sein Portefeuille zur Verfügung ge- Ueber die betreffende Kammerverhandlung entnehmen „Köln. Ztg.“ aus Amsterdam

stellt. wir einem Bericht der Folgendes :

Am 19. d. M: kam es in der Zweiten Kammer zu äußerst ftürmishen Scenen, wie fie in der Veschite des biesigen Parlamen- tarismus nicht oft vorgekommen find. Der Abg. Land, ein See- offizier, war bei der leßten Beförderung übergangen worden und auf eine Anfrage in der Erften Kammer antwortete der Marine- Minister Dyserinck, daß der genannte Offizier wegen Un- fähigkeit fi niht dazu eigne, in eine böbere Stellung auf- zurüden, Der Lieutenant zur See erster Klasse Land gilt aber bier zu Lande als einer der ausgezei{netsten Marine-Offiziere, der dem Staat in Indien wichtige Dienste geleistet hat, mit dem Militär-Willems-Orden geschmüdckt ist und gerade wegen seiner bervor- ragenden Fähigkeiten von dem Wahlbezirk Helder, in welhem sehr viele Marine-Dffiziere wohnen, in die Kammzr gewählt wurde, damit au die Marine durch eine gewihtige Autorität vertreten sei. Bei der Behandlung der Interpellation über die Nichttbeförderung ftellte Dyserinck fest, daß die Thätigkeit Lands in der Kammer in keinem Verband mit seiner Zurücksezung stehe, aber die Frage, ob die vubliziftisWe Wirksamkeit Land's dabei eine Rolle ge!pielt, blieb unbeantwortet. Schließlih bemerkte der Minister, Hr. Land könne troßdem weiter dienen und man könne dann in der Folge seben, was noch zu machen sei. Die liberalen Abgeordneten verlangten beharrlich weitere Aufklärungen, sodaß einer derselben unter lautem Protest am Weitersprehen verhindert wurde. Eine scharfe, die Handlung des Ministers verurtheilende Tagesordnung wurde zwar verworfen und eine fol{e in abaesGwächterer Form an- genommen, allein der anwesende Kabinets-Chef, Baron Matckay, konnte erst nach mehrmaligem Andrange dazu veranlaßt werden, für seinen Kollegen einzutreten.

Der Bericht der Kommission der Zweiten Kammer über den Geseßentwurf, betreffend die neue Heeresorgani- sation, fowie die Antwort der Regierung sind jeßt aus- gegeben worden. Jn leßterer hält das Ministerium die haupt- jächlihsten Grundlagen, wie obligatorishe Dienstpflicht, Kontingentziffer und die zugelassenen Exemptionen, aufrecht. Die erforderlihen Mittel für die Organisation sollen eventuell durch eine Anleihe aufgebraht werden.

Der „Mgdb. Ztg.“ zufolge hat in Atjeh (Niederländisch Indien) ein neuer Kampf stattgefunden. Die Aufständischen überfielen zwei Dörfer; ein Hauptmann und vier Soldat:n wurden getödtet.

Belgien.

Der König ist am Sonntag von London nach Brüssel zurückgekehrt. Wie die dortige „Chronique“ meldet, hätte der König unmittelbar nah seiner Ankunft einen Ministerrath zusammenberufen und darin mitgetheilt: es fei unumgänglich nothwendig, eine Revision der Verfassung in Angriff zu nehmen. Der König habe hinzugefügt, er sei Angesihts der im Lande herrschenden Agitation bereit, ein Dekret über die Auflösung der Kammern zu erlassen.

Das „Journal de Bruxelles“ Hebt dem „Journal des Débats“ und der „Times“ gegenüber hervor, daß der Congostaat in keiner Weise dem Berliner Vertrage zuwiderhandle, diesen vielmehr mit Opfern zur Aus- führung bringe. Der Congostaat sei unter allen Staats- wesen Afrika's der einzige, der mit bewaffneter Hand gegen die Sklavenhändler auf dem Sankuru und dem Aruwimi vorgehe und große Lager und Plätze anlege, um den Sklavenhandel zu bekämpfen. Die Expedition van de Kerckhove's habe den einzigen Zweck, im Norden O ein neues Bollwerk gegen die Sklaverei zu

affen.

__Da das internationale Bureau für Veröffent- lihung der Zolltarife mit dem 1. April in Thätigkeit tritt, so wird nah einer Bekanntmahung im „Moniteur“ dieser von jenem Tage an aufhören, die auswärtigen Zoll- tarife zu veröffentlihen. Diese werden dann in einem befon- deren Blatte unter dem Titel: „Bulletin international des douanes“ monatli ein oder mehrere Male erscheinen, und war in deutscher, englischer, französischer, italienisher und LantisGer Sprache, und bilden für jede Sprache eine Sonder- ausgabe.

Griechenland.

Die Kaiserin Elisabeth von Desterreih ift, dem „W. T. B.“ zufolge, begleitet von dem Erzherzog Franz Salvator und der Erzherzogin Marie Valerie, gestern Nach- mittag mit dem Personenzuge von Korinth in Athen einge- troffen und hat noch am Abend der Königlichen Familie einen Besuch abgestattet.

Rumänien.

Bukarest, 22. März. Bei der gestrigen Ergänzungs-

wahl zum Senat enthielten fich die Konservativen der Ab-

stimmung. Demeter Bratiano (liberal) wurde als einziger Kandidat gewählt.

Entscheidungen des Reichsgerichts,

Die Verjährung einer intellektuellen Urkunden- fälschung (des vorsäglihen Bewirkens einer falschen Beurkundung in öffentlihen Urkunden, Büchern oder Regiftern, §, 271 Str.-G,-B.)

beginnt, na einem Urtheil des Reisgerichts, IT. Straffenats, vom 5, Dezember 1890, nicht mit dem Tage, an welchem die Angaben,

welche die falsche Beurkundung bewirkt haben, gemaht worden, son- dern mit dem Tage der unrihtigen Beurkundung, und wenn mehrere auf einanderfolgende Beurkundungen erfolgt sind, mit dem Tage der leßten Beurkundung.

____— In Bezug auf Art. 350 des Handelsgesezbuchs: „Die Be- stimmungen der Art. 347 und 349 (über das Erforderniß der Mängel- rüge und die Rügefrift) können von dem Verkäufer im Falle eines Betruges nicht geltend gemacht werden“ hat das Reichsgeriht, IIT. Civilsenat, dur Urtheil vom 19. Dezember 1890 ausgesprowen : Ein Betrug fett ein auf Täuschung berehnetes Verhalten des Ver- fäufers oder do das Bewußtsein desselben voraus, daß die Waare für den Käufer wegen ihrer Mängel unannehmbar fei.

Land- und Forstwirthschaft.

Maikäferschaden.

Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten hat den Königlichen Regierungen eine Anzahl von Exemplaren von einem Reifeberiht des Herrn Forstmeisters Feddersen zu Marienwerder vom 9. Dezember v, Is. und ebensoviele - von -dessen Denkschrift: „Die Kiefer und der Maikäfer“, auf welche in dem Berichte wiederholt Bezug genommen ift, mit dem Auftrage zugehen lassen, jedem der etats- mäßigen Regierungs - Forftbeamten und jedem Oberförster je ein Exemplar zuzustellen. Zugleich hat der Minister im Anschluß hieran durch Runderlaß angeordnet, daß, soweit erhebli®e Maikäfershäden in den Waldungen vorkommen, erwogen werden sol, ob und in wel- chem Umfange etwa die von Hrn. Feddersen empfohlenen Vertilgungs- und Vorbeugungsmittel in Anwendung zu bringen sind. Insbesondere kommt in Frage, ob mit dem Sammeln von Käfern und Larven und dem Schweineeirtrieb vorzugehen und bei der Anordnung des Hiebes und der Kulturen einfch{ließlich der Nabbefserungen auf die durh den Maikäfer drohende Gefahr an fh uno namentli auf dessen Flugjahre Rücksicht zu nehmen sein wird. Ebenso wird empfohlen, die Sicherung gefährdeter Kulturen durch Zuk ülfenahme des Anbaues von Lupinen in Erwägung zu nehmen. Der Minister erklärt ferner, daß es kein Bedenken findet, den Eintrieb von Shweinen in den Wald durch Gewährung von Vergütungen an die Besizer der Schweine oder an die Hirten zu fördern. Schließlich betont er, daß es von besonderem Interesse ist, festzustellen, in wie weit bei dem Maikäferfraße Melolontha vulgaris und Melolontha hippocastani betheiligt sind, und wie die Hauptflugjahre beider Arten sich ge- stalten. Binnen zwei Jahren soll über die etwa nöthig gewordenen Maßregeln, über deren Erfolg und die sonstigen über den Gegenstand gemahten Beobachtungen Bericht erstattet werden.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs» Maßregeln.

Portugal.

Dur eine im „Diario do Governo* vom 11. März 1891 veröffentlihte Verfügung des Königlich portugiesishen Ministeriums des Innern find die Häfen Syrien s für seit dem 3. Februar „rein“ von Cholera erklärt worden. (Vergl. „R.-A.*“ Nr. 57 vom 6. März

1891.) Australien.

_ Durch Bekanntmachung des Gouverneurs zu Sydney vom 27. Januar 1891 sind Schiffe, welhe von Central- oder Süd- Amerika kommen oder einen Hafen der gedahten Länder berührt bezw. Passagiere oder Ladung von da an Bord haben, in Folge der angeblih in Guatemala herrs{chenden Pocken-Krankheit bei Ankunft in der Kolonie Neu-Süd-Wales der Quarantäne unterworfen.

Der Gesundheitszustand in Berlin zeigte in der Woche vom 8. bis 14. März fast das gleihe Verhältniß wie in der Vor- woche und auch die Sterblichkeit blieb nahezu dieselbe, mäßig hohe (von je 1000 Einwohnern starben, aufs Jahr berechnet, 20,9). Das Vorkommen von akuten Darmfrankheiten erfuhr eine weitere Ab- nahme, sodaß auf diese Krankheitsformen nur noch 68 Opfer gegen 838 der Vorwoche entfielen. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war gleihfalls eine geringere, von je 10 000 Ein- wohnern starben, aufs Jahr berechnet, 77 Säuglinge. Dagegen kamen akute Entzündungen der Athmungsorgane etwas seltener zum Vor- hein, obwohl sie in einer etwas größeren Zahl von Fällen tödtlich endeten. Das Auftreten der Jnfektionskrankheiten zeigte meist ein ähnliches Verhalten wie in der vorhergegangenen Woche. Erkrankungen an ivphösen Fiebern, an Masern und Scharlach blieben în beschränkter Zahl, und wurden aus keinem Stadttheile in hervorragender Menge gemeldet. Erfrankungen an Diphtherie gelangten, besonders aus der jenseitigen Luisenstadt und aus der Oranienburger Vorstadt, häufiger zur Anzeige. Eine weitere Erkrankung an Pocken ift nicht bekannt geworden. Er- krankungen an Kindbettfieber kamen 4 zur Anmeldung. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut kamen häufiger zur ärztlihen Beobachtung. Zahlreiher wurden auch Erkrankungen an Keuchhusten zur Behandlung gebracht, die Zahl der durch denselben bedingten Sterbefälle stieg auf 14. Rheumatishe Beschwerden aller Art zeigten im Vergleih zur Vorwoche keine wesentlihe Veränderung in ihrem

Vorkommen. Verkehrs-Anstalten.

Hamburg, 23. März. (W. T. B) Der Vofstdamvfer „Russia“ der Hamburg-Amerikanishen Padcketfahrt- Aktiengesellschaft is, von Hamburg kommend, beute früß in New- Y ork eingetroffen.

24, März. (W. T. B.) Der Postdampfer der Hamburg - Amerikanishen Padcketfabrt - gesellschaft ist, von New-York kommend, beute 2 Uhr V auf der Elbe eingetroffen.

Wien, 23. März. (W. T. B) Vom 15. April an gelangt für den direkten Personen- und Gepäckverkebr zwischen den Stationen der Ferdinand-Nordbahn und der Warshaus- Wiener Bahn über Granica ein neuer Tarif zur Einfübrung, wodur für die Nordbabnlinien die ermäßigten Fahrpreise des Zonen- tarifs in Kraft treten.

London, 23. Mäcz. (W. T. B.) Der Union-Dampfer „German“ ift gestern auf der Ausreise, der Union-Dampfer „Dane“ beute auf der Heimreise in Soutbampton angekommen, der Union-Dampfer „Spartan® ifff heute auf der Ausreife von Lissabon abgegangen.

Der Caftle-Dampfer „Durobian Castle“ hat am Sonnabend auf der Ausreise die Canarischen Infeln passirt.

Theater und Musik.

Deutsches Theater. Das Revertoire für die Osterfeiertage ist folgendermaßen fest- gestellt: Am Sonntag, 29., wird „Faust“, I. Theil, am Montag, 30., „Die Kinder der Excellenz“, und am Dienstag, 31, „Faust's Tod“

gegeben.

Berliner Theater. Der Billetvorverkauf für die beiden Osterfeiertage beginnt bereits am Donnerstag Vormittag; ebenfo findet der Billetverkauf für die an beiden Feiertagen stattfindenden Nachmittagsvorstelungen bereits jetzt stati. Am Charfreitag bleibt das Theater und die Kasse ge- \{lofsen. Die 29, Abonnementsvorstellung findet diesmal Donnerstag,

26. März ftatt. Wallner-Theater.

In Anbetra®§t der unverminderten Zugkraft von „Miß Helyett“ hat Hr. Kommissions-Rath Hasemann die Reise nah Wien nicht gescheut, um füc das als nädste Novität angenommene vhan- tastishe Singsbiel : „Des Teufels Weib“ einen Auf\chub des vertrags- mäßig festgesezten Aufführungstermins zu erwirken; doch war eine Konzession zu Gunsten der „Miß Helyett“ nit zu erlangen, "daher kann dieses reizende Vaudeville nur noch bis zum Ablauf der nächsten

Woche auf dem Repertoire verbleiben,